J. Michael Straczynski

Best Graphic Novels 2014

underdog literature october 2014
.

Here are 20 monthly comic book series that caught my interest lately.

Off-beat, quirky or curious titles that might deserve more attention…

all published and / or collected in trade paperback collections in 2014.

 

.

01: RICK REMENDER (writer): „Deadly Class“

ongoing high school thriller / mystery series, Image Comics

Deadly Class, Vol. 1: Reagan Youth

02: MARK MILLAR (writer): „Jupiter’s Legacy“

10-issue ongoing mini-series about the children of super-heroes, Image Comics

Jupiter's Legacy Volume 1

03: CLAUDIO SANCHEZ (writer): „Translucid“

philosophical and experimental super-hero tale, Evil Ink Comics

Translucid

04: KEL SYMONS (writer), „The Mercenary Sea“

adventure and espionage, set in 1938, Image Comics

The Mercenary Sea Volume 1

05: KELLY SUE DeCONNICK, „Pretty Deadly“

ongoing horror / fantasy western, Image Comics

Pretty Deadly, Vol. 1: The Shrike

06: LARIME TAYLOR (writer), „A Voice in the Dark“

ongoing horror / serial killer drama, Image Comics

A Voice in the Dark, Volume 1

07: ALES KOT (writer), „Zero“

ongoing spy thriller, Image Comics

Zero, Vol. 1 An Emergency

08: KYLE HIGGINS (writer), „C.O.W.L.“

ongoing period drama about Chicago’s super-hero labor union, Image Comics

C.O.W.L. Volume 1: Principles of Power

09: JOSHUA WILLIAMSON (writer), „Nailbiter“

ongoing horror / serial killer small town drama, Image Comics

Nailbiter Volume 1: There Will Be Blood

10: J. MICHAEL STRACZYNSKI (writer), „Ten Grant“

ongoing supernatural demon-hunter urban fantasy drama, Image Comics

Ten Grand Volume 1

11: JIM ZUB (writer), „Disney Kingdoms: Figment“

limited all ages fantasy mini-series about theme park Disney characters, Marvel Comics

Disney Kingdoms: Figment #1

12: ED BRUBAKER (writer), „The Fade Out“

ongoing noir crime drama set in Hollywood in 1948, Image Comics

The Fade Out #1

13: CHRIS MISKIEWICZ, „Thomas Alsop“

ongoing superatural urban fantasy drama – might be whimsical and melancholic. BOOM! Studios

Thomas Alsop #1

14: SIMON SPURRIER (writer), „Six Gun Gorilla“

ongoing sci-fi western action comedy (?), BOOM! Studios

Six-Gun Gorilla

15: CHARLES SOULE (writer), „Letter 44“

ongoing science fiction thriller about astronauts making first contact, Oni Press

Letter 44 Volume 1: Escape Velocity

16: RICK REMENDER, „Black Science“

ongoing crazy sci-fi adventure, Image Comics

Black Science, Vol.1: How to Fall Forever

17: MARK MILLAR (writer), „Starlight“

ongoing (?) golden-age style space opera, Image Comics

Starlight #1

18: GREG RUCKA (writer), „Veil“

Urban Fantasy / horror ongoing, Dark Horse Comics

Veil

19: KIERON GILLEN (writer), „The Wicked + The Divine“

ongoing supernatural drama about deities, reborn as hipsters, Image Comics

The Wicked + the Divine Volume 1

20: JOE KEATINGE, „Shutter“

ongoing Young Adult science fiction adventure, Image Comics

Shutter, Vol. 1: Wanderlost

.

I’m shocked that so many Image Comics titles made the cut: Image has launched a lot of new series, and reviews / reception has been great for most.

I’m also curious about Brian Michael Bendis‘ mob drama „The United States of Murder“ and Jason Aaron’s „Southern Bastards“.

Bonus:

5 ongoing older (but still recent) series that I want to read soon:

Revival, Vol. 1: You're Among Friends Bedlam, Vol. 1 The Black Beetle in No Way Out Nowhere Men, Vol. 1: Fates Worse Than Death Storm Dogs Vol. 1 TP
.

…and all recent ongoing series that I read and enjoy:

Velvet, Vol. 1: Before the Living End Lazarus, Vol. 1: Family High Crimes The Massive, Vol. 1: Black Pacific Saga #1

Afterlife with Archie: Escape from Riverdale MIND MGMT, Vol. 1: The Manager Alex + Ada, Volume 1 Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal The Private Eye, Volume One

She-Hulk, Vol. 1: Law and Disorder Hawkeye, Vol. 1: My Life as a Weapon Injustice: Gods Among Us, Vol. 1 Smallville Season 11, Volume 1: Guardian Wonder Woman, Vol. 1: Blood

I’m also curious about Geoff John’s „Superman“, Cameron Stewart’s „Batgirl“ and Becky Cloonan’s „Gotham Academy“.

.

related Posts:

and:

Superman: „Man of Steel“ – Comic-Empfehlungen

superman book recommendations man of steel, stefan mesch wordpress.

Seit 2008 las ich knapp 100 „Superman“-Sammelbände. Clark Kent ist einer meiner Lieblingsmenschen, Lois Lane eine der sympathischsten, spannendsten Frauen der Popkultur… und obwohl viele „Superman“-Comics Probleme, Hänger, Schwächen haben, fand ich in 75 Jahren „Superman“ einige große Klassiker, Highlights und Geheimtipps.

Heute, zum Kinostart von „Man of Steel“:

10 Empfehlungen für Neueinsteiger.

.

Superman for all Seasons (1998)

Ein Findelkind aus einem abgestürzten Raumschiff. Die schläfrige Nostalgie einer Landjugend in Smallville, Kansas. Ein junger Mann mit ungeheuren Kräften, plötzlich alleine in der großen Stadt. Und eine Reporterin, Rivalin, forsche Kollegin – umworben von einem zwielichtigen Milliardär:

Keine Helden-(Vor-)Geschichte wird so oft neu erzählt wie Clark Kents Jugend und Erwachsenwerden, Clarks Sprung von Smallville nach Metropolis, erste Konflikte mit Lex Luthor und Lois Lane. Doch Charme, Schwung, erzählerische Eleganz solcher “Wie alles begann”-Comics waren nie größer als in “Superman for all Seasons”, einem zeitlosen, schlichten Vierteiler: Die wenigsten Heldencomics machen auch ohne Vorwissen großen Spaß, scheren sich um Einsteiger, neue Leser. “Superman for all Seasons” will neue Leser hofieren. Hinreißen. Anfixen. Verführen! Große Empfehlung.

wer zeichnet / schreibt? Tim Sale zeichnet im Noir-Stil der vierziger Jahre: tiefe, suggestive Schatten, Art-Deco-Wolkenkratzer, Clark stiernackig und aufgebläht, Lois Lane als kindliche Femme Fatale. Bis Mitte der Nuller-Jahre veröffentlichten Sale und Autor Jeph Loeb gemeinsam eine ganze Reihe moderner Klassiker (Empfehlungen bei DC Comics: “Batman: The Long Halloween”, “Catwoman: When in Rome”). Erst heute ist Loeb – u.a. als Marvel-Fließbandschreiber und Produzent der biederen TV-Serie “Heroes” – recht verhasst: Die Luft ist raus. Der Charme ist fort.

.

mehr davon:

Grant Morrisons “All-Star Superman” (2005) hat einen ähnlichen Breitbild-Stil, will Leser Staunen machen und verwundern – war mir persönlich aber viel zu angestrengt, wirr, gernegroß.

In “Superman: Kryptonite” (2007) zeigen Darwyn Cooke und Tim Sale eine etwas behäbige, dröge Monster-Geschichte: die selbe Optik, aber erzählerisch banaler.

Auch Mark Waids “Superman: Birthright” (2004) zeigt Clarks Jugend und die ersten Abenteuer in Metropolis: viel Lois Lane, viele kluge Fragen, gut gezeichnet. Solide!

clark kent wordpress.

Superman: Secret Identity (2004)

“Clark Kent? Aus Kansas?” Alle lachen über den High-School-Außenseiter, dessen Eltern ihn nach einem Comic-Trottel tauften. Denn “Secret Identity” spielt nicht in der gewohnten DC-Welt von Batman, Wonder Woman, Superman usw., sondern in “unserer” Realität: Ein junger Mann, benannt nach Supermans geheimem Ich, hadert mit den Erwartungen, die der Name “Clark Kent” mit sich bringt – und muss entscheiden, welche Rolle er in einem Alltag spielen will, der anderen Gesetzen gehorcht als in den Superhelden-Comics.

“Superman: Secret Identity” hat alle Wucht, Herz und Idealismus der Filme von Frank Capra. Ein Alltagsmärchen übers Held-Sein und Erwachsenwerden, persönliche Vorbilder und erste, unerhörte Schritte: Für diese abgeschlossene, klug (!) sentimentale Graphic Novel ist kein Vorwissen nötig. Eine stille, zeitlose Liebes- und Familiengeschichte; Denkmal zur Doppelrolle Clark / Superman. Ein Comic über Comics. Ihre Helden. Und ihre Leser.

wer zeichnet / schreibt? Zeichner Stuart Immonem hatte anderswo (z.B. in Marvels “Nextwave”) mehr Schwung. Autor Kurt Busiek dagegen war nie so gut wie hier: Seit 20 Jahren schreibt er hin und wieder “Superman”-Geschichten. Immer mit dem Herz am rechten Fleck, gutem Verständnis der Figuren. Schade, dass sein größter Wurf trotzdem eine Anomalie blieb: in Busieks Karriere. Und im Verlagsprogramm von DC.

.

mehr davon:

Kurt Busieks “Superman: Up, up and away” (2007) ist ein normaler Helden-Comic, kompetent gezeichnet und erzählt, einsteigerfreundlich, charmant… aber ohne tiefere erzählerische Ambition.

Steven T. Seagles autobiografische Alltags-Graphic-Novel “It’s a Bird…” (2004) fragt, was Superman kulturell bedeutet. Wofür er steht. Leider bleibt ein halbgares, unfertiges, dümmliches Buch – voll trüber, nahe liegender Antworten.

Kansas-Kitsch, High-School-Herzschmerz, amerikanische Farmer-Nostalgie? Geoff Johns’ “Superboy: The Boy of Steel” (2011) wäre Comic-Massenware. Doch Zeichner Francis Manapul holt das Äußerste aus dem Setting: ein Zwischendurch-Comic, der große Sehnsucht macht – nach Maisfeldern, Apfelkuchen, Teenager-Sein.

.

clark kent wordpress 2.

The Superman Chronicles: Volume 1 (1938 / 39)

Für Batman wollen Autoren oft nur aller-allergrößtes Kino: gebrochene Helden! Vertrackte Psychologie! Masken/Rollen als Metapher! Die höchste denkbare Fallhöhe: Wer Batman besser machen will, setzt immer noch einen drauf. Legt weiter nach. Ein Melodram. Oder, falsch dosiert: Kitsch, Parodie. Eine Operette.

Sucht Superman neue Leser, denken Autoren meist umgekehrt: Sie nehmen den Fuß vom Gas. Erzählen simpler. Fangen immer wieder ganz von vorne an, reduziert aufs Wesentliche („You’ll believe a man can fly!“). Deshalb gibt es mehr gute, griffige “Superman”-Neustarts. Doch deshalb sind auch viele der besten Superman-Geschichten immer irgendwie: für Kinder. Ein Tick zu schlicht. Harmlos. Naiv.

Wer 75 Jahre nach Erscheinen von „Action Comics“ Nr. 1 Clarks erste, je 11 Seiten lange Abenteuer liest, stößt auf erwartbare Schlichtheit und Naivität. Dazwischen aber blitzen Kanten, die vielen neuen Superman-Versionen fehlen: Superman ist nassforsch, dreist, spielt seine Macht genüsslich gegen Unterdrücker und Bonzen aus. Um als Reporterin zu glänzen, nutzt Lois Lügen, Tiefschläge, dreiste Haurück-Manöver. Und Clark hat größten Spaß daran, sie dreist anzustacheln, zu belügen: Hassliebe. Geschlechterkampf. Brutalster Schlagabtausch! So viel der Mythos mit den Jahren gewann, so viel ging zwischenzeitlich auch verloren: Was wurde aus diesem frechen, krassen Aktivisten? Der schamlosen, unbeherrschbaren Frau? „Superman“ als fiebrige, überspannte Farce – überraschend leidenschaftlich. Forsch. Dreist. Frisch!

wer zeichnet / schreibt? Zeichner Joe Shuster starb 1992, Autor Jerry Siegel 1996. Ich las vom Superman-”Geburtshaus” in Cleveland. Vom kulturellen Erbe als junge Außenseiter und Juden. Von Shusters Sado-Maso-Zeichnungen, Brad Meltzers Mystery-Bestseller über den Tod von Siegels Vater, den jahrelangen Zerwürfnissen und Prozessen gegen DC Comics: zwei übervolle, dramatische Leben – die ich noch immer kaum verstehe / überblicke.

.

mehr davon:

Mit John Byrnes „Superman: Man of Steel“ (1986) begann eine 25 Jahre lange, durchgängige Saga über Clark (und Lois). Die frühen Sammelbände sind altbacken gezeichnet. Konflikte werden naiv gelöst. Doch Figuren und Charme leuchten bis heute – entspannter, altmodischer Spaß!

Geoff Johns‘ „Superman: Secret Origin“ (2009) scheint für ca. Zwölfjährige gezeichnet und erzählt. Ein leichter, grundsympathischer „Superman“-Grundkurs – doch künstlerisch / literarisch flach.

„Superman: The Greatest Stories ever told“ erschien in Deutschland 2005, als Teil der Comic-Klassiker-Bibliothek der FAZ: ein dichter, faszinierender Querschnitt, vom ersten Auftritt bis zum (empfehlenswerten!) Action Comics 775 (2001).

.

superman book recommendations man of steel 02, stefan mesch wordpress.

Superman: Red Son (2004)

Soft. Abgehoben. Passiv. Langweilig. Obrigkeitshörig. Waschlappig. Zu sauber und stark – und nur mit kleinen Keilereien beschäftigt, statt endlich mal für immer aufzuräumen, im Land! 1986 zeigten Alan Moores „Watchmen“ und Frank Millers „The Dark Knight Returns“ einen Gegenentwurf zum weichen, vorsichtigen Superman: kaputte, zynische Männer, die über Leichen gehen. Eigene Gesetze schreiben. Niemandem Rücksicht oder Rechenschaft schulden wollen. Miller und Moore entwarfen diese Antihelden als Warnung. Doch Leser feierten Rorschach, Lobo, Spawn usw. als kantige, moderne Nicht-lange-Herumfackler.

„Superman: Red Son“ ist ein Lieblingscomic vieler Flegel, die Superman zu trüb und dösig finden. Statt in Amerika landet die Raumkapsel aus Krypton in der Ukraine, und aus dem Super-Waisenkind wird ein Handlanger Stalins und Leitfigur des Kommunismus. Als moralisches / politisches Gedankenspiel macht „Red Son“ großen Spaß. Als düsterer, dreckiger Alptraum sowieso. Doch wie jede andere DC-Fantasie, die alte Helden in neue, blutige Rollen stößt („Flashpoint“, „Injustice: Gods Among Us“) kommt nach viel Schock und Irritation doch nur die etwas abgeschmackte Behauptung, den Helden läge das Gute schon im Blut – und edle Erbanlagen übertrumpfen jede Fehl-Erziehung. Zuerst also „verbotener“ Kitzel: klassische Figuren als zügellose Mörder. Als Feigenblatt, ganz kurz vor Schluss, dann die Beschwichtigung: „Egal, wie weit unsere Helden gehen… am Ende drehen sie brav wieder um!“ Die große Wutkinder-Sehnsucht, einen Auge-um-Auge-Superman zu sehen, der gnadenlos die Sau rauslässt, wird in „Red Son“ halbwegs klug befriedigt. Doch „Meisterwerk!“ rufen vor allem jene Aggros, die sich für Wolverine eine Kettensäge wünschen, für Batman Schusswaffen – und für Catwoman eine Geschlechtskrankheit.

wer zeichnet / schreibt? In „Stormwatch“ / „The Authority“ entwarf Provokateur Warren Ellis einen dunklen Spiegel zur DC-Gerechtigkeitsliga: Aus Batman wird der mörderische Midnighter, sein Liebhaber, ein Superman-Gegenpart, heißt Apollo. „Red Son“-Autor Mark Millar ist Ellis‘ Nachfolger: Er mag Politik, Zynismus, vertrackte Fragen – und exzessive Gewalt. Ein Quentin Tarantino der Comicwelt (mittelmäßig: „Kick-Ass“, 2008).

.

mehr davon:

Mark Waids Dystopie „Kingdom Come“ (1996) stellt die bedächtigen DC-Helden gegen eine neue, wütende Generation. Toll gezeichnet von Alex Ross – doch etwas bieder / abgehackt erzählt.

Brian Azzarellos „Lex Luthor: Man of Steel“ (2006) zeigt Superman als Bedrohung, durch Lex Luthors Augen. Ein gutes Konzept, ähnlich beliebt / gefeiert wie „Red Son“… aber in der Ausführung recht nichtssagend und flach.

In „JLA: Tower of Babel“ (2001) fragte Mark Waid, wie weit Helden gehen dürfen, um sich gegenseitig zu stoppen. Auch hier ist das Konzept leider klüger als die Ausführung. Trotzdem: lesenswert!

.

clark kent wordpress.

The Death and Life of Superman (1993)

Zwischen 1991 und 2002 erschienen vier parallele „Superman“-Heftserien pro Monat: Je 22 Seiten, von je vier Autor-und-Zeichner-Teams, eng genug verzahnt für einen gemeinsamen, immer komplexeren Plot. Ende 1992 wurde Superman von einem „Doomsday“ genannten Monster getötet. Mitte 1993 tauchten mehrere Unbekannte auf, die seine Rolle in Metropolis übernehmen wollten. Der wuchtige (trotz allem aber: gekürzte) Comic-Sammelband „The Death and Return of Superman“ erzählt dieses – kommerziell erfolgreiche, literarisch recht gelungene – „Superman“-Kapitel auf 784 Seiten.

Wer auf zwanzig Jahren alten Zeichenstil (und: schlimme Frisuren!) verzichten kann, liest die Geschichte besser in der Roman-zum-Comic-Fassung von Roger Stern – auch deutsch billig erhältlich, als „Superman: Die packende Geschichte seiner Abenteuer“. 1986, mit „Crisis on Infinite Earths“, erlebten viele DC-Figuren einen neuen Anfang. Supermans Tod, sechs Jahre später, erlaubt einen stimmigen, ersten Querschnitt durch Figuren und Stärken des Verlags: Guy Gardner? Booster Gold? John Henry Irons? In einer Welt ohne Superman haben solche Freunde, Feinde, Kollegen neuen Raum – und so wird der Roman zu einer doppelten Liebeserklärung: an Clark. Und an die Welt um ihn herum.

wer zeichnet / schreibt? Einer der besten Superman-Autoren und -Zeichner, Dan Jurgens, entwickelt sich seit 1992 leider kaum weiter: Er arbeitet bis heute für DC – doch je aktueller seine Comics, desto fader, simpler ihr Gesamteindruck. Trotzdem hat „Death and Life of Superman“ ein recht hohes Niveau. Das schwächste Glied ist Zeichner John Bogdanove.

.

.

mehr davon:

„Superman: Exile“ (1989), „Superman: They Saved Luthor’s Brain!“ (1992) und (selbst noch nicht gelesen:) „Superman: Panic in the Sky“ (1992) sind beliebte, klassische Vorgänger-Bände aus den frühen 90er Jahren.

Lesenswert, direkt im Anschluss, auch der „Green Lantern“-Band „Emerald Twilight / New Dawn“ (1994).

1999, nach einem Erdbeben, wurde Batmans Heimatstadt Gotham City zum „Niemandsland“ erklärt. Auch hier führt die Geschichte durch 80 Einzelhefte – oder eine Romanfassung: Der Autor heißt Greg Rucka, schreibt Comics und Thriller. Und gehört in beiden Medien zu den größten Talenten.

.

clark kent wordpress 2.

Identity Crisis (2005)

Dass sich Wonder Woman (oft: Fantasy), Batman (oft: Krimi/Thriller), Green Lantern (meist: Science Fiction) etc. die selbe Erzählwelt teilen, bringt viel Verwirrung – doch selten echten Mehrwert. Erst 2005 und 2006, unter der Leitung von Geoff Johns, gelang eine große erzählerische Kettenreaktion, in der Superman und Wonder Woman die besten Rollen spielen: „Identity Crisis“ zeigt einen Mord im Umfeld der Gerechtigkeitsliga / Justice League und fragt, was Helden dürfen, wollen, verändern können. Für sich alleine ist dieser Helden-Krimi spannend und gut verständlich. Als Mosaikstein einer größeren Geschichte wird er zur Superman-Pflichtlektüre:

.

Fast alle Reihen dieser Liste (selten aber: einzelne Bände) sind auch für sich alleine lesenswert. Zusammen zeigt sich ihre größere Thematik: Wie Batmans Überwachungswahn, Supermans Vorsicht, Wonder Womans Pragmatismus und schiefe, zähe Entscheidungsfindungen der Justice League die Welt oft besser, dieses Mal aber katastrophal schlechter machen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Action und Verwüstung – sondern Figuren, Ideale und Weltanschauung: Charakterfragen statt Story-Knalleffekte.

wer zeichnet / schreibt? Greg Rucka mag Spionage und politische Intrigen, schreibt tolle Frauenfiguren und recherchiert gründlicher als fast jeder Kollege: Seine Arbeit an „Wonder Woman“ ist ein Meilenstein, sein „Superman“-Plot nur Durchschnitt – doch im Zusammenspiel entwickelt sich große erzählerische Wucht. Geoff Johns wuchs mit den kindlicheren DC-Comics der 60er Jahre auf und denkt naive oder schrullige Konzepte gerne zeitgemäß zu Ende: zitatfreudige, bunte, oft etwas übervolle Comics. Erzählerisch gehört „Identity Crisis“ und das – gut orchestrierte – Vorher, Nachher, Drumherum zu den Sternstunden amerikanischen Helden-Mainstreams: Auf Tausenden Seiten darf man staunen wie ein Kind – und durch erwachsene, kluge Konflikte grübeln.

.

mehr davon:

Komplexe, viele Erzählfäden verwebende Helden-Comics, bei DC? „Green Lantern“ und „Green Lantern Corps“ erzählen seit zehn Jahren eine kompliziert-bunt-triviale Space Opera: kindlich, knallig – und oft großes Kino.

Nach „Crisis on Infinite Earths“ (1986) und „Infinite Crisis“ (2006) schrieb Grant Morrison 2009 die Quasi-Fortsetzung „Final Crisis“. Doch sein hysterisches Untergangs-Kuddelmuddel macht keinen Sinn. Und keinen Spaß.

.

superman book recommendations man of steel 03, stefan mesch wordpress.

Superman: Last Son (2007)

Aktuelle, monatliche DC-Heftreihen über Batman und seine Vertrauten? 15. Aktuelle, monatliche DC-Heftreihen über Superman? 4 bis 5. Beide Figuren kennt jedes Kind – doch während in Gotham City seit Jahren Raum für zeichnerische und konzeptuelle Experimente bleibt, taugen „Superman“ und „Action Comics“ oft nur als Resterampe / Abstellgleis für mittelgute, mittelfrische Nummer-Sicher-Autoren.

Auch „Superman: Last Son“ ist kein besonderes Prestige- oder Vorzeige-Projekt: Ein kleiner Junge mit Superkräften irrt durch Metropolis. Als Clark und Lois helfen wollen, folgt eine Armee brutaler Kriegsverbrecher aus Krypton, geführt von General Zod. Zum Kinostart von „Man of Steel“ legte der Verlag „Last Son“ (zusammen mit der schwächeren Fortsetzung „Brainiac“) als Sammelband neu auf. Vielleicht, weil Zod im Film zentraler Gegner ist. Vielleicht auch nur, weil in den letzten 10 Jahren kein anderes „Superman“-Comic so viel so unverkrampft richtig machte: Ein schwungvoller Zeichner und eine klare, griffige Geschichte, statt Durcheinander (minimaler) Tiefgang, statt Pathos (ein Mindestmaß an) Emotion. Warum nicht vier, fünf solcher Sammelbände im Jahr? „Last Son“ sollte Standard sein. Statt einsame, gefeierte Sternstunde.

wer zeichnet / schreibt? Autor Geoff Johns liefert gewohnt solide Arbeit, hier unterstützt von Richard Donner, Regisseur des „Superman“-Kinofilms von 1978. Zeichner Adam Kubert überzeugt auch in „Whatever happened to the Caped Crusader?“ (2009) und „Flashpoint“ (2011).

.

mehr davon:

Geoff Johns, Kurt Busiek und James Robinson legten ab 2007 Grundbausteine für einen größeren „Superman“-Plot, „New Krypton“. Viele erste Sammelbände sind Mittelmaß und können ignoriert / übersprungen werden: „Back in Action“, „Camelot Falls“, „Redemption“, „Escape from Bizzaro World“, „The Coming of Atlas“.

Empfehlenswert dagegen, auch für sich allein: Johns‘ „Superman and the Legion of Super-Heroes“ (2008) und (bereits erwähnt) „Superman: Up, up and away“ (2006).

Überraschend gelungen – doch nur als dünnes Heft veröffentlicht, nie als eigener Sammelband: Nick Spencers „Jimmy Olsen“-Kurzgeschichten von 2010.

.

clark kent wordpress.

Superman: New Krypton (2009 bis 2011)

Um ein breites Publikum zu kitzeln und zu packen, brauchen Geschichten Widersprüche, Lücken, innere Gegensätze – behauptet John Fiske, mein liebster (Pop-)Kulturtheoretiker: Ist Superman eine Leitfigur… oder ein Weichei? Muss sich Amerika den Launen fast allmächtiger Besucher fügen? Sollen sich Außenseiter integrieren – oder helfen Schutzräume, eigene Staaten, Ghettos? Dürfen Helden Nationen und ihre Politiker gegeneinander ausspielen?

Fast 100.000 Landsleute Supermans überlebten (als Geiseln des Despoten Brainiac) die Zerstörung Kryptons. Als neue Siedler auf der Erde entwickeln sie Superkräfte – und Clark steht zwischen allen Fronten: In über 100 Einzelheften und aus der Perspektive von Helden wie Supergirl, Mon-El, „Guardian“ Jim Harper sowie Jimmy Olsen und mehreren neuen Figuren puzzelt „New Krypton“ ein vertracktes Panorama – zerfasert, widersprüchlich, hochpolitisch. Komplexität und Anspruch des über 15 Sammelbände langen Epos sind für DC-Verhältnisse beispiellos – doch oft machen smarte Einzel-Plots und Fragen mehr Sinn als das windschiefe, finale Gesamtbild: Auch nach 100 Kapiteln bleibt das Gefühl, 100 andere, geheime Kapitel verpasst zu haben. Lücken, Widersprüche, offene Fragen, die noch nach Monaten kitzeln: Ist das ein Reiz von Heldencomics? Oder ihre größte Schwäche?

empfohlene Reihenfolge (Details u.a. hier):

wer zeichnet / schreibt? Unter vielen recht talentierten Zeichnern fallen Brian Wood und Renato Guedes besonders auf. Bei den Autoren sind es „Supergirl“-Autor Sterling Gates und (nach ein paar schlechten ersten Versuchen) James Robinson. Greg Ruckas Kapitel, besonders „Nightwing and Flamebird“, bleiben schleppend, langweilig und überflüssig: Nach Abschluss von „New Krypton“ beendete Rucka die Zusammenarbeit mit DC.

.

mehr davon:

„New Krypton“ fiel bei Lesern und Kritikern durch: Sterling Gates‘ „Supergirl“-Folgebände sind beliebt. Doch in den beiden Haupt-Heftreihen „Action Comics“ und „Superman“ selbst ignorierte man 2010 und 2011 alle Ereignisse und Figuren aus „New Krypton“.

.

clark kent wordpress 2.

Smallville: Guardian (2012)

Zehn Staffeln lang, von 2001 bis 2011, erzählte „Smallville“ eine Kitsch-, Spar-, Soapversion der Jugendjahre von Clark Kent, ohne besonderen Esprit und Anspruch. Am Ende von trägen 217 Episoden tritt Clark (endlich) als Superman an die Öffentlichkeit. Lex Luthor erklärt dem neuen Helden den Krieg. „Green Arrow“ Oliver Queen und seine Verlobte, Chloe Sullivan, spielen tragende Nebenrollen: Ähnlich wie bei „Buffy“ wird die – an sich: beendete – TV-Handlung als Comic-„Season“ fortgesetzt. Doch selbst als billiger wöchentlicher 10-Seiten e-Comic hat „Smallville“ kaum finanziellen Spielraum: öde Farben, einfallslose Bildsprache, Figuren wie Gliederpuppen und Vogelscheuchen. B-Ware. Ausschuss. Ramsch.

Egal! Alle „wichtigen“ Superman-Reihen seit 2011 schlingern umher wie sinkende Schiffe: Clark bleibt ein mürrischer Einzelgänger. Seine Eltern sind tot, der Alltag trist, Lois eine bloße Kollegin – auch ein Techtelmechtel mit Wonder Woman brachte weder Spaß noch Tiefgang. „Smallville“ läuft außer Konkurrenz zu diesen „wichtigen“, aber misslungenen Comics, bespielt eine eigene Nische – und hat trotz schäbiger Optik Hirn. Herz. Charme! Die (einzige?) aktuelle „Superman“-Reihe, die ihre eigene Richtung kennt. Low-budget. Aber auf gutem Kurs.

wer zeichnet / schreibt? Zeichner Pere Pérez trat nach 120 Seiten ab. Doch Autor Bryan Q. Miller bleibt: Er schrieb einige „Smallville“-Drehbücher für die letzten drei TV-Staffeln und überzeugte 2009 bis 2011 mit einem jungen, sarkastischen „Batgirl“-Neustart – so klug wie witzig. Ein Autor für die A-Liga, dem smarte Figurendynamik (mindestens) so wichtig ist wie laute Kämpfe.

.

mehr davon:

J. Michael Straczynski („Babylon 5“) startete 2010 eine Reihe abgeschlossener „Superman“-Abenteuer, „Earth One“. Band 1 (und Geoff Johns‘ „Batman“-Gegenstück) blieb Mittelmaß. Band 2 macht Spaß – als Einstieg oder Zwischendurch-Lektüre. Kein Vorwissen nötig.

Ganz neu, im Sommer 2013, und mit guten ersten Kritiken: die monatlichen Reihen „Superman unchained“ (Scott Snyder und Jim Lee) und „Batman/Superman“ (Greg Pak, Jae Lee) sowie die lose Kurzgeschichtensammlung „Adventures of Superman“. Beliebt war auch der Kinder-Comic „Superman Family Adventures“ (Art Baltazar, Franco); trocken / fade dagegen eine digitale Reihe über Superman als Witwer / alter Mann, „Superman Beyond“ (J.T. Krul).

Die beiden größten monatlichen Reihen, „Action Comics“ und „Superman“, sind seit 2011 recht schlecht. Im Moment verfasst Scott Lobdell alle Geschichten – ein unbeholfener, gehetzter Fließband-Autor.

.

clark kent wordpress.

DC Helden / The World’s Greatest Super-Heroes (1998 bis 2003)

Ein Comic? Oder ein Bilderbuch? Paul Dini schrieb seit 1992 Drehbücher für „Batman: The Animated Series“ (und viele späteren TV-Serien von DC) und hat bis heute einen verspielten, sehr humanen Blick auf Helden und Schurken in Gotham City. Sein Sammelband „DC Helden“ zeigt in fünf kurzen, großformatigen Text-und-Bild-Geschichten – halb Comic, halb Essay/Lobrede – bekannte DC-Figuren und ihre Werte/Prinzipien: „Superman: Peace on Earth“, „Batman: War on Crime“, „Wonder Woman: Spirit of Truth“, „Shazam!: Power of Hope“ und „JLA: Liberty and Justice“ sind keine komplizierten Helden-Sagas. Sondern prachtvoll gezeichnete, schlicht erzählte (zeitlose!) Portraits.

Bei Marvel Comics sind Ensembles, Gruppen und Heldenteams wie X-Men und Avengers bewährte Bestseller. DCs Versuche, sechs, sieben, fünfzehn Superhelden auf 20 Seiten zu jonglieren, verraten oft viel zu wenig über einzelne Figuren: In Reihen wie „Justice League“, „Teen Titans“, „Earth 2“ herrscht buntes Durcheinander. Namedropping. Langeweile. Chaos. „DC Helden“ ist ein dringender Lichtblick: Weil Dini entspannt das Neben- und Miteinander von Batman, Superman usw. zeigt. Die Helden vorstellt. Lust auf mehr macht! Oft bleiben Team-Geschichten literarische B-Klasse. Die Team-Mitglieder aber – zeigt dieser Sammelband charmant und selbstbewusst – sind A-Liga.

wer zeichnet / schreibt? In den 50er Jahren malte Lynette Ross Mode-Illustrationen für Katalog- und Versandhäuser. Seit 1990 zeichnet ihr Sohn Alex im selben Stil – luzid, farbstark, pausbackig-amerikanisch – einige der attraktivsten Helden-Posen (z.B. „Marvels“, 1994). Autor Paul Dini überzeugt bis heute bei Batman-Figuren wie Catwoman, Harley Quinn, Zatanna: Für etwas fortgeschrittene „Batman“-Leser empfehlen sich „Heart of Hush“ und „Gotham City Sirens“ (besonders Band 2).

.

mehr davon:

Darwyn Cookes „The New Frontier“ zeigt die Helden der Justice League im Amerika der späten 50er: wunderbarer Retro-Space-Age-Kitsch, toll gezeichnet und überraschend politisch. Doch auf den letzten Metern bricht der Sechsteiler – wie viele andere „Justice League“-Geschichten – unter dem eigenen Gewicht zusammen.

Jim Krueger zeigt in „Justice“ ein recht banales Duell zwischen den DC-Helden und einer riesigen Gruppe Schurken. Auch hier überzeugt leider nur die erste Hälfte. Und Alex Ross‘ Mal- und Zeichenkunst.

Letzte „Superman“-Empfehlungen, zum Weiterlesen? „Superman/Batman: Supergirl“ (2004), Alan Moores klassische Kurzgeschichten „For the Man who has everything“ (1985) und „Whatever happened to the Man of Tomorrow?“ (1986) und die nett-kitschigen, Superman-typischen Weihnachts- und Silvestergeschichten „Superman 97“ (1995) und „Action Comics 810“ (2004).

.

mehr Comic-Empfehlungen:

.

Bonus – nur kurz, als Liste:

Die 10 schlechtesten „Superman“-Bände:

Erzählen / Schreiben… mit „Babylon 5“

wordpress babylon 5 story-arc.

Erzählerische Kniffe, Humor, Figuren von „Seinfeld“ wirken heute, über 20 Jahre nach den ersten Staffeln, recht angestaubt, konventionell: eine Alltags-Sitcom über misanthrope, weiße New Yorker Singles, verwöhnt und selbstbezogen. Moderne Zuschauer / Nachgeborene vergessen schnell (Link), wie viele Sitcom-Konventionen, -Standards erst in „Seinfeld“ ihre Form fanden:

Babylon 5“ (TNT / Warner, 1993 bis 1998, fünf Staffeln mit 110 Episoden, später mehrere Filme / Spin-Offs) zeigt Besatzung und Diplomaten / Botschafter einer Raumstation im Jahr 2258, die sich um Frieden zwischen Menschen und einem Dutzend fremder Völker bemüht. Eine Ensemble-Serie mit 20 zentralen Rollen, deutlich billiger inszeniert als die zeitgleich entwickelte „Star Trek“-Raumstation „Deep Space Nine“ (1993 bis 1999)…

aber mit Erzählfreude, langem Atem und der – damals: unerhörten – Ambition, einen komplexen, durchdachten, fünf Jahre langen „Story-Arc“ zu spannen:

  • Seinfeld“ prägte einen neuen Ton für Sitcoms / Comedy.

  • Babylon 5“ prägte Spannungsbögen, serialized Storytelling.

 .

Noch heute erzählen viele Serien „episodisch“ (in Deutschland: nahezu alle; in den USA: oft Produktionen des Konsens- und Berieselungs-Senders CBS). Statische Figuren, statische Konflikte, alle Fragen / Probleme zum Ende der jeweiligen Episode gelöst, bewältigt – ein schlichter, klarer, verlässlicher Status Quo, der acht, neun Jahre tragen kann, flexibel genug, um bockige Darsteller zu feuern / zu ersetzen, aber so simpel und einsteigerfreundlich, dass Episoden auch in falscher Reihenfolge oder mit großen Lücken verständlich bleiben.

Viele moderne (meist: einstündige) Drama-Serien dagegen versuchen sich seit „Babylon 5“ an einem durchgängigen Spannungsbogen: Jede Episode soll wichtig sein, Mosaikstein eines komplexen, sich langsam enthüllenden Gesamtbilds:

  • Grey’s Anatomy“, recht konservativ erzählt, plant zu Beginn eines Serien-Jahres Romanzen, Hochzeiten, Unfälle aller Figuren, „Character Arcs“ für jeweils 22 Episoden.

  • Lost“ hatte zwar zur ersten Staffel vage Ideen, was in Staffel 2 oder 3 geschehen kann. Doch erst im vierten Jahr, als ABC einen verbindlichen Endpunkt setzte (sechs Staffeln, 121 Episoden), planten die „Lost“-Autoren Abschluss, Auflösung, finale Dénouements.

  • Babylon 5“ ging einen Schritt weiter – mit einem konkreten Fünf-Jahres-Plan: 5 Staffeln, je 22 Episoden, verschlungene, von langer Hand geplante Routen, auf denen alle Völker, Figuren, Konflikte stimmige, oft tragische / überraschende Endpunkte erreichten.

.

US-Schauspieler dürfen sechs Jahre lang für eine Serie unter Vertrag genommen werden – vor Staffel 7 beginnen neue, zähe Verhandlungen. Eine Stunde US-Prime-Time-TV hat fünf Werbeblocks – und viele Drama-Serien-Drehbücher damit fünf Akte und einen Teaser / Prolog. Ein Spielfilm-Drehbuch hat drei – ungleich große – Akte und in der Mitte einen zentralen Wendepunkt… oft also eine Art Vier-Akt-Struktur.

b5 aliens.

Persönlich leuchten mir – seit „Babylon 5“, 1998 – Fünf-Akt-Strukturen ein:

  • Exposition: Figuren. Orte. Fragen. Rätsel. Ärger!

  • Steigerung: Böse Überraschungen. Hässliche Wahrheiten. Eskalation!

  • Peripetie: Lösungen, Ziele, Hoffnung? Nein: Alles ändert sich.

  • retardierendes Moment: Scheitern. Patts. Stolpern. Die Zeit rennt fort.

  • Katastrophe: Jeder weiß jetzt, was er tun muss. Wählt, kämpft. Zahlt seinen Preis. Konsequenzen!

 .

Trotz bester Absichten hatte „Babylon 5“ Schwierigkeiten: Fast 20 erste Episoden, die ein Gefühl falscher Sicherheit vermitteln wollten – aber nur langweilten. Ein Hauptdarsteller, Michael O’Hare, dessen Figur zur zweiten Staffel ersetzt werden musste, und drei zentrale Frauen – Lyta, Talia, Susan Ivanova –, deren Character-Arcs verschoben / auf Ersatz-Figuren übertragen wurden: Staffel 4 führte alle Konflikte hastig, überstürzt zu Ende, weil eine fünfte Staffel fraglich schien… und als Jahr 5 doch noch bewilligt wurde, fehlten dieser letzten („Post-Script“-)Season Überraschungen.

Staffel 2 und 3 von „Babylon 5“ aber sind eine atemblose, klug orchestrierte Parade, nein: Lawine hässlicher Wendungen, Katastrophen und unerhörter, das Macht- und Figurengefüge der Serie erschütternder „Wham-Episodes“ (Link) und „Nothing is the same anymore!“(Link)-Enthüllungen: Mit jeder Szene wird alles schlimmer, schneller, dunkler und globaler / epischer. Sog! Tempo! Dringlichkeit!

 .

Für „Zimmer voller Freunde“ halfen „Babylon 5“ (und / aber: auch viele misslungene Handlungsbögen, z.B. bei „Veronica Mars“, „Akte X“, „Battlestar Galactica“, „Lost“, „Avatar – Herr der Elemente“) auf mehreren Ebenen:

 .

Die Umbrüche / Katastrophen / Entscheidungen, die ich behandeln will, geschahen (biografisch) zwischen…

  • 1997 (…ich war 14, Ende der achten Klasse), und

  • 2003 (…ich war 20, fertig mit Zivildienst / FSJ, bereit, Heimat und Freunde zu verlassen.)

Mein letzter möglicher „Vorher“-Zeitpunkt – bevor Stoff, Antje, Helena, Sassi, Frank etc. kollidierten – war Spätherbst 1999, Klasse 11; der frühstmögliche Punkt, unsere Geschichten schlüssig zu beenden, das Abitur, Juni 2002: Idealerweise, wenn Leser / Finanzen und Gesundheit stimmen, setze ich „Zimmer voller Freunde“ sofort fort, mit einem Buch über 2000 / 2001, und einem Abschlussband, bis 2002.

Ein „Zimmer voller Freunde“-Kapitel…

  • hat 12 bis 19 Seiten.

  • wird aus der Perspektive von Antje, Stefan oder Frank erzählt.

  • und jeweils sechs Kapitel, ca. 85 Seiten, ergeben einen Akt.

.

Anfangs schienen fünf Kapitel pro Akt stimmiger, „symmetrischer“ – doch dieser Fünfer-Rhythmus wird durchschaubar / monoton, weil er nur folgende Optionen / Einteilungen erlaubt:

  • 2 (selten: 1) Kapitel von Frank.

  • 2 (selten: 1) Kapitel von Stefan.

  • Kapitel von Antje… so viele wie möglich / übrig.

 .

Ich stellte Akt 1 eine kurze, griffige Eröffnungsszene voran – szenischer / linearer als gewöhnliche Kapitel: ein Prolog / Teaser, in dem Stoff eine überraschende Rolle spielt; und entschied, jeden Akt mit einer (kurzen, schnellen, suggestiven) sechsten Szene im selben Stil zu schließen:

  • Prolog, Juni 1999: Stoff, via Antje.

  • Akt 1, Juli 1999: Kapitel Stefan – Frank – Antje – Stefan – Frank.

  • sechste Szene, Juli 1999: Stoff, via Stefan.

  • Akt 2, September 1999: Kapitel Frank – Stefan – Antje – Stefan – Frank.

  • sechste Szene, September 1999: Stoff, via Sassi… etc.

.

Das klingt abstrakt, verkopft – doch fügt sich schnell zu einem dynamischen, guten „Stundenplan“ – fünf Akte / „Wochentage“, je sechs Kapitel / „Fächer“ – flexibel genug, drei Handlungssträngen (Antje, Stefan, Frank) zu folgen, ohne, dass Leser sofort errechnen, welche Figur „als nächstes kommt“:

  • 30 Kapitel (und ein Prolog).

  • 5 Akte: Juli, September und Dezember 99, Mai und Juli 2000.

.

Wordpress Romanplan.

Die Handlung des Romans beginnt so spät wie möglich (…keine 20 Kapitel „falsche Sicherheit“, kein langsames in-die-Gänge-Kommen) – doch alle Figuren starten an Orten, absichtlich weit entfernt von ihren jeweiligen Zielen: „Babylon 5“ zeigt einen Feigling, der fünf Jahre später seine Heimatwelt regiert, einen Terroristen, der zum Gelehrten / passiven Widerständler wird, Freundschaften, Gelöbnisse, Allianzen, die überraschend zerbrechen:

Erzähler, die solche Endpunkte schon zu Beginn mitdenken, können sich die jeweils klügste, dramatischste Route wählen, die jede Figur auf ihrem Character-Arc zurücklegen wird. Entsprechend viele Probleme, Ängste, Konflikte, die real / biografisch schon 1997, 1998 bewältigt wurden, bleiben bei „Zimmer voller Freunde“ in der Gegenwart – Sommer 1999 bis Sommer 2000: Ereignisse, Tagebücher, Entwicklungen von 1997 bis 2003 – das wären sechs langsame, getrogene Romane – oder eben: drei schnelle, furiose.

.

Meine wichtigste Lektion aus „Babylon 5“ handelt vom Vertrag, den Leser und Autor zu Beginn einer Geschichte schließen:

The Coming Of Shadows” [Staffel 2, Episode 9] „…[is] a defining moment in the series’ run, a dividing line between what came before and everything after. […] This is a specific event where the rules that viewers thought would hold true for the entire series are no longer true. But this isn’t just an issue of unexpected plot twists. It’s the way those twists are portrayed via magnificent moments, like an instant of horrible luck destroying the possibility of peace. It’s the way a year of developing characters who seem to embody right and wrong is flipped entirely in a scene of impressive dramatic irony. Before the mid-’90s, television didn’t work this way. Babylon 5 was one of the series that opened the door to the possibility that good wouldn’t always defeat evil, when a space station devoted to peace ended up triggering a war.

.

schreibt Rowan Kaiser auf AVClub.com (Link) – und zeigt: „Babylon 5“ wirkt so dynamisch, dramatisch, unerhört, weil Regeln, Gewichte und Strukturen, die sich die Serie zu setzen schien („Wer sind die Hauptfiguren?“, „Wer sind die Guten?“, „Was ist Funktion, Anspruch, Hoheitsgebiet dieser Station?“) Stück für Stück verdreht, ersetzt, auf den Kopf gestellt wurden:

Eine Welt / Konzept / Ensemble mit klaren Parametern…

die so rasant und tiefgreifend ersetzt / verwandelt werden…

bis sich, endlich zeigt:

Es ging – von Anfang an! – um eine andere, komplexere Welt, Parameter, die die handelnden Figuren lange nicht bemerkten oder begriffen.

Die Rollen, die jeder zu spielen glaubt, sind ganz anders als die, die er schlussendlich spielt.

.

Zimmer voller Freunde“ (Link) handelt…

von Schulhof-Casanova Frank, der alles tut, um „eine liebe Freundin“ zu finden.

von Außenseiter Stefan, der alles tut, um seine Freundschaften mit Stoff (stolz, schnippisch) und Helena (schüchtern, verkopft) zu retten.

von Antje, allein, nervös, die alles tut, um neue Ordnung / Sicherheit in ihre Familie zu bringen.

Schwerpunkte, Helden, Lebensziele und Allianzen meines Romans sind leicht verständlich, klar benannt – eine süffige, leicht erzählte Geschichte mit Sympathieträgern und Gegnern, Freunden, Außenseitern, Rivalen, Schurken, klaren Zielen. Und / aber, dahinter: eine andere, größere Geschichte. Die nicht im Exposé steht. Oder im Klappentext:

Atemberaubend, unerhört an „Babylon 5“ waren nicht die Schlenker, Ausfallschritte und Saltos, die diese Serie fünf Jahre lang, in fünf dramaturgisch (meist / überraschend:) stimmigen Akten, schlug – sondern, wie Autoren jedes Jahr sehr überzeugend versicherten: „DAS wäre zuviel!“, „DAS ist nicht drin!“, „DIESE Leute sind sicher!“, „HIER ist die Grenze!“…

nur, um alle Grenzen – lustvoll, dramatisch, überraschend! – zu überschreiten.

.


.

Stefan Mesch schreibt an “Zimmer voller Freunde”, seinem ersten Roman…

…und – hin und wieder – über Serien und Fernsehen, z.B. hier und hier.

.