Literatur

“Telex aus Kuba”, Rachel Kushner

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“In ‘Telex aus Kuba’, einem packenden Roman über die kubanische Revolution, sind sie alle versammelt – die Castros, Che Guevara, der Diktator Batista und US-Präsident Eisenhower. Aber erzählt wird die Geschichte hauptsächlich von zwei Jugendlichen, Everly Lederer und K.C. Stites, die füreinander bestimmt zu sein scheinen: sie die Tochter des Chefs einer amerikanischen Nickelmine und er der Sohn eines leitenden Angestellten der United Fruit Company.

Rachel Kushner hat einen tropisch glitzernden historischen Moment des 20. Jahrhunderts mit großer Raffinesse verdichtet. Man liest mit allen Sinnen, sieht, schmeckt, fühlt mit den Figuren und überlässt sich Kushners herausragender erzählerischer Kraft.”

[Klappentext, gekürzt.]

Im Sommer 2008 machte ich ein Praktikum bei Klett-Cotta. Seitdem schreibe ich hin und wieder Verlagsgutachten: Ich lese Bücher und prüfe, ob sie für Klett in Frage kommen.

“Telex aus Kuba” las ich schon im Juli 2008: Ich hatte Spaß – doch fand das Buch nicht gut genug für Klett.

2013 erschien Rachel Kushners zweiter Roman: “The Flamethrowers”. Websites wie “The Millions” lobten das Buch monatelang, und auch die deutsche Ausgabe, “Flammenwerfer” (2015), wurde mir von Freundinnen empfohlen. Der Goodreads-Score, 3.46 von 5, schreckt mich ab – aber mich freut, dass durch den Erfolg jetzt, neun Jahre später, auch “Telex aus Kuba” eine Chance auf dem deutschen Markt erhält:

  • 464 Seiten, Rowohlt Verlag
  • Deutsch von Bettina Abarbanell
  • erscheint am 22. April 2017

Meine Gutachten sind drei, vier Seiten lang. Zu “Telex from Cuba” schrieb ich ein knapperes Statement:

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Rachel Kushner – Telex from Cuba. A Novel.

  • Scribner, Juli 2008
  • Original: englischsprachig [USA]
  • Roman, 322 Seiten.

die Autorin & ihre Themen: Debütroman. Kushner, geboren 1968, war Kommilitonin von Jonathan Franzen (Berkeley; später noch Columbia) und Redakteurin bei verschiedenen Kunst- und Literaturzeitschriften: „Grand Street“, „BOMB“ und aktuell „Soft Targets“. Kushners Mutter war Vorlage für Everly, eine der Hauptfiguren. Dem Roman gingen jahrelange journalistische Recherchen und Befragungen voraus.

Gute Kritiken in Publisher’s Weekly und der New York Times, Blurb von Paula Fox.

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Telex from Cuba“ spielt in den Jahren 1952 bis 1958 und zeigt den schwierigen Alltag zweier Kinder kurz vor der Pubertät… und eine Handvoll Erwachsener – allesamt amerikanische Expats – in einer Siedlung des Importriesen „United Fruit“ – heute: Chiquita – von der Machtergreifung Batistas bis zur (erfolgreichen) kubanischen Revolution. Historische Figuren, vor allem Batista und Castro, haben Sprechrollen. Auch Hemingway tritt auf.

Everly Lederer – das literarische Alter Ego von Rachel Kushners Mutter – ist 9 Jahre alt, als ihr Vater für United Fruit nach Kuba zieht: ein Middle Child mit biestigen Schwestern und nervöser Mutter. Sie nimmt sie das gesellschaftliche Leben auf der Insel als große Inszenierung wahr: Rassismus, Kleinbürgerneurosen und Doppelmoral, alte Frauen, die sich Äffchen halten, junge verwöhnte Männer, die im Dschungel verschwinden, um die Rebellen zu unterstützen. Brennende Zuckerrohrfelder. Rauschende Feste. Der Zeitgeist und die Neurosen, Bedrückungen der 50er Jahre sind plausibel und dicht gezeichnet. Ein – im besten denkbaren Sinn – übervolles, buntes, plastisches Buch. Ein Gesellschaftsroman, multiperspektivisch – aber recht gediegen erzählt.

Gutes Geschenkbuch: mit deutlichem Fokus aufs Historische/Politische zeichnet ein Autor ein hassgeliebtes Land und seine Diktatur. Durchaus in derselben Liga und mit demselben Anspruch wie z.B. Junot Diaz’ „Oscar Wao“. Aber halt: konventioneller.

Die anderen Hauptfiguren sind Ich-Erzähler K.C., Sohn des lokalen United-Fruits-Großgrundbesitzers (…und, wie schön: J.C. und Everly kommen NICHT zusammen. Überhaupt führen alle erwartbaren Figurenkonflikte nie zu großem Melodrama. Gut gemacht!). Außerdem ein französischer Kriegsveteran in Havanna – eine Figur wie bei Camus: testosteronsatt, nihilistisch und mir persönlich zu platt – und eine Tänzerin, die Batistas Mätresse wird.

Niemand stirbt. Die Revolution glückt. Also steigen die Expats ins Boot und fahren weg. Nichts passiert: Everlys Welt hört, als sie 16 ist, einfach auf.

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Susan Cookal in der New York Times zum barocken, schwitzig-tollen [aber: immer grenz-kitschigen] Stil:

Kushner herself evinces an intimate knowledge of her novel’s world and characters. Her style is sure and sharp, studded with illuminating images: In Oriente, “the wind gusted like a personality”; Everly, newly arrived in a new dress, “felt like a tea doily, damp and frilly and out of place,” while La Mazière thinks of Havana as “a damp city where dreams were marbled with nothingness.” When we first see Rachel K, she’s flying above sugar cane fields with K. C.’s father, “a person who was dangerous because he didn’t know which parts of him were rotten, or even that he harbored rot.” These are potent moments, and they make the novel a dreamy, sweet-tart meditation on a vanished way of life and a failed attempt to make the world over in America’s image. Out of tropical rot, Kushner has fashioned a story that will linger like a whiff of decadent Colony perfume.

Ein Amazon-Kunde mault – nicht grundlos:

Great characters and setting; no real plot

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Urteil: Ich gebe vier von fünf Sternen; und bewundere Kushners Fleiß bei der Recherche. Das Buch hat grelle Momente – aber, wie gesagt: Es wirkt absolut plausibel. Toll gemacht.

Trotzdem fühlte ich mich beim Lesen oft, als würde ich von einer netten, recht unkonzentrierten Frau durch ein viel zu großes Haus geführt. Wir blieben in Türrahmen stehen. Saßen auf der Veranda. Mussten UNBEDINGT auch noch in den Keller und den Speicher. Bekamen die GANZ große Tour – mit zahlreichen Umwegen und ein paar Sackgassen – und dachten danach: „Was für ein Ort! Was für ein Anblick!“. Richtig literarisch – also auch: mit Gespür für Timing, Relevanz, oder auch: Humor/Ironie – geht Reiseführerin Kushner nicht vor:

„SO, und jetzt gehen wir schön weiter, da hinten im Dschungel ist der FIDEL CASTRO, kucken wir uns das auch mal an. Zweiergruppen bilden: auf jetzt! Prima.“

Am Ende des – zu langen – Romans war ich eher… erleichtert, dass Kushner alle größeren Schwierigkeiten und Fallen umgehen konnte und das Buch tatsächlich gut zu Ende brachte. Doch so ein ein onkelig-erleichtertes „Na, da hat sie’s aber doch noch ganz gut geschafft!“, ist, glaube ich, keine Haltung, in die man als Lektor verfallen muss: Bei einem versierteren, intelligenteren Buch wäre solche Gönnerhaftigkeit nicht nötig.

„Telex from Cuba“ weckt Außenseitersympathien. Aber keine Begeisterung.

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gelesen 2016: meine 20 besten Bücher des Jahres

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Die 20 Bücher, die ich möglichst vielen Menschen empfehlen kann:

meine Entdeckungen 2016.

2015 empfahl ich Bücher etwas ausführlicher.

Favoriten 2014 | Favoriten 2013 | Favoriten 2012 | Favoriten 2011

Lieblingscomics 2016 hier (Link).

Und: Songs 2016 (Link)!

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20: THOMAS VON STEINAECKER, “Die Verteidigung des Paradieses”

19: KEI SANBE, “Die Stadt, in der es mich nicht gibt”

18: DANIEL SCHREIBER: “Zuhause” / SACHA BATTHYANY: “Und was hat das mit mir zu tun?”

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17: SYLVIE SCHENK, “Schnell, dein Leben”

16: MATTHIAS HIRTH, “Lutra lutra”

15: A.S. KING, “Still Life with Tornado”

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14: RAYMOND BRIGGS, “Ethel and Ernest”

13: DELPHINE DE VIGAN: “Nach einer wahren Geschichte”

12: EMMANUEL GUIBERT: “How the World was. A California Childhood”

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11: KIERON GILLEN, “Darth Vader”

10: GABRIEL HARDMAN, CORINNA BECHKO, “Invisible Republic”

09: CLEMENS J. SETZ: “Glücklich wie Blei im Getreide”

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08: HARUKI MURAKAMI, “Von Beruf Schriftsteller”

07: DAVID EAGLEMAN, “Sum: 40 Tales from the Afterlives”

06: NIS-MOMME STOCKMANN, “Der Fuchs”

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05: ANDREAS MAIER, “Die Straße” (und der Vorläufer “Das Zimmer”)

04: ANNA KATHARINA HAHN, “Am schwarzen Berg”

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03: RANDY INGERMANSON, “Writing Fiction for Dummies”

02: SOPHIE DAULL, “Adieu, mein Kind”

01: BRECHT EVENS, “Panter”

…auch die Manga-Reihen “Billy Bat”, “Gute Nacht, Punpun” und “I am a Hero” waren/blieben großartig; und das Finale von Ed Brubakers dreiteiliger Graphic Novel “The Fade Out” überzeugte mich.

Die besten Comics 2016: meine Empfehlungen bei Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur - Comic-Empfehlungen 2016, Stefan Mesch.PNG

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bei Deutschlandradio Kultur empfehle ich meine 20 Comics des Jahres:

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schon 2015 stellte ich 20 aktuelle Reihen vor, hier (Link).

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heute kurz im Blog, ergänzend: “Leseproben”, kurze Ausschnitte aus allen 20 Titeln.

Texte zu den 20 Titeln, wie gesagt: drüben bei Deutschlandradio Kultur.

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20. Black Magick
Autor: Greg Rucka, Zeichnerin: Nicola Scott
Image Comics, Oktober 2015 bis Februar 2016.
5+ Hefte in 1+ Sammelbänden, wird Mitte 2017 fortgesetzt.

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19. Arcadia
Autor: Alex Paknadel, Zeichner: Eric Scott Pfeiffer
Boom! Studios, Mai 2015 bis Februar 2016.
8 Hefte in einem Sammelband, abgeschlossen.

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18. The Violent
Autor: Ed Brisson, Zeichner: Adam Gorham
Image Comics, Dezember 2015 bis Juli 2016.
5 Hefte in einem Sammelband, in sich geschlossen – aber könnte fortgesetzt werden.

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17. Monstress
Autorin: Marjorie Liu, Zeichnerin: Sana Takeda
Image Comics, seit November 2015.
8+ Hefte, bisher ein Sammelband, wird fortgesetzt.

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16. Prez
Autor: Mark Russell, Zeichner: Ben Caldwell
DC Comics, Juni bis Dezember 2015.
Als zwölfteilige Heftreihe geplant, doch nach sechs Heften (in einem Sammelband) abgesetzt; sehr gute Kritiken, deshalb steht die Möglichkeit einer Fortsetzung im Raum.

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15. Action Comics
Autor: Dan Jurgens; wechselnde Zeichner, v.a. Patrick Zircher und Tyler Kirkham
DC Comics, erscheint seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt “Action Comics 957”.
14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt. Parallel lesen: die Reihen “Superman”, “Trinity” und “Superwoman”.

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14. Harrow County
Autor: Cullen Bunn, Zeichner: meist Tyler Crook
Dark Horse Comics, seit Mai 2015.
18+ Hefte in 4+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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13. Detective Comics
Autor: James Tynion IV, Zeichner: meist Eddie Barrows oder Alvaro Martinez
DC Comics, seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt “Detective Comics 934”.
13+ Hefte in 2+ Sammelbänden (und einem Crossover-Band namens “Night of the Monster Men”, der übersprungen werden kann), wird fortgesetzt.

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12. The Fix
Autor: Nick Spencer, Zeichner: Steve Lieber
Image Comics, seit April 2016.
6+ Hefte in mindestens 2 Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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11. Nailbiter
Autor: Joshua Williamson, Zeichner: Mike Henderson
Image Comics, seit Mai 2014.
27+ Hefte in 5+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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10. Gute Nacht, Punpun
Autor und Zeichner: Inio Asano.
Shogagukan, 2007 bis 2013.
147 monatliche Kapitel, gesammelt in 13 Sammelbänden, abgeschlossen (2016 auf Deutsch).

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9. Wonder Woman: The True Amazon
Autorin und Zeichnerin: Jill Thompson
DC Comics, September 2016
als Buch erschienene Graphic Novel, 128 Seiten; hat ein recht offenes Ende: Fortsetzung sehr wahrscheinlich.

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8. The Vision
Autor: Tom King, Zeichner: Gabriel Hernandez Walta
Marvel Comics, November 2015 bis November 2016.
12 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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7. Billy Bat
Autor und Zeichner: Naoki Urazawa
Kodansha, Oktober 2008 bis August 2016.
165 monatliche Kapitel, gesammelt in 20 Sammelbänden, abgeschlossen (auch auf Deutsch fast vollständig).

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6. Injection
Autor: Warren Ellis, Zeichner: Declan Shalvey
Image Comics, seit Mai 2015, nach jeweils 5 Heften längere Pause.
10+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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5. Die Stadt, in der es mich nicht gibt
Text und Zeichnungen: Kei Sanbe
Kadokawa, Juni 2012 bis März 2016.
44 monatliche Kapitel, gesammelt in 8 Sammelbänden, abgeschlossen (auch bald auf Deutsch). Fünfteiliger Epilog im Dezember 2016 abgeschlossen.

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4. Darth Vader
Autor: Kieron Gillen, Zeichner: Salvador Larroca
Marvel Comics, Februar 2014 bis Oktober 2016.
26 Hefte (und das gelungene Crossover “Vader Down”), gesammelt in 4 (+1) Sammelbänden, wird mit der Spin-Off-Reihe “Doctor Aphra” fortgesetzt.

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3. The Fade Out
Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, August 2014 bis Januar 2016.
12 Hefte, gesammelt in 3 Sammelbänden, abgeschlossen.

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2. Invisible Republic
Text: Corinna Bechko und Gabriel Hardman, Zeichnungen: Gabriel Hardman
Image Comics, seit März 2015.
13+ monatliche Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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1. Panter
Autor und Zeichner: Brecht Evens.
Deutsch bei Reprodukt.
120 Seiten, abgeschlossen.

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und:

Gefeierte US-Reihen wie “Saga”, “Lazarus”, “Ms. Marvel” und “Southern Bastards” veröffentlichten auch 2016 neue Hefte und Sammelbände, auf gewohnt hohem Niveau. Auch der Manga “I am Hero” überzeugt seit Jahren.

Die besten Bücher 2017: erste Favoriten und Empfehlungen

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angelesen und gemocht:

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CHRIS KRAUS, “I love Dick” (Matthes & Seitz, 30. Januar. Deutsch von Kevin Vennemann.)

FLURIN JECKER, “Lanz” (Nagel & Kimche, 20. Februar)

DON CARPENTER, “Freitags bei Enrico’s” (Klett-Cotta, 8. April. Deutsch von Bernhard Robben.)

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TREVOR NOAH, “Farbenblind” (Blessing, 6. März. Deutsch von Heike Schlatterer.)

ROBERT GERWARTH, “Die Besiegten. Das blutige Ende des ersten Weltkriegs” (Siedler, 23. Januar. Deutsch von Alexander Weber.)

MURRAY SHANAHAN, “The Technological Singularity” (Matthes & Seitz, 27. Februar. Deutsch von Nadine Miller.)

SIDDHARTHA MUKHERJEE, “Die Gene. Eine sehr persönliche Geschichte” (S. Fischer, 24. Mai. Deutsch von Ulrike Bischoff.)

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deutschsprachige Literatur:

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ANNA KIM, “Die große Heimkehr” (Suhrkamp, 16. Januar)

KRISTINA PFISTER, “Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten” (Klett-Cotta, 11. Februar)

NATASCHA WODIN, “Sie kam aus Mariupol” (Rowohlt, 17. Februar)

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GERHARD HENSCHEL, “Arbeiterroman” (Hoffmann & Campe, 17. Februar)

LUISE MAIER, “Dass wir uns haben” (Wallstein, 27. Februar)

ANKE STELLING, “Fürsorge” (Verbrecher Verlag, 28. Februar)

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KERSTIN PREIWUSS, “Nach Onkalo” (Berlin Verlag, 1. März)

MASCHA DABIC, “Reibungsverluste” (Edition Atelier, 1. März)

STEPHAN LOHSE, “Ein fauler Gott” (Suhrkamp, 6. März)

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NIAH FINNIK, “Fuchsteufelsstill” (Ullstein, 7. April)

ENNO STAHL, “Spätkirmes” (Verbrecher Verlag, 18. April)

CHRISTOPH SCHULTE-RICHTERING, “32 Tage Juli” (Rowohlt Berlin, 22. April)

SVENJA GRÄFEN, “Das Rauschen in unseren Köpfen” (Ullstein, 12. Mai)

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internationale Literatur, neu auf Deutsch:

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HANYA YANAGIHARA, “Ein wenig Leben” (Hanser Berlin, 30. Januar. Deutsch von Stephan Kleiner.)

GUSEL JACHINA, “Suleika öffnet die Augen” (Aufbau, 17. Februar, Deutsch von Helmut Ettinger.)

MAURIZIO TORCHIO, “Das angehaltene Leben” (Zsolnay, 20. Februar, Deutsch von Annette Kopetzki.)

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GONZALO TORNÉ, “Meine Geschichte ohne dich” (DVA, 6. März. Deutsch von Petra Strien-Bourmer.)

MILJENKO JERGOVIC, “Die unerhörte Geschichte meiner Familie” (Schöffling, 8. März. Deutsch von Brigitte Döbert.)

KIM THUY, “Die vielen Namen der Liebe” (Kunstmann, 8. März. Deutsch von Andrea Alvermann, Brigitte Große.)

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CARSTEN JENSEN, “Der erste Stein” (Knaus, 13. März, Deutsch von Ulrich Sonnenberg.)

LUKE KENNARD, “Transition: Das Programm” (Droemer, 3. April. Deutsch von Karl-Heinz Ebnet.)

OLIVIA SUDJIC, “Sympathie” (Kein & Aber, 7. April, Deutsch von Ann-Christin Kramer.)

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VAL EMMICH, “Die Unvergesslichen” (Droemer, 2. Mai. Deutsch von Eva Bonné.)

FRANCESCA SEGAL, “Ein sonderbares Alter” (Kein & Aber, 5. Mai, Deutsch von Anna-Nina Kroll.)

AE-RAN KIM, “Mein pochendes Leben” (Cass, Deutsch von Sebastian Bring.)

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Comics:

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HAMID SULAIMAN, “Freedom Hospital” (Hanser Berlin, Kai Pfeiffer.)

GUY DELISLE, “Geisel” (Reprodukt, 1. März. Deutsch von Heike Drescher.)

DANIEL CLOWES, “Patience” (Reprodukt, 1. März. Deutsch von Jan Dinter.)

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Sachbuch: 

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ILIJA TROJANOW, “Nach der Flucht” (S. Fischer)

BETTINA STANGNETH, “Lügen lesen” (Rowohlt, 23. Juni)

TALI SHAROT, “Die Meinung der anderen” (Siedler, 9. Mai. Deutsch von Susanne Kuhlmann-Krieg.)

JOACHIM RADKAU, “Geschichte der Zukunft” (Hanser, 30. Januar)

MOHAMED AMJAHID, “Unter Weißen”

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gelesen:

RACHEL KUSHNER, “Telex aus Kuba” (Rowohlt, 22. April. Deutsch von Bettina Abarbanell.)

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Links zu den (v.a. Belletristik-) Vorschaukatalogen für Frühling/Frühjahr/erstes Halbjahr 2017…

…der meisten größeren deutschsprachigen Verlage.

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Albino | Antje Kunstmann | Atlantik | Aufbau | Berenberg | Berlin Verlag | Blessing | Blumenbar | Braumüller | btb | C.H. BeckDiogenes | Dörlemann | Droemer Knaur | Dumont | dtvDVA | Edition Atelier | Edition Büchergilde | Edition fotoTAPETA | Edition Nautilus | Galiani | Goldmann | Guggolz | Hanser | Hanser Berlin | Hoffmann und Campe (und das neue Imprint Tempo) | Insel | Jung und Jung | Kein & Aber | Kiepenheuer & Witsch | Klaus Wagenbach (n/a) | Klett-Cotta (und Imprint Tropen) | KnausKremayr & Scheriau | Liebeskind | List | Louisoder |  Luchterhand | LuftschachtManesse | Matthes & Seitz | Mikrotext | Nagel & KimchePenguin | PiperPolar Verlag | Reclam | Reprodukt (Comics) | Rowohlt; und Rowohlt BerlinS. Fischer | SchöfflingSiedlerSuhrkamp | Ullstein (und das neue Imprint Ullstein Fünf) | Verbrecher Verlag | Voland & Quist | WallsteinWeidleZsolnay/Deuticke

Danke an Ilja Regier, der Mitte 2016 eine ähnliche Liste erstellte, für die Herbst-Novitäten.

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Verlags-Vorschauen Frühjahr 2017 – verlinkt

neue Bücher 2016

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nur kurz, gesammelt:

Links zu den (v.a. Belletristik-) Vorschaukatalogen für Frühling/Frühjahr/erstes Halbjahr 2017…

…der meisten größeren deutschsprachigen Verlage.

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Albino | Antje Kunstmann | Atlantik | Aufbau | Berenberg | Berlin Verlag | Blessing | Blumenbar | Braumüller | btb | C.H. BeckDiogenes | Dörlemann | Droemer Knaur | Dumont | DVA | Edition Atelier | Edition Büchergilde | Edition fotoTAPETA | Edition Nautilus | Galiani | Goldmann | Guggolz | Hanser | Hanser Berlin | Hoffmann und Campe (und das neue Imprint Tempo) | Insel | Jung und Jung | Kein & Aber | Kiepenheuer & Witsch | Klaus Wagenbach (n/a) | Klett-Cotta (und Imprint Tropen) | KnausKremayr & Scheriau | Liebeskind | List | Louisoder |  Luchterhand | Manesse | Matthes & Seitz | Mikrotext | Nagel & KimchePenguin | PiperPolar Verlag | Reclam | Reprodukt (Comics) | Rowohlt; und Rowohlt BerlinS. Fischer | SchöfflingSiedlerSuhrkamp | Ullstein (und das neue Imprint Ullstein Fünf) | Verbrecher Verlag | Voland & Quist | WallsteinWeidleZsolnay/Deuticke

Danke an Ilja Regier, der Mitte 2016 eine ähnliche Liste erstellte, für die Herbst-Novitäten.

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Die besten Jugendbücher für 2017: Buchtipps

2014 WordPress Regal

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Zweimal im Jahr stelle ich im Blog neue Jugendbücher vor:

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heute, wie jedes Jahr vor Weihnachten:

Young-Adult-Romane (meist aus den USA), angelesen, sehr gemocht – von denen ich mir für 2017 Übersetzungen ins Deutsche wünsche.

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01: STEPHANIE KATE STROHM, “It’s not me, it’s you”
  • High-School-Komödie, verfasst im Stil von Studs Terkel: “Zeitzeugen” berichten – und widersprechen sich. Charmante Unterhaltung.

“Avery is one of the most popular girls in her class. But a public breakup causes disastrous waves. Now, Avery gets to thinking about the guys that she has dated. How come none of those relationships worked out? Could it be her fault? In history class she’s learning about this method of record-keeping called “oral history”. So Avery decides to go directly to the source. She tracks down all the guys and uses thoughts from friends, family, and teachers, to compile a total account of her dating history.” [Klappentext, gekürzt]

It's Not Me, It's You

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02: A.S. KING, “Still Life with Tornado”

  • Seit “Please don’t hate me”, “Please ignora Vera Dietz” und “Reality Boy” meine Lieblings-Jugendbuchautorin. Aber: auch wieder eine sehr zerquälte und flapsige Hauptfigur, die sich selbst im Weg steht. Kein Gute-Laune-Buch.

“Sarah is several people at once. And only one of them is sixteen. Her parents insist she’s a gifted artist with a bright future, but now she can’t draw a thing. Meanwhile, there’s a ten-year-old Sarah with a filthy mouth. A twenty-three-year-old Sarah with a bad attitude. And a forty-year-old Sarah. They’re all wandering Philadelphia, and they’re all worried about Sarah’s future. Sarah might be having an existential crisis. Or maybe all those other Sarahs are trying to wake her up before she’s lost forever in the tornado of violence and denial that is her parents’ marriage.” [Klappentext, gekürzt]

Still Life with Tornado

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03: SHANNON LEE ALEXANDER, “Life after Juliet”
  • Mainstream-Romance; aber deutlich besser geschrieben als nötig.

“When her best friend Charlotte died, Becca gave up on the real world and used her books to escape. Until she meets Max Herrera. He’s experienced loss, too. As it turns out, kissing is a lot better in real life than on a page. But happy endings aren’t always guaranteed.” [Klappentext, gekürzt]

Life After Juliet

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04: WILL KOSTAKIS, “The Sidekicks”

  • Das nichtssagende Cover stieß mich ab – aber die Figurenkonstellation macht Spaß. Auch, wenn alles hier (Thema, Tonfall) etwas gestrig/angestaubt wirkt.

“All Ryan, Harley and Miles had in common was Isaac. They lived different lives, had different interests and kept different secrets. But they shared the same best friend. They were sidekicks. And now that Isaac’s gone, what does that make them?” [Klappentext, gekürzt].

The Sidekicks

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05: JENNIFER NIVEN, “Holding up the Universe”

  • Ich bin gesichtsblind – wie die männliche Hauptfigur, hier; und glaube, das Buch trägt viel zu dick auf. Und: Ich bin kein Fan von Außenseiter-Romances. Trotzdem las ich los – und hatte Lust, noch lange weiter zu lesen.

“Everyone thinks they know Libby Strout, the girl once dubbed “America’s Fattest Teen.” Following her mom’s death, she’s been picking up the pieces in the privacy of her home. Everyone thinks they know Jack Masselin. What no one knows is that Jack can’t recognize faces. Even his own brothers are strangers to him. The two get tangled up in a cruel high school game—which lands them in group counseling and community service.” [Klappentext, gekürzt]

Holding Up the Universe

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06: NICOLA YOON, “The Sun is also a Star”

  • Noch eine Mainstream-Romance, die mich skeptisch macht. Aber: solide geschrieben.

Natasha: I believe in science and facts. Not destiny. Or dreams that will never come true. I’m not the kind of girl who meets a cute boy on a crowded New York City street and falls in love. Not when my family is twelve hours away from being deported to Jamaica. Daniel: I’ve always been the good son. Never the poet. Or the dreamer. But when I see Natasha, I forget about all that.” [Klappentext, gekürzt]

The Sun Is Also a Star

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07: J.P. ROMNEY, “The Monster on the Road is me”

  • Klischeehafte Figurenkonstellation, ein klischeehaft westlicher Blick auf Japan? Doch dass der Roman bei FSG erscheint, macht mir Mut. Im besten Fall: surreale, literarische All-Ages-Unterhaltung wie David Mitchell.

“Koda Okita is a high school student in modern-day Japan. He suffers from narcolepsy and has to wear a watermelon-sized helmet to protect his head in case he falls. When a rash of puzzling deaths sweeps his school, Koda discovers that his narcoleptic naps allow him to steal the thoughts of nearby supernatural beings. He learns that his small town is under threat from a ruthless mountain demon.” [Klappentext, gekürzt]

The Monster on the Road Is Me

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08: VICTORIA SCHWAB, “This Savage Song”

  • Die mittlerweile dritte (?) Trilogie von Victoria Schwab binnen weniger Jahre. Jedes Mal mag ich den Stil, doch jedes Mal langweilt mich die Erzählwelt.

“A city at war, a city overrun with monsters. Kate Harker and August Flynn are the heirs to a divided city. Kate wants to be as ruthless as her father, who lets the monsters roam free and makes the humans pay for his protection. August wants to be as good-hearted as his own father, to play a bigger role in protecting the innocent—but he’s one of the monsters. Kate discovers August’s secret, and after a failed assassination attempt the pair must flee for their lives.” [Klappentext, gekürzt]

This Savage Song (Monsters of Verity, #1)

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09: E.K. JOHNSTON, “Exit, Pursued by a Bear”

  • Hartes Thema, feministischer Blick: das Buch aus dieser Liste, auf das ich am gespanntesten bin.

“Hermione Winters is the envied girlfriend and the undisputed queen of her school. But then someone puts something in her drink at a party. Victim. Survivor. That raped girl. Even though this was never the future she imagined, one essential thing remains unchanged: Hermione can still call herself Polly Olivier’s best friend. Heartbreaking and empowering, Exit, Pursued by a Bearis the story of friendship in the face of trauma.” [Klappentext, gekürzt]

Exit, Pursued by a Bear

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10: JULIE BUXBAUM, “Tell me three Things”

Everything about Jessie is wrong. That’s what it feels like during her first week at her new ultra-intimidating prep school. It’s been barely two years since her mother’s death, and because her father eloped with a woman he met online, Jessie has been forced to move across the country. Buxbaum mixes comedy and tragedy, love and loss in her debut YA novel filled with characters who will come to feel like friends.” [Klappentext, gekürzt]

Tell Me Three Things

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zehn Middle-Grade-Novels (für ca. Elf- bis Vierzehnjährige):

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11: NATALIE DIAS LORENZI, “A long Pitch Home”
  • Sentimentales Cover. Baseball lässt mich meist kalt. Doch ich mag “Ms. Marvel” (…deren Eltern, Muslime aus Pakistan, nach New Jersey auswanderten), und hoffe auf einen ähnlich klugen, warmherzigen Blick/Ton.

“Ten-year-old Bilal liked his life back home in Pakistan. He was a star on his cricket team. But when his father suddenly sends the family to live with their aunt and uncle in America, nothing is familiar. While Bilal tries to keep up with his cousin Jalaal by joining a baseball league, he wonders when his father will join the family in Virginia. Playing baseball means navigating relationships with the guys, and with Jordan, the only girl on the team—the player no one but Bilal wants to be friends with.” [Klappentext, leicht gekürzt]

A Long Pitch Home

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12: JENN BISHOP, “The Distance to Home”

  • Baseball, Familie, Trauerarbeit: sehr amerikanisch – doch es wirkt nicht allzu seicht oder simpel.

“Quinnen was the star pitcher of her baseball team. After the death of her best friend and older sister, Haley, everything is different. The one glimmer of happiness comes from the Bandits, the local minor-league baseball team. For the first time, Quinnen and her family are hosting one of the players for the season.” [Klappentext, gekürzt]

The Distance To Home

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13: ERIC DINERSTEIN, “What Elephants know”

  • Mich irritiert die ‘Dschungelbuch’-artige Hauptfigur, und mich stört, dass vor allem Autoren aus dem Westen Kinderbücher über andere Kulturkreise schreiben. Trotzdem: Ein solide recherchierter Tier- und Abenteuer-Roman?

“Abandoned in the jungle of the Nepalese Borderlands, two-year-old Nandu is found living under the protective watch of a pack of wild dogs. Fate delivers him to the King’s elephant stable, where he is raised by unlikely parents-wise, fierce and affectionate elephants. When the king’s government threatens to close the stable, Nandu, now twelve, searches for a way to save his family and community.” [Klappentext, gekürzt]

What Elephants Know

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14: KATE MESSNER, “The Seventh Wish”
  • Mich langweilen “Du hast Wünsche frei!”-Plots, bei denen alle Wünsche schief gehen. Doch auf den ersten Blick wirkt das hier süffig, einladend, gekonnt.

“Charlie feels like she’s always coming in last. From her Mom’s new job to her sister’s life at college, everything seems more important than her. While ice fishing, Charlie discovers a floppy fish offering to grant a wish.” [Klappentext, gekürzt]

The Seventh Wish

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15: M.G. HENNESSEY, “The Other Boy”

  • Schön, dass statt “Wie werde ich ein Junge?” hier “Ich bin bereits als Junge akzeptiert. Wie halte ich diesen Status?” das Grundproblem zu sein scheint:

“A transgender boy’s journey toward acceptance: Twelve-year-old Shane loves pitching for his baseball team, working on his graphic novel, and hanging out with his best friend, Josh. But Shane is keeping something private, something that might make a difference to his teammates, to Josh, and to his new crush, Madeline. And when a classmate threatens to reveal his secret, Shane’s whole world comes crashing down.” [Klappentext, gekürzt]

The Other Boy

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16: BEN HATKE, “Mighty Jack” (Graphic Novel)

  • Simple, aber sehr stilsicher gezeichnete Graphic Novel bei der ich (wie so oft) die Familienprobleme und die Alltagswelt interessanter finde als die Fantasy-Räume, die sich plötzlich darin öffnen.

“Summer is when his single mom takes a second job and leaves Jack at home to watch his autistic kid sister, Maddy. It’s a lot of responsibility, and it’s boring, too, because Maddy doesn’t talk. Ever. But then, one day at the flea market, Maddy does talk—to tell Jack to trade their mom’s car for a box of mysterious seeds. What starts as a normal little garden out back behind the house quickly grows up into a wild, magical jungle with tiny onion babies running amok, huge, pink pumpkins that bite, and, on one moonlit night that changes everything…a dragon” [Klappentext, gekürzt]

Mighty Jack (Mighty Jack, #1)

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17: ELLY SWARTZ, “Finding Perfect”

  • Die platte Comedy und die vielen Gender-Klischees auf deutschen Poetry Slams langweilen mich. US-Slams kenne ich nicht. Trotzdem würde ich lieber mehr über Zwangsstörungen lesen – als über die… befreiende Kraft von Poesie-Wettbewerben:

“Molly’s mother left the family to take a faraway job with the promise to return in one year. Molly knows that promises are often broken, so she hatches a plan to bring her mother home: Win the Lakeville Middle School Slam Poetry Contest. The winner is honored at a fancy banquet with table cloths. Molly’s sure her mother would never miss that. Right…?But as time goes on, writing and reciting slam poetry become harder. Actually, everything becomes harder as new habits appear, and counting, cleaning, and organizing are not enough to keep Molly’s world from spinning out of control.” [Klappentext, minimal gekürzt]

Finding Perfect

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18: WESLEY KING, “OCDaniel”

“A boy whose life revolves around hiding his obsessive compulsive disorder. Daniel spends football practice perfectly arranging water cups—and hoping no one notices, especially his best friend Max, and Raya, the prettiest girl in school. His life gets weirder when another girl at school, who is unkindly nicknamed Psycho Sara, notices him for the first time.” [Klappentext, gekürzt]

OCDaniel

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19: MELANIE CONKLIN, “Counting Thyme”

  • Ein Mädchen, das nach New York zieht… und die Provinz vermisst: Ich mag, dass hier verhältnismäßig kleine Alltagssorgen sehr ernst genommen werden.

“Eleven-year-old Thyme’s little brother is accepted into a new cancer drug trial and the Owens family has to move to New York, thousands of miles away from everything she knows and loves. Thyme loves her brother—she’d give anything for him to be well—but she still wants to go home. She finds herself even more mixed up when her heart feels the tug of new friends, a first crush, and even a crotchety neighbor and his sweet whistling bird.” [Klappentext, gekürzt]

Counting Thyme

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20: LINDSAY EAGAR, “Hour of the Bees”

  • Magischer Realismus, Familiengeheimnisse, ein schrulliger Opa: die Zutaten sind mir zu altbacken. Aber: sehr gut geschrieben!

“Twelve-year-old Carolina is in New Mexico, helping her parents move the grandfather she’s never met into a home for people with dementia. At first, Carol avoids prickly Grandpa Serge… A novel of family and discovering the wonder of the world.” [Klappentext, gekürzt]

Hour of the Bees

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fünf ältere Titel (2013 bis 2015), jetzt erst entdeckt:

2015: STEPHANIE TROMLY, “Trouble is a Friend of mine”

“The first time Philip Digby shows up on Zoe’s doorstep, he’s rude and treats her like a book he’s already read and knows the ending to. But before she knows it, Zoe’s allowed Digby—annoying, brilliant, and somehow…attractive? Digby—to drag her into a series of dangerous and only vaguely legal schemes all related to the kidnapping of a local teenage girl. Is Digby a hero? Or is his manic quest an attempt to repair his own broken family and exorcize his obsessive-compulsive tendencies?” [Klappentext, gekürzt]

Trouble Is a Friend of Mine (Trouble, #1)

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2015: EMMA CARROLL, “In Darkling Wood”

  • Märchen-Klischees und ein Klischee-Cover – doch die Geschichte wirkt behutsam, stimmungsvoll, gekonnt erzählt.

“When Alice’s brother gets a chance for a heart transplant, Alice is bundled off to her estranged grandmother’s house. There’s nothing good about staying with Nell, except for the beautiful Darkling Wood at the end of her garden – but Nell wants to have it cut down. Alice feels at home there, at peace, and even finds a friend, Flo. But Flo doesn’t seem to go to the local school and no one in town has heard of a girl with that name. When Flo shows Alice the surprising secrets of Darkling Wood, Alice starts to wonder, what is real? And can she find out in time to save the wood from destruction?” [Klappentext, minimal gekürzt]

In Darkling Wood

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2014: KSENIA ANSKE, “Rosehead”
  • Absurder Plot, schwarzer Humor… ich bin nur skeptisch, inwieweit das “Berlin” im Buch authentisch/stimmig wirken kann.

“Misunderstood and overmedicated, twelve-year-old Lilith finds the prospect of a grand family reunion dull… until she discovers that the rose garden surrounding her grandfather’s Berlin mansion is completely carnivorous. Armed with Panther, her talking pet whippet, and the help of the mute boy next door, Lilith must unravel the secrets behind the mysterious estate, all while her family remains gloriously unaware that they are about to be devoured.” [Klappentext, gekürzt]

Rosehead

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2014: SARA CASSIDY, “Skylark”

  • Toller Tonfall, interessante Familie – nur: Slam Poetry? Ich bin skeptisch.

“Angie lives in an old car with her brother and mother. Homeless after their father left, the family tries to live as normally as possible between avoiding the police and finding new places to park each night. When Angie discovers slam poetry, she finds a new way to express herself and find meaning and comfort in a confusing world.” [Klappentext, gekürzt]

Skylark

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2013: MANDY HAGER, “Dear Vincent”

  • Neuseeländischer Roman über Selbstmord/Depressionen. Ich weiß nicht genau, warum das Mädchen Van Gogh UND einen Professor als wichtigste Bezugsfiguren hat, und fürchte mich vor Mansplaining und romantisiertem Künstler-Bla.

“17 year old Tara shares the care of her paralysed father with her domineering, difficult mother. She’s still grieving the loss of her older sister Van, who died five years before. And she is enamoured with Vincent Van Gogh and finds many parallels between the tragic story of his life and her own. Then, she meets Professor Max Stockhamer, a Jewish refugee and philosopher and his grandson Johannes.” [Klappentext, gekürzt]

Dear Vincent

Die besten Geschenke 2016: Buchtipps und Empfehlungen zu Weihnachten

schwule Literatur, deutschsprachig

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die zehn Bücher, die ich am häufigsten verschenke:

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Fun Home: Eine Familie von Gezeichneten  The Notebook, The Proof, The Third Lie: Three Novels  Revolutionary Road  The Road  To Kill a Mockingbird (To Kill a Mockingbird #1)

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Der Garten Eden  Weiter leben. Eine Jugend.  Daytripper  The Summer Book  Das große Los

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Buchtipps sind… sinnlos. In meinem privaten (Zuhause-)Freundeskreis jedenfalls:

Es fällt mir leichter (und wirkt weniger… übergriffig / aufdringlich), auf Amazon Marketplace, Medimops oder Rebuy zwei, drei gebrauchte Ausgaben zu kaufen und zu verschenken – statt Freunden mit Kaufempfehlungen in den Ohren zu liegen.

Sobald ich denke “Er/sie hätte Spaß, mit diesem Buch”, kaufe ich eine billige Ausgabe.

Hier: Die Bücher und DVDs, die ich 2015 und 2016 verschenkte. 95 Prozent davon: selbst schon gelesen, und sehr gemocht.

Blau markierte Titel kamen sehr gut an.

Rot markierte Titel kamen schlecht an.

verschenkt 2011 | verschenkt 2012 | verschenkt 2013verschenkt 2014

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Geschenke 2015 und 2016:

Kinder:

Sohn einer Schulfreundin, im April geboren:

  • Frans Lanting: “Auge in Auge” (Coffee-Table-Book mit Tierfotos, Link)

Pflegetochter meiner besten Freunde, 2:

  • Eva Muggenthaler: “Fish on a Walk” (Bilderbuch, Link)

meine Nichte, 2:

  • JonArno Lawson: “Sidewalk Flowers” (Bilderbuch, Link)
  • Katharina Grossmann-Hensel: “Eltern richtig erziehen” (Bilderbuch, Link)

meine Patentochter, 3:

  • JonArno Lawson: “Sidewalk Flowers” (Bilderbuch, Link)
  • Jeff Mack: “Gut gelaufen! Schlecht gelaufen!” (Bilderbuch, Link)
  • Oyvind Torsetter: “Das Loch” (Bilderbuch, Link)
  • Karsten Teich: “Wir sind 1 a” (Bilderbuch, Link)

mein Neffe, 7:

  • “Star Wars: Rebels”, Staffel 1 (DVD, Link)
  • “Avatar: Herr der Elemente”, Staffel 1 (DVD, Link)
  • Kiyohiko Azuma: “Yotsuba!” (Manga, Band 1 und 2, Link)

Sohn meiner besten Freunde, 9:

  • Eiichiro Oda: “One Piece”, Band 1 (Manga, Link; er las dann alle 70+ Bände)
  • Yusei Matsui: “Assassination Classroom”, Band 1 (Manga, Link; er las dann alle ca. 14 Bände)
  • Art Balthazar, Franco: “Superman Family Adventures”, Band 1 und 2 (Kinder-Comics, Link)
  • Guy Delisle: “Ratgeber für schlechte Väter” (Cartoons, Link)
  • Brian Selznick: “Wunderlicht” (Kinderbuch, Link)
  • “Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark”, Staffel 1 (DVD, Link)

Tochter meiner besten Freunde, fast 15:

  • Kiyohiko Azuma: “Yotsuba&!”, Band 13 (Manga, Link)
  • Anne Frank: “Tagebuch” (Link)
  • Jean Kwok: “Goodbye, Chinatown” (Memoir, Link)
  • Jean-Paul Sartre: “Geschlossene Gesellschaft” (Theaterstück, Link)
  • Nick Burd: “Die Wonnen der Gewöhnlichkeit” (Jugendbuch, Link)
  • Stephen Chbosky: “Vielleicht lieber morgen” (Jugendbuch, Link)
  • Kaoru Mori: “Young Bride’s Story”, Band 1 (Manga, Link)
  • CLAMP: “Wish”, Komplettausgabe, 1 bis 4 (Manga, Link)

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Eye to Eye Fish On A Walk Sidewalk Flowers Good News, Bad News Das Loch Yotsuba&!, Vol. 01 (Yotsuba&! #1) One Piece, Bd.1, Das Abenteuer Beginnt (One Piece, #1) 暗殺教室 1 [Ansatsu Kyoushitsu 1] (Assassination Classroom, #1) Superman Family Adventures, Vol. 1 Ratgeber für schlechte Väter Wunderlicht Tagebuch der Anne Frank Girl in Translation Geschlossene Gesellschaft Die Wonnen der Gewöhnlichkeit Vielleicht Lieber Morgen A Bride's Story, Vol. 1 (A Bride's Story, #1) Wish, Vol. 01 (Wish, #1)

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Frauen:

meine Schwester, 24:

  • Christoph Kucklick: “Die granulare Gesellschaft” (Sachbuch, Link)
  • David McCandless: “Information is beautiful” (Infografiken, Link)
  • Florian Illies: “Generation Golf” (Sachbuch, Link)
  • Ralf Grauel: “Deutschland verstehen” (Infografiken, Link)
  • Christiane Neudecker: “Boxenstopp” (Roman, Link)

Pädagogin, gerade Mutter geworden, 33:

  • Stewart O’Nan: “Die Chance” (Roman, Link)
  • Valerian Tornius: “Zwischen Hell und Dunkel: Ein Rembrandt-Roman” (Roman, Link)
  • Tobias Wolff: “This Boy’s Life” (Memoir, Link)
  • Meike Winnemuth: “Das große Los” (Reisereportage, Link)

Pädagogin, 33:

  • Meike Winnemuth: “Das große Los” (Reisereportage, Link)
  • Slavenka Drakulic: “Als gäbe es mich nicht” (Roman, Link)
  • Agota Kristof: “Das große Heft” (Roman, Link)

Ärztin, 33 – mochte “‘Mind-Boggling’, Evening Post” von Max Goldt:

  • Max Goldt: “Quitten für die Menschen von Emden bis Zittau” (Kolumen, Link)
  • Max Goldt: “Die Kugeln in unseren Köpfen” (Kolumnen, Link)
  • Max Goldt: “Der Krapfen auf dem Sims” (Kolumnen, Link)
  • Max Goldt: “Ä” (Kolumnen, Link)
  • Haruki Murakami: “Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” (Roman, Link)

Pädagogin, 34:

  • Anna-Katharina Hahn: “Am schwarzen Berg” (Roman, Link)
  • Andreas Maier: “Das Zimmer” (Roman, Link)
  • Maria Semple: “Wo steckst du, Bernadette?” (Roman, Link)
  • James Baldwin: “100 Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung” (Bürgerrechts-Manifest, Link)
  • Tina Fey: “Bossypants. Haben Männer Humor?” (Memoir, Link)

Pädagogin, 34 – liest fast nur Theaterstücke und Comics/Mangas:

  • Ryan North: “Squirrel Girl” (Comic, Link)
  • Kou Yaginuma: “Twin Spica” (Manga, Band 1 und 2, Link)

Bürokauffrau, 37:

  • Jean-Dominique Bauby: “Schmetterling und Taucherglocke” (Memoir, Link; dazu die Verfilmung auf DVD)
  • Markolf Hoffmann: “Ines öffnet die Tür” (Jugendbuch, Link)

Krankenschwester, ca. 60:

  • Heide Koehne: “Der Buchladen” (Roman, Link)
  • Slavenka Drakulic: “Als gäbe es mich nicht” (Roman, Link)

meine Mutter (ehem. Arzthelferin, Anfang 60):

  • “Orphan Black”, Staffel 1 (DVD, Link)
  • “Mad Men”, Staffel 7 (DVD, Link)
  • Jenny Erpenbeck: “Gehen, ging, gegangen” (Roman, Link)
  • Philippe Vigand, Stéphane Vigand: “Verdammte Stille” (Memoir, Link)
  • Anna Wimschneider: “Herbstmilch. Lebenserinnerungen einer Bäuerin” (Memoir, Link)
  • David Levithan: “Two Boys Kissing” (Jugendbuch, Link)
  • Maria Semple: “Wo steckst du, Bernadette?” (Roman, Link)

Mutter einer Schulfreundin, in Santa Monica aufgewachsen, Ende 60:

  • Emmanuel Guibert: “How the World was. A California Childhood” (Graphic Novel, Link)
  • Richard Yates: “Revolutionary Road” (Roman, Link)

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Die granulare Gesellschaft: Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst The Visual Miscellaneum: A Colorful Guide to the World’s Most Consequential Trivia Generation Golf. Eine Inspektion Deutschland verstehen Boxenstopp: Roman Die Chance Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman This Boy's Life Das große Los Das große Heft Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau Die Kugeln in unseren Köpfen. Der Krapfen auf dem Sims. Ä Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt Am Schwarzen Berg Das Zimmer Wo steckst du, Bernadette? The Fire Next Time Bossypants The Unbeatable Squirrel Girl, Volume 1: Squirrel Power Twin Spica, Volume: 01 Schmetterling Und Taucherglocke Ines öffnet die Tür Der Buchladen Gehen, ging, gegangen Verdammte Stille Herbstmilch Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt How the World Was: A California Childhood

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Männer:

Hotelkaufmann, 26 – reiste nach Thailand:

  • Alex Garland: “Der Strand” (Roman, Link)
  • Josef Haslinger: “Phi Phi Island. Ein Bericht.” (Memoir, Link)

Mein Bruder – Mechatroniker, 31:

  • “Community” (DVD, Staffel 1, Link)
  • “Homeland” (DVD, Staffel 1, Link)
  • “The Americans” (DVD, Staffel 1, Link)

Ingenieur, 32:

  • David Eagleman: “Fast im Jenseits” (tolle Gedankenspiele, Link)
  • Greg Rucka: “Lazarus”, Band 1 (Comic, Link)

Lyriker, 33 – Fan von Nonsens-Texten und Satire:

  • Edgar Hilsenrath: “Zibulsky” (satirische Kurztexte, Link)

Bankkaufmann, 35:

  • Haruki Murakami: “Naokos Lächeln” (Roman, Link)
  • Haruki Murakami: “Mister Aufziehvogel” (Roman, Link)
  • Sebastian Haffner: “Die Geschichte eines Deutschen” (Memoir, Link)
  • Arthur Miller: “Focus” (Roman, Link)
  • Nicholson Baker: “Menschenrauch” (Geschichts-Sachbuch, Link)
  • Josef Haslinger: “Phi Phi Island. Ein Bericht.” (Memoir, Link)
  • Geoff Dyer: “Sex in Venedig, Tod in Varanasi” (Roman, Link)
  • Tina Fey: “Bossypants: Haben Männer Humor?” (Memoir, Link)
  • Octavia Butler: “Vom gleichen Blut” (Roman, Link)
  • W.G. Sebald: “Die Ausgewanderten” (Roman/Kurzgeschichten, Link)

Kunstpädagoge, 36:

  • Edouard Levé: “Autoportrait” (Memoir/Textmontage, Link)
  • Gertraud Klemm: “Muttergehäuse” (Memoir, Link)
  • David Eagleman: “Fast im Jenseits” (tolle Gedankenspiele, Link)
  • Raymond Briggs: “Ethel & Ernest” (Graphic Novel, Link)

Mathe- und Sportlehrer, 36:

  • Sebastian Haffner: “Die Geschichte eines Deutschen” (Memoir, Link)
  • Sebastian Christ: “Was von Deutschland übrig bleibt” (Reportage, Link)
  • Anna Funder: “Stasiland” (Reportage, Link)

mein Vater, Mechatroniker, 60:

  • “Der Gigant aus dem All” (DVD, Link)
  • “Boyhood” (DVD, Link)
  • “Gravity” (DVD, Link)
  • “Vielleicht lieber morgen” (DVD, Link)

…und ich sah meinen US-Lieblingsautor, Stewart O’Nan, im Sommer in Freiburg und moderierte eine seiner Lesungen. O’Nans Roman “West of Sunset” spielt unter Drehbuchautoren im Hollywood der 40er Jahre, und ich musste an eine Graphic Novel denken, das im selben Milieu spielt und mich sehr begeisterte – also schenkte ich es ihm:

  • Ed Brubaker: “The Fade Out”, Band 1 (Graphic Novel, Link)

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Der Strand Phi Phi Island: Ein Bericht Fast Im Jenseits Lazarus, Vol. 1: Family Zibulsky oder Antenne im Bauch: Satiren Naokos Lächeln Mister Aufziehvogel Geschichte eines Deutschen Fokus Menschenrauch Wie Der Zweite Weltkrieg Begann Und Die Zivilisation Endete Sex in Venedig, Tod in Varanasi Vom gleichen Blut Die Ausgewanderten Autoportrait Muttergehäuse Ethel and Ernest Was von Deutschland übrig bleibt: eine Wanderreportage Stasiland The Fade Out: Act One

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mein Partner und ich wohnen zusammen – und ich kaufe/schenke ihm fast nie Bücher: Er liest meine Ausgaben mit, statt sich ein eigenes, zweites Exemplar zu holen. Bücher, die ich ihm empfahl, und die er las, seit Ende 2014:

Freund M., Florist, 35:

  • Barbara Pym: “Vortreffliche Frauen” (Roman, Link)
  • Francois Truffaut: “Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?” (Interview, Link)
  • Alice Walker: “Die Farbe Lila” (Roman, Link)
  • Anna Katharina Hahn: “Am schwarzen Berg” (Roman, Link)
  • Anna Katharina Hahn: “Kürzere Tage” (Roman, Link)
  • Christoph Schmitz: “Das Wiesenhaus” (Roman, Link)
  • Erik Neutsch: “Spur der Steine” (Roman, Link)
  • Ruth Klüger: “weiter leben” (Memoir, Link)
  • Anonyma: “Eine Frau in Berlin” (Memoir, Link)
  • Anna Wimschneider: “Herbstmilch” (Memoir, Link)
  • Erich Maria Remarque: “Drei Kameraden” (Roman, Link)
  • Kazuo Ishiguro: “Was vom Tage übrigblieb” (Roman, Link)
  • R.C. Sherriff: “Septemberglück” (Roman, Link)
  • Ernest Hemingway: “Der Garten Eden” (Roman, Link)
  • Ariel Magnus: “Zwei lange Unterhosen der Marke Hering” (Memoir, Link)
  • Joan Didion: “Das Jahr magischen Denkens” (Memoir, Link)
  • Terezia Mora: “Der einzige Mann auf dem Kontinent” (Roman, Link)
  • Josef Haslinger: “Phi Phi Island. Ein Bericht.” (Memoir, Link)
  • Valerian Tornius: “Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman” (Link)
  • Haruki Murakami: “Naokos Lächeln” (Roman, Link)
  • Marc Degens: “Fuckin’ Sushi” (Roman, Link)
  • Leif Randt: “Schimmernder Dunst über CobyCounty” (Roman, Link)

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Vortreffliche Frauen Mr. Hitchcock, Wie Haben Sie Das Gemacht? Die Farbe Lila Am Schwarzen Berg Kürzere Tage Das Wiesenhaus Spur der Steine: Roman weiter leben: Eine Jugend Eine Frau in Berlin Herbstmilch Drei Kameraden Was vom Tage übrigblieb Septemberglück Der Garten Eden Zwei lange Unterhosen der Marke Hering Das Jahr magischen Denkens Der einzige Mann auf dem Kontinent Phi Phi Island: Ein Bericht Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman Naokos Lächeln Fuckin Sushi Schimmernder Dunst über Coby County

Die besten Bücher von Frauen: Literatur, 2016

neue Bücher 2016

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Jedes Jahr lese ich die ersten Seiten von ca. 3000 Romanen: Klassiker und Geheimtipps, Literatur und Unterhaltung… und möglichst viele Neuerscheinungen, auf Deutsch und Englisch.

Viele Bücher, deren Leseproben mich überzeugten, stelle ich in kurzen Listen vor – zuletzt zu Themen wie “Jugendbücher 2016”, “Literatur zu Flucht, Krieg und Vertreibung”, “Krimis 2016” oder “feministische Science-Fiction”.

Heute – sehr weit gefasst, aber nicht wahllos:

zehn Bücher von Frauen, erschienen 2016 – angelesen, vorgemerkt, gemocht.

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Zum Einstieg:

6 aktuelle Bücher von Frauen, die ich komplett las – und sehr empfehlen kann.

Adieu, mein Kind Schnell, dein Leben Nach einer wahren Geschichte: Roman Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers Der Pfau Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal

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zehn englischsprachige Titel – angelesen und gemocht:

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01: Zadie Smith, “Swing Time”

  • 453 Seiten, November 2016, Großbritannien
  • Seit fast 15 Jahren lese ich Bücher von Smith an – und lege sie zur Seite, weil sie mir zu bürgerlich-britisch-gesetzt scheinen. Hier fesseln/überzeugen mich die ersten Seiten: ambitionierte Frauen, und eine komplizierte Freundschaft.

“Two brown girls dream of being dancers – but only one, Tracey, has talent. The other has ideas: about rhythm and time, about black bodies and black music. A close but complicated childhood friendship that ends abruptly in their early twenties. Moving from North-West London to West Africa, Swing Time is an exuberant dance to the music of time.” [Klappentext, gekürzt.]

Swing Time
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02: Alice Hoffman, “Faithful”
  • 258 Seiten, November 2016, USA
  • Klingt nach schlimmem Kitsch: ein Engel? Aber: hoher Ton, magischer Realismus, vielleicht ein klug existenzieller Mainstream-Schmöker.

“Growing up on Long Island, an extraordinary tragedy changes Shelby Richmond’s fate. Her best friend’s future is destroyed in an accident, while Shelby walks away with the burden of guilt and has to fight her way back to her own future. In New York City she finds a circle of lost and found souls—including an angel who’s been watching over her.” [Klappentext, gekürzt.]

Faithful

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03: Rachel Cusk, “Transit”

  • 272 Seiten, September 2016, Großbritannien
  • Band 1 der Trilogie war mir zu trocken. Doch ich mag die Idee, über die Zeit nach einer Trennung zu schreiben – nicht vor allem über das Zerbrechen der Ehe zuvor.

“The stunning second novel of a trilogy that began with Outline (2015): In the wake of family collapse, a writer and her two young sons move to London. A penetrating and moving reflection on childhood and fate, the value of suffering and the moral problems of personal responsibility. A precise, short, and yet epic cycle of novels.” [Klappentext, gekürzt.]

Transit

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04: Eimear McBride, “The Lesser Bohemians”

  • 320 Seiten, September 2016, Irland/Großbritannien
  • Avantgarde-Autorin, in die ich seit “A Girl is a half-formed thing” große Hoffnungen setze: Ich mag, wie simpel und bodenständig der Plot hier wirkt – erwarte aber viele Stil- und Perspektiv-Experimente.

“Upon her arrival in mid-1990s London, an 18-year-old Irish girl begins anew as a drama student. She struggles to fit in—she’s young and unexotic, a naive new girl in the big city. Then she meets an attractive older man. He’s an established actor, 20 years older, and an inevitable clamorous relationship ensues.” [Klappentext, gekürzt.]

The Lesser Bohemians

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05: Angela Palm, “Riverine”

  • 224 Seiten, August 2016, USA
  • Klingt sehr dick auftragen: Bei 400 Seiten wäre ich skeptisch. Aber 224? Das könnte klappen:

“Angela Palm grew up in a house set on the banks of a river that had been straightened to make way for farmland. Every year, the Kankakee River in rural Indiana flooded and returned to its old course while the residents sandbagged their homes against the rising water. From her bedroom window, Palm watched the neighbor boy and loved him in secret. As an adult Palm finds herself drawn back. This means visiting the prison where the boy that she loved is serving a life sentence for a brutal murder. Mesmerizing, interconnected essays about what happens when a single event forces the path of her life off course.” [Klappentext, gekürzt.]

Riverine: A Memoir from Anywhere But Here

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06: Natashia Deón, “Grace”

  • 400 Seiten, Juni 2016, USA
  • Historienschmöker, vielleicht unrealistisch verschachtelt. Aber: Figuren, wie ich sie noch nicht kenne!

“A runaway slave in the 1840s south is on the run: Fifteen-year-old Naomi escapes the brutal confines of life on an Alabama plantation and must take refuge in a Georgia brothel run by a freewheeling, gun-toting Jewish madam named Cynthia. There, Naomi falls into a star-crossed love affair with a smooth-talking white man named Jeremy who frequents the brothel’s dice tables all too often. The product of Naomi and Jeremy’s union is Josey, whose white skin and blonde hair mark her as different from the other slave children on the plantation. Josey soon becomes caught in the tide of history when news of the Emancipation Proclamation reaches the declining estate. Grace is a sweeping, intergenerational saga featuring a group of outcast women during one of the most compelling eras in American history.” [Klappentext, gekürzt.]

Grace: A Novel

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07: Ashley Sweeney, “Eliza Waite”

  • 327 Seiten, Mai 2016, USA
  • Dass die Figur ausgerechnet Bäckerin wird, scheint mir bieder. Aber: Gutes Setting, schöner Ton, und nicht zu lang/dick.

“After the tragic death of her husband and son on a remote island in Washington’s San Juan Islands, Eliza Waite joins the throng of miners, fortune hunters, business owners, con men, and prostitutes traveling north to the Klondike in the spring of 1898. In Alaska, Eliza opens a successful bakery on Skagway’s main street and befriends a madam at a neighboring bordello. Occupying this space―a place somewhere between traditional and nontraditional feminine roles―Eliza awakens emotionally and sexually. Part diary, part recipe file, and part Gold Rush history, Eliza Waite transports readers to the sights, sounds, smells, and tastes of a raucous and fleeting era of American history.” [Klappentext, gekürzt.]

Eliza Waite: A Novel
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08: Lucy Knisley, “Something New”

  • 304 Seiten, Mai 2016, USA
  • Graphic Novel in sympathisch schlichtem, aber vielleicht zu naiven Stil: Jedes Mal, wenn ich in die persönlichen Erlebnisberichte Knisleys blättere, habe ich Lust, alles sofort zu lesen. Aber: Vielen Leuten bleibt es zu flach, süßlich, halbfertig.

“A funny and whip-smart new book about the institution of marriage in America told through the lens of her recent engagement and wedding…. The graphic novel tackles the all-too-common wedding issues that go along with being a modern woman: feminism, expectations, getting knocked over the head with gender stereotypes, family drama, and overall wedding chaos and confusion.” [Klappentext, ungekürzt.]

Something New: Tales from a Makeshift Bride
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09: Jessi Klein, “You’ll grow out of it”

  • 291 Seiten, Juli 2016, USA
  • Spaß-Feminismus-Plauder-Memoir, vielleicht zu angepasst und erwartbar. Erstmal aber: eine angenehme, gewitzte Stimme.

“As both a tomboy and a late bloomer, comedian Jessi Klein grew up feeling more like an outsider than a participant in the rites of modern femininity. A relentlessly funny yet poignant take on a variety of topics she has experienced along her strange journey to womanhood and beyond, including her “transformation from Pippi Longstocking-esque tomboy to are-you-a-lesbian-or-what tom man,” and attempting to find watchable porn.” [Klappentext, gekürzt.]

You'll Grow Out of It
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10: Theresa Larson, “Warrior”

  • 272 Seiten, April 2016, USA
  • Hier habe ich Angst vor Ideologien: Army-Begeisterung, “G.I. Jane”-Feminismus, übertriebene Militärbegeisterung. Trotz schlimmem Cover und schlimmem Titel aber klingt diese Lebensgeschichte kantig/interessant, und stilistisch bin ich positiv überrascht.

“At ten, Theresa Lawson was a caregiver to her dying mother. As a young adult, a beauty pageant contestant and model. And as a grown woman, a high-achieving Lieutenant in the Marines, in charge of an entire platoon while deployed in Iraq. Meanwhile, she was battling bulimia nervosa, an internal struggle which ultimately cut short her military service when she was voluntarily evacuated from combat. Theresa’s journey to wellness required the bravery to ask for help, to take care of herself first, and abandon the idea of “perfect.”” [Klappentext, gekürzt.]

Warrior: A Memoir
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Bonus: drei Titel von 2015, die mir erst jetzt auffielen:
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1: Sandra Cisneros, “A House of my own. Stories from my Life”

  • 400 Seiten, Oktober 2015, USA
  • Essays einer Baby-Boomerin, Second-Wave-Feminism. Ich mag ihren Ton – aber habe Angst, die meisten Gedanken schon zehnmal gehört zu haben.

“A richly illustrated compilation of true stories and nonfiction pieces that, taken together, form a jigsaw autobiography: From the Chicago neighborhoods where she grew up and set her groundbreaking The House on Mango Street to her abode in Mexico, the places Sandra Cisneros has lived have provided inspiration for her now-classic works of fiction and poetry. Ranging from the private (her parents’ loving and tempestuous marriage) to the political (a rallying cry for one woman’s liberty in Sarajevo) to the literary (a tribute to Marguerite Duras), and written with her trademark sensitivity and honesty, these poignant, unforgettable pieces give us not only her most transformative memories but also a revelation of her artistic and intellectual influences.” [Klappentext, gekürzt.]

A House of My Own: Stories from My Life

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2: Wendi Stewart, “Meadowlark” (dt: “Ein unbesiegbarer Sommer”, 2016)

  • 336 Seiten, Kanada 2015. (Deutsch bei Nagel & Kimche)
  • Kanadische Coming-of-Age-Romane reden manchmal viel zu lange nur über Natur, Schnee und Wildnis-/Jäger-/Farm-Melancholie. Eine Freundin fand das Buch mittelmäßig. Ich bleibe vorsichtig optimistisch:

“Als das Auto der Familie Archer in Kanada durchs Eis eines gefrorenen Sees bricht, kann Robert einzig seine Tochter retten. Rebecca kümmert sich allein um den Haushalt und die Farm, der Vater kapselt sich ab. Trost findet sie in der Freundschaft mit Chuck, einem empfindsamen, von seinem Vater tyrannisierten Jungen, und mit Lissie, die von einer perfektionistischen Adoptivmutter gegängelt wird.” [Klappentext, gekürzt.]

Ein unbesiegbarer Sommer

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3: Yeonmi Park, “In Order to Live” (dt: “Mut zur Freiheit. Meine Flucht aus Nordkorea”, 2015)

“Yeonmi Park träumte nicht von der Freiheit, als sie im Alter von erst 13 Jahren aus Nordkorea floh. Sie wusste nicht einmal, was Freiheit ist. Alles, was sie wusste war, dass sie und ihre Familie sterben würde, wenn sie bliebe—vor Hunger, an einer Krankheit oder gar durch Exekution. Sie erzählt von ihrer grauenhaften Odyssee durch die chinesische Unterwelt, bevölkert von Schmugglern und Menschenhändlern, bis nach Südkorea; und sie erzählt von ihrem erstaunlichen Weg zur führenden Menschenrechts-Aktivistin mit noch nicht einmal 21 Jahren.” [Klappentext, minimal gekürzt.]

Mut zur Freiheit: Meine Flucht aus Nordkorea

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…und drei überzeugende, aktuelle Titel von Männern (alle 2016): 
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1: Tim Murphy, “Christodora”

  • 496 Seiten, August 2016, USA
  • ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos “A Little Life”, ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos “City on Fire”… aber hier, beim dritten Buch dieses (Mini-)Trends, war ich nach zwei Seiten begeistert: genauer Blick, obskure Details, überraschende Figuren.
  • ein schlechtes Zeiten: die sympathische, doch nicht besonders gut geschriebene Reportage von Tim Murphy über seine eigene HIV-Infektion bei Buzzfeed.

“A diverse set of characters whose fates intertwine in an iconic building in Manhattan’s East Village, the Christodora: Milly and Jared, a privileged young couple with artistic ambitions. Their neighbor, Hector, a Puerto Rican gay man who was once a celebrated AIDS activist but is now a lonely addict, and Milly and Jared’s adopted son Mateo. As the junkies and protestors of the 1980s give way to the hipsters of the 2000s and they, in turn, to the wealthy residents of the crowded, glass-towered city of the 2020s, enormous changes rock their personal lives. Christodora recounts the heartbreak wrought by AIDS, illustrates the allure and destructive power of hard drugs, and brings to life the ever-changing city itself” [Klappentext, gekürzt.]

Christodora

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2: Colson Whitehead, “The Underground Railroad”

  • 306 Seiten, August 2016, USA
  • Whitehead vermischt oft Gesellschaftskritik mit satirischen Fantasy-Elementen und absurdem World-Building. Manchmal wird mir das zu läppisch oder gewollt – doch er gewann hierfür den National Book Award, und die Leseprobe überzeugte mich:

“Cora is a slave on a cotton plantation in Georgia. When Caesar, a recent arrival from Virginia, tells her about the Underground Railroad, they decide to take a terrifying risk and escape. In Whitehead’s ingenious conception, the Underground Railroad is no mere metaphor – engineers and conductors operate a secret network of tracks and tunnels beneath the Southern soil. Ridgeway, the relentless slave catcher, is close on their heels. The Underground Railroad is at once a kinetic adventure tale of one woman’s ferocious will to escape the horrors of bondage and a shattering, powerful meditation on the history we all share.” [Klappentext, gekürzt.]

The Underground Railroad

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3: Richard Russo: “Everybody’s Fool” (dt. “Diese gottverdammten Träume”, 2016)

  • 306 Seiten, August 2016, USA (Deutsch: hier, Dumont)
  • Bisher war mir Russos Kleinstadt- und Altmänner-Romantik immer zu süßlich. Im besten Fall aber kann mich das hier darüber hinweg trösten, dass John Updike keine neuen “Rabbit”-Romane mehr schreiben kann:

“Richard Russo returns to North Bath, in upstate New York, and the characters he created in Nobody’s Fool. The irresistible Sully, who in the intervening years has come by some unexpected good fortune, is staring down a VA cardiologist’s estimate that he has only a year or two left, and it’s hard work trying to keep this news from the most important people in his life: Ruth, the married woman he carried on with for years – and Sully’s son and grandson, for whom he was mostly an absentee figure (and now a regretful one).” [Klappentext, gekürzt.]

Everybody's Fool
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Samanta Gorzelniak – Künstlerische Leitung des queeren Literaturfestivals “Empfindlichkeiten”, Literarisches Colloquium Berlin

ein schnelles Selfie von Samanta Gorzelniak am LCB

ein schnelles Selfie von Samanta Gorzelniak am LCB

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Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – “Empfindlichkeiten” (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Ich begleite das Festival als Liveblogger… und stelle bis Sonntag mehreren Künstler*innen, Autor*innen und interessierten Besuchern kurze Fragen zu Queerness, Widerstand und dem Potenzial homosexueller Literatur.

bisher erschienen Interviews mit…

Katy Derbyshire (Link)  |  Kristof Magnusson (Link)  |  Angela Steidele (Link)  |  Hans Hütt (Link)  |  Hilary McCollum (Link)  |  Saleem Haddad (Link)  |  Luisgé Martin (Link)

…und, aus dem LCB-Team, Ronny Matthes (Link).

Samanta Gorzelniak und Thorsten Dönges sind die Künstlerische Leistung des Festivals.

Samanta Gorzelniak, geboren 1978 in Leipzig, ist promovierte Philologin. Sie übersetzt aus dem Polnischen und forscht über Autorinnen der polnischen Romantik. Samantas Website (Link)

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01_Seit wann planst du – zusammen von mit Thorsten Dönges – das Festival?

Letztes Jahr fragte Thorsten, ob ich an der Konzeption usw. beteiligt sein will. Natürlich wollte ich! Thorsten als… ich sag mal: Buchmensch hat einen etwas anderen Zugang zum Thema als ich – ich habe eine literaturwissenschaftliche Sozialisierung und bin in einer anderen queeren Szene unterwegs, in anderen, sagen wir: Zusammenhängen. Aber unsere Schnittpunkte sind die Literatur – und das Nicht-Heteronormative. Und das ist eine gute Mischung!

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02_Was war Grundidee und -Konzept?

Menschen aus möglichst verschiedenen Kontexten, die schreiben, intensiv lesen und Berührungspunkte / Erfahrungen mit queeren Themen haben, zusammenbringen – und sie miteinander reden, einander kennen lernen zu lassen. Die Gemeinsamkeiten ausloten und sich an Differenzen freuen. Vernetzung. Ich glaube, dass unsere Gäste sich verschiedene Fragen stellen und unterschiedliche Dinge für überholt, aktuell, interessant usw. erachten… das liegt ganz klar am Kontext. Und am Grad der Vernetzung, des Austausches, der Solidarisierung.

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03_Wie hat sich das im Lauf der Planung geändert? Musstet ihr irgendwas umschmeißen oder neu denken?

Als uns das Treffen von AutorInnen zu langweilig erschien und wir über Performances, Musik usw. nachdachten, wurde klar: Es wird einfach öffentlich fett eingeladen, Werbung gemacht – viel Publikum ist willkommen!!

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04_Worauf / worüber freust du dich besonders?

Mit Menschen zu sprechen, deren Texte ich seit Jahren kenne und verehre. Diese widerum miteinander in Kontakt gehen zu sehen. Über viele einander zugewandte, aneinander interessierte, liebevolle Menschen. Über Msoke habe ich mich mächtig gefreut und Hilary McCollum [Q&A hier: Link] – sie haben ihren eigenen positiven Wind in die Veranstaltungen gebracht. Aber hey: alle sind toll!

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05_Warum Hubert Fichte, immer noch? Ist er – nach 50 Jahren – noch immer der prominenteste progressiv queere deutschsprachige Autor? Ist das nicht… traurig/schade? [Das Festival ist nach Fichtes “Geschichte der Empfindlichkeit” benannt und wurde mit einer Ausstellung der Fotos von Fichtes Partnerin Leonore Mau eröffnet.]

Fichte ist für mich eine Art Aufhänger – und seine Geschichte ist mit der des LCB verwoben, das bietet sich natürlich an. Außerdem hat er kluge Fragen gestellt, die uns auch immer noch bewegen, tatsächlich. Das bedeutet nicht, dass nichts passiert im Laufe der Zeit.

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06_Ein queeres Buch, das dich beeinflusst hat?

Alma von Izabela Morska (damals hieß sie Izabela Filipiak). Es ist nicht ins Deutsche übersetzt. Aber ich bin dran 🙂

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07_Zu viele Menschen denken bei „Homosexualität“ zuerst oder fast nur an schwule Männer. Ich wünschte, stärker in den Fokus rücken…

Transmenschen!

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016:

Queere Literatur 2016: “Schrift”, “Maske”, “Körper” – drei [neue] Diskussionspanels auf dem Literaturfestival “Empfindlichkeiten” (LCB Berlin)

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm

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Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – “Empfindlichkeiten” (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Ich begleite das Festival als Liveblogger.

Der Freitag Vor- und Nachmittag gehörte drei großen, knapp zweistündigen Diskussions-Panels: “Maske”, “Körper” und “Schrift” [Link zu Statements, Fotos und Infos].

Am Folgetag – Samstag, 16. Juli – starten drei weitere, einstündige Diskussions-Panels: “Schrift”, “Maske”, “Körper”. Fotos vom Festival-Fotografen Tobias Bohm:

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14.00 Uhr: Schrift. Statements und Diskussion – mit: 

Alain Claude Sulzer (Basel)
Dieter Ingenschay (Berlin)
Édouard Louis (Paris)
Raziel Reid (Vancouver)
Kristof Magnusson (Berlin)

Moderation: Nina Seiler

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Statements aus der Diskussion, die mir im Gedächtnis blieben – schnell mitgetippt:

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I think literature is still a perfect art form to negotiate ideas of sexual identity. You don’t have to finance a movie: Writing is fairly cheap – and that’s what makes it so easy to express utopian ideas. – Kristof Magnusson

Young people are building their identities through the internet: There are infinite resources and information. The value of YA literature, now, is really to give them a sense of belonging und a sense of being less alone. – Raziel Reid

Schreiben ist für mich ein ästhetisches Verlangen. Es geht um den perfekten Satz und nichts anderes. – Alain Claude Sulzer.

When we talk about literature, we talk about privileged people: people who have time and energy to read novels. So when we talk about literature, we should always talk about the problems and the failures of literature – the people that literature can’t reach. The words don’t always BUILD us – sometimes, they completely fail. – Edouard Louis

We are never a woman, we are never gay, we are never black – we always fail, and that’s why we suffer: These institutions don’t work. There’s always the gap between us and the language that we’re using. These [labels and standards, for example: the concept/ideal of ‘masculinity’] never work. And maybe, the suffering comes from this failure, this distance. – Edouard Louis

…and, from the audience, Abdellah Taia remarked how often (supposed) “humour” is used to belittle, shame and be aggressive against queer people. Taia: “Sometimes, the best thing you can do is to get naked in front of all of them and say: ‘Now you can laugh’.”

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Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin

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Tobias Bohms Fotos vom zweiten Panel:

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15.00 Uhr: Maske. Statements und Diskussion – mit: 

Mario Fortunato (Roma)
Dmitry Kuzmin (Riga)
Suzana Tratnik (Ljubljana)
Luisge Martín (Madrid)

Moderation: Franziska Bergmann

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Statements aus der Diskussion, die mir im Gedächtnis blieben – schnell mitgetippt:

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Re-reading my own texts, I notice that in my writing, I’m revealing myself to myself in some ways that I never knew about. It’s like psychotherapy. – Suzana Tratnik

I’m a writer. I am absolutely gay. But I’m not an absolutely gay writer. I have plenty of other identities. – Luisgé Martin

To me, James Baldwin’s “Giovanni’s Room” is book about heterosexist normativities inherent to both the character and the author, damaging and ruining everything. – Dmitry Kuzmin

The very act of saying “clearly” is problematic. Who is saying that? How can he say that? – Dmitry Kuzmin

We live in this stupid society: The main part is: Expose yourself, be naked, go on television, do something completely stupid so people will talk about you. And writers are forced by the industry to get more and more on stage. Yesterday, an audience member asked us if our publishers ever censored us. But no, on contrary – they say: “Go on! Use strong words and be as vulgar as possible!” I’m sorry – I’m not interested in audiences. I have never in my life written one word thinking about my audience: I write because…. because… because… I don’t know. I like it, it’s interesting and it’s making me money, so I continue: It’s much better than working! Every time a book of mine comes out, I say: No – I don’t want to do any promotion for this book. I do refuse this industry. This kind of mass market. – Mario Fortunato

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Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin

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Tobias Bohms Fotos vom dritten Panel:

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17.00 Uhr: Körper. Statements und Diskussion – mit: 

Niviaq Korneliussen (Nuuk)
Masha Gessen (New York)
Izabela Morska (Gdańsk)
Ricardo Domeneck (São Paulo / Berlin)

Moderation: Dirk Naguschewski

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Statements aus der Diskussion, die mir im Gedächtnis blieben – schnell mitgetippt:

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I’m a 26-year old queer female writer from Greenland. Most other Greenlandic writers are male – and over 100. Very masculine writers who write about nature and being a proud Greenlander. Almost everyone in Greenland has read my book – and it’s not about being a proud Greenlander at all. It’s about being queer, and about finding home in countries other than Greenland. – Niviaq Korneliussen

It’s a privilege to talk about queer people openly, in the media. – Niviaq Korneliussen

People have a strange view of Brazil because women get naked there on five days a year. But it’s the biggest catholic country in the world: For women, for blacks and for homosexuals, it’s an extremely dangerous country. – Ricardo Domeneck

When I speak up and write, I often get messages that say: ‘Please don’t bring this disease of political correctness into Brazil’ – and these messages are always from white heterosexual men. – Ricardo Domeneck

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Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016:

Queer Literature, 2016: Saleem Haddad

Saleem Haddad

Saleem Haddad

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Saleem Haddad is a novelist who’s both speaking and reading at the 2016 “Empfindlichkeiten” Literature Festival in Berlin. He was born in Kuwait City in 1983 and is currently living in London. He has a Lebanese-Palestinian father and an Iraqi-German mother.

Saleem’s debut novel “Guapa”  |  Saleem’s web site  |  Wikipedia  |  Twitter

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01_The most memorable moment of queerness you’ve encountered in your childhood:

Dressing up as a girl when I was six or seven and telling my brother he had to call me Maya.

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02_A queer book that influenced you (how?):

My book has been heavily influenced by queer writers: Colm Toibin, and the way he writes about mothers and their sons, Abdellah Taia’s writings on homosexuality and Morocco, James Baldwin’s “Giovanni’s Room”, the way Christopher Isherwood wrote about Berlin in “Goodbye to Berlin”, the way Andre Aciman wrote so beautifully about desire in “Call Me By Your Name”, and the way Gore Vidal writes about gay alienation in early twentieth century America. So much of my novel owes itself to these works, so I’ve tried to echo and pay homage to these writers in my text.

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03_A different piece of queer culture (no book: something else) that influenced you:

The glam rock musical Hedwig and the Angry Inch, I first saw the film adaptation in college, and have seems nearly fifty times since. To me it defines the queer experience, and the power of love and self-acceptance. When I first sold my novel to my publishers in New York, my partner and I went to see Hedwig on Broadway. I felt I had finally come full circle in a way. It was one of the most beautiful moments in my life. I was also heavily influenced by Mashrou’ Leila, a Lebanese rock band that is unabashedly queer and political. Their music was the perfect soundtrack to my writing.

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04_A queer moment you’ve had in Berlin (or anywhere in Germany) that you’ll remember for a long time:

The first pride parade I ever attended was in Berlin in 2006. I was so terrified to be there, and yet so excited at the same time. The weather was so hot, everyone was shirtless, and it was both incredibly sexy and also empowering. So thank you Berlin!

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05_Is there a heterosexual ally that you like/value and who you’ve grateful for?

My brother is probably my biggest ally and supporter. He was one of the first people I came out to, and also helped me come out to the rest of my family. From the beginning he stood by me and supported me unconditionally.

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06_Is there another guest/author at „Empfindlichkeiten“ you’re particularly looking forward to?

I can’t get enough of Abdellah Taia, his writing is so raw, poetic and honest.

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07_Name a queer guilty pleasure you feel passionate about:

RuPaul’s Drag Race. It makes me want to put on a dress throw shade everywhere, and celebrate my queerness.

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08_What country/nation, what city, what region, what culture energizes you/teaches you new things about queerness/is big on your „queer map“?

I am inspired by the Middle East– my home. I love the sense of community, and I love how the queer movements there remain fiercely political, linking their struggles with broader struggles for justice and freedom.

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09_More and more often, people use intersectionality to discuss identity (and: discrimination). How is intersectionality important/relevant to your art/work?

Intersectionality is very important for me: living in Europe I sometimes feel just as queer for my Arabness as I do for my homosexuality. Exploring these different types of queerness is central to my work. I also think class does not get talked about enough, and as someone who read Gramsci and Marx in college, class is something that always comes through in my writings. I do wish the mainstream LGBT movements in the West increasingly linked their struggles to broader struggles around racism, class and Islamophobia.

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10_In mainstream culture, queerness increasingly gets some niches/some space. But then: does queer culture embrace mainstream, too? Does it embrace mainstream TOO MUCH – when it comes to questions of gender norms, family planning, „presentable“ people, consumerism, politics? Where do queerness and „normality“ crash? Do they crash/collide hard enough?

I believe that queerness by its very nature of being queer just stands outside of the mainstream. To paraphrase Foucault: to be critical of things is not to say everything is bad, but rather to say that everything is dangerous. By standing apart from the mainstream, queerness will always be a critical voice that tells us we always have something to do.

[Foucault, in 1983, said: ‘My point is not that everything is bad, but that everything is dangerous, which is not exactly the same as bad. If everything is dangerous, then we always have something to do. So my position leads not to apathy but to hyper- and pessimistic – activism.’]

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016:

Queere Literatur 2016: “Maske”, “Körper”, “Schrift” – drei Diskussionspanels auf dem Literaturfestival “Empfindlichkeiten” (LCB Berlin)

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin

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Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – “Empfindlichkeiten” (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Ich begleite das Festival als Liveblogger.

Der Freitag Vor- und Nachmittag gehört drei großen, knapp zweistündigen Diskussions-Panels: “Maske”, “Körper” und “Schrift”. Fotos vom Festival-Fotografen Tobias Bohm:

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11.00 Uhr: Maske. Statements und Diskussion – mit: 

Ahmet Sami Özbudak (Istanbul)
Angela Steidele (Köln)
Hilary McCollum (Donegal)
Thomas Meinecke (Eurasburg)
Robert Gillett
(London)

Moderation: Franziska Bergmann

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Statements aus der Diskussion, die mir im Gedächtnis blieben – schnell mitgetippt:

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We need to watch language closely and ask ourselves: Whose power is actually operating in that sentence? – Robert Gillett

I know that I’m not a man – I’m DOING a man. That’s what I learned from feminist theory. – Thomas Meinecke

A woman dressing up as a man is confirming the system – by undermining it. – Angela Steidele

I think that queer theory has more… air than, at this minute, it needs: A lot of queer discourse is completely alienating to the vast majority of people. Queer theory is elitist and exclusionary. – Hillary McColum

I disagree. I know that reading queer theory exhausting. But I think that right now, academic writing has so much turned into being like narrative writing – almost like belletristik, literature, pieces of art… I’ve learned a lot about writing from academic writing – often written by women deconstructing feminism: I don’t make the distinction anymore between theory and fiction. – Thomas Meinecke

Angela Steidele benutzt in Vorträgen oft das generische Femininum: “Ich sage „die Biografin“, „die Autorin“… and I know that I shock my audience with that.

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Angela Steidele und Moderatorin Franziska Bergmann im Diskussionspanel "Maske"

Angela Steidele und Moderatorin Franziska Bergmann im Diskussionspanel “Maske”


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Tobias Bohms Fotos vom zweiten Panel:

 

12.30 Uhr: Körper. Statements und Diskussion – mit:

Perihan Magden (Istanbul)
Roland Spahr (Frankfurt)
Antje Rávic Strubel (Berlin)
Michał Witkowski (Warszawa)

Moderation: Dirk Naguschewski

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Statements aus der Diskussion, die mir im Gedächtnis blieben – schnell mitgetippt:

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Accepting ambiguities is very important in the work of Hubert Fichte and in queer literature as a whole. That’s what Fichte talked about in „die Verschwulung der Welt“: It doesn’t mean that everybody has to be gay – but that everybody should learn to perceive the world in different ways. – Roland Spahr

If you’re known as a gay writer, the publishing house wants you to write about homosexuality in every new book – and you have to prove [your authenticity] with your body and your biography, again and again. But what am I? What shelf, what section should I be placed in? „East German author“? „Woman writer“? „Gay writer“? That alone should give me the right to be… everywhere: On ALL the bookshelves! – Antje Rávic Strubel

If I’m doing a reading – especially in England or France – all writers are asked about literature. I’m asked – especially about four years ago: ‘How do you feel about Turkey joining the European Union’? They others are writes. I’m seen as a diplomat. When it comes to Turkish writers, it’s always about politics. – Perihan Magden

Once your books leave the country, you’re not only [seen as] a man and a homosexual – but a Polish person, too. So you have one more problem. British publishers always want you to write about Auschwitz or about the pope. You have to first overcome that your literature is always seen in the context of Poland: „Oh – look at this literature… coming out of such a backwards country full of problems!“ – Michał Witkowski

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Autorin Antje Rávic Strubel - Foto von Tobias Bohm

Autorinnen Perihan Magden und Antje Rávic Strubel, dahinter Thorsten Dönges – Foto von Tobias Bohm


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Tobias Bohms Fotos vom dritten Panel:

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15.30 Uhr: Schrift. Statements und Diskussion – mit:

Gunther Geltinger (Köln)
Ben Fergusson (Oxford / Berlin)
Joachim Helfer (Berlin)
Sookee (Berlin)
Saleem Haddad (London)
Jayrôme C. Robinet (Berlin)

Moderation: Nina Seiler

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Statements aus der Diskussion, die mir im Gedächtnis blieben – schnell mitgetippt:

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Please go count queer published writers: We have not yet travelled even half the way to full recognition. We’re – all of us here […at the festival] – are the exceptions. Not the rule. – Joachim Helfer

We all have multiple identities, but I think that sometimes, the identity that is the most threatened is going to be in the forefront. – Jayrôme C. Robinet

The concept of “queerness” touches on issues of class, politics that I identify with beyond my sexuality: „Queer“ is a term that’s quite broad and subversive. – Saleem Haddad

I know what gay sex is. I know what gay love is. I can imagine all kinds of desires. But I have no idea what a „gay identity“ is. – Joachim Helfer

I wish I wouldn’t have an identity. I wish that I could just… evaporate into straight white maleness. – Saleem Haddad

I love hiphop culture, but it can be very homophic. A lot of artists say “No homo” all the time. So I turned “no homo” into “pro homo”… and sometimes, during my concerts, guys in the front row go all “pro homo! pro homo!” before they realize what they are saying. – Sookee

…und ein Gedanke von Joachim Helfer: Zu fragen, ob spezifisch “queere” Arten gäbe, sich zu äußern oder Kunst zu machen, kann man erst, “wenn 100 Jahre lang jeder leben kann, wie er will – weil so viel [queere Kunst] gerade aus Oppression heraus geschieht”.

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Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin. Foto: Thomas Bohm

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 15.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016:

Queere Literatur 2016: Hans Hütt

Journalist und Autor Hans Hütt, 2016

Journalist und Autor Hans Hütt, 2016

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Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – “Empfindlichkeiten” (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Ich werde das Festival als Liveblogger begleiten… und stelle bis Sonntag mehreren Künstler*innen, Autor*innen und interessierten Besuchern kurze Fragen über Queerness, Widerstand und das Potenzial homosexueller Literatur.

Den Anfang machten Katy Derbyshire (Link)Kristof Magnusson (Link) und Angela Steidele (Link). Jetzt…

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Autor Hans Hütt (mehr hier).

Aufgewachsen am Niederrhein. Studium der Politikwissenschaft, Musikwissenschaft, Psychologie, Empirischen Kulturwissenschaft, Vergleichenden Literaturwissenschaften und Religionswissenschaft in Tübingen und Berlin. Von 1974 bis 1990 war Hans Hütt Ausstellungsmacher, Autor, Dramaturg, Kulturmanager, Lektor, Literaturkritiker, Moderator, Redakteur, Reporter, Übersetzer und Verleger – für Berliner Festwochen, Deutsche Welle, Deutscher Bücherbund, Deutscher Koordinierungsrat, Literaturzeitschrift Listen, Radio 100 in Berlin, Stadt Frankfurt am Main, Südwestfunk, AStA der Universität Tübingen, Art Journal Wolkenkratzer, Verlag rosa Winkel und ZDF. Aktuell schreibt Hütt oft für die FAZ (Link: Publikationen).

Hans Hütt auf Twitter  |  Hans Hütts Blog

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01_Eine eigene Arbeit, die mich vorstellt:

Für den Essay “Angst vor der Gleichheit” erhielt ich im Oktober 2014 den Michael-Althen-Preis für Kritik. Inzwischen ist er in einer erweiterten Fassung mit Anmerkungen im Jahrbuch Sexualitäten 2016 im Wallstein Verlag erschienen. Hier der link zum Blogeintrag vom Juli 2014: http://www.anlasslos.de/?p=521

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02_Wenn mich jemand „homosexuelle(r) Autor*in“ nennt…

…dann hat derjenige, der mich so nennt, entweder keine Achtung vor mir als Autor oder vor der Tatsache, dass ich schwul bin. Die Ergänzung um das Adjektiv erzeugt ein Abseits, das mir keinen Platz bietet, sondern einen zuweist.

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03_Das Queerste, das ich in meiner Kindheit sah oder kannte…

In meiner Kindheit gab es weder den Begriff “queer” noch seinen Superlativ. Aber ich hatte einen Mitschüler, der meinen Griechischlehrer gerne mit einer Karikatur auf der Tafel zeigte, wie er mit seinem unglaublich breit links und rechts nach unten gezogenen Mund eine Banane quer zu sich nahm.

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04_Ein queeres Buch, das mich beeinflusst hat…

“Die Laute” von Michael Roes, den ich bei diesem Festival vermisse. Ich habe über “Die Laute” eine Rezension für die taz geschrieben.

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05_Ein anderes Stück queerer Kultur, das mich beeinflusst hat:

Der Film “A un dios desconocido” (An einen unbekannten Gott) von Jaime Chávarri, den ich 1978 bei der Berlinale sah. Er erzählt in Rückblenden die Ermordung Lorcas. Ein alt gewordener Zauberer erinnert sich an seine Kindheit. Die Erinnerung setzt eine Tonbandaufnahme in Gang. Auf dem Band hat er Locas “Ode an Walt Whitman” eingesprochen. Sie bahnt der Erinnerung den Weg.

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06_Ich wünschte, ich hätte in Sachen Homosexualität früher gelernt/gewusst/erfahren, dass…

“In Sachen Homosexualität” kann ich keine Auskunft geben. Das Wissen ist unteilbar da oder nicht. Verzögerung oder verfrühtes Wissen ändert daran kaum etwas. Allerdings gibt es eine inhärente Neugier, gespeist aus der Erfahrung, anders zu sein, diejenigen zu beobachten, denen diese Erfahrung fremd ist.

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07_Mich ehrt, wenn meine Arbeiten in einer Buchhandlung oder Ausstellung neben folgenen Autor*innen stehen:

Karsten Witte, Pier Paolo Pasolini, Pierre Guyotat, Didier Eribon, Michel Foucault.

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08_Zu viele Menschen denken bei „Homosexualität“ zuerst oder fast nur an schwule Männer. Ich wünschte, stärker in den Fokus rücken…

Warum sollen sie nicht an schwule Männer denken (wenn sie denn denken)? Warum sollte ich, und sei es nur durch wishful thinking, erziehungsdiktatorisch wirken wollen? Das Gedächtnis und der Assoziationsraum sind sehr individuell geprägt. Kulturelle Codierungen können daran nur wenig ändern.

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09_Ein queerer Moment in Berlin (oder in Deutschland), an den ich mich lange erinnern werde:

ein Schnappschuss, der mir im letzten Jahr am Rand einer Ausstellungseröffnung gelang. Ich nenne ihn “Pflanze Mensch”.

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pflanze mensch

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10_Folgende Expert*innen, Autor*innen, Aktivisit*innen, Orte, Institutionen, Diskurse haben mein (Selbst-)Verständnis beeinflusst oder geprägt:

Roland Barthes, die Essaysammlungen “Drei Milliarden Perverse” und “Elemente einer homosexuellen Kritik”, die ich 1979 und 1980 als Lektor im Verlag rosa Winkel herausbrachte. Der Buchladen Prinz Eisenherz. Das Bali-Kino Manfred Salzgebers. Die frühen Panorama-Programme, die er für die Berlinale kuratierte. Die NGbK. In Erinnerung: Frank Wagner. Heute Johannes Kram. Neuerdings mein Mitbewohner Lavender Wolf.

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11_Folgende Expert*innen, Autor*innen, Aktivisit*innen, Orte, Institutionen, Themen verdienen mehr Aufmerksamkeit/Zuwendung:

Michael Roes, Pierre Guyotat, einige Bände der Zeitschrift “Semiotext(e), die Sylvère Lotringer gegründet hat, zB die Ausgabe “Polysexuality”. Die Anthologie “Now The Volcano”, eine Sammlung lateinamerikanischer schwuler Literatur, die Winston Leyland 1979 bei Gay Sunshine Press herausbrachte.

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12_Ein heterosexueller Ally/Verbündeter, dem ich dankbar bin und/oder den ich schätze:

Ich maß mir nicht an, irgendwelche Aussagen über die sexuelle Prägung von Autoren zu treffen, die ich gerne lese, weil sie klug sind. Zum Beispiel Nils Minkmar.

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13_Ein Gast beim „Empfindlichkeiten“-Festival, auf den ich mich besonders freue:

Abdellah Taïa, dessen Werk und Engagement ich bewundere und der mit seiner Eröffnungsrede zu “Empfindlichkeiten” eine schwule Idee der Transsubstantion entwickelt hat.

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14_Eine politische oder öffentliche Figur, über die wir dringend mehr reden müssen. Und eine, über die wir weniger reden sollten:

Bei Figuren denke ich an Choreographien, also Bewegungsabläufe von Menschen. Figuren sind eine Zuschreibung mit leicht abschätzigem Unterton. Das Redenmüssen erscheint mir diskursiv im übrigen eher als eine zweifelhafte Figur. Mein Denken verdanke ich auch dem Umstand, dass ich öffentlichen Redegeboten immer zuwider gehandelt habe.

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15_Eine queere Figur, ein queerer Star oder eine queere Geschichte aus dem Mainstream, über deren Popularität/Strahlkraft ich mich freue:

Hildegard Knefs Schwester Irmgard.

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16_Ich wünschte, folgendes reaktionäre Vorurteil/Denkfigur würde endlich verschwinden/nicht immer wieder neu diskutiert werden:

Ernsthaft: es wird uns nicht gelingen, Emanzipation mit Verboten oder Ausschlüssen zu ermöglichen.

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17_Hubert Fichte bedeutet mir…

…seit der frühen Lektüre seines Buchs “Versuch über die Pubertät” sehr viel.

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18_Leonore Mau bedeutet mir…

…infolge ihrer Fotobände über Brasilien sehr viel.

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19_Am Literarischen Colloquium Berlin…

…war ich, seit ich zum ersten Mal nach Berlin gezogen bin, sehr oft. Besonders gut in Erinnerung: das helle Lachen Walter Höllerers, der Sommer, in dem die Bennents hier wohnten (während der Dreharbeiten zu Schlöndorffs Blechtrommel-Verfilmung.

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20_Ein queeres literarisches Event, das ich mir wünsche:

eine lange Nacht der ermordeten schwulen Autoren: Lorca, Pasolini, Sénac uvm.

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21_Ein queeres guilty pleasure in meinem Leben:

I prefer pleasure without any sense of guilt.

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22_Ein Staat, eine Stadt, Region, Kultur oder eine Szene, aus der ich wichtige queere Impulse erhalte:

Ach, dann sage ich jetzt einfach mal Sousse und behalte das Geheimnis warum, für mich.

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23_Identität (und: Diskriminierung) wird immer öfter intersektionell beschrieben und diskutiert. Als queere*r Künstler*in interessiert mich aus dieser Perspektive besonders…

Mein Denken beginnt jenseits der Diskriminierung. Sich an ihr als gesellschaftlicher Tatsache festzuhalten, verlängert ihr Überleben. Identität ist, wie mein Lehrer Fritz Morgenthaler 1979/80 schrieb eher ein zweifelhafter Begriff, wenn es um die psychische Konstitution von Schwulen geht. Wichtiger wäre eine anschauliche Idee und Praxis von Autonomie.

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24_Der Mainstream räumt Queerness oft mittlerweile etwas mehr Platz ein. Räumt Queerness auch dem Mainstream mehr (zu viel?) Platz ein – in Fragen wie Familien- und Rollenbildern, Selbstdarstellung, Konsum und Politik? Wo reiben sich Queerness und „Normalität“? Reiben sie sich genug?

Ich kann mit dem Begriff Mainstream wenig anfangen. Wo fängt er an, wo auf?

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25_Wenn Universitäten und Akademiker auf queere Diskurse (und: Gender-Diskurse) blicken, denke ich…

…völlig entsetzt darüber, dass neuerdings, wenn es nach dem Willen studentischer Aktivisten ginge, Ovids Metamorphosen an der Columbia University nur noch mit Warnhinweisen gelesen werden dürfen. Es gibt infolge einer Institutionalisierung gewisser Teilschulen der gender-Diskurse Denkverbote und ästhetische Grenzziehungen, die ich intellektuell zweifelhaft finde.

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26_Ein Mensch (oder, abstrakter: eine Eigenschaft/ein Wesenszug), den ich sehr sexy finde:

Kitzligkeit an unerwarteten Stellen.

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27_Kulturvermittler*innen, Institutionen, Journalist*innen machen, nach meiner Erfahrung, im Umgang mit queerer Kultur manchmal folgenden Fehler:

none of my business mich hier als Schulmeisterlein zu betätigen.

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28_Wie/wo/wann profitierte ich künstlerisch von meiner eigenen Queerness? Und steht/stand sie mir je im Weg, war sie je eine Schwierigkeit für mich?

Sie stand mir (fast) nie im Weg, aber öffnete meinem Denken und Reden immer wieder neue überraschende Wendungen.

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29_Eine Video-Kampagne, die queere Jugendliche vom Selbstmord abhalten will, verspricht: „It gets better.“ DOES it get better? Wo und für wen? Wann/wie wurde es für dich besser? Was muss noch anders/besser werden?

Die Geschichte kennt den Fortschritt immer nur als linearen Prozess. Wichtiger wäre es, wenn die gute Idee von Dan Savage um das Bewusstsein erweitert würde, dass es auch Rückschläge gibt und damit die individuelle und kollektive Gabe fördert, dem zu widerstehen.

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016:

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Literaturfestival “Empfindlichkeiten”, LCB Berlin: Reader & Autor*innen

meine Schwester gab mir ihr iPad - aber bat mich, eine neue Hülle zu kaufen. Ich behielt die alte Schutzhülle... und klebte mein Lieblings-Pony drauf.

(Meine Schwester gab mir ihr iPad – aber bat mich, eine neue Hülle zu kaufen. Ich behielt die alte Schutzhülle… und klebte mein Lieblings-Pony auf.)

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Nicht-deutschsprachige Autor*innen leiden oft auf deutschsprachigen Literaturfestivals – weil sie kaum Texte und Diskussionen verstehen. Auch bei kanadischen/amerikanischen queeren Freunden, die in Berlin leben, war ich nicht sicher, ob ich sagen soll: “Fahrt raus an den Wannsee! Das ‘Empfindlichkeiten’-Festival lohnt sich – ihr werdet genug mitbekommen/verstehen. Auch, wenn ihr kein Deutsch könnt.”

Tatsächlich ist “Empfindlichkeiten”, merke ich, internationaler/verständlicher als JEDES andere Literaturfestival, das ich kenne. Als Kathrin Röggla gestern auf Deutsch zu Hubert Fichte referierte, wurde die Rede auch auf Handouts ausgeteilt, in Übersetzung. Internationale Autor*innen, die heute und morgen lesen, lesen auf Englisch (…und anderen Sprachen?), und für Interessierte gibt es einen über 200seitigen (Gratis-)Festival-Reader mit langen Textpassagen (Prosa, Lyrik, Essays) von 24 Festivalautor*innen – auf Englisch.

Ich las gestern und heute in der S-Bahn durch die Texte. Einige – z.B. Kristof Magnussons Romanpassage aus “Das war ich nicht” kenne ich im Original. Von den mir neuen Texten schafften folgende den Sprung auf meine “Unbedingt mehr lesen!”-Liste:

  • Masha Gessen
  • Antje Rávic Strubel
  • Raziel Reid

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und, zögerlicher (…könnte an der Qualität der Übersetzung liegen):

  • Saleem Haddad
  • Suzana Tratnik
  • Gunther Geltinger
  • Joachim Helfer

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Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – “Empfindlichkeiten” (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Queere Literatur 2016: Angela Steidele

Dr. Angela Steidele. Foto: Ben Chislett, Matthes und Seitz

Dr. Angela Steidele. Foto: Ben Chislett, Matthes und Seitz

Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – “Empfindlichkeiten” (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Ich werde das Festival als Liveblogger begleiten… und stelle bis Sonntag mehreren Künstler*innen, Autor*innen und interessierten Besuchern kurze Fragen über Queerness, Widerstand und das Potenzial homosexueller Literatur.

Den Anfang machten Katy Derbyshire (Link) und Kristof Magnusson (Link). Jetzt…

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Dr. Angela Steidele, Germanstin, Historikerin, Sachbuch- und Romanautorin und, beim Festival “Empfindlichkeiten”:

  • Freitag, 15. Juli, 11 Uhr auf dem Podium “Maske”, mit Ahmet Sami Özbudak (Istanbul), Hilary McCollum (Donegal), Thomas Meinecke (Eurasburg), Robert Gillett (London); Moderation: Franziska Bergmann
  • danach, ab 17 Uhr: mit einer literarischen Kurzlesung auf der Gartenbühne

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Angela Steidele wurde 1968 in Hamburg geboren. Sie studierte in Hildesheim und promovierte 2002 in Siegen. 2004 erschien das Sachbuch “In Männerkleidern” [unten hier im Blogpost: mehr!], 2011 “Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sybille Mertens”, 2015 ihr erster Roman, “Rosenstengel” (…über den historischen Fall, den sie bereits in “In Männerkleidern” behandelte). Sie lebt in Köln.

Angela Steidele auf Wikipedia  |  Angela Steidele bei Perlentaucher

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01_Eine eigene Arbeit, ein Text, Link oder Bild, der/das mich vorstellt und/oder der/das einen Blick wert ist:

Das Titelbild und die Rückseite meines Romans “Rosenstengel”:

Cover und Backcover von Angela Steideles Roman "Rosenstengel", erschienen bei Matthes und Seitz

Cover und Backcover von Angela Steideles Roman “Rosenstengel”, erschienen bei Matthes und Seitz

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02_Das Queerste, das ich in meiner Kindheit sah oder kannte…

… waren die beiden Mitarbeiterinnen der katholischen Leihbibliothek, die ich sehr mochte und die “nur aus wirtschaftlichen Gründen” zusammenlebten.

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03_Ein queeres Buch, das mich beeinflusst hat (und wie?)…

“Orlando” von Virginia Woolf – einer der schönsten und gelungensten und ästhetisch anspruchsvollsten Romane der Weltliteratur. Nicht nur, weil das Buch – auch – eine Liebeserklärung an Woolf’s Geliebte Vita Sackville-West ist. Es ist v. a. ein Buch über das prinzipielle Scheitern jedes Versuchs, eine Biographie zu schreiben. Der Erzähler beginnt als viktorianischer Positivist, der Orlandos Biographie schildern will, und je weiter er in der abenteuerlichen, nicht vermittelbare Lebensgeschichte Orlandos kommmt, desto stäkrer bezweifelt er sein eigenes Vorhaben, bis er schließlich nicht mehr weiter weiß: eine im doppelten Sinne “queere” Biographie, die die Biographie als Gattung für unmöglich erklärt und gleichzeitig augenzwinkernd viel über Vita Sackville-West – und Virginia Woolf – erzählt. Und mir als Biographin grundsätzlich den Weg weist.

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04_Ein anderes Stück queerer Kultur [andere Kunstformen], das mich beeinflusst hat (und wie?)…

Shakespeare rauf und runter! Alle Musikdramen von Richard Wagner, Händels Opern, Monteverdis “Orfeo”, natürlich Mozart (Così fa tutte!). Strauss’ “Rosenkavalier’. Alle früheren Kastratenrollen, die dann im 20. Jahrhundert von Frauen gesungen wurden (um jetzt leider wieder von Countertenören übernommen zu werden – ein queerer Rückschritt!). Als ich mit 12 Jahren den Hollywoodstreifen “Queen Christina” (1933) mit Greta Garbo in der Hauptrolle sah – war’s um mich geschehen. Ach und nicht zu vergessen: ‘Some like it hot’ – für die Ewigkeit!

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05_Mich ehrt, wenn meine Arbeiten in einer Buchhandlung oder Ausstellung neben folgenen Autor*innen stehen:

“Steidele, Angela” macht sich im Alphabet neben “Stein, Gertrude” sehr gut.

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06_Zu viele Menschen denken bei „Homosexualität“ zuerst oder fast nur an schwule Männer. Ich wünschte, stärker in den Fokus rücken…

Der Satz ist richtig: Wir Lesben haben immer noch gewaltig Nachholbedarf an Sichtbarkeit. Die Verlagerung des Fokus von “schwul” auf “queer” verlängert die öffentliche Unsichtbarkeit lesbischer Frauen und kann als moderne Variante von Frauen- und Lesbenfeindlichkeit interpretiert werden.

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07_Ein queerer Moment in Berlin (oder in Deutschland), an den ich mich lange erinnern werde:

Als unsere Kölner Standesbeamtin erklärte: “Aus rechtlichen Gründen muss ich jetzt immer von einer ‘Eingetragenen Lebenspartnerschaft’ sprechen. Ich habe das hiermit einmal getan – und werde fortan ‘Ehe’ sagen.”

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08_Folgende Expert*innen, Autor*innen, Aktivisit*innen, folgende Orte, Institutionen und Diskurse haben mein (Selbst-)Verständnis beeinflusst oder geprägt:

Mein Doktorvater Prof. Dr. Wolfgang Popp und sein Forschungsschwerpukt ‘Homosexualität und Literatur’ an der Uni-GH Siegen. Die in den 1990-er Jahren dort alle zwei Jahre stattfindenden Tagungen waren intellektuelle Höhepunkte und zugleich Ermutigungen, in einem damals noch belächelten Sachgebiet ernsthafte Forschungen zu betreiben, die alle (nicht nur die LGTB-Community) etwas angehen.

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09_Folgende Expert*innen, Autor*innen, Aktivisit*innen, Orte, Institutionen, Themen verdienen mehr Aufmerksamkeit/Zuwendung:

Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Lesben in NRW, Düsseldorf
Frauengeschichtsverein Köln
Centrum Schwule Geschichte Köln

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10_Ein heterosexueller Ally/Verbündeter, dem ich dankbar bin und/oder den ich schätze:

Prof. Dr. Dan Wilson, dessen grundlegendes, kluges und originelles Buch “Goethe Männer Knaben. Ansichten zur ‘Homosexualität’ (Insel Verlag) ich zusammen mit ihm bearbeiten und übersetzen durfte.

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11_Ein Gast beim „Empfindlichkeiten“-Festival, auf den ich mich besonders freue:

Kristof Magnusson – er betritt den Raum und schon hagelt die erste geistreiche Pointe.

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12_Eine politische oder öffentliche Figur, über die wir dringend mehr reden müssen. Und eine, über die wir weniger reden sollten:

Wir sollten viel weniger über die ganze AfD reden – die boykottieren die Medien, warum boykottieren die Medien sie nicht umgekehrt?

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13_Eine queere Figur, ein queerer Star oder eine queere Geschichte aus dem Mainstream, über deren Popularität/Strahlkraft ich mich freue:

Athene, Dionysos, Apollo, Sappho, Christina von Schweden, Ludwig II. von Bayern, Richard Wagner, Oscar Wilde, Virginia Woolf, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Cathérine Deneuve, Miss Piggy, Ernie und Bert, Dick und Doof.

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14_Am Literarischen Colloquium Berlin…

Dem lcb verdanke ich eine ganz entscheidende Ermutigung zur Ausweitung meines Werks. 2011 habe ich mich – damals noch reine Sachbuchautorin – mit 50 Manuskriptseiten (mehr hatte ich nicht) meines ersten Romanversuchs “Rosenstengel” um den Alfred-Döblin-Preis beworben, den Günter Grass gestiftet hat und den das lcb alle zwei Jahre auslobt. Dabei spielt man dann am Wannsee ein bisschen das Wettlesen von Klagenfurt nach. Aus über 500 Einsendungen wurde mein Manuskript herausgefischt und ich durfte an der Finalrunde (die letzten sechs) teilnehmen. Gewonnen habe ich an dem Tag zwar nicht den Preis, dafür aber, nach vielen Gesprächen dort, den Mut, diesen Roman tatsächlich zu schreiben. Für mich persönlich war das der Durchbruch zu einer neuen Ästhetik, beruflich als Autorin habe ich auf dem Markt eine größere Sichtbarkeit gewonnen (all die überaus verdienstvollen SachbuchautorInnen gehen ja unverdienterweise unter) , und dann gab’s auch noch den Bayerischen Buchpreis 2015. – Es lebe das lcb!

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15_Ein queeres literarisches Event, das ich mir wünsche:

Es gibt eines, dem ich noch viel mehr Beachtung wünsche: Das “Querlesen” im Musikdorf Ernen in der Schweiz. Es findet jedes Jahr Ende Juli in diesem wunderschönen Dorf im Goms/Wallis statt, also zB. jetzt am 23./24. Juli. “Wir” übernehmen dann dieses wunderschöne Schweizer Bergdorf, tagsüber wandert man am Aletschgletscher mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, abends hört man ein klassisches Konzert in der Barockkirche oder besucht eine Lesung – geht’s schöner im Sommer?

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16_Ein queeres guilty pleasure in meinem Leben:

Bei meiner Unschuld – ich weiß nicht einmal, was ein ‘queeres guilty pleasure‘ ist! Hört sich allerdings vielversprechend an. Vielleicht kann es mir bei den “Empfindlichkeiten” eine erklären, zeigen oder gar – beibringen?

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17_Queere Texte handeln oft von Sexualität, Identität/Selbstfindung und Diskriminierung. Andere Themen/Fragen, denen ich in queeren Texten mehr Gewicht wünsche:

Dem würde ich widersprechen. Viele Werke der zu den “Empfindlichkeiten” anreisenden AutorInnen handeln von weitaus mehr als der eigenen Nabelschau. Und umgekehrt gilt: Welcher Mainstream-Roman funktioniert ohne Liebesgeschichte?

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18_Ein Staat, eine Stadt, Region, Kultur oder eine Szene, aus der ich wichtige queere Impulse erhalte (welche?) oder über die wir mehr sprechen müssen:

Der rheinische Karneval ist tatsächlich subversiver als manche CSD-Demo. Das ganze Köln (nicht nur die Community) ist dann durch und durch queer. Das fängt bei der kölschen Jungfrau an (Teil des Dreigestirns zusammen mit Prinz und Bauer), die immer von einem Mann verkörpert werden muss und hört beim “Stippeföttchetanz” (Po an Po reiben) der Roten Funken (eine Karnevalsgarde, mit den komischen Uniformen) noch lange nicht auf. Ganz Köln ergibt sich einer Anarchie, die jedwede Normen, Gesetze, Annahmen, was ‘normal’ ist, sprengt – die Kategorie “Geschlecht” gehört stets zu den allerersten Grenzen, die eingerissen werden. Wer wirklich einmal wissen will, wie eine völlig queere Stadt enthemmt tanzt, säuft und feiert, muss zu Weiberfastnacht mal kommen und bis zur Nubbelverbrennung am Dienstag Abend bleiben. Ich geh übrigens zu Karneval immer als Skilangläuferin – weg von Köln.

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19_Wenn Universitäten und Akademiker auf queere Diskurse (und: Gender-Diskurse) blicken, denke ich…

…dass dann zu viel von “intersektionell” und “Queerness” die Rede ist. Auch die ästhetischen Unworte “Performanz” und “Performativität” wurden jetzt etwas lang schon durchdekliniert. Es ist tief bedauerlich, dass die akademische Genderforschung null Relevanz für Gesellschaft und Alltagsleben besitzt und praktische Emanzipationsbestrebungen von Frauen, Lesben, Schwulen, Trans* usw. politisch gesehen im Stich lässt.

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20_Ein Mensch (oder, abstrakter: eine Eigenschaft/ein Wesenszug), den ich sehr sexy finde:

Humor. (O, hallo Kristof, schön dich zu sehen!)

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21_Kulturvermittler*innen, Institutionen, Journalist*innen machen, nach meiner Erfahrung, im Umgang mit queerer Kultur manchmal folgenden Fehler:

Zu denken, es hätte nichts mit ihnen selbst zu tun.

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22_Wie/wo/wann profitierte ich künstlerisch von meiner eigenen Queerness? Und steht/stand sie mir je im Weg, war sie je eine Schwierigkeit für mich?

“Women only stir my imagination”. Diesem Satz von Virginia Woolf habe ich nichts hinzuzufügen (sorry, Kristof!). – Als promovierte Literaturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt “Geschichte der weiblichen Homosexualität” hatte ich im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts nur geringe Chancen auf eine Stelle im deutschsprachigen Wissenschaftsbetrieb. Nach dem Motto “Krisen neu bewerten” bin ich heute froh darüber. Als Autorin hatte ich eventuell sogar Vorteile – Mainstreamverlage zB schmücken sich mittlerweile auch ganz gern mit ein paar Exoten.

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23_Eine Video-Kampagne, die queere Jugendliche vom Selbstmord abhalten will, verspricht: „It gets better.“ DOES it get better? Wo und für wen? Wann/wie wurde es für dich besser? Was muss noch anders/besser werden?

Mein Coming-out war wie ein zweites Geborenwerden, eine Befreiung, und ich wünsche allen Jugendlichen von Herzen, Mut zu sich zu haben, egal, wen und wie sie lieben. Und uns Großen wünsche ich den Mut, immer und überall zu zeigen, wen und wie wir lieben. Ob Lehrerinnen an Schulen oder Profi-Fußballer: Wir selber müssen uns selber noch viel selbstverständlicher werden, bevor wir anderen selbstverständlich werden.

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Angela Steidele war 2006 und 2007 Gastdozentin an der Universität Hildesheim. 2005 leitete ich dort ein Kreatives-Schreiben-Tutorium für Erstsemester, die fünf Monate lang über die Uni und ihren Alltag schrieben, für das Gruppenprojekt “Kulturtagebuch – Leben und Schreiben in Hildesheim”.

Hanns-Josef Ortheil lud Angela Steidele ein, in einem Seminar ihr Buch “In Männerkleidern” vorzustellen.

Einer der Studenten schrieb damals beeindruckt:

“Angela Steidele, eine diplomierte Kulturwissenschaftlerin, wird ihr Buch „In Männerkleidern“ vorstellen. Eine wissenschaftliche Biografie über Catharina Margaretha Linck, bekannt als Anastasius Lagrantinus Rosenstengel. Mehr hat Ortheil letzte Stunde nicht gesagt, und mehr muss man auch gar nicht wissen: Die Story, die sich aus diesen beiden Namen ergibt, ist reizvoll genug. Eine Frau verkleidet sich als Mann, heiratet, dann kommen Inquisition und Gefängnis und das bittere Ende. Das alles aber nicht als pseudo-dokumentarischer Historienroman mit dem „Ich war dabei!“-Gestus, sondern solide belegt an historischen Quellen, verfasst von einer Kuwi-Absolventin. Das klingt so grundlegend widersinnig, das muss ich mir anhören.

[…] Boah, was für eine Frau! Aber warum? Ich glaube, weil sie etwas verkörpert, das Hildesheim oft fehlt: Unaufgeregtheit, Bescheidenheit, Forschergeist, Selbstironie, Nachdenklichkeit… Angela Steidele setzt allen Ringelsocken und Regenbogenstulpen und Cordjacketts und Rock-über-Hose, aller lärmend zur Schau gestellten Individualität und allem penetrant zelebrierten Lesbentum die höfliche Zurückhaltung (ja, das trifft es: Höflich ist diese Zurückhaltung!) eines gefestigten Charakters entgegen. Klar: Hinterher werden manche sagen, Steidele habe bieder gewirkt, wie eine Lehrerin, nicht extravagant genug. Ein kleinakademisches Pflänzchen am Wegesrand. Schwachsinn, sage ich: Diese Frau hat gestrahlt, aus der Ruhe und Selbstgewissheit heraus, etwas zu tun, das ihr nicht nur Spaß macht, sondern ganz nebenbei (oder doch hauptsächlich?) auch schön und gut und wahr ist – eine echte Wissenschaftlerin. Wenn ich es mir recht überlege, möchte ich werden wie Angela Steidele. Zwar möchte ich ständig wie irgend jemand anderes werden, und diese Idole unterscheiden sich auch immer grundlegend, doch heute Abend möchte ich werden wie sie: unaufgeregt, selbstgewiss, klug und menschlich. Gebt mir mehr Adjektive für unspektakuläres Wohlgefallen! Gebt mir mehr Adjektive für schlichte Sympathie!”

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