TV Tropes

George R.R. Martin, J.K. Rowling, Stephen King – Autor*innen streiten und antworten, online

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Für Deutschlandfunk Kultur las ich den Blog / das Livejournal von George R.R. Martin – alle Einträge seit 2005:

  • ich notierte mir alle Buch- und Filmtipps, die Martin in den letzten 13 Jahren gab
  • ich notierte alles über seine Schreibweisen, Arbeitsweisen und Poetik
  • (wahrscheinlich werde ich beides später nochmal irgendwo sammeln/bloggen, als Linkliste)

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Morgen, 13. Juli, gegen 10.20 Uhr, bin ich Studiogast bei Deutschlandunk Kultur und spreche über Martin… und andere Autor*innen, die bloggen, an Debatten teilnehmen, über ihren Schreibprozess berichten, sich gesellschaftlich einmischen oder ihre Werke durch Tweets etc. erklären.

Vor jeder Deutschlandfunk-Sendung schicke ich meine Stichpunkte und Thesen an die Redaktion: Hintergrund-Infos und Links, aus denen Moderator*innen dann ihre Fragen fürs Livegespräch erarbeiten. Hier kurz gebloggt: meine Fundstücke und Links zur morgigen Sendung.

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  • Es gab schon immer Sekundärliteratur zu Büchern (und Serien).
  • Besonders seit dem Internet sind diese Texte, Wortmeldungen zweiter Ordnung immer öffentlicher, leichter zu finden.
  • George R.R. Martin scheint, besonders seit 2014, oft mehr zu bloggen, als an neuen Romanen zu arbeiten.
  • Ich selbst bin Fan seines Blogs und den Artikeln ÜBER seine Bücher (…und die TV-Verfilmung).
  • Wichtig: die Serie selbst und die Romane habe ich nicht durch: Ich liebe es, die Sekundärtexte, Kritiken, Debatten drumherum zu lesen.

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zu Martin selbst:

  • Er ist fast 70 (geboren 1948 in New Jersey) und lebt in Santa Fe, New Mexico. Zum zweiten Mal verheiratet, keine Kinder.
  • Er schrieb Science-Fiction-Kurzgeschichten, Novellen und Romane; manchmal Horror, und seit 1987 eine Surperhelden-Reihe namens „Wild Cards“ (fast 30 Sammelbände aus mehreren Perspektiven, verfasst von mehreren Autor*innen, Martin ist auch Herausgeber/Editor der Reihe).
  • Sein Hauptwerk, „Das Lied von Eis und Feuer“, läuft seit 1996.
  • Es sollte ursprünglich eine Trilogie werden, ist jetzt aber auf sieben Bände angelegt.
  • Bisher erschienen fünf Bände, alle auch in Deutsch (dort meist zweigeteilt): 96, 99, 2000, 2005, 2011.
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  • Seit 2011 läuft eine Verfilmung auf HBO, „Game of Thrones“. Sie ist auf acht Staffeln angelegt, Staffel 7 startet am 16. Juli (auf Englisch) und am 17. Juli (auf Deutsch).
  • Letztes Jahr hat die Serie die Bücher überholt: Die Geschichte wird ERST als TV-Verfilmung zu Ende erzählt. Martin selbst gibt viel Input. Die Serie endet 2018. Doch Roman 6 von 7, „The Winds of Winter“, erscheint frühestens 2018.das ist für alle Beteiligten etwas unglücklich, und Martin selbst wird oft belächelt: Warum schreibt er so langsam? Warum macht er so viele andere Projekte? [Ich selbst schreibe seit 2009 an meinem Roman, und einmal pro Woche will jemand mit mir über Martin reden, den anderen „zu langsamen“ und „immer abgelenkten“ Autor, den alle kennen.]

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Autor*innen reden mit?

  • 1992 starte die Science-Fiction-Serie „Babylon 5“. Verträge für Schauspieler*innen dürfen maximal sechs Jahre gelten. Deshalb wissen Serienmacher*innen: Alles läuft etwa sechs Jahre lang, dann wird es teuer und kompliziert, wegen neuer Vertragsverhandlungen. „Babylon 5“ war eine der allerersten Serien mit einem im Vorfeld über alle Staffeln geplanten Spannungsbogen: Beeinflusst von u.a. „Herr der Ringe“ erzählt die Serie von einer Raumstation, die in einen großen Krieg verwickelt wird.
  • Der Macher, J. Michael Straczynski, plante 5 Staffeln, schrieb fast alle Drehbücher zur Serie selbst und konnte trotz ein paar Schauspielerwechseln und Produktionsproblemen EINE große Geschichte erzählen. Zuvor erzählte TV meist episodisch: Jede Folge ist möglichst einsteigerfreundlich, wenig verändert sich, notfalls kann man Folgen auch in falscher Reihenfolge sehen. „Babylon 5“ hat eine Fünf-Akt-Struktur und erzählt wie ein Roman: Ständig wird betont, dass jetzt ALLES anders ist und sich Dinge grundlegend verändert haben. Das ist ein starker Kontrast zu „Star Trek“, wo sich jahrzehntelang möglichst wenig ändern sollte.
  • Straczynski benutzte Fan-Foren im Internet, um jede Woche Fragen zu beantworten über seine Vision, seine Pläne und seinen Arbeitsprozess. Diese Chats sind online gesammelt, und für viele Menschen ist es normal, erst eine Folge der Serie zu sehen… und dann die gesammelten „JMS speaks“-Zitate zu lesen.

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  • Websites wie „Television without Pity“ wurden irrsinnig erfolgreich, indem sie – zu einer Zeit, als Episoden noch nicht direkt als Raubkopie online zu sehen waren – jede Folge vieler laufender Serien ausführlich nacherzählten.
  • In Deutschland erzählen vor allem Welt.de/Axel Springer jeden „Tatort“ und jeden größeren Polit-Talk (Anne Will etc.) nach: Diese Texte sind sehr erfolgreich.
  • Nach Footballspielen gibt es „Post-Game“-Rederunden. immer mehr Menschen wünschen sich solche Nachbesprechungen, nachdem sie eine Episode einer Serie gesehen zu haben.
  • Serien wie „The Walking Dead“ gingen darauf ein und senden tatsächlich nach jeder neuen Folge eine Talkshow/Gesprächsrunde, „The Talking Dead“. „Game of Thrones“ hat seit 2016 „After the Thrones“; ich mag auch die kurzen „Rebels: Recon“-Making-of-Videos zu „Star Wars: Rebels“

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  • 2012 startete „Girls“, eine Serie über vier widersprüchliche junge Frauen in New York.
  • Die New York Times schrieb ca. 40 Artikel über „Girls“, in sechs Jahren; weil viele Themen der Serie relevant für NYT-Leser*innen sind: Gentrifizierung, Gender, Lokalpolitik, Generationenfragen (Hipster, Millennials)
  • Solche Texte, die immer MIT der Serie einstiegen, aber dann oft sehr persönlich werden und über strittige gesellschaftliche Themen sprechen, heißen „Think Pieces“. Seit „Girls“ gibt es nach provokanten Momenten in Serien dauernd neue „Think Pieces“.

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bei Martin und „Game of Thrones“ kommt all das zusammen:

  • „Game of Thrones“ zeigt viel sexuelle Gewalt und „starke“ Frauen, denen Furchtbares passiert. Dreimal im Jahr erscheinen 20 Artikel über eine besonders brutale oder ambivalente „Game of Thrones“-Szene: War das „schlechter Sex“ – oder Vergewaltigung? Wird eine Frau erniedrigt, und agiert fünf Folgen später als besonders kalte oder starke Kämpferin: Heißt das, der Missbrauch und das Trauma machten die Frau „stärker“?
  • Oft variieren solche Szenen im Buch und in der Serie: War es in Martins Text ruppiger Sex – oder Vergewaltigung? Ist die Serie brutaler? Ist sie, durch diese Brutalität, autormatisch frauenfeindlicher?
  • Geht es „Game of Thrones“ darum, Gewalt gegen Frauen, Sexismus, Zwänge im Feudalismus, Intoleranz etc. möglichst drastisch auszustellen, zu verurteilen? Oder ist da immer ein gewisser Sexploitation-Kitzel? etc.
  • Nicht nur bei Sex- und Gender-Fragen öffnet „Game of Thrones“ oft Debatten, die WEIT über die Serie selbst hinaus gehen.
  • Allergrößte Zeitungen schreiben nach Einzelepisoden lange Texte darüber, was „Game of Thrones“ z.B. über den Klimawandel, das Bankenwesen oder Kolonialismus im nahen Osten erzählt.
  • (schade dagegen: Auch in großen deutschen Zeitungen erzählen manchmal nur Fanboys nach, was sie an der jeweiligen Folge „krass“ oder „witzig“ fanden. Das bleibt oft unreflektiertes, dünnes Clickbait-Gerede, und dem Feuilleton nicht würdig.)

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für Wortmeldungen von Autor*innen selbst gibt es den Ausdruck „Word of God“:

  • Fragen, die das Werk selbst nicht eindeutig beantwortet, werden manchmal vom Autor beantwortet.
  • Eins der bekanntesten Beispiele: J.K. Rowling, die nach dem Ende von „Harry Potter“ sagt, Zauber-Rektor Dumbledore sei schwul sei. In den Büchern selbst kommt das nicht vor.
  • Rowling hat seit 2007 – vor allem auf Twitter, in Interviews und in sehr, sehr langen und detaillierten Fußnoten auf der Website „Pottermore“ immer wieder offene Fragen beantwortet, Ambivalenzen ausgemerzt, Ideen konkretisiert. Oft ging das Fans auf die Nerven.
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  • Martin ist recht zurückhaltend mit solchen „Words of God“; und lügt auch immer wieder, um Wendungen/Geheimnisse nicht im Voraus zu verderben.
  • Trotzdem ist all das mittlerweile ein großer, zweiter Raum, der sich um jedes Buch und jede Serien-Episode öffnet: Fans legen Wikis an, um „Words of God“ zu sammeln, TV-Schöpfer*innen livetweeten während der Erstausstrahlung wichtiger Episoden, die New York Times macht oft Interviews mit Darsteller*innen von Serien, am Morgen, nachdem ihre Figuren überraschend ausstiegen oder starben: „Wie geht es Ihnen jetzt? Und warum wurde Ihre Rolle vergewaltigt?“ etc.

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John Fiske, mein Lieblings-Popkulturforscher, sagt, Dinge werden populär, wenn sie widersprüchlich bleiben, verschiedene Lesarten zulassen, nicht alle Fragen beantworten.

  • Der Witz an all den Sekundärtexten, Wortmeldungen ist, dass es immer SCHEINT, als gäbe es gleich große, gültige Antworten: Ist Figur X „böse“? Ist Y eine Metapher für Donald Trump? etc. Doch obwohl Autor*innen und Serienmacher*innen heute viel MEHR reden, verstärken ihre Drumherumtexte eher noch die Fragen und Widersprüche: Fans reiben sich produktiv an offenen Fragen. Größte Zeitungen debattieren z.B. ob die Ehefrau aus „Breaking Bad“ nervt – oder als Sympathieträgerin verstanden werden soll.
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  • In Deutschland gibt es den Geniemythos: Als Autor über die eigenen Intentionen und das Handwerk zu sprechen, gilt oft als unnötig, verpönt. Martin kommt aus der Science-Fiction-Ecke, und war als Kind Fan von Sci-Fi-Groschenheften und Superheldencomics. Die Szene organisiert sich in Conventions: Fans treffen auf Macher*innen, alle bleiben in Dialog. Martin selbst schrieb Leserbriefe, die in Marvel-Comics gedruckt wurden, und fand Freunde/Anschluss, als andere Fans auf seine Briefe antworteten. Die Treffen/Conventions sind bis heute wichtig für die – gut vernetzte – Phantastik-Szene, und Martin besucht immer noch mehrere Cons im Jahr. Er schrieb als Teenager Amateurtexte – aber mit eigenen Figuren. Heute wünscht er sich, dass Fans ihre eigenen Erzählwelten bauen, statt mit vorhandenen Figuren (z.B. „Harry Potter“) neue Fanfiction-Texte zu schreiben.
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  • Es gibt einige sehr aktive, gut vernetzte Bestseller-Autor*innen in der Phantastik, bei denen die Grenze zwischen Star und Fan verwischt (weil sie selbst Fans sind und über ihr Fan-Sein sprechen)… und die in Blogs oder auf Twitter sehr viel über ihre Arbeit und ihre Begeisterung für andere Autor*innen sprechen:
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  • Neil Gaiman
  • Patrick Rothfuss
  • Cory Doctorow
  • Stephen King (der SEHR viel liest und oft großartige Buch-, Film-, Serientipps gibt)
  • manchmal JK Rowling (poltisch, besonders auf Twitter)
  • die Comic-Autorin Gail Simone
  • … und eben Martin (der nichts auf Twitter und Facebook schreibt, aber seinen Blog pflegt)
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  • Lyriker*innen können oft kluge Dinge über ihre Kolleg*innen sagen – weil Gedichte so kurz sind, dass jeder alle Gesamtwerke der anderen kennt. Deutsche Autor*innen sagen oft nichts Kluges über ihre Kolleg*innen – weil niemand sich die Zeit nimmt, viel zu lesen. Obwohl Fantasy-Bücher sehr dick sind, merkt man: Martin u.a. nehmen sich extrem viel Zeit, nach rechts und links zu schauen: Eine Szene, die sich für sich selbst interessiert, und relativ offen/einladend ist.

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mein Fazit?

  • In den 90ern warteten alle auf Hypertexte, interaktive Literatur, nicht-lineares Erzählen.
  • Das Tolle an „Words of God“ und den vielen neuen Debatten-Texten ist, dass es dem nahe kommt. Es gibt die Haupterzählung, die alle Fans verfolgen: das Buch, die Serie. Und es gibt die Ausläufer, das Bonusmaterial, die Debatten drumherum: Alle können so viel oder wenig davon lesen, wie sie wollen. Man kann Dinge entdecken, und selbst mitreden.
  • Die TV-Autorin Shonda Rhimes („Grey’s Anatomy“, „Scandal“, „How to get away with Murder“) bloggt viel über ihre Arbeit… und gesellschaftliche, politische Fragen: Ich sehe ihre Serien nicht. Aber ich bin süchtig danach, über ihren Arbeitsprozess und ihre politischen Anliegen zu lesen: Manchmal ist die Geschichte, wie und warum etwas von der Autorin gemacht wird, viel interessanter, als das, WAS gemacht wird.
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  • Die Romane von Martin machen wir wenig Spaß – er hält sich zu viel Heraldik/Wappen/höfischen Ritualen auf.
  • Die Serie sehe ich nicht gerne, weil sie oft fast nur „wie gewonnen, so zerronnen“- und „so schnell kanns gehen!“-Momente aneinander reiht: Figuren geben sich Mühe… und sterben/scheitern dann sang- und klanglos. Das soll tiefgründig, existenziell, nihilistisch wirken… doch oft kommt es mir einfach trost- und pointenlos vor.

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Was soll der #aufschrei, Mädels? Muss das sein…?

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Was soll der „#Aufschrei!“-Kram…?, mögen Skeptiker fragen.

Und ich verstehe die Frage: Sind ein PAAR blöde Sprüche, die man sich im Alltag halt so einfängt, als Frau… sooo eine Krise? Ist das einen „Aufschrei“ wert? Echt, jetzt…?

Ich glaube, schon.

Die Vorgeschichte ist HIER: „Während in den Medien die Sexismus-Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle thematisiert werden, veröffentlichen Twitter-Nutzerinnen seit dem späten Donnerstagabend ihre persönlichen Erfahrungen mit Alltagssexismus unter dem Hashtag #Aufschrei.“

Der Hildesheim-Bezug: „Eins steht fest: Die Diskussion ist in vollem Gange. Verantwortlich dafür ist Nicole von Horst, die unter dem Namen @vonhorst twittert. Sie verschickte den ersten Tweet zum Thema, prompt stieg eine andere Twitter-Nutzerin ein.“

..und der Blogpost (via: Bildblog / 6 vor 9), über den ich heute morgen auf die Aktion / Debatte aufmerksam wurde:

„Mädels, diese Opferrolle steht Euch nicht.“, schreibt ein Twitter-User. Und ich glaube, jeder von uns hat Bekannte, die mit den Augen rollen und sagen: „Echt, jetzt? DAS ist ein Aufschrei? DA fühlen sich Leute zu Opfern gemacht?“

…zum einen (Arschloch-Rhetorik!) fragen sich Skeptiker, ob Frauen „das nicht wollen, eigentlich“ – weil sie ja auch „ne Menge tun, um uns Männern zu gefallen! Kleidung, Gehabe etc.“ DIESES (Nicht-)Argument hat, zum Glück, endlich nen Namen. „Patriarchal Bargain“. Mehr hier. Lohnt sich:

Zum anderen aber gehts um Deutungshoheit: Schon WIEDER wer, der sich beschwert? Schon WIEDER wer, auf den wir Rücksicht nehmen sollen? Da könnte ja jeder kommen?! Sind die ALLE benachteiligt? Und wir müssen uns ändern – für DIE? Da geht’s doch nur um Macht. Kontrolle. Bevormundung! (Leserkommentare lesen – unbedingt!)

Privat / persönlich macht der „Aufschrei!“-Slogan für mich Sinn, ist die Debatte gerechtfertigt, weil hier „Microaggressions“ zusammengetragen und sortiert werden: Der kleine, alltägliche Scheiß. Der sich viel, viel zu schnell summiert.

Mehr hier. Kulturwissenschafts-Freunde? Benutzt den Begriff: nützlich und klug!

Und – zum Abschluss, von meiner Seite: Wenn ich als Leser / Zuschauer zwei, drei Sehrerfahrungen sammle, bei denen Frauen, Töchter, Mütter, Freundinnen eines Helden getötet werden, um die Handlung voran zu bringen, denke ich: „Tja. Okay – braucht mal halt manchmal: ein paar Opfer, um die Geschichte zu erzählen. DAS ist nicht gleich Sexismus.“

Wenn dasSELBE Konzept einen Namen kriegt… sortiert, geordnet und so benannt / definiert wird, dass in jedem Fall geprüft werden kann: „Musste Mausi nur sterben, damit der Held weiter Held sein kann?“ aber…

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…haben Gespräche – bei der nächsten toten Freundin im Fernsehen – ne andere Tiefenschärfe. Dass Aktivisten sagen: „DAS ist nicht ‚blöd gelaufen'“, „DAS ist nicht ’normal'“, „DAS ist nicht ‚halt so ne Kleinigkeit'“, sondern: „Freunde? DAS ist Alltagssexismus – und mir steht’s bis hier: #aufschrei“…“

..schärft unser Bewusstsein. Und „bringt“ auf jeden Fall was. So „läppisch“ die einzelnen Episoden vielleicht wirken, und so gerne viele Leute diese Debatte auch „hysterisch“ nennen würden.

Soweit von mir.

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mehr?

Erzählen / Schreiben… mit „Neon Genesis Evangelion“

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Viele Serien haben zwei, drei starke Schlüsselreize, mit denen sie Zuschauer locken, Programmnischen besetzen, Zielgruppen abstecken: ein Publikum an sich binden.

Sailor Moon“ – 1992 bis 1997, 200 Episoden, TV Asahi (Japan) – hat ungefähr dreihundert:

Freundschaft! Schulmädchen! Zauberei! Dämonen, Hexen, Reinkarnation! Slapstick! Science Fiction! Romantik! Achtklässler als Superheldinnen! Schleifen! Sternchen! Kätzchen! Zeitreisen! Ein stolzes, glückliches Lesbenpaar!

Das – von mir lange unterschätzte – Alleinstellungsmerkmal, das junge Frauen an die Serie (und den zugrunde liegenden Manga) band, war ihr Ensemble: erst fünf, dann zehn, am Ende dreizehn verschiedene Mädchen, die – als Freundinnen, als Kriegerinnen, als Team und in verschiedenen Paaren / Konstellationen – kämpfen, feiern, arbeiten, lernen und reisen. Freundschaft als Rückhalt, Band, Quelle innerer Kraft und Lebensmittelpunkt, stärker als der Tod, zäher als die Zeit – zwischen Mädchen unterschiedlichsten Charakters (und: mit den seltsamsten Haarfarben!).

Jedes Ensemble, in dem ein Mädchen / eine Frau Platz findet, macht – in Positionierung, Wertschätzung, Prioritäten, Erfolg oder Misserfolg dieser Frauen-Figur – Aussagen über Gewicht und Rolle der Frau „an sich“. Ensembles aber, die zwei oder mehr Frauen einbauen, zeigen (automatisch):

  • Frauen haben verschiedene Rollen, Chancen, Potenzial.

  • Frauen haben verschiedene Möglichkeiten, diese Rollen („erfolgreich“) zu füllen.

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Representation matters“, sagen Akademiker, Feministen, Zuschauer-Lobbys – und werfen Fragen auf wie:

  • Warum sind alle Frauen in den Comics des DC-Verlags schlank?

  • Warum waren bis vor 15 Jahren Sitcoms über schwarze Mittelklassefamilien Mainstream, doch heute nur Nischenprogramm auf Nischen-Sendern?

  • Warum finden im Ensemble von „Verbotene Liebe“, einer Soap mit 24 Hauptrollen, wenige Spanier, Latinos, Figuren aus Urlaubsländern Platz… doch in fast 20 Jahren keine Figur mit russischem, polnischem, türkischem Hintergrund?

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Bechdel-Test (Link): bestanden!

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Für „Zimmer voller Freunde“ habe ich kein Ensemble entworfen: Ich wollte ein Jahr meiner Jugend beschreiben, in dem Freundschaften zerbrachen, Konflikte eskalierten, Porzellan zerschlagen wurde. Ein Scharnier. Ein Kahlschlag. Ein Anfang: Stefan ist 16 und verlor – über Nacht, ohne Erklärung – den Anschluss an seinen Freundeskreis. Helena, Stoff, Sassi meiden ihn. Er will zurück in ihre Clique, um jeden Preis. Ein klarer Konflikt.

Eine Hauptfigur. Drei Frauen.

Kontrastiert, ergänzt, gestört wird dieser Plot durch Freund Frank – ein kluger, chronisch gelangweilter Oberstufen-Casanova, erfahrener, geschickter, hungriger, schneller, den Eltern, Partner und Lehrer ermahnen, dass er sich Zeit lassen soll: ein Kompromiss-Gebrauchtwagen, eine Kompromiss-Beziehung, drei letzte Kompromiss-Jahre, bevor er ausziehen, ein Erwachsenenleben führen darf – wäre das zu viel verlangt?

„Frank war am Freitag be Renault: Der Neuwagen, den er braucht, kostet 24.700 Mark. „Nur für ein Auto? Halt dein Geld zurück. Denk an die Zukunft!“, sagte Carmen.

Aber das ist die Zukunft!

„Ich bin fast 18 – soll ich warten, bis ich 40 bin?“

„Du brauchst kein Auto, Frank: Wir fahren dich überall hin. Bau einen Unfall, und dein Geld ist weg. Mach einen Fehler, und du hast alles verloren.“

[Zitat aus „Zimmer voller Freunde“]

Zwei Perspektiven – und parallele, eigene Geschichten –, die ich seit (etwa) 2006 erzählen will, zwei Protagonisten, deren Welten, Prioritäten (und: Unterschiede) ich verstehe, aus dem Teil meiner Jugend / Gegenwart, von dem ich weiß:

  • Dem werde ich erzählerisch gerecht.

  • Das stand noch nicht in 15 anderen Romanen.

  • Falls ich (nur) Zeit habe, ein Buch zu schreiben, kreuzen sich hier, in diesen beiden Schüler-Leben, im Schuljahr 1999 / 2000, die Fragen, Konflikte, über die ich schreiben will.

Soviel zu allem, was ich „mitbringe“ – Rohmasse, Prägung, biografisches Material. Das Zeug, das „raus will“: Gruppen, Freundschaft, Rivalität. Heimat, Familie, Ambition. Kompromisse, Verlust. Sexualität. Fernsehen. Tagebücher. Zeitgeschichte.

Freundin A. hat eine – zwanglose, persönliche – Vorliebe für Gruppen: Oft schart sie „Herden“ um sich, ohne, es zu merken. Freunde treffen die Familie. Kinder spielen mit Hunden. Verwandte bringen Freunde mit… und plötzlich sitzen wir zu acht, zehnt, zwölft am Esstisch, „Suppe haben wir auch noch!“, „Bleibt gerne: Gleich kommen die anderen vorbei!“, „Wartet! Ihr da vorne – die kommen nicht hinterher!“.

Mein Ideal von sinnvoll / gut verbrachter Zeit sind Zweiter-Aktivitäten: Einem Gegenüber kann ich zuhören, einem Freund werde ich gerecht. Im Pulk verreisen, essen, spazieren, zu fünft Entscheidungen treffen, zu zehnt Prioritäten setzen, in einer Clique, Klasse, Großfamilie, Redaktion um Aufmerksamkeit betteln… menschlich ist mir das ungeheuer lästig.

Nur literarisch macht es ungeheuren Sinn:

Frank schreibt am 8. August 1999: Vorhin war ich mit Stefan und den Ridgebacks im Wald. […] Danach haben wir uns „Dawson’s Creek“ angetan. Die Kinder aus Creek nehmen jeden Scheiß ernst. Sie übertreiben sich und machen aus Sex einen Elefanten. Stefan hat mir mal einen Tag aus seinem Timer vorgelesen, um zu beweisen, dass er spannend ist. Sein Tag war drei Times-New-Roman-Seiten lang. Es stehen zwar Gedanken drin. Aber auch sehr viel Mist!

Ich habe noch nie in meinem Leben drei Seiten erlebt. So etwas gibt es nicht, wenn man 10.-Klässler ist.“ [Zitat aus „Zimmer voller Freunde“]

Zimmer voller Freunde“ hätte ein hastiger, glatter Roman werden können über einen Außenseiter, Stefan Mesch, und seine Startschwierigkeiten mit Freundschaft (Stoff), Liebe (Helena), Konkurrenz (Frank):

Die Menschen in Stefans Welt wären dabei weniger Menschen – als rhetorische „Widerstände“: Stefan-Mesch-Kontraste, Stefan-Mesch-Sparringpartner, die, als Stefan-Mesch-Antipoden, helfen, die Stefan-Mesch-Geschichte möglichst effektiv, dramatisch zu erzählen. Eine Hauptfigur – und eine Welt aus Nebenrollen, die dieser Figur zuspielt.

2009 beschlich mich der Verdacht, dass ich ein… Jugendbuch (?) plane. 2010, vierzig Young-Adult-Romane später, konnte ich die Frage verneinen: Im YA-Genre läuft alles auf den Helden zu. Nicht jede Hauptfigur ist „glatt“, einfach und „offen“, lädt ein zur reibungslosen Identifikation. Doch oft bleiben Perspektive und Nebenrollen solipsistisch: Ein Teenager – und wie er seine Welt sieht.

  • Mitfiebern, Eintauchen: Identifikation

  • Nebenrollen, im Kreis oder sternförmig auf die Hauptfigur ausgerichtet

  • Ein Milieu, ein Konflikt; fast immer: nur eine Perspektive.

Zimmer voller Freunde“ stellt drei Figuren gegeneinander: Stefan (als Ich-Erzähler / Autoren-Ich), sein bester Freund (?) Frank und ein Mädchen aus dem Schulbus, das beide kaum kennen: Antje. Alle drei gehen in dieselbe Schule in der Kreisstadt. Und alle drei wollen – aus jeweils anderen Absichten und Gründen – Zugang zu einer kleinen Wohnung. Drei einzelne, zunächst getrennte Handlungsstränge. Und dann: ein Schuljahr voller Kollisionen.

Für „Zimmer voller Freunde“ habe ich kein Ensemble entworfen. Doch sehr lange malte ich Netze, Gitter, Pfeile, strich Freunde, Partner, Geschwister, Lehrer, schob Rollen in- und auseinander, im Mittelpunkt ein Protagonisten-Dreieck, Stefan-Antje-Frank, und das Bemühen, alle anderen Rollen so auszurichten, dass…

  • sie Stefan wie Frank etwas jeweils eigenes bedeuten.

  • augenfällig mehr sind als die Summe ihrer jeweiligen (Doppel-)Rollen / Funktionen.

  • Antje einen frischen, skeptischen, genuin dritten Blick werfen kann.

Mühevoll war nie, Konflikte dreier – jeweils auf eigene Weise: toll bekloppter – Protagonisten klug gegeneinander auszuspielen (Zopfdramaturgie (Link), unzuverlässige Erzähler (Link), Rashomon-Effekt (Link), bla blubb…), sondern, für all ihre Gegenüber stimmige, differenzierte Positionen zu schaffen. Am Ende – im Sommer 2008 – half mir ein Text (Link) über „Harry Potter“ und „Neon Genesis Evangelion“, eine Science-Fiction-Anime-Serie, 1995, 26 Episoden, TV Tokyo.

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nur ein Trio, das nicht nebeneinander steht: Ritsuko (ganz links) und Misato / Ryoji (ganz rechts, mit Kreuzen)

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Im Zentrum von „Evangelion“ (und „Harry Potter“, und „Zimmer voller Freunde“) steht ein „Power Trio“ (TV Tropes, Link), drei Figuren mit unterschiedlichem Blick und komplizierter Dynamik – eine gängige Helden-Konstellation: Kirk, Spock, McCoy („Star Trek“), Pippi, Thomas, Annika („Pippi Langstrumpf“), Luke Skywalker, Han Solo, Leia („Star Wars“), Ash, Rocko, Misty („Pokémon“), „Die drei Fragezeichen“, „Die drei Musketiere“, „Drei Engel für Chalie“ usw..

Das Besondere an „Harry Potter“ und „Evangelion“ ist, dass ihre (sehr großen, potenziell unübersichtlichen) Ensembles das zentrale Protagonisten-Trio spiegeln – und also: die Nebenrollen als eigene, kontrastierende Trios anordnen:

  • drei (14jährige) Protagonisten: Shinji, Rei, Asuka

  • drei (erwachsene) Mentoren: Misato, Ritsuko, Ryoji

  • ein Trio aus Mitschülern (Toji, Hikari, Kensuke), ein Trio aus Technikern (Makoto, Maya, Shigeru), ein Trio aus A.I.s / Computern (Caspar, Melchior, Balthasar), ein Trio aus UN-Organisationen (NERV, SEELE, GEHIRN).

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Zimmer voller Freunde“ benutzt eine eigene Variante:

  • drei Perspektivträger / Hauptfiguren: Stefan, Frank, Antje.

  • drei Menschen [rot markiert], die zwischen sie geraten / für jeweils zwei von ihnen sehr unterschiedliche Rollen / Bedeutungen einnehmen.

  • drei Figuren [blau markiert] als Gegenstimmen, Komplikation für jeweils eine Haupt- und eine „rote“ Figur.

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Figuren ZvFdrei Erzähler – und die sechs wichtigsten Figuren, die sie umgeben.

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In meinen Tagebüchern und Antjes, Franks und meinem realen Schuljahr 1999 / 2000 spielten 60, 80 Menschen ihre Rollen. In „Zimmer voller Freund“ sind es unter 30 – und sobald neun zentrale Figuren, in ihren Dreier-Konstellationen, gesetzt waren, fügte sich der Rest.

Ziel des Romans war nie, autobiografisch zu erzählen, möglichst perfekt abzubilden, was MIR vor beinahe 15 Jahren, auf einem Provinzgymnasium, mit einer Handvoll Freunden widerfuhr. „Zimmer voller Freunde“ ist… breiter:

  • Menschen haben verschiedene Rollen, Chancen, Potenzial.

  • Menschen haben verschiedene Möglichkeiten, diese Rollen („erfolgreich“) zu füllen.

Stefan Mesch, 16 Jahre alt, Protagonist und Ich-Erzähler, glaubt, er stünde – allein, stolz, kontrolliert und würdevoll – im Mittelpunkt seines Jugendbuchs, Bildungsromans, Ensemble-Dramas:

Ich schreibe Timer.

Ich schreibe zwei oder drei Seiten jeden Tag, 200 Einträge pro Jahr.

Es gibt zehntausend Dinge, die ich nicht kann oder nicht will – doch das kann ich: Ich schreibe auf, was uns passiert und mache daraus ein dramatisches, tiefgründiges Ensemble-Drama.“ [Zitat aus „Zimmer voller Freunde“]

Stefan Mesch irrt.

Er ist einer von dreien. Einer von neun. Einer von beinahe 30.

und wie dieser Irrtum Stefan einholt / überrumpelt, ist eines meiner Haupt-Erzählvergnügen.

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Stefan Mesch schreibt an “Zimmer voller Freunde”, seinem ersten Roman…

…und – hin und wieder – über Serien und Fernsehen, z.B. hier und hier.

Debatte: „Tomb Raider“, Lara Croft… und sexuelle Gewalt gegen weibliche Helden

In „Tomb Raider: Crossroads“ (Trailer), einem Reboot / erzählerischem Neustart der „Tomb Raider“-Reihe (Link), muss sich Heldin Lara Croft mit 16 auf einer verwilderten Insel gegen Schmuggler, Söldner und wilde Tiere wehren.

Ich bin kein Videospieler (hier ein Link meiner Spieler-„Biografie“), aber freue mich, dass die „Tomb Raider“-Adventures seit über 15 Jahren sehr erfolgreich eine kompetente, beliebte Frauenfigur (Link) vermarkten… in einem Medium, in dem die meisten Action-Helden dreitagebärtige Männer sind.

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Vorgestern tweetete Comic-Autorin Gail Simone eine Reihe sarkastischer Komentare, wie gerne sie Lara Croft „beschützen“ und ihr „helfen“ würde.

Grund / Ursprung war DIESES Gespräch auf der Spielemesse E3 (Link).

Mit einem knappen „Okay… WHAT?“ postete ich den Link zur Kurzmeldung auf meiner Facebook-Seite.

Seitdem entspann sich, im Freundeskreis, folgende Diskussion:

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Freund M: „Die Leute haben vom allerersten Teil an nicht verstanden, was sie mit dieser Figur hatten. Und das ist der absolute Tiefpunkt eines desaströsen Abwirtschaftens.“

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Freund C.: „Ziemlich bekloppte, konstruierte Meldung mit – höchstwahrscheinlich- aus dem Zusammenhang gerissenem Produzenten-Zitat. Was ich bislang vom „Tomb Raider“-Reboot gesehen habe gefällt mir besser als all die hilflosen Versuche, den Erfolg des überragenden ersten Teils zu wiederholen.

Der Trailer macht zwar einen etwas vouyeristisch-sadistischen Eindruck, habe ich in ähnlicher Form aber schon weitaus dümmer und effektheischender gesehen [ich kucke Dich an „Heavy Rain“]. Sicherlich kein klassisches „Tomb Raider“, aber am Ende vielleicht doch ein glaubhafter Enstehungsmythos für die alte, charakterlose, psychopathische Lara Croft der Vorgängertitel.“

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Stefan: „Nein – hier ist ein längerer Artikel: Der „Tomb Raider“-Produzent sagt, Lara Croft sei im neusten Teil deutlich jünger, verletzlicher und schwächer, damit männliche Spieler sich besonders motiviert fühlen, sie zu beschützen.

Tiefpunkt / Wendepunkt für Laras Entwicklung wird ein Moment sein, in dem man Lara vor einer Vergewaltigung bewahren muss:

zwei Zitate:

‎“She literally goes from zero to hero… we’re sort of building her up and just when she gets confident, we break her down again.

“She is literally turned into a cornered animal. It’s a huge step in her evolution: she’s forced to either fight back or die.”

Freund M.: „Da hörts für mich echt auf. Argumentativ. „You start to root for her in a way that you might not root for a male character.“

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Freund C: „Ja, aber das liest sich doch schon viel differenzierter als der erste Artikel, wo eine „Vergewaltigungsszene“ hervorgehoben wird – deren Umfang/Inszenierung/Dramatik sich noch garnicht bewerten lässt – und mit der Aussage des Produzenten in direkten Zusammenhang gebracht wird. Das ist Meinungsmache auf Regine Pfeiffer-Niveau!

Die Zitate, die Stefan hervorhebt, ließen sich auf VIELE Heldenmythen übertragen, sind ganz klassisch und finden sich mindestens ebensovie mit männlichen Hauptfiguren [tatsächlich ist das neue „Tomb Raider“ ein „Abklatsch“ der erfolgreichen „Uncharted“-Serie mit männlichem, menschlichen, leidenden Helden, die sich ihrerseits stark an das klassische „Tomb Raider“ anlehnt].

Ich verstehe, dass die Darstellung von Lara Crofts „tour de force“ Vorbehalte weckt, finde den Skandalisierungsversuch aber voreilig und unangebracht. Ist wahrscheinlich ganz im Sinne der PR.

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Freundin H.: „ich denke auch, dass man genau wird überprüfen müssen, inwiefern das spiel eine zurückeingliderung des charakters in die logik einer patriarchalen ordnung ist.

ich hab hier nur auf die schnelle einen text von sharalyn orbaugh herausgekramt – eine ihrer thesen lautet, dass es vier arten des erzählens von weiblichen charakteren gibt: erstens eine normativ-normal-patriarchale, zweitens eine, die die problemstellungen durch patriarchale logiken aufzeigt, drittens eine, in der „frauen“ „männliche“ attribute tragen und performen können, dies am ende aber immer in einer tragödie enden muss, damit der verstoß gegen die eigentliche ordnung korrigiert wird (beispiel: klingonenfrau ist stärker als menschmänner, kämpft gegen monster, um menschenmänner zu beschützen, siegt, muss aber danach von den menschenmännern zurück ins schiff getragen werden – die pr zum lara croft-game riecht zur zeit ein wenig danach), und viertens, der vollständigkeit halber, erzählungen außerhalb der realen welt.“

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Freund C.: „Ich freue mich hierrauf:

Könnte den Diskurs mal ein wenig erden. Ansonsten meine subjektive Wahrnehmung:

1. Zwischen Lara Croft (1996) und Lara Croft (2013) hat rein oberflächlich eine revolutionäre Verbesserung in der Darstellung von Frauen im Computerspiel stattgefunden. Noch lange ist nicht ein wünschenswerter Zielzustand erreicht, aber jedes andere Medium zuvor hat weitaus länger gebraucht, um die Repräsentation weiblicher Charaktere gleichberechtigter und differenzierter zu gestalten. Still, long way to go…

2. Zwischen „Tomb Raider“ (1996) und „Tomb Raider“ (2013) hat sich prinzipiell rein garnichts getan. Lara Croft – genauso wie Super Mario, Guybrush Threepwood, Solid Snake, Samus Ara, etc. pp. – ist eine Ansammlung von Aktionsmöglichkeiten gegenüber der feindlichen Spielwelt. Ein Cursor. Die oberflächliche Ausgestaltung ist im gewissen Sinne irrelevant bzw. man müsste sich eher darüber Gedanken machen, wie sich Gender spielmechanisch manifestiert, statt sich am audiovisuellen Interface diskursiv im Kreis zu drehen. Just saying.

2b. Denn was das neue „Tomb Raider“ als „Weiblichkeit“ an der Oberfläche darstellt, hat es sich aus früheren Medienzusammenhängen entliehen. Filme, Bücher, Comics, etc. pp. Alter Hut. Alles schon durchdiskutiert und zu recht für scheiße befunden. „Call of Duty“ nutzt ähnliche Kurzschlussreflexe für PR. Das ist zu verurteilen, aber kein Grund „schon wieder“ darauf reinzufallen. Also abwarten und dann „Tomb Raider“ als Computerspiel diskutieren und nicht als Film oder dümmliche PR-Aussage.“

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Stefan: “ Ich will nicht über „Tomb Raider“ diskutieren. Ich will darüber diskutieren, dass jemand, der hauptberuflich – und mit gewissem Erfolg – Videospiele verkauft, über seine wichtigste Frauenfigur sagt:

„Wir wollen, dass JUNGS sie steuern. Und Jungs steuern sie am liebsten, wenn sie glauben, sie zu BESCHÜTZEN.“

(und dann noch implizieren: Sie wird attraktiver (im Sinne von: liebenswerter / beschützenswerter) als je zuvor, sobald sie mit sexueller Gewalt konfrontiert / von Vergewaltigern bedroht wird.)

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Freundin H.: „mich interessiert, was in dieser „attempted rape“-szene tatsächlich passieren wird. der amerikanische rechtsbegriff und beispielswiese der deutsche unterscheiden sich doch etwas. das macht es dann wieder für die übersetzung sehr interessant: würde hier weiterhin nur von „versuchter vergewaltigung“ die rede sein, käme das gar einem vorantreiben von vergewaltigungsmythen gleich. alleine da fängt es ja schon an: wird im spiel, in der geschichte selbst angemessen mit der vergewaltigung umgegangen, also: REAL, menschlich, wie ja in dem interview-zitat behauptet wird, oder handelt es sich dabei nur um einen dramaturgischen kniff oder gar einen manipulationsversuch der spieler, der noch dazu benutzt wird, das spiel gezielt zu vermarkten? ich finde das dementsprechend sehr wichtig, worauf stefan hier hinweist.“

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Freund C.: „Das mit der „sexuellen Gewalt“ hat er nicht gesagt, das wurde von dem ersten Artikel so konstruiert. Was der Trailer andeutet wirkt, soweit man das in dem Zusammenhang sagen kann, relativ „harmlos“. Die eigentliche „tortur“ von Lara liegt in dem Gestrandetsein und Überleben auf einer tropischen Insel, gespickt mit gefährlicher Fauna/Flora, gefährlichen Fallen und modernen Piraten. Was der Produzent sagt ist trotzdem bekloppt.

Aber gerade im Computerspiel-Geschäft sind Produzenten eben mehr PR-Menschen als tatsächliche „Spielemacher“. Im Zusammenhang mit der gerade stattfindenden (oder schon vorbei?) E3-Messe (Publikumsmesse, hauptsächlich männliche Besucher, massenweise „Booth Babes“) überraschen mich solche Aussagen überhaupt nicht.

Ähnliches PR-Blabla findet man auch bei Filmen über „starke Frauen“, die durch „harte Zeiten“ gehen. Und wie gesagt, im Computerspiel steuert man keine Frau, sondern einen Cursor, der vielleicht wie eine Frau aussieht. Da ist mir eine Lara Croft mit „normalen“ Proportionen und „menschlichem“ Charakter lieber, als eins übersexualisierte, ballonbrüstige Killermaschine.“

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Stefan: „“In the new Tomb Raider, Lara Croft will suffer. Her best friend will be kidnapped. She’ll get taken prisoner by island scavengers. And then, Rosenberg says, those scavengers will try to rape her.“

Hier ist ein interessanter Artikel im „Guardian“ (Link):

„That doesn’t mean no storyteller or video game should ever tackle rape – of course they should, where a story demands it – but if the only reason to include sexual violence is to emphasise a woman’s vulnerability or a man’s evilness, then it’s fair to question why a threat of murder is not enough.“

„The idea that Lara – like Samus from Metroid – should have an origin story in which she is weak in order to explain her strength is difficult to swallow. Male characters are generally permitted to be strong without needing a back story in which they are broken – why should female characters be different? Why do we need to protect Lara through an awful ordeal for her strength to make sense?“

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Freund C.: „Kann ich alles verstehen. NUR: Das sind Konventionen/Tropen, die schon viel länger bestehen und mit dem eigentlichen Spiel nichts zu tun haben. Da könnte auch Indiana Jones rumturnen und „vergewaltigt“ werden. Und noch wird über ein Spiel geredet, dass erst in einem Jahr erscheint und das noch so gut wie niemand gespielt hat und das noch einigen Veränderungen unterliegen wird. Wir reden hier von PR, die über einen kalkulierten „Skandal“ fleißig Aufmerksamkeit generiert und allen springen darauf an. Ich spiele da einfach zu gerne des Teufels Advokat.“

Und das der Produzent bei der Inhaltbeschreibung auch die „versuchte Vergewaltungen“ betont streite ich ja auch nicht ab. Ich weise nur darauf hin, wie einzelne Interviewschnippsel da möglicherweise bewusst zu neuen Zusammenhängen verbunden wurden. Die Jungs von Kotaku sind nun leider auch nicht für sachlichen Journalismus bekannt.

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Freundin J.: „Nee, da könnte nicht Indiana Jones rumturnen und „vergewaltigt“ werden. Indiana Jones würde von halbnackten Amazonen gekidnappt werden und erst als ihm bewusst wird, dass der Sex höchstwahrscheinlich mit seinem Tod als Opfergabe endet, finden wir das nicht mehr ganz so spaßig. Das will ich sehen, dass in einem Mainstream Medium eine versuchte Vergewaltigung an einem Mann von einem Mann als PR Gag benutzt wird. Das ist schwul. Das geht nicht. Das glaubst du doch selbst nicht, oder?“

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Freund C.: „Nein, das glaube ich nicht und das wollte ich mit dem Beispiel auch nicht sagen. Was ich sagen wollte: Ganz egal, wer an der audiovisuellen Oberfläche von wem „vergewaltigt“ wird, am SPIEL ändert sich NICHTS. Das ist das große Missverständnis. Wir unterhalten uns hier gerade NUR über die Oberfläche des Mediums und über – offensichtlich sehr erfolgreiche – Skandalierungs-PR-Kampagnen, die ebenso dumm wie verbreitet sind. Worauf ich hinaus will ist, dass das hier keine neue Dimension des Diskurses durch das „interaktive“ [ARRRRGH!] Computerspiel angestoßen wird. Ich verstehe den Hinweis darauf, dass die Vermaktung von „Tomb Raider“ (2013) so nicht wirklich vertretbar ist und ganz alte Klischees/Tropen/etc. anspricht, ich verstehe aber nicht die Polemik, die Unreflektiertheit und die Reflexhaftigkeit mit der sofort losgefeuert wird. Es ist ein emotional aufgeladenes Thema, nach der Empörung sollte aber mal eine sachliche Auseinandersetzung folgen, die den Stein des Anstoßes in die bereits bestehenden Kontexte einordnet und sinnvolle Kritik leistet.

[PS: Homosexualität, auch männliche, ist mittlerweile Teil einiger Computerspiele und wird sehr Medien-wirksam für PR benutzt:

Just saying!]“

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Freundin J.: “ Ich rede nicht von Homosexualität, sondern von sexueller Gewalt gegen Männern. Aber dann bewegen wir uns ja wieder in die andere Richtung.“

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Stefan: „Nochmal fürs Protokoll: Mir ist das Medium hier… komplett egal: Ein PR-Mensch sagt (meinetwegen ALS PR-Maßnahme – wobei ich nicht sehe, inwieweit ihn das entschuldigt / es seine Aussagen harmloser/besser/einfacher zu verstehen macht)… dass eine Heldin in Zukunft NOCH anrührender, stärker und interessanter erscheinen wird, WEIL SIE mit sexueller Gewalt bedroht wird.

Wie das im Spiel „auserzählt“ wird, ist wichtig, ja. Und ich verstehe, wenn du sagst: „Wollen wir nicht erstmal alle auf das Spiel warten?“

Aber das, WAS mich stört / was ich hier festhalten (und: beklagen) will, hat nichts mit der späteren Ausgestaltung innerhalb der Spielwelt, und NICHT EINMAL etwas mit der Tatsache, dass wir grade übers Medium „Videospiel“ sprechen, zu tun:

Wenn die Barbie-Leute gesagt hätten „Barbie ist so willensstark, weil sie sich gegen Missbrauchsversuche gewehrt hat und durch diese Traumata stärker wurde…“ …wäre ich GENAU SO wütend / ratlos.

Also: Wann und wie diese Geschichte dann auserzählt wird, und wie Spieler in ihr reagieren / wirken können, ist NICHT mein Problem / Kritikpunkt. Sondern die Behauptung: Lara Croft ist heute, wer sie ist… WEIL sie sich gegen sexuelle Gewalt wehren musste.

Freundin J. hat Recht, dass so etwas männlichen Figuren sehr selten passiert. Ich kenne EINE (homosexuell aufgeladene) Folter-Szene in James Bond („Casino Royale“, habe nur das Buch gelesen). Aber… Batman, Iron Man, Harry Potter, Spider-Man usw. wurden in ihren „Origin Stories“, in denen sie wurden, was sie sind, alle erstmal NICHT sexuell belästigt.

Bei Frauen dagegen ist das trauriger Standard.“

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Freund C.: „Ich verstehe das alles und überschreibe das auch so. Und ich entschuldige niemanden. Ich stoße mich am initialen „okay… WHAT?“ und ein paar ähnlichen Kommentaren, die suggerieren „hier passiert etwas NEUES / ÜBERRASCHENDES / UBEKANNTES“.

Das ist in meiner Wahrnehmung nicht der Fall. Alles schon dagewesen. Und DAS ist für mich der Skandal, das worüber man sich gerne aufregen/empören kann: Das hier eben nichts Neues passiert. Nichts. Und das ist schrecklich. Und umso schrecklicher, je mehr es skandalisiert wird. Ich bin mir SEHR sicher, dass das bei „Tomb Raider“ Kalkül der PR ist.

Homosexualität, „Vergewaltigungen“, Amok generieren viel Aufmerksamkeit. Man kann sich auch jetzt schon sicher sein, dass das neue „Call of Duty: Black Ops 2“ wieder einen solchen Skandal vom Zaun brechen und am Ende mehr vom Spiel verkauft wird als Menschen „Avatar“ gesehen haben. Und das funktioniert so gut, weil so viele Leute laut „WHAT?“ rufen, statt sich das Spiel einfach erstmal anzuschauen. Dann entpuppt sich der große Skandal meist als relatives Pillepalle.

Der „Columbine-Simulator“ namens „Bully“ entpuppte sich als relativ harmlose Schulhofrauferei, der „Rape-Simulator“ namens „GTA: San Andreas“ entpuppte sich als pubertäres, einvernehmliches Soft-Porno-Rumgeficke… etc. Die Beispiele sind SEHR vielfältig und vielzählig!

Und wenn ich mir die Szenen der „versuchten Vergewaltigung“ von Lara Croft im Trailer so anschaue, stellt sich das NOCH recht unspektakulär dar: Ekliger Typ berührt Lara an Schulter und Hüfte und kriegt ihr Knie in die Eier. Typ versucht Lara am Hals zu küssen und kriegt das Ohrläppchen abgebissen. Kein großes Kino, aber eben doch Kino, das ich schon viel VIEL schlechter, dümmer, skandalträchtiger gesehen habe.

Das entschuldigt nicht die plumpe PR und den latenten Sexismus. Dennoch würde ich mich wohler fühlen mit einem: „Schaut mal her, hier wird SCHON WIEDER sexistische PR gemacht und ein Skandal inszeniert, aber ich mache nicht mit, sondern möchte darauf hinweisen, dass in der Darstellung von Frauen und Weiblichkeit in allen Medien noch einiges schief läuft.“

[In einem meiner absoluten Lieblingsspielen – „Killer7“ – findet sogar eine „Vergewaltigung“ an einem alten, paralysierten, bewusstlosen Mann im Rollstuhl durch eine Frau statt: . Harman Smith, der Typ im Rollstuhl ist quasi die Hauptfigur des Spiels.]

http://www.youtube.com/watch?v=a4dm7-84GRw

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Stefan: So weit die Diskussion. [Hier im Blog: leicht gekürzt!]

Ich hätte gerne noch gepostet, warum diese „Frauen am Nullpunkt? Da BRAUCHT es sexuelle Gewalt, als besonderen Kick!“-Erzählmechanik sehr, sehr problematisch ist.

Und als Erklärung / Kontext zur „Rape as Backstory“-Liste von TV Tropes verlinkt:

Sie zeigt, dass weibliche Figuren STÄNDIG nicht nur körperlich, sondern explizit sexuell bedroht werden. Ein männlicher Held wie James Bond wird auch hin und wieder sexuell belästigt / gefoltert.

Aber bei einer Frau sind solche Belästigungen / Vergewaltigungen oft… trauriger Standard. Eine Heldin wird von ihrer Feinden VIEL ZU OFT immer auch sexuell bedroht / verletzt.

Um solche Klischees aufzuzeigen und – auf einen Blick – zu verdeutlichen: „Das ist keine neue, frische Idee. Sondern ein müdes, bequemes, ausgelutschtes und gefährliches Erzählmuster“…

…war TV Tropes bisher die beste Adresse.

Doch das TV Tropes Wiki möchte – vorerst, und nie wieder im Wortlaut „Rape“ – über Vergewaltigungen sprechen…

…weil Google Adsense die Seite als „restricted“ einstuft, sobald das Wort zu oft auftaucht – und ihnen damit benötigte Werbeeinnahmen verloren gehen.

Also zensiert sich das gesamte Wiki seit einer Woche kollektiv selbst und ersetzt (jugendfreie / kulturwissenschaftliche) Einträge wie „Vergewaltigung als Backstory einer Figur“…mit einer leeren, weißen Seite:„We do not want a page on this topic. It does not meet our content policy.“
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Das Problem?

Hier haben ja keine Vergewaltigungs-Fetischisten oder Creeps geschmacklose Websites erstellt. Sondern Feministen / Kulturwissenschaftler / Nerds Beispiele aus Medien gesammelt und kontextualisiert, um sie kritisch zu durchleuchten.

Hier geht also – kulturwissenschaftlich / in unserer Medienkritik – eine sehr, sehr wichtige Ressource verloren.

Google… erzieht / sagt / entscheidet:

Wenn du online über Dinge wie Pornografie und Vergewaltigung schreibst, verlierst du Werbeeinnahmen.

Es ist einfacher, das Thema pauschal auszuklammern / tot zu schweigen.“


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Update / Schlusswort, Freund C.: „Ohne die Diskussion unnötig in die länge zu ziehen, hier noch einmal meine Kern-Gedanken:
1. Ob die „Rape as Backstory“-Trope im „Tomb Raider“-Reboot klar als solche zu identifizieren ist und welchen Platz sie im gesamten Spiel einnimmt, wird sich erst 2013 zeigen, wenn der Diskussionsgegenstand tatsächlich erhältlich ist.

2. Dass der Verdacht der „Rape as Backstory“-Trope aufgekommen ist, basiert, soweit ich das wahrnehmen kann, a) auf – mutmaßlich kalkuliert Skandal-schwangeren – PR-Aussagen und b) der Redaktion des Interviews durch Kotaku, ein Online-Nachrichtenportal zu Computerspielkultur, das durchaus dafür bekannt ist, durch boulevardesque Berichterstattung Clicks zu fischen.

Wie sich die Aussagen des Produzenten von „Tomb Raider“ tatsächlich, im Zusammenhang des ganzen Interviews darstellen, lässt sich gerade noch nicht nachvollziehen.

3. Es ist zwar wichtig, sich mit „Backstories“ im Computerspiel zu beschäftigen, eine ausschließliche Beschäftigung mit der „Backstory“ ist aber nicht ausreichend. Die Konzentration auf den INHALT des Mediums lenkt von der Eigenart des Mediums ab.

Tatsache ist, dass es für ein Computerspiel keinen großen Unterschied macht, wie die Spielfigur aussieht, was ihr in Zwischensequenzen angetan wird und was ihre „Geschichte“ ist. „Tomb Raider“ (1996) liefert dafür die Schlüssel-Anekdoten:

a.) Ursprünglich war ein männlicher Hauptcharakter geplant, aber man fürchtete rechtliche Probleme aufgrund der Ähnlichkeit des geplanten Franchise zu Indiana Jones. Also entschied man sich einfach für eine weibliche Grabräuberin.

b) Mit der Zeit hat man Lara Croft immer mehr „Backstory“ verpasst und damit ihre ikonischen Eigenschaften untergraben, die sie vorher so anknüpfungsfähig an alles Mögliche gemacht haben. Die Bedeutung des Franchise nahm in der Folge ziemlich ab. Ich glaube darauf wollte Freund M. mit seinem Kommentar hinaus.

Es wird nun aber mal Zeit, dass man die reine „Mechanik“ namens Lara Croft in den Blick nimmt und sich fragt, was für algorithmische Tropen es gibt, wie sich Gender und Sexismus auch in Form von Spielregeln und Spielstrukturen manifestieren. Dafür ist die Debatte bislang blind und das ist ein Problem. Wenn wir spielen, verinnerlichen wir spielmechanische Ideologie.

4. Alle Diskurse, Argumente und Kontexte zu diesem Thema sind wichtig und gut! Vorschnelle und/oder polemische Beiträge verursachen in mir aber ein flaues Gefühl und lassen mich leidenschaftliche „Teufels Advokat“-Positionen einnehmen, weil sie mir zu einfach und monoperspektivisch sind und die Wahrnehmung von wichtigen Details behindern.

5. Spannende Diskussion! 🙂

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