She-Hulk

Kranksein im Comic: Ausstellung „SICK! Reclaiming Illness through Comics“, Medizinhistorisches Museum der Charité Berlin

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Im Sommer 2016 fällt die Superheldin She-Hulk nach einem Kampf ins Koma. Ihr Hirn heilt rasch. Doch eine posttraumatische Belastungsstörung reißt ihr seitdem den Boden unter den Füßen weg – erzählt auf über 200 Seiten, im aktuellen Mainstream-Comic „Hulk“.

Oder stell dir vor, du kämpfst mit Behörden, bis dein autistischer Sohn auf inklusive Schulen darf. Mit 13 wird er geschlechtsreif: Tabuisierst du Selbstbefriedigung? Oder hilfst du, Rückzugsorte zu finden? Der Pädagogik-Ratgeber-Manga „With the Light“ von Keiko Tobe gibt feinfühlige Tipps. 3000 Seiten lang.

Was aber lässt sich schon auf EINER einzelnen Comic-Seite zeigen?

Noch bis März stellt das Medizinhistorische Museum der Charité Berlin 13 solcher einzelnen Seiten aus 13 – meist sehr kurzen – Comics aus:

10 Frauen und 3 Männer aus 8 Ländern finden hier ganz eigene Bilder, Metaphern und Haltungen. Zu Pflege und zu Heilung. Zu Trauma und zu Sterblichkeit. Was diese Bildsprachen – Ikonografien – neu, spannend oder künstlerisch besonders macht, erklären kuratorische Texte auf 12 großen Aufstellern. Und ein lese- und einsteigerfreundlicher Ausstellungskatalog.

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„Legen Sie sich hin und entspannen Sie sich!“ Jeden Morgen um 6 Uhr 45 lag ich zum Ultraschall und für die Blutuntersuchung in der Klinik. „Machen Sie sich frei. Legen Sie sich hin und entspannen Sie sich! LEGEN SIE SICH HIN UND ENTSPANNEN SIE SICH!“ Ich wurde zur Laborratte für Fruchtbarkeitsbehandlungen.“

Im Comic „Broken Eggs“ von 2014 zeigt Emily Steinberg in sarkastisch verzerrten, wilden Tableaus, wie ihr Wunsch, schwanger zu werden, von einer privaten Frage… zu einem medizinischen Hindernisparcours wurde, der ihr Leben beherrschte – auf knappen 67 Seiten.

Cartoonist Christoph Geiger nimmt sich nur EINE Seite für seinen Comic „Work to do that can’t wait“:

Ein Mann baut Wände aus blauem Stein. Sein Freund fragt: „Wollen wir essen?“ Doch dafür nimmt er sich keine Zeit. „Dann Frühstück?“ – „Nein. Keinen Hunger.“ Am Ende hat er sich selbst eingemauert. „Fertig jetzt?“ – „Ich weiß nicht. Gut, dass du kommst. Hilf mir hier raus.“

Ausgestellt werden diese – etwas schmalbrüstigen – kurzen Grafiken in der Sammlung von Dr. Rudulf Virchow. Ein langer, grauer Raum voller Regale mit Präparaten aus dem 19. Jahrhundert: Wasserköpfe, Embryos, in Glas versiegelte Tumore, tote Haut. Die Illustratorin Stef Lenk erklärt, wie die simplen Aufsteller mit 13 Comics neben den – beklemmenden – Exponaten wirken:

„Es war uns aber wichtig, dass wir die Comics zusammen mit dieser Sammlung präsentieren konnten. Diesen Kontrast zwischen – ich sag mal – der Wahrheit oder medizinischen Tatsache – mit Kunst und autobiografischer Erzählung. Damit die Leute das vergleichen können. Dass es eine Zusammenbrücke gibt. Man sieht einfach Organe, man denkt: Was ist das denn? Und im Vergleich mit diesen ganz einfachen Darstellungen oder Repräsentationen wird es klar – die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.“

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„Sick! Kranksein im Comic“ heißt die zweisprachige Ausstellung. Mangas und Superhelden bleiben ausgespart. An einer Literaturgeschichte oder einem Best-of ist die (wirklich: kleine!) Ausstellung nicht interessiert. Stattdessen geht es um zwei konkrete Fragen:

„Das emotionale und persönliche Erleben von Kranken, Angehörigen und medizinisch Tätigen kommt in der entpersonalisierten Sammlung des Pathologen Rudolf Virchow nicht vor. Wir stellen den Präparaten Comics gegenüber, die individuelle Geschichten erzählen.“ …schreibt Kuratorin Dr. Uta Kornmeier.

In allen 13 Werken werden Menschen von etwas Fremden, Unpersönlichem gerammt: Krankheit und Sterblichkeit. Dazu beziehen sie – sehr persönlich – künstlerische Position. Zufäliges Pech und Leid werden so zum selbstbestimmten Narrativ. Auch im englischen Untertitel der Ausstellung, „Reclaiming Illness through Comics“, schwingt so die Frage: Was setzt man Krankheiten entgegen? Persönlich? Und künstlerisch?

Der Arzt und Comiczeichner Ian Williams suchte 2012 einen Gattungsbegriff für Comics, die solche Fragen auch mit besonders medizinischem, psychologischem und didaktischem Anspruch weiter denken: „Graphic Medicine“. Als Gastredner eröffnete er nicht nur die Ausstellung, sondern auch einen begleitetenden „Graphic Medicine“-Kongress der FU Berlin.

„Sick! Kranksein im Comic“ wendet sich an Neulinge – auch durch den Ausstellungs-Katalog, der viele Comic-Grundregeln einfach erklärt. Die 250 Menschen, die zur Eröffnung den Vorträgen zeichnender Ärzte und Pflegekräfte applaudierten, sind aber auch: medizinisches Fachpublikum. Interessiert an neuen Perspektiven auf ihre Arbeitswelt. Bilder und Bildfolgen – erklärt Cartoonistin und Krankenpflegerin MK Czerwiek – können auf engstem Raum anschaulich, persönlich, subjektiv UND lehrreich sein:

„Mein Comic ‚Taking Turns‘ bündelt die Oral History der Krankenstation, auf der ich gearbeitet habe. Dazu mein persönlicher, autobiografischer Blick. Und Wissen über HIV und AIDS, von dem ich wünschte, es würde an Schulen gelehrt: Junge Leute an der Uni haben oft gar kein Bild der AIDS-Krise der 80er und 90er Jahre.“

Es gibt tolle, lange Graphic Novels zum Thema: „Stiche“ von David Small. Oder „Das große Durcheinander: Alzheimer, meine Mutter und ich“ von Sarah Leavitt.

Die „Sick!“-Veranstalter*innen kennen Kanon und Klassiker.

Doch sie haben ein anderes Ziel: Nachwuchs und Geheimtipps sichtbar machen. Immer: möglichst kurze Werke, die sich auf EINEN Blick vermitteln.

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zwölf Graphic Novels / Comics zum Thema, die ich las und empfehle:

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…und zwei Favoriten zu Sterblichkeit & Tod: „Daytripper“ (Fabio Moon, Gabriel Ba) und „Royal City“ (Jeff Lemire)

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Graphic Novels, die das „Sick!“-Team selbst empfiehlt – und die auch im Rahmen der Ausstellung zum Reinlesen bereit stehen sollen:

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HENRY BEAUMONT: „Hole in the Heart“  |  ALISON BECHDEL: „Fun Home“  |  GARRETH BROOKS: „A Thousand Coloured Castles“  |  ALLIE BROSH: „Hyperbole and a Half“  |  ROLAND BURKART: „Wirbelsturm“  |  IAN WILLIAMS u.a.: „Graphic Medicine Manifesto“  |  MK CZERWIEC: „Taking Turns“  |  PETER DUNLAP-SHOHL: „My Degeneration“  |  LIZA FUTTERMAN & EVI TAMPOLD: „Keeper of the Clouds“  |  MELANIE GERLAND: „Offene Arme“  |  PHOEBE GLOECKNER: „A Child’s Life“  |  RETO GLOOR: „Das Karma-Problem“  |  JUSTIN GREEN: „Blinky Brown meets the Holy Virgin Mary“  |  DAVID HAJDU: „The Ten-Cent Plague“  |  JENNIFER HAYDEN: „The Story of my Tits“  |  PAULA KNIGHT: „Facts of Life“  |  PAULA KNIGHT: „X-Utero“  |  MARISA MARCHETTO: „Cancer Vixen“  |  NATE POWELL: „Swallow me whole“  |  DANIELA SCHREITER: „Schattenspringer“  |  LORENZO SERVITJE u.a.: „The Walking Med“  |  DAVID SMALL: „Stitches“  |  ANNA SOMMER: „Eugen und der freche Wicht“  |  ANNA SOMMER: „Julie ist wieder da“  |  ART SPIEGELMAN: „Maus“  |  EVI TAMPOLD: „The Hallway Closet“  |  FABIEN TOULMÉ: „Dich hatte ich mir anders vorgestellt“  |  UNA: „Becoming, Unbecoming“  |  IAN WILLIAMS: „Bad Doctor“  | DAWN WING: „What you left behind“  |  JUTTA WINKELMANN: „Mein Leben ohne mich“  |  ANEURIN WRIGHT: Things to do in a Retirement Home Trailer Park when you’re 29 and unemployed“

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Mir selbst war die Ausstellung zu klein gehalten: wenige Stellwände, wenig zu sehen – fast kein Comic, das sich 200, 400 Seiten Zeit nimmt.

Ich mochte, 2016 im schwulen Museum Berlin – bunter, umfassender, origineller:

„Superqueeroes“, über queere Comics

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Ass, Tits, „Civil War“: The Women of Marvel Comics, 2006 vs. 2016

marvel civil war

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I’m an expert on DC Comics: Superman, Wonder Woman, Batman, Green Lantern.

I know that Marvel Comics – Spider-Man, X-Men, The Avengers, Fantastic Four – usually uses MUCH better artists. Most of the time, Marvel books are sleeker, more stylish and attractive.

For a long time, though, I did not enjoy the Marvel tone: too much self-hate and bickering among the heroes, too many rather desperate pop culture and TV references that made the comics seem very dated too fast, not a lot of grown-up characters/relationships/conflicts.

Since 2012, I have read about 40 Marvel Comics collections, and I’m happy with many, many of their female-driven and/or quirky younger titles: „Ms. Marvel“, „Silk“, „She-Hulk“, „Hawkeye“. Other titles like „FF“, „Storm“, „Young Avengers“ and „Squirrel Girl“ have some (writing) problems – but I enjoyed them nonetheless.

In 2013, I translated Alan Cowsill’s „The Avengers: The Ultimate Character Guide“ into German, for DK Publishing:

Here’s the first German edition, 2014 – a collaboration with translator and friend Lino Wirag:

And here’s the updated edition, from 2015:

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I spent more than 3 months researching all these characters – but I still have not read that many actual „Avengers“ books: I dislike big, blockbuster-like team books because they tend to be less character-focused. Also, there are lots of Marvel movies that I haven’t seen yet – but since I enjoy the writing of Mark Millar (I liked „Jupiter’s Legacy“, „Superman: Red Son“ and „Starlight“), I thought it was time to read his 2006 Marvel Comics „The Avengers“ crossover blockbuster „Civil War“.

There’ll be a movie version (May 5th, 2016): „Captain America: Civil War“.

The seven-part „Civil War“ comic books (2006) had a LOT of problems – most of them outlined here (Link: TV Tropes), and all in all, it seemed like a less cerebral and complex version of DC’s solid 2012 Batman-vs.-Superman dystopia „Injustice: Gods among us“ (recommended!).

Writing and characterization of „Civil War“ were hit-and-miss.

And some of the female characters threw me off: I know She-Hulk, Ms. Marvel, Spider-Woman etc. from their 2013, 2014, 2015 comic books. Lots of these books have GREAT, quriky art. Here’s Charles Soule’s and Javier Pulido’s „She-Hulk“, for example:

She-Hulk (USA)

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Ten years ago, in 2006, mainstream comics often focused on „Tits & Ass“-style cheesecake. It’s not a Marvel problem: Many DC books were just as oversexed and cheesy. Ed Benes might be best-known worst offender at DC (Link, 2005).

All in all, I really can’t recommend „Civil War“. Inconsistent writing, inconsistent characters, a conflict that often borders on nonsensical. I don’t think the art style is the problem of this series, and I don’t think „Civil War“ is a particularly bad or sexist super-hero comic: „Civil War“ artist Steve McNiven is quite skilled – and likes detailed, often well-framed, atmospheric tableaus of super-heroes in dramatic poses. I also like the way he designs rooms, government facilities etc.

Still: It’s encouraging to see how far we’ve come.

In 2015, there are MUCH more appealing, often female-driven Marvel comic books.

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If I think of characters like She-Hulk, Ms. Marvel or Maria Hill, I’m glad that THESE cheesy, stripperific poses are not the first or only thing that come to mind, anymore:

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk and Carol Danvers, Ms. Marvel, in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Dagger in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Ms. Mavel vs. Spider-Woman in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Captain America, She-Hulk, Ms. Marvel and Spider-Woman in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm and Namor in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

 

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Tigra in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Namorita in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Emma Frost in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Ms. Marvel in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill and She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Tigra, ???, She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

??? (Sersi?) „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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a human bystander/clubgoer:

a human bystander/clubgoer in "Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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Spider-Man (Peter Parker, in a short-lived alternative costume):

"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

„Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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and She-Hulk, defeated and maybe unconscious, on a battlefield:

"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

„Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

 

"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

„Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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Here’s me at the 2015 Leipzig Book Fair with a She-Hulk cosplayer:

She-Hulk, Stefan Mesch