junge Literatur

PROSANOVA 2017: Stimmen der Presse & Fotos

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Literaturfestival PROSANOVA 2017 | Foto: Mara Giese

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Alle drei Jahre findet in Hildesheim PROSANOVA statt (Website), das Festival für junge deutschsprachige Literatur.

2011, als einen der ersten Beiträge in meinem Blogs, sammelte ich die Stimmen der Presse in einem Eintrag (Link).

Auch zu PROSANOVA 2014 machte ich eine Presseschau hier im Blog (Link).

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Hier gesammelt: die wichtigsten Pressestimmen zu PROSANOVA 2017 (8. bis 11. Juni 2017, Hildesheimer Nordstadt)

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01_“Das Publikum ist sehr jung. Die Stimmung ist relaxt, aber nicht kuschelig, nur freundlich und solidarisch. Auf die Platzhirsche der deutschen Literatur hat man mit Absicht deutlicher als zuvor noch verzichtet, aber alle Stimmen, die ich höre, sind mindestens interessant. Sascha Ehlert hat in der Welt die „große, laute, wütende, böse Literatur“ auf dem Festival vermisst. Grow up. Den starken Mann zu markieren hatte auf diesem Prosanova zum Glück niemand nötig.“ Ekkehard Knörer, taz, „Liebesbriefe und Shitstorms“

02_“Welchen Einfluss kann das Prosanova auf den etablierten Literaturbetrieb haben? Und welche Impulse können davon für die Gesellschaft ausgehen? Die Sachbuchautorin Mithu Sanyal ist skeptisch: „Das sind alles Stimmen, die ich hier vertreten fühle, und die ich in der deutschen Literatur auch finde, aber ob das angekommen ist, dass das ein großer, wichtiger Teil der Literatur ist, das weiß ich nicht. Das ist immer noch dieses: Das ist eine Einzelstimme. Nein, es sind ganz viele. Das sind gar nicht mehr Einzelstimmen.“ Auf dem Prosanova bleibt die junge Literaturszene weitgehend unter sich. Selbst in Hildesheim wissen nur wenige um das Festival. Gegenwartsliteratur in der Blase oder Impulsgeber mit Einfluss?“ Simone Schlosser, Deutschlandfunk, „Literatur zwischen Stahlträgern“

03_4-Minuten-Audio-Feature von Jule Hoffmann bei Deutschlandfunk Kultur, „Das ‚andere‘ Literatur-Festival in Hildesheim“ (nur bis Dezember 2017 online)

04_“Wenn man Leute auf ihre Privilegien hinweist, fühlen sie sich oft auf den Schlips getreten. Das Festival schafft aber einen Raum für Frauen, People Of Color und nicht-binäre Personen, der sonst im Betrieb nicht vorhanden ist. Und darum geht’s: über Themen sprechen zu können, ohne die Quotenfrau dabei haben zu müssen.“ Interview mit Autorin Sirka Elspass (Fragen von Juli Zucker) Missy Magazine, „Ich will weniger höflich sein“

05_kurze Notate und Snapshots, gesammelt für Logbuch Suhrkamp

06_Mitschnitte, Podcasts, Features und kurze Texte bei Litradio

07_Beiträge für Fabian Thomas‘ Social-Media-Spiel „Diskursbingo“ bei Instagram und Twitter sowie die Hashtags pn17 (Twitter | IG) und prosanova17 (Twitter | IG)

08_“Wir haben die vitale fünfzigjährige Hundesalonbesitzerin mit dem blinden Pudel aus dem dritten Stock des Gebäudes, in dessen ersten zwei Stockwerken das Festivalzentrum liegt, im Nokia am Ohr, die uns sagt, wir sollen die Party jetzt beenden, es sei zu laut. […] wir haben nach dem Festival eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals, weil die vitale Frau mit dem blinden Pudel, der wir schon am ersten Abend ein Zimmer im Dorint Hotel anbieten, die aber wegen ihres Hundes nicht woanders schlafen kann, aufgrund von Schlafmangel eine Depression bekommt, am Sonntag Abend erklärt uns die Polizei, dass wir die Veranstaltung für beendet erklären müssen, andernfalls rückt die Bereitschaftspolizei aus Hannover an und räumt das Gelände, und das wird dann richtig teuer.“ PROSANOVA-Mitbegründer Paul Brodowsky über PROSANOVA 2005, Prosanova im Praesens II

09_kurze Text- und Bildmontage von mir, zur Einstimmung auf PROSANOVA 2017

10_“Ein Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde, war die Autofahrt während der Commoonity. Eine wahnsinnig aufregende Performance. Wer da keinen Platz mehr ergattert hat, tut mir leid, denn ich hatte das krasse Gefühl von etwas sehr Einmaligem. Besonders schön war, dass ich meine Litaffin-Partnerin Juliane überredet habe, noch mitzukommen und diesen Moment mit ihr teilen konnte.“ Fotos und kurze Statements im „Humans of New York“-Stil: Ann-Kathrin Canjé, „Humans of Prosanova“

11_kurzes Abschlussinterview mit Ole Schwabe, Mitglied der Künstlerischen Leitung, bei Radio Tonkuhle, Hildesheim: „Fazit Prosanova“ (Audio)

12_“Um direkt bei Mithu M. Sanyal zu bleiben, die wirklich eine beeindruckende Frau ist, darf auch ihr Vortrag „Rape Revisited“ in meiner Highlight-Liste nicht fehlen. Ganz unprätentiös und klar hat sie über Vergewaltigung gesprochen. Welche falschen Annahmen darüber in der Gesellschaft herrschen, wie Vergewaltigungen historisch zu beleuchten sind und wie wir sie differenzierter im Verhältnis zu Sex betrachten können.“ Juliane Noßack, Poesierausch, „So war das Prosanova 17“

13_“Das Programm ist gesprächslastig, diskussionsfreudig, am Debattenpuls und eben stark auf den Prozess, die Textarbeit, Unfertiges ausgerichtet. Die Auftretenden sind zum Großteil Autorinnen. Prosanova ist immer auch: Ein Wasserstandsbericht. Eine Zustandsbeschreibung der Szene. Wie wird gerade geschrieben und worüber und worüber muss jetzt mal gesprochen werden?“ Fixpoetry, Andreas Thamm: „Plaudereien auf dem Prosanova: Birgit Birnbacher, Maren Kames, Yael Inokai“

…und, Teil 2: „Plauderein auf dem Prosanova II: Juan S. Guse, Alina Herbig“: „Weißt du einen Satz, eine Formulierung, irgendwas in deinem Buch, worüber du dich heute ärgerst? Alina: Ich glaube nicht, dass es Sätze sind, aber mir fallen beim Vorlesen immer wieder so Kleinigkeiten auf: Wieso hört der Satz da auf? Wieso habe ich da einen Punkt gemacht? Die Sachen streiche ich dann durch und lese ich auch anders. Ich habe auch ein paar Sachen schon für die zweite Auflage geändert. Es sind keine dramatischen Sachen. Andererseits glaube ich, dadurch, dass ich jetzt mit den Reaktionen auf diesen Roman konfrontiert werde, hätte ich wahrscheinlich, wenn ich die vorher mitgedacht hätte, einen ganz anderen Roman geschrieben. Ist aber vielleicht auch ganz gut, dass ich die vorher nicht hatte.“

14_“Ständig bilden sich Schlangen, obwohl es selten wirklich voll ist. Am Sonntag stellen sich Menschen schon in einer Schlange an, obwohl es bei der Insellesung auf dem Parkplatz ganz sicher keinen Einlassstopp geben wird, einfach aus Gewohnheit. Die Schlange, in der sich alle mehr oder weniger ordentlich einreihen.“ Anke Dörsam, meermoabit, „Prosanova 2017“

15_“Die Mischung aus ungewöhnlichen Lesungen, Performances, Installationen, politischen Vorträgen, Panels und Partys ist zu hundert Prozent gelungen. Das alles wurde von Studierenden organisiert und wir staunen, zu welchen Höchstleistungen diese fähig sind. […] Ein großes Klassentreffen der jungen, hippen Literatur sozusagen. Wenn in drei Jahren mehr Menschen angelockt werden könnten, die sich (noch) nicht dem Literaturbetrieb verschrieben haben, wäre der Austausch über Literatur auf dem Festival wohl noch vielseitiger.“ Litaffin, Ann-Kathrin Canjé, „Prosanova 17: Over and Out. Rückblick“

16_“Wie Sprache und Macht zusammenhängen, lerne ich außerdem noch einmal ausführlich in Hornscheidts Workshop „Exit Gender“. Gibt es etwas neben, zwischen, über oder unter „Mann“ und „Frau“? So lautet eine der Ausgangsfragen. Definitiv! Doch wie setze ich diese Varianten von Geschlecht in einem Text um, ohne dass es den Schreib- und Lesefluss stört? Indem ich beschreibe, was eine Person macht und welche Eigenschaften außer Geschlecht sie auszeichnet. Voller Eindrücke, neuer Erkenntnisse und Literaturtipps auf der persönlichen „must read“-Liste fährt Team Ullstein zurück nach Berlin und freut sich auf all das, was da zurzeit im Prozess ist und hoffentlich bald zu Büchern wird.“ Marie Krutmann im Ullstein-Blog Resonanzboden, „Was ist eigentlich junge Literatur? Spurensuche auf dem Prosanova“

17_“Was auffiel war vor allem die Menge an Diskussions- und Gesprächsformaten, die es sich zum Ziel setzten nicht nur eine junge Literatur abzubilden, sondern diese in ihrem Kontext und vor dem Hintergrund eines literarischen Betriebs zu betrachten und zu hinterfragen.“ Textmagazin, Milena, „Prosanova 17“

18_“Die inhaltliche Setzung wirkt weiterhin zu mutlos und unnötig insiderisch bis verkopft. Wo soll die große, laute, wütende, böse Literatur entstehen, die unsere Gegenwart auch mal nachhaltig kritisiert, wenn die talentiertesten Nachwuchsautorinnen und -autoren bei ihrem großen Jahrestreffen nur über öde-abstrakte Begriffe wie Material und Prozesse reden?“ Sascha Ehlert in der Welt, „Last Exit: Hildesheim“

19_“Keine fertige »große, laute, wütende, böse Literatur« wird präsentiert, wie es Sascha Ehlert in der WELT fordert, sondern eine Literatur, die sich im Prozess versteht und mit ihrem Prozesshaften arbeitet – still –, und dafür benötigt es einen affirmativen Raum, um einen respektvollen Zugang zueinander zu finden, eine Art »erhabene Besänftigung« (PM), keine giftigen Schlagabtäusche und Konfrontationen. […] Als Abbild junger Literatur hat es allemal an verschiedensten Stellen gegen die männlichen, konservativen Kollektive der Literaturlandschaft ein Zeichen gesetzt.“ Rudi Nuss im S.-Fischer-Blog hundertvierzehn, „Prosa Nova Orbis Hildesheim“

20_“*Vorlesen* gibt es nicht mehr. Aber wirklich von sich lassen möchte auch kaum ein Text. Bewegungen bleiben erstmal im Testmodus, im „Was-wäre-wenn“. Vielleicht müsste diese Literatur-Praxis sich ein Vorbild am Gelände nehmen. Wenn ich hierhin gehe und den Zaun hinter mir zuziehen lasse, komme ich nicht so schnell zurück. Bleib doch mal da, geh da doch mal weiter, verirr dich ein bisschen! Installation und Performance begegnen mir als Zitat, aber ich würde da gern weiter lesen und sehen, was passiert, wenn der Text sich von seiner Umgebung wirklich angehen lässt. Wenn er sich anstecken lässt von den Räumen und Situationen, in die er gestellt wird, statt seine eigene Atmo nochmal auszupacken. Für einen Moment.“ Tilman Richter im Merkur: Zeitschrift für europäisches Denken, „Streamen, Floaten, Driften. Prosanova-Rumhängen“

21_“Damit die Autoren auf PROSANOVA | 17 nicht in der Überzahl sind, haben wir sehr viel gelesen und nicht bloß auf die Namen vertraut, die eh schon jede°r kennt. Oft lohnt es sich, die vorgetrampelten Wege zu verlassen. Wir hätten am Anfang auch nicht gedacht, dass das so einfach geht.“ schöner Grundsatz-/Programmatiktext von Helene Bukowski bei Suhrkamp über zehn Grundsatzfragen der Festival- und Programmgestaltung, „Die zehn Eckpfeiler des Literaturfestivals PROSANOVA“

22_“Es geht um die noch andauernde Vorherrschaft des weißen, heterosexuellen Mannes. Um das einmal sehr deutlich zu sagen für diejenigen, die sich von der Terminologie weißer, heterosexueller Mann angegriffen fühlen – darin ist kein Vorwurf formuliert für das weiß– und heterosexuell-und männlich-geboren-sein, denn so ist man eben. Darin kann keine Schuld liegen. Es drückt bloß die Bewusstmachung aus, dass man durch diese angeborenen Merkmale mit dem größtmöglichen Privileg ausgestattet ist, dass man in unserer Gesellschaft genießen kann. Weil man maximal der Norm, dem Akzeptierten, dem Machtvollen und Gesehenem entspricht. Daraus entsteht ein Gefälle, das sich bewusst und unbewusst ausübt, das die Leute sortiert nach wichtig und weniger wichtig. Ein System der Über- und Unterordnung, das noch nicht allen geläufig zu sein scheint, und zu dem ich nie wieder die Klappe halten werde.“ Tatjana van der Beek, Mitglied der künstlerischen Leitung von PROSANOVA 2017, im Festivalblog über die Sexismus-Debatte am Literaturinstitut Hildesheim: „Wenn Sexismus eine Neuigkeit ist“

23_“Wann verkommen politische Forderungen und Aussagen zur bloßen Attitüde? Wann sind sie großartig und klatschen genau ins Mark der Gegenwart? Und was haben Sätze aus dem Programmheft wie die Aufführung berührt politische, soziale und emotionale Themen wie Identität, Macht und Liebe mit subtiler Direktheit eigentlich mit Literatur zu tun? Beantwortet wurden diese Punkte mal schlechter und mal besser, ganz wie es sich für ein Festival gehört, das ästhetische Risiken eingeht und nicht einfach nur Großautoren-Polonaise veranstaltet. Auffälligerweise machten viele Schreibende einfach ihr Ding, hatten wenig zu tun mit dem Wording und den Ankündigungen des Festival.“ etwas… schnippisch-ironisierender Text im Merkur von Florian Kessler & Lena Vöcklinghaus – der für mich stellenweise klingt („Wording“), als sei die Diversity und Ideologiekritik, um die sich das Festival sehr bemühte, etwas, das… „der Literatur“ hier unbeholfen aufgepfropft/angehaftet wird. „1000 kritische Bierbongs starren dich an“

…dazu noch einmal Ekkehard Knörer in der taz: „Maren Kames [hat] einen schönen kurzen Essay geschrieben als Vorwort fürs Institutsjahrbuch, gegen Angebertexte und ihre Verfasser. Aber dergleichen kann es für den scheidenden Studiengangsleiter Hans-Josef Ortheil in Hildesheim natürlich nicht geben, so hat er das Vorwort aus dem Jahrbuch gekickt. Außerdem hat das Institut wegen eines anonymen Studierendentexts gerade eine Sexismusdebatte am Hals – kein Wunder an einem Ort, an dem es kaum weibliche Lehrende gibt. Es wäre sehr zu wünschen, dass sich das und manches mehr unter Ortheils Nachfolger beziehungsweise doch hoffentlich: Nachfolgerin ändern wird.“

[kurz von mir: Mich irritiert/stört die Annahme, kritische Texte „könne es für Hanns-Josef Ortheil natürlich nicht geben“: Ich selbst fand Marens Text nicht übertrieben streitbar. Ich weiß nicht, warum er nicht als Vorwort veröffentlicht werden konnte/durfte… doch ich selbst schrieb schon ein (Link, 2007), zwei (Link, 2012) längere und kritischere Vorworte über Probleme in Hildesheim – ohne, dass Hanns-Josef Ortheil intervenierte: Ich fühlte mich von ihm bestärkt, solche Texte zu schreiben und zu veröffentlichen – auch in studiengangseigenen Verlagen. Siehe auch: Ekkehard Knörer, unten in den Kommentaren.]

24_“Das Prosanova17 ist ein Literaturfestival, das bewusst überwiegend Frauen* einlud und feministische Themen auf der Agenda hatte. Ich sitze in Lesungen und habe Tränen in den Augen, weil es sich plötzlich nicht mehr anfühlt, als könnte ich kein Teil von dem Ganzen sein. Weil Positionen gezeigt werden, mit denen ich mich identifizieren kann. Positionen, die in großen Teilen meines Studiums in Hildesheim verborgen blieben, was dazu geführt hat, dass ich mit dem Schreiben aufgehört habe, als ich her kam. Dazu muss gesagt werden, dass ich überhaupt erst mit dem Ziel zu schreiben nach Hildesheim gekommen bin. Den Fun daran hat mir das Institut ziemlich bald genommen. Lange haben mir Worte gefehlt das zu beschreiben. Aber es liegt nicht daran, dass ich nicht schreiben kann, oder nichts zu sagen habe. Es liegt daran, dass mir aber genau das suggeriert wurde – und dass ich mich in Lehrinhalten nicht wiederfinde, spielt dabei eine ausschlaggebende Rolle.“ Jana Zimmermann in Merkur: deutsche Zeitschrift für europäisches Denken: „Wir würden dann jetzt weiter machen“

25_“Politisches Bewusstsein brauchen wir heute mehr denn je. Der belanglose Hedonismus der letzten Jahre hat ausgedient. Heute wird gegen Normen und Strukturen gedacht, geschrieben, gelesen, diskutiert und getanzt. Eine Entwicklung, die das diesjährige Prosanova Festival aufgegriffen und vier Tage diskursiv und praktisch umgesetzt hat. Eine gute Möglichkeit, um den Finger in die Wunde zu legen und jede*n Besucher*in mit einem Anstoß zur Selbstreflektion nach Hause zu schicken. Zu welcher marginalisierten Gruppe gehöre ich? Welchen Machtstrukturen bin ich ausgesetzt? Welche produziere ich selbst?“ Julia Tautz auf Lesflaneurs.de

26_Fotos und kurzer Text zum Festival-Samstag von Blogger Frank R. Rudkoffsky

27_“Der eine oder andere etablierte Name also, aber nicht die ganz großen Stars – klar, es geht ja um junge Literatur. Da wundert es zwar nicht, dass das klassische Lesungspublikum ab fünfzig aufwärts ausbleibt, ein bisschen mehr Durchmischung täte dem Ganzen aber dennoch gut, man hat den Eindruck, es ist fast ausschließlich der Literaturbetrieb anwesend: Nachwuchsautoren, Lektoren, Agenten. Ich selbst bin beruflich hier und fühle mich tatsächlich wie auf Klassenfahrt. […] Alle drei Jahre findet es statt, und genauso häufig wechseln die Kuratoren und mit ihnen die Veranstaltungsorte, Fragestellungen und Künstler. Auch deshalb haftet dem Prosanova vermutlich der Charme des Provisorischen an, des Unfertigen; vielleicht liegt es aber auch nur an den verlassenen Industriehallen, die dieses Jahr als Schauplatz dienen, an der Einrichtung aus Selbstgezimmertem, Sperrmüll und Omas Wohnzimmerdeko. Ein in jeglicher Hinsicht eigenwilliges und liebevoll gestaltetes Festival.“ SchöneSeiten, Caterina Kirsten, „Prosanova | 17“

…auch Bloggerinnen & Freundinnen Mara Giese und Blauschrift sowie die Literatur-Vloggerin Luba Goldberg-Kusnetzova waren vor Ort – ich freue mich auf weitere Fazits, in den nächsten Tagen.

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28_17-Minuten-Film von Yannic Federer, „Kulturu First #17: PROSANOVA“

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…und Teresa Streiß auf Facebook über ein Orga-Grundsatzproblem:

„Prosanova 2017: haben Sie ein festivalbändchen? Haben Sie auch einen stempel? Nein durch diese tür darfst du nicht raus. Nein hier kannst du nicht rein. Nein du darfst das nicht essen. Nein essen gibt es hier nicht. Nein bitte die andere tür. Haben Sie einen stempel? (Aber auch: inhaltlich top. Und slushys mit vodka!)

[…] dieses wochenende fühlte sich so an, als hätte das orgateam über all die tolle politik und Literatur das organisieren vergessen und ganz am ende nachschieben müssen. Vielleicht Sachzwänge (so denke ich mir das zurecht), von wegen räume nicht zu voll werden lassen und so, aber eher uncharmant gelöst durch „bürokratie“ a la du brauchst diesen Stempel und dann dieses bändchen und du musst auf dieser liste stehen und die tür führt nur rein und die andere raus, aber morgen auch schon wieder anders. Gefühlt viele Kommunikationsprobleme innerhalb des teams, so sachen wie nein du ķannst nicht für jemand anderes eine karte für commoonity kaufen und abends dann hundert stunden warteliste weil warum hast du dir denn nicht von jemand anderem heute morgen schon eine kaufen gelassen? Und statt regelflexibilität und hauptziel wohlfühlen eher so nein essen dürfen nur die Künstler und vielleicht bleibt aber ja was übrig das kannst du dann vielleicht und die Künstler dürfen aber auch nur mittags und wenn sie abends wollen, müssen sie zahlen […]. Die essenssituation überhaupt eher so mau soll heißen: mittags gibt’s nix, generell, wenn man kein blaues bändchen hat. Und zeig gefälligst jedes mal deine pfandmarke, wenn du was neues kaufst, und stempel kontrollieren wir auch noch nachts um 4. (Dafür auch nachts um 4 noch: klo putzen, und geputzte klos find ich tendentiell sehr gut ja) Vielleicht würde ich zusammenfassen: sie war sehr deutsch, die junge deutsche gegenwartsliteraturorganisation. Aber wie gesagt: inhaltlich bzw von den veranstaltungen her vielleicht sogar mein liebstes prosanova bisher.“

von mir: Zustimmung. Ich wünsche mir für PROSANOVA 2020, dass das Festivalzentrum betretbar ist, ohne, vorher ein Ticket zu lösen. Dann wären nicht nur Studierende und Betriebsmenschen auf meinen Fotos – sondern hoffentlich z.B. auch viel mehr interessierte Anwohner*innen und Kurzbesucher*innen. #hermetik #blase #abgeschottet

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Fotos von mir. Tag 1 (Donnerstag, 8. Juni):

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Tag 2: Freitag, 9. Juni

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Tag 3: Samstag, 10. Juni

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Tag 4: Sonntag, 11. Juni

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…und drei Fotos vom offiziellen Festival-Fotografen Paul Olfermann:

fast 800 – großartige! – Fotos auf der Facebook-Seite (Link)

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Ich selbst studierte von 2003 bis 2008 in Hildesheim:

Bei PROSANOVA 2005 war ich Praktikant und Autor für die Festivalzeitung, 2008 Mitglied der Künstlerischen Leitung, 2011 und 2014 Gastautor bei der Festivalzeitung & Podiumsgast.

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Lohnt sich PROSANOVA – Festival für junge Literatur? [8. bis 11. Juni 2017, Hildesheim]

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8. bis 11. Juni 2017 | Hildesheim

über 60 Autor*innen & Künstler*innen

Infos & Tickets  |  Facebook  |  Wikipedia  |  Instagram

Zeitschrift BELLA triste  |  Studiengang Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus

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„Das studentische Team hat Wände gestrichen, Teppiche verlegt, Holzinseln gezimmert und Toiletten vergoldet.“

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„Der Schulranzen mit eingebauten Lautsprechern pumpt Beats in die fast fertige Cafébar.“

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„Lena und Martha sind gestern neun Stunden Transporter gefahren, um kostenlose Möbel von Hannover aufs Festivalgelände zu bringen.“

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„Auf dem Festivalgelände dürfen die Brennnesseln nicht vernichtet werden, weil für einige Schmetterlinge gerade Nistzeit herrscht.“

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„Es gibt noch nichts mit Glitzer. Es gibt was mit Hobelspänen und Sägen und Computern.“

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„Als es noch keine Vasen gab, haben wir Bierflaschen vergoldet.“

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„Nee, diese neuen, diese Schriftsteller oder wie sie sich nennen, die fangen immer Sätze an und beenden sie dann nicht. Und ich kann auch nichts damit anfangen. Da werden einem so Bruchstücke vorgeworfen und dann muss man gucken, wie es weiter geht.“ [beim Friseur um die Ecke]

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„Nachtschwärmer dösen in den Betten. Auf der Leinwand lesen virtuelle junge Leute.“

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„Lektoren, das sind einfach bessere Menschen. Bloß keinen Autor heiraten! Die sind wahlweise unglücklich, also von Selbstzweifeln zerfressen, oder im Höhenflug. Am Anfang denkste dir, das ist jetzt halt wegen dem Debüt, aber nee, das bleibt. Widerlich. Also: Hier laufen ja einige Lektoren rum. Ich muss los!“

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„Christina ist schon bevor sie das Diplom machte, mit ihrem Lebensgefährten an den Bodensee gezogen, um dort als Köchin in der Natur- und Wildnispädagogik zu arbeiten.“

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„All die kleinen Szenen, Begegnungen und Selbstdarstellungen des Publikums erinnern mich an Filme von Federico Fellini (1920-1993). Die ganze Kleidungsästhetik der Besucher ist später Fellini. Die Paletten sind Fellini, die alten Sofas, die ewige Sonne, die Gespräche, die Musik, das Herumstreunen und Herumschleichen – alles Fellini!“ [Autor Hanns-Josef Ortheil, 65; Gründer des Hildesheimer Studiengangs Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus]

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„Wir gehen durch, wir gehen ins Foyer, zur Veranstaltungstabelle, zum Kiosk, durch den Flur zur Mensa. Die Lesung hat noch nicht angefangen.“

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„Wir gehen raus auf den Schulhof. Wir gehen hoch, wir gehen in den Litroom. Wir gehen durch. Wir gehen auf den Schulhof. Diesmal andersrum. Wir gehen zur Mensa.“

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„2014 feiern wir PROSANOVA in einer leerstehenden Schule. In einer Schule, denke ich, ausgerechnet in einer Schule und schon denke ich Foucault, denke Überwachen und Strafen.“

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„Wir erfahren: in der Hauptschule am Alten Markt sind die ersten Mobbing-Videos Deutschlands entstanden.“

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„In dieser Schule wird getrunken, gefeiert und gevögelt werden. Die unsportlichen Bücherwürmer von früher haben sich zu Organisatoren der Maßlosigkeit entpuppt. […] Es geht darum, Jungautoren so sehr abzufüllen, dass man ihnen die Haare beim Kotzen halten wird.“

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„Marina und ich haben berechnet, dass wir ungefähr 10.000 Klopapierrollen bei Metro kaufen müssen, Marina will von allen Sachen 1000 kaufen, weil sie 1000 liebt.“

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„Wir arbeiten per Hotspot, weil der Techniker von der Telekom, der uns am Mittwoch das Internet bringen sollte, am Festivalgelände kein Klingelschild mit ‚BELLA triste‘ gefunden hat.“

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„Ich sehe zukünftigen Bachmannpreisträgern beim Aufbau einer Bühne zu.“

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„Auf wen oder was freust du dich am meisten?“ – „Tilman Rammstedt. Ich hoffe, ich darf ihn vom Bahnhof abholen.“

 

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„Ich nicke Thomas Klupp zu, ich grinse Helene Bukowski an, ich nicke Benjamin Quaderer zu, ich zwinkere Fiona Sironic zu, ich nicke Stefan Vidovic zu, ich grüße Florian Stern mit Handschlag, ich nicke ihm zu, ich lächle Katrin Zimmermann an, ich schlage mit Alina Rohrer ein, ich winke Fabian Hischmann zu, ich winke ab, ich schüttele den Kopf, ich lasse ihn hängen, ich nicke Ferdinand Schmalz zu.“

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„Auf einer der Holzbänke ist eine Frau ganz in einen E-Book-Reader versunken. Ich glaube, sie ist die erste Person, die ich auf PROSANOVA abseits der Bühnen lesen sehe.“

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„Dass so viele Ehemalige da sind, ist der beste Beweis dafür, dass die Hildesheimer Literatenschule keine bloße Schule ist. Sie ist eine Atmosphäre, eine biografische Heimat, eine Zeit- und Raum-Insel von großer Schönheit.“ [Ortheil]

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„Kai sagt, die alte Intimität sei wieder da, die Intimität von PROSANOVA 2005. Lagerfeuer, dicht zusammen sitzen, horchen und flüstern“

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Komme ich mit dem, was hier geboten wird, irgendwie zurecht oder weiter?, fragen sich die Alumni. „Einige genießen auch die Nostalgie der Rückkehr. Für sie ist Hildesheim jetzt eine leicht berührende Erinnerungsarbeit.“ [Ortheil]

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„Seit über zehn Jahren sind Paul Brodowsky, Thomas Klupp und Claudius Nießen der Schreibschule treu. Thomas umschifft elegant die unangenehmen Themen (Kesslerdebatte, Konkurrenzdruck, Vetternwirtschaft), er strahlt ins Publikum: Schreibschule, das sind warme, vereinende Strahlen der Liebe.“

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„Weil doch derzeit nichts Schwachsinnigeres und Dümmeres in unseren Feuilletons grassiert als die Schreibschulverdammnis: Unrecherchiert. Phrasenhaft. Reiner Feuilletonmüll. Und leider stimmt auch in der Polemik unseres geliebten Flo Kessler, den Hildesheim aufgezogen, genährt und gepäppelt hat (bis es ihm zuviel werden musste und er das Zuviel ausgekotzt hat) kaum etwas.“ [Ortheil]

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„Leif Randt liest von einem Planeten und der Universität dort, und lässt wie gewohnt alles in der Schwebe“

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„Jeder ist eingeladen, aber nur ganz bestimmte Leute kommen dann auch.“ [Ortheil]

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„Christian Kracht kommt dieses Mal nicht zu PROSANOVA, weil er in Afrika wohnt“

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„Talent ist Verpflichtung.“ [Ortheil]

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Seit 2005 findet PROSANOVA alle drei Jahre statt:

2005 war ich Student und Praktikant, 2008 Mitglied der Künstlerischen Leitung, 2011 zum ersten Mal seit drei Jahren als Besucher zurück in der Stadt, 2014 moderierte ich ein Gespräch mit Kathrin Passig.

Auch 2017 bin ich da, und schreibe/blogge u.a. für die Festival-Dokumentation.

Nach jedem PROSANOVA-Festival erscheint ein Buch mit Snapshots, Szenen, Poetik- und Journalismus-Texten. Alle obigen Zitate sind nicht von mir, sondern von Imke Bachmann, Ronja von Rönne, Florian Stern, Michael Wolf und Juli Zucker, erschienen in „Prosanova 4. Ein Kommentar“, herausgegeben von Florian Stern und Hanns-Josef Ortheil, Edition Paechterhaus, 2015. Hier bestellen.

Leseprobe: Link

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Video von mir, zur Arbeit an PROSANOVA 2008:

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Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus: die besten Bücher aus der „Schreibschule“ Hildesheim

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Von 2003 bis 2008 studierte ich Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim:

eine trostlose Stadt – aber ein gutes Studium.

Pro Jahr bestehen 10 bis 15 Studierende die Aufnahmeprüfung und kommen – oft direkt nach dem Abitur – in die Stadt. Etwa fünf Jahre später schreiben sie eine Abschlussarbeit: manchmal ein wissenschaftlicher oder journalistischer Text. In vielen Fällen aber: ein Debütroman. Viele dieser Titel werden später in Verlagen veröffentlicht – und ich lese vier, fünf von ihnen pro Jahr.

ab.hier.kultur, das Alumni-Netzwerk des Hildesheimer Fachbereichs Kulturwissenschaften, bat mich im Sommer 2016, persönliche Favorien und Empfehlungen auszusprechen: Bücher von (Ex-)Kommilitoninnen, die ich mochte und empfehlen kann. Die Texte erschienen in „Kultur 16!“, der Zeitschrift des Netzwerks. [Ein anderer Artikel von mir, ebenfalls fürs Netzwerk, von 2013: Link.]

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Hildesheimer Namen auf Buchcovern

Seit dem Ende der 90er Jahre sind über 50 Bücher von jungen Autorinnen und Autoren, die in Hildesheim studiert haben, in großen Verlagen erschienen. Literaturkritiker Stefan Mesch stellt fünf persönliche Favoriten vor.

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Nora Wicke: „Vierstromland“.

Roman, 320 Seiten, Müry Salzmann 2014.

Ein solcher Tonfall, ein solches Thema misslingt fast immer: Eliza zieht nach Berlin. Bisher lebte sie mit ihrer großen Schwester in einem Internat bei Amsterdam, ihre Mutter hat eine junge Geliebte in Paris, ihr Vater eine neue Frau und weitere Kinder. Zwei ältere Zwillingsbrüder leben in Rumänien, bei den Großeltern. Nora Wicke lässt eine heimatlose Frau aus einer oft abweisenden, verstreuten Großfamilie mit serbischen, rumänischen und deutschen Wurzeln durch Europa reisen, jahrelang: Nebenjobs, Kälte, vorsichtige Briefe und Annäherungen. Ein leiser, melodischer, manchmal schleppender Roman über Europa – schwermütig, klug, fast nie kitschig.

Buch bei Goodreads (Link)

Vierstromland

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Sabrina Janesch: „Tango für einen Hund“.

Roman, 303 Seiten, Berlin Verlag 2014.

Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ blieb mir lange im Gedächtnis – auch, weil so viele Szenen, Einzelteile wie spitzes, ungeschliffenes Metall aus den Kapiteln stechen. „Tango für einen Hund“ ist ein glatteres, schnittigeres Buch – etwas seichter und weniger markant. Doch dafür so stimmig und professionell wie nichts anderes, das ich von Hildesheimern kenne: ein prima Jugendbuch, charmante Unterhaltung, ein wunderbar rundes Ding! Es geht um Weichei Ernesto, der seine Sommerferien in der Lüneburger Heide verschwendet, bis sein etwas dementer, energischer Onkel aus Argentinien einen Roadtrip durch die Pampa Niedersachsens anzettelt. Warmherzig, witzig, mit überzeugendem Ich-Erzähler. Und, versprochen: keine „Tschick“-Kopie.

Buch bei Goodreads (Link)

Tango für einen Hund

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Jan Fischer: „Ready. Wie ich mit digitalen Spielen erwachsen wurde“.

Autobiografisches Essay, 52 Seiten, Hanser 2016. [nur als E-Book]

Jan gehört zu meinen besten Freunden. Doch richtig nah kommen wir uns selten: Er traut sich als Kulturjournalist oft an die schwersten oder absurdesten Themen. Nur über eigene Ängste spricht er kaum. Wie großartig, dass ausgerechnet hier – in einem 50-Seiten-E-Book über die Mainstream-PC- und Videospiele der 80er, 90er, 00er Jahre – kluge Erinnerungen und Emotionen so viel Raum einnehmen: Jan schreibt, was ihn als Kind an Spielen reizte. Wie sie helfen. Womit sie faszinieren. Experten und Hardcore-Gamer werden Vieles kennen. An einigen Stellen: zu viel Pathos. Doch selbst, wer kein Interesse an Spielen hat, liest Jans Erinnerungen mit Gewinn: kulturwissenschaftliche Beobachtungen – leidenschaftlich, nah, verständlich.

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Ready

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Anne Köhler: „Nichts werden macht auch viel Arbeit. Mein Leben in Nebenjobs“.

Autobiografische Kolumen, 144 Seiten, Dumont 2010.

2015 veröffentlichte Anne Köhler einen Roman über eine junge, unglückliche Köchin in Hildesheim – der mich sehr langweilte: Mir war diese Hauptfigur zu zweifelnd, fade, flau. Besonders, weil Annes erstes Buch (2010) eine geisteiche, komplexe, viel liebenswertere Heldin hatte: Anne Köhler! Für jetzt.de schrieb Anne eine Kolumne über alle Nebenjobs, Praktika und bezahlten Projekte ihres Lebens. Wie viele Hildesheimer hatte sie Angst, alles nur oberflächlich zu wissen, zu wenig richtig zu beherrschen. Ihre Textsammlung hinterfragt diese Angst, bleibt aktuell, macht Mut – und empfiehlt sich besonders als Geschenk für Eltern oder Freunde, die nur geradere Lebenswege und Karrieren kennen. Leichte Texte. Schlaue Thesen!

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Nichts werden macht auch viel Arbeit : Mein Leben in Nebenjobs

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Funny van Money: „This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey. Auf Tabledance-Tour durch die Republik“.

Autobiografisches Sachbuch, 224 Seiten, Hanser Berlin 2012.

(Taschenbuch-Ausgabe 2014 bei Piper, mit neuem Titel: „Wie ich auszog, mich auszuziehen“.)

Um ihr Hildesheimer Kuwi-Studium zu finanzieren, tanzt Funny in einer Rotlicht-Bar in Hannover, nackt. Danach macht sie Diplom – mit einer kulturwissenschaftlichen, feministischen Selbstbeobachtung ihrer Rolle als Pole-Dance-Girl. Wer Spaß- und Comedy-Kolumnen sucht, wird hier enttäuscht: Funny schreibt auf hohem Niveau, häuft akademische Konzepte und Anglizismen. Stellenweise formuliert sie nerdy und verblasen wie ein Gender-Experte in der Spex. Trotzdem ist ihr Experiment so interessant, ihre Beobachtungen so originell, überraschend, kritisch, dass ich das Buch dauernd verschenken will. An jeden, der bei Sex-Workern nur an dümmliche Opfer denkt. Und bei Hildesheim nur an Bürgerlichkeit und Anpassung.

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This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey

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[Ich mochte auch Juan Guses „Lärm und Wälder“ und Leif Randts „Schimmernder Dunst über CobyCounty“]

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Stefan Mesch, geboren 1983 bei Heidelberg, studierte von 2003 bis 2008 Kreatives Schreiben in Hildesheim. Er lebt und arbeitet als Autor und freier Journalist für u.a. Deutschlandradio Kultur und ZEIT Online in Berlin und schreibt an seinem ersten Roman, „Zimmer voller Freunde“.

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Die besten Bücher 2017: erste Favoriten und Empfehlungen

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angelesen und gemocht: [Update – 12 Bücher ab Sommer 2017, mehr hier]

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neue Bücher 2017 Colson Whitehead, Mariana Leky, Geoffrey Household.png

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Colson Whitehead: “Underground Railroad” (Hanser, 21.8. – Deutsch von Nikolaus Stingl) “Cora ist eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Da hört sie von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk. Über eine Falltür beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?”

Mariana Leky: “Was man von hier aus sehen kann” (Dumont, 18.7.) “Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt.”

Geoffrey Household: “Einzelgänger, männlich” (Kein & Aber, 5.9. – Deutsch von Michel Bodmer) “Europa Anfang der Dreißigerjahre: Ein Jäger schleicht sich auf das Anwesen eines gefürchteten Diktators, legt an und zielt. Ein unvorstellbar spannender Thriller, geschrieben aus der Sicht des Verfolgten.” [Klassiker von 1939]

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neue Bücher 2017 Gael Faye, Betty Smith, Tom Drury

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Gael Faye: “Kleines Land” (Piper, 2.10. – Deutsch von Brigitte Große, Andrea Alvermann) “Als Kind pflückte Gabriel in Burundi mit seinen Freunden Mangos von den Bäumen. Heute lebt er in einem Vorort von Paris. Dorthin floh er, als der Bürgerkrieg das Paradies seiner Kindheit zerstörte. Doch er muss noch einmal zurück.”

Betty Smith: “Ein Baum wächst in Brooklyn” (Suhrkamp/Insel, 23.10. – Deutsch von Eike Schönfeld) “Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin – und möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der im bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten.” [Klassiker von 1944.]

Tom Drury: “Grouse County” (Sammelband einer Romantrilogie, ich las und mochte “Die Traumjäger”; 5.8. – Deutsch von Gerhard Falkner, Nora Matocza) “Irgendwo im Mittleren Westen: Das Leben der Menschen zerbröckelt langsam, alle jagen unrealistischen Träumen nach – und sind Dorn im Auge des örtlichen Sheriffs, Dan Norman, der die Harmonie in seinem County wahren will. Die jüngere Generation sieht dagegen nur einen Ausweg, dem ländlichen Mief zu entkommen: nie mehr zurückkehren. Der Band enthählt die drei Romane »Das Ende des Vandalismus«, »Die Traumjäger « und den bisher auf Deutsch unveröffentlichten Roman »Pazifik«.”

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neue Bücher 2017 Tim Winton, Margaret Atwood, Elena Lappin

Tim Winton: “Inselleben. Mein Australien” (Luchterhand, 24.7. – Deutsch von Klaus Berr) [Ich glaube, das ist der schwülstigste, unfreiwillig komischste Klappentext, den ich dieses Jahr las. Winton selbst schreibt zum Glück nicht halb so… pfaffenhaft.]

Margaret Atwood: “Aus Neugier und Leidenschaft. Gesammelte Essays [bis 2005]” (Berlin Verlag, 13.10. – Deutsch von Christiane Buchner, Claudia Max, Ina Pfitzner) ” Rezensionen zu John Updike und Toni Morrison; ein Afghanistan-Reisebericht, der zur Grundlage für den ‘Report der Magd’ wurde, leidenschaftliche Schriften zu ökologischen Themen, Nachrufe auf einige ihrer großen Freunde und Autorenkollegen…”

Elena Lappin: “In welcher Sprache träume ich?” (Kiepenheuer & Witsch, 7.9. – Deutsch von Hans Christian Oeser) “Hineingeboren ins Russische, verpflanzt erst ins Tschechische, dann ins Deutsche, eingeführt ins Hebräische und schließlich adoptiert vom Englischen – jede Sprache markiert einen neuen Lebensabschnitt in der Familiengeschichte Elena Lappins: Fragen nach Heimat, Identität, Judentum und Sprache. Sensibel geht sie den Erzählungen, Lebenslügen und Geheimnissen der Eltern und Großeltern nach und schildert, was es heißt, mit gleich mehrfach gekappten Wurzeln zu leben und auch nach dem Verlust einer Muttersprache schreiben zu wollen.”

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neue Bücher 2017 Benjamin Alire Saenz, Guy Gavriel Kay, James Corey

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Benjamin Alire Saenz: “Die unerklärliche Logik meines Lebens” (Jugendbuch, Hanser bei Thienemann, 19.8. – Deutsch von Uwe-Michael Gutzschhahn) “Sich gegenseitig auffangen – das haben Sal und seine beste Freundin Samantha bisher immer geschafft. Doch gelingt das auch, wenn alles droht, auseinanderzubrechen? Das letzte Schuljahr stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Sam gerät an einen miesen Typen, während Sal verzweifelt versucht, nicht zu einem zu werden.”

Guy Gavriel Kay: “Am Fluss der Sterne” (Fantasy, spielt 400 Jahre nach “Im Schatten des Himmels”, Fischer TOR, 26.10. – Deutsch von Ulrike Brauns) “Einst galt Xi’an als schönste Stadt der zivilisierten Welt, der Kaiserhof als Hort des Luxus und der Kultur. Doch seit Kitai in weiten Teilen an die Barbaren aus dem Norden gefallen ist, herrscht Angst auf den Straßen, und das Heulen der Wölfe hallt durch verfallene Gemäuer.”

James Corey: “Babylons Asche” (Science Fiction, Band 6 der “The Expanse”-Reihe, Heyne, 13.6. – Deutsch von Jürgen Langowski) “Die Menschheit hat das Sonnensystem kolonisiert. Auf dem Mond, dem Mars, im Asteroidengürtel und noch darüber hinaus gibt es Stationen und werden Rohstoffe abgebaut. Doch die Sterne sind den Menschen bisher verwehrt geblieben. Als der Kapitän eines kleinen Minenschiffs ein havariertes Schiff aufbringt, ahnt er nicht, welch gefährliches Geheimnis er in Händen hält – ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird.”

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CHRIS KRAUS, „I love Dick“ (Matthes & Seitz, 30. Januar. Deutsch von Kevin Vennemann.)

FLURIN JECKER, „Lanz“ (Nagel & Kimche, 20. Februar)

DON CARPENTER, „Freitags bei Enrico’s“ (Klett-Cotta, 8. April. Deutsch von Bernhard Robben.)

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TREVOR NOAH, „Farbenblind“ (Blessing, 6. März. Deutsch von Heike Schlatterer.)

ROBERT GERWARTH, „Die Besiegten. Das blutige Ende des ersten Weltkriegs“ (Siedler, 23. Januar. Deutsch von Alexander Weber.)

MURRAY SHANAHAN, „The Technological Singularity“ (Matthes & Seitz, 27. Februar. Deutsch von Nadine Miller.)

SIDDHARTHA MUKHERJEE, „Die Gene. Eine sehr persönliche Geschichte“ (S. Fischer, 24. Mai. Deutsch von Ulrike Bischoff.)

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deutschsprachige Literatur:

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ANNA KIM, „Die große Heimkehr“ (Suhrkamp, 16. Januar)

KRISTINA PFISTER, „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten“ (Klett-Cotta, 11. Februar)

NATASCHA WODIN, „Sie kam aus Mariupol“ (Rowohlt, 17. Februar)

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GERHARD HENSCHEL, „Arbeiterroman“ (Hoffmann & Campe, 17. Februar)

LUISE MAIER, „Dass wir uns haben“ (Wallstein, 27. Februar)

ANKE STELLING, „Fürsorge“ (Verbrecher Verlag, 28. Februar)

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KERSTIN PREIWUSS, „Nach Onkalo“ (Berlin Verlag, 1. März)

MASCHA DABIC, „Reibungsverluste“ (Edition Atelier, 1. März)

STEPHAN LOHSE, „Ein fauler Gott“ (Suhrkamp, 6. März)

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NIAH FINNIK, „Fuchsteufelsstill“ (Ullstein, 7. April)

ENNO STAHL, „Spätkirmes“ (Verbrecher Verlag, 18. April)

CHRISTOPH SCHULTE-RICHTERING, „32 Tage Juli“ (Rowohlt Berlin, 22. April)

SVENJA GRÄFEN, „Das Rauschen in unseren Köpfen“ (Ullstein, 12. Mai)

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internationale Literatur, neu auf Deutsch:

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HANYA YANAGIHARA, „Ein wenig Leben“ (Hanser Berlin, 30. Januar. Deutsch von Stephan Kleiner.)

GUSEL JACHINA, „Suleika öffnet die Augen“ (Aufbau, 17. Februar, Deutsch von Helmut Ettinger.)

MAURIZIO TORCHIO, „Das angehaltene Leben“ (Zsolnay, 20. Februar, Deutsch von Annette Kopetzki.)

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GONZALO TORNÉ, „Meine Geschichte ohne dich“ (DVA, 6. März. Deutsch von Petra Strien-Bourmer.)

MILJENKO JERGOVIC, „Die unerhörte Geschichte meiner Familie“ (Schöffling, 8. März. Deutsch von Brigitte Döbert.)

KIM THUY, „Die vielen Namen der Liebe“ (Kunstmann, 8. März. Deutsch von Andrea Alvermann, Brigitte Große.)

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CARSTEN JENSEN, „Der erste Stein“ (Knaus, 13. März, Deutsch von Ulrich Sonnenberg.)

LUKE KENNARD, „Transition: Das Programm“ (Droemer, 3. April. Deutsch von Karl-Heinz Ebnet.)

OLIVIA SUDJIC, „Sympathie“ (Kein & Aber, 7. April, Deutsch von Ann-Christin Kramer.)

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VAL EMMICH, „Die Unvergesslichen“ (Droemer, 2. Mai. Deutsch von Eva Bonné.)

FRANCESCA SEGAL, „Ein sonderbares Alter“ (Kein & Aber, 5. Mai, Deutsch von Anna-Nina Kroll.)

AE-RAN KIM, „Mein pochendes Leben“ (Cass, Deutsch von Sebastian Bring.)

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Comics:

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HAMID SULAIMAN, „Freedom Hospital“ (Hanser Berlin, Kai Pfeiffer.)

GUY DELISLE, „Geisel“ (Reprodukt, 1. März. Deutsch von Heike Drescher.)

DANIEL CLOWES, „Patience“ (Reprodukt, 1. März. Deutsch von Jan Dinter.)

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Sachbuch: 

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ILIJA TROJANOW, „Nach der Flucht“ (S. Fischer)

BETTINA STANGNETH, „Lügen lesen“ (Rowohlt, 23. Juni)

TALI SHAROT, „Die Meinung der anderen“ (Siedler, 9. Mai. Deutsch von Susanne Kuhlmann-Krieg.)

JOACHIM RADKAU, „Geschichte der Zukunft“ (Hanser, 30. Januar)

MOHAMED AMJAHID, „Unter Weißen“

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gelesen:

RACHEL KUSHNER, „Telex aus Kuba“ (Rowohlt, 22. April. Deutsch von Bettina Abarbanell.)

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Links zu den (v.a. Belletristik-) Vorschaukatalogen für Frühling/Frühjahr/erstes Halbjahr 2017…

…der meisten größeren deutschsprachigen Verlage.

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Albino | Antje Kunstmann | Atlantik | Aufbau | Berenberg | Berlin Verlag | Blessing | Blumenbar | Braumüller | btb | C.H. BeckDiogenes | Dörlemann | Droemer Knaur | Dumont | dtvDVA | Edition Atelier | Edition Büchergilde | Edition fotoTAPETA | Edition Nautilus | Galiani | Goldmann | Guggolz | Hanser | Hanser Berlin | Hoffmann und Campe (und das neue Imprint Tempo) | Insel | Jung und Jung | Kein & Aber | Kiepenheuer & Witsch | Klaus Wagenbach (n/a) | Klett-Cotta (und Imprint Tropen) | KnausKremayr & Scheriau | Liebeskind | List | Louisoder |  Luchterhand | LuftschachtManesse | Matthes & Seitz | Mikrotext | Nagel & KimchePenguin | PiperPolar Verlag | Reclam | Reprodukt (Comics) | Rowohlt; und Rowohlt BerlinS. Fischer | SchöfflingSiedlerSuhrkamp | Ullstein (und das neue Imprint Ullstein Fünf) | Verbrecher Verlag | Voland & Quist | WallsteinWeidleZsolnay/Deuticke

Danke an Ilja Regier, der Mitte 2016 eine ähnliche Liste erstellte, für die Herbst-Novitäten.

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‚wie von selbst‘ – Prosa für #fil15, das Orbanism-Festival (Berlin), Stefan Mesch & Felicitas Pommerening

Felicitas Pommerening, Stefan Mesch auf der 'Leizpig küsst Berlin'-Lesung im Raum B, Berlin - Foto: Sophie Sumburane

Felicitas Pommerening, Stefan Mesch auf der ‚Leizpig küsst Berlin‘-Lesung im Raum B, Berlin – Foto: Sophie Sumburane

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Am 28. und 29. November 2015 setzt das Kulturfestival Orbanism: Falling in Love 2015 Zeichen für eine offene Kultur. Organisiert von Christiane Frohmann und Leander Wattig lesen, diskutieren, performen, sprechen, feiern Künstler*innen, Autor*innen, Kulturschaffende und Interessierte an über 20 Orten in Berlin.

Zur Festivaleröffnung, am 27. November, habe ich bei Christiane Frohmanns „Katersalon“-Reihe im Kater Blau über Sehnsuchts-Figuren, Traumfrauen und -Männer, Projektionsflächen und Pornografie bei Tumblr gesprochen. Ich mache eine Druckversion des Vortrags fertig – für den Blog von Edel & Electric, im Dezember.

Am 28. November las ich Prosa/eine… Erzählung (?) in der Lese- und Performancereihe „Leipzig küsst Berlin“, veranstaltet von Sarah Berger (Twitter: @milch_honig) und Sebastian van Roehlek (Twitter: @van_roehlek).

Ich schreibe selten Erzählungen/Kurzgeschichten

…und habe, passend zum „Orbanism“-Konzept, in diesem Text etwas Anderes, Neues probiert.

(Auflösung/Erklärung/Kontext weiter unten.)

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fil15 wie von selbst .

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wie von selbst

von Stefan Mesch, 2015

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1:

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„Ich glaube nicht, dass wir noch Freunde sein können.“

Sie schwiegen eine Weile. Fin setzte sich neben sie. Auf Augenhöhe.

Auf der Bühne lud der Galerist jetzt ein, durch die Ausstellung zu gehen. Wieder wurde geklatscht. Langsam lösten sich Menschen vom Podium, verteilten sich im Raum.

„Wenn du jemanden brauchst, kann ich zu dir kommen. Ich will nicht, dass du das allein durchmachst.“

Wollte er ihr bei ihrem Liebeskummer beistehen? Liebeskummer über ihn?

„Tut mir leid, dass ich weg bin. Ich wollte anrufen, aber wusste nicht, was ich sagen soll.“

Durch die offene Tür konnte sie Menschen sehen; versuchte, das als beruhigend zu empfinden. Sie wusste nicht, ob sie traurig sein sollte. Fin fasste sich an die Stirn, legte die Hand in den Nacken.

„Ich muss kurz weg.“

In wenigen Minuten würde sich die Tür auch für nicht geladene Gäste öffnen.

„Ich habe da zu viel reingesteckt, Fin – da hängen auch andere dran. Wir machen das jetzt! Danach können wir reden.“

Er räusperte sich. Lief zum Galeristen am Sektausschank, beugte sich herunter. Sagte ein paar Worte.

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2:

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„Warum habt ihr euch getrennt?“

Leila sah zu Marie. Sprach von ihrer eigenen Kindheit, Jugend, von ihren Plänen und Träumen, die sich auch nicht erfüllt hatten. Sie fand, das sei normal. Marie war nicht sicher, was sie traurig machte. Ihre Vergangenheit? Erinnerungen? Das, was aus ihr geworden war?

„Alles okay?“ Leila legte den Arm um ihre Schulter. Marie konnte nichts sagen.

„Als meine Schwester draußen stand und gehänselt wurde, war ich drinnen in der Kirche und habe meiner damals besten Freundin selbstgemachten Schmuck gezeigt. Wir haben überlegt, mit welcher Kette ich wohl besser aussähe. Ich hätte draußen sein, mich vor meine Schwester stellen sollen.“

Draußen wies nichts mehr darauf in, dass vor einer Woche noch Schnee gelegen hatte.

„Du hast eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Ein Jahr lang. Du machst alles nach Bauchgefühl!“

„Im Urlaub hast du gesagt, das sei toll an mir. Du hast gesagt, ich soll nicht so anspruchsvoll sein.“

„Du willst mir nicht erklären, dass du meinetwegen mit dem zusammen bist?“

Sie lief zum Sessel; stellte sich dahinter – als bräuchte sie ein Bollwerk.

Marie stand allein neben dem Esstisch.

Kurz danach fiel die Wohnungstür ins Schloss. Fin kam ins Zimmer. „Kann ich mit dir reden?“

„Du hast keine Ahnung, auf was für Dinge sich Frauen einlassen, aus Blindheit. Ahnungslosigkeit. Verliebtheit. Ich finde, wir leben in einer Zeit, in der man sich immer neu erfinden kann.“

Marie musste an die Mädchen denken, die zu Schulzeiten verkündet hatten, bestimmt eine Drei geschrieben zu haben. Nur um dann eine Eins zu bekommen und überrascht zu tun.

Er hatte ein blaues Hemd übergezogen. Sie hatte vor Monaten gesagt, wie gut er darin aussah. Jetzt konnte sie keine Haltung finden. Sie traten auseinander.

„Ich geh mal…“, sagte sie. Er nickte. Sie lief an ihm vorbei.

„Ich habe mir vorgenommen, ehrlich zu sein.“

„Ehrlichkeit ist das ungeliebte Stiefkind der Wahrheit. Verschwiegenheit mag sie lieber. Das lässt sie besser aussehen.“

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3:

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Ann stand an der Arbeitsplatte, schlug ein Ei auf. „Das ist die Essigreduktion. Für die Soße.“

„Machst du ein Chutney?“

„Nein. Sauce bernaise“. Sie ließ den Inhalt von einer Hälfte der gebrochenen Schale in die andere rutschen. Etwas musste schiefgegangen sein. Marie wollte irgendwie die Situation verändern.

„Es ist alles ein bisschen viel im Moment. Beim Tennis kann man nicht nachdenken. Hat Salzmann immer gesagt, beim Training. Uns interessiert nur der Ball, der jetzt kommt. Kein Gestern und kein Morgen. Ich habe so viel nachgedacht. Am liebsten würde ich Tennis spielen gehen.“

„Was ist mit Fin?“

Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Starrte auf den Boden. Farbige Orientierungsstreifen liefen auf ihm entlang: Gelb in die Chirurgie, Rot in die Kinderklinik, Blau irgendwo anders hin. Sie hatte sich geduscht, die Zähne geputzt, Haare geföhnt, sich angezogen. Sie hatte gegrüßt, sich gesetzt, ihren PC hochgefahren und Kaffee geholt, sie hatte Mails gelesen, gelöscht, beantwortet und archiviert. Jetzt ging sie an ihr Fach, holte ihre Post. Wichtige Infos rechts, Werbung direkt in den Müll. Wie eine Maschine.

„Du siehst fertig aus. Warum humpelst du?“

„Ich bin umgeknickt. In eine Pfütze getreten.“

Sie wollte sich nicht hinsetzen. Woher nahm sie den Optimismus, dass alles gut enden würde?

Fins Wohnung war nur um die Ecke von hier. Sie wollte nicht nach Hause. Sie wollte zu ihm.

Neben dem Regal hingen Masken an der Wand. Wo andere den Fernseher hätten, hing ein Kruzifix. Vor sich sah sie ein hohes Regal mit Klassikern und Sachbüchern. Der Spiegel. Die FAZ. Draußen fing es an zu regnen.

„Das wird den Schnee wegspülen.“

„War doch eh nur Matsch hier in der Stadt.“

Sie humpelte in den Flur. Zum Glück wohnte er im Erdgeschoss.

Sie saß in der U5 stadtauswärts. Handläufe. Sichelförmige Sitzreihen aus hellem Holz. Man konnte sich vorstellen, ganz woanders zu sein. Morgen nach der Sitzung würde Martina fragen, ob sie mit nach Berlin kommen würde. Sie hatte keine Ahnung, was sie antworten sollte.

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4:

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Fin nahm einen Stein vom Boden. Seine Daunenjacke machte unglaublichen Lärm. Er hatte sie überrascht.

Und er sah plötzlich anders aus. Alles, was er sich für die Zukunft überlegt hatte, war vom Tisch. Sie knöpfte den Stehkragen zu. Igendwann würde er seinen Ärger überwinden. Ihr helfen, aufzustehen. Und dann?

Sie lief ihm hinterher, blieb aber kurz vor der Tür stehen.

„Es tut mir leid“, sagte er. Merkte gleichzeitig, dass das nicht stimmte.

„Du möchtest nur das Kind. Du willst ja nicht mit mir zusammen sein.“

Fin guckte in den Raum.

„Ich habe nachgedacht.“ Hinter ihm lagen Blaupausen – der Grundriss. Daneben der Kaufvertrag und alle Gutachten, die er hatte kriegen können. Er hatte einen Tapeziertisch aufgestellt. Sie lief herum, sammelte ihre Sachen.

Vorsichtig drückte sie gegen die gläserne Tür. Sie war offen und gab sofort nach.

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5:

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Wenn sie mit dem Kopf woanders war, las sie zwar Text, aber nahm nichts auf. Sie hatte über die Haarmasse im Abfluss, über Milch und Einkäufe, volle Mülleimer, Pfandflaschen nachgedacht – und plötzlich stöhnte er laut und hilflos, hörte auf, sich zu bewegen.

Sie warf einen Seufzer in den Raum, um nicht unbeteiligt zu wirken.

Nach den Feuerwerken hatte Leila sich verabschiedet. Sie war enttäuscht vom Abend. Seit einer halben Stunde wurden die Böller draußen lauter.

„Ich war ein halbes Jahr in Quito“, sagte Lukas.

„Ecuador?“, fragte sie, als wisse sie das nicht.

„Um Leuten beim Umgang mit Kleinkrediten zu helfen.“

Sie spielte das Mädchen. Lukas hatte gesagt, er würde auf der ersten Party zu ihr und Leila stoßen. Er hielt Wort. Seit drei Stunden hielt er Wort.

„Hier ist gerade so viel in der Schwebe. Und wenn ich gehe, ist das alles weg.“ Sie malte mit der Fußspitze einen Halbkreis.

„Du… bleibst also.“

Sie steckte die Hände in die Taschen. Sie würde bleiben. Wohl wegen ihm. Oder nicht? Eine Weile liefen sie stumm weiter, vorbei an Einfamilienhäusern.

Wie von selbst bogen sie nach links.

„Das können auch Autisten: für jede soziale Interaktion den passenden Satz lernen und ihn dann runterrattern. Ich biete dir eine Hyposensibilisierung. Wie diese Spritzen bei Heuschnupfen. Bis du immun wirst – und deine Allergie verlierst.“

Auf der Straße war nichts los. Er klatschte in die Hände, als gäbe es jetzt Holz zu hacken.

Schon war Van Morrison weg, stattdessen sangen Tegan und Sara Where does the Good go – ohne den nervigen Teil in der Mitte. Dann kam Creed ohne Gitarrensolo. Maroon 5 ohne Rap-Einlage. Beethovens Neunte ohne die ersten siebenundfünfzig Minuten. Der Übergang klang gut. Finn hatte sich Mühe gegeben.

Auf dem Stick ist Musik. Ein Soundtrack für dein Leben. Lieder, von denen du gesagt hast, sie wären perfekt, wenn nicht der Refrain, wenn nicht das Ende… aus jedem Lied habe ich das, was du schlecht findest, rausgeschnitten. Ich wünschte, ich könnte das mit deinem Leben machen.

Marie zog das Post-it ab. Noch bevor sie den Absender sah, erkannte sie die Handschrift. Sie setzte sich auf den Boden, direkt im Flur.

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6:

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Lukas trug ein weißes Hemd und einen Pullunder, dazu eine Anzughose, Herrenschuhe. Wieder kam er ihr erwachsen vor und sie sich klein. Sie trafen sich im Rischart am Marienplatz.

Was wäre die Alternative? Jetzt nur noch Baby, Baby? Kein Partner mehr – bis das Kind aus dem Haus war?

„Wie geht es dir?“

Sie wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie machte den Mund auf und wieder zu.

Die Wohnung lag still vor ihr. Ihr wurde sofort heiß in Winterjacke, Schal und Mütze. Der Wind pfiff über den Bahnsteig. Im Zug schloss sie die Augen. Im Winter war es noch schwieriger, hier auszusteigen. Das Gleis, die Berge in der Ferne. Zu wissen: Hier fängt das an. Verena war nach Osnabrück gefahren, Leila nach Köln, Fin in die Berge.

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7:

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„Wenn du magst, kann ich dir meine Kytta-Salbe geben“, sagte Ann. „Ist so was Pflanzliches, wie Arnika.“ Die Jungs, die mit Fin am Kamin saßen, blickten hoch. Ann lächelte zu Finn. Sie war schon mehrfach allein für ihren Mund gebucht worden – für Lippenstiftwerbung, Zahncreme, Call-Center-Fotos.

Unter den Carvern knirschte es. Das war die schwierigste Piste des Gebiets, und heute, mit den Wolken vor der Sonne, konnte man die Beschaffenheit des Schnees besonders schlecht erkennen.

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8:

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„Ich will nicht mit Fin zusammen sein. Er hat nichts von dem, was ich in einem Partner suche.“ Verena roch nach Kirsch-Pulmoll, Schurwolle, Allergikerseife. In der Kaffeeküche hing ein Adventskalender.

Sie erstellte Listen, kurze Texte; jedes Szenario.

Wie würden sie das Finanzielle klären? Welchen Nachnamen würde das Kind tragen? Würden sie alle Entscheidungen zusammen treffen? Momentaufnahmen. Ausgebreitete Arme, ein zahnloses Lachen… und jemand im Hintergund. Undefiniert, wie ein Schatten.

„Du solltest den Job annehmen. Du denkst darüber nach, die Sache mit dem Baby zu machen? Statt Berlin?“

Sie war nie gut darin gewesen, jemanden abzuschütteln. Sie holte ihr Handy raus, rief Fin an. Er ging nicht dran.

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9:

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„Fin, ich bin’s“. Eine Frauenstimme. Fin fuhr sich über den Nacken. Vor drei Tagen war er beim Friseur gewesen. Eine normale Herrenfrisur. Da gibt’s jetzt nicht mehr viel zu variieren. Er zog an seinem Pullover, fand keine Position, in der er sich wohlfühlte.

„Man sollte sich überlegen, ob man ein Kind bekommt. Weil das Kind dann da ist. Es wird alles ändern. Für immer. Wenn andere Dinge auf der Strecke bleiben – und das werden sie – muss die Freude am Kind groß genug sein, um zurechtzukommen.“

Schwangere im Supermarkt, Schwangere im Bus. Babys im Kinderwagen, im Tragetuch, auf Schultern, Armen. Fin wurde das Gefühl nicht los, etwas Falsches gesagt zu haben.

„Kein klassisches Familienmodell. Ich finde das nicht schlimm.“

„Aber keine intakte Familie.“

„Wie wirst du es finden, jahrelang aus dem Leben auszutreten? Aus dem Beruf, aus allem?“

„Wir wären kein Paar, wir wären nur Eltern.“

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10:

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Rund um die Holzhütte lagen Pfandflaschen und Werkzeuge. Klaus‘ Parzelle lag am Ende der Anlage und wirkte vergleichsweise unordentlich. Die Sauberkeit der Wege, die Fahnenstangen, Mülltonnen, Hinweisschilder.

„Ich lege jetzt das Handy weg und lösche dich aus meinen Kontakten“, schrieb sie.

Der Bruch, die Einsamkeit. Kein Kampf.

Keine Notwendigkeit, sich klar zu ihr zu stellen.

Vielleicht würden sie sogar noch miteinander schlafen. Er hat keine Versprechungen gemacht. Was kann sie sagen? Welches Recht hat sie, wütend zu sein?

Sie straffte die Schultern. Bekomm halt keine Kinder mit irgendeinem Deppen.

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11:

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„Du glaubst, dass er seine Frau nicht verlassen wird.“

„Nie.“

„Und es nie wollte.“

„Genau.“

Sie las den Text viermal. Dann legte sie das Handy weg. Verena hatte ein Foto ihrer Arbeit im Kinderdorf gepostet. Leila fragte, ob sie auf eine Party wolle. Zwischen den Platanen rannten Kinder hin und her. Versuchten, sich gegenseitig zu fangen. Sie drehte das Autoradio an. Wie viele Tassen Kaffee kann man jemandem bringen?

Vor zwei Jahren war Fin von einem Jeep erfasst worden. Sein rechtes Bein musste mehrfach operiert werden. Er redete nicht viel darüber. Marie faltete die Karten zusammen.

„In meinem Alter sind nur noch Loser allein. Single ist man vor und nach dreißig, nicht mittendrin.“

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12:

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Fin blieb direkt hinter der Tür, Hände in den Hosentaschen, das Gewicht auf beide Beine verteilt. Seit sie ihn kannte, imitierte er Vorbilder, folgte irgendwelchen Vorgaben. Vielleicht sollte sie nach Hause gehen.

„Es war die richigite Entscheidung.“

„Wenn du das sagst.“

„Das sage ich. Wir treffen uns nicht mehr.“

Mit dreizehn ging sie ständig auf Demos, protestierte gegen die Kompetenzerweiterung der Bundeswehr, klebte sich WWF-Sticker auf den Ranzen und wäre bestimmt auch auf den nächsten Kraftwerk-Schornstein geklettert, hätte es in der Umgebung Anlass gegeben.

Sie schrieb für die Schülerzeitung, war Klassen-, später Schulsprecherin, organisierte Projektwochen.

„Jetzt habe ich was zum Drübernachdenken.“

Fin war überrascht, dass sie nicht emotionaler war.

„Ally McBeal ist immer unglücklich. Nein – unzufrieden. Am Ende haben sie das so gedreht, dass sie einfach aufhört, ihr Glück in einer Zweierbeziehung zu suchen. Stattdessen hat sie eine Tochter und sagt, die Leere, die sie immer gefühlt hat, ist jetzt weg. Also braucht sie keinen Mann mehr. Fernsehen halt.“

Fin biss sich auf die Lippe. „Du sagst, du willst Familie. Du sagst, du suchst einen Familienmensch, der nichts über dich und eure Kinder stellen wird. Aber du magst Männer, die intellektuell sind, beruflich erfolgreich, engagiert und interessant.“

„Na und?“

„Möchtest du ein Bier?“

„Hast du noch von deinem Ammoniak?“

Er lachte. „Armagnac. Sofort.“

Sie wollte irgendwohin, wo es ihr besser gehen würde.

Kälte hätte ihr jetzt gut getan, vielleicht sogar Regen, der hätte jetzt gepasst.

Aber nein. Es war natürlich warm.

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Tatsächlich ist mein Text, „wie von selbst“, keine Erzählung.

Sondern ein Cut-Up: ein Schwerpunkt des Orbanism-Festivals / das Thema der „Leipzig küsst Berlin“-#fil15-Lesung war: Remix und Remix-Kultur, und schon seit Wochen haben Künstler*innen auf der Orbanism-Website Texte, Bilder, Filme, Audiodateien zur Verfügung gestellt, aus denen – im Rahmen des Festivals – neue Inhalte entstehen konnten.

Autorin Felicitas Pommerening hat „Freunde fürs Lieben“ zur Verfügung gestellt – einen über 300 Seiten langen Liebesroman, erschienen 2015 im Berlin Verlag:

„Marie und Fin sind beste Freunde. Schon seit der Grundschule. Bei Fin kann Marie sich ausheulen, wenn mal wieder einer ihrer Beziehungsversuche missglückt ist. Und bei Marie kann Fin er selbst sein, und muss sich nicht für seinen Freiheitsdrang rechtfertigen. Sie könnten sich nie ineinander verlieben, und das macht die Freundschaft so perfekt. Doch eines Tages macht Fin einen unglaublichen Vorschlag: Er möchte ein Kind haben, ohne sein Single-Leben aufzugeben. Und das am liebsten mit Marie. Sie fällt aus allen Wolken. Eine absurde Idee! Oder könnte das ungewöhnliche Modell vielleicht doch funktionieren?“

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Buch kaufen? (Link)

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Lesungsfoto: Sophie Sumburane, Buchcover: Berlin Verlag

Lesungsfoto: Sophie Sumburane, Buchcover: Berlin Verlag

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Ich habe den Roman rückwärts gelesen – Seite für Seite, als ebook…

…mir Lieblingssätze markiert…

…und diese Sätze dann – ohne, ihre Reihenfolge zu ändern oder Worte hinzuzufügen…

…zu einer neuen Geschichte montiert:

Die Münchner Journalistin Marie, 32, hat im Roman eine Affäre mit einem verheirateten Mann, trennt sich auf Seite 1, fährt mit ihrem besten Freund Fin in den Urlaub und überlegt sehr lange, was sie von Fins Vorschlag halten soll, ein Kind zu zeugen und gemeinsam aufzuziehen – als Freundes-Duo, nicht als romantisches Paar. Marie flirtet mit Lukas, Fin trifft ein Model namens Ann-Kathrin, der Roman erzählt eine Annäherung, folgt den Gedanken einer ledigen, nicht-schwangeren Frau.

Mein Remix-Text erzählt eine Trennung und die Ängste einer Schwangeren.

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Kurzgeschichten leben oft von Lücken, Ellipsen. Möglichst vielsagenden… Auslassungen.

Aber lädt sich jeder Halbsatz mit Bedeutung auf? Reichen kurze, widersprüchliche Szenen, Schlaglichter, Fragmente – und aus direkter, erzählender Prosa wird „suggestive“, verrätselte Literatur?

Ich merke beim Schreiben von „Zimmer voller Freunde“: Kürzungen helfen. Fast immer.

Aber ich weiß auch, nach fünf Jahren „Kreatives Schreiben“ in Hildesheim: Vage Kurzsätze kann JEDER aneinander reihen. „wie von selbst“ klingt wie… fünftes Semester Schreibschule. Ein „suggestiver“ Text? Ein Windbeutel!

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Felicitas Pommerening, geb. 1982, lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und dem kleinen Sohn in Mainz. Nach dem Studium hat sie jährlich den Job und den Wohnort gewechselt, bis sie keine Lust mehr dazu hatte. 2011 hat sie ihre medienwissenschaftliche Doktorarbeit abgeschlossen.

Zur „Raum B“-Lesung war sie Überraschungsgast:

Nach meinem Remix-Text las sie selbst aus „Freunde fürs Lieben“… und antwortete/erzählte mir und dem Publikum viel über die Arbeit am Roman, ihre Ziele als Autorin und das eigene Schreiben.

Ich habe mich irrsinnig gefreut, mit ihr zu sprechen.

Und ich habe es sehr genossen, zwei Tage lang durch ihren Roman zu streifen, mit ihren Worten, ihrer Sprache zu arbeiten.

Danke, Orbanism. Danke, Raum B. Danke, Felicitas!

„Kein Arsch kennt Uwe Tellkamp“: Wozu junge Bücher? Wozu PROSANOVA 2014.

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[Schreiben im Abseits | „Junge Literatur?!?“ | „Kein Arsch kennt Uwe Tellkamp“]

Noch zweieinhalb Wochen zu PROSANOVA – dem Festival für junge deutschsprachige Literatur in Hildesheim. [29. Mai bis 1. Juni 2014, Infos hier]

Die ersten studentischen Radiosendungen und „Hoffen wir mal, dass es viral geht!“-Videos ziehen durch Facebook. Und ich bin angetan:

Das Litradio Net-Feature (http://litradio.net/litmix-pn14/) macht Spaß – vor allem das lange Gespräch mit Lena Vöcklinghaus (ab ca. 29:00).

Auch die sympathisch banalen „Sturm Hund Struppi“-Quatschvideos von litradio.net schaffens jedes Mal, mich 5, 6 Minuten lang zu überraschen / irritieren / in „doof-aber-witzig!“-Laune zu ziehen.

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Trotzdem kurz – so von außen und grundsätzlich:

2005, beim ersten PROSANOVA, waren Jan Fischer und ich in der Redaktion der Festivalzeitung. Die Festivalzeitung ist eins dieser halb-offiziellen und halb-unabhängigen Organe – wie Litradio und „Sturm Hund Struppi“ heute – die einerseits Identität schaffen, Stimmung machen, über das Festival informieren.

Aber andererseits quer stehen wollen – freier, kritischer, MEHR sein wollen als ein Sprachrohr der Festival-Orga.

Jan und ich sollten uns damals Ressorts / Formate für die Zeitung überlegen… und weil die Prosa Nova-Leiter ständig verzückt und starry-eyed „Wir haben’s geschafft: UWE TELLKAMP kommt. SOLCHE NAMEN konnten wir gewinnen! Wahnsinn!“ riefen, war unser erster Vorschlag: eine Straßen-Umfrage. In Hildesheim. Über all diese – ach-so-relevanten? – Autoren:

„Wir nennen das Umfrage-Feature ‚Kein Arsch kennt Uwe Tellkamp‚!“

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Ich würde das heute nicht mehr machen. Und die beiden Features von gestern / heute (Litradio Litmix und Sturm Hund Struppi 04) zeigen ganz gut, was sich verändert hat:

Nicht jeder liest. Fast *niemand* liest Literatur-Literatur / junge deutsche Texte.

Oder würde behaupten, dass dort – gesellschaftlich, kulturell – grade etwas RICHTIG Großes, Wegweisendes, Relevantes passiert. Bücher sind für Liebhaber und Freaks. Und kleine, schrullige, abseitige, anspruchsvolle junge deutschsprachige Bücher… sind die Nische in der Nische.

Dass PROSANOVA seit 9 Jahren immer wieder sagt: „Trotzdem spannend! Trotzdem toll! Wir stellen das vor. Wir machen das sichtbar. Wir finden so vieles SO gut, dass wir das FEIERN wollen – mit euch!“ ist… großartig.

Vielleicht nicht zwingend / weltbewegend / nötig für jeden, der zwei Katzenkrimis liest pro Jahr – aber RICHTIG zwingend / weltbewegend / nötig für die Menschen, die junge deutsche Literatur lesen, vermitteln, schreiben:

Eine Theater-Bekannte bat mich neulich zu einer Besprechung – am 31. Mai und 1. Juni. „Das geht nicht. Da ist PROSANOVA. Das ist nur alle drei Jahre. Und für uns Schreib-Menschen… wie Weihnachten. Ich MUSS da hin!“

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Wenn Max in „Sturm Hund Struppi 4“ Hildesheimer Verkäuferinnen, mit-Jeansjacke-am-Stehtisch-rumsteh-Männer und Teenager („Ihr geht zur Hauptschule?“) fragt, ob / warum ihr Herz keinen Riesensprung macht, sobald sie „Festival für junge deutschsprachige Literatur“ hören… wird mir schlecht. Mehr als vor 9 Jahren.

Weil…

…ich die Wut verstehe, mit der Journalisten (und seis nur bei der PROSANOVA-Festivalzeitung) auf Behauptungen reagieren wie „Uwe Tellkamp: Toller geht’s nicht! DAS ist wichtig und spannend!“

[Ich glaube, Florian Kesslers ZEIT-Artikel war auch deshalb für viele enttäuschte Wenig-Leser so befreiend und willkommen: Er spricht den Menschen aus dem Herzen, die EH glauben, dass in keiner Buchhandlung irgend etwas auf dem Neuerscheinungs-Tischchen liegt, das WIRKLICH wichtig, dringend ist.]

Der Wunsch dieser Hildesheimer Redaktionen, immer wieder zu zeigen: Die Welt dreht sich nicht um Hildesheim. Oder um diese Bücher. Oder um das Festival… leuchtet mir erstmal ein. [Uwe Tellkamp ist super. Aber das nur am Rand. Und: Uwe Tellkamp hat den deutschen Buchpreis gewonnen – aber wird heute wohl in der Hildesheimer Fußgängerzone IMMER noch nicht gekannt.]

Nur… sind wir heute…

…in einer GANZ anderen Lage, wenn’s um Literatur, Information, PR und Teilen geht:

Ich kann Uwe-Tellkamp-Kapitel auf Facebook verlinken. Ich kann Youtube-Videos teilen. Ich könnte JEDEM in meiner Blase (und, in Blogs: auch weit über diese Blase hinaus) ganz konkret und offen aufzeigen, WAS mich an junger Literatur begeistert. WAS sich lohnt. WO es spannend wird.

Und da sehe ich Journalisten / Berichterstatter heute in einer ganz anderen Verantwortung als vor neun Jahren:

Ihr könnt uns ZEIGEN, warum sich PROSANOVA lohnt. Ihr könnt informieren. Kuratieren. Teilen. Begeistern. Ihr müsst nicht immer wieder diese bräsige und rhetorische (und klassistische!) „Wen interessiert das? Interessiert das die Hildesheimer Fußgängerzonen-Menschen?“-Fragen stellen. Ihr müsst GAR NICHT MEHR fragen.

Denn ihr habt jetzt die Mittel, ANTWORTvorschläge zu geben. WO sind die tollen Autoren? WER hätte Spaß auf diesem Festival? WAS ist das Spannende an junger deutschsprachiger Literatur?

Meine Lieblingsstelle – verunglückt, überraschend, toll aus dem Ruder laufend – im Litradio-Feature kommt gleich zu Beginn: Die rebellisch-kritisch-süffisanten Jungreporter-Schnösel fragen Anwohner, ob sie Lust hätten, 30 EURO (!1!!1) für ein PROSANOVA-Ticket zu zahlen.

Und statt „Nie im Leben!“ und „Was ist ein Ticket?“ und „30 Euro? Das gebe ich nur für Helene-Fischer-Konzerte oder in der Spielothek aus!“ sagen die Hildesheimer Befragten: „Ja. Grundsätzlich schon. Kommt auf die Autoren an. Warum nicht? Und bei uns im Garten ist noch Platz für Zelte.“

Nicht alles muss affirmativ sein. Nicht jeder muss werben und begeistern. Und: ich selbst bin auch oft genervt von den Literatur-Freunden, die sich für ALLES begeistern und jedes Buch mit Lesebändchen und Schutzumschlag „traumhaft schön“ finden.

Aber ich glaube, die PROSANOVA-„Berichterstattung“ (?) oder -„PR“ (?) geht am Thema vorbei: NIEMAND behauptet ernsthaft, ein Hildesheimer Festival mit… Kathrin Röggla, Antje Ravic Strubel und Dietmar Dath (who are these people?) sei das Ereignis des Jahres. Für jeden, der durch die Fußgängerzone läuft.

Doch es IST nen Blick wert. Und: Wenn sich Außenstehende erstmal wenig interessieren, muss das nicht an der Hybris und dem Bauchnabelblick der Veranstalter liegen („Geil! Uwe Tellkamp!“)… aber auch nicht an der Ignoranz ALLER ALLER „normalen“ Hildesheimer.

Seit 10 Jahren passiert mir – mit „normalen“ Wenig-Lesern – fast nie: „Oh. Ich lese keine Bücher. Das interessiert mich nicht!“. Sondern – viel, viel öfter: – „Stefan? Du hast mir Marcus Braun empfohlen. Fand ich blöd. Du hast mir eine Bella Triste geschenkt. Fand ich witzlos. Du hast ein Interview mit Kathrin Röggla verlinkt – war jetzt nicht meins.“

Oft liegts nicht am grundsätzlich fehlenden Interesse. Sondern an falsch vermittelter, falsch adressierter, vorschneller oder unüberlegter Begeisterung: Wir haben – grade hier, via Social Media – SO VIELE Möglichkeiten, zu zeigen, WAS toll ist an Uwe Tellkamp.

Stattdessen nur Hauptschüler vorzuführen, weil die nicht rufen „Oha! Interessant!!“… bringt nichts. Es ist UNSER Job, zu zeigen, WAS interessant ist. An Tellkamp. An PROSANOVA. An Literatur.

Falls der Funke nicht überspringt, liegt das im Zweifelsfall fast IMMER an mir und meiner Vermittlung.

Nicht an den Menschen in der Hildesheimer Fußgängerzone.

[So. Kurz runtergetippt und ursprünglich auf meiner Facebook-Seite gepostet. Teilt und kommentiert gerne.]

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Ich selbst war 2008 Mitglied der Künstlerischen Leitung des zweiten PROSANOVA-Festivals:


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Links:

  • PROSANOVA 2011: Fotos
  • PROSANOVA 2011: Stimmen der Presse
  • PROSANOVA 2011: Eine Welt für sich
  • junge Literatur: 50 Empfehlungen
  • junge Literatur: Wo / wie findet man neue Bücher?

    PROSANOVA ist das größte Festival für junge Literatur im deutschsprachigen Raum. Vom 29. Mai bis zum 1. Juni trifft sich in Hildesheim wieder die junge Literaturszene zu Text, Tanz und Gespräch. In über 40 Veranstaltungen feiern 70 Künstlerinnen und Künstler ihr persönliches Bekenntnis zur Literatur.

    Autorinnen und Autoren, u.a.

    Adler & Söhne | als wir von den bäumen runterkamen | Jan Brandt | Katja Brunner | Carolin Callies | Lars Claßen | Ann Cotten | Kenah Cusanit | Dietmar Dath | Michel Decar | Dorothee Elmiger | Joseph Felix Ernst | Guido Graf | Verena Güntner | G13 | Martina Hefter | Susanne Heinrich | Fabian Hischmann | Maren Kames | Florian Kessler | Thomas Klupp | Martin Kordic | Jan Kuhlbrodt | Kevin Kuhn | Svealena Kutschke | Jo Lendle | Wolfram Lotz | Clemens Meyer | Matthias Nawrat | Claudius Nießen | Jakob Nolte | Hanns-Josef Ortheil | Thomas Pletzinger | Leif Randt | Annika Reich |Monika Rinck | Kathrin Röggla | Christian Schärf | Oliver Scheibler | Ferdinand Schmalz | Sabine Scho | Jan Skudlarek | Kai Splittgerber | Saša Stanišić | Antje Rávic Strubel | Thalstroem| TRAUMAWIEN | Stefanie de Velasco |Katrin Zimmermann

Sonntag

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1989 trennt der Stadtplaner und Soziologe Ray Oldenburg drei „Places“ unseres Alltags: Der „First Place“ ist der Raum, in wir leben, wohnen, schlafen. Der „Second Place“ der Raum, in dem wir arbeiten. Der Wert einer Gemeinde aber bemisst sich an der Qualität ihrer „Third Places“ – den offenen, kollektiven Räumen, an denen man verweilen darf und dabei zwanglos andere Bürger trifft.

Starbucks nutzt das Konzept des „Third Place“ für die Kundenbindung: Jeder darf bleiben, so lange er will. Alle sind sicher und willkommen. Man soll vor seinem Kaffee sitzen und lesen, plaudern, warten – wie daheim. 

Doch ein tatsächlich öffentlicher „Third Place“ ist viel seltener. Und alle, die wir haben, liegen draußen, unter freiem Himmel: der See im Dorf, der Bahnhofswiesenpark, die Wiese oben am Ottilienberg. Sobald es kälter wird, sind diese Orte von der Karte ausgestrichen. Sobald der Spätherbst kommt, wird die Welt klein. Und ernst. Und eng.

Es gibt nicht viele Plätze hier, für uns.

„Zimmer voller Freunde“, Seite 190.

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verwandte Links:

  • „Zimmer voller Freunde“, zwischen/miete-Lesung, Literaturbüro Freiburg, November 2011 (Link)

Ivana Rohr: „Nichts bleibt, Baby“ [Prosanova 2011]

„Nichts bleibt, Baby“ (Link) war die schönste, stimmigste und frischeste Veranstaltung von Prosanova 2011 (Link), dem Festival für junge deutschsprachige Literatur (Link) in Hildesheim:

Ein begehbares Hörgedicht der Lyrikerin / Künstlerin Ivana Rohr (Link) in einer abstrakten Kulisse – friedlich, aber unheimlich.

Hier ein paar (schnelle und unbearbeitete) Snapshots aus der Installation.

Mehr Infos zu Ivana Rohr und ihren neuen Projekten bei litradio.net (Link).

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Copyright des Kaktus-Fotos: Jule D. Körber.

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verwandte Links:

junge Literatur: 50 Empfehlungen

1) Günter Grass, 2) Martin Walser, 3) Herta Müller: als Antwort auf die staubige und deprimierende „Unsere Besten“-Liste im Focus 23/2011…

[jüngster Autor: Mitte 30. Frauen: 14. Publikumslieblinge wie Walter Moers oder Sven Regener: totgeschwiegen / außen vor]

…hier mein persönliches Ranking der 20 besten – jungen! – deutschsprachigen Bücher seit den 1980ern:

01: DIETMAR DATH: ‚Dirac‘, 2006

02: THOMAS VON STEINAECKER: ‚Wallner beginnt zu fliegen‘, 2007

03: ALEXA HENNIG VON LANGE: ‚Woher ich komme‘, 2003

04: MONIKA MARON: ‚Flugasche‘, 1981

05: MARCUS BRAUN: ‚Delhi‘, 1999

06: BJÖRN KERN: ‚Einmal noch Marseille‘, 2005

07: KEVIN VENNEMANN: ‚Nahe Jedenew‘, 2005

08: KIRSTEN FUCHS: ‚Die Titanic und Herr Berg‘, 2005

09: SVEN REGENER: ‚Neue Vahr Süd‘, 2004

10: ELSE BUSCHHEUER: ‚www.else-buschheuer.de: Das New-York-Tagebuch‘, 2002

11: MAX GOLDT: ‚Die Kugeln in unseren Köpfen‘, 1995

12: RAINER MERKEL: ‚Das Jahr der Wunder‘, 2001

13: BARBARA HONIGMANN: ‚Alles, alles Liebe!‘, 2001

14: BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE: ‚Livealbum‘, 1999

15: RAINALD GOETZ: ‚Dekonspiratione‘, 2002

16: GREGOR HENS: ‚Matta verläßt seine Kinder‘, 2004

17: TEREZIA MORA: ‚Alle Tage‘, 2005

18: CHRISTIAN KRACHT: ‚1979‘, 2001

19: JENNY ERPENBECK: ‚Heimsuchung‘, 2008

20: DANA BÖNISCH: ‚Rocktage‘, 2003

ohne Ranking, und mit gewissen Vorbehalten (der wichtigste Vorbehalt: vielleicht haben die Autoren jeweils noch bessere Bücher – die ich nur noch nicht kenne?)…

30 weitere empfehlenswerte, junge Bücher:

– KATZ & GOLDT: ‚Adieu, Sweet Bahnhof‘, 2004

– KOLJA MENSING: ‚Wie komme ich hier raus? Aufwachsen in der Provinz‘, 2002

– TILMAN RAMMSTEDT: ‚Wir bleiben in der Nähe‘, 2005

– NADJA EINZMANN: ‚Dies und das und das‘, 2006

– PETER STAMM: ‚Blitzeis. Erzählungen‘, 1999

– SASA STANISIC: ‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘, 2006

– ECKHART SCHUHMACHER: ‚Gerade eben jetzt. Schreibweisen der Gegenwart‘, 2003

– SUSANNE HEINRICH: ‚In den Farben der Nacht‘, 2005

– FLORIAN ILLIES: ‚Generation Golf. Eine Inspektion‘, 2000

– RICARDA JUNGE: ‚Kein fremdes Land‘, 2005

– JÖRG ALBRECHT: ‚Drei Herzen‘, 2006

– WLADIMIR KAMINER: ‚Militärmusik‘, 2001

– MARIANA LEKY: ‚Erste Hilfe‘, 2004

– DIEDRICH DIEDERICHSEN: ‚Sexbeat‘, 1985

– BENJAMIN MAACK: ‚Die Welt ist ein Parkplatz und endet vor Disneyland. Erzählungen‘, 2007

– JOACHIM BESSING u.a.: ‚Tristesse Royale‘, 2000

– JUDITH HERMANN: ‚Nichts als Gespenster. Erzählungen‘, 2003

– HENNING AHRENS: ‚Lauf Jäger lauf!‘, 2002

– KRISTOF MAGNUSSON: ‚Zuhause‘, 2005

– ANTJE RÁVIC STRUBEL: ‚Kältere Schichten der Luft‘, 2007

– ANDREAS NEUMEISTER: ‚Äpfel vom Baum im Kies‘, 1990

– HANNS-JOSEF ORTHEIL, KLAUS SIBLEWSKI: ‚Wie Romane entstehen‘, 2008

– KATJA OSKAMP: ‚Die Staubfängerin‘, 2007

– DANIELA DANZ: ‚Türmer‘, 2006

– NIKOLA RICHTER: ‚Die Lebenspraktikanten‘, 2006

– ROLAND KOCH: ‚Unter fremdem Himmel‘, 2010

– JAGODA MARINIC: ‚Die Namenlose‘, 2007

– THOMAS MELLE: ‚Raumforderung. Erzählungen‘, 2007

– BENJAMIN LEBERT: ‚Kannst du‘, 2006

– LEIF RANDT: ‚Leuchtspielhaus‘, 2009