Dietmar Dath

Harte Science-Fiction: mein Lieblingsautor Dietmar Dath

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„Deutschlandfunk Kultur hat in der Woche ab 31.07. ein Special über „Ferne Welten“, also Leben außerhalb der Erde. Wir würden gern ein Gespräch über literarische Visionen/Utopien etc. führen“, schrieb mein Redakteur.

Literarische Utopien und Gesellschaftsentwürfe, die auf anderen Planeten spielen?

Ich machte mehrere Vorschläge: Ursula K. LeGuin, aktuelle „Star Wars“-Expanded-Universe-Romane, „A Wrinkle in Time“, Andreas Brandhorst.

Und, zwei Favoriten: Dietmar Dath – mein deutschsprachiger Lieblingsautor – sowie die wunderbare Comicreihe „Invisible Republic“.

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Ich bin begeistert, dass ich beides vorstellen darf – am 31. Juli, um kurz nach 10, im Literaturmagazin Lesart.

Heute, hier im Blog: ein paar grundsätzliche Notizen, Empfehlungen, Gedanken zum Thema:

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grundsätzlich:

Die erste „Star Trek“-Serie ab 1966 zeigte oft einen neuen, fremden Planeten pro Episode. Eine Welt, in der alle Erwachsenen tot sind; eine Welt, die aussieht wie das Chicago der 30er Jahre etc. Das ist oft dümmlich: weil Gesellschaften und ganze Planeten nicht DERART homogen sind. Statt eine Welt zu entwerfen mit verschiedenen Kulturen, Schichten, Kontinenten, Werten, Schwerpunkten, stehen Kirk und Spock in… simplen, sehr einseitigen „Monokulturen“. TV Tropes nennt das „Planet of Hats“: Welten, auf denen alle Bewohner*innen den selben „Hut“ zu tragen scheinen und sich über die selben ein, zwei Werte und Eigenschaften definieren.

Eine Ursache: Besonders ab den ca. 50er Jahren orientierte sich erfolgreiche Sci-Fi oft an Western. „Star Trek“ z.B. wurde als „Wagon Train to the Stars“ gepitcht: Planwagen, allein in der Prärie, umgeben von Indianerstämmen. Sheriff und Ordnungshüter, die hübsche Tochter des Häuptlings, Wilde, die es zu befrieden galt etc. Ich denke an „Avatar“ und „Der mit dem Wolf tanzt“, oder viele Kinderserien der 80er, mit denen ich aufwuchs: „Saber Rider“, „Brave-Starr“, „Galaxy Rangers“.

„Star Wars“ begann als Märchen und Samurai-Geschichte. Auch hier spielte Politik in fremden Zivilisationen, feinere Gesellschaftsentwürfe auf einzelnen Planeten etc. bis ca. „Angriff der Klonkrieger“ (2002) keine besonders große Rolle. Es gab Ritter und Cowboys, Aliens und Prinzessinnen – doch wenig Versuche, tatsächlich zu beantworten: „Wie organisiert sich eine Menschheit mit neuen technischen Mitteln, und im kulturellen Mit- und Gegeneinander mit anderen Lebensformen?“ [Das ist heute, in den Comics und Romanen des Expanded Universe, VIEL besser: „Star Wars“ ist seit 2015 so politisch und komplex wie nie zuvor.]

Ich sage nicht: Sci-Fi war damals unpolitisch oder interessierte sich nicht genug für Aliens in ihren Rollen als „das Andere“. Doch diese Rollen blieben oft SO allegorisch oder märchenhaft oder allgemein, dass ich, als Kulturwissenschaftler, bis in die 90er Jahre selten sagen kann: „Yeah! Hier hat jemand eine Alien-Zivilisation oder verschiedene Gesellschaftsentwürfe der Erde mit großem Respekt und besonderer Tiefe… ziseliert.“ Zu oft blieben es einfach [der kolonialistische Blick auf] Indianer etc. im Weltall: Kulturen, so eingleisig und eindimensional präsentiert, dass ich als Zuschauer fast IMMER denken sollte: Menschen sind bunter, Menschen haben eine größere Bandbreite, ihr Aliens könnt von Menschen viel lernen.

Ein Stichwort, eine Genre-Bezeichnung, die hilft, Autor*innen zu finden, die soziologischer und komplexer denken: „Hard Sci-Fi„.

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Ich dachte lange, das meint: Romane, die besonders weit in der Zukunft spielen oder dabei besonders technisch-futuristisch sind.

Stimmt nicht:

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Es geht nicht um besondere Fortschrittlichkeit. Sondern darum, so wissenschaftlich wie möglich zu bleiben. Auch z.B. „Gravity“, „The Martian“, „Gattaca“, „Westworld“ [Kritik von mir], „Contact“ (alle: nicht besonders weit in der Zukunft) gehören ins Genre. Wichtiges Kriterium: Autor*innen versuchen, möglichst nah an bestehenden Theorien zu… extrapolieren.

Simple Kriterien sind z.B. „Kann man hier Explosionen im All hören?“ (im Vakuum hört man nichts) oder „Wie kommunizieren Planeten/Schiffe, die Lichtjahre voneinander entfernt sind?“ (bitte nicht: in Skype-Optik, ohne Zeitverzögerung).

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Ich möchte vorstellen:

1) die Comicreihe „Invisible Republic“ von Corinna Bechko und Gabriel Hardman (erscheint seit 2015)

2) drei besonders futuristische Romane von Dietmar Dath: „Feldeváye“ (2014), „Venus siegt“ (2015) und „Der Schnitt durch die Sonne“ (2017)

Sowohl Dath als auch Bechko/Hardman schreiben „Hard Sci-Fi“: Sie recherchieren viel, und zeigen die Recherche im Erzählen: Dath fügt Zitate, Diagramme, Wissenschaftstheorien, kleine Essays ein, macht sehr viel naturwissenschaftliches Namedropping; Corinna Bechko schreibt für jede Ausgabe „Invisible Republic“ kurze Essays mit Zusatzinformationen über z.B. die Tierwelt ihrer Planeten.

Wichtige Vorläufer: Isaac Asimov (der viel über Roboter und deren Ethik schrieb), der Suhrkamp-Klassiker „Picknick am Wegesrand“ oder Kim Stanley Robinsons Mars-Trilogie.

Heute wichtig: Neal Stephenson, Greg Egan, die politische TV-Serie (und deren Romanvorlagen) „The Expanse“, die Dystopien der TV-Serie „Black Mirror“, die Comicreihen „Trees“ und „Injection“ von Warren Ellis (beides nicht besonders wissenschaftlich, doch sehr soziologisch: Was macht Technologie mit Menschen?); und, in Deutschland, Heyne-Autor Andreas Brandhorst.

Ein Nebenaspekt, eine Besonderheit in Deutschland: „Perry Rhodan“ würde ich nicht „Hard Sci-Fi“ nennen – doch die Sprache dort ist sehr komplex und bildreich, und es geht oft um möglichst originelle oder paradoxe Ideen in Sachen Transport, Kosmos, Zusammenleben. Literarisch bleibt mir das zu flach (und: beamtenhaft, trocken). Trotzdem gibt es bei Rhodan IRRSINNIG schöne Worte. Sowohl Dath als auch Andreas Brandhorst sehen den Reiz solcher Worte – und probieren, diese spezifisch deutschen „Perry Rhodan“-Funkel-Neologien auf ein höheres erzählerisches Level zu hieven. Bücher also, in denen Worte wie „Schattenspiegel“ und „schwarzes Eis“ fallen, in denen sich Menschen auf „Tafeln“ abspeichern können. In einem Dath-Roman sprechen Menschen nur von der „Wiege“, wenn sie das Sonnensystem meinen – weil die Menschheit längst weiter ist. Das ist sprachlich/klanglich oft sehr suggestiv und schön. Mich freut jedes Mal, wenn jemand diese Stärke von „Rhodan“ aufgreift und ausbaut.

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1) zu „Invisible Republic“:

– US-Comics erscheinen meist monatlich, als 20seitige Hefte. Fünf bis sechs Hefte erzählen einen Akt einer größeren Geschichte und werden fast immer als Sammelband noch einmal neu veröffentlicht. Von „Invisible Republic“ erschienen seit 2015 15 Hefte, zusammengefasst in drei Sammelbänden. Die Reihe ist auf 30 Hefte/sechs Sammelbände angelegt und macht gerade einige Monate Pause. Gabriel Hardman und Corinna Bechko sind verheiratet. Sie schreiben zusammen, Hardman selbst zeichnet dann allein, die Farben der Zeichnungen sind von Jordan Boyd.

– Der Comic spielt auf Avalon, einem Mond, von Menschen besiedelt. Eine sehr industrielle Welt, deren Städte an Osteuropa erinnern und an die 70er und 80er Jahre. Die letzten 40 Jahre herrschte dort ein Diktator, Arthur McBride. Das Regime wurde zerschlagen – doch ähnlich wie im postsowjetischen Russland gibt es trotz Aufbruchsstimmung viel Misstrauen, Zynismus, Korruption. Hauptfigur ist ein recht feiger, überforderter und glanzloser Redakteur und Whistleblower, Croger Babbs. Er findet das Tagebuch der (in den Geschichtsbüchern nie erwähnten) Cousine von Arthur McBride, Maia – und wägt ab, es zu veröffentlichen.

– Auf einer zweiten Zeitebene, über 40 Jahre zuvor, lesen wir in Maias eigener Sprache, als unzuverlässige Erzählerin, wie Maia und Arthur als… linksextreme junge Revolutionäre gegen einen Polizeistaat arbeiten. Maia ist pazifistisch, romantisch-jugendlich. Arthur voller Ideale, aber grausam. Auch die heutige Maia taucht auf: als Realpolitikerin, zynische Rebellin, Terroristin? Ist sie gewachsen – oder heute ebenso brutal und korrumpiert wie ihr Bruder?

– Die große Stärke von „Invisible Republic“: Man hätte eine solche Geschichte über den Prager Frühling erzählen können, über die kubanische Revolution, vielleicht sogar über die RAF. Durch das fiktive Setting aber fehlt alle Romantik, die sonst bei solchen Biografien mitschwingt: Die Gegenwart auf Avalon wirkt trostlos (doch ohne, dass ich dabei sagen müsste „Oha – wie dümmlich und fortschrittsverdrossen: Glauben die Autoren, der Prager Frühling war SCHÖNER als die Gegenwart?“), und die Missstände der Vergangenheit kann ich beim Lesen nicht wegerklären mit „Na ja: Es war eben eine andere, einfachere Ära. Es gab nicht einmal Internet.“

– In fast allen Ausgaben fügt Corinna Bechko kurze Essays an über z.B. Space Elevators, kolonialistisches Essen oder künstliche Schwerkraft. Im Design, Jargon und vielen kleinen Momenten gibt sich die Serie immer wieder Mühe, zu zeigen: „Das hier spielt Hunderte Jahre in der Zukunft, in einer fremden Kultur.“ Doch statt… Fortschritts- oder Technikeuphorie dreht sich „Invisible Republic“ um all die Mechanismen, mit den Politik immer wieder neue Ungerechtigkeit produziert oder in Kauf nimmt – oft trotz der besten Absichten. Man kann die Misstände der Gegenwart erst verstehen, wenn man nachsieht, was der Ursprungs-Plan der Entscheider*innen war… und, was dann unterwegs schief ging.

– Erzählt man solche zynische Geschichten über z.B. die DDR, wird es schnell bitter oder ideologisch. Autor*innen schlagen sich auf eine Seite: Sie feiern das Früher oder das Heute. Deshalb: sehr gut, auf einen Mond auszuweichen! Und: charmant, dass dieser Mond an vielen Stellen europäisch wirkt, und sich Hardman z.B. von Architektur auf Malta inspirieren ließ.

Sehr gute Zusammenfassung des politischen Settings (Kenia Santos, Word of the Nerd):

„2843: Dictator Arthur McBride’s Mallory regime ruled Avalon (one of Asan’s moons once called Maidstone) for years. His fall threw the world into chaos. Discredited reporter Croger Babb finds a journal written by Arthur’s cousin Maia Reveron, which details a dark, untold story. Invisible Republic is the title given to Maia’s journal, written during her time as a political prisoner in Newgate Prison. Maia’s narrative goes all the way back to when Arthur and her worked in an algae farm as indentured servants, their escape, an incident at Rock Beach that changed the course of their lives forever, the years spent with the rebels and it’s likely to cover the events that led her cousin to imprison her.

Avalon and Kent orbit planet Asan. Avalon was colonized by a generation ship and built from the ground up. The moon was a colony for Asan and a source of crops that couldn’t grow there, such as almonds, honey, and greens.  But then the colonial government was relocated to sister moon Kent and its geographical distance led to the Civil War on Asan. Avalon’s children were sent to Asan to fight as soldiers, and Arthur’s proposal was that of fighting for freedom under the flag of a unified Avalon to be no longer ruled by the elite of Kent.“

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2) zu Dietmar Dath:

– Dath ist mein deutschsprachiger Lieblingsautor. Ich mag seine Leidenschaft, seine Neugier, seine Experimentierfreude und die Lust daran, immer wieder sehr disparate Kultur und Theorien zusammen zu bringen und neu zusammen zu denken.

– Ich las etwa zehn Bücher von ihm (von über 20) und empfehle „Dirac“, „Waffenwetter“, „Für immer in Honig“ und ein Langessay über „Buffy – im Bann der Dämonen“: „Sie ist wach. Über ein Mädchen, das hilft, schützt und rettet“.

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Dath schrieb ca. fünf größere Sci-Fi-Romane:

  • 2008: „Abschaffung der Arten“ (ist am bekanntesten und beliebtesten, Shortlist zum deutschen Buchpreis 2009. Ich las es nicht: Es spielt in naher Zukunft auf der Erde und passt, glaube ich, nicht hier ins Thema)
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  • 2012: „Pulsarnacht“ (passt ins Thema, doch hat die schlechtesten Kritiken und Leserwertungen aller Dath-Romane. Es erschien bei Heyne, nicht wie sonst bei Suhrkamp. Nicht gelesen. ZEIT-Rezension von Dennis Senzel)
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  • 2014: „Feldevaýe“ (ein 800-Seiten-Suhrkamp-Taschenbuch mit durchwachsenen Kritiken, gelesen)
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  • 2015: „Venus siegt“ (im Kleinverlag Hablizel, 150 Seiten längere Neuausgabe bei Fischer TOR; gelesen und 2015 von mir für Der Freitag besprochen: https://www.freitag.de/autoren/smesch/erzaehlen-meister)
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  • 2017: „Der Schnitt durch die Sonne“ (S. Fischer, gelesen; erscheint erst Ende August)

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a) DER SCHNITT DURCH DIE SONNE

…trägt enttäuschend wenig zum Thema bei: Hier gibt’s eine hochentwickelte, 2017 noch unentdeckte Zivilisation auf der Sonne, die erst seit ca. 1945 das Leben auf der Erde für halbwegs relevant, beobachtenswert hält. Als eine Art Bürgerkrieg/Konflikt auf der Sonne ausbricht, wird das Bewusstsein von fünf (nicht, wie im Klappentext: sechs) Menschen vom Sonnenwesen Teiresias in die Sonne übertragen. Dort sollen sie verschiedene Aufgaben lösen und an Projekten arbeiten.

– Das Buch erscheint am 24. August 2017. Deshalb noch keine Kritik/Besprechung von mir hier im Blog. Nur kurz, in Sachen „andere Zivilisationen“:

Über die Sonnenzivilisation und ihre Absichten erfährt man arg wenig. Die Wesen auf der Sonne sind so weit entwickelt, dass die menschlichen Hauptfiguren die ganze Zeit in Sinnbildern, Simulationen, künstlichen Metaphern-Environments bleiben: eine mysteriöse Insel mit Strand, Urwald und Monster wie in der Serie „Lost“, kleine Häuser, Küchen und Labors. TV Tropes nennt das „a form you are comfortable with“. Menschen als Versuchskaninchen höherer Mächte – etwas, für das wirklich jede dritte „Star Trek“-Episode seit 1966 GENAU DIESE Bilder und Metaphern findet.

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b) FELDEVÁYE

…spielt Jahrhunderte (-tausende?) in der Zukunft und ist lose verknüpft mit u.a. „Abschaffung der Arten“, „Venus siegt“ und der übersinnlichen Dath-Figur Cordula Späth, die schon seit seinem Debüt 1995, „Cordula killt dich“, in vielen seiner Bücher mysteriöse Gastauftritte hat. Im Großen steht das Buch aber für sich.

– Die Menschheit hat das Sonnensystem, ihre „Wiege“, vor langer Zeit aus eigener Kraft überwunden und die komplette Milchstraße besiedelt. Sie kann das eigene Bewusstsein in digitalen Backups („Tafeln“) speichern, die Geldwirtschaft ist abgeschafft, es gibt Kontakt zu ca. sechs verschiedenen Alien-Zivilisationen. Besonders Kunst gilt als „überwunden“: Es scheint niemandem mehr ein Bedürfnis, Kulturgüter zu produzieren. Auf dem abgelegenen Planeten Feldeváye erscheinen immer wieder Kunstwerke der Menschheit – in grünes Licht verpackt, „Flammen“ genannt – die von menschlichen „Flammenjägern“ gesammelt und dann in der „Auswertung“ katalogisiert und ausgestellt werden. Diese Kunstwerke werden von Aliens, den Menneskern, über die Welt verteilt – ein hochentwickeltes Volk, dem die Menschheit viel Fortschritt und neue Technologien verdankt.

– Der Roman folgt Flammenjägerin Kathrin Ristau, die sich fragt, was die Mennesker die Menschen lehren wollen, indem sie alte Kunst auf den Planeten streuen. Ristau schreibt vielbeachtete Essays und inspiriert damit andere Bürger*innen, neue Kunst zu schaffen: Sie lebt in einer utopischen Kommune in einem fröhlichen Baumhaus, doch im Lauf der Jahre zahlen ihre Partnerinnen und ihr Kind einen hohen Preis, weil Ristau von den Machteliten immer neu gejagt, manipuliert und abgedrängt wird. Ein befreundeter Genetiker bringt Schlangen bei, sich nach quantenmechanischen Gesetzen durch Raum und Zeit zu bewegen: Die Schlangen werden hochintelligent, lernen Fliegen, überflügeln die Menschheit und sind – falls ich das richtig verstand – die Mennesker. In einer Nebenhandlung holt eine Partisanin sich selbst aus dem Zeitstrom, um mit Hunderten Kopien die Geschichte neu zu schreiben.

– „Feldeváye“ hat großartige Ideen, eine tolle Grundfrage (Wie hängen Kunst und Zivilisation zusammen?), markante Figuren und Settings. Doch der Roman springt in jedem Kapitel zu einer anderen Figur, und oft weiß man erst nach 20, 30 Seiten vage, wie das ins große Ganze passt: ALLES Wichtige aus Kathrins Geschichte spielt zwischen den Zeilen, wird in Nebensätzen angerissen. Kriege brechen aus und enden, ohne, dass ich als Leser den Handelnden nah genug komme: Ein Buch, das mich auf drei Armlängen Abstand hält, die größten Wendungen lapidar runtererzählt und eine eh schon komplizierte Welt durch das Hin und Her der Perspektiven viel zu kompliziert macht. Ich denke an David Foster Wallace, der zwischendurch 70 Seiten Fußnoten einstreut: In „Feldeváye“ fühlt man sich wie in den Apokryphen oder Wikipedia-Einträgen der eigentlichen Geschichte: immer zu spät, zu weit weg, unnütz am Rand.

– Ich brauchte drei Tage für 800 Seiten, doch kann viele der grundsätzlichsten Fragen nicht beantworten: Warum schaffte sich Kunst ab, und warum kehrt sie durch Kathrins Engagement zurück? Warum funktionieren Tafeln nicht richtig (….und dann aber etwas VIEL Komplexeres: eine Nebenfigur, die sich aus drei Tafel-Bruchstücken fügt)? Wie hat die Partisanin die Zeitlinie verändert, und wie die Schlangen? Und: obwohl hier wirklich ganze Galaxien miteinander interagieren, geht alles Wichtige von Kathrin, ihrem Vater und einem Freund der Familie, Klemens, aus. Figuren, die 800 Seiten lang Nebenrolle und Randfigur ihres eigenen Epos‘ bleiben. Ich kenne kein Buch, das solchen Aufwand betreibt, sich SOLCHE Mühe gibt, Lesern immer wieder die Tür ins Gesicht zu schlagen.

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c) VENUS SIEGT

…spielt in derselben Erzählwelt wie „Feldeváye“, aber wesentlich früher: Hier kam die Menschheit noch nicht übers Sonnensystem hinaus, machte nur durch Terraforming u.a. Mars und Venus bewohnbar. Nick Helander, Sohn eines Funktionärs, hadert mit der Venus-Regentin und weiteren Politikern und rutscht in einen kalten Krieg zwischen Menschen, Robotern und körperlosen künstlichen Intelligenzen.

– Ich bin etwas enttäuscht, weil „Venus siegt“ 2015 eine sehr markante Lektüre für mich war, ich aber auf jeder Seite dachte „DAS kann Dath noch besser!“. Jetzt, noch „Feldeváye“ und „Der Schnitt durch die Sonne“, fürchte ich: Nein – fürs Erste ist „Venus siegt“ das lesens- und empfehlenswerteste Buch aus dieser Reihe. Es krankt an den selben Problemen wie die zwei anderen Titel: In fast jeder Szene erklären sich zwei Figuren die Welt, in sokratischen, künstlich-gewollt-leblosen Dialogen. Ich habe das Gefühl, wesentliche Szenen zu verpassen oder mich mit den falschen Fragen aufhalten zu müssen. Und Jargon, Begriffe etc. werden mir entweder viel zu spät erklärt oder (nur bei „Venus siegt“): durch ein Glossar SO hingeknallt, dass ich mir den Roman verderbe, falls ich das vorher durcharbeite.

– Wikipedia sagt: Die Figuren sind eindeutig Stalin, Lenin, Trotzki und Hitler nachempfunden. Ich sah beim Lesen Parallelen – doch glaube nicht, dass man dem originellen, atmosphärischen, sehr eigenen Roman einen Gefallen tut, wenn man ihn auf „Politik des 20. Jahrhunderts, in fancy Sci-Fi-Verkleidung“ reduziert.

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mein Grundproblem bei Dath:

Ich empfehle und verschenke die Bücher oft – doch bisher gab es nur zwei Freunde, die sagten „Doch, danke. Gern gelesen!“

Der Rest quälte sich und kann meine Begeisterung nicht nachvollziehen.

(Eine Ausnahme, viel zugänglicher: „Alles fragen, nichts fürchten“, ein Interview mit Dath auf Buchlänge von 2011. Das las auch meine Mutter, und fand es herrlich. Wer Dath kennen lernen will: am besten so.)

Jedes Mal aber, wenn ich sage „Das ist unnötig sperrig“, „Das hat zu viel Jargon“, „Das WILL Hollywood-Breitbild-Spannung, doch baut Szenen oft viel zu hölzern“, schimpft jemand „Du hast es nur nicht verstanden!“ oder „Du willst es kindisch mundgerecht!“

2015, nach meiner „Feldeváye“-Rezension im Freitag, schrieb Dath selbst in der FAZ, an meiner Hildesheimer Schreibschule hätte man uns wohl verboten, so zu schreiben: Offenbar fände ich sein Erzählen regelwidrig/nicht konform genug. Uff. Nein. Ich finds nur unnötig verblasen, hermetisch.

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Hör mir auf mit Dietmar Dath! „So einer hockt in jedem Dorf – an jeder Bushaltestelle: der Junge, der Science-Fiction liest. Comics, Groschenhefte. Die Nachbarn schwärmen ‚Wie talentiert!‘, die Lehrer ‚Allerhand!‘, die Eltern ‚Ein Unikat!‘. Doch zum Abitur dann trotzdem nur ein Notenschnitt von 1,7. Eigenbrötler. Verblasener Autodidakt. Selbstbewusst – aber immer nur halb fertig!“

Hanns-Josef Ortheil schimpfte so, 2007: Wir beide gaben ein Seminar über junge Literatur. Ich schwärmte von Dath – bis heute ein Lieblingsautor. Doch Ortheil, Institutsleiter meiner Hildesheimer Schreibschule, schien entnervt wie nie: Seit 1995 schreibt Dath Romane, Essays, Kritiken, Graphic Novels und Lyrik über Buffy und Death Metal, die KPD und Lost, den Südschwarzwald und Quantenmechanik. Ein Mathe-, Physik-, Pop-, Hermeneutik- und Polit-Liebhaber, der wilder, weiter denken, spinnen, kreuzen, belehren und überraschen will als die viel schnittigeren eingleisigen Experten.

Seit 2001, als Dath von der Musikzeitschrift Spex ins Feuilleton der FAZ wechselte; seit 2005, als er unter anderem bei Suhrkamp verlegt wurde, erklären Germanisten-Seriösis gern: „Hier kritisiert einer den konservativen Backlash im grün-alternativen Bürgertum. Und Zombies packt er gleich dazu. Als Bonus. Starke Metapher!“ Oder: „Es geht um Schöpfung und Kontrolle: Künstler als politische Subjekte. Aber trashig-farbenprächtig illustriert und ausgeschmückt. Bittere Pillen, hochbrisant! Genre, Entertainment, Subkultur, das ist Daths Zuckerglasur. Drunter ist Furor!“

In Venus siegt, Daths 18. Roman, hakt diese Teilung: Zwar trifft, wie meist, Phantastik auf Politik und Aufklärung. Es geht um Roboter, Terraforming, Transhumanismus und Verteilungskriege zwischen den Planeten des Sonnensystems nah am 30. Jahrhundert. Es geht, noch stärker, um Planwirtschaft, politikverdrossene Eliten, mathematische Kategorien- und Topostheorie und um den Machterhalt der stursten, zähsten, trockensten Regentin seit Angela Merkel.

Leona Christensen herrscht über die Venus – den einzigen Planeten, auf dem Roboter, Menschen und freie, körperlose Computerintelligenzen gleichberechtigt im kollektiven „Bundwerk“ rechnen, schuften und dämmern. Ich-Erzähler Nick Helander, Sohn von Leonas rechter Hand, trifft als Attaché Bauern und Kolchose-Robos, Forscher und Aussteiger, Künstler, Funktionäre und unfassbar komplizierte Programme. Er disputiert mit jedem Dialogpartner in seitenlangem Hin und Her und steht schnell vor der Frage: Ist das noch Fortschritt oder schon Regression? Leben wir in einer freien, gerechten Welt? Oder schafft Übermutter „Lily“ eine Diktatur?

Ich las noch keinen Dath-Roman, der sich mehr vorgenommen hat – und selten je ein Buch, für das ich mir weniger Leser vorstellen kann: Ein Kind des Regimes bemerkt, dass plötzlich alles raucht und glüht. Lady Oscar auf der Venus. Great! Doch 100 erste Seiten lang wird nur doziert. 100 letzte Seiten lang brennt die Welt, lapidar und lustlos weggequatscht, literarisch, psychologisch, dramaturgisch hohl. Dazwischen liegt ein leidlich interessanter, atmosphärischer Mittelteil von 90 Seiten. Ein Bruchstück, das provokante Fragen stellt – vorausgesetzt, man überspringt das übergenaue Personenregister, die Klappentexte und Inhaltsangaben.

Bert Brecht schrieb Stücke, die immer wieder klemmten, stoppten, die Gesellschaft aus dem Takt reißen wollten. Ayn Rand schrieb vulgärliberale Traktate, getarnt als Romane: Figurenpsychologie? Egal. Alles nur politisches Gleichnis, Illustration! Thesen werden ausgewalzt in Rede und Gegenrede. Venus siegt steht in dieser didaktischen, freudlosen Tradition: künstliche Sonnen? Fliegende Städte? Trotzdem null sense of wonder: Nichts begeistert. Niemand staunt. Kaum Charme, kein Tempo. Tief im System trifft der wohl langweiligste Mensch der Venus, Nick Helander, wechselnde Stimmen. Alle klingen gleich und reden seitenlang im Stil und Tonfall von Dietmar Dath. Redner statt Rechner. Planet der Laffen: ein Dathoversum voller IT-Kommunisten, in dem trotz aller Zahleneuphorie nur die dathigsten Ansprachen der allerdathigsten Großrhetoriker den Lauf der Welt entscheiden.

Cory Doctorow, ein ähnlich brechtianischer Sci-Fi-Autor und Gesellschaftskritiker, fragte sich, wie sehr das Netz seine Texte verändert. Seit man jedes Stichwort, jeden Namen googeln kann, sieht er sich nicht mehr in der Pflicht, alles Material, auf das sein Schreiben baut, im Text selbst zu erklären. Wer Fragen hat, soll googeln. Dietmar Dath geht eine Potenz weiter: Vielleicht ist Venus siegt ein solides Buch – sobald man fünf Semester Informatik studiert hat.

„Verblasener Autodidakt!“ Hanns-Josef Ortheils Dath-Wut traf bei mir einen Nerv. Ich wuchs als Comic-Eigenbrötler auf, im Dorf. Mein Abi-Schnitt ist 1,7. Mit Texten versuche ich selten, den Hauptpreis zu gewinnen. Besser: erst mal Kategorien sprengen. Erwartungen überrumpeln! So überraschend denken, kreuzen, spinnen, dass mir ein Sonderpreis eingerichtet wird. Venus siegtaber ist der erste Dath-Roman, bei dem ich fürchte: Was, wenn sich Dath jetzt immer einsamer, tiefer verschrullt? Für eine Handvoll Dorf-Nerds schreibt? Schiefe, kunstlose Ideologietraktate? „Erzählt“ wird hier kaum besser als bei Ayn Rand.

„Kannst du noch mal erklären, was dich an Dath stört?“, frage ich Ortheil; denn acht Jahre alte Zitate aus dem Gedächtnis sind nicht fair. „Mir fehlt da Gründlichkeit: Themen werden aufgetan und zu schnell abgehakt. Wenn jemand sagt: ‚Nicaragua. Da müsste man mal recherchieren, lernen, verstehen!‘, hebt Dath den Finger, als hätte er schon 2005 alles Wichtige gesagt, über Nicaragua. Oder über Genetik. Oder über jedes andere Thema, das gerade aufkommt.“

Im Genre der Hard-Sci-Fi – naturwissenschaftlich, nüchtern, theoretisch – wird oft eine „Singularität“ verhandelt: Der Punkt, an dem Computer die Rechenleistung menschlicher Hirne überholen. Kann dann Bewusstsein abgebildet werden, digital? Können Erinnerungen gespeichert werden, geteilt, getauscht? Körper gewechselt? Venus siegt zeigt künstliche Intelligenz auf entsprechendem Niveau. Doch typische Auswirkungen auf Konzepte wie „Menschlichkeit“ und „Bewusstsein“ fehlen hier. Das Buch sollte klügere Fragen stellen über Seelen, Körper, Kollektive. Ich fühle mich wie in einem Politroman über 2015, in dem zwar Dampfmaschinen laufen, doch die Dampflok sich nie recht durchsetzen konnte. Eine ungefähre Welt. Selbstbewusst – aber nur halb fertig. Kein Sonderpreis. Kein Hauptpreis. Und: Was Lady Oscar ist, erkläre ich jetzt nicht. Kann jeder googeln.

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große, grundsätzliche Fragen, die Hard Sci-Fi immer wieder durchspielt:

– Die Menschen schicken Raumschiffe an Ziele, mehrere Lichtjahre entfernt: An Bord leben und sterben oft ganze Generationen. DANN wird Reisen in Überlichtgeschwindigkeit erfunden: die neuen Schiffe überholen die alten und sind vor ihnen am Ziel. Ein Konflikt in u.a. „Feldeváye“ und „Invisible Republic“: Menschen aus Generationenschiffen als Abgehängte, Gestrige, Modernisierungsverlierer. Dazu die Zeitparadoxa: Leute in Kältekammern, die Jahrzehnte verschlafen. Familien oder Liebespaare, deren biologische „Eigenzeit“ plötzlich weit auseinander klafft.

– Die „Singularität“: Sobald Computer komplexer werden als menschliche Gehirne, könnten Gehirne eingescannt und abgespeichert werden. Sind Menschen damit unsterblich? Kann man den Körper wechseln, Bewusstsein kopieren, mehrere Körper zugleich steuern etc.? Und: schulden die überlegenen Maschinen den Menschen dann noch etwas – oder sind sie der logische nächste Schritt, evolutionär?

– Körper, Gender, Roboterrechte, Transhumanismus: In „Feldeváye“ wechseln viele Hauptfiguren mehrmals das Geschlecht, die meisten sind bisexuell. Welche Rolle spielt es in einer solchen Gesellschaft, ob jemand ein Roboter ist, eine künstliche Intelligenz, ein Mann, eine Frau?

– Mangel: Mit starken Energiequellen kann fast jeder Mangel überwunden werden. Wer arbeitet dann noch, und für wen? Dath – ein Marxist – spielt in vielen Büchern mit der Frage, ob Krieg, Macht, Ausbeutung verschwinden können, sobald alle Grundbedürfnisse gedeckt sind.

– Die Pädagogik von Aliens: Filme wie „Arrival“ (noch nicht gesehen) erinnern, wie fremdartig Aliens denken, kommunizieren. In Hard Sci-Fi heißt das oft, dass Menschen vor einem Artefakt, einer Weisung, einer Technologie stehen (z.B. dem Monolith aus „2001 – Odyssee ins Weltall“) und sich fragen: „Ist das eine Botschaft an uns? Ein Werkzeug? Was sollen wir damit? Ist das Pädagogik – oder nur der Abfall, den eine höhere Zivilisation nach dem Picknick auf der Wiese liegen ließ – und wir sind die Ameisen?“

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zum Abschluss: ein schönes Poetik- und Sci-Fi-Zitat aus „Der Schnitt durch die Sonne“

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hier noch mein kurzer Fazit-Text, geschrieben für die Website von Deutschlandfunk Kultur:

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Traumwelten, hochpolitisch
Literatur auf fremden Planeten – gesellschaftskritisch und kitschfrei: Dietmar Dath und „Invisible Republic“

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Maia Reveron sitzt im Gefängnis, als politische Gefangene: Ihr Cousin Arthur ließ sie verschwinden – nachdem er Staatschef wurde, alle Gegner in Säuberungen attackierte. In ihrer Jugend schufteten Maia und Arthur auf einer Farm, träumten vom besseren Leben, liefen fort. Dann erschlug Arthur einen Soldaten, wurde politisch aktiv. Maia wollte Texte schreiben gegen das Regime. Arthur legte lieber Bomben.

Der Comic, der Maias Politisierung erzählt, spielt in Städten, die aussehen wie auf Malta oder in Bulgarien: viele europäisch anmutende Marktplätze, viele Betonbauten wie aus den 80er Jahren. Ort der Handlung ist ein ganzer Mond: Maidstone. Im Jahr 2843 versorgen dort Arbeiter die Nachbarmonde und -Planeten mit Industriegütern und Obst. Arthur McBride kämpft für die Unabhängigkeit, benennt sein Reich in „Avalon“ um. Erst 40 Jahre später stürzt das Regime, und Maias Geschichte kommt ans Licht.

Seit 2015 erscheint „Invisible Republic“ im US-Verlag Image Comics: bislang 15 Kapitel, gesammelt in drei Bänden. 15 weitere sollen folgen. Die Zeichnungen stammen von Gabriel Hardman, Mit-Autorin der Texte ist seine Ehefrau Corinna Bechko. Der klügste, differenzierteste, literarischste Plot über Ideale, Radikalisierung, Terror, Macht und Korruption, den ich seit Jahren las.

Aber warum unbedingt ein anderer Planet – statt diese Geschichte in Prag zu erzählen oder auf Kuba? In Irland oder der DDR? Ich glaube, um Retro-, Kitsch- und „Früher war alles anders“-Fallen zu entkommen! Science Fiction hat Raum für alle denkbaren Grautöne, Differenzierungen – ohne, dass sich Autorinnen und Autoren in falscher Nostalgie verlieren. Wer über Arbeitslager, Genozid, Militärdiktaturen nachdenkt, kann über Deutschland im zweiten Weltkrieg schreiben. Über Japan im Krieg gegen China. Oder über Cardassianer und Bajoraner in „Star Trek: Deep Space Nine“. Nicht als Verhamlosung, Verfremdung. Sondern, um Muster zu zeigen – statt im Partikulären, im Historisch-Spezifschen hängen zu bleiben. In Zeiten, von denen man zu schnell sagt: „Das ist vorbei, überwunden. Das ist bei uns nicht möglich.“

J.R.R. Tolkien wird für das „Worldbuilding“ von Mittelerde bewundert. Doch viel kluge, politische, originelle Welten werden heute auch im Genre der „Hard Science Fiction“ entworfen: Zukunftsromane über Machtstrukturen, Soziologie und die Grenzen von Bewusstsein, Körpern, Gesellschaft. Die Klassiker? Arthur C. Clarkes Mars-Trilogie, „Picknick am Wegesrand“ der Strugatzki-Brüder, Isaac Asimovs Roboter-Gesetze. Im Fernsehen mühen sich „Battlestar Galactica“ und „The Expanse“ um möglichst viele Abgründe, Realpolitik. In Deutschland sticht Andreas Brandhorst hervor. Und, besonders: Dietmar Dath.

Bisher wollten fünf Romane des Freiburger Kritikers und Autors Zukunft möglichst originell und gesellschaftskritisch neu denken: das Genetik-Märchen „Abschaffung der Arten“ (2008), der aktuelle „fünf Menschen reisen zu einer unbekannten Zivilisation auf der Sonne“-Roman „Der Schnitt durch die Sonne“ (24. August 2017) und die Planeten-Romane „Pulsarnacht“ (2012), „Feldeváye“ (2014) und „Venus siegt“ (2015).

Was geschieht, sobald man das Bewusstsein eines Menschen digitalisieren und in Maschinen speichern kann: Lassen sich Seelen kopieren? Können sie die Körper wechseln? Oder werden Menschen dann sofort von Maschinen überflügelt, bedroht?

Was passiert, wenn ein Generationen-Raumschiff nach Hunderten von Jahren einen Planeten erreicht und besiedelt – doch der Menschheit in der Zwischenzeit Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit gelingen? Und das Schiff unterwegs überholt wird? In Daths „Feldeváye“ werden die Zu-Spät-Gekommenen, „Lacs“, zur verhassten Unterschicht. In „Invisible Republic“ bricht die Wirtschaft zusammen, als die Erde plötzlich durch schnelle Schiffe neuen Einfluss gewinnt.

Der einzige Dath-Planetenroman, den ich deutlich empfehlen kann, ist „Venus siegt“: ein Buch über einen Funktionärssohn, der mit den Machtcliquen seiner Heimatwelt, der Venus, hadert. Und mit dem sozial-ethischen Experiment, Menschen, Robotern und entkörperlichten künstlichen Intelligenzen gleiche Rechte zu geben. Wikipedia sagt: Eh alles nur eine Metapher auf Lenin, Trotski, Hitler. Und klar: Solche Parallelen entstehen schnell. Doch statt zu rufen „Verlagert das nicht ins All! Ihr kostümiert und verharmlost damit Menschheitsgeschichte!“, lohnt es sich, bei „Invisible Republic“, bei Marxist Dath, oder bei Cardassianern und Bajoranern noch einmal in die andere Richtung zu fragen: Was wird hier erzählt, gezeigt, schattiert, hinterfragt, das in einem Türkei- oder Nazi- oder US-Roman undenkbar wäre?

Worldbuilding heißt: neu anfangen. Dinge grundsätzlich denken, von sehr weit vorne, und dann sehr weit in alle Auswüchse hinein. In Westeros, in Gotham City, in Panem oder auf Minbar lässt sich oft schneller, grundsätzlicher neu fragen: Wie sähe eine gerechte Gesellschaft aus? Worunter leiden wir? Was tun wir dagegen? „Niemandsland“, sagt Dietmar Dath, „besiedelt man am schnellsten.“

Erzählen / Schreiben… mit „Dawson’s Creek“

prätenziös, mit 20, 2003.

Wenn ich meinen Freundeskreis und meine Jugend erklären will – und den Roman, den ich aus ihnen mache –, gibt es keinen besseren – schnellen, oberflächlichen – Vergleich als „Dawson’s Creek“…

eine US-Jugendserie (6 Staffeln, 1998 bis 2003), die mich im Jahr von „Zimmer voller Freunde“ (Juli 1999 bis Juli 2000: die 11. Klasse) beschäftigt, frustriert, entgeistert hat wie wenig sonst:

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Der Drehbuchautor Kevin Williamson erzählt mit Anfang 30 seine Jugend nach, als autobiografisches Ensemble-Drama. Er zeigt vier Freunde in unserem Alter – Jen, Joey, Pacey und Dawson. Dawson will Filmemacher werden: Er ist sehr klug und talentiert. Joey ist seine beste Freundin und bemerkt, dass sie ihn liebt. Pacey ist Dawsons abgebrühter Kumpel: Er schläft mit seiner Lehrerin und weiß nicht, was er aus sich machen soll. Und Jen ist neu in der Nachbarschaft: Sie lebt bei ihrer religiösen Großmutter, weil sie sich in New York mit vielen falschen Freunden eingelassen hat und dabei ihre sogar jungfräuliche Unschuld verspielte. Es kostet Dawson große Überwindung, Jen diese sexuellen Fehler zu verzeihen. Doch er ist trotzdem fasziniert – denn sie ist viel geheimnisvoller als seine hausbackene Joey.

In jeder Folge gibt es Diskussionen und Spaziergänge am Hafen: Coming of Age in Capeside, einem verschlafenen Nest an der US-Ostküste. Provinzsorgen, ein Kuss am Pier, narzisstische Krisen auf der Veranda. Dawson und seine Freunde kennen jeden Film und jede Serie. Sie schauen nachts zusammen fern und in der Schule drehen sie eigene Projekte. Sie streiten sich im Kino und sie jobben in der Videothek. Sie reden pausenlos, und nur über sich selbst: Sie reden so wie wir, wie Stoff und ich.

Wenn Stoff und ich noch reden würden.“ [Zitat aus „Zimmer voller Freunde“]

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Hinter allen – augenfälligen – Parallelen gibt es zwei tiefe Kerben, die mir „Dawson’s Creek“ ins Welt- und Serienverständnis riss:

  • DC“ funktioniert (als Jugendserie), weil [nach Staffel 1 oft nur noch: wenn] es realistische, kleinliche Freunde zeigt, in realistischen, kleinlichen Konflikten.

  • DC“ funktioniert (als Charakterstudie, dörfliches Ensemble-Drama), weil [nach Staffel 1 oft nur noch: wenn] es die Beschränktheit und Pedanterie der Freunde ausstellt, ihre Privilegien und Selbstbezogenheit, die pubertären Vorstellungen von Sex, Moral, Integrität.

1989 bis 1998 zeigte „Seinfeld“ Ennui und Neurosen vier schnöseliger Freunde aus Manhattan: eine Sitcom, die sich – trotzig, subversiv – als „show about nothing“ verstand, und deren treibende Konflikte keine realistischen Sorgen waren, sondern – Woody Allens Figuren denken ähnlich – das Gestotter und die Kleinlichkeit von Menschen, die alles analysieren und zergrübeln, doch ihre eigene Hybris / Arroganz ausblenden. Narzisstische, sorgenfreie Kindsköpfe, die alles durchschauen. Außer sich selbst.

1996 schrieb Kevin Williamson die Horrorfilm-Satire „Scream“: eine Clique (zynischer, übertrieben film- und medienkompetenter) Schüler, die mit den Slasher-Hororfilmen der 70er und 80er Jahre aufgewachsen sind, werden von einem kostümierten Schlitzer gejagt, der die Klischees, Tropen und Regeln „seines“ Filmgenres durchschaut, neu durchspielt, unterminiert.

Dawson’s Creek“ ist Fortsetzung und Coming-of-Age-Version dieser 90er-Jahre-Narrative: Die erste Generation von (Drehbuch-)Autoren, die mit Privatfernsehen, endlosen Syndication-Wiederholungen und Videotheken aufwuchs, erzählt von Figuren, für die jedes Trauma, jede Schwelle, jede neue Erfahrung in einem (vermeintlich: hilfreichen / vertrauten) Referenzrahmen aus vergleichbaren Film- und Fernsehszenen steht:

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  • 2003 („Sie ist wach“), 2006 („Dirac“) und 2007 („Waffenwetter“) u.a. stellt Dietmar Dath halb-autobiografische Berichte über seine Breisburger Provinz- und Jugendfreunde neben Nacherzählungen / Schlüsselszenen aus US-High-School-Serien wie „Roswell“ (1999 bis 2002) und „Buffy – im Bann der Dämonen“ (1997 bis 2003).

  • 2007, in Thomas von Steinaeckers Roman „Wallner beginnt zu fliegen“, „rutschen“ Dialoge und Bilder aus Filmen wie „Lola rennt“ (1998), „Matrix“ (1999) und „American Beauty“ (1999) in (ansonsten: dem trockenen Alltags-Realismus von US-Erzählern wie John Updikes oder Jonathan Franzen verpflichtete) Gespräche der Figuren; ganz ohne „Achtung: Hier wird ein Filmzitat montiert!“-Markierungen.

Menschen, die ihr Leben „dramaturgisieren“. Eine Welt aus Wiederholungen, Klischees, medialer Nostalgie, Verweisen. Narzissmus / Hybris der Idee, man selbst sei Hauptfigur, umgeben von „Nebenrollen“, „Gaststars“ und „Statisten“. Eine erste Liebe – die man als vierzigste, fünfzigste „Liebe“ erlebt, im Referenzrahmen von teen dramas, Coming-of-Age-Romanen, Seifenopern, Musikvideos. Trost, Lernen, Identifikation, (geborgte) Lebenserfahrung – via Privatfernsehen. Selbst-Stilisierung. Tagebücher. Die Kluft zwischen „Wirklichkeit“ und „Wahrheit“.

Mit 17 empfand ich „Dawson’s Creek“ als faszinierende, doch weitgehend missglückte Serie:

  • weil „Sympathieträger“ wie Dawson und Joey oft selbstsüchtig, bigott, arrogant und altklug über Fremde, Erwachsene und Freunde urteilten?

  • weil jedes Nicht-Problem zerredet wird, doch sich alle Hauptfiguren „Spaß“, „Mut“ und allen spontanen, pubertären Exzessen verweigern?

Nein:

  • Die altkluge Sprache kenne ich aus meinen eigenen Tagebüchern / Filmkritiken, und finde sie – als ironisches, oft rührendes Stilmittel – in der Figurensprache vieler „gernegroßer“ Erzähler, z.B. in C.D. Paynes „Youth in Revolt“-Romanen (ab 1993) oder Judith Zanders „Dinge, die wir heute sagten“ (2007).

  • Unsympathische“ Hauptfiguren sind (oft auch) überraschende Hauptfiguren. Ich muss den biederen, unfairen Dawson und die verdruckste, arrogante Joey nicht mögen, um mich (sehr produktiv, mit großem Vergnügen) an ihnen abzuarbeiten.

  • …und dass in Capeside „nie etwas passierte“, schien mir sehr tröstlich:

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An einem ihrer ersten Tage in der Nachbarschaft, in Folge 4 von „Dawson’s Creek“, trat Jen ins Krankenzimmer ihres komatösen Opas. Griff seine Hand und sagte müde, aber nicht unglücklich: „Das war wieder eine heftige Woche in Capeside.“

Es war nichts Großes geschehen.

Doch sie hatte Recht.

Die knirschenden Gespräche. Die täglichen, trüben Sorgen.

Wahrscheinlich gibt es jedes Jahr nur drei, vier Tage, die wirklich heftig sind, heftig auf Leben-oder-Tod-Niveau. Der Rest der Zeit, aller Alltag, hat nur die zähflüssige, zweite Sorte heftig im Programm; ein Heftig in Schattierungen, die keine eigenen Namen tragen. Wie oft schleudern Drogendealer Brandsätze durchs Fenster…? Oft handelt „Dawson’s Creek“ von nichts als konkurrierenden Ideen zwischen Freunden. Den vagen Ängsten und Gefühlen einer Gruppe Schülern. So ernst und gut, als sei das legitim, als Thema einer Serie. Als seien solche Tage, nur für sich, bereits erzählenswert.“ 

[Zitat aus „Zimmer voller Freunde“]

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  • Dawson’s Creek“ fragt, was Fiktion und Erzählen leisten können; für Menschen, nervös, befangen, unerfahren, in einem nicht-fiktionalen, nicht-glamourösen, unsauberen, vielstimmigen Alltag.

  • Dawson’s Creek“ fragt, ob Fiktion und Erzählen Sinn stiften – oder schaden, wenn Wissen als Second-Hand-Erfahrung, medial vermittelt, aus Hollywood- und Trash-Filmen abgegriffen wird.

Und „Dawson’s Creek“ scheitert.

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Weil die „reale Welt“, das Leben in Capeside, glatt, sauber, film-/romanhaft alle Klischees reproduziert, von denen sich „Dawson’s Creek“ abgrenzen will: Die Serie stellt vier bis sechs dynamische, komplexe Jugendliche (und eine freche, amüsante christliche Großmutter) einsam und plump zwischen flachen Eltern- und Lehrer-Figuren, lustlose Pappkameraden, schnell vergessenen Gaststars:

  • Dass Dawson lebt und handelt, als gäbe es drei, vier „wertvolle“ Personen – und sonst nur Pöbel und Statisten, ist eine irrwitzige, toll pubertäre, bigotte, verkrachte, großartige erzählerische Perspektive.
  • Dass Dawson in einer Serienwelt leben / handeln darf, in der es wirklich nur drei bis vier wertvolle Personen gibt, ist oft so schäbig, öde, flach, verkitscht und pointenlos wie das Gerede von Joey – oder den „Seinfeld“-Freunden:

In „Zimmer voller Freunde“ träumt Frank von häuslichen, munteren Muttis; Figuren aus Sitcoms wie „Hör mal, wer da hämmert“. Stefan will Breitbild, Orchester, Steadicam-Fahrten und Dolby Surround. Antje („Wir haben nur drei Programme. Mich interessiert das nicht.“) versucht, ohne Helden, Leitbilder auszukommen. Und Stoff macht keinen Unterschied – zwischen „Menschen“ und „Figuren“.

Wenn ich meinen Freundeskreis und meine Jugend erklären will – und den Roman, den ich gerade aus ihnen mache –, gibt es… auch auf den zweiten Blick… keinen besseren Vergleich als „Dawson’s Creek“.

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Stefan Mesch schreibt an “Zimmer voller Freunde”, seinem ersten Roman…

…und – hin und wieder – über Serien und Fernsehen, z.B. hier und hier.

Underdog Literature, July 2012: Special German Edition

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15 Bücher – neu oder unbekannt, einmal pro Monat:

frische, besondere, spannende oder vielversprechende Titel, die mehr Aufmerksamkeit verdienen:

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01: MILENA MICHIKO FLASAR, „Ich nannte ihn Krawatte“, 144 Seiten, 2012.

02: THOMAS MEYER, „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“, 261 Seiten, 2012.

03: MATHIAS GATZA, „Der Schatten der Tiere“, 400 Seiten, 2008.

04: ANGELICA AMMAR, „Tolmedo“, 255 Seiten, 2006.

05: GEORG KLEIN, „Libidissi“, 199 Seiten, 1999.

06: WENZEL STORCH, „Der Bulldozer Gottes“, 281 Seiten, 2009.

07: MARTIN HATZIUS, „Alles fragen – nichts fürchten: Dietmar Dath“, 240 Seiten, 2011.

08: HANS MAGNUS ENZENSBERGER, „Hammerstein oder der Eigensinn“, 375 Seiten, 2008.

09: KATHRIN AEHNLICH, „Alle sterben, auch die Löffelstöre“, 246 Seiten, 2007.

10: HANS-JÜRGEN LIEDTKE, „Die versunkene Welt. Ein ostpreußisches Dorf in den Erzählungen der Leute“, 424 Seiten, 2008. [Bericht]

11: JOACHIM HELFER, „Du Idiot“, 286 Seiten, 1994.

12: HELMUT KRAUSSER, „Melodien. Oder: Nachträge zum quecksilbernen Zeitalter“, 864 Seiten, 1993.

13: THORSTEN PALZHOFF, „Tasmon“, 181 Seiten, 2006. [Novellen]

14: RAINER MERKEL, „Lichtjahre entfernt“, 202 Seiten, 2009.

15: WERNER FAULSTIC H (Hg.), „Die Kultur der 90er Jahre“, 338 Seiten, 2010. [Kulturwissenschaftlicher Reader / Enzyklopädie]

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…sowie: sechs Bücher über Erinnerungskultur, Tod, Schuld und Familiengeheimnisse:

01: THOMAS MEDICUS, „In den Augen meines Großvaters“, 264 Seiten, 2004. [Ein Mann trauert um seinen Großvater; Bericht]

02: ULLA LENZE, „Der kleine Rest des Todes“, 144 Seiten, 2012. [Eine Frau trauert um ihren Vater; Roman]

03: MONIKA JETTER, „Mein Kriegsvater – Versuch einer Versöhnung“, 223 Seiten, 2004. [Eine Frau trauert um ihren Vater; Bericht]

04: WIBKE BRUNS, „Meines Vaters Land“, 246 Seiten, 2004. [Eine Frau trauert um ihren Vater; Bericht]

05: SUSANNE SCHÄDLICH, „Immer wieder Dezember – der Westen, die Stasi, der Onkel und ich“, 240 Seiten, 2009. [Eine Frau trauert um ihren Onkel; Bericht]

06: JULIA SCHOCH, „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“, 160 Seiten, 2009. [Eine Frau trauert um ihre Schwester; Roman]

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Hier sind fünf Bücher, die ich im letzten Monat gekauft habe:

01: MARTIN BÜSSER, „Der Junge von nebenan“, 100 Seiten, 2009. [Graphic Novel]

02: DIETMAR DATH (Hg.): „Horror als Alltag“, 248 Seiten, 2010. [Essay-Sammlung über „Buffy – im Bann der Dämonen“]

03: KIYOHIKO AZUMA, „Yotsuba“, Band 11, 224 Seiten, 2012. [Manga]

04: DANNY WALLACE, „Yes Man“, 371 Seiten, 2006.

05: FUNNY VAN MONEY, „This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey: Auf Tabledance-Tour durch die Republik“, 224 Seiten, 2012.

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…und zuletzt: drei Bücher, die ich vor Kurzem gelesen habe… und sehr empfehlen kann:

5 von 5 Sternen: GERBRAND BAKKER, „Der Umweg“, 228 Seiten, 2010. [deutsch 2012, bei Suhrkamp]

4 von 5 Sternen: JUDITH ZANDER, „Dinge, die wir heute sagten“, 479 Seiten, 2010.

4 von 5 Sternen: ANDREA HANNA HÜNNIGER, „Das Paradies – meine Jugend nach der Mauer“, 226 Seiten, 2011.

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Underdog Literature, June 2012: 15 fresh or notable, off-the-wall titles

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Here are 15 books that caught my interest lately.

Fresh, off-beat, quirky or curious titles that might deserve more attention:

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01: JONATHAN EVISON, „The Revised Fundamentals of Caregiving“, 290 pages, 2012.

02: MICHAEL CHABON, „Telegraph Avenue“, 480 pages, 2012.

03: MICHEL TURNIER, „The Ogre“, 373 pages, 1970. [France]

04: ELIZABETH WEIN, „Code Name Verity“, 452 pages, 2012. [Young Adult / History]

05: NEIL ABRAMSON, „Unsaid“, 368 pages, 2011.

06: ALEXIS M. SMITH, „Glaciers“, 174 pages, 2012.

07: GRAHAM JOYCE, „Some Kind of Fairy Tale“, 320 pages, 2012. [Urban Fantasy]

08: SERGEJ DOVLATOV, „A Foreign Woman“, 113 pages, 1991.

09: SASHA SOKOLOV, „A School for Fools“, 232 pages, 1976. [Russian]

10: LIZA KLAUSSMANN, „Tigers in Red Weather“, 368 pages, 2012.

11: SARAH MANGUSO, „The Guardians: An Elegy“, 128 pages, 2012. [Portrait / Memoir]

12: CLAIRE LEGRAND, „The Cavandish Home for Boys and Girls“, 352 pages, 2012. [Young Adult, Horror]

13: PATRICK FLANERY, „Absolution“, 400 pages, 2012. [Thriller, South Africa]

14: DAVID VAN REYBROUCK, „Kongo – eine Geschichte“, 783 pages, 2010. [Dutch, History]

15: RUTH KLÜGER, „Weiter leben: Eine Jugend“, 283 pages, 1992. [German, Memoir]

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Here are five books that made me curious enough to buy them:

01: SUZETTE MAYR, „Monoceros“, 272 pages, 2011. [Young Adult]

02: A.F. Th. VAN DER HEIJDEN, „Tonio“, 640 pages, 2011. [Dutch, Memoir]

03: EOWYN IVEY, „The Snow Child“, 389 pages, 2012.

04: ISMET PRCIC, „Shards“, 400 pages, 2011.

05: DIETMAR DATH, „Für immer in Honig“, 1035 pages, 2005.

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…and finally, here is one book that I read – and that was really good:

4 of 5 stars: GUY DELISLE, „Jerusalem“, 334 pages, 2012. [Graphic Novel / Journalism]

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