Marvel Comics

Die besten Comics & Graphic Novels 2016: meine Empfehlungen bei Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur - Comic-Empfehlungen 2016, Stefan Mesch.PNG

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bei Deutschlandradio Kultur empfehle ich meine 20 Comics des Jahres:

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schon 2015 stellte ich 20 aktuelle Reihen vor, hier (Link).

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20. Black Magick
Autor: Greg Rucka, Zeichnerin: Nicola Scott
Image Comics, Oktober 2015 bis Februar 2016.
5+ Hefte in 1+ Sammelbänden, wird Mitte 2017 fortgesetzt.

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Wer nie ein aktuelles US-Comic las, findet im Mystery-Thriller „Black Magick“ einen simplen, geradlinigen Einstieg: Greg Rucka ist mein Lieblings-Comicautor, Nicola Scott eine der beliebtesten Zeichnerinnen. „Black Magick“ zeigt Rowan Black, Ermittlerin in Portland, Oregon und Mitglied eines geheimen heidnischen Kults: Rowan ist eine Hexe. Sie hat okkulte Kräfte, wird in eine Geiselnahme verwickelt, muss Ritualmorde aufklären – ohne, sich vor Kollegen zu enttarnen.

Eine etwas altbackene Idee, in Band 1 noch nicht anspruchsvoller erzählt als in TV-Einerlei wie „Charmed“ oder „Constantine“. Auch Rowans Vokuhila-Frisur lässt viele Szenen gestrig wirken. Doch Rucka ist Experte für Polizeiarbeit, liebt feministische, komplexe Ensembles, und Nicola Scott hat ein Auge für Lichtstimmung und Grusel. 2016 waren beide mit einer (leider steifen) Neuauflage von „Wonder Woman“ ausgelastet. Doch 2017 geht „Black Magick“ weiter.

Bisher kein dichter, raffinierter Comic. Aber ein einladender! Wer Rucka kennt, weiß: Seine Reihen werden schnell tiefer, klüger, dunkler.

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19. Arcadia
Autor: Alex Paknadel, Zeichner: Eric Scott Pfeiffer
Boom! Studios, Mai 2015 bis Februar 2016.
8 Hefte in einem Sammelband, abgeschlossen.

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„The Matrix, but better“, lobten Kritiker dieses Polit- und Cyberpunk-Drama über eine Familie, zerrissen zwischen der Kunstwelt Arcadia und der verwüsteten Erde: Ein Virus tötete sieben Milliarden Menschen – doch das Bewusstsein von vier Milliarden davon konnte in ein Netzwerk übertragen werden. Dort lebt die Oberschicht wie in einem grenzenlos bizarren Videospiel, mit Superkräften und allen Gestaltungsmöglichkeiten. Arbeiter dagegen haben nicht einmal genügend Rechenleistung, um sich Gesichter und Haut animieren zu lassen.

Lee Pepper sah seine Familie sterben; und bewacht seitdem ein Rechenzentrum für Arcadia-Daten in Russland. Während diplomatischer Machtspiele droht die lebendige Minderheit, „The Meat“, Arcadia den Stecker zu ziehen. Das Netzwerk aber hat eigene Druckmittel – und Lee und seine digitalisierte Frau, Tochter, Sohn stehen zwischen den Fronten. Leider sind die Zeichnungen von Eric Scott Pfeiffer freudlos, karg: Grandios versponnene Ideenwelten von Autor Alex Paknadel werden sinnlos nüchtern aufgemalt. Figuren und Konzept faszinierten mich wochenlang. Doch ein Lesespaß ist dieser holprige, graustichige Comic selten.

Ich hoffe, der Autor findet bessere Zeichner. Oder aus „Arcadia“ wird eine elegante TV-Reihe: Herz, Talent, Ideen? Alles hier, im Überfluss. Jetzt fehlen noch Farbe, und liebevolle Details.

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18. The Violent
Autor: Ed Brisson, Zeichner: Adam Gorham
Image Comics, Dezember 2015 bis Juli 2016.
5 Hefte in einem Sammelband, in sich geschlossen – aber könnte fortgesetzt werden.

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Viele der besten Comics wollen beim Erzählen immer auch beweisen, was Comics leisten können – als eigene Kunstform. „The Violent“ dagegen könnte auch ein Film sein, ein düsterer TV-Mehrteiler, Theaterstück oder sozialrealistischer Roman. Mason und Becky haben eine dreijährige Tochter, leben an der Armutsgrenze und tun alles, um nicht weiter abzurutschen. Becky war drogensüchtig, Mason saß im Gefängnis. Nichts soll je wieder schief gehen. Natürlich geht alles schief, sofort.

Ed Brisson zeigt ein beklemmend banales Drama um einen Mann auf Bewährung, der alle Risiken eingeht, um seiner großen Liebe zu beweisen: Wir schaffen das. Zeichner Adam Gorham hält viele nichtssagende Straßen und Wohnungen Vancouvers sympathisch nichtssagend fest. Ein Comic, der an keiner Stelle allergrößte Kunst sein will. Doch der gerade deshalb überzeugt:

Einfach, packend, ohne künstlerische Eitelkeiten, Schrullen. Ein großer, kleiner Wurf!

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17. Monstress
Autorin: Marjorie Liu, Zeichnerin: Sana Takeda
Image Comics, seit November 2015.
8+ Hefte, bisher ein Sammelband, wird fortgesetzt.

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Eine recht konventionelle Fantasy-Saga. Mit Kostümdesign und Architektur, so kunstvoll, dass alle Stärken der Reihe daneben zu Schwächen werden: Figuren? Plot? Solide. Doch erst die vielen Details (Zeichnerin: Sana Takeda) machen „Monstress“ lesenswert. Einzelgängerin Maika trägt ein Monster in sich. Zwei reiche Hochkulturen führen Krieg. Beide halten sich für moralisch überlegen, aber sind zu jedem Tiefschlag fähig. Während Maikas Gegner für sich entscheiden: „Der Zweck heiligt die Mittel“, versucht die Außenseiterin, auch die schwächsten, taktisch unwichtigsten Leben zu schützen.

Ich brauchte gut 100 Seiten, um die Geschichte unter den barocken Steampunk- und Jugendstil-Klischees ernst zu nehmen. Zu viele Ideen hier wirken altbekannt. Der Rest zu oft verzweifelt möchtegern-originell. Tolle Kostüme und Architektur allein werden nicht entscheiden können, ob sich die Reihe lohnt: Wie klug, wie bitter werden Maikas Zwickmühlen weiter gedacht?

Politisch, psychologisch, grandios detailverliebt – oder doch nur Schauwerte, Kitsch, Effekte? Ich schwanke.

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16. Prez
Autor: Mark Russell, Zeichner: Ben Caldwell
DC Comics, Juni bis Dezember 2015.
Als zwölfteilige Heftreihe geplant, doch nach sechs Heften (in einem Sammelband) abgesetzt; sehr gute Kritiken, deshalb steht die Möglichkeit einer Fortsetzung im Raum.

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Ein Teenager als US-Präsident: 1973 zeigte ein albernes DC-Comic im „Richie Rich“-Stil fünf kurze Hefte lang, wie ein frecher Schüler das Establishment düpiert. 2015 gab es ein Remake über die junge Fast-Food-Angestellte Beth Ross, die via Twitter versehentlich zum Star wird, dann durch parteipolitische Intrigen Präsidentin. Trotz bester Kritiken las ich die Reihe erst im November, nach Trumps Wahlsieg – und war bestürzt, begeistert, fassungslos: der Comic der Stunde, schon wieder abgesetzt, wegen schlechter Verkaufszahlen.

„Prez“ nutzt Klischees über die Generation Y, setzt raffinierte Spitzen gegen die Macht von Konzernen, US-Außenpolitik, Erregungs- und Populismus-Dynamiken im Netz – fast alles klüger, bissiger, subversiver als die besten taz-Artikel. Doch besonders Menschen über 40 fühlen sich wohl: So frisch und jugendlich die Reihe wirkt, ihr Blick erinnert an Satiriker der Generation X, Douglas Coupland, „Die Simpsons“. Auch charmant – doch etwas harmloser: Autor Mark Russels kapitalismuskritische „Familie Feuerstein“-Neuauflage von 2016.

Abgründig, schmerzhaft, unvergesslich: Ich kenne kaum dichtere, smartere Satire.

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15. Action Comics
Autor: Dan Jurgens; wechselnde Zeichner, v.a. Patrick Zircher und Tyler Kirkham
DC Comics, erscheint seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt „Action Comics 957“.
14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt. Parallel lesen: die Reihen „Superman“, „Trinity“ und „Superwoman“.

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Immer wieder landen langjährige Heldencomics in erzählerischen Sackgassen – und räumen auf, indem ein komplizierter Zwischenfall (Zeitschleifen, Dimensionslöcher, parallele Welten) neue, simplere Zustände schaffen soll. 2011 hieß das: Superman und seine große Liebe Lois Lane werden ersetzt, durch jüngere Versionen, in einer neuen Welt. Jene Doppelgänger waren nie verheiratet, sind schroffer und pragmatischer; ein neuer Lex Luthor ist eher Antiheld als Schurke. 2015 strandete der ursprünglichere Superman in dieser neuen Gegenwart – in Dan Jurgens Reihe „Lois & Clark“: Er hat jetzt einen Sohn im Grundschulalter und lebt mit seiner Lois heimlich auf einer Farm.

2016, im nicht lesenswerten „The Final Days of Superman“ starb der jüngere Superman. Seitdem übernimmt die ältere Version die Hauptrolle. In vier verknüpften, oft exzellenten Heftreihen – „Action Comics“, „Superman“, „Superwoman“ und „Trinity“ – wird dieses Durcheinander durchdacht, von allen Seiten. Es gibt zwei Lois Lanes. Kann man Lex Luthor trauen? Ein Fremder ohne Kräfte behauptet, Clark Kent zu sein. Supermans Sohn will selbst Held werden. Zu viele ermüdende Kämpfe, mittelmäßige Zeichnungen. Doch tolle Figurenarbeit, Rätsel, Ensembles und Intrigen.

Wirres Chaos? Nein: Ein Helden-Mosaik, so stimmig, herzlich, menschlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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14. Harrow County
Autor: Cullen Bunn, Zeichner: meist Tyler Crook
Dark Horse Comics, seit Mai 2015.
18+ Hefte in 4+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Provinz und Außenseitertum, Pubertät und das Erwachen von Zauberkräften, Feminismus und Hexerei – all das passt zeitlos gut zusammen, und wird aktuell z.B. im feministischen Hexen-Comic „Sabrina“ souverän erzählt. „Harrow County“ dagegen ist eine Klasse für sich: Statt ältere Comic-Käufer anzusprechen, können Ton, Blick, Zeichnungen hier auch Zwölf- bis Achtzehnjährige erreichen. Toll kindlich-zeitloses Design, toll jugendliche Ängste, toll erwachsene Psychologie.

In Band 1 wird Emmy klar, dass sie die Wiedergeburt einer Hexe ist – und am 18. Geburtstag geopfert werden soll. Band 2 bis 4 werden, trotz schlimmer Ausgangslage, immer warmherziger, differenzierter, heimeliger: Wie findet man seine Rolle – am Ort, an dem man leben muss oder will? Was kann man der Gemeinschaft geben – doch was dürfen Familie und Nachbarn auf keinen Fall verlangen? Ein Grusel- und Coming-of-Age-Märchen über Heimat, Armut, Rassismus, weibliche Selbstverwirklichung während der Weltwirtschaftskrise.

Schaurige Nostalgie, meisterhaft schlicht gezeichnet und koloriert. Einfach – aber niemals kindisch!

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13. Detective Comics
Autor: James Tynion IV, Zeichner: meist Eddie Barrows oder Alvaro Martinez
DC Comics, seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt „Detective Comics 934“.
13+ Hefte in 2+ Sammelbänden (und einem Crossover-Band namens „Night of the Monster Men“, der übersprungen werden kann), wird fortgesetzt.

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Kate Kane ist Batwoman. Tim Drake war Robin. Cassandra Cain und Stephanie Brown kämpften als Batgirl. Wer nur die Batman-Filme kennt, ist überrascht, wie viele Unterstützer*innen Bruce Wayne im Comic um sich schart – eigensinnige Stimmen in Gotham City, mit interessanten Konflikten, Weltanschauungen, Dynamik. Weil Batman selbst meist wortkarg, kalt, paranoid bleibt, leuchten solche Konstrastfiguren. Doch in den großen monatlichen Heftreihen, „Batman“ und „Detective Comics“, werden sie meist ignoriert, und ihre eigenen Serien (Ausnahme: „Batwoman“ und Stephanie Browns „Batgirl“) bleiben zu oft zweitklassig, nebensächlich.

Autor James Tynion liebt die „Bat-Family“, gab vielen Figuren schon in „Batman Eternal“ eine bessere Bühne. Sein Neustart bei „Detective Comics“ ist ein Fest, ein Schachspiel, ein Charakter-Drama, in dem nicht nur Bruce glänzen darf, sondern endlich auch die vielen heimlichen oder unbekannteren Helden.

Große Auftritte – und ein Miteinander, das ich mir als Fan seit fast zehn Jahren wünsche!

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12. The Fix
Autor: Nick Spencer, Zeichner: Steve Lieber
Image Comics, seit April 2016.
6+ Hefte in mindestens 2 Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Bitter wie „Fight Club“, und zynischer, unverschämter als jede Hochstapler- oder Buddy-Cop-Komödie, die ich kenne: Roy und Mac sind die lustlosesten, nachlässigsten Polizisten der Welt. Nebenher schmuggeln sie Drogen, überfallen Rentner. Doch auch das bemerkenswert schlampig, lapidar. Immer wieder sterben Menschen. Besonders tragisch, dringlich, spannend wird das nie. Fressen oder gefressen werden? Leben und leben lassen? Egal: Wozu groß reflektieren?

„The Fix“ warf mich um. Weil Krimis die Ermittler oft als Idealisten zeigen, die Gauner als virtuose, ehrenvolle Künstler. Roy und Mac sind Stümper, die einfach keinen Bock haben, sich Mühe zu machen mit anderen Menschen – doch die dafür von Autor Nick Spencer nie besonders in die Ecke gedrängt oder bestraft werden: „The Fix“ fragt nicht nach Moral, Verpflichtung. Sondern zeigt, wie man arbeitet – sobald man jeden Ehrgeiz verloren hat.

Krimi? Nein. Ein aggressiv lässiges Portrait zweier Nihilisten, denen ganz Los Angeles am Arsch vorbei geht.

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11. Nailbiter
Autor: Joshua Williamson, Zeichner: Mike Henderson
Image Comics, seit Mai 2014.
27+ Hefte in 5+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Geniale Autorinnen und Autoren? Unbezahlbar! Doch was ist mit den nüchtern kompetenten Genre-Handwerkern, Story-Ingenieuren, Fließband-Erzählern, Routiniers? Seit 25 Heften liebe ich die simple, packende Erzählweise von Joshua Williamson – an dessen Arbeit nichts besonders tief, markant, klug, ambitioniert wirkt. Doch bei dem alles wunderbar spannend, kompetent vor sich hin schnurrt: knallige Cliffhanger, schnippische Dialoge, klare Figuren.

Es geht um Buckaroo, einen kleinen Ort im regnerischen Oregon, aus dessen Bevölkerung aus unerklärten Gründen immer neue Serienmörder hervortreten. Ein FBI-Ermittler, ein weiblicher Sheriff und ihr Ex-Freund, der als Killer „Nailbiter“ überführt wurde, stolpern durch immer blutigeren, absurderen, surrealen Irrsinn. „Akte X“, mit schnelleren Antworten. „Twin Peaks“, doch ohne jeden Anspruch, Kunst zu sein. Ein glatte, souveräne Reihe – ohne „Das Schweigen der Lämmer“-Ambitionen.

Viele Psycho-Thriller scheitern, weil sie schwülstige Thesen zur Natur des Menschen suchen. „Nailbiter“ hält den Ball viel flacher. Doch trifft dabei fast jedes Mal!

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10. Gute Nacht, Punpun
Autor und Zeichner: Inio Asano.
Shogagukan, 2007 bis 2013.
147 monatliche Kapitel, gesammelt in 13 Sammelbänden, abgeschlossen (2016 auf Deutsch).

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Wir kennen die Klischees: junge Männer, die sich über Monate ins Zimmer sperren. Schülerinnen in Uniform – fetischisiert, aber angefeindet. Japans Jugend, zerfleischt oder deformiert durch Prüderie, Erfolgsdruck, „toxic masculinity“.

Inio Asano zeichnet toll fotorealistische Hintergründe – doch tragisch hässliche, rotznasige Kinder. Deshalb wirkt „Punpun“ die ersten drei, vier Bände lang wie eine patzig parodistische Mischung aus Rotz und Zuckerwatte: die Grundschulzeit eines Außenseiters, seine Tagträume, eine große Liebe. Die mittleren Bände zeigen Einsamkeit auf Mittel- und Oberschule, und sind betörend klug, hart, melancholisch. Im letzten Drittel sind Verlierer Punpun und seine Flamme Aiko am Ende – ruiniert von schlimmen Eltern, Pädagogen, dem System. Asanos Comic ist ein dunkler, epischer Bildungs- und Fehlbildungs-Roman, an vielen Stellen grell oder sentimental. Aber auf jeder Seite: dringlich, packend, wahr.

Ach so – und während hier fast jeder sonst konventionelle Manga-Körper hat, sieht sich Punpun selbst als läppisches Cartoon-Vögelchen.

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9. Wonder Woman: The True Amazon
Autorin und Zeichnerin: Jill Thompson
DC Comics, September 2016
als Buch erschienene Graphic Novel, 128 Seiten; hat ein recht offenes Ende: Fortsetzung sehr wahrscheinlich.

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2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische „Wonder Woman“-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter.

Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und „True Amazon“ wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 33, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten.

Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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8. The Vision
Autor: Tom King, Zeichner: Gabriel Hernandez Walta
Marvel Comics, November 2015 bis November 2016.
12 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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Viele Marvel-Helden haben seit den 40er, 50er, 60er Jahren monatliche Auftritte in einer oder mehreren Heftreihen – und deshalb heute absurd barocke Vorgeschichten. Die Kunst der zwölfteiligen, abgeschlossenen Reihe „The Vision“? Für Band 1 (Heft 1 bis 6) spielt das Vorleben der Figur keine Rolle. Und in Band 2 (Heft 7 bis 12), sobald wir den melancholischen Roboter, sein Umfeld, alle akuten Konflikte verstehen, spannt Autor Tom King dann doch plötzlich große Bögen durch Jahrzehnte Marvel- und „Avengers“-Historie.

The Vision ist ein Kunstmensch, der sich spontan eine eigene Familie konstruiert, in die Vorstadt zieht, Alltag im „Mad Men“- oder Norman-Rockwell-Stil durchleben will. Sein herbstliches Idyll zerbricht – und was mit alten, simplen Roboter-Fragen wie „Haben Androiden-Kinder echte Liebe, Androiden-Nachbarn echten Respekt verdient?“ beginnt, wird in Band 2 zu einem überraschend reifen Liebes-Drama (und: Superhelden-Duell).

Autor Tom King tut gern besonders tiefgründig, avantgardistisch. Oft gaukelt er Komplexität eher vor – durch Zeitsprünge, Montagen. Hier aber wirklich: Treffer!

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7. Billy Bat
Autor und Zeichner: Naoki Urazawa
Kodansha, Oktober 2008 bis August 2016.
165 monatliche Kapitel, gesammelt in 20 Sammelbänden, abgeschlossen (auch auf Deutsch fast vollständig).

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Rätsel-Serien wie „Lost“ beantworten eine Frage, doch werfen dabei zwei neue auf – und lange vor dem Finale haben viele Fans alle Geduld verloren. Der Historien-Thriller „Billy Bat“ zeigt eine geheimnisvolle Fledermaus, die über Jahrhunderte immer neuen Menschen immer Neues bedeutet – als Totem und Symbol, als Comic-Held und Maskottchen. Und als verborgene Stimme im Kopf, die u.a. das Attentat auf John F. Kennedy vorherzusagen scheint. Naoki Urazawa erzählt eine Kulturgeschichte von Zeichenkunst und Comic, von Groschenheften, Vergnügungsparks, Perfektionisten wie Walt Disney. „Billy Bat“ fragt, was eine Figur bedeuten kann, über Generationen und Grenzen hinweg. Und, wo sich Comic-Kultur und Kulturimperialismus überschneiden – besonders zwischen Japan und den USA.

Ein warmherziges, überraschendes Geflecht aus liebevollen, meist klugen japanischen und amerikanischen Leben: Künstler und Strategen, Zyniker und Fans, Kapitalisten, Idealisten, Kinder, Kindsköpfe… und viele ältere Männer, die zurück schauen auf die großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.

Schwer und verkopft? Nein: „Billy Bat“ erzählt ein Riesen-Epos – in überraschenden, optimistischen Häppchen. (Nur bitte nächstes Mal: mehr Frauen!)

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6. Injection
Autor: Warren Ellis, Zeichner: Declan Shalvey
Image Comics, seit Mai 2015, nach jeweils 5 Heften längere Pause.
10+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Oft schreiben Comics schon schwarze Zahlen, sobald 5.000 Menschen ein Heft kauften. Deshalb können sie kantiger, seltsamer erzählen als Filme. Leider stammt Warren Ellis‘ Verständnis von „kantig und seltsam“ aus den 80er oder 90er Jahren: Paganismus, Cyberpunk, Hexerei, Verschwörungen, experimentelle Drogen… kein Ellis-Thema ist so crazy, mutig, originell, wie Ellis selbst zu glauben scheint – und darum war Band 1 von „Injection“ ein zwar kluger, sympathischer globaler Ensemble-Fantasy-Techno-Thriller… aber eben: kein restlos origineller, gewitzter.

Die Reihe zeigt fünf brilliante (und großteils queere, bisexuelle) Forscher und Kollegen, die eine Erfindung – die Injection – in die Welt entließen, doch heute mit zunehmend monströsen Folgen ringen. Band 2 stellt Vivek in den Mittelpunkt, Millionär, Snob, Detektiv oder Exorzist (?) in Manhattan. Eine hochbegabte Sherlock-Holmes-Figur, bei der ich zum ersten Mal seit Jahren dachte: „Ja! Hier zeigt ein mindestens kongenialer Autor Methoden und Einfallsreichtum eines echten Genies.“

Ellis‘ Versatzstücke, Puzzleteile sind oft nah am Klischee. Doch Ellis‘ Gesamtbild und die Erzählweisen hier? Einzigartig. Unerhört originell!

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5. Die Stadt, in der es mich nicht gibt
Text und Zeichnungen: Kei Sanbe
Kadokawa, Juni 2012 bis März 2016.
44 monatliche Kapitel, gesammelt in 8 Sammelbänden, abgeschlossen (auch bald auf Deutsch). Fünfteiliger Epilog im Dezember 2016 abgeschlossen.

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„Vertraute Fremde“, ein Mainstream-Bestseller von Jiro Taniguchi, folgte einem Mann über 50, plötzlich zurück im Körper seines 14jährigen Ich. Kei Sanbe zeigt ein ähnlich melancholisches Zeitreise- und Kindheits-Drama – aber als Krimi: Pizzabote Satoru, Ende 20, wird in der Zeit zurück geworfen, oft nach kleineren Unfällen oder Verletzungen, und hat meist wenige Minuten Zeit, sie zu verhindern. Als seine Mutter ermordet wird, erlebt er einen drastischeren Zeitsprung: Er ist zurück im kalten Hokkaido, im Winter seines zehnten Lebensjahrs, über Monate gestrandet. Eine Mitschülerin wurde damals ermordet; der Täter wurde nie gefasst.

Lange wirken die Zeichnungen zu schlicht, naiv. Band 1 dreht sich banal im Kreis. Erst spät wird klar: Hier wird eine Mutter-Sohn-Geschichte über Courage, Vertrauen, soziales Engagement gezeigt, mit vielen starken, komplexen Frauen, Wärme, Lebensweisheit und einem raffinierten Katz-und-Maus-Spiel durch mehrere Zeitschleifen und -stränge. Ich hoffe, Autor (oder Autorin?) Kei Sanbe wird noch weiter über die verzweigenden Lebensläufe und schweren Entscheidungen der Figuren erzählen.

Simple Grundidee – doch endlos interessante Abzweigungen, Chancen, Varianten. Ab Band 2 wird das zum kleinen Wohlfühl-Meisterwerk.

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4. Darth Vader
Autor: Kieron Gillen, Zeichner: Salvador Larroca
Marvel Comics, Februar 2014 bis Oktober 2016.
26 Hefte (und das gelungene Crossover „Vader Down“), gesammelt in 4 (+1) Sammelbänden, wird mit der Spin-Off-Reihe „Doctor Aphra“ fortgesetzt.

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Seit 2014 erzählen „Star Wars“-Romane und -Comics neue, offizielle Geschichten mit den alten Figuren. Jason Aarons Heftreihe „Star Wars“ blieb hölzern. Doch Kieron Gillens „Darth Vader“ wurde zum unerwarteten Highlight (…auch einen Blick wert: die Reihen „Han Solo“ und „Poe Dameron“). Zeichner Salvador Larroca liebt Blaupausen, filigrane Technik; Autor Gillen herben Sarkasmus, dramatische Ironie, Realpolitik.

Dr. Aphra, eine gerissene Archäologin, kam so gut an, dass sie Ende 2016 ihre eigene Reihe erhielt. Auch die blutrünstigen Droiden BT-1 und 0-0-0 fanden Fans. Doch trotz zahlloser Szenen, die nur die Niedertracht, Kaltschnäuzigkeit aller Figuren ausstellen, bleibt schwarzer Humor kein Selbstzweck: Wie lebt, laviert, paktiert man als wichtiges, aber unbeliebtes Zahnrad in einem totalitären System?

Statt Vader zu vermenschlichen oder zu feiern, zeigen fünf kluge, knallige Bände, wie autoritäre Despoten allen schaden – den Machtlosen, der Welt, sich selbst.

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3. The Fade Out
Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, August 2014 bis Januar 2016.
12 Hefte, gesammelt in 3 Sammelbänden, abgeschlossen.

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Ed Brubaker ist großer Krimi-Liebhaber und -Experte, und will in seinen Comics oft Stimmungen und Ton einer vergessenen Ära oder Vorlage treffen. Zwei Bände lang wirkt „The Fade Out“ wie eine solche Hommage – auf den Film Noir der späten 40er Jahre, „Sunset Boulevard“ und Raymond Chandler, auf bittere Verlierer im Sündenbabel Hollywood, die spät begreifen, dass sie für immer Spielfiguren bleiben zwischen Studiobossen, Mafiosi, Femmes fatales.

Dass Brubaker hier nicht nur aufwärmt, spielt, wird im finalen Band 3 beglückend offensichtlich: Was als guter Comic für Nostalgiker begann, wächst zu einem Stück Kunst, das wirklich jeder mit Gewinn lesen kann. Denn statt Figuren nur als Kanonenfutter hin und her zu schieben, zeigt Brubaker die großen Archetypen der McCarthy-Ära in einer Tiefe, Wärme, Farbigkeit, auf die ich nicht vorbereitet war. Ein Denkmal an mutige, gebrochene Menschen im LA der Studio-Ära.

Gewann den Eisner Award 2016. Freut jeden, der alte Krimis mag. Und verführt jeden, der Krimis nie sehr mochte!

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2. Invisible Republic
Text: Corinna Bechko und Gabriel Hardman, Zeichnungen: Gabriel Hardman
Image Comics, seit März 2015.
13+ monatliche Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Verwaschene Farben. Ein passiver, hasenfüßiger Reporter ohne Esprit, Geist, Witz. Die arg pompöse Grundidee: Revolution auf einer fernen Kolonie der Erde, und eine Gegenrevolution, 40 Jahre später. Straßenschluchten, Nieselregen, brutalistische Betonbauten – als hätte man „Blade Runner“ ohne großes Budget in einer Hertie-Filiale in Stuttgart gefilmt, im November 1980. „Invisible Republic“ startet freudlos. Nie wirkte epische Science-Fiction prosaischer.

Doch meine Gewissheit, hier etwas ganz Besonderes, Einmaliges zu lesen, wächst: In jeder Geschichte, die auf historisch realen Freiheits- oder Klassenkämpfen fußt, schwingt Pathos oder linke Heldenverehrung, Parteilichkeit, Patriotismus. „Invisible Republic“ kann das umschiffen – durch das besondere Setting: Wären all diese Partisanen und Agitatoren, Rebellen, Linksterroristen und Whistleblower in Prag, auf Kuba oder in Ost-Berlin, zu viele Menschen würden beim Lesen säuseln: „Prag! Kuba! Ost-Berlin! Schon auch eine schöne, hoffnungsvolle Zeit!“

Der blutige Freiheitskampf einer Kolonie. Und 40 Jahre später: das Ende einer Diktatur. So analytisch, pathosfrei, reflektiert erzählt, wie bei einer Erden-Nation niemals möglich.

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1. Panter
Autor und Zeichner: Brecht Evens.
Deutsch bei Reprodukt.
120 Seiten, abgeschlossen.

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Sollen wir das putzig finden? Christine ist traurig, weil ihre Katze starb – und entdeckt plötzlich einen neuen besten Freund: ein wilder, farbenfroher, charismatischer Panther springt aus ihrer Kinderzimmmer-Kommode und überredet sie, zu albern, zu kuscheln und zu flirten. Tier und Mensch, Alt und Jung, Groß und Klein – so innig wie Otto und Benjamin Blümchen, Calvin und Hobbes, Pete und das Schmunzelmonster.

Was aber wollen diese aggressiv drolligen Gestalten eigentlich von Kindern? Welche Balus wünschen sich einen Mogli – und wozu? „Panter“ ist eine viel zu bunte, kuschelige, munter-bezaubernd-manipulative Graphic Novel über ein Kind, das umworben wird – von einem kunter-tupfig-lustig-bunten, allerliebsten… Raubtier.

Freundschaft? Nein. Der Belgier Brecht Evens zeigt die Dynamiken von Grooming, Missbrauch, sexueller Gewalt.

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und:

Gefeierte US-Reihen wie „Saga“, „Lazarus“, „Ms. Marvel“ und „Southern Bastards“ veröffentlichten auch 2016 neue Hefte und Sammelbände, auf gewohnt hohem Niveau. Auch der Manga „I am Hero“ überzeugt seit Jahren.

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Schwule und lesbische Superhelden: Graphic Novels zur Comic-Ausstellung „SuperQueeroes“ (Schwules Museum, Berlin)

Bara-Manga von Gengoroh Tagame, ausgestellt im Schwulen Museum

„My brother’s Husband“, Manga von Gengoroh Tagame, ausgestellt im Schwulen Museum

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Seit 2008 lese ich Graphic Novels und Superhelden-Sammelbände; gelegentlich auch Manga. Ich gebe aktuelle Empfehlungen, schreibe fürs Comic-Ressort des Berliner Tagesspiegel und spreche bei Deutschlandradio Kultur. Mich freut, dass ich 2008 nur zum Vergnügen, vor allem beim Bahnfahren, „Superman“-Comics las – doch heute die Feuilletons und Redaktionen, für die ich arbeite, immer wieder sagen: „Spannendes Thema! Mehr davon.“

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Wordpress Kate Kane Renee Montoya Greg Rucka The Question Batwoman

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vom 22. Januar bis zum 26. Juni 2016, im Schwulen Museum Berlin (Lützowstraße 73):

SuperQueeroes – Unsere LGBTI*-Comic-Held_innen

„Zum ersten Mal widmet sich in Deutschland ein Museum dem vergleichsweise neuen Thema „queere“ Comics: also Comics mit LGBTI*-Charakteren. Der Fokus liegt dabei auf „Superheld_innen“, womit nicht nur die gängigen Supermänner und -frauen gemeint sind, die im US-amerikanischen Mainstream-Comic in den letzten Jahren Coming-out-Geschichten erlebt haben. Vielmehr geht es auch darum zu zeigen, wie heroisch Alltags-Storys von LGBTI*-Menschen sein können, die sich in einer heteronormativen Welt – auch einer von Zensur und Codes dominierten Comic-Welt – durchsetzen mussten bzw. immer noch müssen.

[…die Ausstellung zeigt] sowohl in Europa bekannte Künstler_innen wie Tom of Finland, Alison Bechdel, Ralf König, Wolfgang Müller, Gengoroh Tagame, Nazario oder Howard Cruse, als auch Künstler_innen wie Megan Rose Gedris, Erika Moen und Kylie Summer Wu.

Kurator_innenteam: Michael Bregel, Kevin Clarke, Natasha Gross, Hannes Hacke, Justin Hall, Markus Pfalzgraf, Mario Russo.  Ausstellungsdesign: Matthias Panitz“

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Schwules Museum Berlin, lgbt comics

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Am Montag stellte Kurator und Politikjournalist Markus Pfalzgraf in einem knapp einstündigen Vortrag große Pioniere, persönlichere Fundstücke und internationale aktuellere Cartoons, Projekte und Reihen vor:

Pfalzgraf ist Autor von „Stripped: The Story of Gay Comics“ (Bruno Gmünder, 2012)

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Ein sympathischer, ausgewogener, gut präsentierter Querschnitt. Pfalzgraf sprach recht nüchtern-kuratorisch – als Literaturkritiker dachte ich an vielen Stellen: „Sag nochmal laut, wie toll, komplex oder blöd-sexistisch viele dieser Titel sind. Mehr Leidenschaft, mehr Wertung, mehr Kritik!“ Wir haben unterschiedliche… Betriebstemperaturen.

Ich bin gewohnt, dass immer wieder „Wer will das lesen?“-Debatten ausbrechen um queere Figuren, Minderheiten, Repräsentation, Sichtbarkeit im Mainstream: Jede Woche lese ich neue Essays und Artikel über… einen schwarzen Spider-Man, eine muslimische Ms. Marvel, Frauen in Videospielen und „Star Wars“, transsexuelle Figuren in US-Serien, schwarze Preisträger*innen bei den Oscars. Immer wieder fragen Laien, Freunde, konservative Kritiker*innen: Was ändert das? Wem hilft das? Warum ist das wichtig?

Ich bin gewohnt, dass jede nicht-weiße, nicht-heterosexuelle Figur eine solche Grundsatzdebatte eröffnet – und war überrascht, dass Vortrag und Ausstellung im Schwulen Museum stattdessen recht nüchtern zeigen: Früher gab es kaum queere Figuren. Heute langsam immer mehr.

Die Hintergründe, Debatten, Marktmechanismen, Widerstände, die großen Sinnfragen – „Was ‚bringt‘ eine lesbische Batwoman?“, „Warum wandten sich Superhelden-Comics lange Zeit vor allem an weiße, junge, heterosexuelle Männer?“ etc. – sind für mich täglich so präsent… ich wünschte, die Ausstellung würde mehr über Protest und (Selbst-)Zensur, Angst und Widerstand, Verlage und Zielgruppen erzählen.

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Vielleicht passiert das während Führungen. Die nächsten Termine:

  • Samstag, 13. Februar um 16 Uhr Führung zu „Superqueeroes“
  • Donnerstag, 18. Februar um 18 Uhr
  • Samstag, 27. Februar um 16 Uhr Führung zu „Superqueeroes“

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schwules museum berlin, markus pfalzgraf

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Ich kenne das Schwule Museum seit letztem Sommer und einer Lesung von Freund, Autor, Disability-Experte Kenny Fries. Helle Räume, engagierte Mitarbeiter. Das „SuperQueeroes“-Veranstaltungsplakat stieß mich ab: amateurhafte Figuren, 90er-Jahre-Copy-Shop-Ästhetik. Doch die Ausstellung selbst ist einladend, professionell.

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Spielfiguren des Marvel-Superhelden-Teams "Alpha Flight"

Spielfiguren des Marvel-Superhelden-Teams „Alpha Flight“

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europäische LGBT-Graphic-Novels

europäische LGBT-Graphic-Novels

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Superheld*innen-Aufsteller von Imke Schmidt und Ka Schmitz

Superheld*innen-Aufsteller von Imke Schmidt und Ka Schmitz

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Text zum Mainstream-Superhelden-Bereich der Ausstellung

kuratorischer Text zum Mainstream-Superhelden-Bereich der Ausstellung […alle Schilder und Beschriftungen sind zweisprachig.]

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nur kurz, als Liste:

LGBT-Graphic-Novels, die ich empfehlen kann:

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ALISON BECHDEL: „Fun Home“ (autobiografische Graphic Novel, 2006)

HOWARD CRUSE: „Stuck Rubber Baby“ (autobiografische Graphic Novel, 1996)

JUDD WINNICK: „Pedro and Me“ (autobiografische Graphic Novel, 2000)

SARAH LEAVITT: „Tangles: A Story about Alzheimer’s, my Mother, and me“ (autobiografische Graphic Novel, 2010. Deutscher Titel „Das große Durcheinander“)

DAVID SMALL: „Stitches“ (autobiografische Graphic Novel, 2009)

Fun Home. A Family Tragicomic: Eine Familie von Gezeichneten  Stuck Rubber Baby  Pedro and Me: Friendship, Loss, and What I Learned  Tangles: A Story About Alzheimer's, My Mother, and Me  Stitches: A Memoir

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GREG RUCKA: „Gotham Central: Half a Life“ (Batman-Comic mit lesbischer Polizistin)

…und die „Batwoman“-Reihe: Band 1 bis 4 sind besonders gelungen. Band 0 war etwas hakelig/mühsam.

Gotham Central, Vol. 2: Half a Life  Batwoman, Vol. 1: Hydrology  Batwoman, Vol. 2: To Drown the World  Batwoman, Vol. 3: World's Finest  Batwoman, Vol. 4: This Blood Is Thick

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solide, aber mit deutlichen Schwächen:

NICOLE J. GEORGES: „Calling Dr. Laura“ (autobiografische Graphic Novel, 2013)

ELLEN FORNEY: „Marbles: Mania, Depression, Michelangelo and me“ (autobiografische Graphic Novel, 2012)

Calling Dr. Laura: A Graphic Memoir  Marbles: Mania, Depression, Michelangelo, and Me

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überbewertet, keine Empfehlung:

TERRY MOORE: „Strangers in Paradise“ (halb Thriller, halb Seifenoper, viel Comedy: zwei ungleiche Freundinnen und ihre ständig wechselnden Gefühle füreinander)

MATT FRACTION: „Sex Criminals“ (heterosexuelles Paar merkt, dass sie beim Sex die Zeit anhalten können: sympathischer Comedy-Thriller – doch nicht halb so alternativ, originell oder tiefgreifend, wie sich Autor Matt Fraction das wohl wünscht/vorstellt.)

JULIE MAROH: „Blue is the warmes Colour“ (platte Figuren, einfallslose Konflikte: wirkt wie aus den 80ern.)

NOELLE STEVENSON: „Lumberjanes“ (Kinder-Comic über junge, teils queere Pfadfinderinnen und allerlei Geheimnisse. Viele Fans, aber einfallsloser und oft sehr kitschiger magischer Realismus, viel seichtes „Girl Power“-Gerede)

Strangers in Paradise, Pocket Book 1  Sex Criminals, Vol. 1: One Weird Trick  Le bleu est une couleur chaude  Lumberjanes, Vol. 1: Beware the Kitten Holy

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heterosexuelle Figuren – aber ein recht queerer, alternativer Blick auf die Welt:

YUKI KODAMA: „Sakamichi no Apollon“ (Manga-Reihe, 10 Bände, 2008 bis 2012, längere Empfehlung hier)

DANIEL CLOWES: „Ghost World“ (Graphic Novel, 1998)

Sakamichi No Apollon: 1  Ghost World

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Snapshots der anderen aktuellen Ausstellungen im Schwulen Museum:

schwules Museum Berlin

Ass, Tits, „Civil War“: The Women of Marvel Comics, 2006 vs. 2016

marvel civil war

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I’m an expert on DC Comics: Superman, Wonder Woman, Batman, Green Lantern.

I know that Marvel Comics – Spider-Man, X-Men, The Avengers, Fantastic Four – usually uses MUCH better artists. Most of the time, Marvel books are sleeker, more stylish and attractive.

For a long time, though, I did not enjoy the Marvel tone: too much self-hate and bickering among the heroes, too many rather desperate pop culture and TV references that made the comics seem very dated too fast, not a lot of grown-up characters/relationships/conflicts.

Since 2012, I have read about 40 Marvel Comics collections, and I’m happy with many, many of their female-driven and/or quirky younger titles: „Ms. Marvel“, „Silk“, „She-Hulk“, „Hawkeye“. Other titles like „FF“, „Storm“, „Young Avengers“ and „Squirrel Girl“ have some (writing) problems – but I enjoyed them nonetheless.

In 2013, I translated Alan Cowsill’s „The Avengers: The Ultimate Character Guide“ into German, for DK Publishing:

Here’s the first German edition, 2014 – a collaboration with translator and friend Lino Wirag:

And here’s the updated edition, from 2015:

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I spent more than 3 months researching all these characters – but I still have not read that many actual „Avengers“ books: I dislike big, blockbuster-like team books because they tend to be less character-focused. Also, there are lots of Marvel movies that I haven’t seen yet – but since I enjoy the writing of Mark Millar (I liked „Jupiter’s Legacy“, „Superman: Red Son“ and „Starlight“), I thought it was time to read his 2006 Marvel Comics „The Avengers“ crossover blockbuster „Civil War“.

There’ll be a movie version (May 5th, 2016): „Captain America: Civil War“.

The seven-part „Civil War“ comic books (2006) had a LOT of problems – most of them outlined here (Link: TV Tropes), and all in all, it seemed like a less cerebral and complex version of DC’s solid 2012 Batman-vs.-Superman dystopia „Injustice: Gods among us“ (recommended!).

Writing and characterization of „Civil War“ were hit-and-miss.

And some of the female characters threw me off: I know She-Hulk, Ms. Marvel, Spider-Woman etc. from their 2013, 2014, 2015 comic books. Lots of these books have GREAT, quriky art. Here’s Charles Soule’s and Javier Pulido’s „She-Hulk“, for example:

She-Hulk (USA)

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Ten years ago, in 2006, mainstream comics often focused on „Tits & Ass“-style cheesecake. It’s not a Marvel problem: Many DC books were just as oversexed and cheesy. Ed Benes might be best-known worst offender at DC (Link, 2005).

All in all, I really can’t recommend „Civil War“. Inconsistent writing, inconsistent characters, a conflict that often borders on nonsensical. I don’t think the art style is the problem of this series, and I don’t think „Civil War“ is a particularly bad or sexist super-hero comic: „Civil War“ artist Steve McNiven is quite skilled – and likes detailed, often well-framed, atmospheric tableaus of super-heroes in dramatic poses. I also like the way he designs rooms, government facilities etc.

Still: It’s encouraging to see how far we’ve come.

In 2015, there are MUCH more appealing, often female-driven Marvel comic books.

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If I think of characters like She-Hulk, Ms. Marvel or Maria Hill, I’m glad that THESE cheesy, stripperific poses are not the first or only thing that come to mind, anymore:

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk and Carol Danvers, Ms. Marvel, in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Dagger in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Ms. Mavel vs. Spider-Woman in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Captain America, She-Hulk, Ms. Marvel and Spider-Woman in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm and Namor in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

 

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Sue Storm in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Tigra in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Namorita in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Emma Frost in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Ms. Marvel in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Maria Hill and She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

Tigra, ???, She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

She-Hulk in „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

??? (Sersi?) „Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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a human bystander/clubgoer:

a human bystander/clubgoer in "Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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Spider-Man (Peter Parker, in a short-lived alternative costume):

"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

„Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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and She-Hulk, defeated and maybe unconscious, on a battlefield:

"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

„Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

 

"Civil War", Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

„Civil War“, Marvel Comics 2006. Art by Steve McNiven.

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Here’s me at the 2015 Leipzig Book Fair with a She-Hulk cosplayer:

She-Hulk, Stefan Mesch

Frauen in Comics: Empfehlungen 2015

frauen im comic 2015

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13 US-Comics mit Frauen in der Hauptrolle, die mich begeistern:

Lazarus, Vol. 1: Family  Fun Home. A Family Tragicomic: Eine Familie von Gezeichneten  Ghost World  Queen and Country: The Definitive Edition, Vol. 1  Saga, Volume 1
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Alias, Vol. 1  Catwoman, Vol. 2: Crooked Little Town  Wonder Woman: Down to Earth  Gotham Central, Vol. 2: Half a Life  Batwoman: Elegy
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Promethea, Vol. 1  Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal  She-Hulk, Vol. 1: Law and Disorder

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20 neue US-Comicreihen, 2015 gestartet oder als Sammelband erschienen, angelesen und gemocht:

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Black Canary

Black Canary, Vol. 11: Brenden Fletcher & Annie Wu:

„Black Canary“

DC Comics: Superheldin/Rockstar und ihre Band sind auf Tour… und treffen auf Gangster und Ninjas. Ich mag die Figur aus „Green Arrow“-Comics und freue mich, dass sie auch ohne männlichen Anhang funktioniert.

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injection
Injection, Vol. 1 2: Warren Ellis & Declan Shalvie, Jordan Bellaire:

„Injection“

Image Comics: Vor einigen Jahren haben fünf Wissenschaftler*innen – selbstbewusst? größenwahnsinnig? absichtlich oder nicht? – die Welt verschlimmbessert. Jetzt, wo alles aus den Fugen gerät, müssen sie entscheiden, wie sie helfen können. Psychologie/Horror/Politik.

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Archie
Archie, Vol. 13: Mark Waid & Fiona Staples:

„Archie“

Archie Comics: Seit 70 Jahren erzählen die US-Archie-Comics drolligen Alltag an einer High School in Riverdale. Die verwöhnte Veronica, die herzige Betty, der höfliche Archie, sein gefräßiger Kumpel Jughead… Waids Neuauflage ist kantiger, zeitgemäßer, minimal erwachsen. Aber immer noch: nostalgisch-harmloser All-American High-School-Kitsch.

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paper girls
Paper Girls #14: Brian K. Vaughan & Cliff Chiang:

„Paper Girls“

Image Comics: Halloween 1988, in einer US-Kleinstadt in Ohio. Vier Mädchen, die auf Fahrrädern die lokale Zeitung austragen, machen eine Entdeckung. Wollen Außerirdische die Erde erobern? Nostalgischer Comic im „Die Goonies“- und „Der Frühstücksclub“-Stil.

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heart in a box

Heart in a Box5: Kelly Thompson & Meredith McClaren:

„Heart in a Box“

Dark Horse: Magischer Realismus, etwas kitschig. Eine junge Frau mit Liebeskummer wünscht sich, sie hätte kein Herz mehr. Ihr Herz landet in sieben Teilen bei anderen Menschen – und sie zieht los, alle Teile zu finden.

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chilling adventures of sabrina
Chilling Adventures of Sabrina6: Roberto Aguirre-Sacasa & Robert Hack:

„The Chilling Adventures of Sabrina“

Archie Comics: Auch Sabrina The Teenage Witch gehört zu den Archie-Figuren. Nach dem Erfolg des tollen Zombie-Comics „Afterlife with Archie“ wird ihr Hexen-Alltag noch einmal neu erzählt – als düsteres 60er-Jahre-Horror-Drama. Wirkt angestaubt – aber die Kritiken sind großartig, und der Autor toll.

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bitch planet
Bitch Planet, Vol 1: Extraordinary Machine7: Kelly Sue DeConnick & Valentine de Landro:

„Bitch Planet“

Image Comics: „Orange is the New Black“… im Weltall. Ein Frauengefängnis in der Zukunft: Frauenbündnisse, Machtkämpfe, Unterdrückung. Ich mag Kelly Sue DeConnicks „Captain Marvel“ nicht und denke auch hier: gut gemeint. Aber träge erzählt?

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männliche Hauptfiguren oder Teams:

providence

Providence #18: Alan Moore & Jacen Burows:

„Providence“

Avatar: Die Horror-Geschichten von H.P. Lovecraft, neu vermischt zu einer großen, atmosphärischen Meta-Geschichte über Horror, Alltag und die US-Ostküste. Wirkt anspruchsvoll, literarisch.

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We stand on Guard
We Stand On Guard #19: Brian K. Vaughan & Steve Skroce:

„We stand on Guard“

Image Comics: Das Jahr 2124. Was passiert, wenn die übermächtige USA versucht, Kanada zu erobern? Politische Parabel mit Parallelen zum Nahen Osten.

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royals masters of war
The Royals: Masters of War 10: Rob Williams & Simon Colleby:

„The Royals: Masters of War“ (Sechsteiler, abgeschlossen)

Vertigo: Was, wenn die britischen Royals Superkräfte hätten? Könnten sie den zweiten Weltkrieg entscheiden, im Alleingang? Die Kritiken sind mittelmäßig, aber Idee, Zeichnungen und Atmosphäre sprechen mich an.

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autumnlands
The Autumnlands, Vol. 1: Tooth and Claw11: Kurt Busiek & Benjamin Dewey:

„The Autumnlands: Tooth & Claw“

Image: Ein Menschenkrieger, durch Zauberei in einer Welt gestrandet, in der anthropomorphisierte Tiere große Kriege führen. Thema und Stil sind mir zu schwülstig – aber ich halte viel von Autor Kurt Busiek, und bin gespannt, was er hier will/versucht.

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Luther Strode
The Legacy of Luther Strode #112: Justin Jordan & Tradd Moore:

„The Legacy of Luther Strode“ (Fortsetzung zweier Bände von 2012/13)

Image Comics: greller, hyperstilisierter, ironischer (?) Action-Fantasy-Comic voller Kämpfe und Duelle in der Großstadt. Ich bin nicht sicher, ob es mehr sein will als John Woo/Tarantino.

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two brothers
Two Brothers13: Fábio Moon, Gabriel Bá:

„Two Brothers“ (Graphic Novel: keine Heftserie/Reihe)

Dark Horse: Die brasilianischen Zwillingsbrüder haben eines der größten und besten Bücher meines Lebens geschrieben, „Daytripper“. Ihr neues Buch handelt von Zwillingsbrüdern in Brasilien. Einer wird im Libanon erwachsen. Der andere hadert mit seiner Familie.

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Sandman Overture
The Sandman: Overture14: Neil Gaiman & J.H. Williams III:

„The Sandman: Overture“

Vertigo: Prolog zu Gaimans Kultreihe „The Sandman“: überbordende, bunte Doppelseiten voller Symbolik, Schwulst und Meta-Märchen-Mythologie-Bla. Die Kritiken sind großartig, und ich mag die alte Serie sehr, aber bisher konnte ich mich nicht aufraffen, diesen psychedelischen Bildteppich anzustieren, stundenlang.

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rasputin JFK
Rasputin Volume 1 TP: The Road to the Winter Palace15: Alex Grecian & Riley Rossmo:

„Rasputin“ (zwei Bände, dann abgeschlossen)

Image Comics: Rasputin als Unsterblicher, der immer wieder in die Geschichte eingreift. Märchenhafter, melancholischer Fantasy-Thriller.

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ales kot zero
Zero, Vol. 1: An Emergency (Zero #1)16: Ales Kot & Tradd Moore u.a.:

„Zero“

Image Comics: postmoderner, sehr verschwurbelter Agententhriller – könnte das literarischste, anspruchsvollste, komplexeste Comic dieser Liste sein… oder doch nur selbstverliebter (Grant-Morrison-hafter) Quatsch.

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wolf, ales kot
Wolf Volume 117: Ales Kot & Matt Taylor:

„Wolf“

Image Comics: Detektiv und Waisenmädchen versuchen, gemeinsam das Ende der Welt aufzuhalten. Fantasy/Horror/Noir.

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empty zone
Empty Zone18: Jason Shawn Alexander:

„Empty Zone“

Image Comics: Cyberpunk/Horror/Fantasy. Eine junge, zynische Frau kämpft in dystopischen Städten gegen Roboter und Monster.

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manifest destiny
Manifest Destiny, Vol. 1: Flora & Fauna19: Chris Dingess & Matthew Roberts:

„Manifest Destiny“

Image Comics: Die Entdeckungsreise von Meriwether Lewis und William Clark durchs US-Hinterland, erzählt als grotesk-dunkler Historiencomic mit Monstern, Geistern, Steampunk(?)-Überraschungen.

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drifter
Drifter, Volume 1: Out of the Night20: Ivan Brandon & Nic Klein:

„Drifter“

Image Comics: toll gezeichneter, aber konventioneller Sci-Fi-Western über einen Mann, gestrandet auf einem Wüstenplaneten voller Outlaws und Monster/Dinosaurier. Mittelmäßige Kritiken – aber bildgewaltig.

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aktuelle Reihen, die ich lese und empfehlen kann:

Silk, Vol. 0: The Life and Times of Cindy Moon  Spider-Woman #1  Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal  Gotham Academy, Vol. 1: Welcome to Gotham Academy  Rat Queens, Vol. 1: Sass & Sorcery (Rat Queens Vol. 1: 1-5)
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The October Faction Volume 1 (October Faction, #1)  The Fade Out, Vol. 1: Act One  Southern Bastards, Vol. 1: Here Was a Man  Nailbiter, Vol. 1: There Will Be Blood  Sex Criminals, Vol. 1: One Weird Trick
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Jupiter's Legacy, Book One  Trees, Vol. 1: In Shadow  Copperhead: Vol. 1  Velvet, Vol. 1: Before the Living End  Lazarus, Vol. 1: Family
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Star Wars: Darth Vader Vol. 1: Vader  Star Wars: Kanan, Vol. 1: The Last Padawan  Afterlife with Archie, Vol. 1: Escape from Riverdale  Saga, Volume 1  Alex + Ada, Vol. 1
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Ich hoffe, „Injustice: Year Three“ und „Batgirl“ sind gut – habe bisher aber kein gutes Gefühl. „Squirrel Girl“ und „Rachel Rising“ habe ich begonnen, aber bin noch nicht überzeugt.

Injustice: Gods Among Us: Year Three, Vol. 1  Batgirl, Vol. 1: The Batgirl of Burnside  The Unbeatable Squirrel Girl, Vol. 1: Squirrel Power  Rachel Rising, Volume 1: The Shadow of Death
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auf der „bald lesen“-Liste:

Arrow Season 2.5  Midnighter, Vol. 1  Grayson, Vol. 1: Agents of Spyral  Hawkeye, Vol. 5: All-New Hawkeye  The Multiversity
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Wonder Woman: Earth One Vol. 1  The Twilight Children  Black Magick #1
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fünf Warnungen: überraschend fade Reihen, gelesen und nicht gemocht.

Descender, Vol. 1: Tin Stars  Wytches, Vol. 1  Lady Killer  Star Wars, Vol. 1: Skywalker Strikes  Thor, Vol. 1: Goddess of Thunder

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verwandte Links:

Best Graphic Novels 2014

underdog literature october 2014
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Here are 20 monthly comic book series that caught my interest lately.

Off-beat, quirky or curious titles that might deserve more attention…

all published and / or collected in trade paperback collections in 2014.

 

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01: RICK REMENDER (writer): „Deadly Class“

ongoing high school thriller / mystery series, Image Comics

Deadly Class, Vol. 1: Reagan Youth

02: MARK MILLAR (writer): „Jupiter’s Legacy“

10-issue ongoing mini-series about the children of super-heroes, Image Comics

Jupiter's Legacy Volume 1

03: CLAUDIO SANCHEZ (writer): „Translucid“

philosophical and experimental super-hero tale, Evil Ink Comics

Translucid

04: KEL SYMONS (writer), „The Mercenary Sea“

adventure and espionage, set in 1938, Image Comics

The Mercenary Sea Volume 1

05: KELLY SUE DeCONNICK, „Pretty Deadly“

ongoing horror / fantasy western, Image Comics

Pretty Deadly, Vol. 1: The Shrike

06: LARIME TAYLOR (writer), „A Voice in the Dark“

ongoing horror / serial killer drama, Image Comics

A Voice in the Dark, Volume 1

07: ALES KOT (writer), „Zero“

ongoing spy thriller, Image Comics

Zero, Vol. 1 An Emergency

08: KYLE HIGGINS (writer), „C.O.W.L.“

ongoing period drama about Chicago’s super-hero labor union, Image Comics

C.O.W.L. Volume 1: Principles of Power

09: JOSHUA WILLIAMSON (writer), „Nailbiter“

ongoing horror / serial killer small town drama, Image Comics

Nailbiter Volume 1: There Will Be Blood

10: J. MICHAEL STRACZYNSKI (writer), „Ten Grant“

ongoing supernatural demon-hunter urban fantasy drama, Image Comics

Ten Grand Volume 1

11: JIM ZUB (writer), „Disney Kingdoms: Figment“

limited all ages fantasy mini-series about theme park Disney characters, Marvel Comics

Disney Kingdoms: Figment #1

12: ED BRUBAKER (writer), „The Fade Out“

ongoing noir crime drama set in Hollywood in 1948, Image Comics

The Fade Out #1

13: CHRIS MISKIEWICZ, „Thomas Alsop“

ongoing superatural urban fantasy drama – might be whimsical and melancholic. BOOM! Studios

Thomas Alsop #1

14: SIMON SPURRIER (writer), „Six Gun Gorilla“

ongoing sci-fi western action comedy (?), BOOM! Studios

Six-Gun Gorilla

15: CHARLES SOULE (writer), „Letter 44“

ongoing science fiction thriller about astronauts making first contact, Oni Press

Letter 44 Volume 1: Escape Velocity

16: RICK REMENDER, „Black Science“

ongoing crazy sci-fi adventure, Image Comics

Black Science, Vol.1: How to Fall Forever

17: MARK MILLAR (writer), „Starlight“

ongoing (?) golden-age style space opera, Image Comics

Starlight #1

18: GREG RUCKA (writer), „Veil“

Urban Fantasy / horror ongoing, Dark Horse Comics

Veil

19: KIERON GILLEN (writer), „The Wicked + The Divine“

ongoing supernatural drama about deities, reborn as hipsters, Image Comics

The Wicked + the Divine Volume 1

20: JOE KEATINGE, „Shutter“

ongoing Young Adult science fiction adventure, Image Comics

Shutter, Vol. 1: Wanderlost

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I’m shocked that so many Image Comics titles made the cut: Image has launched a lot of new series, and reviews / reception has been great for most.

I’m also curious about Brian Michael Bendis‘ mob drama „The United States of Murder“ and Jason Aaron’s „Southern Bastards“.

Bonus:

5 ongoing older (but still recent) series that I want to read soon:

Revival, Vol. 1: You're Among Friends Bedlam, Vol. 1 The Black Beetle in No Way Out Nowhere Men, Vol. 1: Fates Worse Than Death Storm Dogs Vol. 1 TP
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…and all recent ongoing series that I read and enjoy:

Velvet, Vol. 1: Before the Living End Lazarus, Vol. 1: Family High Crimes The Massive, Vol. 1: Black Pacific Saga #1

Afterlife with Archie: Escape from Riverdale MIND MGMT, Vol. 1: The Manager Alex + Ada, Volume 1 Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal The Private Eye, Volume One

She-Hulk, Vol. 1: Law and Disorder Hawkeye, Vol. 1: My Life as a Weapon Injustice: Gods Among Us, Vol. 1 Smallville Season 11, Volume 1: Guardian Wonder Woman, Vol. 1: Blood

I’m also curious about Geoff John’s „Superman“, Cameron Stewart’s „Batgirl“ and Becky Cloonan’s „Gotham Academy“.

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related Posts:

and:

[gebloggt auf ocelot.de] Superman? Batman? Alles auf Anfang!

Heldencomics in der Krise: Bei DC Comics werden 52 neue Heftreihen zum Bestseller. Die „New 52“ wollen Start- und Einstiegspunkte sein – für neue, jüngere Leser.

Von Stefan Mesch

„Gäste zum Kaffee“, die gemütliche Talkrunde im MDR-Magazin „Hier ab vier“, hat jeden Nachmittag etwa 160.000 Zuschauer. „Detective Comics“, das monatliche Heft, in dem Batman seit 1939 Verbrecher jagt, wurde Mitte 2011 nur knappe 60.000 Mal verkauft.

Als Marke, Spielzeug und im Kino bringen selbst unbekanntere Figuren wie Green Lantern oder die „Avengers“ Profite. Doch Comics selbst? Die monatlichen, zwanzigseitigen Fortsetzungshefte für 2.99 Dollar? Dort sterben Superman und Wonder Woman seit knapp 20 Jahren einen Tod auf Raten.

„Die größten Helden der Welt. Die größten Autoren und Künstler. In 52 neuen, ersten Heften“, versprach DC Comics im Herbst 2011 in einer pompösen Kino- und TV-Kampagne: Konkurrent Marvel Comics, Herausgeber von „Spider-Man“, „Hulk“ und den „X-Men“, wurde 2009 vom Disney-Konzern gekauft. DC Comics gehört zu Warner Brothers. Durch Videospiele, Filmrechte und Merchandise verdienen beide Konzerne gutes Geld mit jeweils Hunderten Heldenfiguren. Doch ist das Kerngeschäft, die Comics selbst, zu retten?

Vielleicht schon, zeigt die Bestseller-Überraschung der „New 52“: Noch im August 2011 veröffentlichte DC Hefte wie „Batman 713“ oder „Action Comics 904“. Dann brachen alle Geschichten ab: Ein Riss zerstörte die Zeitrechnung des gemeinsamen „DC Universe“ und 52 neue, teils eng verknüpfte Serien zeigten seit September 2011 alle bekannten Helden plötzlich in neuen, einsteigerfreundlichen Situationen. Zum ersten Mal seit 1986 wagt die DC-Welt einen Neuanfang. Und er gelingt – künstlerisch und kommerziell.

Selten waren aktuelle Heldencomics flirrender und aufregender als auf den 1216 Seiten in 52 neuen, beliebig kombinierbaren Erstausgaben: 28 neue Serien handeln von Männern (davon viermal Batman), 18 von Gruppen oder Teams, nur sechs haben eine Frau als Titelfigur. Es gibt ein (überraschend gutes) Wildwest-Comic, zwei mittelmäßige SoldatenAbenteuer, eine Handvoll blutiger Horror-Serien. Die „Demon Knights“ kämpfen im Mittelalter, die vier „Green Lantern“-Teams im Weltall, „Legion of Super-Heroes“ im Jahr 3011 und „Batwing“ im Kongo.

„Wer Comics oder Seifenopern verfolgt, der folgt nicht einzelnen Geschichten – sondern Figuren, die ihm im Lauf der Zeit ans Herz gewachsen sind“, schreibt Nelson Branco. Doch seit September haben Sympathieträger wie Nightwing, Batwoman, Aquaman, Wonder Woman und Animal Man endlich besonders zugängliche Erzähler, besonders eindringliche Plots (Empfehlungen: am Ende des Artikels).

Der große Neustart – ab Juli auch auf Deutsch, bei Panini Comics – hat nur ein Problem: Egal, wie klug und charismatisch die Figuren sind… die Welt um sie herum ist plötzlich so naiv, schwarzweiß und finster wie nie zuvor. In jedem zweiten Heft gibt es geheime Labors, in denen inkompetente Wissenschaftler schreckliche Wesen züchten. Polizisten sind korrupt oder hilflos, Politiker gehen über Leichen, Freunde und Eltern sind Belastungen statt einer Stütze – und nur ein Einziger agiert mit Mitgefühl, Verstand und Engagement: der einsame, oft isolierte und missverstandene Held.

Als Hollywood in den Fünfzigern die Jugend als Markt und eigene Zielgruppe entdeckte, fanden billige Monster-Filme wie „I was a Teenage Werewolf“ neue, griffige Metaphern für die Entfremdung vom eigenen Körper, für Außenseitertum und Angst. Anfang der Sechziger griff Marvel Comics diesen Tonfall auf: „Spider-Man“ zeigte ein pubertäres, unbedarftes Schulkind, „X-Men“ eine Clique aus missverstandenen Monstern.

Noch heute werden viele Marvel-Helden in der fiktiven Weltordnung ihrer Comics diskriminiert, bekämpft und verachtet. Sie finden keine Liebe und brechen sich gegenseitig das Herz. Sie bleiben neurotisch, neidisch, unzufrieden, voller Selbsthass und Hormone. „Die Hälfte von ihnen sind Außenseiter mit begrenzten Kräften, die sich abkämpfen für eine Welt, in der sie nie richtig gewürdigt werden“, erklärt Comichändler Scipio Garling. „Die andere Hälfte sind unfassbar mächtige, kosmische Wesen von unvorstellbarer Kraft und… Plattheit.“

Beide Persönlichkeiten sind attraktive Rollenbilder für Macht- und Hilflose, für Underdogs, Opfer der Umstände: „Typ 1 trifft das Selbstbild eines Jugendlichen. Typ 2 entspricht dem Wunschbild eines Jugendlichen“, vereinfacht Garling. „Sei stark und zäh, denn unsere Welt ist voller Unglück. Du hast es nicht verschuldet. Aber du kannst es auch nie abschaffen… Das ist die Marvel-Botschaft.“

Reiz und Stärke der DC-Helden dagegen stammt aus einer bürgerlichen, viel positiveren Haltung zur Rolle des Einzelnen in der Welt. „DC sagt: Du bist verantwortlich dafür, dich selbst und die Gesellschaft zu verbessern. Sei stark und zäh, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Marvel-Figur Iron Man, ein stolzer Erfinder und Millionär, würde auch gut zu den DC-Figuren passen. Supergirl, ein verwirrtes und unglückliches Waisenkind, wäre bei Marvel besser aufgehoben. Bei vielen Helden aber bleibt die große Unterscheidung überraschend trennscharf: Wonder Woman (DC), Botschafterin der Amazonen, ist tatsächlich engagierte Diplomatin. Clark Kent (DC), Supermans bürgerliches Ich, hat einen Pulitzerpreis. Green Arrow (DC) lebt als moderner Robin Hood – und lässt sich zum Bürgermeister wählen, um nicht allein die bloßen Symptome sozialer Ungerechtigkeit zu bekämpfen.

DC-Helden wollen – als Bürger und in ihren Kostümen – arbeiten, Einfluss nehmen, ein Vorbild sein. Sie vertrauen ihren Familien, engagieren sich im Beruf. Sie suchen Partnerschaft und Respekt statt Ruhm und Sex; sie trennen den Müll und setzen globale Zeichen. Egal, ob gerade jemand zusieht oder nicht.

Der Held im neuen “Aquaman” dagegen hat keine Lust mehr, König von Atlantis zu sein: Er will Entspannung an Land und bestellt erstmal Fish and Chips. Der Held in „Green Lantern“ ist arbeitslos und kann sich kein Auto leisten. „Hawkman“ verbrennt sein Kostüm und liegt jammernd in seiner verdreckten Wohnung. In „Static Shock“ verbietet ein Vater seinem (Helden-)Sohn, den Führerschein zu machen. Die Hauptfigur in „Voodoo“ muss als Stripperin arbeiten. In „Action Comics“ wird Superman von der korrupten Regierung gejagt.

Miese Jobs. Böser Staat. Wirtschaftskrise. Schlechte Karten!

“Unsere Zielgruppe sind Männer zwischen 18 und 34 Jahren”, erklärt der DC-Verlag. Eure Zielgrupe, korrigiere ich nach der Lektüre von 52 ersten Heften, sind Verlierer, Zyniker, Nörgler und Versager. Fans von Selbstmitleid und Zweifeln. Wie bei Marvel:

Seit September hat Lois Lane einen neuen Freund – Superman konnte nie bei ihr landen. Seit September ist Green Arrow ein jugendlicher, legendär reicher Playboy – apolitisch und plump. Auch Familie Reyes, die respektvollen, bisher immens sympathischen Eltern des jungen Blue Beetle, sind plötzlich streng und hilflos: „Früher erfuhr Blue Beetle Zuspruch und Unterstützung von Freunden und Familie. Aber das Heldenleben ist nunmal kein Zuckerschlecken!“, feixt Autor Tony Bedard. „Ich mache ihm alles deutlich schwerer!”

Es ist nicht schwer, Geschichten zu erzählen, in denen ein Held alleine in einem Sumpf aus Mittelmaß und Dummheit steht. Es ist nicht schwer, „der Gute“ zu sein, so lange alle Gegenseiten nachtschwarz und bitterböse bleiben. Viele neue DC-Reihen sind schmissig – aber brutal vereinfacht, geist- und einfallslos.

Besonders die weiblichen DC-Figuren leiden unter diesem Kurswechsel: Denn seit September werden sie mit dickerem, plakativen Pinselstrich gezeichnet. Amanda Waller, eine bullige, intrigante Regierungsagentin Ende 40, vor der selbst Batman zittterte, hat plötzlich eine Wespentaille und feuchte, pralle Lippen. Fast 30 Jahre lang war Starfire eine lebensfrohe, entspannte Romantikerin. Jetzt bietet sie jedem Mann spontanen Sex an. Beinahe fünf Jahre lang waren Catwoman und Batman ein Liebespaar: Sie kannten die Gesichter hinter der Maske, vertrauten sich beruflich wie privat.

Der „Catwoman“-Neustart tilgt diesen Respekt und das Vertrauen: „Sie ist süchtig nach der Nacht. Süchtig nach Glanz. Süchtig nach Batman. Und süchtig nach der Gefahr!” Eine leichtsinnige Diebin, getrieben von Instinkt und Libido. Eine Figur, gezeichnet, um begafft zu werden – nicht bewundert.

Am Ende des September-Hefts taucht Batman in Catwomans (ergaunertem) Penthouse auf. Sie stürzt sich auf ihn wie eine räudige Katze. Und erklärt dem Leser, sie wisse gar nicht richtig, wer dieser Mann ist – es sei auch egal: Ihr reicht Batmans Körper. Sex auf dem Fußboden. Maskierte, gierige Fremde. „Und die Kostüme lassen wir größtenteils an.“

DC Comics ist ein flüssiger, süffiger, schwungvoller Neustart geglückt, mit vielen bemerkenswerten Zeichnern und einer Handvoll klugen und subtilen Autoren. Doch diese neue Welt der Helden ist auch, deutlich wie nie: ein Bekenntnis zum Schund. Zum Sexismus. Zur Gewalt. Und zu einer jungen, männlichen, naiven Leserschaft, die sich nicht viel zutraut. Und nicht viel erwartet.

sechs Empfehlungen für Neueinsteiger: „The Flash“ (Panini), „Action Comics“ (Panini), „Batman“, „Justice League“ (Panini), „DC Universe presents: Deadman“

sechs Empfehlungen für Fans: „Batman & Robin“ (Panini), „Batwoman“ (Panini), „Wonder Woman“, „Birds of Prey“, „Swamp Thing“, „Animal Man“ (Panini)

Enttäuschungen und Schund: „Detective Comics“ (Panini), „Deathstroke“, „Red Hood and the Outlaws“, „Red Lanterns“ (Panini), “Legion Lost”, “Catwoman” (Panini)

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related Links:

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my German comic book journalism:

 

LGBT Graphic Novels: Recommendations for Teens & Young Adults

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Good Graphic Novels for school libraries, teenagers and a Young Adult audience… with GLBTQ themes?

Over at „DC Women Kicking Ass“ (Link), one of my favorite feminist super-hero blogs, author/webmaster Sue opened an interesting discussion:

„A while back, I got a request for a list of LGBQT Young Adult graphic novels for a High School library.

So far I have Young Avengers, Runaways, Pedro and Me, Tough Love, Strangers in Paradise, Skim and Batwoman.

Please let me know your recommendations and I will compile a list and publish it.

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I read lots of „literary“, more serious graphic novels this winter (recommendations here, Link), so for starters, here are some strong, personal recommendations:

Inclusive, serious, engaging titles for a young audience that will work well in a school setting / book club / discussion group:

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1: JUDD WINICK, „Pedro and me“, 192 pages, 2000.

gay main character  |  HIV prevention  | activism  | reality TV  | gay-straight friendship  | Cuban immigrants  |  autobiographical

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2: ALISON BECHDEL, „Fun Home: A Family Tragicomic“, 232 pages, 2006.

lesbian narrator / main character  |  coming-of-age  | suicide  | identity politics  | family secrets  | living in the closet  |  homosexual parents  | autobiographical

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3: HOWARD CRUSE, „Stuck Rubber Baby“, 216 pages, 1995.

gay narrator / main character  |  journalism / documentary  |  coming-of-age  | civil rights  |  discrimination, politics, activism  |  1960ies small-town USA  |  pre-Stonewall

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4: DAVID SMALL, „Stitches: A Memoir“, 326 pages, 2009.

straight narrator / main character  |  throat cancer  | identity politics  |  coming-of-age | family secrets  | suicide  |  lesbian parent  |  living in the closet  |  autobiographical

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5: DAN PARENT, „Archie Comics presents: Kevin Keller“, 160 pages, 2012.

gay main character  |  middle school audience  |  coming-of-age  |  Don’t Ask Don’t Tell  |  cartoon / slice-of-life / humour  |  harmless / bowdlerized / non-sexualized

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queer-positive YA books with a focus on trauma, loss, bullying or teenage alienation:

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6: DANIEL CLOWES, „Ghost World“, 80 pages, 1998.

friendship between girls  |  alienation  |  dark humour  |  everyday life  |  post-high school career  |  small-town USA  |  hook-up culture  |  loneliness

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7: JOE KELLY, „I kill Giants“, 184 pages, 2009.

middle-school female narrator  |  alienation  |  magical realism  |  everyday life  |  friendship between girls  |  personal trauma  |  cancer  |  anger / abandonment issues

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8: SARAH LEAVITT, „Tangles: A Story about Alzheimers, my Mother and me“, 127 pages, 2010.

lesbian main character / narrator  |  Alzheimer’s  |  family secrets  |  mother-daughter-dynamics  |  loss  |  leaving for College  |  coming-of-age  |  everyday life  |  autobiographical

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9: BRYAN LEE O’MALLEY, „Lost at Sea“, 160 pages, 2003.

teenage, female main character  |  magical realism  |  coming-of-age  |  friendship  |  soul-searching  |  alienation  | road trips  |  acceptance  |  everyday life

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super-hero books with gay and lesbian heroines:

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10: GREG RUCKA, „Gotham Central: Half a Life“, 168 pages, 2005.

lesbian main character  |  police procedural  |  coming out  |  lesbian relationships  |  second-generation Puerto Ricans in the US  |  Batman  |  psychological thriller

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11: GREG RUCKA, „Batwoman: Elegy“, 176 pages, 2010.

lesbian main character  |  Batman  |  magic, monsters, horror  |  Don’t Ask Don’t Tell  |  power fantasy  |  family dynamics  |  military families  |  self-acceptance  |  loss

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in 2011, the – mediocre, crass and often poorly-written – monthly YA super-hero comic series „Teen Titans“ (Link) added a gay character, Bunker (Link). I can’t recommend the series, per se. But the character has gained a vocal following, and some media attention:

Notes from Bunker, Link (Tumblr)

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another note-worthy and worthwhile read / discussion is this (Link) letter column / exchange between Marvel writer Christos Gage (Link) and an anti-gay reader unhappy with teenage gay and lesbian characters in the „Avengers Academy“ series (Link).

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notable series / titles that I cannot recommend (because the LGBT part is marginal or the overall writing is too weak):

  • „Buffy: Season 8“ (Joss Whedon, Link)
  • „Y: The Last Man“ (Brian K. Vaughan, Link)
  • „Friends with Ghosts“ (Faith Erin Hicks, Link)
  • „Scott Pilgrim“ (Bryan Lee O’Malley, Link)

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titles I have not read myself, yet:

  • „Runaways“ (Brian K. Vaughan, Marvel Universe, Link)
  • „Young Avengers“ (Allan Heinberg, Marvel Universe, Link)
  • „Strangers in Paradise“ (Terri Moore, Link)
  • „Revolutionary Girl Utena“ (Chiho Saito, Manga, Link)
  • „Wandering Son“ (Takako Shimura, Manga, gender-nonconforming, transsexual (?) elementary school kids, Link)

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and finally: five LGBT prose novels / literary fiction for a High School audience that I enjoyed:

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