Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus

Sexismus im Studium, Sexismus an Schreibschulen: Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus, Hildesheim

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Seit Ende Juni 2016 erscheinen im Blog von „Merkur – Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ Texte über strukturelle Probleme, Sexismus und Machtgefälle an Schreibschulen und -Instituten in Deutschland und der Schweiz – gesammelt, redaktionell betreut und wunderbar lektoriert von Lena Vöcklinghaus und Alina Herbig. Bisher sind diese Essay ins drei großen Dossiers gesammelt und nachzulesen:

[Update:

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Heute erscheint das vierte Dossier, mit u.a. einem Text von mir:

ein persönliches Essay über Microaggressions – alles, was Menschen sagen, um sich zu zeigen „Achtung: Wir sind nicht gleich. Hier verläuft eine Grenze: Ich bin auf der besseren Seite. Dein Pech!“ Kurze Szenen, Momente, die mich im Studium verunsicherten oder bremsten.

Und viel von dem, was ich anderen Leuten antat – aus Geltungsdrang, Arroganz, aus Ungeduld oder Wut.

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Am 8. Juli las ich eine 12-Minuten-Version des Textes am Literarischen Colloquium Berlin. Für den Merkur-Blog habe ich diese Kurzversion ausgeweitet, umgestellt: Wer 15 Minuten Zeit hat – drüben auf Merkur-Zeitschrift.de steht alles, was ich dringend zur Debatte beitragen will. Wie in allen Beiträgen dort sind die Namen aller Lehrenden anonymisiert („der Professor“, „die Professorin“): Es geht um strukturelle Zustände, Grundsätzliches. Nicht um einzelne Personen.

Hier im Blog, in einer längeren Version, wird es präziser, persönlicher, anekdotischer, ausführlicher: ein langer Text, der möglichst konkret, detailliert erzählt, was in fünf Jahren holperte und glückte, schief lief oder mich überraschte. Hier benutze ich Klarnamen; in einigen Fällen Kürzel wie A, Ö, X.

Der Text sammelt die Schwierigkeiten und Probleme. Ein anderer Text, als Gegengewicht: „Stephan Porombka: 100 Fragen“

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Austeilen, Abgrenzen, Angstmachen, Einstecken.

Fünf Jahre als Schreibschüler

von Stefan Mesch

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Du schreibst.

Du willst vom Schreiben leben.

Du bist 14, 15, 16 und führst Tagebuch, stellst Filmkritiken ins Netz, gehst zur Schüler-, dann zur Lokalzeitung. Du gründest ein Fan-Magazin zu „Sailor Moon“.

Du liest Videospiel-Testberichte, Comics, Science Fiction, Stephen King; du liest jedes Wort der Fernsehzeitung und suchst Filme mit möglichst vielen Sternchen, Punkten in den Kategorien „Kultfaktor“ und „Anspruch“.

Du machst Abitur und hast – dank Tipps in Magazinen, dank Zufallsfunden in der Fußgängerzone, ab 16 dank dem Internet – jetzt Lieblingsautoren, Lieblingsdrehbuchautoren, Lieblingskritiker, Lieblingsjournalisten. Du hast ein Dutzend Lieblingsserienschöpfer und liest Hunderte Interviews über ihre Arbeit.

Du machst Zivildienst, du wirst 20 und weißt, wie Thomas Wolfe zum Autor wurde – in Harvard, kurz nach dem ersten Weltkrieg. Wie Janet Frame oder Simone de Beauvoir ihre literarische Arbeit organisierten – in Intellektuellenzirkeln der 60er, 70er. Wie Kevin Williamson Drehbücher umsetzen konnte – Mitte der 90er. Doch du weißt nicht, wie man in Deutschland schreiben kann: 2003, in einem Dorf zwischen Heidelberg, Karlsruhe und Heilbronn.

Du kennst keine Schriftsteller*innen, Kritiker*innen persönlich. Keiner, der mit dir spricht, geht in die Oper, sammelt Kunst, studierte Geisteswissenschaften, arbeitet beim Film.

Du hast keine Lieblings-Serienschöpferin – weil Serien fast nur von Männern geschrieben werden. Du hast keine Lieblingskritikerin, -Journalistin, weil fast keine Frauen für die Filmzeitschriften, die es im Supermarkt gibt, schreiben. In 13 Schuljahren hast du keine 30 Bücher von Autorinnen gelesen, und keine fünf davon im Unterricht.

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zwei:

Du bist normal. Deine Eltern sind getrennt – doch dein Vater hilft dir beim Umzug. Er verdient so viel, dass du nicht BaFög-berechtigt bist. Deine Schulfreunde werden Grundschullehrerin, Pädagogin, Pädagogin, Realschullehrerin, Bankberater, Programmierer. Einer macht eine Ausbildung zum Fotografen in der Kreisstadt: Er tut dir Leid. Eine studiert Medizin, 600 Kilometer nördlich: Sie macht dich stolz. Doch dich enttäuscht, keine künftigen Architekten, Rechtsanwälte, Kulturarbeiterinnen, Politikerinnen zu kennen.

Du kennst keine Punks, keine Aktivisten, keine Lesben und nur einen Schwulen, das Abitur machst du ohne Muslime oder Menschen mit Behinderung. Kein Mensch aus deinem Freundeskreis lebte als Teenager je in Miete: Alle Eltern haben Häuser, Garagen, sichere Jobs.

Du bist normal gebildet. Das heißt, du kennst die Kiwi-Taschenbücher – doch „Kiepenheuer & Witsch“ hast du noch nie gehört. Du weißt, dass auf der Seite der Rhein-Neckar-Zeitung, die mit „Feuilleton“ betitelt ist, Konzert- und Opernkritiken erscheinen. Du liest 30 Bücher im Jahr und gehst fünf, sechsmal in Theater – doch Ingeborg Bachmann, Adorno, Klopstock, Thomas Bernhard, Christian Kracht, Rainald Goetz? Niemand, den du kennst, erwähnt solche Namen. Im vierten Semester lernst du das Wort „Poetik“.

Dein Vater ist KfZ-Meister und prahlt damit, im ganzen Leben kein Buch gelesen zu haben. Deine Mutter ist Arzthelferin, seit der Ausbildung im Bertelsmann-Club – und in vier heiklen Schwangerschaften las sie wochenlang im Bett: Johannes Mario Simmel, Utta Danella, Konsalik. Suhrkamp ist dir ein Begriff – denn 15, 20 Suhrkamp-Paperbacks stehen in der Wohnwand. Alle von Hermann Hesse und Isabel Allende.

In der Lokalredaktion der Zeitung schreiben keine Frauen. Es gab den Pfarrer mit Büchern im Büro, und in der Kreisstadt zwei, drei Gymnasiallehrer und Buchhändler. Im Jahr, als du dein Abitur bestehst, schafft Joey aus „Dawson’s Creek“ den Sprung auf eine Elite-Uni: Sie studiert Kreatives Schreiben. Dawson aus „Dawson’s Creek“ arbeitet an Drehbüchern: Er schafft es auf die Filmhochschule. Du googelst „Kreatives Schreiben“ und „Filmhochschule“ – und, zur Sicherheit, „Medienwissenschaften“ und „Psychologie“.

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drei:

Ein Professor sagt, es bräuchte eigentlich ein ganzes erstes Semester – nur, um allen beizubringen, wie man lebt, schläft, kocht und sich ernährt. Du weißt bis heute nicht, ob er damit Grundlagen, Routinen, erstes Ankommen im Studium meint. Oder Lebenskunst und Bildungsbürger-Basics wie „Welchen Wein trinke ich zu Austern?“. Im ersten Semester empfiehlt er, Bachs Kunst der Fuge zu hören – um ein Gefühl für Timing in Texten zu entwickeln. Im fünften Semester empfiehlt er einen Monblanc-Füller für 500 Euro.

Dein Psychologie-Lehrbuch sagt im Kapitel zu Belastungen: 150 Punkte áuf der Stress-Skala werfen Menschen meist aus der Bahn. Der Tod eines Bruders, einer Schwester hat 80 Punkte. Ein Studienbeginn für sich allein schon über 100.

Die Filmhochschule Ludwigsburg verlangt den Nachweis eines Praktikums in der Branche: Du kennst niemanden beim Film – und bewirbst dich nicht. Die HFF Potsdam lädt dich zum Auswahlgespräch ein – doch das Komitee findet deine Urteile über Filme, Bücher gernegroß. Du triffst den Ton nicht. Aber weißt nicht, wen du hättest fragen können, um ihn zu treffen.

Das Literaturinstitut Leipzig lädt dich ein – doch das Studium dauert nur drei Jahre. Wer dort studiert, ist oft schon Mitte 20: Du sagst in der Prüfung, dass du mit Älteren, die Abschlüsse in Europarecht und Kirchenmusik haben oder gelernter Steinmetz sind, nicht mithalten kannst.

Deine Mutter fährt dich an alle drei Unis. Ihr übernachtet in Pensionen. Nichts an Hildesheim macht dir Angst, schüchtert dich ein. Zum Studienbeginn gibt dir dein Vater ein gebrauchtes Auto. Deine Mutter hilft oft bei der Miete.

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vier:

Wie viele bewarben sich: 400? Neun Frauen, fünf Männer kommen durch: Julia hat ein Kind, Nora wird schwanger. Lucias Eltern kommen aus Rumänien und China. Jan wuchs in Marseille auf. Martin macht Live-Rollenspiele. Xs Mutter lebt mit einer Frau zusammen. Y war auf einem Jesuiten-Internat.

Noch nie nahmen dich so verschiedene, erfahrene Frauen ernst: A ist gelernte Kosmetikerin, B jobbte im Kino, C schreibt für Focus Online, D verkaufte ein Jahr lang Brötchen. Alles beeindruckt dich – denn du hast keine älteren Geschwister oder Freunde, und bist noch heute unsicher bei Menschen, vier, fünf Jahre älter: Thomas Klupp, Wiebke Porombka, Paul Brodowsky… Wer dir zwei Schritte voraus ist, macht dir Angst. Du hältst Abstand – damit niemand denkt, du willst dich ranschmeißen.

Der Frauenanteil liegt bei 80, 85 Prozent – unter den Studierenden. Fast alle Kurse am Literaturinstitut leiten Männer. 2008, du bist fast fertig, bewerben sich ein Mann und eine Frau auf eine Professur. Beide langweilen dich. Der Mann erhält den Job. „Warum hörst du die Vorträge?“, fragt Sabrina. „Das ist wie ‚CSI‘. Ich weiß, wie Hanns-Josef Ortheil spricht. Wie Stephan Porombka spricht. Die Fälle aller CSI-Versionen sind austauschbar. Die Ermittler nicht!“ Du hättest gern noch einen anderen Sound gehört. Verschiedene Arbeitsweisen, Zugriffe, Gemüter.

Dein Hauptfach: Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Dein Nebenfach: Film, Theater, Medien. Dazu Musik oder Kunst. Und Politik, oder Psychologie, oder Pädagogik, oder Philosophie.

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fünf:

Über Jahre wirst du ermuntert, über euch, die Stadt, dein Lernen und Scheitern zu sprechen: 2005 führen Erstsemester Tagebuch. Als Tutor liest und kürzt du alle Texte und montierst daraus ein 400-Seiten-Projekt, „Kulturtagebuch: Leben und Schreiben in Hildesheim“. Ortheil spornt dich in jeder Phase an. Du fühlst dich in keinem Wort als Nestbeschmutzer.

2008 veröffentlichst du einen 20-Seiten-Text über die Tiefschläge und privaten Konflikte deines ersten Semesters. 2012 schreibst du das Vorwort der jährlichen „Landpartie“-Anthologie. 2014, für „Irgendwas mit Schreiben: Diplomschriftsteller im Beruf“ listet du deine Ziele als Autor auf. Hildesheim bringt dir bei, kritisch auf Orte und dich selbst zu blicken. Ambivalenzen für ein Publikum greif- und sichtbar zu machen.

2004 bittet Stephan Porombka, je 100 Digitalfotos zu sammeln, in denen sich die Stadt zeigt und erklärt. 2005 sollt ihr eine Hildesheimer Bushaltestelle beobachten, 2007 ein Semester lang eine Kneipe eurer Wahl besuchen, mit Gästen sprechen, ethnografisch über das Milieu schreiben. Ihr lernt, die Stadt zu öffnen. Eure Positionen zu hinterfragen. Euch selbst beim Beobachten zu beobachten.

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sechs:

Du bist enttäuscht, dass ein Student den Grundkurs Kreatives Schreiben leitet – statt Ortheil selbst. Dich ärgert, dass es kein Seminar für euch 14 Auserwählte gibt – sondern alle Kurse auch dem größeren Fachbereich offen stehen: Kulturwissenschafts-Student*innen, „KuWis“.

Fast alle KuWis, mit denen du sprichst, wollten auf Musik-, Kunst-, Schauspielschulen – und scheiterten an der Eignungsprüfung. Dich ärgert, wie viele Leute, die „nur mal testen wollen“ statt beruflich zu schreiben, in allen Seminaren hängen, und dort vor allem über Unlust, Zweifel sprechen.

Als du studentische Anthologien betreust, Texte lektorierst, hörst du fast nur „Ich schreibe eigentlich nie“ und „Für mich ist das ganz neu“. In endlosen gemeinsamen Überarbeitungen – in Absprache mit KuWis, die nie vorhatten und sich nie zutrauten, druckreife Texte zu liefern – macht ihr Texte stärker. Du lernst, respektvoll, konstruktiv zu lektorieren; doch ärgerst dich, dass du so viele unwillige Jüngere anfeuerst, mentorierst – statt selbst gecoacht zu werden.

In deinen Kunst- und Psychologie-Kursen sind KuWis. Vor allem aber Leute aus der Region, die auf Lehramt studieren: Viele haben keinen Mut oder keine Mittel, fürs Studium den Landkreis zu verlassen. Die Kunstseminare sind schleppend und verschult. Die Psychologie-Professorin tut dir Leid, weil alle drei Minuten jemand kräht „Hä? Kommt das in der Klausur?“ oder „Sie – ich raff es einfach nicht!“

Statt mit Ortheil im kleinen, elitären Kreis an eigenen Texten zu arbeiten, stehst du in tausend kalten Wassern. Brauchst deine Zeit, Energie für interdisziplänere Versuche, Projekte, Pflichtaufgaben, bei denen ein Fünftel professionell schreiben will – der Rest nur fragt, warum ihr aggressiven Schnösel alles ändern, lektorieren, verwerten müsst: fürs Radio, auf Lesungen, in Anthologien, im Netz.

Du hältst viele KuWis für Störfaktoren, Ballast – und hast Angst, selbst nur Ballast zu sein: Jo Lendle gibt eine Textwerkstatt, geht zwar auf jeden Text respektvoll ein… doch sagt am Ende, er habe ein höheres Niveau, weniger Anfänger erwartet.

Porombka und Ortheil bieten erst nach fünf Monaten Feedback zu je einem Text eurer Wahl. Porombka nennt deine Erzählung „Trash“. Ortheil findet dich sprachlich unpräzise – und empfiehlt Hemingways Kurzsätze als Gegenmittel.

In den Semesterferien liest du zwölf Bücher von Hemingway.

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sieben:

Du willst, dass alle gut sind. Wäre jemand schlecht, hieße das: Auch du bist vielleicht schlecht. Die Eignungsprüfung irrte. Dir fehlt das Zeug zum Autor.

K bricht das Studium ab. Weil K Kulturjournalismus wichtiger ist als Literatur, fragt Ä: Was, wenn ich falsch bin hier – mit meinem Journalismus-Schwerpunkt? War K unerwünscht? Fühlte sie sich unwillkommen?

Ö ist Filmexpertin und schreibt eine Rezension zu Philip K. Dick und „Blade Runner“. Porombka will, dass sie den Text überarbeitet. Sie ist nervös, verunsichert – und auch nach mehreren Mails bleibt ihr Text unveröffentlicht. Ö fragt sich, ob Porombka sie für nervig, talentlos hält. Sie schreibt nie wieder für die Uni Rezensionen.

Ü schreibt eine Comedy-Kurzgeschichte für die Jahrgangsanthologie. Mit Comedy kann keiner der Lehrenden viel anfangen. Er bewirbt sich für ein Sat.1-Förderprogramm, macht im zweiten Semester einen Workshop in Berlin, tritt im Studium kürzer – und hat bald eine Karriere als TV-Autor. Ä fragt sich jahrelang: Freut sich das Institut über den Erfolg? Oder tat Ü gut daran, zu gehen?

Du besuchst jede Ortheil-Veranstaltung, die dir offen steht. Du hörst irrsinnig gern zu – vor allem, weil dir sein Ton, seine Helden, sein Blick meist neu und fremd sind. Du kaufst, liest Ortheil-Bücher und weißt: Du wirst, kannst, willst niemals über seine Themen schreiben, in seiner Sprache.

Du magst „Sailor Moon“ – weil dort keine fähige, heroische Ausnahme-Frau für sich allein steht. Sondern zehn verschiedene Frauen mit eigenen Wesenszügen aneinander wachsen – ohne, dass die Serie sie gegeneinander stellt: Es gibt dort keine korrekte, einzig gültige Art, Heldin zu sein.

Ortheils Wissen ist dir ein Gewinn. Als Role Model macht er dir Angst: Was Ortheils Texte auszeichnet, kannst du dir nicht erarbeiten. Und was von dem, was du sagen, geben kannst, wird jemand suchen, kaufen, hören, feiern, der sonst Hanns-Josef Ortheil sucht, kauft, einlädt, feiert?

Bei vier Romanciers, zehn Professor*innen, fünf CSI-Ermittler*innen, zehn Kriegerinnen… lastet viel weniger Druck auf jedem möglichen Vorbild, Beispiel.

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acht:

Ä fragt sich, ob die Professoren Poetry Slams verachten. Ä fragt sich, ob die Professoren Sozialkritik verachten. Ä fragt sich so lange, was die Professoren interessiert, bis sie sicher ist, dass IHRE Texte die Professoren nie interessieren werden. Sie schreibt immer weniger. Ihr streitet viel: Du hältst ihre Ängste für selbsterfüllende Prophezeiungen.

Die Professoren helfen zwei Männern aus dem Jahrgang, einen Verlag zu gründen, der zukünftig alle Studiengangsprojekte verlegt. Ä fragt sich, warum sie nicht gefragt wurde, und diese Gespräche geheim blieben.

Ortheil mag die Kurzgeschichten von B, lässt sie in einem eigenen Buch des neuen Verlags drucken: als Teaser, um B an Publikumsverlage zu vermitteln. Ihr fragt euch, ob ihr schreiben solltet wie B, was er an B besonders mag und, ob ihr keine Chance auf seine Hilfe habt, wenn ihr anders schreibt.

Porombka beschäftigt zwei männliche HiWis. Ä fürchtet, Porombka kann nur mit Männern.

Du brauchst viel Zeit, Ä zuzuhören – während sie fragt, welche Professoren oder älteren Studenten wann, wie, mit wem sprechen: Wer wird eingeladen, eingebunden, wer wird gelobt – wer nicht? Ä fragt: „Denkst du, der findet mich langweilig?“, „Denkst du, der findet mich hässlich?“, „Denkst du, wenn ich femininer, zustimmender wäre, hätte ich andere Jobs und Positionen hier?“

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neun:

Du kennst ein Journalisten-Liebespaar, bis heute Inbegriff deiner liebsten Beziehungsdynamik: Clark Kent und Lois Lane. In Hildesheim suchst du eine Partnerin oder einen Partner, die oder der selbst schreibt.

Du fühlst dich nur ambitioniert-verbissenen Schreiber*innen nah: KuWis fehlt oft Schreiblust, Selbstbewusstsein, die Legitimitation durch Ortheil und Porombka. Lehrämtler*innen sind für dich Hufflepuffs: Du hasst, so oft als einziger Schreiber eines Psychologie- und Kunstkurses Schreib-Zeit zu verlieren.

Ä schlägt vor, im benachbarten Hannover zu daten. „Wen finde ich da? Da gibt es keine Schreibschule!“ Du ignorierst Hannover fünf Jahre lang.

Hildesheim ist recht arm, schroff, fromm – es gibt kaum Lesungspublikum: Student*innen bleiben in einer Blase. Du fühlst dich reicher, verdienstvoller, gebildeter als fast jeder, den du auf der Straße siehst.

In einem Filmseminar zur Nouvelle Vague sollen alle kurz sagen, was sie mit Nouvelle Vague verbinden. Von 60 Studierenden sind 55 Frauen, und gut ein Drittel sagt „Mein Vater hatte diese Filme archiviert, führte mich sehr früh an sie heran. Ich wurde mit ihnen erwachsen.“ Dein Vater weiß nicht, was Nouvelle Vague ist. Du gehst – weil du nicht hören willst, wie 20 höhere Töchter jede Woche von ihrer Bildungsbürger-Kindheit schwärmen.

Du ignorierst KuWi-Theaterstücke – verpasst Performerinnen, Regisseurinnen. Du ignorierst KuWi-Konzerte – merkst viel zu spät, wie ambitioniert viele Musik-KuWis studieren. Dich langweilt Hochschulpolitik – du lernst keine aktivistischen Stimmen kennen. Nur KuWi-Filmstudenten hörst du dauernd. In allen Kursen, mit selbstverliebten Kommentaren.

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zehn:

Ihr sprecht kaum über Geld. Du weißt nicht, wie arm oder reich eure Eltern sind. Oft wirken Männer abgerissen, ungesund, asketisch – doch haben ganz andere finanzielle Polster.

Du hältst dich für normal. Das heißt: Du wohnst allein, in einer großen Dachwohnung – doch hast kein Geld, sie richtig zu beheizen. Du frierst fünf Monate im Jahr, fünf Jahre lang. Du hast ein Auto und musst nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Uni – aber kein Geld für Urlaub, Restaurants. Dein Kontostand ist oft bei 20 Euro – doch nie im Minus.

Kommiliton*innen arbeiten u.a. bei Schlecker. Du machst keinen einzigen Job fürs Geld – und darfst fünf Jahre lang nur lesen, schreiben, lernen. Du verachtest jeden, der den Pizzaservice ruft, sich Cocktails oder Häagen-Dasz-Eis leistet – doch rauchst jeden Tag 30 Zigaretten. Deine Mutter zahlt gebrauchte Bücher: Du lässt dir nie eine Bibliothekskarte ausstellen – weil du nur kaufst, oder Karten von Freund*innen benutzt.

Zwei Jahre lebst du ohne Internet, recherchierst nachts im Rechenzentrum. Als dein Vater einen Anschluss legen lässt – du denkst: eine Flatrate –, du Downloads startest und 400 Euro nachzahlen sollst, hilft er dir aus, ohne Klage. Du bist 400 Kilometer weit weg, fast ohne Verpflichtungen. Aber weißt: Du kannst fast immer um Hilfe rufen – und wirst von deiner Familie aufgefangen.

Deine Mutter macht sich Sorgen, weil deine große Wohnung hinter dem Bahnhof liegt, in der Nordstadt. Du bist sicher, der belesenste Mensch der Straße zu sein. #gentrifizierung

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elf:

Egal, was du sagst oder schreibst – du siehst dich im direkten Vergleich mit den vier Männern des Jahrgangs. Neun Frauen haben es schwerer – noch mehr, sobald sie aus der Masse weiblicher KuWis stechen müssen: Jede Frau hier kennt fünf andere, die ihr ähnlich sehen, und jeder Mann und fast jede Frau debattieren, sortieren, werten, ranken diese Frauen ständig gegeneinander – ihr Aussehen, ihre Kompetenz, ihre Stellung an der Uni.

Alex macht eine Performance: Sie zieht sich aus, vor einem leeren Ladenlokal, will dort eine Woche lang nur mit Objekten leben, die ihr Fremde schenken oder leihen. „So will sie auffallen?“, fragen Männer aus dem Studiengang. „Ein alter Mann gab ihr seinen Pulli, damit sie nicht mehr nackt auf der Straße steht.“

Jede Party rekrutiert sich aus kaum 500 potenziellen, immer gleichen Gästen. V kommt enttäuscht nach Hause: „Heute war es eine Wasserloch-Party.“ Du stellst dir eine Savanne vor: Räuber, Beutetiere. „Nein“, sagt sie: „So nennt man Mädchen, die es nötig haben. Wegen dem Männermangel. Sie werden feucht, wenn auch nur EIN Mann kommt: Wasserlöcher.“

2007 bist du mit Q auf Hs Kostümfest. Du weißt nicht, ob du H gefällst. Zwei Frauen, X und Y, bleiben bis zum Schluss. X hat einen Freund, aber flirtet mit dir. Als du nicht darauf eingehst, tauscht sie Küsse mit Y. Q sagt: „Am Ende hätten all drei Frauen mit dir rum gemacht – aus Verzweiflung.“

Kurz darauf sagt Q, sie habe oft Angstzustände und sei einsam. „Ich will nichts von dir. Aber ich würde gern bei dir liegen können, wenn ich Attacken habe. Als Dank können wir auch Sex haben.“

V sagt, bei einer KuWi-Performance lud eine nackte, mit Schokolade beschmierte Studentin alle ein, an ihr zu lecken. V sagt, bei einer Theater-Semesterabschluss-Performance zum Thema Gender hätten sich mit Seifenlauge beschmierte nackte KuWis mit Sekt betrunken, bis es zu Gruppensex auf der Bühne kam. „Prüfer kuckten zu. Und wieder alles nur aus Frustration.“

Anne Köhler schreibt, sie fuhr für Dates mit einem Kommilitonen übers Wochenende nach Hamburg: In Hildesheim wären sie alle drei Meter erkannt, beurteilt worden.

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zwölf:

Eine KuWi ist lange in dich verliebt. Du denkst nur: „Nein – das liegt daran, dass hier kaum Männer sind.“ Zum ersten Mal fühlst du dich wahrgenommen, begehrt, sexuell relevant. Alle Frauen fühlen sich ungeliebt, auswechselbar wie nie.

Viele KuWis tragen Rock über Hose, bunte Tücher im Haar. Frauen, die sich strenger oder femininer kleiden, stehen schnell unter Tussi-Verdacht. Der KuWi-Look ist so eingängig, uniform, dass deine Mutter bis heute, wenn sie Autorinnen, Moderatorinnen beschreibt, oft sagt „Das war keine richtige Frau. Das war halt so ein KuWi-Mädchen.“

Deine Exfreundin hat Besuch von Kommilitonin Simone. „Na? Bist du auch so ein KuWi-Mädchen?“ – „Ich bin Simone. Ich bin eine Frau. Und ich studiere Kulturwissenschaften.“ Simone wird deine beste Freundin. Du sagst nie wieder „KuWi-Mädchen“.

Eine KuWi mit leiernder Stimme stellt verwirrte Fragen. Sie wirkt androgyn und abgemagert: Hat sie eine Essstörung? Du und eine Freundin nennt sie „Gender Bender“.

Ein KuWi trägt einen Nasenring, schwarze Fingernägel und das Glitzerlogo einer Glam-Metal-Band, Cinderella. Du und eine Freundin nennt ihn „Cinderella“.

Es gibt zwei schwarze Frauen im Fachbereich, einen Mann. Bei lesbischen und bisexuellen Frauen spekuliert ihr, ob sie nicht nur „verzweifelt“ sind. Mit der Zeit lernt ihr drei, vier KuWis kennen, die aus einfachen Elternhäusern stammen. Oft gingen sie schon in Hildesheim zur Schule.

Sina finanziert ihr Studium mit Auftritten in Gerichts-Shows auf RTL. Als sie in einem Seminar zu Literaturkritik ihre Mailadresse angibt, rollen alle die Augen und finden sie „absurd“ und „prollig“: 156-cm-purer-sex@web.de

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dreizehn:

Alle haben Angst, verwechselt, übersehen, ersetzt oder übergangen zu werden – in Freundschaften, Beziehungen, Projekten. Wer zögert oder Pflichten nicht übernehmen will, weiß: Es gibt genug genügsamen, motivierten Ersatz. Und weil sich alle ähneln, braucht es wenig, um zu irritieren:

Matthias Karow mag Gedichte von Bastian Winkler. Er gründet einen Verlag, um sie bekannter zu machen. „Nur einem Freund zuliebe?“, fragt ein Gastdozent: Matthias soll sagen, ob er schwul sei. Tatsächlich kennst du in den ersten drei Jahren keinen schwulen Schreiber oder KuWi. („DAS ist jetzt anders!“, lacht eine Freundin, seit 2016 in Hildesheim.)

Alex‘ WG feiert eine Party unter dem Motto „Spießer“. Um aufzufallen, herauszustechen, trägst du eine Lederjacke und Kajal. „Warum?“, fragt Cinderella. „Warum nicht: Jetzt sehe ich EINMAL metrosexueller aus als du!“ Er lässt dich stehen, doch nimmt deine Entschuldigung bald an. Du schämst dich bis heute.

Eine Frau schreibt über Sex mit einem älteren, dominanten Mann. Eine andere über eine Schülerin, die auf der Feier einer Freundin beim Tanzen von deren Vater angefasst wird. „Sexueller Missbrauch, autobiografisch?“ – „Stefan: So was passiert jeder von uns mal. Ich wollte das einfach aufschreiben.“ Du selbst schreibst eine plakative, vulgäre, absurde Geschichte über Pädophilie – um zu beweisen, dass du jedes Genre bedienen kannst.

In Woche 2 liest ein Kommilitone einen Text aus Sicht eines unglücklichen Bisexuellen. Du verliebst dich in ihn. Drängst, ob der Text autobiografisch ist. Er weist dich zurück – und für zwei Jahre gehst du auf keine Party.

Jule leitet das Erstsemester-Tutorium, trifft die 10, 15 neuen Schreiber*innen als erste. „Tolle Leute dabei?“, fragst du jedes Jahr. 2004 gibt es nur sieben Neue. 2005 passt keine*r zu dir. In Jahr 3 kommt eine Frau, von der Jule glaubt, du wirst sie mögen. Du stürzt ins nächste Seminar, bist hingerissen… und merkst: Sie stellt wirre Fragen. Wieder nichts! Ein weiteres Jahr Warten – auf Lois-Lane-artige Neue.

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vierzehn:

Du lernst Menschen kennen, hast sie satt – doch weißt: Du siehst sie jetzt noch neun Semester lang in jedem Seminar, Projekt, musst alles mit ihnen abstimmen.

Du hasst, wie viele Texte, Vorschläge von dir Redaktionen und Lektorate passieren müssen, geführt von Leuten, die du seit Monaten oder Jahren meiden willst.

Du weißt: Jedes Jahr kommen etwa 100 neue KuWis, 15 Schreiber*innen. Das ist der Pool. Sonst gibt es niemanden.

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fünfzehn:

Deine Vermieterin ruft an: „Beseitigen Sie das mit Ihrem Auto!“ Jemand türmte 30, 40 gelbe Säcke auf den Polo, über Nacht. Dir fallen 50 Menschen ein, die dich steif, unangenehm genug finden, um darüber zu lachen. Doch kein einziger, der dich so wenig mag, um sich diese Mühe zu machen. Ein Scherz? Berechtigte Aggressionen?

Jule will für Frauenzeitschriften schreiben, und machte ein Praktikum beim Stadtmagzin Prinz. „Na, wenn das kein Kulturjournalismus ist!“, sagt Porombka. Jule hört das als Kompliment. Du denkst, er spottet.

„Es gibt verschiedene Sorten Literaturkritik. Das Feuilleton. Und dann mehr das, was Stefan macht: Brigitte-Journalismus.“ Jule denkt, Porombka scherzt. Du traust dich nicht, zu fragen.

Direkt danach fragt er, wer Radiofeatures zum Thema „Literatur und das Bett“ recherchieren will. „Proust schrieb im Bett.“ Du willst alles lesen, über Pfingsten. Porombka nickt. „Nur heißt der Pruuust, Stefan. Nicht Brauwst.“

Um zu beweisen, dass du keinen „Trash“, „Brigitte-Journalismus“ schreibst, liest du in zehn Tagen 4.200 Seiten Pruuust; und bis zum Herbst 50 Romane für ein Essay über Provinz. „Gut getrickst: Klingt fast, als hättest du das echt gelesen“, sagt Porombka und zwinkert.

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sechzehn:

Du bist stolz, nie mit „strategisch wichtigen“ Menschen gefeiert zu haben. 2005 bietet Ortheil ein Seminar zum Schreiben in Venedig. Du scheiterst nicht am Geld: Du hast keine Lust, Energie, tagelang freundlich-professionell-interessierte Distanz auszustrahlen.

2008 fährt Ortheil mit allen 40 Helfer*innen des Literaturfestivals PROSANOVA auf Sylt. Als einziges Mitglied der Leitung bleibst du in Hildesheim: Du willst, dass Leute mit dir arbeiten, weil sie deinen Ton, deine Texte mögen. Du willst kein Klima, bei dem dein Verhalten auf einer Reise oder an einer Bar entscheiden kann, welche Kompetenzen, Posten dir übertragen werden.

2006 bietet dir Porombka eine Stelle als Hilfskraft an. Du brauchst die Zeit zum Lesen, Schreiben und sagst ab. „Dir ist deine Selbstverwirklichung also wichtiger?“ mailt er – und du hast Angst, ihn vor den Kopf gestoßen zu haben. „Mach sowas nicht!“, klagt deine Mutter. „Du bist von diesen Männern abhängig!“ Das sagte sie schon über alle Lehrer deiner Schulzeit.

Du fürchtest ein paar Monate, dass dich Porombka schneidet oder hängen lässt. Dann merkst du: Nein. Er meint es ernst. Schreiben und Selbstverwirklichung sind wichtiger!

Du leitest ein Tutorium, vergütet als halbe Hiwi-Stelle – doch findest deine Steuernummer nicht und kümmerst dich nicht weiter um die 200 Euro Lohn. Eine Mitarbeiterin schreibt, sie streicht das Geld und sagt Ortheil, dass du ihre Briefe ignorierst. Du denkst: Wer Zeit für Steuernummern nimmt, hat weniger Zeit, der beste Tutor zu sein, der er sein könnte. Ortheil wird das verstehen.

Du glaubst, wer sich ums Geld kümmert, wirkt unfein, gierig. Noch 2010 prahlst du damit, nie nach Stipendien gefragt zu haben – weil du befürchtest, dass dich Kritiker als saturierten Schreibschul-Streber verlachen, der Steuergelder verbraucht. Erst Armutsexperte (und KuWi) Christian Huberts macht dir deine Privilegien klar: 200 Euro in den Wind schießen – das geht, weil deine Eltern halfen. Es ist keine Leistung oder Charakterstärke.

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siebzehn:

Martin schreibt Rezensionen im Netz, bei der „Berliner Literaturkritik“. Um nachzuziehen, aber Martin Raum zu lassen, bewirbst du dich bei „Literaturkritik.de“. Nach zwei Jahren Studium hast du endlich externe Autoritäten, die deine Arbeit schätzen, verbessern.

Davor aber haben 14 Menschen meist die selben wenigen Ziele, wollen auf die gleichen Posten: Wer darf den Grundkurs Kreatives Schreiben leiten? Muss man dafür erst Hiwi werden? Wer wird Tutor*in für neue Jahrgänge? Redakteur*in beim Webmagazin Lit04? Lektor*in der Landpartie-Anthologie? Betreuer*in neuer Buchprojekte?

Du schickst Kurzgeschichten an BELLA triste – eine Zeitschrift für junge Literatur, gegründet von Studierenden, mit denen du nicht zu sprechen wagst, weil sie zwei, drei Jahre länger in Hildesheim sind. 2005 wird Prosa von dir gedruckt. 2006 wirst du Redakteur – doch weil die erste Generation das Ruder an Jüngere übergab, fehlen dir Prestige und Anerkennung: Du glaubst, dass dich „die Älteren“ peinlich finden.

Für Lit04 liest du alle Bücher Vladimir Nabokovs. Porombka sieht die Ausschreibung für eine Konferenz an der Cornell University – und fragt, ob du den Call for Papers beantworten willst. Du weißt nicht, was ein Call for Papers ist. Doch dein Vater zahlt dir das Ticket nach New York, eine Germanistin bietet dir einen Schlafplatz an, der Vortrag glückt: Du sprichst an Nabokovs alter Uni… und merkst, wie viel entspannender, sachlicher du dich außerhalb Hildesheims verhandeln kannst.

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achtzehn:

„Drei von euch können später von Romanen leben“, warnt Ortheil 2003, beim ersten Treffen. Zu lange glaubst du, das heißt: Drei sind gut genug. Tatsächlich haben von 14 mittlerweile erst drei Romane veröffentlicht – doch fast alle sonst Sachbücher oder große Reportagen, Hörspiele, Kinderbücher, Kurzgeschichten, eine eigene TV-Serie.

Wer heute, 14 Jahre später, noch Romane schreiben will, schreibt und veröffentlicht sie: Einige Türen stehen offen. Viele aber nehmen andere Türen – weil sie rentabler sind oder mehr Spaß machen. Du dachtest, Ortheil sagt: 11 Menschen scheitern an Romanen. Doch wer keine Romane schreibt, schreibt mittlerweile fast immer in Formaten, die ihr oder ihm besser liegen.

Im Studium hörst du das „drei von euch“ als „drei sind es wert“, „drei sind vielleicht interessant“, „für drei werde ich mich einsetzen“, „drei interessieren mich“.

Du liebst eine Ortheil-Porombka-Vorlesung im ersten Jahr, „Jetztzeit“. Zwei Stunden im Audimax, schnell wie eine Samstagabendshow, mit Filmszenen, Livemusik und kurzen Präsentationen älterer Studierender. Dein ganzes Studium überlegst du: Was an meiner Arbeit, meinem Ton, meinen Texten ließen beide auf diese Bühne? Was kann ich bieten, das Porombka interessiert? Ortheil?

Porombka, erst 36, verhandelt sich mit euch. Ihr spürt: Euer Feedback hat Gewicht. Er will gehört, verstanden werden. Ortheil spricht im Fernsehen, kennt Politiker, in Lesungen sitzt ein viel älteres Publikum. Welchen Stellenwert hat euer Blick, eure Meinung für ihn?

Du horchst auf, sobald die beiden jemanden bewundern. Porombka mag Flaneure, Spieler, kleine Formen, Ironie. Auch Ortheil legt euch nahe, klein anzufangen – mit Skizzen und Notaten. Weil er Skizzen bewundert? Oder weil er glaubt, für Größeres seid ihr zu kleine Geister?

Du willst ein Seminar zur Popliteratur geben. Ortheil hält es gemeinsam mit dir, 2007. Du bist begeistert über die Freiräume, die er dir lässt – doch hast dauernd Angst, ihn zu langweilen. Du sprichst mit ihm wie mit deinem Vater: Betonst, wie hart du arbeitest. Merkst dir jede Wertung, jedes Urteil. Doch gehst, so schnell du kannst. Du fürchtest bis heute bei vielen Männern dieser Generation: Je besser sie deine Werte, Prioritäten kennen… desto läppischer, alberner finden sie dich.

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neunzehn:

Wie viele Seminare waren von Männern? Wie viele von Frauen?

Alle fünf Psychologiekurse machst du bei der selben ungewürdigten, von Lehrämtler*innen angeblafften Professorin. In Kunst unterrichten dich fünf Männer, eine Frau. Du brauchst keine Mühe, um aufzufallen. Träge Pflichtkurse, die Zeit und Kraft verschlingen.

In Film-Theater-Medien doziert eine grandiose Frau of Color, Mohini Krischke-Ramaswamy, schon 2003 über Fanfiction und lesbische Liebe in „Xena“. Patricia Feise zeigt Grundlagen der Gender Studies am Blick auf „Akte X“ und Seven of Nine. In einem Filmseminar von Corinna Antelmann lernst du an zwei Wochenenden mehr über Spannungsführung als in vier Jahren.

Hans-Otto Hügel ist Professor für Popkultur. In deiner zweiten Woche fragst du nach Pop- und… „…echter Kultur? Wissen Sie, was ich meine?“ – „Kann jemand dem Kommilitonen erklären, dass es ‚E-Kultur‘ heißt?“

Erst ärgert dich, wie viel Jargon vorausgesetzt wird: von Lehrkräften, angeheuert, um euch einzuführen. Schnell aber siehst du Seminare scheitern – weil im Poetik-Seminar fast jeder denkt, es ginge um Gedichte. In Film-Seminaren dauernd Leute fragen, ob Filme überhaupt Kultur seien. Immer neue Anfänger*innen alles ausbremsen, mit Grundsatzdiskussionen.

Noch einmal „Sailor Moon“: Weil Klaus Siblewski der einzige Lektor bleibt, der in drei Jahren Kurse gibt, glaubst du, als Lektor müsse man sein wie Klaus Siblewski. Ist Felix Huby der einzige TV-Autor, glaubst du, man müsse sein wie Felix Huby. Beide sind 35 Jahre älter und – in Habitus, Ton, Naturell – entmutigend weit weg von jeder Rolle, die du beruflich füllen könntest.

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zwanzig:

An welchen Stellen entlarvst, disqualifizierst du dich – weil du feine Unterschiede nicht kennst?

2013 sagt S: „Ach, die erste BELLA-Redaktion mit ihrem Tocotronic-Look“ und dir wird klar, dass die Frisuren, Trainingsjacken, Schuhe, Zitate für jeden, der deutschsprachige Musik hört, augenfällig sind. Mit 21 macht dich irre, woher alle Adam Green, David Foster Wallace, n+1 kennen – doch kein Mensch Elke Heidenreich zuhört oder die SZ-Bibliothek liest. Weshalb lieben diese älteren Studierenden Tannenzäpfle-Bier aus dem Schwarzwald – und verachten Energy-Drinks? Menschen in deinem Dorf feiern Senseo-Kaffeepad-Maschinen. Hier zählen Espressokannen auf Gasherden in Altbau-WGs – und jede dritte Kurzgeschichte enthält das Wort „Holunderblütensirup“.

2006 willst du deine Rezensionen auf Amazon zweitveröffentlichen. Porombka glaubt, du verkaufst dich unter Wert. Alle sind geschockt, dass du auf die Idee kamst. 2012, beim Literaturwettbewerb Open Mike, liest du aus deinem Roman – und brennst Daten-CDs mit den ersten 100 Seiten, falls Zuhörer*innen mehr wollen. „Du demontierst dich!“, warnt Vea Kaiser. Sie findet, du machst dich und dein Buch lächerlich.

Über TV-Serien spricht niemand am Institut. Dann zeigt Porombka eine Szene aus „Der Bachelor“: Reality-TV ist diskutabel? Im zweiten Semester siehst du einen „Spider-Man“-Sammelband in seinem Regal. Du achtest genau, wer was erwähnt oder lobt: Sind also auch Comics hier erlaubt, salonfähig?

2017 fotografiert sich Porombka in Stützstrümpfen, Unterwäsche – als Bildwitz für die ZEIT. Du merkst, dass du bis heute mental Buch führst: Was er tut, zeigt, was Journalist*innen gerade tun dürfen – ohne, dass Verlage, Redaktionen Achtung verlieren. Je sorgloser, spielerischer Porombka im Netz agiert, desto sicherer darfst du sein, dass dich der Betrieb nicht plötzlich ausspuckt.

2004 kommt die Schriftstellerin, Journalistin Annett Gröschner ans Institut, lehrt über Literatur und Arbeitswelt. Sie ist kompetent, humorvoll – doch trumpft irritierend wenig auf. Gegen Abend ihres ersten Blockseminars (zu Sachbüchern) fragt sie in die Runde, ob jemand Buletten will. „Ortheil, Porombka würden kein Essen anbieten. Oder nur extravagante Snacks. Auf keinen Fall selbst gemachte Buletten: Annett versteht nicht, was hier läuft“, denkst du.

Ab 2009 postet KuWi Merlin verbitterte Links zur Hochschulpolitik: Dir ist nicht klar, wer Carsten Maschmeyer ist. Warum Dozierende nach Jahren gehen müssen – obwohl sie dringend bleiben wollen. Merlin sieht die Uni als fragwürdigen, drittklassigen Sumpf, voll schlecht versteckter Klüngelei.

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einundzwanzig:

Fast alle Männer, mit denen du studiert hast, arbeiten heute im Kulturbetrieb oder sichereren, lukrativen Branchen: Bildung, Werbung. Viele Frauen brachen das Studium ab.

Den längsten Atem haben oft Männer, die durch die Schreiber-Prüfung fielen, als KuWi ein Jahr alle Seminare besuchen, im zweiten Versuch bestehen. 2005, in einer Rauchpause, sagt KuWi Leif Randt, er schaut oft „Samt & Seide“ mit seiner Mutter: eine ZDF-Soap, mit der niemand kulturell punkten kann. Du fragst dich ernsthaft, ob er wegen solcher arglosen Sätze abgelehnt wird.

2008 planst du PROSANOVA, Tag und Nacht – doch eine Stunde pro Woche triffst du deine echten Freund*innen. Ihr schaut „Desperate Housewives“. Je läppischer, alberner die anderen Festivalleiter*innen das finden, desto trotziger, glücklicher sitzt du in der WG, vor dieser Soap.

In einem öffentlichen Poetiktext nennt Lyrikerin Ann Cotten die PROSANOVA-Leitung „Hildesheimer Bubi-Mafia“. Ihr seid vier Männer, zwei Frauen – und dich freut, dass sie den Player-, Poser-, Mauscheltonfall deiner Kollegen nicht ernst nehmen will.

Martin Kordic mag Milena Bodrozic und Sasa Stanisic. Als du Jagoda Marinic zu PROSANOVA holen willst, ist er auf deiner Seite. Dir scheint das etwas billig: Frauen unterstützen demonstrativ Frauen? Ostdeutsche fragen nach Ostdeutschen? Herr -ic will Texte von -ic-Autor*innen? Seilschaften oder Bonuspunkte für biografische Gemeinsamkeiten?

Später lernst du, umgekehrt zu fragen: Warum sucht niemand außer Martin Kordic südeuropäische Stimmen? Warum kennen Heterofrauen im Literaturbetrieb kaum aktuelle lesbische Autorinnen? Welche Journalisten auf Twitter empfehlen Texte von Menschen mit anderem Geschlecht, anderer Hautfarbe? Lobt ein Autor, der selbst vor allem von älteren Frauen bewundert, gekauft, gehört wird, vor allem andere Männer? Du hast den größten Respekt vor Multiplikator*innen, die sich für Menschen außerhalb ihrer In-Group interessieren und stark machen.

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zweiundzwanzig:

Jule liebt Praktika. Sie kann sich eine größere Bandbreite an Jobs vorstellen als alle anderen. Auch Ortheil ist beeindruckt. Er schreibt schon 2005, Jule wird „irgendwann mühelos über den Fluss gehüpft“ sein und ihm „von der anderen Seite aus zuwinken“.

Im Studium hast du Angst vor diesem Fluss: Hast du die Kraft, zu hüpfen? Brauchst du Ortheils Hilfe, um Redaktionen und Jobs zu finden? Dich macht stolz, ihn in fünf Jahren nur einmal direkt um eine Gefälligkeit gebeten zu haben: ein Empfehlungsschreiben für ein Praktikum am Goethe-Institut. Du hast zu kurzfristig gefragt. Er hatte keine Zeit. Das Institut will dich trotzdem.

Herausgeberschaften, Redaktionen, HiWi-Stellen, Tutorien, Lehraufträge, später Promotionen: Einige von euch werden ermutigt, eingeladen, angefragt. Andere suchen Nischen: Sie machen Radio, finden Anschluss bei Theater-, Film-, Medien-KuWis, profilieren sich außerhalb des Instituts, geben das Wettrennen auf.

Vielen Menschen im Studiengang, die sich in Porombka oder Ortheil kaum erkennen, zeigt Annett Gröschner einen dritten Weg: Sie wird Role Model. Dir selbst liegt Porombkas Witz, Schwung, Netz-Euphorie. Wie toll Annett ist, merkst du, als du ihre Texte liest. In persona bleiben die Männer im Mittelpunkt.

2017 erscheint „Es ist Liebe“ – ein Traktat, in dem Porombka Ton, Formen, Arbeitsweisen der Romantik mit neuen Formen von Dialog und Intimität im Netz vergleicht: Tinder, Snapchat, Instagram. „Er schreibt jetzt nicht mehr so extrem“, lobt deine Mutter. „In Hildesheim wolltet ihr immer aus dem Rahmen fallen, schockieren. Jetzt höre ich euch lieber.“ Sie liest das Buch zweimal.

Alle Freundschaften werden leichter, seit ihr nicht dauernd neben-, gegeneinander schreiben, sprechen, wirken müsst. Du hast keinen Spaß an deinem Text über eine Hildesheimer Bushaltestelle – erdrückt, überstrahlt, verwechselbar mit 40 ähnlichen Texten ähnlicher, verwechselbarer Menschen, alle begraben im selben Buch.

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dreiundzwanzig:

Ortheil hat keinen Blog und nutzt kein Twitter, Facebook. Auch Vea Kaiser, 28, sagt 2016 ihren Followern, dass sie jetzt online kürzer tritt. All deine Jobs, Einladungen, Engagements, Kontakte ergaben sich, weil Literaturvermittler*innen dich im Netz lasen, hörten. Dass Kaiser und Ortheil es sich leisten können, diese Kanäle zu ignorieren, zeigt dir: Es gibt noch einen zweiten, analogen Literaturbetrieb – in dem man dich nicht kennt? Wie kommst du rein?

2014 schreibt Florian Kessler, aus Hildesheim und Leipzig schaffen vor allem „Absolventen mit den hochrangigsten bundesrepublikanischen Eltern“ den Sprung in Buchhandlungen, Redaktionen, Professuren: Arztsöhne, Professorentöchter, „ein Managersohn wie Leif Randt“.

„Aber Leif schaut ‚Samt und Seide‘! Er läuft rum wie ein Skater“, protestierst du: „Sein Habitus war so… Suhrkamp-fremd, dass er es auf der Uni schwerer hatte als viele!“ 2003 beschworen alle das literarische „Fräuleinwunder“: Hast du das falsche Geschlecht? Dann starb die Popliteratur: Bist du zu jung? Dann warf man Schreibschulen vor, Texte seien weltfremd, klinisch: Stellt dich deine Studienwahl ins Aus? Und jetzt watscht Florian Leute ab, weil sie reiche Eltern haben? Eure Eltern kamen im Studium nie zur Sprache!

Du brauchst lange, um zu verstehen, auf wen Florians Text befreiend wirkt. Welche Debatten er anstößt – und, dass es nie darum ging, Menschen für ihre Eltern zu strafen. „Leider stimmt in der Polemik unseres geliebten Flo Kessler, den Hildesheim aufgezogen, genährt und gepäppelt hat (bis es ihm zuviel werden musste und er das Zuviel ausgekotzt hat) kaum etwas“, schreibt Ortheil in einem Text zu PROSANOVA 2014 – ohne weiter ins Detail zu gehen.

Statt dir Verbündete, Mentor*innen, Plattformen, Publikum zu suchen, glaubst du von 2003 bis 2008, vor allem abwägen zu müssen, was du zwei einzelnen Professoren zeigen, bieten kannst. Und, wie du auffällst – ohne, dich lächerlich zu machen. Kommuniziert hast du dabei möglichst wenig: Meist war Ortheils Hilfskraft Kai für dich Botschafter, Mittler, Orakel.

Heute – mit Facebook, Blogs, digitalen Orten für Erstkontakt und Dialog – sprichst du viel freier, bringst dich schneller ein: Du kannst alle Texte jeder denkbaren Redaktion anbieten. Hast neue, diversere Kontakte, die notfalls gern vermitteln. Porombka und Ortheil waren gute Professoren. Doch sie waren auch – strukturell – ein Nadelöhr, ein Hegemon, der einzige Fokus. Die Stadt war viel zu klein. Dein Blick zu eng.

Bei PROSANOVA 2017 öffnest du Planetromeo und Grindr. Wie viele queere Männer sitzen mittlerweile hier, in Lesungen? Der Studiengang wirkt bunter, selbstbewusster. Doch die Apps zeigen einen einzigen queeren User: Leif-Randt-Käppi, weit über 30. Nach zwei Tagen wird dir klar: Das war kein Hildesheimer. Sondern der Regisseur eines feministischen Theaterstücks – fürs Festival aus Berlin angereist.

Unnötig wenige Stimmen. Gesichter. Optionen. Hildesheim, das war für dich zu lange: Mangel.

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Ich habe in Hildesheim übers Schreiben nichts gelernt. Was in Hildesheim funktioniert, ist sich für einen überschaubaren, also erträglichen Zeitraum Zuständen auszusetzen, modellmäßig und auf Probe, die so ein zukünftiges Autorenleben fingieren, und eine Ahnung dazu zu entwickeln, ob man das aushält“, schreibt Maren Kames.

„Ich weiß, man hört es nicht gern, aber auch an der wunderschönen Uni Hildesheim im superkuscheligen Fachbereich Kulturwissenschaften habe ich Rassismus-Erfahrungen gemacht. Ansonsten hatte ich genau die gleichen Probleme, die wir alle hatten: zu viele Fächer, zu wenig Zeit, zu viel Bürokratie“, schreibt Simone Dede Ayivi.

„Immer wieder klagt jemand, KuWi Hildesheim müsste eigentlich an eine Fachhochschule: Wissenschaftlich nicht auf dem Niveau einer Universität, künstlerisch nicht auf dem einer Kunsthochschule“, schreibt T. – der in Hildesheim promovierte.

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PROSANOVA 2017: Stimmen der Presse & Fotos

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Literaturfestival PROSANOVA 2017 | Foto: Mara Giese

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Alle drei Jahre findet in Hildesheim PROSANOVA statt (Website), das Festival für junge deutschsprachige Literatur.

2011, als einen der ersten Beiträge in meinem Blogs, sammelte ich die Stimmen der Presse in einem Eintrag (Link).

Auch zu PROSANOVA 2014 machte ich eine Presseschau hier im Blog (Link).

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Hier gesammelt: die wichtigsten Pressestimmen zu PROSANOVA 2017 (8. bis 11. Juni 2017, Hildesheimer Nordstadt)

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01_“Das Publikum ist sehr jung. Die Stimmung ist relaxt, aber nicht kuschelig, nur freundlich und solidarisch. Auf die Platzhirsche der deutschen Literatur hat man mit Absicht deutlicher als zuvor noch verzichtet, aber alle Stimmen, die ich höre, sind mindestens interessant. Sascha Ehlert hat in der Welt die „große, laute, wütende, böse Literatur“ auf dem Festival vermisst. Grow up. Den starken Mann zu markieren hatte auf diesem Prosanova zum Glück niemand nötig.“ Ekkehard Knörer, taz, „Liebesbriefe und Shitstorms“

02_“Welchen Einfluss kann das Prosanova auf den etablierten Literaturbetrieb haben? Und welche Impulse können davon für die Gesellschaft ausgehen? Die Sachbuchautorin Mithu Sanyal ist skeptisch: „Das sind alles Stimmen, die ich hier vertreten fühle, und die ich in der deutschen Literatur auch finde, aber ob das angekommen ist, dass das ein großer, wichtiger Teil der Literatur ist, das weiß ich nicht. Das ist immer noch dieses: Das ist eine Einzelstimme. Nein, es sind ganz viele. Das sind gar nicht mehr Einzelstimmen.“ Auf dem Prosanova bleibt die junge Literaturszene weitgehend unter sich. Selbst in Hildesheim wissen nur wenige um das Festival. Gegenwartsliteratur in der Blase oder Impulsgeber mit Einfluss?“ Simone Schlosser, Deutschlandfunk, „Literatur zwischen Stahlträgern“

03_4-Minuten-Audio-Feature von Jule Hoffmann bei Deutschlandfunk Kultur, „Das ‚andere‘ Literatur-Festival in Hildesheim“ (nur bis Dezember 2017 online)

04_“Wenn man Leute auf ihre Privilegien hinweist, fühlen sie sich oft auf den Schlips getreten. Das Festival schafft aber einen Raum für Frauen, People Of Color und nicht-binäre Personen, der sonst im Betrieb nicht vorhanden ist. Und darum geht’s: über Themen sprechen zu können, ohne die Quotenfrau dabei haben zu müssen.“ Interview mit Autorin Sirka Elspass (Fragen von Juli Zucker) Missy Magazine, „Ich will weniger höflich sein“

05_kurze Notate und Snapshots, gesammelt für Logbuch Suhrkamp

06_Mitschnitte, Podcasts, Features und kurze Texte bei Litradio

07_Beiträge für Fabian Thomas‘ Social-Media-Spiel „Diskursbingo“ bei Instagram und Twitter sowie die Hashtags pn17 (Twitter | IG) und prosanova17 (Twitter | IG)

08_“Wir haben die vitale fünfzigjährige Hundesalonbesitzerin mit dem blinden Pudel aus dem dritten Stock des Gebäudes, in dessen ersten zwei Stockwerken das Festivalzentrum liegt, im Nokia am Ohr, die uns sagt, wir sollen die Party jetzt beenden, es sei zu laut. […] wir haben nach dem Festival eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals, weil die vitale Frau mit dem blinden Pudel, der wir schon am ersten Abend ein Zimmer im Dorint Hotel anbieten, die aber wegen ihres Hundes nicht woanders schlafen kann, aufgrund von Schlafmangel eine Depression bekommt, am Sonntag Abend erklärt uns die Polizei, dass wir die Veranstaltung für beendet erklären müssen, andernfalls rückt die Bereitschaftspolizei aus Hannover an und räumt das Gelände, und das wird dann richtig teuer.“ PROSANOVA-Mitbegründer Paul Brodowsky über PROSANOVA 2005, Prosanova im Praesens II

09_kurze Text- und Bildmontage von mir, zur Einstimmung auf PROSANOVA 2017

10_“Ein Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde, war die Autofahrt während der Commoonity. Eine wahnsinnig aufregende Performance. Wer da keinen Platz mehr ergattert hat, tut mir leid, denn ich hatte das krasse Gefühl von etwas sehr Einmaligem. Besonders schön war, dass ich meine Litaffin-Partnerin Juliane überredet habe, noch mitzukommen und diesen Moment mit ihr teilen konnte.“ Fotos und kurze Statements im „Humans of New York“-Stil: Ann-Kathrin Canjé, „Humans of Prosanova“

11_kurzes Abschlussinterview mit Ole Schwabe, Mitglied der Künstlerischen Leitung, bei Radio Tonkuhle, Hildesheim: „Fazit Prosanova“ (Audio)

12_“Um direkt bei Mithu M. Sanyal zu bleiben, die wirklich eine beeindruckende Frau ist, darf auch ihr Vortrag „Rape Revisited“ in meiner Highlight-Liste nicht fehlen. Ganz unprätentiös und klar hat sie über Vergewaltigung gesprochen. Welche falschen Annahmen darüber in der Gesellschaft herrschen, wie Vergewaltigungen historisch zu beleuchten sind und wie wir sie differenzierter im Verhältnis zu Sex betrachten können.“ Juliane Noßack, Poesierausch, „So war das Prosanova 17“

13_“Das Programm ist gesprächslastig, diskussionsfreudig, am Debattenpuls und eben stark auf den Prozess, die Textarbeit, Unfertiges ausgerichtet. Die Auftretenden sind zum Großteil Autorinnen. Prosanova ist immer auch: Ein Wasserstandsbericht. Eine Zustandsbeschreibung der Szene. Wie wird gerade geschrieben und worüber und worüber muss jetzt mal gesprochen werden?“ Fixpoetry, Andreas Thamm: „Plaudereien auf dem Prosanova: Birgit Birnbacher, Maren Kames, Yael Inokai“

…und, Teil 2: „Plauderein auf dem Prosanova II: Juan S. Guse, Alina Herbig“: „Weißt du einen Satz, eine Formulierung, irgendwas in deinem Buch, worüber du dich heute ärgerst? Alina: Ich glaube nicht, dass es Sätze sind, aber mir fallen beim Vorlesen immer wieder so Kleinigkeiten auf: Wieso hört der Satz da auf? Wieso habe ich da einen Punkt gemacht? Die Sachen streiche ich dann durch und lese ich auch anders. Ich habe auch ein paar Sachen schon für die zweite Auflage geändert. Es sind keine dramatischen Sachen. Andererseits glaube ich, dadurch, dass ich jetzt mit den Reaktionen auf diesen Roman konfrontiert werde, hätte ich wahrscheinlich, wenn ich die vorher mitgedacht hätte, einen ganz anderen Roman geschrieben. Ist aber vielleicht auch ganz gut, dass ich die vorher nicht hatte.“

14_“Ständig bilden sich Schlangen, obwohl es selten wirklich voll ist. Am Sonntag stellen sich Menschen schon in einer Schlange an, obwohl es bei der Insellesung auf dem Parkplatz ganz sicher keinen Einlassstopp geben wird, einfach aus Gewohnheit. Die Schlange, in der sich alle mehr oder weniger ordentlich einreihen.“ Anke Dörsam, meermoabit, „Prosanova 2017“

15_“Die Mischung aus ungewöhnlichen Lesungen, Performances, Installationen, politischen Vorträgen, Panels und Partys ist zu hundert Prozent gelungen. Das alles wurde von Studierenden organisiert und wir staunen, zu welchen Höchstleistungen diese fähig sind. […] Ein großes Klassentreffen der jungen, hippen Literatur sozusagen. Wenn in drei Jahren mehr Menschen angelockt werden könnten, die sich (noch) nicht dem Literaturbetrieb verschrieben haben, wäre der Austausch über Literatur auf dem Festival wohl noch vielseitiger.“ Litaffin, Ann-Kathrin Canjé, „Prosanova 17: Over and Out. Rückblick“

16_“Wie Sprache und Macht zusammenhängen, lerne ich außerdem noch einmal ausführlich in Hornscheidts Workshop „Exit Gender“. Gibt es etwas neben, zwischen, über oder unter „Mann“ und „Frau“? So lautet eine der Ausgangsfragen. Definitiv! Doch wie setze ich diese Varianten von Geschlecht in einem Text um, ohne dass es den Schreib- und Lesefluss stört? Indem ich beschreibe, was eine Person macht und welche Eigenschaften außer Geschlecht sie auszeichnet. Voller Eindrücke, neuer Erkenntnisse und Literaturtipps auf der persönlichen „must read“-Liste fährt Team Ullstein zurück nach Berlin und freut sich auf all das, was da zurzeit im Prozess ist und hoffentlich bald zu Büchern wird.“ Marie Krutmann im Ullstein-Blog Resonanzboden, „Was ist eigentlich junge Literatur? Spurensuche auf dem Prosanova“

17_“Was auffiel war vor allem die Menge an Diskussions- und Gesprächsformaten, die es sich zum Ziel setzten nicht nur eine junge Literatur abzubilden, sondern diese in ihrem Kontext und vor dem Hintergrund eines literarischen Betriebs zu betrachten und zu hinterfragen.“ Textmagazin, Milena, „Prosanova 17“

18_“Die inhaltliche Setzung wirkt weiterhin zu mutlos und unnötig insiderisch bis verkopft. Wo soll die große, laute, wütende, böse Literatur entstehen, die unsere Gegenwart auch mal nachhaltig kritisiert, wenn die talentiertesten Nachwuchsautorinnen und -autoren bei ihrem großen Jahrestreffen nur über öde-abstrakte Begriffe wie Material und Prozesse reden?“ Sascha Ehlert in der Welt, „Last Exit: Hildesheim“

19_“Keine fertige »große, laute, wütende, böse Literatur« wird präsentiert, wie es Sascha Ehlert in der WELT fordert, sondern eine Literatur, die sich im Prozess versteht und mit ihrem Prozesshaften arbeitet – still –, und dafür benötigt es einen affirmativen Raum, um einen respektvollen Zugang zueinander zu finden, eine Art »erhabene Besänftigung« (PM), keine giftigen Schlagabtäusche und Konfrontationen. […] Als Abbild junger Literatur hat es allemal an verschiedensten Stellen gegen die männlichen, konservativen Kollektive der Literaturlandschaft ein Zeichen gesetzt.“ Rudi Nuss im S.-Fischer-Blog hundertvierzehn, „Prosa Nova Orbis Hildesheim“

20_“*Vorlesen* gibt es nicht mehr. Aber wirklich von sich lassen möchte auch kaum ein Text. Bewegungen bleiben erstmal im Testmodus, im „Was-wäre-wenn“. Vielleicht müsste diese Literatur-Praxis sich ein Vorbild am Gelände nehmen. Wenn ich hierhin gehe und den Zaun hinter mir zuziehen lasse, komme ich nicht so schnell zurück. Bleib doch mal da, geh da doch mal weiter, verirr dich ein bisschen! Installation und Performance begegnen mir als Zitat, aber ich würde da gern weiter lesen und sehen, was passiert, wenn der Text sich von seiner Umgebung wirklich angehen lässt. Wenn er sich anstecken lässt von den Räumen und Situationen, in die er gestellt wird, statt seine eigene Atmo nochmal auszupacken. Für einen Moment.“ Tilman Richter im Merkur: Zeitschrift für europäisches Denken, „Streamen, Floaten, Driften. Prosanova-Rumhängen“

21_“Damit die Autoren auf PROSANOVA | 17 nicht in der Überzahl sind, haben wir sehr viel gelesen und nicht bloß auf die Namen vertraut, die eh schon jede°r kennt. Oft lohnt es sich, die vorgetrampelten Wege zu verlassen. Wir hätten am Anfang auch nicht gedacht, dass das so einfach geht.“ schöner Grundsatz-/Programmatiktext von Helene Bukowski bei Suhrkamp über zehn Grundsatzfragen der Festival- und Programmgestaltung, „Die zehn Eckpfeiler des Literaturfestivals PROSANOVA“

22_“Es geht um die noch andauernde Vorherrschaft des weißen, heterosexuellen Mannes. Um das einmal sehr deutlich zu sagen für diejenigen, die sich von der Terminologie weißer, heterosexueller Mann angegriffen fühlen – darin ist kein Vorwurf formuliert für das weiß– und heterosexuell-und männlich-geboren-sein, denn so ist man eben. Darin kann keine Schuld liegen. Es drückt bloß die Bewusstmachung aus, dass man durch diese angeborenen Merkmale mit dem größtmöglichen Privileg ausgestattet ist, dass man in unserer Gesellschaft genießen kann. Weil man maximal der Norm, dem Akzeptierten, dem Machtvollen und Gesehenem entspricht. Daraus entsteht ein Gefälle, das sich bewusst und unbewusst ausübt, das die Leute sortiert nach wichtig und weniger wichtig. Ein System der Über- und Unterordnung, das noch nicht allen geläufig zu sein scheint, und zu dem ich nie wieder die Klappe halten werde.“ Tatjana van der Beek, Mitglied der künstlerischen Leitung von PROSANOVA 2017, im Festivalblog über die Sexismus-Debatte am Literaturinstitut Hildesheim: „Wenn Sexismus eine Neuigkeit ist“

23_“Wann verkommen politische Forderungen und Aussagen zur bloßen Attitüde? Wann sind sie großartig und klatschen genau ins Mark der Gegenwart? Und was haben Sätze aus dem Programmheft wie die Aufführung berührt politische, soziale und emotionale Themen wie Identität, Macht und Liebe mit subtiler Direktheit eigentlich mit Literatur zu tun? Beantwortet wurden diese Punkte mal schlechter und mal besser, ganz wie es sich für ein Festival gehört, das ästhetische Risiken eingeht und nicht einfach nur Großautoren-Polonaise veranstaltet. Auffälligerweise machten viele Schreibende einfach ihr Ding, hatten wenig zu tun mit dem Wording und den Ankündigungen des Festival.“ etwas… schnippisch-ironisierender Text im Merkur von Florian Kessler & Lena Vöcklinghaus – der für mich stellenweise klingt („Wording“), als sei die Diversity und Ideologiekritik, um die sich das Festival sehr bemühte, etwas, das… „der Literatur“ hier unbeholfen aufgepfropft/angehaftet wird. „1000 kritische Bierbongs starren dich an“

…dazu noch einmal Ekkehard Knörer in der taz: „Maren Kames [hat] einen schönen kurzen Essay geschrieben als Vorwort fürs Institutsjahrbuch, gegen Angebertexte und ihre Verfasser. Aber dergleichen kann es für den scheidenden Studiengangsleiter Hans-Josef Ortheil in Hildesheim natürlich nicht geben, so hat er das Vorwort aus dem Jahrbuch gekickt. Außerdem hat das Institut wegen eines anonymen Studierendentexts gerade eine Sexismusdebatte am Hals – kein Wunder an einem Ort, an dem es kaum weibliche Lehrende gibt. Es wäre sehr zu wünschen, dass sich das und manches mehr unter Ortheils Nachfolger beziehungsweise doch hoffentlich: Nachfolgerin ändern wird.“

[kurz von mir: Mich irritiert/stört die Annahme, kritische Texte „könne es für Hanns-Josef Ortheil natürlich nicht geben“: Ich selbst fand Marens Text nicht übertrieben streitbar. Ich weiß nicht, warum er nicht als Vorwort veröffentlicht werden konnte/durfte… doch ich selbst schrieb schon ein (Link, 2007), zwei (Link, 2012) längere und kritischere Vorworte über Probleme in Hildesheim – ohne, dass Hanns-Josef Ortheil intervenierte: Ich fühlte mich von ihm bestärkt, solche Texte zu schreiben und zu veröffentlichen – auch in studiengangseigenen Verlagen. Siehe auch: Ekkehard Knörer, unten in den Kommentaren.]

24_“Das Prosanova17 ist ein Literaturfestival, das bewusst überwiegend Frauen* einlud und feministische Themen auf der Agenda hatte. Ich sitze in Lesungen und habe Tränen in den Augen, weil es sich plötzlich nicht mehr anfühlt, als könnte ich kein Teil von dem Ganzen sein. Weil Positionen gezeigt werden, mit denen ich mich identifizieren kann. Positionen, die in großen Teilen meines Studiums in Hildesheim verborgen blieben, was dazu geführt hat, dass ich mit dem Schreiben aufgehört habe, als ich her kam. Dazu muss gesagt werden, dass ich überhaupt erst mit dem Ziel zu schreiben nach Hildesheim gekommen bin. Den Fun daran hat mir das Institut ziemlich bald genommen. Lange haben mir Worte gefehlt das zu beschreiben. Aber es liegt nicht daran, dass ich nicht schreiben kann, oder nichts zu sagen habe. Es liegt daran, dass mir aber genau das suggeriert wurde – und dass ich mich in Lehrinhalten nicht wiederfinde, spielt dabei eine ausschlaggebende Rolle.“ Jana Zimmermann in Merkur: deutsche Zeitschrift für europäisches Denken: „Wir würden dann jetzt weiter machen“

25_“Politisches Bewusstsein brauchen wir heute mehr denn je. Der belanglose Hedonismus der letzten Jahre hat ausgedient. Heute wird gegen Normen und Strukturen gedacht, geschrieben, gelesen, diskutiert und getanzt. Eine Entwicklung, die das diesjährige Prosanova Festival aufgegriffen und vier Tage diskursiv und praktisch umgesetzt hat. Eine gute Möglichkeit, um den Finger in die Wunde zu legen und jede*n Besucher*in mit einem Anstoß zur Selbstreflektion nach Hause zu schicken. Zu welcher marginalisierten Gruppe gehöre ich? Welchen Machtstrukturen bin ich ausgesetzt? Welche produziere ich selbst?“ Julia Tautz auf Lesflaneurs.de

26_Fotos und kurzer Text zum Festival-Samstag von Blogger Frank R. Rudkoffsky

27_“Der eine oder andere etablierte Name also, aber nicht die ganz großen Stars – klar, es geht ja um junge Literatur. Da wundert es zwar nicht, dass das klassische Lesungspublikum ab fünfzig aufwärts ausbleibt, ein bisschen mehr Durchmischung täte dem Ganzen aber dennoch gut, man hat den Eindruck, es ist fast ausschließlich der Literaturbetrieb anwesend: Nachwuchsautoren, Lektoren, Agenten. Ich selbst bin beruflich hier und fühle mich tatsächlich wie auf Klassenfahrt. […] Alle drei Jahre findet es statt, und genauso häufig wechseln die Kuratoren und mit ihnen die Veranstaltungsorte, Fragestellungen und Künstler. Auch deshalb haftet dem Prosanova vermutlich der Charme des Provisorischen an, des Unfertigen; vielleicht liegt es aber auch nur an den verlassenen Industriehallen, die dieses Jahr als Schauplatz dienen, an der Einrichtung aus Selbstgezimmertem, Sperrmüll und Omas Wohnzimmerdeko. Ein in jeglicher Hinsicht eigenwilliges und liebevoll gestaltetes Festival.“ SchöneSeiten, Caterina Kirsten, „Prosanova | 17“

…auch Bloggerinnen & Freundinnen Mara Giese und Blauschrift sowie die Literatur-Vloggerin Luba Goldberg-Kusnetzova waren vor Ort – ich freue mich auf weitere Fazits, in den nächsten Tagen.

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28_17-Minuten-Film von Yannic Federer, „Kulturu First #17: PROSANOVA“

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…und Teresa Streiß auf Facebook über ein Orga-Grundsatzproblem:

„Prosanova 2017: haben Sie ein festivalbändchen? Haben Sie auch einen stempel? Nein durch diese tür darfst du nicht raus. Nein hier kannst du nicht rein. Nein du darfst das nicht essen. Nein essen gibt es hier nicht. Nein bitte die andere tür. Haben Sie einen stempel? (Aber auch: inhaltlich top. Und slushys mit vodka!)

[…] dieses wochenende fühlte sich so an, als hätte das orgateam über all die tolle politik und Literatur das organisieren vergessen und ganz am ende nachschieben müssen. Vielleicht Sachzwänge (so denke ich mir das zurecht), von wegen räume nicht zu voll werden lassen und so, aber eher uncharmant gelöst durch „bürokratie“ a la du brauchst diesen Stempel und dann dieses bändchen und du musst auf dieser liste stehen und die tür führt nur rein und die andere raus, aber morgen auch schon wieder anders. Gefühlt viele Kommunikationsprobleme innerhalb des teams, so sachen wie nein du ķannst nicht für jemand anderes eine karte für commoonity kaufen und abends dann hundert stunden warteliste weil warum hast du dir denn nicht von jemand anderem heute morgen schon eine kaufen gelassen? Und statt regelflexibilität und hauptziel wohlfühlen eher so nein essen dürfen nur die Künstler und vielleicht bleibt aber ja was übrig das kannst du dann vielleicht und die Künstler dürfen aber auch nur mittags und wenn sie abends wollen, müssen sie zahlen […]. Die essenssituation überhaupt eher so mau soll heißen: mittags gibt’s nix, generell, wenn man kein blaues bändchen hat. Und zeig gefälligst jedes mal deine pfandmarke, wenn du was neues kaufst, und stempel kontrollieren wir auch noch nachts um 4. (Dafür auch nachts um 4 noch: klo putzen, und geputzte klos find ich tendentiell sehr gut ja) Vielleicht würde ich zusammenfassen: sie war sehr deutsch, die junge deutsche gegenwartsliteraturorganisation. Aber wie gesagt: inhaltlich bzw von den veranstaltungen her vielleicht sogar mein liebstes prosanova bisher.“

von mir: Zustimmung. Ich wünsche mir für PROSANOVA 2020, dass das Festivalzentrum betretbar ist, ohne, vorher ein Ticket zu lösen. Dann wären nicht nur Studierende und Betriebsmenschen auf meinen Fotos – sondern hoffentlich z.B. auch viel mehr interessierte Anwohner*innen und Kurzbesucher*innen. #hermetik #blase #abgeschottet

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Fotos von mir. Tag 1 (Donnerstag, 8. Juni):

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Tag 2: Freitag, 9. Juni

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Tag 3: Samstag, 10. Juni

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Tag 4: Sonntag, 11. Juni

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…und drei Fotos vom offiziellen Festival-Fotografen Paul Olfermann:

fast 800 – großartige! – Fotos auf der Facebook-Seite (Link)

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Ich selbst studierte von 2003 bis 2008 in Hildesheim:

Bei PROSANOVA 2005 war ich Praktikant und Autor für die Festivalzeitung, 2008 Mitglied der Künstlerischen Leitung, 2011 und 2014 Gastautor bei der Festivalzeitung & Podiumsgast.

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Lohnt sich PROSANOVA – Festival für junge Literatur? [8. bis 11. Juni 2017, Hildesheim]

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8. bis 11. Juni 2017 | Hildesheim

über 60 Autor*innen & Künstler*innen

Infos & Tickets  |  Facebook  |  Wikipedia  |  Instagram

Zeitschrift BELLA triste  |  Studiengang Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus

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„Das studentische Team hat Wände gestrichen, Teppiche verlegt, Holzinseln gezimmert und Toiletten vergoldet.“

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„Der Schulranzen mit eingebauten Lautsprechern pumpt Beats in die fast fertige Cafébar.“

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„Lena und Martha sind gestern neun Stunden Transporter gefahren, um kostenlose Möbel von Hannover aufs Festivalgelände zu bringen.“

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„Auf dem Festivalgelände dürfen die Brennnesseln nicht vernichtet werden, weil für einige Schmetterlinge gerade Nistzeit herrscht.“

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„Es gibt noch nichts mit Glitzer. Es gibt was mit Hobelspänen und Sägen und Computern.“

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„Als es noch keine Vasen gab, haben wir Bierflaschen vergoldet.“

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„Nee, diese neuen, diese Schriftsteller oder wie sie sich nennen, die fangen immer Sätze an und beenden sie dann nicht. Und ich kann auch nichts damit anfangen. Da werden einem so Bruchstücke vorgeworfen und dann muss man gucken, wie es weiter geht.“ [beim Friseur um die Ecke]

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„Nachtschwärmer dösen in den Betten. Auf der Leinwand lesen virtuelle junge Leute.“

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„Lektoren, das sind einfach bessere Menschen. Bloß keinen Autor heiraten! Die sind wahlweise unglücklich, also von Selbstzweifeln zerfressen, oder im Höhenflug. Am Anfang denkste dir, das ist jetzt halt wegen dem Debüt, aber nee, das bleibt. Widerlich. Also: Hier laufen ja einige Lektoren rum. Ich muss los!“

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„Christina ist schon bevor sie das Diplom machte, mit ihrem Lebensgefährten an den Bodensee gezogen, um dort als Köchin in der Natur- und Wildnispädagogik zu arbeiten.“

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„All die kleinen Szenen, Begegnungen und Selbstdarstellungen des Publikums erinnern mich an Filme von Federico Fellini (1920-1993). Die ganze Kleidungsästhetik der Besucher ist später Fellini. Die Paletten sind Fellini, die alten Sofas, die ewige Sonne, die Gespräche, die Musik, das Herumstreunen und Herumschleichen – alles Fellini!“ [Autor Hanns-Josef Ortheil, 65; Gründer des Hildesheimer Studiengangs Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus]

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„Wir gehen durch, wir gehen ins Foyer, zur Veranstaltungstabelle, zum Kiosk, durch den Flur zur Mensa. Die Lesung hat noch nicht angefangen.“

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„Wir gehen raus auf den Schulhof. Wir gehen hoch, wir gehen in den Litroom. Wir gehen durch. Wir gehen auf den Schulhof. Diesmal andersrum. Wir gehen zur Mensa.“

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„2014 feiern wir PROSANOVA in einer leerstehenden Schule. In einer Schule, denke ich, ausgerechnet in einer Schule und schon denke ich Foucault, denke Überwachen und Strafen.“

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„Wir erfahren: in der Hauptschule am Alten Markt sind die ersten Mobbing-Videos Deutschlands entstanden.“

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„In dieser Schule wird getrunken, gefeiert und gevögelt werden. Die unsportlichen Bücherwürmer von früher haben sich zu Organisatoren der Maßlosigkeit entpuppt. […] Es geht darum, Jungautoren so sehr abzufüllen, dass man ihnen die Haare beim Kotzen halten wird.“

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„Marina und ich haben berechnet, dass wir ungefähr 10.000 Klopapierrollen bei Metro kaufen müssen, Marina will von allen Sachen 1000 kaufen, weil sie 1000 liebt.“

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„Wir arbeiten per Hotspot, weil der Techniker von der Telekom, der uns am Mittwoch das Internet bringen sollte, am Festivalgelände kein Klingelschild mit ‚BELLA triste‘ gefunden hat.“

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„Ich sehe zukünftigen Bachmannpreisträgern beim Aufbau einer Bühne zu.“

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„Auf wen oder was freust du dich am meisten?“ – „Tilman Rammstedt. Ich hoffe, ich darf ihn vom Bahnhof abholen.“

 

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„Ich nicke Thomas Klupp zu, ich grinse Helene Bukowski an, ich nicke Benjamin Quaderer zu, ich zwinkere Fiona Sironic zu, ich nicke Stefan Vidovic zu, ich grüße Florian Stern mit Handschlag, ich nicke ihm zu, ich lächle Katrin Zimmermann an, ich schlage mit Alina Rohrer ein, ich winke Fabian Hischmann zu, ich winke ab, ich schüttele den Kopf, ich lasse ihn hängen, ich nicke Ferdinand Schmalz zu.“

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„Auf einer der Holzbänke ist eine Frau ganz in einen E-Book-Reader versunken. Ich glaube, sie ist die erste Person, die ich auf PROSANOVA abseits der Bühnen lesen sehe.“

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„Dass so viele Ehemalige da sind, ist der beste Beweis dafür, dass die Hildesheimer Literatenschule keine bloße Schule ist. Sie ist eine Atmosphäre, eine biografische Heimat, eine Zeit- und Raum-Insel von großer Schönheit.“ [Ortheil]

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„Kai sagt, die alte Intimität sei wieder da, die Intimität von PROSANOVA 2005. Lagerfeuer, dicht zusammen sitzen, horchen und flüstern“

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Komme ich mit dem, was hier geboten wird, irgendwie zurecht oder weiter?, fragen sich die Alumni. „Einige genießen auch die Nostalgie der Rückkehr. Für sie ist Hildesheim jetzt eine leicht berührende Erinnerungsarbeit.“ [Ortheil]

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„Seit über zehn Jahren sind Paul Brodowsky, Thomas Klupp und Claudius Nießen der Schreibschule treu. Thomas umschifft elegant die unangenehmen Themen (Kesslerdebatte, Konkurrenzdruck, Vetternwirtschaft), er strahlt ins Publikum: Schreibschule, das sind warme, vereinende Strahlen der Liebe.“

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„Weil doch derzeit nichts Schwachsinnigeres und Dümmeres in unseren Feuilletons grassiert als die Schreibschulverdammnis: Unrecherchiert. Phrasenhaft. Reiner Feuilletonmüll. Und leider stimmt auch in der Polemik unseres geliebten Flo Kessler, den Hildesheim aufgezogen, genährt und gepäppelt hat (bis es ihm zuviel werden musste und er das Zuviel ausgekotzt hat) kaum etwas.“ [Ortheil]

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„Leif Randt liest von einem Planeten und der Universität dort, und lässt wie gewohnt alles in der Schwebe“

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„Jeder ist eingeladen, aber nur ganz bestimmte Leute kommen dann auch.“ [Ortheil]

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„Christian Kracht kommt dieses Mal nicht zu PROSANOVA, weil er in Afrika wohnt“

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„Talent ist Verpflichtung.“ [Ortheil]

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Seit 2005 findet PROSANOVA alle drei Jahre statt:

2005 war ich Student und Praktikant, 2008 Mitglied der Künstlerischen Leitung, 2011 zum ersten Mal seit drei Jahren als Besucher zurück in der Stadt, 2014 moderierte ich ein Gespräch mit Kathrin Passig.

Auch 2017 bin ich da, und schreibe/blogge u.a. für die Festival-Dokumentation.

Nach jedem PROSANOVA-Festival erscheint ein Buch mit Snapshots, Szenen, Poetik- und Journalismus-Texten. Alle obigen Zitate sind nicht von mir, sondern von Imke Bachmann, Ronja von Rönne, Florian Stern, Michael Wolf und Juli Zucker, erschienen in „Prosanova 4. Ein Kommentar“, herausgegeben von Florian Stern und Hanns-Josef Ortheil, Edition Paechterhaus, 2015. Hier bestellen.

Leseprobe: Link

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Video von mir, zur Arbeit an PROSANOVA 2008:

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Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus: die besten Bücher aus der „Schreibschule“ Hildesheim

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Von 2003 bis 2008 studierte ich Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim:

eine trostlose Stadt – aber ein gutes Studium.

Pro Jahr bestehen 10 bis 15 Studierende die Aufnahmeprüfung und kommen – oft direkt nach dem Abitur – in die Stadt. Etwa fünf Jahre später schreiben sie eine Abschlussarbeit: manchmal ein wissenschaftlicher oder journalistischer Text. In vielen Fällen aber: ein Debütroman. Viele dieser Titel werden später in Verlagen veröffentlicht – und ich lese vier, fünf von ihnen pro Jahr.

ab.hier.kultur, das Alumni-Netzwerk des Hildesheimer Fachbereichs Kulturwissenschaften, bat mich im Sommer 2016, persönliche Favorien und Empfehlungen auszusprechen: Bücher von (Ex-)Kommilitoninnen, die ich mochte und empfehlen kann. Die Texte erschienen in „Kultur 16!“, der Zeitschrift des Netzwerks. [Ein anderer Artikel von mir, ebenfalls fürs Netzwerk, von 2013: Link.]

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Hildesheimer Namen auf Buchcovern

Seit dem Ende der 90er Jahre sind über 50 Bücher von jungen Autorinnen und Autoren, die in Hildesheim studiert haben, in großen Verlagen erschienen. Literaturkritiker Stefan Mesch stellt fünf persönliche Favoriten vor.

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Nora Wicke: „Vierstromland“.

Roman, 320 Seiten, Müry Salzmann 2014.

Ein solcher Tonfall, ein solches Thema misslingt fast immer: Eliza zieht nach Berlin. Bisher lebte sie mit ihrer großen Schwester in einem Internat bei Amsterdam, ihre Mutter hat eine junge Geliebte in Paris, ihr Vater eine neue Frau und weitere Kinder. Zwei ältere Zwillingsbrüder leben in Rumänien, bei den Großeltern. Nora Wicke lässt eine heimatlose Frau aus einer oft abweisenden, verstreuten Großfamilie mit serbischen, rumänischen und deutschen Wurzeln durch Europa reisen, jahrelang: Nebenjobs, Kälte, vorsichtige Briefe und Annäherungen. Ein leiser, melodischer, manchmal schleppender Roman über Europa – schwermütig, klug, fast nie kitschig.

Buch bei Goodreads (Link)

Vierstromland

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Sabrina Janesch: „Tango für einen Hund“.

Roman, 303 Seiten, Berlin Verlag 2014.

Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ blieb mir lange im Gedächtnis – auch, weil so viele Szenen, Einzelteile wie spitzes, ungeschliffenes Metall aus den Kapiteln stechen. „Tango für einen Hund“ ist ein glatteres, schnittigeres Buch – etwas seichter und weniger markant. Doch dafür so stimmig und professionell wie nichts anderes, das ich von Hildesheimern kenne: ein prima Jugendbuch, charmante Unterhaltung, ein wunderbar rundes Ding! Es geht um Weichei Ernesto, der seine Sommerferien in der Lüneburger Heide verschwendet, bis sein etwas dementer, energischer Onkel aus Argentinien einen Roadtrip durch die Pampa Niedersachsens anzettelt. Warmherzig, witzig, mit überzeugendem Ich-Erzähler. Und, versprochen: keine „Tschick“-Kopie.

Buch bei Goodreads (Link)

Tango für einen Hund

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Jan Fischer: „Ready. Wie ich mit digitalen Spielen erwachsen wurde“.

Autobiografisches Essay, 52 Seiten, Hanser 2016. [nur als E-Book]

Jan gehört zu meinen besten Freunden. Doch richtig nah kommen wir uns selten: Er traut sich als Kulturjournalist oft an die schwersten oder absurdesten Themen. Nur über eigene Ängste spricht er kaum. Wie großartig, dass ausgerechnet hier – in einem 50-Seiten-E-Book über die Mainstream-PC- und Videospiele der 80er, 90er, 00er Jahre – kluge Erinnerungen und Emotionen so viel Raum einnehmen: Jan schreibt, was ihn als Kind an Spielen reizte. Wie sie helfen. Womit sie faszinieren. Experten und Hardcore-Gamer werden Vieles kennen. An einigen Stellen: zu viel Pathos. Doch selbst, wer kein Interesse an Spielen hat, liest Jans Erinnerungen mit Gewinn: kulturwissenschaftliche Beobachtungen – leidenschaftlich, nah, verständlich.

Buch bei Goodreads (Link)

Ready

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Anne Köhler: „Nichts werden macht auch viel Arbeit. Mein Leben in Nebenjobs“.

Autobiografische Kolumen, 144 Seiten, Dumont 2010.

2015 veröffentlichte Anne Köhler einen Roman über eine junge, unglückliche Köchin in Hildesheim – der mich sehr langweilte: Mir war diese Hauptfigur zu zweifelnd, fade, flau. Besonders, weil Annes erstes Buch (2010) eine geisteiche, komplexe, viel liebenswertere Heldin hatte: Anne Köhler! Für jetzt.de schrieb Anne eine Kolumne über alle Nebenjobs, Praktika und bezahlten Projekte ihres Lebens. Wie viele Hildesheimer hatte sie Angst, alles nur oberflächlich zu wissen, zu wenig richtig zu beherrschen. Ihre Textsammlung hinterfragt diese Angst, bleibt aktuell, macht Mut – und empfiehlt sich besonders als Geschenk für Eltern oder Freunde, die nur geradere Lebenswege und Karrieren kennen. Leichte Texte. Schlaue Thesen!

Buch bei Goodreads (Link)

Nichts werden macht auch viel Arbeit : Mein Leben in Nebenjobs

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Funny van Money: „This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey. Auf Tabledance-Tour durch die Republik“.

Autobiografisches Sachbuch, 224 Seiten, Hanser Berlin 2012.

(Taschenbuch-Ausgabe 2014 bei Piper, mit neuem Titel: „Wie ich auszog, mich auszuziehen“.)

Um ihr Hildesheimer Kuwi-Studium zu finanzieren, tanzt Funny in einer Rotlicht-Bar in Hannover, nackt. Danach macht sie Diplom – mit einer kulturwissenschaftlichen, feministischen Selbstbeobachtung ihrer Rolle als Pole-Dance-Girl. Wer Spaß- und Comedy-Kolumnen sucht, wird hier enttäuscht: Funny schreibt auf hohem Niveau, häuft akademische Konzepte und Anglizismen. Stellenweise formuliert sie nerdy und verblasen wie ein Gender-Experte in der Spex. Trotzdem ist ihr Experiment so interessant, ihre Beobachtungen so originell, überraschend, kritisch, dass ich das Buch dauernd verschenken will. An jeden, der bei Sex-Workern nur an dümmliche Opfer denkt. Und bei Hildesheim nur an Bürgerlichkeit und Anpassung.

Buch bei Goodreads (Link)

This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey

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[Ich mochte auch Juan Guses „Lärm und Wälder“ und Leif Randts „Schimmernder Dunst über CobyCounty“]

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Stefan Mesch, geboren 1983 bei Heidelberg, studierte von 2003 bis 2008 Kreatives Schreiben in Hildesheim. Er lebt und arbeitet als Autor und freier Journalist für u.a. Deutschlandradio Kultur und ZEIT Online in Berlin und schreibt an seinem ersten Roman, „Zimmer voller Freunde“.

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Kreatives Schreiben, Creative Writing: Die besten Schreibratgeber

Creative Writing

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Ich gebe Creative-Writing-Kurse an Unis und Schulen. [Liste hier.]

Ich habe Kreatives Schreiben studiert – in Hildesheim.

[Update, 2017: Text über die Probleme und Konflikte dort.]

Trotzdem habe ich Probleme mit Büchern, die Menschen beim literarischen Schreiben helfen sollen:

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If You Want to Write: A Book about Art, Independence and Spirit
  Writing Down the Bones: Freeing the Writer Within  A Year in the Life: Journaling for Self-Discovery

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  • Schreibwerkstätten und Seminare in meinem Studium fragten meist – wie ihre amerikanischen Vorbilder: Seminare, Gruppenkurse und Workshops an US-Unis in z.B. Iowa, „Was will der Text? Was ist sein Potenzial, seine Stoßrichtung, seine Form, sein Anspruch? Funktioniert er – als das, was er sein will?“
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    Den guten, richtigen Text, die 25 großen Regeln… oder Verbote? Das ist zu eng, zu formelhaft gedacht: Zu viele populäre US-Autor*innen suchen eine Erfolgsformel. „Ein guter Krimi muss…“, „Am Anfang jeder Short Story soll…“ Für Genre-Texte funktioniert das meist, als Grundgerüst. Doch literarisches Schreiben setzt sich über solche Regeln oft hinweg: Gute Texte „funktionieren“, obwohl sie ganz anders erzählen, als ihr Publikum anfangs erwartet.
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    Ich blättere gerne durch die großen US-Ratgeber, die viele Regeln und Verbote aufstellen. Doch sie sind 20 Jahre alt, von Männern geschrieben, die damals schon über 40 waren… und alles klingt staubig. Ich habe keinen Nerv für diese „Der Krimi-Opa hebt den Zeigefinger“-Nische:
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    Sol Stein:
    „On Writing“ (1995)
    Robert McKee: „Story“ (1997)
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    …aufs Drehbuch-Standardwerk „Save the Cat“ (Blake Snyder, 2005) habe ich Lust. Kritik daran hier: Slate.com [Update, 2017: gelesen! Angeberisch, aber klug.]

Stein On Writing: A Master Editor of Some of the Most Successful Writers of Our Century Shares His Craft Techniques and Strategies  Story: Style, Structure, Substance, and the Principles of Screenwriting  Save the Cat!: The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need

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  • Mit vielen deutschen Krimis, Filmen, Serien, mit „Cobra 11“, Sebastian Fitzek, der „Wanderhure“ kann ich nichts anfangen: Deutsche Unterhaltung fixiert sich oft besonders stark auf feste Strickmuster, starre Regeln, Zielgruppen – niemand soll irritiert oder überfordert werden.
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    Ich mag Uschtrin.de (wobei: das Handbuch kostet über 50 Euro? Im Ernst?), las aber noch nie eine Ausgabe der deutschen Creative-Writing-Zeitschrift „Federwelt“… weil ich immer Angst habe, dass dort die selben Menschen, die „Soko Wismar“ und Kerstin Gier mögen, literarisches Schreiben erklären. Oft kommen mir Diskussionen in deutschen Autor*innenforen NOCH starrer und bizarr-verschulter vor als die (sehr schlechten) US-Gruppen.
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    Immer wieder stellen Facebook-Hobbyschreiber und Self-Publisher Fragen wie „Ist ein Prolog erlaubt?“, und deutsche Blogs und Kommentatoren antworten „Lieber nicht! Prologe sind schlecht!“ [Der Link ist okay. Die vielen Deutschen aber, die solche Links lesen und fragen „Was ist denn jetzt die Regel? Wer nennt mir das genaue Erfolgsrezept?“ machen mich irre.]
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    „Du willst deine Schreibe verbessern? 10 Gebote für einen spannenden Text.“
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    Menschen, die „Schreibe“ schreiben?
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    Solche Schreibe spricht mich null an.

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me me me .

Ich schreibe seit 2009 an meinem ersten Roman, „Zimmer voller Freunde“.

Die ersten Kapitel habe ich als Diplomarbeit eingereicht, zusammen mit einer Poetik, in der ich meine Arbeitsschritte, Absichten, Vorbilder und Lernerfolge erkläre. Ich habe die Texte auch gebloggt, hier (Link).

Schreibratgeber lese ich phasenweise, alle paar Jahre: Um aufzutanken, mich begeistern zu lassen, Neues zu lernen fürs Schreiben und meinen Unterricht… oder, um über schlechte Texte, Ratschläge zu schimpfen.

Als Kritiker lese ich täglich Literaturkritik, Kulturjournalismus, Interviews mit Autor*innen – aber fürs eigene Erzählen sind oft besonders der TV-Journalismus und die Episoden-Kritiken wichtig, die ich beim Kaffeetrinken lese, auf tvinsider.com (Link) und bei Alan Sepinwall.

Erzähltechniken, Kniffe, Klischees, Probleme und viele Beispiele finde ich auf TVTropes.org – meiner Lieblings-Website, die ich u.a. 2009 bei ZEIT Online erklärt und empfohlen habe. Wer schreibt oder mit Figuren arbeitet, Charaktere entwickelt: Schaut euch dort um!

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10 Schreibratgeber, die ich empfehlen kann:

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JACK M. BICKHAM, The 38 Most Common Fiction Writing Mistakes and how to avoid them

128 Seiten, 1992. Der erste Schreibratgeber, den ich las, mit 17, 2001: kurze, oft etwas alberne Kapitel über typische Anfängerfehler und Erzähl-Probleme. Unterhaltsam, einleuchtend, oft zu naheliegend – aber eine Lektüre, die ich nie bereute. Wäre Bickham noch am Leben, er würde heute wohl Spaß-Listen für Buzzfeed schreiben. Sein Buch „Scene and Structure“ (1993, mit Jack Heffron) habe ich letzte Woche entdeckt und angelesen. Ich werde das kaufen.

The 38 Most Common Fiction Writing Mistakes

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AUSTIN KLEON: Steal like an Artist. 10 Things nobody told you about being creative

160 Seiten, 2011. Ein absurd kurzes Anfänger- und Geschenkbuch, das Menschen Mut machen will, überall nach Inspiration zu suchen. Alles auf den Kopf zu stellen. Neu zu denken, zu remixen. Die Seiten – weißer Text auf schwarzem Grund – haben oft (recht konventionelle, müde) Diagramme und Banderolen… als hätte ein Starbucks-Mitarbeiter harmlose Weisheiten auf die Tafel gemalt. Das Buch selbst könnte bei Starbucks an der Kasse liegen. Als Mitbringsel. Sympathisch. Aber nur ein Anfang.

Steal Like an Artist: 10 Things Nobody Told You About Being Creative

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JAMES N. FREY: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

200 Seiten, 1987. Grundlagen und Anfänger-Regeln, besonders für Krimi- und Genre-Autor*innen interessant. Ich las das Buch im Studium, 2006 – und wurde gut unterhalten. Nicht sehr tiefgehend oder anspruchsvoll. Aber eine Alternative zu McKee und Stein. Macht Mut. Macht Spaß. Nur glaube ich nicht, dass Menschen, die von Freys Hinweisen noch beeindruckt oder überrascht sind, schon für einen Roman bereit sein wären. Jeder aber, der sich tatsächlich schon Romane zutrauen kann, liest hier kaum Neues.

Wie man einen verdammt guten Roman schreibt (#1)

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WILLIAM M. AKERS: Your Screenplay Sucks! 100 Ways to make it great

287 Seiten, 2008. Schwungvoll, knapp, präzise, unterhaltsam: ein Drehbuch-Ratgeber, der hilfreich war, als ich meinen Roman plottete. Das Buch, das ich Hildesheim-Freund*innen – also Menschen, die bereits drei, vier Jahre Schreiberfahrung haben – am ehesten schenken würde. Keine Offenbarung. Aber der stimmigste Ratgeber, den ich kenne.

Your Screenplay Sucks!: 100 Ways to Make It Great

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SCOTT McCLOUD: Writing Comics

272 Seiten, 2006. Eine Offenbarung! McCloud schrieb/zeichnete 1993 einen recht akademischen, steifen Comic über Comics als Kunstform, „Comics richtig lesen“. Das war in Ordnung – aber sehr apologetisch: Comic-Nichtleser wurden an die Kunstform herangeführt, langsam und recht spröde. „Making Comics“ ist eine Fortsetzung – und ein Ratgeber, der die Praxis der Erzählens in Text und Bildern erklärt. Auch, wenn man nur schreibt (statt zu zeichnen): ein herrliches, super-aufschlussreiches Buch mit vielen sehr tiefgründigen Wahrnehmungs- und Poetik-Modellen. In keinem anderen Titel lernte ich mehr für mein eigenes Schreiben/Erzählen.

Making Comics: Storytelling Secrets of Comics, Manga and Graphic Novels

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WALLACE STEGNER: On Teaching and Writing Fiction
E.M. FORSTER: Aspects of the Novel
JOHN GARDNER: The Art of Fiction

144 Seiten, 2002. 204 Seiten, 1927. 224 Seiten, 1984. Drei ältere, gesetzte Autoren sprechen über das literarische Erzählen: Gardner ist noch am ehesten Ratgeber, Forster eher Uni-Dozent… doch alle drei Titel las ich mit Freude und Gewinn. Eine Fülle von Beobachtungen, Haltungen, literarischen Urteilen, Anekdoten und Verknüpfungen – alles sehr klassisch und bildungsbürgerlich. Aber mit viel Esprit. Kluge Männer reden rum. (Im selben Stil, aber schlechter, weil selbstverliebter: James Woods recht konventionelle Essay-Sammlung „How Fiction works“. Unterhaltsam – aber als Ratgeber überhaupt nicht geeignet.)

On Teaching and Writing Fiction  Aspects of the Novel  The Art of Fiction: Notes on Craft for Young Writers

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HANNS-JOSEF ORTHEIL, KLAUS SIBLEWSKI: Wie Romane entstehen

288 Seiten, 2008. In fast allen Uni-Seminaren, die ich bei Hanns-Josef Ortheil hatte, riet er zur kleinen Form: Anfänger sollen notieren. Genau hinschauen. Spazieren gehen. Riechen. Schmecken. Lauschen. Nach fünf Jahren las ich dieses – handfeste, praktische, selbstbewusste – Buch über die Arbeit an Romanen… und dachte „Ja! Auf DIESEM Niveau will ich lernen! Mehr davon.“ Ein Makro-Blick, der mir mehr entspricht und aus dem ich viel mehr lerne und begreife. Hier geht es ums Große – plausibel und überzeugend.

Wie Romane entstehen

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ANNE LAMOTT: Bird by Bird. Some Instructions on Writing and Life.

237 Seiten, 1994: Blubbernd-persönliches Gute-Laune-Buch („Memoir“ wäre zu viel gesagt) einer älteren Autorin. Ins Deutsche übersetzt, aber vergriffen. Ich mag den Plauderton, den Optimismus und die Lebensweisheiten – doch kann nicht behaupten, viel gelernt zu haben. Ein amüsantes Zwischendurch-Buch einer sympathischen, aber nicht besonders geistreichen lustigen Tante. Ich würde mit Lamott in den Urlaub fahren. Einen Workshop würde ich nicht besuchen.

Bird by Bird: Some Instructions on Writing and Life

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HANS PETER ROENTGEN: Drei Seiten für ein Exposé

200 Seiten, 2010. Roentgen ist ein beliebter deutscher Ratgeber-Autor. Ich mag, dass er präzise und hart urteilt – und weniger oberlehrerhaft formuliert als viele andere deutsche Schreib-Coaches. Der Exposé-Ratgeber ist anschaulich, sympathisch, aber sehr kurz und nicht besonders verkopft oder literarisch. Ein Exposé für „Zimmer voller Freunde“, mit dem ich zufrieden bin, habe ich immer noch nicht – stattdessen verlinke ich meist ein Exposé in Fotos/Bildern (Link).

Drei Seiten Für Ein Exposé[Schreibratgeber]

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TSUGUMI OHBA, TAKESHI OBATA: Bakuman

20 Bände mit je 208 Seiten, 2009 bis 2013. Ein Manga über zwei Teenager, die hauptberuflich und möglichst erfolgreich Mangas für junge Männer schreiben und zeichnen wollen. Der erste Band wirkt hölzern, fadenscheinig – und als Erzählung hat „Bakuman“ Probleme: flache Frauenfiguren, endlose Dialoge, wenig psychologischer Tiefgang.

Die meiste Zeit sprechen Zeichner, Autoren, Redakteure, Konkurrenten und Kritiker über Für und Wider verschiedener Arbeits- und Erzählmethoden. Alles wird diskutiert – klug, kleinteilig, überraschend mitreißend. Eine Buchreihe, die ich am liebsten in der Hildesheimer Institutsbibliothek sähe (im Ernst) und die über alle Aspekte des Schreibens (vor allem für Genre-Autor*innen) immer neue Fragen, Aspekte erklärt, abwägt, diskutiert, veranschaulicht.

Wirklich: Die beste Geschichte über Techniken und Hürden beim Schreiben, die ich kenne. 4000 Seiten Erzählen-übers-Erzählen. Empfehlung!

Bakuman, Band 1: Traum und Realität

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Die Hildesheim-Dozentin, von der ich am meisten praktische Schreib-Impulse mitnahm und die mir am wachsten, mitreißendsten, lohnendsten schien, heißt Corinna Antelmann. Sie lebt in Linz, schreibt Romane (nur angelesen: noch keine Empfehlung), Essays und macht Drehbuch- und Storytelling-Beratungen. 2008 erklärte sie in einem Blockseminar die Grundlagen der Drehbuch-Dramaturgie: Dreiaktstruktur, Wants und Needs, Wendepunkte, Themes.

Auch Roland Koch, einen unaufgeregten, sehr respektvollen Schriftsteller, kann ich als Dozent empfehlen.

Hanns-Josef Ortheil hat 2015 ein neues autobiografisches Buch veröffentlicht über die Schreibübungen, die er im Grundschulalter unter Anleitung seines Vaters machte, um aus der Sprachlosigkeit zu kommen: „Der Stift und das Papier: Roman einer Passion“ (384 Seiten, Luchterhand 2015).

Wieder geht es ums genaue Hinsehen, Lauschen, Notieren, Üben. Ich las die ersten 50 Seiten, kann den Titel zwar generell empfehlen – aber bin im eigenen Roman mit ganz anderen Fragen, Techniken beschäftigt. Flanieren. Fingerübungen. Naturbeobachtungen: Das ist kein kein Modus, in dem ich gehe, lese, denke. So lange so ruhig hinsehen müssen, auf Gegenstände, Oberflächen, Landschaften, Tiere: Mich macht das erst ungeduldig. Dann wütend.

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creative writing
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Seit Oktober habe ich 150 Schreibratgeber angelesen, sortiert und vorgemerkt.

Letzte Woche fand ich auch diese Liste im Forum von Autorenwelt.de: Die besten Schreibratgeber.

23 Favoriten – angelesen und gemocht:

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01: ROY PETER CLARK, „Writing Tools: 50 essential Strategies for every Writer“

  • 260 Seiten, USA 2006
  • sachlich, breites Themenfeld, nicht zu euphorisch-amerikanisch: schöne erste Orientierung

You need tools, not rules. 50 tools that will help any writer become more fluent and effective and more than 200 examples from literature and journalism. For students, aspiring novelists, and writers of memos, e-mails, PowerPoint presentations, and love letters.“ [Klappentext, gekürzt]

Writing Tools: 50 Essential Strategies for Every Writer

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02: GAIL CARSON LEVINE, „Writing Magic: Creating Stories that fly“

  • 168 Seiten, USA 2006
  • sympathische Young-Adult-Autorin will Menschen Mut machen – könnte zu bieder/harmlos sein.
  • Update, 2017: wirklich eher für Kinder und Hobby-Autor*innen. Pädagogisch, einladend, liebenswert… doch für mich zu soft, lieb, „alles ist erlaubt!“

„With humor, honesty, and wisdom, Gail Carson Levine shows you that you, too, can get terrific ideas for stories, invent great beginnings and endings, write sparkling dialogue, develop memorable characters. Writing exercises that will set your imagination on fire.“ [Klappentext, gekürzt]

Writing Magic: Creating Stories that Fly
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03: WILLIAM STRUNK Jr., E.B. WHITE, „The Elements of Style“

  • 105 Seiten, USA 1918 (!)
  • Standardwerk, das US-Grammatik und allererste Grundlagen erklärt – muss ich unbedingt endlich lesen!

„The most widely read and employed English style manual, used by individual writers as well as high school and college students of writing. It has conveyed the principles of English style to millions of readers. If you have any young friends who aspire to become writers, the second greatest favor you can do them is to present them with copies of „The Elements of Style.“ The first greatest, of course, is to shoot them now, while they’re happy. – Dorothy Parker“ [Klappentext, gekürzt]

The Elements of Style

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04: BRIAN KITELEY, „The 3 a.m. Epiphany: Uncommon Writing Exercises that transform your Fiction“

  • 261 Seiten, USA 2005
  • originelle (manchmal aber: alberne, selbstverliebte) Aufgaben und Writing Prompts.

„Open the book, select an exercise, and give it a try. More than 200 intriguing writing exercises designed to help you think, write, and revise like never before.“ [Klappentext, gekürzt]

The 3 A.M. Epiphany: Uncommon Writing Exercises That Transform Your Fiction

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05: BETSY LERNER, „The Forest for the Trees: An Editor’s Advice to Writers“

  • 240 Seiten, USA 2000
  • viele Warnungen, viele Ermutigungen: sympathische… Ansprache einer Lektorin.

„Categorizing writers within personality types–the natural (who appears to do it effortlessly); the wicked child (with an axe to grind); the flasher (who loves to dazzle)–veteran editor and publishing insider Betsy Lerner helps readers to better understand their relationship to writing. Lerner understands the anxieties and concerns of writers who are just getting started.“ [Klappentext, gekürzt]

The Forest for the Trees: An Editor's Advice to Writers

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06: RANDY INGERMANSON, „Writing Fiction for Dummies“

  • 362 Seiten, USA 2009
  • Update, 2017: Sieht ramschig aus – aber ist sehr präzise, anschaulich, sympathisch.
  • der beste Schreibratgeber, den ich kenne.

„A complete guide to writing and selling your novel.  Aim high. Discover what every reader desperately wants from a story; home in on a marketable category; learn the self-management methods of professional writers. Create believable, unpredictable characters; build a strong plot with all six layers of complexity of a modern novel. Write a query letter, a synopsis, and a proposal; pitch your work to agents and editors without fear.“ [Klappentext, gekürzt]

Writing Fiction for Dummies

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07: EDWARD HIRSCH, „A Poet’s Glossary“

  • 736 Seiten, USA 2014
  • Lyrik: komplexes, aber spannendes und verständliches Register über Techniken und Traditionen.

„A compilation of forms, devices, groups, movements, isms, aesthetics, rhetorical terms, and folklore: Hirsch has delved deeply into the poetic traditions of the world, returning with an inclusive, international compendium. From the bards of ancient Greece to the revolutionaries of Latin America, from small formal elements to large mysteries.“ [Klappentext, gekürzt]

A Poet's Glossary

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08: RALPH KEYES, „The Courage to write: How Writers transcend Fear“

  • 240 Seiten, USA 1995
  • vielleicht zu anekdotisch, kuschelig: ein Mutmach-Buch für Autor*innen, denen die Puste ausgeht.
  • Update, 2017: munter, aber eher Plauder-Essay als Ratgeber. Wenig Substanz.

I have to talk myself into bravery with every sentence, sometimes every syllable. – Cynthia Ozick. Anxiety is felt by writers at every level and can be harnessed to produce honest and disciplined work. Including comments of Pat Conroy, Amy Tan, Rita Dove, Isabel Allende, and others on how they transcended their own anxieties.“ [Klappentext, gekürzt]

The Courage to Write: How Writers Transcend Fear

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09: TILLIE OLSEN, „Silences“

  • 368 Seiten, USA 1978
  • Literaturwissenschaften: Welche Schwierigkeiten hatten berühmte Autor*innen? Welche Rahmenbedingungen fördern – oder ersticken – literarisches Arbeiten?

Silences single-handedly revolutionized the literary canon. Olsen broke open the study of literature and discovered a lost continent—the writing of women and working-class people. From the excavated testimony of authors’ letters and diaries we learn the many ways the creative spirit, especially in those disadvantaged by gender, class and race, can be silenced. Olsen recounts the torments of Melville, the crushing weight of criticism on Thomas Hardy, the shame that brought Willa Cather to a dead halt, and struggles of Virginia Woolf.“ [Klappentext, gekürzt]

Silences

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10: CARLA BERLING, „Vom Kämpfen und vom Schreiben“, überarbeitete Version von 2015 hier (Link)

  • 183 Seiten, Deutschland 2011
  • Tipp aus dem Autorenwelt-Forum: Eine sympathische Mutter (und, zwischenzeitlich: Sozialhilfeempfängerin) hat Probleme mit Verlagen… aber kriegt die Kurve. Einfach – aber spannend.

„Welche Erfahrungen macht eine, die losschreibt, um Schriftstellerin zu werden – mit viel Naivität und großer Leidenschaft. Rückschläge waren vorprogrammiert. Carla Berning berichtet von ihren Erfahrungen auf dem Weg zur Veröffentlichung. Ein Ratgeber, charmant und locker – ohne Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen.“ [Klappentext, gekürzt]

Vom Kämpfen und vom Schreiben

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11: TERÉZIA MORA, „Nicht sterben“

„Terézia Moras Frankfurter Poetik-Vorlesungen: Als Autorin fühlt sich Mora von jeher in eine Welt von Störungen und Irritationen ausgesetzt, der sie sich erwehren muss, die aber auch zu Antriebskräften ihres Schreibens werden. Indem sie dem existentiellen Ursprung, Bedingungen und Grundlagen ihres Schreibens nachgeht, ist ihr neues Buch auch ein Nachdenken über die autobiographischen Hintergründe ihrer Entwicklung als Autorin.“ [(schlechter, viel zu kitschig-umständlich-verquaster) Klappentext, gekürzt]

Nicht sterben

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12: ALEXANDER STEELE, „Writing Fiction“

  • 304 Seiten, USA 2003
  • Grundlagenbuch – ohne besondere Kanten?

„The techniques of the Gotham Writers‘ Workshop: Fundamental elements of fiction craft – character, plot, point of view, etc. – explained clearly and completely. Key concepts illustrated with passages from great works of fiction. Exercises. You will be a writer.“ [schlimmer Klappentext, gekürzt]

Writing Fiction: The Practical Guide from New York's Acclaimed Creative Writing School

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13: K.M. WEILAND, „Outlining your Novel: Map your Way to Success“

  • 186 Seiten, USA 2011
  • Ich bin ein großer Fan von Outlines und Struktur – aber skeptisch, weil das Buch nur 180 Seiten lang ist.

„Writers often look upon outlines with fear and trembling. But when properly understood, the outline is one of the most powerful weapons in a writer’s arsenal. This book will: Guide you in brainstorming plot ideas. Show you how to structure your scenes. Prevent dead-end ideas. Plus: important tips on plot, structure, and character.“ [Klappentext, gekürzt]

Outlining Your Novel: Map Your Way to Success

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14: MARTHA ALDERSON, „The Plot Whisperer: Secrets of Story Structure any Writer can master“

  • 256 Seiten, USA 2011
  • Regelpoetik… Bestseller-Formel… „foolproof blueprint“… dann lass mal hören: Ich bin gespannt!
  • Update, 2017: kompetent, aber zu verplaudert. Ich wünschte, es wäre dichter, präziser, kühler.

„This is the ultimate guide for you to write page-turners that sell! When it comes to writing bestsellers, it’s all about the plot. Trouble is, plot is where most writers fall down. With this book, you’ll learn how to create stories that build suspense, reveal character, and engage readers–one scene at a time. A plotting system that’s as innovative as it is easy to implement. A foolproof blueprint to devise a successful storyline for any genre.“ [Klappentext, gekürzt]

The Plot Whisperer: Secrets of Story Structure Any Writer Can Master

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15: STEVEN JAMES, „Story trumps Structure: How to write unforgettable Fiction by Breaking the Rules“

  • 297 Seiten, USA 2013
  • 2002 las ich „Freistil“ von Dagmar Benke: ein trockenes, recht flaches Buch über Filme mit ungewöhnlichen Plot-Strukturen. Steven James behandelt das selbe Thema – besser, hoffentlich.

„All too often, following the „rules“ of writing can constrict rather than inspire you. You can shed those rules – about three-act structure, rising action, outlining, and more – to craft your most powerful, emotional, and gripping stories. When you focus on what lies at the heart of story – tension, desire, crisis, escalation, struggle, discovery – rather than plot templates and formulas, you’ll begin to break out of the box.“ [Klappentext, gekürzt]

Story Trumps Structure: How to Write Unforgettable Fiction by Breaking the Rules

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16: BRIAN McDONALD, „Invisible Ink: A practical Guide to Building Stories that resonate“

  • 170 Seiten, USA 2010
  • ein Hollywood-Hype-Titel mit sehr guten Kritiken: Ich bin neugierig.

„Acclaimed by successful screenwriters and authors, Invisible Ink is a helpful guide to the essential elements of the best storytelling. When people think of a screenplay, they usually think about dialogue-the „visible ink“. But a successful screenplay needs Invisible Ink as well, the craft below the surface of words. You will learn techniques for building a compelling story around a theme.“ [Klappentext, gekürzt]

Invisible Ink: A Practical Guide to Building Stories That Resonate

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17: CHRISTOPHER VOGLER, „The Writer’s Journey“

„How have the great works of cinema history used the principles of myth to create stories which are dramatic, entertaining, and psychologically true? Hitchcock to Lucas, Spielberg and Tarantino have used mythic structure to create powerful stories. The book also offers step-by-step guidelines designed to help readers to incorporate effective plot structure and characterization in their own writing. This edition has been updated to include analysis of „Titanic“, „The Lion King“, „Pulp Fiction“ and „The Full Monty“.“ [Klappentext, gekürzt]

The Writer's Journey

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18: MARTHA ALDERSON: „Writing Deep Scenes: Plotting your Story through Action, Emotion and Theme“

  • 248 Seiten, USA 2015
  • Über Plot wird viel geredet – über einzelne Szenen nicht. Der Titel auf dieser Liste, den ich am dringendsten lesen will:

„This book teaches you how to write strong, layered, and engaging scenes–the secret to memorable, page-turning plots. It’s filled with practical tools for building layers and nuance into your scenes, employing the right scene types at the right junctures, and developing a profound understanding of how plot and scene intertwine. Inside you’ll learn: How scenes are comprised of three key layers: action, emotion, and theme. How to recognize each layer and weave them seamlessly into a scene.How to develop an intricate relationship between the action and emotion in every scene. How thematic imagery embedded in scenes increases a story’s tension and contributes to the story’s meaning. Using contemporary examples from a variety of genres, „Writing Deep Scenes“ provides an effective method for plotting at the scene level. Use these techniques and enrich your fiction and memoirs with page-turning suspense and pathos, and explore new depths in every story you write.“ [toller Klappentext, kaum gekürzt]

Writing Deep Scenes: Plotting Your Story Through Action, Emotion, and Theme

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19: CHERYL St. JOHN, „Writing with Emotion, Tension and Conflict: Techniques for Crafting an expressive and compelling Novel“

„Emotional impact shouldn’t be dropped into your novel as an afterthought or forced upon your story with a pair of pliers and an iron grip. It should be carefully sewn into the fabric of the story. You’ll learn how to layer emotional moments and create a tapestry filled with conflict, pathos, and genuine feeling. Your ultimate goal is to make readers smile, weep, rage, and laugh right along with your characters.“ [Klappentext, gekürzt]

Writing with Emotion, Tension, and Conflict: Techniques for Crafting an Expressive and Compelling Novel

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20: DONALD MAASS, „The Fire in Fiction: Passion, Purpose and Techniques to make your Novel great“

  • 265 Seiten, USA 2009
  • Standardwerk/modernere Alternative zu Robert McKee und Sol Stein.
  • Update, 2017: Fachkundiges Buch – das ich nach 70 abbrach. Denn Maass benutzt SEHR abgedroschene, dümmliche, ideenlose Textbeispiele, und hält sich seitenlang mit ihnen auf. Als würde ein sehr, sehr langweiliger Mensch Szenen aus „Dr. Stefan Frank – der Arzt, dem die Frauen vertrauen“ analysieren und immer wieder rufen: „Schaut! Ist DAS nicht clever?“ Uff.

„Supercharge your story with originality and spark! Successful literary agent and author Donald Maass shows you techniques for capturing a special time and place, creating characters whose lives matter, nailing multiple-impact plot turns, making the supernatural real, infusing issues into fiction, and more. Story-enriching exercises at the end of every chapter to show you how to apply the practical tools just covered to your own work.“ [Klappentext, gekürzt]

The Fire in Fiction: Passion, Purpose and Techniques to Make Your Novel Great

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21: MARY KOLE, „Writing irresistible KidLit: The ultimate Guide to Crafting Fiction for Young Adult and Middle Grade Readers“

  • 240 Seiten, USA 2012
  • sympathisch praktischer Ratgeber für zwei konkrete Zielgruppen

„The YA and MG book markets are healthier and more robust than ever, and that means the competition is fiercer, too. Literary agent Mary Kole teaches you how to tailor your manuscript’s tone, length, and content to your readership, avoid common mistakes and cliches that are prevalent in YA and MG fiction and develop themes and ideas in your novel that will strike emotional chords.“ [Klappentext, gekürzt]

Writing Irresistible KidLit: The Ultimate Guide to Crafting Fiction for Young Adult and Middle Grade Readers

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22: MARY BUCKHAM, DIANA LOVE SNELL, „Break into Fiction: 11 Steps to Building a Story that sells“

  • 233 Seiten, USA 2009
  • Wieder ein Buch, bei dem ich denke „Stünde da ‚500 Seiten‘, ich hätte mehr Lust“. All diese Themen – auf 233 Seiten?

„Based on their popular workshops, Mary Buckham and Dianna Love Snell have created a novel-writing system that anyone can follow. Easy-to-understand templates that guide the new writer through building a novel and show more experienced writers how to deepen a plot and take a first draft to the next level. Inspiring authors shall struggle no more with the help of this step-by-step guide!“ [Klappentext, gekürzt]

Break Into Fiction: 11 Steps to Building a Story That Sells

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23: FRANCOIS TRUFFAUT, „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“

  • 400 Seiten, Frankreich 1966
  • Seit ca. 2000 weiß ich, dass es dieses Buch gibt. Statt es zu kaufen, habe ich immer wieder lange Interviews mit Freunden und Autoren geführt. Es wird Zeit, dass ich endlich reinkucke:

„Humorvoll, klug, verschmitzt, ironisch, keiner Pointe und Anekdote abhold, so präsentierte sich Alfred Hitchcock in den ausführlichen Interviews, die François Truffaut mit ihm führte und in denen er 500 Fragen beantwortete. Entstanden ist daraus das vielleicht aufschlussreichste Filmbuch überhaupt, eine Hommage an Hitchcock und an das Filmemachen.“ [Klappentext, ungekürzt]

Mr. Hitchcock, Wie Haben Sie Das Gemacht?

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2005 und 2006, im Rahmen des Studiums, habe ich als Tutor das „Kulturtagebuch“-Projekt geleitet: 14 Studierende schrieben über ihr erstes Semester in Hildesheim.