Queerness

HIV in den 80ern und 90ern: Buchtipps zum Welt-AIDS-Tag

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Promising people, who could have contributed much, dying young and dying unnecessarily. (Randy Shilts)

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Die AIDS-Krise ist 35 Jahre her. Ich bin 35. Die Menschen, die damals starben, forschten, aktivistisch arbeiteten, waren oft Mitte 30.

Im Juni 2018 las ich mehrere Sachbücher über HIV und AIDS in den 80er und 90er Jahren, für Deutschlandfunk Kultur.

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„Erst 1969 war Homosexualität im Rahmen der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger entkriminalisiert worden, nachdem über 50000 Bürger verurteilt worden waren.“

„Im Juli des Jahres 1979 fand der Homolulu-Kongress in Frankfurt am Main statt, das erste internationale Homosexuellentreffen, das zum Zündfunken für die Gründung vieler schwuler Initiativen in Westdeutschland wurde, darunter das Begegnungs- und Tagungshaus Waldschlösschen.“

„Christian von Maltzahn beteiligte sich an der Aktion »Wir sind schwul«, bei der sich im Oktober 1978 682 Männer im Stern outeten (angelehnt an die legendäre Aktion »Wir haben abgetrieben« von 1971). Daraufhin wurde er von der Familie verstoßen.“

„1980 zerschlug der Künstler und spätere Präsident des FC St. Pauli Corny Littmann einen Spiegel in der öffentlichen Toilette am Jungfernstieg, hinter dem sich ein Raum der Polizei befand. Von dort aus hatten Beamte bis dato durch ein Spezialglas die Urinale beobachtet, um Homosexuelle auf frischer Tat bei »sittenwidrigen Handlungen« ertappen zu können.“

„Die relative Freiheit, mit der sich Homosexuelle in der Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt bewegen konnten? In den Großstädten gab es eine ausdifferenzierte Szene, allein in Westberlin mehr als fünfzig Kneipen, zwei schwule Verlage und mehrere Saunen. Frank Ripplohs legendärer, auch international erfolgreicher »Film Taxi zum Klo« (1980) vermittelt etwas von der damaligen Atmosphäre.“

„Am Anfang war Aids nichts als ein »Schreck von drüben«, wie der Spiegel im Mai des Jahres 1982 schrieb.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Ein wichtiges Buch.

Mit wuchtigem Titel: In „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“ will taz-Redakteur Martin Reichert 40 Jahre Krankheits-, Sozial-, Polit- und Kulturgeschichte bündeln, auf 270 knappen Seiten. Ein Buffet aus Fakten, Diskursen, offenen Fragen und persönlichen Anekdoten, das so viele Themen (und: Pioniere, Stimmen) streift, dass ich beim Lesen mehr Zeit bei Google, Wikipedia verbrachte als in Reicherts zugänglichem, doch oft kursorischem Text.

Das viel zu kurze Suhrkamp-Buch zeigt mir vor allem, wie vage und oberflächlich mein eigenes Verständnis und Wissen sind.

„Das Ende von AIDS haben sich die Vereinten Nationen fürs Jahr 2030 auf die Fahnen geschrieben, in Deutschland soll das Ziel schon 2020 erreicht sein. Bis dahin soll die Krankheit bei niemandem mehr ausbrechen. In Deutschland wird derzeit noch bei etwa tausend [HIV-positiven] Patienten jährlich das Vollbild diagnostiziert.“

Wie ausführlich, detailliert müssen Dokus und Sachbücher erzählen?

Wunderbare Graphic Novels wie Judd Winnicks „Pedro and me“ (2000, über Aktivist und MTV-Star Pedro Zamora) oder „Taking Turns“ (2017: ein „Graphic Medicine“-Doku-Comic der lesbischen Hospizpflegerin und Künstlerin M.K. Czweriec) bleiben bei engen Einzel-Aspekten der AIDS-Krise (Jugendkultur der 90er; Pflege und Hospiz): didaktisch, zugänglich, sympathisch.

Fehlt also immer noch ein großes Standard-, Grundsatzwerk über der Zeit von ca. 1978, als erste AIDS-Fälle dokumentiert wurden, und 1996 – seit HIV via „Medikamentencocktail“ meist gebändigt wird?

2017 erzählt David France in „How to survive a Plague“ auf über 600 holprigen Seiten, wie New Yorker Aktivistengruppen, z.B. ACT UP Ende der 80er gegen selbstsüchtige Forscher, korrupte Pharmafirmen und die Gleichgültigkeit der Presse und des Präsidenten, Ronald Reagan, agitierten. Ein verquastes, maßloses, oft provinzielles Buch. Tausend (oft interessante) Details. Ohne Gespür für Dramaturgie.

Hier stolpern auch Filme und Theaterstücke meist:

Tony Kushners unvergesslicher Broadway-Zweiteiler „Angels in America“ (1991) zeigt Stimmungen und Alpträume der New Yorker Community. Larry Kramers Lehrstück „The Normal Heart“ (1985) prangert das Polit-Versagen an, zusammen mit einer fiktiven, eher seichten Liebesgeschichte. Ryan Murphys HBO-Verfilmung von 2013 vermittelt kompakt, stilsicher, packend alle Oberflächen der Ära: Wie wurde vor 35 Jahren in Manhattan gesprochen, getanzt, gestritten? Gestorben?

Je mehr Sender und Portale im US-Serienmarkt auf Nischen setzen und eigensinnigen Ton – je mehr Produktionen nicht mehr allen, jeden vage gefallen, sondern lieber kleine, engere Zielgruppen komplett begeistern wollen – desto spezifischer, mutiger werden HIV und queerer Alltag erzählt. Zuletzt etwa in Ryan Murphys „Pose“ (2018). Ikonografie, die oft aufs Fremde und Vergangene setzt. Bilder, die zeigen: Das war eine ganz eigene Welt, zu einer ganz anderen Zeit.

Um die AIDS-Krise zu verstehen, brauche ich mehr als solche Momentaufnahmen – die immer wieder unterstreichen: “Das ist lange her. Das ist weit weg.”

Das für mich stärkste, wichtigste AIDS-Sachbuch stammt von Randy Shilts: einem der ersten offen schwulen Journalisten im Dienst großer US-Zeitungen.

“And the Band played on” erschien bereits 1987. Die deutsche Ausgabe, “Und das Leben geht weiter”, ist seit 25 Jahren vergriffen. Shilts stellt zwei große Fragen: “Was geschah?” Und, sobald klar wird, dass eine Geschichte von AIDS vor allem eine Geschichte von Versäumnissen, vermeidbarem Leid, sozialer Kälte, Hass, Homophobie ist: “Wie konnte das geschehen?”

Zeitlicher Abstand hilft beim Analysieren. Trotzdem bleibt “And the Band played on”, eines der frühesten und ältesten Bücher, eine Klasse für sich. Ein deutsches Pendant fehlt schmerzlich. Shilts selbst ließ sich während der Arbeit am Manuskript nicht auf HIV testen. Erst, als das Buch in Druck ging, sah er sich bereit, den eigenen Status zu erfragen. Er starb 1994, mit 43 Jahren, an AIDS.

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„Gab es damals in Hannover überhaupt Schwulenbars? »Natürlich, in der Nähe des Bahnhofs, eine sogar mit ›Dunkelraum‹«, erinnert Udo sich, »Klappen waren sowieso überall, in Paderborn sogar direkt unter dem Dom.« Man habe zu dieser Zeit nichts zu befürchten gehabt als schwuler Mann. Tripper, Syphilis und Filzläuse waren lästig, aber gut behandelbar.“

„Journalist Jan Feddersen, geboren 1957: »Aids ist ein Scheißdreck. Aids – da war ich so jung und lebenshungrig – so von wegen: Die Party namens Leben, die ich immer so ernst genommen habe, ging doch gerade erst los, nachdem ich den wesentlichen Schutt aus Kinder- und Jugendtagen weggeräumt hatte. Durch Aids konnte man seine Sexualität nicht mehr leben, und weil die ein zentraler Aspekt der schwulen Identität ist, konnte man auch die Identität nicht mehr leben.«“

„»In den achtziger Jahren war es nötig, eine andere Sprache zu finden – über Sexualität zu sprechen. Das Land hatte den Nationalsozialismus hinter sich, die fünfziger Jahre; es gab noch dieses Bild, dass die Menschen, die an Aids erkrankten, für ihre Sünden bestraft würden.« Die konservative, zutiefst christliche Politikerin Rita Süssmuth musste nun über Anal- und Oralverkehr sprechen – und vor allem über Kondome. Der Spiegel zeigte sie auf dem Titel, eingehüllt in ein Ganzkörperkondom.“

„Wir als Schwule haben uns gut geschlagen, die Gesellschaft hat – wenn man von Bayern absieht – einigermaßen fair reagiert. Aber eigentlich ging es eben nur darum, dass die Seuche nicht von der Randgruppe in die Mehrheitsgesellschaft dringt. Das, was Rita Süssmuth damals geleistet hat, hatte mehr mit merkelscher Pragmatik zu tun als mit Empathie.“

„Wie wurde noch der damalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger in den achtziger Jahren zitiert, selbstverständlich im Spiegel: »Man muß nicht von einer Strafe Gottes sprechen. Es ist die Natur, die sich wehrt.«“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Ich las & sah 2018:

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A (2018): Martin Reicherts „AIDS in der Bundesrepublik“, Suhrkamp

B (2016): David Frances‘ „How to survive a Plague. The Story of how Scientists and Activists tamed AIDS“, nicht auf Deutsch. 2014 drehte France eine gleichnamige Doku. Das 600-Seiten-Buch dokumentiert Networking, Politik und Widerstand, vor allem im New York der 80er.

C (2014): den Film „A Normal Heart“ (2014), nach Larry Kramers gleichnamigen Theaterstück von 1985, über Aktivismus in New York bis 1985. Kramer ist auch in (B) und (D) eine wichtige Figur.

D (1987): Randy Shilts „And the Band Played on. Politics, People and the AIDS Epidemic“ (dt. „Und das Leben geht weiter“, vergriffen), 800-Seiten-Doku darüber, warum alles so schleppend lief – behördlich, politisch, sozial etc.

E (2017): MK Czwerkieks Comic „Taking Turns. Stories from HIV/AIDS Care Unit 371“: autobiografischer Doku-Comic über Hospiz und Pflege ab 1994.

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Alle Titel sind empfehlenswert.

Doch man muss vorher entscheiden, was man selbst über HIV/AIDS wissen will – und erwartet:

Sortiert von „einsteigerfreundlich“ zu „großer Wurf“:

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E – Der Comic, „Taking Turns“: einfache Sprache, viele medizinisch und… sozialhistorische Infos, schöner Überblick. Das Buch, das ich am ehesten verschenken würde, falls jemand fragt: „Wie verläuft diese Krankheit, und warum war/ist sie gesellschaftlich eine große Sache?“

C – Ein 2-Stunden-Film, „The Normal Heart“, der in starken Bildern das Zeitgefühl der 80er vermittelt. Ich sah das mit Gewinn, doch finde unerträglich, dass Autor Larry Kramer sich selbst in jeder Szene als tollsten Hecht schildert / feiert. Ein narzisstischer und einseitiger Film, den man nur erträgt, wenn man ausklammert, dass hier ein super-umstrittener und ineffektiver Aktivist ein Denkmal für sich selbst baut, plump, arrogant und voll VIEL zu platter Monologe, die ich literarisch nicht ernst nehmen kann. Je weniger man über Kramer und die Realität weiß, desto sehenswerter ist der Film.

B – Wer sich für HIV interessiert und einen soliden, faktensatten und zeitgemäßen Überblick sucht: Bitte „How to survive a Plague“. Persönlich fand ich anstregend, dass der Autor mit vielen Aktivist*innen von damals befreundet zu sein scheint und sehr bauchpinselt. auf 600 Seiten in oft labbrigem, plapprigem Stil zu lesen, dass Harry ein toller Typ, Gary ein netter Kerl, Barry eine gute Seele ist – ohne, dass wir tief in diese Personen, ihre Psyche und Widersprüche steigen konnten… fand ich ermüdend. Und: journalistisch peinlich.

D – Wow. Schade, dass das beste Buch, auf das ich stieß, auch das älteste ist: „And the Band played on“

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1984: „Before AIDS, Paul had never believed that gays really were all that oppressed; now he was worrying about wholesale employment discrimination and quarantine camps.“

1983: „Czechoslovakia was the only communist nation to concede that AIDS could spread within socialist borders. Respresentatives of the Union of Soviet Socialist Republics stoically insisted that ‚We will not have any of these casis in the Soviet Union‘.“

1983: „Japan had reported its first two AIDS cases, making it the first Asian nation to be touched by the epidemic. The brothels, Turkish baths, and sex parlors in Tokyo’s famed Yushiwara District were refusing foreign visitors for fear that they might spread AIDS. Baths posted signs reading: ‚Japanese Men Only‘.“

1983: „The long incubation period for the virus had permitted it to spread for years before anyone even knew it existed. The mean period was 5.5. years. It appeared that some cases would take more than 11 years to incubate; although some people would come down with AIDS in as little as six months.“

1984, BRD: „In the second hardest-hit nation in Europe [after France], testing found that two-thirds of hemophiliacs, 20 percent of intravenous drug users and one-third of gay men carried HTLV-III antibodies. […] Under veneral disease laws, which were in force in nearly every northern European country, it was a crime for a person with a sexually transmitted disease to have sex.“

1983: „Nervous health officials and reporters had spent months talking about AIDS being spread through ‚bodily fluids‘. What they meant to say was semen and blood, but the term ’semen‘ is one that polite people don’t use in conversation, and blood banks still objected to the use of the term ‚blood‘. [So… public fears spread:] Saliva was a bodily fluid. Could AIDS be spread through coughing?“

[schreibt Randy Shilts in „And the Band Played On“]

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Warum genau jetzt / heute diese Bücher lesen?

– Weil die Bücher fragen „Wie konnte das passieren?“, und die Antworten interessant, komplex, lehrreich sind.

– Weil von 1980 bis ca. 1987 viele Dinge falsch liefen – politisch, sozial, psychologisch. AIDS war *eine* Herausforderung, auf die die Gesellschaft reagieren musste. ein guter Aufhänger für ein Sachbuch (weil: klare Chronologie, nicht zu viele handelnde Institutionen etc.)

– Wie schlecht, wie falsch, wie langsam die Gesellschaft reagiert hat und, wie wir daraus sehen, wie schlecht, langsam, falsch wir gesellschaftlich auf ALLES Neue immer wieder reagieren… diese Mechanismen werden in den Büchern erklärt. Deshalb für mich: eine Lektüre fürs Leben. Ich habe *sehr* viel gelernt.

– Weil in 35 Jahren ähnliche Bücher erscheinen werden über z.B. den Klimawandel oder die Diesel-Debatten. ich glaube nicht, dass man Bezug zu HIV oder Diesel braucht, um das mit Gewinn zu lesen.

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„Die Zeit der Aids-Krise von Mitte der achtziger bis Mitte der neunziger Jahre ist auch eine Zeit, in der sich die Kultur des Krankseins verändert. Damals hält das Leben paradoxerweise Einzug in die Krankenhäuser: »Auf einmal waren da jede Menge junge Leute – und die haben ja auch Besuch bekommen. Da wurde Musik gemacht und gelacht – das war eine neue Kultur. Vorher gab es nur streng geregelte Besuchszeiten und Blumenvasen.«“

„Bruno Gmünder hat viele Bekannte und Freunde sterben sehen. »Ein Freund von mir war positiv und hat sich noch Mitte der Neunziger umgebracht. Er war in der Modebranche tätig, in Süddeutschland – aber zur Behandlung ist er immer nach Berlin geflogen, seine Sekretärin durfte nichts davon wissen, niemand durfte etwas wissen. Dieser Druck, dieses Schweigen. Viele haben das mit Kokain überdeckt – eines Tages ist er dann vom Balkon gesprungen.«“

„Gmünder: »Aids, das hat eine ganze Generation verbogen. All diese deformierten, traumatisierten Menschen.«“

„Wieland Speck hat einen kleinen Altar aufgebaut, mit Bildern, Fotos, Erinnerungsstücken von Freunden, die er verloren hat, viele in den Jahren zwischen 1988 und 1996. »Zuvor hatte ich schon mehrere Sommer im Krankenhaus verbracht, bei sterbenden Freunden. Ich denke, Aids hat mich rund zehn Jahre meines Lebens gekostet. Und dann die Erschöpfung danach.«“

„Zum Zeitpunkt des Mauerfalls hatten sich offiziell 133 DDR-Bürger mit dem HI-Virus infiziert, bei 27 von ihnen war die Krankheit ausgebrochen. In der BRD waren damals 42000 Menschen HIV-positiv und mehr als 5000 an Aids erkrankt.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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„And the Band Played on“:

Shilts, Lokaljournalist in San Francisco, schrieb 1982 ein Buch über Harvey Milk, den schwulen Bürgermeister in San Francisco vor der AIDS-Krise: „The Mayor of Catro Street“. Die Verfilmung („Milk“) war 2009 für den Oscar nominiert, und ich fand Film und Buch 2009… solide und lokal. Nichts, das mir viel über die Welt erklärt – nur über ein (mich eher langweilendes) Milieu: oft biedere Lokalpolitik im San Francisco der 70er. Keine Empfehlung.

Doch ausgerechnet Shilts fragt in „And the Band Played on“ akribisch und umfassend „Wie konnte das passieren?“

Das Ergebnis ist wie… „Game of Thrones“: sehr kurze, pointierte Kapitel jeweils darüber, aus welchen Gründen EINE Person an EINEM Datum EINE strittige Entscheidung traf. Die Personen werden nicht ohne Wärme geschildert, doch Shilts spricht viel über Widersprüche, Neurosen, Unsicherheiten, persönliche Agenda. Es sind keine Sympathieträger*innen, sondern fast immer Leute, halb-informiert, nervös und mit dem Rücken zur Wand.

Ein Königreich wird von Frostzombies und ewigem Winter bedroht, die Herrschenden wissen davon… Doch niemand hat eine Strategie: Die Reihe lässt sich als Kommentar zum Klimawandel lesen oder zu sozialen, anderen Katastrophen – und zeigt die vielen politischen, psychologischen, wirtschaftlichen Verkettungen und Zahnräder, die dafür sorgen, dass ein großes Problem, das alle sehen, nicht gelöst wird. So, wie bei „A Song of Ice and Fire“ seit Band 1 klar ist: „Der Winter kommt“ …und trotzdem keiner auf die Bedrohung angemessen reagiert, zeigt „And the Band Played on“ nicht ohne Wärme und Empathie, doch eben SEHR kühl und klar: total überraschende… Kausalketten.

Auf die ich nie gekommen wäre.

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Dinge wie: Es gibt Herrensaunen / Gay Bathhouses – und Epidemologen ist früh klar, dass dort eine hohe Ansteckungsgefahr herrscht. gleichzeitig sind die Männer, die solche Saunen betreiben, oft die reichsten schwulen Unternehmer in jeder Stadt, und weil es ständig Probleme mit z.B. „Zoning Laws“ / Gewerberecht gibt, sind sie alle in der Lokalpolitik aktiv und vernetzt.

1983: „In Miami, Jack Campbell, owner of the Club baths chain of forty-two bathhouses, brushed of questions about the baths‘ role in the epidemic by insisting that most of Florida’s AIDS cases were Haitians, and it wasn’t a problem for gays. This was not accurate [but] most of the nation’s gay newspapers received substantial advertising revenue from the bathhouses and sex businesses. This assured that not only would few gay leaders support moving against the baths, but that the gay papers would unanimously support their advertisers. Potential bathhouse closure was not even to be discussed.“

Wie es dann – obwohl niemand was Böses will – von 1980 bis ca. 1984 braucht, bevor sich Politiker*innen und Aktivist*innen trauen, zu sagen „Die Saunen sind gefährlich“, weil niemand den politisch vernetzten Unternehmern das Wasser abgraben will, ist… entscheidend.

„And the Band Played on“ beschreibt NUR solche Mechanismen. Sehr elegant und überraschend – häppchenweise, Schritt für Schritt, ohne Überdramatisierung oder besserwisserische „DAS war fatal, und alle hätten es kommen sehen können!“-Wut: 1979 streitet sich eine Stadtteilinitiave. 1984 sterben Tausende von Menschen. Als direkte Folge.

Diese Kausalketten zu verstehen – zu begreifen, wie random und wie fragil sie sind, fand ich *immens* lesenswert.

Ich will nicht sagen „Dass es um AIDS geht, ist da fast egal“. Doch ich finde, jeder, der Politik verstehen will, oder die Haltung von Zeitungen, oder Gesetzesentwürfe, oder „die kollektive Psyche“ und diese oft bizarren Wechselwirkungen, Ursachen, Tabus und Konsequenzen, sollte 25 Stunden in dieses Buch investieren. Man muss sich nicht für die USA, Bürgerrechte, Medizin oder die 80er interessieren: Es ist völlig egal, wie nah oder fern man dem Thema „HIV in den 80ern“ steht.

„And the Band Played on“ zeigt aus… fünf Dutzend Perspektiven, wie sich diese Krankheit ausbreiten konnte.

Pointierte, ganz kurze, sehr klar formulierte… Vignetten / Episoden darüber, wie z.B. eine Tochter, deren Mutter nach einer Bluttransfusion krank wird, JAHRE braucht, um zu verstehen: „Meine fast 60jährige Mutter hat AIDS.“

Doch: Das beste Sachbuch, das ich kenne.

Weil es um Strukturen und Mechanismen geht – nicht um EIN Thema, das man „spannend“ oder „irrelevant“ finden kann.

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„Wie konnte man Menschen dazu bewegen, überhaupt Kondome zu benutzen? Hans Hütt: »Grauenhaft – die gab es unter dem Ladentisch und in seltsamen Automaten auf öffentlichen Toiletten. Man konnte sie nicht einfach im Drogeriemarkt kaufen. Auch kein Gleitgel, das machten die Leute damals selbst.«“

„Hans Hütt: »Es gab zwei einschlägige Hautarztpraxen in Berlin, dort ist man regelmäßig hingegangen. Das war einfach ein Teil der Libertinage, die Geschlechtskrankheiten. Ob man Feigwarzen hatte oder Syphilis, das wurde immer ganz offen kommuniziert. Das war in meiner Erinnerung ein verantwortungsbewusster Hedonismus. Und dann kam die Gegenaufklärung: Seit Aids ging man nicht mehr zum Arzt, man fürchtete, dass der ohne Absprache Bluttests macht.« Es gab Ärzte, die sich weigerten, Positive zu behandeln, und hysterisches Pflegepersonal. Man wusste nicht, wie man die Behandlungen verbuchen sollte, weil es noch keinen WHO-Schlüssel gab. »Die haben dann Krebs abgerechnet oder sonst was.«“

„Das Jahr 1985 aber war für schwule Männer von Angst und Unsicherheit im Umgang mit ihrer Sexualität geprägt, wie die Safer-Sex-Comics des Zeichners Ralf König illustrieren, die er in diesem Jahr erstmals für die AIDS-Hilfe zeichnete. Die Figuren mit den berühmten Knollennasen onanieren häufig gemeinsam zu Pornos – manchmal haben sie auch Analverkehr: mit Kondomen, deren Verwendung Ralf König seinen Lesern ans Herz zu legen versuchte.“

„1989: »Wir machten Werbung für Kondome – und weil die reißen können, wurden wir als Mörder beschimpft.« Gar keinen Sex mehr zu haben, das war eine Variante, die seinerzeit nicht nur konservative Politiker wie Peter Gauweiler propagierten; auch Schwulenaktivisten wie Rosa von Praunheim forderten angesichts des Sterbens zeitweilig sexuelle Abstinenz.“

„»Kondom« war gemeinsam mit »Aids« das Wort des Jahres 1987 in der Bundesrepublik – und es bedurfte einer Menge Arbeit, da – mit es so weit kommen konnte.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Martin Reicherts „Die Kapsel“ braucht etwa 6 Stunden Lesezeit: ca. 10 Begegnungen mit Zeitzeugen, dazwischen kurze Grundsatz-Kapitel. Eine einsteigerfreundliche, süffige, doch etwas lose Sammlung von Eindrücken, Themenfeldern und Zeitgeschichte.

Auch hier fand ich die Ursache-Wirkungs-Ketten am interessantesten.

Zusammenhänge wie: Die deutsche Schwulenbewegung kam aus der Studentenbewegung und war deshalb eher konsum- und lustfeindlich, elitär; die US-Schwulenbewegung kam aus dem Civil-Rights-Movement, sah z.B. Leather Bars nicht als ‚oberflächlich‘ und hatte eher ein Hippie-Bild von Sex, Spiritualität, Selbstverwirklichung etc.

ca. 1979: „Die Trennung zwischen Politszene und der sogenannten Sub, also dem eher kommerziell und hedonistisch orientierten Teil der Schwulenszene, ist für Bruno Gmünder ein spezifisch deutsches Phänomen: »In Deutschland war die Schwulenbewegung an die Studentenbewegung angebunden, in den USA an die Bürgerrechtsbewegung.« Die Studenten seien eben verklemmt gewesen, während man in der Sub ungetrübt von Antiamerikanismus und voller Lebensfreude den Vorbildern aus San Francisco und New York nacheiferte.“

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In Reicherts Buch lernt man kompakt und flüssig alle wichtigen Namen, Stichpunkte, Debatten etc. kennen.

Martin Reichert ist taz-Redakteur und informiert über die gängigen queeren Diskurse seit den 80ern. „Die Kapsel“ handelt von einem Friedhof für Lesben in Berlin; Rosa von Praunheims Outings von u.a. Hape Kerkeling in der RTL-Sendung „Der heiße Stuhl“; der bundesweiten Präventionskampagne „Gib AIDS keine Chance“ und der Rolle, die Rita Süssmuths Engagement spielte, v.a. gegen Bemühungen von z.B. Peter Gauweiler in Bayern, HIV-Infizierte in Lagern zu sammeln. Ein kurzweiliges Buch, das viele Themen, von denen jede*r mal hörte, vertieft, pointiert nacherzählt, in Kontexte setzt.

Doch während Randy Shilts genau erklärt, wie alles passieren konnte und ineinander greift, kann ich nach der Lektüre von Reichert z.B. nicht beantworten, WARUM genau der „Spiegel“ ab 1983 sehr apokalyptische, hämische Artikel schrieb. Ich kann es mir zusammen reimen – „Ist halt der Spiegel“ -, doch es gibt zu viele Stellen in „Die Kapsel“, bei denen ich nur denke:

„Aha. Okay. Na ja. Ist halt Bayern. Ist halt Rosa von Praunheim. Ist halt Berlin. Waren halt die 80er“ usw.: Eine ferne Zeit, deren Mechanismen ich nicht mehr verstehe.

Eine Kleinigkeit: Der Titel, „Die Kapsel“, klingt groß und programmatisch. Geht es um eine Pille? Geht es darum, dass die BRD wie eine Kapsel funktionierte? Reichert sagt, viele Überlebende hätten sich nach 1996, als durch medizinische Durchbrüche klar war, dass HIV kein Todesurteil mehr ist, „abgekapselt“. Warum? Warum in Deutschland? Warum so? etc.

Das beantwortet das Buch nicht im Detail. Ich kann damit leben. Doch direkt nach der Shilts-Lektüre denke ich: „Und wo bleiben jetzt die 400 zusätzlichen Seiten, die alle URSACHEN und komplexen gesellschaftlichen Wechselwirkungen explizit beschreiben?“

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„Für die Aktivisten der ersten Stunde gab es bereits zu Beginn auch ganz konkrete Gründe, sich zu engagieren. Die wenigen Patienten waren einer diskriminierenden Behandlung ausgesetzt, zum Teil wurden sie regelrecht als Versuchskaninchen benutzt. So kam es bereits im Jahr 1983 zu einem Akt zivilen Widerstands, einer »Act-Up-Aktion ›avant la lettre‹« (Michael Bochow): Ein Aids-Patient, der in einem Berliner Universitätsklinikum im Sterben lag, sollte aus Gründen wissenschaftlicher Neugierde hirnoperiert werden – Aids-Aktivisten blockierten die Tür zum OP.“

„Zwar erklärt die Bundesregierung 1983 Aids in einer Pressemitteilung erstmals zu einem nationalen Problem […] Die Behörden blieben jedoch – aus heutiger Sicht – erstaunlich untätig, und das bis 1985.“

1983: „Manche glauben, sich vor der Erkrankung schützen zu können, indem sie sich von bestimmten Personengruppen fernhalten: In der New Yorker Szene misstraut man den Haitianern, in deutschen Großstadtszenen wähnt man sich sicher, wenn man Sex mit Amerikanern meidet.“

1986: In einem Ableger der linken Zeitschrift Konkret, der Sexualität konkret, war im Jahr zuvor ein offener Brief Martin Danneckers an den Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein erschienen, der mit den Worten endet: »Im ›Spiegel‹ wird seit nunmehr vier Jahren ein antihomosexueller und minderheitenfeindlicher Fortsetzungsroman veröffentlicht. Von diesem haben sich Abertausende in ihrem Selbstgefühl beleidigt und in ihrer Angst bestätigt gefühlt. Ein solches Stück, so haben Sie anläßlich der Diskussion um das Schauspiel von Fassbinder geschrieben, dürfe nicht gespielt werden. Bitte sorgen Sie in Ihrem eigenen Haus für das Absetzen der menschenfeindlichen Berichte über die von Aids so schrecklich gebeutelten sozialen Minderheiten.«“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Georg Zipp empfahl mir im Juni via Twitter:

  • David Wojnarowiczs autobiographische Graphic Novel „7 Miles a Second“
  • Wojnarowiczs „Close to the Knives: A Memoir of Disintegration“ und „Waterfront Journals“
  • Allan Gurganus: „Plays Well With Others“
  • Pier Vittorio Tondelli: „Camere Separate“
  • Hervé Guibert: „À l’ami qui ne m’a pas sauvé la vie“ (fiktionalisierter Roman über Michel Foucault).
  • Norwegische Kurzserie aus dem Jahr 2012: „Don’t Ever Wipe Tears Without Gloves“
  • Subkultureller Kultroman: „Tim and Pete“ von James Robert Baker.
  • Kinderbuch aus dem Jahr 1989: „Losing Uncle Tim“
  • „Ich glaub, bei Hubert Fichte gab’s da auch was… Dazu dann noch vielleicht ein bisschen Susan Sontag…“
  • Aus der Perspektive, wie sich HIV und AIDS plötzlich in das Leben schlichen: Die komplette „Tales of the City“-Reihe von Armistead Maupin.
  • Für eine südafrikanische Post-Apartheid-Perspektive: Phaswane Mpe, „Welcome to Our Hillbrow“
  • Noch nicht gelesen: „Body Counts: A Memoir of Politics, Sex, AIDS, and Survival“ von Sean Strub.
  • Australien, und auch neulich als Film: „Holding the Man“ von Timothy Conigrave.
  • Versuch eines Mainstream-Autors, sich an das Thema zu wagen: Louis Begley, „As Max Saw It“.
  • Leo Bersanis großartiger Theorietext aus dem Jahr 1987, „Is the rectum a grave?“
  • und dann vielleicht noch als letztes ein Mainstream-Roman von letztem Jahr: „Tin Man“ von Sarah Winman

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„Laut der Epidemiologischen Kurzinformation des Robert Koch-Instituts, Stand Ende 2015, leben in Deutschland geschätzte 84 700 Menschen mit HIV/ Aids, 72000 davon mit Diagnose, 12 700 ohne. Die Infektion erfolgte in 54 100 Fällen durch Sex zwischen Männern, in 10700 durch heterosexuellen Kontakte, in 7700 durch Drogengebrauch und in 440 durch Blutprodukte. geschätzte Gesamtzahl der Neuinfektionen in Deutschland lag bei 3900. Im Jahr 2015 starben in Deutschland 460 Menschen an den Folgen von Aids,144 seit Beginn der Epidemie waren es insgesamt 28 100.“

„Dass die meisten Positiven, die in diesem Buch zu Wort kommen, ihren Namen nicht nennen möchten, spricht für sich.“

ca. 1985: „Die schwedische Regierungspolitik erlaubte im Folgenden auch die Absonderung – Positive, die sich »uneinsichtig« zeigten und sich weigerten, Kondome zu benutzen, konnten für mindestens drei Monate interniert werden. Nachdem zunächst einige (wenige) Infizierte per Gerichtsbeschluss in ein Hospital zwangseingewiesen worden waren, regte sich Widerstand in den Krankenhäusern, deren Mitarbeiter nicht ohne Weiteres bereit waren, polizeiliche mit therapeutischen Aufgaben zu vermengen. So kam es zur Einrichtung des berühmt-berüchtigten Stenby-Hofes auf der Schäreninsel Adelsö rund fünfundzwanzig Kilometer westlich von Stockholm. Das »Lager« erlangte weltweite Berühmtheit.“

1987: „Peter Gauweiler schaffte es mit dem Thema 1987 sogar auf den Titel des Spiegel: »Einer gegen Aids«, indem er unter anderem die »Absonderung« von Infizierten forderte. […] Ein gewisser Horst Seehofer, seinerzeit ein kleiner, aufstrebender CSU-Abgeordneter, forderte die Unterbringung Infizierter in »speziellen Heimen«. Der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair bezeichnete 1987 Homosexualität im Bayerischen Fernsehen als »contra naturam«, es handle sich um ein naturwidriges und »im Grunde in krankhaftes Verhalten«; man müsse »endlich wieder den Schutz der vielen in der Bevölkerung als zentrales Ziel im Auge sehen«, statt sich zu fragen, »wer am Rand noch besser verstanden werden kann. Dieser Rand muss dünner gemacht, er muss ausgedünnt werden«.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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ich empfehle:

_Wer nichts über die medizinischen und sozialen Kontexte weiß, kriegt in der Graphic Novel „Taking Turns“ viele Grundlagen vermittelt, in sehr einfachen Bildern und klarer Sprache. MK Czerwiecz war (lesbische) Krankenschwester in einem AIDS-Hospiz in Chicago, Mitte der 90er Jahre. Ihre Zeichnungen sind oft unterkomplex, ZU schlicht. Die Figuren wirken durch ihre Playmobil-artigen Gesichter z.B. oft kindisch oder töricht. Doch in Sachen Tiefgang / Wissenschaft / Details hat der Comic genau die richtige Dichte, Länge – einen sehr angenehmen Schwierigkeitsgrad.

_Ryan Murphys Film „The Normal Heart“ (auch auf Deutsch, 2014) zeigt in toller Ausstattung und mit charismatischen Schauspieler*innen wie Mark Ruffalo (Hulk aus den „Avengers“) und Julia Roberts… wie sich all das ANFÜHLTE: die Oberflächen, die Mode, der Ton, die Farben, die Stimmung der 80er. Ich mag, in zwei Stunden, sehr konzentriert, diese Texturen vermittelt zu kriegen. Das Licht. Den Look. Ein kleineres Problem nur, wie gesagt: dass Autor Larry Kramer in „And the Band Played on“ und „How to survive a Plague“ ausführlichst beschrieben wird – als unsachlicher, aufbrausender, oft Dinge-schlechter-machender Schimpf-Aktivisit. Während sein Alter Ego hier im Film NUR die klügsten Dinge sagt. (Rein als Literatur / Theaterstück ist Tony Kushners AIDS-Stück „Angels in America“ viel besser… doch deutlich weniger dokumentarisch etc.)

_“How to survive a Plague“ erzählt auf den ersten 300 Seiten die exakt selbe Geschichte wie Randy Shilts, nur… a) viel labbriger, unfokussierter, langweilig-partikulärer, b) mit einem Fokus auf New York statt San Francisco, oft sehr provinziell („Kuckt! Wir haben AUCH tolle Leute!“): Kein schlechtes Buch. Doch 30 Jahre nach Shilts finde ich DAS zu wenig: enttäuschend.

_Die Graphic Novels „Pedro and me“ (großartig!) und „Blue Pills“ (solide) erzählen aus der Perspektive von (heterosexuellen) Angehörigen.

_Kenny Fries schreibt in „In the Province of the Gods“ über Behinderung & Krankheit in Japan und seine HIV-Diagnose Mitte der Nullerjahre. Auf Electric Literature empfiehlt er weitere Bücher (Link).

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„Taking Turns“

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„In Central Africa, AIDS was simply called ‚The horror sex disease‘.“

1984: „AIDS continued to embarass people. From the start, it had made people uncomfortable, whether they were in government or media, in public health or prominent universities. AIDS was about homosexuals and anal intercourse, and all kinds of things that were just plain embarrassing.“

1982: „There was a doctor from New York University who had written an extensive study on the apparent infection of the central nervous system, but he refused to tell the report from the American Medical Association journal about his work because he had submitted his paper to a neurological journal where it had been accepted for publication. The neurological journal might throw out the story if he publicly discussed his findings with the press, and that would hurt the doctor’s career in the publish-or-perish world of academic medicine. It was science as usual, and the Journal of the American Medical Association would just have to wait until the research was published in six months.”

1985: „In the strangest twist to Englisch AIDS history, the guide to British aristocracy, ‚Burke’s Peerage‘, announced that, in an effort to preserve ‚the purity of the human race‘, it would not list any family in which any member was known to have AIDS.“

1983: „Television actor Robert ‚Benson‘ Guillaume was about the only big name who would associate himself with AIDS. Most other stars, including many who had built their careers on their gay followings, were not inclined to get involved with a disease that was not… fashionable.“

[schreibt Randy Shilts in „And the Band Played On“]

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„Axel Schock: »Mein Freund wollte auf dem Alten St.-Matthäus-Friedhof in Berlin beerdigt werden, aber er wurde dann in seiner Heimatstadt in Norddeutschland beigesetzt.« Sobald er tot war, wurde die schwule Geschichte annulliert. »Ab jetzt ist Schluss«, hatte sein Vater verkündet und das Testament, in dem Axel berücksichtigt war, vernichtet. »›Wir haben kein Testament‹, sagte er lapidar.« […] »Zu der Beerdigung bin ich mit einer gemeinsamen Freundin gefahren. Der Pfarrer erweckte in seiner Trauerrede den Eindruck, als wäre sie seine Lebensgefährtin gewesen. Und dass er an Krebs gestorben sei.«“

„Selbst im liberalen Westberlin streikte 1990 das Personal eines öffentlichen Bades, weil dort ein Positivenschwimmen stattfinden sollte. Ein Fall, der damals auch medial für einiges Aufsehen sorgte. In der ganzen Republik weigerten sich Zahnärzte, positive Patienten zu behandeln. Gefängnisbeamte beantragten ihre Versetzung, um nicht mit positiven Häftlingen in Kontakt zu kommen, Kollegen forderten die Entlassung positiver Mitarbeiter.“

„Mehr als 90 Prozent der gemeldeten HIV-Positiven waren Männer. Einer Erhebung von 1987 zufolge waren zu diesem Zeitpunkt 15 bis 40 Prozent der Schwulen infiziert, allerdings sind solche Schätzungen schwierig, weil es aus guten Gründen keine genauen Zahlen zum Anteil der Homosexuellen in der Bevölkerung gab.“

ein Berliner Arzt, auf HIV spezialisiert, 2017: „»Ich habe Patienten aus Brandenburg, die bringen ihre leeren Pillendosen mit nach Berlin, damit die Nachbarn sie nicht im Müll finden. Die würden auch nie zu einer Apotheke bei sich zu Hause gehen. Das Risiko, dass einer quatscht, ist ihnen zu hoch.«“

„»Von den jährlich rund 3000 Neuinfektionen, die wir in Deutschland verzeichnen, sind etwa ein Drittel im Aids-Stadium. Das ist enorm.« Das Aids-Stadium, das Vollbild, es existiert noch immer, auch in der Bundesrepublik: »Gerade heute war ein Kameruner hier mit zerebraler Toxoplasmose – aber es sind auch viele über Sechzigjährige dabei, die sich vor Jahren angesteckt haben. Männer, die im Thailand-Urlaub waren, oder Frauen, die sich beim Trommel-Workshop in Kenia angesteckt haben.«“

„Hepatitis C ist dreihundertmal leichter übertragbar, anders als bei HIV ist sogar getrocknetes Blut noch infektiös – in Deutschland gibt es wahrscheinlich 200000 verborgene Hep-C-Träger.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Ein kalifornischer Universitätsrektor, Mitte der 80er: „At least with AIDS, a lot of undesirable people will be eliminated.“

1983: „Nearly half of the AIDS casualties were men between the ages of 30 and 39. Another 22 percent were men in their twenties.“

1983: „Prisoners at a New York State prison in Auburn started a hunger strike because the cafeteria’s eating utensils had been used by an inmate who had died of AIDS a week earlier.“

1983: „All forty-four cases of AIDS reported in West Germany as of March 31, 1983, were either among people who had traveled to Haiti or Africa, or among gay men who recently had vacationed in Florida, California, or most commonly, New York.“

„Between June 1982 and June 1985, the San Francisco Chronicle printed 442 staff-written AIDS stories, of which 67 made the front page. In the same period, The New York Times ran 226 stories, only 7 of which were on page one. From mid-1983 on, the coverage of the Chronice focused on public policy aspects of the epidemic, while the Times covered AIDS almost exclusively as a medical event, with little emphasis on social impact or policy. [The Chronicle] helped sustain a lvel of political pressure on local government and health officials to respond to the AIDS crisis.“

1987: „Virtually every major newspaper in the country now had a full-time AIDS reporter. The New York Times was on the verge of announcing that, at long last, it would allow the adjective „gay“ to be used when describing homosexuals.

[schreibt Randy Shilts in „And the Band Played On“]

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„Spätestens Ende der neunziger Jahre hatte Aids jeden Sensationswert verloren. Matthias Frings spricht von Aids-Müdigkeit: Als er für die seinerzeit beliebte Fernsehsendung Liebe Sünde einen Beitrag zum Thema Aids anmoderierte, schalteten 200000 Zuschauer weg – am Ende des Beitrags hatte die Sendung mehr als eine halbe Million Zuschauer verloren.“

„Die nachfolgende Generation schwuler Männer reagierte auf ihre Weise auf das Erbe von Aids. Die Ästhetik der neunziger Jahre mit ihren in den Fitnessstudios trainierten und komplett rasierten Körpern spricht für sich. Es ging nun vor allem darum, Gesundheit darzustellen. Abzugrenzen galt es sich sowohl von den kranken Körpern der Positiven als auch von der Ästhetik der siebziger und achtziger Jahre, die von (Schnurr-)Bärten und Körperbehaarung geprägt war.“

„Es gibt in Deutschland keine Pflicht, Sexpartner oder -partnerinnen von der HIV-Infektion in Kenntnis zu setzen. […] Wer mit HIV infiziert ist und ungeschützten Geschlechtsverkehr betreibt, macht sich nach §§ 223 und 224 des Strafgesetzbuches der Körperverletzung schuldig. Strafbar ist bereits der Versuch. Seit 1987 wurden fünfunddreißig HIV-Positive wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Die Richter entscheiden höchst unterschiedlich und in jüngster Zeit immer häufiger unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse, nach denen eine Ansteckungsgefahr unter erfolgreicher Behandlung nicht mehr zwingend vorliegt.“

„Der letzte HIV-Test liegt bei 27 Prozent der Befragten mehr als ein Jahr zurück. 35 Prozent haben sich noch nie haben testen lassen.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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#meQueer: Homophobie, Ausgrenzungen, Angriffe (Stefan Mesch)

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„Lesbe? Die ist nur von Männern enttäuscht.“

„Schwul? Der wär bestimmt lieber eine Frau.“

„Bisexuelle Frau? Geil!“

„Bisexueller Mann? Unersättlich & creepy.“


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Seit 15. August 2018 sammeln queere Twitter-User*innen unter #meQueer Erfahrungen, Angriffe, Ausgrenzungen.

Ich wollte ca. 30 Tweets, die ich selbst beitrug, im Blog festhalten.

Doch die Beiträge anderer User*innen direkt auf Twitter sammeln, als „Twitter Moment“ (Link).

Ich speicherte ca. 200 Stimmen als „Moment“ – und merkte dann: Twitter bündelt immer 100 Tweets pro „Moment“, und lässt den Rest verschwinden.

darum als Notlösung, hier im Blog: meine Lieblings-Tweets zu #meQueer – als Text statt als Twitter-Link.

[falls ein Tweet hier nicht auftauchen soll: schreibt mir bitte, ich lösche täglich:

twitter.com/smeschmesch oder das.ensemble@gmail.com]

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Ein Sommertag wie heute, ich bin vielleicht 11. Ich sage zu meinem Papa: „Das ist ja echt warm heute!“

Seine Antwort: „Es ist heiß! Warm sagen nur Schwuchteln“

Ich hab meinen Papa lieb. Aber das war einer der Gründe, warum ich erst mit 25 Kraft für mein ComingOut fand. _aronlesnik


Kindergarten, ein Vater holt seinen Sohn ab. Er sieht, daß dieser aus der Verkleidekiste die Rosa Feenflügel anhat.

Vater: Bub, werd bloß nicht schwul

Andere Mutti: Ach besser schwul mit 5 als mit 25. _Astralwelpe


Besuche meine Oma und borge mir alte Bücher von ihr aus. Mein Opa: „Was, du liest? Bist du nen Schwuli?“. _BastiLaetsch


Teenagerzeit: Auf einer Party in einer Gaststätte wird ein junger schwuler Mann von anderen beschimpft.

Kommentar von Freunden:innen: „Selbst Schuld, der muss das ja nicht so raushängen lassen beim Tanzen.“

Teenager-Ich: Okay, hab verstanden. _monaaarg


  • „Du hast es doch noch nie mit einem Mädchen probiert.“
  • „Ihr seid keine Promis. Ihr könnt keine Kinder adoptierten“
  • „Bitte küsst euch nicht vor mir“
  • „Du musst es ja nicht gleich jedem erzählen“
  • „Es ist nicht normal“ _CydoBear

Du bist also bi, aber du stehst jetzt nicht auf mich oder?“ _Livenitup_DE


„Hä aber wenn du eh auf Kerle stehst, warum bleibst du dann nicht einfach ein Mädchen?“ _notedbreadthief


Wieso meine beste Freundin und ich uns über 8 Jahre hinweg vielleicht 5 Mal umarmt haben? Man hat uns auch ohne Körperkontakt ab der 5. Klasse als lesbisch beschimpft. _flyingtomoon


Ich habe bis heute Angst, was ehemalige Mitschüler über meine Sexualität denken. _flyingtomoon


Der Höhepunkt war erreicht, als Mitschüler nicht mit mir in einem Zimmer auf der Abschlussfahrt schlafen wollten, weil ich denen ja etwas wegschauen könnte. _EtienneVogel


Sich als queeres Mädchen in der Sportumkleide demonstrativ zur Wand umdrehen, damit auch ja niemand denkt, dass ich sie anstarre. _mrlnxf


Höre jeden Tag mindestens eine Beleidigung über Homosexuelle etc. in der Schule. Der Record waren 7 Stück in einer Schulstunde. Habe es nicht ausgehalten bin zu Lehrer gegangen. Am nächsten Tag hat er es angesprochen und es sind nur noch mehr geworden. _Lets_Lara


ist bei mir auch, dass ich nie gecheckt hab, dass ich queer sein könnte. Ich dachte Mädchenfreundschaften sind eben so, dass 1 sich gerne küssen möchte und geheime Liebesbriefe schreibt. Dabei war ich einfach nur die ganze Zeit heftig verliebt. _ma_ria_r


Mit 13 in großem Detail von deiner damaligen besten Freundin erzählt bekommen, in welchem spezifischen Kreis der Hölle lgbt leute dann kommen und was für Folter auf sie wartet. _zukosgay


Weinend in der Kirche sitzen und Gott anflehen, “normal“ zu werden. _McHarryHarry


Meine Jugend war geprägt von der kirchlichen Umgebung, in die meine Eltern mich ‚untergebracht‘ haben. Wenn einem von außen immer gesagt wird ‚Du bist falsch, wenn…‘ macht es den Umgang mit sich selbst nicht gerade einfach. Ich bin echt daran verzweifelt. _PtrPwr


„Das ist aber unnormal und auch nicht vom lieben Gott gewollt und im Endeffekt nur so eine Mode, du wirst schon sehen wohin du mit dem Lebensstil kommst. Das wird dir in deinem Leben noch im Wege stehen.“ __aiyuki


Wenn „schwul/gay“ noch immer ein geläufiger Ausdruck für etwas Negatives ist. _Dana_Lurchliebe


Den Klassenkameraden immer wieder erklärt, warum „schwul“ nichts Negatives ist und nicht als Beleidigung benutzt werden kann. Sie haben es bis heute nicht verstanden und ich habe es aufgegeben. _Rieoderso


Person A: Das ist so schwul (abwertend gemeint).

Ich: keine Reaktion (nicht mehr).

Person A: dich mein ich ja nicht / das sagt man ja nur so / ist ja nicht bös gemeint. _PatrickGruska


Wenn bei einer Familienfeier mal wieder „schwul“ und „behindert“ als lustige Beleidigungen fallen und man wieder weiß, weshalb man sich nicht geoutet hat. _MaditaSternberg


„Ja man merkt dir das schon an, die Art wie du redest und so“ _tobhahn


,,Omg ich wusste du bist schwul du bist total feminin…”

Ich:,,ja danke

„und lass uns jetzt über alle Mädchen Dinge reden” _steveurtate


„Du wirkst gar nicht so. Hätte ich bei dir nie gedacht.“ – mit Anerkennung in der Stimme, als sei es eine Auszeichnung, nicht dem als makelhaft empfundenen Klischee vom gemeinen Homo zu entsprechen. _beolba


Antwort auf mein Coming Out1: „Warum hast du nichts dagegen getan, als du gemerkt hast, das du schwul bist.“ _HartmutSchrewe


Wenn deine Eltern dir begründeterweise verbieten, in deiner Heimat über deine Sexualität oder auch nur neutral über LGBT-Rechte zu sprechen. Es wäre für unsere Familie der gesellschaftliche Tod. _flyingtomoon


Meinen Eltern wurde erzählt, dass ich schwul bin. Mein Vater war wütend. Meine Mutter hat geweint. Am Ende musste ich es leugnen, damit ich nicht auf der Straße lande. _sefaibalci


Das Suizidrisiko von jungen Lesben und Schwulen ist 4-7 mal höher als das von Jugendlichen im Allgemeinen. 18% haben einen oder mehrere Versuche hinter sich. Und eine Person dieser 18% bin ich. _TillOtter


In 13 Jahren Schulunterricht kam Homosexualität ein einziges Mal vor – im Zusammenhang mit Aids. _mannfrauundco


Gymnasium, ich war irgendwo zwischen 12 und 14. Klassenkameraden (sic!) nannten mich „schwul“, weil ich nicht Fußball spielte. Weil ich mit den Mädels abhing. Weil ich Tanzen ging. Ich wollte nicht schwul sein. Das war beleidigend. Das war schlecht. _Pfanddose


Bist du eigentlich schwul?

Wieso?

Na weil du so eng mit deinen Freunden bist

Und deine bunten Haare

Also?

Ähm ich hab keine Ahnung was ich bin und selbst wenn, geht dich das eigentlich auch nichts an

…ja aber bist du jetzt schwul? _Ju_Be_Su


Wenn meine Partnerin und ich gefühlt das einzige offen homosexuelle Paar unter Hunderten von Eltern, Gästen und Abiturientinnen beim Abiball 2018 sind. Blicke inklusive! _indyacapunk


Ich war in der Schule nie geoutet. Hatte an Jungs wie Mädels gleichermaßen Interesse. Dachte, ich sei asexuell, denn: Interesse an Jungs kanns ja nicht sein! Wir hatten keine geouteten, queeren Schüler an der Schule. 2 Wochen nach dem Abi: 6 SuS meiner Klasse geoutet. _Pfanddose


Ich in der Sekundarstufe 1 werde dauernd gefragt „Bist du schwul?“ Leute es hilft bei der Identitätsfindung nicht dauernd gefragt zu werden. Ja bin ich. Brauchte aber lange es zu verstehen/realisieren/zu sagen /zu sein. _Marek42164153


In den späten 80ern in einer Kleinstadt aufwachsen mit dem Gefühl, du bist der einzige in der ganzen Schule… es darf bloß keiner merken. Sich verstellen. Eine Fassade aufbauen. Nur kein falscher Blick. Sich nicht anmerken lassen, dass Sprüche verletzen. So anstrengend. _Matt_Breitinger


Früh gewusst, lange geschwiegen, ich habe gesehen, wie mit erwachsenen Queers umgegangen wurde, und das ging bis zum Verlust der Arbeit. _ReginaKuepper


Selbst viele „offen Schwule“ haben Schwierigkeiten zu sagen „Ich bin schwul“ oder „ich bin bi“

Es ist mit dem Wort schon eine gewisse Last verbunden finde ich. _SimonEuropa


Ich glaube wenn ich so lese, habe ich bis auf ne echt beschissene Schulzeit ab der 5. wo ich auch 1 Jahr einfach wegblieb wegen dem Mobbing dort und von der Schule flog, und ein paar dummen Sprüchen von Arbeitskollegen die aber an mir abprallen, echt Glück gehabt. _PatSnowpaw


Lese und erinnere mich an die Schulzeit, wo schwul sein die schlimmste Beschimpfung und Erniedrigung war. Mir wird schlecht wenn ich daran denke da selbst mitgemacht zu haben. _klausi_


Wer die Relevanz abspricht & die geschilderten Erfahrungen als Bagatellen/Wichtigtuerei abtut, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil jenes gesellschaftlichen Klimas aus geheuchelter Toleranz, sexualmoralischem Rollback & Ignoranz, das den Hashtag erst nötig macht. _Aenigma


Die gesellschaftlich erlernte Unmöglichkeit des jugendlichen Ichs, die Möglichkeit des Queer-Seins überhaupt denken zu können. Die dämlichen Ausreden und Erklärungsversuche sich selbst gegenüber. Die resultierende Selbstverachtung. _s_krieger


Die innere Sedierung bei jedem in maskuliner Umgebung geäußertem homophoben Witz und Schimpfwort. Das gequälte Lächeln, das sich Wegdrehen, das eigene Schweigen. Die Scham darüber. Der Abfall des Selbstwertgefühls. Jedes Mal. s_krieger


Immer wieder abwägen, welche „Hinweise“ man wem gibt. Bspw. hat mich mein Fahrlehrer gefragt, ob ich zum CSD gehen würde.

Ich hab gelogen. Weil die Angst vor Verachtung so tief sitzt. _anonym


Jahrelang in der Schule Angst gehabt, jemand könnte *es* irgendwie rauskriegen. _anonym


1000 Mal überlegen, ob ich was zu dem Hashtag schreibe, weil ich weiß, dass nahestehende Menschen, vor denen ich ungeoutet bin, ab und an hier mitlesen. _anonym


Ich *schreibt freiwillige 10-seitige Hausarbeit über Transistoren und Dioden in Physik*

Physiklehrer *lobt vor der ganzen Klasse, bewertet mit einer 1*

Mitschüler: „Oh, die Lesbe macht mal was richtig, muss ja krass gewesen sein, was sie ausm Internet abgetippt hat!“ _tiliknewyou


Ich kann immer noch nicht gut darüber reden, dass ich lesbisch bin. Jedes Mal habe ich Angst neuen Freunden davon zu erzählen. Damals wussten nur wenige, dass ich eine Freundin hatte. Ich wollte Kommentaren, wie: „Ach… Durch mich wirst du wieder straight!!“ vermeiden. _GLaDyGamer


oder auch: das bewusste vermeiden von geschlechtsbezogenen begriffen, wenn es um das privatleben, urlaub etc. ging. brachte jahrelang dieses „mir ihr“ einfach nicht raus. fast die ganze eigene sprache umgestellt. nur um nichts verräterisches zu äußern… _zieterow22


Auf jeder Familienfeier, jedem Konzert, jeder öffentlichen Veranstaltung queerfeindliche Ausagen hören und sich überlegen müssen ob es den möglichen Ärger wert ist, was dagegen zu sagen. _pandaer1k


Mein Chef beim FSJ in einem Jugendzentrum hat mir gesagt, ich solle nicht „lachen wie so eine eklige gottverdammte Schwuchtel“. Hab das seinem Vorgesetzten berichtet und wurde von dem nur dauerhaft ignoriert. _TillOtter


Jemand der gerade herausfindet dass ich Schwul bin:

„Ey,nicht falsch verstehen wenn ich das Wort Schwul für irgendwas benutze oder so,ist halt so ein Wort

Ich:“Ok, nicht falsch verstehen wenn ich in einen Hundehaufen trete & sage;Bäh ist das Hetero,ist halt so ein Wort. _AndreGrabowski2


Ignoranz. Einfach nur pure Ignoranz in meiner Klasse für einen verdammten Monat nachdem ich – unfreiwillig – geoutet wurde. Bis einer den Arsch in der Hose hatte sich zu entschuldigen und mich wieder „aufzunehmen“. __aiyuki


Ich werde nie die Reaktion meiner ehemals besten Freundin auf mein Coming Out vergessen: “Ich… umarme dich trotzdem noch.“ _fluegelfeder


Zu kann ich nur schreiben, dass ich auch zu denen gehört habe, die Schwulenwitze gemacht haben. Bis ich ich mitbekam, dass ein schwuler Kumpel nichts gesagt hat. Und das hat mich getroffen. Manchmal bist du eben ein Arschloch, ohne es zu merken. _totengelichter


  • Du wirkst gar nicht lesbisch……
  • Bist du dir sicher?…..
  • Ist bestimmt nur eine Phase…..
  • Hattest du schon was mit Mânnern oder woher weißt du das du lesbisch bist? _slyke31

„…meine Partnerin….“

„Du bist lesbisch? Du wirkst gar nicht so. Du bist so normal.“

Aha. Tut mir leid, dass ich nicht deinem Stereotyp entspreche.

PS: Nur weil ich mit einer Frau zusammen bin, bin ich nicht unbedingt lesbisch. _CuriousZebra_


  • „du musst kein make-up tragen, wir haben verstanden, dass du schwul bist“
  • „wieso hast du dich entschieden schwul zu sein?“
  • „was bringt es dir schwul zu sein?“
  • „wieso muss ich das akzeptieren, wenn du nicht akzeptierst, dass ich was gegen schwule habe?“ – eltern _eindaddybear

„Wenn Lesben doch auch Frauen mit kurzen Haaren [+ andere „männliche“ Attribute] stehen, wieso stehen die nicht gleich auf Männer? Hahahaha“ Solche Aussagen kommen von der Familie, da fühlt man sich wohl. _papierplanet


„Wenn du echt nicht auf Männer stehst, wieso hat deine Freundin dann kurze Haare?“ _einfachMaria


Mein Bruder nachdem klar war, dass ich trans und gay bin und unser jüngster Bruder in einer Beziehung mit einem Mann ist: »Dann bin ich ja das einzige normale Kind in dieser Familie« _MAEXimum


Ich habe etwa 90% meiner Familie verloren, einfach nur, weil ich es gewagt habe, ich selbst zu sein. _FN2443


Der aller ätzendste Satz nach meinem Outing den ich bis heute immer noch zu hören bekomme ist: Das ist Chris, der ist schwul, aber sonst ein wirklich netter Typ.

Und ich habe tatsächlich lange versucht in allem der Beste zu sein um den vermeintlichen Makel auszugleichen. _InfraRiotGirl


Mein Freundeskreis ist progressiv und respektiert mich. Er ist auch nicht kleiner geworden. Viele sagen sogar nicht mehr Schwuchtel, weil sie wissen, dass ich es beleidigend & respektlos finde. _SirHansen


Das Gefühl zu haben, anderen (meine) Queerness aufzuzwingen oder zu nerven, wenn ich erwähne, wie toll „sie“ ist oder dass ich Schauspielerin XY heiß finde oder auf Nachfrage erkläre, dass ich keinen Freund habe, weil ich auf Frauen stehe. _mrlnxf


Mein Bruder: Schwule sind so abartig.

Ich sehe ihn eine weile kühl an ehe ich antworte: Ach, ist das so, ja?

Er schreckt merklich zusammen: Bis auf dich! Also wenn du das Trans Zeug durch hast, dann bist du der einzige den ich akzeptiere! _IceprinceNoah


Herzschlagen, Schweißausbruch und auf die Zunge beißen, wenn es irgendwo um LGBTQ* geht. Bloß nicht auffallen. _mrlnxf


Geoutet in der Schule als eine Gruppe von Mitschüler*innen mich „Schwuchtel“ genannt haben. JA, ICH BIN EINE SCHWUCHTEL. _TymScorpus


die socialmediaprofile vor den eltern verstecken, weil man angst hat, dass sie herausfinden könnten, das man trans ist. _everettnotross


Meine Mutter die meinte, ich dürfe mich nicht bei meinen Großeltern outen, sie würden mich aus der Familie ausschließen (mit Enterben und allem drum und dran) _jesuskokst


Beim Outing vor meinen Eltern meinte meine Mutter: „Wem hast du’s denn schon alles erzählt??! Wir müssen uns DAS ja jetzt nicht auf die Fahne schreiben. Muss ja keiner wissen.“ _Herbstwindkind


Nach meinem Outing, sagte meine Mutter „zum ersten mal bin ich froh, dass du ans andere Ende Deutschlands gezogen bist, sonst würden die Leute hier im Dorf ja über uns reden.“ _NicoLAS_VEGAS


„Das darfst du aber nicht den Großeltern sagen. Ach, zum Glück hast du das ausgelebt, als du ausgezogen bist, sonst hätte das noch die Runde gemacht.“ _monaaarg


ist auch, wenn deine „Outing-Strategie“ das Warten auf das Wegsterben der schwierigsten Verwandten in deinem Umfeld ist… _sistasonDE


Es hat mein halbes Leben lang gedauert, bis ich mich als trans outete. Es hat mein halbes Leben lang gedauert, weil mir mein halbes Leben lang gespiegelt wurde: das was du dir wünscht ist falsch und ekelhaft. Ich rede jetzt so viel über mich, weil ich endlich reden darf. _buzzaldrinsblog


Ich hätte es auch schon viel früher wissen sollen, mit zwölf waren die Zeichen bei mir schon sehr deutlich, aber die Darstellung von vielen Transfrauen und das Bild was dabei vermittelt wurde, haben mich zweifeln lassen. Mir haben Vorbilder gefehlt. _Saphirosa


Komplett zerstörtes Mutter-Kind-Verhältnis weil sie nicht dran glaubt dass ich trans bin. Extrem alleine fühlen aus Angst, anstatt out & proud zu sein. _forty_two_42_


„Ich wäre lieber als Mann zur Welt gekommen!“

„SO SAME!! Ich finde meine Periode auch so schrecklich!!“

For f*cks sake, darum geht es nicht!! _MalchikGray


Meine Oma über einen Transgender Freund von mir: „Sofern sie noch nicht operiert ist, bleibt es für mich eine sie.“ _batoutofhell


kolleg*innen, die transmenschen konsequent als „es“, als „dieses ding“, „kranke vögel“ oder ähnlich abwertend bezeichneten. ich fand sie so zum kotzen. _zieterow22


Wenn dein eigener Vater sich jahrelang weigert, dich beim korrekten Namen zu nennen. _notedbreadthief


Sogar in der lgbt+ community darum kämpfen müssen anerkannt zu werden. Stichwort asexuell. _SilverWolf2421


Als asexueller Schwuler bekomme ich oft sowas zu hören wie:

  • „Asexualität ist eine Krankheit.“
  • „Du kannst gar nicht asexuell und schwul sein.“
  • „Dann bist du ja gar kein richtiger Schwuler.“ _NicolasTransgay

„Weißt du, eigentlich bin ich asexuell!“

„Nein, das glaube ich eher weniger!“

Echt?? Woah, gut, dass wir nochmal drüber gesprochen haben!! FAST hätte ich gedacht, ich würde mich selbst kennen! Dann sorry, mein Fehler! _MalchikGray


Jahrelang nichts von Asexualität gewusst, wurde nie aufklärt.

Habe mich jahrelang nirgendwo dazugehörig gefühlt und war so verwirrt was meine Sexualität betrifft.

Nun habe ich Anschluss gefunden und mir wird eingeredet dass alles nur eine Phase sei oder ich unsicher bin. _nisosaur


  • „Du bist doch viel zu jung, um das wissen zu können“
  • „Wie kann man Sex nicht mögen du .. Blödi“
  • „Asexuelle wurden für ihre Asexualität nicht verfolgt und ermordet. Die gehören nicht zu LBGTQ+“
  • „Ihr wollt nur Aufmerksamkeiiiiiit“ _RainyRegenfeder

Fragt mich jemand, ob ich lesbisch bin, sage ich übrigens immer noch meistens ja.

Weil es mir in 9 von 10 Fällen zu anstrengend ist, meine Version von queer zu erklären. _RikeRandom


Vor einigen Jahren, bevor mir klar war, dass ich trans bin, fragte ich meine Mutter, wie es wäre, wenn ich statt eines Mädchens ein Junge wäre *hust*.

Ihre Antwort darauf: „Einen Jungen hätte ich eher geschlagen.“ _nicolastransgay


(Ich bin Trans (FtM)und bi ,

  • ,Also bist du jetzt ne Lesbe?“
  • ,,Das ist nur eine Phase“
  • ,,Du bist als Mädchen geboren, also akzeptier das gefälligst“
  • ,,Sollen wir dich jetzt mit,,es“ ansprechen?“
  • ,,Das haben dir diese Schwuchtelyoutuber nur eingeredet!“
  • ,,sei doch normal!“ _Bloodmoonkid

speziell zu lgbt-veranstaltungen gehen, um wenigstens mal irgendwo akzeptiert zu werden, und dann dort auch von jedem cis-kerl gesagt bekommen, er würde ja nie was mit nem trans typen anfangen, weil das is ja ekelhaft und ein „richtiger mann“ sei ich sowieso nicht. _genvalinor


Es schmerzt mich sehr, wenn cis Leute einen solchen Gegensatz konstruieren. Grade, wenn sie selbst schwul sind. Dass ich keinen Platz in der schwulen Community habe. Dass ich für viele gar nicht existiere. Und wenn doch, werde ich als Schwuler zweiter Klasse degradiert. Da kommen dann auch Sätze wie „Wir Lesben und Schwule müssen trans Menschen unterstützen.“ bei raus. _nicolastransgay


„Ich finde trotzdem nicht, dass zwei Männer ein Kind adoptieren sollten… Immerhin bin ich ein Mann und deshalb weiß ich ja, wie Männer sind. Sie wären eine Gefahr für das Kind.“

Warum hast du dann ein Kind? _onlyablueberry


Ich bin trans und auf das Wohlwollen meiner Ärzte angewiesen. Ich hatte Pech und bin an eine Psychotherapeutin geraten, die gerade mit Vollgas dabei ist, mir das ganze Jahr 2018 zu ruinieren, anstatt mich zu unterstützen, wie man das eigentlich von ihr erwarten dürfte. _FN2443


heißt für mich, jeden Tag irgendwie, irgendwo, irgendwann darüber zu stolpern, dass ich (meistens) genug zum Leben, aber weniger verdiene als meine Kolleg_innen. Für die gleiche Arbeit. Denn das Amtsgericht kürzt mein Einkommen für die Gutachter. _ein_fledertier


Meine Großmutter hat mir (ihrer einzigen Enkelin) bis heute nicht zur Hochzeit (Oktober 2014) gratuliert und meine Stieftochter (ihre einzige Urenkelin) nie kennengelernt. _pauledeluxe


14, erste Liebe. Mutter: „Die triffst du nicht mehr oder du fliegst!“

Warum ich mit knapp 15 von zuhause ausgezogen bin/wurde. _DubeAteo


1 Jahr später trafen meine Mutter und ich die Abmachung, dass wir uns aus dem Liebesleben des Anderen raushalten.

Ich konnte ihr nie meine Ex-Freunde vorstellen oder über Liebeskummer reden.

Sie hat hinter meinem Rücken geheiratet.

Wir haben uns also beide dran gehalten. _DasKleineBlaBla


In Pubertät meine Transidentität und mein lesbisches Begehren entdeckt. Aufgrund Mobbing, fehlenden Rollenvorbildern und abwertenden Kommentaren aus dem Umfeld lange versteckt. Outing erst mit Anfang 20, seit 2016 Begleittherapiezeit, Verheiratet und Mama. _AndersJenny


„Meinst du, dass deine Geschlechtsidentitätskrise nicht nur dadurch kommt, dass dein Körper so viel schlimmes erfahren hat? Du hast ja immer nur gesagt, dass du lieber ein Junge bist und NICHT, dass du schon immer einer warst. – Meine Mama _whisperingmoors


Als ich 16 Jahre alt war kam eines Nachts ein Familienmitglied in mein Zimmer, welches mich im Dunkeln festhielt und meinen Intimbereich anfasste, um zu „überprüfen“, ob ich eine Frau oder ein Mann sei. _NicolasTransgay


Ich wurde schon paar mal gefragt, warum ich mich so vehement für LGBT+ einsetze, wo ich selbst doch „normal“ bin. Unter könnt ihr lesen warum. _MeritSeto


Warum müssen Schwule immer so schrille Pride-Paraden machen? Können die nicht einfach zu Hause schwul sein?“ (Bekannter, der gerade zu Gast bei uns ist) _tobhahn


„Ich hab ja immer Lindenstraße geguckt bis die da gezeigt haben wie sich so zwei Männer küssen“ _tobhahn


Damals in der Lindenstraße als Tanja Schildknecht eine lesbische Storyline bekam und meine Mutter zu mir sagte „Wehe, du wirst so.“ _Lieveheersbees5


Bin Vegan und habe meine Konfirmation abgebrochen trotz religiöser Familie.

Schaue mit meiner Oma TV und es kommt ein lesbischer Charakter.

Oma: Du bist ja sowieso nicht so normal, ich hoffe das du nicht noch zusätzlich lesbisch bist.

Ich, pan sitze dort voller Angst. _Lets_Lara


Am späten Abend allein nach Hause gehen bedeutet für mich, den Regenbogenbutton zu verstecken, mich so unauffällig wie möglich zu verhalten und zu hoffen, dass ich von (angetrunkenen) Männern nicht zufällig als schwul gelesen werde und in Ärger gerate. _boyinterruptedd


Mit ist ja dann endlich meine Zeit gekommen…

Meine Zeit zu sagen, dass euch n Scheiß angeht, was ich durchstehen musste und muss, und ich eher mein Leben aufgebe als zur Belustigung Fremder mein Privatleben derart ans Schwarze Brett des Dorfes zu pinnen. [ich poste das mal ohne Quellenangabe]


Ich wollte mich nicht zu äußern. Gerade habe ich keine Kraft dafür, wieder von Trollen überrannt und beleidigt zu werden.

Aber mein 14-jähriges Ich, das wegen ihrer Sexualität in Müllcontainer (die man von innen nicht öffnen kann) gesteckt wurde, will gehört werden. _Flusswoelfin


Klassenkollege läuft hinter meinem Rücken durch die ganze Klasse und fragt alle „He, glaubst du ist der Flo schwul?!“. Einer der schlimmsten Tage in meinem Leben. Ich war richtig hilflos. _FBoschek


Schulzeit war als einzig offen schwuler Dude auf der Schule nicht so cool: In den Pausen auf dem Schulhof von ner Truppe Mitschülern eingekreist und bedroht werden; auf den Gängen hinterhergerufen kriegen man sollte sich das Leben nehmen. Mobbing en masse: Alltag. Ergh. _TillOtter


„aber du stehst doch jetzt nicht auf mich oder?“ _Allescla_ra


Ich tratsche mit einem Bekannten über Bettgeschichten. Ich, damals mit Freundin, meine, ich kann mich nicht beschweren. Er, irritiert: „Aber das ist doch kein RICHTIGER Sex.“ _KaenKazui


„Du musst eine Hormontherapie machen. Da ist was falsch bei dir“ _Caetline


Ich kann nicht mehr zählen, wir oft Menschen annahmen, ich sei homosexuell weil ich drei Schwestern habe.“ _HartmutSchrewe


…ob ich mir während der Schwangerschaft ein Mädchen gewünscht hätte, fragte eine Kinder-und Jugendpsychologin in Bezug auf die Homosexualität meines Sohnes. Ich habe die Zusammenarbeit lieber beendet. _dergrauekanal


„Da fehlt bestimmt die [Elternteil]-figur!“ _whisperingmoors


Selbst wenn die eigenen Erfahrung vergleichsweise harmlos bis positiv sind: Die Erfahrung anderer machen Angst, lassen zögern. _Shiku_


„Die Kinderlosen sollten bei dem Thema besser mal die Klappe halten“ Arbeitskollege kurz vor Eheöffnung und gemeinsamem Adoptionsrecht. _eurojackpot24


Workshop zur LGBT+ Community in der Schule. Von zwei Schwulen

Naja, trans Menschen wurden nur am Rande erwähnt

Trans wurde als eigenes Geschlecht dargestellt

Asexualität wurde in einem Nebensatz abgehakt und dann vergessen

Also eigentlich war es zu Lesben und Schwulen und mehr nicht. _notedbreadthief


Almost always being the only non-binary person. Having to educate other people about queer identities. Always having your orientation and gender identity understood as a political statement. _pandaer1k


Leute, die mich dazu verpflichtet sehen, ihnen meine Label zu erklären,mich zu rechtfertigen: Pan. NB. Genderfluid. Was ist das? Warum genau dieses Label? Bin ich mir sicher? Wie kann ich das wissen? Warum nicht Label x? A n d a u e r n d. Überall. Bei jeder Erwähnung. _queen_of_gore


„Lässt man sich als dieses… nicht-binäre da… eigentlich operieren?“ _hellarcadiagay


als ich mich bei meinen eltern geoutet hab, und einen binder wollte

„jeder muss irgendwie mit seinem körper klarkommen“ _1punkmensch


Talking to then-best friend: „Well I can tolerate trans people, they’re just born like that, but people who can’t decide what gender they are are sick and just want to trick people.“ Couldn’t stay friends after that. _pandaer1k


„Ich hab ja nichts gegen Schwule oder Lesben oder Transgender Leute, aber die ganzen Genderfluiden gehen mir etwas zu weit. Verstehe die Ideologie dahinter nicht.“ Macht immer wieder Spaß, als verrückt hingestellt zu werden! Nicht! _MalchikGray


Unter , und berichten Menschen über strukturelle Benachteiligung, Diskrimierung und Gewalt, genau wie unter und . (Immer wieder) wichtig zu lesen. _JasminSarahBr


und ermöglichen, die Probleme anzusprechen In jedem Büro, in jeder Branche, in jeder Klasse, in jedem Sportverein, an jeder Bar, in jedem Freundeskreis, in jeder WG, in allen Medien, in allen Parteien, jeder Familie, in jeder Schicht, im Bahnbistro… _Le_Ann_Fr


, nicht zu wissen wo man anfangen soll zu erzählen, weil ich nicht öffentlich drüber rede. _Dahie


Ich habe in der Straßenbahn meinen Kopf auf die Schulter meiner Freundin gelegt weil es mir nicht gut ging. Wir wurden von einem Nazi mit einem Messer bedroht. _AnonymerKeks161


Und wenn es nicht böse gemeint war und trotzdem böse und verletzend ankam, dann vielleicht, weil wir uns in einer queerfeindlichen Gesellschaft daran gewöhnt haben, dafür so behandelt zu werden.

Spricht auch nicht für die Gesellschaft. _Pfanddose


Haben Menschen, die in ihrer heteronormativen Welt gefangen sind, schon mal darüber nachgedacht, dass sie feminine Lesben und maskuline schwule Männer genau deswegen nicht erkennen (wollen)? _einfachMaria_


Es gibt einige Parallelen bei der Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen.

Lesben bekommen dabei die volle Breitseite der Doppeldiskriminierung ab. _HartmutSchrewe


„Sie sind mit einer Frau zusammen? Aha, dann hatten Sie also noch nie richtigen Sex.“ -Gynäkologin _CuriousZebra_


Diese unzähligen Aufforderungen für einen Dreier.  _countessleto


Wenn du dir im Club jemanden aufreißt. Dann rausgehst, um bisschen zu quatschten. Und sofort ein fremder Mann herkommt, dich angrinst und ungeniert fragt, ob wir mit ihm nach Hause gehen wollen.

Logik: Lesben gibt es gar nicht. Sie tun das nur, um Männern zu gefallen. _tschinderle


‚also ihr seid zwei biologische MÄDCHEN, die sich aber sicher sind, dass sie jungs sind und ihr seid zusammen. das ist ja nicht so normal.‘ _kerrlmerx


Ein schwuler Bekannter sagt erklärend in Richtung Ehemann: „damals war er noch bisexuell, er kannte mich noch nicht, er war verwirrt.“

Meine zukünftige Frau und ich (beide Bi) so:

¡W H A T! _sbkDiggi17


  • „Ihr wollt doch nur besonders sein“
  • „Und ich identifiziere mich als Kampfhubschrauber hahaha lol“
  • „Es gibt zwei biologische Geschlechter. Alles andere sind psychische Krankheiten“
  • „Aber was bist du denn WIRKLICH??“
    Thema non-binary. Zum Glück nicht alles selbst erlebt. _RainyRegenfeder

  • ‚Pan, okay, aber dieses poly wird doch jetzt echt ein Selbstfindungstrip.‘
  • ‚Whoa, so mit mehr Leuten? Das klingt eher psychisch gestört, sorry.‘
  • ‚Finde mal eine ordentliche Frau, dann wirst du auch echt lesbisch‘ _poly_ravenclaw

„mir hat mal jemand in einer Nachricht geschrieben: „Unser Freund ist jetzt unsere Freundin und wir laden sie trotzdem immer noch zum Essen ein.“ _buzzaldrinsblog


„Warum hast du denn deine Haare abgeschnitten? Lang stand dir doch so gut! Jetzt siehst du aus wie ein Junge! Und die Klamotten dazu. Du bist/warst doch so ein hübsches Mädel!“

Newsflash: ich bin immer noch ein hübsches Mädel! Meine Freundin sieht das übrigens auch so! _SpaceCowBara


Ich auf ner Familienfeier „Wir haben uns ja lange nicht gesehen. Aber dein Nagelack…bedeutet das was? Ich meine du bist ja ein Junge“ _Marek42164153


„Du hast eine schöne Handschrift, haben das alle Schwule?“ _joelkraus_


Grillparty: „Hallo Robert, schön, dass du da bist, der „Sowieso“ kommt auch gleich, der ist auch schwul.“ _ReiseRobby


Bekommt zum Geburstag 4 Kalender mit nackten Männern /Tiny Rosa Werkzeugkoffer geschenkt.

„du bist doch schwul, du magst das sicher“ [kicher] _machi1701


Freundin meiner Mutter beschreibt irgendeine Frau als „Die, die aussieht als sei sie mal ein Mann gewesen.“ Während ich, offener trans Mann, daneben sitze. _notedbreadthief


Vor Beginn des CSD stehen eine Freundin und ich in Bi-Flaggen gehüllt am Straßenrand. Ein älterer Mann im Regenbogenshirt kommt auf uns zu, fragt nach der Bedeutung der Flaggen und fragt nach der Antwort abschätzig „Könnt ihr euch nicht einfach für eins entscheiden?“ _lana_greenlake


  • „Ach klar, die Selbstfindungsphase.“
  • „Irgendwann entscheidest du dich für ein Geschlecht.“
  • „Is‘ ja aber auch momentan totaler Trend.“
  • „Bald gibt’s keine Heteros mehr! Was dann?!“
  • „Aber wenn du dich entscheiden MÜSSTEST…-„
  • „Aber Lesbensex ist doch voll ekelhaft?“ _humanight1

  • „Du siehst doch voll gut aus, wieso stehst du denn auf Frauen? Das hast du doch gar nicht nötig.“
  • „Du bist Bi? Sieht man dir gar nicht an.“
  • „Musst nur mal richtig gevögelt werden.“
  • „Du hast ja jetzt doch einen Mann geheiratet, dann bist du jetzt wieder normal?“ _MaditaSternberg

Nach dem 4. Outing bei meinen Eltern habe ich aufgegeben. Es lohnt einfach nicht, wenn sie wenige Tage später doch wieder so tun, als hätte es das Gespräch nie gegeben. _A_Jurtzki


1 jahr nach meinem ComingOut im Freundeskreis habe ich mir die Haare von hüftlang auf 3mm abschneiden lassen.

Kommentar von Freunden „Hast du dich jetzt endgültig für Frauen entschieden? Hab doch gesagt, dieses bi-sein war nur ne Phase“ _SveaCaro


„Mama ich habe einen Freund“ „Das muss ich erstmal verkraften, das du nicht normal bist.“ _marchi1701


meine mom: rannte zum arzt und ließ sich beruhigungsmittel verschreiben, weil ich ihr „DAS“ antat.

ich gab mir dann mühe, wieder „normal“ zu sein.

(und hasste mich) _zieterow22


„Ich hätte dich damals in die Hecke spritzen sollen“

…( von meinem Vater als ich zwangsweise geoutet wurde und dazu stehen musste und es auch getan habe) _StephanHegger


Mit „+1“ auf die Hochzeit eines Verwandten eingeladen werden, aber von Dritten verboten bekommen, die Partnerin mitzunehmen, „weil es nicht um dich gehe und das die Braut aus dem Mittelpunkt rücken würde“ _KrawallKiwi


Meine Mama war nachdem ich mich ihr gegenüber geoutet habe, absolut dagegen dass ich mich in der Schule oute. Ich weiß bis heute nicht, ob sie mich nur schützen wollte oder ein Problem damit hat. _graueblumen


Ein Ex Freund von mir könnte auch noch etwas dazu sagen, aber als seine Eltern heraus fanden das er homosexuell war, sich Sorgen um den Ruf im Dorf machten und ihm darum das Leben zu Hölle machten hat er sich umgebracht. Mit 19 Jahren. _StephanHegger


Was meine Familie so zu mir sagt:

  • ‚wir gehen zu einer familienfeier, bleib zuhause, sonst müssen wir uns für dich schämen‘
  • ‚was haben wir falsch gemacht, dass wir so ne tr*nse bekommen haben?‘
  • ‚wir hätten dir öfters aufs maul hauen sollen‘ _homolordt

Nie den Sprach-Chat in Multiplayer Spielen nutzen können, weil du trans bist. Hass und Beschimpfungen sind Alltag. _Dana_Lurchliebe


Probleme zu haben, von deren Existenz ein Großteil der Bevölkerung nichts weiß , Nur-Mann-und-Frau-im-Eheregister…. _LemaSdn


Asexuell sein und sich immer wieder bis in die Mittzwanziger die Frage stellen müssen, was mit einem nicht stimmt, nur weil man den Hype um Sex und Beziehungen nicht nachfühlen kann.

Und dann das Erwachen, wenn man realisiert, dass es dafür einen Namen gibt. _Chan_to_the_Ho


Wenn man als bisexueller trans Mann in schwulen Kreisen wie unsichtbar ist und nicht ernst genommen wird, weil man deren körperlichen Normen nicht entspricht und gleichzeitig noch mit Stereotypen über bi Menschen konfrontiert wird. _daydreamer1796


„Du bist nicht bi, du willst nur Aufmerksamkeit!“ _mianjanssen


„Vielleicht wärst du nicht single, wenn du nicht immer so raushängen lassen würdest, dass du bi bist.“ _bildungsburger


„Ich denke nicht, dass jemand auf Männer und Frauen stehen kann. Der wird sich eben irgendwann entscheiden.“ _onlyablueberry


‚Hä, du hast deinen Freund schon seit x Jahren, wieso solltest du da bi sein?‘ _browniemance


„Stehst du auch auf Gegenstände? Tiere? Kinder?“ _mrlnxf


Fragte uns vor Jahren so ein Depp: „Wer ist von euch beiden der Mann?“

Ich antwortete: „An geraden Tagen ich, an ungeraden sie.“ _GwenDragonTek


weil jedes outing mit dem anlegen einer inneren rüstung beginnt.

gegen „ich hab nichts gegen schwule, aber…“

„das hätte ich nie von dir gedacht….“

„das ist doch gar kein thema, warum musst du denn darüber reden?“ usw. _KlemensKetelhut


Die toxische Toleranz des „Schwulsein? Gar kein Problem. Alles völlig normal. Lasst uns einfach nur nicht drüber reden.“ _s_krieger


„ja ich hab ja nichts gegen schwul aber müsst ihr das alle so raushängen lassen? du legst es wirklich darauf an von irgendwelchen Nazis zusammengeschlagen zu werden, oder?“ _timothyagemusic


Auch wenn ich viel Selbstvertrauen habe & mir die Meinung vieler Menschen egal ist. Überlege ich immer 2 Mal, ob ich wirklich mit „Frauen“schuhe & Lippenstift im Gesicht auf die Straße gehe. _TymScorpus


„Warum habt ihr eigentlich eine Flagge aber es gibt keine Hetero-Flagge? Gleiches Recht für alle, gerade du musst doch verstehen dass das Diskriminierung gegen Heteros ist!“ _timothyagemusic


„Ihr dürft doch heiraten? Was wollt ihr denn noch?“ _mariabraeu13915


Für meine Schwiegereltern existierte ich einfach nicht.

Der Sohn konnte und durfte nicht schwul sein. Ignorieren und totschweigen macht „es“ inexistent.

Meine Schwiegermutter starb nach 10 Jahren, mein Schwiegervater 7 Jahre später.

Habe sie nie kennengelernt. _VanGestern


Meine Mutter bedauerte nach meinem coming out, dass ich „nie“ Kinder haben werden. Heute bin ich die einzige von drei Töchtern mit Nachwuchs. Leider hat sie das nicht mehr erlebt. _Andreacmeyer


Ein Kollege: „Können Sie uns einen kleinen Text zu S/M und ähnlichen Praktiken schreiben? Sie kennen sich da doch sicher aus, Sie sind ja schwul.“ _mannfrauundco, Journalist


Eine ehemalige Chefin zum Chefarzt: „Wir brauchen endlich einen Mann im Team.“ Der Chefarzt lacht und alle gucken mich an. _ichunddieabwehr [queere Ärztin?]


Nach dem 2. Auftritt bei dem ich ein Liebeslied an meinen Freund gesungen hatte, kam ein Z-Promi zu mir und sagte: „Ey du hast Talent, aber lass das ganze Schwuchtel-Zeug und zieh dir mal was Vernünftiges an.“ _TillOtter


bei einer grösseren Firma in der Provinz beworben. Sollte „Ehefrau“ zur Vertragsunterzeichnung mitbringen. Erzählte einem anderen Manager, dass ich einen Ehemann habe. Am Tag der Vertragsunterzeichnung betretenes Schweigen. Vorwurf, ich hätte die Firma hintergangen. _mooksberlin


Jedesmal vorm Outing darüber nachdenken ob es einem im Beruf schaden könnte. _labatteuse


„Den Bi-Sticker auf auf deinem Laptop machst du aber noch ab, bevor du ein Seminar gibst, oder? Was sollen denn deine Studis denken?“ _bildungsburger


„Bei dem besser an der Wand lang gehen!“ Als Tipp unter „Kollegen“ über mich. _EureWortschaft


Protipp: Alle Fragen und Kommentare, die ihr gegenüber heterosexuellen/cis-Menschen nicht bringen würdet, weil sie einfach zu dämlich und übergriffig sind, sind auch bei allen anderen Menschen zu dämlich und übergriffig. _einfachMaria_


Und trotzdem überlege ich bei jedem neuen Arbeitsumfeld:

Erzählst Du direkt locker flockig, dass Du mit einem Mann verheiratet bist?

Wie wird das Umfeld reagieren? _monZeitgeist


‚bist du n mädchen??‘

ne

‚hä n junge oder was???‘

hmmh

‚achsooo ne transe haha‘ _kerrlmerx


„Wenn du trans wärst, könntest du keinen Sex haben. Transen (sic!) hassen doch ihren Körper, die können sich doch nicht nackt sehen.“ _omegaonmars_


achja, meine mutter „nein, du bleibst für mich [deadname], ich nenn dich nicht alex, ich hab mir was bei dem namen gedacht!“ _1punkmensch


denkt ihr bitte dran, eure binären hetero standards NICHT auf personen zu projizieren, die keine äußerlichen queer-merkmale aufweisen? (es ist irre anstrengend) _Bart___


Mein Partner und ich gehen auf dem CSD Hand in Hand und knutschend mit der Parade mit, wir haben beide Bi Flaggen als Umhang, sogar eine ins Gesicht gemalt. Wir werden mehrmals angepöbelt das Heteros hier nichts zu suchen haben. Wir sind beide bi. Auch LGBT+ sind blind. _lana_greenlake


Ich bin 30 Jahre alt, bin seit 9 Jahren mit meinem Mann zusammen und habe mich erst vor 2 Jahren geoutet. Mein Leben war eine Lüge und meine Eltern kennen mich kaum. _NicoLAS_VEGAS


LGBT culture is your parents knowing absolutely nothing about you. _tumblr: heterophobicflint


Bei diesem Hashtag von Heteros nicht verstanden werden, weil sie oftmals nicht wissen, was „Queer“ bedeutet. _weltlage


Sich nicht outen wollen, um sein Sexleben nicht mit anderen ausdiskutieren zu müssen. Das ist Privatsache, goddammit. _whoopwhoop1001


Als ich aufwuchs, waren Hella von Sinnen und Martina Navratilova die einzigen , die ich kannte. So wollte ich nicht sein. _Andreacmeyer


Noch ein Klassiker: „Sowas hat in einer Kinderserie doch einfach nichts zu suchen. Das verwirrt die Kinder doch nur!“ _KaenKazui


Boa ist das schlimm diese ganze Beiträge zu lesen Selbst die harmlosen zeigen ein Bild von “ du gehörst eben nicht dazu“ Du bist in besten Fall ein Kuriosum. _marchi1701


Mit (Ex)-Freundin abends unterwegs. Glatzen näherten sich uns. Sie streiten darüber ob wir Frauen wären. 1 greift mich an & schiebt mir seine Hände unters Hemd. Er zieht mir die Bandagen runter mit denen ich meine Brüste abgebunden hatte. „Bist ja doch ein echtes Mädel.“ _Zesyra


Wenn das Schönste auf der Welt – ein Kuss, eine Umarmung, eine Zärtlichkeit – in der Öffentlichkeit Überwindung bedeutet. _svenlehmann


Noch bis Anfang der 90iger Jahre hatten alle Homokneipen+Discos in die ich ging Klappen i.d. Eingangstür Man musste klingeln u. wurde zunächst durch die Klappe angesehen bevor sich d.Tür öffnete. Ich fand das zickig , bis ich das erste mal einen Schlägerüberfall erlebte. _InfraRiotGirl


Mit 13 nen Typen angezeigt, der mich online massiv belästigt, sogar konkrete (Mord)drohungen ausgesprochen hat.

Cop: „Sag jetzt mal ehrlich: du kennst den doch auch in echt, oder? Ihr kennt euch doch alle untereinander! _Souplemur


An alle: ich freue mich über jeden Kuss, jedes Händchenhalten, jede Sichtbarkeit vom nicht-Heten in der Öffentlichkeit.

Wir sind doch auch so viele, nicht nur hier im Internet. _LemaSdn


Lese , nicke sehr oft, bin wieder 15 und habe Angst davor, ich zu sein. _herrurbach


Ich habe das große Glück, nichts zu beitragen zu können, außer, dass mein Freund keine öffentlichen Liebesbezeigungen (Händchenhalten etc.) will. Nach dem Lesen verstehe ich immer besser, warum. _MadMatheMatiker


Ich habe jede Menge zu erzählen, aber das hat mich ehrlich gesagt noch nie weiter gebracht. Eher hat es mich zurückgeworfen, denn niemand will sowas hören. _TrishaSiobhan


Hui, unter fühlt sich jetzt aber sehr vieles sehr vertraut an. Und dabei würde ich immer sagen, dass mir noch nie „was schlimmes“ passiert ist – aber die kleinen Dinge sind ja manchmal dann doch auch schlimm. _Ina_Steinbach


Lese und denke, ach, so schlimm war das ja nicht, doch langsam tröpfeln die verdrängten Erinnerungen … _Andreacmeyer


Man vergräbt die blöden Sprüche, legt sich evtl. Konter zurecht, steckt das alles weg & ignoriert es. Man ist ja schließlich stark & es gibt ja auch Wichtigeres im Leben. Will die Aufmerksamkeit auf die schönen Dinge richten. Ich sags mal wie es trotzdem ist: Scheiße. _Herbstwindkind


Boa ist das schlimm diese ganze Beiträge zu lesen Selbst die harmlosen zeigen ein Bild von “ du gehörst eben nicht dazu“ Du bist in besten Fall ein Kuriosum. _marchi1701


Ich will meine Kraft eigentlich nicht dazu verwenden, die schlechten Erfahrungen wieder aufzuwärmen.

Aber es ist einfach wichtig, dass das mal in die Köpfe dieser ignoranten Menschen geht: Ja verdammt, LGBT-Themen & deren Diskriminierung geht euch auch etwas an!! _Herbstwindkind


Wie mir einmal eine Zigarette auf der Brust ausgedämpft wurde, weil ich schwul bin und ich im ersten Moment den Fehler bei mir gesucht habe (zu offensichtlich nach außen getragen?) _CGaerner


„Sowas hat man früher vergast“ _DubeAteo


Ausflug mit der Schulklasse ins KZ Sachsenhausen. Uns wird erzählt, dass hier viele Homosexuelle inhaftiert waren. Alle gucken mich an. Einer sagt: „Hier gehörst du hin.“ _Zesyra

.

alle Tweets: gepostet zwischen 15. August und 18. August, ca. 2 Uhr morgens.

der Hashtag startete am 13. August 2018, durch Hartmut Schrewe.

„Ich habe und als großzügige Geste empfunden, dass mich Menschen an ihren ganz persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen und ich lernen und mich vielleicht selbst ertappen darf.“

..

.

ich dachte nicht, dass ich selbst viel zum Hashtag beizutragen hatte.

doch während ich die vielen Tweets las, merkte ich, wie viel Ungesagtes, Verwandtes mir dabei einfällt – ohne Überlegen.

ich bräuchte ewig, um zu sammeln, welche Entwertungen, Ausschlüsse es z.B. für  und  (Rassismus)-Betroffene gibt.

wer Entwertung oder Hass selbst erlebt, hat da einen RIESEN-Wissensvorsprung.

weiter gedacht heißt das:

kein Wunder, dass jemand, die/der z.B. Rassismus erfährt

  • klüger über Rassismus schreibt
  • Interessanteres zu sagen hat
  • Rassismus klarer erkennt und benennt
  • bessere z.B. Kunst über Rassismus macht als ich, der Nicht-Betroffene.

deshalb: hört Betroffenen zu – statt solche Beiträge sofort zu relativieren, in Frage zu stellen, Kritik am Stil, Ton oder an der „Taktik“ und „Wirkung“ zu üben.

.

meine #meQueer-Tweets:

.

„Ich

  • verhalte mich ganz normal
  • passe mich an
  • gehe nicht mit meiner Sexualität hausieren
  • glaube, niemand muss wissen, mit wem ich schlafe…und deshalb ist MIR noch nichts Schlimmes passiert.
    seid ruhig queer – aber spart euch das Lautsein und die Auffälligkeit!“

das Gefühl, mir etwas KRASS Sexuelles, Derbes, Profanes zu erlauben.

mein ganzes Umfeld mit was zu konfrontieren, das sie lieber nicht wüssten.

die Angst, dass die Geduld endet & ich ne „Rechnung“ zahlen muss, Schmuddel-Sexualität in ihr Leben eingeschleppt zu haben.


„Oh! Eine queere Figur. Toll!“ „Ja – in neuen Serien muss es ja jetzt immer etwas Extremes oder Abnormales geben.“


„Jetzt gibt es schon Wonder Woman UND Black Panther, im Kino. Jetzt noch eine lesbische Batwoman? So langsam wirds übertrieben!“


„Ah, du liest ein schwules Buch / magst schwule TV-Figuren, weil du schwul bist. Ich bin normal. Für mich ist das nichts.“


„Ich habe mich in meinem Dorf nicht wohl gefühlt. Ich lernte die erste queere Frau mit… ca. 20 kennen!“

„Und DESHALB magst du dein Dorf nicht? Das ist doch völlig egal.“

nein.

mir entging so viel Welt, Realität, Vielstimmigkeit.


  • liest gern
  • unsportlich, ungeschickt
  • ist mit Frauen befreundet…wurde als „Indiz“ meiner Queerness verstanden. als käme das als Komplett-Paket, und als seien Jungs, die so sind, per se queer, suspekt, verdächtig.

„Franz kommt auch zur Weihnachtsfeier, aber Franz mag GAR KEINE Schwulen und Franz findet Schwule GANZ schlecht und Franz ist da immer GANZ beklommen und… Stefan? Warum kuckst du so lustlos, jedes Weihnachten?“


klar kann man „ganz nebenbei“, „selbstverständlich“ eine queere Erfahrung erwähnen, um sich zu outen. doch ich hatte mit 24 meinen ersten schwulen Kuss… und dachte zuvor: *glaubt* man mir meine Queerness überhaupt – so lange es NUR um Begehren geht, ohne Praxis?


wer sich outet, ist dann ein „Berufsschwuler“, eine „Berufslesbe“. wer öffentlich spricht, fährt „die Mitleidsschiene“, will daraus „Kapital schlagen“ oder „predigt zu seinen Gleichgesinnten“.


„Und jetzt bist du homosexuell…“

„Ich bin bi.“

„Na ja. Stefan muss sich wieder das Ungewöhnlichste aussuchen. Wie immer.“


„Gay Pride? Ihr seid STOLZ und wollt beklatscht werden – dafür?“

Ich lese dieses ‚Pride‘ als ‚Ich schäme mich nicht‘, nicht als ‚Ich sehe meine Queerness als Leistung‘ – aber, hey: Mut, Selbstbewusstsein, Kraft zu haben, auf nem CSD zu feiern, IST ne Leistung.


„Ihr habt doch schon alles erreicht! Ihr SEID doch überall.“

  • „Hast du queere Kolleg*innen?“ – „Woher soll ich das wissen?“
  • „Gabs queere Lehrer*innen?“ – „Vielleicht gerüchteweise.“
  • „Nenn mir eine lesbische Autorin!“ – „Was haben Bettgeschichten mit Literatur zu tun?“

kaum queere Figuren / Role Models hieß für mich mit ca. 14:

  • aber alle Männer sind mir unsympathisch
  • aber Analsex? boah, nein!
  • aber ich will nicht tuntig und modisch/gepflegt sein= okay. bisexuell bin ich wohl nicht. queer „werden“ & ich selbst bleiben? geht nicht.

2+ Jahre Beziehung (in Toronto) – ohne, die Eltern meines Partners je zu treffen.

„Sie können mit meinem Schwulsein leben – so lange ich ihnen alles Konkrete erspare.“


„Oh nein – warum hast du mir gezeigt, wie dein Freund aussieht? Jetzt muss ich mir ja RICHTIG vorstellen, wie ihr Analsex habt und… boah. Ich wünschte, ich hätte das alles nie erfahren.“ Gleichaltriger, in der Clique.


Leute ekeln sich so sehr vor schwulem Sex, dass, steht in ner Umfrage „homosexual“ statt „gay“, intolerantere Urteile gefällt werden.

DESHALB schreiben AfDler etc. gern „Homosexuelle“.


X, Mitte 60, glaubt, „schwul“ sei eine Beleidigung. und sagte deshalb lange: „Oh – dieser nette Mann hier ist… anders geartet.“


v.a. ältere Leute, die plötzlich intime Fragen stellen.

weil sie glauben, queere Menschen hätten irgend eine Beschädigung oder Vernachlässigung erfahren und wurden aus z.B. Trauma oder Enttäuschung heraus queer.


jemandem sagen, dass ich queer bin, heißt jedes Mal: abwägen / in Kauf nehmen, dass die Person ablehnend reagiert oder mich dafür angreifen könnte.

ist da ein Abhängigkeitsverhältnis, lasse ichs lieber.


ich habe mich erst geoutet, als ich „nichts mehr zu verlieren“ hatte und wusste, dass mich z.B. Familienmitglieder nicht mehr bestrafen, sanktionieren konnten. weil ich woanders lebte und sich mein Leben endlich ohne sie stabil finanziert.


„Aber Stefan: Warum hast dus UNS nicht früher gesagt?“

„Weil es 1000 Dinge gibt, die ich nicht über euch weiß. Und weil ich nicht sicher sein konnte, dass ich euch vertrauen kann und ihr es nicht gegen mich verwendet.“


„Das ist doch völlig normal. Jetzt hör also bitte ENDLICH auf, drüber zu reden und das in den Mittelpunkt zu stellen. Ist doch nur wichtig, falls man mit Leuten Sex haben will. Too much information!


„Na, wenn man sonst nichts hat, muss man sich eben darüber definieren, wen man bumst. also ICH bin Handballer, und Rheinlandpfälzer, und Beamter und habe zwei Kinder und ein Haus!“


„Dieter Nuhr etwa reißt die bekannten Homo-Zoten von Popo-Sex und der Seife unter der Dusche“, schreibt Johannes Kram (Link).

„Macht euch mal locker. Echte Akzeptanz heißt, dass ihr auch über euch selbst lacht, mit uns!“


ich sehe *so* viele Leute, die sich in queeren Netzwerken oder auf Tumblr „Fag“, „Schwuchtel“, „worthles bottom bitch“, „Sau“ usw. nennen. klar: viele werdens einfach „verrucht“ & kinky finden. ich verbitte es mir, wenn jemand versucht, mich sprachlich zu entwerten.


bei jedem Outing eines Bekannten oder Promis Diskussionen: „Sah man es dem/der nicht eh an?“ und „War der/die jetzt zu blöd oder in-die-Ecke-gedrängt, das zu verstecken?“, oder „RESPEKT: Man hat es nicht gemerkt! Der kam echt rüber wie ein normaler Mann!

Reply: „zumal viele das „Hätte ich gar nicht gedacht“ oder das „Sieht man dir gar nicht an“ für ein Kompliment halten.“

Reply von mir: „heterolike“ „masc4masc“ „nofagsnofems“


ein Freund von mir ist schwul, jüdisch, HIV-positiv und lebt mit ner Behinderung. spreche ich über ihn, beginnen manchmal Diskussionen, wofür er am meisten zu bemitleiden ist.


Leute werden wütend, wenn ich sage, ich fühle mich in Deutschland nicht wohl.

„Du hast doch echt Glück! Geh mal in andere Länder und warte, was DA mit euch passiert!“


ne Hochzeit feiern? ich stelle mir immer vor, wie alle alle Hetero-Paare, die kirchlich heirateten, uns sehen und denken „Das ist ein leerer und trauriger Abklatsch. Kein Brautkleid. Wohl keine Kinder. Keine Glamour-Frau“ etc.


der traurigste Tweet zu :

recht junger Mann liest viele neg. Tweets und will dem „was entgegen setzen“, Mut machen:

„Ich habe durchs Outing keine Freunde verloren. Viele sagen sogar nicht mehr ‚Schwuchtel‘ zu mir, weil sie wissen, dass ichs respektlos finde.“

SOGAR. 😦


tuntige Menschen, gender-nonconforming Menschen, auffällig queere Menschen in z.B. der Straßenbahn sehen und nicht wissen, wie ich ihnen signalisieren soll, dass ich sie für ihre Sichtbarkeit und für den Mut, aufzufallen, toll finde.


viele -Tweets, auf die Heteros am stärksten reagieren, haben mit Geschlechterrollen und engen, fiesen Geschlechtszuschreibungen zu tun.

wundert mich nicht: wir leiden echt ALLE unter Müll wie:

  • „ein normaler Junge“
  • „ein ordentliches Mädchen“
  • „ein attraktives Paar“

ich folge SO vielen Accounts queerer Männer hier, die täglich zeigen:

  • ich bin gepflegt
  • entspannt
  • locker und witzig
  • ich fühle mich wohl

ich wünschte, diese happy Boys würden bei mitreden – und zeigen: SO einfach und sonnig ist es auch für sie nicht immer:


ihr zeigt eure teuren Wohnungen

  • Trainungsklamotten
  • Basecaps
  • Turnschuhe
  • Le-Creuseut-Töpfe
  • Balkone
  • Desserts

& manchmal eure Unterwäsche + Haut.

ich freue mich für euch mit. wirklich. doch habt ihr Erfolgs-Schwulen GAR NICHTS beizutragen über Ungerechtigkeit, Ausgrenzung?


ein schwuler, selbstständiger Bekannter postete: „Sei immer wie eine Ente. Du musst ruhig, souverän wirken – während du unter Wasser paddelst wie verrückt.“

ich lebe anders. mich freut, falls unter auch „glückliche“ Erfolgs-Männer zeigen, wie schwer vieles ist.


mir macht Angst, wie oft „Identity Politics“ als Kampfbegriff verwendet wird. jedes Mal, wenn Marginalisierte ihre Stimme erheben, gibt es fünf Essays in z.B. der NZZ, die sagen:

„Diese Randgruppe sieht nur sich selbst und definiert sich zwanghaft über ihre Identität.“


Wenn Leute fragen: „Was sagen deine Eltern dazu?“

und dabei klingen wie „Und DAMIT kommst du durch? Straflos? DAS darfst du dir leisten?“


immer überlegen, ob ich nicht besser Positives, Lobendes teile – damit meine (tollen) nicht-queeren Freund*innen nicht denken: „Wie undankbar.“

auch, weil -Anekdoten mit Happy End VIEL mehr Likes kriegen oft. Hetero-Erleichterung: doch nur Einzelfälle?


bei jedem Twitter- und Insta-Profil, das eine Regenbogenflagge zeigt, wissen: diese Flagge hat euch etwas gekostet

  • Kraft, Überwindung, Mut
  • berufliche Chancen
  • Freundschaften, Anerkennung in der Familie
  • potenzielle Hetero-Follower*innen: „Der ist anders. Subkultur.“

„Dochdoch: ich habe gehört, ein Drittel aller trans Leute bereut ihre Umwandlung. Deshalb sind psychologische Gutachten so wichtig.“

wie kann diese Bullshit-Zahl so lang kursieren?


Schwule, die TOTAL freundlich, zugewandt sind – doch viele schlechte Erfahrungen in der Schule hatten und heute als Servicekraft oder Verkäufer arbeiten.

auch, weils da festen Rollen gibt – ein Gerüst, Regeln: dein Nettsein kann schlechter gegen dich verwendet werden.


„Ich kenne zwei Lesben – und finde die beide unsympathisch, farblos und…“

„…mache absurde Generalisierungen und kenne zu wenige Menschen, ja. Schade für dich.“


viele Freund*innen von mir studierten Pädagogik. ich frage regelmäßig: „Habt ihr an der Schule, im Kollegium queere Kolleg*innen? Sind sie out – auch vor den Klassen?“

bisher kam noch keine Antwort, die mir Mut machte.


„männerhassende“ Feminist*innen und/oder Lesben? kenne ich nicht – nur als Behauptung, Schreckgespenst.

frauenhassende (und: Femininität-hassende) Schwule? kenne ich Dutzende.


„Ach, Lesben. Die sehen ja echt GENAU SO aus wie Männer. Richtig männlich. igitt.“

vs. „Oh, ein trans Mann, der versucht, auszusehen wie ein Mann? Das klappt nicht. Du wirst nie ein Mann sein!“


„Was haben wir Schwulen eigentlich mit Lesben zu tun? Wir schleppen sie seit Jahrzehnten mit durch und bekommen doch nur nen Tritt in die Eier, weil sie über „lesbische Unsichtbarkeit“ jammern.“

[echter Kommentar.]


nervös auf queere Stars, TV-Figuren, Politiker*innen kucken und genau beobachten, wie meine Eltern auf sie reagieren: Haben sie Respekt?

immer, wenn sie keinen Respekt haben, wütend auf z.B. Hella von Sinnen sein; denken „Wegen DIR finden meine Eltern Queere schlecht!“


„Oh, du

  • rennst
  • redest
  • lachst
  • singst
  • rauchst aber ziemlich schwul!“ zu hören, ab ca. 12 (Rauchen ab17), heißt:

    jedes Mal, wenn ich das mache, überlegen, wie ichs anders/“männlicher“ mache.


„In jeder Soap gibts doch heute queere Paare. Das Thema ist durch!“

ich sah 20 Jahre . oft tolle queere Paare.

doch offen queere Schauspieler*innen dort? 20 Jahre, 400+ Rollen. ich kenne… 4?


gespiegelt zu kriegen, das was mit meinem Mann-Sein, meiner Maskulinität nicht stimmt und ich *deshalb* queer bin/“wurde“.

aufpassen, dass ich keine queeren Dinge tue, über die Leute danach sagen: „Ha! Hier sieht mans wieder: Euch fehlt einfach Männlichkeit!“


bei schwulen Dates wissen, dass mein Date mir oft lang erzählen wird, was scheiße an

  • „den meisten Schwulen“
  • schwulem Dating
  • Dating-Apps, Hook-up-Culture, Sexdates, Körpernormen ist.

dauernd Schwule treffen, die „Schwule hassen“ und „nicht wie andere Schwule sind“ und „nichts mit der Community am Hut haben“.


„Ich kaufe noch Snacks: Chips, Flips…“

„Schokolade?“

„Nein, nur Männer-Snacks. Frauen-Snacks haben wir noch daheim.“

„Moment: Alles Süße ist für dich: ‚Frauen-Snacks‘?“

„Klar. Frauen: süß. Männer: knusprig, salzig, deftig.“

„Ich mag Süßes!“

„Stefan: DU bist auch bi.“


Hetero-Freund*innen ein queeres Buch schenken und wissen:

wenn sie das kalt lässt oder abstößt, ist es wahrscheinlich wieder für eine Weile das letzte Mal, dass sie queeren Content lesen, freiwillig.


vor

  • Love, Simon
  • Brokeback Mountain
  • Die Mitte der Welt stehen

und wissen: ich würde Papa zwar gern nen queeren Film schenken zu Weihnachten – aber DAS trifft mich & unser Verhältnis halt null.


dauernd hören, dass irgendwas mit meinem Gender, meiner Gender-Performance, meinem Gender-Bewusstsein etc. nicht stimmt…

…weil: würde ich als Mann funktionieren, glücklich sein, würde ich doch keinen zweiten Mann suchen, der mir da was bestätigt oder kompensiert.


„Schwule und Lesben gehen ja noch – nur was soll diese LGTQIAbcdefgh“-Buchstabensuppe? Da will einfach jeder besonders sein und alle stecken sich in komische Schubladen, weil sie sind und nicht kapieren, dass JEDER anders voneinander ist.“


Freunde kucken bei jeder Frau, von der ich etwas will, was an ihr „männlich“ ist und, ob mich diese „männlichen“ Aspekte an ihr reizen. #bisexuell


„Ich kenne nen Schwarzen, der sagt dauernd N****kuss.“

: wissen, dass ich, wenn ich nicht widerspreche, ausdiskutiere, einschreite, mich entschieden wehre, ICH Kronzeuge/Beweismittel in ähnlichen Anekdoten über Queere werde. „Stefan stört es nicht.“


dauernd hören, „der Islam“ sei unser größter Feind.

dauernd hören, wir schaffen uns selbst ab, wenn wir eine offene Gesellschaft fordern.

dauernd: schwule Männer auf Twitter blocken, die Rassisten sind & Rassisten feiern.


mit Leuten Kinderfotos durchsehen und hoffen, dass niemand sagt:

„Kuck! DA konnte es man ja schon sehen, ahnen, wissen: Kuck mal, wie du sitzt, kuckst, was du anhast!“ etc.


wenn alte weiße Hetero-Kulturmänner plötzlich einen schwulen Mann loben, interviewen, empfehlen, feiern…

immer lange googeln:

  • ist der SO gefeierte Mann in der FDP?
  • ist er libertär?
  • ist er gegen Minderheitenrechte?
  • wettert er gegen die schwule Community? etc.

das selbe: jede Frau mit türkischstämmigem Namen, die plötzlich von Axel Springer gefeiert, empfohlen, bezahlt wird.


queere Kultur suchen. zu wenig finden. viel von dem, was beliebt ist, nicht mögen. mich dann fragen:

a) gebe ich mich trotzdem damit ab?

b) kritisiere ichs öffentlich – oder ist das unsolidarisch?

c) stimmt mit MIR was nicht: das gibts doch extra für Leute wie mich!


In meiner alten Schule stehen, ein Plakat sehen, auf dem #Vielfaltlieben steht und erstmal…

wütend und eifersüchtig sein. mich fragen: Wo waren solche Statements und Signale und Normalisierungen, als ich sie brauchte: vor 2002?


mich für jeden tuntigen, geschminkten, promisken, mädchenhaften, aggressiven, sexualisierten, lauten schwulen Mann schämen… weil ich Angst hatte, dass Leute denken, wir alle sind so. so gut, den Hass später hinter mir zu lasen.


2005: ich betreue ein Schreibprojekt, bei dem 15 Leute 6 Monate täglich teilen, welche Texte, Kultur etc. sie bewegt, begeistert. als eine Lesbe fast nur queere Kultur beschreibt, bitte ich, auch anderes zu nennen – „sonst bist du so ein Klischee.“ ich war ein Arsch.

warum war ich ein Arsch? mein Job wäre gewesen, die ganzen Heteros, die NICHTS Queeres teilen, bemerken, auf dem Schirm haben, zu fragen: „Hey – warum stemmt sie das alleine? Warum hätte das Projekt OHNE IHRE ARBEIT Null LGBT-Content?“


Ich finde dich halt scheiße – aber das hat nichts mit deiner Sexualität zu tun… aber das finde ich eh so scheiße an euch allen:

wenn man sagt, ihr seid scheiße, tut ihr gleich, als sei das Homophobie. das HASSE ich an Volk wie euch! typisch!“


„Du bist biologisch eine Frau und willst ein Mann sein? Das ist nunmal unmöglich. Und: Wenn du dich gegen geschlechtliche Zuschreibungen SO wehrst, wieso willst du dann in die Schublade ‚Mann‘? Wärs nicht egal, ob ich ‚er‘, ’sie‘, ‚es‘ sage?“


es gibt tolle deutschsprachige Accounts von trans Menschen.

doch mir fällt auf, dass fast alle Accounts Figuren, Zeichnungen etc. zeigen als Profilbild.

auch, weil jene, die sich und ihren Körper zeigen, dauernd hören „Boah! Wie es schon aussieht!“

gute Antwort von _nicolastransgayAuch weil viele trans Menschen online regelmäßig bedroht werden und deshalb Angst haben, dass das auch offline passiert, wenn sie zeigen, wer sie sind.


Jemand fragt sich, wie viele der geschilderten Erlebnisse auf Missverständnissen beruhen: Manchmal denkst du nur denkst. Am Ende doch nur Missverständnisse, die vom Gegenüber gar nicht böse gemeint sind. Ansonsten: Selbstbewusst, respektvoll und ohne Vorurteil das Problem gleich ansprechen! Und nicht erst bei „

meine Antwort:

du hast *keine* Ahnung, wie oft man als queerer Mensch überlegt:

war das jetzt wirklich nachweisbar unbestritteten tatsächlich böse gemeint?

und kann, sollte, darf ich da jetzt wirklich gefahrlos nachfragen – ohne, mir selbst damit zu schaden?


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Es geht nicht um Gruppenbildung, sondern um eine Dokumentation und das Sichtbarmachen von Gewalt in unserer Gesellschaft.

, , , , und liefern dazu jeweils eine Perspektive auf diese Gewalt.

_schreibt Tekay

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Queerness, Sex, Coming Out: Stefan Mesch & Antonio Capurro (Interview)

antonio-capurro-peru-interview.

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A Peruvian journalist contacted me on Facebook:

He saw that I took part in the „Daily Portrait“ photo project in 2016 (article about my experience: here)…

…and wanted to know more about my ideas on queerness, privacy, and sexuality.

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The interview will be published in Spanish at La Revista Diversa.

For my blog, here’s the (long, unedited) English version.

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Tell us about your childhood: Where did you grow up?

I’m 34. I grew up in a wealthy, rural town in Southern Germany: less than 2000 people, no train station. Everyone has a car, most people own their house. My childhood was okay – but I missed culture, diversity, intellectual life. I often point out that I didn’t interact with lesbians until 2003, when I moved away for college. There were two or three boys who were whispered to be gay in my high school – but no visible queerness.

What did you study?

I studied Creative Writing and Cultural Journalism; because I wanted to be an author and a book critic. The „book critic“ part worked out great, and I’m finally finishing my first novel. There is so much culture – literature, journalism, comic books, TV shows, online projects – that’s important and relevant to me: I’m good at scouting, learning, judging and explaining, and I want to be a part of these larger cultural (and sometimes: political) conversations.

Growing up, did you enjoy being nude?

I’m not an outdoor person, nor a sports person, and I have no great memories about enjoying nudity as a child. Quite early, I often felt that nudity had to do with humiliation: Only powerless people were nude. So I tried to stay dressed and not let my guard down. I don’t tan well, my skin is quite pale, and as a teenager, I thought that people would dislike my nude body.

How did you discover your queerness?

I always liked queer characters or people who fought gender stereotypes. Also, my village was so rural and… tense about masculinity that I felt „queer“ and „strange“ just for reading books or being friends with girls.

Sexually, I’m more often attracted to men than to women. Romantically, I had more crushes on girls than men. I think that by the time I was 15, I understood that I was bisexual. But the first man that felt like a possible romantic partner only showed up when I was 18.

How was your first time having gay sex?

I had sex with 26, with my first boyfriend. The relationship was exhausting, but worthwhile. Our sexual mechanics never worked out that well. We have chemistry – but we didn’t have much sex.

How was your coming-out?

I was nervous about my dad and waited until 2014 (!) to tell him. He was the biggest hurdle – although in the end, he surprised me. I gradually started talking to friends and family members since I was 20. I did not enjoy coming out because it felt like I gave up power. I felt like I had to tell people: „Here’s something intimate and sexual about me that doesn’t really concern you. So: Are you okay with it? Or are you disgusted? Come on: You may now judge me.“

I came out before I had boyfriends. Today, I love to introduce my grumpy partner to people and say: „Look! He’s great, we’re happy, I’m bisexual!“ But before I had a partner, it always felt like saying: „Do you want to know if I fantasize about men and/or women every time I jerk off?“ I was passionate about diversity and visibility and talked about that a lot, long before being out to everyone. But my personal sexuality, for the longest time, began and ended with masturbation and some unrequited crushes.

Why did you take part in the „Daily Portrait“ photo project? Did you think a lot before you decided to pose for a nude photo?

In 2013, an awesome Berlin painter, Martina Minette Dreier, asked me if I wanted to model for an oil painting. I sat for the portrait in the nude, and it felt great. In 2016, I lost a lot of weight. I always thought that very soon, I would be a balding, sad and awkward man – but when I realized that I liked my current body, I decided to take part in the project.

It still took a long time – 7 months – because I thought about shame, exposure and my credibility as a cultural journalist… but I wrote about this at length elsewhere, in a longer essay: Link.

Why did you decide to start a blog where you post nude self portrait photos?

I love selfies and quick snapshots, and in 2016, I spent much energy and time on Instagram. I don’t know what „exhibitionism“ means: If you define that as „I want to surprise people by showing my penis publicly or unexpectedly“, I am not an exhibitionist at all. I would not undress in public, or annoy or shock people with nudity. To me, unsolicited dick picks are a form of sexual harrassment.

But I knew that online, in places like Tumblr and Reddit, people who like my body type sometimes LOVE nude pictures of people, quite similar to me. I have never felt very desired by friends at school. But I like myself right now, and I thought: „Here’s the target audience for your nude body.“ I enjoy posting pics to that very specific audience.

Do you like erotic photography?

Yes. I don’t like classic masculinity. Also, young bodies often make me uncomfortable. I dislike many standard poses, and anything with twinks/boyish men.

Do you enjoy porn?

I love amateurs, and any kind of person who shares or overshares online. But I dislike the porn industry, the clichés, the standardized bodies, the exploitation. Lots of it feels sexist, boring and crude.

Do you consider yourself very sexual?

I’m not very sensual, I’m not very cuddly, I don’t enjoy touching many people. Also, I don’t like one night stands and I have spent many years without any sex. So I don’t think I’m „very sexual“. I do enjoy having sex and making out, though – and if I talk to friends, I’m surprised that most of them want less sex or have less energy for sex than me.

Do you consider yourself sexy or attractive?

I only have to be attractive to the one person that I want to attract right now: my partner. He likes me, so all is well. Generally, I don’t think I’m particularly sexy. But I know how to write well: I’ve learned some techniques. I think that in photography and taking selfies, there are many similar techniques. So: I’m learning how to appear sexy in photos. And I think I’m getting better.

What was the most bizarre experience in your life?

Sexuality-wise? Nothing wild. But in a gay bar in 2013, someone tapped my shoulder and said: „Sorry. A stranger just tried to piss on your shoe.“ I was annoyed because it felt completely tactless and disrespectful. If you’re friendly and ask nicely (and if I have some extra shoes), I’m the person to say „Yeah – whatever gets you off. Okay.“ But to try that, without asking?

What kind of feedback do you get from followers on Twitter, Facebook or Instagram?

I love giving and getting book recommendations, I want to share ideas with many people: I love my profiles and my feeds in these networks. If you ask about nudity: People pay me compliments, and often, gay men from Spain or Spanish-speaking countries contact me to say „I wish I could be as brave“ or „I wish I had the confidence to show my body online“. So far, I’ve had these conversations with five or six men; and they’re all Spanish-speaking. Maybe it has to do with catholicism…?

Have you ever meet online friends in person?

Most of the literature and journalism people that I’ve met since finishing university in 2009 were my Facebook friends before I eventually met them in person, yes.

Have you ever blocked people who bother you because they were only looking for sex?

I’ve blocked two or three people on Facebook because of hate speech or personal/political attacks. I never had problems with sexual harrassment. I have met all three of my boyfriends on datings sites – but I don’t like chatting there, and I often dislike the tone that German people use in „kinky“ networks like Gayromeo or Scruff: To me, German „dirty talk“ often sounds too degrading and shame-centered. „Filthy Pig“, „Worthless Fag“, „Pussyboi with Boypussy“ etc.

But even though that tone makes me run, I never personally felt disrespected, no.

What do you do when you are not working?

I love reading – books and articles and graphic novels. But as a book critic, I still can count that as work: Ideally, I just spend 12 to 14 hours a day reading, talking, learning and writing. I love cheap food and very cheap restaurants. And for a while last summer, I was in love with „Pokemon Go“.

What do you think about the new ways to make journalism – like citizen journalism?

If people are paid, they have more time and energy to write. On the other hand, there are passionate experts in every field – who can often do much deeper work because they have much more knowledge. I enjoy book blogs, wikis, fanzines, social media and all other places where people who are not trained journalists still have a voice. But I think that selecting stuff is my personal super-power: You can send me to „messy“ sites like Reddit, and I will ignore the hate-speech, the conspiracy theories and the overall unpleasant atmosphere… and just focus on the good writing and the good ideas that are still there. Theodore Sturgeon said that 90 percent of everything is crap/crud. So of course, 90 percent of „citizen journalism“ is crap, too. I want to focus on the other 10 percent – in every field.

I’m worried that every artistic or journalistic outlet I know is constantly asking for money: There are so many crowdfunding campaigns and kickstarters and patreon links etc. that I sometimes fear that as a journalist and writer I will never find a publisher who will pay me decently. Instead, it will be our job to constantly ask all friends for money and spend more and more time and effort on these campaigns.

Which authors or writers do you admire and what genres do you prefer?

My favorite classic novelists are Vladimir Nabokov, Thomas Wolfe and John Cowper Powys. My favorite living novelist is Stewart O’Nan. I have a soft spot for Young Adult literature (here, my favorite writer is A.S. King) and graphic novels and super-hero books (Greg Rucka). My favorite German writer is Dietmar Dath. Generally, I admire people who get raw and personal. And I enjoy domestic fiction – books about grief, sadness or families, often set in suburbia.

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I took part in a queer photo project, and wrote an essay about it for the Berlin Tagesspiegel (Link). my photo for the article was taken by Mike Wolff.

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Do you remember a gay movie or gay role on TV or cinema?

There are some popular gay favorites that I don’t enjoy: Oscar Wilde, „Queer as Folk“, musicals and pop divas, and many boarding-school novels like „A Separate Peace“ or German queer-ish classics like „Unterm Rad“ by Hermann Hesse or „Katz und Maus“ by Günther Grass.

My favorite German soap opera, „Verbotene Liebe“, started when I was 12 and almost always had compelling and fun queer characters – particularly lesbians. I didn’t like their most famous gay couple, Christian and Olli, because they were both quite masculine and sporty bland characters. In 2006, I was hooked on „As the World Turns“, a US soap opera, and the (dramatic and self-obsessed) gay character Luke Snyder.

In my early teens, I liked lesbian or gender-nonconforming heroines in „Lady Oscar“ and „Sailor Moon“. Today, I love Batwoman and many lesbian or queer comic book characters, often written by author Greg Rucka.

„Ugly Betty“ is queer, cheery and has a diverse and fun cast. As a kid, I enjoyed dandyesque, foppish characters like John Steel in „The Avengers“, Elim Garak in „Deep Space Nine“ or anyone played by Peter Cushing. I liked „Brokeback Mountain“. HBO’s „Looking“ bores me. I have tons of favorite queer authors: Alison Bechdel, Marcel Proust, Hubert Fichte. I loved David Levithan’s „Two Boys Kissing“.

What is the most comfortable place in your house or outside to ne naked?

I need warmth to feel comfortable, and I need privacy to be nude. There is no warm AND private outside place where I can be nude. Inside, I enjoy taking baths or showers, and I love overheated rooms, botanical gardens, greenhouses and saunas.

Are you thinking of recording videos or to show more your butt?

I move quite awkwardly and can’t imagine filming myself stripping without having to laugh. I think my butt looks okay, but every time I try to shoot a decent photo of it, it looks pale and flabby. Celebrities often post butt pics. But my pictures never turn out like this.

What is the part of your body that men like most?

I’m not flirting a lot, and I don’t ask what men who see me in person like about me. People who see me online sometimes comment on my scruffiness/body hair. But then: hair is just a common fetish.

What is the part of your body that you like the most?

Most strangers seem to understand that I’m usually friendly and interested: I don’t think I’m super-charismatic. But somehow, my body language signals „I’m smart and alert and friendly“, and I like that. I also like my eyes, when I’m not too tired.

If a magazine offered you money to pose nude on the cover or centerfold, would you say yes?

The „money“ part sounds weird: I don’t know if I ever want to feel like my sexuality or body can be bought. But yeah – I would partake in nude art, or sex-related projects.

Is there any sexual fantasy you want to make happen?

Bondage. Also, I have never done anything sexual outside/in nature.

How do you see LGBT rights in your country and worldwide?

I think visibility matters: It’s important to see and hear queer people in public, in culture and in schools. I don’t think most people even CAN be „anti-gay“ once they meet so many queer people that „I’m anti-gay“ sounds like „I’m anti-brown-eyed-people“.

I’d love to think that things get better. But the tone, aggression and hate of all these current backlashes – ISIS and Russia, Trump and European xenophobia – shock me almost every day: We can’t take civilization for granted. Or democracy. Or tolerance.

Is there more acceptance in your country?

More than when I was a kid? I hope so. There is no marriage equality yet, and gay couples can’t adopt, and too many people still think that you can’t have „Christian values“ and, at the same time, openly talk about homosexuality in schools. German politicians and pundits talk about „Leitkultur“ (a cultural standard about what it should mean to be a proper, „real“ German) a lot, and I think that as a country, we are obsessed with being „normal“ and „regular“.

Every time queer people want to be aknowledged for NOT „being normal“, people get angry quickly: Ideally, queer people, non-white people etc. should just work hard to blend in, and not address discrimination; the idea seems to be that if everyone acts „normal“ enough and never complains, no one would be discriminated against, anyways. I admire people who stand out. Or complain. Or fight to be aknowledged. That’s why I love activists, rabble-rousers and politically queer people.

Have you ever been to a gay wedding?

No. I spent lots of time in Toronto from 2009 to 2013, I’m close friends with three gay or lesbian Canadian couples, but I met them after they were married or I wasn’t in Canada when they had their ceremony. I have one German gay friend who is getting married this summer, but I haven’t met his partner yet – we only became friends last year. I wish I had more queer real-life Berlin friends, and I wish I had more older queer role models.

Single? Looking? Dating?

Since summer of 2014, I’m in a relationship with a German florist. Most of the time, I live with him in his Berlin apartment. It’s not an open relationship, and we both hope that we’ll stay together for decades. Everything is more fun when he is around. We’re crazy happy to have each other.

What do you know about my country, Peru?

For a couple of weeks in 2001, my mom had an au-pair from Peru: a very, very shy girl who was too nervous, quiet and demure. We never really established a connection, and she switched to another family. It felt like having a maid – it was uncomfortable for everyone.

I sampled and liked „The Cardboard House“ by Martin Àdán. But I don’t even know any other Peruvian literature.

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Queeres Literaturfestival „Empfindlichkeiten“: das Publikum

 

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Einlass-Stempel beim „Empfindlichkeiten“-Festival

 

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ohne, nachgezählt zu haben… rein nach Gefühl…

merke ich, im Literaturbetrieb:

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  • In Verlagen arbeiten UNGLAUBLICH viele junge Frauen.
  • In Presseabteilungen arbeiten fast NUR (unglaublich nette!) Frauen.
  • Verleger sind fast immer männlich.
  • Im Netz (besonder Twitter & Tumblr) sprechen queere Nordamerikaner*innen über ALLES.
  • Deutlich weniger queere Deutsche machen sich online sichtbar/angreifbar/verletzlich.
  • Deutsche lesbische Bekannte äußern sich online super-selten und sind oft super-zurückhaltend…
  • …und damit leider: super-unsichtbar.
  • Populäre Belletristik wird (fast nur) für Frauen vermarktet, gestaltet.
  • Meine belesensten Netz- und Blog-Freunde sind (fast nur) Frauen.
  • Die Menschen aber, die am lautesten kommentieren, auf ihrem Expertenstatus beharren, auf Facebook laut zetern, sich mit Verrissen profilieren… sind meist (eine Handvoll immergleiche) lesende Männer.
  • Je kleiner die Stadt, desto mehr Enthusiasmus für/Interesse an Lesungen.
  • Aber: Je kleiner die Stadt, desto grauer/älter das Publikum.

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Vieles ist nur ein vages Gefühl:

Ich mag, wenn Menschen nachzählen – und dabei Vorurteile bestätigen oder umwerfen, z.B. über (anspruchsvolle? anspruchslose?) Buchblogs oder Frauen auf Experten-Panels oder das Geschlechterverhältnis im Feuilleton oder LGBTQI-Figuren im Fernsehen.

Mein flüchtiger Eindruck, nach einigen Besuchen am Literarischen Colloquium Berlin: Dafür, dass das LCB *sehr* schick, bürgerlich, herrschaftlich am Wannsee thront, ist das Publikum (immer) recht jung, gemischt, urban. Aber: Dafür, dass „Empfindlichkeiten“ ein explizit queeres Festival ist, sind die Besucher*innen… eigentlich die selben, die ich z.B. auch beim LCB-Sommerfest der kleinen Verlage sehe.

Oder?

Mandy Seiler vom LCB macht „Empfindlichkeiten“-Fotos – und gibt mir Kopien, für den Blog.

Ich sehe DIESES „Empfindlichkeiten“-Foto:

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…und merke auf den ersten Blick:

Etwas stimmt nicht. SO sah das Publikum aus? Wirklich?

Erst, als ich weiterscrolle, wird klar: Das Foto stammt vom Vortag – und einer Lesung von Judith Hermann. Das Publikum bei „Empfindlichkeiten“ sieht anders aus. Nicht SO anders, dass ich sofort denke „Wow: Alle hier sind garantiert queer!“ Aber eben doch: männlicher, punkiger, less gender-conforming.

Mich freut, dass das auffällt.

Doch mich freut auch, dass es mir zuerst eben nicht auffällt.

Ich sehe das „Empfindlichkeiten“-Publikum – und denke: ein schöner Querschnitt.

Nicht: Nische. Abseits. Schutzraum. Exoten. Minderheit. Sondern: Menschen, wie ich sie auf jeder Sorte Lesung sehen will. Oder in der Schlange im Supermarkt. #diversity #zwanglos

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Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm.

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm.

Queer Literature, 2016: Hilary McCollum

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin

Hilary McCollum, Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin – photo by Tobias Bohm.

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Hilary McCollum is an Irish writer, playwright and activist – and she’s both speaking and reading at the 2016 „Empfindlichkeiten“ Literature Festival in Berlin.

„In 2010 I returned to Ireland after living in England for 25 years. The move has given me more time to write, enabling me to begin writing for the stage with the support of Sole Purpose Productions, based at Derry Playhouse. This led to me writing my first play, Lesbian Style, which was performed as part of both the International Dublin Gay Theatre Festival 2014, Belfast Pride and the WOW Festival. It draws on interviews with lesbian and bi women in Ireland and England as well as incidents from my own life to explore the ups and downs of lesbian existence.“

Hilary’s web site  |  Hilary’s novel „Golddigger“

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01_Is there a link, a text, a piece of your work that gives a good introduction to the topics and issues you care about?

http://www.bellabooks.com/9781594934421-prod.html [„Golddigger“, Hillary’s novel.]

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02_If someone calls you „homosexual author“, you…

I’m happy with the term lesbian author

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03_A queer book that influenced you (how?)…

„Patience and Sarah“ by Isabel Miller because it gave me a sense of lesbian ancestors.

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04_If your work is shown/placed in book stores, THESE are the authors/artists that you’d feel most honored to be placed next to:

Isabel Miller, Emma Donoghue

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05_Too many people associate homosexuality with gay males first and foremost. Who should be more visible?

The relative invisibility of lesbian relationships is a problem. It reflects the misogyny of the culture.

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06_A queer moment you’ve had in Berlin (or anywhere in Germany) that you’ll remember for a long time:

Seeing the golden hat in Neues Museum. The commentary said it was designed for a male head but I think it would look great on me. I’ve just one a golden crown award for my novel Golddigger so I’d like to be pictured wearing the golden hat as my crown.

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07_Name some experts, authors, activists, places, institutions and discourses/debates that informed/influenced the way you see and understand queerness – and yourself:

Virginia Woolf, Martina Navratilova, Mark Ashton, Andrea Dworkin, greenham common, lesbian strength and gay pride marches

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08_Name some experts, authors, activists, places, institutions and debates/questions that deserve more recognition/need more love:

The women’s suffrage movement. Lesbian history in general.

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09_Is there a heterosexual ally that you like/value and who you’ve grateful for?

My mum

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10_Is there another guest/author at „Empfindlichkeiten“ you’re particularly looking forward to? (why?)

Saleem Haddad, because his novel sounds really interesting.

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11_Is there a queer figure/personality, a celebrity or a queer story/phenomenom that is very visible in mainstream culture – a visibility that makes you happy?

The films „Carol“ and „Pride“ were mainstream hits and I loved both of them. I knew Mark Ashton, the main character in Pride. He took me to my first pride and first gay bar.

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12_Is there a political or public figure that should be scrutinized or valued much more?

Mark Ashton.

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Hillary McCollum... and the golden hat of Berlin. (Montag: Stefan Mesch)

Hilary McCollum… and the golden hat of Berlin. (Montage: Stefan Mesch)

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: „Empfindlichkeiten“ Festival 2016:

Queere Literatur, 2016: Katy Derbyshire

Katy Derbyshire - Übersetzerin, Bloggerin und, beim Festival "Empfindlichkeiten", deutsche Vorlesestimme der internationalen Gäste

Katy Derbyshire – Übersetzerin, Bloggerin und, beim Festival „Empfindlichkeiten“, englische Vorlesestimme der internationalen Gäste

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Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – „Empfindlichkeiten“ (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Ich werde das Festival als Liveblogger begleiten… und stelle bis Sonntag mehreren Künstler*innen, Autor*innen und interessierten Besuchern kurze Fragen über Queerness, Widerstand und das Potenzial homosexueller Literatur.

Die ersten Antworten…

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…von Katy Derbyshire – Übersetzerin, Bloggerin und, beim Festival „Empfindlichkeiten“, die englischeVorlesestimme der internationalen Gäste.

Katy Derbyshire wurde 1973 in London geboren. Nach dem Studium der Germanistik an der Universität in Birmingham setzte sie ihre Ausbildung an der Universität in London fort und schloss dort 2001 als Diplom-Übersetzerin ab. 1996 zog sie nach Berlin, wo sie bis zu ihrem Mutterschutz 2001 u. a. als Englischlehrerin für Kinder arbeitete. Seit 2002 ist sie als freiberufliche Übersetzerin vom Deutschen ins Englische tätig. 

Katys Blog  |  Katy auf Twitter  |  Katys Portrait-Reihe im Tagesspiegel: „Going Dutch with German Writers“

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01_Eine eigene Arbeit, ein Text, Link oder Bild, der/das mich vorstellt und/oder der/das einen Blick wert ist:

http://lithub.com/berlin-its-not-all-sex-all-the-time/

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02_Ein queeres Buch, das mich beeinflusst hat (und wie?)…

Ich habe viel zu jung Last Exit to Brooklyn bei meiner Mutter entdeckt und heimlich gelesen. Gilt das als queeres Buch? Ich glaube, ich war etwa 14 und ich weiß noch, dass ich das Buch beängstigend fand. Hätte sie besser verstecken sollen. Später gab mir meine Mutter die süßen, harmlosen San Francisco-Romane von Armistead Maupin (einmal mit Autogramm sogar), die ich auch nicht so recht verstanden habe – was zur Hölle sind Quaaludes? – aber ehrlich gesagt ist viel mehr von Hubert Selby Jr. bei mir hängengeblieben und ich mag immer noch eher schonungslose Literatur als seichte.

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03_Das Queerste, das ich in meiner Kindheit sah oder kannte, war…

Unsere Untermieterin, die dann recht unvermittelt mit einer Frau zusammengezogen ist. Nach dem Umzug sagte mir meine Mutter: Du weißt, dass Jo und Sarah ein Paar sind, oder…? Und dann sagte sie sinngemäß: Es wäre völlig OK, wenn du auch Lesbe werden solltest, nur hättest du es schwerer im Leben.

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04_Wenn mich jemand „homosexuelle(r) Autor*in“ nennt…

Macht keineR – ich bin Übersetzerin und identifiziere nicht als queer. Wobei das bei Übersetzer*innen sowieso selten Thema ist – wir müssen uns in alle Figuren und Erzählende hineinversetzen können: alt, jung, klug, doof, Männer, Frauen, sprechende Hunde…

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05_Ein heterosexueller Ally/Verbündeter, dem ich dankbar bin und/oder den ich schätze:

Ich antworte hier vielleicht umgekehrt. Ich fühle mich als heterosexuelle Verbündete von Florian Duijsens, meinem Mit-Gastgeber bei der Dead Ladies Show. Florian gibt die Berliner Literaturzeitschrift SAND mit heraus und arbeitete lange für die Onlinezeitschrift Asymptote. Wir legen manchmal zusammen auf und genießen zusammen das Leben und er gibt gute Ratschläge und tauscht Filmtipps mit meiner Tochter aus.

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06_Ein Gast beim „Empfindlichkeiten“-Festival, auf den ich mich besonders freue: … (und: warum?)

Antje Rávic Strubel, weil sie einige der besten Bücher in Deutschland geschrieben hat. Hauptsächlich deswegen. Und weil sie in ihrem neuen Roman irre gut und flüssig über flüssige Leben, Sexualitäten, Gender schreibt, oft am Wasser, mit super Sexszenen. Ich glaube, sie hat das Gefühl, wenig Vorbilder in der Belletristik zu haben und ich wünsche ihr (und mir), dass das Festival eine Gelegenheit zum Austausch anbietet.

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07_Eine queere Figur, ein queerer Star oder eine queere Geschichte aus dem Mainstream, über deren Popularität/Strahlkraft ich mich freue:

Vielleicht die Köch*in und Aktivist*in Jack Monroe. Sie (ich schreibe jetzt “sie”, weil Monroe als nicht-binär identifiziert und ich kein besseres Pronomen in deutsch finde, auf die Schnelle. Frag mich aber bei Gelegenheit nach dem noch nicht patentierten nicht-binären Pronomen, das ich halb erfunden habe…) – jedenfalls Jack Monroe ist für ihre bezahlbaren Rezepte berühmt geworden und hat ihren Ruhm dann für ihren Aktivismus gegen Armut und Austerity Politics genutzt. Monroe ist aus der Labour-Partei ausgetreten, nachdem sie Kaffeetassen mit anti-Immigrations-Parolen verteilt haben. Diese Arschgeigen. Und jetzt hilft sie mir und anderen, ihr Verständnis von Transgender nachzuvollziehen.

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08_Ich wünschte, folgendes reaktionäre Vorurteil/Denkfigur würde endlich verschwinden/nicht immer wieder neu diskutiert werden:

Frauen sollen warten, bis Männer sich für sie interessieren und bloß nicht einen Mann fragen, ob er was unternehmen möchte. Hatte ich heute erst wieder. Erstaunlich, wie zugeknöpft sie dann werden.

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09_Am Literarischen Colloquium Berlin…

…fühle ich mich seit Jahren als Übersetzerin wohl. Es freut mich, dass das Haus sich immer mehr öffnet und sich wandelt – weg vom Biederen, weg vom Blick zurück in seine doch sehr männlich dominierte Geschichte – lange hing ein großes Foto der Gruppe 47 an prominenter Stelle – und hin zum jetzigen Leben in Berlin und der Welt. Das Festival ist ein Teil davon, aber auch das Fest der kleinen Verlage, Aufmerksamkeit für Graphic Novelists, Ausstellungen… es müsste nur noch eine Frau in einer Führungsposition eingestellt werden, dann wäre ich zufrieden.

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10_Der Mainstream räumt Queerness oft mittlerweile etwas mehr Platz ein. Räumt Queerness auch dem Mainstream mehr (zu viel?) Platz ein – in Fragen wie Familien- und Rollenbildern, Selbstdarstellung, Konsum und Politik? Wo reiben sich Queerness und „Normalität“? Reiben sie sich genug?

Das ist hier vielleicht nicht angebracht aber ich sage es trotzdem: bei der Konzentration auf die “Homoehe” fühle ich mich manchmal unwohl. Ich freue mich, dass queere Menschen auch andere Beziehungsmodelle vorleben, sie können eine Art Verbündete gegen den Pärchenterror sein. Wenn es aber von queeren Menschen auch noch erwartet wird, sich zu ehelichen, wo stehe ich – als Alleinerziehende in der vierten Generation? Be careful what you wish for, denke ich manchmal.

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11_Ein Mensch (oder, abstrakter: eine Eigenschaft/ein Wesenszug), den ich sehr sexy finde:

Kahlköpfige Männer im Allgemeinen – was in meinem Alter günstig ist. Hutträger. Selbstbewusstsein. Gesunde Selbstzweifel.

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016: