Wonder Woman

Wonder Woman: die 10 besten Comics (Buchtipps, Lesereihenfolge, Empfehlungen)

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Batman und Superman haben seit 50 Jahren immer wieder neue TV-Serien und Kinofilme. Ihre Städte, Gegner, Liebes- und Vorgeschichten sind bekannt. Wonder Woman (1941) ist fast genauso alt – doch wieder und wieder wird ihr Hintergrund verändert: eine tolle Figur – der oft die tollen Autor*innen fehlen.

Hier sind meine persönlichen Empfehlungen: lesenswerte Comics – für Einsteiger und Fans.

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01 – DC Helden

Superman Batman DC Helden

[Link] …von Paul Dini, Zeichnungen (nein: Gemälde!) von Alex Ross:

Fünf großformatige, kurze, bildlastige Helden-Portraits als wunderbarer Sammelband. Je eine – recht menschliche, gefühlvolle – Begegnung mit Superman, Batman, Wonder Woman, Captain Marvel/Shazam, dazu ein Abenteuer der Justice League und eine Handvoll weiterer Helden-Kurzbiografien. Ein Bilderbuch. Ein Coffee Table Book. Ein Buch zum Kennenlernen, Verschenken – und Staunen. [Hier die US-Ausgabe.]

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02 – Trinity

superman batman trinity

[Link] …von Matt Wagner:

Eine recht kurze, etwas simple/kindische Geschichte über die ersten Begegnungen von Superman, Wonder Woman und Batman. 50er-Jahre-Atmosphäre – charmant, für Kinder und Kindsköpfe. Im Gegensatz zu Tipp 1 kein Buch, für das ich viel Geld ausgeben würde. Im selben Stil, sehr lesenswert; aber mit einer recht kleinen Rolle für Wonder Woman: „The New Frontier“ von Darwyn Cooke.

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03 – A League of One / The Hiketeia

[Link] …von Christopher Moeller

Ein charmantes Kinder- und Märchenbuch über Wonder Womans Versuch, eine unterirdische Zivilisation vor einem Drachen zu retten: kindlich, harmlos, kurz und recht naiv… aber toll zum Vorlesen oder als Gute-Nacht-Lektüre, macht Lust auf die Figur. Etwas erwachsener, aber genauso schnell gelesen: „The Hiketeia“, eine Kurzgeschichte, in der Batman und Wonder Woman in Gotham City kämpfen. „The Hiketeia“ ist die Eröffnung eines viel längeren, komplexeren Wonder-Woman-Epos von Autor Greg Rucka, das ich sehr mag. Doch für sich allein funktioniert das Buch gut als… Häppchen zum Kennenlernen. [Link]

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04 – Wonder Woman: The True Amazon

[Link] …von Jill Thompson

2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische „Wonder Woman“-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter. Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und „True Amazon“ wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 34, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten. Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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05 – Wonder Woman (1987)

Batman v Superman, Wonder Woman Perez

[Link] …von George Perez (Text und Zeichnungen):

Ein Klassiker – zeitlos, aber unfassbar achzigerjahrig. In vier Sammelbänden (…und Fortsetzungen, mit neuer Zeichnerin, die ich noch nicht kenne) erzählt George Perez die Anfänge, ersten Schritte von Diana jenseits ihrer Amazonen-Heimat. Alles ist überfrachtet, pomadisiert, verschnörkelt, barock. Und trotzdem so charmant, sich-selbst-und-seine-Figuren-ernst-nehmend, dass man bis heute mit Genuss lesen kann.

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06 – Sensation Comics (Sammelband 3)

[Link] …von verschiedenen Zeichner*innen und Autor*innen

Kurzgeschichten zwischen 10 und 30 Seiten, erst digital veröffentlicht, dann als Heftreihe und Sammelband. Ich mochte Sammelband 2 der „Superman“-Kurzgeschichtensammlung „Adventures of Superman“, und Sammelband 3 der folgenden „Wonder Woman“-Sammlung: sympathische Vignetten, Episoden und Experimente, leider oft recht konventionell/zweitklassig gezeichnet. Ein schöner Weg, viele Facetten der Figur kennen zu lernen und zu sehen, wie unterschiedliche Autor*innen kurze, manchmal originelle Fragestellungen an die Heldin tragen.

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07 – The Legend of Wonder Woman

Batman v Superman, Legend of Wonder Woman

[Link] …von Renae de Liz, Zeichnungen von Ray Dillon:

Manchmal sind Comics halbkompetent geschrieben, erzählt – doch laugen mich nach wenigen Seiten aus: Figuren aus “The Walking Dead” sagen zu viele Dinge dreimal. Ihre Sprechblasen sind überfüllt, die Dialoge hölzern. Auch “The Legend of Wonder Woman” krankt an solchen unpräzisen, öden Geschwätzigkeiten. Alle Frauen hier sehen aus wie Disney-Prinzessinnen. Doch kindgerecht ist die Geschichte über Dianas erste Jahre als Kriegerin und Diplomatin trotzdem nicht: Kein Kind hätte Nerven für so langatmiges Geblubber. Solide Geschichte, toll für Leser*innen ab ca. 9. Aber: uff. Kürzt diese Paraphrasen!

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08 – Wonder Woman, “Identity Crisis”, “Infinite Crisis”

Batman v Superman, Identity Crisis

[Link] …von Greg Rucka (meinem Lieblings-Comicautor), Geoff Johns und vielen anderen:

Seit 2003 war Wonder Woman vor allem Diplomatin. Trotzdem musste sie hin und wieder in den Hades steigen, oder in einem Footballstadium wie eine Gladiatorin gegen Medusa kämpfen. Eine moderne, kultivierte Frau – in archaischen Rollen, tragischen globalen und persönlichen Konflikten. Rucka schrieb zur selben Zeit auch “Superman”-Comics, und beide Reihen mündeten in einem (großartigen) Justice-League-Crossover, “Identity Crisis” und, 2006, “Infinite Crisis”. Ich habe hier [Link, Punkt: ‘Identity Crisis, 2005’] aufgeschrieben, in welcher Reihenfolge diese fünf bis ca. 15 Bände am meisten Spaß machen. Lesereihenfolge am besten:

(1) Wonder Woman: Down to Earth, 160 Seiten, DC Comics 2004
(2) Wonder Woman: Bitter Rivals, 128 Seiten, DC Comics 2004
(3) Wonder Woman: Eyes of the Gorgon, 192 Seiten, DC Comics 2005
(4) Brad Meltzer: Identity Crisis, 288 Seiten, DC Comics 2005
(5) Wonder Woman: Land of the Dead, 128 Seiten, DC Comics 2006
(6) Batman: The OMAC Project, 256 Seiten, DC Comics 2005
(7) Superman: Sacrifice, 192 Seiten, DC Comics 2006
(8) Wonder Woman: Mission’s End, 208 Seiten, DC Comics 2006
(9) Geoff Johns, Phil Jimenez, George Perez: Infinite Crisis, 264 Seiten, DC Comics 2006

…und dann gern weiter zu „52“ (vier Bände)

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09 – Wonder Woman (New 52, Band 1 bis 6)

Batman v Superman, Wonder Woman

[Link: 6 Bände] …von Brian Azzarello, Zeichnungen von Cliff Chiang:

Diana muss eine junge Schwangere beschützen – vor dem Zorn der Götter, sechs Sammelbände lang. Simple, aber stilsichere Zeichnungen. Kluge, schnippische Dialoge und Figuren. Nur Wendungen hat diese Odyssee durch London und die antike Unterwelt fast keine; und zwischen den pompösen griechischen Gottheiten wirkt Diana zu oft wie eine machtlose, zufällige Randfigur. Ich kenne keine zweite Mainstream-Comicreihe aus den letzten Jahren, die 30 Hefte lang auf gleichbleibend hohem Niveau eine schlüssige, anspruchsvolle Geschichte erzählte. Respekt! Doch der letzte Funke… fehlt.

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10 – Batman 66 meets Wonder Woman 77

[Link] …von Jeff Parker und Marc Andreyko, Zeichnungen von David Hahn:

Ein kindlicher, aber nie alberner Retro-Comic, der Figuren aus der „Batman“-TV-Serie von 1966 und der „Wonder Woman“-TV-Serie von 1977 zusammen bringt und zeigt, wie Diana (unsterblich) und Bruce Wayne (im zweiten Weltkrieg: ein Grundschüler) das späte 20. und frühe 21. Jahrhundert erleben. Schwungvoll erzählt, toll designt/gestaltet, ein Wohlfühl-Comic, der viele Fragen übers Altern und Sich-Verändern aufwirft und mit originellen Wendungen überrascht.

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bedingt zu empfehlen: für Fans

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„Wonder Women: Earth One“

Grant Morrison (…mit dessen Comics und dessen Fans ich oft große Probleme habe) erzählt Wonder Womans Geschichte neu – und unterstreicht dabei alle Aspekte, die besonders skurril oder absurd wirken. Das Ergebnis wirkt an vielen Stellen wie plumpe Sexploitation… aber trifft durchaus den Geist der frühen Comics von 1941.

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„Wonder Woman“ von Phil Jimenez

Ein schwuler Autor und Zeichner, der Fan der George-Perez-Serie von 1987 war und die Figur vergöttert, füllte mehrere Sammelbände mit feministischen und engagierten, doch oft sehr trägen, überfrachteten Geschichten: Scheitern, auf hohem Niveau. Ein lesenswertes Einzelkapitel, das alles, was gut und schlecht an Jimenez‘ Zeichen- und Erzählweise ist, bündelt: Das Treffen von Wonder Woman und Lois Lane in „Wonder Woman“ 170.

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„Wonder Woman“ von Gail Simone

Fünf Sammelbände, in denen eine große Geschichte… erst viel zu langsam in Fahrt kommt… und dann enttäuschend verpufft. Wer langen Atem mitbringt, wird besonders Simones zweite und dritte Sammlung trotzdem mögen.

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„Wonder Woman“ von Greg Rucka (2016 bis 2017)

25 Hefte, vier Sammelbände: Ein ambitionierter „Wonder Woman“-Neustart auf zwei Zeitebenen und mit zwei tollen Zeichnerinnen, Nicola Scott und Bilquis Evely, in dem sich Diana, Cheetah, Steve Trevor und Veronica Cale jahrelang quälen, den Kopf zerbrechen und gegenseitig im Weg stehen. Die Geschichte mäandert, jeder Sieg entpuppt sich als Niederlage, und ein weiterer Zeichner, Liam Sharp, bleibt viel zu düster und heavy-metal-albumhaft: Hier fehlen Erzählfreude und Schwung.

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keine Empfehlung:

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„Wonder Woman: The Greatest Stories ever told“

Eine Best-of-Sammlung, die leider zeigt, wie wenig gute Geschichten es bis ca. 2002 gab: skurril – aber langatmig, trübselig, deprimierend.

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„Who is Wonder Woman?“

Autor Allan Heinberg schrieb auch das Drehbuch zum WW-Kinofilm von 2017. Seine Comics aber sind mau. Auch die ihm folgende Autorin, Bestseller-Star Jodi Picoult, bietet wenig Lesenswertes: Massenware.

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„Amazons Attack“

Interessante Idee – mit banaler Wendung/Erklärung: Durch eine plumpe Intrige erklärt Königin Hippolyta den USA den Krieg, und verwüstet Washington. Antiklimax, undurchdacht.

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„Wonder Woman: Odyssey“

Zwei banale, schleppende Sammelbände vom (oft tollen) „Babylon 5“-Autor J. Michael Straczynski: Ein böser Zauber ließ Wonder Woman vergessen, dass sie eine Amazone ist. Gefangen in einem Paralleluniversum prügelt sie sich zurück in die Realität.

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„Wonder Woman 77“

Viel zu knappe, apolitische, harmlose und läppische Kurzgeschichten für Fans der 1977 produzierten „Wonder Woman“-TV-Serie.

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„Injustice: Gods Among Us“

Ein sehr langer, politischer/dystopischer Comic über eine Zukunft im DC-Universum, in der Superman glaubt, die Welt durch mehr Kontrolle und Überwachung sicherer machen zu können, während Batman als Widerstandskämpfer untertaucht. „Year One“ und „Year Two“ sind sehr lesenswert und emotional – doch Wonder Woman hat eine recht dümmliche, eindimensionale Rolle als martialische Schreckschraube an Supermans Seite: Autor Tom Taylor wird Diana nicht gerecht.

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„Odyssey of the Amazons“

Trost- und freudlose Fantasy-Saga über Amazonen aus Themyscira, die in der Vorzeit martialische/nichtssagende Begegnungen mit u.a. Wikingern haben.

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„Super Hero Girls“

Die DC-Heldinnen als junge Schülerinnen, für Leser*innen ab sechs Jahren, im Stil der „Disney Princesses“: Figuren und Zeichnungen fehlt Biss und Witz, die Geschichten bleiben arg simpel, alles wirkt püppchenhaft-sexualisiert. Besonders in Sammelband 3, „Summer Olympus“, steht Wonder Woman im Mittelpunkt. [Um Welten besser, für Leser*innen ab ca. 11: „Supergirl: Being Super“]

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„Super Powers“

Comic für Vor- und Grundschüler, das als Geschichte um Batman, Superman und Wonder Woman beginnt… doch sich zu schnell in einer (enttäuschend witzlosen) Anspielungs- und Gastauftritts-Parade verliert. Ich mochte, vom selben Zeichner-/Autoren-Team: „Tiny Titans“ und, besonders, „Superman Family Adventures“.

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„Bombshells“

Was, wenn es kaum Männer mit Superkräften gäbe – sondern alle DC-Heldinnen prägend waren: schon ab den 40er Jahren, im zweiten Weltkrieg? „Bombshells“ ist ein feministischer und sehr sexualisierter Remix der DC-Figuren. Viele Heldinnen sind lesbisch oder queer, und alle lassen es möglichst dramatisch krachen. Trotz vieler Fans und guter Kritiken hat mich die Reihe bisher nicht gekriegt: zu wenig Politik, zu viel Spice-Girl-haft-nichtssagende „Girl Power“.

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„Superman/Wonder Woman“

Von 2011 bis 2016 waren Superman und Wonder Woman ein Liebespaar. Der Beziehung selbst fehlt Tiefe und Charme, und der gemeinsame Comic „Superman/Wonder Woman“ bietet wenig Interessantes: Klar könnte man interessant/lesenswert erzählen, was sich ändert, wenn zwei der mächtigsten und wichtigsten Figuren im DC-Universum eine Beziehung führen. Fünf Sammelbände lang erzählte diese Reihe leider… nicht viel.

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„Superman, Batman, Wonder Woman: Trinity“

längere Kritik von mir hier [Tagesspiegel, Link]: Sehr lange, schleppende Geschichte über eine Helden-Welt, aus der Batman, Superman und Wonder Woman plötzlich entfernt werden. Das heißt: Statt über die drei Titel-Figuren zu erzählen, geht es vor allem darum, wo und wie sie fehlen. Schade!

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zum aktuellen Kinofilm:

Wonder Woman ist eine interessante – weil widersprüchliche – Figur. Ich glaube, der Kinofilm ist so erfolgreich und beliebt, WEIL er die Widersprüche der Figur einem großen Publikum zeigt: spannende Frau, spannende Grundsatzfragen zu Krieg und Pazifismus.
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In den Comics – und besonders auch im Film – geht es viel um die Frage, wie man für Frieden KÄMPFT. Ob man Kriege mit Gewalt stoppen kann. Und welche Menschen „verdienen“, dass man sich für sie opfert: Nach dem Superman-Film „Man of Steel“ (2013) und „Batman v. Superman“ (2016) zeigt auch „Wonder Woman“ (2017), wie Helden*innen scheitern – an einer komplexen Welt.
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grundsätzlich:
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  • Wonder Woman wurde 1941 erfunden. Autor William Moulton Marston war Professor, Psychologie, Feminist, Fan von Bondage und „lustvoller Unterwerfung“, in einer polyamourösen Beziehung mit zwei Frauen… und der Erfinder des Lügendetektors. All diese Aspekte prägten die Figur – sorgen aber auch dafür, dass fast alle Comics, die vor 1987 erschienen, recht hanebüchen/skurril sind.
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  • Dem Mainstream-Publikum die Figur bekannt, weil sie a) als eine der ersten weiblichen Heldinnen gegen die Nazis kämpfte, b) 1972 auf der Erstausgabe von Gloria Steinems feministischem „Ms.“-Magazin abgebildet war, c) 1977 eine bei Kindern populäre TV-Serie hatte.
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  • Seit 1986 gibt es mehrere recht gute, bis heute lesenswerte WW-Comicreihen: Wonder Woman, Batman und Superman sind die drei wichtigsten und bekanntesten Figuren des Verlags „DC Comics“; alle drei arbeiten in den Comics oft eng zusammen. Meist erscheinen Comics ein- bis zweimal im Monat als 20seitiges Heft, ca. sechs Hefte erzählen als Sammelband eine zusammenhängende Geschichte. Pro Monat gibt es meist sechs oder sieben parallele „Batman“-Reihen, doch höchstens zwei bis drei „Wonder Woman“-Reihen. Insgesamt also: weniger Material, und immer wieder Phasen, in denen jahrelang keine besonders guten Hefte/Sammelbände erscheinen.
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  • 1984 floppte der Heldinnenfilm „Supergirl“ (DC). 2004 und 2005 floppten die Antiheldinnen-Comicverfilmungen „Catwoman“ (DC) und „Elektra“ (Marvel). Seit 2008 hat Marvel Comics großen Erfolg mit Heldenfilmen (Iron Man, The Avengers, Captain America, Thor, Guardians of the Galaxy… doch bisher kein Film über eine weibliche Figur in der Hauptrolle); und seit 2013 versucht DC eine ähnliches „Cinematic Universe“ aus verknüpften Filmen (2013 „Man of Steel“, 2016 „Batman v. Superman“ und „Suicide Squad“, Ende 2017 „Justice League“, später „Aquaman“, „The Flash“ etc.)
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  • Der „Wonder Woman“-Kinofilm ist wichtig, weil er nach über zehn Filmen mit männlichen Hauptfiguren in den letzten Jahren der erste Versuch war, einer heroischen HeldIN einen großen Blockbuster zu widmen (…auch Regie führte eine Frau, Patty Jenkins; das Drehbuch ist von einem Mann). Es gibt eine Handvoll erfolgreicher Heldinnen-TV-Serien seit 2015: „Agent Carter“ und „Jessica Jones“ (beide Marvel) und „Supergirl“ (DC). Doch „Wonder Woman“ war der… Testballon, ob solche Figuren einen Kinofilm tragen können. Viele Fans und Kritiker mochten bereits Wonder Womans kurze Szenen in „Batman v. Superman“ (2016).
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  • Tatsächlich übertraf „Wonder Woman“ (2017) die Erwartungen, hat die besten Heldenfilm-Kritiken seit Jahren, wird von Feministinnen gefeiert und… darf jetzt als Beweis/Beruhigung dienen: Leute WOLLEN starke Frauen sehen. Große Erleichterung!
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„Falls du einen Asteroiden stoppen willst, rufst du Superman. Wenn du ein Verbrechen aufklären willst, Batman. Um einen Krieg zu beenden, Wonder Woman“, sagt WW-Autorin Gail Simone.
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Wonder Woman wird in den Comics immer wieder als umsichtige und intelligente Diplomatin gezeigt, die zeigt und reflektiert, dass jeder Mensch für viele Dinge steht: Sie selbst eben als Frau mit Superkräften, die in einem Matriarchat groß wurde. Es gibt großartige Comics über die Diplomatin, Menschenrechtlerin, Spokesperson, Feministin, Staatsfrau Wonder Woman.
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Doch es gibt auch die wütende Kriegerin mit blutbespritztem Schwert und Korsage, die leichthin Gegner abschlachtet. Fast alle Comic-Autor*innen wollen Wonder Woman als „starke Frau“ zeigen und an ihrem Beispiel erklären, was für sie eine „starke Frau“ ausmacht – doch das Ergebnis variiert von Sammelband zu Sammelband: archaische Kriegsprinzessin? Modische, bisexuelle Pop-Feminismus-Ikone? Blutrünstiges Pin-up-Girl?
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Der Film zeigt, wie Prinzessin Diana von Themyscira ihre Insel verlässt und den ersten Weltkrieg beenden will – weil sie glaubt, dass Kriegsgott Ares den Krieg angezettelt hat und es ihre Aufgabe als Amazone sei, ihn zu stoppen, mit einem Schwert namens „Godkiller“. Die große Stärke des Films: dass er die richtigen Fragen stellt… statt vorschnell Antworten zu schustern: Man schaut mit Kopfschmerzen und schlechtem Bauchgefühl, und überlegt „Jetzt will sie Frieden bringen – indem sie einen Gott ermordet?“ und „Was, wenn statt Ares einfach nur die Schlechtheit der Menschen Grund ist für den Weltkrieg?“ etc.
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Faszinierende Fragen und Widersprüche, die den Film lebendig und halbwegs spannend machen – auch, wenn die Antworten am Ende des Films dann doch recht unterkomplex ausfallen.
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Ich denke bei allen DC-Held*innenfilmen seit „The Dark Knight“ (2008) oft ans Sprichwort „Wenn du nichts anderes hast als einen Hammer, sieht jedes Problem für dich aus wie ein Nagel.“
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Wonder-Woman-Comics erzählten schon immer viel von Kriegen – weil Kriegsgott Ares einer der wichtigsten Antagonisten im Comic ist.
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Bisher aber wurde die (unsterbliche) Heldin noch nie im 1. Weltkrieg gezeigt: Das Setting macht Spaß, weil die Figur (jung, unerfahren, sah noch nie einen Mann und weiß nichts über die Moderne) und der Krieg (nihilistisch, diplomatisch verworren) schlecht zueinander passen. Im Superman-Film „Man of Steel“ bricht der unerfahrene Superman einem Gegner das Genick, weil er sich nicht anders zu helfen weiß. Seine Adoptiveltern raten ihm den ganzen Film über, die Menschheit sich selbst zu überlassen und sich ums private Glück zu kümmern: „Du schuldest diesen Leuten nichts.“
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Auch Wonder Woman hört im ersten Weltkrieg von allen Seiten kritische bis zynische Fragen: Haben die Menschen/Männer eine Heldin und Retterin verdient?
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Ich finde die Frage harsch, unsympathisch und unheroisch (…weil ich will, das idealistische Helden wie Superman und Wonder Woman GERN helfen)… doch ich freue mich, dass sie einen Nerv trifft, weil wir uns als Gesellschaft gerade ständig fragen: Wo schauen wir weg? Wessen Sorgen nehmen wir ernst? Kann die westliche Welt Weltpolizei spielen? Und: Wird etwas besser, durch militärische Stärke/Druck?
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Der Kinofilm hat, wie gesagt, keine guten Antworten. Doch erstmal sitzt man zwei Stunden im Kino und denkt „Oha. Diese Frau… kann sich selbst einsetzen wie einen Hammer. Doch all die Probleme, vor die sie im Film gestellt wird, sind doch gar keine Nägel. Was jetzt?“
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Das ist klug/spannend. Denn es passt zu einer… allgemeinen politischen Ratlosigkeit, wenn wir aktuell über Kriege, Macht, globale Verantwortung und Gerechtigkeit sprechen. „Wonder Woman“ hat Humor. Doch es ist kein Wohlfühl-Film: Weil er fast nur Probleme zeigt, die eine Kriegs-Amazone nicht ändern kann, spontan, mit einem Schwert.
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…und dann, Spoiler: 
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mein größtes Problem.
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Ich kann zwar viele „Wonder Woman“-Comics grundsätzlich empfehlen – doch es gibt zwei Elemente ihrer Geschichte, die immer wieder verändert werden: a) Hat sie einen mächtigen Vater, z.B. Zeus? und b) Ist sie moralisch stark, weil oder obwohl sie auf einer Amazonen-Insel aufwuchs?
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Die Amazonen leben auf der Insel Themyscira, abgeschottet vom Rest der Welt. Weil Amazonen-Königin Hippolyta ein Kind will, formt sie eine Figur aus Lehm/Ton. Eine Göttin hat Mitleid und haucht der Figur Leben ein: Diana/Wonder Woman ist das einzige Kind der Insel. Hippolyta ist eine weise Regentin, die Amazonen haben fortschrittliche Technologie und eine tolle Kultur – der Comic zeigt eine matriarchale, feministische Utopie (und: oft sind Hippolyta und/oder Wonder Woman selbst lesbisch oder bisexuell). So war das, schon seit 1941.
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Doch jedes Mal, wenn ein neuer Autor (fast immer sind es Männer) die Comicreihe übernimmt, ändert sich etwas:
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  • 1987 neu: die Götter schenkten den Amazonen die Insel, weil Herkules Hippolyta vergewaltigt hatte. Später aber verzeiht Hippolyta dem Vergewaltiger und verliebt sich neu in ihn. Uff.
  • 2011 neu: Die Amazonen sorgen heimlich für Nachwuchs, indem sie Matrosen auf die Insel locken, vergewaltigen, ermorden, und die männlichen Kinder verstoßen. Hippolyta wusste das und hielt es vor Wonder Woman geheim. Uff.
  • 2012 neu: Wonder Woman ist nicht aus Ton, sondern entstand beim Sex zwischen Zeus und Hippolyta. Uff.
  • 2016 neu, in „Earth One“: Wonder Woman ist die Tochter von Vergewaltiger Herkules. Uff.
  • 2016 neu, in „The Lies“ / „The Truth“: Wonder Woman darf ihre Mutter und die Amazonen-Insel nie wieder sehen oder betreten. Uff.
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Auch im Kinofilm sind die Amazonen a) krass gestrig und insgesamt eher fragwürdig/eine sterbende Kultur, und b) merkt Diana, dass ihre Mutter sie belogen hat: Zeus ist ihr leiblicher Vater.
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Das klingt wie eine Kleinigkeit/ein Detail. Doch ich finde es SO bezeichnend, schlimm, traurig, dass es seit Jahren fast keine „Wonder Woman“-Geschichte/-Version mehr gab, in der a) die Amazonen eine echte Utopie verkörperten und b) Wonder Woman wegen einer starken Mutter und einer starken Kultur zur starken Heldin wurde – nicht, weil sie in Wirklichkeit von einem besonderen Gott/Mann gezeugt wurde.
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„Wonder Woman“ (2017): tolle Frau, gute Comics, schlechter Film [Deutschlandfunk Kultur]

meine Lieblings-Zeichnung, von Maris Wicks

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heute nochmal, ganz kurz, zum Film:

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Seit 1941 fasziniert Wonder Woman in Comics. Die Verfilmung ihrer Abenteuer scheitert – doch macht Lust aufs Lesen.

„Du schuldest dieser Welt gar nichts“, warnt eine Mutter ihren Sohn – und hofft, dass er stumm bleibt, sich nicht einmischt, unter die Räder kommt. Sie heißt Martha Kent. Ihren Sohn nannte sie Clark: Er stammt vom Planeten Krypton. Der Film hieß „Man of Steel“, und war 2013 Grundstein für eine zynische, oft deprimierende Helden-Filmreihe, die auch mit „Wonder Woman“ (2017) nicht viel besser, schwungvoller, sehenswerter wird.

Am Ende von „Man of Steel“ brach Superman, der in den Comics seit Jahrzehnten versucht, niemals zu töten, einem Gegner das Genick. Ich hoffte damals, dass dieser Totschlag in einer Fortsetzung besprochen, durchdacht, in Frage gestellt wird. Stattdessen war „Batman v. Superman“ (2016) noch missmutiger, solipsistischer: Männer, die es hassen, Held zu sein und ihren Job nur machen, um Schlimmeres zu verhindern, schlagen voller Paranoia aufeinander ein. Wer will ich sein? Was habe ich der Welt zu geben? Wie kann ich helfen, sie zu gestalten?

„Wonder Woman“-Comics stellen diese Fragen seit 1941. Autoren und Autorinnen wie George Perez (ab 1987), Greg Rucka (ab 2002), Brian Azzarello (ab 2011) und Jill Thompson (2016) finden immer wieder große, politische, wunderbare Antworten. Ich habe zehn Comic-Empfehlungen hier im Link gesammelt: https://stefanmesch.wordpress.com/2017/06/15/wonder-woman-die-10-besten-comics-buchtipps-lesereihenfolge-empfehlungen/

Vom Kinobesuch rate ich ab. Denn „Wonder Woman“ ist ein besserer Film als alle DC-Comic-Verfilmungen seit „The Dark Knight“ (2008). Doch damit immer noch leider: kein guter. Prinzessin Diana lebt als einziges Kind auf der geheimen Amazonen-Insel Themyscira. Als der Spion und Pilot Steve Trevor auf der Insel notlandet und vom großen Krieg erzählt, der die Welt seit 1914 heimsucht, sind sich die Frauen einig: Kriegsgott Ares steckt dahinter. Diana, die nie zuvor einen Mann sah, zieht mit Steve in die Schützengräben Belgiens.

„Falls du einen Asteroiden stoppen willst, ruf Superman. Wenn du ein Verbrechen aufklären musst, Batman. Und um einen Krieg zu beenden, Wonder Woman“, erklärt Comicautorin Gail Simone die oft verwirrenden Mehrfachrollen der Figur: eine Prinzessin, die keine Hierarchien mag. Eine Vordenkerin aus einer vormodernen Zivilisation. Eine Diplomatin, die mit dem Schwert kämpft.

„Wonder Woman“ scheitert erst in den letzten zehn Minuten: Als die Heldin von Liebe spricht, nachdem sie Gegner zerhackte. Als sich der Weltkrieg tatsächlich beenden lässt, indem ein Kriegsgott verdroschen wird. Und als klar wird: Diese Frau ist nicht (nur) körperlich oder moralisch stark, weil sie in einer utopischen Gender-Blase aufwuchs, die Frauen stärkte und ernst nahm. Sondern (mindestens: auch), weil sie eine heimliche Tochter von Zeus ist.

Nach „Man of Steel“ war unklar, welche Lehren Superman ziehen würde. Kaum welche, zeigte erst die Fortsetzung „Batman v. Superman“. Nach „Wonder Woman“ stehen ähnliche Fragen im Raum: Was tut diese enttäuschend martialische Kriegsprinzessin in den Jahren 1918 bis 2016? Wie handelt sie im zweiten Weltkrieg? Bleibt sie unentdeckt – statt Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren, das 20. Jahrhundert zu prägen? Ist die Moral erneut nur ein myopisches „Du schuldest dieser Welt gar nichts“?

Wenn ein einzelner Heldenfilm wie „Ant-Man“ (2015) nur mäßig erfolgreich ist, fragt sich Hollywood nur: Investieren wir in eine Fortsetzung? Oder lieber nicht? Als der Heldinnenfilm „Supergirl“ (1984) floppte, entschied Hollywood dagegen pauschal: Superheldinnen funktionieren nicht im Kino. Lieber keinen großen Versuch mehr wagen, die nächsten 30 Jahre.

Deshalb: Wunderbar, dass „Wonder Woman“ fast nur gute Kritiken erhielt, international erfolgreich ist. Der Film macht Lust auf die Figur und ihre vielen Comics, Geschichten und Widersprüche. Er macht Lust auf weitere Filme von Regisseurin Patty Jenkins und Hauptdarstellerin Gail Gadot. Und er macht Lust auf viel mehr Blockbuster, in denen Frauen Männer retten, nicht umgekehrt. Über Krieg und Verantwortung, Unterdrückung, Moderne und Matriarchat, fremde Kulturen und das 20. Jahrhundert aber hat „Wonder Woman“ erschreckend wenig zu sagen.

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wonder woman league of one moeller

Superman: Rebirth – Dan Jurgens, Peter Tomasi, neu bei Panini

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am 10. Januar sprach ich über die neuesten „Superman“-Comics in Deutschland, als Studiogast bei Deutschlandradio Kultur:

Text von mir und Link zur Audio-Datei, Deutschlandradio Kultur

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Wer Comics auf Englisch kauft und liest:

Seit Juni 2016 sind die „Superman“-Reihen besser als seit Jahrzehnten.

Mein Tipp:

Erst „Lois & Clark“ lesen (10 Hefte, ein US-Sammelband), dann die beiden parallelen Reihen „Action Comics“ und „Superman“ (erscheinen je zweimal im Monat). Auch „Trinity“ und „Superwoman“ (einmal im Monat) machen Spaß. Im Februar beginnt zudem „Super-Sons“.

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Wer Comics auf Deutsch lesen will:

„Lois & Clark“ erscheint in zwei Bänden bei Panini Comics: Band 1 (Link), Band 2 (Link, 7. Februar).

Dann – 18. April 2017 – „Superman: Sonderband 1“.

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Immer wieder landen langjährige Heldencomics in erzählerischen Sackgassen – und räumen auf, indem ein komplizierter Zwischenfall (Zeitschleifen, Dimensionslöcher, parallele Welten) neue, simplere Zustände schaffen soll. 2011 hieß das: Superman und seine große Liebe Lois Lane werden ersetzt, durch jüngere Versionen, in einer neuen Welt. Jene Doppelgänger waren nie verheiratet, sind schroffer und pragmatischer; ein neuer Lex Luthor ist eher Antiheld als Schurke. 2015 strandete der vorige, ursprünglichere Superman in dieser neuen Gegenwart – in Dan Jurgens Reihe „Lois & Clark“: Er hat jetzt einen Sohn im Grundschulalter und lebt mit seiner Lois heimlich auf einer Farm.

2016, im nicht lesenswerten „The Final Days of Superman“ starb der jüngere Superman. Seitdem übernimmt die ältere Version die Hauptrolle. In vier verknüpften, oft exzellenten Heftreihen – „Action Comics“, „Superman“, „Superwoman“ und „Trinity“ – wird dieses Durcheinander durchdacht, von allen Seiten. Es gibt zwei Lois Lanes. Kann man Lex Luthor trauen? Ein Fremder ohne Kräfte behauptet, Clark Kent zu sein. Supermans Sohn will selbst Held werden. Zu viele ermüdende Kämpfe, mittelmäßige Zeichnungen. Doch tolle Figurenarbeit, Rätsel, Ensembles und Intrigen.

Wirres Chaos? Nein: Ein Helden-Mosaik, so stimmig, herzlich, menschlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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gut gezeichnet, aber keine Empfehlung: die Vorgeschichte "Die letzten Tage von Superman", ab 21. Februar 2017 bei Panini

gut gezeichnet, aber keine Empfehlung: die Vorgeschichte „Die letzten Tage von Superman“, ab 21. Februar 2017 bei Panini

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für die Deutschlandradio-Redaktion und meine Moderatorin fasste ich alles in folgenden Stichpunkten zusammen:

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Es geht um das Comic „Superman: Lois & Clark“, das am 3. Januar auf Deutsch bei Panini erschien.

…und es geht darum, wie der Verlag „DC Comics“ seit 2011 mit der Figur Superman umging.

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Die Figur Superman hatte in den Comics drei große Phasen:

1) 1986 bis 2011
2) 2011 bis 2016
3) heute

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1) grundsätzlich (ab 1986):

– Es gibt zwei große Superhelden-Verlage in den USA: Marvel Comics und DC Comics. Beide veröffentlichen ca. 50 monatliche (oder, neu: zweiwöchentliche) ca. 20seitige Heftreihen über verschiedene Heldinnen und Helden. Fast alle Marvel-Heftreihen spielen im „Marvel-Universum“, fast alle DC-Heftreihen im „DC-Universum“.

– Fünf bis sechs monatliche Hefte werden danach meist als Sammelband veröffentlicht. Auf Deutsch erscheinen diese Sammelbände bei Panini Comics. „Superman: Lois & Clark“ sammelt Hefte, die in den USA von Dezember 2015 bis Sommer 2016 veröffentlicht wurden.

– Die Figur Superman ist nicht nur Hauptfigur in einem alle zwei Wochen erscheinenden Comic namens „Superman“, sondern auch in einer parallelen Reihe namens „Action Comics“, in „Justice League“, in „Trinity“ etc., und hat Gastauftritte in weiteren Reihen wie „Supergirl“, „Super-Sons“ usw.: Wer will, kann monatlich fast 200 Seiten lesen über das Leben dieser Figur – verfasst von mehreren Autoren/Zeichnern, aber alle zusammenhängend/verknüpft.

– Von 1986 bis 2011 erzählten fast alle DC-Heftreihen eine große, zusammenhängende Geschichte: Batman und Superman wurden Freunde, Batman wurde Vater, The Flash hat geheiratet usw.: Figuren sind in ca. 25 Jahren ca. 10 Jahre gealtert. Einige haben Kinder bekommen, alle wurden etwas reifer, besonnener, bürgerlicher. Superman enttarnte sich vor Lois Lane und heiratete sie. Viele dieser Comics sind recht gut, die Figur ist überzeugend gewachsen.

– Bis 2011 aber wurden solche Hintergrund- und Vorgeschichten so lang und kompliziert, dass DC Comics sagte: „Niemand sollte ein Comic von 1986 kennen müssen, um ein Comic von 2011 verstehen zu können. Wir machen einen Neustart.“ Dieser Neustart betraf alle Reihen: In einer Zeitreise-Geschichte verursachte der Superheld The Flash versehentlich ein Paradox… und plötzlich begann vieles von vorne, in 50 Heftreihen, in einem neuen Universum.

[dieser Reboot hieß „The New 52“. ich habe 2011 u.a. hier darüber geschrieben.]

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Superman Batman DC Helden

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2) Superman ab 2011: „The New 52“

– Seit 2011 erzählen alle DC-Heldencomics neue Geschichten… in einem neuen Erzähluniversum… mit den alten Heldinnen und Helden… die aber jetzt verjüngt sind und denen Teile ihrer Vorgeschichte fehlen:

– Superman und Lois Lane sind Redaktionskollegen beim „Daily Planet“, aber waren nie ein Paar. Superman ist jünger, ungestüm, fühlt sich missverstanden und macht viele Fehler. Er verliebt sich in Wonder Woman. Alles ist jugendlicher, frischer, weniger bürgerlich.

– Aber: viele Ehen wurden nie geschlossen, viele Kinder nie gezeugt, vielen Figuren fehlen Tiefe, Vorgeschichte, Erfahrung, Format: Statt den bekannten Helden, Mitte 30, liest man jetzt die Abenteuer von Figuren, die genau so aussehen – doch kaum Mitte 20 sind. Sie sind jünger, naiver, feindseliger, aggressiver. Viele Helden stehen am Anfang und sind einander sehr fremd. Misstrauen, Anfängerfehler, Aggression.

– Dieser 2011er-Neustart war umstritten. Heftreihen wie „Batman“ und „Green Lantern“ kamen gut zurecht. Doch der neue Superman wirkte wie ein traurig naiver Abklatsch der alten Figur: Kritiken, Auflage und Fan-Reaktionen waren schlecht.

– Von 2011 bis 2016 erschien fast kein „Superman“-Comic oder -Sammelband, den ich empfehlen würde. Mir persönlich fehlt auch die Liebesgeschichte mit Lois Lane sehr: Ich lernte Superman in den 90er Jahren kennen, durch die TV-Serie „Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark“. Dort spielt der Redaktionsalltag im Daily Planet eine große Rolle, und Lois ist gleichwertige Hauptfigur. Dass sie in den Comics, besonders ab 2011, oft nur eine Randfigur mit Mini-Auftritten bleibt, missfällt mir.

– 2015, in einem (recht schlechten) Comic namens „Convergence“, wurde einigen neuen Helden klar, dass ihre Vorläufer (also: z.B. der Superman von 1986 bis 2011, ich nenne ihn fortan Superman86) entführt und gefangen gehalten wurden, auf einem Planeten: Zum ersten Mal seit vier Jahren sahen wir die alten Figuren wieder. Die „alte“ Lois Lane war schwanger.

– Viele dieser alten Versionen konnten sich retten und befreien… und Superman86 strandete zusammen mit Lois Lane und dem Sohn Jon in der Welt der neuen Figur.

– Der Comic „Lois & Clark“ zeigt diese beiden alten Figuren… die jetzt heimlich in der neuen Welt leben: Seit 2015 gibt es also zwei Lois Lanes, zwei Supermans. Die neuen Versionen wussten aber nichts von den alten: „Lois & Clark“ erzählt, wie sich Superman86 in Kalifornien versteckt, heimlich den Menschen hilft, aber nicht vom neuen, jüngeren Superman entdeckt werden will.

– Dann, 2016, starb der neue Superman plötzlich (…in Geschichten, die ebenfalls gerade bei Panini erscheinen, 2017: „The Final Days of Superman“… die aber nicht besonders gut oder empfehlenswert sind), und DC Comics wagte einen neuen, zweiten Neustart:

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batman vs Superman lois clark

3) 2016: die alte Figur, gestrandet in der neuen Welt: „DC Rebirth“

– Das Sonderheft „DC Rebirth“ erscheint am 28. Februar bei Panini. Es zeigt: Viele Figuren, die 2011 aus der Welt gefallen sind, kommen plötzlich zurück, auf mysteriöse Weise. Alte Geschichten (erschienen vor 2011) werden plötzlich wieder relevant. die neuen Comics, die alle ab diesem Frühling auf Deutsch erscheinen, sind optimistischer, oft besser verständlich, romantischer… Der Verlag versucht, nach dem düsteren Neustart von 2011, jetzt vieles wieder heller zu gestalten, und greift dabei auf alte Figuren und Vorgeschichten zurück.

– In Heftreihen wie „Batman“ ist das gar kein richtiges Thema: Die Geschichten gehen, mehr oder weniger, ungefähr so weiter. Um „Batman“ zu lesen, muss man nichts über diese Paralleluniversen, Zeitreisen, Paradoxien und Doppelgänger wissen. [Die Reihe „Batman“ von Autor Tom King ist nicht besonders gelungen. Aber die Reihe „Detective Comics“ von James Tynion. Empfehlung!]

– Die Superman-Heftreihen dagegen machen all das SEHR zum Thema; und bisher ist das ein großer Gewinn, erzählerisch: Es gibt zwei Lois Lanes. Die „alte“ Hauptfigur trifft neue Versionen ihrer alten Bekannten und Bezugspersonen, die sie von 1986 bis 2011 gut kannte (Batman, Lex Luthor, Wonder Woman etc.) – doch diese Bezugspersonen kannten ihrerseits nur die jüngere (und: jetzt verstorbene) Version von 2011 bis 2016: Superman86 lernt viele Figuren neu kennen, die aussehen wie seine vertrauten Freunde und Gegner… doch andere Rollen spielen. Das Mit- und Gegeneinander mit z.B. dem neuen Lex Luthor ist aktuell ein großes erzählerisches Vergnügen, weil beide Figuren nur eine jeweils andere Version von sich kannten, bisher.

– Supermans Sohn Jon ist fast zehn Jahre alt und entwickelt eigene Kräfte. Von 2011 bis 2016 erzählten die Comics das Leben eines wütenden, unbeholfenen Single-Supermans. Jetzt, seit „Lois & Clark“, geht es um eine glückliche Familie – Superman86, Lois Lane86, Sohn Jon -, die in einer neuen Welt neu durchstartet. Auch diese Lois hat eine interessantere Rolle als seit Jahren – weil Lois86 Mutter ist, aber die jüngere Lois plötzlich Superkräfte entwickelt… und nichts von Lois86 weiß.

– So verwirrend und barock all das klingt: Aktuell sind die Superman-Heftreihen, die alle in den nächsten Monaten neu bei Panini erscheinen, auf Deutsch, ein toller Einstieg. schöne alte Figuren, desorientiert in einer neuen Welt… doch optimistisch und einsteigerfreundlich erzählt. „Lois & Clark“ ist dabei der einfachste und süffigste Einstieg: Wir lernen Sohn Jon kennen, wir erfahren, was Superman86 heimlich/inkognito/undercover in der neuen Welt leistet, und mit dem Ende von „Lois & Clark“ (zwei Sammelbände, Band 2 erscheint am 7. Februar) starten dann mehrere weitere Erzählstränge, in denen man diesen Figuren folgen kann:

– Weil die Heftreihen in den USA schon seit Juni 2016 laufen und ich die Originalcomics las, weiß ich: die Reihen „Superman“, „Action Comics“, „Trinity“ und „Superwoman“ sind einen Blick wert. Als nächstes startet in den USA dann „Super-Sons“, über Supermans Sohn Jon und Batmans Sohn Damian.

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– Verlegerisch und erzählerisch, auf einer Meta-Ebene, geht es hier um Tonfall, Zielgruppen und Zugänglichkeit:

2011 dachte DC Comics: Wir müssen jünger werden, einfacher, härter/jugendlicher/aggressiver – und junge Leser wollen sich nicht mit alten oder verheirateten Helden identifizieren. Weg mit den Vorgeschichten!

2016 wird das korrigiert: Superman und Lois Lane sind ca. 40 Jahre alt, glückliche Eltern, und die Wärme, Besonnenheit, das Miteinander und Vertrauen machen die Comics sympathischer (und: kinderfreundlicher) als seit Jahren.

Mich persönlich freut, dass der Verlag es sich hätte einfach machen können und durch eine WEITERE Zeitreise- und Paralleluniversums-Geschichte alles viel schneller oder sauberer hätte auflösen können. Stattdessen gibt es diesen großen Doppelgänger-Kuddelmuddel… und bisher sorgt der Kuddelmuddel für lesenswerte, aufregende Comics und Konflikte. Alles etwas barock und verwirrend. Aber: sonnig, trotz allem einsteigerfreundlich – und genuin spannend.

Wer die Figuren aus Filmen und Serien ein wenig kennt, doch sich bisher nicht an die Comics traute: „Lois & Clark“ ist der ideale Einstieg.

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batman v superman, superman american alien

ebenfalls lesenswert, steht ganz für sich: „Superman: American Alien“ von Max Landis

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meine Bilanz, bisher:

„Action Comics“ wird ab Sammelband 2 besonders gut; „Superman“ ist ebenfalls ab Sammelband 2 gelungen. „Trinity“ (toll gezeichnet, aber nur ca. jede zweite Ausgabe) und „Superwoman“ (langsam erzählt, etwas träge) sind keine Meisterwerke, aber machen mir Spaß. „New Super-Man“ langweilt mich und spielt bisher keine große Rolle, auch die aktuelle „Supergirl“-Serie ist konventionell, langweilig, zweitklassig. Einen Blick wert: „Supergirl: Being Super“ (keine Verknüpfungen zu den anderen Reihen). Die „Justice League“-Reihen ab „DC Rebirth“ habe ich noch nicht angelesen. Und, wie gesagt: „Detective Comics“ ist großartig.

 

Batman v. Superman: Dawn of Justice – 100 Probleme, Fragen, Theorien

batman v Superman wordpress

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Im Dezember sah ich „Star Wars: Das Erwachen der Macht“. Notierte mir im Lauf des Films Ideen, Theorien, Probleme – und stellte die Liste ins Netz. Ich bin Kritiker… und schreibe meist kurze, sorgfältige Texte. Bei Blockbustern aber macht mir Spaß, schnell über alle Details und Kleinigkeiten zu bloggen:

Ich liebe Superman (und Lois Lane). Ich mag Batman. Seit 2008 lese und rezensiere ich Heldencomics. Mein Bauch, mein Herz hatten im Kino heute nicht viel zu tun. Mein Kopf aber? Sehr viel!

Kein guter Film.

Aber interessante Fragen:

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01_Sehen oder nicht? Nicht sehen.

02_In einem Satz: Freudlose, schleppende, an vielen Stellen unnötig garstige Standard-Episode über misstrauische, gewaltverliebte, oft überraschend inkompetente Grummel- und Prügel-Boys.

03_Das größte Problem: Ein Plot, der nur funktioniert, weil Figuren zu wenig miteinander sprechen, sich unnötig streiten, Probleme dem Zufall überlassen…

04_Niemand gewinnt. Keiner der beiden Helden wird als klarer Favorit inszeniert.

05_Das freut mich; weil in den Comics Batman fast immer über alles triumphiert: Ich fürchtete, dass „Batman v. Superman“ einen sehr fähigen Batman zeigt – gegen einen enttäuschend naiven, dummen oder weinerlichen Superman, den wir auslachen oder verachten sollen.

06_Beide Helden haben ausreichend Szenen, Fokus. Batman ist öfter Perspektivträger. Doch für mich stimmt die Balance.

07_Niemand muss die Figuren vorher kennen. Auch „Man of Steel“, den Superman-Film von 2013, muss man nicht vorbereitend sehen. Es gibt eine Handvoll Anspielungen für Comic-Fans. Doch keine wichtigen Easter Eggs, kaum Fanservice, nichts Komplexes oder Raffiniertes. Alles bleibt einfach, zugänglich, selbsterklärend

08_ …doch dafür auch recht seicht: Wer Christopher Nolans Batman-Trilogie mochte, darf keine Fortsetzung erwarten. Der Film ist etwa so klug, erwachsen, kunstvoll, doppelbödig wie „Independence Day“, „Iron Man 2“, „Spider-Man 3“. Nicht völlig blöd. Doch auf eine altmodische Art und Weise unterkomplex, oberflächlich, ohne tieferes Thema. Ein Blockbuster, den jeder 13jährige versteht. Doch der jeden über 13 auf allen Levels – Figuren, Plot, Thema – oft langweilt.

09_Es gibt keine Szene, von der ich denke: Noch in zehn, zwanzig Jahren wird dieser Moment parodiert, zitiert, erinnert werden. Keine Highlights. Doch auch keine Tiefpunkte, Ausreißer.

10_Es gibt keinen Grund, den Film einem breitem Publikum zu empfehlen: „The Dark Knight“ war tiefsinnig, atmosphärisch – egal, was man von Batman hält. „Iron Man 3“ hatte überraschend viel Witz, Herz, Tempo – süffiger Spaß. Doch wer Batman oder Superman nicht mag, kann sich das Geld sparen: Er verpasst nichts. 3 von 5 Sternen.

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ab hier: Spoiler. Details aus der Handlung.

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11_Der Film spielt im November, rund um den mexikanischen Dios de Muertos, 18 Monate nach „Man of Steel“ (2013). Er sollte ca. zwei Jahre nach „Man of Steel“ Premiere feiern – wurde aber auf 2016 verschoben.

12_Ich mag, dass 18 Monate nicht reichten, damit „die Menschheit“ entscheidet, wie sie zu Superman steht: Es gibt eine Statue in Metropolis (die mir besser gefällt als die Adler-Statue in den Comics). Es gibt Anhörungen, PEGIDA-artige Proteste, Experten im TV (und den erfundenen Hashtag #alienamongus): Superman wird als Paradigmenwechsel verstanden, so wichtig wie die kopernikanische Wende. (Gut!)

13_Dabei wirken Bürger und Politiker zwar überfordert, aber nicht – wie in vielen Marvel-Filmen – dümmlich, hasserfüllt, leicht zu verblenden. Auch freut mich, dass das Militär keine große Rolle spielt: endlich mal keine bösen Generäle – oder Regierungsprojekte, die außer Kontrolle geraten.

14_Trotzdem hätte ich gern kompetente staatliche Anti-Superhelden-Experten wie Amanda Waller gehört… und war überrascht, dass weder Lex noch Batman, sobald sie Superman via Kryptonit aufhalten wollen, (geheime) staatliche Unterstützung angeboten wird.

15_Der Film beginnt mit Herbstlaub… das aber motivisch keine große Rolle spielt. In einer (recht albernen, sinnlosen) Traumsequenz schwebt der junge Bruce Wayne zwischen Fledermäusen hoch ans Licht. Am Ende des Films schweben ein paar Brocken Erde. Lois Lane hat eine frühe Szene in der Badewanne – und ertrinkt im Finale fast in einer gefluteten Grube. Es gibt ein halbes Dutzend solcher oberflächlicher Bookends, Motivketten, Foreshadowings – die aber für nichts Größeres stehen. Warum Laub? Warum Wasser? Warum Schweben?

16_Solides 3D. Solide deutsche Übersetzung.

17_Aus zwei Gründen hätte ich gern trotzdem die US-Version gesehen: Wie klingt Wonder Womans (’südeuropäischer‘, ‚Mittelmeer-‚) Akzent – griechisch, türkisch, spanisch? Und: Wenn sich die Helden als ‚kriminell‘ beschimpfen – meinen sie ‚Criminal‘, oder (sinnvoller) ‚Vigilante‘?

18_Bruce benutzt ein Mikro, um als Batman seine Stimme zu verzerren. Freunde sagen, auch Oliver Queen in „Arrow“ macht das so. Gefällt mir besser als das alberne Stimmen-Verstellen in Christopher Nolans Filmen.

19_In vielen Batman-Comics sah Bruce mit seinen Eltern „Zorro“, bevor sie vor dem Kino von einem Kleingangster erschossen wurden. Hier schauen die Waynes „Excalibur“ (1981) – einen Film über Helden, die an König Arthurs Tafelrunde zusammenkommen. Ben Affleck war 1981 neun Jahre alt. [Edit: „Excalibur“ wird an der Kino-Fassade mit „Coming Soon“ angekündigt. Dann doch „Zorro“?]

20_Ich mag, wie ungepflegt Friedhof und Familiengruft der Waynes sind – sicher auch, weil Alfred Besseres zu tun hat, als zu gärtnern und zu putzen. Und mir gefällt, dass Wayne Manor ausbrannte: Im Film ist Batman seit 20 Jahren aktiv. Offenbar ist viel passiert.

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21_Alexander „Lex“ Luthors Vater stammt aus der DDR? Mich überrascht, wie schnell es die Familie in den USA zu Geld brachte. Und ich kenne keinen Ostdeutschen, der SED-Politiker „Tyrannen“ nennen würde: „Tyrann“ wirkt auf mich drei Nummern zu groß.

22_Dass der Kampf zwischen Superman und Zod das Zentrum von Metropolis zerstörte, ist Thema. Doch dass Superman Zod 2013 das Genick brach, stört niemanden – auch nicht Clark, Lois, Martha Kent: Als Superman-Fan enttäuschte mich, dass Clark 2013 tötete. Ich hoffte, dass „Batman v. Superman“ das zur wichtigen Frage macht: Was wird aus Helden, die töten?

23_Nach 9/11 war die Südspitze Manhattans ein Trümmerfeld – jahrelang. Ich weiß nicht, warum „Batman v. Superman“ keine Trümmer, Baukräne, Brachflächen im Stadtbild Metropolis‘ zeigt. Die Gedenkstätte gefällt mir [und ich frage mich, ob viele Namen der Opfer Anspielungen, Zitate sind]. Auch die zweite Gedenkstätte, am Ende des Films, passt [„If you seek his memorial, look around you.“]…

24_…trotzdem bleiben Gotham und Metropolis ohne Charakter: In den Comics ist Metropolis oft eine helle, leicht futuristische Ideal-Version von New York (am Tag), Gotham City eine düstere, verdreckte, aber mit Art-Deco-Architektur und Luftschiffen dekorierte Alptraum-Version von New York (in der Nacht). Die Städte liegen eine Zug- oder Autofahrt auseinander – und recht nah an New York: Manchmal wird NYC in den Comics „Cinderella City“ genannt, Metropolis und Gotham die „Stepsisters“.

25_Nie aber sah ich im Kino ein lieb- und charakterloseres Gotham City. „Seit wann ist Gotham das New Jersey von Metropolis?“, fragt ein Facebook-Freund. Und: Obwohl man Gotham von Metropolis aus sieht, hat Superman dort nie geholfen? Warum weiß er so wenig über Bruce – und Batman? Die beiden sahen bisher sich nie? Absurd.

26_Alfred (Jeremy Irons) kommt bei Kritikern irritierend gut an: Ich mag Irons, doch die Rolle bleibt so klein und undankbar – ich sehe keinen besonderen Reiz. Ich mag, dass sich Bruce und Alfred ähnlich kleiden und frisieren – sie sehen aus wie Vater und Sohn. Mich stört, dass Alfred zweimal sagt, er wünsche sich einen Wayne-Erben/Nachwuchs: Batman hat so viele Helfer, Robins, Verbündete etc., mit denen er nicht biologisch verwandt ist und die er als „Batfamily“ liebt… ich glaube nicht, dass Alfred leibliche Kinder vermissen würde, so lange es andere Kinder/Helfer gibt.

27_Perry White hat weniger Format, Tiefgang als in „Man of Steel“. Andererseits verhält sich Clark als Redakteur unmöglich. In den Comics gewannen Lois und Clark Pulitzerpreise. Hier im Film hat Lois mehr Glück als Verstand, und Clark scheint überhaupt keine Lust auf journalistische Arbeit zu haben.

28_Ein sehr beliebter Comic von 2004 zeigt Lois Lane als Embedded Reporter im Nahen Osten. Autor Greg Rucka ist mein Lieblings-Comicautor – doch die Geschichte war mir zu simpel. Ich bin froh, Lois in ihrer ersten „Batman v. Superman“-Szene bei einem ähnlich gefährlichen Job zu sehen. Doch Nairomi, das erfundene afrikanische Land, wirkt lieblos bis rassistisch, Lois unvorbereitet, inkompetent… und laut Besetzungsliste ist der tote Fotograf/CIA-Agent Jimmy Olsen. Eine Verschwendung der Figur.

29_Helden-Serien und Adaptionen machen das oft: Eine Nebenrolle erhält den Namen einer (in den Comics) wichtigen Figur – und stirbt überraschend. Stattdessen übernehmen dann scheinbar bedeutungslose, neue Randfiguren mit Allerweltsnamen die Rollen/Funktionen des Comic-Vorbilds. In „Smallville“ starb Jimmy Olsen recht früh. Später wurde sein Bruder Jimmy (!) Fotograf beim Daily Planet.

30_Lex Luthors Assistentin, Mercy Graves, ist in den Comics eine Amazone. Entsprechend hoffen Fans, dass sie die Explosion im Film überlebte und in den Fortsetzungen auftaucht. Der Gangster, Waffenhändler Anatoli Knyazew war in den Comics ein Sowjet-Bösewicht namens KGBeast. In „Batman v. Superman“ sind mir diese Namensgleichheiten zu oberflächlich, nichtssagend. Ein Zitat, das nichts bedeutet: Muss jeder böse Russe in den Filmen den Namen eines bösen Comic-Russen tragen?

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31_Wer hat die aufwändige Bat-Höhle gebaut, im Geheimen: Alfred und Bruce, allein? [In den Comics ist das kein Problem, weil Batman viele Freunde mit Superkräften hat.]

32_Ich glaube, ich sah ein Bacardi-Logo und, später, eine Bacardi-Flasche [mit Fledermaus-Wappen!]: Trank der Russe Bacardi? Alle Autos sind von Jeep/Chrysler. CNN wird erwähnt. Lex Luthor isst Fruchtbonbons. Doch insgesamt sah ich deutlich weniger Product Placement als in Marvel-Filmen. Hier eine Liste. Super: Lex‘ Bonbons heißen Jolly Ranchers.

33_Bekannte TV-Gesichter? Ich erkannte Anderson Cooper und Neil Degrasse Tyson, las im Nachspann auch von Nancy Grace und Charlie Rose. Mir geben solche Cameos nichts – und ich ärgere mich, dass Helden auch 2016 noch durch Nachrichtensendungen und TV-Bildschirme von Katastrophen erfahren, nicht via Twitter und Google. Immerhin: einer der TV-Experten wird als Blogger vorgestellt.

34_Lex Luthors Gefangenennummer ist 16-TK-421. In „Star Wars: Episode IV“ stehlen Han und Luke auf dem Todesstern die Sturmtruppler-Rüstung eines Soldaten namens TK-421. Im Video zu Cyborg/Victor Stone wird er „Objekt 6-1982“ genannt. Vielleicht, weil Victor Stone im Juni 1982 geboren wurde? Oder, weil in „Tales of the New Titans“ von Juni 1982 die Entstehung von Cyborg erzählt wurde.

35_Lois will in ein Taxi steigen… und nennt Superman „Clark“, auf offener Straße. Lex kennt Clarks Mutter. Clark und Diana durchschauen Bruce. Und Lex weiß grotesk viel über Aquaman, Cyborg, The Flash und Wonder Woman: Ich mag Geheimidentitäten. Doch in einer SO überwachten Welt macht für mich Sinn, dass diese Geheimnisse brüchig sind, gelüftet werden können. (Ich mochte auch, dass John Blake in „The Dark Knight Rises“ Bruces Identität erriet.)

36_Überraschend dagegen, dass Bruce nicht weiß, wer Clarks Eltern sind. Dass er Lois Lane nicht schon seit Jahren überwachen lässt. Dass er den Namen „White Portuguese“ lange nicht einordnen kann, oder solche Mühe hat, die Lexcorp-Server anzuzapfen: In den Comics sitzt Bruce an allen längeren Hebeln, immer. Ich mag fehlbare Helden. Doch in den „Dark Knight“-Filmen und hier in „Batman v. Superman“ gibt es jeweils Dutzende Szenen, in denen ich denke: Comic-Bruce wäre besser vorbereitet, informiert, würde mit allem spielend fertig. [Das heißt trotzdem: Film-Bruce ist die interessantere, sympathischere, realistischere Figur.]

37_Und: Bruce kann die Lexcorp-Daten knacken. Diana scheitert an der selben Verschlüsselung? Schade.

38_Ich mochte, dass Bruce sofort von einem „Leech Program“ spricht, ohne Skrupel ein Handy klont/kopiert und, wie schon in „The Dark Knight“, nichts von Datenschutz und Bürgerrechten hält: Mir ist krass unsympathisch, wie rücksichtslos Bruce jeden ausspioniert. Und ich freue mich, dass auch die Filme sich Zeit nehmen, das immer wieder zu zeigen: Der respektlose Spanner ist nicht Superman, mit seinem Röntgenblick. Sondern Datenkrake Batman – ein Kontrollfreak, der Zivilisten oft verachtet und benutzt.

39_Kritiker waren sehr unzufrieden mit dem Score/der Musik; besonders den archaischen Trommeln. Ich fand den Soundtrack passabel, und mochte die – etwas trashige – Trommel-Kampfhymne, die losbricht, als Wonder Woman Doomsday attackiert. Für mich klingt das wie ein musikalisches Thema, das noch in 100 Remixes und Variationen benutzt werden kann, für Wonder Woman: „Is she with you?“ [Link: Spotify]

40_Schlimm dagegen: Wie viele Kämpfe auf Maschinenpistolen, Gewehrfeuer setzen. Fast alle Duelle wirken hässlich, langweilig, seelenlos/brutal… oft blitzend, flackernd… und klingen beschissen: stressiger, sinnloser Lärm.

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41_US-Zuschauer sahen vor dem Film einen Kinotrailer zum „Lego Batman Movie“ (2017), auch der nächste DC-Superhelden-Film, „Suicide Squad“ (August 2016), wird beworben. Ich sah nur eine Werbung für Städtetrips nach Gotham City, von Turkish Airlines – sonst aber vor allem Trailer für Dramen und Beziehungsfilme: Das lesbische Justizdrama „Freeheld“, den Eifersuchts-Thriller „A Bigger Splash“, die dänische Rentner-Schmonzette „Ein Man namens Ove“, das Tänzer-Biopic „Ein letzter Tango“ und die Gangsterkomödie „Nice Guys“. Bei Lidl sah ich BvS-Schlafanzüge, bei Primark T-Shirts (leider keine Wonder-Woman-Motive für Männer)… und auf Wired wartet ein charmantes Interview mit Lex Luthor

42_…doch am Tag nach der Premiere saß ich mit drei anderen Personen im leeren Kinosaal: DC schafft es selten, Vorfreude auf neue Filme zu wecken – oder die Figuren effektiv zu bewerben. Ich bin gespannt, wie viel Geld der Film macht und welche Konsequenzen das für Fortsetzungen hat. Ist wirklich kein weiterer „Superman“-Film geplant?

43_Es gibt keine letzte, überraschende Szene nach dem Abspann.

44_Mich ärgert, dass Martha Kent in einem Diner jobbt: 2003, im Comic „Superman: Birthright“, informiert sie sich online über Außerirdische und UFOs. In „Smallville“ wird sie US-Senatorin für Kansas. Im Kinofilm dagegen wirkt sie wie eine nicht-sehr-kluge Oma mit recht freudlosem Leben.

45_Mich ärgert noch mehr, dass sie ihrem Sohn sagt: „Du schuldest dieser Welt gar nichts.“ Klar – aus reinem Schuld- oder Pflichtbewusstsein trifft man keine guten Entscheidungen. Doch schon in „Man of Steel“ war ich enttäuscht, dass Jonathan Kent lieber in einem Tornado stirbt, als seinen Sohn zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Hier in den Filmen sind die Kents seltsame, asoziale (und religiöse: Martha trägt eine Halskette?) Provinz-Kleingeister.

46_Ist Mais in Kansas im November so hoch? Wozu die Dudelsäcke, auf der Beerdigung? Haben die Kents schottische Wurzen? Und (argh!): In „Man of Steel“ könnte Clark mit seiner lebendigen Mutter sprechen – doch wird stattdessen vor allem vom Hologramm seines toten kryptonischen Vaters belehrt. In „Batman v. Superman“ könnte Clark weiter mit Martha reden – doch hat sein wichtigstes Gespräch in einem Traum, mit seinem toten Erdenvater. Warum all diese toten Mansplainer?

47_Eine tolles Bild: Batman, auf einem Kran am Hafen. Ärgerlich, dass er dabei eine Waffe/Flinte hält (…um einen Tracker an einen Lexcorp-Truck zu feuern).

48_Metropolis wird angegriffen. Bruce Wayne rennt der Gefahr entgegen. Plakativ – aber ein guter Weg, die Figur zu erklären. Clark fehlen dieses Mal leidenschaftlich heroische Establishing Character Moments. (Nebenbei: Freunde waren verärgert, dass die Wayne-Angestellten in Metropolis erst Bruces Evakuierungsbefehl brauchen, um zu flüchten. Ich las viele Bücher über 9/11 – und verstand die Verwirrung und das Zögern im Gebäude.)

49_Träume, Horrorvisionen, Flash Forwards störten mich schon in „Man of Steel“ (und „Star Wars: Episode 7“): Ich weiß nicht, warum ausgerechnet der rationale Bruce Wayne dauernd Vorahnungen hat – und fand die Szenen weder spannend noch nützlich.

50_Bruce ist seit 20 Jahren aktiv – und fängt jetzt spontan an, Kriminelle zu brandmarken? Das ist archaisch, wirkt auf mich hässlich, primitiv… und lässt Batman fragwürdig erscheinen – damit die Drehbuch-Autoren besser Keile zwischen Bruce und Clark treiben können.

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51_Zack Snyders „Watchmen“ war mir zu dunkel, grau. Zack Snyders „Man of Steel“ unnötig freudlos. Auch in „Batman v. Superman“ gibt es viel Nacht, Regen, Schatten – doch ich hatte deutlich mehr Dunkelheit, stilisierte Tristesse erwartet: Supermans Kostüm ist farbkräftiger als in „Man of Steel“. In vielen Szenen gibt es Tageslicht oder helle Räume. Es könnte schlimmer, grauer sein.

52_Ben Affleck stört nicht: keine Fehlbesetzung. Henry Cavill dagegen wirkt schwächer als in „Man of Steel“, weil er… 1) weniger Szenen hat und weniger Gefühle zeigt, 2) noch mehr trainierte und, besonders in der Szene in Washington, lächerlich aufgeblasen wirkt, 3) in den besten „Man of Steel“-Szenen unrasiert war – doch dieses Mal gelackter, schmalzlockiger aussieht. Und: Beim Kämpfen schaut er so gepresst, als säße er auf dem Klo.

53_Im ganzen Film wird über Mythologie und die Antike gesprochen: Prometheus, Ikarus, der gordische Knoten, eine Sahnetorte, die aussieht wie die Akropolis… Lex faselt immerzu von Göttern, Engeln, Hölle, Teufel. Stichworte, dauernd im Raum – doch sie bleiben leeres Gerede. Ein Drehbuch, das raunt: Übermenschen sagen irgend etwas aus, über unser Menschen-, Gottesbild! Doch was – liebe Autoren?

54_Von einem Atomsprengkopf getroffen, schwebt Clark im All, die Hand wie in Michelangelos „Die Erschaffung Adams“. Lex Luthor deutelt am Gemäde in seinem Büro herum (ein echtes Kunstwerk – oder für den Film entworfen?): Engel aus der Hölle? Dämonen, die vom Himmel fallen? Nichts ist zu Ende gedacht. Hell – dunkel, oben – unten, fallen – steigen, Himmel – Hölle, Gott – Mensch… und, also? Warum? Kommt da noch was?

55_Die Batmobil-Verfolgungsjagd machte mir weniger Freude als in den „Dark Knight“-Filmen: zu unübersichtlich, dunkel, hässliche Straßen/Umgebung – und dauernd Maschinengewehr-Krach. An zu vielen Stellen im Film bindet Batman Gegner fest und schleudert sie dann umher. Das wirkt unnötig grausam, nicht effektiv…

56_…und passt eher zu Wonder Woman und ihrem magischen Lasso – das sie im Kampf gegen Doomsday einsetzt. Aber erst, nachdem sie lange mit einem Schwert hantierte. (Wo war das Lasso, bevor sie es benutzt? Hinter dem Schild?)

57_Fans auf TVTropes loben Batmans Seil-Spiele: „When Batman chases the Lexcorp truck, the way he uses the Batmobile’s towing cable to send a car full of [enemies] up in the air and make it crash on another car full of [enemies] is both hilarious and awesome.“ Ich fand die Szene grausam. Und musste an keiner Stelle, über keinen flauen Witz im Film, lachen.

58_„This film will make you hate Batman, Superman and the Justice League“, droht eine – immer wieder geteilte – Review von GQ (Helen O’Hara, Link). Ich mag Wonder Womans Freude am Kampf: Sie stürzt sich mit derselben Begeisterung/Entrückung auf Doomsday wie Xena in 90ern. Doch Batman wirkt unnötig brutal – etwa, indem er Pedophile markiert, damit sie in Gefängnissen Misshandlungen erfahren oder sterben (!); und beide Helden sagen einige fürchterliche Sätze: „Kannst du bluten?“, „Vernichten? Ich liefere dich aus. Das ist mehr, als du verdienst!“ Batman tötet Gegner (oder nimmt ihren Tod in Kauf) – oft mit einem gewissen… sadistischen Genuss.

59_“Unwissenheit ist nicht dasselbe wie Unschuld“, droht der afrikanische Warlord Lois Lane, nachdem die CIA-Wanze in der Kamera gefunden wurde. Ein guter Satz – weil er daran erinnert, wie viele globale Probleme wir als Konsumenten verschulden – um dann zu sagen: „Diese Länder sind so weit weg. Wir wissen das alles nicht so genau: die Produktionsbedingungen, die Politik.“ Schön auch: Clark, der über Verbrechen in Gotham berichten will und, als Perry sagt, das Thema betreffe die Leser nicht, fragt: „Kaufen arme Leute keine Zeitungen?“ Ein Minimum an Idealismus ist noch da – in diesem kalten, fahlen Film.

60_Trotzdem stehen für mich zu viele solcher Sätze bezugs- und anschlusslos im Raum: Sie wirken bedeutend. Doch das Drehbuch denkt die Fragen nicht weiter. „Meine Welt existiert nicht mehr.“ (Clark, über Krypton… und Hoffnung.) „Die Welt ergibt nur Sinn, wenn man sie dazu zwingt.“ (leeres Gerede von Bruce.) Zu große Worte – in einer zu dünnen, oberflächlichen Geschichte.

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61_Cyborg ist schwarz. Der Aquaman-Darsteller Hawaiianer. The Flash ist Asian American? Dann sind die weißen Männer in der Justice League zum ersten Mal in der Minderheit. Ich bin gespannt, ob Hal Jordan (ein weißer Testpilot) Green Lantern wird – oder John Stewart (ein schwarzer Marine und Architekt). So oder so: Mir gefällt, dass in fast jeder Gruppen-Szene im Film Figuren of Color zu sehen sind – wenn auch meist nur als Zuschauer oder Opfer. (Der Film hat Unmengen von Opfern. Wer kein Held ist, ist sofort Opfer.)

62_Es gibt keine Verknüpfungen, besonderen Verweise zum nächsten DC-Film, „Suicide Squad“. Ich habe mit einem Auftritt des Jokers gerechnet – vor allem gegen Ende, als Lex Besuch in seiner Zelle bekommt. Szene mit Joker und/oder Riddler waren angedacht – doch wurden gestrichen.

63_In den Comics wird Batmans zweiter Robin, Jason Todd, vom Joker gefoltert und erschlagen. Als Mahnung und Andenken stellt Batman Todds Robin-Uniform in der Batcave aus. Ich mag, wie erhöht/fliegend die Uniform im Film präsentiert wird. Das aufgesprayte „Ha ha ha the joke’s on you Batman“ wird etwas zu lang/überdeutlich gezeigt – warf aber eine interessante Fan-Theorie auf: Was, wenn Joker Todd nicht erschlug – sondern (in den Filmen) Todd zu Joker wurde?

64_Die komplette erste Stunde lang dachte ich: Das ist so dicht, schnell, komplex wie die ‚Dark Knight‘-Filme. Dann begannen die ersten Maschinengewehr-Krawall-Szenen. Mir schien Luthors Intrige/Erpressung im Finale klug, raffiniert. Dann begann eine dümmliche, viel zu laute Endlos-Keilerei. Ich glaube nicht, dass der Film grundsätzlich unverzeihliche Denk- oder Konstruktionsfehler hat. Doch der Fokus liegt oft falsch. Das Timing hapert. Allen Figuren fehlt Tiefe, Stringenz. Zu viel ist unnötig… ätzend.

65_Meine Lieblingsszene: Clark überrascht Lois in der Badewanne. Einige Online-Bros fanden das zu dick aufgetragen, wish fulfillment für Frauen: Clark bringt Blumen und macht Spiegelei? Warum nicht! Mich irritiert nur das (betont maskuline?) Werkzeug, das im Apartment neben dem Fernseher hängt: Braucht Clark Werkzeuge? Kann er das meiste nicht via Kraft und Hitzeblick bearbeiten?

66_Affig-maskulin auch die „Bruce Wayne trainiert mit Ketten und Traktorenreifen“-Montage. Nach „The Dark Knight Rises“ ist mein Bedarf an „Bruce trainiert“-Szenen für immer gedeckt.

67_Einige Namedropping-Momente: Zod kommt aus Kandor. Hat das Bezug zu Brainiac? Major Farris hat nichts mit Carol Ferris zu tun – Hal Jordans Freundin? Lana Lang und Pete Ross waren auf Clarks Beerdigung? Patrick Wilson leiht dem US-Präsidenten die Stimme? Wird er in späteren Filmen auftreten? Hat Wallace Keef – dessen zetrümmerte Beine amputiert werden mussten – Bezug zu Wallace West, Sprinter/Speedster und Neffe von The Flash?

68_Zwei Officers heißen Rucka und Mazzuchelli (nach DC-Autoren). Fans im Netz fanden außerdem ein „Who watches the Watchmen?“-Graffiti (auf Latein) und Andeutungen/Tags, dass das leerstehende Gebäude in Gotham, in dem sich Batman und Superman prügelten, vorher ein Versteck von Harley Quinn und dem Joker war.

69_In Wallace Keefs Wall of Crazy war eine Superman-Zeichnung zu sehen, die das erste „Action Comics“-Titelbild variiert. Ich mochte auch Perrys (alberne) Ermahnung an Clark, dass „nicht mehr 1938 ist“ (das Jahr, in dem Superman debütierte.)

70_Mich ärgert, dass Keef von einem nicht-behinderten Darsteller gespielt wird. Doch ich mag, dass Lex – der dauernd zum Höchsten strebt, zu dem die Menschheit fähig ist – immer wieder Personen mit Behinderung oder in Rollstühlen um sich hat (z.B. auch seine Schwester, Lena Luthor) und sich an ihnen verhandelt.

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71_Wenn Heldenfilme (und -Comics) floppen, wird irritierend oft die Schuld bei den Kostümen gesucht, z.B. den Gummi-Brustwarzen an George Clooneys „Batman & Robin“-Suit. In „Batman v. Superman“ funktionieren alle Kostüme: Supermans Anzug ist etwas heller/bunter als in „Man of Steel“, Bat-Anzug und Bat-Rüstung wirken praktisch und plausibel. Auch Wonder Womans Kostüm trifft den Charme der Comics – doch scheint trotzdem angemessen realistisch. (Schade, dass ihr Schild kein Zeichen oder Motiv trägt: Es wirkt etwas unfertig).

72_Ich hoffte, das Lex in jeder Szene seltsame Motiv-Shirts trägt. Der Bat-Trenchcoat in Bruces Vision wirkte albern, 90er-Jahre-haft. Und Doomsday fand ich entsetzlich – ein billiges Computer-Monster (ohne Penis), an dem alles unfertig, lieblos, generic wirkte. Im Comic hat Doomsday oft ein überraschend ausdrucksstarkes Gesicht. Das nächste Mal: mehr Spikes, mehr Charakter, mehr Mühe!

73_Batmans Rüstung stammt aus Frank Millers Comic „The Dark Knight Returns“ von 1986. In dieser dystopischen Geschichte ist Superman ein hirn- und skrupelloser Unterdrücker, der für die US-Regierung kämpft, ohne, die Befehle zu hinterfragen. Ich bin sehr froh, dass diese Clark-als-dumme-staatliche-Marionette-Vision im Film kein Thema ist: „Er ordnet sich niemandem unter.“ Sehr gut. In zu vielen Geschichten durchschaut Batman einen Diktator… während Superman blind gehorcht.

74_Eine Ausnahme: Der Comic „Injustice: Götter unter uns“ (hier empfohlen), in dem Superman durch Strafen, Kontrolle, Einschüchterung weltweiten Frieden erzwingt – nachdem der Joker den Tod Lois Lanes, die Zerstörung Metropolis‘ verantwortete. Superman legt die Hand auf die Brust des Jokers – und stößt sie ihm durch Herz und Brustkorb. Dasselbe passiert hier im Film – mit Bruce als Opfer.

75_Überzeugende Effekte? Die Parademons. Schwach dagegen: die trashig animierte, pulsierende Mother Box, die (plakativ platziert) in Silas Stones Labor steht.

76_Schon seit dem Omega-Symbol und der ruinierten Stadt im Filmtrailer dachte ich, Superman, Batman, Wonder Woman kämpfen (ähnlich wie in Band 1 der neuesten „Justice League“-Comicreihe) gegen den außerirdischen Despoten Darkseid. Tatsächlich ist die Szene nur ein Alptraum/eine Vision von Bruce. Erst nahm ich an, sie spielt auf Darkseids Welt, Apokolips. Doch offenbar geht es um eine verwüstete Erde, regiert von Superman – und Darkseid? Wollte Darkseid die Erde in ein zweites Apokolips verwandeln – durch Erwärmung, oder Lava?

77_Luthor behauptet, eine Glocke sei geläutet, jemand sei unterwegs. Wohl Darkseid. Sinestro oder [eine Twist-Version von] Green Lantern wären interessanter. Die Glocken-Metapher erinnert mich an aktuelle „Justice League“-Comics: Dort wurde die Heimatwelt von Owlman, Powerman, Superwoman zerstört, und als die drei in „Forever Evil“ die Helden der Erde bekämpfen, wird der Zerstörer erst auf die Erde aufmerksam: Das Trio wird geschlagen. Doch die größere Bedrohung ist damit auf dem Weg.

78_Jesse Eisenbergs Lex Luthor? „One of those rare characters in the history of cinema you just don’t want to see on screen. Whenever he comes on you’re gritting your teeth and hope the frenetic editing will cut to another scene. […] Maybe five scenes in this whole movie are longer than 90 seconds and it feels like all of them feature Luthor.“ [Ben Dreyfuss, Link] Das Faseln. Die Ticks. Die Darstellung wäre okay für einen bösen Clown, etwa den Toyman. Doch Dietmar Dath hat Recht, wenn er schreibt: „Eisenberg gefällt sich in Gejuckel, Gesabber und einer Start-up-Turnschuh-Lumperei, die man vielleicht im zweiten Schauspieljahr für ein zeitgenössisches Musical namens ‚Steve Jobs ist Dr. Frankenstein‘ gebrauchen kann.“ [Link] Immerhin: Ich mag, dass Luthor sich selbst „Büchernarr“ nennt. Und: Mit rasiertem Kopf wirkt er noch mehr wie Oliver Pocher.

79_Als Geschäftsmann, Machtmensch, Erfinder ist Luthor stark. Sobald er im Gefängnis sitzt, wird die Figur langweiliger. Ich wünschte, Lex wäre frei und hätte alle Ressourcen. In den aktuellen Comics erpresste er sich einen Platz in der Justice League – weil er Batmans wahre Identität kennt.

80_Das Foto von Wonder Woman in Belgien, 1918? Großartig. Doch die Idee, dass Diana vor 100 Jahren „Abstand von der Menschheit suchte“? Schlimm: Ein Clark, dessen Eltern ihm ständig raten, niemandem zu helfen. Eine Wonder Woman, die nichts gegen den Holocaust unternahm! Der „Wonder Woman“-Kinofilm spielt im ersten Weltkrieg. Heißt das, am Ende jenes Films ist Diana so genervt, gebrochen, von den Menschen enttäuscht, dass sie für 100 Jahre verschwindet? Das macht keine Vorfreude.

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81_Im kryptonischen Schiff aus „Man of Steel“ gab es eine offene Bio-Kapsel. Die Begleit-Comics zum Film zeigten, dass Kara Zor-El damit zur Erde kam – Clarks Cousine, Supergirl. Die „Supergirl“-TV-Serie scheint mir ein Universum für sich (zusammen mit „Arrow“, „The Flash“, „Vixen“). Heißt das, wir sehen Supergirl, im Lauf der nächsten DC-Filme? War Supergirl „offiziell“ in dieser Kapsel – und wird das wieder Thema?

82_Ich bin nicht sicher, warum Clark das Schiff Zods nicht benutzt – zum Beispiel, um Daten über 100.000 Alien-Zivilisationen (!) einzusehen. Auch Datenkrake Batman hätte wohl Interesse. Stattdessen darf Lex ins Schiff und sich, ohne Widerstand oder Kontrolle, ein Wesen klonen (…heißt das: Wer immer Zugang zum Schiff hat, hat eine Art Klon-, Monster- und Lazarus-Grube?). Auch in den Comics klont Lex immer wieder, z.B. Bizarro. Dass Lex sein eigenes Blut benutzt, erinnert mich an Superman Tod in den Comics: Dort erschafft er einen Superboy – mit Überresten Clarks und seiner eigenen DNA. Superboy hat zwei Väter – Lex und Clark.

83_Sah man Michael Shannons Hintern, als Lex Zods Leiche ins… Gebärmatrix-Wasser zog? Ich machte während des Films Notizen – und sah nicht hin. (Dasselbe mit Amy Adams Brustwarzen, in der Badewanne.)

84_Meine beiden größten Logik-Löcher: Clark hält Batman auf, als er das Kryptonit aus Luthors Truck stehlen will – doch schaut nicht nach, was Bruce eigentlich sucht, im Truck? Clark nutzt an keiner Stelle den Röntgenblick? Und: Dieser „Martha“-Unsinn! Als in den ersten 10 Minuten der Name „Martha“ fiel, dachte ich noch: „Jetzt müssen die Autoren aufpassen, dass Martha Kent nicht auch beim Vornamen gerufen wird – sonst wird es schnell verwirrend.“ Dass a) Superman keine Chance nutzt, um Bruce von der Entführung zu erzählen, aber b) „Martha“ zum Zauberwort wird, das Bruce sofort zum Zuhören, Nachfragen bringt, ließ mich kalt.

85_Als Journalistin hat Lois, wie gesagt, dieses Mal mehr Glück als Verstand. Dass sie den Kryptonit-Speer ins Wasser wirft und einige Minuten später beim Versuch, ihn zu bergen, fast ertrinkt, lässt viele Menschen die Augen rollen: Lois als ineffektives Faux Action Girl, das mehr Probleme schafft als löst.

86_Clark versucht gar nicht, Martha zu finden – sie ist nicht mal geknebelt: Könnte er sie hören? Alfred kann das Handy des Russen binnen Sekunden orten? Das hätte Lex absehen müssen. Warum erschießt niemand Martha, während Bruce minutenlang mit Handlangern kämpft? Und: Wozu ein Flammenwerfer – statt einer einfachen Pistole?

87_Muss man die unbewohnte Insel in der Bucht von Metropolis „Stryker’s Island“ nennen? In den Comics ist dort ein Alcatraz-artiges Gefängnis. So macht Namedropping keinen Spaß – weil die Bezüge fehlen. Und: eine Atombombe so nah an der Stadt – ist das kein Riesenproblem? (Die selbe Frage stellte ich mir schon bei „The Dark Knight Rises“.)

88_Warum „Gotham Free Press“ statt, wie in den Comics, „Gotham Gazette“? Und: ein Football-Spiel zwischen Metropolis und Gotham wurde gedreht – doch im Film sah ich nichts davon. Was wurde aus der (recht aufwändig klingenden) Szene? Auch hier: Warum „Gotham City University“ gegen „Metropolis State“ – statt etablierte Mannschaften wie „Gotham Wildcats / Titans / Rogues“ gegen „Metropolis Metros“ und „Metropolis Meteors“? Das selbe gilt für etablierte Straßennamen und Viertel in Gotham und Metropolis: Warum nicht auf dem World Building der Comics aufbauen?

89_Das Batsignal steht auf einem leerstehenden Gebäude? Wer bedient es? Hätte Batman, wie in den Comics, gute Kontakte zum Gotham City Police Department, wäre die „Batman v. Superman“-Story komplexer: Dass Bruces Rolle als Staats-Helfer ausgespart wird, macht die Fronten klarer. Was tat Batman 20 Jahre lang für Gotham? Die meisten Leute nennen ihn immer noch „Die Fledermaus“ – und wissen nichts.

90_Wonder Woman, Diana Prince: Antiquitätenhändlerin. Kein Wunder, dass Bruce an Catwoman denken muss – und sagt: „I’ve known a few women like you.“ Muss Diana so klar Bruces Beuteschema, Frauentyp entsprechen? Vor 2011 herrschte in den Comics (etwas) sexuelle Spannung. Seit 2011 spielen alle Geschichten in einer neuen Welt, in der Lois und Clark niemals ein Paar waren – und Clark stattdessen Diana dated. In den Filmen will ich Diana bitte nicht als Trophäe, Belohnung, Zankapfel sehen.

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91_Zu Beginn und zum Ende: eine Beerdigung. Doch auch hier: Bookends/Klammern ohne tieferen, intelligenten Bezug. Ich halte Supermans Tod für verschenkt: Ich las die „Death and Return of Superman“-Storyline (als Roman) mit 14, 1997 – und weiß, wie viel es erzählen gäbe über eine Welt, die Superman verlor und sich neu orientieren muss.

92_Genauso mag ich das „Batman“-Crossover „No Man’s Land“: Nach einem Erdbeben ist Gotham abgeschnitten, die Brücken werden gesprengt. Dass „The Dark Knight Rises“ einem Millionenpublikum riesige Szenen im „No Man’s Land“-Stil zeigte, machte mich froh. Doch natürlich hätte ich lieber „No Man’s Land“ selbst im Kino gesehen. So geht es mir mit Doomsday – und Supermans Tod: Ist diese kümmerliche Spar-Version besser als nichts? Oder der Grund, dass jetzt die nächsten 20 Jahre lang keine echte Adaption kommen kann – weil die Story frisch verheizt wurde?

93_Auf DVD wird der „Batman v. Superman“ länger und brutaler. Dann taucht auch Jena Malone auf – als Barbara Gordon (…und Batgirl?). Schade, dass sie in der Kino-Version fehlt. Doch große Hoffnungen auf eine interessante Figur, viel Tiefgang habe ich nicht.

94_Statt „vs.“ heißt der Film „v.“ – weil US-Justizfälle „v.“ zwischen streitende Parteien setzen, kein „vs.“: Das „v.“ klingt würdevoller, juristischer. Der Film jedoch zeigt kaum Debatten, klugen Austausch zwischen den Parteien – sondern bleibt eine „versus“-Prügelei, ohne klug clashende Ideologien, Argumente.

95_Mit einem Gegner, der sprechen kann, hätte das Finale mehr Substanz. Zehn, fünfzehn Minuten Doomsday, Blitze, Geschrei, Atombomben, Trümmer, finstere Blicke und Wonder-Woman-Kriegstrommeln machten mir keine Freude.

96_Im Finale von Märchen-, Disney- und Kinderfilmen bricht der Held oft scheintot zusammen – doch wird nach ein paar traurigen Sekunden wachgeschüttelt, wachgeküsst, schlägt plötzlich wieder die Augen auf. TV Tropes nennt das „Disney Death“ – und „Batman v. Superman“ hat, unwürdig für einen „erwachsenen“ Film, gleich zwei dieser schäbigen Beinahe-Tode im Finale: Lois, fast ertrunken. Und Clark, fast beerdigt.

97_Nichts wäre eskaliert, hätten die Helden schnell genug miteinander gesprochen. Ich war kein Fan des „Civil War“-Comic von Marvel, bei dem Captain America und Iron Man einen ähnlichen Riesen-Streit beginnen. Die Verfilmung startet am 28. April 2016. Ich hoffe, das wird psychologischer, politischer, klüger.

98_Und jetzt? 2016: „Suicide Squad“ (DC) sowie „Doctor Strange“ (Marvel). 2017: „Wonder Woman“, „Justice League“ (DC) sowie „Guardians of the Galaxy 2“, „Spider-Man“, „Thor 3“ (Marvel). 2018: „The Flash“, „Aquaman“ (DC) sowie „Black Panther“, „Avengers 3“, „Ant-Man 2“ (Marvel). 2019: „Shazam“, „Justice League 2“ (DC) sowie „Captain Marvel“, „Avengers 4“, „Inhumans“ (Marvel), und 2020: „Cyborg“ und „Green Lantern Corps“ (beide DC) – außerdem drei weitere „Batman“-Filme mit Ben Affleck. Uff.

99_Niemand hat einen Grund, diesen Film zu sehen. Wer die Figuren mag, findet bessere Comics. Wer die Figuren nicht mag, wird nach „Batman v. Superman“ noch weniger Respekt, Interesse an ihnen haben.

100_Torsten Dewi hält den Film für viel misslungener. Ich teile seine Argumente nicht. Doch mag die Einleitung: „Ein Film, so inkohärent, so qualitativ wie emotional wackelig, dass sich darin kein gerader Review-Faden finden lässt. [Mein Text wird] ein Text des ‚leider, aber immerhin‘ und des ‚wenigstens, aber dann wieder'“

Ja. Leider. Aber immerhin.

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  • [dachte noch jemand, als Bruce und Clark das Abbruch-Haus verwüsteten, an die „Spike und Buffy haben Sex im Abbruch-Haus – und verwüsten es dabei“-Szene aus Staffel 6? #BvS #BtVS]

Deutschlandradio Kultur - Batman v Superman, Stefan Mesch Foto

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Update, 28. März: Freund X sah den Film – und mailte mir Anmerkungen (großartig!):

  • Flammenwerfer für Martha: Lex sagte, Martha sei eine Hexe, und Hexen müssen brennen.
  • Der Atomsprengkopf explodierte im All, nicht auf Stryker’s Island.
  • Viele Gebäude in Metropolis befinden sich im Wiederaufbau.
  • Die „Brandmarkung durch Batman stellt ein Todesurteil dar, da die so Markierten im Gefängnis zu Tode misshandelt werden.“
  • „Als Michael Shannon ins Wasser gezogen wird, überdeckt der Arm Lex Luthors sehr geschickt Zods Penis.“

und: „Ich hätte übrigens gedacht, dass Alien-Technologie schlauer ist und sich nicht von aufgepappten Fingerkuppen überlisten lässt.“

Batman v Superman: Buchtipps, Comic-Tipps, empfohlene Graphic Novels

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Am 22. März spreche ich bei Deutschlandradio Kultur über Batman versus Superman:

Im Magazin ‚Lesart‘, kurz nach 10 Uhr – auch zum Nachhören auf der Website.

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Heute: Comics zu Batman, Superman, der Justice League und Wonder Woman.

Klassiker und Geheimtipps, aktuelle Bestseller – und Ideen für Neueinsteiger.

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drei überraschend gute Listicles/Klickstrecken zum Einstieg:

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DC- (und Marvel-)Comics erscheinen meist als monatliche Serien. Ein Heft hat 20 bis 30 Seiten; und einige Monate später erscheinen die Handlungsbögen als Sammelband/Trade Paperback/“Graphic Novel“ noch einmal gebunden – meist etwa sechs Hefte. Solche 8 bis ca. 20 Euro teuren Bände stehen oft (halbwegs) für sich allein und erzählen eine (recht) geschlossene Geschichte.

Die „ganze“ Geschichte versteht man erst, wenn man alle denkbaren Heftreihen parallel liest – über 50 pro Monat. Doch niemand hat diesen Komplett-Überblick, und weil die Reihen und ihre Sammelbände oft überraschend schwanken (z.B. auch, weil Zeichner*innen und Autor*innen oft wechseln), will/kann ich keine Aussagen machen wie „‚Wonder Woman‘ ist eine gute Serie. Lest die ‚Wonder Woman‘-Sammelbände!“

Band 1 bis 6 sind sehr gut. Band 7 und 8 nicht mehr.

Viele der folgenden Empfehlungen haben Vorgänger- und Nachfolge-Bände und -Kapitel. Nicht alles erklärt sich sofort, und fast jede Geschichte hat diverse Vorgeschichten und Verweise auf frühere Verwicklungen. Neueinsteiger werden manchmal rätseln. Schlingern. Stolpern. Das gehört dazu – und macht oft Spaß. Im Notfall gibt es Fan-Seiten. Und sehr ausführliche Wikipedia- und TV-Tropes-Einträge zu allen Figuren und bisherigen Plots.

Ist der jeweilige Heft-Autor klug, sind auch Superman, Batman, Wonder Woman klug, sympathisch, überraschend komplex. Bei schlechten Autoren wird es schnell platt, brutal und plakativ.

Mitunter aber werden diese Figuren meisterhaft erzählt.

Hier sind Klassiker, Neuerscheinungen und persönliche Highlights:

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Es gibt gute Kinder-Comics wie „Superman Family Adventures“. Gute Jugend-Trickserien wie „Young Justice“. Guten Comedy-All-Ages-Quatsch wie „Teen Titans Go“, „Tiny Titans“ und „Little Gotham“. Und es gibt – wenige – Graphic Novels und Bildbände, die man mit Neun-, Zehn-, Elfjährigen lesen kann. Einfache, in sich geschlossene Geschichten, in denen Helden vorgestellt und stimmig inszeniert werden. Meine Favoriten:

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1 – DC Helden

Superman Batman DC Helden

[Link] …von Paul Dini, Zeichnungen (nein: Gemälde!) von Alex Ross:

Fünf großformatige, kurze, bildlastige Helden-Portraits als wunderbarer Sammelband. Je eine – recht menschliche, gefühlvolle – Begegnung mit Superman, Batman, Wonder Woman, Captain Marvel/Shazam, dazu ein Abenteuer der Justice League und eine Handvoll weiterer Helden-Kurzbiografien. Ein Bilderbuch. Ein Coffee Table Book. Ein Buch zum Verschenken – und Staunen. [Hier die US-Ausgabe.]

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2 – Trinity

superman batman trinity

[Link] …von Matt Wagner:

Eine recht kurze, etwas simple/kindische Geschichte über die ersten Begegnungen von Superman, Wonder Woman und Batman. 50er-Jahre-Atmosphäre – charmant, für Kinder und Kindsköpfe. Im Gegensatz zu Tipp 1 kein Buch, für das ich viel Geld ausgeben würde.

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3 – Superman for all Seasons …und Batman: The Long Halloween

Superman Batman Superman for all Seasons

Superman: Link

Batman: Link

…von Jeph Loeb, Zeichnungen von Tim Sale:

Atmosphäre! Details! Charakter-Szenen! Jeph Loeb, später Autor bei der zunehmend schrecklichen TV-Serie „Heroes“, ist manchmal überdeutlich, langsam, dumpf-vorgestrig. Doch diese beiden abgeschlossenen Geschichten aus den Anfangsjahren von Superman und Batman reißen mit… und rühren. Keine Vorkenntnisse nötig.

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Landei gegen Milliardär. Alien gegen Mensch. Kraft gegen List. Licht gegen Schatten. Superman und Batman haben viel gemeinsam – doch entscheidende Unterschiede. Drei Comics, die solche Unterschiede und die komplizierte Freundschaft der beiden Helden genauer beleuchten – mal psychologisch, mal nur als große Keilerei:

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4 – Superman/Batman: Supergirl

Batman v Superman, Supergirl

[Link] …von Jeph Loeb, Zeichnungen von Michael Turner:

Eine Jugendliche strandet in einer Rettungskapsel in Gotham City… und sagt, sie sei Supermans Cousine. Clark Kent ist hingerissen. Bruce Wayne misstrauisch. Eine simple, aber sehr schmissige Mainstream-Geschichte, die sich viel Zeit nimmt, die Unterschiede zwischen Bruce und Clark zu beleuchten. Ein Minuspunkt: Supergirl sieht aus wie Paris Hilton – die Zeichnungen wirken schäbig, oversexed. Und obwohl die von Jeph Loeb begonnene „Superman/Batman“-Heftreihe zwölf Sammelbände füllt… ist das hier der einzige (halb-)gute.

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5 – The Dark Knight Returns

Batman v Superman, Dark Knight Returns

[Link] …von Frank Miller, Zeichnungen von Klaus Janson

Ein düsterer, medienkritischer, energisch gezeichneter Klassiker von 1986: Batman als alternder, einsamer Kämpfer. Superman als tumber amerikanischer Hurrapatriot, eine Marionette der neoliberalen Regierung. Bombenhagel, Straßenschlachten, Punks, Slums, zynische Talkshows. Autor Frank Miller ist heute Islamhasser/Rechtspopulist. Sein Batman ist ein Wutbürger, der drischt und knurrt. Ich mochte den Comic – und kann verstehen, warum er als Klassiker gilt. Doch ich glaube, „Meisterwerk“ jubeln hier nur Sechzehnjährige, die glauben, alles über dumme Medien, dumme Wähler, die scheinbar gar-so-dumme Welt verstanden zu haben: Sozialkritik auf dem Niveau der „Robocop“-Fime. [Seit Herbst 2015 erscheint eine (weitere) Fortsetzung, „The Dark Knight 3: The Master Race“.]

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6 – JLA: Tower of Babel

Batman v Superman, Tower of Babel

[Link] …von Mark Waid, Zeichnungen von Howard Porter:

Die „JLA“-Comics ab 1997 waren große Bestseller und sind bis heute absurd beliebt. Ich las die Reihe 2008 – und bereits damals schien der Tonfall gestrig: simple Figuren (jeder hat nur ein, zwei Charakterzüge), unterkomplexe Debatten. Der einflussreichste Band zeigt, wie Batmans Erzfeind Ra’s al Ghul alle Helden erfolgreich attackiert. Bis Batman klar wird: R’as benutzt geheime Strategien, die Batman selbst erarbeitet hat – um im Notfall all seine Freunde vernichten zu können. Batmans Paranoia wird zur Gefahr fürs Team. [Ein wichtiger Moment. Doch die Idee ist besser als ihre flaue Umsetzung.]

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Superman, Batman, Wonder Woman, The Flash, Green Lantern, Aquaman und andere Helden sind – schon seit 1960 – die Justice Leage: ein Superheldenteam mit komplizierter Geschichte und, Seite für Seite: zu vielen Köchen, Kräften, Baustellen, Erzählfäden. Justice-League-Comics sind selten gelungen. Denn auf 20 monatlichen Seiten ist Platz, drei, vier Figuren zu beleuchten. Doch keine sieben und mehr. Und alle Gegner. Im schlimmsten Fall sind „Justice League“-Comics ein fades, flaches Durcheinander. Im besten Fall: ein überfrachtet überambitioniertes, wahnwitziges, tolles Durcheinander. Highlights… mit viel zu vielen Helden. Zu vielen Bällen, wild und wirr jongliert:

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7 – Injustice: Gods among us, Jahr 1

Batman v Superman, Injustice - Gods Among Us

[Link] …von Tom Taylor und wechselnden Zeichnern.

Als der Joker Metropolis zerstört, verliert Superman alle Beherrschung – und sein Vertrauen in die Welt: Er wird Despot und sorgt für Frieden durch Überwachung und Kontrolle. Batman, Green Arrow und viele überraschende Figuren wie Harley Quinn versuchen, Superman ins Gewissen zu reden. Doch im Lauf von fünf Jahren schaukelt sich der Konflikt immer weiter hoch. Jahr 1 (von 5) ist wundervoll – eine intelligente, düstere, politische Was-wäre-wenn-Geschichte, von Tom Taylor überraschend witzig, warmherzig und liebevoll erzählt. Ab Jahr 3 wechselt der Autor, und die Schachzüge, Tricks zwischen Batmans und Supermans Gefolge werden recht beliebig. Trotzdem: die unterhaltsamste und klügste Team-Reihe der letzten Jahre!

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8 – Justice League: The Injustice League

Batman v Superman, Injustice League

[Link] …von Geoff Johns und wechselnden Zeichnern, u.a. Doug Mahnke:

Seit dem DC-Neustart von 2011 gehört Geoff Johns‘ „Justice League“ zu den größten Publikumserfolgen. Doch erst Band 6 nimmt sich viel Zeit für Figurenentwicklung, Mit- und Gegeneinander, Grundsatzdebatten: Lex Luthor ist (nach den Ereignissen des nicht-lesenswerten Crossovers „Forever Evil“) Teil der Liga und inszeniert sich als Retter.  Schon in Band 7 wurde mir alles wieder… zu haudrauf. Doch hätte ich mit 13 „Injustice League“ gelesen, ich hätte wochenlang nachgedacht – über diese geheimnisvollen, verwirrenden Helden, und ihre komplizierten Konflikte.

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9 – Smallville

Batman v Superman, Smallville

[Link] …von Bryan Q. Miller, wechselnde Zeichner:

Auch hier: Ein überraschend liebevolles, witziges, charakterstarkes Mainstream-Helden-Epos. Die „Smallville“-TV-Serie habe ich nie verfolgt. Egal. Nicht nötig! Ich mag, wie viel Zeit sich Miller für Wortwitz und schöne Freundschafts- und Romantik-Momente lässt und las die ersten sechs Sammelbände (Tiefpunkt: Band 2, Highligh: Band 5), doch verlor später, kurz vor Ende der Reihe, das Interesse: Statt Lois, Clark, Lex Luthor tauchen bald alle denkbaren DC-Helden und -Schurken auf – viel zu wahllos, viel zu schnell. Eine Parallelwelt zu den gängigen DC-Reihen… die sich zu schnell an diese gängigen Reihen annähert. Nein: anbiedert.

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Seit 2011 erschienen leider kaum noch gute Superman-Comics. Batman-Reihen dagegen werden beliebter – und haben die besseren Zeichner und Autoren. Die Serien „Detective Comics“ und „The Dark Knight“ blieben holprig; auch „Batman & Robin“ hat immer wieder Mühe. Doch Scotts Synders Projekte – „Batman“, „Batman Eternal“, „Batman & Robin Eternal“ – sowie „Batgirl“, „Batwoman“ und „Gotham Academy“ zeigen: Nie geschah so viel Interessantes in Gotham, so schnell, für so viele interessante Figuren. Mich stört nur, dass Bruce Wayne immer plumper als Genie und Übermensch gezeigt wird: Muss er über alles triumphieren? Immer?

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10 – Batman: The Court of Owls

Batman v Superman, Court of the Owls

[Link] …von Scott Snyder, Zeichnungen von Greg Capullo:

Ein Blockbuster – dramatisch, düster, voller Superlative, High-Tech-Waffen, überlebensgroßen Heldentaten und wahnsinnigen Super-Super-Superschurken: Band 1 und 2 erzählen den Kampf Batmans gegen einen Geheimbund mitten in Gotham City. Band 3, 6 und 7 drehen sich um den Joker – und langweilten mich: viel Nervenkitzel, viel Blut, aber kein stimmiges Ende. Band 4 und 5 sind besonders einsteigerfreundlich: Sie zeigen die Zeit, in der Bruce Wayne zu Batman wird – und seine ersten Abenteuer in Gotham. Deshalb: 1, 2, 4, 5. Oder 4, 5, 1, 2. Und: nicht zu lange nachdenken, warum Bruce Wayne in jedem Sammelband ca. drei Gespräche über bahnbrechenden High-Tech-Gadget-Prototypen-Unsinn führen muss. #sinnlosesuperlative #sinnloseshightech

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11 – Batman: Superheavy

Batman v Superman, Batman Superheavy

[Link] …von Scott Snyder, Zeichnungen von Greg Capullo:

Band 8 derselben Reihe stellt alles auf den Kopf. Commissioner Gordon rasiert sich den Schnurrbart ab, geht trainieren und wird zu Batman, in einer Roboter-Rüstung [im Stil von ‚Iron Man‘]. Die Idee ist hanebüchen, sympathisch frech und irritierend – und ich dachte lange: Wenn ich alle anderen Batman-Comics vorher lese/aufarbeite, die Vorgeschichte hierzu sehr gut kenne, überrumpelt mich das weniger. Doch es überrumpelt so oder so. Deshalb: Einfach los! Ohne Googeln, Vorbereitungen, lange Recherche: ein seltsames, frisches, originelles Kapitel.

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12 – Batman Eternal

Batman v Superman, Batman Eternal

[Link] …von u.a. Scott Snyder, James Tynion IV und wechselnden Zeichnern:

Seit 2006 versucht DC immer wieder wöchentliche Heftreihen. Doch bisher überzeugte mich nur die erste, „52“. „Batman Eternal“ zeigt eine (schein-)komplexe, überfrachtete Verschwörung, die sich durch alle Figurengruppen Gothams zieht. Solide Dialoge, viel Abwechslung, oft überraschend gut gezeichnet: ein Mainstream-Batman-Comic, der alle Aspekte von Batmans Welt anreißt… aber kaum etwas überzeugend auserzählt. Für fünf, sechs Hefte am Stück fühle ich mich immer blendend unterhalten. Dann denke ich wieder: eine Aufzählung, Reihung, Gebetsmühle – Namedropping, Anspielungen, Cameos. Drei Schritte seitwärts. Zwei zurück. Macht süchtig – wie eine nicht-sehr-gute, aber rasante Soap.

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Batman und Superman hatten mehrere TV-Serien und Kinofilme. Ihre Städte, Gegner, Liebes- und Vorgeschichten sind bekannt. Wonder Woman ist genauso alt – doch immer wieder wird ihr Hintergrund verändert: eine tolle Figur – der oft die tollen Autoren fehlen. Anders als Superman aber, mit dem sie ab 2012 liiert war, hat sie auch in den letzten Jahren gute Geschichten. Für Einsteiger, nur zwischendurch: Band 3 von „Sensation Comics“ – charmante, kurze Episoden. Die drei maßgeblichen „Wonder Woman“-Autoren und Sammelband-Reihen:

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13 – Wonder Woman (New 52, Band 1 bis 6)

Batman v Superman, Wonder Woman

[Link: 6 Bände] …von Brian Azzarello, Zeichnungen von Cliff Chiang:

Diana muss eine junge Schwangere beschützen – vor dem Zorn der Götter, sechs Sammelbände lang. Simple, aber stilsichere Zeichnungen. Kluge, schnippische Dialoge und Figuren. Nur Wendungen hat diese Odyssee durch London und die antike Unterwelt fast keine; und zwischen den pompösen griechischen Gottheiten wirkt Diana zu oft wie eine machtlose, zufällige Randfigur. Ich kenne keine zweite Mainstream-Comicreihe aus den letzten Jahren, die 30 Hefte lang auf gleichbleibend hohem Niveau eine schlüssige, anspruchsvolle Geschichte erzählte. Respekt! Doch der letzte Funke… fehlt.

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14 – Wonder Woman (1987)

Batman v Superman, Wonder Woman Perez

[Link] …von George Perez (Text und Zeichnungen):

Ein Klassiker – zeitlos, aber unfassbar achzigerjahrig. In bisher vier Sammelbänden (mehr Material muss noch neu aufgelegt werden) erzählt George Perez die Anfänge, ersten Schritte von Diana jenseits ihrer Amazonen-Heimat. Alles ist überfrachtet, pomadisiert, verschnörkelt, barock. Und trotzdem so charmant, sich-selbst-und-seine-Figuren-ernst-nehmend, dass man bis heute mit Genuss lesen kann.

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15 – Wonder Woman, „Identity Crisis“, „Infinite Crisis“

Batman v Superman, Identity Crisis

[Link] …von Greg Rucka (meinem Lieblings-Comicautor), Geoff Johns und vielen anderen:

Seit 2003 war Wonder Woman vor allem Diplomatin. Doch musste trotzdem hin und wieder in den Hades steigen, oder eine Medusa duellieren. Eine moderne, kultivierte Frau – in archaischen Rollen, tragischen globalen und persönlichen Konflikten. Rucka schrieb zur selben Zeit auch „Superman“-Comics, und beide Reihen mündeten in einem (großartigen) Justice-League-Crossover, „Identity Crisis“ und, 2006, einem Knall namens „Infinite Crisis“. Ich habe hier [Link, Punkt: ‚Identity Crisis, 2005‘] aufgeschrieben, in welcher Reihenfolge diese fünf bis ca. 15 Bände am meisten Spaß machen.

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Einige Reihen unterhalten, interessieren, begeistern mich seit einer Weile – haben aber noch keinen Abschluss. Vier Tipps, zu denen ich mir noch kein abschließendes Urteil bilden kann. Schade, dass diese Bände nicht schon jetzt, zum Filmstart, komplett in Buchläden bereit liegen:

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16 – Superman: Earth One

Batman v Superman, Earth One

[Link] …von J. Michael Straczynski, Zeichnungen von Shane Davis (Band 1 und 2) und Ardian Syaf (Band 3):

Die „Earth One“-Buchreihe erzählt abgeschlossene Geschichten in einer neuen, alternativen Realität. Weil Clark Kent auf dem Cover von Band 1 einen Hoodie trägt, rechneten Zyniker mit einem „‚Twilight-Clark‘, ‚Emo-Clark‘, ‚Boygroup-Clark'“ – doch tatsächlich ist „Earth One“ eine konventionelle, souveräne Origin Story. Wer Superman mag, wird diese Parallelwelt-Version gerne akzeptieren. Wer nichts über Superman weiß, findet sich sofort zurecht. Nicht progressiv. Aber angenehm professionell, besonders im Vergleich zu vielen monströs schlechten Superman-Sammelbänden der letzten Jahre. [„Batman: Earth One“ ist ebenfalls solider, zugänglicher Mainstream – doch langweilte mich schneller. Grant Morrisons“Wonder Woman: Earth One“ erscheint im April 2016 – aber hat furchtbare erste Kritiken.]

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17 – Superman: American Alien

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[Link] …von Max Landis; der Zeichner wechselt mit jedem Heft/Kapitel:

Max Landis, Sohn von Horror-Regisseur John Landis, ist ein sympathischer Nerd und Schwätzer, der u.a. 2012 ein unterhaltsam polemisches Video drehte über die „Death and Return of Superman“-Storyline Anfang der 90er Jahre. Seitdem schreibt er gelegentlich für DC – mit Respekt vor den Figuren, Talent und Lust, Erwartungen zu überrumpeln. Von sieben Heften „Superman: American Alien“ sind bislang fünf erschienen. Alle haben einen anderen Zeichenstil und eine radikal andere Grundstimmung – aber alle machen Spaß. Mich stört nur, dass in jedem Heft zwei, drei Figuren genauso selbstverliebt und langatmig palavern… wie Landis selbst. Max? Dein Lex Luthor klingt wie jemand, der Youtube-Videos über Heldencomics dreht.

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18 – The Legend of Wonder Woman

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[Link] …von Renae de Liz, Zeichnungen von Ray Dillon:

Manchmal sind Comics halbkompetent geschrieben, erzählt – doch laugen mich nach wenigen Seiten aus: Figuren aus „The Walking Dead“ sagen zu viele Dinge dreimal. Ihre Sprechblasen sind überfüllt, die Dialoge hölzern. Auch „The Legend of Wonder Woman“ krankt an solchen unpräzisen, öden Geschwätzigkeiten. Alle Frauen hier sehen aus wie Disney-Prinzessinnen. Doch kindgerecht ist die Geschichte über Dianas erste Jahre als Kriegerin und Diplomatin trotzdem nicht: Kein Kind hätte Nerven für so langatmiges Geblubber. Solide Geschichte. Aber: uff. Kürzt diese Paraphrasen!

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19 – Lois and Clark

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[Link] …von Dan Jurgens, Zeichnungen von Lee Weeks:

Altmodische Zeichnungen, altmodische Rollenbilder, ein altmodischer – und deutlich älterer – Superman, glücklich verheiratet mit Lois Lane, Vater eines Sohnes: Zwischen 1986 und 2011 erlebten alle DC-Figuren wichtige Entwicklungen. Doch seit 2011, mit dem Neustart-Slogan „The New 52“, sind viele dieser Geschichten hinfällig/nie passiert. Lois und Clark waren (in der Realität der Comics seit 2011, auch rückwirkend) nie ein Liebespaar – und leben heute in den Reihen „Superman“ und „Action Comics“ spröde nebeneinander her. Autor Dan Jurgens aber bringt ihre alten Versionen, das Liebespaar von 86 bis 2011, in die New-52-Realität. Geschichten im alten Stil – in der kühleren, schrofferen Erzählgegenwart. Simpel, aber mit viel Herz. Mich stört nur, wie verhältnismäßig schwach Lois Lane agiert – als Provinz-Mutti statt Pulitzer-Journalistin.

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Es gibt zwei Dutzend weitere aktuelle Heftreihen/Sammelbände, die auf den Kinofilm einstimmen könnten: „Aquaman“ und „Cyborg“, „Superman/Wonder Woman“, „Batman/Superman“, „Superman“, „Action Comics“, etliche „Batman“-, Team- und „Justice League“-Reihen… doch nichts davon las ich seit 2011 mit besonderer Freude. Tom Taylors „Earth 2“ hatte zwei Sammelbände lang sehr gute Kritiken (1) (2), doch der konventionelle Zeichenstil stieß mich ab.

 

Batman vs. Superman: The Greatest BattlesIm Dezember 2015 erschien der Sammelband „Batman vs. Superman: The Greatest Battles“ – eine solide Auswahl und, wie alle DC-Themen-Sammelbände, grundsätzlich empfehlenswert. Persönlich werde ich schnell müde beim Lesen solcher Comic-Anthologien: Die alten Comics, 40er bis 70er Jahre, sind kindisch und träge. Und die Kapitel, die man neueren Story-Arcs entrissen hat, wirken wie Stückwerk, zusammenhanglos: Ich lese das – und möchte jedes Mal ganze Sammelbände öffnen. Statt von Fragment zu Fragment, Episode zu Episode zu springen. Trotzdem: vorsichtige Empfehlung – zumal nur Szenen ab 1986 nachgedruckt wurden.

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Superman: „Man of Steel“ – Comic-Empfehlungen

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Seit 2008 las ich knapp 100 „Superman“-Sammelbände. Clark Kent ist einer meiner Lieblingsmenschen, Lois Lane eine der sympathischsten, spannendsten Frauen der Popkultur… und obwohl viele „Superman“-Comics Probleme, Hänger, Schwächen haben, fand ich in 75 Jahren „Superman“ einige große Klassiker, Highlights und Geheimtipps.

Heute, zum Kinostart von „Man of Steel“:

10 Empfehlungen für Neueinsteiger.

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Superman for all Seasons (1998)

Ein Findelkind aus einem abgestürzten Raumschiff. Die schläfrige Nostalgie einer Landjugend in Smallville, Kansas. Ein junger Mann mit ungeheuren Kräften, plötzlich alleine in der großen Stadt. Und eine Reporterin, Rivalin, forsche Kollegin – umworben von einem zwielichtigen Milliardär:

Keine Helden-(Vor-)Geschichte wird so oft neu erzählt wie Clark Kents Jugend und Erwachsenwerden, Clarks Sprung von Smallville nach Metropolis, erste Konflikte mit Lex Luthor und Lois Lane. Doch Charme, Schwung, erzählerische Eleganz solcher “Wie alles begann”-Comics waren nie größer als in “Superman for all Seasons”, einem zeitlosen, schlichten Vierteiler: Die wenigsten Heldencomics machen auch ohne Vorwissen großen Spaß, scheren sich um Einsteiger, neue Leser. “Superman for all Seasons” will neue Leser hofieren. Hinreißen. Anfixen. Verführen! Große Empfehlung.

wer zeichnet / schreibt? Tim Sale zeichnet im Noir-Stil der vierziger Jahre: tiefe, suggestive Schatten, Art-Deco-Wolkenkratzer, Clark stiernackig und aufgebläht, Lois Lane als kindliche Femme Fatale. Bis Mitte der Nuller-Jahre veröffentlichten Sale und Autor Jeph Loeb gemeinsam eine ganze Reihe moderner Klassiker (Empfehlungen bei DC Comics: “Batman: The Long Halloween”, “Catwoman: When in Rome”). Erst heute ist Loeb – u.a. als Marvel-Fließbandschreiber und Produzent der biederen TV-Serie “Heroes” – recht verhasst: Die Luft ist raus. Der Charme ist fort.

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mehr davon:

Grant Morrisons “All-Star Superman” (2005) hat einen ähnlichen Breitbild-Stil, will Leser Staunen machen und verwundern – war mir persönlich aber viel zu angestrengt, wirr, gernegroß.

In “Superman: Kryptonite” (2007) zeigen Darwyn Cooke und Tim Sale eine etwas behäbige, dröge Monster-Geschichte: die selbe Optik, aber erzählerisch banaler.

Auch Mark Waids “Superman: Birthright” (2004) zeigt Clarks Jugend und die ersten Abenteuer in Metropolis: viel Lois Lane, viele kluge Fragen, gut gezeichnet. Solide!

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Superman: Secret Identity (2004)

“Clark Kent? Aus Kansas?” Alle lachen über den High-School-Außenseiter, dessen Eltern ihn nach einem Comic-Trottel tauften. Denn “Secret Identity” spielt nicht in der gewohnten DC-Welt von Batman, Wonder Woman, Superman usw., sondern in “unserer” Realität: Ein junger Mann, benannt nach Supermans geheimem Ich, hadert mit den Erwartungen, die der Name “Clark Kent” mit sich bringt – und muss entscheiden, welche Rolle er in einem Alltag spielen will, der anderen Gesetzen gehorcht als in den Superhelden-Comics.

“Superman: Secret Identity” hat alle Wucht, Herz und Idealismus der Filme von Frank Capra. Ein Alltagsmärchen übers Held-Sein und Erwachsenwerden, persönliche Vorbilder und erste, unerhörte Schritte: Für diese abgeschlossene, klug (!) sentimentale Graphic Novel ist kein Vorwissen nötig. Eine stille, zeitlose Liebes- und Familiengeschichte; Denkmal zur Doppelrolle Clark / Superman. Ein Comic über Comics. Ihre Helden. Und ihre Leser.

wer zeichnet / schreibt? Zeichner Stuart Immonem hatte anderswo (z.B. in Marvels “Nextwave”) mehr Schwung. Autor Kurt Busiek dagegen war nie so gut wie hier: Seit 20 Jahren schreibt er hin und wieder “Superman”-Geschichten. Immer mit dem Herz am rechten Fleck, gutem Verständnis der Figuren. Schade, dass sein größter Wurf trotzdem eine Anomalie blieb: in Busieks Karriere. Und im Verlagsprogramm von DC.

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mehr davon:

Kurt Busieks “Superman: Up, up and away” (2007) ist ein normaler Helden-Comic, kompetent gezeichnet und erzählt, einsteigerfreundlich, charmant… aber ohne tiefere erzählerische Ambition.

Steven T. Seagles autobiografische Alltags-Graphic-Novel “It’s a Bird…” (2004) fragt, was Superman kulturell bedeutet. Wofür er steht. Leider bleibt ein halbgares, unfertiges, dümmliches Buch – voll trüber, nahe liegender Antworten.

Kansas-Kitsch, High-School-Herzschmerz, amerikanische Farmer-Nostalgie? Geoff Johns’ “Superboy: The Boy of Steel” (2011) wäre Comic-Massenware. Doch Zeichner Francis Manapul holt das Äußerste aus dem Setting: ein Zwischendurch-Comic, der große Sehnsucht macht – nach Maisfeldern, Apfelkuchen, Teenager-Sein.

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The Superman Chronicles: Volume 1 (1938 / 39)

Für Batman wollen Autoren oft nur aller-allergrößtes Kino: gebrochene Helden! Vertrackte Psychologie! Masken/Rollen als Metapher! Die höchste denkbare Fallhöhe: Wer Batman besser machen will, setzt immer noch einen drauf. Legt weiter nach. Ein Melodram. Oder, falsch dosiert: Kitsch, Parodie. Eine Operette.

Sucht Superman neue Leser, denken Autoren meist umgekehrt: Sie nehmen den Fuß vom Gas. Erzählen simpler. Fangen immer wieder ganz von vorne an, reduziert aufs Wesentliche („You’ll believe a man can fly!“). Deshalb gibt es mehr gute, griffige “Superman”-Neustarts. Doch deshalb sind auch viele der besten Superman-Geschichten immer irgendwie: für Kinder. Ein Tick zu schlicht. Harmlos. Naiv.

Wer 75 Jahre nach Erscheinen von „Action Comics“ Nr. 1 Clarks erste, je 11 Seiten lange Abenteuer liest, stößt auf erwartbare Schlichtheit und Naivität. Dazwischen aber blitzen Kanten, die vielen neuen Superman-Versionen fehlen: Superman ist nassforsch, dreist, spielt seine Macht genüsslich gegen Unterdrücker und Bonzen aus. Um als Reporterin zu glänzen, nutzt Lois Lügen, Tiefschläge, dreiste Haurück-Manöver. Und Clark hat größten Spaß daran, sie dreist anzustacheln, zu belügen: Hassliebe. Geschlechterkampf. Brutalster Schlagabtausch! So viel der Mythos mit den Jahren gewann, so viel ging zwischenzeitlich auch verloren: Was wurde aus diesem frechen, krassen Aktivisten? Der schamlosen, unbeherrschbaren Frau? „Superman“ als fiebrige, überspannte Farce – überraschend leidenschaftlich. Forsch. Dreist. Frisch!

wer zeichnet / schreibt? Zeichner Joe Shuster starb 1992, Autor Jerry Siegel 1996. Ich las vom Superman-”Geburtshaus” in Cleveland. Vom kulturellen Erbe als junge Außenseiter und Juden. Von Shusters Sado-Maso-Zeichnungen, Brad Meltzers Mystery-Bestseller über den Tod von Siegels Vater, den jahrelangen Zerwürfnissen und Prozessen gegen DC Comics: zwei übervolle, dramatische Leben – die ich noch immer kaum verstehe / überblicke.

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mehr davon:

Mit John Byrnes „Superman: Man of Steel“ (1986) begann eine 25 Jahre lange, durchgängige Saga über Clark (und Lois). Die frühen Sammelbände sind altbacken gezeichnet. Konflikte werden naiv gelöst. Doch Figuren und Charme leuchten bis heute – entspannter, altmodischer Spaß!

Geoff Johns‘ „Superman: Secret Origin“ (2009) scheint für ca. Zwölfjährige gezeichnet und erzählt. Ein leichter, grundsympathischer „Superman“-Grundkurs – doch künstlerisch / literarisch flach.

„Superman: The Greatest Stories ever told“ erschien in Deutschland 2005, als Teil der Comic-Klassiker-Bibliothek der FAZ: ein dichter, faszinierender Querschnitt, vom ersten Auftritt bis zum (empfehlenswerten!) Action Comics 775 (2001).

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Superman: Red Son (2004)

Soft. Abgehoben. Passiv. Langweilig. Obrigkeitshörig. Waschlappig. Zu sauber und stark – und nur mit kleinen Keilereien beschäftigt, statt endlich mal für immer aufzuräumen, im Land! 1986 zeigten Alan Moores „Watchmen“ und Frank Millers „The Dark Knight Returns“ einen Gegenentwurf zum weichen, vorsichtigen Superman: kaputte, zynische Männer, die über Leichen gehen. Eigene Gesetze schreiben. Niemandem Rücksicht oder Rechenschaft schulden wollen. Miller und Moore entwarfen diese Antihelden als Warnung. Doch Leser feierten Rorschach, Lobo, Spawn usw. als kantige, moderne Nicht-lange-Herumfackler.

„Superman: Red Son“ ist ein Lieblingscomic vieler Flegel, die Superman zu trüb und dösig finden. Statt in Amerika landet die Raumkapsel aus Krypton in der Ukraine, und aus dem Super-Waisenkind wird ein Handlanger Stalins und Leitfigur des Kommunismus. Als moralisches / politisches Gedankenspiel macht „Red Son“ großen Spaß. Als düsterer, dreckiger Alptraum sowieso. Doch wie jede andere DC-Fantasie, die alte Helden in neue, blutige Rollen stößt („Flashpoint“, „Injustice: Gods Among Us“) kommt nach viel Schock und Irritation doch nur die etwas abgeschmackte Behauptung, den Helden läge das Gute schon im Blut – und edle Erbanlagen übertrumpfen jede Fehl-Erziehung. Zuerst also „verbotener“ Kitzel: klassische Figuren als zügellose Mörder. Als Feigenblatt, ganz kurz vor Schluss, dann die Beschwichtigung: „Egal, wie weit unsere Helden gehen… am Ende drehen sie brav wieder um!“ Die große Wutkinder-Sehnsucht, einen Auge-um-Auge-Superman zu sehen, der gnadenlos die Sau rauslässt, wird in „Red Son“ halbwegs klug befriedigt. Doch „Meisterwerk!“ rufen vor allem jene Aggros, die sich für Wolverine eine Kettensäge wünschen, für Batman Schusswaffen – und für Catwoman eine Geschlechtskrankheit.

wer zeichnet / schreibt? In „Stormwatch“ / „The Authority“ entwarf Provokateur Warren Ellis einen dunklen Spiegel zur DC-Gerechtigkeitsliga: Aus Batman wird der mörderische Midnighter, sein Liebhaber, ein Superman-Gegenpart, heißt Apollo. „Red Son“-Autor Mark Millar ist Ellis‘ Nachfolger: Er mag Politik, Zynismus, vertrackte Fragen – und exzessive Gewalt. Ein Quentin Tarantino der Comicwelt (mittelmäßig: „Kick-Ass“, 2008).

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mehr davon:

Mark Waids Dystopie „Kingdom Come“ (1996) stellt die bedächtigen DC-Helden gegen eine neue, wütende Generation. Toll gezeichnet von Alex Ross – doch etwas bieder / abgehackt erzählt.

Brian Azzarellos „Lex Luthor: Man of Steel“ (2006) zeigt Superman als Bedrohung, durch Lex Luthors Augen. Ein gutes Konzept, ähnlich beliebt / gefeiert wie „Red Son“… aber in der Ausführung recht nichtssagend und flach.

In „JLA: Tower of Babel“ (2001) fragte Mark Waid, wie weit Helden gehen dürfen, um sich gegenseitig zu stoppen. Auch hier ist das Konzept leider klüger als die Ausführung. Trotzdem: lesenswert!

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The Death and Life of Superman (1993)

Zwischen 1991 und 2002 erschienen vier parallele „Superman“-Heftserien pro Monat: Je 22 Seiten, von je vier Autor-und-Zeichner-Teams, eng genug verzahnt für einen gemeinsamen, immer komplexeren Plot. Ende 1992 wurde Superman von einem „Doomsday“ genannten Monster getötet. Mitte 1993 tauchten mehrere Unbekannte auf, die seine Rolle in Metropolis übernehmen wollten. Der wuchtige (trotz allem aber: gekürzte) Comic-Sammelband „The Death and Return of Superman“ erzählt dieses – kommerziell erfolgreiche, literarisch recht gelungene – „Superman“-Kapitel auf 784 Seiten.

Wer auf zwanzig Jahren alten Zeichenstil (und: schlimme Frisuren!) verzichten kann, liest die Geschichte besser in der Roman-zum-Comic-Fassung von Roger Stern – auch deutsch billig erhältlich, als „Superman: Die packende Geschichte seiner Abenteuer“. 1986, mit „Crisis on Infinite Earths“, erlebten viele DC-Figuren einen neuen Anfang. Supermans Tod, sechs Jahre später, erlaubt einen stimmigen, ersten Querschnitt durch Figuren und Stärken des Verlags: Guy Gardner? Booster Gold? John Henry Irons? In einer Welt ohne Superman haben solche Freunde, Feinde, Kollegen neuen Raum – und so wird der Roman zu einer doppelten Liebeserklärung: an Clark. Und an die Welt um ihn herum.

wer zeichnet / schreibt? Einer der besten Superman-Autoren und -Zeichner, Dan Jurgens, entwickelt sich seit 1992 leider kaum weiter: Er arbeitet bis heute für DC – doch je aktueller seine Comics, desto fader, simpler ihr Gesamteindruck. Trotzdem hat „Death and Life of Superman“ ein recht hohes Niveau. Das schwächste Glied ist Zeichner John Bogdanove.

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mehr davon:

„Superman: Exile“ (1989), „Superman: They Saved Luthor’s Brain!“ (1992) und (selbst noch nicht gelesen:) „Superman: Panic in the Sky“ (1992) sind beliebte, klassische Vorgänger-Bände aus den frühen 90er Jahren.

Lesenswert, direkt im Anschluss, auch der „Green Lantern“-Band „Emerald Twilight / New Dawn“ (1994).

1999, nach einem Erdbeben, wurde Batmans Heimatstadt Gotham City zum „Niemandsland“ erklärt. Auch hier führt die Geschichte durch 80 Einzelhefte – oder eine Romanfassung: Der Autor heißt Greg Rucka, schreibt Comics und Thriller. Und gehört in beiden Medien zu den größten Talenten.

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Identity Crisis (2005)

Dass sich Wonder Woman (oft: Fantasy), Batman (oft: Krimi/Thriller), Green Lantern (meist: Science Fiction) etc. die selbe Erzählwelt teilen, bringt viel Verwirrung – doch selten echten Mehrwert. Erst 2005 und 2006, unter der Leitung von Geoff Johns, gelang eine große erzählerische Kettenreaktion, in der Superman und Wonder Woman die besten Rollen spielen: „Identity Crisis“ zeigt einen Mord im Umfeld der Gerechtigkeitsliga / Justice League und fragt, was Helden dürfen, wollen, verändern können. Für sich alleine ist dieser Helden-Krimi spannend und gut verständlich. Als Mosaikstein einer größeren Geschichte wird er zur Superman-Pflichtlektüre:

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Fast alle Reihen dieser Liste (selten aber: einzelne Bände) sind auch für sich alleine lesenswert. Zusammen zeigt sich ihre größere Thematik: Wie Batmans Überwachungswahn, Supermans Vorsicht, Wonder Womans Pragmatismus und schiefe, zähe Entscheidungsfindungen der Justice League die Welt oft besser, dieses Mal aber katastrophal schlechter machen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Action und Verwüstung – sondern Figuren, Ideale und Weltanschauung: Charakterfragen statt Story-Knalleffekte.

wer zeichnet / schreibt? Greg Rucka mag Spionage und politische Intrigen, schreibt tolle Frauenfiguren und recherchiert gründlicher als fast jeder Kollege: Seine Arbeit an „Wonder Woman“ ist ein Meilenstein, sein „Superman“-Plot nur Durchschnitt – doch im Zusammenspiel entwickelt sich große erzählerische Wucht. Geoff Johns wuchs mit den kindlicheren DC-Comics der 60er Jahre auf und denkt naive oder schrullige Konzepte gerne zeitgemäß zu Ende: zitatfreudige, bunte, oft etwas übervolle Comics. Erzählerisch gehört „Identity Crisis“ und das – gut orchestrierte – Vorher, Nachher, Drumherum zu den Sternstunden amerikanischen Helden-Mainstreams: Auf Tausenden Seiten darf man staunen wie ein Kind – und durch erwachsene, kluge Konflikte grübeln.

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mehr davon:

Komplexe, viele Erzählfäden verwebende Helden-Comics, bei DC? „Green Lantern“ und „Green Lantern Corps“ erzählen seit zehn Jahren eine kompliziert-bunt-triviale Space Opera: kindlich, knallig – und oft großes Kino.

Nach „Crisis on Infinite Earths“ (1986) und „Infinite Crisis“ (2006) schrieb Grant Morrison 2009 die Quasi-Fortsetzung „Final Crisis“. Doch sein hysterisches Untergangs-Kuddelmuddel macht keinen Sinn. Und keinen Spaß.

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Superman: Last Son (2007)

Aktuelle, monatliche DC-Heftreihen über Batman und seine Vertrauten? 15. Aktuelle, monatliche DC-Heftreihen über Superman? 4 bis 5. Beide Figuren kennt jedes Kind – doch während in Gotham City seit Jahren Raum für zeichnerische und konzeptuelle Experimente bleibt, taugen „Superman“ und „Action Comics“ oft nur als Resterampe / Abstellgleis für mittelgute, mittelfrische Nummer-Sicher-Autoren.

Auch „Superman: Last Son“ ist kein besonderes Prestige- oder Vorzeige-Projekt: Ein kleiner Junge mit Superkräften irrt durch Metropolis. Als Clark und Lois helfen wollen, folgt eine Armee brutaler Kriegsverbrecher aus Krypton, geführt von General Zod. Zum Kinostart von „Man of Steel“ legte der Verlag „Last Son“ (zusammen mit der schwächeren Fortsetzung „Brainiac“) als Sammelband neu auf. Vielleicht, weil Zod im Film zentraler Gegner ist. Vielleicht auch nur, weil in den letzten 10 Jahren kein anderes „Superman“-Comic so viel so unverkrampft richtig machte: Ein schwungvoller Zeichner und eine klare, griffige Geschichte, statt Durcheinander (minimaler) Tiefgang, statt Pathos (ein Mindestmaß an) Emotion. Warum nicht vier, fünf solcher Sammelbände im Jahr? „Last Son“ sollte Standard sein. Statt einsame, gefeierte Sternstunde.

wer zeichnet / schreibt? Autor Geoff Johns liefert gewohnt solide Arbeit, hier unterstützt von Richard Donner, Regisseur des „Superman“-Kinofilms von 1978. Zeichner Adam Kubert überzeugt auch in „Whatever happened to the Caped Crusader?“ (2009) und „Flashpoint“ (2011).

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mehr davon:

Geoff Johns, Kurt Busiek und James Robinson legten ab 2007 Grundbausteine für einen größeren „Superman“-Plot, „New Krypton“. Viele erste Sammelbände sind Mittelmaß und können ignoriert / übersprungen werden: „Back in Action“, „Camelot Falls“, „Redemption“, „Escape from Bizzaro World“, „The Coming of Atlas“.

Empfehlenswert dagegen, auch für sich allein: Johns‘ „Superman and the Legion of Super-Heroes“ (2008) und (bereits erwähnt) „Superman: Up, up and away“ (2006).

Überraschend gelungen – doch nur als dünnes Heft veröffentlicht, nie als eigener Sammelband: Nick Spencers „Jimmy Olsen“-Kurzgeschichten von 2010.

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Superman: New Krypton (2009 bis 2011)

Um ein breites Publikum zu kitzeln und zu packen, brauchen Geschichten Widersprüche, Lücken, innere Gegensätze – behauptet John Fiske, mein liebster (Pop-)Kulturtheoretiker: Ist Superman eine Leitfigur… oder ein Weichei? Muss sich Amerika den Launen fast allmächtiger Besucher fügen? Sollen sich Außenseiter integrieren – oder helfen Schutzräume, eigene Staaten, Ghettos? Dürfen Helden Nationen und ihre Politiker gegeneinander ausspielen?

Fast 100.000 Landsleute Supermans überlebten (als Geiseln des Despoten Brainiac) die Zerstörung Kryptons. Als neue Siedler auf der Erde entwickeln sie Superkräfte – und Clark steht zwischen allen Fronten: In über 100 Einzelheften und aus der Perspektive von Helden wie Supergirl, Mon-El, „Guardian“ Jim Harper sowie Jimmy Olsen und mehreren neuen Figuren puzzelt „New Krypton“ ein vertracktes Panorama – zerfasert, widersprüchlich, hochpolitisch. Komplexität und Anspruch des über 15 Sammelbände langen Epos sind für DC-Verhältnisse beispiellos – doch oft machen smarte Einzel-Plots und Fragen mehr Sinn als das windschiefe, finale Gesamtbild: Auch nach 100 Kapiteln bleibt das Gefühl, 100 andere, geheime Kapitel verpasst zu haben. Lücken, Widersprüche, offene Fragen, die noch nach Monaten kitzeln: Ist das ein Reiz von Heldencomics? Oder ihre größte Schwäche?

empfohlene Reihenfolge (Details u.a. hier):

wer zeichnet / schreibt? Unter vielen recht talentierten Zeichnern fallen Brian Wood und Renato Guedes besonders auf. Bei den Autoren sind es „Supergirl“-Autor Sterling Gates und (nach ein paar schlechten ersten Versuchen) James Robinson. Greg Ruckas Kapitel, besonders „Nightwing and Flamebird“, bleiben schleppend, langweilig und überflüssig: Nach Abschluss von „New Krypton“ beendete Rucka die Zusammenarbeit mit DC.

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mehr davon:

„New Krypton“ fiel bei Lesern und Kritikern durch: Sterling Gates‘ „Supergirl“-Folgebände sind beliebt. Doch in den beiden Haupt-Heftreihen „Action Comics“ und „Superman“ selbst ignorierte man 2010 und 2011 alle Ereignisse und Figuren aus „New Krypton“.

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Smallville: Guardian (2012)

Zehn Staffeln lang, von 2001 bis 2011, erzählte „Smallville“ eine Kitsch-, Spar-, Soapversion der Jugendjahre von Clark Kent, ohne besonderen Esprit und Anspruch. Am Ende von trägen 217 Episoden tritt Clark (endlich) als Superman an die Öffentlichkeit. Lex Luthor erklärt dem neuen Helden den Krieg. „Green Arrow“ Oliver Queen und seine Verlobte, Chloe Sullivan, spielen tragende Nebenrollen: Ähnlich wie bei „Buffy“ wird die – an sich: beendete – TV-Handlung als Comic-„Season“ fortgesetzt. Doch selbst als billiger wöchentlicher 10-Seiten e-Comic hat „Smallville“ kaum finanziellen Spielraum: öde Farben, einfallslose Bildsprache, Figuren wie Gliederpuppen und Vogelscheuchen. B-Ware. Ausschuss. Ramsch.

Egal! Alle „wichtigen“ Superman-Reihen seit 2011 schlingern umher wie sinkende Schiffe: Clark bleibt ein mürrischer Einzelgänger. Seine Eltern sind tot, der Alltag trist, Lois eine bloße Kollegin – auch ein Techtelmechtel mit Wonder Woman brachte weder Spaß noch Tiefgang. „Smallville“ läuft außer Konkurrenz zu diesen „wichtigen“, aber misslungenen Comics, bespielt eine eigene Nische – und hat trotz schäbiger Optik Hirn. Herz. Charme! Die (einzige?) aktuelle „Superman“-Reihe, die ihre eigene Richtung kennt. Low-budget. Aber auf gutem Kurs.

wer zeichnet / schreibt? Zeichner Pere Pérez trat nach 120 Seiten ab. Doch Autor Bryan Q. Miller bleibt: Er schrieb einige „Smallville“-Drehbücher für die letzten drei TV-Staffeln und überzeugte 2009 bis 2011 mit einem jungen, sarkastischen „Batgirl“-Neustart – so klug wie witzig. Ein Autor für die A-Liga, dem smarte Figurendynamik (mindestens) so wichtig ist wie laute Kämpfe.

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mehr davon:

J. Michael Straczynski („Babylon 5“) startete 2010 eine Reihe abgeschlossener „Superman“-Abenteuer, „Earth One“. Band 1 (und Geoff Johns‘ „Batman“-Gegenstück) blieb Mittelmaß. Band 2 macht Spaß – als Einstieg oder Zwischendurch-Lektüre. Kein Vorwissen nötig.

Ganz neu, im Sommer 2013, und mit guten ersten Kritiken: die monatlichen Reihen „Superman unchained“ (Scott Snyder und Jim Lee) und „Batman/Superman“ (Greg Pak, Jae Lee) sowie die lose Kurzgeschichtensammlung „Adventures of Superman“. Beliebt war auch der Kinder-Comic „Superman Family Adventures“ (Art Baltazar, Franco); trocken / fade dagegen eine digitale Reihe über Superman als Witwer / alter Mann, „Superman Beyond“ (J.T. Krul).

Die beiden größten monatlichen Reihen, „Action Comics“ und „Superman“, sind seit 2011 recht schlecht. Im Moment verfasst Scott Lobdell alle Geschichten – ein unbeholfener, gehetzter Fließband-Autor.

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DC Helden / The World’s Greatest Super-Heroes (1998 bis 2003)

Ein Comic? Oder ein Bilderbuch? Paul Dini schrieb seit 1992 Drehbücher für „Batman: The Animated Series“ (und viele späteren TV-Serien von DC) und hat bis heute einen verspielten, sehr humanen Blick auf Helden und Schurken in Gotham City. Sein Sammelband „DC Helden“ zeigt in fünf kurzen, großformatigen Text-und-Bild-Geschichten – halb Comic, halb Essay/Lobrede – bekannte DC-Figuren und ihre Werte/Prinzipien: „Superman: Peace on Earth“, „Batman: War on Crime“, „Wonder Woman: Spirit of Truth“, „Shazam!: Power of Hope“ und „JLA: Liberty and Justice“ sind keine komplizierten Helden-Sagas. Sondern prachtvoll gezeichnete, schlicht erzählte (zeitlose!) Portraits.

Bei Marvel Comics sind Ensembles, Gruppen und Heldenteams wie X-Men und Avengers bewährte Bestseller. DCs Versuche, sechs, sieben, fünfzehn Superhelden auf 20 Seiten zu jonglieren, verraten oft viel zu wenig über einzelne Figuren: In Reihen wie „Justice League“, „Teen Titans“, „Earth 2“ herrscht buntes Durcheinander. Namedropping. Langeweile. Chaos. „DC Helden“ ist ein dringender Lichtblick: Weil Dini entspannt das Neben- und Miteinander von Batman, Superman usw. zeigt. Die Helden vorstellt. Lust auf mehr macht! Oft bleiben Team-Geschichten literarische B-Klasse. Die Team-Mitglieder aber – zeigt dieser Sammelband charmant und selbstbewusst – sind A-Liga.

wer zeichnet / schreibt? In den 50er Jahren malte Lynette Ross Mode-Illustrationen für Katalog- und Versandhäuser. Seit 1990 zeichnet ihr Sohn Alex im selben Stil – luzid, farbstark, pausbackig-amerikanisch – einige der attraktivsten Helden-Posen (z.B. „Marvels“, 1994). Autor Paul Dini überzeugt bis heute bei Batman-Figuren wie Catwoman, Harley Quinn, Zatanna: Für etwas fortgeschrittene „Batman“-Leser empfehlen sich „Heart of Hush“ und „Gotham City Sirens“ (besonders Band 2).

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mehr davon:

Darwyn Cookes „The New Frontier“ zeigt die Helden der Justice League im Amerika der späten 50er: wunderbarer Retro-Space-Age-Kitsch, toll gezeichnet und überraschend politisch. Doch auf den letzten Metern bricht der Sechsteiler – wie viele andere „Justice League“-Geschichten – unter dem eigenen Gewicht zusammen.

Jim Krueger zeigt in „Justice“ ein recht banales Duell zwischen den DC-Helden und einer riesigen Gruppe Schurken. Auch hier überzeugt leider nur die erste Hälfte. Und Alex Ross‘ Mal- und Zeichenkunst.

Letzte „Superman“-Empfehlungen, zum Weiterlesen? „Superman/Batman: Supergirl“ (2004), Alan Moores klassische Kurzgeschichten „For the Man who has everything“ (1985) und „Whatever happened to the Man of Tomorrow?“ (1986) und die nett-kitschigen, Superman-typischen Weihnachts- und Silvestergeschichten „Superman 97“ (1995) und „Action Comics 810“ (2004).

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mehr Comic-Empfehlungen:

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Bonus – nur kurz, als Liste:

Die 10 schlechtesten „Superman“-Bände:

Best Books of the Year: My personal Top 20

2012 Juli Frantje-Haus Selfpic.

(After a popular list last year [Link]…)

…here are the 20 very best books I’ve read in 2012:

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20: JASON SHIGA, „Bookhunter“, Graphic Novel, 2007.
Bookhunter

19: GAYLE FORMAN: „If I stay“, Young Adult Novel, 2009.
If I Stay (If I Stay, #1)

18: DAVID MARKSON: „The Last Novel“, (postmodern) Novel / Lists / Trivia Collection, 2007.
The Last Novel

17: SHARON M. DRAPER: „Out of my Mind“, Young Adult Novel, 2010.
Out of My Mind

16: OCTAVIA BUTLER: „Kindred“, (Fantasy) Novel, 1971.
Kindred

15: JOHAN HARSTAD: „Buzz Aldrin, what happened to you in all the Confusion?“, Novel (Norway), 2005.
Buzz Aldrin, What Happened to You in All the Confusion?

14: KRISTEN D. RANDLE: „The only Alien on the Planet“, Young Adult Novel, 1995.
The Only Alien on the Planet

13: DANIELA KRIEN: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“, Novel (German), 2011.
Irgendwann werden wir uns alles erzählen

12: TENNESSEE WILLIAMS: „A Streetcar named Desire“, Play, 1947. […alternative / runner-up: HENRIK IBSEN: „A Doll’s House“, Play (Norway), 1879.]
A Streetcar Named Desire and A Doll's House

11: ARNO GEIGER: „Der alte König in seinem Exil“ (Austrian) Alzheimer Memoir, 2011.
Der alte König in seinem Exil

10: SARAH LEAVITT: „Tangles. A Story about Alzheimer’s, my Mother and me“, Graphic Novel, 2010.
Tangles : a story about Alzheimer's, my mother, and me

09: ARNE BELLSTORF: „Baby’s in Black“, Graphic Novel (German), 2010.
Baby's in Black: Astrid Kirchherr, Stuart Sutcliffe, and The Beatles in Hamburg

08: SCOTT SNYDER: „Batman: The Court of Owls“, Graphic Novel (and good start for new „Batman“ readers):
Batman, Vol. 1: The Court of Owls

07: STEWART O’NAN: „The Odds. A Love Story“, Novel, 2012.
The Odds: A Love Story

06: JOACHIM HELFER, RASHID al-DAIF: „Die Verschwulung der Welt“, Essay (German / Persian), 2006.
Die Verschwulung der Welt.

05: ALEXIS M. SMITH: „Glaciers“, Novel, 2012.
Glaciers

04: JOE HILL: „Locke & Key“ series, Graphic Novels, 2008 to 2013.
Locke and Key, Vol. 1: Welcome to Lovecraft

03: MARLEN HAUSHOFER: „The Wall / Die Wand“, Austian novel, 1962.
Die Wand

02: GERBRAND BAKKER: „The Detour / Der Umweg“, Dutch novel, 2010.
Der Umweg

01: RUTH KLÜGER: „Still alive. A Holocaust Girlhood remembered“, Memoir / Essay, 1992.
Weiter leben. Eine Jugend.

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For a complete list of books I’ve read in 2012, please go here [Link].

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In comics, I’ve also enjoyed Guy Delisle’s travelogues / non-fiction graphic novels „Burma Chronicles“ [Link], „Pyongyang“ [Link] and „Jerusalem“ [Link], the „New 52“ DC comic books featuring „Wonder Woman“ [Link], „Green Lantern“ [Link], „Swamp Thing“ [Link] and the „Birds of Prey“ [Link] – and large parts of Naoki Urasawa’s „Pluto“ [Link]

…and „Honey & Clover“ [Link], a „Scott Pilgrim“-like, bittersweet / comedic coming-of-age manga series about five friends at an art school.

Here’s a collage of my notable graphic novel discoveries in 2012:

Wordpress Graphic Novels Best-of 2012.

Have a good 2013! More to come!

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Related Posts:

and:

[gebloggt auf ocelot.de] Superman? Batman? Alles auf Anfang!

Heldencomics in der Krise: Bei DC Comics werden 52 neue Heftreihen zum Bestseller. Die „New 52“ wollen Start- und Einstiegspunkte sein – für neue, jüngere Leser.

Von Stefan Mesch

„Gäste zum Kaffee“, die gemütliche Talkrunde im MDR-Magazin „Hier ab vier“, hat jeden Nachmittag etwa 160.000 Zuschauer. „Detective Comics“, das monatliche Heft, in dem Batman seit 1939 Verbrecher jagt, wurde Mitte 2011 nur knappe 60.000 Mal verkauft.

Als Marke, Spielzeug und im Kino bringen selbst unbekanntere Figuren wie Green Lantern oder die „Avengers“ Profite. Doch Comics selbst? Die monatlichen, zwanzigseitigen Fortsetzungshefte für 2.99 Dollar? Dort sterben Superman und Wonder Woman seit knapp 20 Jahren einen Tod auf Raten.

„Die größten Helden der Welt. Die größten Autoren und Künstler. In 52 neuen, ersten Heften“, versprach DC Comics im Herbst 2011 in einer pompösen Kino- und TV-Kampagne: Konkurrent Marvel Comics, Herausgeber von „Spider-Man“, „Hulk“ und den „X-Men“, wurde 2009 vom Disney-Konzern gekauft. DC Comics gehört zu Warner Brothers. Durch Videospiele, Filmrechte und Merchandise verdienen beide Konzerne gutes Geld mit jeweils Hunderten Heldenfiguren. Doch ist das Kerngeschäft, die Comics selbst, zu retten?

Vielleicht schon, zeigt die Bestseller-Überraschung der „New 52“: Noch im August 2011 veröffentlichte DC Hefte wie „Batman 713“ oder „Action Comics 904“. Dann brachen alle Geschichten ab: Ein Riss zerstörte die Zeitrechnung des gemeinsamen „DC Universe“ und 52 neue, teils eng verknüpfte Serien zeigten seit September 2011 alle bekannten Helden plötzlich in neuen, einsteigerfreundlichen Situationen. Zum ersten Mal seit 1986 wagt die DC-Welt einen Neuanfang. Und er gelingt – künstlerisch und kommerziell.

Selten waren aktuelle Heldencomics flirrender und aufregender als auf den 1216 Seiten in 52 neuen, beliebig kombinierbaren Erstausgaben: 28 neue Serien handeln von Männern (davon viermal Batman), 18 von Gruppen oder Teams, nur sechs haben eine Frau als Titelfigur. Es gibt ein (überraschend gutes) Wildwest-Comic, zwei mittelmäßige SoldatenAbenteuer, eine Handvoll blutiger Horror-Serien. Die „Demon Knights“ kämpfen im Mittelalter, die vier „Green Lantern“-Teams im Weltall, „Legion of Super-Heroes“ im Jahr 3011 und „Batwing“ im Kongo.

„Wer Comics oder Seifenopern verfolgt, der folgt nicht einzelnen Geschichten – sondern Figuren, die ihm im Lauf der Zeit ans Herz gewachsen sind“, schreibt Nelson Branco. Doch seit September haben Sympathieträger wie Nightwing, Batwoman, Aquaman, Wonder Woman und Animal Man endlich besonders zugängliche Erzähler, besonders eindringliche Plots (Empfehlungen: am Ende des Artikels).

Der große Neustart – ab Juli auch auf Deutsch, bei Panini Comics – hat nur ein Problem: Egal, wie klug und charismatisch die Figuren sind… die Welt um sie herum ist plötzlich so naiv, schwarzweiß und finster wie nie zuvor. In jedem zweiten Heft gibt es geheime Labors, in denen inkompetente Wissenschaftler schreckliche Wesen züchten. Polizisten sind korrupt oder hilflos, Politiker gehen über Leichen, Freunde und Eltern sind Belastungen statt einer Stütze – und nur ein Einziger agiert mit Mitgefühl, Verstand und Engagement: der einsame, oft isolierte und missverstandene Held.

Als Hollywood in den Fünfzigern die Jugend als Markt und eigene Zielgruppe entdeckte, fanden billige Monster-Filme wie „I was a Teenage Werewolf“ neue, griffige Metaphern für die Entfremdung vom eigenen Körper, für Außenseitertum und Angst. Anfang der Sechziger griff Marvel Comics diesen Tonfall auf: „Spider-Man“ zeigte ein pubertäres, unbedarftes Schulkind, „X-Men“ eine Clique aus missverstandenen Monstern.

Noch heute werden viele Marvel-Helden in der fiktiven Weltordnung ihrer Comics diskriminiert, bekämpft und verachtet. Sie finden keine Liebe und brechen sich gegenseitig das Herz. Sie bleiben neurotisch, neidisch, unzufrieden, voller Selbsthass und Hormone. „Die Hälfte von ihnen sind Außenseiter mit begrenzten Kräften, die sich abkämpfen für eine Welt, in der sie nie richtig gewürdigt werden“, erklärt Comichändler Scipio Garling. „Die andere Hälfte sind unfassbar mächtige, kosmische Wesen von unvorstellbarer Kraft und… Plattheit.“

Beide Persönlichkeiten sind attraktive Rollenbilder für Macht- und Hilflose, für Underdogs, Opfer der Umstände: „Typ 1 trifft das Selbstbild eines Jugendlichen. Typ 2 entspricht dem Wunschbild eines Jugendlichen“, vereinfacht Garling. „Sei stark und zäh, denn unsere Welt ist voller Unglück. Du hast es nicht verschuldet. Aber du kannst es auch nie abschaffen… Das ist die Marvel-Botschaft.“

Reiz und Stärke der DC-Helden dagegen stammt aus einer bürgerlichen, viel positiveren Haltung zur Rolle des Einzelnen in der Welt. „DC sagt: Du bist verantwortlich dafür, dich selbst und die Gesellschaft zu verbessern. Sei stark und zäh, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Marvel-Figur Iron Man, ein stolzer Erfinder und Millionär, würde auch gut zu den DC-Figuren passen. Supergirl, ein verwirrtes und unglückliches Waisenkind, wäre bei Marvel besser aufgehoben. Bei vielen Helden aber bleibt die große Unterscheidung überraschend trennscharf: Wonder Woman (DC), Botschafterin der Amazonen, ist tatsächlich engagierte Diplomatin. Clark Kent (DC), Supermans bürgerliches Ich, hat einen Pulitzerpreis. Green Arrow (DC) lebt als moderner Robin Hood – und lässt sich zum Bürgermeister wählen, um nicht allein die bloßen Symptome sozialer Ungerechtigkeit zu bekämpfen.

DC-Helden wollen – als Bürger und in ihren Kostümen – arbeiten, Einfluss nehmen, ein Vorbild sein. Sie vertrauen ihren Familien, engagieren sich im Beruf. Sie suchen Partnerschaft und Respekt statt Ruhm und Sex; sie trennen den Müll und setzen globale Zeichen. Egal, ob gerade jemand zusieht oder nicht.

Der Held im neuen “Aquaman” dagegen hat keine Lust mehr, König von Atlantis zu sein: Er will Entspannung an Land und bestellt erstmal Fish and Chips. Der Held in „Green Lantern“ ist arbeitslos und kann sich kein Auto leisten. „Hawkman“ verbrennt sein Kostüm und liegt jammernd in seiner verdreckten Wohnung. In „Static Shock“ verbietet ein Vater seinem (Helden-)Sohn, den Führerschein zu machen. Die Hauptfigur in „Voodoo“ muss als Stripperin arbeiten. In „Action Comics“ wird Superman von der korrupten Regierung gejagt.

Miese Jobs. Böser Staat. Wirtschaftskrise. Schlechte Karten!

“Unsere Zielgruppe sind Männer zwischen 18 und 34 Jahren”, erklärt der DC-Verlag. Eure Zielgrupe, korrigiere ich nach der Lektüre von 52 ersten Heften, sind Verlierer, Zyniker, Nörgler und Versager. Fans von Selbstmitleid und Zweifeln. Wie bei Marvel:

Seit September hat Lois Lane einen neuen Freund – Superman konnte nie bei ihr landen. Seit September ist Green Arrow ein jugendlicher, legendär reicher Playboy – apolitisch und plump. Auch Familie Reyes, die respektvollen, bisher immens sympathischen Eltern des jungen Blue Beetle, sind plötzlich streng und hilflos: „Früher erfuhr Blue Beetle Zuspruch und Unterstützung von Freunden und Familie. Aber das Heldenleben ist nunmal kein Zuckerschlecken!“, feixt Autor Tony Bedard. „Ich mache ihm alles deutlich schwerer!”

Es ist nicht schwer, Geschichten zu erzählen, in denen ein Held alleine in einem Sumpf aus Mittelmaß und Dummheit steht. Es ist nicht schwer, „der Gute“ zu sein, so lange alle Gegenseiten nachtschwarz und bitterböse bleiben. Viele neue DC-Reihen sind schmissig – aber brutal vereinfacht, geist- und einfallslos.

Besonders die weiblichen DC-Figuren leiden unter diesem Kurswechsel: Denn seit September werden sie mit dickerem, plakativen Pinselstrich gezeichnet. Amanda Waller, eine bullige, intrigante Regierungsagentin Ende 40, vor der selbst Batman zittterte, hat plötzlich eine Wespentaille und feuchte, pralle Lippen. Fast 30 Jahre lang war Starfire eine lebensfrohe, entspannte Romantikerin. Jetzt bietet sie jedem Mann spontanen Sex an. Beinahe fünf Jahre lang waren Catwoman und Batman ein Liebespaar: Sie kannten die Gesichter hinter der Maske, vertrauten sich beruflich wie privat.

Der „Catwoman“-Neustart tilgt diesen Respekt und das Vertrauen: „Sie ist süchtig nach der Nacht. Süchtig nach Glanz. Süchtig nach Batman. Und süchtig nach der Gefahr!” Eine leichtsinnige Diebin, getrieben von Instinkt und Libido. Eine Figur, gezeichnet, um begafft zu werden – nicht bewundert.

Am Ende des September-Hefts taucht Batman in Catwomans (ergaunertem) Penthouse auf. Sie stürzt sich auf ihn wie eine räudige Katze. Und erklärt dem Leser, sie wisse gar nicht richtig, wer dieser Mann ist – es sei auch egal: Ihr reicht Batmans Körper. Sex auf dem Fußboden. Maskierte, gierige Fremde. „Und die Kostüme lassen wir größtenteils an.“

DC Comics ist ein flüssiger, süffiger, schwungvoller Neustart geglückt, mit vielen bemerkenswerten Zeichnern und einer Handvoll klugen und subtilen Autoren. Doch diese neue Welt der Helden ist auch, deutlich wie nie: ein Bekenntnis zum Schund. Zum Sexismus. Zur Gewalt. Und zu einer jungen, männlichen, naiven Leserschaft, die sich nicht viel zutraut. Und nicht viel erwartet.

sechs Empfehlungen für Neueinsteiger: „The Flash“ (Panini), „Action Comics“ (Panini), „Batman“, „Justice League“ (Panini), „DC Universe presents: Deadman“

sechs Empfehlungen für Fans: „Batman & Robin“ (Panini), „Batwoman“ (Panini), „Wonder Woman“, „Birds of Prey“, „Swamp Thing“, „Animal Man“ (Panini)

Enttäuschungen und Schund: „Detective Comics“ (Panini), „Deathstroke“, „Red Hood and the Outlaws“, „Red Lanterns“ (Panini), “Legion Lost”, “Catwoman” (Panini)

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related Links:

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my German comic book journalism:

 

Big DC Comics Changes in September

After 50 years of super-hero comics set on several parallel earths / storytelling universes, DC’s Crisis on Infinite Earths crossover from 1985 streamlined the ‚DC Multiverse‘: A cosmic crisis destroyed the parallel worlds and gave most heroes new, simpler origin stories in a common, shared, modern-day universe.

[good article on the Crisis and it’s fictional AND real-world/economic consequences at TV Tropes (Link)]

26 years later, at the end of this summer’s big DC Comics ‚Flashpoint‘ storyline, 52 comic series starring the DC heroes will start with a new ‚No. 1‘ issue in September and several – big, cosmetic, or earth-shattering? – changes: The first big, universal reboot in these comics since 1985.

In a letter to comic shops and retailers, DC comics Sales SVP Bob Wayne explained what will happen in September: „Some of the characters will have new origins, while others will undergo minor changes. […] Our characters are always being updated; however, this is the first time all of our characters will be presented in a new way all at once.“ (Link)

In a USA Today interview, creators Geoff Johns, Dan DiDio and Jim Lee further elaborated their plans. (Details and some discussion at the ‚DC Women Kick Ass‘ blog, Link.): A new Justice League with 14 members. A new ‚Hawkman‘ and a new ‚Aquaman‘ series and more emphasis on non-white and non-straight heroes like Batwoman and the Blue Beetle.

People are pretty nervous about a de-aged, twenty-something Batman and Superman though and the possible dissolution of Clark Kent’s marriage to Lois Lane: Will author Grant Morrison make Superman date Wonder Woman in September? (Link to the rumor and more discussion.)

„I’m hoping DC has the cajones to do a real universal reboot. They might pick up new readers; older ones like me will stick on“, writes Scipio Garling of the (amazing) ‚The Absorbascon‘ blog: „Mainstream comics have long since given up on the principle that “every comic is someone’s first”; instead they cling desperately to the principle that “this comic must NOT be someone’s last!” This gives us an endless cascade of ‘can’t miss’ cliffhangers to keep dying addicts addicted, rather than an endless parade of new stories to keep new readers interested.“

In Germany, staff at the Berlin ‚Grober Unfug‘ comic book store is excited (Link)… while Tofu Nerdpunk has some warranted, sceptical questions (Link): If everyone is younger… what about the teenage heroes? The current and former Robins? And the bigger, ongoing storylines, for example in Gotham City? Will everything be erased / ignored?

If the reboot fails, there is one bright spot: In 1996 and 1997, Marvel comics tried a similar approach with their ‚Heroes Reborn‘ crossover (Link). „The changes to the characters were controversial, provoking debates amongst fans. However, all of the titles experienced a large upsurge in sales.“

After the sales returned back to normal… the storylines wrapped up, and all the characters returned to the ’normal‘, former Marvel universe and their established continuity.

So if the experiment fails… the rebooot can be rebooted again. No harm done! 🙂

 

Update: Here’s an interesting IGN article about the 8 biggest potential problems the reboot has to solve (Link).