US-Literatur

Die besten Bücher 2018: erste Favoriten und Empfehlungen [Buchtipps, Romane]

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bereits gelesen:

KENT HARUF, „Lied der Weite“

gelesen in der deutschen Ausgabe von 1999, „Flüchtiges Glück“, die selbe Übersetzung durch Rudolf Hermstein. Harmlos, einfach, etwas süßlich… doch toll atmosphärisch, warmherzig.

„Victoria, siebzehn und schwanger, wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Da überredet ihre Lehrerin Maggie die Brüder McPheron, zwei alte Viehzüchter, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ein erst widerwilliger Akt der Güte, der das Leben von sieben Menschen in der Kleinstadt Holt in Colorado umkrempelt und verwandelt.“ [Klappentext, ungekürzt]

[Diogenes. 12. Januar]

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angelesen und gemocht:

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NICKOLAS BUTLER: „Die Herzen der Männer“

„Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver sich Nelson nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab. Nelsons bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil: Jonathan ist bei allen beliebt und pragmatisch. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt den Freunden Prüfungen ab, die Loyalität auf eine harte Probe stellen.“ [Klappentext, gekürzt]

[Klett-Cotta, 10. Februar]

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JESMYN WARD: „Singt, ihr Lebenden und Toten, singt“

„Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben bei ihren Großeltern an der Golfküste von Mississippi. Ihre Mutter nimmt Drogen und arbeitet in einer Bar. Als der weiße Vater der Kinder aus dem Gefängnis entlassen wird, fährt die Familie zur »Parchment Farm«, dem staatlichen Zuchthaus, um ihn abzuholen. Eine Reise voller Gefahr und Hoffnung. Wie bewahrt man Würde, Liebe und Achtung, wenn man sie nicht erfährt? Ein Familienporträt voller Anspielungen auf das Alte Testament und die Odyssee.“ [Klappentext, gekürzt]

[Kunstmann, 14. Februar]

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CATALIN MIHULEAC: „Oxenberg & Bernstein“

„Die reiche Dora Bernstein und ihr Sohn Ben aus Amerika besuchen Iasi, die Wiege der rumänischen Kultur. Eine junge Frau, Suzy, zeigt ihnen die Stadt. Wenig später macht Ben ihr einen Antrag. Sie heiraten, und Suzy beginnt, sich für die Geschichte ihrer neuen Familie und die ihrer alten Heimat genauer zu interessieren. Sie stößt auf ein Mädchen, das 1947 mit 17 Jahren nach Wien kam. Als Einzige einer angesehenen Familie überlebte sie das Pogrom in Iasi und den Holocaust. Im Wiener Rothschild-Spital findet sie Zuflucht und erweist sich als begabte Schneiderin. Dort trifft sie einen GI, der ihr den Hof macht.“ [Klappentext, gekürzt]

[Zsolnay, 19. Februar]

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BETTINA WILPERT: „Nichts, was uns passiert“ [Debüt, deutschsprachig]

„Leipzig. Universität und Fußball-WM. Gute Freunde, eine Geburtstagsfeier. Anna sagt, sie wurde vergewaltigt. Jonas sagt, es war einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Aussage steht gegen Aussage. Nach zwei Monaten nah an der Verzweiflung zeigt Anna Jonas schließlich an, doch im Freundeskreis hängt bald das Wort „Falschbeschuldigung“ in der Luft. Der Roman thematisiert, welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf Opfer, Täter und das Umfeld hat und wie eine Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht.“

[Verbrecher Verlag, 28. Februar]

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NOELLE REVAZ: „Von wegen den Tieren“ [Neuauflage]

„Bauer Paul ist engstirnig und hartherzig, ein Schläger und Trinker. Er selbst merkt das nicht. Kunstvoll lässt Revaz ihn seine Welt schildern: ein wortkarger und harter Mann, der seine Frau nur »Vulva« nennt, seine Kinder nicht beim Namen kennt und zuschlägt, »weil was man gern hat, das klopft man«. Doch dieser Sommer ist anders, denn Vulva wird krank, die Tiere geraten in Gefahr, und der Wanderarbeiter Georges bringt neue Töne in Pauls Leben.“

[Wallstein, 5. März, schon 2004 in dieser Übersetzung veröffentlicht]

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DONAL RYAN: „Die Lieben der Melody Shee“

„Als Melodys Mann sich nach zwei Fehlgeburten heimlich sterilisieren lässt, beantwortet sie diesen Vertrauensbruch mit einer Affäre und wird schwanger – von einem ihrer Schüler. Im erzkatho­lischen Irland schwankt Melody schwankt zwischen dem stillen Glück und der Schuld, die sie mit seiner Entstehung auf sich geladen hat. Die Entscheidung, die sie letztlich trifft, ist so unkon­ventionell wie mutig.“ [Klappentext, leicht gekürzt]

[Diogenes, 28. März]

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SARA NOVIC: „Das Echo der Bäume“

„Es ist 1991, in der Nähe von Zagreb, in einem Land, in dem Nachbarn zu Feinden geworden sind. Ana gelingt die Flucht nach Amerika, zusammen mit ihrer kleinen Schwester Rahela, die noch ein Baby ist. Rahela wächst sorglos heran, doch Ana kann nicht vergessen. Bis sie eines Tages beschließt, zurückzukehren in das heutige Kroatien, das für sie noch immer voller Wunder ist und einmal ihre Heimat war …“ [Klappentext, gekürzt]

[btb, April – ich las vor zwei Jahren das US-Original, „Girl at War“ ca. zur Hälfte und verlor dann das Interesse: Es las sich wie ein kompetent geschriebenes Jugendbuch, bei dem mir Ton und Themen zu bekannt vorkamen.]

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CELESTE NG: „Kleine Feuer überall“

„Elena Richardson steht in Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes auf dem Rasen und starrt in die Flammen. Sie passte gut nach Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch es brennt.“

[dtv, 20. April]

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WILLIAM FINNEGAN: „Barbarentage“

[Nonfiction] „Vor fünfzig Jahren verfällt William Finnegan dem Surfen. Damals verschafft es ihm Respekt, dann jagt es ihn raus in die Welt – Samoa, Indonesien, Australien, Südafrika –, als Familienvater mit Job beim New Yorker dient es der Flucht vor dem Alltag.“

[Suhrkamp, 2. Mai]

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MATT RUFF: „Lovecraft Country“

„Als Atticus Turners Vater verschwindet, macht Atticus sich wohl oder übel auf die Suche: nach „Lovecraft Country“ in Neuengland, Mitte der 50er Jahre ein Ort der schärfsten Rassengesetze in den USA. Mit Hilfe seines Onkels George, Herausgeber des „Safe Negro Travel Guide“, und seiner Jugendfreundin Letitia gelangt er bis zum Anwesen der Braithwhites. Dort tagt eine rassistische Geheimloge: Matt Ruff erzählt mit überbordender Phantasie und teuflischem Humor die wahnwitzigen Abenteuer einer schwarzen Familie.“ [Klappentext, gekürzt]

[Hanser, 14. Mai]

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JENS REHN: „Nichts in Sicht“ [Neuauflage: 2013 zur Hälfte gelesen, dann aus Versehen das Ende erfahren und das Interesse verloren.]

Okay, Schöffling – vergesst es. Die Website hat den selben Klappentext, der mir das Buch ruinierte 2014. Ihr seid schreckliche Menschen!

[Schöffling, 22. Mai]

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HALA AYLAN: „Häuser aus Sand“

„Salma musste ihre geliebte Heimat Jaffa verlassen und fand in Nablus mit Mann und Kindern einen neuen Platz. Der Garten wird zum farbenfrohen Paradies, und Salmas Tochter dagegen fühlt sich dem Haus und Nablus so verbunden wie Salma mit Jaffa war. Der Kaffeesatz sagt auch Alia ein unruhiges, schwieriges Leben voraus. Salma verschweigt diesen Teil der Vorahnung und muss erleben, wie ihr Sohn ihr im Sechstagekrieg genommen wird und ihre Tochter nach Kuwait flieht. Alia hasst ihr neues, beengtes Leben und durchlebt, wie ihre Mutter, die selbe Sehnsucht nach der Heimat und den Widerstand ihrer eigenen Kinder gegen ihr Festhalten an den alten Regeln. Zwanzig Jahre später verlieren Alia und ihre Familie erneut ihr Zuhause und retten sich in alle Himmelsrichtungen: nach Boston, Paris, Beirut. Wieder einmal wird ihre Geschichte von anderen bestimmt und geschrieben.“ [Klappentext, gekürzt]

[Dumont, 18. Juni]

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internationale Literatur, noch nicht angelesen:

HARUKI MURAKAMI, „Die Ermordung des Commendatore“ Band 1 und 2, Dumont, 22. Januar & 16. April

FERNANDO ARAMBURU, „Patria“, Rowohlt, 16. Januar

STEFAN AGOPIAN, „Das Handbuch der Zeiten“, Verbrecher Verlag, Februar

NINA LYKKE, „Aufruhr in mittleren Jahren“, Nagel & Kimche, 19. Februar

MARCELO FIGUERAS, „Das schwarze Herz des Verbrechens“, Hanser, 19. Februar

DASA DRNDIC, „Belladonna“, Hoffmann & Campe, 20. Februar

MONICA ISAKSTUEN, „Elternteile“, Eichborn, 23. Feburar

RITA INDIANA, „Tentakel“, Wagenbach, März

JAMES BALDWIN, „Von dieser Welt“, dtv, 9. März

LIYUN LI, „Lieber Freund, aus meinem Leben schreibe ich dir in deines“, Essay/Memoir, Hanser, 9. März

LARS SAABYE CHRISTENSEN, „Magnet“, btb, 12. März

TOMMI KINNUNEN, „Wege, die sich kreuzen“,  DVA, 19. März

LAETITIA COLOMBANI, „Der Zopf“, S. Fischer, 22. März

LIAO YIWU, „Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass. Meine lange Flucht aus China“, S. Fischer, 26. April

BASTIEN VIVÈS, „Eine Schwester“, Reprodukt, Mai [Graphic Novel]

MARYAM MADJIDI, „Du springst, ich falle“, Blumenbar, 18. Mai

ALLICE ZENITER, „Die Kunst, zu verlieren“, Berlin Verlag, 1. Juni

BECKI ALBERTALLIs „Nur drei Worte“ (Carlsen, 2016) kommt am 28. Juni in dt. Kinos

NANA EKVTIMISHVILI, „Das Birnenfeld“, Suhrkamp, 4. Juli

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deutschsprachige Literatur, noch nicht angelesen:

ANJA KAMPMANN, „Wie hoch die Wasser steigen“, Hanser, 28. Januar.

MILENA MICHIKO FLASAR, „Herr Kato spielt Familie“, Wagenbach, Februar

ANDREAS MAIER, „Die Universität“, Suhrkamp, 7. Februar

CLEMENS J. SETZ, „Bot“, Suhrkamp, 12. Februar

THORSTEN NAGELSCHMIDT, „Der Abfall der Herzen“, S. Fischer, 22. Februar

AXEL RANISCH, „Nackt über Berlin“, Ullstein Fünf, 23. Februar [schreckliches Spaßbuch-Cover und die verbrauchte Idee aus „Tötet Mrs. Tingle“. Aber: queerer Autor, queerer Teenager-Ich-Erzähler.]

ANNE REINECKE, „Leinsee“, Diogenes, 28. Februar [Debüt; könnte ein großes Manic-Pixie-Dream-Girl-Problem haben: junges Mädchen bringt Künstler neuen Lebensmut.]

JOSEFINE RIEKS, „Serverland“, Hanser, 29. Februar

ANTONIA KÜHN, „Lichtung“, Reprodukt [Graphic Novel], März

MAREIKE FALLWICKL, „Dunkelgrün fast schwarz“, FVA, 5. März

SIBYLLE LUITHLEN, „Wir müssen reden“, DVA, 12. März

SVENJA LEIBER, „Staub“, Suhrkamp, 7. März

KAROSH TAHA, „Beschreibung einer Krabbenwanderung“, Dumont, 12. März

KATHRIN WEßLING, „Super, und dir?“, Ullstein Fünf, 6. April

VERENA CARL, „Die Lichter unter uns“, S. Fischer, 26. April

RALF ROTHMANN, „Der Gott jenes Sommers“, Suhrkamp, 2. Mai

NATALIE BUCHHOLZ, „Der rote Swimmingpool“, Hanser Berlin, 14. Mai

KATHARINA ADLER, „Ida“, Rowohlt, 24. Juli

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Sachbuch, noch nicht angelesen:

JÖRG MAGENAU, „Bestseller“, Hoffmann & Campe, 20. Februar

TONI MORRISON, „Die Herkunft der anderen“, Rowohlt, 27. März

HANS ROSLING, „Factfulness“, Ullstein, 6. April

TA-NEHISI COATES, „We were eight Years in Power“, Hanser Berlin, 14. Mai

KATHRIN PASSIG, „Neue Staaten erfinden“, Rowohlt Berlin, 24. Juli

WERNER BARTENS, „Emotionale Gewalt“, Rowohlt Berlin, 21. August

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Danke an Ilja Regier, der seit Jahren zweimal jährlich solche Listen in seinem Literaturblog erstellt, für die Herbst- und Frühlings-Novitäten:

Iljas 2018-Posting und -Vorauswahl: hier

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Ich bin freier Kritiker (…und, gern und so oft wie möglich: Moderator bei Lesungen und Podien) und hoffe, 2018 auch mit zwei, drei Autor*innen auf Bühnen ins Gespräch zu gehen. Bisher moderierte ich u.a. Lesungen und Gespräche mit Stewart O’Nan, Thomas von Steinaecker, Manja Präkels und Nik Afanasjew, Kathrin Passig, Theresa Präauer und Justin Torres, Fiona Maazel. Gern auf Englisch: das.ensemble (at) gmail.com

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Schlecht wie Joy Fielding: „Say Nothing“, Brad Parks (US-Thriller, 2017)

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„Say Nothing“, Brad Parks

475 Seiten, Dutton / Penguin, März 2017

konventioneller Thriller / Domestic Supense

trotz Richter als Ich-Erzähler kein Legal-/Justiz-Thriller wie z.B. John Grisham

Rezensionen auf Goodreads (Link)

…vergleichbar mit u.a. Harlan Coben, Autor von „Tell No One“ 

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Mit 14 war ich in Angela verliebt. Sie las gerade Thriller von Joy Fielding. Also lieh ich mir Joy Fieldings „Lauf, Jane, lauf“… und hatte bis heute, mit Parks‘ „Say Nothing“, nie wieder eine Thriller-Lektüre, während der ich mich so schlecht fühlte. Mit so wenig Genuss durch Kapitel hetzte:

Die Hauptfigur aus „Lauf, Jane, Lauf“ verliert ihr Gedächtnis, wird von einem Unbekannten bedroht und verbringt 400 Seiten, allen Menschen im Umfeld zu misstrauen: Ist ihr Mann, ihr Schwager, ihr Boss usw. der Stalker? Fielding schafft Spannung durch offene Fragen, die über Hunderte von Seiten nicht beantwortet werden – doch erzählerisch und stilistisch machen die Bücher keine Freude. Eine hypernervöse, meist untätige Erzählerin, die JEDEN verdächtigt. Umgeben von Figuren, so schwammig/widersprüchlich gezeichnet, dass alle der Schuldige/Stalker sein könnten.

Brad Parks‘ „Say Nothing“ weckt die gleiche freudlose Stimmung: eine Trottel-Figur, akut bedroht. Umringt von Red Herrings/falschen Fährten. „Besser schnell zum Ende kommen: Dann ist das zähe Rätselraten wenigstens um.“ Auch viele Goodreads-Kritiken zu Harlan Cobens „Tell No One“ klingen so: Menschen, die das Buch nicht weglegen wollten – doch beim Lesen kaum Freude hatten.

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Handlung:

Scott Sampson ist Mitte 40, Bundesrichter im (realen) Gloucester County, Virginia und seit über 20 Jahren mit seiner Collegeliebe Alison verheiratet. Die Zwillinge Sam und Emma sind sechs. Scott bekommt eine SMS von Alisons Nummer: Er muss die Kinder heute nicht aus der Kita holen. Er fährt direkt ins abgelegene Familienhaus am Wald – und wird von Alison gefragt, wo die Kinder sind. Jemand hat die Zwillinge entführt.

Via SMS erteilen die Kidnapper Scott Anweisungen, am nächsten Tag einen jungen Drogendealer freizusprechen: ein Text, nachdem sie wissen, dass sie Scott auch beruflich, als Richter, kontrollieren können. Das Buch schildert ca. 24 Tage aus der Sicht von Ich-Erzähler Scott, unterbrochen von kurzen, bewusst vagen, bedrohlichen auktorialen Kapiteln über zwei Handlanger (…zwei Brüder mit Bärten und diffus ausländischem Akzent) die Scotts Kinder bewachen und die Eltern auf verschiedenen Wegen einschüchtern und im Auge behalten sollen.

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Brad Parks…

…geboren 1974, studierte in Dartsmouth, arbeitete als Journalist (vor allem Sport- und Crime-Artikel) und schrieb bisher sechs Romane über einen Reporter/Ermittler in New Jersey: einige Genre-Preise, doch schlechte Leserwertungen, kein deutscher Verlag:

Parks ist verheiratet, lebt selbst in Virginia und hat, wie Richter Scanlon, zwei junge Kinder: https://en.wikipedia.org/wiki/Brad_Parks

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plausibler Ich-Erzähler:

Parks wirkt auf seiner Facebookseite und in Interviews recht goofy: nett, aber kein harter Knochen. Das gilt auch für Ich-Erzähler Scott: Der Federal Judge ist nicht mehr jung, nicht sehr attraktiv, die Haare fallen ihm aus. Er ist zwar klug und hat ein gesundes Selbstbewusstsein und eine gewisse Überheblichkeit (z.B. Arbeitern, Sekretärinnen, Angeklagten gegenüber), die mir für einen US-Richter plausibel scheint – doch er ist nicht eitel. Diese Erzählstimme ist das Beste am Buch: Ich hörte Scott gern zu – auch, wenn es seitenlang um Strafprozessordnung, Exposition/Backstory oder nervöse Spekulationen ging, und obwohl Scott keinen Glamour, keinen Humor, kein besonderes Charisma hat. Brad Parks wirkt wie ein kluger, netter Kerl, schlau, aber uncool und konventionell. Seine Hauptfigur übernimmt das. Und es klappt VIEL besser, klingt VIEL plausibler, sympathischer, angenehmer als in Thrillern mit psychologisch abgründigeren, exzentrischeren Ausnahme-Erzählern.

Bei „Say Nothing“ lese ich fast 500 Seiten tadellose, sympathische Erzählprosa, leicht verständlich, nicht literarisch, doch auch nicht niveaulos/zu flach, aus dem Mund einer angenehmen, plausiblen Figur. Das ist schon viel, in diesem Genre.

Nur fehlt „Say Nothing“ jede Kunstfertigkeit: ein Suspense-Thriller von der Stange, ohne größere Ambition.

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Plot und Probleme:

Scott spricht ein Urteil im Sinn der Kidnapper und lässt den Kleindealer frei. Tritt damit aber eine Untersuchung/ein Impeachmentverfahren gegen sich los. Weil Scott gehorchte, wird Sohn Sam von den Kidnappern vor dem Gerichtsgebäude ausgesetzt.

Die folgenden zwei Wochen/350 Seiten ist nur noch Tochter Emma entführt – und Scott bereitet sich auf ein zweites, größeres Verfahren vor, zu dem die anonymen Entführer ihm ein Urteil vorgeben werden: Noch weiß Scott nicht, ob er für oder gegen den Kläger entscheiden soll. Entsprechend verdächtigt er sowohl den Kläger – einen Wissenschaftler/Tüftler/Biologen, der ein Enzym patentiert hat – als auch die Beklagten – einen Pharmakonzern, der ein Mittel zur Infarktprophylaxe auf den Markt bringen will, doch dabei wohl das Patentrecht verletzt.

[Diese Gerichts-Details sind interessant, plausibel, detailliert-aber-kurzweilig. Der Gerichtsfall selbst ist eher langweilig und endet in einem großen Antiklimax: Das Enzym des Biologen und das Enzym im Medikament unterscheiden sich in einem Detail, die Klage ist grundlos/hinfällig.]

Scott verdächtigt u.a.

  • den Anwalt des Biologen, und lässt ihn durch einen Privatdetektiv beschatten.
  • seine Mitarbeiter im Büro (die nichts von der Entführung wissen: schöne Konflikte/Spannungen).
  • seinen alten Mentor/Chef: einen Senator, der mit dem Pharmakonzern verbandelt ist.
  • die Nanny der Kinder: eine junge türkische Studentin, die sich vielleicht via Perücke als Alison verkleidet hat? Sam behauptet, er wurde am fraglichen Tag von seiner Mutter abgeholt.
  • Ehefrau Alison: hat sie ihre eigenen Kinder entführt? Ihr Ex-Freund arbeitet für den Pharmakonzern, und Scott hat Angst, dass sie mit ihm durchbrennen will. […eine begründete Angst für Genre-Leser: „Gone Girl“, der wichtigste Bestseller des Genres der letzten Jahre, hatte einen ähnlichen Plot.]

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All diese Spannungsfelder/Ängste werden – recht holprig – als offene/rhetorische Fragen formuliert: „Kann ich Alison vertrauen? Sie verschwieg irgendwas. Ich fuhr ins Büro. Aber konnte ich dort noch jemandem trauen?“, seitenlang und immer wieder. Die 76 Kapitel sind recht kurz und monoton: einfach, szenisch und mit einem oft recht trashigen Cliffhanger, Dinge wie „Ich schlief und hatte Alpträume. Doch der schlimmste Alptraum sollte am nächsten Morgen beginnen, als der Wecker klingelte“ etc.

Es gibt zu viele Verdächtige, zu viele beliebige Konflikte, die zu lange immer weiter ohne Auflösung durchs Buch gezerrt werden (…wie durch eine TV-Serie, die zu viele Episoden hat und Wasser tritt). Die meisten Auflösungen kommen zu spät und sind hanebüchen/unterwältigend. Besonders, dass Alison so lange als Verdächtige gilt, schadet dem Buch: Scott zweifelt an seiner Ehefrau – und setzt einen Privatdetektiv auf eine sehr beliebige, nicht-sehr-verdächtige Randfigur an, statt auf Alison, die ihm viel größere Sorgen macht? Parks‘ Jeder-ist-verdächtig-Erzählstruktur ist schon per se oft freudlos/frustrierend. Dass die „Say Nothing“-Hauptfigur aber dazu noch IMMER WIEDER viel zu träge handelt oder offensichtliche Spuren nicht verfolgt, frustriert viel mehr.

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Tiefpunkt/Krux des Romans:

Zwei Kinder werden entführt. Die Entführer kommunizieren per Handy mit Scott – scheinen aber auch das Haus im Blick zu halten (Auflösung: mit kleinen Kameras, im nahen Wald in Bäume montiert). Scott vermutet, dass sein Handy überwacht wird. Scott vermutet, dass seine Frau in die Verschwörung verwickelt ist. Scott weiß, dass die Entführer Emma verstümmeln werden, wenn er sich an die Behörden wendet. Und: Als Sohn Sam wieder bei der Familie ist, muss er bewacht werden – denn wer kann verhindern, dass Sam sonst einfach wieder entführt wird?

Das waren für mich als Leser die größten Fragen und Spannungsfelder: Probleme, die Scott drei Wochen lang im Blick behalten muss, während er jeden Tag zur Arbeit geht und Normalität vorspielen muss. Scott geht nicht zur Polizei, aber…

  • weil seine Frau ihren beiden Schwestern sehr nahe steht, werden am Abend nach Sams Rückkehr erstmal neun Verwandte eingeladen, zum Weintrinken und Reden vor dem Haus?
  • Sam spielt alleine im Garten, Scott geht ins Haus und unterhält sich ausgiebig mit Alison, niemand hat jemals Angst, entführt, überwältigt zu werden.
  • Alison und Sam machen viele Ausflüge.
  • Scott googelt, telefoniert (mit dem möglicherweise überwachten Handy), heuert einen Detektiv an und bewegt sich sehr arglos durch die Stadt.
  • immer, wenn Scott seltsame Entscheidungen trifft, die z.B. Alison hinterfragen könnte/müsste, beschreibt Brad Parks lieber, dass einer der Eheleute ins Bett geht, eine Dusche nimmt etc.

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Der Grundkonflikt des Romans ist so simpel – ich bin schockiert, dass Parks diesen „Familie, überwacht von Erpressern“-Plot an keiner Stelle plausibel zu Ende denkt: Wir alle kennen so viele Filme („Gegen die Zeit“) und Serien („24“), die das IMMER WIEDER neu auf die Spitze treiben. Bei Parks ist das Katz-und-Maus-Spiel zwischen lustlosen Entführern und lethargischen, kaum taktisch denkenden Eltern SO träge… Man will die ganze Zeit nur schimpfen, schreien – oder halt: schnell zum Ende kommen, endlich die Auflösung lesen.

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Die Auflösung:

Weder Kläger noch Beklagter gaben die Entführung in Auftrag – sondern ein Star-Spekulant, der mit Termingeschäften und Hedge Funds Geld verdient (hanebüchen, langweilig, ein Antiklimax). Der Spekulant ist der Arbeitgeber von Scotts Schwager: Alisons Schwester und ihr Mann waren an der Entführung beteiligt und sind Maulwürfe. Scott und Alison gelingt es, Schwager und Star-Spekulant am Tag der Verhandlung mit einer Waffe zu bedrohen. Dann wollen sie den Spekulanten als Geisel gegen ihre Tochter tauschen.

Weil Alison Soldatentochter/Army Brat ist, kann sie mit Pistolen umgehen. Die Kidnapper sollen Emma freilassen (nebenbei: sie sind keine Türken, wie vermutet – sondern Deutsche. Spielt im Buch keine besondere Rolle. Doch ich fand es recht sympathisch und originell, dass die „strange men with beards and strange accents“ keine Araber o.ä. waren, sondern einfach bärtige Westler).

Alison wird bei einem Feuergefecht getötet. Das ist nicht SO tragisch, weil sie eh 80 Prozent des Buches nur geweint oder geschwiegen hat und zwielichtig/fadenscheinig wirkte. Mit der Entführung indes hatte sie nichts zu tun: Sie hat kurz DANACH erfahren, dass sie an Brustkrebs leidet und Scott alles verschwiegen. Als ihre Ärztin ihr sagt, dass sie bald sterben wird, opfert sie sich spontan für ihre Tochter. Schnarchiges Frauenbild, langweilige und überflüssige Wendung/Komplikation.

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Fazit:

Hin und wieder gibt es handwerklich misslungene, mittelprächtige Thriller, die zu Bestsellern werden. Zuletzt z.B. „Girl on a Train“. Die Leser waren unzufrieden, die Kritiken waren schlecht – doch für ein paar Monate machte das Buch Geld. Ich bin sicher, man kann mit genug Werbung auch „Say Nothing“ zu einem solchen nicht-nachhaltigen, die-Leser-frustrierenden kurzfristigen Knallerbsen-Erfolg pushen: „Say Nothing“ ist ein Buch, mit dem z.B. Heyne gut Geld verdienen könnte.

Es gibt kein besonderes Lokalkolorit und keine literarischeren, atmosphärischen Passagen, keinen Lese-Anreiz für Menschen, die sonst keine Thriller lesen. Es gibt keine plausible Psychologie. Überall sind Logiklöcher. Das Buch ist flüssig und stellt Fragen. Doch Lesefreude hatte ich nach ca. 100 Seiten nicht mehr. Nur noch Ungeduld und Wut auf die Figuren und ihre undurchdachten Entscheidungen.

Zoran Drvenkar schreibt ähnliche Bücher in Deutschland. Drvenkars Romane sind viel blutiger und zynischer – politikverdrossen, voller Klischees, vage rechts. Es war schön, mal einen… hanebüchenen Thriller von der Stange zu lesen, bei dem ich nicht dachte: „Wow. Thriller werden von zynischen Menschenhassern geschrieben, für zynische Wutbürger.“ Also: Das alles könnte so viel schlimmer sein (Fitzeck usw.).

Brad Parks ist ein netter Kerl. Hauptfigur Scott hörte ich gerne zu.

Sinn machte das nicht. Spaß auch nicht. Aber vielleicht ist es in drei Jahren ein Kinofilm. Mit pointierterem, verbessertem Plot.

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Die besten Jugendbücher für 2017: Buchtipps

2014 WordPress Regal

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Zweimal im Jahr stelle ich im Blog neue Jugendbücher vor:

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heute, wie jedes Jahr vor Weihnachten:

Young-Adult-Romane (meist aus den USA), angelesen, sehr gemocht – von denen ich mir für 2017 Übersetzungen ins Deutsche wünsche.

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01: STEPHANIE KATE STROHM, „It’s not me, it’s you“
  • High-School-Komödie, verfasst im Stil von Studs Terkel: „Zeitzeugen“ berichten – und widersprechen sich. Charmante Unterhaltung.

„Avery is one of the most popular girls in her class. But a public breakup causes disastrous waves. Now, Avery gets to thinking about the guys that she has dated. How come none of those relationships worked out? Could it be her fault? In history class she’s learning about this method of record-keeping called „oral history“. So Avery decides to go directly to the source. She tracks down all the guys and uses thoughts from friends, family, and teachers, to compile a total account of her dating history.“ [Klappentext, gekürzt]

It's Not Me, It's You

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02: A.S. KING, „Still Life with Tornado“

  • Seit „Please don’t hate me“, „Please ignora Vera Dietz“ und „Reality Boy“ meine Lieblings-Jugendbuchautorin. Aber: auch wieder eine sehr zerquälte und flapsige Hauptfigur, die sich selbst im Weg steht. Kein Gute-Laune-Buch.

„Sarah is several people at once. And only one of them is sixteen. Her parents insist she’s a gifted artist with a bright future, but now she can’t draw a thing. Meanwhile, there’s a ten-year-old Sarah with a filthy mouth. A twenty-three-year-old Sarah with a bad attitude. And a forty-year-old Sarah. They’re all wandering Philadelphia, and they’re all worried about Sarah’s future. Sarah might be having an existential crisis. Or maybe all those other Sarahs are trying to wake her up before she’s lost forever in the tornado of violence and denial that is her parents’ marriage.“ [Klappentext, gekürzt]

Still Life with Tornado

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03: SHANNON LEE ALEXANDER, „Life after Juliet“
  • Mainstream-Romance; aber deutlich besser geschrieben als nötig.

„When her best friend Charlotte died, Becca gave up on the real world and used her books to escape. Until she meets Max Herrera. He’s experienced loss, too. As it turns out, kissing is a lot better in real life than on a page. But happy endings aren’t always guaranteed.“ [Klappentext, gekürzt]

Life After Juliet

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04: WILL KOSTAKIS, „The Sidekicks“

  • Das nichtssagende Cover stieß mich ab – aber die Figurenkonstellation macht Spaß. Auch, wenn alles hier (Thema, Tonfall) etwas gestrig/angestaubt wirkt.

„All Ryan, Harley and Miles had in common was Isaac. They lived different lives, had different interests and kept different secrets. But they shared the same best friend. They were sidekicks. And now that Isaac’s gone, what does that make them?“ [Klappentext, gekürzt].

The Sidekicks

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05: JENNIFER NIVEN, „Holding up the Universe“

  • Ich bin gesichtsblind – wie die männliche Hauptfigur, hier; und glaube, das Buch trägt viel zu dick auf. Und: Ich bin kein Fan von Außenseiter-Romances. Trotzdem las ich los – und hatte Lust, noch lange weiter zu lesen.

„Everyone thinks they know Libby Strout, the girl once dubbed “America’s Fattest Teen.” Following her mom’s death, she’s been picking up the pieces in the privacy of her home. Everyone thinks they know Jack Masselin. What no one knows is that Jack can’t recognize faces. Even his own brothers are strangers to him. The two get tangled up in a cruel high school game—which lands them in group counseling and community service.“ [Klappentext, gekürzt]

Holding Up the Universe

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06: NICOLA YOON, „The Sun is also a Star“

  • Noch eine Mainstream-Romance, die mich skeptisch macht. Aber: solide geschrieben.

Natasha: I believe in science and facts. Not destiny. Or dreams that will never come true. I’m not the kind of girl who meets a cute boy on a crowded New York City street and falls in love. Not when my family is twelve hours away from being deported to Jamaica. Daniel: I’ve always been the good son. Never the poet. Or the dreamer. But when I see Natasha, I forget about all that.“ [Klappentext, gekürzt]

The Sun Is Also a Star

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07: J.P. ROMNEY, „The Monster on the Road is me“

  • Klischeehafte Figurenkonstellation, ein klischeehaft westlicher Blick auf Japan? Doch dass der Roman bei FSG erscheint, macht mir Mut. Im besten Fall: surreale, literarische All-Ages-Unterhaltung wie David Mitchell.

„Koda Okita is a high school student in modern-day Japan. He suffers from narcolepsy and has to wear a watermelon-sized helmet to protect his head in case he falls. When a rash of puzzling deaths sweeps his school, Koda discovers that his narcoleptic naps allow him to steal the thoughts of nearby supernatural beings. He learns that his small town is under threat from a ruthless mountain demon.“ [Klappentext, gekürzt]

The Monster on the Road Is Me

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08: VICTORIA SCHWAB, „This Savage Song“

  • Die mittlerweile dritte (?) Trilogie von Victoria Schwab binnen weniger Jahre. Jedes Mal mag ich den Stil, doch jedes Mal langweilt mich die Erzählwelt.

„A city at war, a city overrun with monsters. Kate Harker and August Flynn are the heirs to a divided city. Kate wants to be as ruthless as her father, who lets the monsters roam free and makes the humans pay for his protection. August wants to be as good-hearted as his own father, to play a bigger role in protecting the innocent—but he’s one of the monsters. Kate discovers August’s secret, and after a failed assassination attempt the pair must flee for their lives.“ [Klappentext, gekürzt]

This Savage Song (Monsters of Verity, #1)

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09: E.K. JOHNSTON, “Exit, Pursued by a Bear”

  • Hartes Thema, feministischer Blick: das Buch aus dieser Liste, auf das ich am gespanntesten bin.

“Hermione Winters is the envied girlfriend and the undisputed queen of her school. But then someone puts something in her drink at a party. Victim. Survivor. That raped girl. Even though this was never the future she imagined, one essential thing remains unchanged: Hermione can still call herself Polly Olivier’s best friend. Heartbreaking and empowering, Exit, Pursued by a Bearis the story of friendship in the face of trauma.” [Klappentext, gekürzt]

Exit, Pursued by a Bear

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10: JULIE BUXBAUM, “Tell me three Things”

Everything about Jessie is wrong. That’s what it feels like during her first week at her new ultra-intimidating prep school. It’s been barely two years since her mother’s death, and because her father eloped with a woman he met online, Jessie has been forced to move across the country. Buxbaum mixes comedy and tragedy, love and loss in her debut YA novel filled with characters who will come to feel like friends.” [Klappentext, gekürzt]

Tell Me Three Things

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zehn Middle-Grade-Novels (für ca. Elf- bis Vierzehnjährige):

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11: NATALIE DIAS LORENZI, „A long Pitch Home“
  • Sentimentales Cover. Baseball lässt mich meist kalt. Doch ich mag „Ms. Marvel“ (…deren Eltern, Muslime aus Pakistan, nach New Jersey auswanderten), und hoffe auf einen ähnlich klugen, warmherzigen Blick/Ton.

„Ten-year-old Bilal liked his life back home in Pakistan. He was a star on his cricket team. But when his father suddenly sends the family to live with their aunt and uncle in America, nothing is familiar. While Bilal tries to keep up with his cousin Jalaal by joining a baseball league, he wonders when his father will join the family in Virginia. Playing baseball means navigating relationships with the guys, and with Jordan, the only girl on the team—the player no one but Bilal wants to be friends with.“ [Klappentext, leicht gekürzt]

A Long Pitch Home

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12: JENN BISHOP, „The Distance to Home“

  • Baseball, Familie, Trauerarbeit: sehr amerikanisch – doch es wirkt nicht allzu seicht oder simpel.

„Quinnen was the star pitcher of her baseball team. After the death of her best friend and older sister, Haley, everything is different. The one glimmer of happiness comes from the Bandits, the local minor-league baseball team. For the first time, Quinnen and her family are hosting one of the players for the season.“ [Klappentext, gekürzt]

The Distance To Home

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13: ERIC DINERSTEIN, „What Elephants know“

  • Mich irritiert die ‚Dschungelbuch‘-artige Hauptfigur, und mich stört, dass vor allem Autoren aus dem Westen Kinderbücher über andere Kulturkreise schreiben. Trotzdem: Ein solide recherchierter Tier- und Abenteuer-Roman?

„Abandoned in the jungle of the Nepalese Borderlands, two-year-old Nandu is found living under the protective watch of a pack of wild dogs. Fate delivers him to the King’s elephant stable, where he is raised by unlikely parents-wise, fierce and affectionate elephants. When the king’s government threatens to close the stable, Nandu, now twelve, searches for a way to save his family and community.“ [Klappentext, gekürzt]

What Elephants Know

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14: KATE MESSNER, „The Seventh Wish“
  • Mich langweilen „Du hast Wünsche frei!“-Plots, bei denen alle Wünsche schief gehen. Doch auf den ersten Blick wirkt das hier süffig, einladend, gekonnt.

„Charlie feels like she’s always coming in last. From her Mom’s new job to her sister’s life at college, everything seems more important than her. While ice fishing, Charlie discovers a floppy fish offering to grant a wish.“ [Klappentext, gekürzt]

The Seventh Wish

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15: M.G. HENNESSEY, „The Other Boy“

  • Schön, dass statt „Wie werde ich ein Junge?“ hier „Ich bin bereits als Junge akzeptiert. Wie halte ich diesen Status?“ das Grundproblem zu sein scheint:

„A transgender boy’s journey toward acceptance: Twelve-year-old Shane loves pitching for his baseball team, working on his graphic novel, and hanging out with his best friend, Josh. But Shane is keeping something private, something that might make a difference to his teammates, to Josh, and to his new crush, Madeline. And when a classmate threatens to reveal his secret, Shane’s whole world comes crashing down.“ [Klappentext, gekürzt]

The Other Boy

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16: BEN HATKE, „Mighty Jack“ (Graphic Novel)

  • Simple, aber sehr stilsicher gezeichnete Graphic Novel bei der ich (wie so oft) die Familienprobleme und die Alltagswelt interessanter finde als die Fantasy-Räume, die sich plötzlich darin öffnen.

„Summer is when his single mom takes a second job and leaves Jack at home to watch his autistic kid sister, Maddy. It’s a lot of responsibility, and it’s boring, too, because Maddy doesn’t talk. Ever. But then, one day at the flea market, Maddy does talk—to tell Jack to trade their mom’s car for a box of mysterious seeds. What starts as a normal little garden out back behind the house quickly grows up into a wild, magical jungle with tiny onion babies running amok, huge, pink pumpkins that bite, and, on one moonlit night that changes everything…a dragon“ [Klappentext, gekürzt]

Mighty Jack (Mighty Jack, #1)

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17: ELLY SWARTZ, „Finding Perfect“

  • Die platte Comedy und die vielen Gender-Klischees auf deutschen Poetry Slams langweilen mich. US-Slams kenne ich nicht. Trotzdem würde ich lieber mehr über Zwangsstörungen lesen – als über die… befreiende Kraft von Poesie-Wettbewerben:

„Molly’s mother left the family to take a faraway job with the promise to return in one year. Molly knows that promises are often broken, so she hatches a plan to bring her mother home: Win the Lakeville Middle School Slam Poetry Contest. The winner is honored at a fancy banquet with table cloths. Molly’s sure her mother would never miss that. Right…?But as time goes on, writing and reciting slam poetry become harder. Actually, everything becomes harder as new habits appear, and counting, cleaning, and organizing are not enough to keep Molly’s world from spinning out of control.“ [Klappentext, minimal gekürzt]

Finding Perfect

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18: WESLEY KING, “OCDaniel”

“A boy whose life revolves around hiding his obsessive compulsive disorder. Daniel spends football practice perfectly arranging water cups—and hoping no one notices, especially his best friend Max, and Raya, the prettiest girl in school. His life gets weirder when another girl at school, who is unkindly nicknamed Psycho Sara, notices him for the first time.” [Klappentext, gekürzt]

OCDaniel

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19: MELANIE CONKLIN, “Counting Thyme”

  • Ein Mädchen, das nach New York zieht… und die Provinz vermisst: Ich mag, dass hier verhältnismäßig kleine Alltagssorgen sehr ernst genommen werden.

“Eleven-year-old Thyme’s little brother is accepted into a new cancer drug trial and the Owens family has to move to New York, thousands of miles away from everything she knows and loves. Thyme loves her brother—she’d give anything for him to be well—but she still wants to go home. She finds herself even more mixed up when her heart feels the tug of new friends, a first crush, and even a crotchety neighbor and his sweet whistling bird.” [Klappentext, gekürzt]

Counting Thyme

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20: LINDSAY EAGAR, “Hour of the Bees”

  • Magischer Realismus, Familiengeheimnisse, ein schrulliger Opa: die Zutaten sind mir zu altbacken. Aber: sehr gut geschrieben!

“Twelve-year-old Carolina is in New Mexico, helping her parents move the grandfather she’s never met into a home for people with dementia. At first, Carol avoids prickly Grandpa Serge… A novel of family and discovering the wonder of the world.” [Klappentext, gekürzt]

Hour of the Bees

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fünf ältere Titel (2013 bis 2015), jetzt erst entdeckt:

2015: STEPHANIE TROMLY, „Trouble is a Friend of mine“

„The first time Philip Digby shows up on Zoe’s doorstep, he’s rude and treats her like a book he’s already read and knows the ending to. But before she knows it, Zoe’s allowed Digby—annoying, brilliant, and somehow…attractive? Digby—to drag her into a series of dangerous and only vaguely legal schemes all related to the kidnapping of a local teenage girl. Is Digby a hero? Or is his manic quest an attempt to repair his own broken family and exorcize his obsessive-compulsive tendencies?“ [Klappentext, gekürzt]

Trouble Is a Friend of Mine (Trouble, #1)

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2015: EMMA CARROLL, „In Darkling Wood“

  • Märchen-Klischees und ein Klischee-Cover – doch die Geschichte wirkt behutsam, stimmungsvoll, gekonnt erzählt.

„When Alice’s brother gets a chance for a heart transplant, Alice is bundled off to her estranged grandmother’s house. There’s nothing good about staying with Nell, except for the beautiful Darkling Wood at the end of her garden – but Nell wants to have it cut down. Alice feels at home there, at peace, and even finds a friend, Flo. But Flo doesn’t seem to go to the local school and no one in town has heard of a girl with that name. When Flo shows Alice the surprising secrets of Darkling Wood, Alice starts to wonder, what is real? And can she find out in time to save the wood from destruction?“ [Klappentext, minimal gekürzt]

In Darkling Wood

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2014: KSENIA ANSKE, „Rosehead“
  • Absurder Plot, schwarzer Humor… ich bin nur skeptisch, inwieweit das „Berlin“ im Buch authentisch/stimmig wirken kann.

„Misunderstood and overmedicated, twelve-year-old Lilith finds the prospect of a grand family reunion dull… until she discovers that the rose garden surrounding her grandfather’s Berlin mansion is completely carnivorous. Armed with Panther, her talking pet whippet, and the help of the mute boy next door, Lilith must unravel the secrets behind the mysterious estate, all while her family remains gloriously unaware that they are about to be devoured.“ [Klappentext, gekürzt]

Rosehead

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2014: SARA CASSIDY, „Skylark“

  • Toller Tonfall, interessante Familie – nur: Slam Poetry? Ich bin skeptisch.

„Angie lives in an old car with her brother and mother. Homeless after their father left, the family tries to live as normally as possible between avoiding the police and finding new places to park each night. When Angie discovers slam poetry, she finds a new way to express herself and find meaning and comfort in a confusing world.“ [Klappentext, gekürzt]

Skylark

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2013: MANDY HAGER, „Dear Vincent“

  • Neuseeländischer Roman über Selbstmord/Depressionen. Ich weiß nicht genau, warum das Mädchen Van Gogh UND einen Professor als wichtigste Bezugsfiguren hat, und fürchte mich vor Mansplaining und romantisiertem Künstler-Bla.

„17 year old Tara shares the care of her paralysed father with her domineering, difficult mother. She’s still grieving the loss of her older sister Van, who died five years before. And she is enamoured with Vincent Van Gogh and finds many parallels between the tragic story of his life and her own. Then, she meets Professor Max Stockhamer, a Jewish refugee and philosopher and his grandson Johannes.“ [Klappentext, gekürzt]

Dear Vincent

Die besten Bücher von Frauen: Literatur, 2016

neue Bücher 2016

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Jedes Jahr lese ich die ersten Seiten von ca. 3000 Romanen: Klassiker und Geheimtipps, Literatur und Unterhaltung… und möglichst viele Neuerscheinungen, auf Deutsch und Englisch.

Viele Bücher, deren Leseproben mich überzeugten, stelle ich in kurzen Listen vor – zuletzt zu Themen wie „Jugendbücher 2016“, „Literatur zu Flucht, Krieg und Vertreibung“, „Krimis 2016“ oder „feministische Science-Fiction“.

Heute – sehr weit gefasst, aber nicht wahllos:

zehn Bücher von Frauen, erschienen 2016 – angelesen, vorgemerkt, gemocht.

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Zum Einstieg:

6 aktuelle Bücher von Frauen, die ich komplett las – und sehr empfehlen kann.

Adieu, mein Kind Schnell, dein Leben Nach einer wahren Geschichte: Roman Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers Der Pfau Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal

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zehn englischsprachige Titel – angelesen und gemocht:

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01: Zadie Smith, „Swing Time“

  • 453 Seiten, November 2016, Großbritannien
  • Seit fast 15 Jahren lese ich Bücher von Smith an – und lege sie zur Seite, weil sie mir zu bürgerlich-britisch-gesetzt scheinen. Hier fesseln/überzeugen mich die ersten Seiten: ambitionierte Frauen, und eine komplizierte Freundschaft.

„Two brown girls dream of being dancers – but only one, Tracey, has talent. The other has ideas: about rhythm and time, about black bodies and black music. A close but complicated childhood friendship that ends abruptly in their early twenties. Moving from North-West London to West Africa, Swing Time is an exuberant dance to the music of time.“ [Klappentext, gekürzt.]

Swing Time
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02: Alice Hoffman, „Faithful“
  • 258 Seiten, November 2016, USA
  • Klingt nach schlimmem Kitsch: ein Engel? Aber: hoher Ton, magischer Realismus, vielleicht ein klug existenzieller Mainstream-Schmöker.

„Growing up on Long Island, an extraordinary tragedy changes Shelby Richmond’s fate. Her best friend’s future is destroyed in an accident, while Shelby walks away with the burden of guilt and has to fight her way back to her own future. In New York City she finds a circle of lost and found souls—including an angel who’s been watching over her.“ [Klappentext, gekürzt.]

Faithful

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03: Rachel Cusk, „Transit“

  • 272 Seiten, September 2016, Großbritannien
  • Band 1 der Trilogie war mir zu trocken. Doch ich mag die Idee, über die Zeit nach einer Trennung zu schreiben – nicht vor allem über das Zerbrechen der Ehe zuvor.

„The stunning second novel of a trilogy that began with Outline (2015): In the wake of family collapse, a writer and her two young sons move to London. A penetrating and moving reflection on childhood and fate, the value of suffering and the moral problems of personal responsibility. A precise, short, and yet epic cycle of novels.“ [Klappentext, gekürzt.]

Transit

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04: Eimear McBride, „The Lesser Bohemians“

  • 320 Seiten, September 2016, Irland/Großbritannien
  • Avantgarde-Autorin, in die ich seit „A Girl is a half-formed thing“ große Hoffnungen setze: Ich mag, wie simpel und bodenständig der Plot hier wirkt – erwarte aber viele Stil- und Perspektiv-Experimente.

„Upon her arrival in mid-1990s London, an 18-year-old Irish girl begins anew as a drama student. She struggles to fit in—she’s young and unexotic, a naive new girl in the big city. Then she meets an attractive older man. He’s an established actor, 20 years older, and an inevitable clamorous relationship ensues.“ [Klappentext, gekürzt.]

The Lesser Bohemians

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05: Angela Palm, „Riverine“

  • 224 Seiten, August 2016, USA
  • Klingt sehr dick auftragen: Bei 400 Seiten wäre ich skeptisch. Aber 224? Das könnte klappen:

„Angela Palm grew up in a house set on the banks of a river that had been straightened to make way for farmland. Every year, the Kankakee River in rural Indiana flooded and returned to its old course while the residents sandbagged their homes against the rising water. From her bedroom window, Palm watched the neighbor boy and loved him in secret. As an adult Palm finds herself drawn back. This means visiting the prison where the boy that she loved is serving a life sentence for a brutal murder. Mesmerizing, interconnected essays about what happens when a single event forces the path of her life off course.“ [Klappentext, gekürzt.]

Riverine: A Memoir from Anywhere But Here

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06: Natashia Deón, „Grace“

  • 400 Seiten, Juni 2016, USA
  • Historienschmöker, vielleicht unrealistisch verschachtelt. Aber: Figuren, wie ich sie noch nicht kenne!

„A runaway slave in the 1840s south is on the run: Fifteen-year-old Naomi escapes the brutal confines of life on an Alabama plantation and must take refuge in a Georgia brothel run by a freewheeling, gun-toting Jewish madam named Cynthia. There, Naomi falls into a star-crossed love affair with a smooth-talking white man named Jeremy who frequents the brothel’s dice tables all too often. The product of Naomi and Jeremy’s union is Josey, whose white skin and blonde hair mark her as different from the other slave children on the plantation. Josey soon becomes caught in the tide of history when news of the Emancipation Proclamation reaches the declining estate. Grace is a sweeping, intergenerational saga featuring a group of outcast women during one of the most compelling eras in American history.“ [Klappentext, gekürzt.]

Grace: A Novel

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07: Ashley Sweeney, „Eliza Waite“

  • 327 Seiten, Mai 2016, USA
  • Dass die Figur ausgerechnet Bäckerin wird, scheint mir bieder. Aber: Gutes Setting, schöner Ton, und nicht zu lang/dick.

„After the tragic death of her husband and son on a remote island in Washington’s San Juan Islands, Eliza Waite joins the throng of miners, fortune hunters, business owners, con men, and prostitutes traveling north to the Klondike in the spring of 1898. In Alaska, Eliza opens a successful bakery on Skagway’s main street and befriends a madam at a neighboring bordello. Occupying this space―a place somewhere between traditional and nontraditional feminine roles―Eliza awakens emotionally and sexually. Part diary, part recipe file, and part Gold Rush history, Eliza Waite transports readers to the sights, sounds, smells, and tastes of a raucous and fleeting era of American history.“ [Klappentext, gekürzt.]

Eliza Waite: A Novel
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08: Lucy Knisley, „Something New“

  • 304 Seiten, Mai 2016, USA
  • Graphic Novel in sympathisch schlichtem, aber vielleicht zu naiven Stil: Jedes Mal, wenn ich in die persönlichen Erlebnisberichte Knisleys blättere, habe ich Lust, alles sofort zu lesen. Aber: Vielen Leuten bleibt es zu flach, süßlich, halbfertig.

„A funny and whip-smart new book about the institution of marriage in America told through the lens of her recent engagement and wedding…. The graphic novel tackles the all-too-common wedding issues that go along with being a modern woman: feminism, expectations, getting knocked over the head with gender stereotypes, family drama, and overall wedding chaos and confusion.“ [Klappentext, ungekürzt.]

Something New: Tales from a Makeshift Bride
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09: Jessi Klein, „You’ll grow out of it“

  • 291 Seiten, Juli 2016, USA
  • Spaß-Feminismus-Plauder-Memoir, vielleicht zu angepasst und erwartbar. Erstmal aber: eine angenehme, gewitzte Stimme.

„As both a tomboy and a late bloomer, comedian Jessi Klein grew up feeling more like an outsider than a participant in the rites of modern femininity. A relentlessly funny yet poignant take on a variety of topics she has experienced along her strange journey to womanhood and beyond, including her „transformation from Pippi Longstocking-esque tomboy to are-you-a-lesbian-or-what tom man,“ and attempting to find watchable porn.“ [Klappentext, gekürzt.]

You'll Grow Out of It
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10: Theresa Larson, „Warrior“

  • 272 Seiten, April 2016, USA
  • Hier habe ich Angst vor Ideologien: Army-Begeisterung, „G.I. Jane“-Feminismus, übertriebene Militärbegeisterung. Trotz schlimmem Cover und schlimmem Titel aber klingt diese Lebensgeschichte kantig/interessant, und stilistisch bin ich positiv überrascht.

„At ten, Theresa Lawson was a caregiver to her dying mother. As a young adult, a beauty pageant contestant and model. And as a grown woman, a high-achieving Lieutenant in the Marines, in charge of an entire platoon while deployed in Iraq. Meanwhile, she was battling bulimia nervosa, an internal struggle which ultimately cut short her military service when she was voluntarily evacuated from combat. Theresa’s journey to wellness required the bravery to ask for help, to take care of herself first, and abandon the idea of “perfect.”“ [Klappentext, gekürzt.]

Warrior: A Memoir
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Bonus: drei Titel von 2015, die mir erst jetzt auffielen:
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1: Sandra Cisneros, „A House of my own. Stories from my Life“

  • 400 Seiten, Oktober 2015, USA
  • Essays einer Baby-Boomerin, Second-Wave-Feminism. Ich mag ihren Ton – aber habe Angst, die meisten Gedanken schon zehnmal gehört zu haben.

„A richly illustrated compilation of true stories and nonfiction pieces that, taken together, form a jigsaw autobiography: From the Chicago neighborhoods where she grew up and set her groundbreaking The House on Mango Street to her abode in Mexico, the places Sandra Cisneros has lived have provided inspiration for her now-classic works of fiction and poetry. Ranging from the private (her parents‘ loving and tempestuous marriage) to the political (a rallying cry for one woman’s liberty in Sarajevo) to the literary (a tribute to Marguerite Duras), and written with her trademark sensitivity and honesty, these poignant, unforgettable pieces give us not only her most transformative memories but also a revelation of her artistic and intellectual influences.“ [Klappentext, gekürzt.]

A House of My Own: Stories from My Life

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2: Wendi Stewart, „Meadowlark“ (dt: „Ein unbesiegbarer Sommer“, 2016)

  • 336 Seiten, Kanada 2015. (Deutsch bei Nagel & Kimche)
  • Kanadische Coming-of-Age-Romane reden manchmal viel zu lange nur über Natur, Schnee und Wildnis-/Jäger-/Farm-Melancholie. Eine Freundin fand das Buch mittelmäßig. Ich bleibe vorsichtig optimistisch:

„Als das Auto der Familie Archer in Kanada durchs Eis eines gefrorenen Sees bricht, kann Robert einzig seine Tochter retten. Rebecca kümmert sich allein um den Haushalt und die Farm, der Vater kapselt sich ab. Trost findet sie in der Freundschaft mit Chuck, einem empfindsamen, von seinem Vater tyrannisierten Jungen, und mit Lissie, die von einer perfektionistischen Adoptivmutter gegängelt wird.“ [Klappentext, gekürzt.]

Ein unbesiegbarer Sommer

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3: Yeonmi Park, „In Order to Live“ (dt: „Mut zur Freiheit. Meine Flucht aus Nordkorea“, 2015)

„Yeonmi Park träumte nicht von der Freiheit, als sie im Alter von erst 13 Jahren aus Nordkorea floh. Sie wusste nicht einmal, was Freiheit ist. Alles, was sie wusste war, dass sie und ihre Familie sterben würde, wenn sie bliebe—vor Hunger, an einer Krankheit oder gar durch Exekution. Sie erzählt von ihrer grauenhaften Odyssee durch die chinesische Unterwelt, bevölkert von Schmugglern und Menschenhändlern, bis nach Südkorea; und sie erzählt von ihrem erstaunlichen Weg zur führenden Menschenrechts-Aktivistin mit noch nicht einmal 21 Jahren.“ [Klappentext, minimal gekürzt.]

Mut zur Freiheit: Meine Flucht aus Nordkorea

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…und drei überzeugende, aktuelle Titel von Männern (alle 2016): 
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1: Tim Murphy, „Christodora“

  • 496 Seiten, August 2016, USA
  • ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos „A Little Life“, ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos „City on Fire“… aber hier, beim dritten Buch dieses (Mini-)Trends, war ich nach zwei Seiten begeistert: genauer Blick, obskure Details, überraschende Figuren.
  • ein schlechtes Zeiten: die sympathische, doch nicht besonders gut geschriebene Reportage von Tim Murphy über seine eigene HIV-Infektion bei Buzzfeed.

„A diverse set of characters whose fates intertwine in an iconic building in Manhattan’s East Village, the Christodora: Milly and Jared, a privileged young couple with artistic ambitions. Their neighbor, Hector, a Puerto Rican gay man who was once a celebrated AIDS activist but is now a lonely addict, and Milly and Jared’s adopted son Mateo. As the junkies and protestors of the 1980s give way to the hipsters of the 2000s and they, in turn, to the wealthy residents of the crowded, glass-towered city of the 2020s, enormous changes rock their personal lives. Christodora recounts the heartbreak wrought by AIDS, illustrates the allure and destructive power of hard drugs, and brings to life the ever-changing city itself“ [Klappentext, gekürzt.]

Christodora

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2: Colson Whitehead, „The Underground Railroad“

  • 306 Seiten, August 2016, USA
  • Whitehead vermischt oft Gesellschaftskritik mit satirischen Fantasy-Elementen und absurdem World-Building. Manchmal wird mir das zu läppisch oder gewollt – doch er gewann hierfür den National Book Award, und die Leseprobe überzeugte mich:

„Cora is a slave on a cotton plantation in Georgia. When Caesar, a recent arrival from Virginia, tells her about the Underground Railroad, they decide to take a terrifying risk and escape. In Whitehead’s ingenious conception, the Underground Railroad is no mere metaphor – engineers and conductors operate a secret network of tracks and tunnels beneath the Southern soil. Ridgeway, the relentless slave catcher, is close on their heels. The Underground Railroad is at once a kinetic adventure tale of one woman’s ferocious will to escape the horrors of bondage and a shattering, powerful meditation on the history we all share.“ [Klappentext, gekürzt.]

The Underground Railroad

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3: Richard Russo: „Everybody’s Fool“ (dt. „Diese gottverdammten Träume“, 2016)

  • 306 Seiten, August 2016, USA (Deutsch: hier, Dumont)
  • Bisher war mir Russos Kleinstadt- und Altmänner-Romantik immer zu süßlich. Im besten Fall aber kann mich das hier darüber hinweg trösten, dass John Updike keine neuen „Rabbit“-Romane mehr schreiben kann:

„Richard Russo returns to North Bath, in upstate New York, and the characters he created in Nobody’s Fool. The irresistible Sully, who in the intervening years has come by some unexpected good fortune, is staring down a VA cardiologist’s estimate that he has only a year or two left, and it’s hard work trying to keep this news from the most important people in his life: Ruth, the married woman he carried on with for years – and Sully’s son and grandson, for whom he was mostly an absentee figure (and now a regretful one).“ [Klappentext, gekürzt.]

Everybody's Fool
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Die besten Bücher 2015: Fantasy, Frauen, Genre

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Ich lese jede Woche durch neue Bücher aus den USA, Kanada und Großbritannien und sammle meine Favoriten auf „bald lesen!“-Listen. Die Neuerscheinungen 2015 – in Deutschland und international – habe ich in immer neuen Vorauswahl-Listen gebloggt:

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Heute: Mainstream-Titel, die noch nicht auf Deutsch erhältlich sind. „Frauenliteratur“ (historical romances), Fantasy und Science Fiction, Unterhaltungsromane.

Mehr Fantasy-Empfehlungen auch hier:

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01: DAVID A. GOODMAN, „The Autobiography of James T. Kirk“

  • schon der Klappentext hat Rechtschreibfehler – aber die Kritiken sind euphorisch, und die Figurensprache macht mir Spaß.
  • 288 Seiten, September 2015

„The greatest Starfleet captain’s life (2233–2371) in his own words. From his birth on the U.S.S. Kelvin, his youth on Tarsus IV, his time in the Starfleet Academy, his meteoric rise through the ranks of Starfleet and his illustrious career at the helm of the Enterprise, Kirk’s singular voice rings throughout the text. Excerpts from his personal correspondence, captain’s logs and more give Kirk’s personal narrative further depth.“ [Klappentext, gekürzt]

The Autobiography of James T. Kirk

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02: LOUISA HALL, „Speak“

  • durchwachsene Kritiken – aber tolles Konzept!
  • 316 Seiten, Januar 2015

„A poignant novel that explores the creation of Artificial Intelligence: from the Atlantic Ocean in the seventeenth century to a correctional institute in Texas in the near future, told from the perspectives of five very different characters, Speak considers what it means to be less than fully alive. A young Puritan woman travels to the New World with her unwanted new husband. Alan Turing, the renowned mathematician and code breaker, writes letters to his best friend’s mother. A Jewish refugee and professor of computer science struggles to reconnect with his increasingly detached wife. An isolated and traumatized young girl exchanges messages with an intelligent software program. A former Silicon Valley Wunderkind is imprisoned for creating illegal lifelike dolls. All five characters share the need to express themselves while simultaneously wondering if they will ever be heard, or understood.“ [Klappentext, gekürzt]

Speak

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03: SCOTT HAWKINS, „The Library at Mount Char“

  • viel Pathos, viel Gut-gegen-Böse-Kitsch… aber stilistisch überzeugt mich dieser Bestseller erstmal:
  • 388 Seiten, Juni 2015

„Neil Gaiman meets Joe Hill in this original, terrifying, darkly funny contemporary fantasy. Carolyn was a normal American herself, once. That was a long time ago, of course—before she and a dozen other children found themselves being raised by a man they learned to call Father. Father could call light from darkness. Sometimes he raised the dead. Now, Father is missing.“ [Klappentext, gekürzt]

The Library at Mount Char

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04: ELIZABETH HAY, „His whole Life“

  • herzige kanadische Literatur, vielleicht zu schnarchig/bieder
  • 384 Seiten, April 2015

„Family, nature, home: Moving from city to country, summer to winter, wellbeing to illness, the novel charts the deepening bond between mother and son even as the family comes apart. Set in the mid-1990s, when Quebec is on the verge of leaving Canada, this captivating novel is an unconventional coming of age story.“ [Klappentext, gekürzt]

His Whole Life

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05: CAROLINA DeROBERTIS, „The Gods of Tango“

  • beginnt wie ein Frauen-Historienschinken – aber ist kantiger, kritischer, packender.
  • 384 Seiten, Juli 2015

„A lush, lyrical story of a young woman and her passion for the early sounds of tango. February 1913: seventeen-year-old Leda leaves her Italian village for a new home, and a new husband, in Argentina. Arriving in Buenos Aires, she discovers that he has been killed, but she remains: living in a tenement, without friends or family. Tango, born from lower-class immigrant voices, is now the illicit, scandalous dance of brothels and cabarets. Leda eventually acts on a long-held desire to master the violin, knowing that she can never play in public as a woman. She cuts off her hair, binds her breasts, and becomes “Dante,” a young man who joins a troupe of tango musicians.“ [Klappentext, gekürzt]

The Gods of Tango

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06: IAN TREGILLIS, „The Mechanical“

  • neue Steampunk-Fantasy-Reihe mit sympathischem Ich-Erzähler
  • 440 Seiten, Mai 2015

„My name is Jax. I am a clakker: a mechanical man, powered by alchemy. Armies of my kind have conquered the world. I am a faithful servant. I am the ultimate fighting machine. I am a slave. But I shall be free.“ [Klappentext, gekürzt]

The Mechanical (The Alchemy Wars, #1)

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07: LAURA ANNE GILMAN, „Silver on the Road“

  • schlimmes Cover, toller Stil: ein leiser, langsamer, atmosphärischer (und feministischer?) Fantasy-Western
  • 400 Seiten, Oktober 2015

„On her sixteenth birthday, Isobel makes the choice to work for the devil in his territory west of the Mississippi. His land is a wild west that needs a human touch. Izzy is raised to be his left hand and travel the circuitous road through the territory.“ [Klappentext, gekürzt]

Silver on the Road

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08: ADRIAN TCHAIKOVSKY, „Guns of the Dawn“

  • ein Fantasy-Routinier mit einem politischen, intelligenten Kriegsroman
  • 658 Seiten, Februar 2015

„A standalone, action-packed pseudo-Napoleonic historical fantasy adventure: Denland and Lascanne have been allies for generations, but now the Denlanders have assassinated their king, overthrown the monarchy and marched on their northern neighbour. At the border, the war rages; Lascanne’s brave redcoats against the revolutionaries of Denland. Every household must give up one woman to the army and Emily has no choice but to join the ranks of young women marching to the front. As the war worsens, and Emily begins to have doubts about the justice of Lascanne’s cause, she finds herself in a position where her choices will make or destroy both her own future and that of her nation.“ [Klappentext, gekürzt]

Guns of the Dawn

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09: ALICE HOFFMAN, „The Marriage of Opposites“

  • Hoffman ist mir oft zu bieder und naiv-historisch – aber hier überzeugt sie mich:
  • 384 Seiten, August 2015

„A forbidden love story set on the tropical island of St. Thomas about the extraordinary woman who gave birth to painter Camille Pissarro; the Father of Impressionism. Idyllic St. Thomas in the early 1800s: Rachel dreams of life in faraway Paris. Rachel’s mother, a pillar of their small refugee community of Jews who escaped the Inquisition, has never forgiven her daughter for being a difficult girl who refuses to live by the rules. Rachel’s life is not her own. She is married off to a widower with three children to save her father’s business. When her husband dies suddenly and his handsome, much younger nephew, Fréderick, arrives from France to settle the estate, Rachel seizes her own life story.“ [Klappentext, gekürzt]

The Marriage of Opposites

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10: LUCY KNISLEY, „Displacement“

  • ein simples, autobiografisches Graphic Novel über eine traurige Kreuzfahrt mit greisen Großeltern. Stil, Tonfall und die Balance zwischen großen Themen und absurden Anekdoten sagen mir sehr zu.
  • 161 Seiten, Januar 2015

„In her graphic memoirs, cartoonist Lucy Knisley paints a warts-and-all portrait of contemporary, twentysomething womanhood: Knisley volunteers to watch over her ailing grandparents on a cruise. In a book that is part graphic memoir, part travelogue, and part family history, Knisley not only tries to connect with her grandparents, but to reconcile their younger and older selves. She is aided in her quest by her grandfather s WWII memoir.“ [Klappentext, gekürzt]

Displacement: A Travelogue

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us books 2015 3

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weitere „bald lesen!“-Titel, erschienen 2015:

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11: KENT HARUF, „Our Souls at Night“

  • Haruf verstarb 2014. Ich mochte „Plainsong“, finde diese Farmer- und Midwest-Romane insgesamt aber zu betulich, harmlos und naiv.
  • 192 Seiten, Mai 2015.

„In advanced age, a man and a woman come together to wrestle with the events of their lives. Holt, Colorado: Addie Moore pays an unexpected visit to a neighbor, Louis Waters. Her husband died years ago, as did his wife, and in such a small town they naturally have known of each other for decades.“ [Klappentext, gekürzt]

Our Souls at Night

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12: ROBERT YUNE, „Eighty Days of Sunlight“

  • sympathischer Schuld-und-Sühne-Mainstream-Roman
  • 288 Seiten, Juni 2015

„As they prepare for college, Jason and his older brother reluctantly work together to investigate their father’s suicide. The brothers also travel landscapes of guilt, betrayal, and secrets as they try to figure out what destroyed their family.“ [Klappentext, gekürzt]

Eighty Days of Sunlight

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13: RICK MOODY, „Hotels in North America“

  • Moody wird seit Jahrzehnten immer schlechter. Hier überzeugt mich das Konzept – ähnlich den Callboy-Reviews aus Denis Coopers „The Sluts“.
  • 199 Seiten, November 2015

„Reginald Edward Morse is one of the top reviewers on RateYourLodging.com, where his many reviews reveal more than just details of hotels around the globe–they tell his life story.“ [Klappentext, gekürzt]

Hotels of North America

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14: PATRICK GALE, „A Place called Winter“

  • Schwuler Historienkitsch? Ich glaube, das Buch ist besser als sein Cover.
  • 352 Seiten, März 2015

„In the golden 1900s, Harry Cane, a shy gentleman, marries Winnie, eldest daughter of the fatherless Wells clan, who are not quite as respectable as they would appear. When a chance encounter awakens scandalous desires, Harry is forced to forsake the land for a harsh new life as a homesteader on the newly colonized Canadian prairies. There, in a place called Winter, he will come to find a deep love within an alternative family.“ [Klappentext, gekürzt]

A Place Called Winter

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15: CRAIG SHREVE, „One Night in Mississippi“

  • S.M. Hulses Bestseller „Black River“ gab ich nach 100 Seiten auf: ein Buch über die Spätfolgen von Verbrechen, elegisch-amerikanisch-seicht wie viele neue Clint-Eastwood-Filme. Shreve erzählt einen ähnlichen Stoff im ähnlichen Stil. Besser?
  • 160 Seiten, Februar 2015

„After fifty years of guilt over his brother’s brutal murder in Civil Rights era Mississippi, Warren Williams dedicates himself to bringing Graden’s killers to justice. A phoned-in tip after a television appearance leads Warren to a remote town in northern Ontario, where he meets Earl Olsen, the only murderer still at large, who turns out to be very different than what Warren had expected.“ [Klappentext, gekürzt]

One Night in Mississippi

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16: JENNINE CAPO CRUCET, „Make your Home among Strangers“

  • komplexer Familienroman über eine Welt (Kubaner in Miami), die mir fremd ist.
  • 400 Seiten, August 2015

„When Lizet, the daughter of Cuban immigrants, secretly applies and is accepted to an ultra-elite college, her parents are furious at her decision to leave Miami. But the privileged world of the campus feels utterly foreign, as does her new awareness of herself as a minority. Struggling both socially and academically, she returns to Miami for a surprise Thanksgiving visit, only to be overshadowed by the arrival of Ariel Hernandez, a young boy whose mother died fleeing with him from Cuba on a raft. The ensuing immigration battle puts Miami in a glaring spotlight, captivating the nation.“ [Klappentext, gekürzt]

Make Your Home Among Strangers

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17: TOM PIAZZA, „A Free State“

  • das könnte ein Mainstream-Historien-Bestseller werden: simpel, aber plastisch und interessant.
  • 256 Seiten, September 2015

„1855. Blackface minstrelsy is the most popular form of entertainment in a nation about to be torn apart by the battle over slavery. Henry Sims, a fugitive slave and a brilliant musician, has escaped to Philadelphia, where he lives by his wits and earns money performing on the street. He is befriended by James Douglass—leader of the Virginia Harmonists. But black performers are not allowed to appear onstage, even in Philadelphia. Together the two concoct a dangerous masquerade to protect Henry’s identity.“ [Klappentext, gekürzt]

A Free State: A Novel

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18: DANIEL FALATKO, „Condominium“

  • Gentrifizierungs-Satire aus dem Kleinverlag eines Bekannten. Vielleicht zu simpel/dick aufgetragen?
  • 264 Seiten, September 2015

„Charles and Sarah are a typical New York creative class couple — he’s in finance, she works at a hipster small press. But when they decide to take the logical next step and buy a condo in one of the glass-and-steel skyscrapers now dotting the waterfront of Williamsburg, their lives start to fall apart almost the moment after they sign their mortgage. A touching ode to the a–holes ruining Brooklyn, this literary debut of „the Millennial John Updike“ is a funny yet wistful dramedy about young urban life during the Great Recession.“ [Klappentext, gekürzt]

Condominium

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19: BUCKY SINISTER, „Black Hole“

  • Außenseiter-Roman, kurz, kantig, düster.
  • 160 Seiten, August 2015

„Every addict has that one special vice that can tip them from relatively functional to completely unhinged. For Chuck, it’s a new drug that doesn’t even have a name yet. But when chunks of time begin to disappear and rearrange themselves , he wonders if this really is just another life-ruining drug or if it’s something straight out of a Philip K. Dick universe.“ [Klappentext, gekürzt]

Black Hole: A Novel

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…und von 2014, erst jetzt entdeckt:

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20: MARTHA BAILLIE, „The Search for Heinrich Schlögel“

  • magischer Realismus: Ich bin gespannt, ob mich dieser Deutsche als authentisch *deutsche* Figur überzeugt.
  • 345 Seiten, September 2014

„[German] Heinrich Schlögel sets out on a two-week hike into the isolated interior of Baffin Island, Canada. His journey quickly becomes surreal. When he returns, he discovers that thirty years have passed.“ [Klappentext, gekürzt]

The Search for Heinrich Schlögel: A Novel

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Um 20 Bücher zu finden, lese ich über 150 empfohlene/gefeierte/preisgekrönte Bücher an. Ich bin gespannt, welche dieser Bücher den Sprung in deutsche Verlage/Buchhandlungen schaffen.

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us books 3

Fiona Maazel: Last last Chance

Fiona Maazel: “Last last Chance”
Farrar, Straus and Giroux, April 2008

Original: englischsprachig
Roman, 337 Seiten.

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Der folgende Text ist von 2008:

Ein schnelles, sachliches Gutachten zu Fiona Maazels „Last Last Chance“. Keine Rezension, kein akademisches Essay. Sondern ein nüchterner, kurzer… Gebrauchstext.

Achtung: Spoiler! / Details zum Ende des Buches.

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Autorin & Themen: Fiona Maazel, geboren 1975 als Tochter des Dirigenten Lorin Maazel, lebt in Brooklyn. Journalistische Arbeiten und Essays für n+1 (2005), Village Voice, Boston Book Review, Salon, Nerve, Yale Review. Bloggerin: http://iferment.blogspot.com/ [bis 2007] und bis 2005 Redakteurin bei der Paris Review.

„Last last Chance“ lässt Lucy Clarke, eine lebensmüde dreißigjährige New Yorkerin, in Ich-Perspektive davon berichten, was mit ihrer Familie und ihren Lebensentwürfen geschieht (Lucy ist schwer drogenabhängig und jobbt in einem koscheren Geflügelmastbetrieb), als eine tödliche Seuche Amerika ins Chaos stürzen lässt: die „Superpest“.

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Die Exposition: Lucy Clarke ist die rat- und verantwortungslose Tochter der steinreichen, berühmten Hut-Designerin Isifrid Clarke (während des zweiten Weltkriegs aus Norwegen emigriert, selbsternannte Hohepriesterin eines elitären arischen Odin-Kults; Alkoholikerin) und eines bekannten Virologen (Leiter des US-Departments für Seuchenschutz und Erfinder einer neuen, besonders ansteckenden Variante der Pest, von den Medien „Superpest“ genannt).

Der Roman schildert zwölf Monate, während denen die unheilbare „Superpest“ von der West- zur Ostküste vordringt und Tausende Menschen tötet. Die Medien reagieren hysterisch. Die Politiker ratlos. Lucys Umfeld versteckt sich hinter einer zynischen, vernkiffenen Coolness. Lucys Vater hat – schon vor Einsatz der erzählten Handlung – Selbstmord begangen.

Als Ich-Erzählerin reist Lucy im August für ein paar Tage zurück nach Manhattan, um gemeinsam mit einem verwitweten, übergewichtigen Arbeitskollegen – Stanley – die Hochzeit ihrer ältesten und besten Freundin zu besuchen. Lucy quartiert sich im Fifth-Avenue-Appartment ihrer verwitweten Mutter ein, wo auch ihre Großmutter, Agnes, und ihre zwölf Jahre alte Halbschwester, Hannah, leben. Alle drei Generationen sind verstört vom Selbstmord von Lucys Vater im vergangenen Herbst. Und stehen im Mittelpunkt einer medialen Hetzjagd: Lucys Familie hat Amerika die „Superpest“ beschert, übertragbar durch die Luft und in weniger als 24 Stunden tödlich. Ein erster Infizierter wurde in Minnesota unter Quarantäne gestellt.

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Verlauf der Handlung: Lucy – ständig auf harten Drogen und dauernd im Streit mit den anderen, ebenso angriffslustigen (und benebelten) Frauen der Familie – gesteht sich ein, dass sie keinerlei Perspektiven hat im Leben: Sie weiß nicht, was sie sucht. Sie weiß nicht, was sie werden will. Sie ist noch immer in den Bräutigam verliebt (Eric, Fotograf und Lucys Exfreund). Überlegt, mal wieder eine Therapie zu machen (ihre mittlerweile siebte). Und gibt zu, ihre Zwanziger unter Tranquilizern komplett vergessen zu haben.

Aus Langeweile besucht sie verschiedene Selbsthilfegruppen. Flirtet mit Stanley (selbst ehemaliger Alkoholiker und auf der Suche nach einem Uterus für die gefrorenen Eizellen seiner Frau, verstorben bei einem Autounfall, den Stanley verursacht hat). Und entwickelt zu ihrer verschlossenen, zwölfjährigen Schwester Hannah eine fragile Freundschaft [vergleichbar, auch vom Gewicht innerhalb des Buches, mit dem Verhältnis zwischen Phoebe und Holden in „Fänger im Roggen“]. Immer unter der Prämisse: Die Milch ist verschüttet. Der Ruf ist ruiniert. Ich bin die verantwortungslose, kaputte, selbstsüchtige, scheußliche Generation-X-Klischeefigur. Lucy hasst sich. Hat aber zugleich, als Erzählerin (teilweise das Publikum direkt adressierend) großen Spaß, Erwartungshaltungen zu stören, gespielt cool auf neue Eskalationen zu reagieren, die „Superpest“ für windschiefe, gallige Oneliner zu nutzen.

Lucy und Stanley besuchen Hannah im christlich-antisemitischen Sommercamp. Fahren zu Weihnachten zurück in die Geflügelmast. Und anschließend, im Januar (die „Superpest“ hat eben Kalifornien erreicht, und Oma Agnes ist gerade an Herzversagen gestorben), reist Lucy mit ihrer Mutter in eine Entziehungsklinik in der texanischen Wüste:

Die Seuche befällt Texas. Die Klinik wird zum Waco-artigen Fort. Lucy sucht neue Perspektiven für ihr Leben und hilft nachts, den elektrischen Zaun zu bewachen, der das Heim vor Infizierten schützen soll. Doch bald gibt es auch im Gelände die ersten Toten. Noch bevor die Therapie feste Wirkungen zeigen kann, begreift ihre Lucy, dass ihre Mutter – seit Jahrzehnten auf Kokain – an den Folgen ihrer Sucht sterben wird. Sie begleitet sie (die „Superpest“ ist erstmal eingedämmt) zurück nach New York. Nimmt Abschied. Organisiert eine weitere Beerdigung. Sieht zu, wie ihr alle Menschen in ihrem Leben durch die Finger rinnen und wie sie – als Tochter, Freundin, emotional – NICHTS für sie leisten kann und niemals konnte.

Lucy ist ein wenig masochistisch in ihrer Selbstgeißelung, hat aber, letztendlich, grausam Recht in ihrer Selbsterkenntnis: Sie ist ein nettes Mädchen. Aber komplett nutzlos; für alle!

Resigniert loggt sie sich – kurz, bevor die „Superpest“ plötzlich Manhattan erreicht – bei Ebay ein. Ersteigert eine stillgelegte Raketenabschussbasis. Lädt alle Menschen, die ihr wichtig sind (ihre große Liebe Eric ist mittlerweile an der Pest krepiert; seine Witwe hat gerade sein Kind entbunden) ins Flugzeug. Und plant ein neues Leben – mit den (wenigen) Überlebenden, die ihr noch etwas bedeuten. Abblende.

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Motive und Besonderheiten: Zentrales Thema des Romans sind ins Leere laufende, verpuffende Gefühle und Anstrengungen. „Vergeudete“ Lebenszeit. „Nutzlose“ Menschlichkeit.

Großmutter Agnes, spirituelles Zentrum der Familie, hat aus der Reinkarnationsleere eine Privatmythologie gesponnen, mit der sie diesen „biografischen non sequiturs“ Sinn verleihen will: Sie glaubt an eine Mischung aus Wiedergeburt, Karma und Vergebung. Und so sprechen in Zwischenkapiteln immer wieder soeben verstorbene Figuren (oder auch: Seelen, die früher jemand anderes waren; ein toter Fötus, ein Wikinger) über die Pest und die aktuellen Ereignisse.

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Stil: Die Themenfülle des Romans wirkt pastichehaft und grell. Doch Lucy knüpft die vielen, vielen Stränge mit verblüffender Leichtigkeit aneinander, als trockene und sehr wortmächtige Erzählerin. Ein riesiges Vokabular. Eine Fülle schräger, pointierter, grotesker Vergleiche. Schnelle Dialoge, im Stil des popkulturgesättigten Stakkato-Schlagabtauschs der „Gilmore Girls“.

„Last last Chance“ ist frotzelig, pointiert und gut-wrenchingly emotional, in seinem Duktus vergleichbar mit Salinger. Sehr markant. Sehr witzig. Sehr wütend/bitter. Lucy ist eine große, wendige Denkerin. Und Maazel – vom Wirrwarr und dem bunten Durcheinander ihres Plots noch zusätzlich gestützt, bereichert – eine extrem markante neue Stimme [Joshua Ferris vergleich Maazel mit Denis Johnson]

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Schwierigkeiten: „Last last Chance“ lässt sich gut und schnell vergleichen. Mit der Themenfülle und der „meditativen Tiefe“ von Nicole Krauss [Link, Text von mir]. Der warmen, satten emotionalen Färbung von Filmen wie „Juno“ (eine ätzende Ich-Erzählerin. Und riesige Subtexte über Verletzlichkeiten, Familie, Bruchstellen).

Aber: „Last last Chance“ lässt sich nur sehr sperrig konkret beschreiben: die Liebesgeschichte. Die Familiengeschichte. Die groteske Seuche. Quarterlife-Crisis, Soul-Searching, Schritte aus der Sucht. Maazel hält alle Bälle in der Luft. Doch damit bleibt auch, in der Vermarktung des Romans, eine gewisse Unentschiedenheit.

IST das ein Sucht-Roman? IST das eine Familiengeschichte? Wen will dieses Buch, im Herzen, ansprechen? Beim Lesen wirkt es erstmal einladend und universell und dynamisch. Aber ein deutscher Verlag müsste sich entschieden fragen, welcher Aspekt herausgehoben werden sollte: Ist das eine Groteske? Junge, hippe US-Literatur à Safran Foer? Oder ein Frauen-Ding? Maazel hält sich das sehr offen. Das tut dem Roman sehr gut. Der Leser indes fragt sich öfters mal, was er da eigentlich grade liest (und weiß deshalb auch erst zum Schluss, wie schlüssig/rund das Buch letztendlich ist, thematisch, kompositorisch).

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Wertung: „Last last Chance“ ist (besonders: durch die grandiose Erzählstimme) eines der markantesten US-Debüts, das ich kenne. Ein kurioses Buch, das viele wohlwollende Pressestimmen nach sich zieht (http://www.lastlastchance.com/, dann auf „What people are saying“), die Leute aber zugleich in einer etwas hilflosen Bewertungsposition zurücklässt: Alle finden’s

  • klug
  • bunt
  • traurig.

Aber ein Familienroman über den Tod, der zugleich Rollenprosa von Wikingern enthält und eine Seuche namens „Superpest“, muss sich halt immer auch gefallen lassen, der „Superpest“-Wikinger- und Hühnermastbetriebs-Roman zu sein. Natürlich ist das, in seiner Abwegigkeit, erstmal sehr spannend. Aber immer auch: gesucht. Gewollt.

Man merkt: In diese 320 Seiten ist JEDES krasse Bild enthalten, JEDER herzzerreißende Moment und JEDE clevere Idee, die Fiona Maazel in den letzten zwei Jahren hatte.

Ein bombastischer Auftritt für eine junge Autorin. Aber: kein sehr eleganter.

Links zu Amazon.de:

Moderation [Englisch]: Picador-Gastprofessorin und Schriftstellerin Fiona Maazel im Centraltheater Leipzig, 15. Mai 2012. [Details]

Moderation: Stefan Mesch [Vita / Links]

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