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Wonder Woman: die 10 besten Comics (Buchtipps, Lesereihenfolge, Empfehlungen)

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Batman und Superman haben seit 50 Jahren immer wieder neue TV-Serien und Kinofilme. Ihre Städte, Gegner, Liebes- und Vorgeschichten sind bekannt. Wonder Woman (1941) ist fast genauso alt – doch wieder und wieder wird ihr Hintergrund verändert: eine tolle Figur – der oft die tollen Autor*innen fehlen.

Hier sind meine persönlichen Empfehlungen: lesenswerte Comics – für Einsteiger und Fans.

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01 – DC Helden

Superman Batman DC Helden

[Link] …von Paul Dini, Zeichnungen (nein: Gemälde!) von Alex Ross:

Fünf großformatige, kurze, bildlastige Helden-Portraits als wunderbarer Sammelband. Je eine – recht menschliche, gefühlvolle – Begegnung mit Superman, Batman, Wonder Woman, Captain Marvel/Shazam, dazu ein Abenteuer der Justice League und eine Handvoll weiterer Helden-Kurzbiografien. Ein Bilderbuch. Ein Coffee Table Book. Ein Buch zum Kennenlernen, Verschenken – und Staunen. [Hier die US-Ausgabe.]

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02 – Trinity

superman batman trinity

[Link] …von Matt Wagner:

Eine recht kurze, etwas simple/kindische Geschichte über die ersten Begegnungen von Superman, Wonder Woman und Batman. 50er-Jahre-Atmosphäre – charmant, für Kinder und Kindsköpfe. Im Gegensatz zu Tipp 1 kein Buch, für das ich viel Geld ausgeben würde. Im selben Stil, sehr lesenswert; aber mit einer recht kleinen Rolle für Wonder Woman: „The New Frontier“ von Darwyn Cooke.

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03 – A League of One / The Hiketeia

[Link] …von Christopher Moeller

Ein charmantes Kinder- und Märchenbuch über Wonder Womans Versuch, eine unterirdische Zivilisation vor einem Drachen zu retten: kindlich, harmlos, kurz und recht naiv… aber toll zum Vorlesen oder als Gute-Nacht-Lektüre, macht Lust auf die Figur. Etwas erwachsener, aber genauso schnell gelesen: „The Hiketeia“, eine Kurzgeschichte, in der Batman und Wonder Woman in Gotham City kämpfen. „The Hiketeia“ ist die Eröffnung eines viel längeren, komplexeren Wonder-Woman-Epos von Autor Greg Rucka, das ich sehr mag. Doch für sich allein funktioniert das Buch gut als… Häppchen zum Kennenlernen. [Link]

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04 – Wonder Woman: The True Amazon

[Link] …von Jill Thompson

2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische „Wonder Woman“-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter. Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und „True Amazon“ wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 34, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten. Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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05 – Wonder Woman (1987)

Batman v Superman, Wonder Woman Perez

[Link] …von George Perez (Text und Zeichnungen):

Ein Klassiker – zeitlos, aber unfassbar achzigerjahrig. In vier Sammelbänden (…und Fortsetzungen, mit neuer Zeichnerin, die ich noch nicht kenne) erzählt George Perez die Anfänge, ersten Schritte von Diana jenseits ihrer Amazonen-Heimat. Alles ist überfrachtet, pomadisiert, verschnörkelt, barock. Und trotzdem so charmant, sich-selbst-und-seine-Figuren-ernst-nehmend, dass man bis heute mit Genuss lesen kann.

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06 – Sensation Comics (Sammelband 3)

[Link] …von verschiedenen Zeichner*innen und Autor*innen

Kurzgeschichten zwischen 10 und 30 Seiten, erst digital veröffentlicht, dann als Heftreihe und Sammelband. Ich mochte Sammelband 2 der „Superman“-Kurzgeschichtensammlung „Adventures of Superman“, und Sammelband 3 der folgenden „Wonder Woman“-Sammlung: sympathische Vignetten, Episoden und Experimente, leider oft recht konventionell/zweitklassig gezeichnet. Ein schöner Weg, viele Facetten der Figur kennen zu lernen und zu sehen, wie unterschiedliche Autor*innen kurze, manchmal originelle Fragestellungen an die Heldin tragen.

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07 – The Legend of Wonder Woman

Batman v Superman, Legend of Wonder Woman

[Link] …von Renae de Liz, Zeichnungen von Ray Dillon:

Manchmal sind Comics halbkompetent geschrieben, erzählt – doch laugen mich nach wenigen Seiten aus: Figuren aus “The Walking Dead” sagen zu viele Dinge dreimal. Ihre Sprechblasen sind überfüllt, die Dialoge hölzern. Auch “The Legend of Wonder Woman” krankt an solchen unpräzisen, öden Geschwätzigkeiten. Alle Frauen hier sehen aus wie Disney-Prinzessinnen. Doch kindgerecht ist die Geschichte über Dianas erste Jahre als Kriegerin und Diplomatin trotzdem nicht: Kein Kind hätte Nerven für so langatmiges Geblubber. Solide Geschichte, toll für Leser*innen ab ca. 9. Aber: uff. Kürzt diese Paraphrasen!

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08 – Wonder Woman, “Identity Crisis”, “Infinite Crisis”

Batman v Superman, Identity Crisis

[Link] …von Greg Rucka (meinem Lieblings-Comicautor), Geoff Johns und vielen anderen:

Seit 2003 war Wonder Woman vor allem Diplomatin. Trotzdem musste sie hin und wieder in den Hades steigen, oder in einem Footballstadium wie eine Gladiatorin gegen Medusa kämpfen. Eine moderne, kultivierte Frau – in archaischen Rollen, tragischen globalen und persönlichen Konflikten. Rucka schrieb zur selben Zeit auch “Superman”-Comics, und beide Reihen mündeten in einem (großartigen) Justice-League-Crossover, “Identity Crisis” und, 2006, “Infinite Crisis”. Ich habe hier [Link, Punkt: ‘Identity Crisis, 2005’] aufgeschrieben, in welcher Reihenfolge diese fünf bis ca. 15 Bände am meisten Spaß machen. Lesereihenfolge am besten:

(1) Wonder Woman: Down to Earth, 160 Seiten, DC Comics 2004
(2) Wonder Woman: Bitter Rivals, 128 Seiten, DC Comics 2004
(3) Wonder Woman: Eyes of the Gorgon, 192 Seiten, DC Comics 2005
(4) Brad Meltzer: Identity Crisis, 288 Seiten, DC Comics 2005
(5) Wonder Woman: Land of the Dead, 128 Seiten, DC Comics 2006
(6) Batman: The OMAC Project, 256 Seiten, DC Comics 2005
(7) Superman: Sacrifice, 192 Seiten, DC Comics 2006
(8) Wonder Woman: Mission’s End, 208 Seiten, DC Comics 2006
(9) Geoff Johns, Phil Jimenez, George Perez: Infinite Crisis, 264 Seiten, DC Comics 2006

…und dann gern weiter zu „52“ (vier Bände)

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09 – Wonder Woman (New 52, Band 1 bis 6)

Batman v Superman, Wonder Woman

[Link: 6 Bände] …von Brian Azzarello, Zeichnungen von Cliff Chiang:

Diana muss eine junge Schwangere beschützen – vor dem Zorn der Götter, sechs Sammelbände lang. Simple, aber stilsichere Zeichnungen. Kluge, schnippische Dialoge und Figuren. Nur Wendungen hat diese Odyssee durch London und die antike Unterwelt fast keine; und zwischen den pompösen griechischen Gottheiten wirkt Diana zu oft wie eine machtlose, zufällige Randfigur. Ich kenne keine zweite Mainstream-Comicreihe aus den letzten Jahren, die 30 Hefte lang auf gleichbleibend hohem Niveau eine schlüssige, anspruchsvolle Geschichte erzählte. Respekt! Doch der letzte Funke… fehlt.

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10 – Batman 66 meets Wonder Woman 77

[Link] …von Jeff Parker und Marc Andreyko, Zeichnungen von David Hahn:

Ein kindlicher, aber nie alberner Retro-Comic, der Figuren aus der „Batman“-TV-Serie von 1966 und der „Wonder Woman“-TV-Serie von 1977 zusammen bringt und zeigt, wie Diana (unsterblich) und Bruce Wayne (im zweiten Weltkrieg: ein Grundschüler) das späte 20. und frühe 21. Jahrhundert erleben. Schwungvoll erzählt, toll designt/gestaltet, ein Wohlfühl-Comic, der viele Fragen übers Altern und Sich-Verändern aufwirft und mit originellen Wendungen überrascht.

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bedingt zu empfehlen: für Fans

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„Wonder Women: Earth One“

Grant Morrison (…mit dessen Comics und dessen Fans ich oft große Probleme habe) erzählt Wonder Womans Geschichte neu – und unterstreicht dabei alle Aspekte, die besonders skurril oder absurd wirken. Das Ergebnis wirkt an vielen Stellen wie plumpe Sexploitation… aber trifft durchaus den Geist der frühen Comics von 1941.

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„Wonder Woman“ von Phil Jimenez

Ein schwuler Autor und Zeichner, der Fan der George-Perez-Serie von 1987 war und die Figur vergöttert, füllte mehrere Sammelbände mit feministischen und engagierten, doch oft sehr trägen, überfrachteten Geschichten: Scheitern, auf hohem Niveau. Ein lesenswertes Einzelkapitel, das alles, was gut und schlecht an Jimenez‘ Zeichen- und Erzählweise ist, bündelt: Das Treffen von Wonder Woman und Lois Lane in „Wonder Woman“ 170.

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„Wonder Woman“ von Gail Simone

Fünf Sammelbände, in denen eine große Geschichte… erst viel zu langsam in Fahrt kommt… und dann enttäuschend verpufft. Wer langen Atem mitbringt, wird besonders Simones zweite und dritte Sammlung trotzdem mögen.

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„Wonder Woman“ von Greg Rucka (2016 bis 2017)

25 Hefte, vier Sammelbände: Ein ambitionierter „Wonder Woman“-Neustart auf zwei Zeitebenen und mit zwei tollen Zeichnerinnen, Nicola Scott und Bilquis Evely, in dem sich Diana, Cheetah, Steve Trevor und Veronica Cale jahrelang quälen, den Kopf zerbrechen und gegenseitig im Weg stehen. Die Geschichte mäandert, jeder Sieg entpuppt sich als Niederlage, und ein weiterer Zeichner, Liam Sharp, bleibt viel zu düster und heavy-metal-albumhaft: Hier fehlen Erzählfreude und Schwung.

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keine Empfehlung:

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„Wonder Woman: The Greatest Stories ever told“

Eine Best-of-Sammlung, die leider zeigt, wie wenig gute Geschichten es bis ca. 2002 gab: skurril – aber langatmig, trübselig, deprimierend.

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„Who is Wonder Woman?“

Autor Allan Heinberg schrieb auch das Drehbuch zum WW-Kinofilm von 2017. Seine Comics aber sind mau. Auch die ihm folgende Autorin, Bestseller-Star Jodi Picoult, bietet wenig Lesenswertes: Massenware.

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„Amazons Attack“

Interessante Idee – mit banaler Wendung/Erklärung: Durch eine plumpe Intrige erklärt Königin Hippolyta den USA den Krieg, und verwüstet Washington. Antiklimax, undurchdacht.

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„Wonder Woman: Odyssey“

Zwei banale, schleppende Sammelbände vom (oft tollen) „Babylon 5“-Autor J. Michael Straczynski: Ein böser Zauber ließ Wonder Woman vergessen, dass sie eine Amazone ist. Gefangen in einem Paralleluniversum prügelt sie sich zurück in die Realität.

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„Wonder Woman 77“

Viel zu knappe, apolitische, harmlose und läppische Kurzgeschichten für Fans der 1977 produzierten „Wonder Woman“-TV-Serie.

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„Injustice: Gods Among Us“

Ein sehr langer, politischer/dystopischer Comic über eine Zukunft im DC-Universum, in der Superman glaubt, die Welt durch mehr Kontrolle und Überwachung sicherer machen zu können, während Batman als Widerstandskämpfer untertaucht. „Year One“ und „Year Two“ sind sehr lesenswert und emotional – doch Wonder Woman hat eine recht dümmliche, eindimensionale Rolle als martialische Schreckschraube an Supermans Seite: Autor Tom Taylor wird Diana nicht gerecht.

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„Odyssey of the Amazons“

Trost- und freudlose Fantasy-Saga über Amazonen aus Themyscira, die in der Vorzeit martialische/nichtssagende Begegnungen mit u.a. Wikingern haben.

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„Super Hero Girls“

Die DC-Heldinnen als junge Schülerinnen, für Leser*innen ab sechs Jahren, im Stil der „Disney Princesses“: Figuren und Zeichnungen fehlt Biss und Witz, die Geschichten bleiben arg simpel, alles wirkt püppchenhaft-sexualisiert. Besonders in Sammelband 3, „Summer Olympus“, steht Wonder Woman im Mittelpunkt. [Um Welten besser, für Leser*innen ab ca. 11: „Supergirl: Being Super“]

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„Super Powers“

Comic für Vor- und Grundschüler, das als Geschichte um Batman, Superman und Wonder Woman beginnt… doch sich zu schnell in einer (enttäuschend witzlosen) Anspielungs- und Gastauftritts-Parade verliert. Ich mochte, vom selben Zeichner-/Autoren-Team: „Tiny Titans“ und, besonders, „Superman Family Adventures“.

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„Bombshells“

Was, wenn es kaum Männer mit Superkräften gäbe – sondern alle DC-Heldinnen prägend waren: schon ab den 40er Jahren, im zweiten Weltkrieg? „Bombshells“ ist ein feministischer und sehr sexualisierter Remix der DC-Figuren. Viele Heldinnen sind lesbisch oder queer, und alle lassen es möglichst dramatisch krachen. Trotz vieler Fans und guter Kritiken hat mich die Reihe bisher nicht gekriegt: zu wenig Politik, zu viel Spice-Girl-haft-nichtssagende „Girl Power“.

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„Superman/Wonder Woman“

Von 2011 bis 2016 waren Superman und Wonder Woman ein Liebespaar. Der Beziehung selbst fehlt Tiefe und Charme, und der gemeinsame Comic „Superman/Wonder Woman“ bietet wenig Interessantes: Klar könnte man interessant/lesenswert erzählen, was sich ändert, wenn zwei der mächtigsten und wichtigsten Figuren im DC-Universum eine Beziehung führen. Fünf Sammelbände lang erzählte diese Reihe leider… nicht viel.

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„Superman, Batman, Wonder Woman: Trinity“

längere Kritik von mir hier [Tagesspiegel, Link]: Sehr lange, schleppende Geschichte über eine Helden-Welt, aus der Batman, Superman und Wonder Woman plötzlich entfernt werden. Das heißt: Statt über die drei Titel-Figuren zu erzählen, geht es vor allem darum, wo und wie sie fehlen. Schade!

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zum aktuellen Kinofilm:

Wonder Woman ist eine interessante – weil widersprüchliche – Figur. Ich glaube, der Kinofilm ist so erfolgreich und beliebt, WEIL er die Widersprüche der Figur einem großen Publikum zeigt: spannende Frau, spannende Grundsatzfragen zu Krieg und Pazifismus.
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In den Comics – und besonders auch im Film – geht es viel um die Frage, wie man für Frieden KÄMPFT. Ob man Kriege mit Gewalt stoppen kann. Und welche Menschen „verdienen“, dass man sich für sie opfert: Nach dem Superman-Film „Man of Steel“ (2013) und „Batman v. Superman“ (2016) zeigt auch „Wonder Woman“ (2017), wie Helden*innen scheitern – an einer komplexen Welt.
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grundsätzlich:
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  • Wonder Woman wurde 1941 erfunden. Autor William Moulton Marston war Professor, Psychologie, Feminist, Fan von Bondage und „lustvoller Unterwerfung“, in einer polyamourösen Beziehung mit zwei Frauen… und der Erfinder des Lügendetektors. All diese Aspekte prägten die Figur – sorgen aber auch dafür, dass fast alle Comics, die vor 1987 erschienen, recht hanebüchen/skurril sind.
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  • Dem Mainstream-Publikum die Figur bekannt, weil sie a) als eine der ersten weiblichen Heldinnen gegen die Nazis kämpfte, b) 1972 auf der Erstausgabe von Gloria Steinems feministischem „Ms.“-Magazin abgebildet war, c) 1977 eine bei Kindern populäre TV-Serie hatte.
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  • Seit 1986 gibt es mehrere recht gute, bis heute lesenswerte WW-Comicreihen: Wonder Woman, Batman und Superman sind die drei wichtigsten und bekanntesten Figuren des Verlags „DC Comics“; alle drei arbeiten in den Comics oft eng zusammen. Meist erscheinen Comics ein- bis zweimal im Monat als 20seitiges Heft, ca. sechs Hefte erzählen als Sammelband eine zusammenhängende Geschichte. Pro Monat gibt es meist sechs oder sieben parallele „Batman“-Reihen, doch höchstens zwei bis drei „Wonder Woman“-Reihen. Insgesamt also: weniger Material, und immer wieder Phasen, in denen jahrelang keine besonders guten Hefte/Sammelbände erscheinen.
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  • 1984 floppte der Heldinnenfilm „Supergirl“ (DC). 2004 und 2005 floppten die Antiheldinnen-Comicverfilmungen „Catwoman“ (DC) und „Elektra“ (Marvel). Seit 2008 hat Marvel Comics großen Erfolg mit Heldenfilmen (Iron Man, The Avengers, Captain America, Thor, Guardians of the Galaxy… doch bisher kein Film über eine weibliche Figur in der Hauptrolle); und seit 2013 versucht DC eine ähnliches „Cinematic Universe“ aus verknüpften Filmen (2013 „Man of Steel“, 2016 „Batman v. Superman“ und „Suicide Squad“, Ende 2017 „Justice League“, später „Aquaman“, „The Flash“ etc.)
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  • Der „Wonder Woman“-Kinofilm ist wichtig, weil er nach über zehn Filmen mit männlichen Hauptfiguren in den letzten Jahren der erste Versuch war, einer heroischen HeldIN einen großen Blockbuster zu widmen (…auch Regie führte eine Frau, Patty Jenkins; das Drehbuch ist von einem Mann). Es gibt eine Handvoll erfolgreicher Heldinnen-TV-Serien seit 2015: „Agent Carter“ und „Jessica Jones“ (beide Marvel) und „Supergirl“ (DC). Doch „Wonder Woman“ war der… Testballon, ob solche Figuren einen Kinofilm tragen können. Viele Fans und Kritiker mochten bereits Wonder Womans kurze Szenen in „Batman v. Superman“ (2016).
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  • Tatsächlich übertraf „Wonder Woman“ (2017) die Erwartungen, hat die besten Heldenfilm-Kritiken seit Jahren, wird von Feministinnen gefeiert und… darf jetzt als Beweis/Beruhigung dienen: Leute WOLLEN starke Frauen sehen. Große Erleichterung!
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„Falls du einen Asteroiden stoppen willst, rufst du Superman. Wenn du ein Verbrechen aufklären willst, Batman. Um einen Krieg zu beenden, Wonder Woman“, sagt WW-Autorin Gail Simone.
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Wonder Woman wird in den Comics immer wieder als umsichtige und intelligente Diplomatin gezeigt, die zeigt und reflektiert, dass jeder Mensch für viele Dinge steht: Sie selbst eben als Frau mit Superkräften, die in einem Matriarchat groß wurde. Es gibt großartige Comics über die Diplomatin, Menschenrechtlerin, Spokesperson, Feministin, Staatsfrau Wonder Woman.
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Doch es gibt auch die wütende Kriegerin mit blutbespritztem Schwert und Korsage, die leichthin Gegner abschlachtet. Fast alle Comic-Autor*innen wollen Wonder Woman als „starke Frau“ zeigen und an ihrem Beispiel erklären, was für sie eine „starke Frau“ ausmacht – doch das Ergebnis variiert von Sammelband zu Sammelband: archaische Kriegsprinzessin? Modische, bisexuelle Pop-Feminismus-Ikone? Blutrünstiges Pin-up-Girl?
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Der Film zeigt, wie Prinzessin Diana von Themyscira ihre Insel verlässt und den ersten Weltkrieg beenden will – weil sie glaubt, dass Kriegsgott Ares den Krieg angezettelt hat und es ihre Aufgabe als Amazone sei, ihn zu stoppen, mit einem Schwert namens „Godkiller“. Die große Stärke des Films: dass er die richtigen Fragen stellt… statt vorschnell Antworten zu schustern: Man schaut mit Kopfschmerzen und schlechtem Bauchgefühl, und überlegt „Jetzt will sie Frieden bringen – indem sie einen Gott ermordet?“ und „Was, wenn statt Ares einfach nur die Schlechtheit der Menschen Grund ist für den Weltkrieg?“ etc.
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Faszinierende Fragen und Widersprüche, die den Film lebendig und halbwegs spannend machen – auch, wenn die Antworten am Ende des Films dann doch recht unterkomplex ausfallen.
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Ich denke bei allen DC-Held*innenfilmen seit „The Dark Knight“ (2008) oft ans Sprichwort „Wenn du nichts anderes hast als einen Hammer, sieht jedes Problem für dich aus wie ein Nagel.“
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Wonder-Woman-Comics erzählten schon immer viel von Kriegen – weil Kriegsgott Ares einer der wichtigsten Antagonisten im Comic ist.
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Bisher aber wurde die (unsterbliche) Heldin noch nie im 1. Weltkrieg gezeigt: Das Setting macht Spaß, weil die Figur (jung, unerfahren, sah noch nie einen Mann und weiß nichts über die Moderne) und der Krieg (nihilistisch, diplomatisch verworren) schlecht zueinander passen. Im Superman-Film „Man of Steel“ bricht der unerfahrene Superman einem Gegner das Genick, weil er sich nicht anders zu helfen weiß. Seine Adoptiveltern raten ihm den ganzen Film über, die Menschheit sich selbst zu überlassen und sich ums private Glück zu kümmern: „Du schuldest diesen Leuten nichts.“
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Auch Wonder Woman hört im ersten Weltkrieg von allen Seiten kritische bis zynische Fragen: Haben die Menschen/Männer eine Heldin und Retterin verdient?
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Ich finde die Frage harsch, unsympathisch und unheroisch (…weil ich will, das idealistische Helden wie Superman und Wonder Woman GERN helfen)… doch ich freue mich, dass sie einen Nerv trifft, weil wir uns als Gesellschaft gerade ständig fragen: Wo schauen wir weg? Wessen Sorgen nehmen wir ernst? Kann die westliche Welt Weltpolizei spielen? Und: Wird etwas besser, durch militärische Stärke/Druck?
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Der Kinofilm hat, wie gesagt, keine guten Antworten. Doch erstmal sitzt man zwei Stunden im Kino und denkt „Oha. Diese Frau… kann sich selbst einsetzen wie einen Hammer. Doch all die Probleme, vor die sie im Film gestellt wird, sind doch gar keine Nägel. Was jetzt?“
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Das ist klug/spannend. Denn es passt zu einer… allgemeinen politischen Ratlosigkeit, wenn wir aktuell über Kriege, Macht, globale Verantwortung und Gerechtigkeit sprechen. „Wonder Woman“ hat Humor. Doch es ist kein Wohlfühl-Film: Weil er fast nur Probleme zeigt, die eine Kriegs-Amazone nicht ändern kann, spontan, mit einem Schwert.
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…und dann, Spoiler: 
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mein größtes Problem.
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Ich kann zwar viele „Wonder Woman“-Comics grundsätzlich empfehlen – doch es gibt zwei Elemente ihrer Geschichte, die immer wieder verändert werden: a) Hat sie einen mächtigen Vater, z.B. Zeus? und b) Ist sie moralisch stark, weil oder obwohl sie auf einer Amazonen-Insel aufwuchs?
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Die Amazonen leben auf der Insel Themyscira, abgeschottet vom Rest der Welt. Weil Amazonen-Königin Hippolyta ein Kind will, formt sie eine Figur aus Lehm/Ton. Eine Göttin hat Mitleid und haucht der Figur Leben ein: Diana/Wonder Woman ist das einzige Kind der Insel. Hippolyta ist eine weise Regentin, die Amazonen haben fortschrittliche Technologie und eine tolle Kultur – der Comic zeigt eine matriarchale, feministische Utopie (und: oft sind Hippolyta und/oder Wonder Woman selbst lesbisch oder bisexuell). So war das, schon seit 1941.
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Doch jedes Mal, wenn ein neuer Autor (fast immer sind es Männer) die Comicreihe übernimmt, ändert sich etwas:
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  • 1987 neu: die Götter schenkten den Amazonen die Insel, weil Herkules Hippolyta vergewaltigt hatte. Später aber verzeiht Hippolyta dem Vergewaltiger und verliebt sich neu in ihn. Uff.
  • 2011 neu: Die Amazonen sorgen heimlich für Nachwuchs, indem sie Matrosen auf die Insel locken, vergewaltigen, ermorden, und die männlichen Kinder verstoßen. Hippolyta wusste das und hielt es vor Wonder Woman geheim. Uff.
  • 2012 neu: Wonder Woman ist nicht aus Ton, sondern entstand beim Sex zwischen Zeus und Hippolyta. Uff.
  • 2016 neu, in „Earth One“: Wonder Woman ist die Tochter von Vergewaltiger Herkules. Uff.
  • 2016 neu, in „The Lies“ / „The Truth“: Wonder Woman darf ihre Mutter und die Amazonen-Insel nie wieder sehen oder betreten. Uff.
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Auch im Kinofilm sind die Amazonen a) krass gestrig und insgesamt eher fragwürdig/eine sterbende Kultur, und b) merkt Diana, dass ihre Mutter sie belogen hat: Zeus ist ihr leiblicher Vater.
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Das klingt wie eine Kleinigkeit/ein Detail. Doch ich finde es SO bezeichnend, schlimm, traurig, dass es seit Jahren fast keine „Wonder Woman“-Geschichte/-Version mehr gab, in der a) die Amazonen eine echte Utopie verkörperten und b) Wonder Woman wegen einer starken Mutter und einer starken Kultur zur starken Heldin wurde – nicht, weil sie in Wirklichkeit von einem besonderen Gott/Mann gezeugt wurde.
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Die besten Comics & Graphic Novels 2016: meine Empfehlungen bei Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur - Comic-Empfehlungen 2016, Stefan Mesch.PNG

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bei Deutschlandradio Kultur empfehle ich meine 20 Comics des Jahres:

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schon 2015 stellte ich 20 aktuelle Reihen vor, hier (Link).

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20. Black Magick
Autor: Greg Rucka, Zeichnerin: Nicola Scott
Image Comics, Oktober 2015 bis Februar 2016.
5+ Hefte in 1+ Sammelbänden, wird Mitte 2017 fortgesetzt.

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Wer nie ein aktuelles US-Comic las, findet im Mystery-Thriller „Black Magick“ einen simplen, geradlinigen Einstieg: Greg Rucka ist mein Lieblings-Comicautor, Nicola Scott eine der beliebtesten Zeichnerinnen. „Black Magick“ zeigt Rowan Black, Ermittlerin in Portland, Oregon und Mitglied eines geheimen heidnischen Kults: Rowan ist eine Hexe. Sie hat okkulte Kräfte, wird in eine Geiselnahme verwickelt, muss Ritualmorde aufklären – ohne, sich vor Kollegen zu enttarnen.

Eine etwas altbackene Idee, in Band 1 noch nicht anspruchsvoller erzählt als in TV-Einerlei wie „Charmed“ oder „Constantine“. Auch Rowans Vokuhila-Frisur lässt viele Szenen gestrig wirken. Doch Rucka ist Experte für Polizeiarbeit, liebt feministische, komplexe Ensembles, und Nicola Scott hat ein Auge für Lichtstimmung und Grusel. 2016 waren beide mit einer (leider steifen) Neuauflage von „Wonder Woman“ ausgelastet. Doch 2017 geht „Black Magick“ weiter.

Bisher kein dichter, raffinierter Comic. Aber ein einladender! Wer Rucka kennt, weiß: Seine Reihen werden schnell tiefer, klüger, dunkler.

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19. Arcadia
Autor: Alex Paknadel, Zeichner: Eric Scott Pfeiffer
Boom! Studios, Mai 2015 bis Februar 2016.
8 Hefte in einem Sammelband, abgeschlossen.

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„The Matrix, but better“, lobten Kritiker dieses Polit- und Cyberpunk-Drama über eine Familie, zerrissen zwischen der Kunstwelt Arcadia und der verwüsteten Erde: Ein Virus tötete sieben Milliarden Menschen – doch das Bewusstsein von vier Milliarden davon konnte in ein Netzwerk übertragen werden. Dort lebt die Oberschicht wie in einem grenzenlos bizarren Videospiel, mit Superkräften und allen Gestaltungsmöglichkeiten. Arbeiter dagegen haben nicht einmal genügend Rechenleistung, um sich Gesichter und Haut animieren zu lassen.

Lee Pepper sah seine Familie sterben; und bewacht seitdem ein Rechenzentrum für Arcadia-Daten in Russland. Während diplomatischer Machtspiele droht die lebendige Minderheit, „The Meat“, Arcadia den Stecker zu ziehen. Das Netzwerk aber hat eigene Druckmittel – und Lee und seine digitalisierte Frau, Tochter, Sohn stehen zwischen den Fronten. Leider sind die Zeichnungen von Eric Scott Pfeiffer freudlos, karg: Grandios versponnene Ideenwelten von Autor Alex Paknadel werden sinnlos nüchtern aufgemalt. Figuren und Konzept faszinierten mich wochenlang. Doch ein Lesespaß ist dieser holprige, graustichige Comic selten.

Ich hoffe, der Autor findet bessere Zeichner. Oder aus „Arcadia“ wird eine elegante TV-Reihe: Herz, Talent, Ideen? Alles hier, im Überfluss. Jetzt fehlen noch Farbe, und liebevolle Details.

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18. The Violent
Autor: Ed Brisson, Zeichner: Adam Gorham
Image Comics, Dezember 2015 bis Juli 2016.
5 Hefte in einem Sammelband, in sich geschlossen – aber könnte fortgesetzt werden.

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Viele der besten Comics wollen beim Erzählen immer auch beweisen, was Comics leisten können – als eigene Kunstform. „The Violent“ dagegen könnte auch ein Film sein, ein düsterer TV-Mehrteiler, Theaterstück oder sozialrealistischer Roman. Mason und Becky haben eine dreijährige Tochter, leben an der Armutsgrenze und tun alles, um nicht weiter abzurutschen. Becky war drogensüchtig, Mason saß im Gefängnis. Nichts soll je wieder schief gehen. Natürlich geht alles schief, sofort.

Ed Brisson zeigt ein beklemmend banales Drama um einen Mann auf Bewährung, der alle Risiken eingeht, um seiner großen Liebe zu beweisen: Wir schaffen das. Zeichner Adam Gorham hält viele nichtssagende Straßen und Wohnungen Vancouvers sympathisch nichtssagend fest. Ein Comic, der an keiner Stelle allergrößte Kunst sein will. Doch der gerade deshalb überzeugt:

Einfach, packend, ohne künstlerische Eitelkeiten, Schrullen. Ein großer, kleiner Wurf!

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17. Monstress
Autorin: Marjorie Liu, Zeichnerin: Sana Takeda
Image Comics, seit November 2015.
8+ Hefte, bisher ein Sammelband, wird fortgesetzt.

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Eine recht konventionelle Fantasy-Saga. Mit Kostümdesign und Architektur, so kunstvoll, dass alle Stärken der Reihe daneben zu Schwächen werden: Figuren? Plot? Solide. Doch erst die vielen Details (Zeichnerin: Sana Takeda) machen „Monstress“ lesenswert. Einzelgängerin Maika trägt ein Monster in sich. Zwei reiche Hochkulturen führen Krieg. Beide halten sich für moralisch überlegen, aber sind zu jedem Tiefschlag fähig. Während Maikas Gegner für sich entscheiden: „Der Zweck heiligt die Mittel“, versucht die Außenseiterin, auch die schwächsten, taktisch unwichtigsten Leben zu schützen.

Ich brauchte gut 100 Seiten, um die Geschichte unter den barocken Steampunk- und Jugendstil-Klischees ernst zu nehmen. Zu viele Ideen hier wirken altbekannt. Der Rest zu oft verzweifelt möchtegern-originell. Tolle Kostüme und Architektur allein werden nicht entscheiden können, ob sich die Reihe lohnt: Wie klug, wie bitter werden Maikas Zwickmühlen weiter gedacht?

Politisch, psychologisch, grandios detailverliebt – oder doch nur Schauwerte, Kitsch, Effekte? Ich schwanke.

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16. Prez
Autor: Mark Russell, Zeichner: Ben Caldwell
DC Comics, Juni bis Dezember 2015.
Als zwölfteilige Heftreihe geplant, doch nach sechs Heften (in einem Sammelband) abgesetzt; sehr gute Kritiken, deshalb steht die Möglichkeit einer Fortsetzung im Raum.

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Ein Teenager als US-Präsident: 1973 zeigte ein albernes DC-Comic im „Richie Rich“-Stil fünf kurze Hefte lang, wie ein frecher Schüler das Establishment düpiert. 2015 gab es ein Remake über die junge Fast-Food-Angestellte Beth Ross, die via Twitter versehentlich zum Star wird, dann durch parteipolitische Intrigen Präsidentin. Trotz bester Kritiken las ich die Reihe erst im November, nach Trumps Wahlsieg – und war bestürzt, begeistert, fassungslos: der Comic der Stunde, schon wieder abgesetzt, wegen schlechter Verkaufszahlen.

„Prez“ nutzt Klischees über die Generation Y, setzt raffinierte Spitzen gegen die Macht von Konzernen, US-Außenpolitik, Erregungs- und Populismus-Dynamiken im Netz – fast alles klüger, bissiger, subversiver als die besten taz-Artikel. Doch besonders Menschen über 40 fühlen sich wohl: So frisch und jugendlich die Reihe wirkt, ihr Blick erinnert an Satiriker der Generation X, Douglas Coupland, „Die Simpsons“. Auch charmant – doch etwas harmloser: Autor Mark Russels kapitalismuskritische „Familie Feuerstein“-Neuauflage von 2016.

Abgründig, schmerzhaft, unvergesslich: Ich kenne kaum dichtere, smartere Satire.

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15. Action Comics
Autor: Dan Jurgens; wechselnde Zeichner, v.a. Patrick Zircher und Tyler Kirkham
DC Comics, erscheint seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt „Action Comics 957“.
14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt. Parallel lesen: die Reihen „Superman“, „Trinity“ und „Superwoman“.

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Immer wieder landen langjährige Heldencomics in erzählerischen Sackgassen – und räumen auf, indem ein komplizierter Zwischenfall (Zeitschleifen, Dimensionslöcher, parallele Welten) neue, simplere Zustände schaffen soll. 2011 hieß das: Superman und seine große Liebe Lois Lane werden ersetzt, durch jüngere Versionen, in einer neuen Welt. Jene Doppelgänger waren nie verheiratet, sind schroffer und pragmatischer; ein neuer Lex Luthor ist eher Antiheld als Schurke. 2015 strandete der ursprünglichere Superman in dieser neuen Gegenwart – in Dan Jurgens Reihe „Lois & Clark“: Er hat jetzt einen Sohn im Grundschulalter und lebt mit seiner Lois heimlich auf einer Farm.

2016, im nicht lesenswerten „The Final Days of Superman“ starb der jüngere Superman. Seitdem übernimmt die ältere Version die Hauptrolle. In vier verknüpften, oft exzellenten Heftreihen – „Action Comics“, „Superman“, „Superwoman“ und „Trinity“ – wird dieses Durcheinander durchdacht, von allen Seiten. Es gibt zwei Lois Lanes. Kann man Lex Luthor trauen? Ein Fremder ohne Kräfte behauptet, Clark Kent zu sein. Supermans Sohn will selbst Held werden. Zu viele ermüdende Kämpfe, mittelmäßige Zeichnungen. Doch tolle Figurenarbeit, Rätsel, Ensembles und Intrigen.

Wirres Chaos? Nein: Ein Helden-Mosaik, so stimmig, herzlich, menschlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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14. Harrow County
Autor: Cullen Bunn, Zeichner: meist Tyler Crook
Dark Horse Comics, seit Mai 2015.
18+ Hefte in 4+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Provinz und Außenseitertum, Pubertät und das Erwachen von Zauberkräften, Feminismus und Hexerei – all das passt zeitlos gut zusammen, und wird aktuell z.B. im feministischen Hexen-Comic „Sabrina“ souverän erzählt. „Harrow County“ dagegen ist eine Klasse für sich: Statt ältere Comic-Käufer anzusprechen, können Ton, Blick, Zeichnungen hier auch Zwölf- bis Achtzehnjährige erreichen. Toll kindlich-zeitloses Design, toll jugendliche Ängste, toll erwachsene Psychologie.

In Band 1 wird Emmy klar, dass sie die Wiedergeburt einer Hexe ist – und am 18. Geburtstag geopfert werden soll. Band 2 bis 4 werden, trotz schlimmer Ausgangslage, immer warmherziger, differenzierter, heimeliger: Wie findet man seine Rolle – am Ort, an dem man leben muss oder will? Was kann man der Gemeinschaft geben – doch was dürfen Familie und Nachbarn auf keinen Fall verlangen? Ein Grusel- und Coming-of-Age-Märchen über Heimat, Armut, Rassismus, weibliche Selbstverwirklichung während der Weltwirtschaftskrise.

Schaurige Nostalgie, meisterhaft schlicht gezeichnet und koloriert. Einfach – aber niemals kindisch!

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13. Detective Comics
Autor: James Tynion IV, Zeichner: meist Eddie Barrows oder Alvaro Martinez
DC Comics, seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt „Detective Comics 934“.
13+ Hefte in 2+ Sammelbänden (und einem Crossover-Band namens „Night of the Monster Men“, der übersprungen werden kann), wird fortgesetzt.

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Kate Kane ist Batwoman. Tim Drake war Robin. Cassandra Cain und Stephanie Brown kämpften als Batgirl. Wer nur die Batman-Filme kennt, ist überrascht, wie viele Unterstützer*innen Bruce Wayne im Comic um sich schart – eigensinnige Stimmen in Gotham City, mit interessanten Konflikten, Weltanschauungen, Dynamik. Weil Batman selbst meist wortkarg, kalt, paranoid bleibt, leuchten solche Konstrastfiguren. Doch in den großen monatlichen Heftreihen, „Batman“ und „Detective Comics“, werden sie meist ignoriert, und ihre eigenen Serien (Ausnahme: „Batwoman“ und Stephanie Browns „Batgirl“) bleiben zu oft zweitklassig, nebensächlich.

Autor James Tynion liebt die „Bat-Family“, gab vielen Figuren schon in „Batman Eternal“ eine bessere Bühne. Sein Neustart bei „Detective Comics“ ist ein Fest, ein Schachspiel, ein Charakter-Drama, in dem nicht nur Bruce glänzen darf, sondern endlich auch die vielen heimlichen oder unbekannteren Helden.

Große Auftritte – und ein Miteinander, das ich mir als Fan seit fast zehn Jahren wünsche!

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12. The Fix
Autor: Nick Spencer, Zeichner: Steve Lieber
Image Comics, seit April 2016.
6+ Hefte in mindestens 2 Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Bitter wie „Fight Club“, und zynischer, unverschämter als jede Hochstapler- oder Buddy-Cop-Komödie, die ich kenne: Roy und Mac sind die lustlosesten, nachlässigsten Polizisten der Welt. Nebenher schmuggeln sie Drogen, überfallen Rentner. Doch auch das bemerkenswert schlampig, lapidar. Immer wieder sterben Menschen. Besonders tragisch, dringlich, spannend wird das nie. Fressen oder gefressen werden? Leben und leben lassen? Egal: Wozu groß reflektieren?

„The Fix“ warf mich um. Weil Krimis die Ermittler oft als Idealisten zeigen, die Gauner als virtuose, ehrenvolle Künstler. Roy und Mac sind Stümper, die einfach keinen Bock haben, sich Mühe zu machen mit anderen Menschen – doch die dafür von Autor Nick Spencer nie besonders in die Ecke gedrängt oder bestraft werden: „The Fix“ fragt nicht nach Moral, Verpflichtung. Sondern zeigt, wie man arbeitet – sobald man jeden Ehrgeiz verloren hat.

Krimi? Nein. Ein aggressiv lässiges Portrait zweier Nihilisten, denen ganz Los Angeles am Arsch vorbei geht.

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11. Nailbiter
Autor: Joshua Williamson, Zeichner: Mike Henderson
Image Comics, seit Mai 2014.
27+ Hefte in 5+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Geniale Autorinnen und Autoren? Unbezahlbar! Doch was ist mit den nüchtern kompetenten Genre-Handwerkern, Story-Ingenieuren, Fließband-Erzählern, Routiniers? Seit 25 Heften liebe ich die simple, packende Erzählweise von Joshua Williamson – an dessen Arbeit nichts besonders tief, markant, klug, ambitioniert wirkt. Doch bei dem alles wunderbar spannend, kompetent vor sich hin schnurrt: knallige Cliffhanger, schnippische Dialoge, klare Figuren.

Es geht um Buckaroo, einen kleinen Ort im regnerischen Oregon, aus dessen Bevölkerung aus unerklärten Gründen immer neue Serienmörder hervortreten. Ein FBI-Ermittler, ein weiblicher Sheriff und ihr Ex-Freund, der als Killer „Nailbiter“ überführt wurde, stolpern durch immer blutigeren, absurderen, surrealen Irrsinn. „Akte X“, mit schnelleren Antworten. „Twin Peaks“, doch ohne jeden Anspruch, Kunst zu sein. Ein glatte, souveräne Reihe – ohne „Das Schweigen der Lämmer“-Ambitionen.

Viele Psycho-Thriller scheitern, weil sie schwülstige Thesen zur Natur des Menschen suchen. „Nailbiter“ hält den Ball viel flacher. Doch trifft dabei fast jedes Mal!

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10. Gute Nacht, Punpun
Autor und Zeichner: Inio Asano.
Shogagukan, 2007 bis 2013.
147 monatliche Kapitel, gesammelt in 13 Sammelbänden, abgeschlossen (2016 auf Deutsch).

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Wir kennen die Klischees: junge Männer, die sich über Monate ins Zimmer sperren. Schülerinnen in Uniform – fetischisiert, aber angefeindet. Japans Jugend, zerfleischt oder deformiert durch Prüderie, Erfolgsdruck, „toxic masculinity“.

Inio Asano zeichnet toll fotorealistische Hintergründe – doch tragisch hässliche, rotznasige Kinder. Deshalb wirkt „Punpun“ die ersten drei, vier Bände lang wie eine patzig parodistische Mischung aus Rotz und Zuckerwatte: die Grundschulzeit eines Außenseiters, seine Tagträume, eine große Liebe. Die mittleren Bände zeigen Einsamkeit auf Mittel- und Oberschule, und sind betörend klug, hart, melancholisch. Im letzten Drittel sind Verlierer Punpun und seine Flamme Aiko am Ende – ruiniert von schlimmen Eltern, Pädagogen, dem System. Asanos Comic ist ein dunkler, epischer Bildungs- und Fehlbildungs-Roman, an vielen Stellen grell oder sentimental. Aber auf jeder Seite: dringlich, packend, wahr.

Ach so – und während hier fast jeder sonst konventionelle Manga-Körper hat, sieht sich Punpun selbst als läppisches Cartoon-Vögelchen.

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9. Wonder Woman: The True Amazon
Autorin und Zeichnerin: Jill Thompson
DC Comics, September 2016
als Buch erschienene Graphic Novel, 128 Seiten; hat ein recht offenes Ende: Fortsetzung sehr wahrscheinlich.

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2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische „Wonder Woman“-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter.

Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und „True Amazon“ wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 33, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten.

Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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8. The Vision
Autor: Tom King, Zeichner: Gabriel Hernandez Walta
Marvel Comics, November 2015 bis November 2016.
12 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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Viele Marvel-Helden haben seit den 40er, 50er, 60er Jahren monatliche Auftritte in einer oder mehreren Heftreihen – und deshalb heute absurd barocke Vorgeschichten. Die Kunst der zwölfteiligen, abgeschlossenen Reihe „The Vision“? Für Band 1 (Heft 1 bis 6) spielt das Vorleben der Figur keine Rolle. Und in Band 2 (Heft 7 bis 12), sobald wir den melancholischen Roboter, sein Umfeld, alle akuten Konflikte verstehen, spannt Autor Tom King dann doch plötzlich große Bögen durch Jahrzehnte Marvel- und „Avengers“-Historie.

The Vision ist ein Kunstmensch, der sich spontan eine eigene Familie konstruiert, in die Vorstadt zieht, Alltag im „Mad Men“- oder Norman-Rockwell-Stil durchleben will. Sein herbstliches Idyll zerbricht – und was mit alten, simplen Roboter-Fragen wie „Haben Androiden-Kinder echte Liebe, Androiden-Nachbarn echten Respekt verdient?“ beginnt, wird in Band 2 zu einem überraschend reifen Liebes-Drama (und: Superhelden-Duell).

Autor Tom King tut gern besonders tiefgründig, avantgardistisch. Oft gaukelt er Komplexität eher vor – durch Zeitsprünge, Montagen. Hier aber wirklich: Treffer!

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7. Billy Bat
Autor und Zeichner: Naoki Urazawa
Kodansha, Oktober 2008 bis August 2016.
165 monatliche Kapitel, gesammelt in 20 Sammelbänden, abgeschlossen (auch auf Deutsch fast vollständig).

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Rätsel-Serien wie „Lost“ beantworten eine Frage, doch werfen dabei zwei neue auf – und lange vor dem Finale haben viele Fans alle Geduld verloren. Der Historien-Thriller „Billy Bat“ zeigt eine geheimnisvolle Fledermaus, die über Jahrhunderte immer neuen Menschen immer Neues bedeutet – als Totem und Symbol, als Comic-Held und Maskottchen. Und als verborgene Stimme im Kopf, die u.a. das Attentat auf John F. Kennedy vorherzusagen scheint. Naoki Urazawa erzählt eine Kulturgeschichte von Zeichenkunst und Comic, von Groschenheften, Vergnügungsparks, Perfektionisten wie Walt Disney. „Billy Bat“ fragt, was eine Figur bedeuten kann, über Generationen und Grenzen hinweg. Und, wo sich Comic-Kultur und Kulturimperialismus überschneiden – besonders zwischen Japan und den USA.

Ein warmherziges, überraschendes Geflecht aus liebevollen, meist klugen japanischen und amerikanischen Leben: Künstler und Strategen, Zyniker und Fans, Kapitalisten, Idealisten, Kinder, Kindsköpfe… und viele ältere Männer, die zurück schauen auf die großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.

Schwer und verkopft? Nein: „Billy Bat“ erzählt ein Riesen-Epos – in überraschenden, optimistischen Häppchen. (Nur bitte nächstes Mal: mehr Frauen!)

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6. Injection
Autor: Warren Ellis, Zeichner: Declan Shalvey
Image Comics, seit Mai 2015, nach jeweils 5 Heften längere Pause.
10+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Oft schreiben Comics schon schwarze Zahlen, sobald 5.000 Menschen ein Heft kauften. Deshalb können sie kantiger, seltsamer erzählen als Filme. Leider stammt Warren Ellis‘ Verständnis von „kantig und seltsam“ aus den 80er oder 90er Jahren: Paganismus, Cyberpunk, Hexerei, Verschwörungen, experimentelle Drogen… kein Ellis-Thema ist so crazy, mutig, originell, wie Ellis selbst zu glauben scheint – und darum war Band 1 von „Injection“ ein zwar kluger, sympathischer globaler Ensemble-Fantasy-Techno-Thriller… aber eben: kein restlos origineller, gewitzter.

Die Reihe zeigt fünf brilliante (und großteils queere, bisexuelle) Forscher und Kollegen, die eine Erfindung – die Injection – in die Welt entließen, doch heute mit zunehmend monströsen Folgen ringen. Band 2 stellt Vivek in den Mittelpunkt, Millionär, Snob, Detektiv oder Exorzist (?) in Manhattan. Eine hochbegabte Sherlock-Holmes-Figur, bei der ich zum ersten Mal seit Jahren dachte: „Ja! Hier zeigt ein mindestens kongenialer Autor Methoden und Einfallsreichtum eines echten Genies.“

Ellis‘ Versatzstücke, Puzzleteile sind oft nah am Klischee. Doch Ellis‘ Gesamtbild und die Erzählweisen hier? Einzigartig. Unerhört originell!

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5. Die Stadt, in der es mich nicht gibt
Text und Zeichnungen: Kei Sanbe
Kadokawa, Juni 2012 bis März 2016.
44 monatliche Kapitel, gesammelt in 8 Sammelbänden, abgeschlossen (auch bald auf Deutsch). Fünfteiliger Epilog im Dezember 2016 abgeschlossen.

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„Vertraute Fremde“, ein Mainstream-Bestseller von Jiro Taniguchi, folgte einem Mann über 50, plötzlich zurück im Körper seines 14jährigen Ich. Kei Sanbe zeigt ein ähnlich melancholisches Zeitreise- und Kindheits-Drama – aber als Krimi: Pizzabote Satoru, Ende 20, wird in der Zeit zurück geworfen, oft nach kleineren Unfällen oder Verletzungen, und hat meist wenige Minuten Zeit, sie zu verhindern. Als seine Mutter ermordet wird, erlebt er einen drastischeren Zeitsprung: Er ist zurück im kalten Hokkaido, im Winter seines zehnten Lebensjahrs, über Monate gestrandet. Eine Mitschülerin wurde damals ermordet; der Täter wurde nie gefasst.

Lange wirken die Zeichnungen zu schlicht, naiv. Band 1 dreht sich banal im Kreis. Erst spät wird klar: Hier wird eine Mutter-Sohn-Geschichte über Courage, Vertrauen, soziales Engagement gezeigt, mit vielen starken, komplexen Frauen, Wärme, Lebensweisheit und einem raffinierten Katz-und-Maus-Spiel durch mehrere Zeitschleifen und -stränge. Ich hoffe, Autor (oder Autorin?) Kei Sanbe wird noch weiter über die verzweigenden Lebensläufe und schweren Entscheidungen der Figuren erzählen.

Simple Grundidee – doch endlos interessante Abzweigungen, Chancen, Varianten. Ab Band 2 wird das zum kleinen Wohlfühl-Meisterwerk.

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4. Darth Vader
Autor: Kieron Gillen, Zeichner: Salvador Larroca
Marvel Comics, Februar 2014 bis Oktober 2016.
26 Hefte (und das gelungene Crossover „Vader Down“), gesammelt in 4 (+1) Sammelbänden, wird mit der Spin-Off-Reihe „Doctor Aphra“ fortgesetzt.

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Seit 2014 erzählen „Star Wars“-Romane und -Comics neue, offizielle Geschichten mit den alten Figuren. Jason Aarons Heftreihe „Star Wars“ blieb hölzern. Doch Kieron Gillens „Darth Vader“ wurde zum unerwarteten Highlight (…auch einen Blick wert: die Reihen „Han Solo“ und „Poe Dameron“). Zeichner Salvador Larroca liebt Blaupausen, filigrane Technik; Autor Gillen herben Sarkasmus, dramatische Ironie, Realpolitik.

Dr. Aphra, eine gerissene Archäologin, kam so gut an, dass sie Ende 2016 ihre eigene Reihe erhielt. Auch die blutrünstigen Droiden BT-1 und 0-0-0 fanden Fans. Doch trotz zahlloser Szenen, die nur die Niedertracht, Kaltschnäuzigkeit aller Figuren ausstellen, bleibt schwarzer Humor kein Selbstzweck: Wie lebt, laviert, paktiert man als wichtiges, aber unbeliebtes Zahnrad in einem totalitären System?

Statt Vader zu vermenschlichen oder zu feiern, zeigen fünf kluge, knallige Bände, wie autoritäre Despoten allen schaden – den Machtlosen, der Welt, sich selbst.

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3. The Fade Out
Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, August 2014 bis Januar 2016.
12 Hefte, gesammelt in 3 Sammelbänden, abgeschlossen.

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Ed Brubaker ist großer Krimi-Liebhaber und -Experte, und will in seinen Comics oft Stimmungen und Ton einer vergessenen Ära oder Vorlage treffen. Zwei Bände lang wirkt „The Fade Out“ wie eine solche Hommage – auf den Film Noir der späten 40er Jahre, „Sunset Boulevard“ und Raymond Chandler, auf bittere Verlierer im Sündenbabel Hollywood, die spät begreifen, dass sie für immer Spielfiguren bleiben zwischen Studiobossen, Mafiosi, Femmes fatales.

Dass Brubaker hier nicht nur aufwärmt, spielt, wird im finalen Band 3 beglückend offensichtlich: Was als guter Comic für Nostalgiker begann, wächst zu einem Stück Kunst, das wirklich jeder mit Gewinn lesen kann. Denn statt Figuren nur als Kanonenfutter hin und her zu schieben, zeigt Brubaker die großen Archetypen der McCarthy-Ära in einer Tiefe, Wärme, Farbigkeit, auf die ich nicht vorbereitet war. Ein Denkmal an mutige, gebrochene Menschen im LA der Studio-Ära.

Gewann den Eisner Award 2016. Freut jeden, der alte Krimis mag. Und verführt jeden, der Krimis nie sehr mochte!

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2. Invisible Republic
Text: Corinna Bechko und Gabriel Hardman, Zeichnungen: Gabriel Hardman
Image Comics, seit März 2015.
13+ monatliche Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Verwaschene Farben. Ein passiver, hasenfüßiger Reporter ohne Esprit, Geist, Witz. Die arg pompöse Grundidee: Revolution auf einer fernen Kolonie der Erde, und eine Gegenrevolution, 40 Jahre später. Straßenschluchten, Nieselregen, brutalistische Betonbauten – als hätte man „Blade Runner“ ohne großes Budget in einer Hertie-Filiale in Stuttgart gefilmt, im November 1980. „Invisible Republic“ startet freudlos. Nie wirkte epische Science-Fiction prosaischer.

Doch meine Gewissheit, hier etwas ganz Besonderes, Einmaliges zu lesen, wächst: In jeder Geschichte, die auf historisch realen Freiheits- oder Klassenkämpfen fußt, schwingt Pathos oder linke Heldenverehrung, Parteilichkeit, Patriotismus. „Invisible Republic“ kann das umschiffen – durch das besondere Setting: Wären all diese Partisanen und Agitatoren, Rebellen, Linksterroristen und Whistleblower in Prag, auf Kuba oder in Ost-Berlin, zu viele Menschen würden beim Lesen säuseln: „Prag! Kuba! Ost-Berlin! Schon auch eine schöne, hoffnungsvolle Zeit!“

Der blutige Freiheitskampf einer Kolonie. Und 40 Jahre später: das Ende einer Diktatur. So analytisch, pathosfrei, reflektiert erzählt, wie bei einer Erden-Nation niemals möglich.

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1. Panter
Autor und Zeichner: Brecht Evens.
Deutsch bei Reprodukt.
120 Seiten, abgeschlossen.

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Sollen wir das putzig finden? Christine ist traurig, weil ihre Katze starb – und entdeckt plötzlich einen neuen besten Freund: ein wilder, farbenfroher, charismatischer Panther springt aus ihrer Kinderzimmmer-Kommode und überredet sie, zu albern, zu kuscheln und zu flirten. Tier und Mensch, Alt und Jung, Groß und Klein – so innig wie Otto und Benjamin Blümchen, Calvin und Hobbes, Pete und das Schmunzelmonster.

Was aber wollen diese aggressiv drolligen Gestalten eigentlich von Kindern? Welche Balus wünschen sich einen Mogli – und wozu? „Panter“ ist eine viel zu bunte, kuschelige, munter-bezaubernd-manipulative Graphic Novel über ein Kind, das umworben wird – von einem kunter-tupfig-lustig-bunten, allerliebsten… Raubtier.

Freundschaft? Nein. Der Belgier Brecht Evens zeigt die Dynamiken von Grooming, Missbrauch, sexueller Gewalt.

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und:

Gefeierte US-Reihen wie „Saga“, „Lazarus“, „Ms. Marvel“ und „Southern Bastards“ veröffentlichten auch 2016 neue Hefte und Sammelbände, auf gewohnt hohem Niveau. Auch der Manga „I am Hero“ überzeugt seit Jahren.

Literatur 2016: Buchtipps und Neuerscheinungen zur Leipziger Buchmesse

Bücher, Romane Frühling 2016, Foto Phin Spielhoff

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Neue Literatur – erschienen 2016, auf Deutsch?

Jeden Dezember suche ich nach Neuerscheinungen: Die besten Bücher 2016 (Link)

Und jeden März stelle ich eine längere Liste neuer, empfehlenswerter Titel zusammen: Romane 2015 (Link)

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  • 28 aktuelle Titel, angelesen und sehr gemocht
  • 4 persönliche Empfehlungen

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Jugendbücher 2016 (Link)  |  Mangas (Link)  |  Empfehlungen zur Frankfurter Buchmesse 2015 (Link)

Lieblingsbücher  |  alle Buchtipps (Übersicht, Link)

 

.Bücher 2016, Stefan Mesch

 

angelesen und sehr gemocht:

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01: ANNA KATHARINA HAHN, „Das Kleid meiner Mutter“

  • 311 Seiten, Suhrkamp
  • feministische (?) Parabel über eine Frau, die das Leben ihrer Mutter enträtselt
  • Falls der Roman nur halb so gut ist wie Hahns Stuttgart-Satire „Am schwarzen Berg“: Lesen!

„Madrid, 2012: Ana María gehört zur »verlorenen Generation«. Ihr Bruder, promovierter Germanist, hat sich bereits nach Berlin abgesetzt, um auf dem Bau sein Geld zu verdienen. Ana ist aus Not in ihr altes Kinderzimmer zurückgezogen. Eines Tages liegen ihre Eltern tot in der gemeinsamen Wohnung. Unversehens rutscht sie in das Leben der Mutter hinein. Sie muss nur eines ihrer Kleider überstreifen, schon halten sie alle – auch Mutters geheimnisvoller deutscher Liebhaber – für Blanca.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Kleid meiner Mutter

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02: SZCZEPAN DWARDOCH, „Drach“

  • 311 Seiten, Rowohlt
  • Original: Polen 2014, Deutsch von Olaf Kühl
  • epischer, vielleicht schwülstiger Generationenroman des Autors von „Morphium“.

„Ein gewaltiges Panorama des 20. Jahrhunderts: Josef Magnor, der im Oktober 1906 die Wurstsuppe schmeckt und den Geschmack nie mehr vergisst. Josef, der im Dreck der Schützengräben von Frankreich landet und später im Bett der jungen Caroline. Und Nikodem, Josefs Urenkel, der zu seiner Geliebten zieht, aber von seiner Frau und Tochter nicht loskommt, auch nicht von dem schönen Haus, das er sich, gefragter Architekt des neuen Polen, gebaut hat. In kühler Montage schildert Szczepan Twardoch die Dramen zweier Männer und die Chronik ihrer schlesischen Familie. Ein grandioser Reigen von Werden und Vergehen.“ [Klappentext, gekürzt]

Drach

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03: CHLOE HOOPER, „Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island“

  • 368 Seiten, Liebeskind
  • Original: Australien 2008, Deutsch von Michael Kleeberg
  • Rassismus, Verbrechen, Provinz: ein True-Crime-Bericht, stilsicher übersetzt

„Am 19. November 2004 wird auf Palm Island der Aborigine Cameron Doomadgee festgenommen, weil er angeblich einen Polizisten beschimpft hat. Vierzig Minuten später liegt er tot in seiner Zelle. Laut Polizeiangaben war er über eine Stufe gestolpert – doch sein Leichnam weist schwere innere Verletzungen auf. Chloe Hoopers Tatsachenroman schildert das brutale Aufeinanderprallen zweier Kulturen.“ [Klappentext, gekürzt]

Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island

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04: CHICO BUARQUE, „Mein deutscher Bruder“

  • 256 Seiten, S. Fischer
  • Original: Brasilien 2013, Deutsch von Karin von Schweder-Schreiner
  • lauwarme Kritiken auf Goodreads – doch mich interessiert dieser Blick eines Brasilianers auf die DDR.

„Der Brasilianer Chico Buarque, heute weltberühmter Samba-Sänger, steht am Anfang seiner Musikerkarriere, als er von seinem Halbbruder in Berlin erfährt. Dort lebte der Vater in den späten Zwanzigern. Also macht sich Chico auf die Suche – und findet die bezaubernde, verrückte Geschichte von Sergio Günther. Auch Sergio war Sänger, und zwar einer der bekanntesten der DDR.“ [Klappentext, gekürzt]

Mein deutscher Bruder

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05: NILS-MOMME STOCKMANN, „Der Fuchs“

Finn Schliemann hat einen toten Vater, einen behinderten Bruder und wenige Freunde. Als Finn in die Hände der örtlichen Rowdys zu geraten droht, tritt Katja in sein Leben. Sie ist phantasievoll, selbstbewusst und mutig. Die Geschichten, die sie sich ausdenkt und die die beiden in einem Buch festhalten, bereichern Finns Welt: Sie selbst sei Zeitreisende, Finns Kleinstadt Thule ein bedeutungsvoller mystischer Ort, eine Art Achse im Raum-Zeit-Gefüge, die von einer Gruppe von Männern – Agenten des «Büros» – überwacht werde.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Fuchs

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06: DZEVAD KARAHSAN, „Der Trost des Nachthimmels“

  • 724 Seiten, Suhrkamp
  • Original: Jugoslawien 2014, Deutsch von Katharina Wolf-Grießhaber
  • altmodisch erzählter, vielleicht zu langer Historienroman

„In Isfahan, der Hauptstadt des Seldschuken-Reiches, stirbt unerwartet ein hochangesehener Mann. Der Sohn des Verstorbenen fordert Aufklärung. An den Ermittlungen nimmt auch der Hofastronom Omar Chayyam teil. Er kommt zu dem Schluss, dass der Mann vergiftet wurde. Hofintrigen und soziale Spannungen bedrohen das Reich von innen, während ihm Kreuzritter und Mongolen von außen gefährlich werden. Doch der Sultan lehnt die Gründung eines Nachrichtendienstes zur Gefahrenbekämpfung ab. Scharfsinn und Ohnmacht seiner Protagonisten im Blick, schildert Dževad Karahasan, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Trost des Nachthimmels

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07: MATTHIAS HIRTH, „Lutra Lutra“

  • 736 Seiten, Voland & Quist
  • Im schlechtesten Fall ist das eine preachy Amateur-Version von „American Psycho“, ein Poproman, 20 Jahre zu spät, eine Ayn-Rand-Persiflage mit einem depraved Bisexual (muss das sein?) in der Hauptrolle…
  • ….doch es wirkt kompetent erzählt, präzise beobachtet und angenehm… wahnsinnig/ambitioniert.

„Worin besteht wirkliche Stärke? Wie erreicht Fleck, 32, die Ausstrahlung, die ihn für jede Frau und jeden Mann unwiderstehlich macht? Er kommt zu dem Schluss, dass es für ihn nur einen Weg zu vollkommener Selbstbestimmtheit gibt: mit sämtlichen Regeln der Gesellschaft zu brechen. Hirths Roman zeigt die Verbindung von Sex und Gewalt, Coolness und Terrorismus. Heimlicher Held ist das Jahr 1999, das Jahr des Fischotters (lat.: Lutra lutra), das Jahr vor dem Zusammenbruch der New Economy und der großen Arbeitslosigkeit – das letzte Jahr der guten alten Zeit.“ [Klappentext, gekürzt]

Lutra lutra

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08: JEAN MATTERN, „September“

  • 160 Seiten, Berlin Verlag
  • Original: Frankreich 2014, Deutsch von Holger Frock und Sabine Müller
  • Brokeback Pressezentrum: betuliche, aber sympathisch intensive literarische Romanze

„Olympia 1972, München: Zwei Journalisten, ein BBC-Korrespondent und ein rätselhafter New Yorker, begegnen sich am Vorabend der Eröffnungszeremonie. Es entspinnt sich eine amour fou, die zunächst keiner der beiden zu leben wagt. Wenige Tage später schlägt das palästinensische Terrorkommando zu. Jean Mattern hat das Drama des 5. September minutiös recherchiert und erzählt es in diesem raffinierten Roman. Die stilistisch virtuose Geschichte einer großen Liebe, die damals noch ein Skandal gewesen wäre.“ [Klappentext, gekürzt]

September

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09: FILIP FLORIAN, „Alle Eulen“

  • 213 Seiten, Matthes & Seitz
  • Original: Rumänien 2012, Deutsch von Georg Aescht
  • vielleicht zu kurz, leicht, schmunzelig: charmanter rumänischer Mainstream-Coming-of-Age-Roman

„Luca: der Junge aus der Kleinstadt. Emil, der nach einem bewegten Leben in Bukarest unverhofft in der Provinz landet. Emil öffnet Lucas Blick für Literatur und Musik, Luca schenkt ihm seine Neugierde. Ein zarter, mit spitzbübischem Humor erzählter Roman, ein leidenschaftliches Lob der Freundschaft.“ [Klappentext, gekürzt]

Alle Eulen

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10: VIV ALBERTINE, „A typical Girl“ [der US-Titel, Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys. ist unendlich viel besser.]

  • 480 Seiten, Suhrkamp
  • Original: UK 2014, Deutsch von Conny Lösch
  • Musiker-Biografien sind mir oft zu verquast. Zu Punk und 70er-/80er-Subkulturen fehlt mir der Bezug. Trotzdem: Ich las die Originalversion an – und habe große Lust, dieser Frau zuzuhören. Die vollen 480 Seiten?

„London, Mitte der Siebziger. In der revolutionären Ursuppe des Punk scheint alles möglich. Aber gilt das auch für Frauen? Gibt es außer Groupie, Elfe oder Rockröhre noch andere Rollen? Viv Albertine wurde zum Riot Girl, lange bevor es diesen Ausdruck gab.“ [Klappentext, gekürzt]

Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys.

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11: DIETMAR DATH, „Leider bin ich tot“

„Daths provokanter, verblüffender Roman über Religion. Ein deutscher Filmregisseur flieht vor einer anstrengenden Liebe. Seine Schwester wird vom Staat verdächtigt, als radikale Islamistin einen Anschlag zu planen. Sein bester Freund aus Kindertagen kämpft als Pfarrer mit dem Teufel. Eine phantastische Melange aus Pop, Physik, Politik, Philosophie und Science-Fiction.“ [Klappentext, gekürzt]

Leider bin ich tot

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12: GABRIELE TERGIT, „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“

  • 392 Seiten, Schöffling
  • 2004 besuchten Lehramts-Freundinnen von mir ein Germanistikseminar zur Literatur der Weimarer Republik. In der Schule hatten wir alle wochenlang mit „Berlin, Alexanderplatz“ gekämpft. Doch von „Käsebier“ (und von den Tagebüchern Erich Mühsams) schwärmten die Freundinnen noch Jahre später.

„In sechs rauschhaften Wochen schrieb Gabriele Tergit ihren ersten Roman, der sie 1931 mit einem Schlag berühmt machte. Der Aufstieg und Fall des Volkssängers Käsebier, den ein Zeitungsreporter in einem billigen Varieté entdeckt. Um Eindruck in seiner Redaktion zu machen, puscht er ihn zum Megastar hoch. Immobilienmakler und Spekulanten hängen sich an den schnellen Ruhm, die gelangweilten Damen der guten Gesellschaft pilgern in die Vorstellungen, Käsebier wird hemmungslos vermarktet. Gabriele Tergit, die erste deutsche Gerichtsreporterin, ist eine unerbittlich genaue, aber mitfühlende Beobachterin. Pointierte und hoch komische Dialoge, die präzise Schilderung der gesellschaftlichen Milieus – vom Tanzmädchen über den Tischlermeister bis zum Medienmogul. Ihr eigener Arbeitsplatz wird dabei besonders unter die Lupe genommen: die Kulturredaktion des Berliner Tageblatts.“ [Klappentext, gekürzt]

Käsebier erobert den Kurfürstendamm

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13: EDMUND WHITE, „Der Flaneur. Streifzüge durch das andere Paris“

  • 192 Seiten, Albino Verlag
  • USA 1995, Deutsch von Heinz Vrchota
  • Bei fast jedem Buch Edmund Whites denke ich nach zwei Seiten „unbedingt lesen!“, doch nach zwanzig Seiten „Das Leben ist zu kurz für dieses satte, betuliche Geprahle.“ Beim „Flaneur“ hoffe ich auf etwas Feuer und Begeisterung: persönliche Bezüge.
  • Als Reiseführer taugt ein 21 Jahre altes Buch nicht viel. Doch aus Whites Paris-Bericht wuchs die „Writer and the City“-Reihe von Bloomsbury…
  • …vergleichbar mit Pipers „Gebrauchsanweisung für…“-Reihe (seit 1978)

„Fernab der großen Attraktionen führt uns White in verträumte Cafés, versteckte Museen und geheimnisvolle Orte wie das Hôtel de Lauzun, in dem der junge Baudelaire ein- und ausging. Auf den Spuren großer Schriftsteller wie Hemingway, Balzac und Rilke lässt White die Bohème vergangener Zeiten lebendig werden und beschwört zugleich das brodelnde Lebensgefühl einer multikulturellen, modernen Metropole.“ [Klappentext, gekürzt]

The Flaneur: A Stroll through the Paradoxes of Paris

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14: JOHN HIGGS, „Alles ist relativ und anything goes: Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert“

  • 379 Seiten, Insel
  • UK 2015, Deutsch von Michael Bischoff
  • komplexer, interessanter – und weniger beliebig, als der deutsche Klappentext vermuten lässt: eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts.

„Auf fast allen Gebieten wurden im 20. Jahrhundert Entdeckungen gemacht oder Ideen entwickelt, die unser Weltbild auf den Kopf stellten. Alte Gewissheiten büßten ihre Geltung ein, Autoritäten verloren ihre Macht. John Higgs führt durch das Jahrhundert der Genies und der Gurus, erläutert die Relativitätstheorie anhand eines fallenden Würstchens und erzählt von Satanisten im US-Raumfahrtprogramm.“ [Klappentext, gekürzt]

Alles ist relativ und anything goes - Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert

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15: DAVID MITCHELL, „Die Knochenuhren“

  • 816 Seiten, Rowohlt
  • UK 2014, Deutsch von Volker Oldenburg
  • Souverän erzählter Middlebrow-Schmöker. Doch mich stößt ab, dass Mitchells neuester Roman, „Slade House“ (2015) die Handlung fortsetzt: Ist das hier einfach eine Fantasy-Reihe? Habe ich nach 816 (!) Seiten noch Dutzende offener Fragen?

„1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für „Asyl“ einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly versteht, welche Bedeutung die Frau dadurch für ihre Existenz bekam: Die Knochenuhren folgt Hollys Leben von einer tristen Kindheit am Unterlauf der Themse bis zum hohen Alter an Irlands Atlantikküste, in einer Zeit, da Europa das Öl ausgeht. Ein Leben, das gar nicht so ungewöhnlich ist und doch punktiert durch seltsame Vorahnungen, Besuche von Leuten, die sich aus dem Nichts materialisieren, Zeitlöcher. Denn Holly – Tochter, Schwester, Mutter, Hüterin – ist zugleich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Knochenuhren

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16: DARRYL CUNNINGHAM, „Supercrash: Das Zeitalter der Selbstsucht“

  • 248 Seiten, Hanser
  • UK 2014, Deutsch von Thomas Pfeiffer
  • zeichnerisch dröge/didaktisch/einfallslos – aber sehr dicht und lehrreich: Banken und Gier, noch einmal verständlich und recht kulturwissenschaftlich erklärt.

„Börsencrash, Finanzkrise und Bad Banks. Der britische Cartoonist Darryl Cunningham hilft, die Absurditäten des globalen Kapitalismus wirklich zu verstehen – und dringt dabei zum Kern neoliberaler Politik vor: der Selbstsucht. In dramatischen Szenen lässt Cunningham Alan Greenspan, Rick Rubin und andere Anhänger des Finanzkapitalismus [Ayn Rand] die globale Ökonomie noch einmal an den Rand des Abgrunds führen.“ [Klappentext, gekürzt]

Supercrash

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17: MARCEL FRATZSCHER, „Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird“

  • 264 Seiten, Hanser
  • reißerisches Cover; aber flüssig, thesenstark, sympathisch: Armut als systemisches Problem – nicht als Versagen des Einzelnen.

„‚Wohlstand für alle‘ ist seit Ludwig Erhard das Credo der deutschen Politik. Doch in kaum einem Industrieland herrscht eine so hohe Ungleichheit – in Bezug auf Einkommen, Vermögen und Chancen. Die Abhängigkeit vom Staat nimmt zu, die soziale Teilhabe nimmt ab. Fratzscher zeigt, wie die Politik die Chance der Zuwanderungswelle nutzen kann und was sie tun muss, um die Spaltung der Gesellschaft abzuwenden.“ [Klappentext, gekürzt]

Verteilungskampf: Warum Deutschland immer ungleicher wird

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18: WILLIAM MacASKILL, „Gutes besser tun: Wie wir mit effektivem Altruismus die Welt verändern können“

  • 288 Seiten, Ullstein
  • Original: UK 2015, Deutsch von Stephan Gebauer
  • anekdotisches, angenehm optimistisches Buch über die Gründe, aus den Hilskampagnen, gute Ansätze scheitern – und wie Engagement gelingt.

„Ist es sinnvoll, nach Naturkatastrophen zu spenden? Übernehme ich besser die Patenschaft für ein Kind aus Äthiopien oder für ein Kind aus Deutschland? Helfe ich den Betroffenen, oder beruhige ich nur mein Gewissen? William MacAskill hat mit dem Konzept des effektiven Altruismus eine Antwort gefunden. Er nennt die Kriterien für sinnvolles und nachhaltiges Helfen. MacAskill zeigt, warum gut gemeint und gut gemacht zwei verschiedene Dinge sind.“ [Klappentext, gekürzt]

Doing Good Better: How Effective Altruism Can Help You Make a Difference

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19: ALEX PERRY, „In Afrika: Reise in die Zukunft“

  • 544 Seiten, S. Fischer
  • Original: UK/USA 2015, Deutsch von Michael Bischoff
  • Ein Europäer bereist, versteht, erklärt ganz Afrika? Mir widerstrebt der paternalistische Ansatz solcher Titel – aber ich glaube, das hier ist einfach eine (sympathische) Reportage- und Portraitsammlung: journalistische Texte, nochmal als Buch gebündelt.

„Als Auslandskorrespondent des »Time Magazine« reiste Perry über sieben Jahre durch Afrika. Auf seiner Reise traf er Unternehmer und Warlords, Professoren und Drogenschmuggler, Präsidenten und Dschihadisten.“ [Klappentext, gekürzt]

In Afrika: Reise in die Zukunft

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20: JAROSLAV RUDIS, „Nationalstraße“

  • 160 Seiten, Luchterhand
  • Original: Tschechische Republik 2013, Deutsch von Eva Profousová
  • „Wir sind das Volk“-Hassbürger-Monolog mit durchwachsenen Kritiken: Ich weiß nicht, ob 160 Seiten genügen, um eine plausible rechtsextreme Figur zu zeichnen. Trotzdem: Neugier!

„Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen: Vandam war einer von denen, die es lostraten am 17. November 1989, als in der Prager Altstadt auf der Nationalstraße die samtene Revolution ins Rollen kam, die einige Wochen später das kommunistische Regime hinwegfegte. Damals war Vandam ein junger Polizist, ein Vorstadt-Held. Fünfundzwanzig Jahre später wohnt Vandam immer noch in der Plattenbausiedlung seiner Kindheit, und hebt im Fußballstadion regelmäßig die rechte Hand zum Hitlergruß. Jaroslav Rudiš schlüpft in diesem brillanten Monolog in den Kopf eines Schlägers.“ [Klappentext, gekürzt]

Nationalstraße

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21: ANDREAS WENDEROTH, „Ein halber Held: Mein Vater und das Vergessen“

„‚Entschuldige mich bitte für meine Inhaltslosigkeit, aber ich bin nur noch ein halber Held.‘ Horst Wenderoth hat vaskuläre Demenz. Andreas Wenderoth schreibt die berührende, zuweilen absurd komische Liebeserklärung eines Sohnes an seinen Vater, der sich stets über den Geist definierte.“ [Klappentext, gekürzt]

wenderoth

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22: ROY JACOBSEN, „Weißes Meer“

  • 250 Seiten, Osburg
  • Norwegen 2015, Deutsch von Gabriele Haefs
  • Fortsetzung von „Die Unsichtbaren“, 2013
  • simple, aber souveräne Zwischendurch-Romane fürs breite Publikum, angenehm düster/existenziell.

„Norwegen, 1944: Die kleine Insel Barrøy war Ingrids Heimat. Doch jetzt herrscht Krieg. Der Ozean schwemmt tote deutsche Soldaten an die Küste. Unter ihnen befindet sich der russische Kriegsgefangene Alexander. Er lebt, und Ingrid nimmt ihn mit nach Hause. Völlig unerwartet erleben die beiden in diesen dramatischen Winterwochen die Liebe.“ [Klappentext, gekürzt]

De usynlige Hvitt Hav

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23: SOFIA ANDRUCHOWYTSCH, „Der Papierjunge“

  • 312 Seiten, Residenz
  • Ukraine 2014, Deutsch von Maria Weissenböck
  • Die Figurenkonstellation klingt verbraucht und langweilig – doch internationale Leser sind begeistert, und ich mag den Ton der ersten Seiten.

„Stanislau um 1900: eine galizische Kleinstadt am Rande der Monarchie. Adelja und Stefa, miteinander verflochten wie die Stämme zweier Bäume, wachsen gemeinsam auf. Als Adelja den Steinmetz Petro heiratet, wird aus der engen Verstrickung ein Dreieck. Und als der Magier Torn mit seinem Zirkus die Stadt besucht, taucht plötzlich der engelsgleiche Junge Felix in Petros Werkstatt auf ein kleiner Schlangenmensch, sprachlos, biegsam und brüchig wie Papier. Ein dichtes, mit sinnlichen Eindrücken und Details gesättigtes Bild einer Epoche: eine drängend erzählte Geschichte von Liebe und Verrat.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Papierjunge

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24: HAMMED KHAMIS, „I am not Animal. Die Schande von Calais“

  • 124 Seiten, Frohmann
  • sehr kurzer, mitreißender journalistischer Bericht eines Mannes, der einfach losgeht – und helfen will.

„Ein YouTube-Video über den »Dschungel«, das autonome Camp für Geflüchtete in Calais, lässt Hammed Khamis nicht mehr los. Mit dem unbestimmten Wunsch zu helfen macht sich der Streetworker aus Berlin-Wedding mit 175 EUR in der Tasche auf den Weg nach Frankreich. Weil er Arabisch spricht und die entsprechenden ›Looks‹ hat, findet er unmittelbar Zugang zu den Menschen vor Ort. Nach Berlin kehrt er barfuß zurück.“ [Klappentext, gekürzt]

I am not animal

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25: BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE, „Panikherz“

  • 576 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
  • Jedes Mal, wenn sich Stuckrad-Barre zu Wort meldet, schimpfen drei Dutzend ältere Männer in meinem Facebook-Freundeskreis, dass man „so einen Knaben“ doch bitte nie wieder schreiben, beachten, ernst nehmen solle. Ich war nie großer Fan – aber las seine Portraits IMMER mit Interesse… und Gewinn:
  • Stuckrad-Barre ist nicht halb so langweilig wie der immergleiche Hass auf Stuckrad-Barre.

„Er wollte zu den Helden, in die rauschhaften Nächte – dahin, wo die Musik spielt. Und ging fast verloren. Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Und nun eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten »Chateau Marmont« in Hollywood, in das ihn Udo Lindenberg führte. Mit Bret Easton Ellis inspiziert er einen Duschvorhang, er begegnet Westernhagen beim Arzt und Courtney Love in der Raucherecke und geht mit Thomas Gottschalk zum Konzert von Brian Wilson. Stuckrad-Barre erzählt mit seiner eigenen Geschichte zugleich die Geschichte der Popkultur der letzten 20 Jahre.“ [Klappentext, gekürzt]

Panikherz

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26: LUCIA BERLIN, „Was ich sonst noch verpasst habe. Stories.“

  • 384 Seiten, Arche
  • US-Kurzgeschichten, verfasst ab den 60er Jahren, Deutsch von Antje (Rávic) Strubel
  • kompetente, liebenswerte Kurzgeschichten – aber: lese ich lieber im Original

„Lucia Berlin wird verglichen mit Raymond Carver, Richard Yates oder Grace Paley. Ihre Storys zeugen von einem unsteten Leben voller Brüche. Alleinerziehende Mütter, Alkoholikerinnen auf Entzug, Haushaltshilfen, Krankenschwestern und Sekretärinnen. Es geht um Mütter und Töchter, scheiternde Ehen, Immigranten, Reichtum und Armut.“ [Klappentext, gekürzt]

Was ich sonst noch verpasst habe: Stories

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27: FRIEDRICH CHRISTIAN DELIUS, „Die Liebesgeschichtenerzählerin“

  • 208 Seiten, Rowohlt Berlin
  • 208 Seiten wirken sehr knapp für die Riesen-Bögen, die Delius hier spannt. Aber: Alles ist in kurzen, lyrischen, toll verdichteten Absätzen erzählt, die mich sofort wegfegten. Könnte kitschig oder schwülstig sein – doch die ersten Seiten… euphorisieren mich!

„Eine Frau, für ein paar Tage frei von Pflichten, Mann und Kindern, fährt im Januar 1969 von Den Haag über Amsterdam nach Frankfurt. Drei Liebesgeschichten aus den Zeiten der Kriege und Niederlagen gehen ihr durch den Kopf: ihre eigene, die ihrer Eltern, die einer Vorfahrin während der napoleonischen Kriege. Ein König, der die modernen Niederlande aufbaut; seine uneheliche Tochter, die in eine mecklenburgische Adelsfamilie gezwungen wird; ihr Urenkel, der als kaiserlicher U-Boot-Kapitän die roten Matrosen von Kiel überlistet, seine Tochter – die reisende Erzählerin selbst –, die ein gutes deutsches Mädel und trotzdem gegen die Nazis sein wollte. Dem neuen Roman von Friedrich Christian Delius liegt die bewegte Geschichte seiner eigenen Familie zugrunde.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Liebesgeschichtenerzählerin

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28: THOMAS VON STEINAECKER, „Die Verteidigung des Paradieses“

  • 416 Seiten, S. Fischer
  • Eine Kuppel-Bauernhof-Endzeitwelt wie in „Die Wand“, ein Erzähler wie aus einem Leif-Randt-Roman, viele gewollt drollige Anglizismen: Alles wirkt etwas kitschig-betulich, Endzeit im Miyazaki-, Pausewang- und Young-Adult-Modus. Vielleicht aber ist der Erzähler so herzig und naiv, damit später alles wirksamer eskalieren kann? Steinackers „Wallner beginnt zu fliegen“ gehört zu meinen Lieblings-Debüts: Ich hoffe, dass später im Buch noch bessere, frischere Ideen kommen.

„Er möchte ein guter Mensch sein. Doch Heinz lebt in einer Welt, die Menschlichkeit nicht mehr zulässt. Deutschland ist verseucht und verwüstet, Mutanten streifen umher, am Himmel kreisen außer Kontrolle geratene Drohnen. Zusammen mit seinem besten Freund, einem elektrischen Fuchs, wächst Heinz in einer kleinen Gruppe Überlebender in den Bergen auf. Er sammelt vergessene Wörter und schreibt die Geschichte der letzten Menschen. Doch was nützen Heinz Wissen und Kunst jetzt noch? Da gibt es plötzlich das Gerücht, weit im Westen existiere ein Flüchtlingslager. Die Gruppe bricht auf zu einem mörderischen Marsch ins vermeintliche Paradies…“ [Klappentext, leicht gekürzt]

Die Verteidigung des Paradieses

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Ich bin gespannt auf…

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vier persönliche Empfehlungen – Bücher 2016, gelesen und gemocht:

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1: GERTRAUD KLEMM, “Muttergehäuse”, österreichische Memoir/literarisch-biografische Textcollage

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MuttergehäuseIch habe “Herzmilch” und “Aberland”, zwei sehr gut besprochene Romane Gertraud Klemms über unzufriedene Frauen/Mütter, angelesen… und mir ein drittes Buch von ihr (erscheint im Februar 2016) im Blog vorgemerkt (Link). Kremayr & Scherlau schickte mir ungefragt ein Leseexemplar. Vielleicht das Beste, was mir die Post 2015 zustellte:

In “Mütter auf Papier” (2010) schrieb Klemm über den boshaften, herablassenden, sexistischen, gehässigen Quatsch, den sich eine Frau mit Mutterwunsch anhören muss, die immer wieder Kinder in der Schwangerschaft verliert. Eine autobiografische Textcollage: Kurzprosa, Fragmente, viel Wut, Intimität, kluger Furor. “Muttergehäuse” ist die überarbeitete Version dieses “Mütter auf Papier”-Berichts – ein kurzes, luzid formuliertes, wunderbar konkretes Buch über Frustrationen, schlechte Freunde, Angst, Druck… und Auswege.

Ich bin jetzt Klemm-Fan: feministisch, literarisch, spitz, ehrlich, reflektiert.

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2: SACHA BATTHYANY: „Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie“

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Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie.Ich habe den Titel Ende Februar bei Deutschlandradio Kultur empfohlen [Audio und Text]: „Kurz vor Kriegsende feierte Gräfin Margit von Batthyány-Thyssen im Burgenland ein Fest mit der örtlichen Waffen-SS. In derselben Nacht wurden 180 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. „Und was hat das mit mir zu tun?“ fragt Sacha Batthyany, Schweizer Journalist und Enkel von Margits Schwester, in einem 250 Seiten langen, sehr persönlichen Report:

Er reist ins Burgenland, nach Südamerika und Russland, zitiert ausgiebig aus Tagebüchern, befragt Verwandte, beginnt eine Psychoanalyse. Erschoss Tante Margit, verstorben 1989, jüdische Zwangsarbeiter? Oder teilte sie bloß die Gewehre aus? Fallen solche Abstufungen ins Gewicht? Für wen: für die Nachkommen und ihre Familien? Für die Opfer? Für uns alle?“

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3: KEI SANBE, „Die Stadt, in der es mich nicht gibt“

[Manga-Reihe, bisher 7 Bände, Deutsch bei Tokyopop]

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Die Stadt, in der es mich nicht gibt #1 (Die Stadt, in der es mich nicht gibt, #1)…ebenfalls bei Deutschlandradio Kultur empfohlen:

„Jedes Mal, wenn der Alltag katastrophal entgleist, wird Satoru ein paar Minuten in die Vergangenheit versetzt: Die Szene wiederholt sich dann so oft, bis er das jeweilige Unglück verhindern kann. In seiner Kindheit wurden Klassenkameraden ermordet, und alle bemühten sich, den Kidnapper zu vergessen. Plötzlich ist Satoru zurück im Jahr 1988, elf Jahre alt. Er will die Kinder retten. Mit allen Mitteln. Ein Thriller, täuschend simpel gezeichnet, mit wunderbar komplizierten, schlagfertigen, witzigen Figuren und existenziellen Fragen: Rätseln, Fiebern, Lachen, Indizien suchen… keine Seite dieser Bände vergeht, ohne dass Herz und Hirn auf fünf verschiedene Arten gefordert sind.“ [mehr aktuelle Manga-Empfehlungen hier, Link]

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4: ISABEL BOGDAN, „Der Pfau“

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Der Pfau256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch:

Eine – sehr ruhige – Komödie über eine Gruppe britischer Banker und ihre schnippische Chefin, die während einem Teambuilding-Workshop in einem schottischen Herrenhaus eingeschneit werden. Draußen läuft ein Pfau umher, der auf alles pickt, das blau-metallisch glänzt. Eine Satire – aber nicht grell, laut, überdreht. Ein Zwischendurch-Buch – aber ohne Kitsch. Die Figuren sind nicht allzu tief – doch ich nehme Bogdan das britische Setting ab (gute Arbeit!). Es gibt viele Passagen, die mir zu erklärend oder redudant sind: ein Middlebrow-Unterhaltungsroman, der an keiner Stelle weh tut und der vielleicht 20 Seiten kürzer sein könnte.

Aber: Das hier hat so viel Geist, Schmiss, Charme, eine so entspannte, angenehme Grundhaltung… Ich war für fünf, sechs Stunden gern mit diesen Leuten auf diesem Landsitz. Leicht – aber klug, und gut. Empfehlung!

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stefan mesch, ost 2014 2015

Die besten Mangas: 50 Empfehlungen

Die besten Manga

Seit Anfang Februar habe ich über 500 Manga-Reihen angelesen.

Aktuelles – aber auch sehr viele Klassiker, vor allem für erwachsene Männer und Frauen.

Ein Drittel erschien auf Deutsch. Der Rest auf Englisch – zum Teil online, als Fan-Übersetzung.

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Für Deutschlandradio Kultur stelle am 8. März 2016 im Literaturmagazin Lesart sechs aktuelle Favoriten vor: Serien, die 2016 auch auf dem deutschen Buchmarkt eine Rolle spielen.

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Heute im Blog: 50 Mangas, die mir bei der Recherche auffielen oder schon länger auf meiner „bald lesen!“-Liste stehen.

15 Titel, die ich las und empfehlen kann.

42 Titel, die ich angelesen habe und auf die ich mich freue.

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gelesen und gemocht – ein Ranking:

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15: „Pluto“ von Naoki Urasawa

Pluto

„Eine ideale Welt, in der Menschen und Roboter friedlich koexistieren. Doch plötzlich macht jemand Jagd auf die sieben großen Roboter. Interpol setzt den in Düsseldorf ermittelnden Inspektor Gesicht auf den äußerst komplexen Fall an – bis Gesicht erkennt, dass er selbst zu den Gejagten gehört. PLUTO ist eine Neuinterpretation einer klassischen „Astro Boy“-Geschichte: futuristische Spannung für Erwachsene.“ [Klappentext, gekürzt]

  • toll gezeichnet; doch etwas hölzern, trocken, umständlich und sentimental:
  • Ich mag keine Roboter-Helden, so lange sie dauernd um die Pinocchio-Sinnfrage kreisen: „Bin ich, obwohl nur Maschine, ein richtiger Junge?“
  • „Pluto“ ist düsterer und wirkt auf den ersten Blick philosophisch, gesellschaftskritisch. Doch so gern ich es las: Es stapft in ALLE befürchteten Roboter-Kitschfallen und -Klischees.

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14: „Ooku – the Inner Chambers“ von Fumi Yoshinaga [nicht auf Deutsch]

Ooku

„In Edo period Japan, a strange new disease called the Red Pox has begun to prey on the country’s men. Within eighty years of the first outbreak, the male population has fallen by seventy-five percent. Women have taken on all the roles traditionally granted to men, even that of the Shogun. The men, precious providers of life, are carefully protected. And the most beautiful of the men are sent to serve in the Shogun’s Inner Chamber…“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • ein stilsicherer, sehr sprach- und dialoglastiger Alternate-History-Manga über ein Kaiserreich, von Frauen regiert und die komplexen Gender Politics, sobald Männer überall fehlen.
  • Ich liebte Band 1 – doch mit Band 2 beginnt eine viel zu lange Rückblende und zu viele Figuren verheddern sich an zu vielen Fronten: Nur Band 1 kann ich, für sich allein, sehr empfehlen. Ob die komplette Buchreihe die Kurve kriegt, weiß ich noch nicht.

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13: „Young Bride’s Story“ von Kaoru Mori

Young Brides Story

„Die Seidenstraße im späten 19. Jahrhundert: Die zwanzigjährige Amira wird von ihrem Clan zu einer Familie jenseits der Berge geschickt, damit sie deren zwölfjährigen Sohn Karluk heiratet. Nach der Hochzeit fügt sich Amira schnell in ihre neue Familie ein. Doch dann beschließt ihr Clan, sie zurückzufordern, da sie mit Amira andere Pläne haben…“ [Klappentext, gekürzt]

  • ruhiger, warmherziger, toll gezeichneter Historien-Manga über Haushaltsführung, Heiratsbräuche und Hirten-Großfamilien, meist kindgerecht, oft sehr gut gelaunt und gefühlvoll. Amira ist eine tolle Hauptfigur, und die Dynamik mit ihrem (keuschen) 12jährigen Ehemann macht Spaß.
  • die Reihe gerät aus den Fugen, weil Amira zwar Hauptfigur bleibt, doch ab Band 3 oft über komplette Sammelbände hinweg andere Bräute an ganz anderen Orten im Mittelpunkt stehen: eine verzweifelte Nomaden-Witwe, ungehobelte Zwillingsbräute am Aralsee, eine melancholische reiche Frau in Persien. Die albernen Zwillingsbraut-Bände, 4 und 5, waren unerträglich.

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12: „Homunculus“ von Hideo Yamamoto

Homunculus

„Gibt es ihn vielleicht doch, den Homunculus: den kleinen Mann im Kopf eines jeden Menschen, der – so glaubte man früher – Geschicke und Gefühle steuert? Der Medizinstudent Manabu Ito bietet dem Arbeitslosen Susumu 700.000 Yen – wenn Susumu ihm ein Loch in den Schädel bohren darf. Eine Trepanie.“ [Klapptentext, gekürzt]

  • Band 1 las ich mit Schüttelfrost und Gänsehaut, atemlos:
  • am besten, man weiß sonst nichts über die weitere Handlung.
  • Band 2 war konventioneller, küchenpsychologisch. Ich weiß nicht, ob ich je weiterlesen will. Für sich allein ist Band 1 ein wunderbarer, toll gezeichneter kleiner Alptraum.

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11: „The Nao of Brown“ Glyn Dillon [deutsch: „Das Nao in Brown“]

nao of brown

„Nao Brown schlägt sich als Illustratorin durchs Leben und ist auf der Suche nach der großen Liebe. Zudem leidet sie unter einer Zwangsstörung. Als sie endlich dem Mann ihrer Träume begegnet, muss sie feststellen, dass Träume sehr seltsam sein können.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Graphic Novel aus Großbritannien über eine junge Halbjapanerin auf der Suche nach sich selbst: toll gezeichnet und viel sperriger, psychologischer, als der kitschige Klappentext vermuten lässt.

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10: “Twin Spica” von Kou Yaginuma

Twin Spica (Japan)

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Twin Spica, Volume: 01[mehr] Asumis Mutter starb 2010 – als die Lion, das erste Space-Shuttle Japans, auf ihre Heimatstadt stürzte. Trotzdem will Asumi Astronautin werden; unterstützt von ihrem depressiven Vater – und dem Geist eines verglühten Lion-Astronauten.

„Twin Spica“ wirkt simpel und süßlich. Die kleine, kindliche Asumi sieht aus wie Heidi, jede Figur hat ein rührseliges Trauma, kurz dachte ich: für Zehnjährige, höchstens – oder Fans vom „kleinen Prinz“. Doch Leitmotive, Bildsprache, Psychologie und Stimmungen werden so geschickt verwebt… mit jedem Band (ich kenne sechs von 16) wird diese zarte Coming-of-Age-Geschichte trauriger, ernster, klüger, subtiler.

Mut zum Melodrama: das Kitschig-Schönste, das ich seit Jahren las. Hach!

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9: „Gute Nacht, Punpun“ von Inio Asano

punpun

„Aiko kommt in Punpuns Klasse, und Punpun in die Pubertät. Sein Vater ist gewalttätig, seine Mutter psychisch labil, Punpun selbst sieht sich als kümmerliches, vogelartiges Wesen. Er will Astronom werden und entflieht in Fantasiereisen dem Elternhaus. Von ca. zwölf bis Anfang 20 durchlebt er mit seinen Klassenkameraden typische Coming-of-Age-Probleme: erwachende Sexualität, emotionale Verwirrung, Einsamkeit.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Ein Schuljunge, der sich so sehr verachtet, dass er sich selbst als kümmerlichen Vogel sieht…
  • …wird von (zum Teil sehr albernen, überzeichneten) Figuren herumgestoßen, missverstanden, erschreckt oder verletzt. Für eine Weile bleibt das selbstbezogen-süßlich:
  • Asanos Landschaften, Hintergründe, Perspektiven und sein erzählerisches Timing sind großartig – doch mir missfallen die rotznasigen, sommersprossigen, zahnlückigen Alfred-E.-Neumann-artigen Kinderfiguren, und ich hasste Asanos Graphic Novel „Solanin“: Dort führten Rotzlöffel-Studenten unsympathisch flache, selbstbezogene Generations-Gespräche im Stil des Neon Magazins.
  • „Punpun“ will keine solche Generations-Erfahrung zeigen, kein jammerlappiges, möglichst allgemeingültiges Jungs-Buch sein über Scheiß-Mädchen, die nicht zurückrufen: Punpun wird vom 08/15-Außenseiter schnell zum pathologisch gestörten Einzelgänger… und kämpft 13 Bände lang mit Depressionen, Scham, Gewaltphantasien und Sprachlosigkeit. Je kantiger (und weniger generationenhaft, gewollt allgemeingültig) die Figur wird, desto besser wird das Buch.
  • Nur ganz am Ende kippt der Plot ins Melodramatische, die Ereignisse überschlagen sich, plötzlich wirken alle Figuren schwer gestört, und alles brennt. Ohne Band 1, ohne Band 11, 12, 13 wäre „Punpun“ der vielleicht beste Manga, den ich kenne. Asano hilft mir, Japan zu sehen – in großartigen Zeichnungen. Und, Japan zu verstehen – in komplexen Figuren, absurden Szenen. Wer Banana Yoshimoto mag oder Haruki Murakamis „Naokos Lächeln“ und „IQ84“: lesen!

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8: „Vertraute Fremde“ von Jiro Taniguchi (ich mochte auch „Der spazierende Mann“ und „Von der Natur des Menschen“)

vertraute fremde

„Hiroshi Nakahara besucht das Grab seiner Mutter, fällt in eine Art Ohnmacht – und findet sich in seinem Körper als 14-jähriger wieder. Er beginnt, das Leben als Teenager in den 1960er Jahren zu führen, mit dem Wissensstand des Erwachsenen. Er will herausfinden, was nicht stimmte im scheinbar harmonischen Elternhaus: Im Sommer 1963 verließ sein Vater die Familie, ohne Ankündigung.“ [Klappentext, gekürzt]

  • simpel, nostalgisch, mit einer wunderbaren Grundidee:
  • Ich empfehle den Manga vor allem Neu- und Weniglesern. Er ist geradlinig, übersichtlich, die detaillierten Zeichnungen zeigen das ländliche Japan…
  • …doch an vielen Stellen – vor allem auch: sexuell – wünschte ich mir mehr Tiefgang, kritische Fragen, Figurenentwicklung. Und: wie absurd, dass es eine Verfilmung gibt – in der Japan keine Rolle spielt.

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7: „Honey & Clover“ von Chica Umino

honey clover

„Die Kunststudenten Yuta, Takumi und Shinobu wohnen in einem kleinen, schäbigen Apartmenthaus und leben von der Hand in den Mund. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als ihnen ihr Dozent Hagumi vorstellt. Das kindliche Mädchen [eine Künstlerin] verzaubert Yuta auf den ersten Blick. Doch auch Shinobu findet Gefallen an ihr. Takumi ist in die Architektin Rika verliebt, die ihren verstorbenen Ehemann nicht vergessen kann.“ [Klappentext, gekürzt]

  • drei Jungs, zwei Mädchen, alle auf der selben Kunsthochschule und gut befreundet:
  • ein Manga über zwei, drei Jahre als Student, während denen Freundschaften wachsen und sterben, Selbstbilder bröckeln, erste Karriere-Ideen entstehen, Menschen sich neu erfinden.
  • „Honey and Clover“ zeigt trinkfreudige, alberne, sehr extrovertierte Figuren…
  • …und bremst den Cliquen-Spaß immer wieder ab: eine melancholische, überraschend tiefgehende Reihe mit ähnlichen Themen/Fragen wie „Scott Pilgrim“, aber noch mehr Herz. Romantisch, aber melodrama-frei. Lebensfroh, aber mit glaubwürdigen, oft unglücklichen Freunden. Simpel gezeichnet, aber sehr souverän erzählt. Empfohlen ab ca. 12. Und: für jeden, der kreative Studiengänge kennt.

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6: „Die Stadt, in der es mich nicht gibt“ von Kei Sanbe

Stadt in der es mich nicht gibt

„Satoru Fujinuma wird unerwartet in die Vergangenheit geschickt – für jeweils wenige Minuten und so oft, wie es nötig ist, um Verbrechen zu verhindern. Er hat sich mit diesem Lebensstil abgefunden. Doch plötzlich erlebt Satoru eine extreme Wiederholung: Er wird in seine Zeit als Grundschüler zurückgeschickt. Damals wurden Kinder aus seiner Klasse entführt und umgebracht. Schafft er es, die Entführungen zu verhindern?“ [Klappentext, gekürzt]

  • Der Zeichenstil (wenige Details, seltsame Augen, Lippen, Kopfformen) wirkt lieblos…
  • …und dem kompletten ersten Band fehlt Schwung.
  • Ab Band 2 aber gewinnen Figuren und Geschichte so viel Farbe, Tiefgang, dass ich mir sicher war: Das kann auch über 30 Bände hinweg glänzend funktionieren. Ein schlichtes, aber eindrückliches Setting, ein überzeugend eskalierender Krimi-Plot, ein Autor, der an jeder Stelle GANZ genau zu wissen scheint, was er tut. Und: fünf, zehn Figuren, die simpel wirken, doch sehr schnell liebenswürdig, schlagfertig, immer komplexer werden. Grundschülerinnen, Teenager, Mütter, die ich SO noch nie gelesen habe, in Mangas.
  • Mit anderem Zeichenstil wäre die Reihe Publikumsliebling, Crowdpleaser, ein perfektes Geschenk.
  • Update, 2017: der Epilog – Band 9 – ist nicht nötig… aber schön: eine gute Reihe mit stimmigem Ende.

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5: “Sakamichi no Apollon” (Kids on the Slope) von Yuki Kodama [nicht auf Deutsch]

Sakamichi no Apollon (Japan)

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Sakamichi No Apollon: 10 (Bonus Track)[mehr] Oft brauchen Manga-Reihen eine Weile, um Stimmung und Ton zu treffen: Die Eröffnung bleibt meist unbeholfen. Überfrachtet.

Bei „Kids on the Slope“ (englischer Titel der Anime-Adaption) war ich nicht sicher, ob ich in einer schwulen Romanze stecke, einer Pennäler-Komödie im Retro-Look oder mitten im Kampf zweier ungleicher Schüler – ein verzärtelter Nerd, ein bettelarmer Raufbold – um das selbe Mädchen. Alle (männlichen) Figuren spielen in einer Jazzband. Doch Jazz-Exkurse bleiben nebensächlich.

Nein. „Sakamichi no Apollon“ (nur als Fan-Übersetzung online lesbar) ist die Geschichte einer (lebenslangen?) Freundschaft. Die späten 60er Jahre in der japanischen Provinz. Enge Rollenbilder. Armut. Der Mut, von etwas zu träumen. Zu jemandem zu stehen – behutsam inszeniert im simplen Retro-Zeichenstil.

Ein langsames, zärtliches, schlichtes Coming-of-Age – oft witzig und zum Heulen schön. Ohne große Abgründe, Effekte, Pomp.

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4: „Billy Bat“ von Naoki Urasawa

Billy Bat

„USA, 1949: Kevin Yamagata, Amerikaner japanischer onHerkunft, ist Schöpfer der Comic-Reihe »Billy Bat«. Hauptcharakter ist eine Fledermaus, der Comic ein Stil-Mix aus klassischen Disney- und Noir-/Detektivcomics. Plötzlich erfährt Kevin, dass es die Fledermaus-Figur in Japan schon lange geben soll. Hat er »Billy Bat« gar nicht selbst erfunden? Kevin reist nach Japan, um sich für den „Ideenklau“ zu entschuldigen. Doch er gerät in einen Strudel dramatischer Ereignisse, die [das komplette 20. Jahrhundert] auf den Kopf stellen.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Verschwörungen. Religion. Selbstverwirklichung. Kreativität. Schicksal. Quantenmechanik:
  • Ein literarischer, fesselnder Manga mit über 20 Hauptfiguren, Zeitsprüngen (und -Reisen?) durchs 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart und Flashbacks bis in die Steinzeit, ambitioniert wie z.B. „Lost“ – doch viel klarer, flüssiger.
  • Ein Riesen-Panorama über das schwierige Verhältnis zwischen den USA und Japan, Kulturimperialismus, Walt Disney, Verschwörungstheorien wie das JFK-Attentat oder 9/11… mit sehr menschlichen, oft scheiternden Figuren (viele Immigranten, biracial Characters)…
  • …und einer sprechenden Fledermaus-Zeichnung – ein Totem, ein Avatar? – die versucht, die Geschichte der Menschheit… aufzuhalten? Zu stören? Neu zu schreiben? Der Thriller braucht zwei, drei Bände, um in Fahrt zu kommen. Nicht alle Storylines funktionieren sofort. Doch ich kenne keine zweite SO ambitionierte, souveräne und eigensinnige Riesen-Geschichte. Allergrößtes Kino!
  • Update, 2017: das Ende wirkt etwas überstürzt, ich hätte die Figuren (vor allem Kevin Yamagata) gern noch länger begleitet. Trotzdem: runde Sache!

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3: „I am a Hero“ von Kengo Hanazawa

I am a Hero (Japan)

„Der Mangazeichner-Assistent Hideo führt kein glückliches Leben. Ihm fehlt es an Selbstbewusstsein und Motivation, außerdem ist er paranoid und schizophren. Die Ermutigungsversuche seiner Freundin, seinen eigenen Manga zu zeichnen, schlagen auch nicht an. Immer, wenn es schwierig wird, flüchtet Hideo aus der Realität und sucht Rat bei seinem imaginären Freund. Mit der Zeit werden seine Wahnvorstellungen immer schlimmer. Er sieht eine Frau, die überfahren wird und mit gebrochenem Genick aufsteht und weitergeht. Doch handelt es sich wirklich um Wahnvorstellungen…?“ [Klappentext, gekürzt]

[mehr] Die ersten 200 Seiten sind hart: Ein misogyner, phlegmatischer, recht dumpfer Manga-Assistent steckt im Alltag fest – und redet unsympathischen Stuss. Die nächsten 200 Seiten, Band 2, sind wirr: Passanten beißen sich gegenseitig, Zombies überrennen Tokio, alles bricht zusammen. Noch in Band 3 war mir nicht klar, ob ich einen Zombie-Thriller lese, über eine Zombie-Komödie und -Parodie lachen soll oder nur die Fehler einer verpeilten, passiven, selbstmitleidigen Hauptfigur zählen: eine Art „Girls“ oder „Louie“, ein Woody-Allen-Film… mit Zombies?

„I am a Hero“ ist langsam. Oft hässlich, unsympathisch, grotesk. Alle Figuren sind überfordert und distanziert. Nichts gelingt. Man schwimmt bis zu 800 Seiten am Stück mit neurotischen, fremden Menschen in stillen, bedrohlichen, verwirrenden Szenen – in denen jederzeit alles eskalieren kann.

Fotorealistisch gezeichnet. An vielen Stellen zum Schreien spannend. Ein toller Blick auf Alltagskultur, Moral, Ethos, Sexismus, Twenty- und Thirtysomething-Defekte, Versagensängste in Japan. Ein Freund las die ersten Bände und sagte: „Ich sehe da nichts als Trash.“

Ich sehe: eine unerträgliche Figur in einer unerträglichen Geschichte – die mich begeistert, überfordert, angeekelt und beglückt hat wie keine andere Erzählung seit Jahren. Vergleichbar vielleicht mit „Geister“ von Lars von Trier. Aber eben: schleppend, langsam, viel richtungsloser.

Ich bin in Band 16. Ein Ende/Finale ist langsam absehbar (noch zwei, drei Jahre?).

Falls es auf diesem Niveau endet, ist es ein Meisterwerk.

Update, 2017: Es endet leider recht abrupt und antiklimatisch: Ich empfehle, nur bis einschließlich Band 19 zu lesen, und dann abzuwarten. Vielleicht wird die Reihe irgendwann fortgesetzt?

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2: „Bakuman“ von Tsugumi Ohba (Text) und Takeshi Obata (Zeichnungen)

Bakuman

„Er hat Talent, ist fleißig und will es schaffen: Mittelschüler Moritaka will Shonen-Mangas zeichnen.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Ein Schuljungen-Manga über Schuljungen, die alles tun, um einen erfolgreichen Manga fürs Schuljungen-Publikum zu schreiben. Beginnt durchwachsen/überfrachtet, wird aber ab ca. Band 3 dicht, warm, sympathisch, lehrreich und spannend.
  • Man lernt viel über die Arbeitsbedingungen von Genre-Autor*innen, die Arbeit in Verlagen, den Alltag als Künstler. Mashiro zeichnet, Schulfreund Akito schreibt… und ihre Freundschaft/Arbeitsdynamik wird intelligent und liebevoll beleuchtet.
  • Seitenlang geht es – ausführlich, aber immer plausibel und überraschend nuanciert – um Konzeptentwicklung und Zielgruppen, Erwartungen, Handwerk, Serien-Dramaturgie.
  • nicht überzeugend: die passiven, viel zu verunsicherten Frauenfiguren.

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1: „Yotsuba&!“ von Kiyohiko Azuma

Yotsuba

„Die Familie Ayase lebt in einer kleinen und ruhigen Vorstadtgegend. Bis Yotsuba mit ihrem allein erziehenden Vater ins Nachbarhaus zieht. Das Mädchen mit den grünen Haaren bringt die drei Ayase-Töchter mit seiner unschuldig-chaotischen und neugierigen Art in peinliche, komische und verwirrende Situationen. Und ist so liebenswert, dass ihr niemand lange böse sein kann…“ [Klappentext, gekürzt]

  • toll für Kinder, toll für Eltern, toll selbst für Menschen, die nie einen Manga lasen:
  • für Fans von „Calvin & Hobbes“, vielleicht auch Astrid Lindgren.
  • Band 1 wirkt etwas steif, banal… doch sehr schnell überzeugen mich die harmlosen, warmherzigen, charmanten Alltags-Episoden über ein energisches fünfjähriges Mädchen, ihre konventionelleren Nachbarn und ihren Vater, einen entspannten Übersetzer.
  • Die bisher 12/13 Bände sind auch einzeln/kapitelweise gut lesbar und verständlich – und empfehlen sich auch als Kinder-Gutenachtgeschichte oder Lesebuch für ca. Zweitklässler. Menschlich, klug beobachtet, kitsch-frei.

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angelesen, gutes Gefühl (kein Ranking):

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16: „Nausicäa aus dem Tal der Winde“ von Hayao Miyazaki

nausicaa

„Set in the far future, the Earth is radically changed by ecological disaster. Strange human kingdoms survive at the edge of the Sea of Corruption, a poisonous fungal forest. Nausicaa, a gentle young princess, has a telepathic bond with the giant mutated insects of this dystopia. Her task is to negotiate peace between kingdoms battling over the last of the world’s natural resources.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ich liebe den Film von 1984
  • …weil er eine simple Geschichte erzählt, in einer wunderbar komplexen Welt.
  • Diese – toll designte, klug konstruierte – Welt noch einmal ausführlich kennen lernen und verstehen, im Manga? Unbedingt, ja!

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17: „Inside Mari“ von Shuzo Oshimi

Inside Mari

„Isao Komori is a recluse shut-in. He is in love with a young schoolgirl he sees when he goes to the convenience store to buy food. One day, he suddenly finds himself in the body of Mari Yoshizaki, the very girl he is so fond of stalking. The story deconstructs body swap stories by showing that an actual body swap would probably be utterly terrifying to the victims.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Körpertausch – in psychologisch, kafkaesk… und feministisch?
  • Die Anspannung und Angst der Figuren ist schon auf wenigen Seiten SO greifbar: Ich freue mich auf ein Stück japanischen Alltag. Und viele existenzielle, groteske „Outer Limits“-Momente.
  • Update, 2017: komplett gelesen. Warmherzig, gesellschaftskritisch, solide erzählt.

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18: „FLCL“ von Hajime Ueda

flcl

„Naota is a lonely boy in a lonely town living a quiet life amidst utter chaos. His brother left to play baseball in America, and now the brother’s ex-girlfriend won’t leave Naota alone. Then, from beyond the stars drops an impish defender sent forth to stop alien robots from destroying the Earth.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Der Plot klingt zweitklassig. Die Hauptfigur lässt mich kalt…
  • …doch ich liebe „Neon Genesis Evangelion“ und hoffe, „FLCL“ ist ähnlich experimentell, mitreißend, überraschend, hässlich, gefühlvoll.
  • falls nicht: auch „Serial Experiments Lain“ (1998, Serie) macht mir Hoffnungen.

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19: „Ghost in the Shell“ von Masamune Shirow

ghost in the shell

„Major Kusanagi is charged to track down the craftiest and most dangerous terrorists and cybercriminals, including ghost hackers.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • 1999, kurz nach „Matrix“, langweilte mich die Film-Version
  • …und hier, beim Blättern, irritieren mich die Ballonbrüste und der viele Slapstick.
  • Rüstungen, Waffen, Maschinen und Gebäude aber sind so liebevoll gestaltet, und die Erzählwelt wirkt so politisch… ich verpasse etwas, falls ich das nicht endlich lese.

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20: „Biomega“ von Tsutomu Nihei

biomega

„Zouichi and Fuyu, an Artificial Intelligence integrated into his motorcycle, are looking for humans immune to N5S infection, a disease that turns humans into undead disfigured „Drones“. Zouichi wants to find Yion Green, an immortal 17-year-old girl. But then, Yion is kidnapped.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Auch hier klingt die Geschichte abgedroschen…
  • …doch die Cyberpunk/’Mad Max‘-Welt ist toll gezeichnet…
  • …und statt Krawall zählen oft kleinere Szenen, zwischenmenschliche Momente.

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21: „Desert Punk“ von Masatoshi Usune

Desert Punk

„After a nuclear holocaust, Japan, like many other countries, has been reduced to a desert. Seventeen-year-old Kanta Mizuno, nicknamed Desert Punk, works as a mercenary for the Handyman Guild between his occasional obsession with big boobs and sex, and, later, his training of an apprentice named Kosuna. Despite his flaws, he is highly professional, accomplishing his task no matter the cost.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • eine gute Balance zwischen Humor, Survival, Action und Psychologie:
  • glaubwürdige Figuren, sehr atmosphärische Endzeit-Welt
  • …könnte auch auf Tatooine spielen.

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22: „A Girl by the Sea“ / „Mädchen am Strand“ von Inio Asano

Girl by the Sea

„Koume lebt in einer kleinen Stadt am Meer. Ihr introvertierter Freund Keisuke ist in Koume verliebt. Ihre Körper finden zueinander, noch bevor es die Gefühle tun. Je mehr Zeit sie heimlich miteinander verbringen, desto größer wird der Abstand zwischen ihnen.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Wie immer bei Asano: puppenhafte, hässliche Figuren…
  • …in hyperdetaillierten, großartigen Sets und Szenenbildern.
  • Ein kurzer Manga, griffiger als „Punpun“ – aber vielleicht zu süßlich?

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23: „Beck“, Sakuishi Harold

beck

„Shy 14-year-old Yukio Tanaka’s life is changed forever when he meets rocker Ryusuke Minami – an unpredictable 16-year-old with a cool dog named Beck.“[US-Klappentext]

  • Gemächlicher und etwas schicht gestrickter Jungs-Manga über eine Newcomer-Band.
  • Viel Raum für schräge Nebenfiguren und Humor. Wirkt flach, aber sympathisch.

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24: „Umimachi Diary“ von Akimi Yoshida

umimachi diary

„Three sisters live in Kamakura. A letter tells them that their father has died – a father they hadn’t seen since he divorced and left home 15 years ago. Despite feeling indifferent about him, Yoshino, the middle of the three, and Chika, the youngest, go to Yamagata to attend his funeral on oldest sister Sachi’s request. There, they meet Suzu, their young and reliable half sister.“

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25: „Kakukaku Shikajika“ von Akiko Higashamura

kakukaku

„Akiko is in her third year of high school. Through her friend Futami, she starts going to an art class led by Kenzou Hidaka, an intimidating teacher who spends much of his time yelling at his students and keeping them focused on drawing. Akiko is initially confused by the behavior of the teacher and her fellow students in the class, but she keeps going regardless, eventually becoming the manga author she is today.“ [Mangafox-Text, gekürzt]

  • autobiografischer Manga der „Princess Jellyfish“-Autorin: Kunst, Provinz, eine Schülerin und ihr schwieriger Mentor.
  • Ich bin – wie schon bei „Princess Jellyfish“ – unsicher, ob die Balance zwischen Humor und Gefühl stimmt: Die Figuren wirken eher albern, die stilleren Momente zu sentimental. Trotzdem: Neugier.
  • Update, 2017: komplett gelesen. Der erste Band startet recht holprig… doch ich werde diese Figuren NIE vergessen. Eine wunderbare, differenzierte Künstlerinnen-Autobiografie.

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26: „Mermaid Saga“ von Rumiko Takahashi

mermaid saga

„Eating the flesh of a mermaid can give one eternal life. Yuuta, a poor fisherman, didn’t believe the tales. But 500 years later, he is physically no older. He has grown weary of his lonely existence, and seeks the one creature that might be able to restore his mortality — a mermaid. In the first of the linked stories, he meets a new immortal (the first he’s met in his life) — a beautiful 15-year-old named Mana. The two travel together, in search of a cure that may not even exist. The other tales are divided among Yuuta’s reminiscences of his past adventures over the centuries, and their new adventures in their quest for mermaids. Created by Rumiko Takahashi, famous for Ranma ½ and InuYasha, but far darker in tone: the terrible things that happen when humans try and seek immortality.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • „Ranma“ war mir zu kindisch, „InuYasha“ zu pathetisch-folkloristisch; auch Takahashis 80er-Jahre-Frisuren stoßen mich ab. Vielleicht ist „Mermaid Saga“ Märchen- und „Highlander“-Kitsch. Doch die düstere Grundfrage und die Hauptfiguren sind mir erstmal sympathisch.

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27: „Bambino! Secondo“ von Tetsuji Sekiya

bambino secondo

„Shogo Ban is a college student who works as a part-time chef in a small Italian restaurant in his hometown. When his boss sends him to try working in Trattoria Baccanale, a top-class restaurant in Tokyo, Ban is determined to survive the harsh work environment. Bambino! is a 14 volume Seinen cooking manga written and focuses heavily on slice of life drama. It was completed in 2009 and has produced a sequel called Bambino! Secondo – which takes place after the opening of Trattoria Legare (Baccanale’s second store).“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Volume 1, „Bambino“, legte ich weg…
  • …doch in Volume 2, „Bambino Secondo“, sind die Figuren erwachsener und die Zeichnungen besser: ein Koch- und Unternehmer-Manga, der eine kreative Hauptfigur vor interessante Probleme, Herausforderungen stellt.
  • Update, 2017: Ich las die ersten vier Bände, und hatte Spaß. Die Figuren sind übertrieben angespannt und garstig. Aber das Milieu wird sehr detail- und abwechslungsreich erklärt.

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28: „Bartender“ von Araki Joh

bartender

„Ryu Sasakura works at Eden Hall, a small cocktail bar in the Chiba area of Tokyo. He helps troubled customers resolve their often highly emotional problems. If you ever wanted to know the history of drinks, or the chemistry of making an excellent drink-this is a must read.“ [Klappentext, gekürzt]

  • simple Zeichungen, sympathische Figuren, gut recherchiert:
  • ein junger Barkeeper hilft Gästen, neue Hoffnung zu schöpfen.

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29: „Shigurui“ von Takayuki Yamaguchi

shigurui

„Two samurai who once belonged are determined to kill each other. The series contains very little dialogue. Thanks to the stunning artwork, it seems all the more brutal.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Die Figuren wirken oft wie geschnitzt: bizarre Marionetten oder Holzwesen. Alles ist toll gezeichnet, aber operettenhaft, barock – und dadurch unfreiwillig komisch.
  • Mich freut, dass ich mich hier auf einen ganz anderen Stil, fremdes Charakterdesign einlassen muss. Aber dreimal pro Seite denke ich „Künstler? Ist DAS dein Ernst?!“
  • Update, 2017: Ich las Band 1, doch mir ist es zu… eindimensional und fast pornografisch, in seiner Fixierung auf Muskeln, Körper, Blut, Gewalt. Keine Erzählwelt, in der ich länger bleiben will.

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30: „Blade of the Immortal“ von Hiroaki Samura

Blade of the Immortal

„Manji, a ronin warrior of feudal Japan, has been cursed with immortality. To rid himself of this curse and end his life of misery, he must slay one thousand evil men! His quest begins when a young girl seeks his help in taking revenge on her parents‘ killers.“

  • skizzenhaft, minimalistisch, hastige Striche:
  • ein dynamischer, aber etwas simpler Historien-Fantasy-Manga. Ich habe Angst, dass das Genre ähnlich verstaubt und altmännerhaft ist wie bei uns der Western.

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31: „Vagabond“ von Takehiko Inoue

vagabond

„Shinmen Takezo is destined to become the legendary sword-saint, Miyamoto Musashi–perhaps the most renowned samurai of all time. For now, Takezo is a cold-hearted killer. The journey of a wild young brute who strives to reach enlightenment by way of the sword.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • noch skizzenhafter, noch schroffer als „Blade of the Immortal“:
  • Ein Samurai-Klassiker mit viel Dreck, Hunger, Armut, Bauern.
  • prosaisch erzählt, vielleicht zu nüchtern

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32: „Berserk“ von Kentaro Miura

Kentaro Miura, Berserk

Guts is the Black Swordsman, a feared warrior and bearer of a gigantic sword. His flesh is marked with The Brand, an unholy symbol that draws the forces of darkness to him and dooms him as their sacrifice. But Guts won’t take his fate lying down. Accompanied by Puck the Elf, more an annoyance than a companion, Guts follows a dark path.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Der Plot klingt unglaublich abgeschmackt, die menschlichen Figuren machen mich wütend: engelsgleiche, pausbäckige Kitsch-Kinder, bierbäuchige Könige, schrankgroße Ritter. Klischees, Klischees.
  • Aber: Die Gebäude, Schlachten, Kathedralen, Monster, Landschaften sind SO originell, detailverliebt entworfen und SO wirkungsvoll inszeniert… auf jeder dritten Seite bin ich hingerissen (vor allem in späteren Bänden).
  • Wird diese Geschichte nur halb so kunstvoll erzählt wie gezeichnet: ein Muss.

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33: „Scary Lessons“ von Emi Ishakawa

Scary Lessons

Schulmädchen machen Fehler – und müssen dafür bezahlen: „Scary Lessons“ ist eine Kurzgeschichten-Reihe für ca. Zwölfjährige, in der Alltagsprobleme plötzlich ins Surreale kippen. Horror-Episoden, jugendfrei und etwas pädagogisch, überraschend packend, charmant und altersgerecht – auch in Deutschland erfolgreich. [Text von mir]

  • mich freut an der Reihe besonders, dass sie im harmlosen, konventionellen Shojo-Mädchenmanga-Stil gezeichnet ist: ein vermeintlicher Allerweltscomic – bei dem auf jeder Seite fast ALLES eskalieren kann. Oft etwas albern. Aber zu empfehlen für jeden, der dunkle Märchen mag… und noch zu jung ist für Stephen King.

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34: „Welcome to the N.H.K.“ von Tatsuhiko Takimoto

welcome to the NHK

„Twenty-two-year-old Satou, a college dropout, has stumbled upon an incredible conspiracy created by the Japanese Broadcasting Company, N.H.K. But despite fighting the good fight, Satou has become an unemployed hikikomori—a shut-in who has withdrawn from the world. One day, he meets Misaki, a mysterious young girl who invites him to join her special “project.” Slowly, Satou comes out of his reclusive shell, and his hilarious journey begins, filled with mistaken identity, Lolita complexes—and an ultimate quest to create the greatest hentai game ever!“ [Klappentext, gekürzt.]

  • unsympathisch simple Zeichnungen…
  • …doch sympathisch komplizierte, widerborstige Figuren:
  • Eine Geschichte über jugendliche Verlierer, die glauben, einer Verschwörung auf der Spur zu sein. Ich hoffe, die Frauenfiguren sind genauso komplex wie die (sexistischen) Jungs.

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35: „Team Medical Dragon“ von Taro Nogizaka

team medical dragon

„Asada Ryutaro is a genius surgeon who’s methods have made him a bit of a renegade in the eyes of Japanese doctors. The manga exposes the „illness“ of Japanese hospitals and how their system is not designed to care for the patient.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • dialoglastige und etwas steife, aber überraschend erwachsene Chirurgen-Soap:
  • Das wirkt gut recherchiert, die Figuren glaubwürdig und mit viel Respekt beleuchtet…
  • …nur zeichnerisch sieht alles viel zu gleich aus, über Hunderte Seiten hinweg.

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36: „Ice Blade“, Tsutomu Takahashi

ice blade

„Icy cool homicide cop Ky against the Kunashi Island Smuggling Operation: A modern-day James Bond, Ky constantly encounters mystery and adventure. Each story contains a murder, a mystery and suspicious characters. In this first story, Ky and his partner Mack work against a deadline to prevent the detonation of a nuclear device.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • trashige, aber elegant stilisierte 90er-Jahre-Thriller-Episoden:
  • Ernst nehmen kann (…und soll) ich das nicht. Markig, over-the-top, prollig-schick. Japans Manga-Äquivalent der Til-Schweiger-„Tatorte“?

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37: „Cyborg 009“ von Shotaro Ishinomori

cyborg 009

„The Black Ghost organization kidnapped nine ordinary humans and performed experiments on them, turning them into superpowered cyborgs. After they escaped, they were given codenames (001-009) and now fight the Black Ghost organization. […] Through 2012 to 2014, a finale titled „Conclusion: God’s War“ was published, adapted from Ishinomori’s drafts of a final arc. It was written by his son, Jo Onodera, and illustrated by Masato Hayase and Sugar Sato, who were assistants of Ishinomori. This officially ended the Cyborg 009 manga.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt.]

  • simpler, aber liebenswerter Manga (1964 bis 86)…
  • …an dem mich vor allem diese letzten Bände/Kapitel von 2012 bis 14 interessieren.

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38: „Golgo 13“ von Takao Sato

golgo 13

„Golgo 13, the world’s greatest assassin for hire, never fails a job.“

  • nihilistischer, überraschend trash-freier Auftragsmörder- und Agenten-Thriller ab 1969…
  • …mit viel Politik und Zeitgeist: besonders die aktuelleren Bände machen mir Lust.

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39: „Sanctuary“ von Sho Fumimura

Sanctuary

„A political and Yakuza drama/thriller for grown-ups, originally published from 1990 to 1995. Akira Hojo is a charming and ruthless thirty-something leader of a small Yakuza society. Chiaki Asami is the trusted advisor of a member of the Japanese Diet who takes advantage of opportunity to steal his superior’s seat and use it to launch a campaign to reform Japanese politics. Little do most know that Asami’s opportunity was arranged by Hojo.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Will super-seriös, tiefgründig, politisch und erwachsen wirken…
  • …doch bringt mich eher zum Augenrollen/Lachen. Gangster- und Politiker-Klischees, unterhaltsam, aber sehr selbstverliebt.

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40: „Tokyo Tribes“ von Santa Inoue

Tokyo Tribe

„A bitter rivalry between two of Tokyo’s gangs explodes into all-out warfare. A hard-hitting tale of Tokyo street thugs battling it out in the concrete sprawl of Japan’s capital.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • 1993 war ich 10, und las Videospiel-Magazine:
  • Ich bin begeistert/gerührt, diese (etwas kindliche, idealistisch-futuristische) Atmosphäre in einem Manga über traurige junge Kleingangster und Hiphopper zu finden.
  • Fantasievoll, schlicht, urban: eine Jungs-Geschichte, deren Optik mich überrascht und fesselt.

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41: „Planetes“, Makoto Yukimura

Planetes

„Haunted by a space flight accident that claimed his wife, Yuri finds a job cleaning space debris from Earth’s orbit. Planetes follows the lives of Yuri and his fellow debris-men as they work and ruminate at the edge of the great empyrean sea.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ich las Band 1 und mochte in den ersten Kapiteln die charmanten Figuren, den leichten Tonfall und die „Gravity“-Atmosphäre: Astronauten-Alltag mit viel Sense of Wonder und Auge für Details.
  • Trotzdem wirkt die Erzählwelt auf mich zu simpel und vage (z.B. die Besiedlung des Mondes und die Terrorzellen dort): Auch „Vinland Saga“, der Wikinger-Manga vom selben Autor, hat große Fans. Doch beide Reihen wirken auf mich, als wären sie für Zwölfjährige erdacht, nicht für Erwachsene:
  • In den entscheidenden Momenten zu seicht, harmlos, glatt?

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42: „Dawn of the Arcana“ von Rei Toma

dawn of the arcana

„A medieval fantasy. A princess with a mysterious power. Princess Nakaba of Senan is forced to marry Prince Caesar of the enemy country Belquat. With only her attendant Loki at her side, Nakaba must find a way to cope with her hostile surroundings, her fake marriage…and a mysterious power!“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ein Mädchen-Manga, recht lieblos gezeichnet…
  • …aber mit einer interessanten Hauptfigur in einer komplexen Lage:
  • Vielleicht eine Empfehlung für Leser*innen der (durchwachsenen) „Selection“-Romane. Diplomatie, Selbstbehauptung, Überlebenskampf in bodenlangen Kleidern.

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43: „UQ Holder“ von Ken Akamatsu

UQ Holder

„Negi Springfield, the boy wizard of the hit manga Negima!, won many battles. Now [in 2080], Negi’s grandson, a little boy name Touta, dreams of leaving his quiet village and heading to the City. But first he must defeat his teacher: the immortal vampire Evangeline!“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ein Shonen-Fantasy-Mainstream-Manga mit Magie und vielen Kämpfen, aber sehr soliden Figuren, viel World Building und Liebe zum Detail:
  • Sobald ich Lust habe, mich mal wieder länger in einer komplizierten Fantasy-Welt für Kinder zu verlieren, ist das hier meine erste Wahl. Autor Ken Akamatsu ist 2016 auch Ehrengast der Leipziger Manga-Comic-Convention.
  • [Fragt sich noch: Kann ich das lesen/verstehen, ohne, vorher „Negima!“ zu kennen?]

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44: „Onepunch-Man“ von Yusuke Murata

onepunch-man

„Saitama is an unemployed salaryman turned part-time superhero who is so powerful he can defeat any adversary in one hit. He’s not very pleased about this, since it means he has no more challenges left in his life. But despite this, Saitama continues to follow his (now utterly mundane) dream, encountering Mutants, Cyborgs, Ninjas, Humanoid Aliens, Supernatural Martial Arts masters, Psychics, corrupt Super Teams, Kaiju, Sea Monsters and just about everything else you can imagine along the way.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Originell, albern, fantasievoll: der größte Erfolg der letzten Jahre…
  • die Anime-Serie noch deutlich mehr als Webcomic und Manga.
  • Ich mag die Grund-Idee, aber bin auf lange Sicht skeptisch: „Dragonball“ begann als sympathisch respektlose Parodie… und wurde schnell zu einer faden endlos-Prügelei. Auch bei „One Punch Man“ sehe ich in späteren Kapitel nur noch Muskel-Mutanten, die Städte verdampfen lassen und Beleidigungen brüllen. Hat das Geist und Herz? Ich bin nicht sicher.

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45: „Mokke“ von Takatoshi Kumakura

mokke

„High-school student Shizuru can see ghosts, her little sister Mizuki can be haunted by them. They were placed with their grandparents in the countryside of Japan, since their grandfather knows all about the spiritual beings. The spirits that the two girls encounter are generally based on Japanese folk tales and usually not malignant, although often very obnoxious and persistent.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Kinder- und Alltags-Episoden im „Totoro“-Stil: Coming of Age, aber etwas hölzern und verplappert. Ich weiß nicht, ob das genug Schwung aufnimmt… oder harmlos dahin dümpelt.

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46: „Song of the Long March“ von Xia Da [China]

Song of the Long March

Choukakou (also known as Chang Ge Xing, Chang Ge’s Journey or Song of the Long March) is an ongoing manhua series by Xia Da. It tells the story of Li Chang Ge, a young Chinese princess plotting revenge against the man who killed her family: Li Shimin, Emperor Taizong of Tang.“ [TV-Tropes-Text]

  • Toll gezeichnete, aber recht konventionell erzählte chinesische Historien-Action-Reihe. Bei chinesischen Titeln denke ich noch immer zuerst: „Schnell zu Wikipedia. Nachlesen, ob die historischen Bezüge stimmen. Propaganda? Geschichtsklitterung?“

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47: „Tsukikage Baby“ von Yuki Kodama

Tsukikage Baby

„A small provincial town wants to preserve a traditional performance art called Owara. Hotaruko, a transfer student from Tokyo, forms a bond with a local girl, Hikaru.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Ich liebte Kodamas „Sakamichi no Apollon“
  • …doch das hier beginnt sehr steif und trocken: müdes Mädchen strauchelt durch Volkstänze, nervöser Junge starrt sie dabei an.

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48: „Princess Jellyfish“ von Akiko Higashimura

princess jellyfish

„Tsukimi, an extremely shy and self-deprecating 18 year old illustrator, has been fascinated by jellyfish. To her, they’re everything she isn’t – beautiful and graceful. Then, she meets a fashionable girl…“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Eine feministische, aber etwas schrille und dick aufgetragene Comedy über ein hässliches Entlein, das in der Modebranche für Aufsehen sorgt.
  • Ich liebte „Ugly Betty“, die US-Version von „Y soy Betty La Fea“/“Verliebt in Berlin“…
  • …aber am Jellyfish-Manga stößt mich der viele Gonk (die Grimassen) ab.

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49: „Innocent“ von Shinichi Sakamoto

innocent

„During the last days of the french monarchy, the Sanson family, appointed as the royal executioners by the king, are struggling with the reluctance of the eldest son, Charles-Henri Sanson, to succeed his father. Over time, the series also begins to focus on his sister, the cold, morbid and rebellious Marie Joseph as she struggles to navigate the patriarchal society of the time to become an executioner herself, and her eventual entanglement with Marie Antoinette.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Stilisiert, morbide, oft im Stil von Modezeichnungen und (Emo-)Album-Covern:
  • Auf den ersten Blick erscheint „Innocent“ toll eigenwillig… doch schnell denke ich: „DAS ist das Maximum an Eigenwilligkeit? Brustwarzen, schwarze Kerzen, gepuderte Perücken, ‚Interview mit einem Vampir‘-Kitsch?“

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50: „Monster“ von Naoki Urasawa

monster urasawa

„In 1986, Japanese neurosurgeon Kenzo Tenma was living in Germany. But one day, the guilt of primarily attending to the wealthy patients and leaving poorer people in need of his skills drives him to first operate on a child who was hurt in the murder of his adoptive parents rather than the mayor of Dusseldorf. As a result, the child lives, the mayor dies in the hands of less talented surgeons, and Tenma is demoted by his superiors and dumped by his fiancee. Suddenly, the hospital directors that demoted Tenma die in very mysterious circumstances. The killer is the same boy he operated on nine years ago, now a young adult.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • extrem einfluss- und erfolgreicher Krimi-/Thriller-Manga, der mir immer ein Stück zu grau, leblos, möchtegern-tiefgründig erschien…
  • …doch Urasawas „Billy Bat“ ist SO gut, dass auch das melancholische „Monster“ noch einen Blick verdient.

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…und sieben ganz neue Reihen:

„Oldman“ von Chang Sheng [Taiwan]

Oldman

„A trickster oldman, a female warrior with an artificial limb, a mad scientist and a girl who is amazing at archery fight an evil queen and her kingdom.“ [Fan-Text von hier, gekürzt]

  • Ich mag das naturalistische Setting: kein Fantasy-Königreich, sondern grauer Alltag an einem recht glanzlosen, beklemmenden Königshof.

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„Usemo No Yado“ von Hozumi

usemo no yado

„There is an inn that you can visit where you’ll find old things you thought were lost forever.“

  • Kurzgeschichten im Stil von „Fantasy Island“: wechselnde Figuren finden Glück, Mut, Hoffnung in der Land-Idylle.

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„Legend of Galactic Heroes“ von Fujisaki Ryuu

Legend of the galactic Heroes

„A 110-episode Space Opera originally released to home video plus a huge series of novels written by Yoshiki Tanaka that spawned the franchise: In the 36th century, humanity has split into two superpowers engaged in a decades-long war. Young noble Reinhard von Müsel fights for the Galactic Empire, whose government is based on 19th century Prussia. Yang Wen-li, an easygoing historian, fights for the opposing Free Planets Alliance: a government which resembles a crumbling, bloated 20th century democracy. In 2015 a new manga adaptation of the novels started in Weekly Young Jump[TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • liebevolles Setting, liebevolles Figurendesign und eine riesige Erzählwelt: vieles wirkt bekannt oder abgedroschen – aber handwerklich ist dieser Reboot auf hohem Niveau.

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„Ayeshah’s Secret“ von Zhang Jin (Taiwan)

Ayeshahs Secret

„A young girl whose mother died giving birth to her. A wicked stepmother and three brothers with whom she shares no blood ties. Secrets woven with betrayal, terror, deceit, love, death and vengeance…“

  • trashige, vielleicht auch misogyne Vampir- und Gequälte-Jungfrauen-Geschichte – interessant inszeniert: Wird hier mit Models gearbeitet? Oder nur mit CGI-Sets und -Figuren? Ich kenne nichts Vergleichbares, optisch.

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„Akagi Familia“ von Tatsuya Nakanishi

Akagi Familia

„Set in a town ruled by the Oscar Family mafia, a girl named Lisa arrives looking for a man named Akagi Yuuichirou. It turns out Akagi is a local laundryman who is horrible at his job.“

  • „Leon, der Profi“ trifft „One Piece“?
  • Ein Waisenmädchen und ein etwas trotteliger Wäscher in einer 30er-Jahre-Metropole:
  • Akagi ist ein Auftragskiller im Ruhestand, und Lisa will sich von ihm ausbilden lassen.
  • Standard-Shonen-Action-Märchen, recht sentimental – aber ich mag, dass die Hauptfigur ein Mädchen ist, kein Junge.

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„Gunjou ni Siren“ von Mikan Momokuri

gounji no siren

„Two cousins, both left-handed and passionate about becoming their school’s best pitcher.“

  • Baseball-Drama, das mehr Zeit im Kopf der angespannten Hauptfigur verbringt als auf dem Platz: Ich lese kaum Sport-Manga… aber hoffe hier auf interessante Freund- und Feindschaften.
  • [eine andere Sport-Manga-Empfehlung: das Kletter-Drama „Gaku“)

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„Good Night World“ Okabe Uru

good night world

„A broken family, trying to save a virtual family in an online game.“

  • ein Steampunk-Fantasy-Welt als Virtual-Reality-Spiel…
  • …und eine Familie in Trauer, die als Heldenfiguren im Spiel viel besser zurecht kommt als in der Realität: ein doppelbödiger Action-Manga mit vielen Kämpfen, aber Raum für Gefühl.

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Serien:

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Filme:

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deutsche Mangaka:

Ich mag den satirischen Kurz-Manga „Generation Praktikum“ von Kristina Gehrmann, http://sumikai.com/online-manga/generation-praktikum-kristina-gehrmann-119642/3/

…und bin neugierig auf „Das Liberi-Projekt“ der deutschen Zeichnerin Tamasaburo.

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in Korea: Manhua-Empfehlungen, Nickstember.com

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Mangas Deutschlandradio Kultur

Die besten Jugendbücher 2016: Entdeckungen / Vorauswahl zur Leipziger Buchmesse

Jugendbücher 2016, Stefan Mesch (2)

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Einmal pro Monat stelle ich ca. 20 unbekannte oder neue Bücher vor.

heute: aktuelle Jugendbücher und Young-Adult-Literatur, neu auf Deutsch.

Neue Titel oder Neuausgaben, erschienen zwischen Frühling 2016 und Frühling 2017…

…angelesen, gemocht und vorgemerkt.

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jugendbücher 2016 - Stefan Mesch

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Ich schreibe einen Roman über Sechzehnjährige. Ich lese seit ca. 2009 Young-Adult-Literatur, empfehle Titel bei ZEIT Online und veröffentliche immer wieder auch längere Texte über z.B.“Mockingjay” (Link) oder neue Dystopien (Link). Meine Lieblings-Jugendbuchautorin ist A.S. King (Link).

10 große Favoriten / Empfehlungen:

The Member of the Wedding   To Kill a Mockingbird  Quien ama a Gilbert Grape  The Only Alien on the Planet  Vielleicht Lieber Morgen

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The Usual Rules  The Hunger Games (The Hunger Games, #1)  Please Ignore Vera Dietz  Two Boys Kissing  Imperfect Spiral

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“Willkommen im Leben” gehört zu meinen Lieblingsserien. “One Tree Hill” ist ein Guilty Pleasure.

2014 habe ich bei Beltz & Gelberg veröffentlicht, in “Das ist genau mein Ding!”.

Jetzt: 20 aktuelle Bücher, in meiner “bald lesen!”-Vorauswahl: Leseprobe gelesen – aber noch nicht gekauft.

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01: Tanya Lieske, „Sommernachtstraum“

  • leichte, aber sprachlich recht komplexe Verwechslungskomödie
  • 336 Seiten, Fischer KJB, Februar 2016
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Shakespeares ›Sommernachtstraum‹ als Schultheaterprojekt! Ben und seine Schüler stürzen sich in die Proben. Hermia liebt Lysander, Helena will Demetrius, Oberon straft Titania, und die Feenkönigin liebt plötzlich einen Esel. Während den Proben geraten auch die Liebesgeschicke der Theatergruppe durcheinander: Struppi liebt Mireille, Mary Jane will Ben, Bens Freundin trifft sich heimlich mit Mireilles Vater.“ [Klappentext, gekürzt]

Sommernachtstraum

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02: Kenneth Oppel, „Das Nest“

  • Kinder-Fantasy im Stil von Neil Gaimans „Coraline“.
  • Illustrator John Klassen hat viele Fans – aber langweilt mich meist.
  • 217 Seiten, Dressler (Oetinger), Januar 2016
  • deutsch von Jessika Kornina-Scholz, illustriert von John Klassen. Goodreads: 3.82 von 5

„Steve durchlebt eine schwere Zeit: sein neugeborener Bruder kämpft um sein Leben. Als sich eines Nachts die Wespenkönigin in Steves Träume einschleicht und ihm anbietet, das Baby zu ‚reparieren‘, scheinen seine Wünsche erhört zu werden. Doch die Dinge nehmen eine finstere Wendung, als Steve erkennt, was wirklich mit dem Kleinen geschehen soll.“ [Klappentext, gekürzt]

The Nest

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03: Jason Reynolds, „Coole Nummer“

  • New-York-Roman, mitreißend, psychologisch, sympathisch.
  • 260 Seiten, Reihe Hanser bei dtv, August 2015
  • deutsch von Klaus Fritz, Goodreads: 3.95 von 5

„Brooklyn: Ali hat sich fast sechzehn Jahre lang von allem Ärger fern gehalten. Dann ergibt sich die Gelegenheit, mit den großen Jungs zu spielen.“ [Klappentext, gekürzt]

When I Was the Greatest

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04: Susin Nielsen, „Die hohe Kunst, unterm Radar zu bleiben“

  • gewollt schrulliges Jugendbuch – vielleicht zu drollig…
  • …aber auf den ersten Seiten scheint mit der exzentrische Ich-Erzähler plausibel und sympathisch!
  • 256 Seiten, cbt, Februar 2016
  • deutsch von Claudia Max, Goodreads: 4.18 von 5

„Henry ist 13. Seine Devise: bloß nicht auffallen. Denn wehe, es kommt raus, was sein Bruder getan hat. Weil Henry, seit ES passiert ist, nur noch Robotersprache spricht, hockt er viel beim Seelendoc. Als er Alberta trifft, die zwar auch nicht normal, aber ziemlich toll ist, fragt er sich, ob da mehr daraus werden könnte. Und ob das bedeutet, dass es für ihn tatsächlich ein Leben DANACH gibt.“ [Klappentext, gekürzt]

The Reluctant Journal of Henry K. Larsen

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05: Karin Bruder, „Panama“

  • ruhiger, vielleicht auch klassisch-literarischer als viele aktuelle Young-Adult-Novels.
  • 337 Seiten, Reihe Hanser bei dtv, Oktober 2015
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Ihr Großvater schickt Liana nach dem Abitur nach Panama City. Sie soll den Sohn ihres verstorbenen Bruders abholen, der seit Jahren als verschollen galt. Doch vor Ort ist alles komplizierter als gedacht. Als sie Ruud kennenlernt, hat sie es nicht mehr eilig, in ihr altes Leben zurückzukehren.“ [Klappentext, gekürzt]

Panama: Roman (Reihe Hanser)

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06: Karin Kaci, „Homevideo“

  • Typische Schullektüre. Ich mag Tempo, Härte und Geschwindigkeit: kurz und rasant.
  • 176 Seiten, Carlsen, Januar 2016
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Das Buch zum TV-Film »Homevideo« (Grimme-Preis 2012): Jakobs Kamera ist wie ein Tagebuch. Der 15-Jährige filmt, was ihn bewegt. Doch dann gerät ein selbstgedrehtes, intimes Video durch Zufall in die Hände von Mitschülern, die es ins Internet stellen. Jakob wird ausgelacht, angemacht, gemobbt. Seine Freundin Hannah zieht sich zurück. Lehrer und Eltern wissen kaum, wie sie mit der Sache umgehen sollen. Keiner kann helfen, keiner kann die Hassbotschaften stoppen. Es bleibt nur ein Ausweg…“ [Klappentext, gekürzt]

Homevideo

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07: Bonnie-Sue Hitchock, „Der Geruch von Häusern anderer Leute“

  • kitschige Prämisse – aber literarisch/stilistisch überzeugt mich die Autorin.
  • 320 Seiten, Königskinder (Carlsen), März 2016
  • deutsch von Sonja Finck, Goodreads: 4.19 von 5

„Unweit des nördlichen Polarkreises, wo der Alltag manchmal unerbittlich ist, kreuzen sich ihre Lebenswege immer wieder: Alyce weiß nicht, wie sie Fischen und Tanzen in Einklang bringen soll. Ruth hat ein Geheimnis, das sie nicht mehr lange verbergen kann. Dora will ihren Vater nie wieder sehen und wird von Dumplings Familie aufgenommen. Hank und seine Brüder hauen von zu Hause ab, doch einer von ihnen gerät in große Gefahr. Und trifft auf Alyce…“ [Klappentext, gekürzt]

The Smell of Other People's Houses

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08: Gudrun Pausewang, „Der einhändige Briefträger“

  • noch mit 90 schreibt Pausewang Jugendbücher: erwachsener Ton, gut recherchiert.
  • 192 Seiten, Ravensburger, April 2015
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„September 1944: Der Krieg ist längst Alltag. Außer Johann, 17, leben im ostböhmischen Wolfentann fast nur noch Frauen, Greise und Kinder. Johann arbeitet als Briefträger, seit er an der Front seine linke Hand verlor. Er ist beliebt, denn er bringt den Dorfbewohnern Nachrichten von den fernen Vätern, Söhnen, Brüdern und kennt ihre Schicksale und Geschichten. Doch seine Freundschaft zur verwirrten alten Försterswitwe wird Johann bei Kriegsende zum Verhängnis…“ [Klappentext, gekürzt]

Der einhändige Briefträger

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09: Klaus Kordon, „Krokodil im Nacken“

  • sehr beliebter Autor von Jugendbüchern über die deutsche Geschichte: Kordons autobiografischer Gefängnisroman wirkt auf mich dringlich, nah, persönlich. Nur der Umfang macht mir Angst: 800 Seiten Fliesen, Betonboden, Selbstmitleid?
  • 800 Seiten, Beltz und Gelberg, November 2015 [Neuauflage. Buch von 2002.]
  • Goodreads: 4.04 von 5

„Die Lebensgeschichte von Manfred Lenz, der nach einem missglückten Fluchtversuch aus der DDR ein Jahr in Stasi-Gefängnissen verbringt. Seine Frau Hannah ist ebenfalls inhaftiert, die Kinder Silke und Michael wurden im Heim untergebracht. In seiner Isolation lässt Manfred Lenz sein Leben Revue passieren: Die Kneipe am Prenzlauer Berg, in der er nach dem Krieg aufgewachsen ist, der Einmarsch der sowjetischen Truppen auf dem Potsdamer Platz, der Tod der Mutter, das Kinderheim, das Jugendwohnheim – und dann die nur ein paar hundert Meter entfernte Grenze nach Westberlin. Der große Roman erzählt mit bestechender Authentizität deutsch-deutsche Zeitgeschichte.“ [Klappentext, gekürzt]

Krokodil im Nacken

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10: Tromly, „Digby“

  • charmante Detektiv-Komödie, erster Band einer Reihe
  • 368 Seiten, Oetinger, Februar 2016
  • deutsch von Sylke Hachmeister, Goodreads: 3.92 von 5

„Beschossen. Inhaftiert. Gekidnappt. Ein ganz normaler Tag mit Digby. Das war Zoe schnell klar. Denn Digby will den Fall seiner kleinen Schwester, die vor acht Jahren entführt wurde, aufklären. Spannende Unterhaltung auf höchstem Niveau, mit einer Prise schrägem Humor und einem besonders lässigem Dedektiv.“ [Klappentext, gekürzt]

Digby (Digby, #1)

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11: Robert Clement, „70 Meilen zum Paradies“

  • Vielleicht wissen wir 2016 so viel über Schleuser, Lampedusa und die Flucht aus Nordafrika, dass das Buch langweilt? Aber: Stil, Ton, Figuren sprechen mich an.
  • Taschenbuch: 176 Seiten, Verlag Jungbrunnen, März 2015. Zuvor 2006 im Sessler Verlag.
  • Goodreads: 3.80 von 5

„Siad, ein junger Krankenpfleger aus Somalia, und seine Tochter Shara warten in Tunesien gemeinsam mit anderen Flüchtlingen aus Afrika, bis Schlepper sie nach Europa bringen. Ihr Ziel ist Lampedusa, das Tor zu einer Zukunft, von der sie sich Sicherheit und Wohlstand erhoffen. Mit 55 anderen Flüchtlingen drängen sie sich in einem kleinen, altersschwachen Kutter. Die Reise wird zum Albtraum. Im Flüchtlingslager müssen sie unter menschenunwürdigen Bedingungen warten, bis entschieden ist, ob sie einreisen dürfen oder zurückgeschickt werden. Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis, Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien.“ [Klappentext, gekürzt]

70 Meilen zum Paradies

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12: Elke Reichard, „Deutschland, gefühlte Heimat. Hier zuhause und trotzdem fremd“

  • Gestaltung wie aus den frühen 90ern, Klappentext wie aus den 70ern, wirkt wenig selbstbewusst oder empowernd. Aber: Das Buch versammelt interessante Protokolle/Portraits – und ist weniger muffig als sein Cover.
  • 176 Seiten, Reihe Hanser bei dtv, August 2015
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat inzwischen einen sogenannten Migrationshintergrund. Die Autorin ging auf die Reise durch das Einwanderungsland Deutschland.“ [Klappentext, gekürzt]

DEUTSCHLAND, GEFÜHLTE HEIMAT

ähnlich: „Neu in der Fremde. Von Menschen, die ihre Heimat verlassen.“ [März 2016, Beltz & Gelberg]

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13: Arne Svingen, „Die Ballade von der gebrochenen Nase“

  • Tragikomischer Zwischendurch-Roman für Elf-, Zwölf-, Dreizehnjährige. Mir sind solche Middle-Grade-Jungs-Bücher, besonders aus Skandinavien, am Ende oft zu süßlich oder simpel. Trotzdem: angelesen und gemocht.
  • 192 Seiten, Luebbe, Oktober 2015
  • deutsch von Gabriele Haefs, Goodreads: 3.96 von 5

„Bart geht Ärger am liebsten aus dem Weg. Seine Mutter schickt ihm zum Boxunterricht, dabei gehört seine Leidenschaft der Musik. Er liebt Opern und singt heimlich. Das darf in der Schule niemand erfahren. Doch Ada ist anders als seine Mitschüler und stellt auf den Kopf.“ [Klappentext, gekürzt]

La chanson du nez cassé

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14: Luca Bloom, „Ich, Elias“

  • Simples Konzept, aber souverän erzählt. Ein Jungs-Buch, das hoffentlich nicht in Selbstmord oder der großen Katastrophe endet.
  • 144 Seiten, Beltz & Gelberg, Juli 2015 [Neuauflage: Buch von 2009]
  • Goodreads: 3.44 von 5

»Erwachsene sagen, die Jugend sei die schönste Zeit im Leben. Sie haben wirklich keine Ahnung.« Elias, 15, mitten in der Pubertät, verliebt, entrückt und durcheinander: Die Welt steht still, wenn er Zoe sieht. Doch er macht einen entscheidenden Fehler.“ [Klappentext, gekürzt]
Ich, Elias

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15: Dave Cousins, „15 kopflose Tage“

  • Harte Themen, leichte Sprache: Ich bin gespannt, ob diese Gratwanderung knapp 300 Seiten lang glückt.
  • 288 Seiten, Verlag Freies Geistesleben, Februar 2015
  • deutsch von Anne Brauner, Goodreads: 3.86 von 5

„Laurence Roach wünscht sich ein normales Leben. Doch seine Mutter ist eine depressive Alkoholikerin. Als sie eines Abends nicht mehr nach Hause kommt, erzählt er niemandem davon – aus Angst, er und sein Bruder Jay müssten sonst in Pflegefamilien. Er zieht sich ihre Kleider an und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen.“ [Klappentext, gekürzt]

Fünfzehn kopflose Tage

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16: Kenneth Oppel, „Affenbruder“

  • Der Klappentext klingt vorhersehbar, Bücher über kleine weiße Jungs und ihre liebsten Tiere sind mir oft zu sentimental – aber 440 Seiten bieten Platz für Tiefgang, Psychologie.
  • 439 Seiten, Beltz & Gelberg, Juli 2015
  • deutsch von Gerold Anrich und Martina Instinsky-Anrich, Goodreads: 4.04 von 5

„Ein ungewöhnlicher Tierversuch, der ethische Grenzen überschreitet und eine Familie auf die Probe stellt. Zan ist ein Schimpansen-Baby und soll Zeichensprache lernen. Für Ben wird zum »richtigen« Bruder, den er über alles liebt und zu dem er eine enge Beziehung aufbaut. Als Zan die Erwartungen nicht erfüllt und von der Uni weiterverkauft wird, erlebt fragt Ben sich verzweifelt: Wie weit darf die Wissenschaft Zan für ihre Zwecke einsetzen?“ [Klappentext, gekürzt]

Affenbruder

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17: Andrew Smith, „Auf Umwegen“

  • Smith hat einen sehr, sehr guten Ruf und schreibt Bücher, die auch männliche Teenager sehr ansprechen. Das Pferd, das Meilen-Gerede, die ersten Seiten und der Road-Trip-Plot langweilten mich… aber ich glaube, das ist nochmal einen längeren, genaueren Blick wert:
  • 336 Seiten, Königskinder (Carlsen), Oktober 2015
  • deutsch von Hans-Ulrich Möhring, Goodreads: 3.89 von 5

„Finn berechnet die Zeit in Meilen, nicht in Minuten. Stets am Rande der Katastrophe – als Kind ist ein totes Pferd von einer Brücke auf ihn gefallen – hat er immerhin den besten Freund der Welt: den total irren Cade. Dann lernt er Julia kennen. Als sie wegzieht, macht er sich auf eine Reise, die sie nicht – wie geplant – zum College ihrer Wahl führt. Ein unerwarteter Unfall macht sie zu ebenso unerwarteten Helden.“ [Klappentext, gekürzt]

Auf Umwegen

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18: Leila Sales, „This Song will save your Life“

  • ruhiges, warmherziges Buch über Identität und Freundschaft
  • 320 Seiten, Kosmos, Juni 2015
  • deutsch von Anja Herre, Goodreads: 3.97 von 5

„Niemand teilt Elises Kleidungsstil oder ihren Musikgeschmack. Bei einem ihrer Nachtspaziergänge trifft sie Pippa und Vicky, die sie in den Underground-Musikclub „Start“ mitnehmen – und plötzlich ist Elise unter Menschen, die sie so nehmen, wie sie ist. Außerdem entdeckt sie ihr Talent fürs DJ-ing. Sie wird zur heißesten Newcomerin der Szene und scheint mit einem Mal alles zu haben, was sie sich schon immer gewünscht hat: Freunde, Akzeptanz und vielleicht sogar Liebe. Doch was, wenn das richtige Leben droht, alles wieder zunichte zu machen?“ [Klappentext, gekürzt]

This Song Will Save Your Life

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19: Rob Thomas & Jennifer Graham, „Veronica Mars, Bd. 2: Mörder bleiben nicht zum Frühstück“

  • ich mag die ersten ca. anderthalb Staffeln des Krimi-Serie (2004). Den Kinofilm von 2014 habe ich noch nicht gesehen – doch bevor Rob Thomas die Serie schrieb, war er Young-Adult-Autor, und die beiden neuen „Veronica Mars“-Romane machen auf mich einen sehr soliden Eindruck.
  • 368 Seiten, Loewe, September 2015
  • deutsch von Sandra Knuffinke und Jessika Komina, Goodreads: 4.02 von 5

„Das Neptune Grand war schon immer das eleganteste Hotel am Platz. Reiche und Prominente gehen ein und aus. Doch als eine Frau behauptet, in einem der Zimmer angegriffen worden zu sein, wenden sich die Hotelbesitzer an Veronica. Veronica-Mars-Schöpfer Rob Thomas legt den heiß ersehnten zweiten Thriller um die Kult-Detektivin vor.“ [Klappentext, gekürzt]

Mörder bleiben nicht zum Frühstück (Veronica Mars #2)

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20: Melanie Mühl, „Fünfzehn sein. Was Jugendliche heute wirklich denken“

„Diese Teenager! Gucken pausenlos auf ihr Handy. Anstatt sich mit Freunden zu treffen, tummeln sie sich im Internet. Lieben nur Computerspiele, Kosmetik, sich selbst und den Konsum. Klassische Bildung? Fehlanzeige. Melanie Mühl hat Jugendliche befragt, und sie erzählen ausführlich und erstaunlich offen über Liebe und Intimrasur, Freundschaft und die besten Posen bei Instagram. Wie hart ist es für Teenager, in einer Optimierungsgesellschaft aufzuwachsen? Wovon träumen Jugendliche im 21. Jahrhundert? Fest steht: Von vielen Vorurteilen müssen wir uns verabschieden.“ [Klappentext, gekürzt]

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schon hier im Blog vorgestellt:

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21: Sarah Darer Littman: „Die Welt wär besser ohne dich“

  • NOCH ein Buch über Mobbing/Cyber-Stalking. Hier überzeugt mich der Stil, nicht das verbrauchte Thema.
  • 384 Seiten, Ravensburger, Januar 2016.
  • deutsch von Franziska Jaekel, Goodreads: 4.14 von 5

„Seit Wochen chattet Lara mit Christian. Sie ist total verliebt und möchte ihn endlich treffen. Doch dann postet Christian plötzlich fiese Kommentare auf ihrer Facebook-Pinnwand. Und minütlich schließen sich ihm andere an. Als Lara die Beleidigungen nicht mehr erträgt, trifft sie eine verzweifelte Entscheidung.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Welt wär besser ohne dich

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22: Jenny Valentine, „Durchs Feuer“

  • Zu schrullig? Zu sentimental? Ich bin unsicher: Ich mochte Stil und Figuren – aber erwarte eine Art… Noah-Baumbach-Groteske, übertrieben bittersüß.
  • 260 Seiten, dtv, Februar 2016
  • deutsch von Klaus Fritz, Goodreads: 3.99 von 5

„Iris hat für ihre Eltern nur Verachtung übrig. Mutter Hanna sieht nicht nur aus wie eine Barbiepuppe, sondern ist genauso leblos, und Stiefvater Lowell, der verkrachte Soap-Darsteller, ignoriert sie. Dann tritt Ernest, Iris` leiblicher Vater, in ihr Leben: ein hoch betuchter Kunstsammler. Ernests Tod ist ein Abgang wie ein Paukenschlag und die letzte große Liebeserklärung an seine Tochter Iris.“ [Klappentext, gekürzt]

Durchs Feuer

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23: James Dawson, „How to be Gay. Alles über Coming-Out, Sex, Gender und Liebe“

  • Ratgeber für/über schwule, lesbische, queere, bi- und transsexuelle Jugendliche und sexueller Vielfalt in der Pubertät – in einfacher Sprache, aber: informiert, witzig, mitreißend. 2015 gelesen und sehr gemocht: Ich wollte Dawson für den Queerspiegel/Berliner Tagesspiegel interviewen – aber es scheiterte hieran (Link)
  • 304 Seiten, S. Fischer, Juli 2015
  • deutsch von Volker Oldenburg, Goodreads: 4.05 von 5

„Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal in ein Mädchen verliebt zu sein, wenn man selbst ein Mädchen ist? Und was passiert dann? Wie findet man andere schwule Jungs? Und warum fühlen sich manche Menschen im falschen Körper gefangen? Mit über hundert Originalbeiträgen von lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen Jugendlichen, die ein unendliches Spektrum sexueller Identitäten repräsentieren. Für alle, die immer schon mehr wissen wollten über Homosexualität und Transgender – und für alle, die einfach nur neugierig sind!“ [Klappentext, gekürzt. Das versprochene „unendliche“ Spektrum ist leider Quatsch: Schwule stehen im Vordergrund, der Rest wird oft nur nebenbei erwähnt.]

How to be Gay: Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe

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24: Jim Shepard, “Aron und der König der Kinder”

  • Junge im Warschauer Ghetto (schon wieder)…
  • simples, aber mitreißendes Kinder-/Jugendbuch, USA 2015.
  • 270 Seiten, C.H. Beck, Januar 2016.
  • deutsch von Claudia Wenner. Goodreads: 3.74 von 5

„Aron ist ein kleiner polnisch-jüdischer Junge in einer großen, armen Familie. Leider hat er keine Zeit, ein vernünftiger Erwachsener zu werden. Denn seine Familie zieht nach Warschau, die Deutschen überfallen Polen und die Juden werden ins Ghetto gepfercht. Er freundet sich mit einer Gruppe Jugendlicher an, die für sich und ihre Familien ums Überleben kämpfen, arbeiten, schmuggeln und stehlen und sich immer fragen müssen, wieviel Freundschaft und Liebe sie sich noch leisten können. Als der König der Kinder, der berühmte Arzt und Pädagoge Janusz Korczak, Aron in sein Waisenhaus aufnimmt, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Jungen verändert und beide über sich hinauswachsen lässt.“ [Klappentext, gekürzt]

Aron und der König der Kinder

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25: MONIKA FETH, “Der Libellenflüsterer”

  • das klingt SO bieder und nach “deutsches Jugendbuch”… doch Feth erzählt so plastisch, plausibel, dass ich sobald wie möglich weiterlesen will.
  • 529 Seiten, cbt, August 2015
  • Goodreads: 4.13 von 5

“Merle ist Tierschützerin. Ein Hund, den sie einst vermittelt hatte, starb wenige Wochen später auf grausame Weise. Der neue Besitzer wurde angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nun kreuzen sich ihre Wege erneut und Merle kommt einem weit gefährlicheren Geheimnis auf die Spur…” [Klappentext, gekürzt]

Der Libellenflüsterer

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26: David Levithan, „Two Boys Kissing – Jede Sekunde zählt“

  • eins meiner Lieblingsbücher. größte denkbare Empfehlung!
  • 288 Seiten, S. Fischer, September 2015
  • deutsch von Martina Tichy, Goodreads: 4.10 von 5

„Craig und Harry wollen ein Zeichen für alle schwulen Jungs setzen. Dafür küssen sie sich. 32 Stunden, 12 Minuten und 10 Sekunden. So lange dauert es, um den Weltrekord im Langzeitküssen zu brechen. So lange dauert es, sich über die Gefühle füreinander klarzuwerden, nachdem man sich eigentlich gerade getrennt hat. Geschickt verwebt David Levithan Geschichten [mehrerer Paare, schwuler und transsexueller Figuren] zu einer großen Geschichte über homosexuelle Jugendliche von heute.“

[2013 bei ZEIT Online empfohlen] In US-amerikanische Jugendbüchern tut sich stilistisch oft nicht viel: Stakkatosätze. Präsens. Sekundenrealismus, nah am Ich-Erzähler. Alles klingt gleich. Nichts irritiert. Eine Ausnahme ist David Levithan, der in zehn Jahren fast 20 Bücher über Paare, Selbstverwirklichung und Partnerschaft-als-Selbstverwirklichung schachtelte. Jedes klang anders. Allerdings ist Two Boys Kissing ist der erste Levithan-Roman, der mich überzeugt: Acht schwule Jugendliche auf dem Land, 50 Stunden persönlichste Katastrophen und Triumphe, brillante Perspektivwechsel, Schnitte. 200 Seiten nichts als Sätze, die Leser zum Weinen bringen wollen. Vor Wut. Freude. Begeisterung. Ein hoher Ton.

David Levithan: Two Boys Kissing. A Novel. Knopf Books for Young Readers, New York 2013. 208 Seiten, 11,40 Euro.

Two Boys Kissing  Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt

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Graphic Novel-Reihe: „Ms. Marvel“

Ms. Marvel (USA)

Autorin: G. Willow Wilson, Zeichner: Adrian Alphona
Marvel Comics, seit Februar 2014. Deutsch bei Panini.
19+ Hefte und einige Gastauftritte / drei Sammelbände, wird fortgesetzt.

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Den ersten Band „Ms. Marvel“ würde ich am liebsten jedem Menschen von 10 bis 15 schenken – oder… bis 45. Ein All-Ages-Comic, charmant, atmosphärisch, optimistisch und rasant wie „Harry Potter“.

Band 2 hatte hanebüchene Konflikte und viel (leeres, dummes) Gerede über die angeblichen Besonderheiten der Generation Y. Und mit Band 3 tauchen immer kompliziertere Marvel-Crossover und -Bezüge auf. Auch der Zeichner wechselt ärgerlich oft: Vielleicht verheddert sich die Reihe gerade.

Vorerst aber: Unbedingt lesen! Kamala Khan, Teenager, Online-Nerd und Muslima, lebt in New Jersey. Ihre Eltern sind aus Pakistan eingewandert und haben Angst, dass sie verwestlicht. Als sie bemerkt, dass sie ihren Körper verformen, schrumpfen, verwandeln kann, hilft sie in Schule und Nachbarschaft. Ein humorvoller Comic, bunter und kindlicher als viele andere Marvel-Titel – geschrieben von einer muslimischen Autorin.

Ein zeitgemäßer, sympathischer Bestseller – aber manchmal zu drollig, harmlos.

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und:

Morton Rhues „No place, no home“ klingt vielversprechend – doch ich fand keine Leseprobe.

Goodreads: 3.86 von 5

„Nie im Leben hätte Dan damit gerechnet, dass auch er und seine Eltern einmal hier landen würden: in Dignityville. Dignityville ist eine Zeltstadt, ein Zufluchtsort für Leute, die erst ihre Arbeit, dann ihr Haus verloren haben. Ein Ort für Verlierer, die sich nicht genug angestrengt haben, dachte Dan. Doch dann lernt er Menschen kennen, die ohne Schuld ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft verloren haben – nicht jedoch ihren Stolz und den Willen, ihn sich zurückzuerobern.“

No place, no home

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ein aktueller US-Titel, angelesen und gemocht: Monica Tesler, „Bounders“

Bounders

Literaturtipps, Empfehlungen: eine Liste… aus Listen

buchtipps, literaturtipps, empfehlungen stefan mesch

Seit 2011…

  • stelle ich jeden Monat Empfehlungs- und „bald lesen!“-Listen zusammen.
  • suche und sortiere ich Neuerscheinungen.

Hier sind all meine Link- und Empfehlungslisten bis Januar 2016, sortiert und verlinkt.

Eine Liste – aus Buch-Empfehlungslisten!

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verschenkt 2011 | verschenkt 2012 | verschenkt 2013verschenkt 2014

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buchtipps

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In monatlichen „Underdog Literature“-Listen bloggte ich je 15/20 wenig bekannte Titel, die ich beim Stöbern im Netz entdeckt habe. Alle Ausgaben von „Underdog Literature“:

Juni 2011Juli 2011August 2011 | September 2011Oktober 2011 | November 2011Dezember 2011Januar 2012 | Februar 2012März 2012April 2012 | Mai 2012 | Juni 2012 | August 2012Oktober 2012 | September 2012 | November 2012Dezember 2012 | Januar 2013Februar 2013März 2013April 2013Mai 2013 | Juni 2013 | August 2013 | Oktober 2013Januar 2014

deutsche Bücher (2012) | deutsche Bücher (2013)Bücher aus den 80ern (2014) | Bücher 1914 bis 1918 | Krimis (2013)

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Songs 2014 | Songs 2013 | Songs 2012Songs 2011 | Songs 2010
Songs 2001Songs 2000 | Songs 1999 | Songs 1998Songs 1997

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Ich gebe oft und gern persönliche Buchtipps für Zeitungen und Verlagsblogs sowie auf Facebook und Twitter, für Büchertische in Läden/Buchhandlungen und berate bei Verlags- und Editionsprojekten.

Kulturjournalismus und Arbeiten fürs Feuilleton: hier.

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Stefan Mesch Achim Reibach.jpg

neue TV-Serien für 2016: Favoriten & Vorauswahl

neue Serien 2013 bis 2015

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Serien, die ich liebe? „Six Feet Under“, „Willkommen im Leben“, „Mad Men“, „Neon Genesis Evangelion“, „Wild Palms“

Serien, die ich mochte? „Girls“, „Ugly Betty“, „One Tree Hill“, Lars von Triers „Geister“, „Tell me you love me“, „Buffy“, „Veronica Mars“, „Babylon 5“, „Star Trek: Deep Space Nine“. Auch „Lost“, „Twin Peaks“, „Weeds“, „Akte X“, „24“, „Desperate Housewifes“ haben mich für ein paar Staffeln/Jahre überzeugt.

„Verbotene Liebe“ hat mich nie begeistert – doch seit 1995 immer wieder so beschäftigt, dass ich 2015 ein ganzes Buch über die Soap herausgab.

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Seit ca. 2007 lese ich die täglichen US-Links von TV Tattle, Norman Weiss: Ich habe keine Zeit, jede Woche „Game of Thrones“, „Community“, „The Walking Dead“ zu sehen – doch ich liebe Artikel, Interviews, Essays, Kulturjournalismus über US-TV.

Aktuell werden 409 US-Serien produziert: für die großen Networks (ABC, NBC, CBS, Fox… und The CW), für Kabel-, Nischen- und Bezahlsender und für Anbieter wie Netflix, Hulu, Amazon, Yahoo.

Ich versuche, den Überblick zu behalten. Im Ernst.

Auch, wenn viele Beobachter sagen: Die Zahl der Serien wächst. Doch die Zahl der talentierten Autor*innen wächst nicht im selben Tempo mit. Deshalb gibt es sehr viele recht gute, aber kaum großartige Serien. Und weil Kritik heute leichter und schneller geäußert ist (auch privat, in Facebook-Diskussionen im erweiterten Freundeskreis), bin ich mir selbst bei Serien, die einen sehr guten Eindruck machen, leider immer weniger sicher, ob das…

a) …noch ein Mainstream-Publikum erreicht (WISSEN Leute auf der Straße, was „Homeland“ ist, „House of Cards“? Oder ist jede Serie mit schlechteren Einschaltquoten als „Tatort“ und „Sturm der Liebe“ heute wieder Kult/Underground/Subkultur?)

b) …WIRKLICH gut ist: Selbst bei Serien mit sehr guten Wertungen und Kritiken gibt es immer die fünf, sechs Menschen um mich herum, die sagen „Fargo? Jessica Jones? Die neuen South-Park-Folgen? Nein: Ich habe selten etwas Schlechteres gesehen!“ Ich habe Mühe, mich auf eine Serie einzulassen – denn sobald ich etwas vormerke, sagen drei Leute „DAS nicht. Spar es dir!“

Trotzdem – für die Weihnachtspause und fürs neue Jahr:

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33 (recht) neue Serien, die mich interessieren…

…sortiert von „anspruchsvoll (und sperrig?)“… bis „seicht, aber sympathisch“.

Manche Texte und Trailer spoilern leicht.

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US-Serien

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33: The Leftovers

  • 2+ Staffeln, seit 2014
  • 2 Prozent aller Menschen sind plötzlich verschwunden – von einer Sekunde auf die nächste. „The Leftovers“ war ein recht dümmlicher satirischer Roman von Tom Perrotta. Die Serie ist stiller, dunkler, langsamer, komplexer: Eine oft ungelenke, manchmal richtungslose Familien- und Provinzgeschichte über Verluste und Kleinstadt-Communities außer Kontrolle.
  • Ich sah den Pilotfilm, musste – im Guten wie im Schlechten – an „Mangolia“ denken („Yeah! Melancholisch!“, „Bäh: biblisch-prätenziös!“) und freue mich, dass Staffel 2 noch einmal etwas Ambitioniertes, Seltsameres versucht. Kaum jemand schaut die Serie gern. Doch die, die noch dabei sind, LIEBEN es. Furchtbare Quoten. Glückliche Kritiker. Endet nach Staffel 3.
  • GraphTV: Staffel 2 scheint deutlich besser als Staffel 1

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32: Jessica Jones

  • 1+ Staffeln, seit 2015
  • Eine ehemalige Superheldin eröffnet eine Detektei in New York… und trifft auf einen alten Gegner, der allen Menschen seinen Willen aufzwingen kann: Noir-Thriller um Gewalt, Kontrolle und Missbrauch, aus dem Marvel-Universum.
  • Ich las die Comics 2013 (Empfehlung!) und hätte gern fürs Feuilleton über die Serie berichtet, brachte aber keinen Artikel unter. Ich weiß noch nicht, ob ich „Jessica Jones“ noch sehen soll – privat, ohne Schreibauftrag. Aber Krysten Ritter ist großartig, keine Marvel-Produktion sprach mich mehr/stärker an, und alle, die mich und die Serie kennen, sagen „Kuck! Unbedingt. Du wirst es lieben!“
  • GraphTV: 1×09 scheint besonders gut. Aber: besser ab Folge 1 sehen. Durchgängiger Plot.

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31: Mr. Robot

  • 1+ Staffeln, seit 2015
  • Ein Hacker mit psychischen Problemen bekämpft einen Konzern. Oder eine anonyme Hacker-Gruppe…? Oder doch: sich selbst… und seine Hirngespinste?
  • Langweiliger Trailer, uninteressante Figuren – und Kritiker, deren Schwärmen mir keine Lust macht; denn ich habe Angst, dass mir die IT- und Datenschutz-Themen entweder zu hoch sind (technisch) oder zu flach/niedrig (ethisch, kulturwissenschaftlich). Der Hauptdarsteller ist für den Golden Globe nominiert. Doch bislang denke ich noch: Uff. Pflicht/Hausaufgabe/graue Jungs-Serie, die nur graue Langweiler-Männer mögen?
  • GraphTV zeigt: durchgehend hohe Bewertungen. 1×06 ansehen?

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30: The Americans

  • 3+ Staffeln, seit 2013
  • Zwei russische Agenten und ihre Kinder leben unerkannt als amerikanische Vorstadt-Familie in Washington, D.C.: Die Serie spielt in den 80ern, hat viele Fans – doch genau so viele wütende Nitpicker, die immer wieder schimpfen „Die Agenten-Einsätze sind unrealistisch!“ und „Die Perücken lenken ab!“. Ich glaube, es ist eine Serie über Zuammenhalt, Kompromisse, kulturelle Identität. Nicht über Action und Perücken. Aber: Ich sah den Cliffhanger von Staffel 2 und dachte selbst: „Hm. Fadenscheinig/unrealistisch.“
  • tolle Atmosphäre, gute Darsteller*innen… aber wackliges Drehbuch? So sehr es mich anzieht – ich glaube, als Fan kann man sich über diese Serie und ihre kleinen Versäumnisse furchtbar aufregen, immer wieder.
  • GraphTV: sehr gute Cliffhanger, außerdem 3×07 bis 3×13

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29: Casual

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Geschiedene Frau und ihr dreister Bruder ziehen wieder zusammen – und suchen neue Partner, Dates und Sex-Optionen. Standard-Prämisse und Standard-Figuren, doch Stil/Tonfall passen für mich hier besser als bei den anderen aktuellen Dating-Serien (z.B. dem viel gelobten „You’re the Worst“, Amazons „Catastrophe“ oder „Togetherness“).
  • GraphTV empfiehlt: 1×08

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28: Humans (Remake von „Real Humans“, Schweden, seit 2012)

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Ich mag keine süßlichen „Der treue Roboter will endlich ein echter Junge werden“-Plots. Das hier wirkt kälter, soziologischer, kritischer – doch vielleicht zu langsam, didaktisch und selbstverliebt: Wie leben Menschen mit Robotern; modernen Dienern, Sklaven, Gegnern? Remake einer schwedischen Serie, die viele Freunde von mir begeisterte.
  • 2015 las ich den Comic „Alex + Ada“: steif, aber klug. „Ex Machina“ habe ich noch nicht gesehen. „Descender“ war mir zu seicht; „A.I.“ eine Katastrophe.
  • GraphTV: durchgehend recht hoch – nur Pilot und Cliffhanger sind etwas enttäuschend

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27: Halt and Catch Fire

  • mindestens 3 Staffeln, seit 2014
  • Zwei andere „Mad Men“-artige Serien über Wirtschaft, Büros, Zeitgeist und Sexismus, „Silicon Valley“ und „The Good Girls Revolt“, scheinen mir zu platt. Hier will ein Garagen-Unternehmen mit IBM konkurrieren – mit allen Mitteln. Wirkt psychologisch, bitter, bissig, unbequem.
  • GraphTV: 1×08 und 1×09. Staffel 2: nicht besser als Staffel 1.

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26: The Knick

  • 2+ Staffeln, seit 2014
  • Die Serie, die Barack Obama gerade schaut: ein drogensüchtiger Chirurg in einem New Yorker Krankenhaus Anfang des 20. Jahrhunderts. Ich kann mit Arzt-Pathos und super-männlichen, dreckig-blutigen Historien-Serien wie „Boardwalk Empire“ nicht viel anfangen. Doch ich mag, wie filmisch, bildgewaltig hier gearbeitet wird: Sind die Figuren so interessant wie die hübsch gefilmten, schaurigen Oberflächen?
  • GraphTV emfpiehlt 1×07

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25: Orphan Black

  • mindestens 4 Staffeln, seit 2013
  • Eine Fremde wirft sich vor den Zug – und Sarah Manning, die ihr seltsam ähnlich sieht, übernimmt ihre Identität. Ein Thriller über Klone, Ethik, Privilegien und Schwestern-/Mutterschaft, gefilmt in Toronto. Grandiose Kritiken, grandiose Hauptdarstellerin. Alle sind begeistert. (Auch z.B. meine Mutter.)
  • GraphTV: gute Cliffhanger; die erste Hälfte von Staffel 3 scheint recht fade.

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24: Younger

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Eine 40jährige gibt sich als 26jährige aus, um für einen Verlag zu arbeiten. Freundin S. sagt: Die Frauenfreundschaften sind toll – und die Debatten um Print- und Online-Kultur, Social Media. Mir ist der bonbonbunte Look sympathisch, die Hauptfiguren auch. Vielleicht schaue ich das mal durch und schreibe dann über Verlage und die Angst vor der Zukunft. „Younger“ ist keine große Kunst – aber für mich überzeugender als z.B. „The New Girl“ oder „Chasing Life“.
  • GraphTV: keine Highlights in 1×03 bis 1×09

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23: Flesh and Bone

  • 2015: 8 Episoden in einer (vollen) Staffel, dann abgesetzt
  • „Black Swan“ als Serie? Düsteres New Yorker Ballett-Drama, blutiger – aber auch deutlich prätenziöser, selbstverliebter – als „Bunheads“. Viel Körperlichkeit, Ekel, Nacktszenen, Magersucht usw.
  • GraphTV: solide Entwicklung, 1×04 könnte ein kleines Highlight sein.

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22: Bob’s Burgers

  • 2011, mindestens 8 Staffeln
  • Herz und Verstand: ein Pizzabäcker, seine Frau und drei Kinder, in Brooklyn. Eine altmodische Familien-Zeichentrick-Sitcom, die mich an die ersten „Simpsons“-Staffeln erinnert. Die Trailer wirken oft krass und „Family Guy“-haft, doch die Serie selbst LIEBT ihre Figuren und erzählt sehr behutsam, weitherzig, intelligent. Wenn ich mich aufmuntern will, breit grinsen… streame ich das hier.
  • Ein paar Freund*innen finden es simpel, langweilig, fade. Tatsächlich ist es nicht besonders ambitioniert. Aber… hach! ❤
  • GraphTV: Staffel 2 und Staffel 6 haben kleine Probleme; 3×21 und 5×19 bis 5×21 lohnen sich.

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21: Black Mirror

  • Anthologie-Serie (alle Episoden stehen für sich allein), bisher 7 Episoden seit 2011; 12 weitere in Planung
  • britische Satire über Technik, Kontrollwahn und die Gefahren, die Regierungen, Konzerne, Gadgets im Alltag oft sehr reicher, scheinbar sicherer Menschen aufwerfen: wechselnde SciFi-Szenarien, moralische Fragen, böse Überraschungen, „Denkt mal gut drüber nach!“…
  • Gut, dass es das gibt. Schade, dass es nicht klüger, stiller, weniger Frank-Schirrmacher-rig von Technik und Menschen erzählt.
  • GraphTV: 1×03 ist bisher der Favorit. Ich sah die Folge, aber dachte (ähnlich wie bei „her“): Das kann Achtklässlern im Ethik-Unterricht Diskussionsanreize geben. Große Erzählkunst ist es nicht. Didaktisch, bieder, seicht – auf eine besserwisserische, unsympathische Art.

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20: Home Fires

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Als ich in Kanada lebte, merkte ich, wie selbstgerecht, hurrapatriotisch das Commonwealth bis heute dem ersten und zweiten Weltkrieg gedenkt: Veteranen-Kitsch und Mohnblumen-Anstecker machen mir Angst; stoßen mich ab. Trotzdem gefällt mir der Look dieser britischen Serie über einfache Frauen auf dem Land, die sich fragen, was sie gegen deutsche Bombardements tun können – auch und vor allem im Vergleich mit biederen US-„Frauen im Weltkrieg“-Serien wie „Manhattan“.
  • GraphTV: die 6 Episoden steigern sich nicht besonders; 1×06 ist bisher am besten.

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19: Finding Carter

  • mindestens 3 Staffeln, ab 2014
  • Jugend-Thriller über ein – trotziges, energisches, aber völlig überdrehtes – Mädchen, dem Polizisten sagen, dass die Frau, bei der sie aufwuchs, nicht ihre Mutter ist… sondern ihre Entführerin. Carter wird an ihre biologische Familie übergeben… und hat große Startschwierigkeiten mit ihrer neuen/alten Mutter: einer misstrauischen, traumatisierten Ermittlerin.
  • Ich sah die ersten drei Folgen und habe es GELIEBT. Es ist viel zu schnell erzählt – die Ereignisse überstürzen sich. Die Figuren sind stilisiert/krass amerikanisch und, vielleicht am Schlimmsten: 15- und 16jährige organisieren hier ständig mühelos rauschende Parties, Flashmobs, Autos. Ich wünschte, es wäre etwas ruhiger, mehr wie „Willkommen im Leben“. Trotzdem bin ich fürs Erste… hingerissen!
  • GraphTV: es macht keinen Sinn, einzelne Folgen anzusehen/zu überspringen. Die zweite Hälfte von Staffel 2 hat ein paar Hänger.

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18: Masters of Sex

  • mindestens 4 Staffeln, ab 2013
  • Während der ersten zwei, drei Episoden von „Mad Men“ hatte ich Angst, dass wir als Zuschauer dort immer nur auf Dinge gestoßen werden sollen, die heute tabu sind, doch in den 60er Jahren nicht hinterfragt wurden: eine Revue/Endlosschleife aus rauchenden Schwangeren, rassistischen alten Herren, Sekretärinnen-Mäuschen. Tatsächlich ist „Mad Men“ subtiler, komplexer. Bei „Masters of Sex“ bin ich unsicher: Tolle Ausstattung, super-talentierte Darsteller, blendend inszeniert… aber ich weiß nicht, ob wir bei dieser 60er-Jahre-Sexualwissenschaftler-Dramedy nicht vor allem eingeladen werden, überheblich zu lachen – über die dummen Menschen von früher. Falls ja… ist das für mich zu wenig.
  • GraphTV: 1×05 und 2×03 sind Highlights, jede Staffel ist minimal schlechter als die vorherige. Sender Showtime lässt Serien oft sieben, acht Jahre lang laufen… die dann von Jahr zu Jahr holpriger, seltsamer werden und aus der Form geraten. (Manchmal ist das gut. Oft, wie bei z.B. „Dexter“, nicht.)

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17: Deutschland 83

  • 8 Episoden von 2015; noch unklar, ob es eine zweite Staffel gibt. Die Quoten in den USA waren solide, die Quoten in Deutschland, auf dem „Alarm für Cobra 11“-Sendeplatz von RTL, trotz viel Werbung eine große Enttäuschung. Unsympathisch meckriger Artikel zur Quote, DWDL.de
  • ein junger DDR-Agent in der BRD, 1983. Toller Trailer, tolle Schauspieler, schönes Szenario und sehr gute Kritiken. Skeptisch macht mich ein Artikel auf Fortsetzung.tv:
  • „Gut und Böse sind hier relativ eindeutig verteilt. Epische Charakterdramen wie in „Weissensee“, der anderen großen Serie über die jüngere deutsche Geschichte, wird man in der Erzählung von Anna und Jörg Winger vergeblich suchen. Stattdessen bietet sie professionell inszenierte Actionsequenzen, einen ständig von äußeren Geschehnissen getriebenen Protagonisten und vor allem in den Nebenrollen überzeugende Darsteller.“ (Marcus Kirzynowski)
  • GraphTV: 1×04 als Highlight; die Staffel steigert sich nicht.

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16: The Affair

  • der „Rashomon“-Effekt: eine Geschichte, erzählt erst aus 2, später aus 4 widersprüchlichen Perspektiven: Ein Paar macht Urlaub in den Hamptons… bis eine Affäre (und ein Mord?) alles verändern. Ich liebe solche Szenarien, ich liebe Joshua Jackson, ich bin begeistert von den euphorischen Kritiken – aber bisher war es mir dann doch zu Juli Zeh, zu Martin Suter, zu „Tatort“, zu „Lasst uns was Gediegen-Schönes machen, das Paare 50+ nach ‚The Good Wife‘ sehen können, Sonntag abends“.
  • GraphTV: Staffel 1 und Staffel 2 etwa gleich gut; durchgängige Thriller-/Krimi-Handlung, deshalb am besten ab Folge 1 ansehen.

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15: Sense8

  • bisher eine Staffel (2015), S2 kommt 2017
  • Acht Menschen in acht Städten (u.a. Berlin), deren Bewusstsein verknüpft ist: Gender-, Klassen-, Identitäts- und Kultur-Fragen, manchmal bieder-mystisch-öde wie in „Heroes“, produziert von den Wachowskis („Matrix“, „Cloud Atlas“) und (yeah!) J. Michael Straczynski („Babylon 5“). Kein Hit, kein Kritiker-Liebling… aber eine Handvoll Menschen sind SEHR begeistert. Das wird mir entweder sehr nahe gehen – oder mich (wie die meisten Leute) abstoßen, langweilen.
  • GraphTV: keine Serie, bei der man Folgen überspringen sollte. Pilotfilm sehr durchwachsen, doch die Staffel steigert sich schnell immer weiter.

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14: Master of None

  • bisher eine Staffel, 2015. Da kommt bestimmt mehr!
  • Comedian Aziz Ansari („Parks & Recreation“) spielt einen jungen Mann in New York: Single- und Stadtneurotikerserie mit sehr guten Kritiken. Der Trailer wirkt sehr konventionell und saturiert. Nicht so bieder-aber-schrullig wie „The Mindy Project“, aber auch nicht so giftig wie „Girls“ oder „Louie“. Schwerenöter und Dating-Pannen, sympathisch… aber eben: konventionell, trotz Person of Color in der Hauptrolle.
  • GraphTV: die Staffel steigert sich stetig, der Pilotfilm ist die schlechteste Episode bisher.

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13: Steven Universe

  • 73 Folgen (2 Staffeln) seit 2013.
  • Drei Weltraum-Heldinnen mit Kristall-Superkräften… und Steven, ein kleiner, behäbiger, herzig-idealistischer, nicht-sehr-kluger Junge, dessen verstorbene Alien-Mutter ihm ihre Kräfte vererbte: ein Serie für Jungs – aber voller starker Frauenfiguren, mit interessanten Familienmodellen, viel Herz, Humor und tollem Design.
  • Miyazaki, 8-bit-Optik, Scott Pilgrim, „Adventure Time“, magischer Gaming-Realismus… und ein wunderbarer Ohrwurm-Titelsong. Die einzelnen Episoden sind oft etwas langsam und durchschaubar (für Erwachsene)… doch ich bin überrascht und begeistert, was für eine komplexe Kosmologie hier aufgebaut wird – und, wie Fragen um Identität, Verlust und Verantwortung behandelt werden.
  • GraphTV: Staffel 2 hält das Niveau von Staffel 1; 1×26 ist ein erstes Highlight (von vielen).

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12: River

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11: Transparent

  • mindestens 3 Staffeln, ab 2014
  • Ich weiß nicht: Jill Soloway hat für „Six Feet Under“ geschrieben – aber die ersten Szenen aus „Transparent“ erinnerten mich in ihrer bräsig-bieder-selbstgerechten Satire eher an die öde „Wir trinken Wein, rollen die Augen und sind crazy kalifornisch“-Trottel aus „Brothers & Sisters“. Mir wird ständig gesagt: „Schau es an! Wirklich! Du wirst es lieben“…
  • …doch ich sehe bisher nur reiche, platt beschriebene Woody-Allen-Figuren. [Ich mochte „Enlightened“, ich hasste „Looking“ – ich habe Mühe mit „warmherzigen“ Satiren, weil oft beides scheitert: die Satire und die Warmherzigkeit.]
  • GraphTV: Staffel 2 minimal besser als Staffel 1, Highlight: 2×01.

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10: The 100

  • mindestens 3 Staffeln, seit 2014
  • Seit 97 Jahren ist die Erde verseucht und verlassen. Als auf einer Raumstation der Platz knapp wird, werden 100 jugendliche Straftäter zurück in die verstrahlte Wildnis geschickt – und finden Mutanten, Bunker, „Herr der Fliegen“-Survival-Konflikte.
  • Wie in jeder CW-Serie sind die Hauptdarsteller*innen absurd schlank, hübsch, sexualisiert. Mir selbst macht der Trailer zur dritten Staffel keinen Spaß – das sieht aus wie ein postapokalyptisches Billig-„Game of Thrones“ über neofeudale Schrott-Ritter und „Mad Max“-Girls. Aber: Eine Menge erwachsener SciFi-Fans sind immer glücklicher/überzeugter, die bisexuelle Hauptfigur wird immer wieder gelobt… und lange Artikel erklären: Das hier ist moralisch so komplex, dreckig, klug – ein würdiger Nachfolger von „Battlestar Galactica“.
  • GraphTV empfiehlt: 2×11

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09: iZombie

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2014.
  • Gescheiterte junge Frau der Generation Praktikum wird zum Zombie – und merkt: Wenn sie Gehirn isst, erlebt sie Flashbacks aus dem Leben des Verstorbenen. Also hilft sie Polizei und Pathologen beim Aufklären von Morden.
  • billiger Look, Schema-F-Dramaturgie, erwartbare Witze. Trotzdem sind viele Menschen Fans – denn Produzent Rob Thomas hat ab 2003 mit „Veronica Mars“ schon einmal eine der galligsten, klügsten, unbequemsten jungen Frauenfiguren im US-TV *grandios* erzählt. Robert Buckley mag ich aus „One Tree Hill“, und die Mischung „hübsche, zynische Quatschköpfe machen Polizeiarbeit gegen übersinnliche Gegner“ funktioniert auch bei „The Flash“ sehr gut.
  • GraphTV empfiehlt: 1×11 bis 1×13; zweite Staffel solide

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08: The Expanse

  • mindestens eine Staffel, seit 2015
  • Mars, Erde und Industrie im Astroiden-Gürtel hinter dem Mars tragen verschiedene Wirtschafts- und Ideologie-Konflikte aus: Politiker und Detektive, Gewerkschaftler und Gangster… ein politisches SciFi-Gesellschaftsdrama im Stil von „Caprica“. Ich habe wenig Vertrauen in den Sender – SyFy. Doch die ersten Kritiken sind sehr, sehr gut. Empfehlung auf Slate.com.
  • noch kein GraphTV-Eintrag. IMDb: vom Pilotfilm zu Folge 4 wird es stetig besser.

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07: The Royals

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Trash mit Joan Collins und Elizabeth Hurley… als Königin von England: Schon in „One Tree Hill“ hat Mark Schwahn mit „Hamlet“- und „Romeo und Julia“-Motiven gespielt. „The Royals“ ist eine Low-Budget-Soap mit vielen bitchy Frauen, schwülstigen Jungs und komplizierten Intrigen. Hinter dem Gezicke stand bei „One Tree Hill“ ein konservatives, aber SEHR respektvolles, oft feministisches Menschenbild. Wer witzig-starke, comichafte Frauen in völlig überdrehten Konflikten sehen will: Ich glaube, das hier hat Schwung, Tempo, absurde Cliffhanger.
  • GraphTV zeigt: ab Folge 5 wird es besser; vielleicht ist 2×06 ein Highlight

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06: Supergirl

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Freunde sind schockiert, dass ich diese – bunte, simple, oft kitschige/tussi-hafte – Serie mit ihrem… Spice-Girl-Feminismus mag. Aber: Ich mochte mit 12 „Lois & Clark“, mit 14 „Sailor Moon“, und ich freue mich SO, dass Kinder 2015 diese charmante, selbstbewusste, energische Superheldin sehen können, auf einem großen US-Sender, Woche für Woche. Ich hoffe, dass „Supergirl“ noch Tiefgang aufnimmt, und ich verstehe Freund M., wenn er stöhnt „Starke Frau? Ally McBeal spielt jetzt einfach Ling!“…
  • …doch mich stört, dass „The Flash“ als angenehme Kindskopf-Serie akzeptiert wird, aber „Supergirl“ als peinlich reaktionärer Tussi-Fehltritt gilt. Ich hoffe, die Serie wird besser. Doch SCHLECHT ist sie nicht. Nicht für Zwölf- bis Vierzehnjährige.
  • [Trotzdem schade, dass Greg Berlantis Serien *nie* besonders queer sind: Ich finde seine Arbeiten enttäuschend bieder, gestrig, angepasst – für einen schwulen Produzenten.]
  • GraphTV empfiehlt: 1×07, 1×08

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05: Unreal

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Hinter den Kulissen einer Reality-Soap im Stil von „The Bachelor“ versuchen eine zynische ältere Produzentin und ihre jüngere, angespannte Kollegin, möglichst viel Drama, Skandale, Konflikte zu schüren.
  • Sehr arrivierte TV-Kritiker wie Willa Paskin LIEBEN die Serie. Ich sah nur den Pilotfilm, fand alles bisher recht fade, hölzern, konventionell. Vielleicht muss man „The Bachelor“ hasslieben, um hier mitzufiebern. Reichtum, Fassaden und Frauen in komplexen Lifestyle-, Job-, Ideologie-Konflikten… für mich bleibt „Ugly Betty“ der große Favorit.
  • GraphTV: Staffel 1 wird langsam besser. Vielleicht 1×05 testen?

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04: Deadbeat

  • mindestens 3 Staffeln, seit 2014
  • Medium (und Faulpelz/Slacker) in New York versucht, Geistern zu helfen und Geld mit Hinterbliebenen zu verdienen. Klingt furchtbar – aber im Trailer dachte ich immer wieder: „Yeah! Wenn, dann so!“ Das hier traut sich mehr als die beiden anderen, etwas anspruchsvolleren Geister-/Jenseits-/Helfer-der-Verstorbenen-Serien hier auf der Liste, „iZombie“ und „River“.
  • noch nicht auf GraphTV. Bestbewerteste Episode: 2×13.

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03: Star Wars: Rebels

  • mindestens 3 Staffeln, seit 2014
  • Fünf Jahre vor „Star Wars: A New Hope“ (1977) formen ein Jedi, zwei Jugendliche, ein Droide und zwei Schmuggler/Militärs eine Widerstandzelle gegen das Imperium. Geschrieben für ca. 8jährige Jungs und in jeder Hinsicht simpler als die Filme – aber im selben Tonfall und mit sympathischen Figuren.
  • Die Vorgänger-Kinderserie „The Clone Wars“ war mir zu steif und billig inszeniert. „Rebels“ ist etwas flüssiger/besser. Trotzdem wirkt es oft low-budget, zu simpel und unbeholfen. „Rebels“ ist gut genug, um mein Interesse zu wecken. Aber zu halbgar, um mir nach drei Episoden noch Lust auf eine vierte zu machen. Die Romane zur Serie sind überraschend gut (und politisch).
  • Ich mochte den Cliffhanger, 1×14. GraphTV warnt: Staffel 2 wird nicht besser.

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02: Last Man on Earth

  • mindestens 2 Staffeln, seit 2015
  • Ein Mann – allein auf der Welt? Eine sehr teure und verhältnismäßig langsame, subtile, anspruchsvolle Sitcom über furchtbare Menschen. Sehr gute Kritiken, aber bisher kein richtiger Hit/Erfolg. Überraschende Besetzungsliste.
  • Als Film wäre mir das zu platt geschrieben/inszeniert/gespielt. Ich bin gespannt, ob das an Tiefe gewinnt, weil so viel Zeit für Charakterentwicklung bleibt. Im schlimmsten Fall wird es ein… gruseliges „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“-Szenario.
  • GraphTV empfiehlt: 2×10

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01: Impastor

  • bisher eine Staffel, 2015
  • Kleingangster stiehlt die Identität eines schwulen Pfarrers – und wird Seelsorger in einer Kleinstadt.
  • Das Konzept klingt billig – doch den Trailer fand ich charmanter als ältere Provinz-Serien wie „Men in Trees“ oder „Ausgerechnet Alaska“. Ich mag, dass Michael Rosenbaum ganz anders spielt/agiert als in „Smallville“.
  • GraphTV warnt: die erste Staffel dümpelt vor sich hin.

Besondere Romane: Buchtipps, Geschenktipps, Geheimtipps

buchtipps weihnachten

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Seit Ende November gebe ich auf Twitter kurze Buchtipps zu Weihnachten.

Knappe Literaturkritik – in Stichworten, als Adventskalender.

Die ersten 11 Buchtipps habe ich auch gebloggt: Link

Heute: 21 weitere Titel. Geschenktipps, persönliche Empfehlungen, Lieblingsbücher – denen ich ein breites Publikum wünsche. Mehr u.a. hier:

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twitter tschechow

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frühes 20. Jahrhundert – mein Lieblings-Dramatiker:
russisches Bürgertum: neurotisch, tragisch, verpeilt
Verwicklungen – bissig, aber sehr warmherzig.
Reiche Menschen stehen sich selbst im Weg.

Kirschgarten, Möwe, Onkel Wanja, 3 Schwestern, Ivanov: viele Theaterklassiker sind eitel, überdreht, gehässig zu den Figuren. Tschechow ist Humanist: kaputte, lächerliche, SUPERliebenswerte Rollen. Groß!

„Die großen Dramen“, Anton Tschechow

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twitter sherriff

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vergriffen – aber in toller dt. Übersetzung von 1959:
Eine einfache britische Familie macht Urlaub.
Spießer, Hausfrau, 2 fast erwachsene Kinder,
2 Wochen Ferien in einer billigen Pension am Meer.

Stiller Klassiker von 1931; liebe- und respektvoller Blick aufs Reihenhaus- und Kleingarten-Milieu, kein Spott, keine Satire. Spröde Alltagsmenschen und ihre oft verzweifelten Versuche, glücklich zu sein.

„Septemberglück“, R.C. Sherriff

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twitter kristof

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3 sehr verschiedene Romane. Trilogie über Krieg:
Zwillingsbrüder bei einer bettelarmen Großmutter.
Stoische, verbissene Kinder. Osteuropa? Zweiter Weltkrieg?

Band 1: schlichtes, dunkles Dorfmärchen, Parabel. Ein Erzähl-Experiment: beginnt als ultrabrutale, nihilistische Kindergeschichte über Entsagung und Besatzung – und wird in Buch 2 und 3 immer postmoderner, melancholisch-klüger, ambitionierter.

„Das große Heft“, „Der Beweis“, „Die dritte Lüge“, Agota Kristof

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twitter maron

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Abrechnung mit der DDR – und schlechtem Journalismus:
Reporterin reist nach Bitterfeld; und ist schockiert.
Dreck, Fabriken, Vertuschung: Wie berichten?
Marons Debüt: komplex, autobiografisch, relevant.

Ein „Unrechtstaat“ zeigt sich im großen Horror – und in den täglichen Widersprüchen, Ängsten, Machtstrukturen. Marons Roman bleibt Alltag: leise, klein – und dennoch: unerträglich beklemmend.

„Flugasche“, Monika Maron

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twitter semple
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verschroben, humorvoll, klug, überraschend:
sehr „Gilmore Girls“ (hey, Chick-Lit-Fans!)
sehr „Infinite Jest“ (hey, Schnösel & Nerds!)
Unterhaltung – auf hohem Niveau, leicht lesbar.

Die brillante Frau eines Microsoft-Managers bringt ihre hochbegabte Tochter in Gefahr, als sie wichtige Mutti-Jobs nach Indien outsourct, an eine Assistentin. Schenkt das hier… ALLEN! Wild, smart, toll.

„Wo steckst du, Bernadette?“, Maria Semple

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twitter kleist.

Nur selten Graphic Novels gelesen? Idealer Einstieg:
Simple Tuschezeichnungen, klarer Plot,
aber packend und relevant.
Auch toll als Schullektüre oder fürs alte FAZ-Publikum.

Samia Jusuf Omar vertrat 2008 Somalia als 100-Meter-Sprinterin in Peking. Sie wird Letzte – doch will danach von Afrika nach Europa, illegal, übers Meer. Portrait/Biografie über Flucht & Chancengleichheit.

„Der Traum von Olympia“, Reinhard Kleist
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twitter haslinger.

Vierköpfige Wiener Familie im Tsunami 2004:
Josef Haslinger, Leiter der Schreibschule Leipzig,
erlebt im Thailand-Urlaub die Flutkatastrophe
und hält alle Details fest, nüchtern, packend.

Distanzierte, recht ignorante reiche Feriengäste… plötzlich ausgeliefert, überfordert, traumatisiert. Sachlich-schlicht, aber nah und sehr persönlich zeigt H., was diese Tage aus Ort & Leuten machten.

„Phi Phi Island. Ein Bericht“, Josef Haslinger
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twitter toews.

Miriam Toews‘ Vater beging Selbstmord.
Toews schreibt süßliche, nicht-sehr-kluge Schmöker:
Mainstream-Humor, „verrückte“ Mennoniten,
Oft brav-kanadisch-abgeschmackt und bieder.

Hier aber, in der Erinnerung an ihren gläubigen, manisch-depressiven Vater, gelingt die Balance: Gefühl und Witz, Existenzielles und Dorf-Schrullen. Die Autorin macht mir kaum Respekt. Das Buch sehr.

„Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt“, Miriam Toews
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twitter honigmann.

jüdisch-deutsche Ex-DDR-Autorin, bis heute toll:
Honigmann schreibt meist autobiografisch,
manchmal zu vorsichtig, bürgerlich, verhuscht,
doch hier: nah, packend, selbstkritisch.

Eine junge Berliner Dramaturgin arbeitet an einem Provinztheater, verheddert sich in einer Affäre und im DDR-Apparat. Brief-, Künstler-, Liebesroman, authentisch, traurig, intelligent!

„Alles, alles Liebe“, Barbara Honigmann
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twitter erpenbeck.

Asylrecht, Flucht, Ausgrenzung, Behörden-Irrsinn:
Erpenbeck erzählt so kunstlos-sachlich,
meist klingt dieser Roman nur nach Report/Bericht.
Ein etwas steifes, didaktisches Buch.

Aber: NIE habe ich schneller mehr gelernt über Geflüchtete in Deutschland. Im Ruhestand will ein Professor spontan helfen. Sein ignoranter, naiver Blick kommt schnell ins Wanken. Must-Read 2015!

„Gehen, ging, gegangen“, Jenny Erpenbeck
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twitter miller.

New York 1945, Bürohengste wie aus „Mad Men“:
Mit seiner neuen Brille wirkt Spießer Newman plötzlich „irgendwie jüdisch“.
Er verliert Ansehen, Job, Respekt aller Nachbarn.

Ein Kleingeist und Rassist als Opfer von Rassismus: Das könnte Satire, platte Parabel bleiben. Doch es wird sehr schnell überraschend komplex, rasant, psychologisch, hässlich. Packend und aktuell!

„Fokus“/“Im Brennpunkt“, Arthur Miller
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twitter joe hill.

Horror, Abenteuer, Herz: meine Lieblings-Comicreihe
6 Bände lang zeigt Joe Hill, Stephen Kings Sohn,
drei Geschwister in einem Spukhaus
voller magischer Schlüssel:

„The Shining“ trifft „Harry Potter“ trifft „Maniac Mansion“: Intelligenter, raffinierter, warmherziger Grusel mit tollen Zeichnungen, Figuren, Twists: 800+ Seiten wie aus einem Guss. Moderner Klassiker!

„Locke & Key“, Joe Hill und Gabriel Rodriguez
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twitter haushofer.

Survival-Thriller – oder feministische Sinnsuche?
Eine Biowaffe. Eine unsichtbare Barriere.
Und eine Frau, allein in den Bergen:
Als einzige Überlebende, isoliert auf Alm und Hütte.

Ich stellte mir diesen Klassiker viel softer, blumiger vor: Natur, Katze, Menopause. Eine österreichische Robinsonade. Doch „Die Wand“ ist so beklemmend, hart wie McCarthys „Straße“. Atemberaubend!

„Die Wand“, Marlen Haushofer
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twitter dirks.

sperrig, dunkel, brutal, bitter, schwer:
Liane Dirks erzählt die Lebensgeschichte
ihres monströsen Vaters.
Ein Koch aus Hamburg, der sie missbrauchte.

Schnöselige Drogisten in den 1930ern. Ein junger Koch in Russland, später dann auf Schiffen in der ganzen Welt. Grandios literarische Zeitgeschichte – und Psychogramm dreier Generationen. Hart.

„Vier Arten, meinen Vater zu beerdigen“, Liane Dirks
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twitter sakamichi.

nur online lesbar, als Fan-Übersetzung auf Englisch:
Japan, Ende der 60er, Provinz:
Eine Jazzband. Ein neuer Schüler (Streber).
Und zwei Kindheitsfreunde: Raufbold und Mädchen.

Manga, 10 Bände – still, sonnig, starke Figuren. Freundschaft statt Romance, sympathisch schlichte Retro-Zeichnungen. Coming-of-Age, Politisierung, Zeitgeschichte – zum Heulen schön!

„Sakamichi no Apollon“, Yuki Kodama

…längerer Empfehlungstext hier: die 20 besten Graphic Novels 2015
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twitter hedges.

Den Film sah ich nie. Die Romanvorlage? Großartig!
Nach der High School muss Gilbert bleiben:
Der Vater ist tot, ein Bruder behindert,
die Mutter depressiv.

Keine Komödie. Aber auch kein Pathos, Selbstmitleid: Geschwister, gestrandet in der Provinz, wütend, ratlos, hungrig, lebendig. Gute Übersetzung – aber gerade vergriffen. Fantastisch… empathisch!

„Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“, Peter Hedges
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twitter drakulic

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Bosnische Frauen im Krieg… und danach:
Ein schlichtes, kluges, alptraumhaftes Buch
über die Psychologie des Krieges
und sexuelle Gewalt.

Die ersten und die letzten 10 Seiten: Klischee und Kitsch. Dazwischen aber: Ein Text, der mich seit Monaten nicht loslässt. Einfache Sprache, brillante Gedanken. Pogrome, Lager, Asyl. Kontrollverlust.

„Als gäbe es mich nicht“, Slavenka Drakulić
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twitter Capote.

Reportage von 1965: erster großer „True Crime“-Text
Zwei junge Männer überfallen eine Farm in Kansas
und ermorden die komplette Familie.
Capote recherchiert, interviewt, rekonstruiert.

Vielleicht ist vieles hier gebogen, dramatisiert – doch erstmal lese ich, atemlos: Kein schauerlicher Real-Life-Krimi. Sondern Milieus, Figuren, ein Land, toll erfasst. Ein Buch, das nachwirkt. Große Kunst!

„Kaltblütig“, Truman Capote
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twitter toulme.

Trisomie 21 aus Sicht eines Vaters:
Autobiografische Graphic Novel aus Frankreich,
persönlich, nah, sympathisch, schlicht.
Gute Einführung in Comics – und Behinderung.

Ich finde besser, wenn Behinderte sprechen – statt immer nur Eltern ÜBER sie. Und: Viele Comics sind komplexer, literarischer. Aber: Alles hier ist so herzig, einladend, einfach – als Einstieg erstmal toll.

„Dich hatte ich mir anders vorgestellt…“, Fabien Toulmé
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twitter baldwin

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dt.: „100 Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung“
James Baldwins politisches Manifest von 1963.
Leidenschaftlich, kurz, komplex. Bis heute relevant.
Schwarze in Amerika: Scham & Unterwerfung.

Wäre das ein Online-Text 2015 – er ginge sofort viral: Aufstiegschancen und Polizeitgewalt, Angst und Bildung, Identity Politics und Akitivsmus: die heute noch großen Themen, klug & klar verhandelt.

„The Fire next Time“, James Baldwin
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twitter archie.

Sieht aus wie ein billiger Scherz…?
„Peanuts“: Grundschule. „Archie“: High School.
Der harmlos-biedere Cartoon-Klassiker seit 1941
…als blutiger Zombie- und Survival-Horror?

Die braven US-Kinderfiguren neu erzählt – viel literarischer, psychologischer… und auf der Flucht vor Zombies. Erst dachte ich: Pubertäre Parodie? Aber: Nein! Spektakulär atmosphärisch. Gruselig klug.

„Afterlife with Archie“, R. Aguirre-Sacasa, F. Francavilla

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11 weitere Titel hier:

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Graphic Novels des Jahres: 20 Empfehlungen

Stefan Mesch schreibt über Literatur und Comics, u.a. bei ZEIT Online, Deutschlandradio Kultur, der Freitag und im Berliner Tagesspiegel. Mehr hier: Link

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20. Rasputin (USA)

Rasputin (USA)

Autor: Alexander Grecian, Zeichner: Riley Rossmo
Image Comics, Oktober 2014 bis November 2015.
10 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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Phil Gelatts „Petrograd“ erzählte 2011 das Mordkomplott gegen Rasputin – als melancholischen Agententhriller. Die monatliche „Rasputin“-Serie von Alex Grecian ist ähnlich atmosphärisch, politisch, blutig-existenziell.

Der Mönch und Wunderheiler, charismatisch und monströs, allein zwischen Zar und Klerus. Volk und Armee. Spionen und Revolution. Detailverliebt. Komplex. Viele Zeit-, Erzählebenen und Wendepunkte, toll inszeniert.

Ich bin nicht sicher, ob die Reihe zu früh endete: Nach fünf Heften verlässt Rasputin – unsterblich, aber gescheitert – den Palast, zusammen mit den Zarenkindern Alexei und Anastasia. Was als historisch-biografische Comic-Spielerei begann, wird zum Jahrhundert-Panorama:

Macht, Mord, Magie vom JFK-Attentat bis in die Gegenwart. Oft langsam. Manchmal träge. Und nach 10 Heften: plötzlich vorbei. Schade!

Ein Fantasy-Psychogramm: eigensinnig, gemütvoll, klug menschlich, überraschend.

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19. Alex + Ada (USA)

Alex + Ada (USA)

Autor: Jonathan Luna, Zeichnerin: Sarah Vaughn
Image Comics, November 2013 bis Juni 2015.
15 Hefte in drei Sammelbänden, abgeschlossen.

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2013, in Spike Jonzes Kinofilm „her“, verliebt sich Theodore – einsamer Hasenfuß und Angestellter – in seine digitale Assistentin, das Betriebssystem Samantha. Ein Trottel, eklig fixiert auf eine körperlose künstliche Intelligenz. Die Satire macht Spaß, bleibt aber sehr didaktisch. Ein Film wie zwei Stunden Ethik-Unterricht für Dreizehnjährige.

Auch „Alex + Ada“ zeigt einen recht unsympathischen Single: Alex’ reiche, verwitwete Großmutter hat Spaß am Leben, seit sie sich einen gehorsamen Sex-Androiden ins Haus holte. Also schenkt sie Alex ein eigenes Modell, Ada. Via illegalem Jailbreak wird aus dem Apparat eine (recht bieder-flache) Persönlichkeit: Pinocchio mit Indie-Fransenpony.

Als Liebesgeschichte: gruseliger Stuss. Als Diskussion um Menschlichkeit und Technik: sympathisch, aber zu einfach, seicht. Als creepy Psychogramm eines Verlierers, der seine Projektionsfläche missbraucht: faszinierend! Die klinisch-faden Zeichnungen passen zu den kalten Figuren. Ist das ein kluger, gut gemachter Comic? Ich zweifle.

Doch er wirft tolle Fragen auf, zu Autonomie, Narzissmus, Konsum, Sehnsucht – und Maschinen, die uns „erkennen“.

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18. Dich hatte ich mir anders vorgestellt… (Frankreich)

Dich hatte ich mir anders vorgestellt... (Frankreich)

Autor und Zeichner: Fabien Toulmé
Deutsch bei Avant, Oktober 2015. Original: Frankreich 2014.
Graphic Novel, 248 Seiten, abgeschlossen.

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Ich liebe Guy Delisles saloppe, autobiografische Graphic Novels: Seit 2000 erzählt er vom Reisen, Älterwerden und seinen Problemen und Versäumnissen als Vater. Fabien Toulmé reiste selbst zehn Jahre um die Welt, heiratete eine Brasilianerin, zog zurück nach Frankreich – und hadert: Denn eine Tochter ist gesund. Die andere hat das Down-Syndrom.

„Dich hatte ich mir anders vorgestellt“ ist der egozentrische, naive, selbstmitleidige und träge Bericht eines Mannes, der wenig über Behinderung weiß: ehrlich und verletzlich – aber an vielen Stellen unbeholfen bis dumm. Im selben Stil schrieb Nobelpreisträger Kenzaburo Oe 1964 in „Eine persönliche Erfahrung“ über Wut, Enttäuschung, Ekel und Hilflosigkeit als Vater eines geistig behinderten Sohnes.

Ich mag, wie angreifbar sich diese Bücher machen, wie unsympathisch und überfordert Toulmé erzählt. Ein Comic für Menschen, die noch kaum etwas über Behinderungen wissen. Die aller-allerersten Schritte – und Fehltritte.

Nicht clever. Nicht „empowernd“. Aber: schlicht, ehrlich, überfordert, lesenswert.

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17. Silk (USA)

Silk (USA)

Autor: Robbie Thompson, Zeichnerin: Stacey Lee
Marvel Comics, seit Februar 2015 (aktuell kurze Pause).
7+ Hefte / bisher ein Sammelband, wird fortgesetzt.

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Die selbe radioaktive Spinne, die vor 13 Jahren Peter Parker biss, infizierte auch Cindy Moon – eine Grundschülerin. Um sie vor Angriffen des Spider-Man-Gegners Morlun zu schützen, wächst Cindy allein in einem Bunker auf. 2014, im „Spider-Man“-Crossover „Spider-Verse“, wird sie entdeckt, befreit… und versucht, ihr altes Leben aufzunehmen:

Eine forsche junge Frau in New York – Praktikantin beim Daily Bugle und mutige, unerfahren-enthusiastische Nachwuchs-Heldin. Kein „Supergirl“-, kein „Batgirl“-, kein „Teen Titans“-, „Young Avengers“- oder „Spider-Gwen“-Comic aus den letzten Jahren ist so einladend, schlicht, einsteigerfreundlich, sympathisch. Fans der „Supergirl“-Serie? Fans von Batgirl Stephanie Brown? Unbedingt anlesen!

Geradlinig, emotional, selbstbewusst: eine Young-Adult-Heldin fürs breite Publikum.

[„Spider-Verse“ habe ich nicht gelesen. Aber der Crossover-Band „Spider-Woman: Spider-Verse“ ist eine tolle, schwungvolle Einführung ins aktuelle Ensemble rund um Peter Parker und andere Spinnen-Figuren: Ich las „Silk“, weil ich Cindy in „Spider-Woman“ sehr mochte.]

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16. She-Hulk (USA)

She-Hulk (USA)

Autor: Charles Soule, Zeichner: Javier Pulido
Marvel Comics, Februar 2014 bis Februar 2015.
12 Hefte / zwei Sammelbände, abgeschlossen.

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Marvel-Superhelden sind oft vor allem für ihre Abenteuer im Team berühmt: Nur wenige Avengers, fast keiner der X-Men hat eine eigene monatliche Solo-Comicreihe. 2012 erzählte ein schmissiger, eleganter „Hawkeye“-Comic, wie die beiden Bogenschützen Clint Barton und Kate Bishop leben, wenn sie nicht gerade mit den Avengers die Welt retten. Die Reihe wurde zum Überraschungshit – und seitdem gibt es immer wieder neue, oft schrullige Solo-Experimente.

She-Hulk Jennifer Waters ist zu laut, zu forsch, zu grün, zu wild – und fliegt aus ihrer Großkanzlei. Sie eröffnet ein eigenes Büro, trifft in verschiedenen Verhandlungen und Kämpfen auf Daredevil, Captain America, Ant-Man und Doctor Doom. Autor Charles Soule hat selbst als Rechtsanwalt gearbeitet. Eine selbstbewusste, humorvolle, recht erwachsene Serie, nach 12 Heften eingestellt.

Leichte, smarte Unterhaltung – abseits vom Einheitsbrei.

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15. Ms. Marvel (USA)

Ms. Marvel (USA)

Autorin: G. Willow Wilson, Zeichner: Adrian Alphona
Marvel Comics, seit Februar 2014. Deutsch bei Panini.
19+ Hefte und einige Gastauftritte / drei Sammelbände, wird fortgesetzt.

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Believe the Hype! Den ersten Band „Ms. Marvel“ würde ich am liebsten jedem Menschen von 10 bis 15 schenken – oder… bis 45. Ein All-Ages-Comic, charmant, atmosphärisch, optimistisch und rasant wie „Harry Potter“.

Band 2 hatte hanebüchene Konflikte und viel (leeres, dummes) Gerede über die angeblichen Besonderheiten der Generation Y. Und mit Band 3 tauchen immer kompliziertere Marvel-Crossover und -Bezüge auf. Auch der Zeichner wechselt ärgerlich oft: Vielleicht verheddert sich die Reihe gerade.

Vorerst aber: Unbedingt lesen! Kamala Khan, Teenager, Online-Nerd und Muslima, lebt in New Jersey. Ihre Eltern sind aus Pakistan eingewandert und haben Angst, dass sie verwestlicht. Als sie bemerkt, dass sie ihren Körper verformen, schrumpfen, verwandeln kann, hilft sie in Schule und Nachbarschaft. Ein humorvoller Comic, bunter und kindlicher als viele andere Marvel-Titel – geschrieben von einer muslimischen Autorin.

Ein zeitgemäßer, sympathischer Bestseller – aber manchmal zu drollig, harmlos.

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14. Twin Spica (Japan)

Twin Spica (Japan)

Autor und Zeichner: Kou Yaginuma
Media Factory, 2001 bis 2009.
90+ monatliche Kapitel, gesammelt in 16 Sammelbänden, abgeschlossen.

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Wieder ein „Harry Potter“-Vergleich: Drei Mädchen und zwei Jungs auf einer gefährlichen Elite-Akademie. Talent und Potenzial, tragische Vorgeschichten. Geheimnisse. Verluste:

Asumis Mutter starb 2010 – als die Lion, das erste Space-Shuttle Japans, auf ihre Heimatstadt stürzte. Trotzdem will Asumi Astronautin werden – unterstützt von ihrem depressiven Vater, und dem Geist eines verglühten Lion-Astronauten.

„Twin Spica“ wirkt simpel und süßlich. Die extrem kleine, kindliche Asumi sieht aus wie Heidi, jede Figur hat ein rührseliges Trauma, kurz dachte ich: für Zehnjährige, höchstens – oder Fans vom „kleinen Prinz“.

Doch Leitmotive, Bildsprache, Psychologie und Stimmungen werden so geschickt verwebt… mit jedem Band (ich kenne sechs von 16) wird diese zarte Coming-of-Age-Geschichte trauriger, ernster, klüger, subtiler.

Mut zum Melodrama: das Kitschig-Schönste, das ich seit Jahren las. Hach!

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13. Darth Vader (USA)

Darth Vader (USA)

Autor: Kieron Gillen, Zeichner: Salvador Larocca
Marvel Comics, seit Februar 2015.
Deutsch nur kapitelweise als Back-up in Paninis monatlichem “Star Wars”-Heft.
14+ Hefte und einige Crossover („Vader Down“) / zwei Sammelbände, wird fortgesetzt.

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Kieron Gillen nervt: Sein „Young Avengers“-Comic hatte pro Heft 15 selbstverliebte Ideen – aber wenig Lust auf Plot und Timing. Seine Musik- und Jugendkultur-Comicreihen „The Wicked + the Divine“ und „Phonogram“ baden in Geplapper, Posen. Eitlem Gewäsch. Auch im offiziellen „Darth Vader“-Comic will Gillen zeigen, wie crazy originell er immer noch ein, zwei, fünf draufsetzt – auf die verbrauchtesten Ideen:

Darth Vader verbündet sich mit einer sexy Weltraum-Archäologin? Die durch Weltraum-Tempel springt wie Indiana Jones? Ihm helfen zwei Killer-Droiden im selben Look wie R2-D2 und C-3PO? Die ständig Menschen töten wollen, beim Foltern und via Flammenwerfer?

Der größte Marvel-“Star Wars“-Comic macht keinen Spaß. Auch viele Spin-Offs haben Schwierigkeiten [Link: Tipps von mir]. Die beiden besten aktuellen Reihen sind – Überraschung – „Kanan: The Last Padawan“ und Gillens „Darth Vader“. Weil Gillen eine recht einfache Geschichte erzählt. Weiterhin gerne parodiert, zitiert, postmodern spielt. Doch weniger überschnappt als sonst:

„Star Wars“ als Korsett, Gerüst, Hundeleine für einen talentierten, aber überdrehten Autor. Dunkler Humor und viel Suspense zwischen Episode IV und V.

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12. Der Traum von Olympia (Deutschland)

Der Traum von Olympia (Deutschland)

Autor und Zeichner: Reinhard Kleist.
Carlsen Comics, Januar 2015. Schon 2014 seitenweise in der FAZ erschienen.
Graphic Novel, 152 Seiten, abgeschlossen.
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Bei den Olympischen Spielen 2008 lief Samia Yusuf Omar im 200-Meter-Sprint für Somalia: Sie brauchte fast zehn Sekunden länger als die anderen Läuferinnen – doch wurde vom Publikum wie eine Siegerin beklatscht [Video].

Reinhard Kleist schreibt und zeichnet einfache Schwarzweiß-Comics, meist historisch-biografisch. Für die FAZ recherchierte er Omars Geschichte: Ihr Leben in Somalia und Äthopien, ihr Training und der Druck, den islamistische Machthaber auf Frauen im Sport ausüben. Beim Versuch, illegal nach Europa zu fliehen, ertrank Omar Mitte 2012, mit 21 Jahren.

Kleists Comic ist so simpel, linear, verständlich – perfekt als Schullektüre und für Menschen, die Scheu vor Comics haben oder von Bildsprache überfordert sind. Ich hoffe, Kleist – der beliebteste und bekannteste deutsche Graphic-Novel-Künstler – kann mehr und hat noch andere Ambitionen.

Doch besonders 2015, fürs Massenpublikum, kann ich mir kein sinnvolleres Buch vorstellen.

(„Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck ist klüger, komplexer, besser. Aber eben: kein Comic.)

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11. The October Faction (USA)

The October Faction (USA)

Autor: Steve Niles, Zeichner: Damien Worm
IDW Comics, seit Oktober 2014.
12+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Der pseudo-schwarze Humor der „Addams Family“ langweilt mich. Was Tim Burton „unkonventionell“ nennt, ödet mich an. Gothic Horror, Emo-Kitsch, die dunkle Romantik, die meisten Schauer-Comics? Nicht mein Fall. Wozu also eine Humor-/Action-Reihe über eine morbide Familie aus Hexen, Dämonenjägern, Monstern in einer klischeehaften Villa?

„The October Faction“ handelt von schlechten Kompromissen, falschen Entscheidungen, von der Schuld und dem Selbstekel, den selbst die patentesten, integersten Eltern auf sich laden im Lauf der Jahre. Sympathisch verkorkste Teenager, eine brutal-pragmatische Mutter und ein Vater, so doppelbödig/abgründig, dass Leser sagen: „Das ist der beste John-Constantine-Comic seit Jahren.“

Ich bin überrascht, wieviel Herz, Hirn, Schwung und emotionale Tiefe sich eine so eitle und stilisierte Reihe bewahrt: Für Fans von „Supernatural“ und guten Seifenopern.

Keine große Kunst – aber mehr Substanz, als die klamaukigen Zeichnungen vermuten lassen.

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10. Southern Bastards (USA)

Southern Bastards (USA)

Autor: Jason Aaron, Zeichner: Jason Latour
Image Comics, seit April 2014.
14+ Hefte in mindestens 3 Sammelbänden (ich kenne 2), wird fortgesetzt.

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Als Comic hat „Southern Bastards“ große Schwächen. Im ersten Sammelband geht alles schief. In Band 2 ruht die Handlung. Als Literatur dagegen ist die dunkle, drückende Serie über ein Provinznest in Alabama, dessen korrupter alter Football-Coach alle Fäden und Schicksale in der Hand hält, ein Muss.

Jason Aaron, selbst in den Südstaaten geboren, erzählt keine schnelle Geschichte – sondern baut Räume, Atmosphären, fängt ein Milieu in toller Sprache, Jargon, kantigen Dialogen; zeigt Machtverhältnisse und Abhängigkeiten in einer rassistischen, schreiend armen Kulisse, die ich sonst nur aus Cormac-McCarthy– und Daniel-Woodrell-Thrillern kenne… und auf deren Buchrückseite dann immer steht „mit alttestamentarischer Wucht!“

Dick aufgetragen? Nein: klug stilisiert.

Ein Krimi-Western-Hinterwäldler-Korruptions-Noir-Kleinstadtpsychogramm, zynisch, brutal, aber mit sehr genauem Blick, viel Sprachgefühl und, wichtig: Liebe zu den Figuren.

Kein Spannungsbogen. Unsympathische Welt. Aber grandios geschrieben und inszeniert!

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9. Copperhead (USA)

Copperhead (USA)

Autor: Jay Faerber, Zeichner: Scott Godlewski
Image Comics, seit September 2014.
10+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Eine mürrische alleinerziehende Mutter wird Sherriff – in Copperhead, einem gefährlichen Außenposten. Ein Comic wie eine billige 90er-Jahre-Serie: schnelle Fälle und simple Figuren wie in „Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft“, platte Aliens und Interspezies-Konflikte wie in „Earth 2“, alles im Wildwest-Weltraum-Look von„Marshall Bravestarr“ (1987).

Sherriff Clara Bronson droht, knallt, flucht und flirtet im Saloon. Ihr kleiner Sohn läuft heimlich in die Wüste – und freundet sich mit Ishmael an, einem Killer-Androiden. Die Ureinwohner des Planeten sind Insektenmonster. Und Budroxifinicus, der gutmütige, riesige Hilfssherriff, gehört einer Alien-Rasse an, die erst kürzlich mit der Menschheit Krieg führte.

Viele US-Comics wollen zu viel in zu kurzer Zeit. „Copperhead“ ist sechs Nummern seichter, flacher, geradliniger als Konkurrenz-Reihen wie „Saga“. Aber dafür eben auch: zugänglicher, mitreißender, plausibler. Ein stimmiger, nostalgischer Mainstream-Comic:

Wer vor 20 Jahren simple Serien mochte, wird die schlichten Sammelbände lieben.

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8. Harrow County (USA)

Harrow County (USA)

Autor: Cullen Bunn, Zeichner: Tyler Crook
Dark Horse Comics, seit Mai 2015.
8+ Hefte in 2+ Sammelbänden (ich kenne den ersten), wird fortgesetzt.

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Mir sind in Comics tolle Plots, Dialoge, Sprache wichtiger als kunst- und ausdrucksvolle Bilder. Trotzdem machen mich „Narration Boxes“ müde – die Vierecke, in denen schlechte Künstler einen allwissenden Erzähler alles sagen lassen, was sie über Bild und Dialog nicht transportieren können. Je mehr Text in Narration Boxes, desto schlechter ist meist der Comic.

„Harrow County“ habe ich lange übersehen: ein nichtssagendes Cover, zu kindliche Zeichnungen, als dass ich Grusel, Angst empfunden hätte – und der dritte beliebte Hexen-Comic, nachdem mich schon Terry Moores amateurhaftes „Rachel Rising“ und Scott Snyders selbstverliebt-wirres „Wytches“ nicht überzeugten.

Tatsächlich ist „Harrow County“ ein Glücksfall. Wegen der blendend geschriebenen Narration Boxes! Den Zeichnungen, die zur kindlichen, viel zu naiven Hauptfigur passen. Und, weil hier ein klassischer, packender Hexe-gegen-Kleinstadt-Kampf erzählt wird in den 30er Jahren. Mit der – überraschten, nichtsahnenden – Hexe als Heldin.

Einfacher, simmungsvoller Grusel für Leser*innen ab 12. Letzte Woche wurde überdie Verfilmung berichtet.

[Mehr Hexen? Ich freue mich auf „Sabrina“, „Providence“ und „Black Magick“]

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7. Injection (USA, britischer Autor)

Injection (USA, britischer Autor)

Autor: Warren Ellis, Zeichner: Declan Shalvey und Jordie Bellaire
Image Comics, Mai bis September 2015.
5 Hefte in einem Sammelband, pausiert gerade. Mindestens 5 weitere Hefte ab 13. Januar 2016.

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Auf den Comic-Bestenlisten vieler Männer, die sich für besonders „hart“ und „alternativ“ halten, stehen seit Jahrzehnten drei Namen: Garth Ennis, Mark Millar undWarren Ellis.

Von Ennis kenne ich nur eine zarte Superman-Geschichte aus „Hitman“. Von Millar das fast disneyhaft süße, nostalgische „Starlight“. Ellis mag ich seit seiner kindisch-wüsten Marvel-Parodie „Nextwave“. Aktuell schreibt er auch „Trees“, einen ambitioniert politischen, aber noch arg verzettelten Comic über die Frage, was aus Krieg, Macht, Ego wird, sobald die Menschheit sicher sein könnte, dass es fortschrittlichere Aliens gibt.

Dass in „Injection“ viel geschossen und gestorben, geflucht, gesoffen und geblutet wird, gehört wahrscheinlich zur Marke „Warren Ellis“. Noch mehr aber geht es ums Altern und Beten, Wandern und Meditieren, Hoffen und Resignieren. Fünf Wissenschaftler haben die Welt verändert, mit einer geheimen „Injektion“. Jetzt, Jahre später, zahlt die Welt den Preis – und ein Dana-Scully-Lookalike über 50 humpelt und flucht durch eine mystische Regierungsverschwörung.

Tolle Figuren, verquaste Esoterik: Bisher überzeugen mich Stil, Atmosphäre, Psychologie. Könnte aber schlimmer Märchen- und Pagan-Kitsch sein.

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6. The Fade Out (USA)

The Fade Out (USA)

Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, seit August 2014.
11+ Hefte in 2+ Sammelbänden, ist auf 15 Hefte/3 Sammelbände angelegt.

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Charlie Parish ist Drehbuchautor – heimlich: Er macht den Job, für den sein Alkoholikerkumpel Gil bezahlt wird. Bei einer Party stirbt Hauptdarstellerin Valeria Summers. Charlie verliebt sich in Maya Silver – den jungen Star, der sie ersetzen soll. Während viele Szenen neu gedreht, das Drehbuch ständig ausgebessert wird, versucht er, sich an die Mordnacht zu erinnern.

Ich liebe Ed Brubaker seit „Gotham Central“. Seit 15 Jahren erzählt er immer wieder gefeierte historische Noir-Dramen um Detektive und Killer. „Fatale“ brach ich schnell ab: Was als Krimi begann, wurde zu schnell von trashigen Lovecraft-Tentakelnerwürgt.

„The Fade Out“ bleibt den klassischen Farben, Motiven, Tricks des Krimi-Genres treu: Hollywood 1948. Kaputte Stars, Auf-, Absteiger. Bittere Geheimnisse. Verrat und Sünde. Ein glänzend recherchierter, toll gezeichneter Comic zweier Profis.

Nicht bahnbrechend, ambitioniert – aber stimmig, fesselnd, smart, detailverliebt… und wunderbar traurig.

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5. Jupiter’s Legacy / Jupiter’s Circle (USA, britischer Autor)

Jupiter's Legacy / Jupiter's Circle (USA, britischer Autor)

Autor: Mark Millar, Zeichner: Frank Quietly
Image Comics, seit April 2013.
Zweimal fünf Hefte (jeweils 1 Sammelband) sind geplant, die ersten 5 erschienen bis Anfang 2015. Danach, April bis September 2015, folgten 6 Hefte der Prequel-Serie „Jupiter’s Circle“. Hefte 6 bis 10 sind in Arbeit, haben aber noch kein Veröffentlichungsdatum.

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Wer selten Superheldencomics liest, stolpert bald über ein Gedankenspiel: Was, wenn Superman böse wäre? Oder ihn ein anderer Held, militanter und despotischer, töten und ersetzen könnte?

Superman-Fans – wie mir – stellt sich die Frage selten. Weil seit „Death & Return of Superman“ und „Kingdom Come“ vor über 20 Jahren fast jedes Jahr zwei, drei neue Was-wäre-wenn-Geschichten dazu dazu erscheinen: Die meisten bleiben seichte, pubertäre Dystopien – ohne politischen Biss, Erkenntniswert, Dramatik.

„Jupiter’s Legacy“ handelt von einer Gruppe Abenteurer, die 1932 auf einer verlassenen Insel Superkräfte erhielten. Seitdem behüten und gängeln sie die Menschheit. Als ihre Kinder – viele mit eigenen Kräften – rebellieren und die besonnenen Alten beseitigen, entsteht ein Polizei- und Überwachungsstaat.

Millars Geschichte ist simpel – aber wendungsreich, warmherzig, mit viel Liebe zu Figuren, die sich schnell und überraschend entwickeln. Der größte Gewinn aber sind die Zeichnungen von Frank Quitely: hübsch-hässlich-knittrig-simpel-detailverliebtes Gekrakel. Eine Welt, die an allen Rändern ausfranst, Falten wirft. Auch die Rückblenden in die 50er und 60er Jahre in der Ableger-Serie „Jupiter’s Circle“ machen Spaß.

Verbrauchtes Konzept, fesselnde Umsetzung: der schönste Mainstream-Superhelden-Schwanengesang des Jahres.

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4. Saga (USA)

Saga (USA)

Autor: Brian K. Vaughan, Zeichnerin: Fiona Staples
Image Comics, seit März 2012. Deutsch bei Cross Cult.
31+ Hefte in 6+ Sammelbänden, wird fortgesetzt, idealerweise noch mehrere Jahre.

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Brian K. Vaughan ist einer der klügsten Autoren, die ich kenne.

Doch er ist nicht so klug, wie er selbst denkt. Und deshalb sind seine politischen, kritischen, verbissen originellen Comic-Reihen oft nur halb so clever, rebellisch, überraschend, wie sie zu sein glauben (aktuell: der selbstverliebte, recht trashige USA-gegen-Kanada-Kriegscomic „We stand on Guard“).

„Saga“ stieß mich anfangs ab – weil es sich las, als glaube Vaughan wieder, ALLEN alles beweisen zu müssen: eine Space Opera voller Verfolgungsjagden, Verräter, Explosionen. Ein Liebespaar wie aus „Romeo und Julia“, gerade Eltern geworden. Raumschiffe aus Holz, die in Wäldern wachsen. Roboter-Monarchien. Robbenwesen, Spinnenwesen, Geister-Babysitter und ein Zyklop, der Kitschromane schreibt und aussieht wie Ernest Hemingway. Uff.

Unter dem verbissen originellen (aber toll gezeichneten!) postmodernen Mash-Up-Plunder geht es um Krieg und Elternschaft – und Weisheiten über den Kosmos und das Leben, die auch aus einer „Brigitte“-Kolumne stammen könnten.

Dass ich „Saga“ trotz dieser Ticks und Eitelkeiten nach über drei Jahren Mitfiebern und Lesen liebe, bemerkte ich vor drei Monaten: Ich las den offiziellen „Star Wars“-Comic. Und dachte: Was für eine fade, bemühte, abgeschmackte „Saga“-Kopie. [Im Ernst: Link!]

„Saga“ kann Space Opera im 21. Jahrhundert besser.

(…sage ich keine Woche vor der „Star Wars 7“-Premiere. Mal sehen, wer danach führt!)

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3. Sakamichi no Apollon (Japan)

Sakamichi no Apollon (Japan)

Autorin und Zeichnerin: Yuki Kodama
Shogakukan, 2007 bis 2012, keine deutsche Version.
50 monatliche Kapitel, gesammelt in 10 Sammelbänden (der letzte Band: Epilog), abgeschlossen.

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Im August las ich die ersten Seiten von über 150 Mangas – und merkte: Oft brauchen sie viel länger, um Stimmung und Ton zu treffen. Die Eröffnung bleibt meist unbeholfen. Überfrachtet.

Bei „Kids on the Slope“ (englischer Titel der Anime-Adaption) war ich nicht sicher, ob ich in einer schwulen Romanze stecke, einer Pennäler-Komödie im Retro-Look oder mitten im Kampf zweier ungleicher Schüler – ein verzärtelter Nerd, ein bettelarmer Raufbold – um das selbe Mädchen. Alle (männlichen) Figuren spielen in einer Jazzband. Doch Jazz-Exkurse bleiben nebensächlich.

Nein. „Sakamichi no Apollon“ (nur als Fan-Übersetzung online lesbar) ist die Geschichte einer (lebenslangen?) Freundschaft. Die späten 60er Jahre in der japanischen Provinz. Enge Rollenbilder. Armut. Der Mut, von etwas zu träumen. Zu jemandem zu stehen – behutsam inszeniert im simplen Retro-Zeichenstil.

Ein langsames, zärtliches, schlichtes Coming-of-Age – oft witzig und zum Heulen schön. Ohne große Abgründe, Effekte, Pomp.

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2. Lazarus (USA)

Lazarus (USA)

Autor: Greg Rucka, Zeichner: Michael Lark
Image Comics, seit Juli 2013.
21+ Hefte in 4+ Sammelbänden (ich kenne drei), wird fortgesetzt.

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Greg Rucka ist mein Lieblings-Comicautor – und „Lazarus“ hat, als vielleicht erste Rucka-Reihe, das Potenzial zum Mainstream-Erfolg. Eine TV-Serie ist in Planung:

Im späten 21. Jahrhundert wird die Welt von familiengeführten Konzernen beherrscht: neofeudale Clans, die ein paar Menschen als Leibeigene benutzen und versorgen (Kategorie „Serv“), den Rest aber in Reservaten und als Kleinbauern sterben lassen (Kategorie „Waste“).

Konflikte zwischen Familien werden in ritualisierten Kämpfen ausgetragen: Jeder Clan hat einen „Lazarus“, ein optimiertes (künstliches?) Wesen, das trainiert wurde, um Duelle auszutragen, Gegner einzuschüchtern und diplomatisch zu verhandeln. Die junge Forever ist Tochter und Lazarus des amerikanischen Carlyle-Clans. Während die Familie von allen Seiten attackiert wird, hinterfragt sie ihre Rolle als Waffe.

Rucka und Lark waren schon in „Gotham Central“ großartig. Eine leidenschaftliche, psychologisch stimmige Dystopie mit unvergesslichen Figuren. Harten Entscheidungen. Endlosen Dilemma. Dilemmas? Dilemmata?

Erwachsener als „Hunger Games“. Packender als „The Walking Dead“.

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1. I am a Hero (Japan)

I am a Hero (Japan)

Autor und Zeichner: Kengo Hanazawa
Shogakukan seit 2009, Deutsch bei Carlsen Comics.
200+ Kapitel in 18+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Die ersten 200 Seiten sind hart: Ein misogyner, phlegmatischer, recht dumpfer Manga-Assistent steckt im Alltag fest – und redet unsympathischen Stuss. Die nächsten 200 Seiten, Band 2, sind wirr: Passanten beißen sich gegenseitig, Zombies überrennen Tokio, alles bricht zusammen. Noch in Band 3 war mir nicht klar, ob ich einen Zombie-Thriller lese, über eine Zombie-Komödie und -Parodie lachen soll oder nur die Fehler einer verpeilten, passiven, selbstmitleidigen Hauptfigur zählen: eine Art „Girls“ oder „Louie“, ein Woody-Allen-Film… mit Zombies?

„I am a Hero“ ist langsam. Oft hässlich, unsympathisch, grotesk. Alle Figuren sind überfordert und distanziert. Nichts gelingt. Man schwimmt bis zu 800 Seiten am Stück mit neurotischen, fremden Menschen in stillen, bedrohlichen, verwirrenden Szenen – in denen jederzeit alles eskalieren kann.

Fotorealistisch gezeichnet. An vielen Stellen zum Schreien spannend. Ein toller Blick auf Alltagskultur, Moral, Ethos, Sexismus, Twenty- und Thirtysomething-Defekte, Versagensängste in Japan. Ein Freund las die ersten Bände und sagte „Ich sehe da nichts als Trash.“

Ich sehe: eine unerträgliche Figur in einer unerträglichen Geschichte – die mich begeistert, überfordert, angeekelt und beglückt hat wie keine andere Erzählung seit Jahren. Vergleichbar vielleicht mit „Geister“ von Lars von Trier. Aber eben: schleppend, langsam, viel richtungsloser.

Ich bin in Band 16. Ein Ende/Finale ist langsam absehbar (noch zwei, drei Jahre?).

Wenn es auf diesem Niveau endet, ist es ein Meisterwerk.

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Der Trailer zur “I am a Hero”-Verfilmung, 2016:

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…zu rasant, zu komödiantisch, zu locker, zu sommerlich:

Der Manga ist stiller und… verzweifelter. Aber die “Soll ich lachen, schreien, weinen?”-Stimmung die selbe. Der Hauptdarsteller passt perfekt.

Die besten Bücher 2016: erste Favoriten und Empfehlungen

best US nonfiction 2016 stefan mesch
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Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

Eine erste Auswahl der literarischen Neuerscheinungen, die ich bis Ende des Jahres u.a. für ZEIT Online und Deutschlandradio Kultur (an-)lesen, sichten, sortieren will.

Hier meine Auswahl für 2016. Ergänzungen sind willkommen: Besonders die Vorschauen/Programme kleinerer Verlage 2016 habe ich noch nicht durchgearbeitet.

2015 hat Freundin W. die wichtigsten auf Deutsch erscheinenden Bücher 2015 in einem Ranking bei Goodreads aufgelistet: Link. Die Liste für 2016 ist hier.

Buchtipps und Empfehlungen von mir:  Link 1  |  Link 2  |  Link 3

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vier persönliche Empfehlungen – Bücher 2016, gelesen und gemocht:

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1: GERTRAUD KLEMM, “Muttergehäuse”, österreichische Memoir/literarisch-biografische Textcollage

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MuttergehäuseIch habe “Herzmilch” und “Aberland”, zwei sehr gut besprochene Romane Gertraud Klemms über unzufriedene Frauen/Mütter, angelesen… und mir ein drittes Buch von ihr (erscheint im Februar 2016) im Blog vorgemerkt (Link). Kremayr & Scherlau schickte mir ungefragt ein Leseexemplar. Vielleicht das Beste, was mir die Post 2015 zustellte:

In “Mütter auf Papier” (2010) schrieb Klemm über den boshaften, herablassenden, sexistischen, gehässigen Quatsch, den sich eine Frau mit Mutterwunsch anhören muss, die immer wieder Kinder in der Schwangerschaft verliert. Eine autobiografische Textcollage: Kurzprosa, Fragmente, viel Wut, Intimität, kluger Furor. “Muttergehäuse” ist die überarbeitete Version dieses “Mütter auf Papier”-Berichts – ein kurzes, luzid formuliertes, wunderbar konkretes Buch über Frustrationen, schlechte Freunde, Angst, Druck… und Auswege.

Ich bin jetzt Klemm-Fan: feministisch, literarisch, spitz, ehrlich, reflektiert.

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2: SACHA BATTHYANY: „Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie“

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Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie.Ich habe den Titel Ende Februar bei Deutschlandradio Kultur empfohlen [Audio und Text]: „Kurz vor Kriegsende feierte Gräfin Margit von Batthyány-Thyssen im Burgenland ein Fest mit der örtlichen Waffen-SS. In derselben Nacht wurden 180 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. „Und was hat das mit mir zu tun?“ fragt Sacha Batthyany, Schweizer Journalist und Enkel von Margits Schwester, in einem 250 Seiten langen, sehr persönlichen Report:

Er reist ins Burgenland, nach Südamerika und Russland, zitiert ausgiebig aus Tagebüchern, befragt Verwandte, beginnt eine Psychoanalyse. Erschoss Tante Margit, verstorben 1989, jüdische Zwangsarbeiter? Oder teilte sie bloß die Gewehre aus? Fallen solche Abstufungen ins Gewicht? Für wen: für die Nachkommen und ihre Familien? Für die Opfer? Für uns alle?“

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3: KEI SANBE, „Die Stadt, in der es mich nicht gibt“

[Manga-Reihe, bisher 7 Bände, Deutsch bei Tokyopop]

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Die Stadt, in der es mich nicht gibt #1 (Die Stadt, in der es mich nicht gibt, #1)…ebenfalls bei Deutschlandradio Kultur empfohlen:

„Jedes Mal, wenn der Alltag katastrophal entgleist, wird Satoru ein paar Minuten in die Vergangenheit versetzt: Die Szene wiederholt sich dann so oft, bis er das jeweilige Unglück verhindern kann. In seiner Kindheit wurden Klassenkameraden ermordet, und alle bemühten sich, den Kidnapper zu vergessen. Plötzlich ist Satoru zurück im Jahr 1988, elf Jahre alt. Er will die Kinder retten. Mit allen Mitteln. Ein Thriller, täuschend simpel gezeichnet, mit wunderbar komplizierten, schlagfertigen, witzigen Figuren und existenziellen Fragen: Rätseln, Fiebern, Lachen, Indizien suchen… keine Seite dieser Bände vergeht, ohne dass Herz und Hirn auf fünf verschiedene Arten gefordert sind.“ [mehr aktuelle Manga-Empfehlungen hier, Link]

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4: ISABEL BOGDAN, „Der Pfau“

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Der Pfau256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch:

Eine – sehr ruhige – Komödie über eine Gruppe britischer Banker und ihre schnippische Chefin, die während einem Teambuilding-Workshop in einem schottischen Herrenhaus eingeschneit werden. Draußen läuft ein Pfau umher, der auf alles pickt, das blau-metallisch glänzt. Eine Satire – aber nicht grell, laut, überdreht. Ein Zwischendurch-Buch – aber ohne Kitsch. Die Figuren sind nicht allzu tief – doch ich nehme Bogdan das britische Setting ab (gute Arbeit!). Es gibt viele Passagen, die mir zu erklärend oder redudant sind: ein Middlebrow-Unterhaltungsroman, der an keiner Stelle weh tut und der vielleicht 20 Seiten kürzer sein könnte.

Aber: Das hier hat so viel Geist, Schmiss, Charme, eine so entspannte, angenehme Grundhaltung… Ich war für fünf, sechs Stunden gern mit diesen Leuten auf diesem Landsitz. Leicht – aber klug, und gut. Empfehlung!

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Übersetzungen, angelesen und gemocht:

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01: BJARTE BREITEIG, „Meine fünf Jahre als Vater“

  • Hat Familienvater Martin die Tochter einer alten Jugendliebe missbraucht?
  • Literarischer Thriller, Norwegen 2014.
  • Luftschacht, 320 Seiten, 1. Januar 2016. Goodreads: 3.82 von 5

Mine fem år som far

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02: JIM SHEPARD, „Aron und der König der Kinder“ / „The Book of Aron“

The Book of Aron

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03: CASTLE FREEMAN, „Männer mit Erfahrung“ / „Go with me“

  • 2008 gelesen und gemocht: sehr simpel, etwas dümmlich/schlicht gestrickt…
  • …aber rasant, düster, unterhaltsam.
  • junge Frau in einem Sägewerkstädtchen in den Bergen wird bedroht… und wehrt sich, mit allen Mitteln
  • Hillbilly-Noir-Thrillerkomödie, USA 2008.
  • Nagel & Kimche, 176 Seiten, 22. Februar 2016. Goodreads: 3.38 von 5

Go With Me

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04: TA-NEHISI COATES, „Zwischen mir und der Welt“ / „Between the World and me“

  • politischer, aber persönlicher Essay über Rassismus, Polizeigewalt, schwarze Identity Politics in den USA
  • ich habe das Original angelesen und fand es schwülstig und schleppend (besonders im Vergleich zum 60 Jahre alten Essay von James Baldwin, „The Fire Next Time“
  • …aber die Kritiken sind überragend, und ich bin gespannt, ob die deutsche Übersetzung für mich besser funktioniert.
  • Hanser Berlin, 240 Seiten, 1. Februar 2016. Goodreads: 4.42 von 5

Between the World and Me

 

05: Update: gelesen – ich fand es recht oberflächlich, verdruckst, zu seicht. kurze Schmunzel-Texte, die ich nicht empfehlen kann.

ETGAR KERET, „Die sieben guten Jahre: Mein Leben als Vater und Sohn“ / „The Seven Good Years“

  • Memoir: Israelischer Autor über 7 Jahre seines Lebens:
  • die Zeit zwischen der Geburt seines Sohnes – und dem Tod seines Vaters.
  • S. Fischer, 224 Seiten, 25. Februar 2016. Goodreads: 4.21 von 5

The Seven Good Years

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06: JAKOB EJERSBO, „Liberty“

  • Die 80er Jahre: Ein dänischer Schüler zieht mit seinen Eltern nach Tansania und findet einen schwarzen besten Freund.
  • Band 3 einer Afrika-Trilogie, aber für sich allein lesbar.
  • Dänemark 2009, Taschenbuch-Neuauflage bei btb, 864 Seiten, 8. März 2016. Goodreads: 4.30 von 5

Liberty: Roman (German Edition)

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07: OWEN SHEARS, „I saw a Man“

  • junger Witwer zieht zu befreundetem Ehepaar nach London…
  • …und stolpert in ein häusliches Drama. Literarischer Thriller.
  • UK 2014, dva, 304 Seiten, 8. März 2016. Goodreads: 3.65 von 5

I Saw a Man

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08: PATTI SMITH, „M Train: Erinnerungen“

M Train

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09: E.M. FORSTER, „Die Maschine steht still“ / „The Machine stops“

  • Novelle: klassische Science-Fiction-Parabel über eine Welt, in der allen Bürgern fast alles via Knopfdruck geliefert wird. Für immer?
  • UK 1909, Hoffmann und Campe, 96 Seiten, 10. März 2015. Goodreads: 4.01 von 5

The Machine Stops

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10: STEWART O’NAN, „Westlich des Sunset“ / „West of Sunset“

  • Stewart O’Nan ist mein US-Lieblingsschriftsteller (Gegenwart). Empfehlungen: „Die Chance“, „Das Glück der anderen“, „Abschied von Chautauqua“, „Der Zirkusbrand“
  • längerer Text von mir über die Stärken von O’Nan: Literaturkritik.de
  • „West of Sunset“ erzählt die letzten drei Jahre im Leben von F. Scott Fitzgerald
  • kein gutes Gefühl: betulich, Historienkitsch, overwritten.
  • ich lese das auf jeden Fall – aber ich erwarte von O’Nan mehr/Besseres.
  • USA 2015, Rowohlt, 448 Seiten, 26. März 2015. Goodreads: 3.56 von 5

West of Sunset

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11: ALEXANDER MAKSIK, „Die Gestrandete“ / „A Marker to measure Drift“

  • 23jährige traumatisierte Afrikanerin auf einer griechischen Insel: Sie braucht lange, um sich einer Griechin anzuvertrauen und von den Umständen ihrer Flucht und ihres Lebens zu erzählen.
  • ich mochte Maksiks (autobiografisches, umstrittenes, recht simples) Debüt sehr, „You deserve nothing“/“Seinodernichtsein“, fand aber bei „Die Gestrandete“ Sprache/Stil zu simpel, um dem Thema gerecht zu werden. Ich lese nochmal länger und gründlicher, bald.
  • USA 2013, Droemer, 288 Seiten, 1. April 2015. Goodreads: 3.76 von 5

A Marker to Measure Drift

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12: ANTHONY MARRA, „Letztes Lied einer vergangenen Welt. Stories.“ / „The Tsar of Love and Techno“

  • junger US-Autor und Russland-/Tschetschenien-Experte erzählt Kurzgeschichten, oft historisch.
  • USA 2015, Suhrkamp, 380 Seiten, 11. April 2016. Goodreads: 4.44 von 5

The Tsar of Love and Techno

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13: KERRY HOWLEY, „Geworfen“ / „Thrown“

  • Reportage/literarisches Essay, USA 2014:
  • junge Philosophin beobachtet MMA-Kämpfe (Mixed Martial Arts)
  • Ullstein, 380 Seiten, 11. April 2016. Goodreads: 3.82 von 5

Thrown

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14: NICHOLAS CHRISTOPHER, „Eine Reise zu den Sternen“ / „A Trip to the Stars“

  • märchenhafter Bildungs- und Familienroman über einen Jungen, der ab 1965 bei einem mysteriösen Millionär aufwächst.
  • Neuauflage als Taschenbuch, USA 2000, dtv, 672 Seiten, 22. April 2016. Goodreads: 4.30 von 5

A Trip to the Stars

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15: KURT VONNEGUT: „Schlachthof 5“ / „Slaughterhouse-Five“

  • ich habe die alte deutsche Übersetzung angelesen – ohne Gewinn.
  • ich mag, schätze Gregor Hens (Link, Text von mir), den Übersetzer dieser Neuauflage.
  • Science-Fiction- und Hipster-Klassiker von 1969:
  • junger Amerikaner wird von Aliens entführt und erlebt sein ganzes Leben gleichzeitig, u.a. die Bombardierung Dresdens
  • Neuübersetzung bei Hoffmann und Campe, 224 Seiten, 14. Mai 2016. Goodreads: 4.03 von 5

Slaughterhouse-Five

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16: MIRIAM TOEWS, „Das gläserne Klavier“ / „All my puny Sorrows“

  • Unterhaltungsroman: Erfolgreiche Pianistin will sich umbringen – und ihre überforderte, chaotische Schwester versucht, ihr beizustehen.
  • Ich mag Miriam Toews‘ (einfachen, launigen) Coming-of-Age-Roman „A complicated Kindness“, und ich liebe „Swing Low“, ein Buch über den Selbstmord ihres Vaters. Alle Romane aber sind oft zu drollig, kitschig, zu „Little Miss Sunshine“, nicht HALB so verrückt und unkonventionell, wie Toews glaubt.
  • Kanada 2014, Berlin Verlag, 368 Seiten, 2. Mai 2016. Goodreads: 3.95 von 5

All My Puny Sorrows

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17: ROBIN BLACK, „Portrait einer Ehe“ / „Life Drawing“

  • Ein junges Ehepaar zieht von der Stadt aufs Land. Eine junge Nachbarin sucht Kontakt. Kurz darauf ist der Mann tot:
  • mir schien es überkanditelt, prätenziös… aber ich lese nochmal länger.
  • USA 2014, Luchterhand, 320 Seiten, 24. Mai 2016. Goodreads: 3.67 von 5

Life Drawing

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18: PATRICK DeWITT, „Der Diener, die Dame, das Dorf und die Diebe“ / „Undermajordomo Minor“

  • Kanada, 2015: DeWitt schrieb eine überspannte, eitle, gewollt schrullige Western-Parodie, „The Sisters Brothers“, die mich nicht überzeugte.
  • Der neue Roman ist ähnlich grell und verspielt, aber handelt von einem einfachen Dorfjungen, der als Kammerdiener in eine Verschwörung auf einem Schloss verwickelt wird.
  • Wenn die Übersetzung gut ist (Ü: Jörn Ingwersen), kann das toll werden.
  • Goldmann Manhattan, 352 Seiten, 13. Juni 2016. Goodreads: 3.78 von 5

Undermajordomo Minor

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19: CHINUA ACHEBE, „Einer von uns“ / „A Man of the People“

  • ein Staat in Afrika: junger Mann trifft auf einen korrupten Minister – und gerät in die Mühlen eines Staatsstreichs
  • Nigeria 1966, zum ersten Mal auf Deutsch (Ü: Uda Strätling)
  • S. Fischer, 224 Seiten, 25. August 2016. Goodreads: 3.85 von 5

A Man of the People

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neue deutsche / deutschsprachige Titel:

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romane 2016 001

  • Sarah Kuttner: „180 Grad Meer“, Familienroman: junge Sängerin reist nach England, um ihren sterbenden Vater zu pflegen. (S. Fischer, 272 Seiten, 31. Dezember 2015.)
  • Dietmar Dath: „Leider bin ich tot“: „Ein deutscher Filmregisseur flieht vor einer anstrengenden Liebe. Seine Schwester wird vom Staat verdächtigt, als radikale Islamistin einen Anschlag zu planen. Sein bester Freund aus Kindertagen kämpft als Pfarrer mit dem Teufel. Und eine Frau, die alle drei kennt, aber mehr ist als ein Mensch, öffnet die Tür zum Schlimmsten, was Menschen sich vorstellen können.“ (Suhrkamp, 463 Seiten, 10. Januar 2016)
  • Markus Flohr: „Alte Sachen“, Enkelin von Nazis (?) lernt in Berlin einen jungen israelischen Änderungsschneider kennen, dessen Familie enteignet wurde. (Rowohlt, 370 Seiten, 22. Januar 2016.)
  • Norbert Gstrein: „In der freien Welt“, ein amerikanischer Jude wird in San Francisco erstochen. Hugo, ein Freund aus Österreich, reist nach Kalifornien und Israel, um die Hintergründe zu erfahren. (Hanser, 496 Seiten, 1. Februar 2016)

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romane 2016 002

  • Michael Köhlmeier: „Das Mädchen mit dem Fingerhut“, kurzes und, fürchte ich, kitschig-märchenhaftes Buch über Waisenkinder „ohne Herkunft“, allein in einer europäischen Stadt. (Hanser, 144 Seiten, 1. Februar 2016.)
  • Katharina Winkler: „Blauschmuck“, „Statt Jeans trägt Filiz jetzt Burka“ und wird von ihrem kurdischen Mann misshandelt, „beruht zur Gänze auf wahren Begebenheiten“. Hm. (Suhrkamp, 196 Seiten, 8. Februar 2016.)
  • Isabel Bogdan: „Der Pfau“, britisch-absurde Satire über Banker, die bei einem Teambuilding-Weekend auf dem Landsitz eines exzentrischen Schotten festsitzen. (Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 18. Februar 2016.)

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romane 2016 003

  • Karen Duve: „Macht“, Hamburg im Jahr 2030: Ein alter Mann hat seine Frau, Ex-Umweltministerin, im Keller angekettet. Doch die alles unterdrückenden Staatsfeministinnen sind ihm auf der Spur. Klingt wie eine zu dick aufgetragene, dumme Satire fürs „Unterwerfung“s-Publikum. (Galiani, 416 Seiten, 18. Februar 2016.)
  • Shida Bazyar: „Nachts ist es leise in Teheran“, Eine iranische Familie flieht nach Deutschland: Roman aus den Jahren 1979, 1989, 1999 und 2009. Shida Bazyar hat in Hildesheim studiert – aber wir haben uns nie gesprochen oder gesehen. (Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten, 18. Februar 2016.)
  • Johanna Adorján: „Geteiltes Vergnügen“, Frau trifft geheimnisvolles… Arschloch? “ Spielt er ein Spiel? Ist seine Unverbindlichkeit eine Art, Macht über sie zu erlangen? Oder bietet er ihr eine Liebe, die freier ist und ehrlicher?“ (Hanser, 208 Seiten, 22. Februar 2016.)

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romane 2016 004

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romane 2016 005

  • Antonia Baum: „Tony Soprano stirbt nicht“, Memoir/Bericht über Sterblichkeit. Der Klappentext spricht mich sehr an: ‚In Antonia Baums letzten Roman dreht sich alles um drei Kinder, die ständig um das Leben ihres risikoverliebten Vaters fürchten. Nur wenige Wochen vor Erscheinen des Buchs verunglückte ihr Vater schwer. Wie es sich anfühlt, wenn aus Fiktion plötzlich Realität wird, und was in einem vorgeht, wenn plötzlich alles stillsteht, die Welt aber weitermacht, davon erzählt Antonia Baum hier.‘ (Hoffmann und Campe, 144 Seiten, 27. Februar 2016.)
  • Thea Dorn: „Die Unglückseligen“, Faust trifft Bioethik: Molekularbiologin, die Zellen unsterblich machen will, lernt einen Mann kennen, der behauptet, er sei der Physiker Johann Wilhelm Ritter, geboren 1776. (Knaus, 540 Seiten, 29. Februar 2016.)

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romane 2016 006

  • Birgit Vanderbeke: „Ich freue mich, dass ich geboren bin“, gestrandet in der BRD/Westdeutschland (60er Jahre) findet ein unglückliches Mädchen (aus der DDR?) eine imaginäre Freundin: sich selbst, als Erwachsene. (Piper, 224 Seiten, 1. März 2016.)
  • Anna Katharina Hahn: „Das Kleid meiner Mutter“, junge Spanierin ohne Perspektive merkt, dass alle Menschen sie für ihre plötzlich verstorbene Mutter halten – sobald sie eines ihrer Kleider trägt. (Suhrkamp, 312 Seiten, 7. März 2016.)

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romane 2016 008

  • Benjamin von Stuckrad-Barre: „Panikherz“, Ist BvSB schon wieder abgestürzt… und erzählt – schon wieder – vom Zurückfinden, von Udo Lindenberg, vom großen Comeback? Ist das immer der selbe Zusammenbruch? Oder passiert ihm einfach alle fünf Jahre alles wieder von vorne? (Kiepenheuer & Witsch, 504 Seiten, 10. März 2016.)
  • Senthuran Varatharajah: „Vor der Zunahme der Zeichen“, Berliner Doktorand und Marburger Kunstgeschichte-Studentin, beide als Kind nach Deutschland geflohen, chatten sieben Tage lang auf Facebook – Roman, kein Journalismus-Projekt. (S. Fischer, 256 Seiten, 10. März 2016.)
  • Michael Schneider: „Ein zweites Leben“, verwitweter und plötzlich arbeitsloser Professor verliebt sich in eine Tanztherapeutin. Könnte schlimm bieder, altmännerhaft, martinmosebachesk sein. Unsympathischer Klappentext. (Kiepenheuer & Witsch, 600 Seiten, 10. März 2016.)

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romane 2016 009

  • Nils-Momme Stockmann: „Der Fuchs“, magischer Realismus/Science Fiction… oder doch nur etwas wie „Heavenly Creatures“? Provinzjunge stellt sich Zeitreisende vor. Später wird sein norddeutsches Dorf, Thule, von einer Flut ausgelöscht. (Rowohlt, 640 Seiten, 11. März 2016.)
  • Stephan Reich: „Wenn’s brennt“, sechs Wochen noch, dann muss Erik eine Ausbildung bei der Post machen, Finn nach Hamburg ziehen: Die beiden Freunde in der Provinz… denken über Selbstmord nach? (dva, 240 Seiten, 14. März 2016.)
  • Ronja von Rönne: „Wir kommen“, „Eine polyamouröse Clique, eine Schildkröte und ein schweigendes Kind fliehen aus der Stadt in ein Haus an der Küste. Denn jemand ist gestorben. […] Sex und Gewalt reichen bald nicht mehr aus, um sich lebendig zu fühlen. Anna, Leonie, Karl und Luke beschließen, mit polemischem Ingrimm, die Grausamkeiten zuzuspitzen. Sie veranstalten ein Fest.“ Hm. (Aufbau, 208 Seiten, 14. März 2016.)
  • Charles Lewinsky: „Andersen“, Mann, der mehrmals wiedergeboren wird, will irrwitzige Pläne bereits als junges Kind umsetzen (…oder, ich habe den Klappentext falsch verstanden. Nagel & Kimche, 400 Seiten, 14. März 2016.)

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romane 2016 010

  • Maxim Biller: „Biografie“, keine Biografie. Der Klappentext klingt ekelhaft selbstverliebt/großsprecherisch. „Maxim Biller hat den jüdischsten, amerikanischsten, komischsten Roman der deutschen Gegenwart geschrieben. Dies ist die verrückte Geschichte von Soli und Noah, beste Freunde und fast Brüder seit ihrer Bar-Mizwa in der Hamburger Synagoge im Jahr 1976, verbunden durch ihre Herkunft, ihren Humor und ihre bizarren sexuellen Fantasien – und gemeinsam verstrickt in eine groteske Erpressungs- und Entführungsstory globalen Ausmaßes.“ (Kiepenheuer & Witsch, 896 Seiten, 8. April 2016.)
  • Hans-Ulrich Treichel: „Tagesanbruch“, Nachkriegsdeutschland: Als ihr erwachsener Sohn stirbt, findet eine Mutter zu sich selbst. (Suhrkamp, 120 Seiten, 8. Mai 2016.)
  • Saša Stanišić: „Fallensteller“, Roman über „Streit und Krieg, Trug und Betrug, Ganoven und Liebende, Geflüchtete und Gealterte, Unternehmensberater und Hirten im Hochgebirge.“ (Luchterhand, 288 Seiten, 9. Mai 2016.)
  • Tilman Rammstedt: „Morgen mehr“, Mann, gestrandet im Jahr 1972, wünscht sich, dass seine Zukunft endlich kommt und will zusammen mit anderen Ungeduldigen, eine Weltzeituhr vor-stellen. (Hanser, 160 Seiten, 9. Mai 2016… mehr zu Konzept und Entstehungsgeschichte hier)

[…Debüts 2016 auch bei ‚Das Debüt‘:  01-2016  | 02-2016]

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vielversprechende Übersetzungen – neu auf Deutsch:

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  • Alexander Ilitschewski, „Der Perser“ („Pers“): Russischer Geologe, in die USA ausgewandert, trifft auf einer Dienstreise in den Irak einen persischen Vogelzüchter. (Suhrkamp, 750 Seiten, 10. Januar 2016. Russland 2009.)
  • Dzevad Karahasan, „Der Trost des Nachthimmels“: Historienroman [mit Krimi-Elementen, wie „Der Name der Rose“?] über den Untergang des Seldschuken-Reiches. (Suhrkamp, 724 Seiten, 8. Februar 2016. Bosnischer Autor.)

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  • Szczepan Twardoch, „Drach“: Eine schlesische Familie, ein Jahrhundert, zwei Soldat Josef im ersten Weltkrieg und sein Urenkel, Architekt Nikodem, im modernen Polen. (Rowohlt, 400 Seiten, 11. März 2016. Polen 2014. Goodreads: 4.16 von 5)
  • Sarit Yishai-Levi, „Die Schönheitskönigin von Jerusalem“: Kitsch-Cover, Kitsch-Klappentext. „Während das Delikatessengeschäft Rafael Ermoza & Söhne im Jerusalemer Machane-Jehuda-Markt floriert, scheint auf den Frauen der Familie ein Fluch zu lasten, der ihnen das Glück in der Liebe verwehrt und sie verbittern lässt. Meisterlich verwebt Sarit Yishai-Levi das Schicksal vierer Generationen der sephardischen Familie mit den bewegtesten Jahrzehnten israelischer Geschichte.“ Hm. (Aufbau, 576 Seiten, 14. März 2016. Israel 2013. Goodreads: 4.12 von 5)

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verwandte Links:

die besten Snacks: meine Junk-Food-Favoriten

junk food, sweets

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Im Mai 2013 probierte ich weißes Duplo. Empfahl es kurz auf Facebook… und erlebte meinen seltsamsten Social-Media-Moment: 2 Likes, 5 Kommentare – erst schien mein Beitrag unwichtig.

Doch jedes Mal, wenn ich seitdem weißes Duplo erwähne, sagt JEDER „Stefan? Klar! Das hast du doch schon auf Facebook gepostet! Ich habe es dann gekauft und selbst probiert.“

Mein einflussreichster Text?

Der Moment, in dem ich die meisten Menschen erreichte?

Ich fürchte, es war dieses „weißes Duplo ist lecker“-Posting vor zwei Jahren.

Wahrscheinlich, weil sich nur eine begrenzte Zahl von Leuten für Bücher, Journalismus, meine Themen interessiert.

ESSEN mag jeder. Deshalb heute (…vermutlich fünfmal erfolgreicher als meine seriösen Blogposts):

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20 Snacks, Süßigkeiten, Getränke, die mich begeistern:

Junk Food!

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01: Melona-Eis

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02: Chabeso-Limonade

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  • deutsche Milchsäure-Orangenlimo, besonders vor dem 2. Weltkrieg populär
  • unaufdringlicher Geschmack, nicht besonders süß
  • wenn mich Mate-Limos langweilen, ist Chabeso eine angenehm neutrale Alternative

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03: Snickers-Brotaufstrich / „Snickers Spread“

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  • Erdnussbutter, Karamell, recht luftige Schoko-Creme
  • schmeckt nicht wie der Snickers-Riegel… sondern leichter, cremiger
  • Anfang der Nullerjahre in Deutschland erhältlich, 2007 eingestellt

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04: Salted Caramel & Brezel/Pretzel

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05: portugiesische Natas

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  • außen Blätterteig, innen Ei-Creme (fast wie Vanillepudding)
  • cupcakegroßes Dessert/Gebäck
  • einfach und süß, oft in Coffee Shops erhältlich
  • portugiesisch (Geschichte/Hintergrund hier)

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06: Krabbenchips/Krupuk

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  • indonesischer Snack, in Asia-Shops, -Restaurants, Feinkostabteilungen und Weihnachtsmärkten verbreitet, in Tüten oder frisch zubereitet
  • in schlechter Qualität (sehr fettig) oft während Lidl- und Aldi-Aktionswochen erhältlich
  • teure, aber leckere Feinkost-Variante: süß-scharf gewürzte „Hot Krupuk“ von Kattus/Bamboo Garden.

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07: Guavensaft

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08: „Lust auf Kuchen: Erdbeer-Frischkäse“ (Coppenrath & Wiese, 550 Gramm)

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  • ich mag keine Tiefkühltorten, und Coppenrath wirkt auf mich teuer und unsympathisch-bieder
  • …aber: ein kleiner Kuchen kostet (z.B. bei Kaisers) unter 3 Euro.
  • fruchtige Erdbeeren, gelungener Mürbeteig, cremig und frisch
  • eine billige Alternative zu Strawberry-Cheesecake-Eis: VIEL preiswerter, VIEL frischer, aber die selbe Sorte kaltes, süßes Dessert.

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09: Hummus-Schokolade

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  • Ich habe keine Lieblings-Schokolade und (fast) keine Lieblings-Gummibärchen:
  • Ich mag, dass es so VIELE Varianten gibt, probiere immer neu
  • Trotzdem ein großer Favorit, weil sehr geschmacksintensiv & originell:
  • Zotter „Hummus Street Art“-Schokolade (im Moment vergriffen)
  • […vielleicht ist Hummus-Schokolade generell einen Versuch wert: viele Rezepte & Produkte online.]

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10: weißes Kinder Bueno

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  • manchmal in Bahnhofsautomaten, manchmal (v.a. im Sommer?) bei Kaufland…
  • …aber überraschend oft schwer zu finden:
  • dünne Waffel mit Giotto-artiger heller Haselnußcreme und weißer Schokolade
  • [zu viele Kinder-Produkte schmecken gleich: aggressiv süße Milchcreme, pappige dunkle Schokolade.]

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11: Erdbeer-Vanille-Tasche, McDonald’s

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12: Wagner American Big Pizza: Boston

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  • der recht süße, dicke Hefeteig-Boden aller Wanger-Big-Pizzas hat wenig mit Pizza zu tun…
  • (und könnte z.B. auch unter einem Bienenstich oder Streuselkuchen stecken)
  • …und „Boston“ – Blattspinat, Frischkäse, Mandelsplitter – wenig mit normaler Pizza:
  • ein deftig-süßes, super-sättigendes Aufback-Produkt, fast überall erhältlich

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13: Aloe-Limo

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14: karamellisiertes Popkorn mit Nüssen oder Cashews (Favorit: Crunch’n’Munch)

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  • gezuckertes Popkorn ist mir oft zu trocken und fade
  • in Kanada und den USA überall: recht kleine Packungen mit super-süßem, hartem Popkorn
  • manchmal auch als Lidl-Eigenmarke erhältlich
  • keine Empfehlung: Cracker-Jack-Popcorn – schmeckt muffig

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15: Datteln mit Speck/Bacon… und Ziegenkäse mit Ahornsirup

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  • typische Häppchen, Vorspeisen: sehr süß trifft salzig-fettig
  • ich liebe festen Ziegenkäse. Creme-Ziegenkäse schmeckt mir oft zu wenig nach Ziege. Ahornsirup macht zu milden Ziegen-Frischkäse interessanter.
  • Datteln mag ich in jeder Form und Konsistenz – auch toll zum Kaffee.

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16: Tarallini/Taralli

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  • kleine, harte italienische Teigkringel, oft mit Anis, Kümmel oder Peperoni
  • sehr gut zu Käse
  • oft bei Lidl usw. erhältlich, meist auch (teurer) bei Wein- und Feinkosthändlern
  • für sich allein sehr trocken: für Fans von Amarettini, Cantuccini usw.

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17: Ehrmann ToffeeTraum Tiramisu

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  • Chemie ahoi: grotesk süßes, grotesk künstliches Creme-Dessert
  • Ehrmann ist eine so biedere deutsche Marke…
  • …mich überrascht, dass der Nachtisch, der am ehesten schmeckt wie „New York Sumptuous Triple Caramel Toffee Swirl“ usw. aus Oberschwaben kommt.
  • vergleichbar mit den Mars- und Rolo-Desserts. Aber: noch künstlicher, noch süßer.

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18: Gemüsechips

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19: Balconi-Kuchendesserts

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  • ich bin kein Fan von Yes-Tortys (zu künstlich/aromatisiert)…
  • …oder Milka Tender (mir ist Milka-Schokolade zu milchig und süß)
  • toll aber: die billigen Balconi-Mix-Max-Kuchenriegel, u.a. bei Kaufland und Rewe: intensiver Schokoladengeschmack, lockerer Teig, gute Größe/Form

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20: schokolierte Espressobohnen

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  • ich kannte die fade, kaffeebohnenförmige Schokoladen-Deko, mit der in meiner Kindheit oft Torten verziert wurden…
  • …aber wusste nicht, dass auch echte geröstete Kaffeebohnen mit Schokolade überzogen und verkauft werden.
  • sehr viel Koffein? schlecht für den Magen? weiß ich nicht:
  • ich mag die Konsistenz, die bittere, knusprig-spröde Bohne.

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Ergänzungen? Empfehlungen? Warnungen? Links? Kommentiert gerne!

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verwandte Themen:

Die besten Bücher 2015: Fantasy, Frauen, Genre

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Ich lese jede Woche durch neue Bücher aus den USA, Kanada und Großbritannien und sammle meine Favoriten auf „bald lesen!“-Listen. Die Neuerscheinungen 2015 – in Deutschland und international – habe ich in immer neuen Vorauswahl-Listen gebloggt:

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Heute: Mainstream-Titel, die noch nicht auf Deutsch erhältlich sind. „Frauenliteratur“ (historical romances), Fantasy und Science Fiction, Unterhaltungsromane.

Mehr Fantasy-Empfehlungen auch hier:

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01: DAVID A. GOODMAN, „The Autobiography of James T. Kirk“

  • schon der Klappentext hat Rechtschreibfehler – aber die Kritiken sind euphorisch, und die Figurensprache macht mir Spaß.
  • 288 Seiten, September 2015

„The greatest Starfleet captain’s life (2233–2371) in his own words. From his birth on the U.S.S. Kelvin, his youth on Tarsus IV, his time in the Starfleet Academy, his meteoric rise through the ranks of Starfleet and his illustrious career at the helm of the Enterprise, Kirk’s singular voice rings throughout the text. Excerpts from his personal correspondence, captain’s logs and more give Kirk’s personal narrative further depth.“ [Klappentext, gekürzt]

The Autobiography of James T. Kirk

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02: LOUISA HALL, „Speak“

  • durchwachsene Kritiken – aber tolles Konzept!
  • 316 Seiten, Januar 2015

„A poignant novel that explores the creation of Artificial Intelligence: from the Atlantic Ocean in the seventeenth century to a correctional institute in Texas in the near future, told from the perspectives of five very different characters, Speak considers what it means to be less than fully alive. A young Puritan woman travels to the New World with her unwanted new husband. Alan Turing, the renowned mathematician and code breaker, writes letters to his best friend’s mother. A Jewish refugee and professor of computer science struggles to reconnect with his increasingly detached wife. An isolated and traumatized young girl exchanges messages with an intelligent software program. A former Silicon Valley Wunderkind is imprisoned for creating illegal lifelike dolls. All five characters share the need to express themselves while simultaneously wondering if they will ever be heard, or understood.“ [Klappentext, gekürzt]

Speak

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03: SCOTT HAWKINS, „The Library at Mount Char“

  • viel Pathos, viel Gut-gegen-Böse-Kitsch… aber stilistisch überzeugt mich dieser Bestseller erstmal:
  • 388 Seiten, Juni 2015

„Neil Gaiman meets Joe Hill in this original, terrifying, darkly funny contemporary fantasy. Carolyn was a normal American herself, once. That was a long time ago, of course—before she and a dozen other children found themselves being raised by a man they learned to call Father. Father could call light from darkness. Sometimes he raised the dead. Now, Father is missing.“ [Klappentext, gekürzt]

The Library at Mount Char

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04: ELIZABETH HAY, „His whole Life“

  • herzige kanadische Literatur, vielleicht zu schnarchig/bieder
  • 384 Seiten, April 2015

„Family, nature, home: Moving from city to country, summer to winter, wellbeing to illness, the novel charts the deepening bond between mother and son even as the family comes apart. Set in the mid-1990s, when Quebec is on the verge of leaving Canada, this captivating novel is an unconventional coming of age story.“ [Klappentext, gekürzt]

His Whole Life

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05: CAROLINA DeROBERTIS, „The Gods of Tango“

  • beginnt wie ein Frauen-Historienschinken – aber ist kantiger, kritischer, packender.
  • 384 Seiten, Juli 2015

„A lush, lyrical story of a young woman and her passion for the early sounds of tango. February 1913: seventeen-year-old Leda leaves her Italian village for a new home, and a new husband, in Argentina. Arriving in Buenos Aires, she discovers that he has been killed, but she remains: living in a tenement, without friends or family. Tango, born from lower-class immigrant voices, is now the illicit, scandalous dance of brothels and cabarets. Leda eventually acts on a long-held desire to master the violin, knowing that she can never play in public as a woman. She cuts off her hair, binds her breasts, and becomes “Dante,” a young man who joins a troupe of tango musicians.“ [Klappentext, gekürzt]

The Gods of Tango

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06: IAN TREGILLIS, „The Mechanical“

  • neue Steampunk-Fantasy-Reihe mit sympathischem Ich-Erzähler
  • 440 Seiten, Mai 2015

„My name is Jax. I am a clakker: a mechanical man, powered by alchemy. Armies of my kind have conquered the world. I am a faithful servant. I am the ultimate fighting machine. I am a slave. But I shall be free.“ [Klappentext, gekürzt]

The Mechanical (The Alchemy Wars, #1)

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07: LAURA ANNE GILMAN, „Silver on the Road“

  • schlimmes Cover, toller Stil: ein leiser, langsamer, atmosphärischer (und feministischer?) Fantasy-Western
  • 400 Seiten, Oktober 2015

„On her sixteenth birthday, Isobel makes the choice to work for the devil in his territory west of the Mississippi. His land is a wild west that needs a human touch. Izzy is raised to be his left hand and travel the circuitous road through the territory.“ [Klappentext, gekürzt]

Silver on the Road

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08: ADRIAN TCHAIKOVSKY, „Guns of the Dawn“

  • ein Fantasy-Routinier mit einem politischen, intelligenten Kriegsroman
  • 658 Seiten, Februar 2015

„A standalone, action-packed pseudo-Napoleonic historical fantasy adventure: Denland and Lascanne have been allies for generations, but now the Denlanders have assassinated their king, overthrown the monarchy and marched on their northern neighbour. At the border, the war rages; Lascanne’s brave redcoats against the revolutionaries of Denland. Every household must give up one woman to the army and Emily has no choice but to join the ranks of young women marching to the front. As the war worsens, and Emily begins to have doubts about the justice of Lascanne’s cause, she finds herself in a position where her choices will make or destroy both her own future and that of her nation.“ [Klappentext, gekürzt]

Guns of the Dawn

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09: ALICE HOFFMAN, „The Marriage of Opposites“

  • Hoffman ist mir oft zu bieder und naiv-historisch – aber hier überzeugt sie mich:
  • 384 Seiten, August 2015

„A forbidden love story set on the tropical island of St. Thomas about the extraordinary woman who gave birth to painter Camille Pissarro; the Father of Impressionism. Idyllic St. Thomas in the early 1800s: Rachel dreams of life in faraway Paris. Rachel’s mother, a pillar of their small refugee community of Jews who escaped the Inquisition, has never forgiven her daughter for being a difficult girl who refuses to live by the rules. Rachel’s life is not her own. She is married off to a widower with three children to save her father’s business. When her husband dies suddenly and his handsome, much younger nephew, Fréderick, arrives from France to settle the estate, Rachel seizes her own life story.“ [Klappentext, gekürzt]

The Marriage of Opposites

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10: LUCY KNISLEY, „Displacement“

  • ein simples, autobiografisches Graphic Novel über eine traurige Kreuzfahrt mit greisen Großeltern. Stil, Tonfall und die Balance zwischen großen Themen und absurden Anekdoten sagen mir sehr zu.
  • 161 Seiten, Januar 2015

„In her graphic memoirs, cartoonist Lucy Knisley paints a warts-and-all portrait of contemporary, twentysomething womanhood: Knisley volunteers to watch over her ailing grandparents on a cruise. In a book that is part graphic memoir, part travelogue, and part family history, Knisley not only tries to connect with her grandparents, but to reconcile their younger and older selves. She is aided in her quest by her grandfather s WWII memoir.“ [Klappentext, gekürzt]

Displacement: A Travelogue

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weitere „bald lesen!“-Titel, erschienen 2015:

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11: KENT HARUF, „Our Souls at Night“

  • Haruf verstarb 2014. Ich mochte „Plainsong“, finde diese Farmer- und Midwest-Romane insgesamt aber zu betulich, harmlos und naiv.
  • 192 Seiten, Mai 2015.

„In advanced age, a man and a woman come together to wrestle with the events of their lives. Holt, Colorado: Addie Moore pays an unexpected visit to a neighbor, Louis Waters. Her husband died years ago, as did his wife, and in such a small town they naturally have known of each other for decades.“ [Klappentext, gekürzt]

Our Souls at Night

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12: ROBERT YUNE, „Eighty Days of Sunlight“

  • sympathischer Schuld-und-Sühne-Mainstream-Roman
  • 288 Seiten, Juni 2015

„As they prepare for college, Jason and his older brother reluctantly work together to investigate their father’s suicide. The brothers also travel landscapes of guilt, betrayal, and secrets as they try to figure out what destroyed their family.“ [Klappentext, gekürzt]

Eighty Days of Sunlight

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13: RICK MOODY, „Hotels in North America“

  • Moody wird seit Jahrzehnten immer schlechter. Hier überzeugt mich das Konzept – ähnlich den Callboy-Reviews aus Denis Coopers „The Sluts“.
  • 199 Seiten, November 2015

„Reginald Edward Morse is one of the top reviewers on RateYourLodging.com, where his many reviews reveal more than just details of hotels around the globe–they tell his life story.“ [Klappentext, gekürzt]

Hotels of North America

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14: PATRICK GALE, „A Place called Winter“

  • Schwuler Historienkitsch? Ich glaube, das Buch ist besser als sein Cover.
  • 352 Seiten, März 2015

„In the golden 1900s, Harry Cane, a shy gentleman, marries Winnie, eldest daughter of the fatherless Wells clan, who are not quite as respectable as they would appear. When a chance encounter awakens scandalous desires, Harry is forced to forsake the land for a harsh new life as a homesteader on the newly colonized Canadian prairies. There, in a place called Winter, he will come to find a deep love within an alternative family.“ [Klappentext, gekürzt]

A Place Called Winter

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15: CRAIG SHREVE, „One Night in Mississippi“

  • S.M. Hulses Bestseller „Black River“ gab ich nach 100 Seiten auf: ein Buch über die Spätfolgen von Verbrechen, elegisch-amerikanisch-seicht wie viele neue Clint-Eastwood-Filme. Shreve erzählt einen ähnlichen Stoff im ähnlichen Stil. Besser?
  • 160 Seiten, Februar 2015

„After fifty years of guilt over his brother’s brutal murder in Civil Rights era Mississippi, Warren Williams dedicates himself to bringing Graden’s killers to justice. A phoned-in tip after a television appearance leads Warren to a remote town in northern Ontario, where he meets Earl Olsen, the only murderer still at large, who turns out to be very different than what Warren had expected.“ [Klappentext, gekürzt]

One Night in Mississippi

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16: JENNINE CAPO CRUCET, „Make your Home among Strangers“

  • komplexer Familienroman über eine Welt (Kubaner in Miami), die mir fremd ist.
  • 400 Seiten, August 2015

„When Lizet, the daughter of Cuban immigrants, secretly applies and is accepted to an ultra-elite college, her parents are furious at her decision to leave Miami. But the privileged world of the campus feels utterly foreign, as does her new awareness of herself as a minority. Struggling both socially and academically, she returns to Miami for a surprise Thanksgiving visit, only to be overshadowed by the arrival of Ariel Hernandez, a young boy whose mother died fleeing with him from Cuba on a raft. The ensuing immigration battle puts Miami in a glaring spotlight, captivating the nation.“ [Klappentext, gekürzt]

Make Your Home Among Strangers

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17: TOM PIAZZA, „A Free State“

  • das könnte ein Mainstream-Historien-Bestseller werden: simpel, aber plastisch und interessant.
  • 256 Seiten, September 2015

„1855. Blackface minstrelsy is the most popular form of entertainment in a nation about to be torn apart by the battle over slavery. Henry Sims, a fugitive slave and a brilliant musician, has escaped to Philadelphia, where he lives by his wits and earns money performing on the street. He is befriended by James Douglass—leader of the Virginia Harmonists. But black performers are not allowed to appear onstage, even in Philadelphia. Together the two concoct a dangerous masquerade to protect Henry’s identity.“ [Klappentext, gekürzt]

A Free State: A Novel

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18: DANIEL FALATKO, „Condominium“

  • Gentrifizierungs-Satire aus dem Kleinverlag eines Bekannten. Vielleicht zu simpel/dick aufgetragen?
  • 264 Seiten, September 2015

„Charles and Sarah are a typical New York creative class couple — he’s in finance, she works at a hipster small press. But when they decide to take the logical next step and buy a condo in one of the glass-and-steel skyscrapers now dotting the waterfront of Williamsburg, their lives start to fall apart almost the moment after they sign their mortgage. A touching ode to the a–holes ruining Brooklyn, this literary debut of „the Millennial John Updike“ is a funny yet wistful dramedy about young urban life during the Great Recession.“ [Klappentext, gekürzt]

Condominium

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19: BUCKY SINISTER, „Black Hole“

  • Außenseiter-Roman, kurz, kantig, düster.
  • 160 Seiten, August 2015

„Every addict has that one special vice that can tip them from relatively functional to completely unhinged. For Chuck, it’s a new drug that doesn’t even have a name yet. But when chunks of time begin to disappear and rearrange themselves , he wonders if this really is just another life-ruining drug or if it’s something straight out of a Philip K. Dick universe.“ [Klappentext, gekürzt]

Black Hole: A Novel

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…und von 2014, erst jetzt entdeckt:

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20: MARTHA BAILLIE, „The Search for Heinrich Schlögel“

  • magischer Realismus: Ich bin gespannt, ob mich dieser Deutsche als authentisch *deutsche* Figur überzeugt.
  • 345 Seiten, September 2014

„[German] Heinrich Schlögel sets out on a two-week hike into the isolated interior of Baffin Island, Canada. His journey quickly becomes surreal. When he returns, he discovers that thirty years have passed.“ [Klappentext, gekürzt]

The Search for Heinrich Schlögel: A Novel

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Um 20 Bücher zu finden, lese ich über 150 empfohlene/gefeierte/preisgekrönte Bücher an. Ich bin gespannt, welche dieser Bücher den Sprung in deutsche Verlage/Buchhandlungen schaffen.

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Frauen in Comics: Empfehlungen 2015

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13 US-Comics mit Frauen in der Hauptrolle, die mich begeistern:

Lazarus, Vol. 1: Family  Fun Home. A Family Tragicomic: Eine Familie von Gezeichneten  Ghost World  Queen and Country: The Definitive Edition, Vol. 1  Saga, Volume 1
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Alias, Vol. 1  Catwoman, Vol. 2: Crooked Little Town  Wonder Woman: Down to Earth  Gotham Central, Vol. 2: Half a Life  Batwoman: Elegy
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Promethea, Vol. 1  Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal  She-Hulk, Vol. 1: Law and Disorder

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20 neue US-Comicreihen, 2015 gestartet oder als Sammelband erschienen, angelesen und gemocht:

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Black Canary

Black Canary, Vol. 11: Brenden Fletcher & Annie Wu:

„Black Canary“

DC Comics: Superheldin/Rockstar und ihre Band sind auf Tour… und treffen auf Gangster und Ninjas. Ich mag die Figur aus „Green Arrow“-Comics und freue mich, dass sie auch ohne männlichen Anhang funktioniert.

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injection
Injection, Vol. 1 2: Warren Ellis & Declan Shalvie, Jordan Bellaire:

„Injection“

Image Comics: Vor einigen Jahren haben fünf Wissenschaftler*innen – selbstbewusst? größenwahnsinnig? absichtlich oder nicht? – die Welt verschlimmbessert. Jetzt, wo alles aus den Fugen gerät, müssen sie entscheiden, wie sie helfen können. Psychologie/Horror/Politik.

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Archie
Archie, Vol. 13: Mark Waid & Fiona Staples:

„Archie“

Archie Comics: Seit 70 Jahren erzählen die US-Archie-Comics drolligen Alltag an einer High School in Riverdale. Die verwöhnte Veronica, die herzige Betty, der höfliche Archie, sein gefräßiger Kumpel Jughead… Waids Neuauflage ist kantiger, zeitgemäßer, minimal erwachsen. Aber immer noch: nostalgisch-harmloser All-American High-School-Kitsch.

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paper girls
Paper Girls #14: Brian K. Vaughan & Cliff Chiang:

„Paper Girls“

Image Comics: Halloween 1988, in einer US-Kleinstadt in Ohio. Vier Mädchen, die auf Fahrrädern die lokale Zeitung austragen, machen eine Entdeckung. Wollen Außerirdische die Erde erobern? Nostalgischer Comic im „Die Goonies“- und „Der Frühstücksclub“-Stil.

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heart in a box

Heart in a Box5: Kelly Thompson & Meredith McClaren:

„Heart in a Box“

Dark Horse: Magischer Realismus, etwas kitschig. Eine junge Frau mit Liebeskummer wünscht sich, sie hätte kein Herz mehr. Ihr Herz landet in sieben Teilen bei anderen Menschen – und sie zieht los, alle Teile zu finden.

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chilling adventures of sabrina
Chilling Adventures of Sabrina6: Roberto Aguirre-Sacasa & Robert Hack:

„The Chilling Adventures of Sabrina“

Archie Comics: Auch Sabrina The Teenage Witch gehört zu den Archie-Figuren. Nach dem Erfolg des tollen Zombie-Comics „Afterlife with Archie“ wird ihr Hexen-Alltag noch einmal neu erzählt – als düsteres 60er-Jahre-Horror-Drama. Wirkt angestaubt – aber die Kritiken sind großartig, und der Autor toll.

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bitch planet
Bitch Planet, Vol 1: Extraordinary Machine7: Kelly Sue DeConnick & Valentine de Landro:

„Bitch Planet“

Image Comics: „Orange is the New Black“… im Weltall. Ein Frauengefängnis in der Zukunft: Frauenbündnisse, Machtkämpfe, Unterdrückung. Ich mag Kelly Sue DeConnicks „Captain Marvel“ nicht und denke auch hier: gut gemeint. Aber träge erzählt?

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männliche Hauptfiguren oder Teams:

providence

Providence #18: Alan Moore & Jacen Burows:

„Providence“

Avatar: Die Horror-Geschichten von H.P. Lovecraft, neu vermischt zu einer großen, atmosphärischen Meta-Geschichte über Horror, Alltag und die US-Ostküste. Wirkt anspruchsvoll, literarisch.

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We stand on Guard
We Stand On Guard #19: Brian K. Vaughan & Steve Skroce:

„We stand on Guard“

Image Comics: Das Jahr 2124. Was passiert, wenn die übermächtige USA versucht, Kanada zu erobern? Politische Parabel mit Parallelen zum Nahen Osten.

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royals masters of war
The Royals: Masters of War 10: Rob Williams & Simon Colleby:

„The Royals: Masters of War“ (Sechsteiler, abgeschlossen)

Vertigo: Was, wenn die britischen Royals Superkräfte hätten? Könnten sie den zweiten Weltkrieg entscheiden, im Alleingang? Die Kritiken sind mittelmäßig, aber Idee, Zeichnungen und Atmosphäre sprechen mich an.

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autumnlands
The Autumnlands, Vol. 1: Tooth and Claw11: Kurt Busiek & Benjamin Dewey:

„The Autumnlands: Tooth & Claw“

Image: Ein Menschenkrieger, durch Zauberei in einer Welt gestrandet, in der anthropomorphisierte Tiere große Kriege führen. Thema und Stil sind mir zu schwülstig – aber ich halte viel von Autor Kurt Busiek, und bin gespannt, was er hier will/versucht.

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Luther Strode
The Legacy of Luther Strode #112: Justin Jordan & Tradd Moore:

„The Legacy of Luther Strode“ (Fortsetzung zweier Bände von 2012/13)

Image Comics: greller, hyperstilisierter, ironischer (?) Action-Fantasy-Comic voller Kämpfe und Duelle in der Großstadt. Ich bin nicht sicher, ob es mehr sein will als John Woo/Tarantino.

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two brothers
Two Brothers13: Fábio Moon, Gabriel Bá:

„Two Brothers“ (Graphic Novel: keine Heftserie/Reihe)

Dark Horse: Die brasilianischen Zwillingsbrüder haben eines der größten und besten Bücher meines Lebens geschrieben, „Daytripper“. Ihr neues Buch handelt von Zwillingsbrüdern in Brasilien. Einer wird im Libanon erwachsen. Der andere hadert mit seiner Familie.

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Sandman Overture
The Sandman: Overture14: Neil Gaiman & J.H. Williams III:

„The Sandman: Overture“

Vertigo: Prolog zu Gaimans Kultreihe „The Sandman“: überbordende, bunte Doppelseiten voller Symbolik, Schwulst und Meta-Märchen-Mythologie-Bla. Die Kritiken sind großartig, und ich mag die alte Serie sehr, aber bisher konnte ich mich nicht aufraffen, diesen psychedelischen Bildteppich anzustieren, stundenlang.

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rasputin JFK
Rasputin Volume 1 TP: The Road to the Winter Palace15: Alex Grecian & Riley Rossmo:

„Rasputin“ (zwei Bände, dann abgeschlossen)

Image Comics: Rasputin als Unsterblicher, der immer wieder in die Geschichte eingreift. Märchenhafter, melancholischer Fantasy-Thriller.

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ales kot zero
Zero, Vol. 1: An Emergency (Zero #1)16: Ales Kot & Tradd Moore u.a.:

„Zero“

Image Comics: postmoderner, sehr verschwurbelter Agententhriller – könnte das literarischste, anspruchsvollste, komplexeste Comic dieser Liste sein… oder doch nur selbstverliebter (Grant-Morrison-hafter) Quatsch.

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wolf, ales kot
Wolf Volume 117: Ales Kot & Matt Taylor:

„Wolf“

Image Comics: Detektiv und Waisenmädchen versuchen, gemeinsam das Ende der Welt aufzuhalten. Fantasy/Horror/Noir.

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empty zone
Empty Zone18: Jason Shawn Alexander:

„Empty Zone“

Image Comics: Cyberpunk/Horror/Fantasy. Eine junge, zynische Frau kämpft in dystopischen Städten gegen Roboter und Monster.

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manifest destiny
Manifest Destiny, Vol. 1: Flora & Fauna19: Chris Dingess & Matthew Roberts:

„Manifest Destiny“

Image Comics: Die Entdeckungsreise von Meriwether Lewis und William Clark durchs US-Hinterland, erzählt als grotesk-dunkler Historiencomic mit Monstern, Geistern, Steampunk(?)-Überraschungen.

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drifter
Drifter, Volume 1: Out of the Night20: Ivan Brandon & Nic Klein:

„Drifter“

Image Comics: toll gezeichneter, aber konventioneller Sci-Fi-Western über einen Mann, gestrandet auf einem Wüstenplaneten voller Outlaws und Monster/Dinosaurier. Mittelmäßige Kritiken – aber bildgewaltig.

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aktuelle Reihen, die ich lese und empfehlen kann:

Silk, Vol. 0: The Life and Times of Cindy Moon  Spider-Woman #1  Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal  Gotham Academy, Vol. 1: Welcome to Gotham Academy  Rat Queens, Vol. 1: Sass & Sorcery (Rat Queens Vol. 1: 1-5)
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The October Faction Volume 1 (October Faction, #1)  The Fade Out, Vol. 1: Act One  Southern Bastards, Vol. 1: Here Was a Man  Nailbiter, Vol. 1: There Will Be Blood  Sex Criminals, Vol. 1: One Weird Trick
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Jupiter's Legacy, Book One  Trees, Vol. 1: In Shadow  Copperhead: Vol. 1  Velvet, Vol. 1: Before the Living End  Lazarus, Vol. 1: Family
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Star Wars: Darth Vader Vol. 1: Vader  Star Wars: Kanan, Vol. 1: The Last Padawan  Afterlife with Archie, Vol. 1: Escape from Riverdale  Saga, Volume 1  Alex + Ada, Vol. 1
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Ich hoffe, „Injustice: Year Three“ und „Batgirl“ sind gut – habe bisher aber kein gutes Gefühl. „Squirrel Girl“ und „Rachel Rising“ habe ich begonnen, aber bin noch nicht überzeugt.

Injustice: Gods Among Us: Year Three, Vol. 1  Batgirl, Vol. 1: The Batgirl of Burnside  The Unbeatable Squirrel Girl, Vol. 1: Squirrel Power  Rachel Rising, Volume 1: The Shadow of Death
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auf der „bald lesen“-Liste:

Arrow Season 2.5  Midnighter, Vol. 1  Grayson, Vol. 1: Agents of Spyral  Hawkeye, Vol. 5: All-New Hawkeye  The Multiversity
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Wonder Woman: Earth One Vol. 1  The Twilight Children  Black Magick #1
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fünf Warnungen: überraschend fade Reihen, gelesen und nicht gemocht.

Descender, Vol. 1: Tin Stars  Wytches, Vol. 1  Lady Killer  Star Wars, Vol. 1: Skywalker Strikes  Thor, Vol. 1: Goddess of Thunder

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verwandte Links:

Holland / Niederlande – Gastland der Frankfurter Buchmesse 2016: Buchtipps und Empfehlungen

Gastland Niederlande Buchmesse 2016 - hollländische Literatur
Niederlande und Flandern sind gemeinsam Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2016.

Ich habe die letzten Wochen über sehr viel belgische und (vor allem:) holländische Literatur angelesen, vorgemerkt, entdeckt – meine Vorauswahl der literarischen Klassiker, Neu- und Wiederentdeckungen bis 2016.

Die meisten Bücher wurden ins Deutsche übersetzt. Einige erschienen nur auf Englisch. Viele sind antiquarisch erhältlich, wenige aktuell in großen Verlagen lieferbar.

Beliebte niederländische Autorinnen und Autoren, mit denen ich nicht warm wurde: Harry Mulisch, Maarten t‘ Hart, Arnon Grunberg, Jessica Durlacher, A. F. Th. van der Heijden, Margriet de Moor, Hella Haasse, Tommy Wieringa und der Nister. Gefeierte und auch in Deutschland populäre Autor*innen – die mich bisher nicht überzeugten und von denen ich nichts empfehlen kann. Auch J.J. Voskuils Zyklus „Das Büro“ lässt mich fürs erste kalt.

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drei Bücher, die ich las und sehr mag: Empfehlungen!

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1. GERBRAND BAKKER, „Der Umweg“

  • stiller, schlichter, aber sehr packender, schneller, mitreißender Roman über eine Holländerin, die ein Bauernhaus in Wales bezieht, spontan.
  • 228 Seiten, Suhrkamp 2012 (Original von 200x)
  • für ZEIT Online schrieb ich 2013: „Stille Wiesen. Karge Dörfer. Ein Grüppchen Gänse und ein Fuchs, der nachts um die Ställe schleicht: Der Umweg, dritter Roman des niederländischen Gärtners, Schlittschuhlehrers und Erzählers Gerbrand Bakker, zeigt Kitsch- und Sehnsuchtsräume von Landlust-Lesern… in atemloser, neuer Perspektive. Ohne Warnung, Abschied und Begründung flieht eine Frau von Amsterdam nach Caernafon (Wales) und wartet auf den Winter. Ein neuer Alltag, ohne Zwänge? Freiheit? Oder dumpfe Isolation? In Schärfe und Bildkraft, die schaudern lassen, zeichnet Bakker einen Rückzug, ein Haus und eine drastische, faszinierende Entscheidung. Ein Kammerspiel? Ein Thriller? Beides!“

“An klaren Tagen kann man in der Ferne das Meer sehen: Es ist ein schöner Flecken Erde, den Agnes sich als Versteck ausgesucht hat. Die Gedanken an das, was sie von Amsterdam vertrieben hat lassen sich so leichter im Zaum halten. Nur manchmal wird ihr alles zuviel: daß der Fuchs sich eine Gans nach der andern holt oder daß der grobe Nachbarsfarmer schon morgens um neun in Socken vor ihr sitzt. Da nistet sich eines Tages der junge Bradwen bei ihr ein. Ähnlich wie Agnes gibt er kaum etwas über seine Vergangenheit preis.” [Klappentext, gekürzt.]

Der Umweg

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2. MARIA DERMOUT, „The Ten Thousand Things“/“Die zehntausend Dinge“

  • nüchterne Sprache, aber eine grausame, schöne, tolle Welt: ein Garten in Indonesien/Java und eine junge Frau, die als Erwachsene einen Kindheitsort neu begreift. Autobiografisch.
  • deutsch nur antiquarisch erhältlich (z.B. Büchergilde Gutenberg, 1959)
  • die US-Version gelesen und sehr gemocht: 224 Seiten, New York Review of Books 2002
  • Original von 1955: Roman bei Wikipedia  |  Autorin bei Wikipedia

The Ten Thousand Things is a novel of shimmering strangeness—the story of Felicia, who returns with her baby son from Holland to the Spice Islands of Indonesia, to the house and garden that were her birthplace, over which her powerful grandmother still presides. There, objects tell tales, the dead come and go, and the past is as potent as the present. First published in Holland in 1955, Maria Dermoût’s novel was immediately recognized as a magical work, like nothing else Dutch—or European—literature had seen before, a book that is at once a lament and an ecstatic ode to nature and life.” [Klappentext, gekürzt.]

The Ten Thousand Things

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3. VALERIAN TORNIUS, „Zwischen Hell und Dunkel: Ein Rembrandt-Roman“

  • deutscher Roman von Valerian Tornius über Leben und Kunst von Rembrandt.
  • eines meiner Lieblingsbücher 2014 (Top 20 hier).
  • 336 Seiten, Original von 1932.
  • altmodische Sprache, aber scharfer und liebevoller Blick und viel Wissenswertes über die Geistes- und Kulturgeschichte des Bürgertums in Leiden und Amsterdam. Ein atmosphärischer/stimmungsvoller, kluger Schmöker.

“Der Roman von Valerian Tornius enthüllt die durch Anlage, Neigung, gesellschaftliche und geschichtliche Umstände bedingte Tragödie des Genies Rembrandt.” [Klappentext]

Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman

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20 Bücher, angelesen, gemocht, vorgemerkt:

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01: J. BERNLEF, „Bis es wieder hell ist“ (alter Titel: „Hirngespinste“)

  • großer Klassiker, bis heute populär: Roman über Demenz/Alzheimer
  • 163 Seiten, Nagel & Kimche 2007 (Original von 1984)

„1984 wagte es Bernlef als Erster, in einem Roman den Prozess einer Alzheimer-Erkrankung aus der Innensicht zu schildern. Außerdem erzählt er darin die ergreifende Liebesgeschichte eines alten Ehepaars. In Holland eine halbe Million Mal verkauft, dazu verfilmt und auf die Bühne gebracht, wurde „Bis es wieder hell ist“ gefeiert wegen seines fast unheimlichen Vorstellungsvermögens und seiner erhellenden Nachvollziehbarkeit.“ [Klappentext, gekürzt]

Hersenschimmen

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02: GEERT MAK, „Das Jahrhundert meines Vaters“

  • Mak dokumentiert das Leben seiner Familie – etwas Pathos, aber recht soziologisch
  • 576 Seiten, Neuausgabe bei Pantheon 2014 (Original von 1999)

„Anhand des Mikrokosmos seiner Familie schildert Geert Mak das 20. Jahrhundert in den Niederlanden: das Landleben um 1900, den Ersten Weltkrieg, die Not und Entbehrungen, die Zwischenkriegszeit, die Zerstörung Rotterdams, die deutsche Besetzung 1940, und schließlich den Aufstieg des Landes zwischen Meer und Marsch zu einem Musterland Europas.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Jahrhundert meines Vaters und, vielleicht: In Europe: Travels Through the Twentieth Century

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03: ETTY HILLESUM, „Das denkende Herz. Tagebücher 1941 bis 1943“

  • die Tagebücher einer säkulären Jüdin, deportiert und in Auschwitz ermordet
  • ca. 224 Seiten, u.a. Rowohlt 1985 (erstmals veröffentlicht 1981)

„Die nach vierzig Jahren entdeckten Tagebücher einer knapp dreißigjährigen holländischen Jüdin, die in Auschwitz ermordet wurde, inzwischen in elf Ländern erschienen und zu einem vielbeachteten Dokument der Menschlichkeit geworden.“ [Klappentext, gekürzt]

Letters From Westerbrook

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04: WILLEM FREDERIK HERMANS, „Nie mehr schlafen“

  • Romanklassiker über einen tragischen Taugenichts in der Wildnis
  • 319 Seiten, Aufbau 2011 (Original: 1966)

„Alfred Issendorff will in die Geschichte seiner Wissenschaft eingehen. Das könnte gelingen, falls er eine These seines Professors beweisen kann: Entstanden bestimmte Seen in der Finnmark durch Einschläge von Meteoriten? Issendorf reist nach Tromsø und schließt sich einer geologischen Expedition ins nördliche Norwegen an. Voller Sarkasmus erzählt Hermans von Grenzsituationen und kläglichem Scheitern.“ [Klappentext, gekürzt]

Nooit meer slapen

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05: GEBRAND BAKKER, „Oben ist es still“

  • Familien- und Landroman über einen verbitterten Sohn, der sich zum Neuanfang zwingt
  • 315 Seiten, Suhrkamp 2010 (Original von 2006)

„Helmer van Wonderen räumt auf. Er verfrachtet seinen bettlägerigen Vater ins Obergeschoss des alten Bauernhauses, entrümpelt das Erdgeschoss, streicht die Wände und schafft neue Möbel an. Doch die ländliche Ruhe währt nicht lang, denn der junge Henk soll auf Helmers Hof das Arbeiten lernen. Ausgerechnet Henk, dessen Mutter einmal mit Helmers verstorbenem Zwillingsbruder verlobt war…“ [Klappentext, gekürzt]

Oben ist es still

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06: HUBERT LAMPO, „Die Ankunft des Joachim Stiller“

  • magischer Realismus: könnte etwas platt/simpel sein, ist aber seit Jahrzehnten ein beliebter Klassiker
  • 208 Seiten, Mitteldeutscher Verlag 2008 (Original von 1960)

„Freek Groenevelt, Schriftsteller und Journalist im Antwerpen der Nachkriegszeit, wird aus der Bahn geworfen, als ein mysteriöser Joachim Stiller mit einem an ihn verfassten Brief plötzlich in sein Leben tritt: Dass der Brief laut Poststempel vor seiner Geburt aufgegeben wurde, lässt Groenevelt zunächst an einen Scherz glauben. Woher sollte jemand wissen, wo Groenevelt 38 Jahre später als Erwachsener lebt? Im Laufe der nächsten Monate jedoch erhält er weitere rätselhafte Briefe und Telefonate. Und immer wieder taucht derselbe Name auf: Joachim Stiller. Auf der Suche nach ihm begegnet Groenevelt der jungen Simone Marijnissen und verliebt sich in sie. Während Antwerpen in einer Weltuntergangsstimmung versinkt, fühlen sich die beiden auf unerklärliche Weise von Joachim Stiller geschützt. Hinweise mehren sich, dass Stiller bereits vor mehreren Jahrhunderten geboren wurde.“ [Klappentext, gekürzt]

The coming of Joachim Stiller

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07: MICHEL FABER, „Das karmesinrote Blütenblatt“

  • Historienroman mit soliden Kritiken: Faber selbst schreibt auch Krimis und (semi-)anspruchsvolle Schmöker
  • 1054 Seiten, List 2004 (Original von 2002)

„London 1874: William Rackham, glückloser neigender Erbe eines Parfümimperiums, trifft auf die Hure Sugar: Ein erotischer Roman, der meisterhaft mit den Mitteln der erzählerischen Verführung spielt – vor allem aber eine unvergessliche Geschichte um die Hoffnungen und Täuschungen der Liebe.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Karmesinrote Blütenblatt

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08: RENATE DORRESTEIN, „Herz aus Stein“ / „Heart of Stone“

  • Familien- und Erinnerungsroman in simpler Sprache: domestic fiction.
  • Original von 1994, US-Ausgabe (lieferbar) von 2001.
  • Deutsch bei Bertelsmann (272 Seiten), 2009, vergriffen (Amazon)

„Ellen ist siebenunddreißig und schwanger, als sie kurz entschlossen das leer stehende Haus ihrer Eltern kauft. Anhand eines Fotoalbums versucht sie zu verstehen, wie der so glückliche Familienalltag in einer Tragödie enden konnte. Drei Geschwister und Ellens Eltern wurden dabei getötet. Warum hat gerade sie überlebt?Suggestiv, psychologisch dicht und voller Spannung erzählt Renate Dorrestein von einer Frau, die nach langer Zeit die Kraft findet, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.“ [Klappentext, gekürzt]

A Heart of Stone

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09: FERDINAND BORDEWIJK, „Charakter. Roman von Sohn und Vater.“

  • Antikriegs-Kultroman, im katalanischen Original erschienen 1956.
  • 368 Seiten, dtv 2010 (Original von 1938)
  • es gibt auch eine Übersetzung von Cees Noteboom – dann mit dem Untertitel „Roman von Vater und Sohn“
  • Verfilmung von 1997, gute Kritiken

„Rotterdam, zwischen den Kriegen. Der ehrgeizige Jacob Katadreuffe arbeitet sich buchstäblich aus der Gosse bis in die oberste Etage einer Anwaltskanzlei. Doch ein Widersacher wirft ihn erbarmungslos immer wieder zurück: sein eigener Vater. Will er sich dafür rächen, dass Jacobs Mutter ihn einst zurückwies? Oder schickt der Vater den Sohn durch die harte Schule des Lebens, um ihn zu festigen?“ [Klappentext, gekürzt]

Charakter Roman Von Sohn Und Vater und: Charakter

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10: DAVID VAN REYBROUCK, „Kongo. Eine Geschichte“

  • Sachbuch: van Reybrock, ein recht junger belgischer Autor, über die Kolonialgeschichte Kongos und deren Folgen
  • 783 Seiten, Suhrkamp 2013 (Original von 2010)

„Fesselnd und atemberaubend erzählt David Van Reybrouck die Geschichte Kongos – von der belgischen Kolonialzeit über die 32-jährige Mobutu-Diktatur und den »afrikanischen Weltkrieg« in den neunziger Jahren bis in die Gegenwart, er berichtet aus der eindrücklichen Perspektive derjenigen, die in ihrem Land leiden, kämpfen, leben.“ [Klappentext]

Kongo - Eine Geschichte

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11: CEES NOTEBOOM, „Rituale“

  • Flaneur- und Großstadtroman, vielleicht etwas verquast oder gesucht drollig: alle Nooteboom-Romane wirken recht ähnlich, und „Allerseelen“, der einzige, den ich komplett las, war eine verblasene Altmänner-Nullrunde.
  • 231 Seiten, Suhrkamp u.a. 1985 (Original von 1980)

„Das Amsterdam der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre erscheint hier in der Perspektive von Inni Wintrop. Dieser will Selbstmord begehen in seinem WC.“ [Klappentext, gekürzt. Der US-Text klingt besser:] „A man of independent means oddly suited to survival amid the chaos of modern life, Inni Wintrop is a committed dabbler, content to casually wander the streets of Amsterdam, speculate in art and love, and write a newspaper horoscope column. But his inconsistencies are interrupted when he meets two men who are the epitome of order and regulation.“

Rituals

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12: BARBARA STOK, „Vincent“

  • sehr simpel gezeichnete, aber sympathische Graphic Novel
  • noch nicht auf Deutsch erhältlich
  • 144 Seiten, englische Ausgabe bei Selfmadehero Books 2014 (Original von 2012)

„The turbulent life of Vincent van Gogh is a constant source of inspiration and intrigue for artists and art lovers. This beautiful graphic biography documents the brief and intense period of creativity Van Gogh spent in Arles, Provence. Away from Paris, Van Gogh falls in love with the landscape and light of the south of France. But attacks of mental illness leave the painter confused and disorientated.“ [Klappentext, gekürzt]

Vincent (Art Masters)

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13: ARTUR JAPIN, „Der Schwarze mit dem weißen Herzen“

„Die ersten zehn Jahre meines Lebens war ich nicht schwarz“, sagt Kwasi Boachi, der asantische Prinz, über sich. Im Jahre 1837 war er zusammen mit seinem Cousin von seiner afrikanischen Heimat in die Niederlande gebracht worden. Dort wurden sie als Weiße erzogen und bei Hofe vorgeführt. Arthur Japin schildert die historisch belegte Geschichte der beiden Prinzen, er erzählt von Entwurzelung, Freundschaft und dem Schmerz, zwischen zwei Kulturen gefangen zu sein.“ [Klappentext]

Der Schwarze mit dem weißen Herzen

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14: STEFAN HERTMANS, „Der Himmel meines Großvaters“

  • recht konservativ/betulich erzählte Biografie/Lebensgeschichte. Freunde fanden es zu brav und bieder.
  • 320 Seiten, Hanser 2014 (Orginal 2013)

„Eine ergreifende Familiengeschichte vor dem Panorama einer untergegangenen Welt. ‚Man kann alles, wenn man will!‘, sagt der alte Mann zu seinem Enkel und schwingt sich in den Kopfstand. Die wahre Willenskraft seines Großvaters begreift Stefan Hertmans jedoch erst, als er dessen Notizbücher liest, und beschließt, den Roman dieses Lebens zu schreiben. Eindringlich beschwört er eine bitterarme Kindheit in Belgien, zeigt den 13-Jährigen, wie er bei der Arbeit in der Eisengießerei davon träumt, Maler zu werden, und stattdessen im Ersten Weltkrieg an die Front nach Westflandern gerät. Dass der Mann, der dieses Grauen überlebt, fast am Tod seiner großen Liebe zugrunde geht, ist eines der Geheimnisse, denen der Enkel auf die Spur kommt.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Himmel meines Großvaters

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15: PAUL VERHAEGEN, „Omega Minor“

  • Geschichten- und Historienmosaik mit Thriller-Elementen, David Mitchell recht ähnlich.
  • 955 Seiten, Eichborn 2006 (Original von 2004)

„Berlin. Immer in Bewegung, balancierend auf dem gefährlichen Grat zwischen Glanz und Verfall. Dort leben Menschen wie die Filmstudentin Nebula, die von Hugo gerettet wird, dem strohblonden Riesen in den schwarzen Stiefeln. Dazu der Psychologe Paul Andermanns, der seine Zivilcourage fast mit dem Tod bezahlt. Und im Krankenhaus neben Johann de Heer erwacht – ein alter Mann, der seine Geschichte Paul erzählen will: die Geschichte eines Berliner Jungen mit jüdischen Vorfahren…“ [zu pathetischer Klappentext, gekürzt]

Omega Minor

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16: STEPHAN ENTER, „Spiel“

  • Erinnerung, Coming-of-Age… recht bürgerlich/erwartbar, aber literarisch überzeugend
  • 304 Seiten, Berlin Verlag 2009 (Original von 2007)

„Norbert ist neun und verliert beim Scrabble jedes Mal gegen seine Großmutter. Für ihn ist das der Beweis, dass sie ihn ernst nimmt — und er liebt sie dafür wie niemanden sonst. Als er Jahre später doch gegen sie gewinnt, erkennt er schlagartig, was Älterwerden bedeutet — für sie beide. Bei Indianerspielen, Schach und in den Machtspielen der Jungen lernt er, seine Rolle einzunehmen. Stephan Enter spürt jenen kleinen Verschiebungen des Blicks nach, die das Vertraute unwiederbringlich verändern können, in einem ebenso fesselnden wie poetischen Roman.“ [Klappentext, gekürzt]

Spiel

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17: HEERE HERESMA, „Ein Junge aus Amsterdam“ (1938-46)

  • eine Kindheit im besetzten Amsterdam, durchwachsene Kritiken, aber guter erster Eindruck
  • 180 Seiten, Ammann Verlag 2008, vergriffen (Original von 2007)

„Eine der schönsten Städte Europas – im Ausnahmezustand. Amsterdam ist unter deutscher Besatzung. Der kleine Junge lernt ein neues Gefühl kennen, eine Mischung aus Angst, Spannung und Sensation. Täglich wieder verschwindet einer seiner jüdischen Freundinnen und Freunde, und niemand scheint zu wissen warum und wohin. Der Vater hat als Theologe ein besonderes Interesse an jüdischer Religion und Gebräuchen. Der Judenstern wird eingeführt, Juden werden versteckt, auch im Elternhaus. Der Junge hat viel Verantwortung zu tragen.“ [holpriger Klappentext, gekürzt]

Een jongen uit plan Zuid '38-'46

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18: TED VAN LIESHOUT, „Bruder“

  • schwuler Jugendlicher liest das Tagebuch seines toten Bruders: kurzer, sympathischer YA-Roman.
  • im ähnlichen Stil: Edward van de Vendels „Die Tage der Bluegrass-Liebe“ (2008, Original 1999)
  • mehr schwule/lesbische/queere Jugendbuchtipps hier (Link)
  • 150 Seiten, vergriffen bei Mittelhauve (1999), 2005 als Taschenbuch bei Beltz & Gelberg (Original 1996)

„Seit einem halben Jahr ist Marius nun schon tot, morgen wäre er fünfzehn geworden. Mam möchte auf ihre Art von ihm Abschied nehmen, sein Zimmer einfach leer räumen und alles im Garten verbrennen. Für Luuk ist das so, als habe es seinen Bruder nie gegeben. Ob Mam auch das Tagebuch verbrennen wird? Auf der ersten leeren Seite fängt Luuk an, seine Gedanken aufzuschreiben. So entsteht ein geheimes Zwiegespräch, das enthüllt, was beide jahrelang voreinander zu verbergen suchten. Deutscher Jugendliteraturpreis.“ [Klappentext, leicht gekürzt]

Bruder

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19: RIEN PORTVLIET und WILL HUYGEN, „Gnomes“/“Das große Buch der Heinzelmännchen“/“Leven en Werken von de Kabouter“

  • naturkundlicher Bildband über Anatomie, Kultur und Lebenswelt der Kabauter/“Heinzelmännchen“: ein All-Ages-Wichtelbuch, etwas kitschig, aber bemerkenswert detailverliebt und atmosphärisch
  • 464 Seiten, 11. September, Ullstein

„Gibt es Heinzelmännchen wirklich? Und wenn ja, wo leben sie? Und wie? Helfen sie wirklich Menschen und Tieren in Not? In diesem Buch erfahren wir die Wahrheit.“ [kindischer Klappentext, extrem gekürzt]

Gnomes

Die Vorlage der RTL-Trickserie „David, der Kabauter“ (1985 bis 87, deutsch im „Li-la-Launebär“, ab 1989)


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20: LOUIS-PAUL BOON, „Sommer in Ter-Muren“

„The story of Ondine and Oscarke, a young married couple adrift in a Belgian landscape that is darkening under the spread of industry and World War I. Ondine, who „came to serve god and live,“ finds that she must „serve the gentlemen“ instead. Oscarke, an aspiring sculptor, finds himself unsuccessfully scouring Brussels for work and, when he is finally hired, too tired to make his own art. They grow old and their four children grow up as „technology and mechanization, unemployment, fascism, and war“ take over around them.“ [US-Klappentext, gekürzt]

Summer in Termuren …und der Vorgänger: Chapel Road

 

Bücher, weder auf Deutsch noch auf Englisch erhältlich, auf die ich Lust habe:

Sprakeloos  Kees de jongen  Wij zijn maar wij zijn niet geschift  Birk  Woesten

Kom hier dat ik u kus  De onderkant van sneeuw  Doelwit  Verbroken  Hex
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in deutscher Übersetzung, aber vergriffen oder ohne Leseprobe:

Visions of Hanna  Geheime kamers  Käse  Vater / Zwei Koffer  De larf: over kinderen en metamorfose

The Captain  Der Anwalt Der Hähne  I.M. Ischa Meijer - In Margine. In Memoriam Logbuch eines unbarmherzigen Jahres Jij zegt het

 

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Kinder- und Jugendbücher, noch nicht angelesen:

Turmhoch und meilenweit  Tigeraugen. Ein Zukunftsroman.  Die Gärten von Dorr  Eine Welt dazwischen  Als gäbe es einen Himmel  Kapitän Bontekoes Schiffsjungen

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Deutscher Buchpreis 2015: meine Favoriten (Vorauswahl)

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nur kurz:

ich mag die Bandbreite, Abwechslung und den Mut der Longlist zum deutschen Buchpreis 2015, habe in den letzten Tagen die ersten Seiten aller 20 nominierten Titel gelesen und, für mich selbst, eine Vorauswahl getroffen:

sechs Titel, die ich kaufen und lesen werde – früher oder später.

[…“später“, denn diese nominierten Titel werden in den Zeitungen und Feuilletons, für die ich schreibe, meist von ältere Rezensent*innen besprochen: mein Job und Fachgebiet sind die Entdeckungen, US-Literatur, Jugendbücher, Indie-Titel… Überraschungs-Bücher und literarische Außenseiter, die noch recht wenige Menschen auf dem Schirm haben. Longlist-Titel sind so bekannt und allgegenwärtig, dass ich selten Schreib-/Rezensionsaufträge für sie bekomme.]

Sechs Titel sprechen mich sehr an:

deutscher buchpreis 2015 stefan mesch favoriten buchcover

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  1. „Bodentiefe Fenster“, Anke Stelling, Verbrecher Verlag
  • eine depressive Mutter im Prenzlauer Berg hat Angst vor dem sozialen Abstieg
  • das Thema (Öko-Biedermeier in Berlin) ist oft Stoff für billige Witze und Satire – hier wird es ernster, sozialkritischer und, hoffentlich, klüger durchgespielt
  • ich kenne Stellings Debüt von 2004, „Glückliche Fügung“, fand es recht seicht/konventionell… aber sympathisch
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Mit vierzig Jahren und als Mutter zweier Kinder ist aus Sandra eine Art Kassandra vom Prenzlauer Berg geworden. Weggehen kann sie jedoch auch nicht, außerdem genießt sie ihre Privilegien. Sie feiert die Kindergeburtstage wie früher, wie Pippi Langstrumpf, doch der Kern der Utopie ist nicht mehr da. Bodentiefe Fenster – bodenlose Gegenwart.“ [Klappentext, gekürzt]

Bodentiefe Fenster
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2. „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“, Frank Witzel, Matthes & Seitz

  • 800-Seiten-Kindheits-und-Erinnerungsbuch über die BRD
  • sehr überbordend, verspielt, voller Zitate und Zeitgeschichte
  • vielleicht zu viel Retro-Kitsch, zu gewollt… aber die Welt und das Milieu sind sehr gut getroffen
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Ein Spiegelkabinett der Geschichte im Kopf eines Heranwachsenden: Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst; das dichte Erzählgewebe ist eine explosive Mischung aus Geschichten und Geschichte, Welterklärung, Reflexion und Fantasie: ein detailbesessenes Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die 1989 Geschichte wurde. Ein mitreißender Roman, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

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3. „Winters Garten“, Valerie Fritsch, Suhrkamp

  • eine seltsame Kleingartenkolonie – und dahinter die Stadt, Zivilisation, die zerfällt: ein dystopischer, aber sehr märchenhafter und stiller Roman über Alter und Ende
  • altmodische Sprache, wahrscheinlich kaum Plot oder Überraschungen, erzählerische Raffinesse: das Buch funktioniert über Atmosphäre. 160 Seiten eigentümliche, bedrohliche Atmosphäre? das klingt machbar und sympathisch!
  • aber: vielleicht trotzdem nur Kitsch und zäher, barocker Quatsch? wie ihr Klagenfurt-Video?
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„‚Winters Garten‘, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst.Valerie Fritsch erzählt von einer Welt aus den Fugen. Und von zwei Menschen, die sich unsterblich ineinander verlieben, als die Gegenwart nichts mehr verspricht, die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen.“ [Klappentext, gekürzt.]

Winters Garten

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4. „Siebentürmeviertel“, Feridun Zaimoglu, Kiepenheuer & Witsch

  • 800 Seiten in der Türkei der 30er/40er Jahre
  • sehr wuchtig, sprachverspielt, überraschend, episch: ich kenne von Zaimoglu „Kanak Sprak“ und „Liebesmale, scharlachrot“, und beides war mir zu gewollt, zu poetry-slam-haft und pubertär. der Ton in „Siebentürmeviertel“ ist selbstbewusster.
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Eine fremde und faszinierende Welt, in der sich ein deutscher Junge behaupten muss: Es ist das Jahr 1939, und Wolf findet sich in Istanbul wieder, in der Familie von Abdullah Bey und mitten im Siebentürmeviertel, einem der schillerndsten Stadtteile der Metropole, in der Religionen und Ethnien in einem spannungsreichen Nebeneinander leben. Was als vorübergehende Maßnahme gedacht war, wird zu einer Dauerlösung, und Wolf muss sich zurechtfinden in diesem überwältigenden Kosmos. Er wird von Abdullah Bey an Sohnes statt angenommen, besucht die Schule und erobert sich seine Stellung unter den Jugendlichen des Viertels. Als er langsam zu begreifen beginnt, welche Rolle Abdullah Bey wirklich spielt, gerät er in große Gefahr.“ [Klappentext, gekürzt.]

Siebentürmeviertel

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5. Getraud Klemm, „Aberland“, Droschl

  • Baden bei Wien: eine Mutter Ende 50 und ihre Tochter Mitte 30 hadern mit ihren Beziehungen, Rollen und dem bürgerlichen Druck.
  • 2014 erschienen, ebenfalls angelesen und gemocht: „Herzmilch“ (Perlentaucher)
  • die meisten Bekannten, die bisher Gertraud Klemm lasen, sagen: mitteltiefgründig, mittelambitioniert, mittelinteressant. mal sehen.
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Elisabeth, 58, versucht würdevoll zu altern. Ihr gutbürgerliches Leben ist am ehesten charakterisiert durch das, was sie alles nicht getan hat: sie hat nicht studiert und nicht gearbeitet, sie hat ihre Kinder nicht vernachlässigt und ihren Mann nicht mit dem Künstler Jakob betrogen, sie hat der Schwiegermutter nicht die Stirn geboten und stellt noch immer nicht den Anspruch, ins Grundbuch der Jugendstilvilla eingetragen zu werden. Mit Zynismus und verhaltener Selbstreflexion beobachtet sie das Altern der Frauen um sie herum. Und sie beobachtet ihre Kinder, vor allem Franziska, 35, die zu Wutausbrüchen neigt, mit den Anforderungen der Gesellschaft an ihre Mutterrolle hadert.“ [Klappentext, kaum gekürzt… weil er sehr gut geschrieben ist!]

Aberland
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6. Jenny Erpenbeck, „Gehen ging gegangen“, Knaus

  • Professor mit Sinnkrise sucht Kontakt zu Geflüchteten am Berliner Oranienplatz
  • politischer, aber poetischer Roman über die Frage, was Engagement bewegt und was Menschen einander geben können.
  • ich mochte „Das alte Kind“ nicht, Erpenbecks staubige, viel zu betuliche Kurzgeschichten. auch hier im Portrait wirkt sie verkrampft (Link: könnte aber auch an der Journalistin liegen). aber „Heimsuchung“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern: ich bin gespannt, wie modern/altmodisch der neue Roman mit Sprache und Themen umgeht… aber bleibe etwas vorsichtig.
  • Rezensionen auf Perlentaucher.de

„Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika zu suchen, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.“ [Klappentext, gekürzt.]

Gehen, ging, gegangen …und, große Empfehlung: Heimsuchung
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zwei Titel auf der Kippe:

    • „89/90“ von Peter Richter wirkt kompetent geschrieben und unterhaltsam – aber ich habe das Gefühl, schon fünf solcher Bücher zu kennen. wäre das ein unbekanntes Buch/Geheimtipp, ich würde es bald lesen. aber es findet sein Publikum sicher auch ohne mich.
    • „Die Stunde zwischen Wolf und Gitarre“ von Clemens J. Setz hat 1000 Seiten und wirkt sehr verspielt: ein Buch, das seinen Leser*innen wahrscheinlich viele Fallen stellt. ich habe Angst, mich auf Figuren einzulassen – wenn mir schon die ersten Seiten signalisieren: da geht es eher um literarische Spiele, Fragen der Perspektive, Überraschungen und Überrumpelungen.

89/90: Roman   Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

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