Graphic Novel

#FridaysForFuture als Dystopie: Lukas Jüligers Comic „Unfollow“

Jüliger Unfollow

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Bei Deutschlandfunk Kultur stelle ich ca. fünfmal im Jahr Comics vor – zuletzt Lukas Jüligers „Unfollow“. Im Link: ein 5-Minuten-Gespräch mit mir, zum Nachhören.

Im Blog: eine Kurzrezension.

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Hipster gegen Greta Thunberg

Lukas Jüligers perfider Comic „Unfollow“ stellt Netz- und Öko-Utopien auf den Kopf

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Elegant, detailverliebt, dräuend, hyper-stimmungsvoll: Lukas Jüliger, geboren 1988, gilt seit dem surrealen Debüt-Comic „Vakuum“ (2013, Empfehlung!) als Künstler, dessen Bild- und Erzählwelten als extra-frisch, smooth, zeitgemäß, entstaubt auffallen wollen.

Bei Jüliger wird gestreamt, gecodet. Verhashtagt! Und keine einzige der smart frisierten, hohläugig-kindlichen Figuren würde rufen: „Smooth? Hashtag? Sprachverfall! Geht das nicht besser in einer Sprache, wie sie vor 60 Jahren gesprochen wurde?“ Jüliger macht Comics fürs Jetzt, in denen Technik, Outfits, Architektur und Themen erkennbar modisch, gegenwärtig Eindruck machen. I like!

Als dunkle Utopie (oder cozy Dystopie?) fragt „Unfollow“ nach Visionen, Protest, Nachhaltigkeit, Macht… und nach der Vorbildfunktion von Bloggerinnen, Influencern: Können Youtube-Tutorials die Welt ändern? Retten? In einem Waisenhaus findet ein Junge, der sich „Earthboi“ nennt, eine erste Gefolgschaft. Seine Fans erzählen als recht gesichtsloses, kollektives „Wir“ auf 160 Seiten ohne Sprechblasen, in oft religiöser, salbungsvoll-satirischer Sprache vom Aufstieg und dem (schlimmen?) Ende einer globalen Öko- und Jugendbewegung. Earthboi züchtet Pilze und Sporen. Teilt Smoothie-Rezepte und Umwelt-Hacks. Wird als Selbstversorger zur messianischen Figur und versucht, die Menschheit zu lehren, wieder in Einklang mit der Natur zu leben.

Ist „Unfollow“ wirklich modern, gegenwärtig – oder doch vor allem eine satirische Überspitzung von allem, was Greenwashing- und Lifestyle-Kitsch-Kampagnen „modern“ verkaufen? Würde dem Comic das Ende fehlen, ich wäre fasziniert und eingenommen. Denn die abgeschmackten, ekelhaft phraselnden Worte von Earthbois Followern scheinen zunehmend ironisch gemeint. Wie „rebellisch“, innovativ soll ich eine Figur finden, die via Instagram empfiehlt „Geht in den Wald, riecht an Tieren und findet euer Spirit Animal“? Warum wird über die einzige (schnarchbanale) Frauenrolle geredet, wie sexistische Beatles-Fans vor 50 Jahren über Yoko Ono schimpften? „Die Verbindung zu Yuu nahm Earthbois ganzes Bewusstsein ein“, „Es war unerträglich“, „Ihre Liebe hatte seinen Geist geöffnet und zugleich eingesperrt“.

Die feinen Bleistiftzeichnungen, die liebevolle Ausstattung, die großen, stilsicheren Panels (meist dominiert ein einzige Grundfarbe, seitenlang) lassen mich staunen. Der Plot aber wird fast gehässig plump, eindimensional: eine zynische Sackgasse. Earthboi hat eine App, die maßlos erfolgreich wird. Doch er hat keine Antworten darauf, wie die Menschheit überleben kann, ohne, den Planeten auszubeuten: Je klarer wird, dass die Figur keine Lösung bietet, desto mehr fällt auf, wie viele ähnliche Geschichten schon seit Jahrzehnten in ähnlichen Bildern ähnlich eskalierten. Die Hippie-Kommune aus Alex Garlands „The Beach“, Tyler Durdens toxischer „Fight Club“-Nihilismus, Fortschritt-gegen-Ursprünglichkeits-Zwickmühlen wie aus „Prinzessin Mononoke“.

Earthboi selbst ist keine Person, sondern Beobachter und Projektionsfläche – die hipstergewordene Natur. Die Pointe, der müde Seufzer am Ende von „Unfollow“ („Oder muss die ganze Menschheit überwunden werden?“) wurde schon zigmal mit Aliens („Der Mann, der vom Himmel fiel“), künstlichen Intelligenzen („her“) und Nicole Kidman („Dogville“) durchgespielt. Nur wenig, das sich solche Mühen gibt, neu zu wirken, erinnert mich am Ende an so viel altes Zeug! Und während all der Zeit, als Greta Thunberg viel komplexere globale Dialoge, Politik los trat, saß Jüliger leider schon an finalen Zeichnungen: „Unfollow“ nahm Öko-Netz-Jugend-Bewegungen zwar vorweg. Doch leider, bei aller gewollten Trendiness: viel flacher, leerer, gestriger. Ein grantiger Comic – stilvoll, aber witzlos.

Lukas Jüliger: „Unfollow“

Frauen im Science-Fiction-Comic [Gasteintrag ‚Binge Reader‘]

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Ich bin kein Fan von „Paper Girls“: dem aktuell beliebtesten Science-Fiction-Comic in deutschsprachigen Buchblogs.

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In bisher vier Sammelbänden stranden vier zwölfjährige Schülerinnen aus Cleveland, die 1988 auf Fahrrädern Zeitungen austragen, in einem Krieg unter Zeitreisenden. Portale und Flugsaurier, Soldaten und Verschwörungen.

Ich liebe die ausdrucksstarken, schlichten Zeichnungen Cliff Chiangs. Autor Brian K. Vaughan gehört seit fast zwanzig Jahren zu den fähigsten Comic-Erzählern. Doch er schrieb auch für „Lost“ – eine Serie, die ich erst mochte, der Figuren wegen…  doch schnell zu hassen lernte, als all diese Figuren zu immer flacheren Spielsteinen wurden. Weil sie nur flüchteten, rannten, Fallen entkamen: In tausend hektisch-öden Standard-Action-Szenarios blieb kaum Raum für Dialoge, komplexer als „Wir müssen zum Frachter! Schnell!“

„Paper Girls“ ist die selbe Sorte flach-naive Schnitzeljagd: Vier Heldinnen, bei denen ich nach fast 500 Seiten noch immer nur ein, zwei Charaktereigenschaften nennen kann, sind auf mehreren Zeitebenen einzig damit beschäftigt, zu laufen, nicht getrennt zu werden und Soldaten, Monstern, Robotern zu entkommen. Ein professioneller Comic? Ja. Doch als Story um Klassen schlechter als „Stranger Things“. Die Figurentiefe? Flacher als in „My Little Pony“.

Toll, vier junge Frauen in der Hauptrolle zu sehen. Doch das geht besser, tiefer!

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Sabine Delorme bloggt als „Binge Reader“ [Buchblog, Link] und sammelt aktuell Gastbeiträge über Feminismus und Science-Fiction unter #womeninscifi

Es geht u.a. um:

Ich selbst bloggte auf „Binge Reader“ über Science-Fiction-Comics mit Frauen in der Hauptrolle (und manchmal: auch von Frauen gezeichnet und geschrieben).

Heute cross-poste ich den Eintrag noch einmal hier bei mir im Blog, mit ein paar zusätzlichen Bildern.

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Frauen in SciFi-Comics: 7 Favoriten

 

Twin Spica | in 16 Sammelbänden abgeschlossen

Text und Zeichnungen: Kou Yagunima

9781939130945Die ersten „Harry Potter“-Bände? Als alle neu in Hogwarts sind – und jeden Tag überrumpelt, überrascht werden?

„Twin Spica“ erzählt von einer Schülerin im selben Alter, die Astronautin werden will. Alltag (und viel Sense of Wonder!) in der Akademie. Eine traurige Familiengeschichte. Etwas magischer Realismus. Und die Frage, welche Ziele sich Menschen setzen, die viel verloren haben. Verlust gegen Hoffnung. Zuversicht trotz Trauma. Wer die Optik von 70er-Trickserien wie „Heidi“ mag, findet hier eine emotional komplexe, viel erwachsenere Geschichten im selben Stil. Ich las bis Band 6 von 16. Und bin fasziniert, wie harmlos ein existenzieller, reifer Comic aussehen kann.

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Dept. H | in 4 Sammelbänden abgeschlosen
Text und Zeichnungen: Matt Kindt
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Mias Vater ist Tiefseeforscher, Umweltaktivist – der Jacques Cousteau Südasiens. Mia forscht im All, nicht unter Wasser. Bis ihr Vater an Bord seiner Station ermordet wird: Jemand aus der kleinen Crew muss Täter sein; Mia will ihn vor Ort überführen. Doch die Station wird sabotiert… und damit zur Falle. Ein Kammerspiel mit unvergesslichen Figuren, viel Psychologie, trügerisch schlichten Zeichnungen, absurd warmherzigen Rückblenden und einer Spannungskurve wie in den größten Horror- und Thriller-Klassikern: technisch, menschlich, literarisch ist „Dept. H“ der reifste aktuelle Comic, den ich kenne.
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Lazarus | bisher 5 Sammelbände und der recht nichtssagende Kurzgeschichten-Band „Lazarus X+66“

Text: Greg Rucka, Zeichnungen: Michael Lark
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Konzerne regieren die Welt. Jedes große Familienunternehmen herrscht über ein Terrain, wie im Feudalismus. Die Bevölkerung lebt in zwei Gruppen: als wertloser „Waste“ oder als Dienerklasse, „Serf“. Und diplomatische Konflikte werden meist unter Elite-Kampfkräften der Clans ausgetragen. Manchmal durch Krieg, Terrorismus, Spionage. Oft aber in rituellen Duellen: Jede Familie hat einen „Lazarus“.
Clan Carlyle herrscht über die Südwestküste der ehemaligen USA. Tochter Forever Carlyle wurde ihr Leben lang als Lazarus trainiert. Machtspiele, Samurai-Drama, Biotech und tolle Nebenfiguren aus den unteren Klassen: Rucka ist mein Lieblings-Comicautor. „Lazarus“ sein durchgängig packendstes Werk.
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Shade | 2 Sammelbände, dann das Crossover „Milk Wars“, dann die Reihe „Shade, the Changing Woman“
Text: Cecil Castellucci, Zeichnungen: Marley Zarcone
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Eine depressive Vogelfrau vom Planeten Meta stiehlt ein Artefakt, mit dem sie in den Körper des komatösen US-Schulmädchens Megan springt. Megan war hasste sich selbst – und ihre Nicht-Freunde und Mobbing-Opfer Megans fragen sich, warum sie plötzlich spricht wie ferngesteuert. „Shade“ bringt 90er-, Indie- und David-Lynch-Atmosphäre ins DC-Universum; fragt nach Gender, Identität, Körperbildern und Agency. Grandios koloriert, unverwechselbar gezeichnet.
Feministisch, komplex, verspielt, überraschend. Die originellen Bilder, Layouts und Wendungen machen so viel Lesefreude: ein Gegengewicht zu den düsteren Frauen-Leben.
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Squirrel Girl | bisher 8 Sammelbände; besonders empfehlenswert ist der Sonderband „The unbeatable Squirrel Girl beats up the Marvel Universe“
Text: Ryan North, Zeichnungen: Erica Henderson
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Ich brauchte 100 Seiten, um den Tonfall zu verstehen: Eine Eichhörnchen-Superheldin Anfang 20, die im ersten Semester Computerlinguistik studiert – und sich die gute Laune nie verderben lässt? Sollen wir mit ihr lachen… oder über sie? Doch wer Doreen Green drei, vier Bände lang folgt – schrullige Dialoge, grimmiger Optimismus, zu viele hyper-theoretische, absurde Zeitreise- und Doppelgänger-Storylines, die immer fünf, sechs Seiten zu lang dauern, immer mehrere pedantische Gedankenspiel-Wendungen mehr als nötig nehmen – wird die Figur und ihren Blick nie vergessen. Ein unvergleichlicher Marvel-Comic, albern, kantig, schlau. Lernte Ryan North von Terry Pratchett?
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Wandering Island | bisher 2 Sammelbände
Text und Zeichnungen: Kenji Tsuruta
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Mikura, eine junge Pilotin mit Wasserflugzeug, liefert an der japanischen Küste als privater Kurierdienst Pakete aus. Die selbe Prämisse wie in „Käptn‘ Balu und seine tollkühne Crew“ – doch erzählt in ruhigen, detaillierten Flug- und Landschaftsbildern. Auch Mikuras Großvater war Pilot: Sein Archiv sammelt Indizien, dass eine mechanische, schwimmende Insel vor der Küste treibt. Sind die Mentoren und Vorbilder in Mikuras Leben wirklich tot – oder verstecken sie sich in einem Steampunk-Exil? „Wandering Island“ zeigt eine absurd schlanke, oft nackte junge Frau, über Seekarten gebeugt. Trotz dem sexistischen Blick und arg dünnem Plot: große Zeichenkunst, tolle Atmosphäre!
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Unstoppable Wasp | in 8 Kapiteln / 2 kurzen Sammelbänden abgeschlossen
Text: Jeremy Whitley, Zeichnungen: Elsa Charretier
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Mädchen und MINT-Fächer? Nadia Pym ist Tochter des verstorbenen Forschers und Avengers Hank Pym: Ant-Man. Die junge (und: lesbische?) Osteuropäerin erbt sein Labor – und fragt sich, weshalb im S.H.I.E.L.D.-Ranking der intelligentesten Menschen so wenige Frauen stehen. Oder Bobbi Morse als Super-Spionin bekannt ist, doch kaum als Wissenschaftlerin. Und, wie solche Probleme strukturell, institutionell, politisch lösbar sind. Ein schwungvoller, farbenfroher, optimistischer Comic für alle ab 11 mit einer idealistischen, hochbegabten, doch nie kitschig-perfekten Heldin.
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5 Mainstream-Superheldinnen:

Thor. 11+ Sammelbände; von Jason Aaron (Text), Russell Dauterman u.a. (Zeichnungen):
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2010 nannte ich „Green Lantern“ das „vielleicht letzte große triviale Epos im Comic“: eine wuchtige Space Opera, blutig, überbordend, warmherzig. Seit 2011 schreibt Jason Aaron „Thor“, im selben Stil: Erst geht es vier Sammelbände lang um Odins Sohn. Dann um eine geheimnisvolle Frau, die Thors Hammer übernimmt. Eine Reihe, die immer schneller, facettenreicher, melodramatischer wird. Allergrößte Oper!
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Invincible Iron Man. Bisher 2+ Bände, dann das Crossover „The Search for Tony Stark“; von Brian Michael Bendis (Text), Stefano Caselli (Zeichnungen):
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Tony Stark ist fort. Doch sein Bewusstsein hilft, als A.I.-Programm, der brillanten Schülerin Riri Williams beim Bau einer eigenen Iron-Man-Rüstung. Brian Michael Bendis, Erfinder von Jessica Jones, ist einer der wichtigsten (und: feministischsten) Marvel-Autoren. Mit „Invincible Iron Man“ und der (leider: viel schlechteren) parallelen Serie „Infamous Iron Man“ verabschiedet er sich aus dem Marvel-Universum und wechselt zu Konkurrenzverlag DC. Riris Hefte? Young-Adult-Spaß mit allen Figuren, die schon in den Iron-Man-Kinofilmen überzeugten (Pepper Potts etc.) – und Spider-Mans Tante May!
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Runaways [Neustart]. Bisher ein Sammelband; von Rainbow Rowell (Text), Kris Anka (Zeichnungen)
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Ein Comic-Erfolg ab 2003, seit 2017 auch als TV-Serie: Fünf Jugendliche denken, ihre Eltern seien alte Geschäftsfreunde. Tatsächlich sind sie ein Schurken-Geheimbund. In Rainbow Rowells Neuauflage verging Zeit: Fast alle kriminellen Eltern sind besiegt, die Runaways gehen eigene Wege. Dann gelingt es zweien, eine verstorbene Freundin via Zeitreise in die Gegenwart zu retten. Start einer langsamen, dialoglastigen, gefühlvollen, oft „Buffy“-haften Young-Adult-Reihe über Freundschaft und Entfremdung. Vorwissen über die früheren „Runaways“-Hefte? Kein Muss.
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Batwoman. Greg Rucka (Text), J.H. Williams III (Zeichnungen, ab Band 2 auch Text)
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Kate Kane, Bruce Waynes lesbische, jüdische Cousine, wollte Elite-Soldatin werden. Jetzt kämpft sie gemeinsam mit ihrem Vater, einem Colonel, gegen meist übersinnliche und okkulte Bedrohungen in Gotham City. Eine unverwechselbare Frau in düster-märchenhaften Urban-Fantasy-Abenteuern, oft ebenso unverwechselbar gezeichnet, inszeniert. Die ersten fünf Sammelbände? Die beste DC-Serie seit 2011. Auch James Tynions „Detective Comics“, über Kate als Bat-Team-Chefin, machen Spaß.
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Moon Girl. Bisher 5+ Sammelbände; Amy Reeder (Text), Brandon Montclare (Zeichnungen)
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Ein Comic für Kinder ab 8 – über die begabteste Person im Marvel-Universum: eine schwarze Drittklässlerin in Midtown, mit liebevollen Eltern und einem bodenständigen Alltag. Lunella Lafayette lernt einen tumben Saurier kennen, versteckt ihn im geheimen Labor unter der Schule. Ich liebe, dass die Serie viel süßlicher, harmloser sein könnte – doch immer wieder komplizierte Abenteuer und Konflikte entwickelt; und dass Lunella oft atemberaubend arrogant, unterfordert, frustriert sein darf. Eine kindgerechte Kinder-Heldin – mit Profil und Abgründen.
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6 Sci-Fi-Tipps, in denen Frauen zentral sind – doch nicht die einzige Hauptfigur:

Saga. Bisher 8+ Sammelbände; von Brian K. Vaughan (Text), Fiona Staples (Zeichnungen)
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Eine Soldatin verliebt sich in einen Mann der gegnerischen Spezies. Die beiden zeugen ein Kind – und flüchten, vor beiden Nationen. Vaughans brutale, aber sehr zärtliche Weltraum-Odyssee zeigt markante, originelle Welten, Wesen; und liebt irre Cliffhanger, Zeitsprünge, dramatische Ironie. Der beste Comic des Jahrzehnts, mit vielen interessanten Frauenfiguren – einige auch queer und/oder trans.
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Injection. Bisher 3+ Sammelbände; von Warren Ellis (Text), Declan Shalvey (Zeichnungen)
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Fünf britische Genies – zwei Frauen, drei Männer – setzen eine künstliche Intelligenz in die Welt. Doch das Programm glaubt, wachsen zu können, indem es prüft, ob es Übersinnliches, fremde Dimensionen, okkulte Wesen gibt – und diese kontrollieren kann. Ein Mystery-Comic im Stil von „Akte X“, „Fringe“ oder „Torchwood“, mit Figuren, inspiriert von „Dr. Who“, James Bond und Sherlock Holmes. Autor Warren Ellis liebt Technologie, Literatur, Mythologie – und spielt hier kongenial mit britischen Pulp-Nationalmythen.
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Invisible Republic. Bisher 3+ Sammelbände; von Gabriel Hardman (Text und Zeichnungen), Corinna Bechko (Zeichnungen)
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Die Menschheit hat ein fremdes Sonnensystem besiedelt – doch der Mond Avalon wurde durch Bergbau, Korruption und einen Stellvertreterkrieg zur Militärdiktatur. Ein junger Partisane und seine Cousine wollen das Regime stürzen. Mit welchen Mitteln? Auf zwei Zeitebenen zeigt Hardman Geopolitik, Kolonialismus, linke Debatten; und fragt nach der Rolle von Whistleblowern und Presse. Ein realistischer, manchmal grauer Geheimtipp, der optisch an Osteuropa in den 70ern erinnert. Eine TV-Version? Kommt sicher bald. Perfekte Vorlage!
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The Vision. In 2 Sammelbänden abgeschlossen; von Tom King (Text), Gabriel Hernandez Walta (Zeichnungen)
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Ein Android mit Sehnsucht nach Menschlichkeit baut sich eine Kleinfamilie, zieht in die Vorstadt… und erlebt, wie in einem magischen Norman-Rockwell-Herbst alles vor die Hunde geht: „The Vision“ beginnt als „domestic drama“ im satirischen Retro-Look. Doch in Band 2 tauchen auch andere Avengers, Victor Mancha, die Scarlet Witch auf – und aus einer „Mad Men“-artigen Parabel wird ein Helden-Thriller. Nerdig, menschlich, überraschend. Und, wie immer bei Tom King: voller Motivketten, formaler Spielchen und erzählerischer Tricks. Souverän!
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Black Hammer. Bisher 3+ Sammelbände sowie mehrere Spin-Off-Comics; von Jeff Lemire (Text), (Zeichnungen)
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Eine Gruppe Superhelden, wie wir sie aus den 50ern und 60ern kennen, dem „Golden“ und dem „Silver Age“ der Heldencomics, ist seit Jahrzehnten gestrandet – in einem künstlichen Retro-Dorf. Kanadier Jeff Lemire liebt Groschenheft-Klischees. Und ehrliche, tiefe Provinz-Melancholie. „Black Hammer“ ist ein neues, eigenes Erzähl-Universum, das klassische Figuren wie Mary Marvel, Lex Luthor und Martian Manhunter neu denkt. Liebevoll, morbide, intelligent.
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Darth Vader. In 4 Sammelbänden und dem Crossover „Vader Down“ abgeschlossen; doch fortgesetzt in der (schwächeren) Serie „Star Wars: Doctor Aphra; von Kieron Gillen (Text), Salvador Larroca (Zeichnungen)
Dr. Aphra ist Archäologin (und lesbisch) – und hat keine Skrupel, fürs Imperium zu arbeiten. In klugen Polit- und Action-Dramen, die alle zwischen Episode IV und V spielen, kämpfen Vader und Aphra mit- und gegeneinander. Sie überlisten Rebellen. Verbündete. Und alle, die versuchen, sie zu verraten. Ein Comic voll zynischer Figuren – der jedoch selbst nie menschenfeindlich, respektlos wird. Sondern zeigt, wie im totalitären Imperium jeder leidet – unter jedem anderen.
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15 Comics, auf die ich mich freue:

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Hawkeye Kate

tolles Panel aus: „Hawkeye: Kate Bishop“, Vol. 2

Die besten Comics 2018: Empfehlungen zum Gratis-Comic-Tag #gct2018

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Am Samstag, den 12. Mai 2018 ist Gratis Comic Tag [Infos: hier].

In teilnehmenden Comic-Shops, Buchhandlungen, Zeitschriftenläden darf man aus 35 je ca. 40 Seiten langen Gratis-Comics wählen; so lange der Vorrat reicht. Ein Radar zum Finden aller Stores: hier im Link.

Als Kritiker und Journalist stelle ich u.a. bei Deutschlandfunk Kultur und im Berliner Tagesspiegel Comics vor und gebe regelmäßig persönliche Empfehlungen hier im Blog [2017 | 2016 | 2015 | Mangas]. 2017 und 18 schrieb ich die Programmtexte zur Manga Comic Con der Leipziger Buchmesse. 2014 und 2015 übersetzte ich zwei Versionen eines „Avengers“-Lexikon vom Englischen ins Deutsche.

Zum Gratis Comic Tag ließ ich mir alle 35 Titel zur Rezension schicken. Hier im Eintrag stelle ich sie vor.

Hier im Blogpost: Ausschnitte, [gekürzte, teils präzisierte] Klappentexte und etwas Literaturkritik / Einordnung von mir.

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Unerschrocken. Portraits außergewöhnlicher Frauen

Reprodukt | Pénélope Bagieu

Reprodukt_GCT2018_Unerschrocken„Vorreiterinnen, Querdenkerinnen. Jede eine Heldin auf ihre ganz eigene Art. Diese Frauen fanden ihre Bestimmung: Insgesamt 30 beeindruckende Persönlichkeiten porträtiert Pénélope Bagieu in den beiden Bänden von “Unerschrocken”, darunter bekannte Namen wie die Kunstsammlerin Peggy Guggenheim und noch zu entdeckende Persönlichkeiten wie die Vulkanologin Katia Krafft. Sie alle führen und führten ein selbstbestimmtes Leben und haben die Welt verändert. Das Heft zum Gratis Comic Tag zeigt drei spannende Biografien: Sonita Alizadeh, Rapperin aus Afghanistan; Autorin und Zeichnerin Tove Jansson; und Mae Jemison – die erste schwarze Frau im Weltall.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Reprodukt | Goodreads

Empfehlung: Drei politische, inspirierende, packende Kurzbiografien, je 6 Seiten lang – die ich nie vergessen werde.

Schwächen? Über einen großen Mann schreiben Menschen eine Monografie. Doch wegweisende Frauen landen dauernd in Büchern, die 15, 20, 30 von ihnen sammeln. „Unerschrocken“ begann als Zeitungsprojekt und wirkt weniger wie ein Comic als eine illustrierte Info-Seite. Didaktisch, textlastig, visuell nie besonders reizvoll. Aber: Pénélope Bagieu ist SEHR gut darin, Relevantes auszuwählen und pointiert, kurzweilig zu präsentieren. Für mich sind diese Biografien Einladungen, zu googeln, mich selbst weiter zu bilden. Bagieu macht Lust, mehr zu erfahren!

und dann? Narrativere, literarischere Comics über Frauen- und Bürgerrechte, z.B. „Stuck Rubber Baby“ oder „Ooku – the inner Chambers“; Tove Janssons wunderbares „Sommerbuch“

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Q-R-T

Reprodukt | Ferdinand Lutz

Reprodukt_GCT2018_Q-R-T_CVR_web„Q-R-T sieht aus wie ein normaler Junge, doch ist schon 122 Jahre alt. Er kommt vom Planeten Rzzz, auf dem man sein Leben lang Kind bleibt. Mit seinem tollpatschigen Haustier Flummi, das jede beliebige Gestalt annehmen kann, zieht er in eine Plattenbausiedlung, um das Verhalten der Erdlinge zu studieren. Die scharfsinnige Nachbarin Lara lässt nicht locker und stellt unangenehme Fragen. Ferdinand Lutz’ liebevoll-schräge Comics erschienen 2011 bis 2016 monatlich im Kindermagazin “Dein SPIEGEL”.“

Details: Reprodukt| Goodreads

Empfehlung: Kurze, kindgerechte Episoden. Jedes Panel zeigt schöne Charakter-Momente oder einen Grund, zu lachen. Lara wirkt etwas banal / nebensächlich, und die Atmosphäre (mit Kehrwoche etc.) erinnert mich an eine Kindheit der 80er, nicht an heute. Trotzdem: So einladend, leicht verständlich, schwungvoll… ein gutes Geschenk; und eine Figur, die Kinder anspricht. (Plus: kluges Kurzinterview des Zeichners/Autors.)

Schwächen? Ein Ensemble wie aus einer typischen 80er-Jahre-Sitcom („ALF“, „Mein Vater ist ein Außerirdischer“); viele Witze wirken etwas gestrig.

und dann? „Kiste“ von Patrick Wirbeleit. Solider Erstleser-Comic ab 6. Und, wie immer: mein Lieblingscomic für alle Grundschüler*innen, „Yotsuba!“

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To your Eternity

Egmont Manga | Yoshitoki Oima

02_GCT2017_Manga_ToYourEternity„Allein in der Tundra: Der letzte Überlebende eines Dorfes ist dem Tode nahe. Doch er bekommt Gesellschaft: Ein unsterbliches Wesen ist auf der Welt gelandet und kopiert den Körper seines sterbenden Wolfshunds. Eine fantastische Geschichte voll Leid, Schmerz, Freundschaft, Liebe der Zeichnerin von ‚A Silent Voice‘.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads | Egmont

Empfehlung: Ein stiller, sofort verständlicher, märchenhafter A-Boy-and-his-Dog-Manga, der mich mühelos in die Geschichte zieht, neugierig macht.

Schwächen? Die Mangaka schrieb auch „A Silent Voice“: eine Manga-Reihe, in der eine gemobbte, gehörlose Schülerin Nebenfigur ihrer eigenen Geschichte blieb. Selbsthass und Tristesse, kein Empowerment. Ich mag, dass „To your Eternity“ ganz andere Figuren zeigt, eine ruhigere Grundstimmung. Doch ich traue dieser Autorin nicht zu, viel Kluges zu sagen über z.B. Nomadenvölker, oder die Psychologie jahrelanger Hunger-, Survival- / Überlebenskampf-Konflikte.

und dann? Viel besser gezeichnet? „Young Bride’s Story“, über Alltag an der Seidenstraße im späten 19. Jahrhundert. Großes, märchenhaftes Survival-Kino? „Nausicaä – Prinzessin aus dem Tal der Winde“. Auch die Manga-Vorlage will ich endlich lesen.

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Schattenspringer

Panini | Daniela Schreiter

Schattenspringer-GCT-Cover-500x„’Wer einen Autisten kennt, kennt genau EINEN Autisten‘, sagt sich Daniela Schreiter im dritten ‚Schattenspringer‘-Band und macht sich auf, andere Betroffene zu interviewen. Wie immer kombiniert sie dies mit ihren eigenen Erfahrungen. Und schafft erneut, wundervoll unterhaltend über ein scheinbares Tabuthema aufzuklären, ohne belehrend zu wirken. Schreiter wurde im wilden Berlin der 1980er Jahre geboren.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Panini  | Goodreads

Empfehlung: Eine Künstlerin mit Asperger-Autismus zeigt ihren Alltag – in didaktischen, einladenden Sach-Comics. Ich mag das Figurendesign, die klare Sprache und, wie verhältnismäßig tief, komplex hier auf wenigen Seiten über Themen wie „Warum stört mich, dass mir Partner beim Kochen helfen?“ oder „Warum brachte mich Gruppenarbeit an der Uni aus dem Konzept?“ gesprochen wird. Durchgängig lehrreich, lesenswert!

Schwächen? Ich war SO enttäuscht, dass der Mittelteil des Comics plötzlich nur Schwarzweiß zeigt. Und ich bin gespannt, wie tief Daniela Schreiter z.B. über Sexualität spricht, in ihren drei Büchern: einerseits gibt es eine „Nacktszene“. Andererseits spielt in den langen Passagen über die Dynamik in Partnerschaften Körperlichkeit *gar keine* Rolle.

und dann? Ich liebe den Pädagogik-Manga „With the Light: Raising an Autistic Child“. Tolle Sach-Comics über Neurodiversität oder Krankheit habe ich HIER im Link gesammelt. Ich folge Schreiters Kollegin und Freundin Sarah Burrini auf Twitter – und glaube, sie haben ähnliche Zielgruppen.

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Snoopy

Carlsen | Charles M. Schulz

CarlsenComics_Cover_Peanuts-500„‚DIE PEANUTS‘ gehören zu den großen, zeitlosen Comics: seit Jahrzehnten von Kindern und Erwachsenen geliebt. Bei Carlsen erscheinen deshalb Bücher für unterschiedlichste Zielgruppen, wie die 26-bändige, bibliophil ausgestattete Gesamtausgabe. Und die Reihe „Peanuts für Kids“ für die jüngsten Leser. Dieser Gratiscomic enthält farbige Comicstrips, Zeichenanleitungen und Rätsel.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Carlsen | Goodreads

Empfehlung: Sympathische, solide Snoopy-Comics, selten ganz-, meist halbseitig. Gewitzt, warmherzig, für jede Altersgruppe geeignet.

Schwächen? Keine. Snoopy ist nicht meine „Peanuts“-Lieblingsfigur. Das Heft dreht sich fast nur um ihn. Persönlich wäre mir ein Band über z.B. Patty, Linus oder Schröder lieber.

und dann? Ich frage mich oft, welche erwachsenere Serie den „Peanuts“-Tonfall am besten aufgreift. „Scott Pilgrim“ und „Honey & Clover“ sind recht schrullig, idiosynkratisch, melancholisch.

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Der freie Vogel fliegt

Chinabooks | Jidi & Ageng

chinabooks_der_freie_vogel_flie„China in den 90er Jahren: Lin Xiaolu besucht eine Mittelschule mit Schwerpunkt Kunst und Gestaltung. Als Scheidungskind lebt sie mit ihrer Mutter in der westchinesischen Stadt Chengdu. Sehr realistisch erfährt man von seelischen Nöten und Sorgen: erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, erste Liebe und Liebeskummer, die Sprachlosigkeit zwischen Heranwachsenden und ihren Eltern. Es werden auch schwierige Themen angepackt wie der enorme Schuldruck und Prüfungsstress.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Chinabooks | Goodreads

Empfehlung: Pastellfarben, gefällig, illustrativ. Ein sympathischer Comic mit interessanten Zwischentönen. Im Grundschulalter z.B. freut sich die Hauptfigur, dass ihre Eltern sich trennen und Partner suchen, die besser passen. Mir fehlen längere Szenen mit mehr Sprechblasen, Dynamik: Oft schreibt die Ich-Erzählerin drei, vier Sätze über ihr Innenleben, und auf der Bild-Ebene gibt es dazu eine nette, doch nie besonders originelle visuelle Umsetzung. Ein braver, statischer Comic. Klappentext und Erzähltext sind zudem seltsam trocken, akademisch: Ich kann kein Chinesisch. Doch vermute, dass hier an vielen Stellen unnötig abstrakt, verlabert übersetzt wurde.

Schwächen? Hätten die Nebenfiguren mehr Raum und mehr szenische Auftritte – die Geschichte wäre dynamischer, vielleicht authentischer.

und dann? „The Nao of Brown“ erzählt im selben Zeichenstil von einer Angststörung, deutlich klüger. „Punpun“ ist psychologischer (…und gegen Ende leider platt nihilistisch), zieht mich tiefer rein. Der tolle Anime „Your Name“ ist ähnlich illustrativ & pretty. Und Thi Buis „The Best we could do“ zeigt, dass es keine makellosen Bilder braucht, um Zwischentöne der Pubertät toll zu schildern. Auf meinem bald-Lesen-Stapel: Yoshihiro Tatsumis Künstler-Biografie „A Drifting Life“

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Black Hammer

Splitter | Jeff Lemire, Dean Ormston

Splitter_Black_Hammer_GCT_Cover„Das goldene Zeitalter der Superhelden ist um: Abraham Slam und seine Gefährten waren einst die Beschützer von Spiral City, doch nach einem Gefecht gegen ihren Erzfeind finden sie sich in einem gottverlassenen Nest im Nirgendwo wieder. Dort müssen die Helden sich häuslich einrichten, denn aus der Kleinstadt gibt es kein Entkommen. Jeff Lemire, Spezialist für ausgefallene Stories mit Tiefgang, schafft eine Hommage an die großen Comic-Helden, bei der die Liebe zum Genre aus jeder Seite strahlt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Splitter | Goodreads

Empfehlung: Ich empfahl „Black Hammer“ schon mehrmals. Zuletzt mit folgendem Kurztext: Eine Gruppe Superhelden, wie wir sie aus den 50ern und 60ern kennen, dem „Golden“ und dem „Silver Age“ der Heldencomics, ist seit Jahrzehnten gestrandet – in einem künstlichen Retro-Dorf. Kanadier Jeff Lemire liebt Groschenheft-Klischees. Und ehrliche, tiefe Provinz-Melancholie. „Black Hammer“ ist ein neues, eigenes Erzähl-Universum, das klassische Figuren wie Mary Marvel, Lex Luthor und Martian Manhunter neu denkt. Liebevoll, morbide, intelligent.

Schwächen? Heft 1 ist männerlastig und recht trostlos. Die Erzählwelt wird bald bunter, feministischer, reicher. Nicht zuletzt durch z.B. Gastzeichner David Rubin.

und dann? James Robinsons „Starman“, Jeff Lemires „Royal City“ und „Essex County“, vielleicht auch Darwyn Cookes „The New Frontier“ (über das Silver Age, nicht das Golden Age); auch der direkte Vergleich zwischen „Watchmen“ und „Black Hammer“ lohnt sich.

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American Gods

Splitter | Neil Gaiman, P. Craig Russell, Scott Hampton

Splitter_American_Gods_GCT_Cove„Kaum hat Shadow seine Haftstrafe abgesessen, erfährt er, dass seine Frau einen tödlichen Unfall hatte. Darum hält ihn nichts davon ab, auf das Jobangebot des jovialen Mr. Wednesday einzugehen und dessen Leibwächter zu werden. Die Personen, die Mr. Wednesday auf seinen Reisen quer durch die USA besucht, sind ebenso undurchschaubar. Shadow steckt mitten in einem uralten Konflikt von wahrhaft göttlichem Ausmaß.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Splitter | Goodreads

Empfehlung: Neil Gaimans Romanvorlage? Eins meiner Lieblingsbücher. Die aktuelle HBO-Serie? Solide Kritiken. Der Comic irritiert: Ich mag, wie viel Platz jede Seite lässt, um Neil Gaimans Prosa Wort für Wort zu erhalten. Doch damit wirkt das Heft recht steif. Bildaufbau und Figuren (nach Models gezeichnet: Photo Referencing?) kommen mir vor wie aus den 90ern; und ich habe kein Vertrauen, dass jemand diese Seiten liest und daran sieht, was Comics als eigene, distinkte Kunstform können. Trotzdem: tolle Geschichte, schön koloriert, kompetent adaptiert. Und: sympathisch, dass eine der wagemutigsten Szenen im Roman – ein Mann wird von einer Vagina verschlungen – direkt hier im Heft zu finden ist.

Schwächen? Women in Refrigerators: Frauen, die sterben, damit die männlichen Helden Antrieb haben, zu handeln. Wäre ich kein Gaiman-Fan, würde mir dieser Start keine Lust machen, mehr von ihm zu lesen.

und dann? Ich bin kein Fan von Grant Morrisons und Dave McKeans „Arkham Asylum“, doch glaube, wer die „American Gods“-Ästhetik mag, wird den Klassiker lieben. Ich selbst empfehle den (schrulligen, auch toll verfilmten) Comic „Wild Palms“ von Bruce Wagner.

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Die drei ??? und das Dorf der Teufel

Kosmos | Christopher Tauber, Ivar Leon Menger, John Beckmann, Asja Wiegand

Kosmos_GCT2018_DDF_print-1-500x„Auf der Suche nach einem vermissten Freund des Chauffeurs Morton landen die drei ??? in Redwood Falls. Die Bewohner lehnen Fortschritt ab. Schon bald überschlagen sich die Ereignisse und das Dorf der Teufel zeigt sein wahres Gesicht.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Kosmos | Goodreads

Empfehlung: Drei schnöselige Jungs in Abenteuern, die mir wenig über Kalifornien zeigen/verraten. In meiner (Nicht-Bildungsbürger-)Kindheit las man das prollige, rassistische „TKKG“, nicht die drei Fragezeichen. Auch hier wachsen mir die drei Stock-im-Arsch-Boys und ihr Junge-Liberale-haftes Siezen nicht an Herz. Die Geschichte (oder: der Ausschnitt des Bandes, auf den sich das Gratis-Heft beschränkt) ist durchschaubar, klischeehaft, hat ein offenes Ende. Eine frustrierende Rahmenhandlung macht nichts besser. Doch die Zeichnungen?! Das Heft ist zeichnerisch – keine Übertreibung! – Weltklasse, und erzählerisch gut genug, dass ich… begeistert wäre, falls das ???-Team US-Horror-Lieblings-Comicreihen wie „Afterlife with Archie“, „Harrow County“ übernehmen würde.

Schwächen? Massig. Egal: Feiert dieses Heft; gebt den Künstlern Geld, Jobs, künstlerische Freiheiten. Erste Liga!

und dann? „Harrow County“ und „Afterlife with Archie“. Außerdem: Alles von Seth (Link), einem kanadischen Comiczeichner, der oft im selben Stil und mit den selben Farbkombinationen arbeitet. Und: Der aktuelle, lesenswerte Matt-Ruff-Roman „Lovecraft Country“ hat die selben Themen, Atmosphäre, den selben „Look“.

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Batman: Metal

Panini | Scott Snyder, Jim Lee, Andy Kubert, John Romita Jr

DBATME001CT_cover_RGB-500x714„Starautor Scott Snyder taucht tief ein in die Vergangenheit der Familie Wayne und die Ursprünge des DC-Kosmos ‒ und präsentiert die Schrecken des Schwarze-Materie-Universums! Batman und Helden wie Wonder Woman, Superman, Aquaman und Flash kämpfen ums Schicksal der Welt. Das DC-Mega-Event, das niemand verpassen darf!“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Wikipedia | Goodreads

Empfehlung: Die ersten beiden „Batman“-Bände von Scott Snyder, „Court of Owls“ und „City of Owls“, sind einsteigerfreundlich, packend. Dann wurden Snyders Comics esoterischer, barocker: überspannt. Oft toll eigensinnig. Oft einfach: Trash und Fan-Wank für ein Nischenpublikum. Ein DC-Autor dagegen, der auch Nischen-Themen toll mainstreamfreundlich erzählen kann? Geoff Johns. 2016 deutete Johns an, dass der Joker keine Einzelperson ist, sondern drei verschiedene Entitäten. In „Batman: Metal“ erzählt Snyder (der dafür wirklich GAR kein Talent bewies bisher) eine Geschichte im Johns-Stil, u.a. über den Joker. Die Kritiken sind großartig, der Start macht Spaß (ich las bisher erst 100 von fast 400 Seiten). Aber, Warnung: Das hier…

Schwächen? …ist ein DC-Comic für Menschen, die nachts wach liegen und sich fragen „WAS ist eigentlich mit Hawkman?“ oder „Welche Plastic-Man-Comics sind weiterhin ‚offiziell passiert‘, und welche kosmischen Zauber, Dimensionswechsel, Neustarts etc. haben die Figur verändert: inwiefern?“

und dann? Die meisten DC-Serien sind ab 2016 recht zugänglich, einsteigerfreundlich. Ich empfehle „Superman“ und „Action Comics“, „Detective Comics“, „Super Sons“ und das barocke, doch einladende, süffige „Injustice 2“.

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Die Nektons: Abenteurer der Tiefe

Dani Books | Tom Taylor, James Brouwer

dani_books-GCT-2018-Die-Nektons„Die wagemutige Meeresforscherfamilie Nekton reist mit ihrem High-Tech-U-Boot „Arronax“ in die Tiefe! Als es nach einem Erbeben vor der Küste Grönlands vermehrt zu Berichten über Monstersichtungen kommt, machen sich William und Kaiko Nekton gemeinsam mit ihren Kindern Fontaine und Ant (sowie natürlich Ants Haustier, dem Fisch Jeffrey) auf, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Werden sie aus Versehen aufgefressen? Wird es Ant gelingen, einem Fisch das Stöckchenholen beizubringen? Das Comic zur beliebten Super-RTL-Trickserie von Tom Taylor („Injustice: Gods Among Us“, „All-New Wolverine“).“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Serie bei TV Tropes | Goodreads | Dani Books

Empfehlung: Australier Tom Taylor, einer der witzigsten, schwungvollsten, zugänglichsten US-Heldencomic-Autoren, hat eine Kinderserie? Drei Staffeln? Auch in Deutschland erfolgreich? Ich bin bei Unterwasser-Serien (wie „Seaquest“) schnell nervös – weil oft nach wenigen Episoden die Ideen ausgehen. Die Rollenverteilung in der Familie Nekton ist konventionell, und noch bevor etwas Originelles geschieht, Ausmaß und… Tiefgang des Konflikts absehbar werden, hört der Gratis-Comic auf. Trotzdem: für 8- bis 12jährige wartet hier kompetente Mainstream-Unterhaltung eines Comic-Profis, dem ich seit ca. 2012 vertraue.

Schwächen? Seit Jahren sensibilisieren mich Freund*innen, dass Worte wie „dumm“, „irre“, „bescheuert“ ableistisch sind. Beim dritten, vierten „Du bist ein Idiot!“ unter den Geschwistern hier im Comic war ich gelangweilt, genervt.

und dann? Mein Tiefsee-Favorit (für Erwachsene) ist Matt Kindts „Dept H“. Die Nektons wirken auf mich noch zu sehr wie „The Incredibles“ (Pixar). Trotz guter Kritiken konnte ich mit den Abteuer-Grundschul-Comics „Amulet“ und „Avatar: Herr der Elemente“ wenig anfangen (die „Avatar“-Trickserie mag ich sehr).

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Super Mario Adventures

Kazé | Kentaro Takekuma, Charlie Nozawa

Kaze_SuperMario_COVER_UNVERBIND„Prinzessin Peach wird vom teuflischen Halunken Bowser entführt. Doch die Super-Klempner Mario und Luigi sind mit ihrem neuen Freund Yoshi schon auf dem Weg. Können sie den Koopa-König aufhalten, bevor er Peach zur Heirat zwingt und das Pilzkönigreich an sich reißt? Exklusiv für das offizielle Magazin ‚Nintendo Power‘ entstand von Januar 1992 bis Januar 1993 eine Reihe von Comic-Strips. Diese Comics folgten nicht der Storyline eines bestimmten Spieles, vielmehr erzählten sie neue Abenteuer der bekannten Helden – und führten sogar neue Figuren ein. Der Sammelband Super Mario Adventures bündelt erstmals und vollständig auf Deutsch alle Comics. Zum Gratis Comic Tag gibt es die Kapitel 1 bis 3 zum Schnuppern.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Kaze | Goodreads

Empfehlung: Die Super-Mario-Trickserien von 1989 („Super Mario Bros Super Show“), 90 („Super Mario Bros 3“), 91 („Super Mario World“) sind atemberaubend schäbig, geistlos, schlecht. Umso toller, wie viele skurrile Ideen, Bildwitze, Wortspiele und Details dieser Werbe-Comic von 1993 aus dem selben Stoff holt. Man merkt dem Comic sein Alter deutlich an – Luigi nahm ich z.B. in modernen Spielen nie als faulen Vielfraß wahr. Doch Mario ist eine SO populäre Figur, über die es SO wenig interessante Texte, Geschichten gibt: Ich bin hingerissen! (Schaut z.B. oben: Bowser hat sogar DEN SCHREI VERSTEINERT!)

Schwächen? Ein Toad-Masseur, der über Chi spricht, eine halbe Seite lang auftaucht, sieht aus wie die typische rassistische Karikatur eines Chinesen.

und dann? Sagt es mir! Der „Sonic“-Comic hat oft gute Kritiken, doch bisher war ich von jeder Leseprobe gelangweilt. TV Tropes hat eine kurze Liste mit Comics, die auf Spielen basieren.

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Grandville

Schreiber & Leser | Bryan Talbot

schreiberleser_Grandville_cover„Wie sähe die Welt aus, wenn Napoleon bei Waterloo gewonnen hätte? Vielleicht wäre die Sozialistische Republik Britannia ein kleiner, unbedeutender Staat, über die Kanalbrücke verbunden mit dem Empire Frankreich. In dieser Parallelwelt wird die Leiche eines britischen Diplomaten aufgefunden. Selbstmord? Detective Inspector LeBrock und sein Assistent Roderick Ratzi ermitteln in der Grandville Paris, der Stadt der Lichter. Bryan Talbot, u.a. bekannt durch ‚Sandman‘, verneigt sich mit dieser Steampunk-Serie vor Meistern wie J.J. Grandville, Albert Robida, Sir Arthur Conan Doyle und Quentin Tarantino.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Schreiber & Leser | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. Ein Dachs, der spricht wie Sherlock Holmes, erlebt recht hölzern und steif geschriebene und gezeichnete Steampunk-Krimi-Abenteuer mit erwartbaren Nebenfiguren, Wendungen. Ich mag die detailverliebten Zeichnungen, die Alternate-History-Ideen und, wie erkennbar tief und leidenschaftlich sich Autor Bryan Talbot literarisch in die Tropen, Stimmungen, Themen des viktorianischen Zeitalters einarbeitete. Außerdem: Paradoxe wie „In Paris scheißen die Hunde auf die Straße“. Sprechen wir von anthropomorphisierten Hunden? Oder haben die anthropomorphisierten Hunde im Grandville-Universum Hunde als Haustier? Ich glaube, dass z.B. Disney mit diesem Stoff mehr machen könnt. (Oder – hey: Die Spanier, die in den 80ern „Um die Welt mit Willy Fog“ animierten!)

Schwächen? Im ganzen Heft: amateurhafte Computereffekte, Kolorierung. Trotzdem ist der Comic innen deutlich einladender als das triste Titelbild. Unbedingt aufschlagen, blättern!

und dann? Um Welten besser gezeichnet, stilsicherer inszeniert: die „Blacksad“-Comics.

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Usagi Yojimbo

Dantes Verlag | Stan Sakai

Dantes-Verlag-GCT-2018-Usagi-Yo„Die Saga um Usagi Yojimbo [wörtlich: „Leibwächter Hase“] entfaltet sich im teils fiktiven Japan am Ende des 16. Jahrhunderts. Die historische Schlacht von Sekigahara wurde am 21. Oktober 1600 geschlagen: Sie beendete die Zeit der Bürgerkriege und etablierte die Shogunatsherrschaft. Die Samurai bilden im ganzen Land die herrschende Klasse. Sie folgen einem strengen aber ungeschriebenen Kodex an Verhaltensregeln, dem bushido [„Weg des Kriegers“], und müssen in der neuen Ordnung erst noch ihren Platz finden. Es ist eine Zeit unruhiger Geschäftigkeit und politischer Intrigen. Durch diese Welt wandert ein herrenloser Samurai: Miyamoto Usagi. Im Comic „Ein welkes Feld“ trifft er auf Nakamura Koji, einen in die Jahre gekommenen, vollendeten Schwertkämpfer.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Dantes | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. Das kluge Vorwort des Gratis-Comics zeigt: Der Dantes-Verlag brennt für diesen Comic, will die historischen Hintergründe vermitteln. Ich liebe Holzschnitte von u.a. Hasui Kawase, bewundere Sakais elegante, fachkundige Zeichnungen. Emotional stieg ich trotzdem aus – als die Hauptfigur 16 Samurai tötet, ohne Gedanken. Mir sind fast alle Samurai-Manga zu gefühlskalt – und ich komme mit der Mischung „Funny Animal-Figuren & Seppuku“ nicht zurecht, emotional.

Schwächen? Moderne „Turtles“-Comics werden oft für ihre Psychologie, Deepness gelobt – doch bisher las ich keinen, der mich tatsächlich packte. „Usagi Yojimbo“ ist etwas tiefer, melancholischer, psychologischer – doch auch hier wünsche ich mir mehr Innenleben. Die Hauptfigur blieb mir teils ekelhaft fremd.

und dann? Hier im Link merkte ich mehrere Samurai-Manga vor. MÜSSTE ich einen lesen, wäre es „Jin“ von Motoka Murakami (ein Arzt in der Edo-Zeit). „Blade“ und „Vagabond“ sind zu nihilistisch; „Shigurui“ fand ich absurd und, in seinen Gewaltdarstellungen, pornografisch. Trotzdem war’s ne Lektüre, die ich nie vergaß.

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Ekhö

Splitter | Christioge Arleston, Alessandro Barbucci

Ekhoe_01_GCT_Cover-500x714„Als ihre Linienmaschine vom Blitz getroffen wird, landet die junge Studentin Ludmilla auf dem Rücken eines Flugdrachen in New York landet. Doch ist dies überhaupt noch New York? Es gibt keinen Strom oder Autos, dafür aber jede Menge Fabeltiere. Im Hintergrund der bizarren Parallelwelt Ekhö halten die Preshauns die Fäden in der Hand: scheinbar putzige, etwas pedantische Wesen, die Eichhörnchen ähneln. Im Flugzeug krallte sich Ludmilla an ihrem Sitznachbarn Juri fest, der ihr nun auf Schritt und Tritt folgen muss. Gelegentlich wird sie von ruhelosen Geistern kürzlich Verstorbener besessen, die erst von ihr ablassen, wenn ihr ungeklärter Todesfall gelöst ist.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. In jedem Sammelband erkundet Ludmilla (mit Juri?) eine andere Stadt der Spiegelwelt. Warum sie dabei zusätzlich „Ghost Whisperer“-artige Fälle löst? Mir scheint das unfertig, überfrachtet. Hintergründe, Design des Comics: Weltklasse. Die Geschichte? Recht banal, schleppend. Allerwelts-Fantasy!

Schwächen? TV Tropes nennt Ekhö einen „Young Adult“-Comic; vom Zeichner der („Sailor Moon“-artigen) Kinderserie „WITCH“. Ludmilla wirkt wie Cassie Sandsmark, Wonder Girl in… (noch) pornös(er). Für mich ist Ekhö vorbei, weil a) Ludmilla auf jede Gefahr mit einem dümmlich-erstaunten Porno-Gesichtsausdruck reagiert, b) jedes Panel die übergroßen Brüste zeigt, c) zwei Stripperinnen ihre Brustwarzen schwenken, seitenlang. Nicht, weil sich  Erotik und Young Adult widersprechen. Sondern, weil hier zwei super-talentierte Männer, die sich auf jeder Seite endlos gestalterische Mühe geben, mit schmierigem Male Gaze alles verderben. Selbstsabotage. Selbst-Verramschung.

und dann? Der schönste aktuelle Parallelwelt-Comic, den ich kenne: Matt Kindts „Ether“. Doch tatsächlich sind die „Ekhö“-Zeichnungen besser. Sehenswert: Simon Spurriers „The Power of the Dark Crystal“

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Lucky Luke: Billy the Kid

Egmont | René Goscinny, Morris

03_GCT2018_Comic_Lucky_Luke_37-„Der einsame Cowboy kommt nach Fort Weakling. Das einst lebhafte Städtchen ist wie ausgestorben und wird von Billy the Kid terrorisiert. Lucky Luke will Billy dingfest und aus den verschüchterten Einwohnern wehrhafte Bürger machen.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads zur Reihe | Kritiken zum Einzelband

Empfehlung: Bedingt. Ein Comic von 1961 – mit markantem Figurendesign, viel Humor, seiner Zeit voraus. Mich langweilte „Lucky Luke“ als Kind, Anfang der 90er, und ich bin unsicher, wen diese Comics ansprechen: europäische Western-Klischees, alles sehr normiert – auch z.B. durch die engen, rigiden Panels. Wer die Figur mag, findet hier eine komplette Geschichte. Ich selbst habe keine Lust, mehr zu lesen.

Schwächen? Kaum Frauen. First-Nation-Figuren als übliches rassistisches Klischee.

und dann? Ich glaube, ich lese gar keine Western – und merke oft, dass andere Formate als Western konzipiert wurden (z.B. Staffel 4 von „Fear the Walking Dead“), ohne, dass mir diese Strukturen auffallen. Der Weltraum-Westerncomic „Copperhead“ ist brav, gemächlich, aber sympathisch. „Westworld“ ist toll – aber kein Western.

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Battle Angel Alita

Carlsen | Yukito Kishiro

battle_angel_perfect_edition_GC„Neuausgabe in vier Sammelbänden im Großformat, frisch digitalisiert und mit neuen Farbseiten – rechtzeitig zum Kinostart der von James Cameron produzierten Hollywood-Live-Action-Verfilmung. Auf dem Schrottplatz unterhalb der Himmelstadt Zalem findet der Mechaniker Ido den Kopf eines weiblichen Cyborgs, dessen Gehirn noch intakt ist. In seiner Werkstatt baut er dem Wesen einen reizvollen mechanischen Körper und gibt ihm den Namen Alita…“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Carlsen | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. 2017 legte ich den „Ghost in the Shell“-Manga (1989) zur Seite, weil mich die Optik „detailverliebte Technik, puppenhafte Kindfrauen mit Riesenbrüsten und Männer, im Funny-Stil gezeichnet“ abstieß. „Alita“ stammt aus der selben Ära (1991), hat etwas luftigere Layouts, ist flüssiger zu lesen. Doch ich mag a) keine Pinoccio-Plots, b) keine Mangas über Mädchen als Kampfmaschinen wie „Saikano“ und „Home sweet Home: Die fünfte Stunde des Krieges“. Durch „Westworld“ bin ich komplexe, feministische Geschichten gewohnt über künstliche Frauen, von Männern instrumentalisiert. „Alita“ ist, fürchte ich, schlichter. Im Gratis-Heft werden Prostituierte ermordet. Allen Figuren ist das Schicksal dieser Frauen recht egal. Bestimmt wird „Alita“ noch etwas tiefsinniger. Doch ich will SciFi lesen, in denen ALLE Frauen wertvoll sind. Nicht nur die eine: die mit dem Puppenmund und den Riesenbrüsten.

Schwächen? Hier gilt die umgekehrte Frage. Kann ich etwas, das handwerklich solide wirkt, nach ca. 40 Seiten aussortieren? Ich WILL das nicht lesen. Doch einen zweiten Blick ist es sicher wert.

und dann? „Westworld“, wie gesagt.

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Courtney Crumrin

Dani Books | Ted Naifeh

dani_books-GCT-2018-Courtney-Cr„Courtneys Eltern wollen fortan im alten Spukhaus des gruseligen Großonkels Aloysius wohnen. Courtney muss sich mit hochnäsigen Klassenkameraden und seltsamen zwielichtigen Besuchern herumschlagen, die oft bei ihrem Onkel vorbeischauen. Statt der Kinder aus der Nachbarschaft sind nun grausige Ghule und gräuliche Geister ihre einzigen Freunde.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Wikipedia | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. Ein Horror-Comic mit langweilig konventionellem Figuren-Design und Plot – an dem nur die bizarr unsympathischen Nebenfiguren auffallen: Courtneys Eltern sind ignorant, eitel; die Mitschüler prügeln, wenn Courtney kein Taschengeld auszahlt. Ein freundlicherer Schüler wird von ihr verachtet, dann von Monstern verspeist – ohne, dass sich Courtney oder der Erzähler daran stören. „Courtney Crumrin“ will etwas literarischer, „Coraline“-hafter sein als z.B. „Emily the Strange“ und „Monster High“ – doch wirkt wie ein freudloser, fader Nachklapp, zehn Jahre zu spät. [Edit: Nein. Der Comic erschien im Original 2002. Er wird nur absurd spät übersetzt!]

Schwächen? Der Klappentext gilt fürs komplette Buch, nicht fürs Gratis-Comic-Heft – und erwähnt, dass Courtney mit Geistern befreundet ist. Ich hoffe, einer dieser Geister ist der tote Kumpel. Falls nicht, ist mir das Menschenbild hier zu… garstig, kalt, gehässig für eine Geschichte, die ca. Elfjährigen gefallen soll.

und dann? Die warmherzige, makabre, schwungvolle Horror-Reihe „October Faction“ von Steve Niles! Unterkomplexe Plots. Doch viel enthusiastischere Helden! Oder meine Lieblings-Comicreihe überhaupt, „Locke & Key“. Auch der Middle-Grade-Grusel-Comic „Anya’s Ghost“ ist solide.

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Sigurd

Ewald Verlag | Hansrudi Wäscher, Angel B. Mitkov

Cover-Becker-Comic-etc„Zwei Kurzgeschichten des ritterlichen Helden Sigurd. Im von Hansrudi Wäscher gezeichneten Abenteuer „Im Tal der Schatten“ nimmt Sigurd es gegen eine Bande auf, die als sagenhaften Werwölfe Angst und Schrecken verbreiten. „Gefährliche Hilfe“, gezeichnet von Angel B. Mitkov, ist ein Auszug aus der aktuell geschaffenen Fortsetzung des 1968 abgebrochenen Abenteuers: wobei streng darauf geachtet wurde, dass Wäschers markanter Zeichen- und Erzählstil beibehalten wurde.“[Klappentext, gekürzt.]

Details: Wikipedia

Empfehlung: Bedingt. Ich glaube, man kann aus „Sigurd“, seiner Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte viel lesen über Deutschland in den 50ern, und ich bin froh um jeden Satz, der diese Comics kontextualisiert, erklärt. Lesespaß? Nein. Eine farblose Hauptfigur, keine Frauen, zu viel Der-Erzähler-erzählt. Immerhin spielen die Comics nicht im apolitischen „Gummibärenbande“-Märchenbuch-Mittelalter. Sondern setzen voraus, dass ihre Leser z.B. wissen, wie Wilderei funktioniert oder, was Lehnsherren sind.

Schwächen? Ich dachte, die Panels, die ich oben fotografierte, stammen aus den 50ern. Doch sie sind moderne Hommagen: „echte“ Sigurd-Comics waren noch hölzerner.

und dann? Ab 1905 zeichnete ein Amerikaner „Little Nemo“. Ab 1940 zeichnete Will Eisner „The Spirit“. Deutschland feierte DAS hier?

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Aposimz: Land der Puppen

Manga Cult | Tsutomu Nihei

GCT2018_MangaCult_Aposimz_Cvr_rDas neue Meisterwerk von Tsutomu Nihei (Blame!, Knights of Sidonia): Vor 500 Jahren verloren die Menschen des künstlichen Planeten Aposimz den Krieg gegen den Kern des Planeten und somit auch das Recht, im Inneren von Aposimz zu leben. Seitdem kämpfen sie auf der eiskalten Oberfläche des Planeten ums Überleben. Sie verstecken sich in den Ruinen einer längst vergangenen Zeit, um der Unterdrückung durch die aggressiven Cyborgs (oder Puppen) des Kernes zu entgehen… während sie eine mysteriöse Krankheit einen nach dem anderen selbst in Puppen verwandelt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Cross Cult | Wikipedia

Empfehlung: Nur für a) Menschen, die durch „Blame!“ und „Knights of Sidonia“ schon Vertrauen in den Mangaka haben oder b) Menschen, die „Alien“-Designer H.R. Giger so toll finden, dass ihnen auch eine fade Schwarzweiß-Hommage des Looks (ohne besondere eigene Ideen) sehenswert scheint. Ich mag, wie absurd weit in der Zukunft alles spielt und hoffe, im Planetenkern sind komplexere, futuristischere Dinge verborgen (Hard Sci-Fi!). An der Oberfläche gibt’s erstmal nur Survival-, Soldaten- und Zombie-Klischees.

Schwächen? Das Manga-Kapitel hat Überlänge, das Gratis-Heft nicht: Die Handlung bricht mittendrin ab.

und dann? Der postapokalyptische Sci-Fi-Manga, auf den ich mich freue? „Desert Punk“. Liste mit weiteren Mangas des Genres: Link, TV Tropes.

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Kultgeschichten

Kult Comics | Michael Mikolajzak, Sascha Dörp, Holger Klein, Andreas Möller

KultComics_kultgeschichten_GCT1„Zum ersten Mal ist Kult Comics beim Gratis Comic Tag dabei, mit drei Geschichten: »S.C.U.M.« gezeichnet von Sascha Dörp, »Königinnen« von Holger Klein und »Wurzeln« von Andreas Möller. Alle Stories wurden von Michael Mikolajczak geschrieben. Spannende [70er-Jahre-]Geschichten über starke Frauen, Wahnsinn, Verzweiflung, Rache, Familienbande und Mord.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Kult Comics

Empfehlung: Bedingt. Ich schlage 35 Comics auf. „Unerschrocken“ (Platz 1) und „Kult Comics“ sind die einzigen, in denen Schwarze Frauen und queere Figuren nennenswerte Rollen spielen. Wer 80er-Jahre-Underground-Comics im Stil von „V for Vendetta“ mag, findet hier drei literarische, visuell halbwegs interessant inszenierte Episoden: Comics über die 70er, erzählt wie in den 80ern.

Schwächen? „Comics über die 70er, erzählt wie in den 80ern“ war kein Lob. Jeder von uns hat fünf, sechs Facebook-Freunde, die Zeug posten wie „Nach Led Zeppelin gab es keine nennenswerte Musik mehr!“ oder „‚Der Pate‘? Bester Film, seitdem gehts nur bergab“. Die „Kultgeschichten“ erzählen von Emanzipation, queere Politik (Valerie Solanas, Andy Warhol), Selbstermächtigung. Im Ton von Onkel Wolfgang.

und dann? Keine Ahnung – ich fand auch Reinhard Kleists „The Secrets of Coney Island“ schlimm gestrig, altbacken: Bin ich bei deutschen Amerika-Comics überkritisch? Aber: Warum nicht Schwarzen Künstler*innen direkt zuhören? In z.B. „Atlanta“.

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Garfield

Egmont | Jim Davis

03_GCT2018_Comic_Garfield-500x7„1978 erblickte der fett, faul, filosofische Kater das Licht der Welt. Das feiern wir mit einem Best-of aus 40 Jahren Garfield Comic-Strips.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Goodreads

Empfehlung: Ästhetisch, sprachlich, „zeitgeistig“ blieb „Garfield“ in den späten 70ern. 2017 las ich einen klugen, leidenschaftlichen „Squirrel Girl“-Comic von Jim Davis; bin deshalb umso enttäuschter, wie einfach er es sich sonst macht. „Garfield“ ist „Garfield“ ist „Garfield“. Nicht weniger. Aber: Ein bisschen wäre schön gewesen, in 40 Jahren!

Schwächen? Die längeren Farb-Strips, einer pro Doppelseite, sind origineller, witziger als die Drei-Panel-Shorts, die drei Viertel des Hefts einnehmen. Krass auch, dass kaum Frauen vorkommen.

und dann? „Calvin & Hobbes“ (dort sind die kurzen Schwarzweiß-Strips besser als die farbigen, mir immer etwas zu langen Sunday Strips). Oder, klar: „Garfield minus Garfield“!

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The Tale of the Wedding Rings

Kazé | MAYBE

Kaze_WeddingRings_Cover_NEU-500„Seit Jahren ist Sato schon in seine Nachbarin Hime verknallt. Doch als er den Mut aufbringt, ihr diese Liebe zu gestehen, eröffnet sie ihm, dass sie fortgehen wird – für immer. Seine Angebetete die Prinzessin eines magischen Königreiches und die letzte Hoffnung ihres verzweifelten Volkes. Um ihre Welt zu retten, muss Hime unbedingt heiraten, denn ihre Hochzeitsringe bergen ein mächtiges Geheimnis…“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Wikipedia | Goodreads

Empfehlung: Ich scheitere am Timing. Sato und Hime waren jahrelang Nachbarn – doch stellten sich die wichtigsten Fragen nie? Ein 08/15-Schulboy. Eine brave, gewissenhafte Standard-Schulmädchen-Figur. Auf den letzten Seiten ein Standard-Fantasy-Königreich. Ich sehe hier literarisch, gestalterisch, psychologisch keine Lust, keinen Ansatz, etwas Neues zu probieren. Eine Erzählwelt, so Schema F, dass ich aussteige.

Schwächen? „Sato ist von nun an der Ringkönig, dessen Aufgabe es ist, die Prinzessinnen der fünf verschiedenen Völker zu ehelichen. Jede Prinzessin besitzt einen Ring, mit dem man über ein Element gebieten kann.“ [Wikipedia] Urks.

und dann? Fantasy-Königreiche im Comic? „Monstress“, vielleicht die neue Reihe „Isola“.

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Wayne Shelton

All Verlag | Jean Van Hamme, Christian Denayer, Thierry Cailleteau

GCT2018-All_Verlag_v1-1-500x714„Vietnam-Veteran Wayne Shelton ist Mann für heikle Missionen, in Diensten finanziell potenter Auftraggeber ein. Der exzentrische Milliardär Horace T. Quale bietet Shelton stattliche Summen, um einem französischen Fernfahrer, der in der fiktiven ehemaligen Sowjetrepublik Kalakschistan in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt, zur Flucht zu verhelfen. Shelton schart ein Team bewährter Mitarbeiter um sich. Ein Meisterwerk des modernen Abenteuercomics, geschaffen vom belgischen Erfolgsautor Jean van Hamme und seinem Landsmann Christian Denayer.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads | Wikipedia

Empfehlung: Nur für Menschen, die z.B. „The Italian Job“, alte Bond-Filme und „Ocean’s Eleven“ sehen können, ohne, dort Frauenfiguren, Vielfalt, Repräsentation zu vermissen. Ich las „Wayne Shelton“ und dachte „Oha. SO sahen die 80er aus. Angestaubt, altbacken – aber ECHT stilsicher.“ Dann merkte ich: Der Comic ist von 2001.

Schwächen? Am liebsten würde ich eine diverse Gruppe 17jähriger bitten, alle Sprechblasen und Texte neu zu schreiben. „Wayne Shelton“ ist ein Cliché Storm, altmännerhaft und provinziell, über den ich lachen, heulen könnte. Kunstvolle Zeichnungen, detailverliebtes Ambiente. Und: Es ist kein *böse* reaktionäres Comic. Sondern einfach: kurz gedacht, gedankenlos, langweilig.

und dann? Ed Brubakers „Velvet“ liebt 70er-Jahre-Dekor; Band 3 endet leider banal. 60er-Jahre-Bildwelten? Darwyn Cookes „Hunter“-Comics.

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Der Janitor

Schreiber & Leser | Francois Boucq, Yves Sente

schreiberleser_Janitor_cover-1-„Zwölf Janitoren bilden die geheime Elite-Schutztruppe des Vatikan. Als Nummer Drei ausfällt, muss jemand nachrücken: So wird aus dem jungen Pater Vince, der sich bereits als Leibwächter bei Sondereinsätzen bewährte, Janitor Trias. Doch Vince, weltlichen Genüssen nicht abgeneigt, quält sich mit Zweifeln über seine klerikale Berufung.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Schreiber & Leser | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. „Janitor“ hat keine dramatischen Schwächen, Angriffsflächen, Probleme – doch leider auch keine besondere Dramatik. Ein souveräner, gemächlicher Polit-Thriller, der im Original als großformatiges Album erschien und dessen kleine Schriftart hier als Heft alles noch träger macht. Fahrzeuge, Hintergründe sind detailverliebt, atmosphärisch inszeniert. Die Hauptfigur bleibt blass.

Schwächen? Keine interessanten Frauen. Um Welten zeitgemäßer als „Wayne Shelton“. Doch während Shelton Trash-Charme hat, ist mir der „Janitor“ einfach sehr egal.

stattdessen? Die aktuellen James-Bond-Comics haben maue Kritiken – und auch dort schnarchte ich jedes Mal, wenn ich mehr als zehn Seiten las, weg. Ich liebe Greg Ruckas „Queen & Country“-Spionage-Polit-Thriller.

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ASH – Austrian Superheroes

Contentkaufmann | Andi Paar, Harals Havas, Martin Frei, Jan Dinter u.a.

ASH_LDH_GCT_Cover-500x714Die Comicserie wurde 2015 durch Crowdfunding finanziert und 2016 gestartet. Seit 2017 erscheinen die Hefte regelmäßig alle zwei Monate. Das Ziel? Ein eigenes europäisches Mainstream-Superhelden-Universum. Seit Herbst 2017 wird ASH durch eine zweite Serie namens „LDH – Liga deutscher Helden“ ergänzt. Dahinter stehen über 20 Zeichnerinnen und Zeichner, österreichische bei ASH, deutsche bei LDH. Sowohl von den Storys und dem Artwork her als auch dem qualitativ hochwertigen Druck versucht das Team, denselben Look und Feel zu bieten wie die großen amerikanischen Vorbilder. Und denselben Spaß!“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Website | Goodreads

Empfehlung: Nein. Ich teile die Kritikpunkte von Lara Keilbart im Tagesspiegel (Link, zum Spinoff „LDH“): „Das Gesamtbild wirkt älter, wie ein Comic aus den 60er Jahren. […] Einerseits möchte es keine Parodie sein, andererseits sind die Protagonisten auf allen Ebenen wandelnde Klischees. Vor allem der alberne Jeck und der grobschlächtige Gamsbart irritieren mit Dialektsprache und unangebrachten lockeren Sprüchen. Die Dialoge sind dabei hölzern und die Formulierungen wirken oft peinlich verkrampft auf vermeintliche Epik getrimmt.“

Die burschikos-rustikale Lady Heumarkt ist eine witzige Figur. Und: toll, dass deutschsprachige Profis versuchen, mit der US-Szene mitzuhalten. Dass das Ergebnis so sehr nach Regionalliga klingt / aussieht, liegt für mich vor allem an der Idee, lokale Held*innen müssten „Captain Ethnic“-Klischees erfüllen. Ein lokaler Held sein? Heißt für mich nicht, sich zu kostümieren und zu benennen, als sei man Lokalmarketing; ein Maskottchen vom Fremdenverkehrsamt!

Schwächen? Mein größter Wunsch an diese Reihe: WENN euch so wichtig ist, Wien etc. zu zeigen, zeichnet bitte detailliertere, liebevollere Hintergründe. Und, hey: Für mich ist Österreich ein Land, das RIESIGE Probleme mit Fremdenhass, reaktionären Stimmen, Rechtspopulismus hat. Kämpfen die ASH-Leute dagegen? Oder steht die Heimattümelei dieser Comics für die Sehnsucht nach einem „Wir sind wieder wer!“/“Wir sind genau so gut! Sogar unsere Heldencomics“…?

stattdessen? Ich bin kein Fan der (humorvolleren, satirischen) Justice-League-Comics von Keith Giffen. Und: Bezeichnend, dass der einzige professionelle US-Comic, der mir zu ASH einfällt, eine Reihe von 1987 ist.

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Star Wars Abenteuer

Panini | Landry Q. Walker, Chris Eliopoulos, Allessandro Ferrari, Jordie Bellaire, Derek CHarm u.a.

StarWars_GCT_2018_Cover-500x714„Neben einer Leseprobe zur Junior Graphic Novel zum Filmhit ROGUE ONE enthält dieses spannende Heft zwei abgeschlossene Droiden-Kurzgeschichten, eine davon exklusiv nur in diesem Heft. Ein Highlight für junge Star Wars-Fans.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Star Wars Adventures in Deutschland: je 80 Seiten, bei Panini

Empfehlung: Nein. Drei von vier Gratis-Comics von Panini 2018 scheitern, weil sich statt einer packenden Geschichte viel zu knappe Vignetten ins Heft quetschen. „Star Wars“-Comics sind seit 2015 oft großartig: Kieron Gillens „Darth Vader“, „Kanan“, „Poe Dameron“. Ich mag die TV-Jugendserie „Rebels“, ich LIEBE Jarson Frys „Rebels“-Romanreihe „Servants of the Empire“. Doch ich las bisher keinen guten Comic der Jugendreihen „Star Wars: Adventures“ & „Forces of Destiny“ (Sympathisch? Die deutsche Zeichnerin Eva Widermann). Mich langweilen Landry Q. Walkers dialogfreie Druiden-Comics. Und der simple Zeichenstil lässt alle Figuren naiv, zu harmlos wirken.

Schwächen? Erst eine Nicht-Geschichte, in der C-3PO anreißt, wie viel er erlebte. Dann banale Druiden. Am Ende der Start der Kindercomic-Adaption von „Rogue One“. Nichts davon: unprofessionell. Doch als „Geschichte“ qualifiziert sich keine der drögen Szenen.

stattdessen? Ich suche selbst: abgeschlossene Graphic Novels für ca. Zehnjährige werden wichtiger, populärer (Liste für 2018, Link). Doch eine Heftreihe für die Altergruppe? Mit SciFi, Abenteuer? „Princeless: Raven the Pirate Princess“ war… okay.

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Werner: Wat Nu!?

BröseLine Verlag | Brösel

broesline_werner_13_gct_cover_1„Werner ist wieder da! Und zeigt der Fracking-Lobby, Donald und sonstigen Spinnern wo die Wuäss wächst! Die Essenz aus Alt und Neu. Gute Unterhaltung!“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads

Empfehlung: Nein. Ich mag, dass Werner eine Blue-Collar-Figur ist; Brösel wirklich *immer* mitdenkt, was das bedeutet: Auf dem Land zu leben, Handwerker zu sein, in vieler Hinsicht abgewertet und ausgeschlossen. Und ich mag, dass die ersten Seiten des Comics von Fracking handeln (und eine spätere Doppelseite vom Endlager Gorleben): Brösel ist politisch, hat Anliegen, Haltung. Doch Fracking wird sich nicht aufhalten lassen, indem Werner nach Hannover fährt und einen Anzugträger anbrüllt. Und dieser Comic – an vielen Stellen: charmant koloriert – hat nichts zu sagen, nichts zu erzählen, bei dem ich denke: „Whoa! Werner und Werners Macher gehören ins Jahr 2018.“ Ein peinlicher Comicstrip von 1982 verdirbt mir das Heft noch mehr: Eine übergewichtige Frau fragt einen Verkäufer nach einem knappen Bikini. Ihr Ehemann kriegt bei der Vorstellung, seine Frau darin zu sehen, das Kotzen.

Schwächen? Gestrig, müde, stehen geblieben. Die Comics erscheinen im Selbstverlag. Ich wünschte, jemand würde Brösel sagen: „Sei Punk. Sei unbequem. Sag klügere Dinge über Arbeit, Strukturwandel, Provinz!“

stattdessen? Walter Moers‘ „Das kleine Arschloch“?

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Is it wrong to try to pick up Girls in a Dungeon?

Kazé | Kunieda, Fuhino Omori

Kaze_IsItWrong_Cover-500x714„In den Tiefen des Dungeons lauern Monster, Schätze – und süße Mädchen! Doch wie soll ein Hänfling wie Bell nur die Aufmerksamkeit einer so talentierten Schwertmeisterin wie Aiz erwecken? Da hilft nur eins: Bell muss stärker werden. Also geht er fleißig weiter im Dungeon trainieren – und macht dabei schnellere Fortschritte, als er sich selbst je zugetraut hätte. Ohne sein Wissen schlummern in Bell besondere Fähigkeiten. Der Anime- und Light-Novel-Hit jetzt auch als Manga: aufgebaut ganz nach den Regeln japanischer Rollenspiele, inklusive Statuswerten und besonderen Skills, die den Helden von ihren Schutzgöttinnen auf den Rücken tätowiert werden.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads | TV Tropes

Empfehlung: Nein. „Sword Art Online“ hat viele Probleme typischer Shonen-Animes (endlose Superlative und Steigerungen; die Hauptfigur als Messias; Durchhalte- und Streng-dich-an-dann-klappt-schon-alles-Moral; naive Technikkritik & Körperbilder); doch dort geht es um E-Sport, Fantasy-Duelle, Rollenspiel und DUTZENDE interessanter, fähiger Frauenfiguren. „Is it wrong…?“ ist eine drittklassige, sexistischere, einfallslose Geschichte für die selbe Zielgruppe: ein Harem-Manga mit uninteressanten, sinnlos servilen Frauen und einer langweiligen, planlosen Hauptfigur.

Schwächen? Eine Figur in einem MMORPG (?) hinterfragt die Logik ihrer fadenscheinigen Welt. Alle zwei Seiten sehe ich Ballonbrüste an Mädchen, gezeichnet, als wären sie 12. Nach der „Ich bin die brave Bäckerin und schenke dir ohne Grund mein Essen!“-Szene verlor ich mein Vertrauen, dass hier noch etwas kommt, das meine Zeit wert ist.

stattdessen? Noelle Stevensons „Nimona“, vielleicht auch „The Guild“

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Avengers: Attack on Titan

Panini | Babs Tarr, Brenden Fletcher, Gail Simone, Phil Jimenez, Hajime Isayama, Jim Zub, Jason Aaron u.a.

Avengers-AttackOnTitans-GCT_cov„Als die Titanen Manhattan angreifen, stellen sich die Marvel-Helden den Giganten aus einer anderen Dimension. Das ultimative Crossover zwischen Attack on Titan und Avengers. Inhalt: ‚Attack on Titan‘-Kurzgeschichten von Gail Simone und Brenden Fletcher; Attack on Avengers; eine Szene aus Avengers K; und eine kurze Wolverine/Logan-Szene aus ‚Marvel Legacy'“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads zum über 200 Seiten langen US-Sammelband | Wiki zur Originalserie 

Empfehlung: Nein. Ich lese „Attack on Titan“, finde die Serie an vielen Stellen so zynisch, dass es faschistoid wird – doch freue mich, wie viele Wendungen sie nimmt und dass es mittlerweile, in Band 24+, um VÖLLIG andere Machtkonstellationen und politische Probleme geht. Die beiden AoT-Kurzgeschichten hier Heft sind banal. Brenden Fletcher, dessen ersten „Batgirl“-Band ich mochte, liefert bizarren, tumben Trash; Gail Simone eine fade Klischee-Geschichte. Alle fünf Storys im Heft sind viel zu kurz, oberflächlich, unnötig brutal – und falls ich nichts über die Avengers und / oder AoT wüsste, wäre mein Fazit nach 40 blutig-pubertär-zusammenhanglos-freudlosen Seiten: Beides kann ich mir sparen.

Schwächen? Überall, ja. Flechters Geschichte würde ich gern in einem Gender-Seminar besprechen: kurz gedachte „Girl Power“. Lichtblick: Ich mag Zeichner Phil Jimenez, doch finde seine Panels oft überfrachtet. Hier, in Gail Simones Geschichte, sind sie toll koloriert und wirken deshalb großzügiger, luftiger, eleganter als sonst.

stattdessen? G. Willow Wilsons „Ms. Marvel“ und Jason Aarons „Thor“ sind seit über vier Jahren die besten Marvel-Reihen.

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Oblivion Song

Cross Cult | Robert Kirkman, Lorenzo de Felici

GCT2018_CrossCult_ObivionSong_C„Der neue Comic-Hit von Erfolgsautor Robert Kirkman (The Walking Dead): eine actiongeladene Reise durch Raum und Zeit – fiese Aliens inklusive. Vor [10] Jahren tauchte in Philadelphia plötzlich eine Dimension auf, die fast die Hälfte der Stadt mit einem neuen Ökosystem überzog. Fast 20.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Nach der Katastrophe finden Wissenschaftler heraus, dass die fremde Welt nicht einfach in Philadelphia erschien, sondern den Platz mit einem Teil der Stadt tauschte. Neue Technologie ermöglicht nun die Reise zwischen Erde und der Oblivion genannten Dimension. In diese werden Rettungsteams geschickt, um die Überlebenden des echten Philadelphias in Oblivion zu finden und zu retten.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: GoodreadsCross Cult

Empfehlung: Nein. Ich las zwei Bände „The Walking Dead“, zwei Bände „Invincible“, doch scheitere an Robert Kirkmans Dialogen: In jeder Sprechblase stehen ein, zwei Sätze mehr als nötig. Seine Figurensprache ist deprimierend redundant. Er sagt das selbe mehrmals, direkt hintereinander. Es gibt zu viele Wiederholungen. Ich bin gelangweilt, dass seine Figuren oft den selben Punkt in der selben Sprechblase erneut machen. Ich will nichts lesen, das klingt, als gäbe es keinen Lektor. Kirkmans Sprache dreht sich im Kreis. Mich macht ungeduldig, wie oft er sich wiederholt.

Schwächen? Der selbe Kirkman-Bla wie immer. Dazu: eine einfallslose Erzählwelt und klischierte Figuren. Eine Prämisse, so frisch wie Roland Emmerich, „Sliders“, „Revolution“, „FlashForward“ etc.

stattdessen? Brian Wood denkt solche Stoffe politischer und persönlicher: Ich mag „DMZ“ und das etwas schwächere „The Massive“.

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Deadpool

Panini | Robbie Thompson, Mark Bagley, Gerry Duggan, Scott Koblish, Fred van Lente, Dalibor Talajic, Damion Scott

DEADPL023CT_cover-1-500x714„Deadpool, der Söldner mit der großen Klappe macht Jagd auf Cable, den Mutanten aus der Zukunft. Inhalt: The despicable Deadpool #287; Kurzgeschichten aus Deadpool #900 (II, III)“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Panini setzt auf diese Figur

Empfehlung: Nein. Ich sah den „Deadpool“-Kinofilm noch nicht. Das kann schon klappen: ein ultrabrutaler, fast unsterblicher Söldner, der mit dem Publikum spricht, alle Gegner überlistet. Halb Till Eulenspiegel, halb GTA-Avatar, der nur bösen Quatsch macht. Doch alle (5?) „Deadpool“-Comics, die ich las, erschienen mir wie: Der erstbeste Autor lässt Deadpool die erstbesten Dinge sagen. Dann wird jemand erschossen. Geist-, freud-, witzlos.

Schwächen? Mein Verdacht: Die Figur klappt, wenn mehrere Leute an ihr arbeiten, sich alle Beteiligten anstacheln. „Geht das gewitzter? Origineller?“ Die Comics hier im Band sind ein Armutszeugnis. Erzählerischer Bankrott. Menscheinfeindlicher Müll.

stattdessen? „Gwenpool“ zeigt die Comic-Leserin Gwen Poole – die plötzlich im Marvel-Universum erwacht. Begreift, dass sie in einem Comic steckt. Und mit Fan-Wissen Figuren manipuliert. „Gwenpool“ bringt mich zum Lachen. Und Weinen! „Deadpool“ könnte das. Doch versagt hier komplett.

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Dragons – Die Reiter von Berk

Cross Cult | Simon Furman, Stephen Downey, Sara Richard, Arianna Florean

GCT2018_CrossCult_Dragons_Cvr_r„Gleich drei irrwitzige Kurzgeschichten aus der Welt der Drachenreiter – bekannt aus TV und Kino. 1) Rotzbakke merkt, dass es gar nicht so einfach ist, als Babysitter auf einen Haufen Jungdrachen aufzupassen. 2) Ein verstauchter Flügel ihres Drachen Sturmpfeil zwingt Astrid zur Landung auf einer einsamen Insel. 3) Kann das Feuer der Drachen beim Schmieden helfen?“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Wiki | Goodreads | Cross Cult

Empfehlung: Nein. Seit mich „Ice Age“ und „Shrek“ anödeten, konnte ich mich zu keinem DreamWorks-Film aufraffen – das „How to Train your Dragon“-Universum ist mir fremd. Hier sehe ich: naive, eindimensionale Figuren in Geschichten, viel zu kurz und ohne Pointe. Ich mag den Zeichenstil in Astrids Geschichte (Bild oben). Und: Nichts an diesen professionellen Comics ist besonders amateurhaft, zweitklassig. Doch es sind jene Sorte Kurzgeschichten, die z.B. gratis in einer Cornflakes-Packung liegen, und sie machen mir *null* Lust auf Berk und seine Bewohner. Das hier liest sich wie KNAX: der fade Gratis-Comic der Sparkasse.

Schwächen? Vielleicht kann Cross Cult mit der Lizenz anspruchsvollere Erwachsenen-Comics querfinanzieren? Ich sehe: Storys, die mich schon als Kind schlimm gelangweilt hätten.

stattdessen? Viele aktuelle Kinderserien trauen sich a) anspruchsvolleres Design, b) schrulligere, teils auch  queere Figuren. Der „SpongeBob“-Comic ist oft überraschend gut. Auch „Adventure Time“-, „Stephen Universe“-, „Gravity Falls“-, „Wander over Yonder“-Comics würde ich sofort lesen.

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Micky Maus

Egmont | Gail Renard, Tom Anderson, Ferioli, Francois Corteggiani, Daan Jippes u.a.

02_GCT2018_Comic_Mickey_Maus-50„Jeder liebt Micky Maus! Die Comic-Ikone schlechthin feiert am 18. November 2018 90. Geburtstag! Zu diesem Anlass haben wir vier der besten Maus-Comics ausgewählt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Comicforum

Empfehlung: Nein. In welchem Jahr erschien die längste Geschichte hier im Heft, von Gail Renard und Tom Anderson, ursprünglich: Anfang der 90er? In Deutschland haben die Disney-Enten viel mehr Fans als Micky. Sowohl die klassische Schabernack- und Unruhestifter-Maus aus den frühen Cartoons (hier im Heft: eine Comic-Version von „Micky’s Trailer“) als auch Detektiv- und Bürger-Micky der europäischen Comics sind umstritten. Ich selbst mag den seriösen Micky sehr, z.B. in „Das verzögerte Telefonat“. Hier im Comic aber: zwei banale Kurz-Strips, je eine Seite lang. Die blasse „Micky’s Trailer“-Adaption. Und eben: ein durchschaubarer, langweiliger Detektiv-Micky-Comic, ca. 25 Jahre alt.

Schwächen? Das Problem ist nicht, dass diese blassen, ramschigen, banalen Comics verschenkt werden. Sondern, dass sie unter dem Label „vier der besten Comics“ vermitteln sollen, was spannend ist an einer bekannten, doch oft nicht sehr beliebten oder greifbaren Figur. Hier versagt das ärgerliche, uninteressante Heft völlig.

stattdessen? Die neue „DuckTales“-Serie ist exzellent. Meine Lieblings-Comics aus den Lustigen Taschenbüchern habe ich u.a. hier gebloggt. Und Carl Barks ist so toll, wie alle sagen: Believe the Hype!

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Splatoon

Carlsen | Sankichi Hinodeya

GCT-2018_carlsen_Splatoon_U1-1-„Vorbild für die Mangaserie sind die Nintendo-Games auf Wii-U und Switch – ein Riesenspaß für Kids und alle Zocker! Bis an die Zähne bewaffnet mit Klecksrollern, Schwappern, Pinseln oder am besten gleich als Tintenfisch muss Farbe verteilt werden: Das Team, das das größte Gebiet in Inkopolis einfärbt, gewinnt! Das blaue Dussel-Team rund um den Inkling Goggle mischt das CoroCoro-Turnier auf. Was kann dieses Team, das voll neben der Kappe steht, den Konkurrenten entgegensetzen?“[Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Goodreads

Empfehlung: Nein! Ein Videospiel, in dem es NUR darum geht, auf den ersten Blick zu sehen „Liegt hier mehr Blau oder z.B. mehr Grün?“ als lustloser, banaler Schwarzweiß(!)-Manga voll „Deine Hose steht offen!“-Witzeleien. Ich lerne nichts über die Erzählwelt, die Inklings, einzelne Figuren. Nur, dass alle „dumm“ oder „peinlich“ sind. Bevor das erste Duell richtig beginnt, bricht das Heft ab. Armselig, drittklassig, langweilig.

Schwächen? NUR Schwächen.

stattdessen? Die Hauptfigur sieht aus wie Beast Boy aus „Teen Titans Go!“. Ähnlicher Tonfall – aber temporeich und witzig. Die Comics zur Serie sind solide.

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Bild unten: noch mal „Der freie Vogel fliegt“

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Superman: Rebirth – Dan Jurgens, Peter Tomasi, neu bei Panini

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am 10. Januar sprach ich über die neuesten „Superman“-Comics in Deutschland, als Studiogast bei Deutschlandradio Kultur:

Text von mir und Link zur Audio-Datei, Deutschlandradio Kultur

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Wer Comics auf Englisch kauft und liest:

Seit Juni 2016 sind die „Superman“-Reihen besser als seit Jahrzehnten.

Mein Tipp:

Erst „Lois & Clark“ lesen (10 Hefte, ein US-Sammelband), dann die beiden parallelen Reihen „Action Comics“ und „Superman“ (erscheinen je zweimal im Monat). Auch „Trinity“ und „Superwoman“ (einmal im Monat) machen Spaß. Im Februar beginnt zudem „Super-Sons“.

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Wer Comics auf Deutsch lesen will:

„Lois & Clark“ erscheint in zwei Bänden bei Panini Comics: Band 1 (Link), Band 2 (Link, 7. Februar).

Dann – 18. April 2017 – „Superman: Sonderband 1“.

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Immer wieder landen langjährige Heldencomics in erzählerischen Sackgassen – und räumen auf, indem ein komplizierter Zwischenfall (Zeitschleifen, Dimensionslöcher, parallele Welten) neue, simplere Zustände schaffen soll. 2011 hieß das: Superman und seine große Liebe Lois Lane werden ersetzt, durch jüngere Versionen, in einer neuen Welt. Jene Doppelgänger waren nie verheiratet, sind schroffer und pragmatischer; ein neuer Lex Luthor ist eher Antiheld als Schurke. 2015 strandete der vorige, ursprünglichere Superman in dieser neuen Gegenwart – in Dan Jurgens Reihe „Lois & Clark“: Er hat jetzt einen Sohn im Grundschulalter und lebt mit seiner Lois heimlich auf einer Farm.

2016, im nicht lesenswerten „The Final Days of Superman“ starb der jüngere Superman. Seitdem übernimmt die ältere Version die Hauptrolle. In vier verknüpften, oft exzellenten Heftreihen – „Action Comics“, „Superman“, „Superwoman“ und „Trinity“ – wird dieses Durcheinander durchdacht, von allen Seiten. Es gibt zwei Lois Lanes. Kann man Lex Luthor trauen? Ein Fremder ohne Kräfte behauptet, Clark Kent zu sein. Supermans Sohn will selbst Held werden. Zu viele ermüdende Kämpfe, mittelmäßige Zeichnungen. Doch tolle Figurenarbeit, Rätsel, Ensembles und Intrigen.

Wirres Chaos? Nein: Ein Helden-Mosaik, so stimmig, herzlich, menschlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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gut gezeichnet, aber keine Empfehlung: die Vorgeschichte "Die letzten Tage von Superman", ab 21. Februar 2017 bei Panini

gut gezeichnet, aber keine Empfehlung: die Vorgeschichte „Die letzten Tage von Superman“, ab 21. Februar 2017 bei Panini

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für die Deutschlandradio-Redaktion und meine Moderatorin fasste ich alles in folgenden Stichpunkten zusammen:

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Es geht um das Comic „Superman: Lois & Clark“, das am 3. Januar auf Deutsch bei Panini erschien.

…und es geht darum, wie der Verlag „DC Comics“ seit 2011 mit der Figur Superman umging.

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Die Figur Superman hatte in den Comics drei große Phasen:

1) 1986 bis 2011
2) 2011 bis 2016
3) heute

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1) grundsätzlich (ab 1986):

– Es gibt zwei große Superhelden-Verlage in den USA: Marvel Comics und DC Comics. Beide veröffentlichen ca. 50 monatliche (oder, neu: zweiwöchentliche) ca. 20seitige Heftreihen über verschiedene Heldinnen und Helden. Fast alle Marvel-Heftreihen spielen im „Marvel-Universum“, fast alle DC-Heftreihen im „DC-Universum“.

– Fünf bis sechs monatliche Hefte werden danach meist als Sammelband veröffentlicht. Auf Deutsch erscheinen diese Sammelbände bei Panini Comics. „Superman: Lois & Clark“ sammelt Hefte, die in den USA von Dezember 2015 bis Sommer 2016 veröffentlicht wurden.

– Die Figur Superman ist nicht nur Hauptfigur in einem alle zwei Wochen erscheinenden Comic namens „Superman“, sondern auch in einer parallelen Reihe namens „Action Comics“, in „Justice League“, in „Trinity“ etc., und hat Gastauftritte in weiteren Reihen wie „Supergirl“, „Super-Sons“ usw.: Wer will, kann monatlich fast 200 Seiten lesen über das Leben dieser Figur – verfasst von mehreren Autoren/Zeichnern, aber alle zusammenhängend/verknüpft.

– Von 1986 bis 2011 erzählten fast alle DC-Heftreihen eine große, zusammenhängende Geschichte: Batman und Superman wurden Freunde, Batman wurde Vater, The Flash hat geheiratet usw.: Figuren sind in ca. 25 Jahren ca. 10 Jahre gealtert. Einige haben Kinder bekommen, alle wurden etwas reifer, besonnener, bürgerlicher. Superman enttarnte sich vor Lois Lane und heiratete sie. Viele dieser Comics sind recht gut, die Figur ist überzeugend gewachsen.

– Bis 2011 aber wurden solche Hintergrund- und Vorgeschichten so lang und kompliziert, dass DC Comics sagte: „Niemand sollte ein Comic von 1986 kennen müssen, um ein Comic von 2011 verstehen zu können. Wir machen einen Neustart.“ Dieser Neustart betraf alle Reihen: In einer Zeitreise-Geschichte verursachte der Superheld The Flash versehentlich ein Paradox… und plötzlich begann vieles von vorne, in 50 Heftreihen, in einem neuen Universum.

[dieser Reboot hieß „The New 52“. ich habe 2011 u.a. hier darüber geschrieben.]

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Superman Batman DC Helden

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2) Superman ab 2011: „The New 52“

– Seit 2011 erzählen alle DC-Heldencomics neue Geschichten… in einem neuen Erzähluniversum… mit den alten Heldinnen und Helden… die aber jetzt verjüngt sind und denen Teile ihrer Vorgeschichte fehlen:

– Superman und Lois Lane sind Redaktionskollegen beim „Daily Planet“, aber waren nie ein Paar. Superman ist jünger, ungestüm, fühlt sich missverstanden und macht viele Fehler. Er verliebt sich in Wonder Woman. Alles ist jugendlicher, frischer, weniger bürgerlich.

– Aber: viele Ehen wurden nie geschlossen, viele Kinder nie gezeugt, vielen Figuren fehlen Tiefe, Vorgeschichte, Erfahrung, Format: Statt den bekannten Helden, Mitte 30, liest man jetzt die Abenteuer von Figuren, die genau so aussehen – doch kaum Mitte 20 sind. Sie sind jünger, naiver, feindseliger, aggressiver. Viele Helden stehen am Anfang und sind einander sehr fremd. Misstrauen, Anfängerfehler, Aggression.

– Dieser 2011er-Neustart war umstritten. Heftreihen wie „Batman“ und „Green Lantern“ kamen gut zurecht. Doch der neue Superman wirkte wie ein traurig naiver Abklatsch der alten Figur: Kritiken, Auflage und Fan-Reaktionen waren schlecht.

– Von 2011 bis 2016 erschien fast kein „Superman“-Comic oder -Sammelband, den ich empfehlen würde. Mir persönlich fehlt auch die Liebesgeschichte mit Lois Lane sehr: Ich lernte Superman in den 90er Jahren kennen, durch die TV-Serie „Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark“. Dort spielt der Redaktionsalltag im Daily Planet eine große Rolle, und Lois ist gleichwertige Hauptfigur. Dass sie in den Comics, besonders ab 2011, oft nur eine Randfigur mit Mini-Auftritten bleibt, missfällt mir.

– 2015, in einem (recht schlechten) Comic namens „Convergence“, wurde einigen neuen Helden klar, dass ihre Vorläufer (also: z.B. der Superman von 1986 bis 2011, ich nenne ihn fortan Superman86) entführt und gefangen gehalten wurden, auf einem Planeten: Zum ersten Mal seit vier Jahren sahen wir die alten Figuren wieder. Die „alte“ Lois Lane war schwanger.

– Viele dieser alten Versionen konnten sich retten und befreien… und Superman86 strandete zusammen mit Lois Lane und dem Sohn Jon in der Welt der neuen Figur.

– Der Comic „Lois & Clark“ zeigt diese beiden alten Figuren… die jetzt heimlich in der neuen Welt leben: Seit 2015 gibt es also zwei Lois Lanes, zwei Supermans. Die neuen Versionen wussten aber nichts von den alten: „Lois & Clark“ erzählt, wie sich Superman86 in Kalifornien versteckt, heimlich den Menschen hilft, aber nicht vom neuen, jüngeren Superman entdeckt werden will.

– Dann, 2016, starb der neue Superman plötzlich (…in Geschichten, die ebenfalls gerade bei Panini erscheinen, 2017: „The Final Days of Superman“… die aber nicht besonders gut oder empfehlenswert sind), und DC Comics wagte einen neuen, zweiten Neustart:

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batman vs Superman lois clark

3) 2016: die alte Figur, gestrandet in der neuen Welt: „DC Rebirth“

– Das Sonderheft „DC Rebirth“ erscheint am 28. Februar bei Panini. Es zeigt: Viele Figuren, die 2011 aus der Welt gefallen sind, kommen plötzlich zurück, auf mysteriöse Weise. Alte Geschichten (erschienen vor 2011) werden plötzlich wieder relevant. die neuen Comics, die alle ab diesem Frühling auf Deutsch erscheinen, sind optimistischer, oft besser verständlich, romantischer… Der Verlag versucht, nach dem düsteren Neustart von 2011, jetzt vieles wieder heller zu gestalten, und greift dabei auf alte Figuren und Vorgeschichten zurück.

– In Heftreihen wie „Batman“ ist das gar kein richtiges Thema: Die Geschichten gehen, mehr oder weniger, ungefähr so weiter. Um „Batman“ zu lesen, muss man nichts über diese Paralleluniversen, Zeitreisen, Paradoxien und Doppelgänger wissen. [Die Reihe „Batman“ von Autor Tom King ist nicht besonders gelungen. Aber die Reihe „Detective Comics“ von James Tynion. Empfehlung!]

– Die Superman-Heftreihen dagegen machen all das SEHR zum Thema; und bisher ist das ein großer Gewinn, erzählerisch: Es gibt zwei Lois Lanes. Die „alte“ Hauptfigur trifft neue Versionen ihrer alten Bekannten und Bezugspersonen, die sie von 1986 bis 2011 gut kannte (Batman, Lex Luthor, Wonder Woman etc.) – doch diese Bezugspersonen kannten ihrerseits nur die jüngere (und: jetzt verstorbene) Version von 2011 bis 2016: Superman86 lernt viele Figuren neu kennen, die aussehen wie seine vertrauten Freunde und Gegner… doch andere Rollen spielen. Das Mit- und Gegeneinander mit z.B. dem neuen Lex Luthor ist aktuell ein großes erzählerisches Vergnügen, weil beide Figuren nur eine jeweils andere Version von sich kannten, bisher.

– Supermans Sohn Jon ist fast zehn Jahre alt und entwickelt eigene Kräfte. Von 2011 bis 2016 erzählten die Comics das Leben eines wütenden, unbeholfenen Single-Supermans. Jetzt, seit „Lois & Clark“, geht es um eine glückliche Familie – Superman86, Lois Lane86, Sohn Jon -, die in einer neuen Welt neu durchstartet. Auch diese Lois hat eine interessantere Rolle als seit Jahren – weil Lois86 Mutter ist, aber die jüngere Lois plötzlich Superkräfte entwickelt… und nichts von Lois86 weiß.

– So verwirrend und barock all das klingt: Aktuell sind die Superman-Heftreihen, die alle in den nächsten Monaten neu bei Panini erscheinen, auf Deutsch, ein toller Einstieg. schöne alte Figuren, desorientiert in einer neuen Welt… doch optimistisch und einsteigerfreundlich erzählt. „Lois & Clark“ ist dabei der einfachste und süffigste Einstieg: Wir lernen Sohn Jon kennen, wir erfahren, was Superman86 heimlich/inkognito/undercover in der neuen Welt leistet, und mit dem Ende von „Lois & Clark“ (zwei Sammelbände, Band 2 erscheint am 7. Februar) starten dann mehrere weitere Erzählstränge, in denen man diesen Figuren folgen kann:

– Weil die Heftreihen in den USA schon seit Juni 2016 laufen und ich die Originalcomics las, weiß ich: die Reihen „Superman“, „Action Comics“, „Trinity“ und „Superwoman“ sind einen Blick wert. Als nächstes startet in den USA dann „Super-Sons“, über Supermans Sohn Jon und Batmans Sohn Damian.

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– Verlegerisch und erzählerisch, auf einer Meta-Ebene, geht es hier um Tonfall, Zielgruppen und Zugänglichkeit:

2011 dachte DC Comics: Wir müssen jünger werden, einfacher, härter/jugendlicher/aggressiver – und junge Leser wollen sich nicht mit alten oder verheirateten Helden identifizieren. Weg mit den Vorgeschichten!

2016 wird das korrigiert: Superman und Lois Lane sind ca. 40 Jahre alt, glückliche Eltern, und die Wärme, Besonnenheit, das Miteinander und Vertrauen machen die Comics sympathischer (und: kinderfreundlicher) als seit Jahren.

Mich persönlich freut, dass der Verlag es sich hätte einfach machen können und durch eine WEITERE Zeitreise- und Paralleluniversums-Geschichte alles viel schneller oder sauberer hätte auflösen können. Stattdessen gibt es diesen großen Doppelgänger-Kuddelmuddel… und bisher sorgt der Kuddelmuddel für lesenswerte, aufregende Comics und Konflikte. Alles etwas barock und verwirrend. Aber: sonnig, trotz allem einsteigerfreundlich – und genuin spannend.

Wer die Figuren aus Filmen und Serien ein wenig kennt, doch sich bisher nicht an die Comics traute: „Lois & Clark“ ist der ideale Einstieg.

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batman v superman, superman american alien

ebenfalls lesenswert, steht ganz für sich: „Superman: American Alien“ von Max Landis

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meine Bilanz, bisher:

„Action Comics“ wird ab Sammelband 2 besonders gut; „Superman“ ist ebenfalls ab Sammelband 2 gelungen. „Trinity“ (toll gezeichnet, aber nur ca. jede zweite Ausgabe) und „Superwoman“ (langsam erzählt, etwas träge) sind keine Meisterwerke, aber machen mir Spaß. „New Super-Man“ langweilt mich und spielt bisher keine große Rolle, auch die aktuelle „Supergirl“-Serie ist konventionell, langweilig, zweitklassig. Einen Blick wert: „Supergirl: Being Super“ (keine Verknüpfungen zu den anderen Reihen). Die „Justice League“-Reihen ab „DC Rebirth“ habe ich noch nicht angelesen. Und, wie gesagt: „Detective Comics“ ist großartig.