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Die besten Comics & Graphic Novels 2016: meine Empfehlungen bei Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur - Comic-Empfehlungen 2016, Stefan Mesch.PNG

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bei Deutschlandradio Kultur empfehle ich meine 20 Comics des Jahres:

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schon 2015 stellte ich 20 aktuelle Reihen vor, hier (Link).

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20. Black Magick
Autor: Greg Rucka, Zeichnerin: Nicola Scott
Image Comics, Oktober 2015 bis Februar 2016.
5+ Hefte in 1+ Sammelbänden, wird Mitte 2017 fortgesetzt.

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Wer nie ein aktuelles US-Comic las, findet im Mystery-Thriller “Black Magick” einen simplen, geradlinigen Einstieg: Greg Rucka ist mein Lieblings-Comicautor, Nicola Scott eine der beliebtesten Zeichnerinnen. “Black Magick” zeigt Rowan Black, Ermittlerin in Portland, Oregon und Mitglied eines geheimen heidnischen Kults: Rowan ist eine Hexe. Sie hat okkulte Kräfte, wird in eine Geiselnahme verwickelt, muss Ritualmorde aufklären – ohne, sich vor Kollegen zu enttarnen.

Eine etwas altbackene Idee, in Band 1 noch nicht anspruchsvoller erzählt als in TV-Einerlei wie “Charmed” oder “Constantine”. Auch Rowans Vokuhila-Frisur lässt viele Szenen gestrig wirken. Doch Rucka ist Experte für Polizeiarbeit, liebt feministische, komplexe Ensembles, und Nicola Scott hat ein Auge für Lichtstimmung und Grusel. 2016 waren beide mit einer (leider steifen) Neuauflage von “Wonder Woman” ausgelastet. Doch 2017 geht “Black Magick” weiter.

Bisher kein dichter, raffinierter Comic. Aber ein einladender! Wer Rucka kennt, weiß: Seine Reihen werden schnell tiefer, klüger, dunkler.

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19. Arcadia
Autor: Alex Paknadel, Zeichner: Eric Scott Pfeiffer
Boom! Studios, Mai 2015 bis Februar 2016.
8 Hefte in einem Sammelband, abgeschlossen.

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“The Matrix, but better”, lobten Kritiker dieses Polit- und Cyberpunk-Drama über eine Familie, zerrissen zwischen der Kunstwelt Arcadia und der verwüsteten Erde: Ein Virus tötete sieben Milliarden Menschen – doch das Bewusstsein von vier Milliarden davon konnte in ein Netzwerk übertragen werden. Dort lebt die Oberschicht wie in einem grenzenlos bizarren Videospiel, mit Superkräften und allen Gestaltungsmöglichkeiten. Arbeiter dagegen haben nicht einmal genügend Rechenleistung, um sich Gesichter und Haut animieren zu lassen.

Lee Pepper sah seine Familie sterben; und bewacht seitdem ein Rechenzentrum für Arcadia-Daten in Russland. Während diplomatischer Machtspiele droht die lebendige Minderheit, “The Meat”, Arcadia den Stecker zu ziehen. Das Netzwerk aber hat eigene Druckmittel – und Lee und seine digitalisierte Frau, Tochter, Sohn stehen zwischen den Fronten. Leider sind die Zeichnungen von Eric Scott Pfeiffer freudlos, karg: Grandios versponnene Ideenwelten von Autor Alex Paknadel werden sinnlos nüchtern aufgemalt. Figuren und Konzept faszinierten mich wochenlang. Doch ein Lesespaß ist dieser holprige, graustichige Comic selten.

Ich hoffe, der Autor findet bessere Zeichner. Oder aus “Arcadia” wird eine elegante TV-Reihe: Herz, Talent, Ideen? Alles hier, im Überfluss. Jetzt fehlen noch Farbe, und liebevolle Details.

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18. The Violent
Autor: Ed Brisson, Zeichner: Adam Gorham
Image Comics, Dezember 2015 bis Juli 2016.
5 Hefte in einem Sammelband, in sich geschlossen – aber könnte fortgesetzt werden.

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Viele der besten Comics wollen beim Erzählen immer auch beweisen, was Comics leisten können – als eigene Kunstform. “The Violent” dagegen könnte auch ein Film sein, ein düsterer TV-Mehrteiler, Theaterstück oder sozialrealistischer Roman. Mason und Becky haben eine dreijährige Tochter, leben an der Armutsgrenze und tun alles, um nicht weiter abzurutschen. Becky war drogensüchtig, Mason saß im Gefängnis. Nichts soll je wieder schief gehen. Natürlich geht alles schief, sofort.

Ed Brisson zeigt ein beklemmend banales Drama um einen Mann auf Bewährung, der alle Risiken eingeht, um seiner großen Liebe zu beweisen: Wir schaffen das. Zeichner Adam Gorham hält viele nichtssagende Straßen und Wohnungen Vancouvers sympathisch nichtssagend fest. Ein Comic, der an keiner Stelle allergrößte Kunst sein will. Doch der gerade deshalb überzeugt:

Einfach, packend, ohne künstlerische Eitelkeiten, Schrullen. Ein großer, kleiner Wurf!

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17. Monstress
Autorin: Marjorie Liu, Zeichnerin: Sana Takeda
Image Comics, seit November 2015.
8+ Hefte, bisher ein Sammelband, wird fortgesetzt.

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Eine recht konventionelle Fantasy-Saga. Mit Kostümdesign und Architektur, so kunstvoll, dass alle Stärken der Reihe daneben zu Schwächen werden: Figuren? Plot? Solide. Doch erst die vielen Details (Zeichnerin: Sana Takeda) machen “Monstress” lesenswert. Einzelgängerin Maika trägt ein Monster in sich. Zwei reiche Hochkulturen führen Krieg. Beide halten sich für moralisch überlegen, aber sind zu jedem Tiefschlag fähig. Während Maikas Gegner für sich entscheiden: “Der Zweck heiligt die Mittel”, versucht die Außenseiterin, auch die schwächsten, taktisch unwichtigsten Leben zu schützen.

Ich brauchte gut 100 Seiten, um die Geschichte unter den barocken Steampunk- und Jugendstil-Klischees ernst zu nehmen. Zu viele Ideen hier wirken altbekannt. Der Rest zu oft verzweifelt möchtegern-originell. Tolle Kostüme und Architektur allein werden nicht entscheiden können, ob sich die Reihe lohnt: Wie klug, wie bitter werden Maikas Zwickmühlen weiter gedacht?

Politisch, psychologisch, grandios detailverliebt – oder doch nur Schauwerte, Kitsch, Effekte? Ich schwanke.

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16. Prez
Autor: Mark Russell, Zeichner: Ben Caldwell
DC Comics, Juni bis Dezember 2015.
Als zwölfteilige Heftreihe geplant, doch nach sechs Heften (in einem Sammelband) abgesetzt; sehr gute Kritiken, deshalb steht die Möglichkeit einer Fortsetzung im Raum.

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Ein Teenager als US-Präsident: 1973 zeigte ein albernes DC-Comic im “Richie Rich”-Stil fünf kurze Hefte lang, wie ein frecher Schüler das Establishment düpiert. 2015 gab es ein Remake über die junge Fast-Food-Angestellte Beth Ross, die via Twitter versehentlich zum Star wird, dann durch parteipolitische Intrigen Präsidentin. Trotz bester Kritiken las ich die Reihe erst im November, nach Trumps Wahlsieg – und war bestürzt, begeistert, fassungslos: der Comic der Stunde, schon wieder abgesetzt, wegen schlechter Verkaufszahlen.

“Prez” nutzt Klischees über die Generation Y, setzt raffinierte Spitzen gegen die Macht von Konzernen, US-Außenpolitik, Erregungs- und Populismus-Dynamiken im Netz – fast alles klüger, bissiger, subversiver als die besten taz-Artikel. Doch besonders Menschen über 40 fühlen sich wohl: So frisch und jugendlich die Reihe wirkt, ihr Blick erinnert an Satiriker der Generation X, Douglas Coupland, “Die Simpsons”. Auch charmant – doch etwas harmloser: Autor Mark Russels kapitalismuskritische “Familie Feuerstein”-Neuauflage von 2016.

Abgründig, schmerzhaft, unvergesslich: Ich kenne kaum dichtere, smartere Satire.

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15. Action Comics
Autor: Dan Jurgens; wechselnde Zeichner, v.a. Patrick Zircher und Tyler Kirkham
DC Comics, erscheint seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt “Action Comics 957”.
14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt. Parallel lesen: die Reihen “Superman”, “Trinity” und “Superwoman”.

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Immer wieder landen langjährige Heldencomics in erzählerischen Sackgassen – und räumen auf, indem ein komplizierter Zwischenfall (Zeitschleifen, Dimensionslöcher, parallele Welten) neue, simplere Zustände schaffen soll. 2011 hieß das: Superman und seine große Liebe Lois Lane werden ersetzt, durch jüngere Versionen, in einer neuen Welt. Jene Doppelgänger waren nie verheiratet, sind schroffer und pragmatischer; ein neuer Lex Luthor ist eher Antiheld als Schurke. 2015 strandete der ursprünglichere Superman in dieser neuen Gegenwart – in Dan Jurgens Reihe “Lois & Clark”: Er hat jetzt einen Sohn im Grundschulalter und lebt mit seiner Lois heimlich auf einer Farm.

2016, im nicht lesenswerten “The Final Days of Superman” starb der jüngere Superman. Seitdem übernimmt die ältere Version die Hauptrolle. In vier verknüpften, oft exzellenten Heftreihen – “Action Comics”, “Superman”, “Superwoman” und “Trinity” – wird dieses Durcheinander durchdacht, von allen Seiten. Es gibt zwei Lois Lanes. Kann man Lex Luthor trauen? Ein Fremder ohne Kräfte behauptet, Clark Kent zu sein. Supermans Sohn will selbst Held werden. Zu viele ermüdende Kämpfe, mittelmäßige Zeichnungen. Doch tolle Figurenarbeit, Rätsel, Ensembles und Intrigen.

Wirres Chaos? Nein: Ein Helden-Mosaik, so stimmig, herzlich, menschlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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14. Harrow County
Autor: Cullen Bunn, Zeichner: meist Tyler Crook
Dark Horse Comics, seit Mai 2015.
18+ Hefte in 4+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Provinz und Außenseitertum, Pubertät und das Erwachen von Zauberkräften, Feminismus und Hexerei – all das passt zeitlos gut zusammen, und wird aktuell z.B. im feministischen Hexen-Comic “Sabrina” souverän erzählt. “Harrow County” dagegen ist eine Klasse für sich: Statt ältere Comic-Käufer anzusprechen, können Ton, Blick, Zeichnungen hier auch Zwölf- bis Achtzehnjährige erreichen. Toll kindlich-zeitloses Design, toll jugendliche Ängste, toll erwachsene Psychologie.

In Band 1 wird Emmy klar, dass sie die Wiedergeburt einer Hexe ist – und am 18. Geburtstag geopfert werden soll. Band 2 bis 4 werden, trotz schlimmer Ausgangslage, immer warmherziger, differenzierter, heimeliger: Wie findet man seine Rolle – am Ort, an dem man leben muss oder will? Was kann man der Gemeinschaft geben – doch was dürfen Familie und Nachbarn auf keinen Fall verlangen? Ein Grusel- und Coming-of-Age-Märchen über Heimat, Armut, Rassismus, weibliche Selbstverwirklichung während der Weltwirtschaftskrise.

Schaurige Nostalgie, meisterhaft schlicht gezeichnet und koloriert. Einfach – aber niemals kindisch!

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13. Detective Comics
Autor: James Tynion IV, Zeichner: meist Eddie Barrows oder Alvaro Martinez
DC Comics, seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt “Detective Comics 934”.
13+ Hefte in 2+ Sammelbänden (und einem Crossover-Band namens “Night of the Monster Men”, der übersprungen werden kann), wird fortgesetzt.

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Kate Kane ist Batwoman. Tim Drake war Robin. Cassandra Cain und Stephanie Brown kämpften als Batgirl. Wer nur die Batman-Filme kennt, ist überrascht, wie viele Unterstützer*innen Bruce Wayne im Comic um sich schart – eigensinnige Stimmen in Gotham City, mit interessanten Konflikten, Weltanschauungen, Dynamik. Weil Batman selbst meist wortkarg, kalt, paranoid bleibt, leuchten solche Konstrastfiguren. Doch in den großen monatlichen Heftreihen, “Batman” und “Detective Comics”, werden sie meist ignoriert, und ihre eigenen Serien (Ausnahme: “Batwoman” und Stephanie Browns “Batgirl”) bleiben zu oft zweitklassig, nebensächlich.

Autor James Tynion liebt die “Bat-Family”, gab vielen Figuren schon in “Batman Eternal” eine bessere Bühne. Sein Neustart bei “Detective Comics” ist ein Fest, ein Schachspiel, ein Charakter-Drama, in dem nicht nur Bruce glänzen darf, sondern endlich auch die vielen heimlichen oder unbekannteren Helden.

Große Auftritte – und ein Miteinander, das ich mir als Fan seit fast zehn Jahren wünsche!

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12. The Fix
Autor: Nick Spencer, Zeichner: Steve Lieber
Image Comics, seit April 2016.
6+ Hefte in mindestens 2 Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Bitter wie “Fight Club”, und zynischer, unverschämter als jede Hochstapler- oder Buddy-Cop-Komödie, die ich kenne: Roy und Mac sind die lustlosesten, nachlässigsten Polizisten der Welt. Nebenher schmuggeln sie Drogen, überfallen Rentner. Doch auch das bemerkenswert schlampig, lapidar. Immer wieder sterben Menschen. Besonders tragisch, dringlich, spannend wird das nie. Fressen oder gefressen werden? Leben und leben lassen? Egal: Wozu groß reflektieren?

“The Fix” warf mich um. Weil Krimis die Ermittler oft als Idealisten zeigen, die Gauner als virtuose, ehrenvolle Künstler. Roy und Mac sind Stümper, die einfach keinen Bock haben, sich Mühe zu machen mit anderen Menschen – doch die dafür von Autor Nick Spencer nie besonders in die Ecke gedrängt oder bestraft werden: “The Fix” fragt nicht nach Moral, Verpflichtung. Sondern zeigt, wie man arbeitet – sobald man jeden Ehrgeiz verloren hat.

Krimi? Nein. Ein aggressiv lässiges Portrait zweier Nihilisten, denen ganz Los Angeles am Arsch vorbei geht.

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11. Nailbiter
Autor: Joshua Williamson, Zeichner: Mike Henderson
Image Comics, seit Mai 2014.
27+ Hefte in 5+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Geniale Autorinnen und Autoren? Unbezahlbar! Doch was ist mit den nüchtern kompetenten Genre-Handwerkern, Story-Ingenieuren, Fließband-Erzählern, Routiniers? Seit 25 Heften liebe ich die simple, packende Erzählweise von Joshua Williamson – an dessen Arbeit nichts besonders tief, markant, klug, ambitioniert wirkt. Doch bei dem alles wunderbar spannend, kompetent vor sich hin schnurrt: knallige Cliffhanger, schnippische Dialoge, klare Figuren.

Es geht um Buckaroo, einen kleinen Ort im regnerischen Oregon, aus dessen Bevölkerung aus unerklärten Gründen immer neue Serienmörder hervortreten. Ein FBI-Ermittler, ein weiblicher Sheriff und ihr Ex-Freund, der als Killer “Nailbiter” überführt wurde, stolpern durch immer blutigeren, absurderen, surrealen Irrsinn. “Akte X”, mit schnelleren Antworten. “Twin Peaks”, doch ohne jeden Anspruch, Kunst zu sein. Ein glatte, souveräne Reihe – ohne “Das Schweigen der Lämmer”-Ambitionen.

Viele Psycho-Thriller scheitern, weil sie schwülstige Thesen zur Natur des Menschen suchen. “Nailbiter” hält den Ball viel flacher. Doch trifft dabei fast jedes Mal!

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10. Gute Nacht, Punpun
Autor und Zeichner: Inio Asano.
Shogagukan, 2007 bis 2013.
147 monatliche Kapitel, gesammelt in 13 Sammelbänden, abgeschlossen (2016 auf Deutsch).

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Wir kennen die Klischees: junge Männer, die sich über Monate ins Zimmer sperren. Schülerinnen in Uniform – fetischisiert, aber angefeindet. Japans Jugend, zerfleischt oder deformiert durch Prüderie, Erfolgsdruck, “toxic masculinity”.

Inio Asano zeichnet toll fotorealistische Hintergründe – doch tragisch hässliche, rotznasige Kinder. Deshalb wirkt “Punpun” die ersten drei, vier Bände lang wie eine patzig parodistische Mischung aus Rotz und Zuckerwatte: die Grundschulzeit eines Außenseiters, seine Tagträume, eine große Liebe. Die mittleren Bände zeigen Einsamkeit auf Mittel- und Oberschule, und sind betörend klug, hart, melancholisch. Im letzten Drittel sind Verlierer Punpun und seine Flamme Aiko am Ende – ruiniert von schlimmen Eltern, Pädagogen, dem System. Asanos Comic ist ein dunkler, epischer Bildungs- und Fehlbildungs-Roman, an vielen Stellen grell oder sentimental. Aber auf jeder Seite: dringlich, packend, wahr.

Ach so – und während hier fast jeder sonst konventionelle Manga-Körper hat, sieht sich Punpun selbst als läppisches Cartoon-Vögelchen.

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9. Wonder Woman: The True Amazon
Autorin und Zeichnerin: Jill Thompson
DC Comics, September 2016
als Buch erschienene Graphic Novel, 128 Seiten; hat ein recht offenes Ende: Fortsetzung sehr wahrscheinlich.

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2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische “Wonder Woman”-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter.

Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und “True Amazon” wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 33, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten.

Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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8. The Vision
Autor: Tom King, Zeichner: Gabriel Hernandez Walta
Marvel Comics, November 2015 bis November 2016.
12 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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Viele Marvel-Helden haben seit den 40er, 50er, 60er Jahren monatliche Auftritte in einer oder mehreren Heftreihen – und deshalb heute absurd barocke Vorgeschichten. Die Kunst der zwölfteiligen, abgeschlossenen Reihe “The Vision”? Für Band 1 (Heft 1 bis 6) spielt das Vorleben der Figur keine Rolle. Und in Band 2 (Heft 7 bis 12), sobald wir den melancholischen Roboter, sein Umfeld, alle akuten Konflikte verstehen, spannt Autor Tom King dann doch plötzlich große Bögen durch Jahrzehnte Marvel- und “Avengers”-Historie.

The Vision ist ein Kunstmensch, der sich spontan eine eigene Familie konstruiert, in die Vorstadt zieht, Alltag im “Mad Men”- oder Norman-Rockwell-Stil durchleben will. Sein herbstliches Idyll zerbricht – und was mit alten, simplen Roboter-Fragen wie “Haben Androiden-Kinder echte Liebe, Androiden-Nachbarn echten Respekt verdient?” beginnt, wird in Band 2 zu einem überraschend reifen Liebes-Drama (und: Superhelden-Duell).

Autor Tom King tut gern besonders tiefgründig, avantgardistisch. Oft gaukelt er Komplexität eher vor – durch Zeitsprünge, Montagen. Hier aber wirklich: Treffer!

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7. Billy Bat
Autor und Zeichner: Naoki Urazawa
Kodansha, Oktober 2008 bis August 2016.
165 monatliche Kapitel, gesammelt in 20 Sammelbänden, abgeschlossen (auch auf Deutsch fast vollständig).

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Rätsel-Serien wie “Lost” beantworten eine Frage, doch werfen dabei zwei neue auf – und lange vor dem Finale haben viele Fans alle Geduld verloren. Der Historien-Thriller “Billy Bat” zeigt eine geheimnisvolle Fledermaus, die über Jahrhunderte immer neuen Menschen immer Neues bedeutet – als Totem und Symbol, als Comic-Held und Maskottchen. Und als verborgene Stimme im Kopf, die u.a. das Attentat auf John F. Kennedy vorherzusagen scheint. Naoki Urazawa erzählt eine Kulturgeschichte von Zeichenkunst und Comic, von Groschenheften, Vergnügungsparks, Perfektionisten wie Walt Disney. “Billy Bat” fragt, was eine Figur bedeuten kann, über Generationen und Grenzen hinweg. Und, wo sich Comic-Kultur und Kulturimperialismus überschneiden – besonders zwischen Japan und den USA.

Ein warmherziges, überraschendes Geflecht aus liebevollen, meist klugen japanischen und amerikanischen Leben: Künstler und Strategen, Zyniker und Fans, Kapitalisten, Idealisten, Kinder, Kindsköpfe… und viele ältere Männer, die zurück schauen auf die großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.

Schwer und verkopft? Nein: “Billy Bat” erzählt ein Riesen-Epos – in überraschenden, optimistischen Häppchen. (Nur bitte nächstes Mal: mehr Frauen!)

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6. Injection
Autor: Warren Ellis, Zeichner: Declan Shalvey
Image Comics, seit Mai 2015, nach jeweils 5 Heften längere Pause.
10+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Oft schreiben Comics schon schwarze Zahlen, sobald 5.000 Menschen ein Heft kauften. Deshalb können sie kantiger, seltsamer erzählen als Filme. Leider stammt Warren Ellis’ Verständnis von “kantig und seltsam” aus den 80er oder 90er Jahren: Paganismus, Cyberpunk, Hexerei, Verschwörungen, experimentelle Drogen… kein Ellis-Thema ist so crazy, mutig, originell, wie Ellis selbst zu glauben scheint – und darum war Band 1 von “Injection” ein zwar kluger, sympathischer globaler Ensemble-Fantasy-Techno-Thriller… aber eben: kein restlos origineller, gewitzter.

Die Reihe zeigt fünf brilliante (und großteils queere, bisexuelle) Forscher und Kollegen, die eine Erfindung – die Injection – in die Welt entließen, doch heute mit zunehmend monströsen Folgen ringen. Band 2 stellt Vivek in den Mittelpunkt, Millionär, Snob, Detektiv oder Exorzist (?) in Manhattan. Eine hochbegabte Sherlock-Holmes-Figur, bei der ich zum ersten Mal seit Jahren dachte: “Ja! Hier zeigt ein mindestens kongenialer Autor Methoden und Einfallsreichtum eines echten Genies.”

Ellis’ Versatzstücke, Puzzleteile sind oft nah am Klischee. Doch Ellis’ Gesamtbild und die Erzählweisen hier? Einzigartig. Unerhört originell!

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5. Die Stadt, in der es mich nicht gibt
Text und Zeichnungen: Kei Sanbe
Kadokawa, Juni 2012 bis März 2016.
44 monatliche Kapitel, gesammelt in 8 Sammelbänden, abgeschlossen (auch bald auf Deutsch). Fünfteiliger Epilog im Dezember 2016 abgeschlossen.

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“Vertraute Fremde”, ein Mainstream-Bestseller von Jiro Taniguchi, folgte einem Mann über 50, plötzlich zurück im Körper seines 14jährigen Ich. Kei Sanbe zeigt ein ähnlich melancholisches Zeitreise- und Kindheits-Drama – aber als Krimi: Pizzabote Satoru, Ende 20, wird in der Zeit zurück geworfen, oft nach kleineren Unfällen oder Verletzungen, und hat meist wenige Minuten Zeit, sie zu verhindern. Als seine Mutter ermordet wird, erlebt er einen drastischeren Zeitsprung: Er ist zurück im kalten Hokkaido, im Winter seines zehnten Lebensjahrs, über Monate gestrandet. Eine Mitschülerin wurde damals ermordet; der Täter wurde nie gefasst.

Lange wirken die Zeichnungen zu schlicht, naiv. Band 1 dreht sich banal im Kreis. Erst spät wird klar: Hier wird eine Mutter-Sohn-Geschichte über Courage, Vertrauen, soziales Engagement gezeigt, mit vielen starken, komplexen Frauen, Wärme, Lebensweisheit und einem raffinierten Katz-und-Maus-Spiel durch mehrere Zeitschleifen und -stränge. Ich hoffe, Autor (oder Autorin?) Kei Sanbe wird noch weiter über die verzweigenden Lebensläufe und schweren Entscheidungen der Figuren erzählen.

Simple Grundidee – doch endlos interessante Abzweigungen, Chancen, Varianten. Ab Band 2 wird das zum kleinen Wohlfühl-Meisterwerk.

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4. Darth Vader
Autor: Kieron Gillen, Zeichner: Salvador Larroca
Marvel Comics, Februar 2014 bis Oktober 2016.
26 Hefte (und das gelungene Crossover “Vader Down”), gesammelt in 4 (+1) Sammelbänden, wird mit der Spin-Off-Reihe “Doctor Aphra” fortgesetzt.

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Seit 2014 erzählen “Star Wars”-Romane und -Comics neue, offizielle Geschichten mit den alten Figuren. Jason Aarons Heftreihe “Star Wars” blieb hölzern. Doch Kieron Gillens “Darth Vader” wurde zum unerwarteten Highlight (…auch einen Blick wert: die Reihen “Han Solo” und “Poe Dameron”). Zeichner Salvador Larroca liebt Blaupausen, filigrane Technik; Autor Gillen herben Sarkasmus, dramatische Ironie, Realpolitik.

Dr. Aphra, eine gerissene Archäologin, kam so gut an, dass sie Ende 2016 ihre eigene Reihe erhielt. Auch die blutrünstigen Droiden BT-1 und 0-0-0 fanden Fans. Doch trotz zahlloser Szenen, die nur die Niedertracht, Kaltschnäuzigkeit aller Figuren ausstellen, bleibt schwarzer Humor kein Selbstzweck: Wie lebt, laviert, paktiert man als wichtiges, aber unbeliebtes Zahnrad in einem totalitären System?

Statt Vader zu vermenschlichen oder zu feiern, zeigen fünf kluge, knallige Bände, wie autoritäre Despoten allen schaden – den Machtlosen, der Welt, sich selbst.

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3. The Fade Out
Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, August 2014 bis Januar 2016.
12 Hefte, gesammelt in 3 Sammelbänden, abgeschlossen.

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Ed Brubaker ist großer Krimi-Liebhaber und -Experte, und will in seinen Comics oft Stimmungen und Ton einer vergessenen Ära oder Vorlage treffen. Zwei Bände lang wirkt “The Fade Out” wie eine solche Hommage – auf den Film Noir der späten 40er Jahre, “Sunset Boulevard” und Raymond Chandler, auf bittere Verlierer im Sündenbabel Hollywood, die spät begreifen, dass sie für immer Spielfiguren bleiben zwischen Studiobossen, Mafiosi, Femmes fatales.

Dass Brubaker hier nicht nur aufwärmt, spielt, wird im finalen Band 3 beglückend offensichtlich: Was als guter Comic für Nostalgiker begann, wächst zu einem Stück Kunst, das wirklich jeder mit Gewinn lesen kann. Denn statt Figuren nur als Kanonenfutter hin und her zu schieben, zeigt Brubaker die großen Archetypen der McCarthy-Ära in einer Tiefe, Wärme, Farbigkeit, auf die ich nicht vorbereitet war. Ein Denkmal an mutige, gebrochene Menschen im LA der Studio-Ära.

Gewann den Eisner Award 2016. Freut jeden, der alte Krimis mag. Und verführt jeden, der Krimis nie sehr mochte!

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2. Invisible Republic
Text: Corinna Bechko und Gabriel Hardman, Zeichnungen: Gabriel Hardman
Image Comics, seit März 2015.
13+ monatliche Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Verwaschene Farben. Ein passiver, hasenfüßiger Reporter ohne Esprit, Geist, Witz. Die arg pompöse Grundidee: Revolution auf einer fernen Kolonie der Erde, und eine Gegenrevolution, 40 Jahre später. Straßenschluchten, Nieselregen, brutalistische Betonbauten – als hätte man “Blade Runner” ohne großes Budget in einer Hertie-Filiale in Stuttgart gefilmt, im November 1980. “Invisible Republic” startet freudlos. Nie wirkte epische Science-Fiction prosaischer.

Doch meine Gewissheit, hier etwas ganz Besonderes, Einmaliges zu lesen, wächst: In jeder Geschichte, die auf historisch realen Freiheits- oder Klassenkämpfen fußt, schwingt Pathos oder linke Heldenverehrung, Parteilichkeit, Patriotismus. “Invisible Republic” kann das umschiffen – durch das besondere Setting: Wären all diese Partisanen und Agitatoren, Rebellen, Linksterroristen und Whistleblower in Prag, auf Kuba oder in Ost-Berlin, zu viele Menschen würden beim Lesen säuseln: “Prag! Kuba! Ost-Berlin! Schon auch eine schöne, hoffnungsvolle Zeit!”

Der blutige Freiheitskampf einer Kolonie. Und 40 Jahre später: das Ende einer Diktatur. So analytisch, pathosfrei, reflektiert erzählt, wie bei einer Erden-Nation niemals möglich.

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1. Panter
Autor und Zeichner: Brecht Evens.
Deutsch bei Reprodukt.
120 Seiten, abgeschlossen.

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Sollen wir das putzig finden? Christine ist traurig, weil ihre Katze starb – und entdeckt plötzlich einen neuen besten Freund: ein wilder, farbenfroher, charismatischer Panther springt aus ihrer Kinderzimmmer-Kommode und überredet sie, zu albern, zu kuscheln und zu flirten. Tier und Mensch, Alt und Jung, Groß und Klein – so innig wie Otto und Benjamin Blümchen, Calvin und Hobbes, Pete und das Schmunzelmonster.

Was aber wollen diese aggressiv drolligen Gestalten eigentlich von Kindern? Welche Balus wünschen sich einen Mogli – und wozu? “Panter” ist eine viel zu bunte, kuschelige, munter-bezaubernd-manipulative Graphic Novel über ein Kind, das umworben wird – von einem kunter-tupfig-lustig-bunten, allerliebsten… Raubtier.

Freundschaft? Nein. Der Belgier Brecht Evens zeigt die Dynamiken von Grooming, Missbrauch, sexueller Gewalt.

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und:

Gefeierte US-Reihen wie “Saga”, “Lazarus”, “Ms. Marvel” und “Southern Bastards” veröffentlichten auch 2016 neue Hefte und Sammelbände, auf gewohnt hohem Niveau. Auch der Manga “I am Hero” überzeugt seit Jahren.

Die besten Mangas: 50 Empfehlungen

Die besten Manga

Seit Anfang Februar habe ich über 500 Manga-Reihen angelesen.

Aktuelles – aber auch sehr viele Klassiker, vor allem für erwachsene Männer und Frauen.

Ein Drittel erschien auf Deutsch. Der Rest auf Englisch – zum Teil online, als Fan-Übersetzung.

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Für Deutschlandradio Kultur stelle am 8. März 2016 im Literaturmagazin Lesart sechs aktuelle Favoriten vor: Serien, die 2016 auch auf dem deutschen Buchmarkt eine Rolle spielen.

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Heute im Blog: 50 Mangas, die mir bei der Recherche auffielen oder schon länger auf meiner “bald lesen!”-Liste stehen.

15 Titel, die ich las und empfehlen kann.

42 Titel, die ich angelesen habe und auf die ich mich freue.

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gelesen und gemocht – ein Ranking:

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15: “Pluto” von Naoki Urasawa

Pluto

“Eine ideale Welt, in der Menschen und Roboter friedlich koexistieren. Doch plötzlich macht jemand Jagd auf die sieben großen Roboter. Interpol setzt den in Düsseldorf ermittelnden Inspektor Gesicht auf den äußerst komplexen Fall an – bis Gesicht erkennt, dass er selbst zu den Gejagten gehört. PLUTO ist eine Neuinterpretation einer klassischen “Astro Boy”-Geschichte: futuristische Spannung für Erwachsene.” [Klappentext, gekürzt]

  • toll gezeichnet; doch etwas hölzern, trocken, umständlich und sentimental:
  • Ich mag keine Roboter-Helden, so lange sie dauernd um die Pinocchio-Sinnfrage kreisen: “Bin ich, obwohl nur Maschine, ein richtiger Junge?”
  • “Pluto” ist düsterer und wirkt auf den ersten Blick philosophisch, gesellschaftskritisch. Doch so gern ich es las: Es stapft in ALLE befürchteten Roboter-Kitschfallen und -Klischees.

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14: “Ooku – the Inner Chambers” von Fumi Yoshinaga [nicht auf Deutsch]

Ooku

“In Edo period Japan, a strange new disease called the Red Pox has begun to prey on the country’s men. Within eighty years of the first outbreak, the male population has fallen by seventy-five percent. Women have taken on all the roles traditionally granted to men, even that of the Shogun. The men, precious providers of life, are carefully protected. And the most beautiful of the men are sent to serve in the Shogun’s Inner Chamber…” [US-Klappentext, gekürzt]

  • ein stilsicherer, sehr sprach- und dialoglastiger Alternate-History-Manga über ein Kaiserreich, von Frauen regiert und die komplexen Gender Politics, sobald Männer überall fehlen.
  • Ich liebte Band 1 – doch mit Band 2 beginnt eine viel zu lange Rückblende und zu viele Figuren verheddern sich an zu vielen Fronten: Nur Band 1 kann ich, für sich allein, sehr empfehlen. Ob die komplette Buchreihe die Kurve kriegt, weiß ich noch nicht.

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13: “Young Bride’s Story” von Kaoru Mori

Young Brides Story

“Die Seidenstraße im späten 19. Jahrhundert: Die zwanzigjährige Amira wird von ihrem Clan zu einer Familie jenseits der Berge geschickt, damit sie deren zwölfjährigen Sohn Karluk heiratet. Nach der Hochzeit fügt sich Amira schnell in ihre neue Familie ein. Doch dann beschließt ihr Clan, sie zurückzufordern, da sie mit Amira andere Pläne haben…” [Klappentext, gekürzt]

  • ruhiger, warmherziger, toll gezeichneter Historien-Manga über Haushaltsführung, Heiratsbräuche und Hirten-Großfamilien, meist kindgerecht, oft sehr gut gelaunt und gefühlvoll. Amira ist eine tolle Hauptfigur, und die Dynamik mit ihrem (keuschen) 12jährigen Ehemann macht Spaß.
  • die Reihe gerät aus den Fugen, weil Amira zwar Hauptfigur bleibt, doch ab Band 3 oft über komplette Sammelbände hinweg andere Bräute an ganz anderen Orten im Mittelpunkt stehen: eine verzweifelte Nomaden-Witwe, ungehobelte Zwillingsbräute am Aralsee, eine melancholische reiche Frau in Persien. Die albernen Zwillingsbraut-Bände, 4 und 5, waren unerträglich.

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12: “Homunculus” von Hideo Yamamoto

Homunculus

“Gibt es ihn vielleicht doch, den Homunculus: den kleinen Mann im Kopf eines jeden Menschen, der – so glaubte man früher – Geschicke und Gefühle steuert? Der Medizinstudent Manabu Ito bietet dem Arbeitslosen Susumu 700.000 Yen – wenn Susumu ihm ein Loch in den Schädel bohren darf. Eine Trepanie.” [Klapptentext, gekürzt]

  • Band 1 las ich mit Schüttelfrost und Gänsehaut, atemlos:
  • am besten, man weiß sonst nichts über die weitere Handlung.
  • Band 2 war konventioneller, küchenpsychologisch. Ich weiß nicht, ob ich je weiterlesen will. Für sich allein ist Band 1 ein wunderbarer, toll gezeichneter kleiner Alptraum.

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11: “The Nao of Brown” Glyn Dillon [deutsch: “Das Nao in Brown”]

nao of brown

“Nao Brown schlägt sich als Illustratorin durchs Leben und ist auf der Suche nach der großen Liebe. Zudem leidet sie unter einer Zwangsstörung. Als sie endlich dem Mann ihrer Träume begegnet, muss sie feststellen, dass Träume sehr seltsam sein können.” [Klappentext, gekürzt]

  • Graphic Novel aus Großbritannien über eine junge Halbjapanerin auf der Suche nach sich selbst: toll gezeichnet und viel sperriger, psychologischer, als der kitschige Klappentext vermuten lässt.

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10: “Twin Spica” von Kou Yaginuma

Twin Spica (Japan)

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Twin Spica, Volume: 01[mehr] Asumis Mutter starb 2010 – als die Lion, das erste Space-Shuttle Japans, auf ihre Heimatstadt stürzte. Trotzdem will Asumi Astronautin werden; unterstützt von ihrem depressiven Vater – und dem Geist eines verglühten Lion-Astronauten.

„Twin Spica“ wirkt simpel und süßlich. Die kleine, kindliche Asumi sieht aus wie Heidi, jede Figur hat ein rührseliges Trauma, kurz dachte ich: für Zehnjährige, höchstens – oder Fans vom „kleinen Prinz“. Doch Leitmotive, Bildsprache, Psychologie und Stimmungen werden so geschickt verwebt… mit jedem Band (ich kenne sechs von 16) wird diese zarte Coming-of-Age-Geschichte trauriger, ernster, klüger, subtiler.

Mut zum Melodrama: das Kitschig-Schönste, das ich seit Jahren las. Hach!

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9: “Gute Nacht, Punpun” von Inio Asano

punpun

“Aiko kommt in Punpuns Klasse, und Punpun in die Pubertät. Sein Vater ist gewalttätig, seine Mutter psychisch labil, Punpun selbst sieht sich als kümmerliches, vogelartiges Wesen. Er will Astronom werden und entflieht in Fantasiereisen dem Elternhaus. Von ca. zwölf bis Anfang 20 durchlebt er mit seinen Klassenkameraden typische Coming-of-Age-Probleme: erwachende Sexualität, emotionale Verwirrung, Einsamkeit.” [Klappentext, gekürzt]

  • Ein Schuljunge, der sich so sehr verachtet, dass er sich selbst als kümmerlichen Vogel sieht…
  • …wird von (zum Teil sehr albernen, überzeichneten) Figuren herumgestoßen, missverstanden, erschreckt oder verletzt. Für eine Weile bleibt das selbstbezogen-süßlich:
  • Asanos Landschaften, Hintergründe, Perspektiven und sein erzählerisches Timing sind großartig – doch mir missfallen die rotznasigen, sommersprossigen, zahnlückigen Alfred-E.-Neumann-artigen Kinderfiguren, und ich hasste Asanos Graphic Novel “Solanin”: Dort führten Rotzlöffel-Studenten unsympathisch flache, selbstbezogene Generations-Gespräche im Stil des Neon Magazins.
  • “Punpun” will keine solche Generations-Erfahrung zeigen, kein jammerlappiges, möglichst allgemeingültiges Jungs-Buch sein über Scheiß-Mädchen, die nicht zurückrufen: Punpun wird vom 08/15-Außenseiter schnell zum pathologisch gestörten Einzelgänger… und kämpft 13 Bände lang mit Depressionen, Scham, Gewaltphantasien und Sprachlosigkeit. Je kantiger (und weniger generationenhaft, gewollt allgemeingültig) die Figur wird, desto besser wird das Buch.
  • Nur ganz am Ende kippt der Plot ins Melodramatische, die Ereignisse überschlagen sich, plötzlich wirken alle Figuren schwer gestört, und alles brennt. Ohne Band 1, ohne Band 11, 12, 13 wäre “Punpun” der vielleicht beste Manga, den ich kenne. Asano hilft mir, Japan zu sehen – in großartigen Zeichnungen. Und, Japan zu verstehen – in komplexen Figuren, absurden Szenen. Wer Banana Yoshimoto mag oder Haruki Murakamis “Naokos Lächeln” und “IQ84”: lesen!

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8: “Vertraute Fremde” von Jiro Taniguchi (ich mochte auch “Der spazierende Mann” und “Von der Natur des Menschen”)

vertraute fremde

“Hiroshi Nakahara besucht das Grab seiner Mutter, fällt in eine Art Ohnmacht – und findet sich in seinem Körper als 14-jähriger wieder. Er beginnt, das Leben als Teenager in den 1960er Jahren zu führen, mit dem Wissensstand des Erwachsenen. Er will herausfinden, was nicht stimmte im scheinbar harmonischen Elternhaus: Im Sommer 1963 verließ sein Vater die Familie, ohne Ankündigung.” [Klappentext, gekürzt]

  • simpel, nostalgisch, mit einer wunderbaren Grundidee:
  • Ich empfehle den Manga vor allem Neu- und Weniglesern. Er ist geradlinig, übersichtlich, die detaillierten Zeichnungen zeigen das ländliche Japan…
  • …doch an vielen Stellen – vor allem auch: sexuell – wünschte ich mir mehr Tiefgang, kritische Fragen, Figurenentwicklung. Und: wie absurd, dass es eine Verfilmung gibt – in der Japan keine Rolle spielt.

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7: “Honey & Clover” von Chica Umino

honey clover

“Die Kunststudenten Yuta, Takumi und Shinobu wohnen in einem kleinen, schäbigen Apartmenthaus und leben von der Hand in den Mund. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als ihnen ihr Dozent Hagumi vorstellt. Das kindliche Mädchen [eine Künstlerin] verzaubert Yuta auf den ersten Blick. Doch auch Shinobu findet Gefallen an ihr. Takumi ist in die Architektin Rika verliebt, die ihren verstorbenen Ehemann nicht vergessen kann.” [Klappentext, gekürzt]

  • drei Jungs, zwei Mädchen, alle auf der selben Kunsthochschule und gut befreundet:
  • ein Manga über zwei, drei Jahre als Student, während denen Freundschaften wachsen und sterben, Selbstbilder bröckeln, erste Karriere-Ideen entstehen, Menschen sich neu erfinden.
  • “Honey and Clover” zeigt trinkfreudige, alberne, sehr extrovertierte Figuren…
  • …und bremst den Cliquen-Spaß immer wieder ab: eine melancholische, überraschend tiefgehende Reihe mit ähnlichen Themen/Fragen wie “Scott Pilgrim”, aber noch mehr Herz. Romantisch, aber melodrama-frei. Lebensfroh, aber mit glaubwürdigen, oft unglücklichen Freunden. Simpel gezeichnet, aber sehr souverän erzählt. Empfohlen ab ca. 12. Und: für jeden, der kreative Studiengänge kennt.

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6: “Die Stadt, in der es mich nicht gibt” von Kei Sanbe

Stadt in der es mich nicht gibt

“Satoru Fujinuma wird unerwartet in die Vergangenheit geschickt – für jeweils wenige Minuten und so oft, wie es nötig ist, um Verbrechen zu verhindern. Er hat sich mit diesem Lebensstil abgefunden. Doch plötzlich erlebt Satoru eine extreme Wiederholung: Er wird in seine Zeit als Grundschüler zurückgeschickt. Damals wurden Kinder aus seiner Klasse entführt und umgebracht. Schafft er es, die Entführungen zu verhindern?” [Klappentext, gekürzt]

  • Der Zeichenstil (wenige Details, seltsame Augen, Lippen, Kopfformen) wirkt lieblos…
  • …und dem kompletten ersten Band fehlt Schwung.
  • Ab Band 2 aber gewinnen Figuren und Geschichte so viel Farbe, Tiefgang, dass ich mir sicher war: Das kann auch über 30 Bände hinweg glänzend funktionieren. Ein schlichtes, aber eindrückliches Setting, ein überzeugend eskalierender Krimi-Plot, ein Autor, der an jeder Stelle GANZ genau zu wissen scheint, was er tut. Und: fünf, zehn Figuren, die simpel wirken, doch sehr schnell liebenswürdig, schlagfertig, immer komplexer werden. Grundschülerinnen, Teenager, Mütter, die ich SO noch nie gelesen habe, in Mangas.
  • Mit anderem Zeichenstil wäre die Reihe Publikumsliebling, Crowdpleaser, ein perfektes Geschenk.
  • Update, 2017: der Epilog – Band 9 – ist nicht nötig… aber schön: eine gute Reihe mit stimmigem Ende.

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5: “Sakamichi no Apollon” (Kids on the Slope) von Yuki Kodama [nicht auf Deutsch]

Sakamichi no Apollon (Japan)

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Sakamichi No Apollon: 10 (Bonus Track)[mehr] Oft brauchen Manga-Reihen eine Weile, um Stimmung und Ton zu treffen: Die Eröffnung bleibt meist unbeholfen. Überfrachtet.

Bei „Kids on the Slope“ (englischer Titel der Anime-Adaption) war ich nicht sicher, ob ich in einer schwulen Romanze stecke, einer Pennäler-Komödie im Retro-Look oder mitten im Kampf zweier ungleicher Schüler – ein verzärtelter Nerd, ein bettelarmer Raufbold – um das selbe Mädchen. Alle (männlichen) Figuren spielen in einer Jazzband. Doch Jazz-Exkurse bleiben nebensächlich.

Nein. „Sakamichi no Apollon“ (nur als Fan-Übersetzung online lesbar) ist die Geschichte einer (lebenslangen?) Freundschaft. Die späten 60er Jahre in der japanischen Provinz. Enge Rollenbilder. Armut. Der Mut, von etwas zu träumen. Zu jemandem zu stehen – behutsam inszeniert im simplen Retro-Zeichenstil.

Ein langsames, zärtliches, schlichtes Coming-of-Age – oft witzig und zum Heulen schön. Ohne große Abgründe, Effekte, Pomp.

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4: “Billy Bat” von Naoki Urasawa

Billy Bat

“USA, 1949: Kevin Yamagata, Amerikaner japanischer onHerkunft, ist Schöpfer der Comic-Reihe »Billy Bat«. Hauptcharakter ist eine Fledermaus, der Comic ein Stil-Mix aus klassischen Disney- und Noir-/Detektivcomics. Plötzlich erfährt Kevin, dass es die Fledermaus-Figur in Japan schon lange geben soll. Hat er »Billy Bat« gar nicht selbst erfunden? Kevin reist nach Japan, um sich für den “Ideenklau” zu entschuldigen. Doch er gerät in einen Strudel dramatischer Ereignisse, die [das komplette 20. Jahrhundert] auf den Kopf stellen.” [Klappentext, gekürzt]

  • Verschwörungen. Religion. Selbstverwirklichung. Kreativität. Schicksal. Quantenmechanik:
  • Ein literarischer, fesselnder Manga mit über 20 Hauptfiguren, Zeitsprüngen (und -Reisen?) durchs 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart und Flashbacks bis in die Steinzeit, ambitioniert wie z.B. “Lost” – doch viel klarer, flüssiger.
  • Ein Riesen-Panorama über das schwierige Verhältnis zwischen den USA und Japan, Kulturimperialismus, Walt Disney, Verschwörungstheorien wie das JFK-Attentat oder 9/11… mit sehr menschlichen, oft scheiternden Figuren (viele Immigranten, biracial Characters)…
  • …und einer sprechenden Fledermaus-Zeichnung – ein Totem, ein Avatar? – die versucht, die Geschichte der Menschheit… aufzuhalten? Zu stören? Neu zu schreiben? Der Thriller braucht zwei, drei Bände, um in Fahrt zu kommen. Nicht alle Storylines funktionieren sofort. Doch ich kenne keine zweite SO ambitionierte, souveräne und eigensinnige Riesen-Geschichte. Allergrößtes Kino!
  • Update, 2017: das Ende wirkt etwas überstürzt, ich hätte die Figuren (vor allem Kevin Yamagata) gern noch länger begleitet. Trotzdem: runde Sache!

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3: “I am a Hero” von Kengo Hanazawa

I am a Hero (Japan)

“Der Mangazeichner-Assistent Hideo führt kein glückliches Leben. Ihm fehlt es an Selbstbewusstsein und Motivation, außerdem ist er paranoid und schizophren. Die Ermutigungsversuche seiner Freundin, seinen eigenen Manga zu zeichnen, schlagen auch nicht an. Immer, wenn es schwierig wird, flüchtet Hideo aus der Realität und sucht Rat bei seinem imaginären Freund. Mit der Zeit werden seine Wahnvorstellungen immer schlimmer. Er sieht eine Frau, die überfahren wird und mit gebrochenem Genick aufsteht und weitergeht. Doch handelt es sich wirklich um Wahnvorstellungen…?” [Klappentext, gekürzt]

[mehr] Die ersten 200 Seiten sind hart: Ein misogyner, phlegmatischer, recht dumpfer Manga-Assistent steckt im Alltag fest – und redet unsympathischen Stuss. Die nächsten 200 Seiten, Band 2, sind wirr: Passanten beißen sich gegenseitig, Zombies überrennen Tokio, alles bricht zusammen. Noch in Band 3 war mir nicht klar, ob ich einen Zombie-Thriller lese, über eine Zombie-Komödie und -Parodie lachen soll oder nur die Fehler einer verpeilten, passiven, selbstmitleidigen Hauptfigur zählen: eine Art „Girls“ oder „Louie“, ein Woody-Allen-Film… mit Zombies?

„I am a Hero“ ist langsam. Oft hässlich, unsympathisch, grotesk. Alle Figuren sind überfordert und distanziert. Nichts gelingt. Man schwimmt bis zu 800 Seiten am Stück mit neurotischen, fremden Menschen in stillen, bedrohlichen, verwirrenden Szenen – in denen jederzeit alles eskalieren kann.

Fotorealistisch gezeichnet. An vielen Stellen zum Schreien spannend. Ein toller Blick auf Alltagskultur, Moral, Ethos, Sexismus, Twenty- und Thirtysomething-Defekte, Versagensängste in Japan. Ein Freund las die ersten Bände und sagte: „Ich sehe da nichts als Trash.“

Ich sehe: eine unerträgliche Figur in einer unerträglichen Geschichte – die mich begeistert, überfordert, angeekelt und beglückt hat wie keine andere Erzählung seit Jahren. Vergleichbar vielleicht mit „Geister“ von Lars von Trier. Aber eben: schleppend, langsam, viel richtungsloser.

Ich bin in Band 16. Ein Ende/Finale ist langsam absehbar (noch zwei, drei Jahre?).

Falls es auf diesem Niveau endet, ist es ein Meisterwerk.

Update, 2017: Es endet leider recht abrupt und antiklimatisch: Ich empfehle, nur bis einschließlich Band 19 zu lesen, und dann abzuwarten. Vielleicht wird die Reihe irgendwann fortgesetzt?

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2: “Bakuman” von Tsugumi Ohba (Text) und Takeshi Obata (Zeichnungen)

Bakuman

“Er hat Talent, ist fleißig und will es schaffen: Mittelschüler Moritaka will Shonen-Mangas zeichnen.” [Klappentext, gekürzt]

  • Ein Schuljungen-Manga über Schuljungen, die alles tun, um einen erfolgreichen Manga fürs Schuljungen-Publikum zu schreiben. Beginnt durchwachsen/überfrachtet, wird aber ab ca. Band 3 dicht, warm, sympathisch, lehrreich und spannend.
  • Man lernt viel über die Arbeitsbedingungen von Genre-Autor*innen, die Arbeit in Verlagen, den Alltag als Künstler. Mashiro zeichnet, Schulfreund Akito schreibt… und ihre Freundschaft/Arbeitsdynamik wird intelligent und liebevoll beleuchtet.
  • Seitenlang geht es – ausführlich, aber immer plausibel und überraschend nuanciert – um Konzeptentwicklung und Zielgruppen, Erwartungen, Handwerk, Serien-Dramaturgie.
  • nicht überzeugend: die passiven, viel zu verunsicherten Frauenfiguren.

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1: “Yotsuba&!” von Kiyohiko Azuma

Yotsuba

“Die Familie Ayase lebt in einer kleinen und ruhigen Vorstadtgegend. Bis Yotsuba mit ihrem allein erziehenden Vater ins Nachbarhaus zieht. Das Mädchen mit den grünen Haaren bringt die drei Ayase-Töchter mit seiner unschuldig-chaotischen und neugierigen Art in peinliche, komische und verwirrende Situationen. Und ist so liebenswert, dass ihr niemand lange böse sein kann…” [Klappentext, gekürzt]

  • toll für Kinder, toll für Eltern, toll selbst für Menschen, die nie einen Manga lasen:
  • für Fans von “Calvin & Hobbes”, vielleicht auch Astrid Lindgren.
  • Band 1 wirkt etwas steif, banal… doch sehr schnell überzeugen mich die harmlosen, warmherzigen, charmanten Alltags-Episoden über ein energisches fünfjähriges Mädchen, ihre konventionelleren Nachbarn und ihren Vater, einen entspannten Übersetzer.
  • Die bisher 12/13 Bände sind auch einzeln/kapitelweise gut lesbar und verständlich – und empfehlen sich auch als Kinder-Gutenachtgeschichte oder Lesebuch für ca. Zweitklässler. Menschlich, klug beobachtet, kitsch-frei.

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angelesen, gutes Gefühl (kein Ranking):

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16: “Nausicäa aus dem Tal der Winde” von Hayao Miyazaki

nausicaa

“Set in the far future, the Earth is radically changed by ecological disaster. Strange human kingdoms survive at the edge of the Sea of Corruption, a poisonous fungal forest. Nausicaa, a gentle young princess, has a telepathic bond with the giant mutated insects of this dystopia. Her task is to negotiate peace between kingdoms battling over the last of the world’s natural resources.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ich liebe den Film von 1984
  • …weil er eine simple Geschichte erzählt, in einer wunderbar komplexen Welt.
  • Diese – toll designte, klug konstruierte – Welt noch einmal ausführlich kennen lernen und verstehen, im Manga? Unbedingt, ja!

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17: “Inside Mari” von Shuzo Oshimi

Inside Mari

“Isao Komori is a recluse shut-in. He is in love with a young schoolgirl he sees when he goes to the convenience store to buy food. One day, he suddenly finds himself in the body of Mari Yoshizaki, the very girl he is so fond of stalking. The story deconstructs body swap stories by showing that an actual body swap would probably be utterly terrifying to the victims.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Körpertausch – in psychologisch, kafkaesk… und feministisch?
  • Die Anspannung und Angst der Figuren ist schon auf wenigen Seiten SO greifbar: Ich freue mich auf ein Stück japanischen Alltag. Und viele existenzielle, groteske “Outer Limits”-Momente.
  • Update, 2017: komplett gelesen. Warmherzig, gesellschaftskritisch, solide erzählt.

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18: “FLCL” von Hajime Ueda

flcl

“Naota is a lonely boy in a lonely town living a quiet life amidst utter chaos. His brother left to play baseball in America, and now the brother’s ex-girlfriend won’t leave Naota alone. Then, from beyond the stars drops an impish defender sent forth to stop alien robots from destroying the Earth.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • Der Plot klingt zweitklassig. Die Hauptfigur lässt mich kalt…
  • …doch ich liebe “Neon Genesis Evangelion” und hoffe, “FLCL” ist ähnlich experimentell, mitreißend, überraschend, hässlich, gefühlvoll.
  • falls nicht: auch “Serial Experiments Lain” (1998, Serie) macht mir Hoffnungen.

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19: “Ghost in the Shell” von Masamune Shirow

ghost in the shell

“Major Kusanagi is charged to track down the craftiest and most dangerous terrorists and cybercriminals, including ghost hackers.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • 1999, kurz nach “Matrix”, langweilte mich die Film-Version
  • …und hier, beim Blättern, irritieren mich die Ballonbrüste und der viele Slapstick.
  • Rüstungen, Waffen, Maschinen und Gebäude aber sind so liebevoll gestaltet, und die Erzählwelt wirkt so politisch… ich verpasse etwas, falls ich das nicht endlich lese.

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20: “Biomega” von Tsutomu Nihei

biomega

“Zouichi and Fuyu, an Artificial Intelligence integrated into his motorcycle, are looking for humans immune to N5S infection, a disease that turns humans into undead disfigured “Drones”. Zouichi wants to find Yion Green, an immortal 17-year-old girl. But then, Yion is kidnapped.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Auch hier klingt die Geschichte abgedroschen…
  • …doch die Cyberpunk/’Mad Max’-Welt ist toll gezeichnet…
  • …und statt Krawall zählen oft kleinere Szenen, zwischenmenschliche Momente.

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21: “Desert Punk” von Masatoshi Usune

Desert Punk

“After a nuclear holocaust, Japan, like many other countries, has been reduced to a desert. Seventeen-year-old Kanta Mizuno, nicknamed Desert Punk, works as a mercenary for the Handyman Guild between his occasional obsession with big boobs and sex, and, later, his training of an apprentice named Kosuna. Despite his flaws, he is highly professional, accomplishing his task no matter the cost.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • eine gute Balance zwischen Humor, Survival, Action und Psychologie:
  • glaubwürdige Figuren, sehr atmosphärische Endzeit-Welt
  • …könnte auch auf Tatooine spielen.

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22: “A Girl by the Sea” / “Mädchen am Strand” von Inio Asano

Girl by the Sea

“Koume lebt in einer kleinen Stadt am Meer. Ihr introvertierter Freund Keisuke ist in Koume verliebt. Ihre Körper finden zueinander, noch bevor es die Gefühle tun. Je mehr Zeit sie heimlich miteinander verbringen, desto größer wird der Abstand zwischen ihnen.” [Klappentext, gekürzt]

  • Wie immer bei Asano: puppenhafte, hässliche Figuren…
  • …in hyperdetaillierten, großartigen Sets und Szenenbildern.
  • Ein kurzer Manga, griffiger als “Punpun” – aber vielleicht zu süßlich?

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23: “Beck”, Sakuishi Harold

beck

“Shy 14-year-old Yukio Tanaka’s life is changed forever when he meets rocker Ryusuke Minami – an unpredictable 16-year-old with a cool dog named Beck.”[US-Klappentext]

  • Gemächlicher und etwas schicht gestrickter Jungs-Manga über eine Newcomer-Band.
  • Viel Raum für schräge Nebenfiguren und Humor. Wirkt flach, aber sympathisch.

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24: “Umimachi Diary” von Akimi Yoshida

umimachi diary

“Three sisters live in Kamakura. A letter tells them that their father has died – a father they hadn’t seen since he divorced and left home 15 years ago. Despite feeling indifferent about him, Yoshino, the middle of the three, and Chika, the youngest, go to Yamagata to attend his funeral on oldest sister Sachi’s request. There, they meet Suzu, their young and reliable half sister.”

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25: “Kakukaku Shikajika” von Akiko Higashamura

kakukaku

“Akiko is in her third year of high school. Through her friend Futami, she starts going to an art class led by Kenzou Hidaka, an intimidating teacher who spends much of his time yelling at his students and keeping them focused on drawing. Akiko is initially confused by the behavior of the teacher and her fellow students in the class, but she keeps going regardless, eventually becoming the manga author she is today.” [Mangafox-Text, gekürzt]

  • autobiografischer Manga der “Princess Jellyfish”-Autorin: Kunst, Provinz, eine Schülerin und ihr schwieriger Mentor.
  • Ich bin – wie schon bei “Princess Jellyfish” – unsicher, ob die Balance zwischen Humor und Gefühl stimmt: Die Figuren wirken eher albern, die stilleren Momente zu sentimental. Trotzdem: Neugier.
  • Update, 2017: komplett gelesen. Der erste Band startet recht holprig… doch ich werde diese Figuren NIE vergessen. Eine wunderbare, differenzierte Künstlerinnen-Autobiografie.

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26: “Mermaid Saga” von Rumiko Takahashi

mermaid saga

“Eating the flesh of a mermaid can give one eternal life. Yuuta, a poor fisherman, didn’t believe the tales. But 500 years later, he is physically no older. He has grown weary of his lonely existence, and seeks the one creature that might be able to restore his mortality — a mermaid. In the first of the linked stories, he meets a new immortal (the first he’s met in his life) — a beautiful 15-year-old named Mana. The two travel together, in search of a cure that may not even exist. The other tales are divided among Yuuta’s reminiscences of his past adventures over the centuries, and their new adventures in their quest for mermaids. Created by Rumiko Takahashi, famous for Ranma ½ and InuYasha, but far darker in tone: the terrible things that happen when humans try and seek immortality.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • “Ranma” war mir zu kindisch, “InuYasha” zu pathetisch-folkloristisch; auch Takahashis 80er-Jahre-Frisuren stoßen mich ab. Vielleicht ist “Mermaid Saga” Märchen- und “Highlander”-Kitsch. Doch die düstere Grundfrage und die Hauptfiguren sind mir erstmal sympathisch.

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27: “Bambino! Secondo” von Tetsuji Sekiya

bambino secondo

“Shogo Ban is a college student who works as a part-time chef in a small Italian restaurant in his hometown. When his boss sends him to try working in Trattoria Baccanale, a top-class restaurant in Tokyo, Ban is determined to survive the harsh work environment. Bambino! is a 14 volume Seinen cooking manga written and focuses heavily on slice of life drama. It was completed in 2009 and has produced a sequel called Bambino! Secondo – which takes place after the opening of Trattoria Legare (Baccanale’s second store).” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Volume 1, “Bambino”, legte ich weg…
  • …doch in Volume 2, “Bambino Secondo”, sind die Figuren erwachsener und die Zeichnungen besser: ein Koch- und Unternehmer-Manga, der eine kreative Hauptfigur vor interessante Probleme, Herausforderungen stellt.
  • Update, 2017: Ich las die ersten vier Bände, und hatte Spaß. Die Figuren sind übertrieben angespannt und garstig. Aber das Milieu wird sehr detail- und abwechslungsreich erklärt.

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28: “Bartender” von Araki Joh

bartender

“Ryu Sasakura works at Eden Hall, a small cocktail bar in the Chiba area of Tokyo. He helps troubled customers resolve their often highly emotional problems. If you ever wanted to know the history of drinks, or the chemistry of making an excellent drink-this is a must read.” [Klappentext, gekürzt]

  • simple Zeichungen, sympathische Figuren, gut recherchiert:
  • ein junger Barkeeper hilft Gästen, neue Hoffnung zu schöpfen.

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29: “Shigurui” von Takayuki Yamaguchi

shigurui

“Two samurai who once belonged are determined to kill each other. The series contains very little dialogue. Thanks to the stunning artwork, it seems all the more brutal.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Die Figuren wirken oft wie geschnitzt: bizarre Marionetten oder Holzwesen. Alles ist toll gezeichnet, aber operettenhaft, barock – und dadurch unfreiwillig komisch.
  • Mich freut, dass ich mich hier auf einen ganz anderen Stil, fremdes Charakterdesign einlassen muss. Aber dreimal pro Seite denke ich “Künstler? Ist DAS dein Ernst?!”
  • Update, 2017: Ich las Band 1, doch mir ist es zu… eindimensional und fast pornografisch, in seiner Fixierung auf Muskeln, Körper, Blut, Gewalt. Keine Erzählwelt, in der ich länger bleiben will.

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30: “Blade of the Immortal” von Hiroaki Samura

Blade of the Immortal

“Manji, a ronin warrior of feudal Japan, has been cursed with immortality. To rid himself of this curse and end his life of misery, he must slay one thousand evil men! His quest begins when a young girl seeks his help in taking revenge on her parents’ killers.”

  • skizzenhaft, minimalistisch, hastige Striche:
  • ein dynamischer, aber etwas simpler Historien-Fantasy-Manga. Ich habe Angst, dass das Genre ähnlich verstaubt und altmännerhaft ist wie bei uns der Western.

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31: “Vagabond” von Takehiko Inoue

vagabond

“Shinmen Takezo is destined to become the legendary sword-saint, Miyamoto Musashi–perhaps the most renowned samurai of all time. For now, Takezo is a cold-hearted killer. The journey of a wild young brute who strives to reach enlightenment by way of the sword.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • noch skizzenhafter, noch schroffer als “Blade of the Immortal”:
  • Ein Samurai-Klassiker mit viel Dreck, Hunger, Armut, Bauern.
  • prosaisch erzählt, vielleicht zu nüchtern

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32: “Berserk” von Kentaro Miura

Kentaro Miura, Berserk

Guts is the Black Swordsman, a feared warrior and bearer of a gigantic sword. His flesh is marked with The Brand, an unholy symbol that draws the forces of darkness to him and dooms him as their sacrifice. But Guts won’t take his fate lying down. Accompanied by Puck the Elf, more an annoyance than a companion, Guts follows a dark path.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • Der Plot klingt unglaublich abgeschmackt, die menschlichen Figuren machen mich wütend: engelsgleiche, pausbäckige Kitsch-Kinder, bierbäuchige Könige, schrankgroße Ritter. Klischees, Klischees.
  • Aber: Die Gebäude, Schlachten, Kathedralen, Monster, Landschaften sind SO originell, detailverliebt entworfen und SO wirkungsvoll inszeniert… auf jeder dritten Seite bin ich hingerissen (vor allem in späteren Bänden).
  • Wird diese Geschichte nur halb so kunstvoll erzählt wie gezeichnet: ein Muss.

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33: “Scary Lessons” von Emi Ishakawa

Scary Lessons

Schulmädchen machen Fehler – und müssen dafür bezahlen: “Scary Lessons” ist eine Kurzgeschichten-Reihe für ca. Zwölfjährige, in der Alltagsprobleme plötzlich ins Surreale kippen. Horror-Episoden, jugendfrei und etwas pädagogisch, überraschend packend, charmant und altersgerecht – auch in Deutschland erfolgreich. [Text von mir]

  • mich freut an der Reihe besonders, dass sie im harmlosen, konventionellen Shojo-Mädchenmanga-Stil gezeichnet ist: ein vermeintlicher Allerweltscomic – bei dem auf jeder Seite fast ALLES eskalieren kann. Oft etwas albern. Aber zu empfehlen für jeden, der dunkle Märchen mag… und noch zu jung ist für Stephen King.

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34: “Welcome to the N.H.K.” von Tatsuhiko Takimoto

welcome to the NHK

“Twenty-two-year-old Satou, a college dropout, has stumbled upon an incredible conspiracy created by the Japanese Broadcasting Company, N.H.K. But despite fighting the good fight, Satou has become an unemployed hikikomori—a shut-in who has withdrawn from the world. One day, he meets Misaki, a mysterious young girl who invites him to join her special “project.” Slowly, Satou comes out of his reclusive shell, and his hilarious journey begins, filled with mistaken identity, Lolita complexes—and an ultimate quest to create the greatest hentai game ever!” [Klappentext, gekürzt.]

  • unsympathisch simple Zeichnungen…
  • …doch sympathisch komplizierte, widerborstige Figuren:
  • Eine Geschichte über jugendliche Verlierer, die glauben, einer Verschwörung auf der Spur zu sein. Ich hoffe, die Frauenfiguren sind genauso komplex wie die (sexistischen) Jungs.

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35: “Team Medical Dragon” von Taro Nogizaka

team medical dragon

“Asada Ryutaro is a genius surgeon who’s methods have made him a bit of a renegade in the eyes of Japanese doctors. The manga exposes the “illness” of Japanese hospitals and how their system is not designed to care for the patient.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • dialoglastige und etwas steife, aber überraschend erwachsene Chirurgen-Soap:
  • Das wirkt gut recherchiert, die Figuren glaubwürdig und mit viel Respekt beleuchtet…
  • …nur zeichnerisch sieht alles viel zu gleich aus, über Hunderte Seiten hinweg.

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36: “Ice Blade”, Tsutomu Takahashi

ice blade

“Icy cool homicide cop Ky against the Kunashi Island Smuggling Operation: A modern-day James Bond, Ky constantly encounters mystery and adventure. Each story contains a murder, a mystery and suspicious characters. In this first story, Ky and his partner Mack work against a deadline to prevent the detonation of a nuclear device.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • trashige, aber elegant stilisierte 90er-Jahre-Thriller-Episoden:
  • Ernst nehmen kann (…und soll) ich das nicht. Markig, over-the-top, prollig-schick. Japans Manga-Äquivalent der Til-Schweiger-“Tatorte”?

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37: “Cyborg 009” von Shotaro Ishinomori

cyborg 009

“The Black Ghost organization kidnapped nine ordinary humans and performed experiments on them, turning them into superpowered cyborgs. After they escaped, they were given codenames (001-009) and now fight the Black Ghost organization. […] Through 2012 to 2014, a finale titled “Conclusion: God’s War” was published, adapted from Ishinomori’s drafts of a final arc. It was written by his son, Jo Onodera, and illustrated by Masato Hayase and Sugar Sato, who were assistants of Ishinomori. This officially ended the Cyborg 009 manga.” [TV-Tropes-Text, gekürzt.]

  • simpler, aber liebenswerter Manga (1964 bis 86)…
  • …an dem mich vor allem diese letzten Bände/Kapitel von 2012 bis 14 interessieren.

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38: “Golgo 13” von Takao Sato

golgo 13

“Golgo 13, the world’s greatest assassin for hire, never fails a job.”

  • nihilistischer, überraschend trash-freier Auftragsmörder- und Agenten-Thriller ab 1969…
  • …mit viel Politik und Zeitgeist: besonders die aktuelleren Bände machen mir Lust.

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39: “Sanctuary” von Sho Fumimura

Sanctuary

“A political and Yakuza drama/thriller for grown-ups, originally published from 1990 to 1995. Akira Hojo is a charming and ruthless thirty-something leader of a small Yakuza society. Chiaki Asami is the trusted advisor of a member of the Japanese Diet who takes advantage of opportunity to steal his superior’s seat and use it to launch a campaign to reform Japanese politics. Little do most know that Asami’s opportunity was arranged by Hojo.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Will super-seriös, tiefgründig, politisch und erwachsen wirken…
  • …doch bringt mich eher zum Augenrollen/Lachen. Gangster- und Politiker-Klischees, unterhaltsam, aber sehr selbstverliebt.

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40: “Tokyo Tribes” von Santa Inoue

Tokyo Tribe

“A bitter rivalry between two of Tokyo’s gangs explodes into all-out warfare. A hard-hitting tale of Tokyo street thugs battling it out in the concrete sprawl of Japan’s capital.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • 1993 war ich 10, und las Videospiel-Magazine:
  • Ich bin begeistert/gerührt, diese (etwas kindliche, idealistisch-futuristische) Atmosphäre in einem Manga über traurige junge Kleingangster und Hiphopper zu finden.
  • Fantasievoll, schlicht, urban: eine Jungs-Geschichte, deren Optik mich überrascht und fesselt.

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41: “Planetes”, Makoto Yukimura

Planetes

“Haunted by a space flight accident that claimed his wife, Yuri finds a job cleaning space debris from Earth’s orbit. Planetes follows the lives of Yuri and his fellow debris-men as they work and ruminate at the edge of the great empyrean sea.” [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ich las Band 1 und mochte in den ersten Kapiteln die charmanten Figuren, den leichten Tonfall und die “Gravity”-Atmosphäre: Astronauten-Alltag mit viel Sense of Wonder und Auge für Details.
  • Trotzdem wirkt die Erzählwelt auf mich zu simpel und vage (z.B. die Besiedlung des Mondes und die Terrorzellen dort): Auch “Vinland Saga”, der Wikinger-Manga vom selben Autor, hat große Fans. Doch beide Reihen wirken auf mich, als wären sie für Zwölfjährige erdacht, nicht für Erwachsene:
  • In den entscheidenden Momenten zu seicht, harmlos, glatt?

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42: “Dawn of the Arcana” von Rei Toma

dawn of the arcana

“A medieval fantasy. A princess with a mysterious power. Princess Nakaba of Senan is forced to marry Prince Caesar of the enemy country Belquat. With only her attendant Loki at her side, Nakaba must find a way to cope with her hostile surroundings, her fake marriage…and a mysterious power!” [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ein Mädchen-Manga, recht lieblos gezeichnet…
  • …aber mit einer interessanten Hauptfigur in einer komplexen Lage:
  • Vielleicht eine Empfehlung für Leser*innen der (durchwachsenen) “Selection”-Romane. Diplomatie, Selbstbehauptung, Überlebenskampf in bodenlangen Kleidern.

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43: “UQ Holder” von Ken Akamatsu

UQ Holder

“Negi Springfield, the boy wizard of the hit manga Negima!, won many battles. Now [in 2080], Negi’s grandson, a little boy name Touta, dreams of leaving his quiet village and heading to the City. But first he must defeat his teacher: the immortal vampire Evangeline!” [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ein Shonen-Fantasy-Mainstream-Manga mit Magie und vielen Kämpfen, aber sehr soliden Figuren, viel World Building und Liebe zum Detail:
  • Sobald ich Lust habe, mich mal wieder länger in einer komplizierten Fantasy-Welt für Kinder zu verlieren, ist das hier meine erste Wahl. Autor Ken Akamatsu ist 2016 auch Ehrengast der Leipziger Manga-Comic-Convention.
  • [Fragt sich noch: Kann ich das lesen/verstehen, ohne, vorher “Negima!” zu kennen?]

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44: “Onepunch-Man” von Yusuke Murata

onepunch-man

“Saitama is an unemployed salaryman turned part-time superhero who is so powerful he can defeat any adversary in one hit. He’s not very pleased about this, since it means he has no more challenges left in his life. But despite this, Saitama continues to follow his (now utterly mundane) dream, encountering Mutants, Cyborgs, Ninjas, Humanoid Aliens, Supernatural Martial Arts masters, Psychics, corrupt Super Teams, Kaiju, Sea Monsters and just about everything else you can imagine along the way.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Originell, albern, fantasievoll: der größte Erfolg der letzten Jahre…
  • die Anime-Serie noch deutlich mehr als Webcomic und Manga.
  • Ich mag die Grund-Idee, aber bin auf lange Sicht skeptisch: “Dragonball” begann als sympathisch respektlose Parodie… und wurde schnell zu einer faden endlos-Prügelei. Auch bei “One Punch Man” sehe ich in späteren Kapitel nur noch Muskel-Mutanten, die Städte verdampfen lassen und Beleidigungen brüllen. Hat das Geist und Herz? Ich bin nicht sicher.

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45: “Mokke” von Takatoshi Kumakura

mokke

“High-school student Shizuru can see ghosts, her little sister Mizuki can be haunted by them. They were placed with their grandparents in the countryside of Japan, since their grandfather knows all about the spiritual beings. The spirits that the two girls encounter are generally based on Japanese folk tales and usually not malignant, although often very obnoxious and persistent.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Kinder- und Alltags-Episoden im “Totoro”-Stil: Coming of Age, aber etwas hölzern und verplappert. Ich weiß nicht, ob das genug Schwung aufnimmt… oder harmlos dahin dümpelt.

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46: “Song of the Long March” von Xia Da [China]

Song of the Long March

Choukakou (also known as Chang Ge Xing, Chang Ge’s Journey or Song of the Long March) is an ongoing manhua series by Xia Da. It tells the story of Li Chang Ge, a young Chinese princess plotting revenge against the man who killed her family: Li Shimin, Emperor Taizong of Tang.” [TV-Tropes-Text]

  • Toll gezeichnete, aber recht konventionell erzählte chinesische Historien-Action-Reihe. Bei chinesischen Titeln denke ich noch immer zuerst: “Schnell zu Wikipedia. Nachlesen, ob die historischen Bezüge stimmen. Propaganda? Geschichtsklitterung?”

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47: “Tsukikage Baby” von Yuki Kodama

Tsukikage Baby

“A small provincial town wants to preserve a traditional performance art called Owara. Hotaruko, a transfer student from Tokyo, forms a bond with a local girl, Hikaru.” [Klappentext, gekürzt]

  • Ich liebte Kodamas “Sakamichi no Apollon”
  • …doch das hier beginnt sehr steif und trocken: müdes Mädchen strauchelt durch Volkstänze, nervöser Junge starrt sie dabei an.

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48: “Princess Jellyfish” von Akiko Higashimura

princess jellyfish

“Tsukimi, an extremely shy and self-deprecating 18 year old illustrator, has been fascinated by jellyfish. To her, they’re everything she isn’t – beautiful and graceful. Then, she meets a fashionable girl…” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Eine feministische, aber etwas schrille und dick aufgetragene Comedy über ein hässliches Entlein, das in der Modebranche für Aufsehen sorgt.
  • Ich liebte “Ugly Betty”, die US-Version von “Y soy Betty La Fea”/”Verliebt in Berlin”…
  • …aber am Jellyfish-Manga stößt mich der viele Gonk (die Grimassen) ab.

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49: “Innocent” von Shinichi Sakamoto

innocent

“During the last days of the french monarchy, the Sanson family, appointed as the royal executioners by the king, are struggling with the reluctance of the eldest son, Charles-Henri Sanson, to succeed his father. Over time, the series also begins to focus on his sister, the cold, morbid and rebellious Marie Joseph as she struggles to navigate the patriarchal society of the time to become an executioner herself, and her eventual entanglement with Marie Antoinette.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Stilisiert, morbide, oft im Stil von Modezeichnungen und (Emo-)Album-Covern:
  • Auf den ersten Blick erscheint “Innocent” toll eigenwillig… doch schnell denke ich: “DAS ist das Maximum an Eigenwilligkeit? Brustwarzen, schwarze Kerzen, gepuderte Perücken, ‘Interview mit einem Vampir’-Kitsch?”

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50: “Monster” von Naoki Urasawa

monster urasawa

“In 1986, Japanese neurosurgeon Kenzo Tenma was living in Germany. But one day, the guilt of primarily attending to the wealthy patients and leaving poorer people in need of his skills drives him to first operate on a child who was hurt in the murder of his adoptive parents rather than the mayor of Dusseldorf. As a result, the child lives, the mayor dies in the hands of less talented surgeons, and Tenma is demoted by his superiors and dumped by his fiancee. Suddenly, the hospital directors that demoted Tenma die in very mysterious circumstances. The killer is the same boy he operated on nine years ago, now a young adult.” [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • extrem einfluss- und erfolgreicher Krimi-/Thriller-Manga, der mir immer ein Stück zu grau, leblos, möchtegern-tiefgründig erschien…
  • …doch Urasawas “Billy Bat” ist SO gut, dass auch das melancholische “Monster” noch einen Blick verdient.

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…und sieben ganz neue Reihen:

“Oldman” von Chang Sheng [Taiwan]

Oldman

“A trickster oldman, a female warrior with an artificial limb, a mad scientist and a girl who is amazing at archery fight an evil queen and her kingdom.” [Fan-Text von hier, gekürzt]

  • Ich mag das naturalistische Setting: kein Fantasy-Königreich, sondern grauer Alltag an einem recht glanzlosen, beklemmenden Königshof.

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“Usemo No Yado” von Hozumi

usemo no yado

“There is an inn that you can visit where you’ll find old things you thought were lost forever.”

  • Kurzgeschichten im Stil von “Fantasy Island”: wechselnde Figuren finden Glück, Mut, Hoffnung in der Land-Idylle.

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“Legend of Galactic Heroes” von Fujisaki Ryuu

Legend of the galactic Heroes

“A 110-episode Space Opera originally released to home video plus a huge series of novels written by Yoshiki Tanaka that spawned the franchise: In the 36th century, humanity has split into two superpowers engaged in a decades-long war. Young noble Reinhard von Müsel fights for the Galactic Empire, whose government is based on 19th century Prussia. Yang Wen-li, an easygoing historian, fights for the opposing Free Planets Alliance: a government which resembles a crumbling, bloated 20th century democracy. In 2015 a new manga adaptation of the novels started in Weekly Young Jump[TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • liebevolles Setting, liebevolles Figurendesign und eine riesige Erzählwelt: vieles wirkt bekannt oder abgedroschen – aber handwerklich ist dieser Reboot auf hohem Niveau.

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“Ayeshah’s Secret” von Zhang Jin (Taiwan)

Ayeshahs Secret

“A young girl whose mother died giving birth to her. A wicked stepmother and three brothers with whom she shares no blood ties. Secrets woven with betrayal, terror, deceit, love, death and vengeance…”

  • trashige, vielleicht auch misogyne Vampir- und Gequälte-Jungfrauen-Geschichte – interessant inszeniert: Wird hier mit Models gearbeitet? Oder nur mit CGI-Sets und -Figuren? Ich kenne nichts Vergleichbares, optisch.

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“Akagi Familia” von Tatsuya Nakanishi

Akagi Familia

“Set in a town ruled by the Oscar Family mafia, a girl named Lisa arrives looking for a man named Akagi Yuuichirou. It turns out Akagi is a local laundryman who is horrible at his job.”

  • “Leon, der Profi” trifft “One Piece”?
  • Ein Waisenmädchen und ein etwas trotteliger Wäscher in einer 30er-Jahre-Metropole:
  • Akagi ist ein Auftragskiller im Ruhestand, und Lisa will sich von ihm ausbilden lassen.
  • Standard-Shonen-Action-Märchen, recht sentimental – aber ich mag, dass die Hauptfigur ein Mädchen ist, kein Junge.

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“Gunjou ni Siren” von Mikan Momokuri

gounji no siren

“Two cousins, both left-handed and passionate about becoming their school’s best pitcher.”

  • Baseball-Drama, das mehr Zeit im Kopf der angespannten Hauptfigur verbringt als auf dem Platz: Ich lese kaum Sport-Manga… aber hoffe hier auf interessante Freund- und Feindschaften.
  • [eine andere Sport-Manga-Empfehlung: das Kletter-Drama “Gaku”)

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“Good Night World” Okabe Uru

good night world

“A broken family, trying to save a virtual family in an online game.”

  • ein Steampunk-Fantasy-Welt als Virtual-Reality-Spiel…
  • …und eine Familie in Trauer, die als Heldenfiguren im Spiel viel besser zurecht kommt als in der Realität: ein doppelbödiger Action-Manga mit vielen Kämpfen, aber Raum für Gefühl.

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Serien:

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Filme:

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deutsche Mangaka:

Ich mag den satirischen Kurz-Manga “Generation Praktikum” von Kristina Gehrmann, http://sumikai.com/online-manga/generation-praktikum-kristina-gehrmann-119642/3/

…und bin neugierig auf “Das Liberi-Projekt” der deutschen Zeichnerin Tamasaburo.

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in Korea: Manhua-Empfehlungen, Nickstember.com

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Mangas Deutschlandradio Kultur

Manga, rechts außen: “Attack on Titan” bei Deutschlandradio Kultur

Attack on Titan DKultur Illustration 1

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Am 16. November (Montag) spreche ich bei Deutschlandradio Kultur ab kurz nach 10 Uhr über die aktuell erfolgreichste Comicreihe der Welt: “Attack on Titan”.

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“Attack on Titan” ist ein monatlich erscheinender japanischer Horror-/Fantasy-/Action-Manga für Jugendliche. Pro Monat erscheinen ca. 40 Seiten in einem Magazin; alle ca. 5 Monate erscheint ein Sammelband mit 4 bis 5 Kapiteln, seit 2009. Diese bisher 18 Sammelbände sind ein Bestseller in Japan, den USA und Deutschland. Die Reihe soll ca. 2017 enden.

2013 erschien eine Anime-Serie, die Band 1 bis 8 adaptiert, seit Oktober 2015 läuft eine zweite Staffel. Diese TV-Adaption ist handwerklich besser als der Manga, aber in erster Linie ist „Attack on Titan“ weiterhin ein Print-Erfolg. Im Sommer 2015 kam eine Realverfilmung in die Kinos – mit schlechten Kritiken/wenig Resonanz.

Ein 3-Minuten-Trailer zur TV-Version, der Figuren, Stimmung und Militarismus gut einfängt:

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6 Thesen, Eigenarten:

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„Attack on Titan“…

…ist amateurhaft: Hajime Isayama, geboren 1986, ist Zeichner und Autor. 2009 war er erst 22. Mangas sind oft SEHR virtuos gezeichnet. „Titan“ ist der zeichnerisch schlechteste, den ich kenne: Perspektive, Hintergründe, Charakterdesign… alles wirkt lieblos und anfängerig. Das ist toll, weil: Der Manga wirklich durch die Geschichte zum Erfolg wurde. Nicht durch Schauwerte oder Oberflächen. [Die TV-Version ist deutlich hochwertiger.]

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…ist „deutsch“: Der Manga spielt in der Zukunft oder auf einer parallelen Erde. Seit 107 Jahren verschanzt sich die Menschheit irgendwo in Zentral- oder Osteuropa hinter drei riesigen Mauern/Festungskreisen. Die ärmsten Menschen leben in den äußeren Gebieten, die Oberschicht im sicheren Zentrum. Es gibt keinen Strom und keine Motoren, die Architektur erinnert an deutsche Fachwerkstädte wie Nördlingen, im reichen Zentrum an die Gründerzeit in z.B. Berlin.

Die Figuren heißen „Eren Jäger“, „Annie Leonhardt“, „Christa Lenz“ oder, alberner, „Flegel Reeves“, „König Fritz“ usw., der japanische TV-Titelsong beginnt mit den deutschen Worten „Seid ihr das Essen? Wir sind die Jäger!“

Im März, auf der letzten Leipziger Buchmesse, sah ich MASSENWEISE Cosplayer/Fans in Uniformen. Die „Titans“-Welt ist preußisch/altdeutsch, germanophil, Soldatin Makisa Ackermann ist halb-Asiatin und damit vielleicht der letzte nicht-weiße Mensch. Denn hinter den Mauern warten Riesen/Titanen: 3 bis 50 Meter hohe Wesen, die Menschen verschlingen/fressen und nur durch einen Schwerthieb durch den Nacken getötet werden können.

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titan i wasn't free and...

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…ist Shonen: Es gibt vier Sorten Manga: Josei für erwachsene Frauen, Seinen für Männer, Shojo für Mädchen und Shonen – für Jungs. Wie fast alle in Deutschland erfolgreichen Manga ist “Attack on Titan” ein Shonen-Titel. Action, kaum interessanten Frauen, ein junger, ungestümer Held mit besonderen Fähigkeiten, von dessen Leistung das Schicksal der ganzen Welt abhängt. „Attack on Titan“ ist konventionell – aber eben ein zeitgemäßer, spannender, süffiger Einstieg ins Genre „Shonen“ oder ins Medium „Comics“. Und: die Reihe ist zynischer, blutiger, weniger idealistisch als bisherige Shonen-Erfolge („Dragonball“, „One Piece“). Ein Junge geht zum Militär, um Riesen zu zerstören – um jeden Preis.

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…ist eine Zombie-Geschichte ohne die Frage nach Werten: Die Titans sind wie Zombies – nur (sehr japanisch) groß wie Godzilla/Kaiju-Monster. In vielen Zombiegeschichten ist die Regierung passé, Figuren müssen sich als Gruppe organisieren und entscheiden, an welchen Werten sie festhalten. Bei „Attack on Titan“ dagegen gibt es ein Militär, dem man sich unterordnet: Gehorsam, Uniformen, Militarismus, Wir-gegen-die-Rhetorik. Der Comic ist halb „Harry Potter“ (zwei Jungs, ein Mädchen machen eine gefährliche Ausbildung), halb Militär-Werbung. Der sympathische „Titan“-General Pixis ist dem Kaiserlichen General Akiyama nachempfunden – der Invasionskriege gegen China und Korea führte. Auch deshalb wird „Attack on Titan“ in Korea und China boykottiert, der Autor erhielt Morddrohungen.

Der sympathischste Kommandant, Erwin Smith, hat… Erwin Rommel zum Vorbild.

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attack on titan rechts

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…ist ein ontologisches Rätsel: Ähnlich wie Mystery-Serien wie „Lost“ funktioniert „Titan“ auf zwei Ebenen. Abenteuer, Überlebenskampf, Verfolgungsjagden auf Pferden und durch Wälder… und, größer: die Frage, wie diese Welt funktioniert. Woher kommen die Titanen? Was liegt jenseits der Mauer? Spielt die Handlung ca. im Jahr 4000, nach einem riesigen Krieg – oder in einer Märchenversion des späten 19. Jahrhunderts? Immer neue Rätsel und Geheimnisse sind wichtiger als Figurenpsychologie oder Logik, und wie bei vielen ontologischen Rätseln kann man vor Ende nicht sicher sagen, ob die Geschichte „gut“ ist oder nicht. Bisher wird sie in 18 Bänden immer hanebüchener, aber auch immer packend-geheimnisvoller.

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…ist reaktionär: als die Titanen die äußerste Mauer durchbrechen, verliert die Menschheit ein Drittel ihres Landes. Alle flüchten sich hinter Mauer 2 – doch weil das Essen knapp wird, sperrt der König die Unterschicht (20 Prozent der Menschheit) aus und lässt sie von Titanen fressen. Sozialdarwinismus, sehr viel Gerede über „wertlose“ Menschen oder die „Verschwendung“, Schwachen zu helfen… „Attack on Titan“ erzählt eine zynische Geschichte und zeigt eine mitleidslose, fremdbestimmte Welt, die Teenager anspricht. Die Adligen sind dekadent, der Staat machthungrig, die Priester böse, Zivilisten dumm und nutzlos. Nur das Militär kann uns retten.

titan commander.

titan x

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attack on titan rechts 2

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  • „Jeder ist ein Sklave einer Sache oder Idee.“
  • „Es gibt keine guten und schlechten Menschen: Wer unbequem ist, wird ‘schlecht’ genannt“
  • „Wenn die Ressourcen knapp werden, muss sich jede Minderheit der Mehrheit anpassen.“
  • Nur, weil Soldaten sich opfern, „können die gewöhnlichen Menschen immer weiter leben, ohne etwas zu schaffen, bis sie irgendwann sterben.“

Zäune. Mauern. Opfer: „Attack on Titan“ zeigt eine grausame, existenziell beklemmende Welt – drastisch, ohne Empathie für Schwächere, jugendlich-pathetisch, wütend… und rechts. faschistoid?

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Attack on Titan DKultur Illustration 3

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Manga-Empfehlungen:

  • mein aktueller Lieblings-Manga ist “I am a Hero”
  • mein TV-Favorit: “Neon Genesis Evangelion”
  • mein Lieblings-Animefilm: “Nausicäa”
  • als Schüler mochte ich “Die Königin der 1000 Jahre”, “Lady Oscar”, “Sailor Moon”, “Wish” (Clamp) und “Dragonball” (nur die Mangas, nicht die Serie).
  • seitdem las und mochte ich u.a. “Yotsuba”, “Bakuman”, “Honey & Clover”, “Twin Spica”, “Sakamichi no Apollon”, “With the Light” und, mit gewissen Abstrichen, “Young Bride’s Story”, “Homunculus”, “Pluto”, “Planetes” und “Ooku: the Inner Chambers”.

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titan guter Mensch good Person

Japanliteratur: Die besten Bücher aus und über Japan

brooklyn botanical gardens japanese garden.

Einmal pro Monat stelle ich 20 unbekannte oder neue Bücher vor.

heute: Bücher aus und über Japan.

viele davon gefunden bei “Japanliteratur.net”, einer übersichtlichen, toll gestalteten, sehr gut informierten Magazin von Friederike Krempin.

20 Titel – angelesen, gemocht und vorgemerkt:

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01: SAIICHI MARUYA, “Die Journalistin” / “A Mature Woman” 

Die Journalistin

02: MORIO KITA, “In Nacht und Nebel”

Lidé z rodu Nire

03: TERU MIYAMOTO, “Kinshu: Autumn Brocade”

  • 208 Seiten, 1982.
  • Briefroman über ein Ex-Liebespaar, das sich zehn Jahre später in einem Onsen in den Bergen wiedersieht.

Kinshu: Autumn Brocade

04: MINATO KANAE, “Confessions”

  • 240 Seiten, 2007.
  • Rezension bei Japanliteratur.net (Link)
  • Monolog einer Lehrerin und Mutter, die der Schulklasse, die sie unterrichtet, die Schuld am Tod ihrer Tochter gibt und sich an den Kindern rächen will. Etwas trashiger (?), aber mitreißender Thriller.

Confessions

05: YUKIO MISHIMA, “Runaway Horses”

Runaway Horses

06: HIROMI KAWAKIMI, “The Briefcase” / “Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß”

The Briefcase

07: NATSUKI IKEZAWA, “A Burden of Flowers” / “Schwere Blumen”

A Burden of Flowers (Kan Yamaguchi Series)

08: ALAN BOOTH, “Looking for the Lost: Journeys through a vanishing Japan”

  • 340 Seiten, 1995.
  • Um Noh-Theater zu lernen, zieht Booth mit 24 nach Japan. Er bleibt 33 Jahre lang, bis zu seinem Tod – und schreibt hier über seine Wanderungen und Reisen durch die japanische Provinz.

Looking for the Lost: Journeys Through a Vanishing Japan

09: OSAMU DAZAI, “The Setting Sun”

  • 175 Seiten, 1947.
  • Als ihre verwitwete Mutter krank wird, muss eine unverheiratete Frau mit ihr aufs Land ziehen: Nachkriegsroman über soziale Kälte und Abstieg.

The Setting Sun

10: MAXENCE FERMIN, “Snow”

  • 112 Seiten, 1999.
  • verknappter, poetischer Roman über einen jungen Haiku-Autor im 19. Jahrhundert, seinen blinden Lehrer und eine Hochseilartistin aus Frankreich, in die er sich verliebt. Könnte schlimmer Kitsch sein – aber stilistisch macht es Spaß.

Snow

11: YASUNARI KAWABATA, “First Snow on Fuji”

Beauty and Sadness

12: FLORENT CHAVOUET, “Tokyo on Foot. Travels in the City’s most colorful Neighborhoods”

  • 206 Seiten, 2009
  • Reisebericht, Visual Guide, Graphic Novel, illustriertes Geschenkbuch: ein harmloser, aber wunderschöner Reiseratgeber von einem Illustrator, der mehrere Bücher zu beliebten Reiseziele in Japan macht(e).

Tokyo on Foot: Travels in the City's Most Colorful Neighborhoods

13: SAWAKO ARIYOSHI, “The River Ki”

  • 243 Seiten, 1959.
  • drei Generationen von Frauen, vom Ende der Edo-Zeit bis zum zweiten Weltkrieg, und ihr Leben an einem Fluss in der Provinz.
  • von der selben Autorin angelesen und gemocht (wirkt aber etwas didaktisch und Biopic-artig): “The Doctor’s Wife” (1978)

The River Ki

14: SHUSAKO ENDO, “The Sea and Poison”

The Sea and Poison

15: EIJI YOSHIKAWA, “Musashi”

  • 970 Seiten, 1935
  • historischer Schmöker über einen Schwertkämpfer, Samurai und Feldherrn im 17. Jahrhundert: viele dieser Bücher sind schleppend – besonders in der Übersetzung. Dieses hier hat mich schnell gepackt.
  • ähnliche Mainstream-Titel, angelesen und gemocht: “Shogun” (James Clavell, 1975), “Hiroshima” (John Hersey, 1946)

Musashi

16: BEATE SIROTA GORDEN, “The only Woman in the Room: A Memoir of Japan, Human Rights and the Arts”

  • 176 Seiten, 1998
  • Beate, Tochter russischer Juden, hilft direkt nach dem 2. Weltkrieg beim Aufsetzen der japanischen Verfassung: ruppige, etwas überdrehte Lebenserinnerungen einer streitbaren und selbstbewussten Frau.

The Only Woman in the Room: A Memoir of Japan, Human Rights, and the Arts

17: NATSUME SOSEKI, “And then”

  • 248 Seiten, 1909
  • Ein junger Idealist wird immer tiefer ins Leben seines besten Freundes und dessen labiler Frau gezogen.
  • Klassiker vom selben Autor: “Kokoro” (1914)

And Then

18: SAYO MASUDA, “Autobiography of a Geisha”

  • 185 Seiten, 2003.
  • Rezension auf Japanliteratur.net (Link)
  • abseits vom Arthur-Golden-Kitsch erzählt eine Geisha von ärmlichen, schwierigen und verstörenden Jahren in der Provinz.

Autobiography of a Geisha

19: YASUSHI INOUE, “Die Eiswand”

  • 415 Seiten, 1956
  • Zwei Freunde und Bergsteiger-Rivalen kämpfen um die selbe Frau.
  • Ich liebe Inoues “Meine Mutter” und empfehle es oft. Niemand in meinem Freundeskreis kann viel damit anfangen. Freundin L. nahm es mit in den Strandurlaub und sagte danach: “Ich war gelangweilt. Aber meine 80jährige Oma fand es, glaube ich, nicht schlecht.”
  • andere Titel von ihm, die ich angelesen habe und mochte: “Schwarze Flut”, “Bullfight”, “Amore” (1950)

Die Eiswand

20: HIKARU OKUIZUMI, “Das Gedächtnis der Steine”

  • 158 Seiten, 2000 oder früher (hier der Amazon-Link)
  • Rezension auf Japanliteratur.net (Link)
  • Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, nach dem Tod seines Sohnes, stellt sich ein inzwischen Erwachsener Familienvater seiner Kriegstraumata und verdrängten Ängsten.

japanliteratur stefan mesch

Klassiker, angelesen und gemocht:

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Nip the Buds, Shoot the KidsmThe Makioka SistersYabu No Naka The Chrysanthemum and the Sword: Patterns of Japanese CulturemTattoo Murder Case

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Expat- und US-Literatur, angelesen und gemocht:

The Japan Journals: 1947-2004m Lost Japanm36 Views of Mount Fuji: On Finding Myself in JapanmMy Year of MeatsmTokyo Fiancée

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sympathische Unterhaltungsromane:

The Yokota Officers ClubmWarten auf die SonnemWingshootersmSchnee im AprilmAll She Was Worth

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underdog literature october 2014

gelesen – und sehr gemocht:

Ich habe alle Haruki-Murakami-Bücher gelesen… und empfehle besonders (in absteigender Reihenfolge):

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fünf Manga, denen ich das größte denkbare Publikum wünsche:

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fünf Japan-Romane, die ich empfehle:

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verwandte Posts:

und:

Justin Canha, Keiko Tobe and “Raising an Autistic Child” [Manga, recommended]

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This Sunday, the New York Times profiled Justin Canha (Link), a young, autistic artist from Montclair, New Jersey who, at 22, is trying hard to find a good work environment and make his first close personal friends.

Link to the New York Times article (Link).

The piece was written by Amy Harmon (Link) and featured on BoingBoing (Link), one of my favourite blogs, and it reminded me of one of the nicest graphic novel surprises of 2011 – Keiko Tobe’s educational manga about autism and child-rearing, “With the Light: Raising an Autistic Child” (Link, Wikipedia).

At BoingBoing, I wrote a small recommendation, and I’ll cross-post it here:

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“engaging NYT article: great tone, and some much-needed context.

I especially enjoyed seeing Justin’s trippy / irreverent animation video: http://video1.nytimes.com/vide…

[in fact, it reminded me a lot of artist Anthony Ausgang, Link]

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I’m commenting to give a book recommendation, though: Keike Tobé’s “With the Light: Raising an Autistic Child” is an 8-volume self-help/’josei’ manga (that is: target audience are women, post-puberty, Link) that shows a nervous and insecure mom dealing with the autism of Hikaru, her first-born son.

“With the Light” is slow and a little didactic, and you might need to read two Volumes to get in the right mood / rhythm. But as a resource, I found it incredibly helpful. And as a story, it may start a little wooden… but it grows on you, and gets more and more complex. You learn TONS of stuff about the Japanese school and social security system, and over time, there emerges a big goal for Hikaru’s future life, post-high school: to become a “cheerful, working adult”.

Will he make it? I’m not sure: I’m only in Volume 6 of 8 (Link, released this week), and tragically, the creator of the Manga died in 2009, before she was able to finish her work.

Still: I cannot recommend this enough. Have a look: The US translation is solid, and there are lots of annotations plus some additional essays / resources in the back of each volume.

Goodreads Link to reviews and ratings for Volume 1:

http://www.goodreads.com/book/…

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