Empfehlung

Jugendbücher 2017, Sommerbücher 2017: die besten Romane

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angelesen, vorgemerkt, entdeckt: meine Vorauswahl der literarischen Neuerscheinungen in der ersten Jahreshälfte 2016 – neue Bücher für die Zeit zwischen Leipziger Buchmesse, Ostern und Sommer.

deutschsprachige Literatur, neu 2017:

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KATHY ZARNEGIN, “Chaya” (Weissbooks, 244 Seiten): “Teheran, 70er Jahre: Ein junges Mädchen träumt von der freien Welt. Kaum ist sie aus dem turbulenten Iran in Europa angekommen, verwandelt sich das neugierige Kind im Schnelldurchlauf in eine Frau.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

NAVA EBRAHIMI, “Sechzehn Wörter” (btb, 320 Seiten): “Als ihre Großmutter stirbt, beschließt Mona, mit ihrer Mutter ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Der Rückflug in ihr Kölner Leben zwischen Coworking und Clubszene ist schon gebucht. Doch dann überredet sie ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin zu einem Abschiedstrip nach Bam, in jene Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben komplett zerstört wurde.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

MICHAEL STAVARIC, “Gotland” (Luchterhand, 352 Seiten): “Eine streng katholische Mutter – Zahnärztin mit eigener Praxis und einem fanatischen Glauben, der die Bibel gefährlich wörtlich nimmt. Was macht das mit dem Sohn? Er hofft, Gott in Gotland zu finden, jenem fernen Sehnsuchtsort der Mutter, die immer behauptete, dort hätte sie seinen Vater kennengelernt.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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FLURIN JECKER, “Lanz” (Nagel & Kimche, 128 Seiten): “In einer Projektwoche soll der 14-jährige Lanz einen Blog schreiben. Erst sträubt er sich, doch dann breitet er rückhaltlos sein Leben aus: die Trennung der Eltern, die Kompliziertheit zweier Zuhause, die Ödnis seiner Kindheit in einem Dorf in der Schweiz. Ein Junge, der die Zumutungen der Welt kommentiert, in einer eigenwilligen, wuchtigen, restlos glaubwürdigen Sprache.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

KRISTINA PFISTER, “Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten” (Klett-Cotta, 256 Seiten): “Jeden Abend betrachtet Annika die junge Frau gegenüber. Marie-Louise scheint all das zuzufliegen, wonach Annika sich sehnt: Freunde, Liebhaber, Geselligkeit. Für beide Frauen beginnt ein Sommer in der Provinz, wo Humor und Verzweiflung nah beieinander liegen.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

GERHARD HENSCHEL, “Arbeiterroman” (Hoffmann & Campe, 576 Seiten): “Martin Schlosser hat sein Studium abgebrochen und jobbt als Hilfsarbeiter einer Spedition. Sein Traum vom Schriftstellerleben hatte anders ausgesehen. Erst nachdem in Berlin die Mauer fällt, über Martins Elternhaus die Tragödien hereinbrechen und seine Freundin Andrea ihn verlässt, um als Bauchtänzerin ihr Glück zu machen, scheint der Durchbruch nahe.” [Klappentext, leicht gekürzt] Goodreads: Link

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internationale Literatur, neu auf Deutsch:

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RICHARD RUSSO, “Ein Mann der Tat” (Dumont, 640 Seiten, Deutsch von Monika Köpfer): “Memorial Day in North Barth: Chief Raymer kollabiert auf einer Beerdigung, fällt ins offene Grab und verliert dabei das einzige Beweisstück dafür, dass seine Frau ihn betrogen hat. Die Wand eines Gebäudes, das der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat, stürzt ein. Sein ehemaliger Kontrahent Sully verheimlicht seine schwere Krankheit. Eine illegal gehaltene Giftschlange ist entwichen, und die Bewohner der Kleinstadt müssen Farbe bekennen und von ihren gewohnten Mustern abweichen.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

COLSON WHITEHEAD, “Underground Railroad” (Hanser, 352 Seiten, Deutsch von Nikolaus Stingl; erscheint am 21. August): “Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.” [Klappentext, ungekürzt] Goodreads: Link

KENT HARUF, “Unsere Seelen bei Nacht” (Diogenes, 208 Seiten, Deutsch von Pociao): “Eine Kleinstadt in Colorado. Addie, eine Witwe von 70 Jahren, klingelt bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.” [Klappentext, kaum gekürzt] Goodreads: Link

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MAURIZIO TORCHIO, “Das angehaltene Leben” (Zsolnay, 240 Seiten, Deutsch von Annette Kopetzki): “Ein Mann sitzt seine lebenslängliche Strafe in der Einzelhaft ab – er hat die Tochter des „Kaffeekönigs“ entführt, später einen Wärter umgebracht. Er klagt nicht an, sondern beschreibt, wie das Gefängnis Tag für Tag mehr zum eigenen Körper wird. Ein Roman wie ein Faustschlag, in dem das „Gefangensein“ auch eine Metapher ist für das Menschsein.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

GRAHAM SWIFT, “Ein Festtag” (dtv, 142 Seiten, Deutsch von Susanne Höbel): “1924. Jane, das junge Dienstmädchen von Beechwood, und Paul, der Spross aus begütertem Haus, haben ein Verhältnis. Doch Paul wird bald – standesgemäß – heiraten. Jahrzehnte später blickt sie zurück und erzählt: von einer Tragödie und einer wundersamen Entfaltung.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

YU HUA, “Die letzten sieben Tage” (S. Fischer, 304 Seiten, Deutsch von Ulrich Kautz): “Yang Fei ist erst 41 und schon tot. Bevor seine Seele ins Jenseits geht, befindet sich der Verstorbene sieben Tage in einem Zwischenreich, wo er sein Leben Revue passieren lässt: der Abriss seiner Wohnung durch Spekulanten, die Verarmung seines Ziehvaters durch Krankheit, und dann verlässt ihn noch seine große Liebe Li Qing für einen reichen Mann.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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GAIL HONEYMAN, “Ich, Eleanor Oliphant” (Lübbe, 525 Seiten, Deutsch von Alexandra Kranefeld): “Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus – und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen. Ein Debüt mit unvergesslicher Hauptfigur.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

MEGAN HUNTER, “Vom Ende an” (C.H. Beck, 160 Seiten, Deutsch von Karen Nölle): “Die Erzählerin bekommt ihr erstes Kind. Gleichzeitig überschwemmt eine Flur weite Teile Englands, Feuer brechen aus. Die Frau und ihr Gefährte müssen sich auf eine Insel flüchten. Die kleine Familie wird getrennt. Lyrisch und lakonisch, durchsetzt mit Passagen, die sich wie Bibelzitate lesen, wie ein weibliches Gegenstück zu Cormac McCarthys “Die Straße”.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link – nur 3.58 von 5.

TIMOTHY ZAHN, “Thrawn” (Blanvalet, 420 Seiten, Deutsch von Andreas Kasprzak; erst im Februar 2018): “Die spannende Vorgeschichte zur erfolgreichsten Star-Wars-Trilogie. Schnell erweist sich Thrawn als unverzichtbar für das Imperium. Sein Aufstieg scheint unaufhaltsam. Als er zum Großadmiral ernannt wird, muss er beweisen, dass er im Krieg gegen die Rebellen stark genug ist.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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Krimis und Thriller, neu auf Deutsch:

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MINATO KANAE, “Geständnisse” (C. Bertelsmann, 272 Seiten, Deutsch von Sabine Lohmann): “Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken. Moriguchi kündigt ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine Lektion mit auf den Weg geben. Sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

JUAN DIAZ CANALES, JUANJO GUARNIDO, “Blacksad” (Carlsen Comics, 304 Seiten, Deutsch von Harald Sachse): “In einer düsteren Großstadt, in der nur Tiere leben, erledigt Blacksad lakonisch seine Fälle. Alle 5 bisher erschienenen Blacksad-Comicbände sowie zwei zusätzliche Geschichten und Skizzenmaterial.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

PETER MAY, “Moorbruch” (Zsolnay, 336 Seiten, Deutsch von Silvia Morawetz): “Vor 17 Jahren verunglückte Roddy, Leader der Band Amran, mit seinem Flugzeug und blieb verschollen. Fin Macleod, früher Roadie der Band, ist zurück auf der Hebrideninsel Lewis und bekämpft im Auftrag eines Gutsbesitzers Wilderer. Doch der Erste, den Fin zur Strecke bringen soll, ist ausgerechnet sein alter Freund Whistler. Die beiden werden Zeugen eines Moorbruchs, der das Wrack von Roddys Flugzeug zu Tage befördert. Fin erkennt an Whistlers Reaktion sofort, dass etwas nicht stimmt. Ein packender literarischer Krimi aus Schottland.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link (Teil 3 einer Trilogie)

neue Jugendbücher:

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ANKE STELLING, “Erna und die drei Wahrheiten” (cbt, 240 Seiten): “Warum steckt in „Gemeinschaft“ auch „gemein“? Erna Majewski, 11, besucht eine Gemeinschaftsschule und lebt im gemeinschaftlichen Wohnprojekt. Dass das ganze Gemeinschaftsgetue ungerecht und sogar verlogen sein kann, erleben Erna und ihre Freundinnen, als nach dem Schulfasching jemand mutwillig die Klos ruiniert hat: Weil der Täter sich nicht meldet, sollen jetzt alle dafür büßen. Erna ermittelt. Sie findet heraus, was passiert ist. Aber soll sie es auch verraten? Schließlich gibt es laut einem Sprichwort drei Wahrheiten – deine, meine und die Wahrheit. Und wer kann die schon ertragen?” [Klappentext, leicht gekürzt] Goodreads: Link

STEFANIE HÖFLER, “Tanz der Tiefseequalle” (Beltz & Gelberg, 192 Seiten): “Niko, der ziemlich dick ist und sich oft in Parallelwelten träumt, rettet die schöne Sera vor einer Grapschattacke. Sera fordert Niko daraufhin zum Tanzen auf. Der Beginn einer Freundschaft, die im entscheidenden Moment mutig über ihren Schatten springen.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

CHRISTIAN DUDA, “Gar nichts von allem” (Beltz & Gelberg, 160 Seiten): “Der Vater des 11jährigen Magdi buckelt nach oben und tritt nach unten. Unten, da stehen Magdi, seine drei Geschwister und seine Mutter. Was den arabischen Vater und die deutsche Mutter eint, ist der Wille, »gebührliche« Kinder großzuziehen. Bloß nicht unangenehm auffallen! Christian Duda blickt zurück in die 1970er Jahre: ein Kind in der Zange zwischen gesellschaftlichen Ressentiments und innerfamiliärem Druck.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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STEPHAN LOHSE, “Ein fauler Gott” (Suhrkamp, 336 Seiten): “Sommer 1972. Benjamin ist 11. Dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Sein bester Freund erklärt Ben die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

NICOLA YOON, “The Sun is also a Star” (Dressler, 400 Seiten, Deutsch von Susanne Klein): “Als Daniel und Natasha in New York aufeinander treffen, verguckt er sich sofort in das jamaikanische Mädchen. Die zwei teilen einen Tag voller Gespräche. Doch Natasha soll am selben Abend abgeschoben werden.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

JACK CHENG, “Hallo Leben, hörst du mich?” (cbt, 384 Seiten, Deutsch von Bernadette Ott): “Der 11-jährige Alex plant, seinen iPod mit einer selbstgebauten Rakete ins All zu schießen, um den Außerirdischen das menschliche Leben zu erklären und wagt gemeinsam mit seinem Hund Carl Sagan die große Reise zu einer Convention von Raketen-Nerds.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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Klassiker, neu aufgelegt:

LEONARD GARDNER, “Fat City” (Original von 1969, Blumenbar, 224 Seiten, Deutsch von Gregor Hens): “Eine Liebeserklärung an eine Zeit, in der man von der Hand in den Mund lebte. California-Working-Class-Sound, trotzigen Humor und der feinen Melancholie eine deutsche Stimme zu geben.” [schrecklicher, weil völlig nichtssagender, selbstverliebter Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

VICTOR HUGO, “Die Arbeiter des Meeres” (Original von 1866, mare, 672 Seiten, Deutsch von Rainer G. Schmidt): “Der Fischer Gilliatt lebt nah bei den Klippen, den Menschen im Dorf erscheint er als seltsamer Kauz. Seit er beobachtet hat, wie Déruchette, die Nichte des Reeders, seinen Namen in den (auf Guernsey äußerst seltenen) Schnee geschrieben hat, kommt er gedanklich nicht mehr von dem Mädchen los – und lässt sich, um ihre Liebe zu erringen, auf einen dramatischen und furchtbaren Kampf mit den Naturgewalten ein.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

ANTANAS SKEMA, “Das weiße Leintuch” (Original von 1958, Guggolz, 255 Seiten, erstmals auf Deutsch von Claudia Sinnig): “Škėma (1910–1961) hinterließ einen Roman, der bis heute bedeutenden Einfluss auf die litauische Literatur ausübt: Protagonist Antanas Garšva, ein litauischer Exilschriftsteller, arbeitet als Liftboy in einem vielstöckigen New Yorker Hotel. Vor den Sowjets aus Litauen geflohen, hadert er mit der bigotten litauischen Leitkultur und der Trivialität der amerikanischen Konsumgesellschaft, und findet sich verstrickt in ein Dreiecksverhältnis mit seiner Geliebten Elena und ihrem Ehemann.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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neue Sachbücher:

CORY TAYLOR, “Sterben. Eine Erfahrung” (Allegria, 176 Seiten, Deutsch von Ulrike Kretschmer): “2015 erfährt die australische Schriftstellerin Cory Taylor, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. In nur wenigen Wochen reflektiert sie über den Sinn der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie erfasst die transformative Kraft des Prozesses, in dem sie sich befindet, und es gelingt ihr, sich diesem kreativ und ehrlich zu stellen. Wer liest? Alle, die sich mit der letzten Phase des Lebens auseinandersetzen möchten, um dem Leben selbst Tiefe und Sinn zu geben.” [scheußlich esoterischer Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

TALI SHAROT, “Die Meinung der anderen” (Siedler, 304 Seiten, Deutsch von Susanne Kuhlmann-Krieg): “Meinung, Macht und Manipulation. Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Sharot zeigt, wie wir andere Menschen prägen können ― und von ihnen geprägt werden. Wir werden beeinflusst – meist unbewusst und mehr als uns lieb ist. Allzu oft sind wir steinzeitlichen Instinkten und Reflexen unterworfen – und daher zum Scheitern verdammt, wenn wir andere zu etwas bewegen wollen.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

ARAM MATTIOLI, “Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas” (Klett-Cotta, 464 Seiten): “Die Geschichte Nordamerikas zwischen 1700 und 1900 aus der Sicht der »First Peoples«. Die politischen Motive aller Seiten im erbarmungslosen Kampf um den Kontinent. Daneben kommen die kulturellen Leistungen der Indianer ebenso zur Sprache wie die großen sozialen Umwälzungen.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

internationale Literatur, neu 2017, noch nicht übersetzt:

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GEORGE SANDERS, “Lincoln in the Bardo” (Random House, 343 Seiten): “Abraham Lincoln and the death of his eleven year old son, Willie, at the dawn of the Civil War. On February 22, 1862, Willie Lincoln was laid to rest in a marble crypt in a Georgetown cemetery. Shattered by grief, Abraham visits the crypt, alone, to spend time with his son’s body. Set over the course of that one night and populated by ghosts of the recently passed and the long dead, Lincoln in the Bardo is a thrilling exploration of death and grief, with humor, pathos, and grace.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

KAYLA RAE WHITAKER, “The Animators” (Random House, 369 Seiten): “In the male-dominated field of animation, Mel and Sharon are best friends and artistic partners, bonding over their working-class roots. After they spent their twenties ensconced in a gritty Brooklyn studio, they are finally celebrating the release of their first full-length feature, which transforms Mel’s difficult childhood into a provocative and visually daring work of art. But with their success come doubt and destruction.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

AYOBAMI ADEBAYO, “Stay with me” (Canongate, 304 Seiten): “Nigeria in the 1980s: Yejide is hoping for a child. It is all her husband and her mother-in-law wants, and she has tried everything – arduous pilgrimages, medical consultations, dances with prophets. But when her in-laws insist upon a new wife, it is too much for Yejide to bear.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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FIONA MAAZEL, “A little more Human” (Graywolf, 304 Seiten): “Phil Snyder: new father, nursing assistant at a cutting-edge biotech facility, and all-around decent guy. His wife has betrayed him, his father is hiding early-onset dementia. Phil also has a special talent—he’s a mind reader and moonlights as Brainstorm, a costumed superhero. A Little More Human, rife with layers of paranoia and conspiracy, questions how well we really know ourselves, showcasing Fiona Maazel at her tragicomic, freewheeling best.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

ADAM SILVERA, “History is all you left me” (Soho Teen, 320 Seiten): “Griffin’s first love and ex-boyfriend Theo dies in a drowning accident. Griffin is losing himself in his obsessive compulsions and destructive choices.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

BENJAMIN ALIRE SAENZ, “The Inexplicable Logic of my Life” (Clarion Books, 452 Seiten): “Sal has always been certain of his place with his adoptive gay father and their loving Mexican-American family. But now, life-altering events force him and his best friend, Samantha, to confront issues of faith, loss, and grief.” [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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Superman: Rebirth – Dan Jurgens, Peter Tomasi, neu bei Panini

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am 10. Januar sprach ich über die neuesten “Superman”-Comics in Deutschland, als Studiogast bei Deutschlandradio Kultur:

Text von mir und Link zur Audio-Datei, Deutschlandradio Kultur

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Wer Comics auf Englisch kauft und liest:

Seit Juni 2016 sind die “Superman”-Reihen besser als seit Jahrzehnten.

Mein Tipp:

Erst “Lois & Clark” lesen (10 Hefte, ein US-Sammelband), dann die beiden parallelen Reihen “Action Comics” und “Superman” (erscheinen je zweimal im Monat). Auch “Trinity” und “Superwoman” (einmal im Monat) machen Spaß. Im Februar beginnt zudem “Super-Sons”.

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Wer Comics auf Deutsch lesen will:

“Lois & Clark” erscheint in zwei Bänden bei Panini Comics: Band 1 (Link), Band 2 (Link, 7. Februar).

Dann – 18. April 2017 – “Superman: Sonderband 1”.

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Immer wieder landen langjährige Heldencomics in erzählerischen Sackgassen – und räumen auf, indem ein komplizierter Zwischenfall (Zeitschleifen, Dimensionslöcher, parallele Welten) neue, simplere Zustände schaffen soll. 2011 hieß das: Superman und seine große Liebe Lois Lane werden ersetzt, durch jüngere Versionen, in einer neuen Welt. Jene Doppelgänger waren nie verheiratet, sind schroffer und pragmatischer; ein neuer Lex Luthor ist eher Antiheld als Schurke. 2015 strandete der vorige, ursprünglichere Superman in dieser neuen Gegenwart – in Dan Jurgens Reihe “Lois & Clark”: Er hat jetzt einen Sohn im Grundschulalter und lebt mit seiner Lois heimlich auf einer Farm.

2016, im nicht lesenswerten “The Final Days of Superman” starb der jüngere Superman. Seitdem übernimmt die ältere Version die Hauptrolle. In vier verknüpften, oft exzellenten Heftreihen – “Action Comics”, “Superman”, “Superwoman” und “Trinity” – wird dieses Durcheinander durchdacht, von allen Seiten. Es gibt zwei Lois Lanes. Kann man Lex Luthor trauen? Ein Fremder ohne Kräfte behauptet, Clark Kent zu sein. Supermans Sohn will selbst Held werden. Zu viele ermüdende Kämpfe, mittelmäßige Zeichnungen. Doch tolle Figurenarbeit, Rätsel, Ensembles und Intrigen.

Wirres Chaos? Nein: Ein Helden-Mosaik, so stimmig, herzlich, menschlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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gut gezeichnet, aber keine Empfehlung: die Vorgeschichte "Die letzten Tage von Superman", ab 21. Februar 2017 bei Panini

gut gezeichnet, aber keine Empfehlung: die Vorgeschichte “Die letzten Tage von Superman”, ab 21. Februar 2017 bei Panini

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für die Deutschlandradio-Redaktion und meine Moderatorin fasste ich alles in folgenden Stichpunkten zusammen:

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Es geht um das Comic “Superman: Lois & Clark”, das am 3. Januar auf Deutsch bei Panini erschien.

…und es geht darum, wie der Verlag “DC Comics” seit 2011 mit der Figur Superman umging.

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Die Figur Superman hatte in den Comics drei große Phasen:

1) 1986 bis 2011
2) 2011 bis 2016
3) heute

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1) grundsätzlich (ab 1986):

– Es gibt zwei große Superhelden-Verlage in den USA: Marvel Comics und DC Comics. Beide veröffentlichen ca. 50 monatliche (oder, neu: zweiwöchentliche) ca. 20seitige Heftreihen über verschiedene Heldinnen und Helden. Fast alle Marvel-Heftreihen spielen im “Marvel-Universum”, fast alle DC-Heftreihen im “DC-Universum”.

– Fünf bis sechs monatliche Hefte werden danach meist als Sammelband veröffentlicht. Auf Deutsch erscheinen diese Sammelbände bei Panini Comics. “Superman: Lois & Clark” sammelt Hefte, die in den USA von Dezember 2015 bis Sommer 2016 veröffentlicht wurden.

– Die Figur Superman ist nicht nur Hauptfigur in einem alle zwei Wochen erscheinenden Comic namens “Superman”, sondern auch in einer parallelen Reihe namens “Action Comics”, in “Justice League”, in “Trinity” etc., und hat Gastauftritte in weiteren Reihen wie “Supergirl”, “Super-Sons” usw.: Wer will, kann monatlich fast 200 Seiten lesen über das Leben dieser Figur – verfasst von mehreren Autoren/Zeichnern, aber alle zusammenhängend/verknüpft.

– Von 1986 bis 2011 erzählten fast alle DC-Heftreihen eine große, zusammenhängende Geschichte: Batman und Superman wurden Freunde, Batman wurde Vater, The Flash hat geheiratet usw.: Figuren sind in ca. 25 Jahren ca. 10 Jahre gealtert. Einige haben Kinder bekommen, alle wurden etwas reifer, besonnener, bürgerlicher. Superman enttarnte sich vor Lois Lane und heiratete sie. Viele dieser Comics sind recht gut, die Figur ist überzeugend gewachsen.

– Bis 2011 aber wurden solche Hintergrund- und Vorgeschichten so lang und kompliziert, dass DC Comics sagte: “Niemand sollte ein Comic von 1986 kennen müssen, um ein Comic von 2011 verstehen zu können. Wir machen einen Neustart.” Dieser Neustart betraf alle Reihen: In einer Zeitreise-Geschichte verursachte der Superheld The Flash versehentlich ein Paradox… und plötzlich begann vieles von vorne, in 50 Heftreihen, in einem neuen Universum.

[dieser Reboot hieß “The New 52”. ich habe 2011 u.a. hier darüber geschrieben.]

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Superman Batman DC Helden

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2) Superman ab 2011: “The New 52”

– Seit 2011 erzählen alle DC-Heldencomics neue Geschichten… in einem neuen Erzähluniversum… mit den alten Heldinnen und Helden… die aber jetzt verjüngt sind und denen Teile ihrer Vorgeschichte fehlen:

– Superman und Lois Lane sind Redaktionskollegen beim “Daily Planet”, aber waren nie ein Paar. Superman ist jünger, ungestüm, fühlt sich missverstanden und macht viele Fehler. Er verliebt sich in Wonder Woman. Alles ist jugendlicher, frischer, weniger bürgerlich.

– Aber: viele Ehen wurden nie geschlossen, viele Kinder nie gezeugt, vielen Figuren fehlen Tiefe, Vorgeschichte, Erfahrung, Format: Statt den bekannten Helden, Mitte 30, liest man jetzt die Abenteuer von Figuren, die genau so aussehen – doch kaum Mitte 20 sind. Sie sind jünger, naiver, feindseliger, aggressiver. Viele Helden stehen am Anfang und sind einander sehr fremd. Misstrauen, Anfängerfehler, Aggression.

– Dieser 2011er-Neustart war umstritten. Heftreihen wie “Batman” und “Green Lantern” kamen gut zurecht. Doch der neue Superman wirkte wie ein traurig naiver Abklatsch der alten Figur: Kritiken, Auflage und Fan-Reaktionen waren schlecht.

– Von 2011 bis 2016 erschien fast kein “Superman”-Comic oder -Sammelband, den ich empfehlen würde. Mir persönlich fehlt auch die Liebesgeschichte mit Lois Lane sehr: Ich lernte Superman in den 90er Jahren kennen, durch die TV-Serie “Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark”. Dort spielt der Redaktionsalltag im Daily Planet eine große Rolle, und Lois ist gleichwertige Hauptfigur. Dass sie in den Comics, besonders ab 2011, oft nur eine Randfigur mit Mini-Auftritten bleibt, missfällt mir.

– 2015, in einem (recht schlechten) Comic namens “Convergence”, wurde einigen neuen Helden klar, dass ihre Vorläufer (also: z.B. der Superman von 1986 bis 2011, ich nenne ihn fortan Superman86) entführt und gefangen gehalten wurden, auf einem Planeten: Zum ersten Mal seit vier Jahren sahen wir die alten Figuren wieder. Die “alte” Lois Lane war schwanger.

– Viele dieser alten Versionen konnten sich retten und befreien… und Superman86 strandete zusammen mit Lois Lane und dem Sohn Jon in der Welt der neuen Figur.

– Der Comic “Lois & Clark” zeigt diese beiden alten Figuren… die jetzt heimlich in der neuen Welt leben: Seit 2015 gibt es also zwei Lois Lanes, zwei Supermans. Die neuen Versionen wussten aber nichts von den alten: “Lois & Clark” erzählt, wie sich Superman86 in Kalifornien versteckt, heimlich den Menschen hilft, aber nicht vom neuen, jüngeren Superman entdeckt werden will.

– Dann, 2016, starb der neue Superman plötzlich (…in Geschichten, die ebenfalls gerade bei Panini erscheinen, 2017: “The Final Days of Superman”… die aber nicht besonders gut oder empfehlenswert sind), und DC Comics wagte einen neuen, zweiten Neustart:

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batman vs Superman lois clark

3) 2016: die alte Figur, gestrandet in der neuen Welt: “DC Rebirth”

– Das Sonderheft “DC Rebirth” erscheint am 28. Februar bei Panini. Es zeigt: Viele Figuren, die 2011 aus der Welt gefallen sind, kommen plötzlich zurück, auf mysteriöse Weise. Alte Geschichten (erschienen vor 2011) werden plötzlich wieder relevant. die neuen Comics, die alle ab diesem Frühling auf Deutsch erscheinen, sind optimistischer, oft besser verständlich, romantischer… Der Verlag versucht, nach dem düsteren Neustart von 2011, jetzt vieles wieder heller zu gestalten, und greift dabei auf alte Figuren und Vorgeschichten zurück.

– In Heftreihen wie “Batman” ist das gar kein richtiges Thema: Die Geschichten gehen, mehr oder weniger, ungefähr so weiter. Um “Batman” zu lesen, muss man nichts über diese Paralleluniversen, Zeitreisen, Paradoxien und Doppelgänger wissen. [Die Reihe “Batman” von Autor Tom King ist nicht besonders gelungen. Aber die Reihe “Detective Comics” von James Tynion. Empfehlung!]

– Die Superman-Heftreihen dagegen machen all das SEHR zum Thema; und bisher ist das ein großer Gewinn, erzählerisch: Es gibt zwei Lois Lanes. Die “alte” Hauptfigur trifft neue Versionen ihrer alten Bekannten und Bezugspersonen, die sie von 1986 bis 2011 gut kannte (Batman, Lex Luthor, Wonder Woman etc.) – doch diese Bezugspersonen kannten ihrerseits nur die jüngere (und: jetzt verstorbene) Version von 2011 bis 2016: Superman86 lernt viele Figuren neu kennen, die aussehen wie seine vertrauten Freunde und Gegner… doch andere Rollen spielen. Das Mit- und Gegeneinander mit z.B. dem neuen Lex Luthor ist aktuell ein großes erzählerisches Vergnügen, weil beide Figuren nur eine jeweils andere Version von sich kannten, bisher.

– Supermans Sohn Jon ist fast zehn Jahre alt und entwickelt eigene Kräfte. Von 2011 bis 2016 erzählten die Comics das Leben eines wütenden, unbeholfenen Single-Supermans. Jetzt, seit “Lois & Clark”, geht es um eine glückliche Familie – Superman86, Lois Lane86, Sohn Jon -, die in einer neuen Welt neu durchstartet. Auch diese Lois hat eine interessantere Rolle als seit Jahren – weil Lois86 Mutter ist, aber die jüngere Lois plötzlich Superkräfte entwickelt… und nichts von Lois86 weiß.

– So verwirrend und barock all das klingt: Aktuell sind die Superman-Heftreihen, die alle in den nächsten Monaten neu bei Panini erscheinen, auf Deutsch, ein toller Einstieg. schöne alte Figuren, desorientiert in einer neuen Welt… doch optimistisch und einsteigerfreundlich erzählt. “Lois & Clark” ist dabei der einfachste und süffigste Einstieg: Wir lernen Sohn Jon kennen, wir erfahren, was Superman86 heimlich/inkognito/undercover in der neuen Welt leistet, und mit dem Ende von “Lois & Clark” (zwei Sammelbände, Band 2 erscheint am 7. Februar) starten dann mehrere weitere Erzählstränge, in denen man diesen Figuren folgen kann:

– Weil die Heftreihen in den USA schon seit Juni 2016 laufen und ich die Originalcomics las, weiß ich: die Reihen “Superman”, “Action Comics”, “Trinity” und “Superwoman” sind einen Blick wert. Als nächstes startet in den USA dann “Super-Sons”, über Supermans Sohn Jon und Batmans Sohn Damian.

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– Verlegerisch und erzählerisch, auf einer Meta-Ebene, geht es hier um Tonfall, Zielgruppen und Zugänglichkeit:

2011 dachte DC Comics: Wir müssen jünger werden, einfacher, härter/jugendlicher/aggressiver – und junge Leser wollen sich nicht mit alten oder verheirateten Helden identifizieren. Weg mit den Vorgeschichten!

2016 wird das korrigiert: Superman und Lois Lane sind ca. 40 Jahre alt, glückliche Eltern, und die Wärme, Besonnenheit, das Miteinander und Vertrauen machen die Comics sympathischer (und: kinderfreundlicher) als seit Jahren.

Mich persönlich freut, dass der Verlag es sich hätte einfach machen können und durch eine WEITERE Zeitreise- und Paralleluniversums-Geschichte alles viel schneller oder sauberer hätte auflösen können. Stattdessen gibt es diesen großen Doppelgänger-Kuddelmuddel… und bisher sorgt der Kuddelmuddel für lesenswerte, aufregende Comics und Konflikte. Alles etwas barock und verwirrend. Aber: sonnig, trotz allem einsteigerfreundlich – und genuin spannend.

Wer die Figuren aus Filmen und Serien ein wenig kennt, doch sich bisher nicht an die Comics traute: “Lois & Clark” ist der ideale Einstieg.

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batman v superman, superman american alien

ebenfalls lesenswert, steht ganz für sich: “Superman: American Alien” von Max Landis

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meine Bilanz, bisher:

“Action Comics” wird ab Sammelband 2 besonders gut; “Superman” ist ebenfalls ab Sammelband 2 gelungen. “Trinity” (toll gezeichnet, aber nur ca. jede zweite Ausgabe) und “Superwoman” (langsam erzählt, etwas träge) sind keine Meisterwerke, aber machen mir Spaß. “New Super-Man” langweilt mich und spielt bisher keine große Rolle, auch die aktuelle “Supergirl”-Serie ist konventionell, langweilig, zweitklassig. Einen Blick wert: “Supergirl: Being Super” (keine Verknüpfungen zu den anderen Reihen). Die “Justice League”-Reihen ab “DC Rebirth” habe ich noch nicht angelesen. Und, wie gesagt: “Detective Comics” ist großartig.

 

Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus: die besten Bücher aus der “Schreibschule” Hildesheim

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Von 2003 bis 2008 studierte ich Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim:

eine trostlose Stadt – aber ein gutes Studium.

Pro Jahr bestehen 10 bis 15 Studierende die Aufnahmeprüfung und kommen – oft direkt nach dem Abitur – in die Stadt. Etwa fünf Jahre später schreiben sie eine Abschlussarbeit: manchmal ein wissenschaftlicher oder journalistischer Text. In vielen Fällen aber: ein Debütroman. Viele dieser Titel werden später in Verlagen veröffentlicht – und ich lese vier, fünf von ihnen pro Jahr.

ab.hier.kultur, das Alumni-Netzwerk des Hildesheimer Fachbereichs Kulturwissenschaften, bat mich im Sommer 2016, persönliche Favorien und Empfehlungen auszusprechen: Bücher von (Ex-)Kommilitoninnen, die ich mochte und empfehlen kann. Die Texte erschienen in “Kultur 16!”, der Zeitschrift des Netzwerks. [Ein anderer Artikel von mir, ebenfalls fürs Netzwerk, von 2013: Link.]

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Hildesheimer Namen auf Buchcovern

Seit dem Ende der 90er Jahre sind über 50 Bücher von jungen Autorinnen und Autoren, die in Hildesheim studiert haben, in großen Verlagen erschienen. Literaturkritiker Stefan Mesch stellt fünf persönliche Favoriten vor.

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Nora Wicke: „Vierstromland“.

Roman, 320 Seiten, Müry Salzmann 2014.

Ein solcher Tonfall, ein solches Thema misslingt fast immer: Eliza zieht nach Berlin. Bisher lebte sie mit ihrer großen Schwester in einem Internat bei Amsterdam, ihre Mutter hat eine junge Geliebte in Paris, ihr Vater eine neue Frau und weitere Kinder. Zwei ältere Zwillingsbrüder leben in Rumänien, bei den Großeltern. Nora Wicke lässt eine heimatlose Frau aus einer oft abweisenden, verstreuten Großfamilie mit serbischen, rumänischen und deutschen Wurzeln durch Europa reisen, jahrelang: Nebenjobs, Kälte, vorsichtige Briefe und Annäherungen. Ein leiser, melodischer, manchmal schleppender Roman über Europa – schwermütig, klug, fast nie kitschig.

Buch bei Goodreads (Link)

Vierstromland

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Sabrina Janesch: „Tango für einen Hund“.

Roman, 303 Seiten, Berlin Verlag 2014.

Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ blieb mir lange im Gedächtnis – auch, weil so viele Szenen, Einzelteile wie spitzes, ungeschliffenes Metall aus den Kapiteln stechen. „Tango für einen Hund“ ist ein glatteres, schnittigeres Buch – etwas seichter und weniger markant. Doch dafür so stimmig und professionell wie nichts anderes, das ich von Hildesheimern kenne: ein prima Jugendbuch, charmante Unterhaltung, ein wunderbar rundes Ding! Es geht um Weichei Ernesto, der seine Sommerferien in der Lüneburger Heide verschwendet, bis sein etwas dementer, energischer Onkel aus Argentinien einen Roadtrip durch die Pampa Niedersachsens anzettelt. Warmherzig, witzig, mit überzeugendem Ich-Erzähler. Und, versprochen: keine „Tschick“-Kopie.

Buch bei Goodreads (Link)

Tango für einen Hund

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Jan Fischer: „Ready. Wie ich mit digitalen Spielen erwachsen wurde“.

Autobiografisches Essay, 52 Seiten, Hanser 2016. [nur als E-Book]

Jan gehört zu meinen besten Freunden. Doch richtig nah kommen wir uns selten: Er traut sich als Kulturjournalist oft an die schwersten oder absurdesten Themen. Nur über eigene Ängste spricht er kaum. Wie großartig, dass ausgerechnet hier – in einem 50-Seiten-E-Book über die Mainstream-PC- und Videospiele der 80er, 90er, 00er Jahre – kluge Erinnerungen und Emotionen so viel Raum einnehmen: Jan schreibt, was ihn als Kind an Spielen reizte. Wie sie helfen. Womit sie faszinieren. Experten und Hardcore-Gamer werden Vieles kennen. An einigen Stellen: zu viel Pathos. Doch selbst, wer kein Interesse an Spielen hat, liest Jans Erinnerungen mit Gewinn: kulturwissenschaftliche Beobachtungen – leidenschaftlich, nah, verständlich.

Buch bei Goodreads (Link)

Ready

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Anne Köhler: „Nichts werden macht auch viel Arbeit. Mein Leben in Nebenjobs“.

Autobiografische Kolumen, 144 Seiten, Dumont 2010.

2015 veröffentlichte Anne Köhler einen Roman über eine junge, unglückliche Köchin in Hildesheim – der mich sehr langweilte: Mir war diese Hauptfigur zu zweifelnd, fade, flau. Besonders, weil Annes erstes Buch (2010) eine geisteiche, komplexe, viel liebenswertere Heldin hatte: Anne Köhler! Für jetzt.de schrieb Anne eine Kolumne über alle Nebenjobs, Praktika und bezahlten Projekte ihres Lebens. Wie viele Hildesheimer hatte sie Angst, alles nur oberflächlich zu wissen, zu wenig richtig zu beherrschen. Ihre Textsammlung hinterfragt diese Angst, bleibt aktuell, macht Mut – und empfiehlt sich besonders als Geschenk für Eltern oder Freunde, die nur geradere Lebenswege und Karrieren kennen. Leichte Texte. Schlaue Thesen!

Buch bei Goodreads (Link)

Nichts werden macht auch viel Arbeit : Mein Leben in Nebenjobs

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Funny van Money: „This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey. Auf Tabledance-Tour durch die Republik“.

Autobiografisches Sachbuch, 224 Seiten, Hanser Berlin 2012.

(Taschenbuch-Ausgabe 2014 bei Piper, mit neuem Titel: „Wie ich auszog, mich auszuziehen“.)

Um ihr Hildesheimer Kuwi-Studium zu finanzieren, tanzt Funny in einer Rotlicht-Bar in Hannover, nackt. Danach macht sie Diplom – mit einer kulturwissenschaftlichen, feministischen Selbstbeobachtung ihrer Rolle als Pole-Dance-Girl. Wer Spaß- und Comedy-Kolumnen sucht, wird hier enttäuscht: Funny schreibt auf hohem Niveau, häuft akademische Konzepte und Anglizismen. Stellenweise formuliert sie nerdy und verblasen wie ein Gender-Experte in der Spex. Trotzdem ist ihr Experiment so interessant, ihre Beobachtungen so originell, überraschend, kritisch, dass ich das Buch dauernd verschenken will. An jeden, der bei Sex-Workern nur an dümmliche Opfer denkt. Und bei Hildesheim nur an Bürgerlichkeit und Anpassung.

Buch bei Goodreads (Link)

This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey

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[Ich mochte auch Juan Guses “Lärm und Wälder” und Leif Randts “Schimmernder Dunst über CobyCounty”]

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Stefan Mesch, geboren 1983 bei Heidelberg, studierte von 2003 bis 2008 Kreatives Schreiben in Hildesheim. Er lebt und arbeitet als Autor und freier Journalist für u.a. Deutschlandradio Kultur und ZEIT Online in Berlin und schreibt an seinem ersten Roman, „Zimmer voller Freunde“.

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gelesen 2016: meine 20 besten Bücher des Jahres

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Die 20 Bücher, die ich möglichst vielen Menschen empfehlen kann:

meine Entdeckungen 2016.

2015 empfahl ich Bücher etwas ausführlicher.

Favoriten 2014 | Favoriten 2013 | Favoriten 2012 | Favoriten 2011

Lieblingscomics 2016 hier (Link).

Und: Songs 2016 (Link)!

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20: THOMAS VON STEINAECKER, “Die Verteidigung des Paradieses”

19: KEI SANBE, “Die Stadt, in der es mich nicht gibt”

18: DANIEL SCHREIBER: “Zuhause” / SACHA BATTHYANY: “Und was hat das mit mir zu tun?”

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17: SYLVIE SCHENK, “Schnell, dein Leben”

16: MATTHIAS HIRTH, “Lutra lutra”

15: A.S. KING, “Still Life with Tornado”

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14: RAYMOND BRIGGS, “Ethel and Ernest”

13: DELPHINE DE VIGAN: “Nach einer wahren Geschichte”

12: EMMANUEL GUIBERT: “How the World was. A California Childhood”

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11: KIERON GILLEN, “Darth Vader”

10: GABRIEL HARDMAN, CORINNA BECHKO, “Invisible Republic”

09: CLEMENS J. SETZ: “Glücklich wie Blei im Getreide”

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08: HARUKI MURAKAMI, “Von Beruf Schriftsteller”

07: DAVID EAGLEMAN, “Sum: 40 Tales from the Afterlives”

06: NIS-MOMME STOCKMANN, “Der Fuchs”

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05: ANDREAS MAIER, “Die Straße” (und der Vorläufer “Das Zimmer”)

04: ANNA KATHARINA HAHN, “Am schwarzen Berg”

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03: RANDY INGERMANSON, “Writing Fiction for Dummies”

02: SOPHIE DAULL, “Adieu, mein Kind”

01: BRECHT EVENS, “Panter”

…auch die Manga-Reihen “Billy Bat”, “Gute Nacht, Punpun” und “I am a Hero” waren/blieben großartig; und das Finale von Ed Brubakers dreiteiliger Graphic Novel “The Fade Out” überzeugte mich.

Die besten Comics 2016: meine Empfehlungen bei Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur - Comic-Empfehlungen 2016, Stefan Mesch.PNG

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bei Deutschlandradio Kultur empfehle ich meine 20 Comics des Jahres:

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schon 2015 stellte ich 20 aktuelle Reihen vor, hier (Link).

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heute kurz im Blog, ergänzend: “Leseproben”, kurze Ausschnitte aus allen 20 Titeln.

Texte zu den 20 Titeln, wie gesagt: drüben bei Deutschlandradio Kultur.

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20. Black Magick
Autor: Greg Rucka, Zeichnerin: Nicola Scott
Image Comics, Oktober 2015 bis Februar 2016.
5+ Hefte in 1+ Sammelbänden, wird Mitte 2017 fortgesetzt.

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19. Arcadia
Autor: Alex Paknadel, Zeichner: Eric Scott Pfeiffer
Boom! Studios, Mai 2015 bis Februar 2016.
8 Hefte in einem Sammelband, abgeschlossen.

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18. The Violent
Autor: Ed Brisson, Zeichner: Adam Gorham
Image Comics, Dezember 2015 bis Juli 2016.
5 Hefte in einem Sammelband, in sich geschlossen – aber könnte fortgesetzt werden.

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17. Monstress
Autorin: Marjorie Liu, Zeichnerin: Sana Takeda
Image Comics, seit November 2015.
8+ Hefte, bisher ein Sammelband, wird fortgesetzt.

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16. Prez
Autor: Mark Russell, Zeichner: Ben Caldwell
DC Comics, Juni bis Dezember 2015.
Als zwölfteilige Heftreihe geplant, doch nach sechs Heften (in einem Sammelband) abgesetzt; sehr gute Kritiken, deshalb steht die Möglichkeit einer Fortsetzung im Raum.

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15. Action Comics
Autor: Dan Jurgens; wechselnde Zeichner, v.a. Patrick Zircher und Tyler Kirkham
DC Comics, erscheint seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt “Action Comics 957”.
14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt. Parallel lesen: die Reihen “Superman”, “Trinity” und “Superwoman”.

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14. Harrow County
Autor: Cullen Bunn, Zeichner: meist Tyler Crook
Dark Horse Comics, seit Mai 2015.
18+ Hefte in 4+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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13. Detective Comics
Autor: James Tynion IV, Zeichner: meist Eddie Barrows oder Alvaro Martinez
DC Comics, seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt “Detective Comics 934”.
13+ Hefte in 2+ Sammelbänden (und einem Crossover-Band namens “Night of the Monster Men”, der übersprungen werden kann), wird fortgesetzt.

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12. The Fix
Autor: Nick Spencer, Zeichner: Steve Lieber
Image Comics, seit April 2016.
6+ Hefte in mindestens 2 Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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11. Nailbiter
Autor: Joshua Williamson, Zeichner: Mike Henderson
Image Comics, seit Mai 2014.
27+ Hefte in 5+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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10. Gute Nacht, Punpun
Autor und Zeichner: Inio Asano.
Shogagukan, 2007 bis 2013.
147 monatliche Kapitel, gesammelt in 13 Sammelbänden, abgeschlossen (2016 auf Deutsch).

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9. Wonder Woman: The True Amazon
Autorin und Zeichnerin: Jill Thompson
DC Comics, September 2016
als Buch erschienene Graphic Novel, 128 Seiten; hat ein recht offenes Ende: Fortsetzung sehr wahrscheinlich.

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8. The Vision
Autor: Tom King, Zeichner: Gabriel Hernandez Walta
Marvel Comics, November 2015 bis November 2016.
12 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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7. Billy Bat
Autor und Zeichner: Naoki Urazawa
Kodansha, Oktober 2008 bis August 2016.
165 monatliche Kapitel, gesammelt in 20 Sammelbänden, abgeschlossen (auch auf Deutsch fast vollständig).

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6. Injection
Autor: Warren Ellis, Zeichner: Declan Shalvey
Image Comics, seit Mai 2015, nach jeweils 5 Heften längere Pause.
10+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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5. Die Stadt, in der es mich nicht gibt
Text und Zeichnungen: Kei Sanbe
Kadokawa, Juni 2012 bis März 2016.
44 monatliche Kapitel, gesammelt in 8 Sammelbänden, abgeschlossen (auch bald auf Deutsch). Fünfteiliger Epilog im Dezember 2016 abgeschlossen.

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4. Darth Vader
Autor: Kieron Gillen, Zeichner: Salvador Larroca
Marvel Comics, Februar 2014 bis Oktober 2016.
26 Hefte (und das gelungene Crossover “Vader Down”), gesammelt in 4 (+1) Sammelbänden, wird mit der Spin-Off-Reihe “Doctor Aphra” fortgesetzt.

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3. The Fade Out
Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, August 2014 bis Januar 2016.
12 Hefte, gesammelt in 3 Sammelbänden, abgeschlossen.

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2. Invisible Republic
Text: Corinna Bechko und Gabriel Hardman, Zeichnungen: Gabriel Hardman
Image Comics, seit März 2015.
13+ monatliche Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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1. Panter
Autor und Zeichner: Brecht Evens.
Deutsch bei Reprodukt.
120 Seiten, abgeschlossen.

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und:

Gefeierte US-Reihen wie “Saga”, “Lazarus”, “Ms. Marvel” und “Southern Bastards” veröffentlichten auch 2016 neue Hefte und Sammelbände, auf gewohnt hohem Niveau. Auch der Manga “I am Hero” überzeugt seit Jahren.

Literatur 2016: Buchtipps und Neuerscheinungen zur Leipziger Buchmesse

Bücher, Romane Frühling 2016, Foto Phin Spielhoff

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Neue Literatur – erschienen 2016, auf Deutsch?

Jeden Dezember suche ich nach Neuerscheinungen: Die besten Bücher 2016 (Link)

Und jeden März stelle ich eine längere Liste neuer, empfehlenswerter Titel zusammen: Romane 2015 (Link)

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  • 28 aktuelle Titel, angelesen und sehr gemocht
  • 4 persönliche Empfehlungen

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Jugendbücher 2016 (Link)  |  Mangas (Link)  |  Empfehlungen zur Frankfurter Buchmesse 2015 (Link)

Lieblingsbücher  |  alle Buchtipps (Übersicht, Link)

 

.Bücher 2016, Stefan Mesch

 

angelesen und sehr gemocht:

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01: ANNA KATHARINA HAHN, “Das Kleid meiner Mutter”

  • 311 Seiten, Suhrkamp
  • feministische (?) Parabel über eine Frau, die das Leben ihrer Mutter enträtselt
  • Falls der Roman nur halb so gut ist wie Hahns Stuttgart-Satire “Am schwarzen Berg”: Lesen!

“Madrid, 2012: Ana María gehört zur »verlorenen Generation«. Ihr Bruder, promovierter Germanist, hat sich bereits nach Berlin abgesetzt, um auf dem Bau sein Geld zu verdienen. Ana ist aus Not in ihr altes Kinderzimmer zurückgezogen. Eines Tages liegen ihre Eltern tot in der gemeinsamen Wohnung. Unversehens rutscht sie in das Leben der Mutter hinein. Sie muss nur eines ihrer Kleider überstreifen, schon halten sie alle – auch Mutters geheimnisvoller deutscher Liebhaber – für Blanca.” [Klappentext, gekürzt]

Das Kleid meiner Mutter

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02: SZCZEPAN DWARDOCH, “Drach”

  • 311 Seiten, Rowohlt
  • Original: Polen 2014, Deutsch von Olaf Kühl
  • epischer, vielleicht schwülstiger Generationenroman des Autors von “Morphium”.

“Ein gewaltiges Panorama des 20. Jahrhunderts: Josef Magnor, der im Oktober 1906 die Wurstsuppe schmeckt und den Geschmack nie mehr vergisst. Josef, der im Dreck der Schützengräben von Frankreich landet und später im Bett der jungen Caroline. Und Nikodem, Josefs Urenkel, der zu seiner Geliebten zieht, aber von seiner Frau und Tochter nicht loskommt, auch nicht von dem schönen Haus, das er sich, gefragter Architekt des neuen Polen, gebaut hat. In kühler Montage schildert Szczepan Twardoch die Dramen zweier Männer und die Chronik ihrer schlesischen Familie. Ein grandioser Reigen von Werden und Vergehen.” [Klappentext, gekürzt]

Drach

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03: CHLOE HOOPER, “Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island”

  • 368 Seiten, Liebeskind
  • Original: Australien 2008, Deutsch von Michael Kleeberg
  • Rassismus, Verbrechen, Provinz: ein True-Crime-Bericht, stilsicher übersetzt

“Am 19. November 2004 wird auf Palm Island der Aborigine Cameron Doomadgee festgenommen, weil er angeblich einen Polizisten beschimpft hat. Vierzig Minuten später liegt er tot in seiner Zelle. Laut Polizeiangaben war er über eine Stufe gestolpert – doch sein Leichnam weist schwere innere Verletzungen auf. Chloe Hoopers Tatsachenroman schildert das brutale Aufeinanderprallen zweier Kulturen.” [Klappentext, gekürzt]

Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island

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04: CHICO BUARQUE, “Mein deutscher Bruder”

  • 256 Seiten, S. Fischer
  • Original: Brasilien 2013, Deutsch von Karin von Schweder-Schreiner
  • lauwarme Kritiken auf Goodreads – doch mich interessiert dieser Blick eines Brasilianers auf die DDR.

“Der Brasilianer Chico Buarque, heute weltberühmter Samba-Sänger, steht am Anfang seiner Musikerkarriere, als er von seinem Halbbruder in Berlin erfährt. Dort lebte der Vater in den späten Zwanzigern. Also macht sich Chico auf die Suche – und findet die bezaubernde, verrückte Geschichte von Sergio Günther. Auch Sergio war Sänger, und zwar einer der bekanntesten der DDR.” [Klappentext, gekürzt]

Mein deutscher Bruder

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05: NILS-MOMME STOCKMANN, “Der Fuchs”

Finn Schliemann hat einen toten Vater, einen behinderten Bruder und wenige Freunde. Als Finn in die Hände der örtlichen Rowdys zu geraten droht, tritt Katja in sein Leben. Sie ist phantasievoll, selbstbewusst und mutig. Die Geschichten, die sie sich ausdenkt und die die beiden in einem Buch festhalten, bereichern Finns Welt: Sie selbst sei Zeitreisende, Finns Kleinstadt Thule ein bedeutungsvoller mystischer Ort, eine Art Achse im Raum-Zeit-Gefüge, die von einer Gruppe von Männern – Agenten des «Büros» – überwacht werde.” [Klappentext, gekürzt]

Der Fuchs

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06: DZEVAD KARAHSAN, “Der Trost des Nachthimmels”

  • 724 Seiten, Suhrkamp
  • Original: Jugoslawien 2014, Deutsch von Katharina Wolf-Grießhaber
  • altmodisch erzählter, vielleicht zu langer Historienroman

“In Isfahan, der Hauptstadt des Seldschuken-Reiches, stirbt unerwartet ein hochangesehener Mann. Der Sohn des Verstorbenen fordert Aufklärung. An den Ermittlungen nimmt auch der Hofastronom Omar Chayyam teil. Er kommt zu dem Schluss, dass der Mann vergiftet wurde. Hofintrigen und soziale Spannungen bedrohen das Reich von innen, während ihm Kreuzritter und Mongolen von außen gefährlich werden. Doch der Sultan lehnt die Gründung eines Nachrichtendienstes zur Gefahrenbekämpfung ab. Scharfsinn und Ohnmacht seiner Protagonisten im Blick, schildert Dževad Karahasan, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört.” [Klappentext, gekürzt]

Der Trost des Nachthimmels

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07: MATTHIAS HIRTH, “Lutra Lutra”

  • 736 Seiten, Voland & Quist
  • Im schlechtesten Fall ist das eine preachy Amateur-Version von “American Psycho”, ein Poproman, 20 Jahre zu spät, eine Ayn-Rand-Persiflage mit einem depraved Bisexual (muss das sein?) in der Hauptrolle…
  • ….doch es wirkt kompetent erzählt, präzise beobachtet und angenehm… wahnsinnig/ambitioniert.

“Worin besteht wirkliche Stärke? Wie erreicht Fleck, 32, die Ausstrahlung, die ihn für jede Frau und jeden Mann unwiderstehlich macht? Er kommt zu dem Schluss, dass es für ihn nur einen Weg zu vollkommener Selbstbestimmtheit gibt: mit sämtlichen Regeln der Gesellschaft zu brechen. Hirths Roman zeigt die Verbindung von Sex und Gewalt, Coolness und Terrorismus. Heimlicher Held ist das Jahr 1999, das Jahr des Fischotters (lat.: Lutra lutra), das Jahr vor dem Zusammenbruch der New Economy und der großen Arbeitslosigkeit – das letzte Jahr der guten alten Zeit.” [Klappentext, gekürzt]

Lutra lutra

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08: JEAN MATTERN, “September”

  • 160 Seiten, Berlin Verlag
  • Original: Frankreich 2014, Deutsch von Holger Frock und Sabine Müller
  • Brokeback Pressezentrum: betuliche, aber sympathisch intensive literarische Romanze

“Olympia 1972, München: Zwei Journalisten, ein BBC-Korrespondent und ein rätselhafter New Yorker, begegnen sich am Vorabend der Eröffnungszeremonie. Es entspinnt sich eine amour fou, die zunächst keiner der beiden zu leben wagt. Wenige Tage später schlägt das palästinensische Terrorkommando zu. Jean Mattern hat das Drama des 5. September minutiös recherchiert und erzählt es in diesem raffinierten Roman. Die stilistisch virtuose Geschichte einer großen Liebe, die damals noch ein Skandal gewesen wäre.” [Klappentext, gekürzt]

September

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09: FILIP FLORIAN, “Alle Eulen”

  • 213 Seiten, Matthes & Seitz
  • Original: Rumänien 2012, Deutsch von Georg Aescht
  • vielleicht zu kurz, leicht, schmunzelig: charmanter rumänischer Mainstream-Coming-of-Age-Roman

“Luca: der Junge aus der Kleinstadt. Emil, der nach einem bewegten Leben in Bukarest unverhofft in der Provinz landet. Emil öffnet Lucas Blick für Literatur und Musik, Luca schenkt ihm seine Neugierde. Ein zarter, mit spitzbübischem Humor erzählter Roman, ein leidenschaftliches Lob der Freundschaft.” [Klappentext, gekürzt]

Alle Eulen

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10: VIV ALBERTINE, “A typical Girl” [der US-Titel, Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys. ist unendlich viel besser.]

  • 480 Seiten, Suhrkamp
  • Original: UK 2014, Deutsch von Conny Lösch
  • Musiker-Biografien sind mir oft zu verquast. Zu Punk und 70er-/80er-Subkulturen fehlt mir der Bezug. Trotzdem: Ich las die Originalversion an – und habe große Lust, dieser Frau zuzuhören. Die vollen 480 Seiten?

“London, Mitte der Siebziger. In der revolutionären Ursuppe des Punk scheint alles möglich. Aber gilt das auch für Frauen? Gibt es außer Groupie, Elfe oder Rockröhre noch andere Rollen? Viv Albertine wurde zum Riot Girl, lange bevor es diesen Ausdruck gab.” [Klappentext, gekürzt]

Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys.

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11: DIETMAR DATH, “Leider bin ich tot”

“Daths provokanter, verblüffender Roman über Religion. Ein deutscher Filmregisseur flieht vor einer anstrengenden Liebe. Seine Schwester wird vom Staat verdächtigt, als radikale Islamistin einen Anschlag zu planen. Sein bester Freund aus Kindertagen kämpft als Pfarrer mit dem Teufel. Eine phantastische Melange aus Pop, Physik, Politik, Philosophie und Science-Fiction.” [Klappentext, gekürzt]

Leider bin ich tot

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12: GABRIELE TERGIT, “Käsebier erobert den Kurfürstendamm”

  • 392 Seiten, Schöffling
  • 2004 besuchten Lehramts-Freundinnen von mir ein Germanistikseminar zur Literatur der Weimarer Republik. In der Schule hatten wir alle wochenlang mit “Berlin, Alexanderplatz” gekämpft. Doch von “Käsebier” (und von den Tagebüchern Erich Mühsams) schwärmten die Freundinnen noch Jahre später.

“In sechs rauschhaften Wochen schrieb Gabriele Tergit ihren ersten Roman, der sie 1931 mit einem Schlag berühmt machte. Der Aufstieg und Fall des Volkssängers Käsebier, den ein Zeitungsreporter in einem billigen Varieté entdeckt. Um Eindruck in seiner Redaktion zu machen, puscht er ihn zum Megastar hoch. Immobilienmakler und Spekulanten hängen sich an den schnellen Ruhm, die gelangweilten Damen der guten Gesellschaft pilgern in die Vorstellungen, Käsebier wird hemmungslos vermarktet. Gabriele Tergit, die erste deutsche Gerichtsreporterin, ist eine unerbittlich genaue, aber mitfühlende Beobachterin. Pointierte und hoch komische Dialoge, die präzise Schilderung der gesellschaftlichen Milieus – vom Tanzmädchen über den Tischlermeister bis zum Medienmogul. Ihr eigener Arbeitsplatz wird dabei besonders unter die Lupe genommen: die Kulturredaktion des Berliner Tageblatts.” [Klappentext, gekürzt]

Käsebier erobert den Kurfürstendamm

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13: EDMUND WHITE, “Der Flaneur. Streifzüge durch das andere Paris”

  • 192 Seiten, Albino Verlag
  • USA 1995, Deutsch von Heinz Vrchota
  • Bei fast jedem Buch Edmund Whites denke ich nach zwei Seiten “unbedingt lesen!”, doch nach zwanzig Seiten “Das Leben ist zu kurz für dieses satte, betuliche Geprahle.” Beim “Flaneur” hoffe ich auf etwas Feuer und Begeisterung: persönliche Bezüge.
  • Als Reiseführer taugt ein 21 Jahre altes Buch nicht viel. Doch aus Whites Paris-Bericht wuchs die “Writer and the City”-Reihe von Bloomsbury…
  • …vergleichbar mit Pipers “Gebrauchsanweisung für…”-Reihe (seit 1978)

“Fernab der großen Attraktionen führt uns White in verträumte Cafés, versteckte Museen und geheimnisvolle Orte wie das Hôtel de Lauzun, in dem der junge Baudelaire ein- und ausging. Auf den Spuren großer Schriftsteller wie Hemingway, Balzac und Rilke lässt White die Bohème vergangener Zeiten lebendig werden und beschwört zugleich das brodelnde Lebensgefühl einer multikulturellen, modernen Metropole.” [Klappentext, gekürzt]

The Flaneur: A Stroll through the Paradoxes of Paris

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14: JOHN HIGGS, “Alles ist relativ und anything goes: Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert”

  • 379 Seiten, Insel
  • UK 2015, Deutsch von Michael Bischoff
  • komplexer, interessanter – und weniger beliebig, als der deutsche Klappentext vermuten lässt: eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts.

“Auf fast allen Gebieten wurden im 20. Jahrhundert Entdeckungen gemacht oder Ideen entwickelt, die unser Weltbild auf den Kopf stellten. Alte Gewissheiten büßten ihre Geltung ein, Autoritäten verloren ihre Macht. John Higgs führt durch das Jahrhundert der Genies und der Gurus, erläutert die Relativitätstheorie anhand eines fallenden Würstchens und erzählt von Satanisten im US-Raumfahrtprogramm.” [Klappentext, gekürzt]

Alles ist relativ und anything goes - Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert

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15: DAVID MITCHELL, “Die Knochenuhren”

  • 816 Seiten, Rowohlt
  • UK 2014, Deutsch von Volker Oldenburg
  • Souverän erzählter Middlebrow-Schmöker. Doch mich stößt ab, dass Mitchells neuester Roman, “Slade House” (2015) die Handlung fortsetzt: Ist das hier einfach eine Fantasy-Reihe? Habe ich nach 816 (!) Seiten noch Dutzende offener Fragen?

“1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für “Asyl” einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly versteht, welche Bedeutung die Frau dadurch für ihre Existenz bekam: Die Knochenuhren folgt Hollys Leben von einer tristen Kindheit am Unterlauf der Themse bis zum hohen Alter an Irlands Atlantikküste, in einer Zeit, da Europa das Öl ausgeht. Ein Leben, das gar nicht so ungewöhnlich ist und doch punktiert durch seltsame Vorahnungen, Besuche von Leuten, die sich aus dem Nichts materialisieren, Zeitlöcher. Denn Holly – Tochter, Schwester, Mutter, Hüterin – ist zugleich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde.” [Klappentext, gekürzt]

Die Knochenuhren

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16: DARRYL CUNNINGHAM, “Supercrash: Das Zeitalter der Selbstsucht”

  • 248 Seiten, Hanser
  • UK 2014, Deutsch von Thomas Pfeiffer
  • zeichnerisch dröge/didaktisch/einfallslos – aber sehr dicht und lehrreich: Banken und Gier, noch einmal verständlich und recht kulturwissenschaftlich erklärt.

“Börsencrash, Finanzkrise und Bad Banks. Der britische Cartoonist Darryl Cunningham hilft, die Absurditäten des globalen Kapitalismus wirklich zu verstehen – und dringt dabei zum Kern neoliberaler Politik vor: der Selbstsucht. In dramatischen Szenen lässt Cunningham Alan Greenspan, Rick Rubin und andere Anhänger des Finanzkapitalismus [Ayn Rand] die globale Ökonomie noch einmal an den Rand des Abgrunds führen.” [Klappentext, gekürzt]

Supercrash

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17: MARCEL FRATZSCHER, “Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird”

  • 264 Seiten, Hanser
  • reißerisches Cover; aber flüssig, thesenstark, sympathisch: Armut als systemisches Problem – nicht als Versagen des Einzelnen.

“‘Wohlstand für alle’ ist seit Ludwig Erhard das Credo der deutschen Politik. Doch in kaum einem Industrieland herrscht eine so hohe Ungleichheit – in Bezug auf Einkommen, Vermögen und Chancen. Die Abhängigkeit vom Staat nimmt zu, die soziale Teilhabe nimmt ab. Fratzscher zeigt, wie die Politik die Chance der Zuwanderungswelle nutzen kann und was sie tun muss, um die Spaltung der Gesellschaft abzuwenden.” [Klappentext, gekürzt]

Verteilungskampf: Warum Deutschland immer ungleicher wird

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18: WILLIAM MacASKILL, “Gutes besser tun: Wie wir mit effektivem Altruismus die Welt verändern können”

  • 288 Seiten, Ullstein
  • Original: UK 2015, Deutsch von Stephan Gebauer
  • anekdotisches, angenehm optimistisches Buch über die Gründe, aus den Hilskampagnen, gute Ansätze scheitern – und wie Engagement gelingt.

“Ist es sinnvoll, nach Naturkatastrophen zu spenden? Übernehme ich besser die Patenschaft für ein Kind aus Äthiopien oder für ein Kind aus Deutschland? Helfe ich den Betroffenen, oder beruhige ich nur mein Gewissen? William MacAskill hat mit dem Konzept des effektiven Altruismus eine Antwort gefunden. Er nennt die Kriterien für sinnvolles und nachhaltiges Helfen. MacAskill zeigt, warum gut gemeint und gut gemacht zwei verschiedene Dinge sind.” [Klappentext, gekürzt]

Doing Good Better: How Effective Altruism Can Help You Make a Difference

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19: ALEX PERRY, “In Afrika: Reise in die Zukunft”

  • 544 Seiten, S. Fischer
  • Original: UK/USA 2015, Deutsch von Michael Bischoff
  • Ein Europäer bereist, versteht, erklärt ganz Afrika? Mir widerstrebt der paternalistische Ansatz solcher Titel – aber ich glaube, das hier ist einfach eine (sympathische) Reportage- und Portraitsammlung: journalistische Texte, nochmal als Buch gebündelt.

“Als Auslandskorrespondent des »Time Magazine« reiste Perry über sieben Jahre durch Afrika. Auf seiner Reise traf er Unternehmer und Warlords, Professoren und Drogenschmuggler, Präsidenten und Dschihadisten.” [Klappentext, gekürzt]

In Afrika: Reise in die Zukunft

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20: JAROSLAV RUDIS, “Nationalstraße”

  • 160 Seiten, Luchterhand
  • Original: Tschechische Republik 2013, Deutsch von Eva Profousová
  • “Wir sind das Volk”-Hassbürger-Monolog mit durchwachsenen Kritiken: Ich weiß nicht, ob 160 Seiten genügen, um eine plausible rechtsextreme Figur zu zeichnen. Trotzdem: Neugier!

“Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen: Vandam war einer von denen, die es lostraten am 17. November 1989, als in der Prager Altstadt auf der Nationalstraße die samtene Revolution ins Rollen kam, die einige Wochen später das kommunistische Regime hinwegfegte. Damals war Vandam ein junger Polizist, ein Vorstadt-Held. Fünfundzwanzig Jahre später wohnt Vandam immer noch in der Plattenbausiedlung seiner Kindheit, und hebt im Fußballstadion regelmäßig die rechte Hand zum Hitlergruß. Jaroslav Rudiš schlüpft in diesem brillanten Monolog in den Kopf eines Schlägers.” [Klappentext, gekürzt]

Nationalstraße

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21: ANDREAS WENDEROTH, “Ein halber Held: Mein Vater und das Vergessen”

“‘Entschuldige mich bitte für meine Inhaltslosigkeit, aber ich bin nur noch ein halber Held.’ Horst Wenderoth hat vaskuläre Demenz. Andreas Wenderoth schreibt die berührende, zuweilen absurd komische Liebeserklärung eines Sohnes an seinen Vater, der sich stets über den Geist definierte.” [Klappentext, gekürzt]

wenderoth

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22: ROY JACOBSEN, “Weißes Meer”

  • 250 Seiten, Osburg
  • Norwegen 2015, Deutsch von Gabriele Haefs
  • Fortsetzung von “Die Unsichtbaren”, 2013
  • simple, aber souveräne Zwischendurch-Romane fürs breite Publikum, angenehm düster/existenziell.

“Norwegen, 1944: Die kleine Insel Barrøy war Ingrids Heimat. Doch jetzt herrscht Krieg. Der Ozean schwemmt tote deutsche Soldaten an die Küste. Unter ihnen befindet sich der russische Kriegsgefangene Alexander. Er lebt, und Ingrid nimmt ihn mit nach Hause. Völlig unerwartet erleben die beiden in diesen dramatischen Winterwochen die Liebe.” [Klappentext, gekürzt]

De usynlige Hvitt Hav

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23: SOFIA ANDRUCHOWYTSCH, “Der Papierjunge”

  • 312 Seiten, Residenz
  • Ukraine 2014, Deutsch von Maria Weissenböck
  • Die Figurenkonstellation klingt verbraucht und langweilig – doch internationale Leser sind begeistert, und ich mag den Ton der ersten Seiten.

“Stanislau um 1900: eine galizische Kleinstadt am Rande der Monarchie. Adelja und Stefa, miteinander verflochten wie die Stämme zweier Bäume, wachsen gemeinsam auf. Als Adelja den Steinmetz Petro heiratet, wird aus der engen Verstrickung ein Dreieck. Und als der Magier Torn mit seinem Zirkus die Stadt besucht, taucht plötzlich der engelsgleiche Junge Felix in Petros Werkstatt auf ein kleiner Schlangenmensch, sprachlos, biegsam und brüchig wie Papier. Ein dichtes, mit sinnlichen Eindrücken und Details gesättigtes Bild einer Epoche: eine drängend erzählte Geschichte von Liebe und Verrat.” [Klappentext, gekürzt]

Der Papierjunge

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24: HAMMED KHAMIS, “I am not Animal. Die Schande von Calais”

  • 124 Seiten, Frohmann
  • sehr kurzer, mitreißender journalistischer Bericht eines Mannes, der einfach losgeht – und helfen will.

“Ein YouTube-Video über den »Dschungel«, das autonome Camp für Geflüchtete in Calais, lässt Hammed Khamis nicht mehr los. Mit dem unbestimmten Wunsch zu helfen macht sich der Streetworker aus Berlin-Wedding mit 175 EUR in der Tasche auf den Weg nach Frankreich. Weil er Arabisch spricht und die entsprechenden ›Looks‹ hat, findet er unmittelbar Zugang zu den Menschen vor Ort. Nach Berlin kehrt er barfuß zurück.” [Klappentext, gekürzt]

I am not animal

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25: BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE, “Panikherz”

  • 576 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
  • Jedes Mal, wenn sich Stuckrad-Barre zu Wort meldet, schimpfen drei Dutzend ältere Männer in meinem Facebook-Freundeskreis, dass man “so einen Knaben” doch bitte nie wieder schreiben, beachten, ernst nehmen solle. Ich war nie großer Fan – aber las seine Portraits IMMER mit Interesse… und Gewinn:
  • Stuckrad-Barre ist nicht halb so langweilig wie der immergleiche Hass auf Stuckrad-Barre.

“Er wollte zu den Helden, in die rauschhaften Nächte – dahin, wo die Musik spielt. Und ging fast verloren. Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Und nun eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten »Chateau Marmont« in Hollywood, in das ihn Udo Lindenberg führte. Mit Bret Easton Ellis inspiziert er einen Duschvorhang, er begegnet Westernhagen beim Arzt und Courtney Love in der Raucherecke und geht mit Thomas Gottschalk zum Konzert von Brian Wilson. Stuckrad-Barre erzählt mit seiner eigenen Geschichte zugleich die Geschichte der Popkultur der letzten 20 Jahre.” [Klappentext, gekürzt]

Panikherz

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26: LUCIA BERLIN, “Was ich sonst noch verpasst habe. Stories.”

  • 384 Seiten, Arche
  • US-Kurzgeschichten, verfasst ab den 60er Jahren, Deutsch von Antje (Rávic) Strubel
  • kompetente, liebenswerte Kurzgeschichten – aber: lese ich lieber im Original

“Lucia Berlin wird verglichen mit Raymond Carver, Richard Yates oder Grace Paley. Ihre Storys zeugen von einem unsteten Leben voller Brüche. Alleinerziehende Mütter, Alkoholikerinnen auf Entzug, Haushaltshilfen, Krankenschwestern und Sekretärinnen. Es geht um Mütter und Töchter, scheiternde Ehen, Immigranten, Reichtum und Armut.” [Klappentext, gekürzt]

Was ich sonst noch verpasst habe: Stories

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27: FRIEDRICH CHRISTIAN DELIUS, “Die Liebesgeschichtenerzählerin”

  • 208 Seiten, Rowohlt Berlin
  • 208 Seiten wirken sehr knapp für die Riesen-Bögen, die Delius hier spannt. Aber: Alles ist in kurzen, lyrischen, toll verdichteten Absätzen erzählt, die mich sofort wegfegten. Könnte kitschig oder schwülstig sein – doch die ersten Seiten… euphorisieren mich!

“Eine Frau, für ein paar Tage frei von Pflichten, Mann und Kindern, fährt im Januar 1969 von Den Haag über Amsterdam nach Frankfurt. Drei Liebesgeschichten aus den Zeiten der Kriege und Niederlagen gehen ihr durch den Kopf: ihre eigene, die ihrer Eltern, die einer Vorfahrin während der napoleonischen Kriege. Ein König, der die modernen Niederlande aufbaut; seine uneheliche Tochter, die in eine mecklenburgische Adelsfamilie gezwungen wird; ihr Urenkel, der als kaiserlicher U-Boot-Kapitän die roten Matrosen von Kiel überlistet, seine Tochter – die reisende Erzählerin selbst –, die ein gutes deutsches Mädel und trotzdem gegen die Nazis sein wollte. Dem neuen Roman von Friedrich Christian Delius liegt die bewegte Geschichte seiner eigenen Familie zugrunde.” [Klappentext, gekürzt]

Die Liebesgeschichtenerzählerin

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28: THOMAS VON STEINAECKER, “Die Verteidigung des Paradieses”

  • 416 Seiten, S. Fischer
  • Eine Kuppel-Bauernhof-Endzeitwelt wie in “Die Wand”, ein Erzähler wie aus einem Leif-Randt-Roman, viele gewollt drollige Anglizismen: Alles wirkt etwas kitschig-betulich, Endzeit im Miyazaki-, Pausewang- und Young-Adult-Modus. Vielleicht aber ist der Erzähler so herzig und naiv, damit später alles wirksamer eskalieren kann? Steinackers “Wallner beginnt zu fliegen” gehört zu meinen Lieblings-Debüts: Ich hoffe, dass später im Buch noch bessere, frischere Ideen kommen.

“Er möchte ein guter Mensch sein. Doch Heinz lebt in einer Welt, die Menschlichkeit nicht mehr zulässt. Deutschland ist verseucht und verwüstet, Mutanten streifen umher, am Himmel kreisen außer Kontrolle geratene Drohnen. Zusammen mit seinem besten Freund, einem elektrischen Fuchs, wächst Heinz in einer kleinen Gruppe Überlebender in den Bergen auf. Er sammelt vergessene Wörter und schreibt die Geschichte der letzten Menschen. Doch was nützen Heinz Wissen und Kunst jetzt noch? Da gibt es plötzlich das Gerücht, weit im Westen existiere ein Flüchtlingslager. Die Gruppe bricht auf zu einem mörderischen Marsch ins vermeintliche Paradies…” [Klappentext, leicht gekürzt]

Die Verteidigung des Paradieses

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Ich bin gespannt auf…

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vier persönliche Empfehlungen – Bücher 2016, gelesen und gemocht:

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1: GERTRAUD KLEMM, “Muttergehäuse”, österreichische Memoir/literarisch-biografische Textcollage

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MuttergehäuseIch habe “Herzmilch” und “Aberland”, zwei sehr gut besprochene Romane Gertraud Klemms über unzufriedene Frauen/Mütter, angelesen… und mir ein drittes Buch von ihr (erscheint im Februar 2016) im Blog vorgemerkt (Link). Kremayr & Scherlau schickte mir ungefragt ein Leseexemplar. Vielleicht das Beste, was mir die Post 2015 zustellte:

In “Mütter auf Papier” (2010) schrieb Klemm über den boshaften, herablassenden, sexistischen, gehässigen Quatsch, den sich eine Frau mit Mutterwunsch anhören muss, die immer wieder Kinder in der Schwangerschaft verliert. Eine autobiografische Textcollage: Kurzprosa, Fragmente, viel Wut, Intimität, kluger Furor. “Muttergehäuse” ist die überarbeitete Version dieses “Mütter auf Papier”-Berichts – ein kurzes, luzid formuliertes, wunderbar konkretes Buch über Frustrationen, schlechte Freunde, Angst, Druck… und Auswege.

Ich bin jetzt Klemm-Fan: feministisch, literarisch, spitz, ehrlich, reflektiert.

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2: SACHA BATTHYANY: “Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie”

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Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie.Ich habe den Titel Ende Februar bei Deutschlandradio Kultur empfohlen [Audio und Text]: “Kurz vor Kriegsende feierte Gräfin Margit von Batthyány-Thyssen im Burgenland ein Fest mit der örtlichen Waffen-SS. In derselben Nacht wurden 180 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. “Und was hat das mit mir zu tun?” fragt Sacha Batthyany, Schweizer Journalist und Enkel von Margits Schwester, in einem 250 Seiten langen, sehr persönlichen Report:

Er reist ins Burgenland, nach Südamerika und Russland, zitiert ausgiebig aus Tagebüchern, befragt Verwandte, beginnt eine Psychoanalyse. Erschoss Tante Margit, verstorben 1989, jüdische Zwangsarbeiter? Oder teilte sie bloß die Gewehre aus? Fallen solche Abstufungen ins Gewicht? Für wen: für die Nachkommen und ihre Familien? Für die Opfer? Für uns alle?”

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3: KEI SANBE, “Die Stadt, in der es mich nicht gibt”

[Manga-Reihe, bisher 7 Bände, Deutsch bei Tokyopop]

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Die Stadt, in der es mich nicht gibt #1 (Die Stadt, in der es mich nicht gibt, #1)…ebenfalls bei Deutschlandradio Kultur empfohlen:

“Jedes Mal, wenn der Alltag katastrophal entgleist, wird Satoru ein paar Minuten in die Vergangenheit versetzt: Die Szene wiederholt sich dann so oft, bis er das jeweilige Unglück verhindern kann. In seiner Kindheit wurden Klassenkameraden ermordet, und alle bemühten sich, den Kidnapper zu vergessen. Plötzlich ist Satoru zurück im Jahr 1988, elf Jahre alt. Er will die Kinder retten. Mit allen Mitteln. Ein Thriller, täuschend simpel gezeichnet, mit wunderbar komplizierten, schlagfertigen, witzigen Figuren und existenziellen Fragen: Rätseln, Fiebern, Lachen, Indizien suchen… keine Seite dieser Bände vergeht, ohne dass Herz und Hirn auf fünf verschiedene Arten gefordert sind.” [mehr aktuelle Manga-Empfehlungen hier, Link]

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4: ISABEL BOGDAN, “Der Pfau”

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Der Pfau256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch:

Eine – sehr ruhige – Komödie über eine Gruppe britischer Banker und ihre schnippische Chefin, die während einem Teambuilding-Workshop in einem schottischen Herrenhaus eingeschneit werden. Draußen läuft ein Pfau umher, der auf alles pickt, das blau-metallisch glänzt. Eine Satire – aber nicht grell, laut, überdreht. Ein Zwischendurch-Buch – aber ohne Kitsch. Die Figuren sind nicht allzu tief – doch ich nehme Bogdan das britische Setting ab (gute Arbeit!). Es gibt viele Passagen, die mir zu erklärend oder redudant sind: ein Middlebrow-Unterhaltungsroman, der an keiner Stelle weh tut und der vielleicht 20 Seiten kürzer sein könnte.

Aber: Das hier hat so viel Geist, Schmiss, Charme, eine so entspannte, angenehme Grundhaltung… Ich war für fünf, sechs Stunden gern mit diesen Leuten auf diesem Landsitz. Leicht – aber klug, und gut. Empfehlung!

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stefan mesch, ost 2014 2015

“Männer mit Erfahrung”, Castle Freeman: Provinz-Thriller für ‘Fargo’-Fans

Männer mit Erfahrung, Castle Freeman

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2008, als Praktikant bei Klett-Cotta, las ich Castle Freemans Provinz-Thriller “Go with me”.

Erst jetzt erscheint der Roman auf Deutsch:

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Castle Freeman jr.: “go with me” / “Männer mit Erfahrung”

Steerforth, Januar 2008 / Nagel & Kimche, 22. Februar 2016

160 / 176 Seiten.

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Eine Frau sitzt im Auto, in der Hand ein Obstmesser, und bittet den Sheriff, sie vor Blackway zu beschützen. Blackway hat ihre Katze ermordet. Blackway hat ihren Lebensgefährten aus dem Bundesstaat gejagt. Blackway ist der brutale, von allen gefürchtete Einzelgänger, dem die Bewohner des Dorfes aus dem Weg gehen – ein Provinz-Bösewicht, archetypischer bully und boogey man von mythologischen Ausmaßen.

Der Sheriff schickt die Frau – Lillian – fort. Sie holt sich Hilfe in einer alten Sägemühle, wo sich die Rentner und Arbeitslosen der kleinen Ortschaft sammeln. Der Wirt rät Lillian, sich an Scott zu wenden. Vielleicht könne Scott ihr helfen, sich Blackway vom Leib zu halten. Doch Scott ist nicht da.

Irgendwie – eher zufällig, eher hilflos – ist Lillian plötzlich auf einer Kopfjagd, im Pickup durch verschiedene Stationen des kleinen Dörfchens – ein schmieriges Motel, eine verlassene Rodung usw. – gemeinsam mit dem alten, wortkargen Les [Typ: Locke aus „Lost“] und dem großen, ein wenig zurückgebliebenen Nate.

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Blackway was a bad guy. He was big around here because there wasn’t nothing he wouldn’t do and he made sure everybody knew it. He thought he was the only guy like that. That’s why he walked into our business here tonight. Blackway never thought nobody would go as far as him.”

Lillian, Les und Nate müssen entscheiden, ob sie moralisch verpflichtet sind, sich gegen Blackway zu wehren. Und, ob der Zweck die Mittel heiligt. Dazwischen zeigt Autor Freeman immer wieder die Saufkumpanen im Sägewerk und ihre – alkoholbedingt recht rammdösigen – Gespräche über die Region und ihre Alters- und Abstiegs-Sorgen: ein griechischer Chor, der alles kommentiert.

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2008 urteilte ich für Klett-Cotta:

go with me“ ist ein Roman, angesiedelt in einer skurrilen „Twin Peaks“-Hinterwäldler-Welt: Sägemühlen, endlose Wälder, kauzige alte Männer, Armut; bevölkert von Figuren wie in einem Film der Coen-Brothers: inkompetente Dorfpolizisten, wortkarge Barkeeper, plappernde Saufkumpane und eine schöne Frau, ursprünglich von außerhalb.

Ein kurzes Buch über Macht, Einschüchterung, Kontrollverluste, sehr verknappt, skurril und schnell. Der Plot ist gewollt schlicht, die Figuren in recht groben Strichen gezeichnet, alles bleibt parabelhaft: pointierte Dialoge, aber kaum Beschreibungen. 

Ich musste an Theaterstücke denken: immer drei, vier Figuren auf der Bühne, ein Schlagabtausch in einfacher, provinzieller Alltagssprache.

  • ein ähnlicher Tonfall wie Nicholson Bakers (alberner) Dialogroman “Checkpoint”
  • thematisch arg nah an Lars von Triers’ Das-Dorf-als-Hexenkessel-Film „Dogville“
  • simpler, aber witziger und parabelhafter als Daniel Woodrells “Winters Knochen”

Am Ende des Tages stellt das Trio Blackway. Und muss entscheiden, ob sie auf ihn feuern wollen: Hilft es, den Weg zum Ende zu gehen [„go with me“], den Tod dieses Mannes zu verantworten? Fressen, um nicht gefressen zu werden?

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Castle Freeman, Zsolnay Verlag

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Autor & Themen: Freeman ist Kolumnist beim Farmers’ Alamanac und lebt in Vermont. In den 80ern und 90ern zwei Romane, eine Kurzgeschichtensammlung und eine Sammlung von Essays [Kleinverlage]. Ein graumelierter, freundlicher Herr mit Spazierstock. Interview / Podcast über „go with me“ (Lokaljournalismus: Vermont): http://www.vpr.net/news_detail/79239/

1997 erschien sein erster Roman, “Judgement Hill”: “A decade after his story collection, The Bride of Ambrose, Freeman returns with an insightful, down-to-earth debut novel, this also set in the imaginary town of Ambrose, Vermont. Here, local logging and the appearance of a pretty Texas drifter coincide to disturb the equilibrium of the village’s first citizen.”

2009, 2011 und 2015 drei weitere Bücher. Vielleicht ist der Vermont-Thriller “All that I have” (2009) einen Blick wert.

Die großen durchgängigen Themen sind offenbar Provinz (Vermont), ungelernte Arbeiter, Verfall von Traditionen: ein recht altmodischer Thornton-Wilder-/Sherwood Anderson-Blick auf den Niedergang der kleinen Ortschaften.

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Urteil: Ein schnelles, gut gelauntes Buch, das nur drei, vier Stunden braucht. Der Anfang wirkt zu konstruiert – das Hin und Her zwischen dem simplen „drei ungleiche Dorfbewohner auf der Jagd nach dem Finsterling“-Plot und den theatralen Dialogen im Sägewerk. Doch beide Stränge funktionieren recht gut: simpel, aber wirkungsvoll.

[wie gesagt: ich schrieb das 2008, als Gutachten/Einschätzung:] “Go with me” ist nicht markant und clever genug fürs Imprint Tropen. Es ist – in seiner schlichten Sprache, und weil’s nach 160 Seiten wieder um ist, kurz vor dem Punkt, an dem diese Geschichte hätte WIRKLICH hässlich und klug werden können – nicht atmosphärisch dicht, kunstvoll genug erzählt für Klett-Cotta: Ein kleiner, rundum vergnüglicher Roman ohne besonderen Anspruch, gut aufgehoben bei btb oder in der Paperbackreihe des Berlin Verlag.

Letztendlich will Freeman – auf 160 Seiten, und in der unspektakulären Beschreibung eines Dörfchens und ein paar schlicht gestrickter Figuren – so wenig… Ich finde es nicht angezeigt, mit solchen Häppchen einen „richtigen“ Programmplatz zu blockieren. Oder 14, 18 Euro für ein Hardcover zu verlangen.

nebenbei: Kenneth Cooks Australien-Roman „In Furcht erwachen“ (aus den 70ern, 2005 neu aufgelegt bei C.H. Beck) spielt ein ähnliches Spiel – im Outback.

Go With Me

Deutscher Buchpreis 2015 an Frank Witzel: Empfehlung. “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1968”, Matthes & Seitz Verlag

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Für “der Freitag” las ich alle sechs Romane auf der Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015:

“Und was, falls dann doch Frank Witzel gewinnt? Für seinen brillant verquasten, übervollen, herrlich sperrigen Jugend- und Provinzroman Die Erfindung der Rote Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969? 800 Seiten Jugendängste, Wahn, 60er-Jahre-Jargon, Katholizismus und Neurosen, in 99 grellen Kapiteln immer neu gekreuzt, verschränkt. Literarische Apophänie: Was, wenn die Beatles Märtyrer wären? Mein Leben ein Schneider-Jugendbuch? Die RAF unser Kinderclub? Was, wenn dieses eigensinnige, wagemutige, bekloppte, brillante Buch Bestseller wird? Und Tagesgespräch?”

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“Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969”, Frank Witzel, Matthes & Seitz

“Ein Spiegelkabinett der Geschichte im Kopf eines Heranwachsenden: Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst; das dichte Erzählgewebe ist eine explosive Mischung aus Geschichten und Geschichte, Welterklärung, Reflexion und Fantasie: ein detailbesessenes Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die 1989 Geschichte wurde. Ein mitreißender Roman, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt.” [Klappentext, gekürzt.]

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

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Der 800-Seiten-Roman spielt 1968 in einem Vorort von Wiesbaden und folgt einem 13jährigen, in 99 Kapiteln – von denen fast jedes anders klingt und viele einen parodistischen Quatsch-Tonfall haben, z.B. die Floskeln eines Jugendbuchs oder den Panik-Tonfall der RAF-Berichterstattung.

Es geht um Sprachmüll, BRD-Muff und die Armut, mit den falschen Worten etwas festhalten, ausdrücken, auf den Punkt bringen zu müssen – ein Gefühl, das 13jährige gut kennen.

Der Roman ist sehr verspielt – jedes Kapitel ist eine literarische Versuchsanordnung, in dem Jargon (z.B. aus einer Musikzeitschrift) auf ein anderes Themenfeld (z.B. auf die Schule) getragen wird. So entsteht viel… wilder, windschiefer… Quatsch. abgegriffene Worte, in neuen, überraschenden Zusammenhängen.

Literarisch/psychologisch mach das viel Spaß: ein Junge, der als Messdiener jahrelang Gewäsch über Heilige und Märtyrer aufgesaugt hat und jetzt in Musikzeitschriften über die Beatles und in den Nachrichten über die RAF hört, spricht über die Beatles… wie über Märtyrer. Über die RAF… wie Popstars. Nicht als witziges Spiel – sondern aus Unvermögen: seltsame Welten werden durch die jeweils falschen Sprach- und Wahrnehmungsbrillen betrachtet. Die einzigen Brillen/Wortschätze eben, die der 13jährige bisher hat.

Warum ist das literarisch toll – und warum dauert es 800 Seiten? Weil Witzel noch etwas Größeres probiert/durchspielt/erzählt, das mich sehr überzeugt: Apophänie ist die Störung, Zusammenhänge und Leitmotive zu sehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Apoph%C3%A4nie

…und die meisten Romane nehmen eine Figur, ein Stück Gegenwart oder Zeitgeschichte und ein paar Motive und sagen: “Schaut. Winnetou und die RAF – da sind schon Parallelen” oder z.B. “Dawson Leery und Stephen Spielberg: Das wird immer wieder interessant gegeneinander gestellt und hinterfragt – dieser All-American Idealismus.” wir erzählen uns unsere Leben selbst in solchen Mustern, finden uns in Popkultur, ziehen Parallelen.

Witzel zieht 800 Seiten lang Parallelen, die IMMER beliebiger und absurder und wahnhafter werden und dabei zeigen: Solche Netze sind sehr schnell gesponnen. Aber dabei eben oft: spinnert. “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1968” setzt, versuchsweise, ALLES in Zusammenhang – auch, um dabei zu zeigen, wie leichtfertig und hilflos Menschen solche Zusammenhänge suchen, um sich ihr Leben zu erklären, und – Meta, Meta! – wie schnell Autor*innen solche Zusammenhänge zimmern können.

Wie gesagt: Ich finde es schwierig, ein Buch zu empfehlen, bei dem ich z.B. von Seite 200 bis 300 dachte “Hm. Das hätte man jetzt alles einfach streichen können.” Der Roman ist sehr lang, und ich weiß nicht, ob er Gelegenheits- und Hobbylesern genug gibt, über diese 800 Seiten hinweg. Versteht man erstmal, worum es geht – Lebenswelten in jeweils “falschen” Sprachwelten durchzunudeln, in immer anderen Kombinationen – passiert nicht mehr viel: es nudelt halt 99 Kapitel lang durch. sprachlich toll. aber einen packenden Plot oder besondere Auflösungen zum Schluss gibt es nicht.

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Im Freitag (Link) schreibe ich:

“”Wer 2015 nur ein einziges Buch lesen kann, dem empfehle ich gestrost Jenny Erpenbeck, Gehen, ging, gegangen. Kosten: 19 Euro 99, Umfang: 352 Seiten. In kaum zehn Stunden Lesezeit bewältigt und verstanden. Simple Sprache. Viel Wissenswertes zu Asylrecht und Geflüchteten. Der Alltag afrikanischer Männer in einer Berliner Unterkunft, beäugt von einem skeptischen deutschen Professor in Rente. Altern, Heimatlosigkeit, DDR-Vergleiche. Kulturen im Dialog. Fünf von fünf Sternen. Lesenswert! Besonders auch für Schulklassen. Aber zählt dieser simple, muntere, gut gemeinte Asylroman zu den größten literarischen Leistungen 2015? Ist er buchpreiswürdig?”

“Egal, wer 2015 gewinnt: Favoritin Erpenbeck, Meister Witzel oder einer der holprigeren vier Titel: Keines dieser sechs angreifbaren, erstaunlich windschiefen Bücher im Finale passt gut zum Preis. Alle haben Angriffsflächen, große Schwächen. Peltzer, Witzel sind zu träge, Schwitter, Lappert zu seicht, Mahlke, Erpenbeck keine augenfällig „große“ Literatur. Ich will kein Buchhändler sein, der den Gewinner durchs Weihnachtsgeschäft bringt.”

Deshalb nochmal, als gefälligere Verschenk-Empfehlung:

Jenny Erpenbeck, “Gehen ging gegangen”, Knaus

  • Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015
  • 352 Seiten, Knaus
  • Professor mit Sinnkrise sucht Kontakt zu Geflüchteten am Berliner Oranienplatz
  • politischer Roman über die Frage, wie Engagement hilft und was Menschen einander geben können: die Sprache ist sehr simpel, vieles wirkt didaktisch, erklärend, etwas kunstlos… aber keinem Buch wünsche ich 2015 mehr Leserinnen und Leser. Informativ, menschlich, sympathisch und klug.
  • ich mochte “Das alte Kind” nicht, Erpenbecks staubige, viel zu betuliche Kurzgeschichten. auch hier im Portrait wirkt sie verkrampft (Link: könnte aber auch an der Journalistin liegen). aber “Heimsuchung” gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Erpenbeck ist keine sehr “junge” oder frische Erzählerin.

“Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika zu suchen, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.” [Klappentext, gekürzt.]

Gehen, ging, gegangen …und, große Empfehlung: Heimsuchung

Buchtipps Weihnachten, Herbst, Frankfurter Buchmesse 2015: die besten Romane

die besten Romane 2015 wordpress

Angelesen, vorgemerkt, entdeckt: meine Vorauswahl der literarischen Neuerscheinungen im Herbst 2015. Neue Bücher für die Zeit zwischen Herbstanfang, Frankfurter Buchmesse und Weihnachten.

Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

Jeden Spätsommer mache ich eine Liste mit Neuerscheinungen zur Frankfurter Buchmesse (Link 2014): eine erste Longlist der Bücher, die ich bis Ende des Jahres u.a. für ZEIT Online(an-)lesen, sichten, sortieren will.

Hier meine Auswahl für Herbst und Winter 2015. Ergänzungen / Empfehlungen sind willkommen – vielen Dank! Bücher aus kleineren Verlagen sind noch nicht auf der Liste, weil ich bisher nur via Goodreads gesucht und sortiert habe; und Indie-Bücher oft keine Goodreads-Einträge haben.

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fünf aktuelle Bücher, gelesen: Empfehlungen!

1. “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969”, Frank Witzel, Matthes & Seitz

  • Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015
  • 800-Seiten-Kindheits-und-Erinnerungsbuch über die BRD, Matthes & Seitz
  • sehr überbordend, albern, mäandernd, voller Zitate und Zeitgeschichte
  • ein anspruchsvoller und ca. 350 Seiten zu langer Roman: es gibt deutlliche Hänger… aber so viel Erzählfreude, Originalität, Überraschungen: tatsächlich ein literarisches Ereignis.

“Ein Spiegelkabinett der Geschichte im Kopf eines Heranwachsenden: Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst; das dichte Erzählgewebe ist eine explosive Mischung aus Geschichten und Geschichte, Welterklärung, Reflexion und Fantasie: ein detailbesessenes Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die 1989 Geschichte wurde. Ein mitreißender Roman, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt.” [Klappentext, gekürzt.]

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

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2. Jenny Erpenbeck, “Gehen ging gegangen”, Knaus

  • Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015
  • 352 Seiten, Knaus
  • Professor mit Sinnkrise sucht Kontakt zu Geflüchteten am Berliner Oranienplatz
  • politischer Roman über die Frage, wie Engagement hilft und was Menschen einander geben können: die Sprache ist sehr simpel, vieles wirkt didaktisch, erklärend, etwas kunstlos… aber keinem Buch wünsche ich 2015 mehr Leserinnen und Leser. Informativ, menschlich, sympathisch und klug.
  • ich mochte “Das alte Kind” nicht, Erpenbecks staubige, viel zu betuliche Kurzgeschichten. auch hier im Portrait wirkt sie verkrampft (Link: könnte aber auch an der Journalistin liegen). aber “Heimsuchung” gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Erpenbeck ist keine sehr “junge” oder frische Erzählerin.

“Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika zu suchen, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.” [Klappentext, gekürzt.]

Gehen, ging, gegangen …und, große Empfehlung: Heimsuchung

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3. Ulrich Peltzer, “Das bessere Leben”

  • Shortlist zum deutschen Buchpreis 2015
  • 448 Seiten, S. Fischer
  • sehr kühler, sperriger, aber kluger Roman über Manager über 50, die 2006 aus dem Koffer leben und entscheiden müssen, welchen Platz sie Beruf, Familie und Liebe einräumen.
  • erst ab ca. Seite 240 nimmt der Roman Fahrt auf: viel Vorlauf, viele Zeitsprünge und Auslassungen, an vielen Stellen prätenziös, ins Leere laufend.
  • den deutschen Buchpreis hat Peltzer nicht verdient. aber ich hatte Spaß daran, mich durch ein sehr trockenes, aber komplexes und überraschend warmherziges Buch zu beißen.

“Aus ehemaligen Revolutionären sind Manager geworden, Akteure der Wirtschaft. Sie sind involviert in globale Geschäfte zwischen Mailand, Südamerika und China, ihre Deals sind dubios. Haben sie alles verraten? Was heißt es heute in dieser Welt, gut zu leben? Jochen Brockmann ist erfolgreicher Sales Manager, doch er verstrickt sich in ein abstürzendes System. Die Bank gibt keinen Kredit mehr, Indonesien investiert nicht, es bieten sich die Chinesen an. Sylvester Lee Fleming ist ein skrupelloser Geschäftemacher, Finanz-Investor und Risiko-Berater. Er erscheint, als Retter, Verführer und Versucher. Ist er ein Abgesandter des Teufels oder nur ein Psycho? Er kreuzt Brockmanns Weg. Ist das Zufall oder Plan?”

Das bessere Leben

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4. David Levithan, “Two Boys kissing – jede Sekunde zählt”

  • 288 Seiten, S. Fischer
  • das beste Jugendbuch, das ich 2013 las, endlich auf Deutsch.
  • mehr schwule, lesbische, queere Jugendbuch-Tipps hier.
  • für ZEIT Online schrieb ich 2013: “In US-amerikanischen Jugendbüchern tut sich stilistisch oft nicht viel: Stakkatosätze. Präsens. Sekundenrealismus, nah am Ich-Erzähler. Alles klingt gleich. Nichts irritiert. Eine Ausnahme ist David Levithan, der in zehn Jahren fast 20 Bücher über Paare, Selbstverwirklichung und Partnerschaft-als-Selbstverwirklichung schachtelte. Jedes klang anders. Allerdings ist Two Boys Kissing der erste Levithan-Roman, der mich überzeugt: Acht schwule Jugendliche auf dem Land, 50 Stunden persönlichste Katastrophen und Triumphe, brillante Perspektivwechsel, Schnitte. 200 Seiten nichts als Sätze, die Leser zum Weinen bringen wollen. Vor Wut. Freude. Begeisterung. Ein hoher Ton.”

“Craig und Harry wollen ein Zeichen für alle schwulen Jungs setzen. Dafür küssen sie sich. 32 Stunden, 12 Minuten und 10 Sekunden. So lange dauert es, um den Weltrekord im Langzeitküssen zu brechen. So lange dauert es, das Leben aller schwulen Pärchen in der Umgebung für immer zu verändern… Geschickt verwebt David Levithan all ihre Geschichten zu einer großen Geschichte über homosexuelle Jugendliche von heute.” [Klappentext, gekürzt.]

Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt

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5. Arthur Miller, “Fokus” (alter deutscher Titel: “Brennpunkt”)

  • 280 Seiten, S. Fischer
  • “Mad Men”-artiger Büro- und Kleinbürger-Roman über Rassismus und Antisemitismus in Manhattan und Brooklyn 1945. Eins meiner Lieblingsbücher 2014.

“Mr. Newman ist ein kleiner Angestellter mit einem großen Ehrgeiz. Von seinem gläsernen Büro aus überwacht er die ihm unterstellten Stenotypistinnen. Doch eines Tages lässt seine Sehkraft nach. Als der Arzt ihm eine Brille verordnet, beginnt sein Leidensweg. Denn plötzlich wirkt Newman in den Augen seiner Mitmenschen irgendwie »jüdisch«. Newman, bislang rassistischen Diffamierungen gegenüber vollkommen gleichgültig, steht plötzlich selbst im Brennpunkt antisemitischer Hetze.” [Klappentext, gekürzt]

Focus

 

21 neue Bücher, angelesen, gemocht, vorgemerkt:

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01: IRENE RUTTMANN, “Adèle”

  • kluge und berührende Romanze im 1. Weltkrieg
  • 362 Seiten, 8. August, Suhrkamp/Insel

“Der junge deutsche Drogist Max ist im Dezember 1916 an der Aisne in Frankreich als Krankenträger im Fronteinsatz. In einem verlassenen Ort sucht er nach Kräutern, um die Bauchschmerzen seiner Kameraden zu lindern, als er Adèle, das Mädchen aus der Champagne, trifft. Behutsam entwickelt sich eine Liebesgeschichte während der blutigsten Schlachten im Ersten Weltkrieg.” [Klappentext, gekürzt]

Adèle

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02: SERHIJ ZHADAN, “Mesopotamien”

  • ein junger Freundeskreis im Zweistromland – ohne Sozialromantik.
  • 362 Seiten, 8. August, Suhrkamp/Insel

“Romeo, zwanzig Jahre alt, ist zum Studium nach Charkiw gekommen. Vor dem Hintergrund des Krieges, der bereits begonnen hat, kämpfen Marat, Romeo, Sonja, Ivan, Bob gegen die drohende Verfinsterung ihres Lebens, um ihre Liebe, um ein mutiges, freies Verhältnis zueinander, dem auch der Tod nichts anhaben soll.” [Klappentext, gekürzt]

Mesopotamien

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03: EIMEAR McBRIDE, “Das Mädchen ein halbfertiges Ding”

  • Gestammel? oder große Poesie? ein Buch, erzählt in atemloser, verkürzter Sprache
  • 256 Seiten, 4. August 2015, Schöffling

“Eine junge Frau wächst in der Enge einer irischen Kleinstadt auf, das Leben ihrer Familie ist von der Krankheit ihres Bruders geprägt. Ihr wahres Leben spielt sich im Kopf ab. Der Debütroman hat mit seiner unvergesslichen Sprache für Furore gesorgt.” [Klappentext, gekürzt]

A Girl Is a Half-formed Thing

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04: JÜRGEN BECKER, “Jetzt die Gegend damals”

  • Schreib- und Perspektive-Experimente um Erinnerung und Identität: Jürgen Becker erschreibt sein Leben, aus Sicht des fiktiven Alter Egos Jörn Winter
  • 161 Seiten, 8. August 2015, Suhrkamp

“Eine Chronik der angehaltenen und zugleich vergehenden Zeit: Jörn Winter folgt den biographischen Wegen des Verfassers Jürgen Becker; sie gehen zurück in die dreißiger Jahre, in Kriegs- und Nachkriegszeit, in die fünfziger Jahre, in die Gegenwart, und Jörn spricht davon, als wäre es sein eigenes Leben: Becker beschäftigt ihn als Alter Ego, um die Distanz zum eigenen Lebenslauf zu wahren; als Korrespondenten, der von Orten und Personen, Landschaften und Gegenden die Geschichten erzählt, die vom Jetzt und vom Damals handeln. ” [Klappentext, gekürzt]

Schnee in den Ardennen. Journalroman [Vorgängerbuch. “Jetzt die Gegend damals” ist noch nicht auf Goodreads.]

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05: SABINE RENNEFANZ, “Die Mutter meiner Mutter”

  • Erinnerungsbuch über Traumata und häusliche Gewalt in der deutschen Nachkriegszeit
  • 256 Seiten, 14. September 2015, Luchterhand

“Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst. Trotzdem muss sie Friedrich heiraten. Über die Umstände wissen die drei Töchter, die aus der Ehe hervorgehen, lange nichts. Erst zwanzig Jahre nach dem Tod des Vaters kommt ein Geheimnis ans Licht.” [Klappentext, gekürzt]

Die Mutter meiner Mutter

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06: KARL-OVE KNAUSGARD, “Träumen” (Band 5 [von 6] aus “Mein Kampf”)

  • geschwätzig? banal? langweilig? oder der größte, wichtigste autobiografische Romanzyklus über Wahrnehmung, künstlerische Selbstfindung und Scheitern im Bürgertum seit Proust?
  • 800 Seiten, 21. September 2015, Luchterhand

“14 Jahre verbrachte Knausgård in Bergen, bevor er aus der norwegischen Küstenstadt regelrecht nach Stockholm floh: Jahre, in denen er so unermüdlich wie erfolglos versuchte, Schriftsteller zu werden, in denen seine erste Ehe scheiterte, in denen sich Momente kurzer Glückgefühle mit jenen tiefster Selbstverachtung die Hand gaben. Dabei hatte es am Anfang so gut ausgesehen. Er hatte einen Studienplatz an der Akademie für Schreibkunst ergattert, endlich eine Freundin gefunden…” [Klappentext, gekürzt]

Träumen

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07: NICHOLSON BAKER, “Das Regenmobil”

  • ein überraschend launiger Versager- und Schwerenöter-Roman von Sprachkünstler Baker
  • 288 Seiten, 18. Dezember, Rowohlt

“Paul ist Dichter (mäßig erfolgreich) und vermisst seine Exfreundin Roz, die ihn verlassen hat. Um seinem Leben wieder Sinn zu geben und seinen drohenden Fünfdundfünfzigsten zu vergessen, besorgt er sich eine akustische Gitarre und sattelt auf Pop- und, vor allem, Protestsongs um. Er weiß nicht, was ihm mehr zuwider ist: Amerikas Drohnenkrieg oder Roz’ neuer Freund. Während er auf seinem alten Bauernhof in Maine darüber nachdenkt, erheitern allerlei tröstliche Alltagsvergnügen sein schwankendes Gemüt: sein Traum-Rasensprenger, die Saiten seines Eierschneiders, die einen fast perfekten Mollakkord ergeben, einige Experimente mit Tabak…” [Klappentext, gekürzt]

Das Regenmobil

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08: EDWIGE DANTICAT, “Kein anderes Meer”

  • Coming-of-Age in Haiti: magischer Realismus und existenzielle Not. vielleicht etwas süßlich.
  • 256 Seiten, 24. August, Hanser

“Am Morgen hatte sie noch wie jedes Jahr mit ihrem Vater Nozias das Grab der Mutter besucht. Jetzt ist die siebenjährige Claire spurlos verschwunden, am Strand von Ville Rose auf Haiti. Sie sollte ihr Heimatdorf verlassen, von einer reichen Tuchhändlerin adoptiert werden. Ist sie deshalb geflohen? Die haitianisch-amerikanische Autorin Danticat erzählt märchenhaft und doch realistisch von Ville Rose, einem Ort, wo Bäume in den Himmel fliegen und Frösche in der Hitze explodieren.” [Klappentext, gekürzt]

Claire of the Sea Light

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09: JOAN SALES, “Flüchtiger Glanz”

  • Antikriegs-Kultroman, im katalanischen Original erschienen 1956.
  • 576 Seiten, 28. September, Hanser

“Im belagerten Barcelona wütet das Chaos. Lluis, Atheist, ehemaliger Anarchist und Skeptiker, verlässt seine Frau, um in den Bergen mit den Republikanern zu kämpfen. Doch es ist eine „tote Front“, wo die Anarchisten Klöster verwüsten und Zivilisten hinrichten. Lluis ist entsetzt, überschreitet aber selbst die Grenze der Moral und sucht Antworten auf seine Fragen nach dem Ursprung des Bösen, nach Gott und den Möglichkeiten der Liebe.” [Klappentext, gekürzt]

Flüchtiger Glanz

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10: RICHARD FLANAGAN, “Der schmale Pfad durchs Hinterland”

  • im schlimmsten Fall ist das ein Mainstream-Schmöker in der Tradition von “Der englische Patient”. stilistisch aber überzeugt es mich erstmal.
  • 448 Seiten, 14. September, Piper

“Dem begabten Chirurgen Dorrigo Evans steht eine glänzende Zukunft bevor. Doch als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Während er in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zur Frau seines Onkels.” [Klappentext, gekürzt]

Der schmale Pfad durchs Hinterland

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11: MARTIN AMANSHAUSER, “Der Fisch in der Streichholzschachtel”

  • Spaßroman, dick aufgetragen – aber originell und sympatisch schrullig.
  • 576 Seiten, 27. Juli, Deuticke

“Auf der Karibik-Kreuzfahrt, die Fred mit seiner Frau Tamara und dem pubertären Nachwuchs unternimmt, herrscht Langeweile. Dann trifft er an Bord ausgerechnet auf seine Exfreundin Amélie, das Schiff gerät in einen Orkan, der Kontakt zur Außenwelt ist unterbrochen und eine Horde eigenwilliger Piraten aus der Vergangenheit kapert das Schif. Diese haben es auf Pfefferstreuer und Toilettenpapier abgesehen und reagieren panisch auf die technischen Errungenschaften aus dem 21. Jahrhundert. Eine hinreißende Satire, eine Liebesgeschichte mit Humor aus einer Welt voller Wunder.” [Klappentext, gekürzt]

Der Fisch in der Streichholzsch​achtel

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12: EDITH WHARTON, “Zeit der Unschuld”

  • Neuauflage des US-Gesellschaftsromans von 1920.
  • 400 Seiten, 8. September, Manesse

“Der ehrgeizige New Yorker Anwalt Newland Archer muss sich entscheiden: Will er sein Leben mit May Welland teilen, einer jungen Frau aus gutem Haus und wie geschaffen für sein berufliches Fortkommen? Oder steht er zu seinen Gefühlen für Mays Cousine Ellen Olenska, die im Begriff ist, gegen alle Konventionen zu verstoßen?” [Klappentext, gekürzt]

Zeit der Unschuld

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13: WILLIAM FAULKNER, “Absalom, Absalom!”

  • düsterer, anspruchsvoller Südstaaten-Romanklassiker in neuer Übersetzung
  • 480 Seiten, 25. September, Rowohlt

“In neuer Übersetzung von Nikolaus Stingl: Aus der biblischen Geschichte von Absalom, in die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs versetzt, wird die Geschichte der Sutpens, die sich über mehr als ein Jahrhundert erstreckt. Thomas Sutpen stammt aus einer armen weißen Familie, heiratet auf Haiti die reiche Eulalia Bon und taucht 1833 plötzlich mit einem Haufen schwarzer Sklaven in Jefferson auf, wo er Land kauft, ein Herrenhaus errichtet, ein zweites Mal heiratet und gesellschaftliches Ansehen erwirbt. Es geht um Schuld und Schuldgefühle der Sklavenhaltergesellschaft, den unmöglichen Versuch, die Niederlage im Bürgerkrieg als notwendig zu erkennen, die Macht des Geldes und die Verwüstungen, die es anrichtet.” [Klappentext, gekürzt]

Absalom, Absalom!

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14: EMILY ST. JOHN MANDEL, “Das Licht der letzten Tage”

  • ein sanfter und stiller Roman über den Alltag einer Wandertheatertruppe, 20 Jahre nach einer verheerenden, weltweiten (?) Seuche.
  • 416 Seiten, 14. September, Piper

nichtssagender, entsetzlicher deutscher Kitsch-Klappentext: “Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.”

Das Licht der letzten Tage

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15: WILLY VLAUTIN, “Die Freien”

  • Vlautins Romane sind mir oft zu dick aufgetragen und mit zu schlichtem Gut-Böse-Rollen. Hier geht es um ein Ensemble – deshalb bin ich optimistisch(er).
  • 320 Seiten, 5. Oktober, Berlin Verlag

“Versehrt ist Leroy Kervin aus dem Einsatz im Irak zurückgekehrt. Jetzt kämpft er ums Überleben. Und die Menschen an seiner Seite haben in ihrem Alltag nicht weniger zu kämpfen: Für Freddie McCall ist die Nachtschicht in Leroys Wohngruppe nur einer der Jobs, die er braucht, um die Arztrechnungen seiner Tochter zu bezahlen. Die Krankenschwester Pauline kämpft verzweifelt um das Leben ihrer jungen Patientin Jo. Für die Helden dieses Buches sind die USA ein kaltes Land ohne Gnade. Freiheit? Für die einfachen Menschen scheint es sie nicht zu geben.” [Klappentext, gekürzt]

Die Freien

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16: OLIVER BOTTINI, “Im weißen Kreis”

  • Freiburg-Krimis (Band 6 einer Reihe), stilistisch überzeugend. Die Beschreibung des Plots klingt überkonstruiert und “Tatort”-haft.
  • 350 Seiten, 24. September, Dumont

“Louise Bonì, Hauptkommissarin der Kripo Freiburg, erhält von einer Informantin den Hinweis, dass ein Mann zwei Waffen bei russischen Kriminellen gekauft habe. Ihre Ermittlungen führen sie in die Neonazi-Szene, und durch einen Zeitungsartikel stößt sie auf ein »perfektes Opfer«: Ludwig Kabangu, ein Ruander, der von der Universität Freiburg die Gebeine eines Ahnen zurückfordert. Deutsche Wissenschaftler hatten diese hundert Jahre zuvor zum Zweck der Rassenforschung nach Freiburg gebracht.” [Klappentext, gekürzt]

Im weißen Kreis

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17: CLAIRE NORTH, “Die vielen Leben des Harry August”

  • süffiger und klug konstruierter Young-Adult-Science-Fiction-Roman
  • 496 Seiten, 12. November, Lübbe

“Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal. Er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden — mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso. Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern.” [Klappentext, minimal gekürzt]

Die vielen Leben des Harry August

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18: HORACIO CASTELLANOS MOYA, “Der Traum von Rückkehr”

  • Thema? toll. Stil? toll. ich wünschte nur, das Buch wäre länger und hätte mehr Zeit, diese Themen auszuloten.
  • 176 Seiten, 20. August, S. Fischer

“Der große Exilroman des salvadorianischen Schriftstellers. Zweimal aus dem Heimatland vertrieben, ist ›Der Traum von Rückkehr‹ ein persönlicher: Mit trockenem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie enthüllt der Protagonist Erasmo Aragón eine ebenso spannende wie verworrene Geschichte. Das politische wird zum existentiellen Exil.” [Klappentext, gekürzt]

Der Traum von Rückkehr

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19: DARRAGH McKEON, “Alles Stehende verdampft”

  • die ersten Seiten lesen sich wie ein gut gemeinter TV-Mehrteiler vom “Emergency Room”-Team: ein bisschen behäbig, aber toll recherchiert.
  • 464 Seiten, 11. September, Ullstein

“April 1986, ein kalter Frühlingsmorgen in Weißrussland. Der dreizehnjährige Artjom darf zum ersten Mal mit den Männern des Dorfes auf die Jagd gehen. Das Vieh auf den Weiden blutet aus den Ohren, und kurz darauf fallen die Vögel tot vom Himmel. Im benachbarten Tschernobyl ist das Undenkbare passiert. Die Katastrophe von Tschernobyl teilt das Leben in ein Davor und ein Danach ein: Der Bauernsohn aus Weißrussland, der Moskauer Chirurg vor den Trümmern seiner Ehe, seine Exfrau, die Dissidentin, und ihr Neffe, das Klavierwunderkind, sie alle werden durch den Super-GAU unwiderruflich verändert. Darragh McKeon zeichnet das Psychogramm einer hochtechnisierten Gesellschaft im Angesicht einer selbstverursachten Katastrophe. In eindringlichen Bildern und mit großem Einfühlungsvermögen für seine Figuren zeigt der Autor, wie eine solche Ausnahmesituation Menschen zu Fall bringen und Staatsapparate zerstören kann.” [(toller) Klappentext, nur leicht gekürzt]

Alles Stehende verdampft

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20: LISA WILLIAMSON, “Zusammen werden wir leuchten”

  • Jugendbuch über eine junge Transsexuelle: sympathische Ich-Erzählerin, aber alles ein bisschen schlicht gestrickt, langsames Erzähltempo
  • 384 Seiten, 10. Dezember, S. Fischer

“Es ist Davids vierzehnter Geburtstag und als er die Kerzen ausbläst, ist sein sehnlichster Wunsch… ein Mädchen zu sein. Das seinen Eltern zu beichten, steht auf seiner To-do-Liste für den Sommer – gaaaanz unten. Bisher wissen nur seine Freunde Essie und Felix Bescheid, die bedingungslos zu ihm halten und mit denen er jede Peinlichkeit weglachen kann. Aber wird David jemals als Mädchen leben können? Und warum fasziniert ihn der geheimnisvolle Neue in der Schule so sehr?” [unangenehm biederer Klappentext: Transsexualität ist keine “Peinlichkeit”, die “gebeichtet” werden muss]

Zusammen werden wir leuchten


21: KATE RACCULIA, “Willkommen im Bellweather Hotel”

  • “Glee” trifft “The Shining”? eine Young-Adult-Satire mit überdrehten und exzentrischen Musikern
  • 448 Seiten, 23. November, Limes

“Jedes Jahr im November findet in dem alten, einst prachtvollen Bellweather Hotel ein landesweiter Musikwettbewerb statt. Hunderte von Nachwuchstalenten strömen durch die Flure, darunter auch der schüchterne Rabbit Hatmaker und seine divenhafte Zwillingsschwester Alice, die bereits jetzt an ihren Memoiren schreibt. Auch Minnie Graves ist nach fünfzehn Jahren zum ersten Mal ins Bellweather zurückgekehrt. Damals, als kleines Mädchen, wurde sie Zeugin einer schrecklichen Tragödie, die sich in Zimmer 712 ereignete. Als die Hotelgäste von einem gewaltigen Schneesturm überrascht werden und eine begnadete Flötistin verschwindet – ausgerechnet aus Zimmer 712 –, treffen bei der Suche Personen aufeinander, die mehr miteinander gemeinsam haben, als sie ahnen.” [Klappentext, gekürzt]

Willkommen im Bellweather Hotel

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Bonus:

drei Bücher aus Frühsommer und Frühling, die ich erst jetzt entdeckte:

ANN LECKIE, “Die Maschinen”

  • sperriger, aber preisgekrönter Science-Fiction-Roman über eine künstliche Intelligenz und ihre Rolle als Kriegsmaschine
  • 544 Seiten, 9. Februar, Heyne

“Was wird aus den Menschen, wenn die Maschinen frei sein wollen? Breq ist eine Kämpferin, die auf einem einsamen Planeten auf Rache sinnt. Hinter ihrer verletzlichen, menschlichen Fassade verbirgt sich mehr: Sie wurde von den Radch geschaffen, die nach und nach das gesamte Universum unterworfen haben. Breq ist nur dem Äußeren nach eine Frau, vor allem aber ist sie ist eine perfekt konstruierte Maschine, abgerichtet zum Erobern und Töten. Nun aber beschließt sie das Unmögliche: Ganz allein will sie es mit Anaander Mianaai aufnehmen, dem unbesiegbaren Herrscher der Radch. Denn Breq will endlich frei sein.” [Klappentext, gekürzt]

Die Maschinen

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POLINA SCHEREBZOWA, “Polinas Tagebuch”

  • simples, bewegendes Tagebuch einer jungen Tschetschenin
  • 592 Seiten, 6. März, Rowohlt

“Neun Jahre alt war Polina Scherebzowa, als in Grosny Krieg ausbrach. In diesem Jahr, 1994, begann sie ihr Tagebuch, das sie zehn Jahre lang und über einen zweiten Konflikt hinaus führte. Es ist eine fesselnde Chronik vom Leben in Zeiten des Krieges, von der Schönheit und Grausamkeit des Daseins, die Polina stilistisch glänzend und mit der tiefen Lakonie eines Kindes, später einer jungen Frau beschreibt.” [Klappentext, gekürzt]

Polinas Tagebuch

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SUSAN ABULHAWA, “Als die Sonne im Meer verschwand”

  • Mainstream-Roman über Israel und den Gazastreifen, klar und sympathisch erzählt
  • 448 Seiten, 23. November, Limes

“In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist.” [Klappentext, gekürzt]

Als die Sonne im Meer verschwand

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verwandte Posts:

guter Journalismus, tolle Texte: Empfehlungen

Underdog Literature WordPress December 2013.

ein Text pro Tag.

deutschsprachig, hintergründig, zeitlos:

seit Neujahr sammle ich Blogposts, Reportagen, Essays, Interviews unter dem Hashtag #textdestages auf meinen Facebook-Profil.

hier sind die ersten zehn. große Empfehlung! markante Stimmen. interessante Thesen. Qualitätsjournalismus, den ich gerne las – und teilen will!

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010. Familie, Altersarmut, Väter:

“Altern und Würde. Bitte, Papa.”

Marlene Halser über ihren Vater, allein auf dem Land, verschuldet, trotzig und stolz. (persönliche Reportage, taz 2014)

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009. Depression, Trauerarbeit, Effizienz:

“Verlust eines lieben Menschen: Nach zwei Wochen Trauer ist aber bitte Schluss!”

Andrea Freund über Trauer als Krankheit, kollektive Bewältigung und die Ungeduld von Arbeitgebern und Nicht-Betroffenen. (Kulturkritik, FAZ 2014)

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008. Neukölln, Verdrängung, Widerstand:

“‘Freies Neukölln’ muss schließen: ‘Das ist nicht mehr mein Berlin'”

Annett Heide und Susanne Lenz interviewen den Kneipier Matthias Merkle, dem Neukölln nach 8 Jahren zu teuer wird. (Interview, Berliner Zeitung 2014)

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007. Romantik, Ehe, Kitsch:

“Egoistische Zweisamkeit: Ersatzreligion Liebe”

Markus Günther über Paare, die romantische Liebe zum Lebenszweck überhöhen. (Essay / Kulturkritik, FAZ 2014)

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006. Muße, Abschalten, Inspiration:

“Hirnforschung. Warum Nichtstun uns die besten Ideen beschert”

Ulrich Schnabel erklärt neurologisch und kulturwissenschaftlich, woher gute Ideen kommen und wie Pausen dem Hirn nutzen. (Wissenschaft, ZEIT 2010)

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005. Nachtruhe, Reichtum, bürgerliches München:

“Spätkauf in der Innenstadt: München hat jetzt auch einen Späti”

Lena Schnabl trifft Franz Huemer – den Betreiber des ersten Nacht-Kiosk in Münchens Innenstadt. Ein toller Vergleich zwischen Kunden in München und Berlin. (Portrait, Berliner Zeitung, 2014)

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004. Rassismus, Identität, Kindergarten:

“Perspektivwechsel. Warum ich für meinen Sohn Weihnachtsfiguren mit dunkelbrauner Hautfarbe bestelle”

Tupoka Ogette wünscht sich, dass ihr Schwarzer Sohn empowernde Erfahrungen macht – auch im Kindergarten. (Essay / persönliche Kolumne, Migazin 2014)

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003. Big Data, Werbung, deutsche Provinz:

“Marktforschung in Haßloch. Das ist Deutschland”

In einer Kleinstadt in der Pfalz werden neue Produkte getestet: Ist Haßloch das “typisch” deutsch? Wie wird dort gewohnt, konsumiert… und geforscht?, fragt Gerhard Waldherr. (Reportage, brand eins 2014)

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002. Behinderung, Freak Shows, deutsche Provinz:

“Besuch in der Kleinstadt. In einem Freizeitpark in Rheinland-Pfalz wurden kleinwüchsige Menschen bis in die Neunzigerjahre ausgestellt wie Märchenfiguren.”

Till Krause fragt sich, was aus den Bewohner*innen der “Liliputaner-Stadt” im Holiday Park (Haßloch in der Pfalz) wurde, die er als Kind bestaunte. (Reportage / Portraits, Süddeutsche Zeitung 2013)

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001. Männlichkeit und Konsum – unfreiwillig komisch:

“Steak unter Würstchen. Prophet der Mannwerdung: Frank Hofmann, Chefredakteur von ‘Men’s Health'”

Lutz Kinkel schreibt ein grandios beobachtetes absurdes Portrait über die Männerzeitschrift ‘Men’s Health’, ihre ‘Philosophie’ und den damaligen Chefredakteur. (Portrait / Kulturkritik, ZEIT 2000)

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ich bin freier Journalist – und Literaturkritiker. Buchtipps und Empfehlungen u.a. hier (Link)

Best Books of the 1980s

underdog literature 2014 08 august.
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Here are 20 books that caught my interest lately.

Off-beat, quirky or curious titles that might deserve more attention…

all published in the 1980s.

see also:

for a list of cool upcoming titles… click here [Link]

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01: BARRY HANNAH, “Ray”, 128 pages, 1980.

Ray

02: RICARDO PIGLIA, “Artificial Respiration”, 240 pages, 1980. [Argentina]

Artificial Respiration

03: ALAN PATON, “Ah, but your Land is beautiful”, 292 pages, 1981. [South Africa]

Ah But Your Land Is Beautiful (Vintage Classics)

04: AARTO PAASILINNA, “The Howling Miller”, 284 pages, 1981. [Finland]

The Howling Miller

05: BOHUMIL HRABAL, “Harlequin’s Millions”, 312 pages, 1981. [Czech Republic]

Harlequin's Millions: A Novel

06: TOBY OLSON, “Seaview”, 250 pages, 1982.

Seaview

07: HELEN HOOVEN SANTMYER, “And the Ladies of the Club”, 1176 pages, 1982.

...And Ladies of the Club

08: KERU MIYAMOTO, “Kinshu: Autumn Brocade”, 208 pages, 1982. [Japan]

Kinshu: Autumn Brocade

09: BILLY LEE BRAMMER, “The Gay Place”, 560 pages, 1983.

The Gay Place

10: BARRY HUGHART, “Bridge of Birds”, 271 pages, 1984. [Fantasy]

Bridge of Birds: A Novel of an Ancient China That Never Was

11: FERROL SAMS, “The Whisper of the River”, 544 pages, 1984.

The Whisper of the River

12: PRAMOEDYA ANANTA TOER, “Footsteps”, 480 pages, 1985. [Indonesia]

Footsteps

13: JUAN JOSÉ SAER, “The Sixty-Five Years of Washington”, 220 pages, 1985. [Argentina]

The Sixty-Five Years of Washington

14: JOAN SLONCZEWSKI, “A Door into Ocean”, 403 pages, 1986. [Sci-Fi]

A Door Into Ocean

15: JON HASSLER, “Grand Opening”, 336 pages, 1987.

Grand Opening

16: LANFORD WILSON, “Burn This”, 98 pages, 1987. [Drama / Stage]

Burn This

17: PENELOPE LIVELY, “Moon Tiger”, 224 pages, 1987.

Moon Tiger

18: JACKIE KAY, “Trumpet”, 278 pages, 1988.

Trumpet

19: GIACONDA BELLI, “The inhabited Woman”, 374 pages, 1988. [Nicaragua]

Bewohnte Frau

20: WALTER SATTERTHWAIT, “Miss Lizzie”, 332 pages, 1989.

Miss Lizzie

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related Posts:

and:

Underdog Literature, November 2012: 15 fresh or impressive, off-the-wall titles

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Here are 15 books that caught my interest lately.

Fresh, off-beat, quirky or curious titles that might deserve more attention:

This month, I browsed the shelves at “ocelot, not just another bookstore” in Berlin and selected 15 – previously unknown – books:

I made a list of 98 titles that seemed attractive, and then researched the 15 titles that I suspect to be the most interesting:

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01: RON LESHEM: “Beaufort” / “Wenn es ein Paradies gibt”, 320 pages, 2007. [Coming-of-Age, Israel] Amazon.de (German, Link)

02: JIM THOMPSON, “The Grifters”, 189 pages, 1963. [Hard-Boiled Crime Fiction]

03: ZAKHAR PRILEPIN, “Sin” [German: “Sankya”], 272 pages, 2007. [Russian, Autobiographical Short Stories] Amazon (German, Link) | Perlentaucher (Link)

04: MARGARITA CHEMLIN, “Die Stille um Maja Abramowna”, 300 pages, 2012. [Russian] Amazon (German, Link)

05: EMMANUEL CARRÈRE, “Limonov”, 488 pages, 2011. [French, Biography / Nonfiction] Amazon (German, Link)

06: JORDAN SONNENBLICK, “Drums, Girls & Dangerous Pie”, 273 pages, 2004. [Young Adult / Middle-Grade Readers] Amazon (German, Link)

07: TOMÀS GONZALES, “La luz difícil” / “Das spröde Licht”, 176 pages, 2011. [Colombian] Amazon (German, Link)

08: ALMUDENA GRANDEZ, “El corazón helado” / “Das gefrorene Herz”, 960 pages, 2007. [Spanish Family Saga] Amazon (German, Link)

09: CHARLES LEWINSKY, “Melnitz”, 768 pages, 2007. [Swiss] Amazon (German, Link) | Perlentaucher (Link)

10: RALPH DOHRMANN, “Kronhardt”, 928 pages, 2012. [German] Amazon.de (German, Link) | Perlentaucher (Link)

11: HERMANN KANT, “Der Aufenthalt”, 600 pages, 1977. [German] Amazon.de (German, Link)

12: SUSANNE HORNFECK, “Torte mit Stäbchen: Eine Jugend in Schanghai”, 380 Seiten, 2012. [Young Adult, German] Amazon.de (German, Link)

13: YASSIN MUSHBARASH, “Radikal”, 397 pages, 2011. [German (Mainstream) Thriller] Amazon.de (German, Link)

14: JÜRGEN SCHREIBER, “Ein Maler aus Deutschland. Gerhard Richter”, 250 pages, 2005. [Nonfiction / Biography, German] Amazon.de (Link) | Perlentaucher (Link)

15: SÖNKE NEITZEL, HARALD WELZER: “Soldaten. On Fighting, Killing and Dying”, 448 pages, 2011. [Nonfiction, German] Amazon.de (Link)

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Ocelot, not just another bookstore:

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Here are five books that made me curious enough to buy them:

01: BRIAN K. VAUGHAN, FIONA STAPLES, “Saga, Vol. 1”, 160 pages, 2012. [Graphic Novel; new Sci-Fi / Space Opera series]

02: CHRISTIAN JEITSCH, OLAF KRAEMER, “Abaton: Vom Ende der Angst”, 400 Seiten, 2011. [German: dystopian YA trilogy; danke an mixtvision Verlag / Pia Mortensen!]

03: DAVID GRAEBER, “Debt: The First 5000 Years”, 534 pages, 2011. [Nonfiction; danke an Klett-Cotta!]

04: NATHANIEL RICH, “Odds against tomorrow”, 304 pages, 2013. [danke an Klett-Cotta!]

05: TILMAN RAMMSTEDT, “Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters”, 155 pages, 2012. [German]

Besprechung bei ZEIT Online, David Hugendick: Link

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…and finally, here are two books that I read – and that were really good:

4 of 5 stars: A.S. KING, “Ask the Passengers”, 296 pages, 2012. [YA novel, convoluted and a little dry. It was a good read – but I prefered her debut, “Please ignore Vera Dietz”]

4 of 5 stars: BENJAMIN MAACK, “Monster”, [German, interconnected Short Stories; danke an Daniel Beskos / mairisch Verlag!]

Besprechung bei ZEIT Online, David Hugendick: Link

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related Posts:

and:

Frankfurter Buchmesse: Romane und Neuerscheinungen 2012

zur Frankfurter Buchmesse:

14 interessante – und 8 mittelmäßige – neue Bücher:

 

Sechs neue – interessante – Übersetzungen:
01) Édouard Levé – “Selbstmord” (Essay; Frankreich, 2008)
128 Seiten, Matthes & Seitz, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.10, Link)
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02) David Mitchell – “Die tausend Herbste des Jacob de Zoet” (USA, 2010)
720 Seiten, Rowohlt, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.00, Link)
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03) Mordecai Richler – “Wie Barney es sieht” (Kanada, 1997)
464 Seiten, Liebeskind Verlag, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.14, Link)
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04) Eowyn Ivey – “Das Schneemädchen” (USA, 2011)
464 Seiten, Kindler, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.97, Link)
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05) Nicolas Langelier – “Die enthemmte Moderne meistern und den Rest seines Lebens retten in 25 einfachen Schritten” (Kanada, 2010)
176 Seiten, Bloomsbury, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.91, Link)
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06) Yu Hua – “China in zehn Worten” (Nonfiction, China 2011)
336 Seiten, S. Fischer, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.86, Link)

 

8 neue – interessante – deutschsprachige Titel:
07) Sabine Friedrich – “Wer wir sind”
2032 Seiten, dtv, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (Link)
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08) Jan Sprenger – “Kirgistan gibt es nicht”
240 Seiten, Rowohlt Berlin, September 2012:  Amazon (Link)
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09) Nora Bossong – “Gesellschaft mit beschränkter Haftung”
304 Seiten, Hanser, August 2012:  Amazon (Link)
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10) Jenny Erpenbeck – “Aller Tage Abend”
288 Seiten, Knaus, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.67, Link)
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11) Tilman Rammstedt – “Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters”
190 Seiten, Dumont, November 2012:  Amazon (Link)
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12) Masoud, Milad und Mojtaba Sadinam – “Unerwünscht: Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte” (Nonfiction)
256 Seiten, Bloomsbury, September 2012:  Amazon (Link)
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13) Anna Kim – “Anatomie einer Nacht”
303 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link)
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14) Timur Vermes – “Er ist wieder da”
400 Seiten, Eichborn, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.50, Link)
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gelesen – und nicht zu empfehlen:
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15) J.K. Rowling – “Ein plötzlicher Todesfall” (GB, 2012)
575 Seiten, Carlsen, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.55, Link)
meine Rezension bei ZEIT Online: Link
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16) John Jeremiah Sullivan – “Pulphead: Vom Ende Amerikas” (USA, 2011)
298 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.04, Link)
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übersetzte neue Bücher – mit schlechten / mittelmäßigen Kritiken:
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17) John Irving – “In einer Person” (USA, 2012)
725 Seiten, Diogenes, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.60, Link)
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18) Michael Tucker – “So it goes” (USA, 2010)
256 Seiten, Graf, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.26, Link)
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19) Simon Mawer – “Die Frau, die vom Himmel fiel” (UK, 2012)
384 Seiten, dva, November 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.59, Link)
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20) Carol Edgarian – “Zeiten der Ernüchterung” (USA, 2011)
464 Seiten, Kein & Aber, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.13, Link)
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21) Howard Jacobson – “Liebesdienste” (UK, 2008)
400 Seiten, dva, November 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.33, Link)
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22) Teju Cole – “Open City” (USA, 2011)
333 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.54, Link)

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verwandte Links:

[gebloggt auf ocelot.de] Superman? Batman? Alles auf Anfang!

Heldencomics in der Krise: Bei DC Comics werden 52 neue Heftreihen zum Bestseller. Die „New 52“ wollen Start- und Einstiegspunkte sein – für neue, jüngere Leser.

Von Stefan Mesch

„Gäste zum Kaffee“, die gemütliche Talkrunde im MDR-Magazin „Hier ab vier“, hat jeden Nachmittag etwa 160.000 Zuschauer. „Detective Comics“, das monatliche Heft, in dem Batman seit 1939 Verbrecher jagt, wurde Mitte 2011 nur knappe 60.000 Mal verkauft.

Als Marke, Spielzeug und im Kino bringen selbst unbekanntere Figuren wie Green Lantern oder die „Avengers“ Profite. Doch Comics selbst? Die monatlichen, zwanzigseitigen Fortsetzungshefte für 2.99 Dollar? Dort sterben Superman und Wonder Woman seit knapp 20 Jahren einen Tod auf Raten.

„Die größten Helden der Welt. Die größten Autoren und Künstler. In 52 neuen, ersten Heften“, versprach DC Comics im Herbst 2011 in einer pompösen Kino- und TV-Kampagne: Konkurrent Marvel Comics, Herausgeber von „Spider-Man“, „Hulk“ und den „X-Men“, wurde 2009 vom Disney-Konzern gekauft. DC Comics gehört zu Warner Brothers. Durch Videospiele, Filmrechte und Merchandise verdienen beide Konzerne gutes Geld mit jeweils Hunderten Heldenfiguren. Doch ist das Kerngeschäft, die Comics selbst, zu retten?

Vielleicht schon, zeigt die Bestseller-Überraschung der „New 52“: Noch im August 2011 veröffentlichte DC Hefte wie „Batman 713“ oder „Action Comics 904“. Dann brachen alle Geschichten ab: Ein Riss zerstörte die Zeitrechnung des gemeinsamen „DC Universe“ und 52 neue, teils eng verknüpfte Serien zeigten seit September 2011 alle bekannten Helden plötzlich in neuen, einsteigerfreundlichen Situationen. Zum ersten Mal seit 1986 wagt die DC-Welt einen Neuanfang. Und er gelingt – künstlerisch und kommerziell.

Selten waren aktuelle Heldencomics flirrender und aufregender als auf den 1216 Seiten in 52 neuen, beliebig kombinierbaren Erstausgaben: 28 neue Serien handeln von Männern (davon viermal Batman), 18 von Gruppen oder Teams, nur sechs haben eine Frau als Titelfigur. Es gibt ein (überraschend gutes) Wildwest-Comic, zwei mittelmäßige SoldatenAbenteuer, eine Handvoll blutiger Horror-Serien. Die „Demon Knights“ kämpfen im Mittelalter, die vier „Green Lantern“-Teams im Weltall, „Legion of Super-Heroes“ im Jahr 3011 und „Batwing“ im Kongo.

„Wer Comics oder Seifenopern verfolgt, der folgt nicht einzelnen Geschichten – sondern Figuren, die ihm im Lauf der Zeit ans Herz gewachsen sind“, schreibt Nelson Branco. Doch seit September haben Sympathieträger wie Nightwing, Batwoman, Aquaman, Wonder Woman und Animal Man endlich besonders zugängliche Erzähler, besonders eindringliche Plots (Empfehlungen: am Ende des Artikels).

Der große Neustart – ab Juli auch auf Deutsch, bei Panini Comics – hat nur ein Problem: Egal, wie klug und charismatisch die Figuren sind… die Welt um sie herum ist plötzlich so naiv, schwarzweiß und finster wie nie zuvor. In jedem zweiten Heft gibt es geheime Labors, in denen inkompetente Wissenschaftler schreckliche Wesen züchten. Polizisten sind korrupt oder hilflos, Politiker gehen über Leichen, Freunde und Eltern sind Belastungen statt einer Stütze – und nur ein Einziger agiert mit Mitgefühl, Verstand und Engagement: der einsame, oft isolierte und missverstandene Held.

Als Hollywood in den Fünfzigern die Jugend als Markt und eigene Zielgruppe entdeckte, fanden billige Monster-Filme wie „I was a Teenage Werewolf“ neue, griffige Metaphern für die Entfremdung vom eigenen Körper, für Außenseitertum und Angst. Anfang der Sechziger griff Marvel Comics diesen Tonfall auf: „Spider-Man“ zeigte ein pubertäres, unbedarftes Schulkind, „X-Men“ eine Clique aus missverstandenen Monstern.

Noch heute werden viele Marvel-Helden in der fiktiven Weltordnung ihrer Comics diskriminiert, bekämpft und verachtet. Sie finden keine Liebe und brechen sich gegenseitig das Herz. Sie bleiben neurotisch, neidisch, unzufrieden, voller Selbsthass und Hormone. „Die Hälfte von ihnen sind Außenseiter mit begrenzten Kräften, die sich abkämpfen für eine Welt, in der sie nie richtig gewürdigt werden“, erklärt Comichändler Scipio Garling. „Die andere Hälfte sind unfassbar mächtige, kosmische Wesen von unvorstellbarer Kraft und… Plattheit.“

Beide Persönlichkeiten sind attraktive Rollenbilder für Macht- und Hilflose, für Underdogs, Opfer der Umstände: „Typ 1 trifft das Selbstbild eines Jugendlichen. Typ 2 entspricht dem Wunschbild eines Jugendlichen“, vereinfacht Garling. „Sei stark und zäh, denn unsere Welt ist voller Unglück. Du hast es nicht verschuldet. Aber du kannst es auch nie abschaffen… Das ist die Marvel-Botschaft.“

Reiz und Stärke der DC-Helden dagegen stammt aus einer bürgerlichen, viel positiveren Haltung zur Rolle des Einzelnen in der Welt. „DC sagt: Du bist verantwortlich dafür, dich selbst und die Gesellschaft zu verbessern. Sei stark und zäh, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Marvel-Figur Iron Man, ein stolzer Erfinder und Millionär, würde auch gut zu den DC-Figuren passen. Supergirl, ein verwirrtes und unglückliches Waisenkind, wäre bei Marvel besser aufgehoben. Bei vielen Helden aber bleibt die große Unterscheidung überraschend trennscharf: Wonder Woman (DC), Botschafterin der Amazonen, ist tatsächlich engagierte Diplomatin. Clark Kent (DC), Supermans bürgerliches Ich, hat einen Pulitzerpreis. Green Arrow (DC) lebt als moderner Robin Hood – und lässt sich zum Bürgermeister wählen, um nicht allein die bloßen Symptome sozialer Ungerechtigkeit zu bekämpfen.

DC-Helden wollen – als Bürger und in ihren Kostümen – arbeiten, Einfluss nehmen, ein Vorbild sein. Sie vertrauen ihren Familien, engagieren sich im Beruf. Sie suchen Partnerschaft und Respekt statt Ruhm und Sex; sie trennen den Müll und setzen globale Zeichen. Egal, ob gerade jemand zusieht oder nicht.

Der Held im neuen “Aquaman” dagegen hat keine Lust mehr, König von Atlantis zu sein: Er will Entspannung an Land und bestellt erstmal Fish and Chips. Der Held in „Green Lantern“ ist arbeitslos und kann sich kein Auto leisten. „Hawkman“ verbrennt sein Kostüm und liegt jammernd in seiner verdreckten Wohnung. In „Static Shock“ verbietet ein Vater seinem (Helden-)Sohn, den Führerschein zu machen. Die Hauptfigur in „Voodoo“ muss als Stripperin arbeiten. In „Action Comics“ wird Superman von der korrupten Regierung gejagt.

Miese Jobs. Böser Staat. Wirtschaftskrise. Schlechte Karten!

“Unsere Zielgruppe sind Männer zwischen 18 und 34 Jahren”, erklärt der DC-Verlag. Eure Zielgrupe, korrigiere ich nach der Lektüre von 52 ersten Heften, sind Verlierer, Zyniker, Nörgler und Versager. Fans von Selbstmitleid und Zweifeln. Wie bei Marvel:

Seit September hat Lois Lane einen neuen Freund – Superman konnte nie bei ihr landen. Seit September ist Green Arrow ein jugendlicher, legendär reicher Playboy – apolitisch und plump. Auch Familie Reyes, die respektvollen, bisher immens sympathischen Eltern des jungen Blue Beetle, sind plötzlich streng und hilflos: „Früher erfuhr Blue Beetle Zuspruch und Unterstützung von Freunden und Familie. Aber das Heldenleben ist nunmal kein Zuckerschlecken!“, feixt Autor Tony Bedard. „Ich mache ihm alles deutlich schwerer!”

Es ist nicht schwer, Geschichten zu erzählen, in denen ein Held alleine in einem Sumpf aus Mittelmaß und Dummheit steht. Es ist nicht schwer, „der Gute“ zu sein, so lange alle Gegenseiten nachtschwarz und bitterböse bleiben. Viele neue DC-Reihen sind schmissig – aber brutal vereinfacht, geist- und einfallslos.

Besonders die weiblichen DC-Figuren leiden unter diesem Kurswechsel: Denn seit September werden sie mit dickerem, plakativen Pinselstrich gezeichnet. Amanda Waller, eine bullige, intrigante Regierungsagentin Ende 40, vor der selbst Batman zittterte, hat plötzlich eine Wespentaille und feuchte, pralle Lippen. Fast 30 Jahre lang war Starfire eine lebensfrohe, entspannte Romantikerin. Jetzt bietet sie jedem Mann spontanen Sex an. Beinahe fünf Jahre lang waren Catwoman und Batman ein Liebespaar: Sie kannten die Gesichter hinter der Maske, vertrauten sich beruflich wie privat.

Der „Catwoman“-Neustart tilgt diesen Respekt und das Vertrauen: „Sie ist süchtig nach der Nacht. Süchtig nach Glanz. Süchtig nach Batman. Und süchtig nach der Gefahr!” Eine leichtsinnige Diebin, getrieben von Instinkt und Libido. Eine Figur, gezeichnet, um begafft zu werden – nicht bewundert.

Am Ende des September-Hefts taucht Batman in Catwomans (ergaunertem) Penthouse auf. Sie stürzt sich auf ihn wie eine räudige Katze. Und erklärt dem Leser, sie wisse gar nicht richtig, wer dieser Mann ist – es sei auch egal: Ihr reicht Batmans Körper. Sex auf dem Fußboden. Maskierte, gierige Fremde. „Und die Kostüme lassen wir größtenteils an.“

DC Comics ist ein flüssiger, süffiger, schwungvoller Neustart geglückt, mit vielen bemerkenswerten Zeichnern und einer Handvoll klugen und subtilen Autoren. Doch diese neue Welt der Helden ist auch, deutlich wie nie: ein Bekenntnis zum Schund. Zum Sexismus. Zur Gewalt. Und zu einer jungen, männlichen, naiven Leserschaft, die sich nicht viel zutraut. Und nicht viel erwartet.

sechs Empfehlungen für Neueinsteiger: „The Flash“ (Panini), „Action Comics“ (Panini), „Batman“, „Justice League“ (Panini), „DC Universe presents: Deadman“

sechs Empfehlungen für Fans: „Batman & Robin“ (Panini), „Batwoman“ (Panini), „Wonder Woman“, „Birds of Prey“, „Swamp Thing“, „Animal Man“ (Panini)

Enttäuschungen und Schund: „Detective Comics“ (Panini), „Deathstroke“, „Red Hood and the Outlaws“, “Red Lanterns” (Panini), “Legion Lost”, “Catwoman” (Panini)

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related Links:

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my German comic book journalism:

 

Best Books of the Year: My personal Top 20

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(After a quick teaser / similar list in October [Link]…)

…here are the 20 very best books I’ve read in 2011:

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20: LEIF RANDT: “Schimmernder Dunst über CobyCounty”, (German) Novel, 2011.
Schimmernder Dunst über Coby County

19: JASON: “I killed Adolf Hitler”, Norwegian Graphic Novel, 2006.
I Killed Adolf Hitler

18: JEAN KWOK: “Girl in Translation”, Young Adult / Memoir, 2010.
Girl in Translation

17: GRANT MORRISON: “We3”, Graphic Novel, 2005.
We3

16: TEREZIA MORA: “Der einzige Mann auf dem Kontinent”, Novel (German), 2009.
Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman

15: A.S. KING: “Please ignore Vera Dietz”, Young Adult Novel, 2010.
Please Ignore Vera Dietz

14: JONATHAN FRANZEN: “Freedom”, Novel, 2010.
Freedom

13: SUSAN J. DOUGLAS: “Where the Girls are: Growing up Female with the Mass Media”, Cultural Studies, 1994.
Where the Girls Are: Growing Up Female with the Mass Media

12: KATHRYN STOCKETT: “The Help”, Novel, 2009.
The Help

11: DAVID MAZZUCCHELLI: “Asterios Polyp”, Graphic Novel, 2009.
Asterios Polyp

10: JENNY ERPENBECK: “Visitation”, Novel (German), 2008.
Visitation

09: JULIE ORRINGER: “The Invisible Bridge”, Holocaust Novel, 2010.
The Invisible Bridge

08: KEIKO TOBE: “With the Light: Raising an Autistic Child”, Self-help Manga, 2000-20010. (I wrote about it here, Link)
With the Light: Raising an Autistic Child (With the Light, #1)

07: WALLACE STEGNER: “Crossing to Safety”, Novel, 1987.
Crossing to Safety

06: DANIEL CLOWES: “Ghost World”, Graphic Novel, 1997.
Ghost World

05: EVAN S. CONNELL: “Mrs. Bridge” – Novel, 1959.
Mrs. Bridge

04: GARY SHTEYNGART: “Super Sad True Love Story” – Satire / Novel, 2010.
Super Sad True Love Story

03: AYN RAND: “Atlas Shrugged” – Novel / (pretty insane) Treaty, 1957.
Atlas Shrugged

02: TOVE JANSSON: “Summer Book” – Finnish Seaside Childhood Tale, 1972.
Sommerbuch.

01: GABRIEL BÁ, FABIO MOON: “Daytripper” – Graphic Novel, 2011.
Daytripper

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For a complete list of books I’ve read in 2011, please go here [Link].

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In comics, I’ve also enjoyed Ed Brubaker’s “Catwoman” books [Link], Bryan Q. Miller’s “Batgirl” [Link], large parts of Peter Tomasi’s “Green Lantern Corps” [Link], John Ostrander’s “Suicide Squad” [Link]

…and Kiyohiko Azuma’s amazing kid’s series “Yotsuba&!” [Link].

Have a good 2012! More to come!

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related Posts:

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