Roman

Die besten Jugendbücher 2019 – Entdeckungen zur Leipziger Buchmesse

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Ich schreibe einen Roman über Sechzehnjährige. Ich lese seit ca. 2009 Young-Adult-Literatur, empfehle Titel bei ZEIT Online und veröffentliche immer wieder auch längere Texte über z.B.“Mockingjay” (Link) oder neue Dystopien (Link). Meine Lieblings-Jugendbuchautorin ist A.S. King (Link).

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Mehrmals jährlich stelle ich hier im Blog unbekannte oder neue Bücher vor.

Heute: aktuelle Jugendbücher und Young-Adult-Literatur, erst neu auf Deutsch, weiter unten: englischsprachig.

Neue Titel oder Neuausgaben – erschienen zwischen Frühling 2018 und Frühling/Sommer 2019. Angelesen, gemocht und vorgemerkt.

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gelesen und gemocht:

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STEFANIE HÖFLER: „Der große schwarze Vogel“, Beltz & Gelberg, Juli 2018

„Bens Mutter stirbt völlig unerwartet – an einem strahlenden Oktobertag. Ben erzählt von der ersten Zeit danach und wie er, sein Bruder Krümel und Pa klar kommen – oder eben nicht. Mit einem Mal ist nichts mehr so, wie es war. Doch manchmal geht das Leben nicht nur irgendwie weiter, sondern es passieren neue, verwirrende und ganz wunderbare Dinge.“ [mehr: Goodreads]

Ich mochte Höflers Debüt, „Mein Sommer mit Mucks“, mehr – Ben bleibt recht farblos, passiv und hat keine besonders interessanten Impulse oder Ideen. Trotzdem: Die beste deutschsprachige Jugendbuchautorin, die ich kenne. Starkes Thema, intensives Buch.

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LAURIE HALSE ANDERSON: „Sprich“, dtv, Juni 2019

„Wehr dich! Sprich! Melinda freute sich auf der erste Jahr an der High School. Doch jetzt ist alles wie ein böser Traum: Von ihrer Freundin wird sie geschnitten, die Mitschüler reagieren abweisend. Melinda gilt als Zicke, seit sie auf jener Party die Polizei gerufen hat, aber nicht sagen wollte, warum. Sprechen kann und will sie nicht darüber. Es dauert ein Jahr, bis Melinda ihre Sprache wiederfindet – und mit ihr die Kraft, sich zu wehren.“ [mehr: Goodreads]

Zerquält, trocken, solide: Ich las das Buch 2010 im Original und hoffe, dass es mittlerweile bessere Jugendbücher gibt, die über Trauma, sexuelle Gewalt und Toxic Masculinity erzählen. 2004 gab es eine Verfilmung mit Kristen Stewart, 2019 kommt eine Graphic Novel.

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angelesen und gemocht:

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ADAM SILVERA, „Am Ende sterben wir sowieso“, Arctis, September 2018

„Was, wenn das Schicksal bei dir anklopft – um zu sagen, dass du stirbst? Am 5. September, kurz nach Mitternacht, bekommen Mateo und Rufus den Anruf der »Death Cast«: Sie werden heute sterben. Noch kennen sie sich nicht. Doch aus unterschiedlichen Gründen beschließen sie, an ihrem letzten Tag einen neuen Freund zu finden. Dafür gibt es die App ›Last Friend‹. Zusammen werden sie ein letztes großes Abenteuer erleben – und ein ganzes Leben an einem einzigen Tag verbringen.“ [mehr: Goodreads]

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ADAM SILVERA: „Was mir von dir bleibt“, Arctis, 22. März 2019

„Freundschaft, Liebe, Verlust, Trauer, Selbstsuche: Als Griffins erste Liebe und Exfreund Theo bei einem Unfall stirbt, bricht eine Welt zusammen. Obwohl Theo aufs College nach Kalifornien gezogen war und anfing, Jackson zu daten, hatte Griffin nie daran gezweifelt, dass Theo eines Tages zu ihm zurückkehren würde. Für Griffin beginnt eine Abwärtsspirale. Er verliert sich in seinen Zwängen und selbstzerstörerischen Handlungen. Seine Geheimnisse zerreißen ihn innerlich. Sollte eine Zukunft ohne Theo für ihn überhaupt denkbar sein, muss Griffin sich zuerst seiner eigenen Geschichte stellen.“ [mehr: Goodreads]

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AMI POLONSKY: „Und mittendrin ich“, cbj, 24. Juni 2019

„Was wäre, wenn dein Äußeres das genaue Gegenteil deines Inneren wäre? Du deine Sehnsucht einfach nicht mehr länger geheim halten könntest? Würdest du den Mut haben, du selbst zu sein? Bisher machte sich [trans Mädchen] Grayson, 12, in der Schule unsichtbar. Als eine unerwartete Freundschaft und ein verständnisvoller Lehrer Grayson ermutigen, ins Rampenlicht zu treten, findet Grayson endlich einen Weg, ihre Flügel auch im wahren Leben zu entfalten.“ [mehr: Goodreads]

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ASTRID LINDGREN: „Das entschwundene Land“, Oetinger, Mai 2018

„Das entschwunde Land ist das glückliche Land Lingrens Kindheit. Zwischen Mägden und Knechten, Armenhäuslern und Landstreichern wuchsen sie und ihre Geschwister auf einem Hof nahe der schwedischen Kleinstadt Vimmerby in Småland auf. Dort, wo irgendwann im Jahr 1888 die Liebesgeschichte ihrer Eltern begann und ein Leben lang dauerte. Aktualisierte und neu gestaltete Autobiographie der weltberühmten Kinderbuchautorin.“ [Wird ca. alle fünf Jahre neu aufgelegt. mehr: Goodreads]

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CLARA ASSCHER-PINKHOF: „Sternkinder“, Dressler, September 2018

„Kindersicht auf die Gräuel des Nationalsozialismus. „Sternkinder“, das waren die jüdischen Kinder, die den Davidstern tragen mussten. Sie erfuhren die Schrecken der Konzentrationslager und verstanden doch oft nicht, was mit ihnen geschah. Clara Asscher-Pinkhof, die selbst deportiert wurde und nur durch großes Glück überlebte, beschreibt die Verfolgung durch die Augen der Kinder. Das früheste Dokument über das Schicksal jüdischer Kinder, erschienen 1946.“ [mehr: Goodreads]

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CLAIRE CHRISTIAN: „Du bringst mein Leben so schön durcheinander“, Thienemann, Februar 2019

„Ava ist das beliebteste Mädchen der Schule. Gideon der schüchterne Junge von nebenan. Beim Nebenjob im Schnellrestaurant lernen die beiden sich kennen. Ava mag Gideon sofort, weil er anders zu sein scheint. Zum Beispiel als er zugibt, weder ein Handy noch Internet zu haben und vorschlägt, stattdessen Briefe zu schreiben. Dann wird aus der Freundschaft Liebe.“ [mehr: Goodreads]

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JEAN WEBSTER, „Daddy Langbein“, Anaconda Verlag, März 2018

„Die junge Jerusha kann wunderbar schreiben. Deshalb schickt ein reicher Gönner das Waisenkind aufs College. Er erwartet dafür jeden Monat einen Brief, in dem das Mädchen über ihre Fortschritte berichtet. Jerusha ist in ihrem Element: freimütig und frech, voller Beobachtungsgabe und übersprudelnder Fantasie schildert sie dem ihr unbekannten Mann, den sie Daddy Langbein nennt, wie sie vorankommt und was sie bewegt.“ [mehr: Goodreads]

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JULIE BUXBAUM, „Tell me three Things“, Luebbe One, Juni 2018

„Jessie hat eine neue Schule – und bekommt eine anonyme Mail mit Ratschlägen, wie sie den Schulalltag überstehen kann. Sie beschließt, die Tipps zu befolgen und verliebt sich Nachricht für Nachricht mehr in den Absender. Doch wer ist der Unbekannte?“ [mehr: Goodreads; erschien schon 2016 als „Absender: Glück“ bei Boje]

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ELISABETH ETZ, „Nach vorn“, Tyrolia Verlag, August 2018

„„Geheilt“ – auch wenn sich Ärzte stets davor scheuen, ein „endgültig“ davor zu setzen. Doch der Port der 17-jährigen Helene ist draußen, der Krebs gibt Ruhe. Die Zeit im Krankenhaus ist vorbei. Man kann nicht einfach dort weitermachen, wo man vor eineinhalb Jahren aufhören musste. Den Schalter umkippen und wieder ein „normaler“ Teenager sein. Helene legt ihren alten Spitznamen ab und will statt Lene nun Hel genannt werden – Hel wie Hölle. Sie verliert gute Freundinnen und Freunde, um an einem unerwarteten Ort neue zu finden. Und arbeitet sich langsam in ein Leben, das mit ihrem alten wenig zu tun hat. Und die, die gestorben sind: Waren die einfach nicht tapfer genug?“ [mehr: Goodreads]

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NEAL SHUSTERMAN: „Kompass ohne Norden“, Hanser, August 2018

„Caden hält sich für einen normalen Jungen. Doch sein Verstand ist ein krankhafter Lügner: Manchmal ist Caden auf dem Weg zum tiefsten Punkt der Erde im Marianengraben, auf einem Schiff, auf dem die Zeit seitlich läuft wie eine Krabbe. In der Realität lässt Cadens Verstand harmlose Dinge wie einen Gartenschlauch zur tödlichen Gefahr werden. Als die Grenze zwischen realer und fantastischer Welt verschwimmt, begreift Caden: In den Tagen der Bibel hätte er vermutlich als Prophet gegolten, doch heute lautet die Diagnose: Schizophrenie.“ [mehr: Goodreads]

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HOLLY BLACK: „Elfenkrone“, cbj, November 2018

„Elfen sind schön wie das Feuer und gnadenlos wie Schwerter – bis ein Mädchen ihnen Einhalt gebietet. Cardan ist der Schönste von allen. Jude ist sieben, als ihre Eltern ermordet werden und sie gemeinsam mit ihren Schwestern an den Hof des Elfenkönigs verschleppt wird. Zehn Jahre später hat sie nur ein Ziel vor Augen: dazuzugehören, um jeden Preis. Doch die meisten Elfen verachten Sterbliche wie sie. Ihr erbittertster Widersacher: Prinz Cardan, der jüngste und unberechenbarste Sohn des Elfenkönigs. Doch gerade ihm muss Jude die Stirn bieten, wenn sie am Hof überleben will…“ [mehr: Goodreads]

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CHRISTELLE DABOS: „Die Verlobten des Winters“, Insel, März 2019

„Ophelia kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie. Doch sie soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen, Thorn, heiraten. Warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia macht sich auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause.“ [mehr: Goodreads. Erster Teil einer französischen Reihe]

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#norwegen2019 AMINA BILE, SOFIA NESRINE SROUR, NANCY HERZ: „Schamlos“, Gabriel (Thienemann-Esslinger), Februar 2019

„Drei junge Frauen – Muslimas, Bloggerinnen, Feministinnen – beziehen Position: Wie fühlt es sich an, ständig zwischen den Erwartungen ihrer Familien, ihrer kulturellen Identität und ihrem Selbstverständnis, als Jugendliche in einem westlichen Land zu leben, hin- und hergerissen zu sein? Sie haben Diskussionen angeregt, Tabu-Themen öffentlich gemacht und zahlreiche sehr persönliche Geschichten gesammelt. Dabei entstand ein bemerkenswertes, mutiges Buch. Ein Plädoyer für eine multikulturelle Gesellschaft.“ [mehr: Goodreads]

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#norwegen2019 MARTA BREEN: „Rebellische Frauen – Women in Battle. 150 Jahre Kampf für Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit“, Elisabeth Sandmann Verlag, Februar 2019

„Der Kampf ums Wahlrecht war zugleich der Kampf dafür, als vernünftige, rational denkende Menschen wahrgenommen zu werden. Frauen kämpfen seit über 150 Jahren für wirtschaftliche Unabhängigkeit, Bildung, Beruf und für das Recht über den eigenen Körper und das Recht, zu leben und zu lieben, wen man will. Neben Rosa Luxemburg, Emmeline Pankhurst und Malala Yousafzai werden auch weniger bekannte Protagonistinnen der Frauenbewegung portraitiert.“ [mehr: Goodreads]

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#norwegen2019 HAKON OVREAS: „Super-Laura“, Hanser, Mai 2018

„Super-Bruno und Super-Matze hatten ihren Auftritt – nun ist Super-Laura an der Reihe! Die Gemeinde bewilligt, dass ein reicher Unternehmer mitten in dem kleinen Dorf eine Geflügelfarm bauen darf. Das wäre das Ende für die Hütte von Laura, Matze und Bruno. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und will den Bürgermeister überzeugen, den Beschluss zurückzunehmen. Und sie will Geld sammeln, um das Grundstück selbst zu kaufen. Doch dafür fehlen mehrere Millionen. Zeit für Super-Laura!“ [mehr: Goodreads]

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sechs Titel, für dich noch keine Leseprobe vorliegt:

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ANGIE THOMAS: „On the come up“, cbj, 4. März

„Bri ist 16 und will berühmte Rapperin werden. Als Tochter einer Rap-Legende ist das nicht leicht: Ihr Vater starb, kurz bevor er den großen Durchbruch schaffte. Dann verliert ihre Mutter ihren Job. Plötzlich gehören Essensausgaben, Zahlungsaufforderungen und Kündigungen ebenso zu Bris Alltag wie Reime und Beats.“ [mehr: Goodreads]

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JUDITH VISSER: „Mein Leben als Sonntagskind“, HarperCollins, 1. Mai

„Jasmijn führt Tagebuch – doch redet nur mit ihrer Hündin Senta und mit Elvis Presley, mit dessen Postern sie ihr Zimmer tapezierte. Wie schaffen es andere Menschen bloß, dass sie immer wissen, wie sie sich verhalten sollen? Mit Senta und Elvis an ihrer Seite macht sich Jasmijn auf, dieses Geheimnis zu ergründen und ihr Glück zu finden. Der Bestseller aus den Niederlanden: ein berührender Roman über das Erwachsenwerden mit Autismus.“ [mehr: Goodreads]

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CORNELIA FUNKE: „Das Labyrinth des Fauns“, Fischer, 2. Juli

„Spanien, 1944: Ofelia zieht mit ihrer Mutter in die Berge, wo ihr neuer Stiefvater mit seiner Truppe stationiert ist. Der dichte Wald wird zum Königreich voller magischer Wesen. Ein geheimnisvoller Faun stellt dem Mädchen drei Aufgaben. Besteht sie, wird sie Prinzessin des Reiches. Immer tiefer wird Ofelia in eine phantastische Welt hinein gezogen, die wundervoll ist und grausam zugleich. Inspiriert von Guillermo del Toros grandiosem oscarprämierten Meisterwerk »Pans Labyrinth« schafft Bestsellerautorin Cornelia Funke eine Welt, wie nur Literatur es kann.“

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KATHLEEN WEISE: „Wenn wir nach den Sternen greifen“, Ueberreuter, 15. März 2019

„2039: Ianthe ist 17. Ihr Vater wurde für die erste bemannte Mars-Mission ausgewählt, und auf einem abgeschirmten NASA-Gelände am Strand verbringen alle Familien einen letzten Urlaub. Ianthe ist wütend, weil ihr Vater für seinen Traum die Familie verlässt. Sie hat ein Angebot von einem Plattenlabel in der Tasche. Der Haken: Sie müsste nach Seattle ziehen. Kann sie ihrer Familie eine weitere Veränderung antun? Was kostet es wirklich, seinen Traum zu leben?“

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INTI CHAVEZ PEREZ: „:respect. Das Sexbuch für Jungs“, Heyne, 12. August 2019

„Wie soll ein Schwanz aussehen? Sind Pornos in Ordnung? Was mögen Mädchen? Was mögen Jungs? Wie schütze ich mich selbst, und wie sage ich nein? Für den [schwedischen] Sexualpädagogen Inti Chavez Perez ist keine Frage zu groß, klein, tabu oder peinlich.“ [mehr: Goodreads; schon 2010 erschienen]

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NICO ABRELL: „Ich bin ich – und jetzt? Über Mobbing, Outing und das erste Mal“, dtv, 22. März 2019

„Nico ist 18 und schwul. Er liest, schreibt, singt und spielt Gitarre. Auf Youtube beantwortet er Fragen, spricht über seine Beziehung, Mobbingerfahrungen und Alltag, Diversity, Coming of Age und Sexualität. Nico gibt Tipps, die er vor einigen Jahren selbst gerne gehabt hätte: Was sind die besten Konter auf blöde Sprüche? Wie oute ich mich und muss ich das überhaupt? Wie überwindet man seine Ängste?“

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bisher nur auf Englisch – angelesen und gemocht:

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ADIS KHORRAM: „Darius the Great is not okay“, August 2018

„Darius Kellner speaks better Klingon than Farsi, and he knows more about Hobbit social cues than Persian ones. He’s about to take his first-ever trip to Iran, and it’s pretty overwhelming–especially when he’s also dealing with clinical depression and a disapproving dad. In Iran, he gets to know his ailing but still formidable grandfather, his loving grandmother, and the rest of his mom’s family for the first time. And he meets Sohrab, the boy next door who changes everything. Sohrab calls him Darioush–the original Persian version of his name–and Darius has never felt more like himself than he does now that he’s Darioush to Sohrab. When it’s time to go home to America, he’ll have to find a way to be Darioush on his own.“

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SUSIN NIELSEN: „No fixed Address“, September 2018

„Felix is 12. His mom is loving but unreliable and can’t hold onto a job, or a home. When they lose their apartment in Vancouver, they move into a camper van, just for August, till Astrid finds a job. September comes, they’re still in the van; Felix must keep „home“ a secret and give a fake address in order to enroll in school. When he gets to compete on a national quiz show, Felix is determined to win: The cash prize will bring them a home.“

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GUY JONES: „The Ice Garden“, Januar 2018

„Jess is allergic to the sun and has to stay in the hospital. Her only friend is a boy in a coma, to whom she tells stories. One night she sneaks out to explore the empty playground she’s longed to visit, where she discovers a beautiful impossibility: a magical garden wrought of ice. But Jess isn’t alone in this fragile, in-between place…“

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BECKY ALBERTALLI, ADAM SILVERA: „What if it’s us“, Oktober 2018

„Arthur is only in New York for the summer. Ben is on his way to the post office, carrying a box of his ex-boyfriend’s things. They meet at the post office. But what if Arthur tries too hard to make it work and Ben doesn’t try hard enough?“

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KATRIN VAN DAM: „Come November“, Oktober 2018

„Rooney’s mom just lost her job. She isn’t planning to get another one: The Next World Society has its members convinced they’ll be leaving Earth behind on November 17. To Ronney’s mother and younger brother it sounds like salvation. Their obsession threatens to tear their lives apart.“

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MELANIE SUMROW: „The Prophet calls“, November 2018

„‚Let’s play apocalypse!‘, my cousin yells. In the shade of the grocery store, my three mothers shake their heads in unison.‘ Gentry feels lucky to live among God’s chosen people in the Prophet’s compound, but when music is outlawed, Gentry and her older brother Tanner sneak out. Gentry begins to question the Prophet’s teachings and his revelations, especially when his latest orders put her family in danger. Can she escape the only life she’s ever known?“

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GLORY EDIM: „Well-read Black Girl“, Oktober 2018

„An inspiring collection of essays by black women writers on the importance of recognizing ourselves in literature: Remember that moment when you first encountered a character who seemed to be written just for you? That feeling of belonging remains with readers the rest of their lives—but not everyone regularly sees themselves on the pages of a book. Contributors include Jesmyn Ward, Jacqueline Woodson, Tayari Jones. Whether it’s learning about the complexities of femalehood from Zora Neale Hurston and Toni Morrison, finding a new type of love in The Color Purple, or using mythology to craft an alternative black future, the subjects of each essay remind us why we turn to books in times of both struggle and relaxation.“

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JACQUELINE WOODSON: „Harbor me“, August 2018

„Six kids have to meet for a weekly chat–by themselves, with no adults to listen in. What is bothering them? Esteban’s father’s deportation and Haley’s father’s incarceration, Amari’s fears of racial profiling and Ashton’s adjustment to his changing family fortunes. When the six are together, they can express the feelings and fears they have to hide from the rest of the world.“

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SHARON M. DRAPER: „Blended“, Oktober 2018

„Eleven-year-old Isabella’s blended family is more divided than ever: a thoughtful story about divorce and racial identity. One week, she’s living in a fancy house where they are one of the only black families in the neighborhood. The next week she’s with her mom and her boyfriend John-Mark in a small, not-so-fancy house that she loves. And she’s is beginning to realize that being split between Mom and Dad is more than switching houses, switching nicknames, switching backpacks: it’s also about switching identities. Strangers are always commenting: “You’re so exotic!” “You look so unusual.” “But what are you really?” Then, Isabella and her step-brother are stopped by the police. A cell phone is mistaken for a gun. And shots are fired.“

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JENNIFER A. NIELSEN: „Resistance“, August 2018

„Chaya is a teenager living in Nazi-occupied Poland. After her little sister is taken away, her younger brother disappears. Using forged papers and her fair features, Chaya becomes a courier and travels between the Jewish ghettos of Poland, smuggling food, papers, and even people.“

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DANIEL JOSÉ OLDER: „Dactyl Hill Squad“, September 2018

„It’s 1863 and dinosaurs roam the streets of New York as the Civil War rages between raptor-mounted armies down South. Magdalys Roca and her friends from the Colored Orphan Asylum are on a field trip when the Draft Riots break out, and a number of their fellow orphans are kidnapped by an evil magistrate, Richard Riker.“

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ETHAN M. ALDRIDGE: „Estranged“, August 2018  [Comic]

„Edmund and the Childe were swapped at birth. Edmund has fae powers, but lives in secret as a changeling in the World Above. The Childe lives among the fae in the World Below, where being human makes him an oddity at the royal palace, and where his only friend is a wax golem named Whick. When the cruel sorceress Hawthorne takes the throne, the Childe and Edmund need to act.“

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LAURA SHOVAN: „Takedown“, Juni 2018

„One girl wants to break barriers in a sport dominated by boys. Mikayla is a wrestler. Some people object to having a girl on the team. Lev is determined to make it to the state championships. At the beginning of sixth grade, he’s paired with a new partner–a girl. Mikayla and Lev work hard together and become friends. But when they face each other, only one of them can win.“

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KELLY JENSEN: „(Don’t) call me crazy. 33 Voices start the conversation about mental health“, Oktober 2018

„Is using the word crazy offensive? The word itself means different things—wild? extreme? disturbed? passionate?—to different people. Thirty-three writers, athletes, and artists offer essays, lists, comics, and illustrations that explore their personal experiences with mental illness, how we do and do not talk about mental health.“

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TENA CLARK: „Southern Discomfort. A Memoir“, Oktober 2018

[kein Jugendbuch] „For readers of beloved memoirs like The Glass Castle: Set in rural Mississippi during the Civil Rights era. A white girl coming of age in a repressive society: Tena was born in 1953 in a tiny Mississippi town where the legacy of slavery and racial injustice still permeated every aspect of life. On the outside, Tena’s childhood looked like a fairytale. Her father was one of the richest men in the state; her mother was a regal beauty. The family lived on a sprawling farm and had the only swimming pool in town; Tena was given her first car—a royal blue Camaro—at twelve. But by the time she was three, her parents’ marriage had dissolved into a swamp of alcohol, rampant infidelity, and guns. Tena was left in the care of her black nanny, Virgie, who became Tena’s surrogate mother and confidante—even though she was raising nine of her own children and was not allowed to eat from the family’s plates or use their bathroom. It was Virgie’s acceptance and unconditional love that gave Tena the courage to [out herself as a lesbian.]“

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MICHELLE KIM: „Running through Sprinklers“, April 2018

„Surrey, British Columbia, Canada, in the early 1990s: Nadine has suddenly skipped a grade and gone to high school without Sara. Sara can feel their friendship slipping away.“

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VEERA HIRANANDANI: „The Night Diary“, März 2018

„It’s 1947, and India, newly independent of British rule, has been separated into two countries: Pakistan and India. The divide has created much tension between Hindus and Muslims, and hundreds of thousands are killed crossing borders. Half-Muslim, half-Hindu twelve-year-old Nisha doesn’t know where she belongs. When Papa decides it’s too dangerous to stay in what is now Pakistan, Nisha and her family become refugees and embark first by train but later on foot to reach her new home.“

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ALEX GINO: „You don’t know everything, Jilly P!“, Oktober 2018

„When her sister Emma is born Deaf, Jilly realizes how much she still has to learn. A big fantasy reader, Jilly connects with another fan, Derek, who is a Deaf Black ASL user. Jilly has to learn to be an ally, a sister, and a friend, understanding that life works in different ways for different people, and that being open to change can make you change in the best possible ways.“

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[Alle Klappentexte: gekürzt]

[Leseexemplare? gern einfach direkt per E-Mail schicken | Printadresse hier: Link]

2016: Die besten neuen Bücher – Herbst, Frankfurter Buchmesse & Weihnachten

im Bild: der 'Berliner Büchertisch', Mehringdamm 51

(im Bild: der ‚Berliner Büchertisch‘, Mehringdamm 51)

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angelesen, vorgemerkt, entdeckt: meine Vorauswahl der literarischen Neuerscheinungen in der zweiten Jahreshälfte 2016 – neue Bücher für die Zeit zwischen Spätsommer, Frankfurter Buchmesse und Weihnachten.

Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

Hier meine Auswahl für Herbst und Winter 2016. Ergänzungen / Empfehlungen sind willkommen – vielen Dank! Blogpost noch vorläufig – ich stelle die Titel nochmal in ganzen Sätzen vor. 

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zehn aktuelle Romane (2016), gelesen und gemocht: Empfehlungen!

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19 Titel – angelesen und gemocht: [ausführliche Vorstellung kommt!]

Sachbuch:

Jugendbuch:

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neue deutsche / deutschsprachige Titel:

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rammstedt schenk zschokke

07-25 Tilman Rammstedt, „Morgen mehr“

07-28 Sylvie Schenk, „Schnell, dein Leben“

08-00 Matthias Zschokke, „Die Wolken waren groß und zogen da oben hin“

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Iris Blauensteiner, Thomas Lang, Andreas Maier

o8-01 Iris Blauensteiner, „Kopfzecke“

08-01 Thomas Lang, „Immer nach Hause“

08-08 Andreas Maier, „Der Kreis“

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Paula Fürstenberg, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Ernst-Wilhelm Händler

08-11 Paula Fürstenberg, „Familie der geflügelten Tiger“

08-25 Reinhard Kaiser-Mühlecker, „Fremde Seele, dunkler Wald“

08-25 Ernst-Wilhelm Händler, „München“

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Eugen Ruge, Thomas Melle, Margarete Stokowski

08-26 Eugen Ruge, „Follower“

08-26 Thomas Melle, „Die Welt im Rücken“

08-26 Margarete Stokowski, „Untenrum frei“

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Jan Kuhlbrodt, Christian Geissler, Gerhard Falkner

08-31 Jan Kuhlbrodt, „Das Modell“

09-00 Christian Geissler, „Das Brot mit der Feile“

09-01 Gerhard Falkner, „Apollokalypse“

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Silke Scheuermann, Dietmar Dath, Christian Kracht

09-06 Silke Scheuermann, „Wovon wir lebten“

09-07 Dietmar Dath, „Superhelden“: gelesen. leider sehr verquast/für Nicht-Comic-Kenner schwer zugänglich. 3 von 5 Sternen.

09-08 Christian Kracht, „Die Toten“

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Linus Reichlin, Philipp Winkler, Julia Zange

09-16 Julius Reichlin, „Manitoba“

09-19 Philipp Winkler, „Hool“

10-17 Julia Zange, „Realitätsgewitter“

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Dirk Stermann, Max Goldt, Anna Kim

10-21 Dirk Stermann, „Der Junge bekommt das Gute zuletzt“

10-21 Max Goldt, „Lippen abwischen und lächeln“

01-16 Anna Kim, „Die große Heimkehr“

 

vielversprechende Übersetzungen – neu auf Deutsch:

 

Francoise Frenkel, Anne-Laure Bondoux, Anton Hansen Tammsaare.png

07-28 Francoise Frenkel, „Nichts, um sein Haupt zu betten“ [bei Goodreads: 4.31 von 5]

07-28 Anne-Laure Bondoux, Jean-Claude Mourlevat, „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ [bei Goodreads: 3.83 von 5]

08-00 Anton Hansen Tammsaare, „Das Leben und die Liebe“ [bei Goodreads: 3.86 von 5]

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Hakan Gunday, Delphine de Vigan, Sophie Daull, Juan Pablo Villalobos.png

08-01 Hakan Günday, „Flucht“ [bei Goodreads: 4.03 von 5]

08-17 Delphine de Vigan, „Nach einer wahren Geschichte“ [bei Goodreads: 4.03 von 5]

09-00 Sophie Daull, „Adieu, mein Kind“ [bei Goodreads: 4.26 von 5]

09-01 Juan Villalobos, „Ich verkauf dir einen Hund“ [bei Goodreads: 4.26 von 5]

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Kees van Beijnum, Dola de Jong, Eduardo Halfon

09-01 Kees van Beijnum, „Die Zerbrechlichkeit der Welt“ [bei Goodreads: 3.79 von 5]

09-14 Dola de Jong, „Das Feld in der Fremde“ [bei Goodreads: 3.95 von 5]

09-26 Eduardo Halfon, „Signor Hoffman“ [bei Goodreads: 3.80 von 5]

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Banana Yoshimoto, Adriaan van Dis, Mark Frost & Twin Peaks.png

09-28 Banana Yoshimoto, „Lebensgeister“

10-04 Adriaan van Dis, „Das verborgene Leben meiner Mutter“ [bei Goodreads: 3.76 von 5]

10-18 Mark Frost, „Twin Peaks: die geheime Geschichte“ [bei Goodreads: noch kaum Bewertungen]

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Ian McEwan, Jonathan Safran Foer, Viktor Remizov.png

10-26 Ian McEwan, „Nussschale“ [bei Goodreads: noch kaum Bewertungen]

11-10 Jonathan Safran Foer, „Hier bin ich“ [bei Goodreads: 3.63 von 5]

11-11 Viktor Remizov, „Asche und Staub“ [bei Goodreads: 3.90 von 5]

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Seit 2012 erstelle ich diese Übersicht Anfang Oktober.

Dieses Jahr sah ich schon Ende Juni die Herbst-/Winterprogramme deutschsprachiger Verlage durch. Das liegt an Ilja Regier vom Literaturblog Muromez – der alle Vorschauen sammelte, verlinkte und mir das Blättern leicht machte. Hier seine eigene Vorauswahl: „Verlangen schlägt Vernunft. Herbstvorschau ’16“

Übersichten außerdem bei:

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neue Bücher 2016, Stefan Mesch

Elena Ferrante: „Meine geniale Freundin“ & die „Neapolitanische Saga“

ferrante

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Zwei Leben aus Kampf und Aufstieg

Die wichtigste Autorin Italiens bleibt anonym – hinter dem Pseudonym „Elena Ferrante“.

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Seit 1992 schreibt Elena Ferrante Romane über störrische, kluge, einsame Frauen. In Interviews, die sie nur schriftlich beantwortet, behauptet sie: Sie selbst ist eine Frau aus Neapel, hat Kinder und war verheiratet. Sie studierte klassische Philologie. Doziert an Unis. Und sie behauptet: Ein Roman steht für sich. Öffentlich über den Verfasser und seinen Hintergrund zu sprechen, lenkt nur ab.

2011 bis 2014 erschien ein Großroman Ferrantes in vier Bänden: das „Neapel-Quartett“ um die Freundinnen Elena, Tochter des Pförtners, und Lila, Tochter des Schuhmachers, beide geboren 1944, und ihre komplizierte, jahrzehntelange Freundschaft.

Fast 2000 Seiten, erzählt von einer melancholischen Streberin, die durch lebenslanges Pauken, Fleiß und Ambition in die gebildete Oberschicht wechseln will. Und über ihre noch klügere, impulsive Freundin und Rivalin Lila – die überraschend andere Chancen nutzt, um aus- und aufzusteigen.

Viel Mundpropaganda und die Begeisterung von James Wood, Kritiker beim New Yorker, machten die Bücher in den USA zu Bestsellern. Ab Herbst 2016 erscheint der Überraschungserfolg auf Deutsch, bei Suhrkamp; vier Bände in 12 Monaten. Buch 1, „Meine geniale Freundin“, erzählt die Grundschul- und Pubertätszeit von Elena und Lila: Armut, Frauenhass, das langsame Wirtschaftswunder der 50er Jahre.

„Wir Frauen sind ständig in Versuchung, aus der Deckung zu treten, weich zu werden“, erklärte Ferrante der New York Times, „aus Liebe oder aus Erschöpfung, aus Mitleid oder Güte. Doch wir sollten das nicht tun – denn von einem Moment auf den nächsten können wir so alles verlieren, das wir erreicht haben.“

Die Geschichte von Elena und Lila beginnt als recht simpler Bildungsroman. Eine schwierige Frauenfreundschaft, naiv und süffig erzählt. Ab Band 2 wird die Geschichte politischer, soziologischer, explizit feministisch. Ein Panorama der 60er, 70er und 80er Jahre mit einem Dutzend Figuren aus einem Arbeiterviertel – Mafiosi und Kommunisten, Handwerker und Frauen, zu schnell in eine Mutterrolle gedrängt: Lebenswege, so verschlungen (und manchmal: dusslig überkonstruiert) wie in der „Lindenstraße“.

Der Hype, wachsende Erfolg der vier Bücher hat mehrere Faktoren: Der Norweger Karl-Ove Knausgard schrieb seit 2009 in sechs persönlichen, autobiografischen Bänden über Männlichkeit und Scheitern. Ferrantes Romane machen zwei lange Frauenleben greifbar – in ähnlich simpler Sprache und ähnlich vielen intimen, mitunter hässlichen Details.

Die farbenfrohen, kitschigen Cover der US-Ausgabe versprechen: Hier geht es um Mütter, Töchter, das pralle Leben in Süditalien. Auch Suhrkamp setzt auf ein recht kitschiges Titelmotiv. Literarisch spielt Ferrante in einer ähnlichen Gewichtsklasse wie Suhrkamp-Autorin Isabel Allende: Die Chancen stehen gut, dass das Quartett ein Mainstream-Longseller wird wie Allendes „Geisterhaus“.

Ebenfalls im Herbst erscheint „Fragments“ in den USA, eine Sammlung von Ferrante-Essays und -Interviews. Ob die Autorin tatsächlich eine Frau ist? 1944 geboren, wie ihre Figur Elena – oder deutlich jünger? Eine ältere Feministin, Akademikerin aus einfachen Verhältnissen – oder ein Nachgeborener, der oder die Familiengeschichte literarisch auf- und umarbeitet?

Die vier Bände sind am besten, wenn sie nah und persönlich über Klassismus, Abstiegsangst und Aufstiegschancen, die vielen feinen Unterschiede in den Milieus Italiens erzählen. Ob „persönlich“ hier bedeutet: eins zu eins erlebt, vor mehreren Jahrzehnten? Egal. Besonders ab Band 2 klingen Wut, Hoffnung, feministischer Furor der Erzählerin nachvollziehbar – und authentisch.

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Band 1 bis 4 – meine Leseeindrücke:

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01_Welche Sprache? Die deutsche Übersetzung von Karin Krieger klingt sehr gut – doch ich kenne bisher nur die Leseprobe (Link). Die US-Version wirkt oft recht trocken, technisch, ohne besonderen Rhythmus: keine Empfehlung. Freunde von mir mochten das italienische Original… aber Stimmen im Netz klagen über Stilblüten und viele unnötig hakelige Formulierungen (auch mein Eindruck in der US-Übersetzung) und sagen, US-Übersetzerin Ann Goldstein habe das Buch auf ein anderes Niveau gehoben: „Elena Ferrante’s writing is better in English than in Italian“.

02_Wo anfangen? Band 1 erzählt Elenas und Lilas Kindheit und frühe Jugend, bis ca. 1961 (die Figuren sind 16); Band 2 die Jahre bis 22 (1966); Band 3 die Jahre bis 32 (1976), und Band 4 vor allem die Zeit von 1980 bis ca. 1986 – und, in einem Epilog, bis ca. 2010.

03_Band 1 ist der schlechteste Band. Ich-Erzählerin Elena und ihre mürrische, rebellische, zunehmend attraktive Freundin Lila wollen der Armut, ihren furchtbaren Arbeiterfamilien und dem von der Camorra kontrollierten Viertel entkommen: Elena mit guten Noten, einem Gymnasialabschluss (und viel Streber-Arroganz), Lila mit einem Mann (der, wie sich am Ende des Romans, bei einer großen Hochzeit herausstellt, Mafia-Connections nutzt und alles tun wird, um weiter aufzusteigen).

Der Roman ist unterhaltend, die Kapitel kurz und oft pointiert, mit überraschenden zwischenmenschlichen Cliffhangern: die Szenen selbst sind seicht, mit klar verständlichen Konflikten. Doch Ferrante springt oft mehrere Monate hin und her oder deutet Entwicklungen an, die erst 50 Seiten später auserzählt werden: die Timeline und die Vor- und Rückgriffe sorgen für eine gewisse erzählerische Komplexität und ein paar Spannungsmomente… wirken aber aufgesetzt, oft albern: Die Geschichte ist viel weniger kompliziert, als die vielen schein-komplexen Zeitsprünge suggerieren.

04_missglückte Enthüllungen: Es gibt über 20 wichtige Figuren – mit Namen wie Nino, Gino und Rino – und alle kommen in Band 1 zu kurz: Mitschüler, Eltern, Lehrer sind oft überraschend besser oder schlechter, als Ich-Erzählerin Elena bisher vermutete… was Ferrante jedes Mal für eine RIESENenthüllung hält. Doch als Leser bleibe ich teilnahmslos, weil diese Figuren kaum entwickelt sind, ich sie manchmal nicht auseinanderhalten kann: Antonio? Alfonso? Besonders die Mütter und älteren Frauenfiguren sind ein schlechter Witz: knorrige italienische Mama-Klischees, die nichts zu sagen haben – oder sich nie äußern.
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05_auch Lila wirkt recht blass: eine beste Freundin, deren Motivation man oft kaum versteht – und die mir ausgedacht scheint. Implusiv. Meist absurd unberechenbar. Die egoistische, kleinliche Elena dagegen funktioniert als Erzählerin recht gut: eine Figur, die mir plausibel ist und im Lauf von vier Büchern interessante, nachvollziehbare Entwicklungen macht. Lila dagegen sehe ich als plot device – um jede Ordnung zu stören, überraschend freche oder sentimentale Kommentare abzufeuern und Familien, Machtstrukturen etc. immer wieder neu durchzumischen. Keine Figur. Sondern ein (ausgedachtes) Hilfsmittel gegen den Stillstand.
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06_Schade, wie eng und ahnungslos die Grundschulzeit erzählt wird: Neapel liegt in einer Bucht – doch Elena war nie am Meer, kennt die U-Bahn nicht, bewegt sich ca. 12 Jahre lang nur durch ein paar Straßen und weiß auch mit 15 noch nicht, was z.B. ein Student ist. Das nehme ich Ferrante nicht ab.
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07_Am schlimmsten/ärgerlichsten: Die Bücher haben kaum Beschreibungen; deshalb fehlt den Zimmern, Straßen, Handlungsorten jede Atmosphäre (bis plötzlich, auf den letzten Seiten von Band 4, manisch verschiedene Neapel-Sehenswürdigkeiten und Straßennamen genannt werden: too little, too late). Ferrante jongliert mit zu vielen flüchtig bleibenden Nebenfiguren. Lässt sich viel Zeit, die Sympathie, Konkurrenz, Stimmungsschwankungen zwischen Lila und Elena auszuleuchten. Doch das Italien, Neapel, das beim Lesen in meinem Kopf entsteht, bleibt in Band 1 sehr dürftig: Erst mit Band 2 wird das Quartett zum halbwegs gelungenen Zeit- und Epochenroman. Band 1 wirkt, durch die Beschreibungsarmut, in der US-Version kaum literarisch – eher wie der Episodenführer einer unnötig komplizierten Telenovela-Storyline. Oder die technische Wikipedia-Zusammenfassung eines besseren Buchs. Lebenswege, die auf melodramatische Weise ständig wilde, aber uninteressant ausgedachte Kurven schlagen: Mal geht es Lila besser, mal Elena. Eigentlich… egal.
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08_Band 2 ist deutlich besser – bis auf die über 200 Seiten, in denen drei Mädchen und zwei Studenten, die sich kaum kennen, mögen, verstehen, sich nichts zu sagen haben und nichts geben können/wollen, einen zerquälten Badeurlaub absitzen. Wären die Strand-von-Ischia-Kapitel kürzer, Band 2 wäre mein Lieblingsband.
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09_In Band 3 werden Gewerkschaften, Kommunisten, Linksterroristen wichtig – doch viele Entwicklungen und politischen Hintergründe bleiben schwammig. Andererseits mag ich, wie Elena versucht, im Bildungsbürgertum anzukommen, ernst genommen zu werden… doch immer wieder an den feinen Unterschieden scheitert. Interessante Kapitel über Standesdünkel!
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10_Band 4 befriedigte und freute mich, über weite Strecken: Ich mag, dass sich hier keine Frauenfigur auf Männer verlassen kann, alle sich ihr Glück immer neu erkämpfen, selbst schaffen müssen. Und ich mag, dass Elena als Intellektuelle souveräner wird – zunehmend kluge, differenzierte Dinge sagt über Partnerschaften, Schreiben, Italien, Kinder: Erst gegen Ende dieser 2000 Seiten höre ich der Ich-Erzählerin wirklich gerne zu. Die Kinderfiguren in Band 4 und ihre Probleme und Verwicklungen dagegen blieben mir zu flach; und ich bin überrascht, wie viele Nebenfiguren sterben, eher lustlos von der Bühne gewischt werden. Besonders Tinas Geschichte überzeugt mich nicht: Lila rutscht immer weiter ins Abseits, durch beliebig wirkende Schicksalsschläge. Ich sehe da keinen Character-Arc, Figurenentwicklung. Sondern Tragödien, auf die Lila zunehmend beliebig und oberflächlich reagiert – eine Hauptfigur, reduziert zur flachen, traurigen Nebenrolle. Auch die große Rahmenhandlung um Lilas plötzliches Verschwinden mit fast 70 wird in Band 4 schlecht/kaum aufgelöst.
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11_2000 Seiten lang… immer das selbe: Ein Wohnviertel mit ca. 30 Figuren? Okay. Ein Großroman, der zwei Leben über fast 60 Jahre erzählt – doch in dem nur ca. 50 Figuren immer wieder Partner tauschen, zurückkehren, die Funktionen wechseln? Platt! Pro Buch gibt es sicher 10 Kapitel, die mit der… Möchtegern-Überraschung enden, dass eine Person, die wir bereits kennen, ein Zimmer, Büro, Fest etc. betritt und zeigt: Ich wohne jetzt hier. Oder: Ich bin der neue Partner. Erst wirkt das „Lindenstraße“-haft, konstruiert. Dann zunehmend albern, hilflos: Glaubt Ferrante, wir wären… geschockt? Begeistert? Ich rollte ab Band 2 meist nur die Augen.
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12_Freundinnen, die sich verweigern: Elena will unbedingt mit Lila sprechen – doch geht ihr aus dem Weg. Lila braucht Hilfe – doch meldet sich nicht. Elena hat wichtige Fragen – doch ignoriert sie, monatelang. Elena versteht, dass Lila Hilfe braucht – doch stellt sich tot. Verstanden: Es geht um Neid, Ambivalenz, Selbsthass und Hassliebe. Doch dreimal pro Kapitel die Ich-Erzählerin sagen zu hören: „Ich wollte unbedingt etwas sagen. Aber dann ging ich einfach weg und sagte gar nichts.“ …wird sehr schnell trost- und witzlos..

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Bonus / mehr Details:

Am 15. Juni 2016 stellte ich die Bücher bei Deutschlandradio Kultur vor, im Magazin „Lesart“, im Gespräch mit der Italien-Expertin und Literaturkritikerin Maike Albath.

Den Beitrag kann man hier (Link) nachhören.

Vor jedem Deutschlandradio-Gespräch schicke ich der Redaktion und der Moderatorin ein paar Notizen, Stichworte.

Hier meine kurze Materialsammlung zu Ferrante:

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Elena Ferrante ist ein Pseudonym. Aus (schriftlichen) Interviews wissen wir, dass die Autorin ca. 70 ist, in Neapel aufwuchs, heute in Italien lehrt oder unterrichtet, mehrere Kinder hat, verheiratet war. Wahrscheinlich hat sie in Pisa studiert, klassische Philologie. Die Professorin Marcella Marmo, auf die all das zutrifft, streitet ab, Ferrante zu sein.
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Ferrante veröffentlicht seit 1992 – Prosa über unglückliche, aber störrisch-starke Frauen mit Abstiegsangst und Aufstiegs-Ambitionen in Italien, bisher ca. 5 Romane (je nach Zählweise: sie selbst sieht das Neapel-Quartett als EIN Buch in vier Bänden). Bei Veröffentlichung des ersten Romans, 1992, entschied sie sich für ein Pseudonym, um Personenkult zu entgehen und den Fokus auf den Text zu lenken:

„This choice created a small polemic in the media, whose logic is aimed at inventing protagonists while ignoring the quality of the work, so that it seems natural that bad or mediocre books by someone who has a reputation in the media deserve more attention than books that might be of higher quality but were written by someone who is no one. But today, what counts most for me is to preserve a creative space that seems full of possibilities, including technical ones. The structural absence of the author affects the writing in a way that I’d like to continue to explore.“

Die vier Neapel-Romane erschienen 2011 bis 2014 in Italien, 2012 bis 2015 in den USA. In Deutschland erscheinen alle vier Bücher in rascher Folge bei Suhrkamp, im September 2016, Februar 2017, Sommer (Juni?) 2017 und September 2017, übersetzt von Karin Krieger. Frühere Romane von Ferrante sind auf Deutsch erschienen, vor allem bei Ullstein/List und werden jetzt nochmal neu als Suhrkamp-Taschenbuch veröffentlicht. Die Rechte zur Neapel-Saga waren sehr gefragt, mehrere deutsche Verlage haben geboten, Suhrkamp setzt große Hoffnungen in die Bücher. Mehr dazu u.a. bei Jochen Kienbaum/Lustauflesen.de.
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Ich sehe vier große Faktoren für den Erfolg der Romane:
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Die Autorin: Die vier Neapel-Romane sind sehr persönliche Erinnerungs- und Entwicklungstexte über Armut, Ambition, Dreck und Gefälle/Konflikte in Neapel. Zwei Frauen und ihr schwieriges Coming-of-Age, ihre lebenslange schwierige Freundschaft, ihre Probleme mit Sexismus, Klassismus, der Camorra und Vergewaltigungen/Missbrauch. Die Bücher werden mit Karl-Ove Knausgards „Mein Kampf“-Zyklus verglichen und sind in den USA noch erfolgreicher. Eine Autorin, die sehr ungeschminkt und persönlich erzählt und oft die eigene Kleinlichkeit/das eigene Versagen ausleuchtet… aber eben, anders als Knausgard: dabei so anonym und geheimnisvoll bleibt wie z.B. Thomas Pynchon.
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Begeisterung in den USA: Eine Autorin des New Yorker, Ann Goldstein, hat die Bücher übersetzt, und Kritiker und Kollege James Wood hat Band 1 und 2 dann im New Yorker gefeiert, 2013, und damit erfolgreich gemacht (Woods Frau, Claire Messud, schreibt GANZ ähnliche, feministische Bücher über motzige US-Frauen).
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Und: Die Bücher erschienen im (italienischen, aber auf den nordamerikanischen Buchmarkt spezialisierten) Verlag „Europa Editions“, der sehr oft sehr gute mittel-anspruchsvolle Unterhaltungsromane aus Europa in den USA zum großen Erfolg macht. (Eine deutsche Autorin im Programm: Alina Bronsky) Ich vertraue „Europa Editions“ sehr und weiß: wenn ich eine Strandlektüre mit Europa-Flair will, melancholisch und halbwegs klug, ist das der richtige Verlag.
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(…was aber auch heißt: Für Suhrkamp sind diese Bücher eigentlich zu süffig, zu mainstream. Die Autorin aus dem Suhrkamp-Programm, an die ich denken muss, ist Isabel Allende.)
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In Italien sind auch Ferrantes frühere Romane Erfolge, vor allem durch Verfilmungen. Auch eine über 30teilige Verfilmung des Quartetts ist geplant, doch Literaturpreise hat sie kaum gewonnen – vielleicht, weil sie anonym bleibt
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Ein Marketing-Push in Deutschland: Im Mai hat Suhrkamp 15 Literaturblogger nach Berlin eingeladen und das Buch dort verschenkt. Das Verlagshaus, berichten die Blogs, sei vom „Ferrante-Fieber“ ergriffen und kämpfe darum, das Buch zum Erfolg zu machen. Ähnlich hat Dumont 2016 Anne Köhlers „Ich bin gleich da“ unter Bloggern beworben, Kiepenheuer & Witsch JJ Abrams‘ „Das Schiff des Theseus“.
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„Alle Mitarbeiter bei Suhrkamp sind angeblich heiß gemacht worden auf Elena Ferrante, alle mussten sie lesen und diskutieren. […] Sechs Seiten sind Ferrante in der Vorschau gewidmet, normal sind zwei. Das Buch ist der erste Teil einer Tetralogie, die weltweit bereits für höchstes Aufsehen und Aufregung gesorgt hat und nun auch in deutscher Sprache (übersetzt von Karin Krieger) erscheint. Nach einem, wie [Lektor Frank] Wegner betonte, dramatischen und heißen Wettrennen um die Rechte. 
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[…] Ich darf Ferrante schon jetzt lesen, aber noch nichts verraten. Nur soviel: trotz der Anmutung des Covers, es ist kein »Frauenbuch«. Dass verlagsintern alle Mitarbeiter, wirklich alle, so massiv auf einen Titel heiß gemacht und eingeschworen werden, ist selbst bei Suhrkamp eine Novum und sehr ungewöhnlich. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt, ob sich der große Einsatz lohnt, ob das Elena-Ferrante-Fieber auch die deutschen Leserinnen und Leser infiziert?“
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Journalisten schreiben viel über die (Nicht-)Person Ferrante – aber ein Leseexemplar des Buchs will mir der Verlag erst ab Ende Juni geben: Blogger sind in diesem Fall bevorzugt. Ich kenne bisher nur die Leseprobe der Übersetzung – durch Karin Krieger – und fand sie exzellent: Ich glaube, diese Bücher werden auf Deutsch VIEL besser klingen als die US-Version.
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Auch meine Buchhandelsfreunde lesen es gerade, als Vorab-Exemplar, und sind wohlwollend – doch eine Buchhändlerin in meinem Freundeskreis fragt sich z.B. auch, ob die Romane bei einem großen Konzern nicht noch besser aufgehoben wären – um im Stil von „Afterlove“ oder „Shades of Grey“ etc. noch breiter gepusht zu werden.
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Bleibt die Frage: Wollen wir das? Drei, vier sehr dominante „Bücher der Saison“, über die alle sprechen… und Ferrante jetzt um jeden Preis als großes Buch des Herbstes? Band 2 wäre dafür ein okayer Kandidat, weil die Figuren älter sind und (interessantere) eigene Entscheidungen treffen. Band 1 – süßliche Kinder in trostloser Umgebung, monoton erzählt – ist für mich eigentlich keine sehr gute Strandlektüre, kein Wohlfühlbuch… aber auch keine hohe Literatur.
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Thema und Figuren: ein feministischer Epochen- und Milieuroman. Es geht um Ich-Erzählerin Elena, Tochter des Pförtners, und ihre Kindheitsfreundin Lila, Tochter des Schuhmachers. Elena ist mollig, strebsam, unsicher und kämpft sich immer weiter nach oben, weg von ihrer Familie. Sie beneidet ihre Freundin Lila – störrisch, kalt, vielleicht bipolar – die besser schreiben kann, klüger ist, schöner… aber mit 12 von der Schule abgeht, früh einen neureichen Krämer heiratet und später als alleinerziehende Mutter in einer Salami-Fabrik betatscht und missbraucht wird – während Elena Autorin und Dozentin wird.
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Die Mädchen sind 1944 geboren, Band 1 erzählt die Schulzeit, Band 2 die Zeit bis ca. 22, Band 3 bis 32 und Band 4 bis ins Alter – durch eine Rahmenhandlung wissen wir, dass Lila mit fast 70 beschließt, spurlos zu verschwinden. Band 1 ist ein recht seichtes und einfaches Buch über Jugend und Armut. Ab Band 2 erinnern mich die Bücher an die Memoiren von Simone de Beauvoir (persönlich, aber recht soziologisch); mit Band 3 und den Studentenunruhen, der Arbeiterbewegung etc. Ende der 60er wird es politisch. Band 4 fand ich – trotz vieler Längen und Konstruiertheiten – am durchdachtesten: die meisten Storylines werden, nach viel melodramatischem Auf und Ab, halbwegs stimmig und befriedigend abgeschlossen.
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Ich denke beim Lesen der Bücher vor allem an deBeauvoir – und an die „Lindenstraße“: ca. 20 Figuren aus der selben Nachbarschaft, deren albern und übertrieben wechselhaftes Leben JEDEN Aspekt des Zeitgeists abbilden soll, oft sehr thesenhaft, didaktisch, überzeichnet und zu einfach. Die Sprache ist leicht – doch den Büchern fehlen Beschreibungen, Sinnlichkeit, Details und Beobachtungen, Lokalkolorit und Freude… Ein eher seichter Bericht über Mädchen, die lernen, um ihren (freudlosen, recht klischierten) Umständen zu entfliehen. Ich habe nicht das Gefühl, Neapel gut kennen zu lernen.
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Und, mit Blick auf die Anonymität Ferrantes: das langweilige, knorrige Strebermädchen Elena, vermutlich eine autobiografische Figur, erscheint mir halbwegs plausibel. Doch Lila – zu schön, zu feurig, zu unberechenbar, zu fremd, ein Leben voller melodramatischer Verwicklungen – kommt mir erfunden und blass vor.
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Zum Feminismus, aus der New York Times:
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„My women are strong, educated, self-aware and aware of their rights, just, but at the same time subject to unexpected breakdowns, to subservience of every kind, to mean feelings.“ […]Q. What is the best thing that you hope readers could take away from your work?A. That even if we’re constantly tempted to lower our guard — out of love, or weariness, or sympathy or kindness — we women shouldn’t do it. We can lose from one moment to the next everything that we have achieved.“
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Ich fürchte, die Bücher kommen international so gut an, weil wir Neapel nicht kennen – und bei jeder seichten oder platten Wendung denken: „Na ja. Vielleicht war das eben so: vor fast 60 Jahren, in Süditalien.“ Ein deutscher Zeitroman würde, hoffe ich, kritischer gelesen und verhandelt.
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Lieblingszitate – über Klassismus, Standesdünkel:
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„[The other students] knew how a newspaper or a journal was put together, how a publishing house was organized, what a radio or television office was, how a film originates, what the university hierarchies were, what there was beyond the borders of our towns or cities, beyond the Alps, beyond the sea. They knew the names of the people who counted, the people to be admired and those to be despised. I, on the other hand, knew nothing, to me anyone whose name was printed in a newspaper or a book was a god.
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[…] I didn’t know the map of prestige.
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[…] I was one of those who labored day and night, got excellent results, were even treated with congeniality and respect, but would never carry off with the proper manner the high level of those studies. I would always be afraid: afraid of saying the wrong thing, of using an exaggerated tone, of dressing unsuitably, of revealing petty feelings, of not having interesting thoughts.“ [Band 2 – Elena im Studium, in Pisa.]
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„Make your own head masculine, so that it would be accepted by the culture of men: I had done it, I was doing it.“ [Band 3 – Elena als Akademikerin.]
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„My entire life would be reduced merely to a petty battle to change my social class.“ [Band 4 – Aufstieg kostet Kraft.]
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Holland / Niederlande – Gastland der Frankfurter Buchmesse 2016: Buchtipps und Empfehlungen

Gastland Niederlande Buchmesse 2016 - hollländische Literatur
Niederlande und Flandern sind gemeinsam Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2016.

Ich habe die letzten Wochen über sehr viel belgische und (vor allem:) holländische Literatur angelesen, vorgemerkt, entdeckt – meine Vorauswahl der literarischen Klassiker, Neu- und Wiederentdeckungen bis 2016.

Die meisten Bücher wurden ins Deutsche übersetzt. Einige erschienen nur auf Englisch. Viele sind antiquarisch erhältlich, wenige aktuell in großen Verlagen lieferbar.

Beliebte niederländische Autorinnen und Autoren, mit denen ich nicht warm wurde: Harry Mulisch, Maarten t‘ Hart, Arnon Grunberg, Jessica Durlacher, A. F. Th. van der Heijden, Margriet de Moor, Hella Haasse, Tommy Wieringa und der Nister. Gefeierte und auch in Deutschland populäre Autor*innen – die mich bisher nicht überzeugten und von denen ich nichts empfehlen kann. Auch J.J. Voskuils Zyklus „Das Büro“ lässt mich fürs erste kalt.

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drei Bücher, die ich las und sehr mag: Empfehlungen!

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1. GERBRAND BAKKER, „Der Umweg“

  • stiller, schlichter, aber sehr packender, schneller, mitreißender Roman über eine Holländerin, die ein Bauernhaus in Wales bezieht, spontan.
  • 228 Seiten, Suhrkamp 2012 (Original von 200x)
  • für ZEIT Online schrieb ich 2013: „Stille Wiesen. Karge Dörfer. Ein Grüppchen Gänse und ein Fuchs, der nachts um die Ställe schleicht: Der Umweg, dritter Roman des niederländischen Gärtners, Schlittschuhlehrers und Erzählers Gerbrand Bakker, zeigt Kitsch- und Sehnsuchtsräume von Landlust-Lesern… in atemloser, neuer Perspektive. Ohne Warnung, Abschied und Begründung flieht eine Frau von Amsterdam nach Caernafon (Wales) und wartet auf den Winter. Ein neuer Alltag, ohne Zwänge? Freiheit? Oder dumpfe Isolation? In Schärfe und Bildkraft, die schaudern lassen, zeichnet Bakker einen Rückzug, ein Haus und eine drastische, faszinierende Entscheidung. Ein Kammerspiel? Ein Thriller? Beides!“

“An klaren Tagen kann man in der Ferne das Meer sehen: Es ist ein schöner Flecken Erde, den Agnes sich als Versteck ausgesucht hat. Die Gedanken an das, was sie von Amsterdam vertrieben hat lassen sich so leichter im Zaum halten. Nur manchmal wird ihr alles zuviel: daß der Fuchs sich eine Gans nach der andern holt oder daß der grobe Nachbarsfarmer schon morgens um neun in Socken vor ihr sitzt. Da nistet sich eines Tages der junge Bradwen bei ihr ein. Ähnlich wie Agnes gibt er kaum etwas über seine Vergangenheit preis.” [Klappentext, gekürzt.]

Der Umweg

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2. MARIA DERMOUT, „The Ten Thousand Things“/“Die zehntausend Dinge“

  • nüchterne Sprache, aber eine grausame, schöne, tolle Welt: ein Garten in Indonesien/Java und eine junge Frau, die als Erwachsene einen Kindheitsort neu begreift. Autobiografisch.
  • deutsch nur antiquarisch erhältlich (z.B. Büchergilde Gutenberg, 1959)
  • die US-Version gelesen und sehr gemocht: 224 Seiten, New York Review of Books 2002
  • Original von 1955: Roman bei Wikipedia  |  Autorin bei Wikipedia

The Ten Thousand Things is a novel of shimmering strangeness—the story of Felicia, who returns with her baby son from Holland to the Spice Islands of Indonesia, to the house and garden that were her birthplace, over which her powerful grandmother still presides. There, objects tell tales, the dead come and go, and the past is as potent as the present. First published in Holland in 1955, Maria Dermoût’s novel was immediately recognized as a magical work, like nothing else Dutch—or European—literature had seen before, a book that is at once a lament and an ecstatic ode to nature and life.” [Klappentext, gekürzt.]

The Ten Thousand Things

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3. VALERIAN TORNIUS, „Zwischen Hell und Dunkel: Ein Rembrandt-Roman“

  • deutscher Roman von Valerian Tornius über Leben und Kunst von Rembrandt.
  • eines meiner Lieblingsbücher 2014 (Top 20 hier).
  • 336 Seiten, Original von 1932.
  • altmodische Sprache, aber scharfer und liebevoller Blick und viel Wissenswertes über die Geistes- und Kulturgeschichte des Bürgertums in Leiden und Amsterdam. Ein atmosphärischer/stimmungsvoller, kluger Schmöker.

“Der Roman von Valerian Tornius enthüllt die durch Anlage, Neigung, gesellschaftliche und geschichtliche Umstände bedingte Tragödie des Genies Rembrandt.” [Klappentext]

Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman

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20 Bücher, angelesen, gemocht, vorgemerkt:

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01: J. BERNLEF, „Bis es wieder hell ist“ (alter Titel: „Hirngespinste“)

  • großer Klassiker, bis heute populär: Roman über Demenz/Alzheimer
  • 163 Seiten, Nagel & Kimche 2007 (Original von 1984)

„1984 wagte es Bernlef als Erster, in einem Roman den Prozess einer Alzheimer-Erkrankung aus der Innensicht zu schildern. Außerdem erzählt er darin die ergreifende Liebesgeschichte eines alten Ehepaars. In Holland eine halbe Million Mal verkauft, dazu verfilmt und auf die Bühne gebracht, wurde „Bis es wieder hell ist“ gefeiert wegen seines fast unheimlichen Vorstellungsvermögens und seiner erhellenden Nachvollziehbarkeit.“ [Klappentext, gekürzt]

Hersenschimmen

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02: GEERT MAK, „Das Jahrhundert meines Vaters“

  • Mak dokumentiert das Leben seiner Familie – etwas Pathos, aber recht soziologisch
  • 576 Seiten, Neuausgabe bei Pantheon 2014 (Original von 1999)

„Anhand des Mikrokosmos seiner Familie schildert Geert Mak das 20. Jahrhundert in den Niederlanden: das Landleben um 1900, den Ersten Weltkrieg, die Not und Entbehrungen, die Zwischenkriegszeit, die Zerstörung Rotterdams, die deutsche Besetzung 1940, und schließlich den Aufstieg des Landes zwischen Meer und Marsch zu einem Musterland Europas.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Jahrhundert meines Vaters und, vielleicht: In Europe: Travels Through the Twentieth Century

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03: ETTY HILLESUM, „Das denkende Herz. Tagebücher 1941 bis 1943“

  • die Tagebücher einer säkulären Jüdin, deportiert und in Auschwitz ermordet
  • ca. 224 Seiten, u.a. Rowohlt 1985 (erstmals veröffentlicht 1981)

„Die nach vierzig Jahren entdeckten Tagebücher einer knapp dreißigjährigen holländischen Jüdin, die in Auschwitz ermordet wurde, inzwischen in elf Ländern erschienen und zu einem vielbeachteten Dokument der Menschlichkeit geworden.“ [Klappentext, gekürzt]

Letters From Westerbrook

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04: WILLEM FREDERIK HERMANS, „Nie mehr schlafen“

  • Romanklassiker über einen tragischen Taugenichts in der Wildnis
  • 319 Seiten, Aufbau 2011 (Original: 1966)

„Alfred Issendorff will in die Geschichte seiner Wissenschaft eingehen. Das könnte gelingen, falls er eine These seines Professors beweisen kann: Entstanden bestimmte Seen in der Finnmark durch Einschläge von Meteoriten? Issendorf reist nach Tromsø und schließt sich einer geologischen Expedition ins nördliche Norwegen an. Voller Sarkasmus erzählt Hermans von Grenzsituationen und kläglichem Scheitern.“ [Klappentext, gekürzt]

Nooit meer slapen

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05: GEBRAND BAKKER, „Oben ist es still“

  • Familien- und Landroman über einen verbitterten Sohn, der sich zum Neuanfang zwingt
  • 315 Seiten, Suhrkamp 2010 (Original von 2006)

„Helmer van Wonderen räumt auf. Er verfrachtet seinen bettlägerigen Vater ins Obergeschoss des alten Bauernhauses, entrümpelt das Erdgeschoss, streicht die Wände und schafft neue Möbel an. Doch die ländliche Ruhe währt nicht lang, denn der junge Henk soll auf Helmers Hof das Arbeiten lernen. Ausgerechnet Henk, dessen Mutter einmal mit Helmers verstorbenem Zwillingsbruder verlobt war…“ [Klappentext, gekürzt]

Oben ist es still

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06: HUBERT LAMPO, „Die Ankunft des Joachim Stiller“

  • magischer Realismus: könnte etwas platt/simpel sein, ist aber seit Jahrzehnten ein beliebter Klassiker
  • 208 Seiten, Mitteldeutscher Verlag 2008 (Original von 1960)

„Freek Groenevelt, Schriftsteller und Journalist im Antwerpen der Nachkriegszeit, wird aus der Bahn geworfen, als ein mysteriöser Joachim Stiller mit einem an ihn verfassten Brief plötzlich in sein Leben tritt: Dass der Brief laut Poststempel vor seiner Geburt aufgegeben wurde, lässt Groenevelt zunächst an einen Scherz glauben. Woher sollte jemand wissen, wo Groenevelt 38 Jahre später als Erwachsener lebt? Im Laufe der nächsten Monate jedoch erhält er weitere rätselhafte Briefe und Telefonate. Und immer wieder taucht derselbe Name auf: Joachim Stiller. Auf der Suche nach ihm begegnet Groenevelt der jungen Simone Marijnissen und verliebt sich in sie. Während Antwerpen in einer Weltuntergangsstimmung versinkt, fühlen sich die beiden auf unerklärliche Weise von Joachim Stiller geschützt. Hinweise mehren sich, dass Stiller bereits vor mehreren Jahrhunderten geboren wurde.“ [Klappentext, gekürzt]

The coming of Joachim Stiller

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07: MICHEL FABER, „Das karmesinrote Blütenblatt“

  • Historienroman mit soliden Kritiken: Faber selbst schreibt auch Krimis und (semi-)anspruchsvolle Schmöker
  • 1054 Seiten, List 2004 (Original von 2002)

„London 1874: William Rackham, glückloser neigender Erbe eines Parfümimperiums, trifft auf die Hure Sugar: Ein erotischer Roman, der meisterhaft mit den Mitteln der erzählerischen Verführung spielt – vor allem aber eine unvergessliche Geschichte um die Hoffnungen und Täuschungen der Liebe.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Karmesinrote Blütenblatt

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08: RENATE DORRESTEIN, „Herz aus Stein“ / „Heart of Stone“

  • Familien- und Erinnerungsroman in simpler Sprache: domestic fiction.
  • Original von 1994, US-Ausgabe (lieferbar) von 2001.
  • Deutsch bei Bertelsmann (272 Seiten), 2009, vergriffen (Amazon)

„Ellen ist siebenunddreißig und schwanger, als sie kurz entschlossen das leer stehende Haus ihrer Eltern kauft. Anhand eines Fotoalbums versucht sie zu verstehen, wie der so glückliche Familienalltag in einer Tragödie enden konnte. Drei Geschwister und Ellens Eltern wurden dabei getötet. Warum hat gerade sie überlebt?Suggestiv, psychologisch dicht und voller Spannung erzählt Renate Dorrestein von einer Frau, die nach langer Zeit die Kraft findet, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.“ [Klappentext, gekürzt]

A Heart of Stone

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09: FERDINAND BORDEWIJK, „Charakter. Roman von Sohn und Vater.“

  • Antikriegs-Kultroman, im katalanischen Original erschienen 1956.
  • 368 Seiten, dtv 2010 (Original von 1938)
  • es gibt auch eine Übersetzung von Cees Noteboom – dann mit dem Untertitel „Roman von Vater und Sohn“
  • Verfilmung von 1997, gute Kritiken

„Rotterdam, zwischen den Kriegen. Der ehrgeizige Jacob Katadreuffe arbeitet sich buchstäblich aus der Gosse bis in die oberste Etage einer Anwaltskanzlei. Doch ein Widersacher wirft ihn erbarmungslos immer wieder zurück: sein eigener Vater. Will er sich dafür rächen, dass Jacobs Mutter ihn einst zurückwies? Oder schickt der Vater den Sohn durch die harte Schule des Lebens, um ihn zu festigen?“ [Klappentext, gekürzt]

Charakter Roman Von Sohn Und Vater und: Charakter

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10: DAVID VAN REYBROUCK, „Kongo. Eine Geschichte“

  • Sachbuch: van Reybrock, ein recht junger belgischer Autor, über die Kolonialgeschichte Kongos und deren Folgen
  • 783 Seiten, Suhrkamp 2013 (Original von 2010)

„Fesselnd und atemberaubend erzählt David Van Reybrouck die Geschichte Kongos – von der belgischen Kolonialzeit über die 32-jährige Mobutu-Diktatur und den »afrikanischen Weltkrieg« in den neunziger Jahren bis in die Gegenwart, er berichtet aus der eindrücklichen Perspektive derjenigen, die in ihrem Land leiden, kämpfen, leben.“ [Klappentext]

Kongo - Eine Geschichte

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11: CEES NOTEBOOM, „Rituale“

  • Flaneur- und Großstadtroman, vielleicht etwas verquast oder gesucht drollig: alle Nooteboom-Romane wirken recht ähnlich, und „Allerseelen“, der einzige, den ich komplett las, war eine verblasene Altmänner-Nullrunde.
  • 231 Seiten, Suhrkamp u.a. 1985 (Original von 1980)

„Das Amsterdam der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre erscheint hier in der Perspektive von Inni Wintrop. Dieser will Selbstmord begehen in seinem WC.“ [Klappentext, gekürzt. Der US-Text klingt besser:] „A man of independent means oddly suited to survival amid the chaos of modern life, Inni Wintrop is a committed dabbler, content to casually wander the streets of Amsterdam, speculate in art and love, and write a newspaper horoscope column. But his inconsistencies are interrupted when he meets two men who are the epitome of order and regulation.“

Rituals

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12: BARBARA STOK, „Vincent“

  • sehr simpel gezeichnete, aber sympathische Graphic Novel
  • noch nicht auf Deutsch erhältlich
  • 144 Seiten, englische Ausgabe bei Selfmadehero Books 2014 (Original von 2012)

„The turbulent life of Vincent van Gogh is a constant source of inspiration and intrigue for artists and art lovers. This beautiful graphic biography documents the brief and intense period of creativity Van Gogh spent in Arles, Provence. Away from Paris, Van Gogh falls in love with the landscape and light of the south of France. But attacks of mental illness leave the painter confused and disorientated.“ [Klappentext, gekürzt]

Vincent (Art Masters)

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13: ARTUR JAPIN, „Der Schwarze mit dem weißen Herzen“

„Die ersten zehn Jahre meines Lebens war ich nicht schwarz“, sagt Kwasi Boachi, der asantische Prinz, über sich. Im Jahre 1837 war er zusammen mit seinem Cousin von seiner afrikanischen Heimat in die Niederlande gebracht worden. Dort wurden sie als Weiße erzogen und bei Hofe vorgeführt. Arthur Japin schildert die historisch belegte Geschichte der beiden Prinzen, er erzählt von Entwurzelung, Freundschaft und dem Schmerz, zwischen zwei Kulturen gefangen zu sein.“ [Klappentext]

Der Schwarze mit dem weißen Herzen

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14: STEFAN HERTMANS, „Der Himmel meines Großvaters“

  • recht konservativ/betulich erzählte Biografie/Lebensgeschichte. Freunde fanden es zu brav und bieder.
  • 320 Seiten, Hanser 2014 (Orginal 2013)

„Eine ergreifende Familiengeschichte vor dem Panorama einer untergegangenen Welt. ‚Man kann alles, wenn man will!‘, sagt der alte Mann zu seinem Enkel und schwingt sich in den Kopfstand. Die wahre Willenskraft seines Großvaters begreift Stefan Hertmans jedoch erst, als er dessen Notizbücher liest, und beschließt, den Roman dieses Lebens zu schreiben. Eindringlich beschwört er eine bitterarme Kindheit in Belgien, zeigt den 13-Jährigen, wie er bei der Arbeit in der Eisengießerei davon träumt, Maler zu werden, und stattdessen im Ersten Weltkrieg an die Front nach Westflandern gerät. Dass der Mann, der dieses Grauen überlebt, fast am Tod seiner großen Liebe zugrunde geht, ist eines der Geheimnisse, denen der Enkel auf die Spur kommt.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Himmel meines Großvaters

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15: PAUL VERHAEGEN, „Omega Minor“

  • Geschichten- und Historienmosaik mit Thriller-Elementen, David Mitchell recht ähnlich.
  • 955 Seiten, Eichborn 2006 (Original von 2004)

„Berlin. Immer in Bewegung, balancierend auf dem gefährlichen Grat zwischen Glanz und Verfall. Dort leben Menschen wie die Filmstudentin Nebula, die von Hugo gerettet wird, dem strohblonden Riesen in den schwarzen Stiefeln. Dazu der Psychologe Paul Andermanns, der seine Zivilcourage fast mit dem Tod bezahlt. Und im Krankenhaus neben Johann de Heer erwacht – ein alter Mann, der seine Geschichte Paul erzählen will: die Geschichte eines Berliner Jungen mit jüdischen Vorfahren…“ [zu pathetischer Klappentext, gekürzt]

Omega Minor

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16: STEPHAN ENTER, „Spiel“

  • Erinnerung, Coming-of-Age… recht bürgerlich/erwartbar, aber literarisch überzeugend
  • 304 Seiten, Berlin Verlag 2009 (Original von 2007)

„Norbert ist neun und verliert beim Scrabble jedes Mal gegen seine Großmutter. Für ihn ist das der Beweis, dass sie ihn ernst nimmt — und er liebt sie dafür wie niemanden sonst. Als er Jahre später doch gegen sie gewinnt, erkennt er schlagartig, was Älterwerden bedeutet — für sie beide. Bei Indianerspielen, Schach und in den Machtspielen der Jungen lernt er, seine Rolle einzunehmen. Stephan Enter spürt jenen kleinen Verschiebungen des Blicks nach, die das Vertraute unwiederbringlich verändern können, in einem ebenso fesselnden wie poetischen Roman.“ [Klappentext, gekürzt]

Spiel

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17: HEERE HERESMA, „Ein Junge aus Amsterdam“ (1938-46)

  • eine Kindheit im besetzten Amsterdam, durchwachsene Kritiken, aber guter erster Eindruck
  • 180 Seiten, Ammann Verlag 2008, vergriffen (Original von 2007)

„Eine der schönsten Städte Europas – im Ausnahmezustand. Amsterdam ist unter deutscher Besatzung. Der kleine Junge lernt ein neues Gefühl kennen, eine Mischung aus Angst, Spannung und Sensation. Täglich wieder verschwindet einer seiner jüdischen Freundinnen und Freunde, und niemand scheint zu wissen warum und wohin. Der Vater hat als Theologe ein besonderes Interesse an jüdischer Religion und Gebräuchen. Der Judenstern wird eingeführt, Juden werden versteckt, auch im Elternhaus. Der Junge hat viel Verantwortung zu tragen.“ [holpriger Klappentext, gekürzt]

Een jongen uit plan Zuid '38-'46

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18: TED VAN LIESHOUT, „Bruder“

  • schwuler Jugendlicher liest das Tagebuch seines toten Bruders: kurzer, sympathischer YA-Roman.
  • im ähnlichen Stil: Edward van de Vendels „Die Tage der Bluegrass-Liebe“ (2008, Original 1999)
  • mehr schwule/lesbische/queere Jugendbuchtipps hier (Link)
  • 150 Seiten, vergriffen bei Mittelhauve (1999), 2005 als Taschenbuch bei Beltz & Gelberg (Original 1996)

„Seit einem halben Jahr ist Marius nun schon tot, morgen wäre er fünfzehn geworden. Mam möchte auf ihre Art von ihm Abschied nehmen, sein Zimmer einfach leer räumen und alles im Garten verbrennen. Für Luuk ist das so, als habe es seinen Bruder nie gegeben. Ob Mam auch das Tagebuch verbrennen wird? Auf der ersten leeren Seite fängt Luuk an, seine Gedanken aufzuschreiben. So entsteht ein geheimes Zwiegespräch, das enthüllt, was beide jahrelang voreinander zu verbergen suchten. Deutscher Jugendliteraturpreis.“ [Klappentext, leicht gekürzt]

Bruder

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19: RIEN PORTVLIET und WILL HUYGEN, „Gnomes“/“Das große Buch der Heinzelmännchen“/“Leven en Werken von de Kabouter“

  • naturkundlicher Bildband über Anatomie, Kultur und Lebenswelt der Kabauter/“Heinzelmännchen“: ein All-Ages-Wichtelbuch, etwas kitschig, aber bemerkenswert detailverliebt und atmosphärisch
  • 464 Seiten, 11. September, Ullstein

„Gibt es Heinzelmännchen wirklich? Und wenn ja, wo leben sie? Und wie? Helfen sie wirklich Menschen und Tieren in Not? In diesem Buch erfahren wir die Wahrheit.“ [kindischer Klappentext, extrem gekürzt]

Gnomes

Die Vorlage der RTL-Trickserie „David, der Kabauter“ (1985 bis 87, deutsch im „Li-la-Launebär“, ab 1989)


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20: LOUIS-PAUL BOON, „Sommer in Ter-Muren“

„The story of Ondine and Oscarke, a young married couple adrift in a Belgian landscape that is darkening under the spread of industry and World War I. Ondine, who „came to serve god and live,“ finds that she must „serve the gentlemen“ instead. Oscarke, an aspiring sculptor, finds himself unsuccessfully scouring Brussels for work and, when he is finally hired, too tired to make his own art. They grow old and their four children grow up as „technology and mechanization, unemployment, fascism, and war“ take over around them.“ [US-Klappentext, gekürzt]

Summer in Termuren …und der Vorgänger: Chapel Road

 

Bücher, weder auf Deutsch noch auf Englisch erhältlich, auf die ich Lust habe:

Sprakeloos  Kees de jongen  Wij zijn maar wij zijn niet geschift  Birk  Woesten

Kom hier dat ik u kus  De onderkant van sneeuw  Doelwit  Verbroken  Hex
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in deutscher Übersetzung, aber vergriffen oder ohne Leseprobe:

Visions of Hanna  Geheime kamers  Käse  Vater / Zwei Koffer  De larf: over kinderen en metamorfose

The Captain  Der Anwalt Der Hähne  I.M. Ischa Meijer - In Margine. In Memoriam Logbuch eines unbarmherzigen Jahres Jij zegt het

 

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Kinder- und Jugendbücher, noch nicht angelesen:

Turmhoch und meilenweit  Tigeraugen. Ein Zukunftsroman.  Die Gärten von Dorr  Eine Welt dazwischen  Als gäbe es einen Himmel  Kapitän Bontekoes Schiffsjungen

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Buchtipps Weihnachten, Herbst, Frankfurter Buchmesse 2015: die besten Romane

die besten Romane 2015 wordpress

Angelesen, vorgemerkt, entdeckt: meine Vorauswahl der literarischen Neuerscheinungen im Herbst 2015. Neue Bücher für die Zeit zwischen Herbstanfang, Frankfurter Buchmesse und Weihnachten.

Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

Jeden Spätsommer mache ich eine Liste mit Neuerscheinungen zur Frankfurter Buchmesse (Link 2014): eine erste Longlist der Bücher, die ich bis Ende des Jahres u.a. für ZEIT Online(an-)lesen, sichten, sortieren will.

Hier meine Auswahl für Herbst und Winter 2015. Ergänzungen / Empfehlungen sind willkommen – vielen Dank! Bücher aus kleineren Verlagen sind noch nicht auf der Liste, weil ich bisher nur via Goodreads gesucht und sortiert habe; und Indie-Bücher oft keine Goodreads-Einträge haben.

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fünf aktuelle Bücher, gelesen: Empfehlungen!

1. “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969”, Frank Witzel, Matthes & Seitz

  • Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015
  • 800-Seiten-Kindheits-und-Erinnerungsbuch über die BRD, Matthes & Seitz
  • sehr überbordend, albern, mäandernd, voller Zitate und Zeitgeschichte
  • ein anspruchsvoller und ca. 350 Seiten zu langer Roman: es gibt deutlliche Hänger… aber so viel Erzählfreude, Originalität, Überraschungen: tatsächlich ein literarisches Ereignis.

“Ein Spiegelkabinett der Geschichte im Kopf eines Heranwachsenden: Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst; das dichte Erzählgewebe ist eine explosive Mischung aus Geschichten und Geschichte, Welterklärung, Reflexion und Fantasie: ein detailbesessenes Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die 1989 Geschichte wurde. Ein mitreißender Roman, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt.” [Klappentext, gekürzt.]

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

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2. Jenny Erpenbeck, “Gehen ging gegangen”, Knaus

  • Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015
  • 352 Seiten, Knaus
  • Professor mit Sinnkrise sucht Kontakt zu Geflüchteten am Berliner Oranienplatz
  • politischer Roman über die Frage, wie Engagement hilft und was Menschen einander geben können: die Sprache ist sehr simpel, vieles wirkt didaktisch, erklärend, etwas kunstlos… aber keinem Buch wünsche ich 2015 mehr Leserinnen und Leser. Informativ, menschlich, sympathisch und klug.
  • ich mochte “Das alte Kind” nicht, Erpenbecks staubige, viel zu betuliche Kurzgeschichten. auch hier im Portrait wirkt sie verkrampft (Link: könnte aber auch an der Journalistin liegen). aber “Heimsuchung” gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Erpenbeck ist keine sehr „junge“ oder frische Erzählerin.

“Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika zu suchen, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.” [Klappentext, gekürzt.]

Gehen, ging, gegangen …und, große Empfehlung: Heimsuchung

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3. Ulrich Peltzer, „Das bessere Leben“

  • Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015
  • 448 Seiten, S. Fischer
  • sehr kühler, sperriger, aber kluger Roman über Manager über 50, die 2006 aus dem Koffer leben und entscheiden müssen, welchen Platz sie Beruf, Familie und Liebe einräumen.
  • erst ab ca. Seite 240 nimmt der Roman Fahrt auf: viel Vorlauf, viele Zeitsprünge und Auslassungen, an vielen Stellen prätenziös, ins Leere laufend.
  • den deutschen Buchpreis hat Peltzer nicht verdient. aber ich hatte Spaß daran, mich durch ein sehr trockenes, aber komplexes und überraschend warmherziges Buch zu beißen.

„Aus ehemaligen Revolutionären sind Manager geworden, Akteure der Wirtschaft. Sie sind involviert in globale Geschäfte zwischen Mailand, Südamerika und China, ihre Deals sind dubios. Haben sie alles verraten? Was heißt es heute in dieser Welt, gut zu leben? Jochen Brockmann ist erfolgreicher Sales Manager, doch er verstrickt sich in ein abstürzendes System. Die Bank gibt keinen Kredit mehr, Indonesien investiert nicht, es bieten sich die Chinesen an. Sylvester Lee Fleming ist ein skrupelloser Geschäftemacher, Finanz-Investor und Risiko-Berater. Er erscheint, als Retter, Verführer und Versucher. Ist er ein Abgesandter des Teufels oder nur ein Psycho? Er kreuzt Brockmanns Weg. Ist das Zufall oder Plan?“

Das bessere Leben

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4. David Levithan, „Two Boys kissing – jede Sekunde zählt“

  • 288 Seiten, S. Fischer
  • das beste Jugendbuch, das ich 2013 las, endlich auf Deutsch.
  • mehr schwule, lesbische, queere Jugendbuch-Tipps hier.
  • für ZEIT Online schrieb ich 2013: „In US-amerikanischen Jugendbüchern tut sich stilistisch oft nicht viel: Stakkatosätze. Präsens. Sekundenrealismus, nah am Ich-Erzähler. Alles klingt gleich. Nichts irritiert. Eine Ausnahme ist David Levithan, der in zehn Jahren fast 20 Bücher über Paare, Selbstverwirklichung und Partnerschaft-als-Selbstverwirklichung schachtelte. Jedes klang anders. Allerdings ist Two Boys Kissing der erste Levithan-Roman, der mich überzeugt: Acht schwule Jugendliche auf dem Land, 50 Stunden persönlichste Katastrophen und Triumphe, brillante Perspektivwechsel, Schnitte. 200 Seiten nichts als Sätze, die Leser zum Weinen bringen wollen. Vor Wut. Freude. Begeisterung. Ein hoher Ton.“

„Craig und Harry wollen ein Zeichen für alle schwulen Jungs setzen. Dafür küssen sie sich. 32 Stunden, 12 Minuten und 10 Sekunden. So lange dauert es, um den Weltrekord im Langzeitküssen zu brechen. So lange dauert es, das Leben aller schwulen Pärchen in der Umgebung für immer zu verändern… Geschickt verwebt David Levithan all ihre Geschichten zu einer großen Geschichte über homosexuelle Jugendliche von heute.“ [Klappentext, gekürzt.]

Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt

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5. Arthur Miller, „Fokus“ (alter deutscher Titel: “Brennpunkt”)

  • 280 Seiten, S. Fischer
  • “Mad Men”-artiger Büro- und Kleinbürger-Roman über Rassismus und Antisemitismus in Manhattan und Brooklyn 1945. Eins meiner Lieblingsbücher 2014.

„Mr. Newman ist ein kleiner Angestellter mit einem großen Ehrgeiz. Von seinem gläsernen Büro aus überwacht er die ihm unterstellten Stenotypistinnen. Doch eines Tages lässt seine Sehkraft nach. Als der Arzt ihm eine Brille verordnet, beginnt sein Leidensweg. Denn plötzlich wirkt Newman in den Augen seiner Mitmenschen irgendwie »jüdisch«. Newman, bislang rassistischen Diffamierungen gegenüber vollkommen gleichgültig, steht plötzlich selbst im Brennpunkt antisemitischer Hetze.“ [Klappentext, gekürzt]

Focus

 

21 neue Bücher, angelesen, gemocht, vorgemerkt:

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01: IRENE RUTTMANN, „Adèle“

  • kluge und berührende Romanze im 1. Weltkrieg
  • 362 Seiten, 8. August, Suhrkamp/Insel

„Der junge deutsche Drogist Max ist im Dezember 1916 an der Aisne in Frankreich als Krankenträger im Fronteinsatz. In einem verlassenen Ort sucht er nach Kräutern, um die Bauchschmerzen seiner Kameraden zu lindern, als er Adèle, das Mädchen aus der Champagne, trifft. Behutsam entwickelt sich eine Liebesgeschichte während der blutigsten Schlachten im Ersten Weltkrieg.“ [Klappentext, gekürzt]

Adèle

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02: SERHIJ ZHADAN, „Mesopotamien“

  • ein junger Freundeskreis im Zweistromland – ohne Sozialromantik.
  • 362 Seiten, 8. August, Suhrkamp/Insel

„Romeo, zwanzig Jahre alt, ist zum Studium nach Charkiw gekommen. Vor dem Hintergrund des Krieges, der bereits begonnen hat, kämpfen Marat, Romeo, Sonja, Ivan, Bob gegen die drohende Verfinsterung ihres Lebens, um ihre Liebe, um ein mutiges, freies Verhältnis zueinander, dem auch der Tod nichts anhaben soll.“ [Klappentext, gekürzt]

Mesopotamien

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03: EIMEAR McBRIDE, „Das Mädchen ein halbfertiges Ding“

  • Gestammel? oder große Poesie? ein Buch, erzählt in atemloser, verkürzter Sprache
  • 256 Seiten, 4. August 2015, Schöffling

„Eine junge Frau wächst in der Enge einer irischen Kleinstadt auf, das Leben ihrer Familie ist von der Krankheit ihres Bruders geprägt. Ihr wahres Leben spielt sich im Kopf ab. Der Debütroman hat mit seiner unvergesslichen Sprache für Furore gesorgt.“ [Klappentext, gekürzt]

A Girl Is a Half-formed Thing

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04: JÜRGEN BECKER, „Jetzt die Gegend damals“

  • Schreib- und Perspektive-Experimente um Erinnerung und Identität: Jürgen Becker erschreibt sein Leben, aus Sicht des fiktiven Alter Egos Jörn Winter
  • 161 Seiten, 8. August 2015, Suhrkamp

„Eine Chronik der angehaltenen und zugleich vergehenden Zeit: Jörn Winter folgt den biographischen Wegen des Verfassers Jürgen Becker; sie gehen zurück in die dreißiger Jahre, in Kriegs- und Nachkriegszeit, in die fünfziger Jahre, in die Gegenwart, und Jörn spricht davon, als wäre es sein eigenes Leben: Becker beschäftigt ihn als Alter Ego, um die Distanz zum eigenen Lebenslauf zu wahren; als Korrespondenten, der von Orten und Personen, Landschaften und Gegenden die Geschichten erzählt, die vom Jetzt und vom Damals handeln. “ [Klappentext, gekürzt]

Schnee in den Ardennen. Journalroman [Vorgängerbuch. „Jetzt die Gegend damals“ ist noch nicht auf Goodreads.]

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05: SABINE RENNEFANZ, „Die Mutter meiner Mutter“

  • Erinnerungsbuch über Traumata und häusliche Gewalt in der deutschen Nachkriegszeit
  • 256 Seiten, 14. September 2015, Luchterhand

„Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst. Trotzdem muss sie Friedrich heiraten. Über die Umstände wissen die drei Töchter, die aus der Ehe hervorgehen, lange nichts. Erst zwanzig Jahre nach dem Tod des Vaters kommt ein Geheimnis ans Licht.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Mutter meiner Mutter

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06: KARL-OVE KNAUSGARD, „Träumen“ (Band 5 [von 6] aus „Mein Kampf“)

  • geschwätzig? banal? langweilig? oder der größte, wichtigste autobiografische Romanzyklus über Wahrnehmung, künstlerische Selbstfindung und Scheitern im Bürgertum seit Proust?
  • 800 Seiten, 21. September 2015, Luchterhand

„14 Jahre verbrachte Knausgård in Bergen, bevor er aus der norwegischen Küstenstadt regelrecht nach Stockholm floh: Jahre, in denen er so unermüdlich wie erfolglos versuchte, Schriftsteller zu werden, in denen seine erste Ehe scheiterte, in denen sich Momente kurzer Glückgefühle mit jenen tiefster Selbstverachtung die Hand gaben. Dabei hatte es am Anfang so gut ausgesehen. Er hatte einen Studienplatz an der Akademie für Schreibkunst ergattert, endlich eine Freundin gefunden…“ [Klappentext, gekürzt]

Träumen

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07: NICHOLSON BAKER, „Das Regenmobil“

  • ein überraschend launiger Versager- und Schwerenöter-Roman von Sprachkünstler Baker
  • 288 Seiten, 18. Dezember, Rowohlt

„Paul ist Dichter (mäßig erfolgreich) und vermisst seine Exfreundin Roz, die ihn verlassen hat. Um seinem Leben wieder Sinn zu geben und seinen drohenden Fünfdundfünfzigsten zu vergessen, besorgt er sich eine akustische Gitarre und sattelt auf Pop- und, vor allem, Protestsongs um. Er weiß nicht, was ihm mehr zuwider ist: Amerikas Drohnenkrieg oder Roz‘ neuer Freund. Während er auf seinem alten Bauernhof in Maine darüber nachdenkt, erheitern allerlei tröstliche Alltagsvergnügen sein schwankendes Gemüt: sein Traum-Rasensprenger, die Saiten seines Eierschneiders, die einen fast perfekten Mollakkord ergeben, einige Experimente mit Tabak…“ [Klappentext, gekürzt]

Das Regenmobil

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08: EDWIGE DANTICAT, „Kein anderes Meer“

  • Coming-of-Age in Haiti: magischer Realismus und existenzielle Not. vielleicht etwas süßlich.
  • 256 Seiten, 24. August, Hanser

„Am Morgen hatte sie noch wie jedes Jahr mit ihrem Vater Nozias das Grab der Mutter besucht. Jetzt ist die siebenjährige Claire spurlos verschwunden, am Strand von Ville Rose auf Haiti. Sie sollte ihr Heimatdorf verlassen, von einer reichen Tuchhändlerin adoptiert werden. Ist sie deshalb geflohen? Die haitianisch-amerikanische Autorin Danticat erzählt märchenhaft und doch realistisch von Ville Rose, einem Ort, wo Bäume in den Himmel fliegen und Frösche in der Hitze explodieren.“ [Klappentext, gekürzt]

Claire of the Sea Light

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09: JOAN SALES, „Flüchtiger Glanz“

  • Antikriegs-Kultroman, im katalanischen Original erschienen 1956.
  • 576 Seiten, 28. September, Hanser

„Im belagerten Barcelona wütet das Chaos. Lluis, Atheist, ehemaliger Anarchist und Skeptiker, verlässt seine Frau, um in den Bergen mit den Republikanern zu kämpfen. Doch es ist eine „tote Front“, wo die Anarchisten Klöster verwüsten und Zivilisten hinrichten. Lluis ist entsetzt, überschreitet aber selbst die Grenze der Moral und sucht Antworten auf seine Fragen nach dem Ursprung des Bösen, nach Gott und den Möglichkeiten der Liebe.“ [Klappentext, gekürzt]

Flüchtiger Glanz

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10: RICHARD FLANAGAN, „Der schmale Pfad durchs Hinterland“

  • im schlimmsten Fall ist das ein Mainstream-Schmöker in der Tradition von „Der englische Patient“. stilistisch aber überzeugt es mich erstmal.
  • 448 Seiten, 14. September, Piper

„Dem begabten Chirurgen Dorrigo Evans steht eine glänzende Zukunft bevor. Doch als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Während er in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zur Frau seines Onkels.“ [Klappentext, gekürzt]

Der schmale Pfad durchs Hinterland

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11: MARTIN AMANSHAUSER, „Der Fisch in der Streichholzschachtel“

  • Spaßroman, dick aufgetragen – aber originell und sympatisch schrullig.
  • 576 Seiten, 27. Juli, Deuticke

„Auf der Karibik-Kreuzfahrt, die Fred mit seiner Frau Tamara und dem pubertären Nachwuchs unternimmt, herrscht Langeweile. Dann trifft er an Bord ausgerechnet auf seine Exfreundin Amélie, das Schiff gerät in einen Orkan, der Kontakt zur Außenwelt ist unterbrochen und eine Horde eigenwilliger Piraten aus der Vergangenheit kapert das Schif. Diese haben es auf Pfefferstreuer und Toilettenpapier abgesehen und reagieren panisch auf die technischen Errungenschaften aus dem 21. Jahrhundert. Eine hinreißende Satire, eine Liebesgeschichte mit Humor aus einer Welt voller Wunder.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Fisch in der Streichholzsch​achtel

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12: EDITH WHARTON, „Zeit der Unschuld“

  • Neuauflage des US-Gesellschaftsromans von 1920.
  • 400 Seiten, 8. September, Manesse

„Der ehrgeizige New Yorker Anwalt Newland Archer muss sich entscheiden: Will er sein Leben mit May Welland teilen, einer jungen Frau aus gutem Haus und wie geschaffen für sein berufliches Fortkommen? Oder steht er zu seinen Gefühlen für Mays Cousine Ellen Olenska, die im Begriff ist, gegen alle Konventionen zu verstoßen?“ [Klappentext, gekürzt]

Zeit der Unschuld

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13: WILLIAM FAULKNER, „Absalom, Absalom!“

  • düsterer, anspruchsvoller Südstaaten-Romanklassiker in neuer Übersetzung
  • 480 Seiten, 25. September, Rowohlt

„In neuer Übersetzung von Nikolaus Stingl: Aus der biblischen Geschichte von Absalom, in die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs versetzt, wird die Geschichte der Sutpens, die sich über mehr als ein Jahrhundert erstreckt. Thomas Sutpen stammt aus einer armen weißen Familie, heiratet auf Haiti die reiche Eulalia Bon und taucht 1833 plötzlich mit einem Haufen schwarzer Sklaven in Jefferson auf, wo er Land kauft, ein Herrenhaus errichtet, ein zweites Mal heiratet und gesellschaftliches Ansehen erwirbt. Es geht um Schuld und Schuldgefühle der Sklavenhaltergesellschaft, den unmöglichen Versuch, die Niederlage im Bürgerkrieg als notwendig zu erkennen, die Macht des Geldes und die Verwüstungen, die es anrichtet.“ [Klappentext, gekürzt]

Absalom, Absalom!

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14: EMILY ST. JOHN MANDEL, „Das Licht der letzten Tage“

  • ein sanfter und stiller Roman über den Alltag einer Wandertheatertruppe, 20 Jahre nach einer verheerenden, weltweiten (?) Seuche.
  • 416 Seiten, 14. September, Piper

nichtssagender, entsetzlicher deutscher Kitsch-Klappentext: „Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.“

Das Licht der letzten Tage

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15: WILLY VLAUTIN, „Die Freien“

  • Vlautins Romane sind mir oft zu dick aufgetragen und mit zu schlichtem Gut-Böse-Rollen. Hier geht es um ein Ensemble – deshalb bin ich optimistisch(er).
  • 320 Seiten, 5. Oktober, Berlin Verlag

„Versehrt ist Leroy Kervin aus dem Einsatz im Irak zurückgekehrt. Jetzt kämpft er ums Überleben. Und die Menschen an seiner Seite haben in ihrem Alltag nicht weniger zu kämpfen: Für Freddie McCall ist die Nachtschicht in Leroys Wohngruppe nur einer der Jobs, die er braucht, um die Arztrechnungen seiner Tochter zu bezahlen. Die Krankenschwester Pauline kämpft verzweifelt um das Leben ihrer jungen Patientin Jo. Für die Helden dieses Buches sind die USA ein kaltes Land ohne Gnade. Freiheit? Für die einfachen Menschen scheint es sie nicht zu geben.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Freien

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16: OLIVER BOTTINI, „Im weißen Kreis“

  • Freiburg-Krimis (Band 6 einer Reihe), stilistisch überzeugend. Die Beschreibung des Plots klingt überkonstruiert und „Tatort“-haft.
  • 350 Seiten, 24. September, Dumont

„Louise Bonì, Hauptkommissarin der Kripo Freiburg, erhält von einer Informantin den Hinweis, dass ein Mann zwei Waffen bei russischen Kriminellen gekauft habe. Ihre Ermittlungen führen sie in die Neonazi-Szene, und durch einen Zeitungsartikel stößt sie auf ein »perfektes Opfer«: Ludwig Kabangu, ein Ruander, der von der Universität Freiburg die Gebeine eines Ahnen zurückfordert. Deutsche Wissenschaftler hatten diese hundert Jahre zuvor zum Zweck der Rassenforschung nach Freiburg gebracht.“ [Klappentext, gekürzt]

Im weißen Kreis

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17: CLAIRE NORTH, „Die vielen Leben des Harry August“

  • süffiger und klug konstruierter Young-Adult-Science-Fiction-Roman
  • 496 Seiten, 12. November, Lübbe

„Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal. Er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden — mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso. Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern.“ [Klappentext, minimal gekürzt]

Die vielen Leben des Harry August

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18: HORACIO CASTELLANOS MOYA, „Der Traum von Rückkehr“

  • Thema? toll. Stil? toll. ich wünschte nur, das Buch wäre länger und hätte mehr Zeit, diese Themen auszuloten.
  • 176 Seiten, 20. August, S. Fischer

„Der große Exilroman des salvadorianischen Schriftstellers. Zweimal aus dem Heimatland vertrieben, ist ›Der Traum von Rückkehr‹ ein persönlicher: Mit trockenem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie enthüllt der Protagonist Erasmo Aragón eine ebenso spannende wie verworrene Geschichte. Das politische wird zum existentiellen Exil.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Traum von Rückkehr

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19: DARRAGH McKEON, „Alles Stehende verdampft“

  • die ersten Seiten lesen sich wie ein gut gemeinter TV-Mehrteiler vom „Emergency Room“-Team: ein bisschen behäbig, aber toll recherchiert.
  • 464 Seiten, 11. September, Ullstein

„April 1986, ein kalter Frühlingsmorgen in Weißrussland. Der dreizehnjährige Artjom darf zum ersten Mal mit den Männern des Dorfes auf die Jagd gehen. Das Vieh auf den Weiden blutet aus den Ohren, und kurz darauf fallen die Vögel tot vom Himmel. Im benachbarten Tschernobyl ist das Undenkbare passiert. Die Katastrophe von Tschernobyl teilt das Leben in ein Davor und ein Danach ein: Der Bauernsohn aus Weißrussland, der Moskauer Chirurg vor den Trümmern seiner Ehe, seine Exfrau, die Dissidentin, und ihr Neffe, das Klavierwunderkind, sie alle werden durch den Super-GAU unwiderruflich verändert. Darragh McKeon zeichnet das Psychogramm einer hochtechnisierten Gesellschaft im Angesicht einer selbstverursachten Katastrophe. In eindringlichen Bildern und mit großem Einfühlungsvermögen für seine Figuren zeigt der Autor, wie eine solche Ausnahmesituation Menschen zu Fall bringen und Staatsapparate zerstören kann.“ [(toller) Klappentext, nur leicht gekürzt]

Alles Stehende verdampft

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20: LISA WILLIAMSON, „Zusammen werden wir leuchten“

  • Jugendbuch über eine junge Transsexuelle: sympathische Ich-Erzählerin, aber alles ein bisschen schlicht gestrickt, langsames Erzähltempo
  • 384 Seiten, 10. Dezember, S. Fischer

„Es ist Davids vierzehnter Geburtstag und als er die Kerzen ausbläst, ist sein sehnlichster Wunsch… ein Mädchen zu sein. Das seinen Eltern zu beichten, steht auf seiner To-do-Liste für den Sommer – gaaaanz unten. Bisher wissen nur seine Freunde Essie und Felix Bescheid, die bedingungslos zu ihm halten und mit denen er jede Peinlichkeit weglachen kann. Aber wird David jemals als Mädchen leben können? Und warum fasziniert ihn der geheimnisvolle Neue in der Schule so sehr?“ [unangenehm biederer Klappentext: Transsexualität ist keine „Peinlichkeit“, die „gebeichtet“ werden muss]

Zusammen werden wir leuchten


21: KATE RACCULIA, „Willkommen im Bellweather Hotel“

  • „Glee“ trifft „The Shining“? eine Young-Adult-Satire mit überdrehten und exzentrischen Musikern
  • 448 Seiten, 23. November, Limes

„Jedes Jahr im November findet in dem alten, einst prachtvollen Bellweather Hotel ein landesweiter Musikwettbewerb statt. Hunderte von Nachwuchstalenten strömen durch die Flure, darunter auch der schüchterne Rabbit Hatmaker und seine divenhafte Zwillingsschwester Alice, die bereits jetzt an ihren Memoiren schreibt. Auch Minnie Graves ist nach fünfzehn Jahren zum ersten Mal ins Bellweather zurückgekehrt. Damals, als kleines Mädchen, wurde sie Zeugin einer schrecklichen Tragödie, die sich in Zimmer 712 ereignete. Als die Hotelgäste von einem gewaltigen Schneesturm überrascht werden und eine begnadete Flötistin verschwindet – ausgerechnet aus Zimmer 712 –, treffen bei der Suche Personen aufeinander, die mehr miteinander gemeinsam haben, als sie ahnen.“ [Klappentext, gekürzt]

Willkommen im Bellweather Hotel

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Bonus:

drei Bücher aus Frühsommer und Frühling, die ich erst jetzt entdeckte:

ANN LECKIE, „Die Maschinen“

  • sperriger, aber preisgekrönter Science-Fiction-Roman über eine künstliche Intelligenz und ihre Rolle als Kriegsmaschine
  • 544 Seiten, 9. Februar, Heyne

„Was wird aus den Menschen, wenn die Maschinen frei sein wollen? Breq ist eine Kämpferin, die auf einem einsamen Planeten auf Rache sinnt. Hinter ihrer verletzlichen, menschlichen Fassade verbirgt sich mehr: Sie wurde von den Radch geschaffen, die nach und nach das gesamte Universum unterworfen haben. Breq ist nur dem Äußeren nach eine Frau, vor allem aber ist sie ist eine perfekt konstruierte Maschine, abgerichtet zum Erobern und Töten. Nun aber beschließt sie das Unmögliche: Ganz allein will sie es mit Anaander Mianaai aufnehmen, dem unbesiegbaren Herrscher der Radch. Denn Breq will endlich frei sein.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Maschinen

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POLINA SCHEREBZOWA, „Polinas Tagebuch“

  • simples, bewegendes Tagebuch einer jungen Tschetschenin
  • 592 Seiten, 6. März, Rowohlt

„Neun Jahre alt war Polina Scherebzowa, als in Grosny Krieg ausbrach. In diesem Jahr, 1994, begann sie ihr Tagebuch, das sie zehn Jahre lang und über einen zweiten Konflikt hinaus führte. Es ist eine fesselnde Chronik vom Leben in Zeiten des Krieges, von der Schönheit und Grausamkeit des Daseins, die Polina stilistisch glänzend und mit der tiefen Lakonie eines Kindes, später einer jungen Frau beschreibt.“ [Klappentext, gekürzt]

Polinas Tagebuch

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SUSAN ABULHAWA, „Als die Sonne im Meer verschwand“

  • Mainstream-Roman über Israel und den Gazastreifen, klar und sympathisch erzählt
  • 448 Seiten, 23. November, Limes

„In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist.“ [Klappentext, gekürzt]

Als die Sonne im Meer verschwand

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Erzählen / Schreiben… mit „Babylon 5“

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Erzählerische Kniffe, Humor, Figuren von „Seinfeld“ wirken heute, über 20 Jahre nach den ersten Staffeln, recht angestaubt, konventionell: eine Alltags-Sitcom über misanthrope, weiße New Yorker Singles, verwöhnt und selbstbezogen. Moderne Zuschauer / Nachgeborene vergessen schnell (Link), wie viele Sitcom-Konventionen, -Standards erst in „Seinfeld“ ihre Form fanden:

Babylon 5“ (TNT / Warner, 1993 bis 1998, fünf Staffeln mit 110 Episoden, später mehrere Filme / Spin-Offs) zeigt Besatzung und Diplomaten / Botschafter einer Raumstation im Jahr 2258, die sich um Frieden zwischen Menschen und einem Dutzend fremder Völker bemüht. Eine Ensemble-Serie mit 20 zentralen Rollen, deutlich billiger inszeniert als die zeitgleich entwickelte „Star Trek“-Raumstation „Deep Space Nine“ (1993 bis 1999)…

aber mit Erzählfreude, langem Atem und der – damals: unerhörten – Ambition, einen komplexen, durchdachten, fünf Jahre langen „Story-Arc“ zu spannen:

  • Seinfeld“ prägte einen neuen Ton für Sitcoms / Comedy.

  • Babylon 5“ prägte Spannungsbögen, serialized Storytelling.

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Noch heute erzählen viele Serien „episodisch“ (in Deutschland: nahezu alle; in den USA: oft Produktionen des Konsens- und Berieselungs-Senders CBS). Statische Figuren, statische Konflikte, alle Fragen / Probleme zum Ende der jeweiligen Episode gelöst, bewältigt – ein schlichter, klarer, verlässlicher Status Quo, der acht, neun Jahre tragen kann, flexibel genug, um bockige Darsteller zu feuern / zu ersetzen, aber so simpel und einsteigerfreundlich, dass Episoden auch in falscher Reihenfolge oder mit großen Lücken verständlich bleiben.

Viele moderne (meist: einstündige) Drama-Serien dagegen versuchen sich seit „Babylon 5“ an einem durchgängigen Spannungsbogen: Jede Episode soll wichtig sein, Mosaikstein eines komplexen, sich langsam enthüllenden Gesamtbilds:

  • Grey’s Anatomy“, recht konservativ erzählt, plant zu Beginn eines Serien-Jahres Romanzen, Hochzeiten, Unfälle aller Figuren, „Character Arcs“ für jeweils 22 Episoden.

  • Lost“ hatte zwar zur ersten Staffel vage Ideen, was in Staffel 2 oder 3 geschehen kann. Doch erst im vierten Jahr, als ABC einen verbindlichen Endpunkt setzte (sechs Staffeln, 121 Episoden), planten die „Lost“-Autoren Abschluss, Auflösung, finale Dénouements.

  • Babylon 5“ ging einen Schritt weiter – mit einem konkreten Fünf-Jahres-Plan: 5 Staffeln, je 22 Episoden, verschlungene, von langer Hand geplante Routen, auf denen alle Völker, Figuren, Konflikte stimmige, oft tragische / überraschende Endpunkte erreichten.

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US-Schauspieler dürfen sechs Jahre lang für eine Serie unter Vertrag genommen werden – vor Staffel 7 beginnen neue, zähe Verhandlungen. Eine Stunde US-Prime-Time-TV hat fünf Werbeblocks – und viele Drama-Serien-Drehbücher damit fünf Akte und einen Teaser / Prolog. Ein Spielfilm-Drehbuch hat drei – ungleich große – Akte und in der Mitte einen zentralen Wendepunkt… oft also eine Art Vier-Akt-Struktur.

b5 aliens.

Persönlich leuchten mir – seit „Babylon 5“, 1998 – Fünf-Akt-Strukturen ein:

  • Exposition: Figuren. Orte. Fragen. Rätsel. Ärger!

  • Steigerung: Böse Überraschungen. Hässliche Wahrheiten. Eskalation!

  • Peripetie: Lösungen, Ziele, Hoffnung? Nein: Alles ändert sich.

  • retardierendes Moment: Scheitern. Patts. Stolpern. Die Zeit rennt fort.

  • Katastrophe: Jeder weiß jetzt, was er tun muss. Wählt, kämpft. Zahlt seinen Preis. Konsequenzen!

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Trotz bester Absichten hatte „Babylon 5“ Schwierigkeiten: Fast 20 erste Episoden, die ein Gefühl falscher Sicherheit vermitteln wollten – aber nur langweilten. Ein Hauptdarsteller, Michael O’Hare, dessen Figur zur zweiten Staffel ersetzt werden musste, und drei zentrale Frauen – Lyta, Talia, Susan Ivanova –, deren Character-Arcs verschoben / auf Ersatz-Figuren übertragen wurden: Staffel 4 führte alle Konflikte hastig, überstürzt zu Ende, weil eine fünfte Staffel fraglich schien… und als Jahr 5 doch noch bewilligt wurde, fehlten dieser letzten („Post-Script“-)Season Überraschungen.

Staffel 2 und 3 von „Babylon 5“ aber sind eine atemblose, klug orchestrierte Parade, nein: Lawine hässlicher Wendungen, Katastrophen und unerhörter, das Macht- und Figurengefüge der Serie erschütternder „Wham-Episodes“ (Link) und „Nothing is the same anymore!“(Link)-Enthüllungen: Mit jeder Szene wird alles schlimmer, schneller, dunkler und globaler / epischer. Sog! Tempo! Dringlichkeit!

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Für „Zimmer voller Freunde“ halfen „Babylon 5“ (und / aber: auch viele misslungene Handlungsbögen, z.B. bei „Veronica Mars“, „Akte X“, „Battlestar Galactica“, „Lost“, „Avatar – Herr der Elemente“) auf mehreren Ebenen:

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Die Umbrüche / Katastrophen / Entscheidungen, die ich behandeln will, geschahen (biografisch) zwischen…

  • 1997 (…ich war 14, Ende der achten Klasse), und

  • 2003 (…ich war 20, fertig mit Zivildienst / FSJ, bereit, Heimat und Freunde zu verlassen.)

Mein letzter möglicher „Vorher“-Zeitpunkt – bevor Stoff, Antje, Helena, Sassi, Frank etc. kollidierten – war Spätherbst 1999, Klasse 11; der frühstmögliche Punkt, unsere Geschichten schlüssig zu beenden, das Abitur, Juni 2002: Idealerweise, wenn Leser / Finanzen und Gesundheit stimmen, setze ich „Zimmer voller Freunde“ sofort fort, mit einem Buch über 2000 / 2001, und einem Abschlussband, bis 2002.

Ein „Zimmer voller Freunde“-Kapitel…

  • hat 12 bis 19 Seiten.

  • wird aus der Perspektive von Antje, Stefan oder Frank erzählt.

  • und jeweils sechs Kapitel, ca. 85 Seiten, ergeben einen Akt.

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Anfangs schienen fünf Kapitel pro Akt stimmiger, „symmetrischer“ – doch dieser Fünfer-Rhythmus wird durchschaubar / monoton, weil er nur folgende Optionen / Einteilungen erlaubt:

  • 2 (selten: 1) Kapitel von Frank.

  • 2 (selten: 1) Kapitel von Stefan.

  • Kapitel von Antje… so viele wie möglich / übrig.

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Ich stellte Akt 1 eine kurze, griffige Eröffnungsszene voran – szenischer / linearer als gewöhnliche Kapitel: ein Prolog / Teaser, in dem Stoff eine überraschende Rolle spielt; und entschied, jeden Akt mit einer (kurzen, schnellen, suggestiven) sechsten Szene im selben Stil zu schließen:

  • Prolog, Juni 1999: Stoff, via Antje.

  • Akt 1, Juli 1999: Kapitel Stefan – Frank – Antje – Stefan – Frank.

  • sechste Szene, Juli 1999: Stoff, via Stefan.

  • Akt 2, September 1999: Kapitel Frank – Stefan – Antje – Stefan – Frank.

  • sechste Szene, September 1999: Stoff, via Sassi… etc.

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Das klingt abstrakt, verkopft – doch fügt sich schnell zu einem dynamischen, guten „Stundenplan“ – fünf Akte / „Wochentage“, je sechs Kapitel / „Fächer“ – flexibel genug, drei Handlungssträngen (Antje, Stefan, Frank) zu folgen, ohne, dass Leser sofort errechnen, welche Figur „als nächstes kommt“:

  • 30 Kapitel (und ein Prolog).

  • 5 Akte: Juli, September und Dezember 99, Mai und Juli 2000.

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Wordpress Romanplan.

Die Handlung des Romans beginnt so spät wie möglich (…keine 20 Kapitel „falsche Sicherheit“, kein langsames in-die-Gänge-Kommen) – doch alle Figuren starten an Orten, absichtlich weit entfernt von ihren jeweiligen Zielen: „Babylon 5“ zeigt einen Feigling, der fünf Jahre später seine Heimatwelt regiert, einen Terroristen, der zum Gelehrten / passiven Widerständler wird, Freundschaften, Gelöbnisse, Allianzen, die überraschend zerbrechen:

Erzähler, die solche Endpunkte schon zu Beginn mitdenken, können sich die jeweils klügste, dramatischste Route wählen, die jede Figur auf ihrem Character-Arc zurücklegen wird. Entsprechend viele Probleme, Ängste, Konflikte, die real / biografisch schon 1997, 1998 bewältigt wurden, bleiben bei „Zimmer voller Freunde“ in der Gegenwart – Sommer 1999 bis Sommer 2000: Ereignisse, Tagebücher, Entwicklungen von 1997 bis 2003 – das wären sechs langsame, getrogene Romane – oder eben: drei schnelle, furiose.

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Meine wichtigste Lektion aus „Babylon 5“ handelt vom Vertrag, den Leser und Autor zu Beginn einer Geschichte schließen:

The Coming Of Shadows” [Staffel 2, Episode 9] „…[is] a defining moment in the series’ run, a dividing line between what came before and everything after. […] This is a specific event where the rules that viewers thought would hold true for the entire series are no longer true. But this isn’t just an issue of unexpected plot twists. It’s the way those twists are portrayed via magnificent moments, like an instant of horrible luck destroying the possibility of peace. It’s the way a year of developing characters who seem to embody right and wrong is flipped entirely in a scene of impressive dramatic irony. Before the mid-’90s, television didn’t work this way. Babylon 5 was one of the series that opened the door to the possibility that good wouldn’t always defeat evil, when a space station devoted to peace ended up triggering a war.

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schreibt Rowan Kaiser auf AVClub.com (Link) – und zeigt: „Babylon 5“ wirkt so dynamisch, dramatisch, unerhört, weil Regeln, Gewichte und Strukturen, die sich die Serie zu setzen schien („Wer sind die Hauptfiguren?“, „Wer sind die Guten?“, „Was ist Funktion, Anspruch, Hoheitsgebiet dieser Station?“) Stück für Stück verdreht, ersetzt, auf den Kopf gestellt wurden:

Eine Welt / Konzept / Ensemble mit klaren Parametern…

die so rasant und tiefgreifend ersetzt / verwandelt werden…

bis sich, endlich zeigt:

Es ging – von Anfang an! – um eine andere, komplexere Welt, Parameter, die die handelnden Figuren lange nicht bemerkten oder begriffen.

Die Rollen, die jeder zu spielen glaubt, sind ganz anders als die, die er schlussendlich spielt.

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Zimmer voller Freunde“ (Link) handelt…

von Schulhof-Casanova Frank, der alles tut, um „eine liebe Freundin“ zu finden.

von Außenseiter Stefan, der alles tut, um seine Freundschaften mit Stoff (stolz, schnippisch) und Helena (schüchtern, verkopft) zu retten.

von Antje, allein, nervös, die alles tut, um neue Ordnung / Sicherheit in ihre Familie zu bringen.

Schwerpunkte, Helden, Lebensziele und Allianzen meines Romans sind leicht verständlich, klar benannt – eine süffige, leicht erzählte Geschichte mit Sympathieträgern und Gegnern, Freunden, Außenseitern, Rivalen, Schurken, klaren Zielen. Und / aber, dahinter: eine andere, größere Geschichte. Die nicht im Exposé steht. Oder im Klappentext:

Atemberaubend, unerhört an „Babylon 5“ waren nicht die Schlenker, Ausfallschritte und Saltos, die diese Serie fünf Jahre lang, in fünf dramaturgisch (meist / überraschend:) stimmigen Akten, schlug – sondern, wie Autoren jedes Jahr sehr überzeugend versicherten: „DAS wäre zuviel!“, „DAS ist nicht drin!“, „DIESE Leute sind sicher!“, „HIER ist die Grenze!“…

nur, um alle Grenzen – lustvoll, dramatisch, überraschend! – zu überschreiten.

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Stefan Mesch schreibt an “Zimmer voller Freunde”, seinem ersten Roman…

…und – hin und wieder – über Serien und Fernsehen, z.B. hier und hier.

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Romane 2012: Neuerscheinungen, Empfehlungen

Interessante Bücher, 2012?

Update, Spätsommer 2012: Bis heute googeln viele Leser diesen Eintrag. Weil er schon älter ist (Dezember 2011), hier ein paar Ergänzungen / Empfehlungen.

Die besten Bücher, erschienen 2012, die ich bisher dieses Jahr gelesen habe?

  • Gerbrand Bakker, „Der Umweg“, Suhrkamp, März 2012. (große Empfehlung!)
  • Scott Snyder: „Batman: Court of Owls“, DC Comics, Mai 2012 (der beste Batman-Comic seit Jahren. Einsteigerfreundlich / kein Vorwissen nötig.)

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aktuelle Bücher von jungen deutschen Autoren / Freunden, auf die ich mich freue (noch nicht gelesen):

  • Sabrina Janesch, „Ambra“, Luchterhand, August 2012.

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Die ursprüngliche, erste Auswahl, von Dezember 2011:

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deutsche Autorinnen und Autoren:

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01) Christian Schüle: „Das Ende unserer Tage“: Hamburg-Roman

460 Seiten, Klett-Cotta, Februar 2012

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02) Franziska Gerstenberg: „Spiel mit ihr“: erotischer Thriller (?)

264 Seiten, Schöffling, 15. Februar 2012 [Artikel von mir über Gerstenbergs Kurzgeschichten: Link]

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03) Christian Kracht: „Imperium“: Abenteuerroman

256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, 16. Februar 2012

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04) Lisa-Maria Seydlitz: „Sommertöchter“: Reise-/Urlaubs-/Familienroman

208 Seiten, Dumont, 22. Februar 2012

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05) Thomas von Steinaecker: „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing, zu träumen“: Gesellschaftsroman

400 Seiten, S. Fischer, 23. Februar 2012

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06) Bernd Schroeder: „Auf Amerika“: Dorfroman

200 Seiten, Hanser, 27. Februar 2012

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07) André Kubiczek: „Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn“, DDR-Roman

612 Seiten, Piper, März 2012

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08) Felicitas Hoppe: „Hoppe“: Autobiografie / Satire

336 Seiten, S. Fischer, 8. März 2012

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09) Anna Katharina Hahn: „Am schwarzen Berg“, Stuttgart-Roman

236 Seiten, Suhrkamp, 12. März 2012 [Fortsetzung zu „Kürzere Tage“, 2009?]

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10) Klaus Siblewski, John von Düffel: „Wie Dramen entstehen“, Poetik / Ratgeber

288 Seiten, Luchterhand, 12. März 2012 [der Vorgänger „Wie Romane entstehen“ von 2008 war sehr, sehr gut. Interessant auch DIESE Neuauflage [Link] zum selben Thema]

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11) Saskia Fischer: „Ostergewitter“: Familiendrama

220 Seiten, Suhrkamp, 16. April 2012

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12) Rainald Goetz: „Johann Holtrop“: Wirtschafts-/Gesellschaftsroman

200 Seiten, Suhrkamp, September 2012

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13) André Kubiczek: „Kopf unter Wasser“: Männerroman

240 Seiten, Piper, August 2012

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Übersetzungen:

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14) Sherwood Anderson: „Winesburg, Ohio“: Kleinstadt-Klassiker (1919), 3.78 von 5

328 Seiten, Schöffling, 2. Januar 2012 [Neuübersetzung von Mirko Bonné]

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15) Stephen King: „Der Anschlag“: Zeitreise-Thriler, 4.36 von 5

1056 Seiten, Heyne, 23. Januar 2012 [Titel der Originalausgabe: „11/22/63“]

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16) Ben Brooks: „Nachts werden wir erwachsen“: Szene-/Jugendroman, 3.62 von 5

272 Seiten, Berlin Verlag, 4. Februar 2012 [Übersetzer: Jörg Albrecht]

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17) Padget Powell: „Roman in Fragen“: experimenteller Roman (?)

192 Seiten, Berlin Verlag, 4. Februar 2012 [Übersetzer: Harry Rowohlt]

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18) Elisabeth Tova Bailey: „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“: Essay über chronische Krankheiten, 3.92 von 5

176 Seiten, Nagel & Kimche, 6. Februar 2012

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19) Rob Sheffield: „Mit Mädchen über Duran Duran reden“: Popliteratur / Musikjournalismus, 3.54 von 5

336 Seiten, Heyne, 13. Februar 2012

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20) Jennifer Egan: „Der größere Teil der Welt“: Baseball- und Punkroman, 3.65 von 5

392 Seiten, Schöffling, 15. Februar 2012 [Originaltitel: „A Visit from the Goon Squad“, Pulitzerpreis 2011]

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21) Joan Didion: „Blaue Stunden“: persönliches Essay über Selbstmord, 3.75 von 5

176 Seiten, Ullstein, 29. Februar

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22) Edmund White: „Und das schöne Zimmer ist leer“: Memoir, 3.79 von 5

256 Seiten, Gmünder, 1. März [Neuausgabe von „The beautiful Room is empty“, 1988]

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23) Erin Morgenstein: „Der Nachtzirkus“: Fantasy-Romanze, 4.08 von 5

464 Seiten, Ullstein, 15. März

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24) Francis Spufford: „Rote Zukunft“, Sowjet-Roman, 3.98 von 5

576 Seiten, Rowohlt, 2. April 2012

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25) Yu Hua: „Brüder“: Gesellschaftsroman über Shanghai, 3.88 von 5

768 Seiten, S. Fischer, 12. April 2012

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26) Tina Fey: „Bossypants: Haben Männer Humor?“: Comedy / Memoir, 3.96 von 5

256 Seiten, Rowohlt, 1. Juni 2012

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27) Patrick DeWitt: „Die Sisters Brothers“: Western / Satire, 3.88 von 5

368 Seiten, Goldmann, 25. Juni 2012

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28) Frank Bill: „Cold Hard Love“: Hinterwäldler-Kurzgeschichten, 3.98 von 5

ca. 288 Seiten, Suhrkamp, 16. Juli 2012

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29) Isabel Allende: „Mayas Tagebuch“: Frauenroman über Chile, 3.79 von 5

450 Seiten, Suhrkamp, 13. August 2012

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bereits gelesen – und nicht zu empfehlen:

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30) Stewart O’Nan: „Emily, allein“: Alltagsroman, 3.65 von 5

384 Seiten, Kiepenheuer und Witsch, 16. Januar 2012 [O’Nan ist einer meiner Lieblingsautoren. Alternative Empfehlungen: „Halloween“, „Abschied von Chautauqua“, „Das Blut der anderen“]

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31) Manu Joseph: „Genie ist relativ“: Farce / Satire, 3.59 von 5

370 Seiten, Suhrkamp, 18. Juni 2012.

[Bereits 2010 unter dem Titel „Ernste Männer“ bei Klett-Cotta veröffentlicht.]

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32) Doug Johnstone: „Smokeheads“: Survival-Thriller, 2.95 von 5

320 Seiten, btb, 9. Juli 2012

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verwandte Links:

  • „Futter für die Bestie“: Literaturkritik in digitalen Zeiten [Essay, Link]
  • große Literatur: 250 Empfehlungen [Link]
  • große Literatur: 250 Entdeckungen [Link]
  • deutschsprachige Literatur: Entdeckungen 2011 [Link]
  • junge Literatur: 50 Empfehlungen [Link]
  • Buchtipps: Dezember 2011 [Link]