junge Literatur

Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus: die besten Bücher aus der “Schreibschule” Hildesheim

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Von 2003 bis 2008 studierte ich Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim:

eine trostlose Stadt – aber ein gutes Studium.

Pro Jahr bestehen 10 bis 15 Studierende die Aufnahmeprüfung und kommen – oft direkt nach dem Abitur – in die Stadt. Etwa fünf Jahre später schreiben sie eine Abschlussarbeit: manchmal ein wissenschaftlicher oder journalistischer Text. In vielen Fällen aber: ein Debütroman. Viele dieser Titel werden später in Verlagen veröffentlicht – und ich lese vier, fünf von ihnen pro Jahr.

ab.hier.kultur, das Alumni-Netzwerk des Hildesheimer Fachbereichs Kulturwissenschaften, bat mich im Sommer 2016, persönliche Favorien und Empfehlungen auszusprechen: Bücher von (Ex-)Kommilitoninnen, die ich mochte und empfehlen kann. Die Texte erschienen in “Kultur 16!”, der Zeitschrift des Netzwerks. [Ein anderer Artikel von mir, ebenfalls fürs Netzwerk, von 2013: Link.]

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Hildesheimer Namen auf Buchcovern

Seit dem Ende der 90er Jahre sind über 50 Bücher von jungen Autorinnen und Autoren, die in Hildesheim studiert haben, in großen Verlagen erschienen. Literaturkritiker Stefan Mesch stellt fünf persönliche Favoriten vor.

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Nora Wicke: „Vierstromland“.

Roman, 320 Seiten, Müry Salzmann 2014.

Ein solcher Tonfall, ein solches Thema misslingt fast immer: Eliza zieht nach Berlin. Bisher lebte sie mit ihrer großen Schwester in einem Internat bei Amsterdam, ihre Mutter hat eine junge Geliebte in Paris, ihr Vater eine neue Frau und weitere Kinder. Zwei ältere Zwillingsbrüder leben in Rumänien, bei den Großeltern. Nora Wicke lässt eine heimatlose Frau aus einer oft abweisenden, verstreuten Großfamilie mit serbischen, rumänischen und deutschen Wurzeln durch Europa reisen, jahrelang: Nebenjobs, Kälte, vorsichtige Briefe und Annäherungen. Ein leiser, melodischer, manchmal schleppender Roman über Europa – schwermütig, klug, fast nie kitschig.

Buch bei Goodreads (Link)

Vierstromland

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Sabrina Janesch: „Tango für einen Hund“.

Roman, 303 Seiten, Berlin Verlag 2014.

Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ blieb mir lange im Gedächtnis – auch, weil so viele Szenen, Einzelteile wie spitzes, ungeschliffenes Metall aus den Kapiteln stechen. „Tango für einen Hund“ ist ein glatteres, schnittigeres Buch – etwas seichter und weniger markant. Doch dafür so stimmig und professionell wie nichts anderes, das ich von Hildesheimern kenne: ein prima Jugendbuch, charmante Unterhaltung, ein wunderbar rundes Ding! Es geht um Weichei Ernesto, der seine Sommerferien in der Lüneburger Heide verschwendet, bis sein etwas dementer, energischer Onkel aus Argentinien einen Roadtrip durch die Pampa Niedersachsens anzettelt. Warmherzig, witzig, mit überzeugendem Ich-Erzähler. Und, versprochen: keine „Tschick“-Kopie.

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Tango für einen Hund

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Jan Fischer: „Ready. Wie ich mit digitalen Spielen erwachsen wurde“.

Autobiografisches Essay, 52 Seiten, Hanser 2016. [nur als E-Book]

Jan gehört zu meinen besten Freunden. Doch richtig nah kommen wir uns selten: Er traut sich als Kulturjournalist oft an die schwersten oder absurdesten Themen. Nur über eigene Ängste spricht er kaum. Wie großartig, dass ausgerechnet hier – in einem 50-Seiten-E-Book über die Mainstream-PC- und Videospiele der 80er, 90er, 00er Jahre – kluge Erinnerungen und Emotionen so viel Raum einnehmen: Jan schreibt, was ihn als Kind an Spielen reizte. Wie sie helfen. Womit sie faszinieren. Experten und Hardcore-Gamer werden Vieles kennen. An einigen Stellen: zu viel Pathos. Doch selbst, wer kein Interesse an Spielen hat, liest Jans Erinnerungen mit Gewinn: kulturwissenschaftliche Beobachtungen – leidenschaftlich, nah, verständlich.

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Ready

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Anne Köhler: „Nichts werden macht auch viel Arbeit. Mein Leben in Nebenjobs“.

Autobiografische Kolumen, 144 Seiten, Dumont 2010.

2015 veröffentlichte Anne Köhler einen Roman über eine junge, unglückliche Köchin in Hildesheim – der mich sehr langweilte: Mir war diese Hauptfigur zu zweifelnd, fade, flau. Besonders, weil Annes erstes Buch (2010) eine geisteiche, komplexe, viel liebenswertere Heldin hatte: Anne Köhler! Für jetzt.de schrieb Anne eine Kolumne über alle Nebenjobs, Praktika und bezahlten Projekte ihres Lebens. Wie viele Hildesheimer hatte sie Angst, alles nur oberflächlich zu wissen, zu wenig richtig zu beherrschen. Ihre Textsammlung hinterfragt diese Angst, bleibt aktuell, macht Mut – und empfiehlt sich besonders als Geschenk für Eltern oder Freunde, die nur geradere Lebenswege und Karrieren kennen. Leichte Texte. Schlaue Thesen!

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Nichts werden macht auch viel Arbeit : Mein Leben in Nebenjobs

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Funny van Money: „This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey. Auf Tabledance-Tour durch die Republik“.

Autobiografisches Sachbuch, 224 Seiten, Hanser Berlin 2012.

(Taschenbuch-Ausgabe 2014 bei Piper, mit neuem Titel: „Wie ich auszog, mich auszuziehen“.)

Um ihr Hildesheimer Kuwi-Studium zu finanzieren, tanzt Funny in einer Rotlicht-Bar in Hannover, nackt. Danach macht sie Diplom – mit einer kulturwissenschaftlichen, feministischen Selbstbeobachtung ihrer Rolle als Pole-Dance-Girl. Wer Spaß- und Comedy-Kolumnen sucht, wird hier enttäuscht: Funny schreibt auf hohem Niveau, häuft akademische Konzepte und Anglizismen. Stellenweise formuliert sie nerdy und verblasen wie ein Gender-Experte in der Spex. Trotzdem ist ihr Experiment so interessant, ihre Beobachtungen so originell, überraschend, kritisch, dass ich das Buch dauernd verschenken will. An jeden, der bei Sex-Workern nur an dümmliche Opfer denkt. Und bei Hildesheim nur an Bürgerlichkeit und Anpassung.

Buch bei Goodreads (Link)

This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey

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[Ich mochte auch Juan Guses “Lärm und Wälder” und Leif Randts “Schimmernder Dunst über CobyCounty”]

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Stefan Mesch, geboren 1983 bei Heidelberg, studierte von 2003 bis 2008 Kreatives Schreiben in Hildesheim. Er lebt und arbeitet als Autor und freier Journalist für u.a. Deutschlandradio Kultur und ZEIT Online in Berlin und schreibt an seinem ersten Roman, „Zimmer voller Freunde“.

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Die besten Bücher 2017: erste Favoriten und Empfehlungen

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angelesen und gemocht:

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CHRIS KRAUS, “I love Dick” (Matthes & Seitz, 30. Januar. Deutsch von Kevin Vennemann.)

FLURIN JECKER, “Lanz” (Nagel & Kimche, 20. Februar)

DON CARPENTER, “Freitags bei Enrico’s” (Klett-Cotta, 8. April. Deutsch von Bernhard Robben.)

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TREVOR NOAH, “Farbenblind” (Blessing, 6. März. Deutsch von Heike Schlatterer.)

ROBERT GERWARTH, “Die Besiegten. Das blutige Ende des ersten Weltkriegs” (Siedler, 23. Januar. Deutsch von Alexander Weber.)

MURRAY SHANAHAN, “The Technological Singularity” (Matthes & Seitz, 27. Februar. Deutsch von Nadine Miller.)

SIDDHARTHA MUKHERJEE, “Die Gene. Eine sehr persönliche Geschichte” (S. Fischer, 24. Mai. Deutsch von Ulrike Bischoff.)

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deutschsprachige Literatur:

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ANNA KIM, “Die große Heimkehr” (Suhrkamp, 16. Januar)

KRISTINA PFISTER, “Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten” (Klett-Cotta, 11. Februar)

NATASCHA WODIN, “Sie kam aus Mariupol” (Rowohlt, 17. Februar)

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GERHARD HENSCHEL, “Arbeiterroman” (Hoffmann & Campe, 17. Februar)

LUISE MAIER, “Dass wir uns haben” (Wallstein, 27. Februar)

ANKE STELLING, “Fürsorge” (Verbrecher Verlag, 28. Februar)

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KERSTIN PREIWUSS, “Nach Onkalo” (Berlin Verlag, 1. März)

MASCHA DABIC, “Reibungsverluste” (Edition Atelier, 1. März)

STEPHAN LOHSE, “Ein fauler Gott” (Suhrkamp, 6. März)

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NIAH FINNIK, “Fuchsteufelsstill” (Ullstein, 7. April)

ENNO STAHL, “Spätkirmes” (Verbrecher Verlag, 18. April)

CHRISTOPH SCHULTE-RICHTERING, “32 Tage Juli” (Rowohlt Berlin, 22. April)

SVENJA GRÄFEN, “Das Rauschen in unseren Köpfen” (Ullstein, 12. Mai)

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internationale Literatur, neu auf Deutsch:

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HANYA YANAGIHARA, “Ein wenig Leben” (Hanser Berlin, 30. Januar. Deutsch von Stephan Kleiner.)

GUSEL JACHINA, “Suleika öffnet die Augen” (Aufbau, 17. Februar, Deutsch von Helmut Ettinger.)

MAURIZIO TORCHIO, “Das angehaltene Leben” (Zsolnay, 20. Februar, Deutsch von Annette Kopetzki.)

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GONZALO TORNÉ, “Meine Geschichte ohne dich” (DVA, 6. März. Deutsch von Petra Strien-Bourmer.)

MILJENKO JERGOVIC, “Die unerhörte Geschichte meiner Familie” (Schöffling, 8. März. Deutsch von Brigitte Döbert.)

KIM THUY, “Die vielen Namen der Liebe” (Kunstmann, 8. März. Deutsch von Andrea Alvermann, Brigitte Große.)

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CARSTEN JENSEN, “Der erste Stein” (Knaus, 13. März, Deutsch von Ulrich Sonnenberg.)

LUKE KENNARD, “Transition: Das Programm” (Droemer, 3. April. Deutsch von Karl-Heinz Ebnet.)

OLIVIA SUDJIC, “Sympathie” (Kein & Aber, 7. April, Deutsch von Ann-Christin Kramer.)

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VAL EMMICH, “Die Unvergesslichen” (Droemer, 2. Mai. Deutsch von Eva Bonné.)

FRANCESCA SEGAL, “Ein sonderbares Alter” (Kein & Aber, 5. Mai, Deutsch von Anna-Nina Kroll.)

AE-RAN KIM, “Mein pochendes Leben” (Cass, Deutsch von Sebastian Bring.)

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Comics:

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HAMID SULAIMAN, “Freedom Hospital” (Hanser Berlin, Kai Pfeiffer.)

GUY DELISLE, “Geisel” (Reprodukt, 1. März. Deutsch von Heike Drescher.)

DANIEL CLOWES, “Patience” (Reprodukt, 1. März. Deutsch von Jan Dinter.)

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Sachbuch: 

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ILIJA TROJANOW, “Nach der Flucht” (S. Fischer)

BETTINA STANGNETH, “Lügen lesen” (Rowohlt, 23. Juni)

TALI SHAROT, “Die Meinung der anderen” (Siedler, 9. Mai. Deutsch von Susanne Kuhlmann-Krieg.)

JOACHIM RADKAU, “Geschichte der Zukunft” (Hanser, 30. Januar)

MOHAMED AMJAHID, “Unter Weißen”

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gelesen:

RACHEL KUSHNER, “Telex aus Kuba” (Rowohlt, 22. April. Deutsch von Bettina Abarbanell.)

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Links zu den (v.a. Belletristik-) Vorschaukatalogen für Frühling/Frühjahr/erstes Halbjahr 2017…

…der meisten größeren deutschsprachigen Verlage.

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Albino | Antje Kunstmann | Atlantik | Aufbau | Berenberg | Berlin Verlag | Blessing | Blumenbar | Braumüller | btb | C.H. BeckDiogenes | Dörlemann | Droemer Knaur | Dumont | dtvDVA | Edition Atelier | Edition Büchergilde | Edition fotoTAPETA | Edition Nautilus | Galiani | Goldmann | Guggolz | Hanser | Hanser Berlin | Hoffmann und Campe (und das neue Imprint Tempo) | Insel | Jung und Jung | Kein & Aber | Kiepenheuer & Witsch | Klaus Wagenbach (n/a) | Klett-Cotta (und Imprint Tropen) | KnausKremayr & Scheriau | Liebeskind | List | Louisoder |  Luchterhand | LuftschachtManesse | Matthes & Seitz | Mikrotext | Nagel & KimchePenguin | PiperPolar Verlag | Reclam | Reprodukt (Comics) | Rowohlt; und Rowohlt BerlinS. Fischer | SchöfflingSiedlerSuhrkamp | Ullstein (und das neue Imprint Ullstein Fünf) | Verbrecher Verlag | Voland & Quist | WallsteinWeidleZsolnay/Deuticke

Danke an Ilja Regier, der Mitte 2016 eine ähnliche Liste erstellte, für die Herbst-Novitäten.

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‘wie von selbst’ – Prosa für #fil15, das Orbanism-Festival (Berlin), Stefan Mesch & Felicitas Pommerening

Felicitas Pommerening, Stefan Mesch auf der 'Leizpig küsst Berlin'-Lesung im Raum B, Berlin - Foto: Sophie Sumburane

Felicitas Pommerening, Stefan Mesch auf der ‘Leizpig küsst Berlin’-Lesung im Raum B, Berlin – Foto: Sophie Sumburane

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Am 28. und 29. November 2015 setzt das Kulturfestival Orbanism: Falling in Love 2015 Zeichen für eine offene Kultur. Organisiert von Christiane Frohmann und Leander Wattig lesen, diskutieren, performen, sprechen, feiern Künstler*innen, Autor*innen, Kulturschaffende und Interessierte an über 20 Orten in Berlin.

Zur Festivaleröffnung, am 27. November, habe ich bei Christiane Frohmanns “Katersalon”-Reihe im Kater Blau über Sehnsuchts-Figuren, Traumfrauen und -Männer, Projektionsflächen und Pornografie bei Tumblr gesprochen. Ich mache eine Druckversion des Vortrags fertig – für den Blog von Edel & Electric, im Dezember.

Am 28. November las ich Prosa/eine… Erzählung (?) in der Lese- und Performancereihe “Leipzig küsst Berlin”, veranstaltet von Sarah Berger (Twitter: @milch_honig) und Sebastian van Roehlek (Twitter: @van_roehlek).

Ich schreibe selten Erzählungen/Kurzgeschichten

…und habe, passend zum “Orbanism”-Konzept, in diesem Text etwas Anderes, Neues probiert.

(Auflösung/Erklärung/Kontext weiter unten.)

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fil15 wie von selbst .

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wie von selbst

von Stefan Mesch, 2015

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1:

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„Ich glaube nicht, dass wir noch Freunde sein können.“

Sie schwiegen eine Weile. Fin setzte sich neben sie. Auf Augenhöhe.

Auf der Bühne lud der Galerist jetzt ein, durch die Ausstellung zu gehen. Wieder wurde geklatscht. Langsam lösten sich Menschen vom Podium, verteilten sich im Raum.

„Wenn du jemanden brauchst, kann ich zu dir kommen. Ich will nicht, dass du das allein durchmachst.“

Wollte er ihr bei ihrem Liebeskummer beistehen? Liebeskummer über ihn?

„Tut mir leid, dass ich weg bin. Ich wollte anrufen, aber wusste nicht, was ich sagen soll.“

Durch die offene Tür konnte sie Menschen sehen; versuchte, das als beruhigend zu empfinden. Sie wusste nicht, ob sie traurig sein sollte. Fin fasste sich an die Stirn, legte die Hand in den Nacken.

„Ich muss kurz weg.“

In wenigen Minuten würde sich die Tür auch für nicht geladene Gäste öffnen.

„Ich habe da zu viel reingesteckt, Fin – da hängen auch andere dran. Wir machen das jetzt! Danach können wir reden.“

Er räusperte sich. Lief zum Galeristen am Sektausschank, beugte sich herunter. Sagte ein paar Worte.

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2:

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„Warum habt ihr euch getrennt?“

Leila sah zu Marie. Sprach von ihrer eigenen Kindheit, Jugend, von ihren Plänen und Träumen, die sich auch nicht erfüllt hatten. Sie fand, das sei normal. Marie war nicht sicher, was sie traurig machte. Ihre Vergangenheit? Erinnerungen? Das, was aus ihr geworden war?

„Alles okay?“ Leila legte den Arm um ihre Schulter. Marie konnte nichts sagen.

„Als meine Schwester draußen stand und gehänselt wurde, war ich drinnen in der Kirche und habe meiner damals besten Freundin selbstgemachten Schmuck gezeigt. Wir haben überlegt, mit welcher Kette ich wohl besser aussähe. Ich hätte draußen sein, mich vor meine Schwester stellen sollen.“

Draußen wies nichts mehr darauf in, dass vor einer Woche noch Schnee gelegen hatte.

„Du hast eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Ein Jahr lang. Du machst alles nach Bauchgefühl!“

„Im Urlaub hast du gesagt, das sei toll an mir. Du hast gesagt, ich soll nicht so anspruchsvoll sein.“

„Du willst mir nicht erklären, dass du meinetwegen mit dem zusammen bist?“

Sie lief zum Sessel; stellte sich dahinter – als bräuchte sie ein Bollwerk.

Marie stand allein neben dem Esstisch.

Kurz danach fiel die Wohnungstür ins Schloss. Fin kam ins Zimmer. „Kann ich mit dir reden?“

„Du hast keine Ahnung, auf was für Dinge sich Frauen einlassen, aus Blindheit. Ahnungslosigkeit. Verliebtheit. Ich finde, wir leben in einer Zeit, in der man sich immer neu erfinden kann.“

Marie musste an die Mädchen denken, die zu Schulzeiten verkündet hatten, bestimmt eine Drei geschrieben zu haben. Nur um dann eine Eins zu bekommen und überrascht zu tun.

Er hatte ein blaues Hemd übergezogen. Sie hatte vor Monaten gesagt, wie gut er darin aussah. Jetzt konnte sie keine Haltung finden. Sie traten auseinander.

„Ich geh mal…“, sagte sie. Er nickte. Sie lief an ihm vorbei.

„Ich habe mir vorgenommen, ehrlich zu sein.“

„Ehrlichkeit ist das ungeliebte Stiefkind der Wahrheit. Verschwiegenheit mag sie lieber. Das lässt sie besser aussehen.“

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3:

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Ann stand an der Arbeitsplatte, schlug ein Ei auf. „Das ist die Essigreduktion. Für die Soße.“

„Machst du ein Chutney?“

„Nein. Sauce bernaise“. Sie ließ den Inhalt von einer Hälfte der gebrochenen Schale in die andere rutschen. Etwas musste schiefgegangen sein. Marie wollte irgendwie die Situation verändern.

„Es ist alles ein bisschen viel im Moment. Beim Tennis kann man nicht nachdenken. Hat Salzmann immer gesagt, beim Training. Uns interessiert nur der Ball, der jetzt kommt. Kein Gestern und kein Morgen. Ich habe so viel nachgedacht. Am liebsten würde ich Tennis spielen gehen.“

„Was ist mit Fin?“

Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Starrte auf den Boden. Farbige Orientierungsstreifen liefen auf ihm entlang: Gelb in die Chirurgie, Rot in die Kinderklinik, Blau irgendwo anders hin. Sie hatte sich geduscht, die Zähne geputzt, Haare geföhnt, sich angezogen. Sie hatte gegrüßt, sich gesetzt, ihren PC hochgefahren und Kaffee geholt, sie hatte Mails gelesen, gelöscht, beantwortet und archiviert. Jetzt ging sie an ihr Fach, holte ihre Post. Wichtige Infos rechts, Werbung direkt in den Müll. Wie eine Maschine.

„Du siehst fertig aus. Warum humpelst du?“

„Ich bin umgeknickt. In eine Pfütze getreten.“

Sie wollte sich nicht hinsetzen. Woher nahm sie den Optimismus, dass alles gut enden würde?

Fins Wohnung war nur um die Ecke von hier. Sie wollte nicht nach Hause. Sie wollte zu ihm.

Neben dem Regal hingen Masken an der Wand. Wo andere den Fernseher hätten, hing ein Kruzifix. Vor sich sah sie ein hohes Regal mit Klassikern und Sachbüchern. Der Spiegel. Die FAZ. Draußen fing es an zu regnen.

„Das wird den Schnee wegspülen.“

„War doch eh nur Matsch hier in der Stadt.“

Sie humpelte in den Flur. Zum Glück wohnte er im Erdgeschoss.

Sie saß in der U5 stadtauswärts. Handläufe. Sichelförmige Sitzreihen aus hellem Holz. Man konnte sich vorstellen, ganz woanders zu sein. Morgen nach der Sitzung würde Martina fragen, ob sie mit nach Berlin kommen würde. Sie hatte keine Ahnung, was sie antworten sollte.

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4:

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Fin nahm einen Stein vom Boden. Seine Daunenjacke machte unglaublichen Lärm. Er hatte sie überrascht.

Und er sah plötzlich anders aus. Alles, was er sich für die Zukunft überlegt hatte, war vom Tisch. Sie knöpfte den Stehkragen zu. Igendwann würde er seinen Ärger überwinden. Ihr helfen, aufzustehen. Und dann?

Sie lief ihm hinterher, blieb aber kurz vor der Tür stehen.

„Es tut mir leid“, sagte er. Merkte gleichzeitig, dass das nicht stimmte.

„Du möchtest nur das Kind. Du willst ja nicht mit mir zusammen sein.“

Fin guckte in den Raum.

„Ich habe nachgedacht.“ Hinter ihm lagen Blaupausen – der Grundriss. Daneben der Kaufvertrag und alle Gutachten, die er hatte kriegen können. Er hatte einen Tapeziertisch aufgestellt. Sie lief herum, sammelte ihre Sachen.

Vorsichtig drückte sie gegen die gläserne Tür. Sie war offen und gab sofort nach.

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5:

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Wenn sie mit dem Kopf woanders war, las sie zwar Text, aber nahm nichts auf. Sie hatte über die Haarmasse im Abfluss, über Milch und Einkäufe, volle Mülleimer, Pfandflaschen nachgedacht – und plötzlich stöhnte er laut und hilflos, hörte auf, sich zu bewegen.

Sie warf einen Seufzer in den Raum, um nicht unbeteiligt zu wirken.

Nach den Feuerwerken hatte Leila sich verabschiedet. Sie war enttäuscht vom Abend. Seit einer halben Stunde wurden die Böller draußen lauter.

„Ich war ein halbes Jahr in Quito“, sagte Lukas.

„Ecuador?“, fragte sie, als wisse sie das nicht.

„Um Leuten beim Umgang mit Kleinkrediten zu helfen.“

Sie spielte das Mädchen. Lukas hatte gesagt, er würde auf der ersten Party zu ihr und Leila stoßen. Er hielt Wort. Seit drei Stunden hielt er Wort.

„Hier ist gerade so viel in der Schwebe. Und wenn ich gehe, ist das alles weg.“ Sie malte mit der Fußspitze einen Halbkreis.

„Du… bleibst also.“

Sie steckte die Hände in die Taschen. Sie würde bleiben. Wohl wegen ihm. Oder nicht? Eine Weile liefen sie stumm weiter, vorbei an Einfamilienhäusern.

Wie von selbst bogen sie nach links.

„Das können auch Autisten: für jede soziale Interaktion den passenden Satz lernen und ihn dann runterrattern. Ich biete dir eine Hyposensibilisierung. Wie diese Spritzen bei Heuschnupfen. Bis du immun wirst – und deine Allergie verlierst.“

Auf der Straße war nichts los. Er klatschte in die Hände, als gäbe es jetzt Holz zu hacken.

Schon war Van Morrison weg, stattdessen sangen Tegan und Sara Where does the Good go – ohne den nervigen Teil in der Mitte. Dann kam Creed ohne Gitarrensolo. Maroon 5 ohne Rap-Einlage. Beethovens Neunte ohne die ersten siebenundfünfzig Minuten. Der Übergang klang gut. Finn hatte sich Mühe gegeben.

Auf dem Stick ist Musik. Ein Soundtrack für dein Leben. Lieder, von denen du gesagt hast, sie wären perfekt, wenn nicht der Refrain, wenn nicht das Ende… aus jedem Lied habe ich das, was du schlecht findest, rausgeschnitten. Ich wünschte, ich könnte das mit deinem Leben machen.

Marie zog das Post-it ab. Noch bevor sie den Absender sah, erkannte sie die Handschrift. Sie setzte sich auf den Boden, direkt im Flur.

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6:

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Lukas trug ein weißes Hemd und einen Pullunder, dazu eine Anzughose, Herrenschuhe. Wieder kam er ihr erwachsen vor und sie sich klein. Sie trafen sich im Rischart am Marienplatz.

Was wäre die Alternative? Jetzt nur noch Baby, Baby? Kein Partner mehr – bis das Kind aus dem Haus war?

„Wie geht es dir?“

Sie wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie machte den Mund auf und wieder zu.

Die Wohnung lag still vor ihr. Ihr wurde sofort heiß in Winterjacke, Schal und Mütze. Der Wind pfiff über den Bahnsteig. Im Zug schloss sie die Augen. Im Winter war es noch schwieriger, hier auszusteigen. Das Gleis, die Berge in der Ferne. Zu wissen: Hier fängt das an. Verena war nach Osnabrück gefahren, Leila nach Köln, Fin in die Berge.

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7:

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„Wenn du magst, kann ich dir meine Kytta-Salbe geben“, sagte Ann. „Ist so was Pflanzliches, wie Arnika.“ Die Jungs, die mit Fin am Kamin saßen, blickten hoch. Ann lächelte zu Finn. Sie war schon mehrfach allein für ihren Mund gebucht worden – für Lippenstiftwerbung, Zahncreme, Call-Center-Fotos.

Unter den Carvern knirschte es. Das war die schwierigste Piste des Gebiets, und heute, mit den Wolken vor der Sonne, konnte man die Beschaffenheit des Schnees besonders schlecht erkennen.

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8:

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„Ich will nicht mit Fin zusammen sein. Er hat nichts von dem, was ich in einem Partner suche.“ Verena roch nach Kirsch-Pulmoll, Schurwolle, Allergikerseife. In der Kaffeeküche hing ein Adventskalender.

Sie erstellte Listen, kurze Texte; jedes Szenario.

Wie würden sie das Finanzielle klären? Welchen Nachnamen würde das Kind tragen? Würden sie alle Entscheidungen zusammen treffen? Momentaufnahmen. Ausgebreitete Arme, ein zahnloses Lachen… und jemand im Hintergund. Undefiniert, wie ein Schatten.

„Du solltest den Job annehmen. Du denkst darüber nach, die Sache mit dem Baby zu machen? Statt Berlin?“

Sie war nie gut darin gewesen, jemanden abzuschütteln. Sie holte ihr Handy raus, rief Fin an. Er ging nicht dran.

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9:

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„Fin, ich bin’s“. Eine Frauenstimme. Fin fuhr sich über den Nacken. Vor drei Tagen war er beim Friseur gewesen. Eine normale Herrenfrisur. Da gibt’s jetzt nicht mehr viel zu variieren. Er zog an seinem Pullover, fand keine Position, in der er sich wohlfühlte.

„Man sollte sich überlegen, ob man ein Kind bekommt. Weil das Kind dann da ist. Es wird alles ändern. Für immer. Wenn andere Dinge auf der Strecke bleiben – und das werden sie – muss die Freude am Kind groß genug sein, um zurechtzukommen.“

Schwangere im Supermarkt, Schwangere im Bus. Babys im Kinderwagen, im Tragetuch, auf Schultern, Armen. Fin wurde das Gefühl nicht los, etwas Falsches gesagt zu haben.

„Kein klassisches Familienmodell. Ich finde das nicht schlimm.“

„Aber keine intakte Familie.“

„Wie wirst du es finden, jahrelang aus dem Leben auszutreten? Aus dem Beruf, aus allem?“

„Wir wären kein Paar, wir wären nur Eltern.“

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10:

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Rund um die Holzhütte lagen Pfandflaschen und Werkzeuge. Klaus’ Parzelle lag am Ende der Anlage und wirkte vergleichsweise unordentlich. Die Sauberkeit der Wege, die Fahnenstangen, Mülltonnen, Hinweisschilder.

„Ich lege jetzt das Handy weg und lösche dich aus meinen Kontakten“, schrieb sie.

Der Bruch, die Einsamkeit. Kein Kampf.

Keine Notwendigkeit, sich klar zu ihr zu stellen.

Vielleicht würden sie sogar noch miteinander schlafen. Er hat keine Versprechungen gemacht. Was kann sie sagen? Welches Recht hat sie, wütend zu sein?

Sie straffte die Schultern. Bekomm halt keine Kinder mit irgendeinem Deppen.

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11:

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„Du glaubst, dass er seine Frau nicht verlassen wird.“

„Nie.“

„Und es nie wollte.“

„Genau.“

Sie las den Text viermal. Dann legte sie das Handy weg. Verena hatte ein Foto ihrer Arbeit im Kinderdorf gepostet. Leila fragte, ob sie auf eine Party wolle. Zwischen den Platanen rannten Kinder hin und her. Versuchten, sich gegenseitig zu fangen. Sie drehte das Autoradio an. Wie viele Tassen Kaffee kann man jemandem bringen?

Vor zwei Jahren war Fin von einem Jeep erfasst worden. Sein rechtes Bein musste mehrfach operiert werden. Er redete nicht viel darüber. Marie faltete die Karten zusammen.

„In meinem Alter sind nur noch Loser allein. Single ist man vor und nach dreißig, nicht mittendrin.“

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12:

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Fin blieb direkt hinter der Tür, Hände in den Hosentaschen, das Gewicht auf beide Beine verteilt. Seit sie ihn kannte, imitierte er Vorbilder, folgte irgendwelchen Vorgaben. Vielleicht sollte sie nach Hause gehen.

„Es war die richigite Entscheidung.“

„Wenn du das sagst.“

„Das sage ich. Wir treffen uns nicht mehr.“

Mit dreizehn ging sie ständig auf Demos, protestierte gegen die Kompetenzerweiterung der Bundeswehr, klebte sich WWF-Sticker auf den Ranzen und wäre bestimmt auch auf den nächsten Kraftwerk-Schornstein geklettert, hätte es in der Umgebung Anlass gegeben.

Sie schrieb für die Schülerzeitung, war Klassen-, später Schulsprecherin, organisierte Projektwochen.

„Jetzt habe ich was zum Drübernachdenken.“

Fin war überrascht, dass sie nicht emotionaler war.

„Ally McBeal ist immer unglücklich. Nein – unzufrieden. Am Ende haben sie das so gedreht, dass sie einfach aufhört, ihr Glück in einer Zweierbeziehung zu suchen. Stattdessen hat sie eine Tochter und sagt, die Leere, die sie immer gefühlt hat, ist jetzt weg. Also braucht sie keinen Mann mehr. Fernsehen halt.“

Fin biss sich auf die Lippe. „Du sagst, du willst Familie. Du sagst, du suchst einen Familienmensch, der nichts über dich und eure Kinder stellen wird. Aber du magst Männer, die intellektuell sind, beruflich erfolgreich, engagiert und interessant.“

„Na und?“

„Möchtest du ein Bier?“

„Hast du noch von deinem Ammoniak?“

Er lachte. „Armagnac. Sofort.“

Sie wollte irgendwohin, wo es ihr besser gehen würde.

Kälte hätte ihr jetzt gut getan, vielleicht sogar Regen, der hätte jetzt gepasst.

Aber nein. Es war natürlich warm.

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Tatsächlich ist mein Text, “wie von selbst”, keine Erzählung.

Sondern ein Cut-Up: ein Schwerpunkt des Orbanism-Festivals / das Thema der “Leipzig küsst Berlin”-#fil15-Lesung war: Remix und Remix-Kultur, und schon seit Wochen haben Künstler*innen auf der Orbanism-Website Texte, Bilder, Filme, Audiodateien zur Verfügung gestellt, aus denen – im Rahmen des Festivals – neue Inhalte entstehen konnten.

Autorin Felicitas Pommerening hat “Freunde fürs Lieben” zur Verfügung gestellt – einen über 300 Seiten langen Liebesroman, erschienen 2015 im Berlin Verlag:

“Marie und Fin sind beste Freunde. Schon seit der Grundschule. Bei Fin kann Marie sich ausheulen, wenn mal wieder einer ihrer Beziehungsversuche missglückt ist. Und bei Marie kann Fin er selbst sein, und muss sich nicht für seinen Freiheitsdrang rechtfertigen. Sie könnten sich nie ineinander verlieben, und das macht die Freundschaft so perfekt. Doch eines Tages macht Fin einen unglaublichen Vorschlag: Er möchte ein Kind haben, ohne sein Single-Leben aufzugeben. Und das am liebsten mit Marie. Sie fällt aus allen Wolken. Eine absurde Idee! Oder könnte das ungewöhnliche Modell vielleicht doch funktionieren?”

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Buch kaufen? (Link)

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Lesungsfoto: Sophie Sumburane, Buchcover: Berlin Verlag

Lesungsfoto: Sophie Sumburane, Buchcover: Berlin Verlag

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Ich habe den Roman rückwärts gelesen – Seite für Seite, als ebook…

…mir Lieblingssätze markiert…

…und diese Sätze dann – ohne, ihre Reihenfolge zu ändern oder Worte hinzuzufügen…

…zu einer neuen Geschichte montiert:

Die Münchner Journalistin Marie, 32, hat im Roman eine Affäre mit einem verheirateten Mann, trennt sich auf Seite 1, fährt mit ihrem besten Freund Fin in den Urlaub und überlegt sehr lange, was sie von Fins Vorschlag halten soll, ein Kind zu zeugen und gemeinsam aufzuziehen – als Freundes-Duo, nicht als romantisches Paar. Marie flirtet mit Lukas, Fin trifft ein Model namens Ann-Kathrin, der Roman erzählt eine Annäherung, folgt den Gedanken einer ledigen, nicht-schwangeren Frau.

Mein Remix-Text erzählt eine Trennung und die Ängste einer Schwangeren.

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Kurzgeschichten leben oft von Lücken, Ellipsen. Möglichst vielsagenden… Auslassungen.

Aber lädt sich jeder Halbsatz mit Bedeutung auf? Reichen kurze, widersprüchliche Szenen, Schlaglichter, Fragmente – und aus direkter, erzählender Prosa wird “suggestive”, verrätselte Literatur?

Ich merke beim Schreiben von “Zimmer voller Freunde”: Kürzungen helfen. Fast immer.

Aber ich weiß auch, nach fünf Jahren “Kreatives Schreiben” in Hildesheim: Vage Kurzsätze kann JEDER aneinander reihen. “wie von selbst” klingt wie… fünftes Semester Schreibschule. Ein “suggestiver” Text? Ein Windbeutel!

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Felicitas Pommerening, geb. 1982, lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und dem kleinen Sohn in Mainz. Nach dem Studium hat sie jährlich den Job und den Wohnort gewechselt, bis sie keine Lust mehr dazu hatte. 2011 hat sie ihre medienwissenschaftliche Doktorarbeit abgeschlossen.

Zur “Raum B”-Lesung war sie Überraschungsgast:

Nach meinem Remix-Text las sie selbst aus “Freunde fürs Lieben”… und antwortete/erzählte mir und dem Publikum viel über die Arbeit am Roman, ihre Ziele als Autorin und das eigene Schreiben.

Ich habe mich irrsinnig gefreut, mit ihr zu sprechen.

Und ich habe es sehr genossen, zwei Tage lang durch ihren Roman zu streifen, mit ihren Worten, ihrer Sprache zu arbeiten.

Danke, Orbanism. Danke, Raum B. Danke, Felicitas!

“Kein Arsch kennt Uwe Tellkamp”: Wozu junge Bücher? Wozu PROSANOVA 2014.

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[Schreiben im Abseits | “Junge Literatur?!?” | “Kein Arsch kennt Uwe Tellkamp”]

Noch zweieinhalb Wochen zu PROSANOVA – dem Festival für junge deutschsprachige Literatur in Hildesheim. [29. Mai bis 1. Juni 2014, Infos hier]

Die ersten studentischen Radiosendungen und “Hoffen wir mal, dass es viral geht!”-Videos ziehen durch Facebook. Und ich bin angetan:

Das Litradio Net-Feature (http://litradio.net/litmix-pn14/) macht Spaß – vor allem das lange Gespräch mit Lena Vöcklinghaus (ab ca. 29:00).

Auch die sympathisch banalen “Sturm Hund Struppi”-Quatschvideos von litradio.net schaffens jedes Mal, mich 5, 6 Minuten lang zu überraschen / irritieren / in “doof-aber-witzig!”-Laune zu ziehen.

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Trotzdem kurz – so von außen und grundsätzlich:

2005, beim ersten PROSANOVA, waren Jan Fischer und ich in der Redaktion der Festivalzeitung. Die Festivalzeitung ist eins dieser halb-offiziellen und halb-unabhängigen Organe – wie Litradio und “Sturm Hund Struppi” heute – die einerseits Identität schaffen, Stimmung machen, über das Festival informieren.

Aber andererseits quer stehen wollen – freier, kritischer, MEHR sein wollen als ein Sprachrohr der Festival-Orga.

Jan und ich sollten uns damals Ressorts / Formate für die Zeitung überlegen… und weil die Prosa Nova-Leiter ständig verzückt und starry-eyed “Wir haben’s geschafft: UWE TELLKAMP kommt. SOLCHE NAMEN konnten wir gewinnen! Wahnsinn!” riefen, war unser erster Vorschlag: eine Straßen-Umfrage. In Hildesheim. Über all diese – ach-so-relevanten? – Autoren:

“Wir nennen das Umfrage-Feature ‘Kein Arsch kennt Uwe Tellkamp‘!”

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Ich würde das heute nicht mehr machen. Und die beiden Features von gestern / heute (Litradio Litmix und Sturm Hund Struppi 04) zeigen ganz gut, was sich verändert hat:

Nicht jeder liest. Fast *niemand* liest Literatur-Literatur / junge deutsche Texte.

Oder würde behaupten, dass dort – gesellschaftlich, kulturell – grade etwas RICHTIG Großes, Wegweisendes, Relevantes passiert. Bücher sind für Liebhaber und Freaks. Und kleine, schrullige, abseitige, anspruchsvolle junge deutschsprachige Bücher… sind die Nische in der Nische.

Dass PROSANOVA seit 9 Jahren immer wieder sagt: “Trotzdem spannend! Trotzdem toll! Wir stellen das vor. Wir machen das sichtbar. Wir finden so vieles SO gut, dass wir das FEIERN wollen – mit euch!” ist… großartig.

Vielleicht nicht zwingend / weltbewegend / nötig für jeden, der zwei Katzenkrimis liest pro Jahr – aber RICHTIG zwingend / weltbewegend / nötig für die Menschen, die junge deutsche Literatur lesen, vermitteln, schreiben:

Eine Theater-Bekannte bat mich neulich zu einer Besprechung – am 31. Mai und 1. Juni. “Das geht nicht. Da ist PROSANOVA. Das ist nur alle drei Jahre. Und für uns Schreib-Menschen… wie Weihnachten. Ich MUSS da hin!”

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Wenn Max in “Sturm Hund Struppi 4” Hildesheimer Verkäuferinnen, mit-Jeansjacke-am-Stehtisch-rumsteh-Männer und Teenager (“Ihr geht zur Hauptschule?”) fragt, ob / warum ihr Herz keinen Riesensprung macht, sobald sie “Festival für junge deutschsprachige Literatur” hören… wird mir schlecht. Mehr als vor 9 Jahren.

Weil…

…ich die Wut verstehe, mit der Journalisten (und seis nur bei der PROSANOVA-Festivalzeitung) auf Behauptungen reagieren wie “Uwe Tellkamp: Toller geht’s nicht! DAS ist wichtig und spannend!”

[Ich glaube, Florian Kesslers ZEIT-Artikel war auch deshalb für viele enttäuschte Wenig-Leser so befreiend und willkommen: Er spricht den Menschen aus dem Herzen, die EH glauben, dass in keiner Buchhandlung irgend etwas auf dem Neuerscheinungs-Tischchen liegt, das WIRKLICH wichtig, dringend ist.]

Der Wunsch dieser Hildesheimer Redaktionen, immer wieder zu zeigen: Die Welt dreht sich nicht um Hildesheim. Oder um diese Bücher. Oder um das Festival… leuchtet mir erstmal ein. [Uwe Tellkamp ist super. Aber das nur am Rand. Und: Uwe Tellkamp hat den deutschen Buchpreis gewonnen – aber wird heute wohl in der Hildesheimer Fußgängerzone IMMER noch nicht gekannt.]

Nur… sind wir heute…

…in einer GANZ anderen Lage, wenn’s um Literatur, Information, PR und Teilen geht:

Ich kann Uwe-Tellkamp-Kapitel auf Facebook verlinken. Ich kann Youtube-Videos teilen. Ich könnte JEDEM in meiner Blase (und, in Blogs: auch weit über diese Blase hinaus) ganz konkret und offen aufzeigen, WAS mich an junger Literatur begeistert. WAS sich lohnt. WO es spannend wird.

Und da sehe ich Journalisten / Berichterstatter heute in einer ganz anderen Verantwortung als vor neun Jahren:

Ihr könnt uns ZEIGEN, warum sich PROSANOVA lohnt. Ihr könnt informieren. Kuratieren. Teilen. Begeistern. Ihr müsst nicht immer wieder diese bräsige und rhetorische (und klassistische!) “Wen interessiert das? Interessiert das die Hildesheimer Fußgängerzonen-Menschen?”-Fragen stellen. Ihr müsst GAR NICHT MEHR fragen.

Denn ihr habt jetzt die Mittel, ANTWORTvorschläge zu geben. WO sind die tollen Autoren? WER hätte Spaß auf diesem Festival? WAS ist das Spannende an junger deutschsprachiger Literatur?

Meine Lieblingsstelle – verunglückt, überraschend, toll aus dem Ruder laufend – im Litradio-Feature kommt gleich zu Beginn: Die rebellisch-kritisch-süffisanten Jungreporter-Schnösel fragen Anwohner, ob sie Lust hätten, 30 EURO (!1!!1) für ein PROSANOVA-Ticket zu zahlen.

Und statt “Nie im Leben!” und “Was ist ein Ticket?” und “30 Euro? Das gebe ich nur für Helene-Fischer-Konzerte oder in der Spielothek aus!” sagen die Hildesheimer Befragten: “Ja. Grundsätzlich schon. Kommt auf die Autoren an. Warum nicht? Und bei uns im Garten ist noch Platz für Zelte.”

Nicht alles muss affirmativ sein. Nicht jeder muss werben und begeistern. Und: ich selbst bin auch oft genervt von den Literatur-Freunden, die sich für ALLES begeistern und jedes Buch mit Lesebändchen und Schutzumschlag “traumhaft schön” finden.

Aber ich glaube, die PROSANOVA-“Berichterstattung” (?) oder -“PR” (?) geht am Thema vorbei: NIEMAND behauptet ernsthaft, ein Hildesheimer Festival mit… Kathrin Röggla, Antje Ravic Strubel und Dietmar Dath (who are these people?) sei das Ereignis des Jahres. Für jeden, der durch die Fußgängerzone läuft.

Doch es IST nen Blick wert. Und: Wenn sich Außenstehende erstmal wenig interessieren, muss das nicht an der Hybris und dem Bauchnabelblick der Veranstalter liegen (“Geil! Uwe Tellkamp!”)… aber auch nicht an der Ignoranz ALLER ALLER “normalen” Hildesheimer.

Seit 10 Jahren passiert mir – mit “normalen” Wenig-Lesern – fast nie: “Oh. Ich lese keine Bücher. Das interessiert mich nicht!”. Sondern – viel, viel öfter: – “Stefan? Du hast mir Marcus Braun empfohlen. Fand ich blöd. Du hast mir eine Bella Triste geschenkt. Fand ich witzlos. Du hast ein Interview mit Kathrin Röggla verlinkt – war jetzt nicht meins.”

Oft liegts nicht am grundsätzlich fehlenden Interesse. Sondern an falsch vermittelter, falsch adressierter, vorschneller oder unüberlegter Begeisterung: Wir haben – grade hier, via Social Media – SO VIELE Möglichkeiten, zu zeigen, WAS toll ist an Uwe Tellkamp.

Stattdessen nur Hauptschüler vorzuführen, weil die nicht rufen “Oha! Interessant!!”… bringt nichts. Es ist UNSER Job, zu zeigen, WAS interessant ist. An Tellkamp. An PROSANOVA. An Literatur.

Falls der Funke nicht überspringt, liegt das im Zweifelsfall fast IMMER an mir und meiner Vermittlung.

Nicht an den Menschen in der Hildesheimer Fußgängerzone.

[So. Kurz runtergetippt und ursprünglich auf meiner Facebook-Seite gepostet. Teilt und kommentiert gerne.]

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Ich selbst war 2008 Mitglied der Künstlerischen Leitung des zweiten PROSANOVA-Festivals:


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Links:

  • PROSANOVA 2011: Fotos
  • PROSANOVA 2011: Stimmen der Presse
  • PROSANOVA 2011: Eine Welt für sich
  • junge Literatur: 50 Empfehlungen
  • junge Literatur: Wo / wie findet man neue Bücher?

    PROSANOVA ist das größte Festival für junge Literatur im deutschsprachigen Raum. Vom 29. Mai bis zum 1. Juni trifft sich in Hildesheim wieder die junge Literaturszene zu Text, Tanz und Gespräch. In über 40 Veranstaltungen feiern 70 Künstlerinnen und Künstler ihr persönliches Bekenntnis zur Literatur.

    Autorinnen und Autoren, u.a.

    Adler & Söhne | als wir von den bäumen runterkamen | Jan Brandt | Katja Brunner | Carolin Callies | Lars Claßen | Ann Cotten | Kenah Cusanit | Dietmar Dath | Michel Decar | Dorothee Elmiger | Joseph Felix Ernst | Guido Graf | Verena Güntner | G13 | Martina Hefter | Susanne Heinrich | Fabian Hischmann | Maren Kames | Florian Kessler | Thomas Klupp | Martin Kordic | Jan Kuhlbrodt | Kevin Kuhn | Svealena Kutschke | Jo Lendle | Wolfram Lotz | Clemens Meyer | Matthias Nawrat | Claudius Nießen | Jakob Nolte | Hanns-Josef Ortheil | Thomas Pletzinger | Leif Randt | Annika Reich |Monika Rinck | Kathrin Röggla | Christian Schärf | Oliver Scheibler | Ferdinand Schmalz | Sabine Scho | Jan Skudlarek | Kai Splittgerber | Saša Stanišić | Antje Rávic Strubel | Thalstroem| TRAUMAWIEN | Stefanie de Velasco |Katrin Zimmermann

Sonntag

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1989 trennt der Stadtplaner und Soziologe Ray Oldenburg drei „Places“ unseres Alltags: Der „First Place“ ist der Raum, in wir leben, wohnen, schlafen. Der „Second Place“ der Raum, in dem wir arbeiten. Der Wert einer Gemeinde aber bemisst sich an der Qualität ihrer „Third Places“ – den offenen, kollektiven Räumen, an denen man verweilen darf und dabei zwanglos andere Bürger trifft.

Starbucks nutzt das Konzept des „Third Place“ für die Kundenbindung: Jeder darf bleiben, so lange er will. Alle sind sicher und willkommen. Man soll vor seinem Kaffee sitzen und lesen, plaudern, warten – wie daheim. 

Doch ein tatsächlich öffentlicher „Third Place“ ist viel seltener. Und alle, die wir haben, liegen draußen, unter freiem Himmel: der See im Dorf, der Bahnhofswiesenpark, die Wiese oben am Ottilienberg. Sobald es kälter wird, sind diese Orte von der Karte ausgestrichen. Sobald der Spätherbst kommt, wird die Welt klein. Und ernst. Und eng.

Es gibt nicht viele Plätze hier, für uns.

“Zimmer voller Freunde”, Seite 190.

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verwandte Links:

  • “Zimmer voller Freunde”, zwischen/miete-Lesung, Literaturbüro Freiburg, November 2011 (Link)

Ivana Rohr: “Nichts bleibt, Baby” [Prosanova 2011]

“Nichts bleibt, Baby” (Link) war die schönste, stimmigste und frischeste Veranstaltung von Prosanova 2011 (Link), dem Festival für junge deutschsprachige Literatur (Link) in Hildesheim:

Ein begehbares Hörgedicht der Lyrikerin / Künstlerin Ivana Rohr (Link) in einer abstrakten Kulisse – friedlich, aber unheimlich.

Hier ein paar (schnelle und unbearbeitete) Snapshots aus der Installation.

Mehr Infos zu Ivana Rohr und ihren neuen Projekten bei litradio.net (Link).

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Copyright des Kaktus-Fotos: Jule D. Körber.

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verwandte Links:

junge Literatur: 50 Empfehlungen

1) Günter Grass, 2) Martin Walser, 3) Herta Müller: als Antwort auf die staubige und deprimierende “Unsere Besten”-Liste im Focus 23/2011…

[jüngster Autor: Mitte 30. Frauen: 14. Publikumslieblinge wie Walter Moers oder Sven Regener: totgeschwiegen / außen vor]

…hier mein persönliches Ranking der 20 besten – jungen! – deutschsprachigen Bücher seit den 1980ern:

01: DIETMAR DATH: ‘Dirac’, 2006

02: THOMAS VON STEINAECKER: ‘Wallner beginnt zu fliegen’, 2007

03: ALEXA HENNIG VON LANGE: ‘Woher ich komme’, 2003

04: MONIKA MARON: ‘Flugasche’, 1981

05: MARCUS BRAUN: ‘Delhi’, 1999

06: BJÖRN KERN: ‘Einmal noch Marseille’, 2005

07: KEVIN VENNEMANN: ‘Nahe Jedenew’, 2005

08: KIRSTEN FUCHS: ‘Die Titanic und Herr Berg’, 2005

09: SVEN REGENER: ‘Neue Vahr Süd’, 2004

10: ELSE BUSCHHEUER: ‘www.else-buschheuer.de: Das New-York-Tagebuch’, 2002

11: MAX GOLDT: ‘Die Kugeln in unseren Köpfen’, 1995

12: RAINER MERKEL: ‘Das Jahr der Wunder’, 2001

13: BARBARA HONIGMANN: ‘Alles, alles Liebe!’, 2001

14: BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE: ‘Livealbum’, 1999

15: RAINALD GOETZ: ‘Dekonspiratione’, 2002

16: GREGOR HENS: ‘Matta verläßt seine Kinder’, 2004

17: TEREZIA MORA: ‘Alle Tage’, 2005

18: CHRISTIAN KRACHT: ‘1979’, 2001

19: JENNY ERPENBECK: ‘Heimsuchung’, 2008

20: DANA BÖNISCH: ‘Rocktage’, 2003

ohne Ranking, und mit gewissen Vorbehalten (der wichtigste Vorbehalt: vielleicht haben die Autoren jeweils noch bessere Bücher – die ich nur noch nicht kenne?)…

30 weitere empfehlenswerte, junge Bücher:

– KATZ & GOLDT: ‘Adieu, Sweet Bahnhof’, 2004

– KOLJA MENSING: ‘Wie komme ich hier raus? Aufwachsen in der Provinz’, 2002

– TILMAN RAMMSTEDT: ‘Wir bleiben in der Nähe’, 2005

– NADJA EINZMANN: ‘Dies und das und das’, 2006

– PETER STAMM: ‘Blitzeis. Erzählungen’, 1999

– SASA STANISIC: ‘Wie der Soldat das Grammofon repariert’, 2006

– ECKHART SCHUHMACHER: ‘Gerade eben jetzt. Schreibweisen der Gegenwart’, 2003

– SUSANNE HEINRICH: ‘In den Farben der Nacht’, 2005

– FLORIAN ILLIES: ‘Generation Golf. Eine Inspektion’, 2000

– RICARDA JUNGE: ‘Kein fremdes Land’, 2005

– JÖRG ALBRECHT: ‘Drei Herzen’, 2006

– WLADIMIR KAMINER: ‘Militärmusik’, 2001

– MARIANA LEKY: ‘Erste Hilfe’, 2004

– DIEDRICH DIEDERICHSEN: ‘Sexbeat’, 1985

– BENJAMIN MAACK: ‘Die Welt ist ein Parkplatz und endet vor Disneyland. Erzählungen’, 2007

– JOACHIM BESSING u.a.: ‘Tristesse Royale’, 2000

– JUDITH HERMANN: ‘Nichts als Gespenster. Erzählungen’, 2003

– HENNING AHRENS: ‘Lauf Jäger lauf!’, 2002

– KRISTOF MAGNUSSON: ‘Zuhause’, 2005

– ANTJE RÁVIC STRUBEL: ‘Kältere Schichten der Luft’, 2007

– ANDREAS NEUMEISTER: ‘Äpfel vom Baum im Kies’, 1990

– HANNS-JOSEF ORTHEIL, KLAUS SIBLEWSKI: ‘Wie Romane entstehen’, 2008

– KATJA OSKAMP: ‘Die Staubfängerin’, 2007

– DANIELA DANZ: ‘Türmer’, 2006

– NIKOLA RICHTER: ‘Die Lebenspraktikanten’, 2006

– ROLAND KOCH: ‘Unter fremdem Himmel’, 2010

– JAGODA MARINIC: ‘Die Namenlose’, 2007

– THOMAS MELLE: ‘Raumforderung. Erzählungen’, 2007

– BENJAMIN LEBERT: ‘Kannst du’, 2006

– LEIF RANDT: ‘Leuchtspielhaus’, 2009