Verbrecher Verlag

Lesung & Moderation, Open Books zur Frankfurter Buchmesse: Manja Präkels (Verbrecher Verlag) & Nikita Afanasjew (Voland & Quist)

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Ab und zu darf ich Lesungen moderieren und Autor*innen auf der Bühne interviewen, z.B. Stewart O’Nan (Literaturhaus Freiburg), Thomas von Steinaecker (Literaturbüro Oldenburg), Kathrin Passig (Deutsche Akademie für Sprache & Dichtung, Darmstadt), Justin Torres und Fiona Maazel (DAAD, Leipzig).

Fragt mich für sowas an – ich mache das irrsinnig gern!

das.ensemble@gmail.com

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Zur Open-Books-Lesung der Frankfurter Buchmesse 2017 sprach ich mit Manja Präkels und Nikita Afanasjew.

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70 Minuten, zu dritt auf der Bühne. Erst las Manja, dann Nikita. Beiden durfte ich je ca. 15 Minuten lang Fragen stellen.

Heute kurz im Blog: kurze Statements zu den beiden Romanen, meine Lesungsnotizen und Fotos (von Linus Giese, @buzzaldins blog)

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Roman, Hardcover, 232 Seiten
Verbrecher Verlag, Juli 2017, 20,00 €

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„Landleben zwischen Lethargie und Lebenslust. Mimi und Oliver sind Nachbarskinder und Angelfreunde in einer kleinen Stadt an der Havel. Sie spielen Fußball, leisten den Pionierschwur und berauschen sich auf Familienfesten heimlich mit den Schnapskirschen der Eltern. Mit dem Mauerfall zerbricht auch ihre Freundschaft. Oliver wird unter dem Kampfnamen Hitler zu einem der Anführer marodierender Jugendbanden. Seine Leute bringen Straßen und Plätze unter ihre Kontrolle.

Manja Präkels erzählt in ihrem Debütroman vom Verschwinden der DDR in einem brandenburgischen Kleinstadtidyll, dem Auftauchen verloren geglaubter Gespenster, von Freundschaft und Wut.“ [Klappentext, leicht gekürzt.]

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Vor ein paar Wochen, beim Anlesen, dachte ich: „Der Buchtitel ist dick aufgetragen, das Buch wirkt monoton und eingleisig… kein Muss.“

Ein Roman über die Zeit von ca. 1985 bis ca. 1993 in einem DDR-Dorf an der Havel nah an Berlin, aus Sicht der Ich-Erzählerin Mimi, geboren 1975: der Nachbarsjunge wird rechtsradikal, und „Hitler“ genannt – doch in der Grundschulzeit sitzen Mimi und Hitler noch bei Verwandtengeburtstagen am Kindertisch und teilen den ersten Rausch.

Gegen das Buch spricht, dass es oft wie eine Liste wirkt: eine Ansammlung von allem, was in Mimis Kindheit und Jugend awkward, traurig, verstörend, brutal war, Schlag auf Schlag aneinander gereiht. Alles im selben Ton, nach der selben Dramaturgie, 230 Seiten. Dicht, aber oft viel zu kurz/kompakt – in schlechten Momenten wirkt das wie eine Litanei, bei der Figuren, Stimmungen etc. keine Luft zum Atmen haben.

Andrea Hanna Hünniger schrieb 2014 ein kurzes Essay über den NSU-Prozess und ihre Jugend nach der Wende: „Hitler, der Krasseste unter den Glatzen in unserem Viertel, stand eines Morgens an der Bushaltestelle, weil er zu seiner Ausbildung zum Baggerführer oder so ähnlich gehen wollte, mal wieder, er war lange nicht mehr hier gewesen. Da sagte er zu mir, wenn du mich noch einmal anguckst, schlag ich dich tot.

[…] Wenn ich den Prozess beobachte, sehe ich diese leeren Straßen und die Felder, die sich ins Unendliche ausrollen, ich sehe die Bushaltestellen mit den Jungs und Mädchen in Bomberjacken, und ich sehe immer auch mich selbst. Ich sehe aber auch ein ganzes Land auf der Anklagebank, das sich in einem wichtigen Jahrzehnt eher um den Solibeitrag stritt und über eine Diktatur und nicht bemerkte, wie ihm die Kinder abhanden kamen.“

Präkels sammelt die Verletzungen, Ängste, Microaggressions, Widersprüche und Alptraum-Momente einer solchen Kindheit und Jugend, in fünf kurzen, aussagekräftigen Szenen pro Seite, oft SEHR knapp aufs Papier gepresst. Szenen, die ich nicht vergessen werde, und Zusammenhänge, die nie ausgesprochen werden – sondern sich erst zeigen, wenn ich das Buch zuschlage und all diese anecdotal evidence erinnere. Kein elegantes Buch. Ich wünschte, es wäre länger, modulierter, hätte mehr Auf und Ab.

Trotzdem: *ungeheuer* eindrücklich. Empfehlung!

http://www.verbrecherverlag.de/book/detail/908

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  • geboren 1974 in Zehdenick an der Havel, nah an Berlin.
  • arbeitete, wie die Romanfigur, als Lokaljournalistin.
  • studierte Philosophie und Soziologie an der FU Berlin.
  • Chansonniere/Sängerin der Band „Der singende Tresen“ & Autorin des Lyrikbandes „Tresenlieder“

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  • 2011 Mitherausgeberin von „Kaltland“, Rotbuchverlag: „Erzählungen, autobiographischen Geschichten und Originaltönen prominenter Autoren und Künstler über Rassismus nach der Wende: Volker Braun, Annett Gröschner, Jakob Hein, Alexander Osang, Martin Sonneborn, Andres Veiel, Roger Willemsen u.v.a.“
  • 2014 mit ihrem Ehemann Markus Liske Herausgeberin des Erich-Mühsam-Lesebuchs „Das seid ihr Hunde wert!“, Verbrecher Verlag.
  • 2015, mit Markus Liske: „Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn?“, Verbrecher Verlag.

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  • u.a. Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste (2005) und Aufenthaltsstipendium im Writers House Ventspils, Lettland (2012/13).
  • schreibt für die taz, Jungle World, Märkische Allgemeine Zeitung.
  • arbeitet an einer Langfassung des in der taz erschienen Fortsetzungsromans „Im Anwohnerpark“.

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  • 1999 recherchierte sie für die ZDF-Dokumentation „Die Zecken von Zehdenick“. Der Bürgermeister warf ihr vor, „die Stadt in Misskredit gebracht zu haben“.
  • Charlotte Roche sagte mal: 70 Prozent von Feuchtgebiete sind wahr. Präkels: „Bei ‚Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß‘ sind es 88 Prozent.“
  • Wer soll das lesen? Ossis? Wessis? Präkels: „Beim Schreiben hatte ich meine Freundinnen und Freunde von damals im Kopf.“

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Roman, Hardcover, 304 Seiten
Voland & Quist, September 2017, 22,00 €

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„Jakob Ziegler ist jung, talentiert und erfolglos. Ein Künstler, der im Leben feststeckt. Um endlich vorwärtszukommen, erschafft er eine spektakuläre Kunstfigur: Johann Zeit. Was anfangs noch harmlos erscheint, wird bald zum Marketing-Coup. Dann aber entgleitet Jakob die Kontrolle über sein Alter Ego…“

»Heute Nacht ist Berlin ein Abenteuerspielplatz. Afanasjew dreht das große Karussell der urbanen Selbstverwirklichung ‒ und er dreht es so schnell wie gekonnt.«
Benedict Wells

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Ein Jungs- und Künstlerroman im Stil von Joey Goebels „Vincent“, neueren Romanen von Benjamin Lebert und viel von Martin Spieß, Benedict Wells – und eine Art umgedrehtes „Fight Club“: Was, wenn eine Kunstfigur plötzlich zum Gegenspieler wird? Ich mag, dass der Roman seine Konflikte und Fragen von Szene zu Szene weiter dreht/denkt, statt stehen zu bleiben: Obwohl die Figuren recht naiv handeln, machen sie überraschende, überraschend kluge Fortschritte. Ich mag, dass Neben Hauptfigur Jakob mehrere Nebenfiguren lange eigene Kapitel haben, sich der Roman mehr Figuren als nötig erlaubt… und ihnen mehr Tiefe gibt als befürchtet.

Und ich mag die Szene, in der Jakob auf den Kran einer Baustelle klettert und einen einsamen Wachmann/Handwerker entdeckt, der im Keller an einer Wand des Rohbaus ein Gemälde malt, im Wissen, dass der Raum in ein paar Tagen mit Dämmung ausgekleidet wird… und kaum jemand die Kunst je sieht. Obwohl Afanasjew als Reporter sehr vertraut ist mit der Stadt, verzichtet das Buch auf Lokalkolorit-Eitelkeiten und Insider-Berlin-Jargon.

Überzeugt hat es mich nicht. Kluge Fragen, liebenswerte Figuren… doch alles bleibt zu oberflächlich, konstruiert. Eine reiche, dysfunktionale Familie spricht/handelt wie schlecht erfunden. Jakobs eigene – interessantere! – Familie und die Frage, ob Lohnarbeit und Selbstaufopferung im Kapitalismus glücklich machen können, bleiben Beiwerk. Das Finale wirkt wie aus einer überzeichneten Satire, und die Johann-Zeit-Schnapsidee schlägt amüsante, doch nie besonders tiefgründige, markante, relevante Haken. Kein Buch, das mich ärgerte oder langweilte. Doch ich glaube, Afanasjew kann das VIEL besser. Als Lesungsgast und Gesprächspartner war er großartig: Ladet ihn ein – das lohnt sich!

https://www.voland-quist.de/buch/?259/Bank%C3%BCberfall%2C+Bergh%C3%BCtte+oder+ans+Ende+der+Welt–Nikita+Afanasjew

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  • geboren 1982 in Tscheljabinsk, Sowjetunion – einer „unglaublich verseuchten Industriestadt“ am Ural.
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  • „neben und nach dem Studium unterwegs als Reporter für“ u.a. Tagesspiegel, WAZ, dpa, Focus Online, 11 FreundeDummy, Fluter.
  • Gewinner des Deutschen Reporterpreises 2015. Nominierungen für Axel-Springer- und Henri-Nannen-Preis.

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  • schrieb journalistisch bisher als Nik Afanasjew, in Zukunft aber mit vollerem Namen, Nikita.
  • 2015 großartiger Tagesspiegel-Text „Aufwachsen am Kotti. Die Kids aus unserem Hinterhof.“
  • 2016 elfteilige Tagesspiegel-Reihe „Quer durch Russland“. „Welchen Text sollen wir lesen?“ – „Ich mag Text 6, über Stalin-Büsten.“
  • scheußliche Bio bei Dummy, nicht selbst geschrieben: „Er ist Reporter im Krisengebiet Kreuzberg, in den Favelas zwischen Prinzenbad und Görlitzer Park.“

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Nik Afanasjew: „Aufwachsen am Kotti: Die Kids aus unserem Hinterhof“. Tagesspiegel, 2015

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Deutscher Buchpreis 2015: meine Favoriten (Vorauswahl)

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nur kurz:

ich mag die Bandbreite, Abwechslung und den Mut der Longlist zum deutschen Buchpreis 2015, habe in den letzten Tagen die ersten Seiten aller 20 nominierten Titel gelesen und, für mich selbst, eine Vorauswahl getroffen:

sechs Titel, die ich kaufen und lesen werde – früher oder später.

[…“später“, denn diese nominierten Titel werden in den Zeitungen und Feuilletons, für die ich schreibe, meist von ältere Rezensent*innen besprochen: mein Job und Fachgebiet sind die Entdeckungen, US-Literatur, Jugendbücher, Indie-Titel… Überraschungs-Bücher und literarische Außenseiter, die noch recht wenige Menschen auf dem Schirm haben. Longlist-Titel sind so bekannt und allgegenwärtig, dass ich selten Schreib-/Rezensionsaufträge für sie bekomme.]

Sechs Titel sprechen mich sehr an:

deutscher buchpreis 2015 stefan mesch favoriten buchcover

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  1. „Bodentiefe Fenster“, Anke Stelling, Verbrecher Verlag
  • eine depressive Mutter im Prenzlauer Berg hat Angst vor dem sozialen Abstieg
  • das Thema (Öko-Biedermeier in Berlin) ist oft Stoff für billige Witze und Satire – hier wird es ernster, sozialkritischer und, hoffentlich, klüger durchgespielt
  • ich kenne Stellings Debüt von 2004, „Glückliche Fügung“, fand es recht seicht/konventionell… aber sympathisch
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Mit vierzig Jahren und als Mutter zweier Kinder ist aus Sandra eine Art Kassandra vom Prenzlauer Berg geworden. Weggehen kann sie jedoch auch nicht, außerdem genießt sie ihre Privilegien. Sie feiert die Kindergeburtstage wie früher, wie Pippi Langstrumpf, doch der Kern der Utopie ist nicht mehr da. Bodentiefe Fenster – bodenlose Gegenwart.“ [Klappentext, gekürzt]

Bodentiefe Fenster
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2. „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“, Frank Witzel, Matthes & Seitz

  • 800-Seiten-Kindheits-und-Erinnerungsbuch über die BRD
  • sehr überbordend, verspielt, voller Zitate und Zeitgeschichte
  • vielleicht zu viel Retro-Kitsch, zu gewollt… aber die Welt und das Milieu sind sehr gut getroffen
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Ein Spiegelkabinett der Geschichte im Kopf eines Heranwachsenden: Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst; das dichte Erzählgewebe ist eine explosive Mischung aus Geschichten und Geschichte, Welterklärung, Reflexion und Fantasie: ein detailbesessenes Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die 1989 Geschichte wurde. Ein mitreißender Roman, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

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3. „Winters Garten“, Valerie Fritsch, Suhrkamp

  • eine seltsame Kleingartenkolonie – und dahinter die Stadt, Zivilisation, die zerfällt: ein dystopischer, aber sehr märchenhafter und stiller Roman über Alter und Ende
  • altmodische Sprache, wahrscheinlich kaum Plot oder Überraschungen, erzählerische Raffinesse: das Buch funktioniert über Atmosphäre. 160 Seiten eigentümliche, bedrohliche Atmosphäre? das klingt machbar und sympathisch!
  • aber: vielleicht trotzdem nur Kitsch und zäher, barocker Quatsch? wie ihr Klagenfurt-Video?
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„‚Winters Garten‘, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst.Valerie Fritsch erzählt von einer Welt aus den Fugen. Und von zwei Menschen, die sich unsterblich ineinander verlieben, als die Gegenwart nichts mehr verspricht, die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen.“ [Klappentext, gekürzt.]

Winters Garten

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4. „Siebentürmeviertel“, Feridun Zaimoglu, Kiepenheuer & Witsch

  • 800 Seiten in der Türkei der 30er/40er Jahre
  • sehr wuchtig, sprachverspielt, überraschend, episch: ich kenne von Zaimoglu „Kanak Sprak“ und „Liebesmale, scharlachrot“, und beides war mir zu gewollt, zu poetry-slam-haft und pubertär. der Ton in „Siebentürmeviertel“ ist selbstbewusster.
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Eine fremde und faszinierende Welt, in der sich ein deutscher Junge behaupten muss: Es ist das Jahr 1939, und Wolf findet sich in Istanbul wieder, in der Familie von Abdullah Bey und mitten im Siebentürmeviertel, einem der schillerndsten Stadtteile der Metropole, in der Religionen und Ethnien in einem spannungsreichen Nebeneinander leben. Was als vorübergehende Maßnahme gedacht war, wird zu einer Dauerlösung, und Wolf muss sich zurechtfinden in diesem überwältigenden Kosmos. Er wird von Abdullah Bey an Sohnes statt angenommen, besucht die Schule und erobert sich seine Stellung unter den Jugendlichen des Viertels. Als er langsam zu begreifen beginnt, welche Rolle Abdullah Bey wirklich spielt, gerät er in große Gefahr.“ [Klappentext, gekürzt.]

Siebentürmeviertel

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5. Getraud Klemm, „Aberland“, Droschl

  • Baden bei Wien: eine Mutter Ende 50 und ihre Tochter Mitte 30 hadern mit ihren Beziehungen, Rollen und dem bürgerlichen Druck.
  • 2014 erschienen, ebenfalls angelesen und gemocht: „Herzmilch“ (Perlentaucher)
  • die meisten Bekannten, die bisher Gertraud Klemm lasen, sagen: mitteltiefgründig, mittelambitioniert, mittelinteressant. mal sehen.
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Elisabeth, 58, versucht würdevoll zu altern. Ihr gutbürgerliches Leben ist am ehesten charakterisiert durch das, was sie alles nicht getan hat: sie hat nicht studiert und nicht gearbeitet, sie hat ihre Kinder nicht vernachlässigt und ihren Mann nicht mit dem Künstler Jakob betrogen, sie hat der Schwiegermutter nicht die Stirn geboten und stellt noch immer nicht den Anspruch, ins Grundbuch der Jugendstilvilla eingetragen zu werden. Mit Zynismus und verhaltener Selbstreflexion beobachtet sie das Altern der Frauen um sie herum. Und sie beobachtet ihre Kinder, vor allem Franziska, 35, die zu Wutausbrüchen neigt, mit den Anforderungen der Gesellschaft an ihre Mutterrolle hadert.“ [Klappentext, kaum gekürzt… weil er sehr gut geschrieben ist!]

Aberland
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6. Jenny Erpenbeck, „Gehen ging gegangen“, Knaus

  • Professor mit Sinnkrise sucht Kontakt zu Geflüchteten am Berliner Oranienplatz
  • politischer, aber poetischer Roman über die Frage, was Engagement bewegt und was Menschen einander geben können.
  • ich mochte „Das alte Kind“ nicht, Erpenbecks staubige, viel zu betuliche Kurzgeschichten. auch hier im Portrait wirkt sie verkrampft (Link: könnte aber auch an der Journalistin liegen). aber „Heimsuchung“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern: ich bin gespannt, wie modern/altmodisch der neue Roman mit Sprache und Themen umgeht… aber bleibe etwas vorsichtig.
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika zu suchen, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.“ [Klappentext, gekürzt.]

Gehen, ging, gegangen …und, große Empfehlung: Heimsuchung
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zwei Titel auf der Kippe:

    • „89/90“ von Peter Richter wirkt kompetent geschrieben und unterhaltsam – aber ich habe das Gefühl, schon fünf solcher Bücher zu kennen. wäre das ein unbekanntes Buch/Geheimtipp, ich würde es bald lesen. aber es findet sein Publikum sicher auch ohne mich.
    • „Die Stunde zwischen Wolf und Gitarre“ von Clemens J. Setz hat 1000 Seiten und wirkt sehr verspielt: ein Buch, das seinen Leser*innen wahrscheinlich viele Fallen stellt. ich habe Angst, mich auf Figuren einzulassen – wenn mir schon die ersten Seiten signalisieren: da geht es eher um literarische Spiele, Fragen der Perspektive, Überraschungen und Überrumpelungen.

89/90: Roman   Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

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