Marcel Beyer

„Zimmer voller Freunde“: Lesung beim 20. Open Mike

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Ich bin Finalist beim 20. Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin (Details / Infos / Vorgeschichte hier).

Wie war meine Lesung…?

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„Kuckst du ‚Mad Men‘?“, fragte ich einen Freund, im Frühling.

„Ich weiß, wie viele Leute ‚Mad Men‘ mögen…“, antwortete er. „Aber jedes Mal, wenn es im Fernsehen läuft, schalte ich in dieselbe Szene: eine Frau sitzt am Schreibtisch. Eine andere Frau tritt hinzu. Sie sagt: ‚Hier ist der… Tacker.‘ Dann starren sich beide an – schweigend und ernst.“

Ich bin auf Seite 300 eines Romans (Link) mit Dutzenden Figuren, Wendungen, Konflikten. Ich habe 15 Minuten Zeit für diese Lesung. Das reicht nicht, um ein Panorama aufzuspannen, alle Figuren zu erklären.

Wofür bleibt Zeit?

Für eine „Hier ist der… Tacker.“-Szene.

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  • Das Licht? Warm. Freundlich.
  • Das Publikum? Anspruchsvoll. Wach / konzentriert.
  • Mein Vortrag? Entspannt! (Huch? Kein Lampenfieber, kein Haspeln.)
  • Mein Text? 15 Minuten, ab Seite 220: Sonja und Frank. Stoffs Party-Zimmer. Ein schmutziger Pool. Ein „Tacker!“-Moment.

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  • …als Dritter gelesen, vor ausgeruhtem Publikum. Guter Zeitpunkt / Slot!
  • schwierig / unsympathisch: dass die Lektoren, die den Autor eingeladen haben, einleitende Worte sprechen. Den Autor vorstellen. Und Wendungen, Motive, Stimmungen des Texts benennen – noch bevor der Text gelesen wird.
  • großes Glück: dass Birgit Schmitz (Berlin Verlag), die „Zimmer voller Freunde“ auswählte, dem Text eine Hammer-Vorstellung schenkt, und die richtigen Fragen stellt: Ist das Pop? Oberfläche? Ironie? Namedropping?
  • „Hier läuft doch noch was anderes…“, knurrt ein Ermittler in „Salt“ [mit Angelina Jolie]. Birgit Schmitz sagt: Kuckt hin. Findet die Zwischentöne. Das andere. [Yeah! Danke!]
  • schade / verschenkte Chance: dass die Jury (Silke Scheuermann, Thomas von Steinaecker, Marcel Beyer) schweigen muss, und erst zur Verkündung der Gewinner kurz spricht.
  • die Freunde…? Loben mein „Tacker“-Intro und meinen Vortrag.
  • aber…: „Stefan? Pass auf: Kaum jemand konnte verstehen, dass Frank viel jünger ist als Sonja. Dass Sonja Maklerin ist. Wie Timo in die Szene passt, und Franks Eltern. Der Text hat Sog – aber diese Verrätselung braucht kein Mensch! Sag das nächste Mal klar: Sonja ist 37. Frank 18. Das muss sein!“

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und: Anika war hier! Sebastian. Simone. Kai. David! „Nimm erstmal Baldrian“, sagt Vea. „Du bist ganz durcheinander…!“

Ich bin fahrig. Glücklich. Umgeben von Freunden. Wach / aufgekratzt. In meinem Element.

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Underdog Literature, October 2012: 15 fresh or surprising, off-the-wall titles

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Here are 15 books that caught my interest lately.

Fresh, off-beat, quirky or curious titles that might deserve more attention:

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01: ROBIN SLOAN, „Mr. Penumbra’s 24-hour Book Store“, 304 pages, 2012.

02: JENS PETER JACOBSEN, „Niels Lyhne“, 152 pages, 1880 [Danish].

03: DONALD HALL, „The Best Day The Worst Day – Life with Jane Kenyon“, 258 pages, 2005 [Memoir].

04: ELIZABETH ARTHUR, „Antarctic Navigation“, 816 pages, 1995.

05: A.S. KING, „Ask the Passengers“, 296 pages, 2012. [Young Adult]

06: SHANNON MESSENGER, „Keeper of the Lost Cities“, 496 pages, 2012. [Young Adult / Fantasy]

07: KATJA MILLAY, „The Sea of Tranquility“, 380 pages, 2012. [Young Adult, might be trash…?]

08: BOUALEM SANSAL, „The German Mujahid“, 240 pages, 2008. [Algerian]

09: GAITO GASDANOW, „Das Phantom des Alexander Wolf“, 192 Seiten, 1947. [Russian emigré writer, new German translation]

10: YI IN-SEONG, „Jahreszeiten des Exils“, 318 pages, 1983. [Korean, new German tanslation]

11: SEPP MALL, „Berliner Zimmer“, 188 pages, 2012. [Austrian]

12: ANNETTE KOLB, „Das Exemplar“, 210 pages, 1913. [German]

13: DANIEL MEZGER, „Land spielen“, 318 pages, 2012. [Swiss]

14: TILMAN RAMMSTEDT, „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“, 190 pages, 2012. [German]

15: SABINE FRIEDRICH, „Wer wir sind“, 2032 pages, 2012 [German].

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Here are five books that made me curious enough to buy them:

01: MARLEN HAUSHOFER, „The Wall“ / „Die Wand“, 240 pages, 1962. [Austrian]

02: MARCEL BEYER, „Flughunde“, 301 pages, 1996. [German]

03: SERGEJ LUKIANENKO, „Wächter des Morgen“, 464 Seiten, 2012. [Russian; German translation.]

Ich habe die „Wächter“-Reihe u.a. HIER besprochen / empfohlen: Link

04: NIKOLAI VOGEL, „Spam Diamond“, 210 pages, 2012. [Austrian, Rezensionsexemplar, danke an Haymon!]

05: ANDREAS STICHMANN, „Das große Leuchten“, 240 Seiten, 2012. [German; Rezensionsexemplar, danke an Rowohlt!]

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…and finally, here are three books that I read – and that were really good:

5 of 5 stars: ARNE BELLSTORF, „Baby’s in Black: Astrid Kirchherr, Stuart Sutcliffe, and the Beatles in Hamburg“, 208 pages, 2010. [Graphic Novel]

4 of 5 stars: TOVE JANSSON, „Fair Play“, 127 pages, 1989. [Nonfiction / personal essays – not half as good as her „Summer Book“, though.]

4 of 5 stars: MILENA MICHIKO FLASAR, „Ich nannte ihn Krawatte“, 144 pages, 2012. [Austrian; Rezensionsexemplar, danke an Verlag Klaus Wagenbach!]

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