Disney Comics

„Avengers: Endgame“: Fragen, Kritik, Probleme

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Seit „Iron Man“ (2008) erzählen 22 Marvel-Kinofilme (und, eher nebensächlich: eine Handvoll TV-Serien, u.a. auf Netflix) eine große, oft zusammenhängende Geschichte. Viele der bekanntesten und/oder mächtigsten Helden (und, weniger: Heldinnen) sind Teil des Teams „The Avengers“.

Der Kinofilm „The Avengers“ (2012) bringt Figuren zusammen, die auch jeweils eigene Kinofilme hatten:

  • Captain America (bisher 3 Filme)
  • Iron Man (bisher 3 Filme)
  • Thor (bisher 3 Filme)
  • Hulk (ein nebensächlicher Film mit ganz anderer Besetzung)

…sowie Hawkeye (kriegt eine eigene TV-Serie) und, als anfangs einzige Frau, Black Widow (Kinofilm geplant).

Die meisten Verträge dieser sechs Schauspieler laufen 2019 aus.

Deshalb gab es, nach den Avengers-Filmen „The Avengers“ (12) und „Age of Ultron“ (15) jetzt, 2018 und 2019, einen Zweiteiler, der fast alle wichtigen Figuren aus den bisherigen 20 Filmen zusammen führt, im Kampf gegen den außerirdischen Thanos, der sechs mächtige Steine/Kristalle sucht und mit ihrer Macht die Hälfte des Lebens im gesamten Universum auslöschen will (…wegen Ressourcenknappheit, Überbevölkerung und den „Grenzen des Wachstums, es reicht nicht für alle“-Erfahrungen seiner Heimatwelt, Titan.)

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Im Film „Avengers: Infinity War“ (2018) sammelt er alle 6 Steine, schnippt mit den Fingern und löscht die Hälfte alles Lebens aus. „Infinity War“ war ein rasanter, recht einstiegsfreundlicher Non-Stop-Kampf, den ich gern sah & empfehle: Ein Film über die Vielfalt und die Schrullen, Kräfte, Eigenheiten und das Mit- und Gegeneinander der vielen, vielen in vorigen Filmen etablierten Marvel-Figuren. Man muss nicht alle Figuren kennen: „Infinity War“ zieht schnell rein und zeigt: „Das ‘Marvel Cinematic Universe’, MCU, ist farbenfroh, dramatisch und hat viel schönes Pathos.“

Die direkte Fortsetzung, „Avengers: Endgame“, wird so heiß erwartet, weil:

  • Hier alles zusammen laufen soll.
  • Vieles enden wird: Welche Schauspieler*innen steigen aus? Welche Held*innen verschwinden oder sterben?
  • Der Film im Vorfeld mit einem Staffel- oder Serienfinale verglichen wurde: ein 22teiliges, komplexes, extrem erfolgeiches Erzähluniversum will für viele Figuren einen wichtigen Schlusspunkt setzen.

7 der 21 erfolgreichsten Kinofilme seit 2010 sind MCU-Filme.

Auch „Endgame“ wird erfolgreich sein. Die Frage bei ALLEN aktuellen Marvel-Filmen aber ist: erfolgreich genug?

Sind die Filme…

  • einsteigerfeundlich? (Infinity War: ja! Endgame: auf keinen Fall.)
  • für sich alleinstehend gelungen? (Es geht: beide Filme sind sehr ‘in medias res’)
  • ein wichtiger Baustein der größeren MCU-Erzählung. (Besonders ‘Endgame’: Ja, und wie. Eine Belohnung für Fans: Je besser man sich an Details aus früheren Filmen erinnert und je näher man den Figuren steht, desto mitreißender, dichter und befriedigender ist dieser Film.)
  • zeitgemäß: Gibt es interessante Heldinnen, Figuren of Color, LGBTQ-Content usw.? (Nein. Heldin Black Widow hat eine große, Heldinnen Nebula und Gamora kleinere Rollen. Der Rest nur eine Handvoll Sätze und Momente; und ein sprechender Waschbär kriegt mehr Raum & Tiefe als alle Figuren of Color.)

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Das für mich Wichtigste und Schönste an „Endgame“ ist, dass (wussten wir vorher) das „Marvel Cinematic Universe“ nicht enden wird. „Endgame“ ist NUR emotionaler Höhepunkt und großes Finale für das Miteinander der sechs Original-Avengers: Zwei sterben den Heldentod, einer ist am Ende des Films durch eine Zeitreise verändert, die anderen drei könnten in zukünftigen „Avengers“-Filmen mühelos große Rollen spielen.

Das heißt auch: Nach 22 Filmen gibt es jetzt eine Art Machtvakuum: mehr Platz auf der Bühne. In den Comics passiert oft, dass eine Figur stirbt oder sich verändert und eine neue Figur die alte Heldenrolle übernimmt. Solche „Erben“ sind oft Frauen oder Figuren of Color, und „Endgame“ z.B. macht einen Schwarzen, Sam Wilson, zum offiziellen Nachfolger Captain Americas. (War auch in den Comic-Vorlagen so.)

Ich hatte gehofft, dass sich „Endgame“ mehr Zeit nimmt, solche Nachfolge-Figuren, „Legacy Characters“, zu positionieren: auch in den folgenden Jahren werden jährlich zwei bis drei Marvel-Kinofilme starten. Ob das Heldenteam „The Avengers“, bisher das Zentrum des MCU, weiter besteht, bleibt offen. Erstmal aber, wie gesagt: eine freiere Bühne.

Toll an „Endgame“ ist, dass die ganze Geschichte, das Mosaik aus 22 Filmen, ein wirklich stimmiges Finale bekommt: Das Experiment „Wollen Menschen die selben 40+ Figuren 12 Jahre lang in lose verknüpften Kinofilmen verfolgen: Lohnt sich das? Macht das Spaß?“ ist mit diesem Film, finde ich, tatsächlich voll geglückt.

Nur, wie gesagt: Während ich „Infinity War“ wirklich auch Neueinsteiger*innen empfehlen kann, weil man dort mit viel Tempo schräge Figuren, Duos und Kleingruppen kämpfen sieht (das macht auch noch Spaß, wenn man viele nicht kennt: Durch ihre Art, zu kämpfen und zu streiten, erklären sich diese Figuren recht gut)…

…ist der 3 Stunden lange „Endgame“ (u.a. durch eine ca. eine Stunde lange Zeitreise, in der u.a. Szenen aus den Filmen „Thor 2“, „The Avengers“ und „Captain America 2“ direkt zitiert und auf den Kopf gestellt werden; sowie durch viele Dialoge über früher, frühere Partnerschaften, verstorbene Familienmitglieder etc.) wirklich ein Film für Fans, ein Grande Finale, das man besser findet, je mehr andere, frühere Filme man kennt. Fragen wie „Wer ist wem wichtig, und warum?“ sind zentral, sowie „Was macht ein gutes Leben aus?“ und „Welche Sorte Bürger/Held will ich sein?“. Die Antworten, die Figuren jeweils wählen, erschließen sich VIEL besser, wenn man die Figuren schon möglichst gut kennt.

Wermutstropfen?

  • Einzelne Szenen (Kämpfe, Heldentode, Schlachten) sind klischeehaft und wurden schon in 10+ vorigen Marvel-Filmen ähnlich erzählt.
  • Die beiden erfolgreichsten und frischesten MCU-Figuren der letzten Jahre, Heldin Captain Marvel und König/Held Black Panther, spielen kaum eine Rolle.
  • Wie fast immer bei Marvel kriegen recht dümmliche und naive Figuren (hier: Ant-Man) viel Raum, tölpelhaft zu sein, im Stil von 80er-Jahre-Komödien. Unreife Jungs, erzählerisch langweilig. (In „Infinity War“ wars Peter Quill – der dort aber interessante Entscheidungen treffen musste. In „Endgame“ nimmt Ant-Man ermüdend viel Platz ein; auch Thor langweilt.)

Lange, akkurate Zusammenfassung (und interessante Kommentare): Link, Reddit

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01__Länge? 181 Minuten. Trotzdem keine Längen: gutes Tempo/Dichte, passt. („Titanic“: 195 Minuten).

02_“Okay. Hold on, don’t shoot“, die erste Dialogzeile im Film, bedeutet nichts Tieferes, oder?

03_Schade, dass das Mädchen, mit dem Hawkeye am Bogen trainiert, „nur“ seine Tochter ist – nicht, wie nach dem „Endgame“-Trailer viele hofften, Kate Bishop: Clints junge Nachfolgerin-dann-gleichberechtigte-Kollegin aus den „Hawkeye“-Comics.

04_“Endgame“ will als Abschluss verstanden werden: Wie das Ende (oder, mindestens: Staffel-Finale) einer Serie. Der Film setzt einen schönen (vorläufigen) Schlussakkord. Aber, wirklich: Es ist kein Ende des MCU. Kein Ende der Avengers. Nichtmal ein Ende für die sechs zentralen Figuren. Sonern einfach: ein Finale fürs Miteinander dieser 6 Leute. Das einzige, das wir vermutlich nie wieder sehen, in den nächsten 22 Filmen, sind Cap, Thor, Tony, Natasha, Bruce und Clint, zusammen, routiniert.

05_Ich mag, wie viele Dialoge es gibt… und wie tief sie schneiden, wie oft, viel und detailliert Figuren-Historie und Vorgeschichte Thema ist in diesem Film: Momente, die sich die Figuren in JAHREN Vorgeschichte, Vorbereitung verdienten.

06_Befreiend und überraschend, dass „Endgame“ nicht v.a. von Thanos handelt. Thanos war (in Sachen Screentime) Mittelpunkt und Hauptfigur von „Infinity War“ und hatte noch viel Raum für Wachstum, Tiefe. Schön aber, dass er „Endgame“ nicht dominiert.

07_Ich war in der Hamburger Pressevorführung (Dienstag, 23. April, 9 Uhr morgens): etwa 60 Journalist*innen, fast alle weiß, fast alle Männer zwischen 25 bis 40. Viele trugen Fan-Shirts, Fan-Rucksäcke etc. Ich bin immer traurig, wenn ich bei Heldenfilmen v.a Männer im Publikum sehe und einzwei Paare. Fühlen sich Frauen (zu Recht) nicht angesprochen/repräsentiert?

08_Mein Verdacht, vor „Endgame“: Dass es besonders um Tony & Steve gehen wird und, dass, falls beide sterben, die Tode verschieden genug sein müssen, dass sie sich nicht überschneiden. Ich dachte, einer stirbt (Cap?) und einer endet anderswo (im All, oder z.B. als A.I.). Dass Natasha stirbt, hätte ich nie erwartet.

09_Wer alle sieben Dragonballs findet, hat einen Wunsch frei. Ist er erfüllt, versteinern die Dragonballs, zerstreuen sich in alle Winde und müssen neu gefunden werden. Der grundlegende „Endgame“-Plot ist super-ähnlich: „Thanos hat geschnippt, jetzt müssen wir alle Steine neu finden, um selbst schnippen zu können.“

10_Guter Fan-Slang für „Thanos schnippt die Finger“ (snap) und lässt, wie beim Jüngsten Gericht (rapture) einen Teil der Lebenden verschwinden: „Snapture“!

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11_Auch im „Infinity Gauntlet“-Comic (1991) löscht Thanos die Hälfte alles Lebens aus… dort aber, weil er sich in den Tod persönlich verliebte (Tod = eine Gruftie-Diva, die Zeichner George Perez GENAU SO inszeniert wie Raven in den 80er-Jahre-“Teen Titans“-Comics, die er zuvor zeichnete). „Ressourcenknappheit“ wurde u.a. durch die „Die Grenzen des Wachstums“-Studie des „Club of Rome“ globales Thema: 1972. Obwohl „Kann das für alle reichen?“ also schon recht lange gefragt wird, finde ich das als Thanos’ Motivation zeitgemäßer und interessanter als „Ich liebe den Tod“.

12_Im Comic „Y: The Last Man“ sterben alle Männer (nein: alle Menschen mit Y-Chromosom, also die meisten cis Männer und trans Frauen) an einem Virus. Die Welt verändert das extrem. „The Leftovers“ (flauer Roman; doch TV-Serie mit euphorischen Kritiken) zeigt eine Welt, in der 2 Prozent der Weltbevölkerung plötzlich verschwanden. Auch dort ist alles grundsätzlich aus den Fugen.

13_Ich hätte SO gern eine Montage in „Endgame“ gesehen, die überraschende globale Folgen der „Snapture“ zeigt: soziale, biologische, kulturelle, religiöse. In der Comic-Vorlage verschwindet auch die Hälfte aller TIERE. Wie ändert das z.B. Viehzucht und Ökosysteme? [TV Tropes sagt, als Hulk schnippt, sieht Scott Lang Vögel: „The original snap got rid half of all life including animals, and Scott could see the restored birds coming down onto the tree.“]

14_Wer sind die unbestreitbaren Hauptfiguren dieses Films? Die ersten sechs Avengers. Es spricht *sehr* für das MCU und die vielen neueren Figuren, dass ich, als Thanos schnippte und immer mehr Figuren zu Staub zerfielen, dachte „Oha: Das hat ja echt auch sehr, sehr zentrale Figuren erwischt.“ Dass es die sechs zentralsten Figuren aussparte, fiel mir erst beim Listen-Durchsehen auf, später. Denn klar sind für mich Figuren wie Peter Parker, T’Challa und Stephen Strange super-zentral. Gute Arbeit!

15_Sympathisch, dass sich Tony und Nebula kurz nach Thanos‘ Schnippen die Zeit mit einem Spiel vertreiben, bei dem man… Spielfiguren schnippt!

16_Immer wieder klagt jemand, im MCU fehlen interessante Gegner/Villains. Das beinahe ERSTE, das wir im „Infinity Gauntlet“-Comic (1991) sehen, nachdem Thanos schnippte: Bösewicht Doctor Doom – gekränkt und wütend. Ich war mir sicher, dass „Endgame“ einen Avengers-Einsatz oder -Kampf zeigen würde, kurz nach dem Verschwinden der halben Menschheit… und einen Bösewicht, der das Machtvakuum zu einem „Power Grab“ nutzt. Stattdessen fällt mir nicht mal *ein* MCU-Bösewicht ein, der noch am Leben ist und eine Gefahr darstellt.

17_Ich bin 36 – und merke, wie absurd wichtig der Generation meiner Eltern Gartenarbeit, Gartenpflege, „Mein schöner Garten“-Abos etc. sind: Dass Thanos (mächtig, patriarchal, hält alle für unreif und unerfahren) sich auf „my Veranda“ zurückziehen will und sich auf ein Leben voller Gartenarbeit freut, passt hier, glaube ich, sehr gut: #altersfrage #generationenkonflikt

18_Doch dass Pepper Potts (Firmenchefin, Superheldin) Bücher übers Kompostieren liest, über die sich Tony lustig macht, nervt mich – so gut es auch zum Öko- und Achtsamkeits-Image von Schauspielerin Gwyneth Paltrow passt.

19_Heft 1 von „The Infinity Gauntlet“ fragt über Thanos: „Or will his fragile heart be his undoing?“ Ich war gespannt, welche Charakterschwäche oder Hybris Thanos zu Fall bringt. Doch bin froh, dass „Endgame“ die Zeit für anderes nutzt.

20_Ich dachte, sobald ich „Five Years Later“ las: Ich sehe jetzt einen Drei-Stunden-Film über Leerstellen, Verlust, Trauer. Stattdessen wurde der Zeitreise-Plot schnell zu einer schwungvollen, lockeren Zitate- und Easter-Egg-Suche für Fans. Schön, dass SO viele widersprüchliche Töne, Aspekte, Stimmungen ins MCU passen. Doch schade, wie brachial, plump und nervös Humor DAUERND als Gegengewicht oder Überzuckerung in MCU-Momenten auftaucht, die… gar keinen Humor/Zucker brauchen.

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21_Der Plot von „Endgame“? Thanos heute (später: Thanos von 2014) und die Avengers kämpfen um einen großen Reset-Knopf. Ich bin froh, wie behutsam dieser Knopf am Ende gedrückt wird und, dass fast alles, was in vorigen Filmen geschah, weiterhin so erinnert werden kann / noch in Continuity ist. [Die DC-Heftreihen versuchen 2011 etwas ähnliches, durch Flashs Zeitreise in „Flashpoint“. Das Ergebnis: Ich weiß bei heute von vielen DC-Lieblingsfiguren nicht, was weiterhin zu ihrer Vergangenheit gehört… und was sich geändert haben muss, doch nie genau neu auserzählt wurde. Uff!]

22_“Etwa 80 Prozent“ von „Thor 3“ wurden improvisiert. Auch in „Infinity War“ gab es Spider-Man-, Doctor-Strange- und Guardians-Momente, die mir improvisiert schienen. In „Endgame“ aber würde mich das überraschen: Fast alle Dialoge wirken zwingend, dringlich und so, als zählt die exakte Wortwahl. Kein spontaner oder verspielter Film!

23_In vielen MCU-Filmen nervt Product Placement. Dieses Mal fiel mir nur eins auf: Audi – plump und penetrant.

24_Der Film beginnt mit einem Rock-Klassiker, den ich nicht namentlich erkannte… und endet mit einem Swing-Standard (40er?), den ich nicht kenne. Googelt gern, ob die Songs tiefere Aussagen haben oder Subtexte aufmachen. Ich finde, allen MCU-Soundtracks und -Original Scores fehlt Charakter. Solide – und schnell vergessen.

25_Scott Lang beschreibt den Zeitreise-Plan als „Time Heist“. „Heist Movies“ sind z.B. die Gangster- und Ganoven-Klassiker, die „Ocean’s Eleven“ aufgriff: Filme, in denen ein Team einen komplexen Plan spinnt, etwas zu stehlen und alle zu täuschen. Ich sah die beiden „Ant-Man“-Filme noch nicht – doch auch sie werden als „Heist Movies“ beschrieben. Kennt man das Wort im Deutschen – oder sagen wir noch 20 Jahre lang „Sowas wie ‚Ocean’s Eleven'“?

26_Wir sehen durch Scott Langs Augen […viel zu wenig davon], wie Thanos’ Snapture die Welt änderte. TV-Pilotfilme haben oft eine neue oder außenstehende Figur, durch deren Augen man z.B. ein Polizeirevier, ein Milieu oder einen Freundeskreis kennen lernt. Als Newcomer und Viewpoint Character macht Lang zwar viele Szenen zu Beginn des Films einfacher… doch mich deprimiert, wie trottelhaft, übereifrig etc. er inszeniert wird: Ich muss nicht alle drei Szenen einen totalen Trottel sehen. (Wie gesagt: In „Infinity War“ war Peter Quill der eher-störende-als-witzige Ignorant. In „Endgame“ sind es Scott Lang und (schade!) Thor.)

27_Die „Star Trek“-Folge „The Trouble with Tribbles“ macht Spaß. Nachfolger „Deep Space Nine“ nahm sich fast 30 Jahre später das Filmmaterial und fügte die eigenen, neuen Figuren ein: Die DS9-Helden machten eine Zeitreise und mussten, parallel zur Handlung von „Trouble with Tribbles“, ein eigenes Problem lösen – ohne, aufzufallen oder die Vergangenheit zu beeinflussen. Ich liebe die Folge und das Konzept. Doch dass ich aus „Infinity War“ (allergrößte Oper, Pathos!) zu „Scott Lang & Kumpels spielen ‘Trials and Tribble-ations’ mit alten, vorigen MCU-Filmen“ …schlitterte ist für mich… doch: ein Schlittern. Kein „Wow! Diese Filmreihe weiß, was sie tut!“

28_[Produzent] Kevin Feige mentioned that the Grand Finale of Star Trek: The Next Generation („All Good Things…“), which prominently featured characters jumping through time, was a key influence on „Endgame“. [Quelle]

29_Ich glaube jetzt, nach „Endgame“, alle MCU-Regisseure etc. verstehen Tony Stark als Hauptfigur des gesamten MCU. Kann man so sehen – doch dann hätte mir weitere „Iron Man“-Filme nach 2013 gewünscht: Tony redet zwar viel. Doch gewann für mich in den letzten Filmen, besonders in „Ultron“ und „Civil War“,nicht genug weitere Tiefe.

30_Spannend, wie dieser Artikel [Link] über die schrägen/interessanten/überraschenden Duos, Trios, Gruppen in „Infinity War“ direkt sagt: „Doctor Strange wird neben Tony gesetzt, damit TONY sich als Figur entwickelt.“ Ich halte Tony für so klar, konturiert, dass ich die Szenen nicht als Tonys Szenen las. Sondern als: ‚Schaut. Hier erklären wir, warum Stephen Strange kein bloßer Tony-Abklatsch ist.“

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31_Weil das MCU offenbar viele witzige Trottel braucht, doch fast jeder MCU-Einzelfilm so wenige Frauenrollen hat, dass eine Trottel-FRAU als frauenfeindliches Klischee verstanden würde, sind die MCU-Frauen generell VIEL kompetenter und weiser als die MCU-Männer. Das heißt auch: Fast jede Szene in „Endgame“, in der ein Mann länger mit einer Frau spricht, zeigt mir einen schönen „Yeah! Mit SO einer deutlich schlaueren Frau wäre ich auch gern befreundet!“-Moment. Frigga und The Ancient One (Tilda Swinton) kommen deutlich schlauer rüber als ihre männlichen Dialogpartner. Nur Clint und Natasha sind, finde ich, auf Augenhöhe.

32_Meine Mutter sah nur „Iron Man 3“ und „Black Panther“. Sie mochte beide Filme… und sagte über die Gespräche zwischen Tony und Pepper, sie hätte sich alles viel martialischer vorgestellt. „Aber dass du Figuren magst, die SOLCHE tollen Gespräche führen. Das passt ja doch!“ Ich glaube, sie würde gern ne Serie sehen, in der sich Tilda Swinton und Mark Ruffalo 8 Stunden unterhalten. Schön, dass sowas zwischen all den Knalleffekten Raum kriegt, in „Endgame“.

33_Trotzdem hatte Bruce Banner (Hulk) im Film wenig zu tun und, im Rückblick, seit „Age of Ultron“ auch keinen richtigen Arc / Charakterbogen: Ich hätte gern gesehen, wie (genau, konkret!) Bruce es schafft, mit Hulk auf einen… grünen Zweig zu kommen.

34_Fans rätseln noch, ob die kurzen Szenen mit Jane Foster neu gefilmt wurden… oder Material aus dem „Thor 2“-Dreh sind. Natalie Portman (Jane) hatte keine Lust mehr, in weiteren Filmen mitzuspielen, als Regisseurin Patty Jenkins (später: „Wonder Woman“) aus „Thor 2“ ausstieg.

35_Mir ist Jane Foster wichtig, weil sie in den Comics Thors Hammer übernimmt für einige Jahre: Wie toll wären „Thor“-Filme mit Portman als Mittelpunkt?

36_Ich denke oft: Als TV-Serie(n), mit 10+ Stunden Figuren- und Dialogzeit pro Jahr, hätte ich mehr Spaß mit dem MCU. Über eine Figur wie Sharon Carter – die ich bisher in drei Filmen zusammengenommen ca. 11 Minuten sah – weiß ich im Grunde nichts. Besonders, sobald ich Wissen, das ich nur durch ihre Comic-Vorlage habe, ausklammere: WER ist Bucky? Für mich sind das Chiffren, Phantome, fast leere Flächen, die sich oft auch von Film zu Film extrem ändern. Wie kann man Fan einer solchen… Skizze, Vorläufigkeit sein? Ich sah „Ultron“ erst vor Kurzem. Davor wusste ich nichts darüber, dass Bruce und Natasha (die ich beide in späteren Filmen oft sah) über ein gemeinsames Leben nachdachten. Oder, wer Natasha eigentlich tiefer ist, sein will, früher war.

37_“Ultron“ erklärte, dass alle Agentinnen/Assassins, die wie Black Widow im „Red Room“ ausgebildet wurden, sterilisiert wurden. Für Clints Familie war Black Widow „Tante Natasha“, und dass ihr Clints‘ Verlust nahe geht, ist in „Endgame“ deutlich. Schade aber, dass sie zwar SAGT, sie gehe im Job auf (und: ihr Job sei ihre Familie), doch fünf Jahre lang weder a) Clints Alleingänge aufhalten kann noch b) besonders effizient und beherzt und „Ich habe einen Plan, wie alles gut wird“ rüber kommt. Die mutigen Pläne schmieden die Männer. Natasha heult, allein am Schreibtisch.

38_Die freudlose, langweilige, brutale und optisch klischeehafte Szene in Tokyo, in der Clint einen Yakuza-Gangster tötet, nervt mich besonders, weil Natasha offenbar eingreifen und den Tod hätte verhindern können. Mein Lieblingsheld ist Superman („No one dies today“), auch vor Batmans „Ich nutze keine Schusswaffen“ habe ich großen Respekt. Wie leichtfertig Held*innen im MCU DAUERND töten, macht mich müde und stößt mich ab.

39_Als Hawkeye in den Comics stirbt, taucht später eine Vigilanten-Figur auf: Ronin. Lange steht in Frage, ob Hawkeye Ronin ist (jein). Ich finde anstrengend, wie schnell Fans bei „Endgame“ schreiben: „Hawkeye ist jetzt Ronin“ oder „Statt Hawkeye geht es jetzt um Ronin“ – weil Clint für zwei (?) Szenen mehr Vigilant, Einzelkämpfer, Mörder ist als Held, und sein aktuelles MCU-Kostüm dem Ronin-Kostüm der Comics ähnlich wird.

40_Der dystopische (mittelprächtige, aber sehr beliebte) Comic „Old Man Logan“ zeigt Wolverine als alten Mann in einer postapokalyptischen „Mad Max“-Zukunft. Hawkeye wird, ebenso gealtert, zum besten Freund. 2019 startete die Comicreihe „Old Man Hawkeye“. Sie hat überraschend gute Kritiken. Jetzt, nach Jeremy Renners Leistung in „Endgame“, habe ich zum ersten Mal Lust auf das Konzept.

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41_Dass ich, obwohl ich jeweils alle Filme beider Figuren sah, nicht sagen könnte, was Falcon und Rhodey charakterlich unterscheidet, ist ein RIESENproblem.

42_Jemand (Black Widow, in der Erdnussbutter-Sandwich-Szene?) liest J.G. Ballards SciFi-Kurzgeschichtensammlung „Terminal Beach“ (1964). Als Carol in „Captain Marvel“ bei Blockbuster die VHS zum Astronauten-Drama „The Right Stuff“ musterte, passte das gut. Ob „Endgame“ Parallelen hat zu Ballards Geschichten, weiß ich nicht.

43_Was tat Carol / Captain Marvel im All? Sich um zahllose Welten kümmern, die, als die Hälfte ihrer Bevölkerung verschwindet, “die selben Probleme haben wie wir auf der Erde“. Eine einzige und recht nichtsagende Zeile, die a) nicht erklärt, warum sie von 1995 bis jetzt nie zurück zur Erde kam und b) besser funktionieren würde, wenn „Endgame“ zeigen würde, WELCHE Probleme eine Erde hat, der die halbe Bevölkerung fehlt: In Scott Langs Nachbarschaft sind viele Häuser zugewachsen und Mülltüten stapeln sich am Straßenrand. Das ist alles?

44_Auch, warum Carol nicht sichtbar altert, wird in „Endgame“ nicht klar. Oder, was aus den Skrulls wurde.

45_2007 übersprangen alle DC-Heftreihen ein Jahr: „One Year Later“. Umzüge, neue Heldennamen, Schwangerschaften, ein veränderter Status Quo für alle. Die Aktion war durchwachsen – weil viele Veränderungen Monat für Monat erzählt spannender gewesen wären statt des plötzlichen „Schaut! ALLES ist anders.“ Das „Wie wurde es anders?“ wurde oft nur angerissen. „Five Years Later“ wirft diese Probleme fünf Mal so schlimm auf, in einem Film, der noch siebzehn andere Dinge erzählen will. Mir gibt der Sprung nichts, und mich gruselt davor, was er z.B. für den nächsten „Spider-Man“-Film, „Far from Home“ bedeutet: Hat Peter Parker, als Opfer Thanos’, tatsächlich grade fünf Jahre verloren? Sind viele seiner Bezugspersonen und Mitschüler*innen jetzt fünf Jahre älter und dachten, sie sähen Peter nie wieder?

46_Verstehe ich das richtig? Durch Hulks Snap sind alle durch Thanos verschwundenen Lebewesen wieder genau dort, wo sie vor fünf Jahren waren? Was ist mit den zurückgelassenen Menschen, die seitdem z.B. neu geheiratet haben? (Aber: Zivilist*innen, einfache Menschen sind im MCU eh egal meistens: Alles wird anhand von Held*innen und ihrer nahsten Umwelt erzählt.)

47_Was ist mit Leuten, die verstarben, als/weil plötzlich die halbe Weltbevölkerung fehlte, z.B. durch Flugzeugabstürze? Die snappte Hulk nicht zurück, und auch nicht Leute, die im Lauf der letzten fünf Jahre starben, mittendrin?

48_Alle Netflix-Serien mit Marvel-Figuren wurden 2019 plötzlich beendet oder abgesetzt. Ich hoffe, z.B. „Jessica Jones“ erhält eine zweite Chance auf der neuen Plattform Disney+; doch nach „Endgame“ verstehe ich besser, wie paradox Alltag im MCU plötzlich wurde, durch diesen „Die Welt drehte sich fünf Jahre lang weiter und die Hälfte der Menschheit lebte dort; doch die andere Hälfte kehrt JETZT zurück und ist auf dem Stand von vor fünf Jahren“-Sprung: Was heißt das für Serien, die weiter produziert werden, „Cloak & Dagger“, „Agents of SHIELD“, „Runaways“?

49_Ich verstehe nicht, wie Thor auf Zeitreise 2013 den Hammer rufen und mit in die Gegenwart nehmen kann, ohne, damit alles zu ändern.

50_Gut, dass Loki den Tesserakt in der neuen Timeline 2014 nicht sofort nutzte. Gut, dass Hydra in der neuen Timelin 2014 nicht mehr Ärger machte etc.: Ich bin nicht sicher, ob ich die Regeln für Zeitreisen im MCU verstehe – doch ich glaube, wenn man sie versteht, wie man sie verstehen soll, kuckt man auf die Zeitreise-Szenen und denkt „Alles egal. Hauptsache, die Zeitreisenden sterben nicht. Sonst ist alles erlaubt, und nichts hat Konsequenzen.“ Verstehe ich das richtig?

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51_Verstehe ich das richtig: Captain America hat die Infinity-Steine *und* Mjölnir zurück in die Vergangenheit gebracht? Thor hat nach „Endgame“ erneut keinen Hammer mehr? [Edit: TV Tropes sagt „ja“: „Mjolnir is on the time platform when Cap returns the stones, so he presumably took that back to Asgard too and restored the original history.“]

52_Reddit-User*innen, genervt: „They state that time travel doesn’t work like Back to the Future. Killing your past self doesn’t make your future self disappear. It’s all a stable time loop where this is what always happened.“ Heißt das, eine Reise in die Vergangenheit hat KEINE Konsequenzen?

53_Tonys höchstens fünfjährige Tochter sagt “I love you 3000“ [deutsche Synchro: „Ich liebe dich mal 3000“] – und ich rechne damit, dass das Nerdspeak für „Ich liebe dich sehr“ wird. Ich denke auch an Dragonballs [His power rank is] „Over 9000“: Menschen benutzen „Over 9000“ für „Ich reagiere übertrieben auf einen übertrieben hohen Wert“.

54_Schön, dass Tony Peter Parker mag. Bitter und klug, dass Tony glaubt, zwischen seiner leiblichen Tochter und „Ziehsohn“ (will er das nur? Oder sind sie echt schon so eng?) Peter wählen zu müssen. Schade, wie sich der Film da rausmogelt am Ende.

54_Ich sah „Spider Man: Homecoming“ noch nicht und sah deshalb die Begeisterung zwischen Tony und Peter bisher nur in „Civil War“ und „Infinity War“ (Stehen sich Tony und Tante May in „Homecoming“ nahe? Auf Tonys Beerdigung steht sie SEHR weit vorne). Wer Tonys Miteinander & Ton hier mag: „Squirrel Girl“ von Ryan North, besonders den aktuellen Sammelband 10, „Life is too short, Squirrel“. Große Empfehlung!

55_Bucky hat fast nichts zu tun im Film. Falcon auch. Loki bleibt vorerst tot. Ich bin erleichtert, zu wissen, dass es bald TV-Serien über diese Figuren geben wird. Wäre das, was „Endgame“ mit ihnen tut, alles für die nächsten Jahre… wärs viel zu wenig.

56_Figuren, die in „Endgame“ starben, BEVOR Thanos die Finger schnippte, bleiben tot. Das gilt für Loki und The Vision. Für beide aber sind TV-Serien geplant. Auch ein „Black Widow“-Film ist in Vorbereitung.

57_Dass Gamora zwar weiter im MCU bleibt, doch in ihrer 2014er-Version, und ihr (sehr bewegender) Tod in „Endgame“ nicht rückgängig gemacht wird, gefällt mir.

58_Wütende Fans auf Reddit, über z.B. Natashas Tod: „There’s just so much here that just seems so disrespectful to soo many characters in this entire franchise.“ Ich mag die meisten Figuren, doch ich LIEBE keine einzige und bin nicht besonders… protective. Schön, dass Hawkeye nochmal deutlich Raum kriegte. Schön, dass Pepper überhaupt vorkam. Schön, dass Wanda nie „irre“ oder „hysterisch“ gezeichnet wird. „Disrespectful“ fand ich nichts.

59_Verständlich, dass Sam Wilson, als er Caps Schild hält, sagt: „It feels like it belongs to someone else.“ Gut, dass Steve sofort widerspricht. Schade, dass trotzdem viele rassistische Fanboys sagen werden: „Nö, es gibt nur EINEN wahren Captain America“. Es ist, glaube ich, echt einfach egal, wie sehr man eine Figur, die kein weißer cis Mann ist, als kompetent und legitim beschreibt: Im halben Netz wird stehen, die Figur sei falsch, aufgepropft, unnötig.

60_Ich weiß nicht, wie lange politisch „neutrale“ Filme wie „Endgame“ noch darin funktionieren werden, Rechte UND Progressive anzusprechen: „Star Wars“ ist seit dem (progressiven, tollen) „The Last Jedi“ so umkämpft, dass Rechte und Comicgate-Männerrechtler sagen: „Das ist nicht mehr mein ‘Star Wars’“. „Endgame“ hat keine großen Momente, die Rechte als „Pandering“ und „linkgsgrünversifft“ und „Mary-Sue-haft“ und „Feminist Agenda-driven“ beschimpfen können: Es ist kein feministischer oder progressiver Film – doch eben auch kein aggressiv reaktionärer. Vielleicht werden in fünf Jahren Menschen sagen: „Nein. Entscheidet euch! Ich will konservative Figuren und deutliche Messages gegen Feminismus.“ bzw.: „Gähn. Keine Queerness, wenig Vielfalt, Frauen sind unterrepräsentiert. Ich bin raus!“

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61_Vor der „Endgame“-Premiere stand die Frage im Raum, ob „Endgame“ z.B. die „Young Avengers“ einführt: Scott Langs Tochter, Loki als wiedergeborener Teen, Prodigy als Schüler aus/in Wakanda, Kate Bishop als Hawkeyes Nachfolgerin. Tatsächlich kommen in „Endgame“ zwar Teenager vor. Eine große „Schaut: Dieses heroische Mädchen, das zweimal durchs Bild läuft, heißt übrigens Kamala Khan“ etc.-Szene fehlt.

62_Der Film besteht den Bechdel-Test: Black Widow spricht kurz mit Okoye. Gamora und Nebula haben mehrere Dialoge. Doch in fast jeder Szene sind Männer in der Überzahl oder unter sich. Captain Marvel hat mit niemandem besonders tiefe oder interessante Gespräche; Maria Hill kommt fast nicht vor; falls Sharon Carter vorkam, erkannte ich sie nicht.

63_Im Endkampf stehen acht, zehn Heldinnen zufällig im selben Bereich des Schlachtfelds: ein Kamerabild, das als Poster und .gif hervorragend funktionieren wird. Als Momentaufnahme während des Kampfs, erzählerisch, ergibt dieses Frauen-Tableau keinen Sinn. Doch ich glaube, darum ging’s auch nie. Sondern um ein „Seht her! Auch ohne Black Widow STROTZT das MCU vor Frauen.“ Das stimmt halbwegs. Nur haben all diese Frauen immer noch zu wenig zu tun, zu wenig zu sagen, zu wenig Tiefe.

64_“Gozie Agbo“ ist das Pseudonym von Joe Russo, Co-Regisseur des Films. Er hat eine kleine Szene im Film als trauernder Mann in Caps Selbsthilfegruppe. Ich bin gesichtsblind und dachte erst: „Ah, das ist Mark Ruffalo.“

65_Die Szene ist wichtig, weil sie, glaube ich, das erste Mal in den MCU-Filmen (…anders als in den Netflix-Serien) Queerness direkt thematisiert: Hörte ich richtig, sagt der trauernde Mann, dass er ein Date hatte zum ersten Mal seit der Snapture und verwendet für den Date-Partner das Pronomen „he“. [Mit Pech verhörte ich mich, und er sagte nicht sowas wie „After years, I finally saw a date“ sondern „After years, I finally saw my DAD.“ aber… nein. Es ging doch um Dates?!]

66_Die Szene lässt sich leicht rausschneiden oder neu synchronisieren: Man müsste „er“ nur durch „sie“ ersetzen. Ich bin gespannt, in welchen Ländern die Szene bleibt, wie sie ist.

67_Valkyrie ist offiziell bisexuell – eine entsprechende Szene wurde aus „Thor 3“ gestrichen. Ihre Szenen in „Endgame“ verraten nichts über ihre Sexualität. Das selbe gilt für Drax und Mantis. Produzent Kevin Feige sagt, dass a) es bereits jetzt queere Figuren im MCU gibt (…Loki auch?), b) in kommenden Filmen neue folgen werden.

68_Hawkeye ist weiterhin (wie in „Ultron“ und „Civil War“) Mentor / Bezugsperson für Scarlet Witch, und fragt sich am Ende des Films, ob Natasha [trotz ihres Todes] wohl weiß, dass die Avengers gewonnen haben. Scarlet Witch: „She knows. They both know.“ Ich musste fast weinen, weil ich dachte: Wie schön, respetkvoll und stimmig, dass Scarlet Witch an ihren Zwillingsbruder denkt, Quicksilver. Nach ein paar Stunden aber dachte ich: Was, wenn sie Vision meint, ihren Liebhaber? Beides würde passen – doch diesen Satz SO offen und vage zu lassen, dass unklar ist, wen sie meint, halte ich für lieblos – und damit das Gegenteil dieser „Wie schön! Tote Figuren werden erinnert!“-Absicht: I honestly can’t tell if she means Vision or Pietro.

69_Immer wieder zeigen Marvel-Filme, wie Hauptfiguren den Abwasch machen. Auch hier wieder (Tony, bei sich daheim). Mich ärgert, wie gleich alle „Hier ist unser schönes Zuhause“-Landhäuser in „Ultron“ (Hawkeye), „Captain Marvel“ (Maria Rambeau) und „Infinity War“ (Tony) ausehen. Und mich ärgert, wie undurchdacht der Film erst Clints Idylle zerstört, dann Tony eine viel zu ähnliche Idylle gibt. (Ich verstehe die Spiegelung. Doch sie bleibt flach/einfältig.)

70_Viel Rocket Raccoon. Wenig Okoye, Black Panther, Carol Danvers. Doctor Strange und Peter Parker haben zwar einige Momente – die aber nichts verraten/zeigen, das nicht „Infinity War“ bereits besser erzählte. Auch Peter Quinn tut und sagt das selbe wie in „Infinity War“, nur gekürzt/weniger.

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71_Thor sagt Valkyrie, sie sei bereit, New Asgard anzuführen. Ich mag die Figur durch „Thor 3“ und freue mich, dass Thor viel von ihr hält. Doch dass sie fünf Jahre lang nur in Norwegen saß und zusah, wie sich Thor betrinkt, spricht nicht für sie. Und: Nicht für einen Film, der in 5 Jahren erzählter Zeit praktisch *nichts* von Belang mit dem Großteil seiner Figuren wagt, durchdenkt, zeigt. Zum Vergleich: Was geschah in den fünf Jahren zwischen 2012 und 2017, im MCU?

72_Ich verstehe, dass Fans von „Thor 3“ wütend auf den Start von „Infinity War“ sind: In „Alien 2“ tut Ripley alles, um ein Kind zu retten. Für „Alien 3“ wird das Kind schnell getötet/weg gewischt, um einen neuen Plot in Fahrt zu bringen. Reddit: „Half of Thor’s people die in Infinity War even though Thor Ragnarok said Asgard was about the people“.

73_Ich sah „Thor 3“ auf Deutsch, und war hingerissen von Korg. Auch, weil mich die Figur an einen lapidaren, gutmütigen Obdachlosen/Sidekick in einer Soap, die ich mag, erinnert: Hotte in „Alles oder nichts“. Dass Korg mich aber SO kriegt und SO nah an Hotte kommt, lag am deutschen Synchronsprecher: Im Original ist die Figur… good. Not great.

74_“Thor 3“ zeigte, wie witzig Chris Hemsworth sein kann. Dass „Endgame“ noch einen drauf setzt, tut der Figur nicht gut: Ich bin großer Fan von Jason Aarons „Thor“-Comics. Dort ist er trinkfreudig, selbstbezogen, oft naiv. Doch das Inkompetenz-, Big-Lebowski- und Homer-Simpson-Level in „Endgame“ deprimiert mich.

75_Schön aber, dass Thor trotzdem das lange und wichtigste (im Sinne von: Hier wird, glaube ich, ein Leitgedanke des ganzen MCUs klar benannt) Gespräch im Film hatte, mit seiner Mutter Frigga hatte: noch ein Moment, in dem ich fast weinte.

76_Frigga: „Everyone fails at who they are supposed to be.“ Wichtiger deshalb, als Held und Mann: „Suceed at who you are!“ [Vielleicht heißt das bei Comic-Verfilmungen und Adaptionen generell auch: Macht EUER Ding möglichst gut und konsequent. Filmfiguren sind nie das, was Fans der ursprünglichen Comics erhofften.]

77_In „Infinity War“ verliert Peter Quill die Nerven vor Thanos (Inkompetenz und ein taktischer Fehler; andererseits aber etwas, das für Doctor Strange passieren MUSS, damit die Timeline/Wahrscheinlichkeiten stimmen und alle das „Endgame“ erreichen). In „Endgame“ köpft Thor Thanos, bevor die anderen Figuren ihm wichtige Fragen stellen können. Mit beiden Momenten kann ich gut leben: Ich hasse Fans, die einen kurzen Moment jahrelang einer Figur (oft: einer Frau/Heldin) zum Vorwurf machen. Tony trägt Verantwortung für Ultron… und niemand nimmt es ihm RICHTIG übel. Für mich sind Ausraster und Affekthandlungen verzeihbar, und ich will keine Filmserien sehen, die ihren Held*innen Wut, Mitleid, Irrationales NICHT verzeiht.

78_Tonsberg (jetzt: New Asgard) ist ein realer Ort in Norwegen – doch viel größer, städtischer. Weil im Abspann Island als Drehort genannt wird, denke ich, es gibt keinen eins-zu-eins Ort in Norwegen.

79_Was wurde aus den norwegischen Einwohnern Tonsbergs? Sind die einfach noch da, neben den Asgardianer*innen, gleichberechtigt? Ich denke an die „Thor“-Comics, in denen Asgard eine Weile bei Broxton, Oklahoma liegt… und an „The Last Jedi“: Wo Luke ähnlich stoisch und unrasiert vor ähnlichen Natursteinwänden Trübsal bläst. (Schade, dass Thor nichts und niemanden molk: Leute wären SO sauer gewesen.)

80_Gibt es die „Peter Quill hört Walkman und tritt kleine Kröten“-Szene auch in den Guardian-Filmen [Twitter: „Ja. Die Starlord Walkman-Kröten-Szene ist die erste Einstellung ziemlich am Anfang von „Guardians of the Galaxy“ in der man Peter Quill als Erwachsenen sieht.]? Szenen (oft mit Gesangs- und Musikeinlagen), die absurd und beliebig wirken, aus der Handlung fallen und gekürzt werden könnten, heißen im TV Tropes „Big-Lipped Alligator Moment“. Für mich sind die kleinen Echsen eine gute Mischung aus „Jurassic World“-Verweis und „Alligator Moment“.

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81_Ca. 2010 merkte ich, dass Leute, oft jünger als ich, Shirts und Poster von möglichst bunten, oft lila-stichigen Spiralnebeln und Sternenfeldern feiern. Bunter Galaxy-Kitsch. Ich bin kein Fan der Ästhethik – doch finde (auch durch Thanos’ lila Haut), besonders „Infinity War“ perfekt für… spacekitsch-verliebte Millennials.

82_Eine Lichtstimmung, die mich in „Endgame“ nervte: Die Chiaroscuro-Ästhethik (Wolken, Schatten, Cap in der Lichtsäule etc.) während der letzten Schlacht. Ich denke an Superman im DCU, der oft in solchen Bildern inszeniert wird. Und an ein Flashback in „Thor 3“, der das Ende der Walküren zeigt. Dass in „Infinity War“ eine lange, wichtige Sequenz (inklusive Walküren-Pegasus!) in einer so künstlichen Stilisierung gezeigt wird, wirkt auf mich videospielhaft, billig. Ich mag das MCU am meisten, wenn (ähnlich wie bei James Bond) drei, vier Metropolen oder Landschaften stimmungsvoll, aber realistisch einen ganzen Film tragen.

83_Atlanta, Georgie ist Drehort zunehmend vieler MCU-Filme. Manchmal passt dieser Look gut („Captain Marvel“), manchmal wirkt alles arg künstlich („Black Panther“). „Endgame“ zeigt wenig von der realen Welt und Landschaft: eine Klischee-Szene in einer Tokyo-Klischeekulisse. Ich liebe Sokovia aus „Ultron“: gedreht in Norditalien (Aosta). MCU-Filme, die das nutzen („Doctor Strange“) überzeugen mich oft mehr als Georgia-Computer-Orgien.

84_Die beliebteste Szene aus „Winter Soldier“ zeigt, wie Steve gegen eine Überzahl aus Shield/Hydra-Agenten kämpft, im Lift des Triskelion. Schön, wie originell und witzig „Endgame“ eine ähnliche Szene aufbaut… und dann auf den Kopf stellt.

85_Toll, dass Robert Redford (Bösewicht in „Winter Soldier“) eine kurze Szene hat. Doch Michelle Pfeiffer z.B. erkannte ich nichtmal. Und: war die Schwarze SHIELD-Mitarbeiterin 1970 eine Figur oder Schauspielerin, die ich kennen sollte? [Edit: Yvette Nicole Brown aus u.a. „Community“]

86_„Captain Marvel“ zeigte Samuel L. Jackson – 25 Jahre jünger. In „Endgame“ taucht Michael Douglas kurz auf – als Hank Pym, 1970. Ich bin gespannt, wann wir die ersten komplett neuen Filme sehen werden mit digitalen oder digital verjüngten Schauspieler*innen, die z.B. bereits gestorben sind.

87_Eine kurze Sequenz aus „Captain America“, bei der Steve in Jogginghose auf einen Boxsack schlägt, von hinten gefilmt, ging viral – weil viele Leute Chris Evans’ Hintern scharf fanden. Die erste „Endgame“-Szene mit Steve zeigt ihn sofort in Jogginghose, und ich dachte „Mal sehen, ob die Kamera die Hose in den Fokus nimmt.“ Sie tat es nicht (Überraschung!), doch kurz darauf begann ein Running Gag, der sich dazu steigerte, dass mehrere Leute UND Steve über den Hintern sagten: „That is America’s Ass.“ THAT escalated quickly!

88_Nebula (2019) hätte wissen müssen, dass sie verlinkt ist – und Nebula (2014) spüren wird, dass sich eine zweite Nebula in ihrer Zeit aufhält.

89_Ein solider Comic mit physikalisch absurdem Planet-stürzt-in-schwarzes-Loch-Plot, doch viel Gamora und etwas Nebula, den Fans der Filmfiguren mögen werden: „Gamora: Memento Mori“ (6 Hefte, 2016. Autorin: Nicole Perlman). 3 von 5 Sternen.

90_Ein Wortspiel… doch seit 2018 auch eine ernst gemeinte Marvel-Heftreihe: „Asgardians of the Galaxy“. Ich frage mich, ob a) Chris Hemsworth in „Guardians of the Galaxy 3“ einfach Teil des Teams ist (…und ob das okay ist für nen Schauspieler, der bisher immer Top Billing hatte / auf dem Kinoplakat der eindeutige Star war in den „Thor“-Filmen); b) dieses Wortspiel irgendwo fällt im MCU.

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91_Mark Zuckerberg, Elon Musk, Jeff Bezos… es gibt SO viele arrogante „Disruptors“, die glauben, mit ihren Millionen die Welt verändern zu können – ohne, die Folgen durchzudenken oder um Erlaubnis zu fragen. Dass Tony sagt, er wollt „a Suit of Armor around the World“ bauen, aber Menschen heulten, weil das ihre „precious freedom“ gefährde, finde ich… a) tagesaktuell superwichtig und passend, b) toll in Character und der Grund, warum ich gern noch jahrelang gesehen hätte, wie Tony länger, härter, tiefer in Frage gestellt wird.

92_Eine Hauptfigur nennt SHIELD in „Endgame“ „quasi-fascist intelligence Organiziation“? Wunderbar, danke. Ich denke das seit Jahren – und kann deshalb Figuren wie Nick Fury, Captain America und Black Widow nicht abfeiern. Die MCU-Filme sind oft krass militaristisch – und dass es SHIELD gibt, ist ein Problem. Keine Lösung.

93_Ich kann mit „Winter Soldier“ leben. Doch v.a. „Civil War“ enttäuschte mich: Ich habe nicht den Eindruck, dass die „Freiheit vs. Sicherheit“-Debatten, die Steve und Tony führen, tatsächlich durchdacht sind. Und: Am Ende von 22 Filmen mal kurz „faschistoid“ sagen reicht halt nicht, um meine… Verachtung dafür wegzuspülen, wie kritiklos alle Held*innen immer wieder auf Militär, Überwachung, Helicarrier, Lenkraketen und Gegner-Erschießen setzen.

94_Ich habe keine Ahnung, ob die Person im Smoking auf Tonys Trauerfeier, die hinter dem Wakanda-Trio steht, Maria Hill ist… oder Harvey Keener (der Junge aus „Iron Man 3“).

95_Wonder Woman, Batman und Superman gelten als DCs „Trinity“. Im selben Stil kämpfen im „Endgame“-Finale Thor, Cap und Tony gegen Thanos. Auch, dass Cap worthy ist, Thors Hammer zu heben (Tony nicht, zeigte „Age of Ultron“), lese ich als „Schaut: Die sind sich ebenbürtig und allererste Liga“-Signal. Bezeichnend aber, dass diese Trinity nur aus Männern besteht.

96_Mal sehen, ob das „angeknabberte“ [von Thanos’ Schwert zerteilte] Vibranium-Schild nochmal in Comics oder in Fan-Art als Symbol für „Amerika hat ein Problem“ oder „Die besten Zeiten sind vorbei“ verwendet wird.

97_In „Endgame“ hat Stan Lee ein letztes Cameo: ein hippyesker Playboy in einem Straßenkreuzer, 1970 auf dem Highway, der sich Liebe statt Krieg wünscht. Nicht furchtbar – doch auch nicht besonders clever oder markant.

98_Stan Lee spielt in all diesen Filmen die selbe Figur: einen außerirdischen „Watcher“, der sich als Erdenmensch tarnt und die Held*innen beobachtet. Ich hätte mir gewünscht, dass „Endgame“ das on-screen zum Thema macht und nochmal sagt: „DAS hier tat ‘Stan Lee’ als MCU-Figur, DAS war seine Mission.“ (Vielleicht gibts ab MCU-Film Nr. 23 jetzt Cameos von… Robert Downey jr.?)

99_Es gibt keine Post-Credit-Scene.

.Endgame 13

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Helden-Kino als Sackgasse

Wäre dies das Ende: alles wäre schlimm. Marvels „Endgame“ ist eine TV-Soap im Kino.

Wer einer Seifenoper, einer Wrestling-Liga oder Superheldencomics über Jahre treu bleibt, will meist nicht wegen der Handlung, den tagesaktuellen Wendungen immer mehr. Sondern der Figuren wegen: Nach 22 Marvel-Kinofilmen seit 2008 mit über 40 wichtigen, immer wiederkehrenden Heldinnen und Helden wird jeder, der zwei, drei Filme sah, erklären können, warum er persönlich Lust hat, einen vierten, fünften, zwanzigsten zu sehen:

Weil Tony Stark (Iron Man) kluge Fragen stellt zu Freiheit, Sicherheit, Disruption? Weil mit Black Panther und Captain Marvel endlich auch Frauen und Menschen of Color in einzelnen Filmen die größte Haupt- und Titelrolle spielen? Oder doch, weil viele Figuren Potenzial haben – das noch nicht eingelöst wurde, und jeder weitere Film ein paar kostbare Minuten Dialog- und Bildzeit verspricht für Rollen, die seit Jahren am Rand bleiben? Agentin Black Widow, Kriegerin Okoye?

Ein paar der besten Marvel-Filme seit 2016 brauchten kein Vorwissen: „Black Panther“, „Captain Marvel“, „Doctor Strange“ sind schwungvolles, einsteigerfreundliches Popkorn-Kino. Überraschend aber, dass auch „Avengers: Infinity War“ (2018) den Quereinstieg leicht macht: Eroberer Thanos überlebte die Verteilungskämpfe, Hunger- und Überbevölkerungs-Katastrophen seiner Heimatwelt, Titan. Er denkt, das Leben im Universum hätte nur eine Chance, falls jemand die Hälfte aller Personen auslöscht. Sammelt er erfolgreich alle sechs Infinity-Steine, müsste er dazu nur mit dem Finger schnippen.

„Infinity War“ stellt den arroganten Doctor Strange neben den arroganten Tony Stark. Den brachialen Thor neben den brachialen Rocket Racoon: Figuren, die bisher gedoppelt, redundant schienen, entwickeln in toller Zweier- und Gruppendynamik Kontraste. „Infinity War“ ist ein erbarmungslos packender Film über 40 verzweifelte, aus 20 vorigen Filmen bekannte Figuren, die in neuen Teams und Kleingruppen versuchen, den übermächtigen Thanos am Steine-Sammeln zu hindern. Dringlich, tragisch, warmherzig.

„Endgame“ (2019) ist die direkte Fortsetzung von „Infinity War“: Thanos löschte die Hälfte allen Lebens aus, und die verbleibenden Figuren (vor allem: die aus „The Avengers“ (2012) bekannten fünf Männer und Heldin Black Widow) machen Zeitreisen nach 1970, 2012 und 2014, um die Steine neu zu sammeln und damit alle Ausgelöschten zurück ins Leben zu schnipsen: „Endgame“ ist ein Zeitreise-Abenteuer, nach dem atemlosen „Infinity War“ überraschend verspielt. Ein ambitionierter, komplexer, übervoller Film, in dem fast alle Fäden zusammen laufen – doch der Spaß macht, je mehr frühere Marvel-Filme man kennt und, an je mehr Figuren man hängt. „Infinity War“ war offen, packend. „Endgame“ belohnt vor allem die treuesten Fans.

Doch wie „belohnt“ fühlt man sich, sobald viele Lieblingsfiguren sterben, verschwinden, sich zur Ruhe setzen? Vertraute Teams und Freundschaften enden? Und klar ist: Auch die überlebenden Held*innen werden erst in zwei, drei Jahren wieder zwei, drei Sätze von Substanz sagen dürfen, in folgenden Filmen?

„Endgame“ ist kein Endpunkt. Auch 2020 erscheinen bis zu drei neue Filme, und für die Netflix-Konkurrenzplattform „Disney+“ sind Serien zu Loki, Falcon/Winter Soldier, Vision/Scarlet Witch und Hawkeye in Arbeit. Sogar für eine Figur, die in „Endgame“ stirbt, ist ein weiterer Kinofilm geplant.

Nur das macht „Endgame“ erträglich: Wäre dies das Ende, würde es vor allem zeigen, wer als Neben- und Randfigur nie wirklich Tiefe erlangte, erlangen sollte, erlangen durfte. Noch immer sind Frauen deutlich in der Unterzahl. Menschen of Color sind in „Endgame“ auf Nebenrollen beschränkt. Offen queere Held*innen fehlen weiterhin. Bei „Infinity War“ zählten Fans akribisch nach, wer wie viel Sprechzeit bekam. Mit 29 Minuten war Thanos die klare Hauptrolle. „Endgame“ ist als Film, für sich, schwer zu genießen. Weil so viele Figuren für Sekunden auf einer Bühne drängen, dass Fans zurecht fragen: „Jane Foster? Pepper Potts? Shuri? Valkyrie? Ist sinnvoll, mein Herz an solche Rollen zu hängen? Wenn fast alle, die keine weißen Männer sind, selbst nach 10+ Jahren vor allem Chiffren, Schablonen, Skizzen bleiben?“

„Endgame“ ist ein hochkomplexes Mosaik, das zahllose Einzelteile überraschend und ambitioniert jongliert und neu ordnet und, wie immer, vor allem Lust auf Fortsetzungen macht. Vielleicht aber sollten Heldinnen und Helden schnell wieder vor allem in monatliche Comic-Heftreihen und lange TV-Serien.

Denn wer Captain Marvel oder Black Widow über Jahre die Treue hält, muss sich nach „Endgame“ fragen: Wie viel wissen wir über diese Frauen? Wie viel können wir je von ihnen erfahren – bevor die Verträge der Schauspielerinnen auslaufen? Sogar Entscheidungen, die zentralste Figuren wie Thor und Captain America in „Endgame“ treffen, zeigen vor allem, wie wenig man über 40+ Figuren erfuhr, im Lauf von 22 langen, am Ende aber doch: viel zu kurzen Filmen.

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ein Zeitreise- und Timeline-Diagramm von Reddit-User E_Byron_Nelson:
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Zeitreisen Endgame Marvel Avengers

„DuckTales“ (2017): 50 Things I learned about Scrooge McDuck… by reading the original comics of Carl Barks & Don Rosa

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  • the file names of all images in this post include the issue number or the name of the story they’re from.

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50_Scrooge McDuck first appeared in the Donald Duck comic „Christmas on Bear Mountain“ (1947):

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  • Scrooge was an old miser modelled after Ebenezer Scrooge from Charles Dickens‘ „A Christmas Carol“…
  • So it’s fitting that his first story is set on Christmas.
  • Scrooge invites his nephew Donald  and his great-nephews Huey, Lewey and Louie to his mansion on Bear Mountain…
  • …but, as a secret test, dresses up as a bear to find out if Donald (and the kids) are brave and have strength of character.

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49_In 1947, Donald looks a lot more duck-like, and Duckburg looks VERY Californian:

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  • Why does Donald live in a house where he can barely reach his own door knob?
  • All duck characters are modelled after North American pekin ducks, but over the years, their necks get drawn shorter.

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48_Scrooge LOVES the $-sign:

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  • I particular like the money-green, $-covered undershirt he wears unter his frock…
  • …and the money-green, $-covered curtains in his office.
  • His frock is red, blue, green, sometimes black: It varies from comic to comic.
  • Apparently, it’s always the same piece of clothing, bought in 1902:

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47_Scrooge’s first money bin was in the countryside:

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  • Scrooge thought that no one would look inside, anyways: It’s near a farm, so people would think it was a corn silo.
  • Many early stories focus on Scrooge’s attempts to hide his wealth from the world…
  • …or find a safe place to stash away his „three cubic acres of money“.
  • In the story below, „Island in the Sky“, Scrogge wants to hide all his money on an asteroid:

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46_Most of Scrooge’s coins are silver, not gold:

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  • As a European reader, it’s weird to see all the Dollar Signs:
  • In Italian or Scandinavian „Onkel Dagobert“ comics, the logo on his money bin says „DD“ [for „Dagobert Duck“], and the gold coins are in a fictional (or outdated) currency called „Taler“: If they even have a sign on it, it’s usually a „T“.
  • [Every time Scrooge mentions his businesses, he talks about railroads. But what is a „fish house“, in 1950s Duckburg?]

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45_A later money bin was housed in an office building on a regular street:

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  • The Beagle Boys bought the empty lot next to the bin and drilled a hole to syphon out the coins.
  • Yet another later design shows a money bin up on a hill. When the Beagle Boys try to drill through the bottom, Donald floods the bin the wash them out…
  • …but then, sudden cold weather freezes up the water-and-coins-mix – and the money bin combusts.
  • For other Barks-designed money bins over the years, see the second picture below, by Don Rosa, after Carl Barks.

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44_Carl Barks LOVES silhouettes

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  • The visual storytelling is often straightforward, the panel layouts are simple…
  • …but there are some beautiful effects with black outlines. Particularly in the story below, set on an island near Hawaii:
  • „The Menehune Mystery“, 1953

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43_Donald often ponders his masculinity: Is he brave?

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  • The classic animated cartoons often show Donald as short-tempered and silly…
  • …and European comics depict him as lazy, incompetent or neglectful of his nephews…
  • So it’s fun to see a Donald Duck who’s at least competent enough to identify deerskin, or know what a curator is:

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42_“Christmas on Bear Mountain“ suggests that Scrooge doesn’t respect Donald because Donald lacks bravery:

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  • In episode 2 of the current „DuckTales“ cartoon (2017), Webby says that Donald Duck is „one of the most daring adventurers of all time“.
  • And even in the earliest Barks comics, we are supposed to be on Donald’s side.

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41_Scrooge just wants to be „rich and lonely“:

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  • Initially, the public doesn’t know about Scrooge’s wealth and he’s not recognized on the street.
  • Once people find out and ask him for favors, he’s annoyed.
  • But even though fame is not important to him, he wants to be the richest person/duck in the world.

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40_Donald can’t publicly shame Scrooge for being stingy:

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  • Aggressive „go away!“ signs and traps have surrounded the hillside of his money bin since the earliest drawings.
  • I’m reminded of Ayn Rand’s cutthroat capitalism, and a conversation in the „Atlas Shrugged“ movie:
    Paul Larkin: They say you’re intractable, you’re ruthless, your only goal is to make money.
    Henry Rearden: My only goal is to make money.
    Larkin: Yes, but you shouldn’t say it.

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39_Donald clearly knows that Scrooge leads an unhappy, neurotic life:

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  • I love how snarky Donald acts here: He sees the irony.
  • Many Barks comics show how Scrooge suffers, worries and gets paranoid because of his wealth. He seems sad or neurotic most of the time.

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38_When it comes to happiness, Donald seems wiser than his uncle:

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  • Some of these conversations run suprisingly deep!
  • Scrooge often seems uncultured, narrow-minded, and maybe traumatized from his childhood in Scotland:

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37_There’s also THIS iconic, character-defining quote about Scrooge’s past:

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  • „[I made my money] by being tougher than the toughies, and smarter than the smarties! And I made it square!“
  • The DuckTales 2013 remastered video game has a special „tougher than the toughies“ mode / difficulty level. Video here: Link.
  • Scrooge also gives his „tougher than the toughies“ speech in the first episode of „DuckTales“ (2017) – but his housekeeper is not even listening. In the episode, he seems full of himself and out of touch with the present.

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36_When Scrooge dives into his coins, he often uses the same catch-phrases and mantras:

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  • „I like to dive around in my money like a porpoise! And burrow through it like a gopher! And toss it up and let it hit me on the head!“
  • He fills bath tubs with coins, too.
  • [His rival Flintheart Glomgold does the same.]

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35_Other characters hurt if they dive into coins:

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  • „Why didn’t you get hurt?“ – „Well, I’ll admit – it’s a trick!“
  • No further details on the mechanics of this „trick“, though.

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34_From the beginning, there are more than 30 different Beagle Boys.

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  • So it has to be an organized gang – not just some group of siblings or close relatives.

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33: This scene was a huge inspiration for „Raiders of the Lost Ark“ / „Indiana Jones“

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  • The Beagle Boys try to steal a Native American statue – but once they lift it, a boulder is let loose as a death trap.
  • After Barks inspired „Raiders of the Lost Ark“, „Raiders“ inspired the archeological mysteries of „DuckTales“.
  • I think that’s why the logos for DuckTales and Indiana Jones are so similar.
  • (Red, orange, yellow was a trend for logos in the 1980s.)

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32_Some panels favor naturalism and details:

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  • In the above story, Scrooge hid all his money in a lake, but the Beagle Boys bought the land below and used termites to burst the dam.
  • Below, Scrooge uses an x-ray-machine to look through walls in his family’s castle in Scotland.
  • Barks liked aviation, deep-sea-exploration and gadgets, and I like how matter-of-factly all characters use newish technology like slide machines.

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31_Barks doesn’t get too cartoon-y very often:

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  • This is one of the most childish moments I found.
  • Later on, this Beagle Boy is carried along on a piece of string, like a balloon, so that he wouldn’t float away.
  • Below is a rather inspired moment: Donald spent days nailed inside a box. When he comes out, even his speech balloon is box-shaped:

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30_Another (rather rare!) moment of surrealism and physical comedy:

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  • I loved the scene below: Most comics would just show a 2D-tunnel snaking through the page. But Barks took the time to depict a spiral and convey some sense of perspective and depth.
  • Generally, the Beagle Boys do a lot of digging and mining. It gets boring quickly.

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29_Wet feathers DO that?

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  • This is the only time I saw a wet duck character looking poofy.
  • Overall, characters looked recognizable and on-model nearly all the time – there wasn’t much early installment weirdness (Link).
  • I liked that Scrooge seems to know which nephew is wich: He sometimes called them by names, individually.
  • (personally, I needed the 2017 reboot to properly tell them apart.)
  • Disney archivist Dave Smith: Huey is in red because red is the brightest “hue.” Dewey wears blue, the color of “dew,” a.k.a. water. That “leaves” Louie, the nephew wearing leaf green.

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28_Few women, few different body shapes:

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  • Most crowd scenes by Barks show men. Women are only seen if the gag or scene would not work with male characters: If they are mothers, dancers etc.
  • Italian and Scandinavian Duck comics often use crass and comical body shapes, so when I saw the two mannequins in the background, I thought:
  • Most of the Disney comics I read had TONS of these funny-looking carricature people in them.
  • The manniquins prove that Barks saw the visual appeal. I don’t know why he didn’t use them more often.
  • Is the anti-capitalist guy below modelled after some real-life person?
  • And: How awesome is that random background detail?

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27_I only found one Barks story that MIGHT pass the Bechdel test:

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  • Two female characters? With names? Who talk to each other? About something other than a man? [Bechdel Test, Link]
  • I want more Magica DeSpell, I haven’t seen Daisy Duck or Grandma Duck in a Barks story yet, and I personally like Brigitta McBridge.
  • Barks tells boy stories, and there is never much room for women – usually, they’re a distraction.

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26_I love Goldie’s scrawny look:

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  • Goldie had a dance hall during the Yukon gold rush. She still lives in Alaska, with her pet bear.
  • She has a makeover for Scrooge and CAN look more regal…
  • But it’s fun to see that time has not been kind to either Scrooge or her: Scrooge stories are often about regrets and mortality.

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25_Italian sorceress Magica DeSpell is a master of disguises…

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  • Magica is based on Gina Lollobrigida and Sophia Loren. I was surprised that she’s very, very poor and unkempt, and I think there might be some racist stereotypes against Italians in play.
  • I love how snarky and self-aware everyone acts in the below scene:

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24_Many iconic elements were created by Barks, right away:

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  • Magica is capable, dangerous, ambitious and snarky, and I enjoyed seeing her wreaking havoc.
  • Apparently, her pet raven Poe is her bewitched brother – but I have not seen that relationship explored in detail before.
  • Below: the first appearence of Magica’s cabin near Mt. Vesuvius, drawn by Barks… and a recreation by Don Rosa, 40 years later.
  • „Ogres for Rent“ is inspiring and funny.Barks is original. Don Rosa is, too often, just pedanitc.

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23_Barks is HORRIBLE at depicting cultures:

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  • Here’s a kind, obese and dim-witted Hawaiian guy… surrounded by invisible, fairy-like beings that helped the Ducks during an Hawaiian adventure.
  • These characters are based on actual myth – they’re called Menehune (Link).
  • Barks gets a LOT of credit for incorporating myths and legends into his storytelling. But I’m appaled by the shallowness, the stereotypes and the one-dimensional roles that these ethnic and „savage“ characters often play.
  • Below: The city of Atlantis, and Bark’s AWESOME idea that Atlanteans milk whales…
  • Also: an Atlantean teacher/academic. The cap and the glasses are just lazy storytelling, and the character design bores/annoys me.

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22_Often, all members of a minority look identical:

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  • True: Huey, Dewey and Loie look identical, too. But it’s strangely… sad to see all these tribes and cultures when, most of the time, you can’t see ANY diversity in age, any women etc.
  • Barks often just draws the same character model, without additional details, again and again. They literally all look the same.

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21_DuckTales (1987) used quite a lot of his design ideas:

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  • The aliens in the 1950s comic book look lazy. The 1980s alien doesn’t look original – but still much better.
  • Often, Bark seems to have good ideas for characters – and just lacks the motivation to play with them, diversify etc.

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20_Armadillo-like stone people who cause earthquakes?

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  • Some wear bow-ties. Some wear ties. All seem to be male. But at least there are both children and different colors.
  • And (I never saw this episode!) they made it into the 1987 cartoon intact. Cute!

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19_Barks loves the Space Age:

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  • I like all these rocket designs, and I like the particularly retro design of the „outdated“ spaceship that Scrooge bought second-hand.
  • There’s an effortless and very charming sense of wonder in these stories!
  • Below is a story that, matter-of-factly and without context, says that Duckburg had „advanced MUCH farther than other cities in the world“ (maybe because of Gyro Gearloose?). I love the idea of a (retro-)futuristic Duckburg – but sadly, I  have not see this mentioned ever again.
  • In 2000, the „Superman“ comic books had a storyline where villain Brainiac unleashed a „Y2K virus“ to Metropolis – the city was turned into a literal „city of tomorrow“, with flying cars and futuristic buildings. It lasted a while, but sadly, story- or design-wise, nothing too exciting came out of it.

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18_Hewey, Duwey and Luie are earnest… but lack personality:

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  • Nothing sets them apart, and they’re not all that interesting together: I like that they’re not as bratty and mean-spirited towards Donald as they are in the European books, and they’re not as docile and wide-eyed as they’re in „DuckTales“ (1987). But I didn’t love them, and I don’t think Barks loves them, either.
  • Below is ONE nice and charming touch: To speak with more authority, one of the siblings climbs on top of the others.

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17_The Junior Woodchucks are all-mighty:

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  • Barks created the scouting organization and their all-knowing book. Sometimes, the book is used for trivia or exposition… but in one adventure set in Greece, the siblings suddenly (and with no in-story explanation) become INSANELY pedantic.
  • Below, they use an axe to transform an iceberg into a viking longship.
  • And look at these Junior Woodchuck Homing ROCKETS. What could go wrong?

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16_Super-Hero comics had a silly „Silver Age“. Barks is a child of that era, too:

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  • Above, tiny Native-American-like aliens are climbing a rope from their barren home asteroid to a nearby planet that’s full of fruit.
  • Below, the nephews instantly learn their language… by consulting their Junior Woodchuck book.
  • Plus: „They kneel like the American Savages kneeled to Columbus“. Sigh. #colonialism
  • Here’s more about the silliness of „Silver Age“-superhero stories: Link

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15_Flintheart Glomgold is an inefficiant foil to Scrooge:

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  • They are too similar, and the pedantic and vulgar way they measure their figurative dicks gets tired fast.
  • Flintheart lives in South Africa and has a money bin that sports the Pound sign instead of the dollar sign.
  • Because of the tensions over Apartheid in the late 1980s, „DuckTales“ (1987) made Flintheart a Scot.
  • Below, in „Christmas on Bear Mountain“, Scrooge looks like Flintheart himself.
  • In the new „DuckTales“ reboot (2017), Flintheart looks plumper and much more distinct.

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14_How fictional is the Duck universe?

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  • The above panel brings tons of problems:
  • It’s Flintheart’s second appearance, and for some reason (old age?), Scrooge had forgotten about him and needs a long time to recognize his biggst rival. In another story, Donald is asked by Scrooge to collect a debt at a specific address, and he needs to walk down the front lawn and ring before he understands that it’s his own address. For comedic reasons, both Scrooge and Donald have some tedious and out-of-character „Too dumb to live“ and „Idiot Ball“ moments.
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  • A bigger problem, above and below: There are real-world locales in the Duck universe. There are entire fictional nations. And there are shallow parodies, like the „Vampire State Bulding“ or „Gemstonia“.
  • Often, Barks shows us the worst of both worlds: One-dimensional invented cultures (that could be much deeper with some additional effort)… and real-world spaces that feel shoddily researched.
  • [Later on, Italian Disney artists often told GREAT time-travel stories where Mickey Mouse travelled through European/Italian history.]

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13_Are ethnic strangers caricatures?

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  • I HATE that all the characters above come from the same comic, drawn by Barks, and live in the same region: There’s a rather naturalistic Tibetan or Nepalese academic… and there are yellow Himalaya duck-people who, to me, look super-offensive.
  • For the „DuckTales“ (1987) episode based on this story, „Trala-La“, the characters were re-designed (Link).
  • Below: a sheik with a typical dog nose and stereotypical clothes… and, in the same comic, savage bush men.

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12_Dog-like humanoids… meet naturalistic humans:

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  • NOTHING about the camel-riding guy above speaks „Duck comic“ to me.
  • It’s grating to see that over-simple character design often makes characters seem simpler/stupider than they are: Imagine the scene below, but with more human-like and serious-looking characters. It would be MUCH more dramatic, and less comedic.

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11_Scrooge is well-travelled, and sometimes, Barks shows his research.

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  • Is that actual Bengali in these speech bubbles?
  • And why is Scooge making that snarky joke „I learned it when I sold road maps to Marco Polo? In a different story above, he says – much more enthusiastically: „It’s ancient Cathay. I learned it when I was a yak buyer in Tibet.“
  • I still love Scrooge’s curiosity, and his enthusiasm to understand different cultures (to make deals with them and exploit them – but still.)
  • Below: the most naturalistic (and bustiest) woman I saw in a Duck comic by Barks… and some Thai dancers whose design I like… but who look too identical to me: Make these extras individuals!

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10_Barks understood Globalization:

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  • In 1957’s „The City of Golden Roofs“, both Scrooge and Donald become salesmen and try to make big money. They are both assigned Indochina, the   only untapped market, and when Scrooge tries to sell a giant oven, it starts out like the old „selling fridges to an eskimo“ joke.
  • Surprisingly, Scrooge doesn’t succeed – while Donald is WILDLY successful… because enough people globally love tapes with contemporary bongo/calypso music.

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09_Some Scrooge schemes are inspired. Some are just childish:

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  • Above: Scrooge changes all his money to bills and cans them – like spinach. For the canning process, he uses robots so that no employees steel from him. Wonderful, silly, inventive idea.
  • Below: The money bin’s burglarly system backfires when Scrooge activates the cannon. The cannon fires… through several buildings… and the cannon ball bounces back when it „hits a stack of mattresses in a rubber mattress factory“. Sorry: No. Just no. (I like the art, though!)

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08_Was Barks pro-capitalism? It’s hard to tell:

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  • I LOVE that a corporation like Disney tells all these stories about the dangers, problems and paradoxes of wealth, capitalism, exploitation.
  • It seems to be a running gag that whenever Scrooge offers a job to Donald or the nephews, he offers them 30 cents per hour. (Sometimes per day.)

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07_Longer Barks stories often feel like „The Simpsons“:

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  • About 50 „big“ stories by Barks run between 20 and 30 pages. They never get boring, because all too often, they start with a premise, take a weird turn in the middle and end in a completely different locale and with different problems: They very much feel like a later-season-episode of „The Simpson“, where the weirdness that starts out the episode has little connection to the weirdness that later propels the plot.
  • This often feels humdrum or careless – but it’s also exciting, suprising, remarkably entertaining: Why are the Ducks camouflaged as fish? Really: You never saw that coming 5 pages earlier, and it won’t matter 5 pages later. But it’s fun while it lasts!

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06_If you understand colonialism, MANY Barks stories will make you angry:

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  • „Africa is nobody’s friend?“ Really?
  • In the story below, Scrooge gifts his giant oven/stove to a king and his palace. The oven melts the gold plating of the palace roof, so Scrooge steals the liquid gold and runs away. I love the drawing of the impressive elephants – but I hate how the story ends with celebrating Scrooge’s success: He robbed these people, and we’re supposed to like him for it.

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05_I thought that I read Carl Barks in 1990. I did not:

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  • Above: Carl Barks‘ „Lost in the Andes!“, 1949. Below: Don Rosa’s sequel „Return to Plain Awful“, 1989.
  • The sequel was serialized in Germany’s Micky Maus [„Zurück ins Land der viereckigen Eier“, 1990].
  • So from age 7 to age 34, I thought that I knew Barks and his flaws and quirks…
  • …when really, they were Don Rosa’s flaws and quirks: pedantic storytelling, thick inking, reference-heavy jokes for fans.
  • When I finally read the original „Lost in the Andes“ today, I did not love it. But I see how it is a great story for 1949, on a literary and on an artistic level. „Return to Plain Awful“ isn’t that much of an achievement for comics of 1989, though. Sorry: I loved discovering and reading Barks. I’m much less lenient with Rosa’s stories, published in the 80s and 90s: In many ways, they look MORE dated and stiffer than Barks‘ originals.

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04_Reading Rosa is fun AFTER reading Barks, though:

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  • Now that I have read that much Barks, I think I will read Don Rosa’s „The Life and Times of Scrooge McDuck“ (German: „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“). I dislike both „Tintin“ and „Asterix“ – because I grew up with dads of my friends who said that THESE were the comics that could actually teach you about the world. I didn’t enjoy them as a kid, and I still can’t say if they were too didactic, or the wrong kind of didactic, or even not didactic enough. I just never wanted to learn through „Tintin“ or „Asterix“.
  • Reading Don Rosa, I feel like it speaks to the same generation and the same attitude towards comics: They’re dense, stiff, overwrought, gray, trying too hard… and BOY, CAN YOU LEARN A LOT HERE.
  • I’m not sure if I want to. But I can see how this is the perfect gift to every Tintin- and Asterix-loving dad I know:

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03_Scrooge as Citizen Kane?

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  • For years, I thought that Scrooge predated „Citizen Kane“ (and Ayn Rand’s hypercapitalist books).
  • Don Rosa used the similarities for the above hommage in his character-defining and award-winning 12-part story „The Life and Times of Scrooge McDuck“. It’s fun – but I really wish that a Disney duck had inspired Orson Welles, not the other way around.

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02_Carl Barks retired from drawing Scrooge comics in 1967:

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  • …but he kept on painting his hero in the 70s and 80s.
  • Many of these paintings are used or re-staged in the 2017 „DuckTales“ series. It’ll be interesting to see who painted them in-universe: Who’s the artist that Scrooge hired, and is he similar to Carl Barks?
  • Don Rosa decided/estimated that Scrooge was born in 1867 and died in 1967, aged 100. Rosa’s stories are set during this historical time-frame. He wrote an episode of „DuckTales“ (1987), but did not enjoy that the show was set in the 80s: To him, Scrooge McDuck is dead.
  • The 2017 show makes use of Rosa’s „Family Tree“ (based on Barks), and we might see some little-seen characters later in season 1.

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01_The new DuckTales is VERY good!

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  • I was nervous because Webby and the nephews seemed aggressive and too hipster-y (or „Gravity Falls“-like) in the trailers, but…
  • …wow: I love the soundtrack, I enjoy most of the animation, I LOVE the pace, and I think there’s a great balance between humor, adventure and character-driven moments.
  • I have a hard time understanding Donald. Launchpad seems one-dimensional. I don’t know why Scrooge lives in a mansion and not in his money bin.
  • But really: After seeing the first two episodes, I know that I want to watch the rest, and that I can recommend this to kids and grown-ups.
  • (I also like that Darkwing Duck will show up, and that „TaleSpin“’s Cape Suzette and „Goof Troops“ Spoonerville have been mentioned.)

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I did read Carl Barks‘:

Christmas on Bear Mountain [1947], The Old Castle’s Secret [1948], Lost in the Andes! [1949], A Financial Fable [1951], Only a Poor Old Man [1952], The Golden Helmet [1952], The Gilded Man [1952], Back to the Klondike [1953], The Menehune Mystery [1953], The Secret of Atlantis [1954], Tralla La [1954], The Fabulous Philosopher’s Stone [1955], The Golden Fleecing [1955], Land Beneath the Ground! [1956], The Second-Richest Duck [1956], City of Golden Roofs [1957], The Golden River [1958], The Money Champ [1959], Island in the Sky [1960], North of the Yukon [1965], Horsing Around with History [1994].

I also read Don Rosa’s The Life & Times of Scrooge McDuck Companion [collection, 2006] and Return to Plain Awful [1989, I read this as a child in the German Micky Maus-Magazin, 1990]

I also enjoyed an Italian meta-story that I read in German as a child: Der Mann hinter den Ducks [1992] by Rudy Salvagnini & Giorgio Cavazzano [German version published in: Lustiges Taschenbuch 196]

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Stories by Carl Barks that were adapted into DuckTales [1987] episodes [found here]:

  • „Back to the Klondike“ „Back to the Klondike“
  • „Land Beneath the Ground!“ „Earthquack“
  • „Micro-Ducks from Outer Space“ „Microducks from Outer Space“
  • „The Lemming with the Locket“ „Scrooge’s Pet“
  • „The Lost Crown of Genghis Khan!“ „The Lost Crown of Genghis Khan“
  • „Hound of the Whiskervilles“ „The Curse of Castle McDuck“
  • „The Giant Robot Robbers“ „Robot Robbers“
  • „The Golden Fleecing“
  • „The Horseradish Story“ „Down and Out in Duckburg“
  • „The Status Seeker“
  • „The Unsafe Safe“ „The Unbreakable Bin“
  • „Tralla La“ „The Land of Trala-la“
  • also, „Terror of the Beagle Boys“ inspired parts of „Super DuckTales“

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Bonus: Webby’s „Wall of Crazy“ from the DuckTales (2017) pilot episode, shown on Reddit [Link to r/Ducktales]

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„DuckTales“: neue Episoden nach 30 Jahren.
Familie, Humor, Schatzsuche: Disney adaptiert die Comics von Carl Barks und Don Rosa neu fürs TV. Kindgerecht – oder für alte Fans?
Warum leben Tick, Trick und Track bei ihrem Onkel Donald? Warum ist Donalds eigene Bezugsperson in der Familie Duck sein Onkel Dagobert? Zum ersten Mal will Disney solche Fragen im großen Stil beantworten – in „DuckTales“, einer Neuauflage der Trickserie von 1987. Am 12. August zeigte der Disney-Sender XD Episode 1 und 2 im US-TV, ein Deutschlandstart ist für 2018 geplant. Bisher glückt der Neustart – auch in vielen radikaleren Ideen und Entscheidungen.
Seit 1938 zeichnete und schrieb Carl Barks für Disney; ab 1943 wurden seine Donald-Duck-Comics länger und komplexer: oft 30 Seiten voller Schatzsuchen und Abenteuer. 1947 erfand Barks den vereinsamten und menschenfeindlichen Milliardär Scrooge McDuck, für ein Weihnachtscomic mit Charles-Dickens- und Citizen-Kane-Motiven. Dagobert verkleidet sich heimlich, weil er Donald und den Neffen nur Geschenke überlassen will, falls sie Mut gegen Bären beweisen. Dann bricht ein echter Bär in die Villa ein, und erschreckt auch Dagobert im Bären-Kostüm. Für Carl Barks bleibt Donald Duck noch 20 Jahre lang meist die Hauptfigur. Doch Barks harscher, exzentrischer und oft tragisch geiziger Dagobert wird (besonders auch durch europäische Comics aus Italien und Skandinavien) weltbekannt.
„Jäger des verlorenen Schatzes“, Teil eins der „Indiana Jones“-Reihe, übernimmt 1981 eine Barks-Szene, in der die Panzerknacker eine indianische Statue auf einem Podest verschieben – und damit eine Steinkugel ins Rollen bringen, als Todesfalle für Grabräuber. Sechs Jahre später schaut der Disney-Konzern auf „Indiana Jones“, für seine bis dahin teuerste und langlebigste Trickserie: Bei „DuckTales“ (1987) heuert Donald Duck bei der Marine an. Tick, Trick und Track leben in der Villa Onkel Dagoberts, zusammen mit Nicky, der Tochter der Haushälterin und Bruchpilot Quack. Viele Figuren, die Barks erfand, hatten damals große Rollen: Hexe Gundel Gaukeley, Erfinder Daniel Düsentrieb. Bis 1990 erzählten etwa 15 von 100 „DuckTales“-Folgen alte Barks-Comics neu.
1967 ging Carl Barks in den Ruhestand. Er starb erst 2000, mit 99 Jahren. Vor allem in den 70er Jahren zeichnete er große Dagobert-Ölgemälde, und seit den 80er Jahren versucht Zeichner und Barks-Fan Don Rosa, aus den Details, die Barks in Comics oft eher humorvoll hinwirft, eine große Lebensgeschichte von Dagobert Duck zu rekonstruieren: „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“. Für Don Rosa wurde Duck 1867 in Schottland geboren und starb 1967 in Entenhausen. Historische Abenteuer, oft in einem sehr konkreten geschichtlichen Rahmen: der Goldrausch am Yukon River in Alaska, Cowboy-Abenteuer in Indonesien, doch wie bei Barks auch Reisen zu Fantasie-Zivilisationen wie dem Land der viereckigen Eier, versteckt in den Anden.
Die Comics von Barks sind schwungvoll, albern, oft kapitalismuskritisch und mitreißend. Don Rosa wirkt pedantischer, nervöser, überfachtet: Abenteuer- und Männercomics fast ohne interessante Frauen, teuer gesammelt oft von Männern jener Generation, die mir als Kind, 1990, auch „Asterix“ und „Tim und Struppi“ gaben und raunten „Lies! Da kannst du noch was lernen!“. Deutschlehrer-Comics, Bildungsbürger-Comics, Pedanten-Comics, in Deutschland atemlos erfolgreich älteren Herren, die „Duck“ mit „u“ aussprechen: Donaldisten.
„DuckTales“ (1987) blieb eine Kinderserie: oft etwas schleppend erzählt, zu simple Lösungen, kaum Psychologie. Tick, Trick und Track bleiben schlimm gutmütig und passiv. Nicky ist so jung, rosa, naiv und unwichtig wie keine andere Disney-Serienfigur nach ihr. Als 2017 erste Trailer für den „DuckTales“-Neustart veröffentlicht wurden, waren Fans nervös: Nicky ist hier ein hyperkompetentes Nerd-Mädchen mit Geheimagenten-Tick. Sie bewegt sich durch Dagoberts Villa wie in „Mission: Impossible“. Tick, Trick und Track haben klare Persönlichkeiten, aber wirken übertrieben aggressiv: Tick (rot) trumpft durch Wissen auf, Trick (blau) ist nassforsch und liebt Abenteuer, und Track (grün) wird von Fans mit Slytherin-Figuren aus „Harry Potter“ verglichen: ambitioniert, aber verschlagen.
Die große Angst der Fans: Klingt, witzelt, frotzelt und erzählt „DuckTales“ 2017 wie jede andere US-Trickserie? Stülpt Disney das Strickmuster gesucht hipper Konzepte wie „Gravity Falls“ über die Barks-Figuren? Nein. Die flächigen, an alte Comics erinnernden Hintergründe und Farben der neuen Serie sind schroffer als die warmen, liebevollen Details im Original. Die Neuauflage erzählt dreimal so schnell. Doch bisher auf höchstem Niveau: warmherzig, mitreißend, überraschend – eine Kinderserie fürs größte denkbare Publikum. Und überall in Dagoberts Villa hängen die alten Barks-Ölgemälde! Ein Problem bleibt nur Donald Duck. Toll, dass er dieses Mal selbst bei Dagobert einziehen darf. Schlimm aber, dass man seine typische Enten-Schnatterstimme kaum versteht. Donald liefert zwanzig handlungstragende Sätze oder Pointen pro Episode. Bei zwei Dritteln verstehe ich nur „Quack!“ Sobald die Serie erzählen wird, wo Donalds Eltern sind oder warum die Neffen von Donalds Schwester in seiner Obhut aufwuchsen, wird das anstrengend und holprig.
„DuckTales“ läuft erst ab 2018 in deutscher Synchronisation auf dem Bezahl-Sender Disney XD.