Buchtipps

10 Gründe für – und gegen! – Goodreads

beim Literaturfestival Sprachsalz, Mai 2016. Foto: Denis Mörgenthaler

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Am 21. Juni bin ich Studiogast bei Deutschlandfunk Kultur – und erkläre, wie ich auf Leseplattformen neue und vergessene Bücher finde.

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Mir hilft „Social Cataloging“: Websites, auf denen ich eingebe, was ich las, sah, hörte… oder bald lesen, sehen, hören will.

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Mein Essay „Futter für die Bestie: 528 Wege zum nächsten guten Buch“ (BELLA triste, Link hier) gewann 2012 den Friedrich-Oppenberg-Förderpreis der Stiftung Lesen.  Auf ZEIT Online schrieb ich über Goodreads, zuletzt 2013 (Link). Im Techniktagebuch: ein kurzer Text übers Liken und Herzchen-Vergeben in solchen Netzwerken.

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Als Literaturkritiker ist Goodreads mein wichtigstes Werkzeug.

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zehn Gründe für  – und gegen – die Plattform:

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10. Mein Leben als Leser – öffentlich sichtbar?

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Ich fand Goodreads im Juni 2008; bei einem Praktikum im Lektorat von Klett-Cotta: Ich las aktuelle britische und US-Titel und prüfte, ob sie in den Verlag passen. Oft war Goodreads die einzige Site, auf der über diese Bücher klug gesprochen wurde:kurze Kritiken – und der User-Score zwischen einem und fünf Sternen.

Knapp eine Woche überlegte ich: Was habe ich bisher gelesen? Will ich meine Lektüren mit Sternen bewerten? Ich legte ein Profil – und damit: eine öffentliche „Bibliothek“ – an, ich verschlagwortete Bücher als „Deutsch, modern“, „Deutsch, Klassiker“, „international modern“, „international Klassiker“, „Genre oder Sachbuch“, „Graphic Novel“ und fand ca. 2000 Lektüren, an die ich mich erinnern konnte, in der Datenbank: meine Lese-Biografie, öffentlich im Netz.

Ich bin froh, dass ich das 2008 tat: mit 25. Viele Details hätte ich mittlerweile vergessen.

  • Entscheidet, wer eure Buchsammlung sehen sollte. Alle? Nur Goodreads-Freund*innen?
  • Entscheidet, ob ihr knapp zeigen wollt, was ihr aktuell lest… oder eure komplette Lesebiografie einpflegt.
  • Entscheidet, wie ihr Bücher auf ein oder mehrere virtuelle „Regale“ sortiert: „abgebrochen“? „will ich lesen“? „Lieblingsbuch“? etc.

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ein Problem: Vieles fand ich mit 8, 12, 15 umwerfend. Soll das gleichberechtigt neben aktuellen Büchern stehen? Vergebe ich 5 Sterne, weil das GUT war? Oder nur, weil es mich damals glücklich machte?

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09. Meinung – auf eine Zahl von 1 bis 5 reduziert:

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Freund*innen sind oft verwirrt und müde, wenn ich sie bitte, komplexe Meinungen zu einem Buch auf eine Skala von 1 bis 5 zu reduzieren. Doch das ist Übungssache – und macht oft Spaß. Meine Vermutung: Wer online über Bücher ins Gespräch kommen will, sucht im Jahr 2017 gar keine Leseplattformen mehr – sondern kennt fast alle. Je nach Interesse, Zeit, Stimmung, Zielgruppe, Charakter kann ich…

  • Blogs führen (und meine Rezensionen auf Amazon, Goodreads, Lovelybooks etc. kopieren).
  • Lektüren für Instagram fotografieren, Hashtags vergeben, in Hashtags wie „Essay“ Neues entdecken.
  • Amazon-Wunschzettel anlegen.
  • auf Plattformen wie Literaturschock, Lovelybooks in „Leserunden“ gemeinsam mit Fans & Autoren über ein Buch diskutieren.
  • auf Facebook, Twitter, Tumblr Diskussionen eröffnen, mit Freunden oder Fremden.

Bücher auf einer 5-Sterne-Skala zu werten… das ersetzt keine Literaturkritik oder Dialog. Doch es hilft, sich Vorlieben bewusst zu machen. Lese ich zu viele 3-/2-Sterne-Titel in Folge, denke ich z.B. schnell, Lesen per se mache mir gerade keinen Spaß mehr. Goodreads macht die eigenen Gewohnheiten, Ansprüche, Mechanismen sichtbar(er).

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ein Problem: Goodreads will helfen, indem jedem Stern eine Phrase zugeschrieben wird. „I did not like it“ (1), „It was okay“ (2), „I liked it“ (3), „I really liked it“ (4), „It was amazing“ (5 Sterne). Meine eigene Skala: „unfähig oder böse: Ich wünschte, niemand läse dieses Buch“ (1), „misslungen: Ich rate ab“ (2), „nicht misslungen – doch mit größeren Problemen/Schwächen“ (3), „gern gelesen, viele Stärken“ (4), „umwerfend, besonders, aufregend!“ (5 Sterne).

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08. der User-Score: 401 Abstufungen

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Fünf Sterne? Das klingt undifferenziert. Doch zu jedem Buch wird der Durchschnittswert öffentlich gezeigt, bis zur zweiten Kommastelle. Nur die schlechtesten oder umstrittensten Bücher haben einen Score unter 3.00 („Feuchtgebiete“: 2.80, „Deutschland schafft sich ab“: 3.35), und nur Bücher mit besonders euphorischen Fans (z.B. Kinder und Jugendliche) kommen über 4.5 („Harry Potter“, Band 1: 4.44).

Lovelybooks, der deutschsprachige Konkurrent zu Goodreads, zeigt den Score nur als Grafik: Fast jedes Buch hat rund 4 Sterne. Damit ist die Plattform für mich nutzlos – denn ich brauche die genaue Zahl. Und etwas Erfahrung, wie ich sie lesen/verstehen kann:

  • Romane: ab 3.75 lesenswert; ab 4.00 auffällig beliebt
  • Superheldencomics: ab 3.75 lesenswert; ab 4.00 auffällig beliebt
  • Fantasy und Science Fiction: erst ab 4.00 einen Blick wert, oft seltsame Hypes
  • Jugendbücher: ab 3.90 einen Blick wert; ab 4.20 oft krasser Mainstream/Romance.
  • Theaterstücke, Essays, Kurzgeschichtensammlungen: ab 3.90 einen Blick wert

Schullektüren werden schlechter bewertet – weil viele sie unfreiwillig lesen, und sich darüber ärgern. Bildbände haben hohe Wertungen: Weil viele Geld ausgeben? Stolz sind? Sich den Kauf schön reden? Je schwerer, trockener, anspruchsvoller, desto höher der Score: Vielleicht sind die meisten Leser*innen stolz, sich durch ein Buch gekämpft zu haben. Wichtig: Je größer das Fandom, die Nische, je leidenschaftlicher die Subkultur – desto größer die Hype-Gefahr; Bücher von/für Mormonen sowie Liebes-Groschenromane und Erotik haben oft unkritisch hohe Wertungen. Bücher aus den Niederlanden werden dagegen meist absurd schlecht bewertet: Das niederländische Heimatpublikum fühlt sich von ihren Literat*innen genervter als wir Deutschen von unseren.

ein Problem: Der „Ikea“-Effekt zeigt: Wer viel Arbeit investiert, ist stolzer als jemand, der es leichter hat. Vielleicht werden deshalb zähe, mühsame, trockene Bücher oft höher bewertet. Je mehr man denken, mitarbeiten, die Zähne zusammenbeißen muss, desto höher oft der Score. Eine gute Nachricht, eigentlich: Ein breites Publikum bereut die meisten „schwierigen“ Lektüren nicht. Im Gegenteil!

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07. Anlesen, bald lesen, für später merken:

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Bücher können als „gelesen“, „lese ich gerade“, „will ich lesen“ markiert werden. Meine Routine, seit Jahren: Sobald jemand ein Buch erwähnt oder empfiehlt, öffne ich Goodreads, markiere es. Gibt es eine deutsche oder englische Leseprobe, lese ich rein. Ich entscheide, ob ich das Buch interessant finde, selbst lesen würde. Um dieses Anlesen und Bald-Lesen zu organisieren, habe ich einen Zweit-Account:

  • Bei 6.600 Büchern suche ich eine Leseprobe, warte auf die Übersetzung oder die Buchpremiere.
  • 13.000 Bücher wurden von mir angelesen
  • 2.7000 Bücher von mir als „angelesen und gemocht“ markiert: Ich lege sie auf meine Amazon-/Medimops-/Rebuy-Wunschzettel, blogge über sie, habe sie oft billig gebraucht gekauft und noch ungelesen im Regal stehen.
  • Hier, im Zweit-Account, nutze ich präzisere Verschlagwortungen und sortiere auf mehr Regale: „zweiter Weltkrieg“, „Bücher mit Illustrationen“, „Bücher für Neun- bis Vierzehnjährige“, „in Deutschland erschienen, doch gerade nicht im Buchhandel erhältlich“ etc.
  • Sucht jemand Bücher für Teenager, die von Essen handeln, internationale Comics, die in Japan spielen etc., kann ich in zehn Minuten erste Listen erstellen.
  • Ich bin oft stundenlang in Bibliotheken, Buchhandlungen, Antiquariaten oder vor Regalen von Freund*innen. Ich blättere durch Bücher und markiere, was mich packt/interessiert – und was mich kalt lässt.

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ein Problem: Um schnell zu sehen, welchen Eindruck solche angelesen Bücher auf mich machten, gebe ich den vielversprechenden 4 Sterne, den abstoßenden 2, und allem, das ich nicht unbedingt lesen will, 3. Weil alle Sterne öffentlich sind, beeinflusse ich damit Scores – ohne, das Buch zu Ende gelesen zu haben. Verboten ist das nicht. Doch besonders bei aktuellen deutschen Titeln, die noch kaum bewertet wurden, gebe ich manchmal keine Wertung ab: Statt – anonym, und ohne, komplett gelesen zu haben – durch eine 2-Sterne-Wertung Menschen Lust aufs Buch zu nehmen.

ein größeres Problem: Bei Amazon-Kritiken werden Rezensionen von Menschen, die das Produkt nachweislich bestellten, bevorzugt. Bei Goodreads aber kann man durch Kampagnen und anonyme Sockpuppet-Accounts Scores leicht ändern. Deshalb nehme ich Scores erst ab ca. 30, 40 Einzelwertungen ernst. Viele deutschsprachige Titel aus kleinen Verlagen haben aber nur sechs, sieben Stimmen: Ihre Scores werden nie repräsentativ.

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06. „Lesezwillinge“, Vertrauenspersonen:

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Unter jedem Goodreads-Profil: die Option „Compare Books“. Eine Extra-Seite zeigt alle Titel, die man gemeinsam hat – und stellt die Wertungen gegeneinander. Eine Funktion, die ich auch gern bei Kritiker*innen hätte, die im Feuilleton rezensieren; denn sie lässt überraschend tief blicken: Ich werte Haruki Murakami und viele feministische Memoirs überdurchschnittlich hoch. Meine 3 Sterne für „Tschick“ und „Der Fänger im Roggen“ fallen aus dem Rahmen. Viele Deutsche geben Christian Kracht und Bret Easton Ellis einen Stern – oder fünf.

  • Die Rezensionen unter jedem Buch sind nach Beliebtheit sortiert: Unter den ersten fünf sind oft schon ein, zwei interessante Stimmen.
  • Ich sehe oft nach, wer meine Lieblings- oder Hass-Bücher ähnlich euphorisch oder negativ wertete wie ich.
  • Öffne ich die Profile, klicke ich auf „Compare Books“ und sehe nach, ob ich die Wertungen plausibel/hilfreich finde.
  • Lovelybooks wurde als Bestseller- und Unterhaltungs-Plattform vermarktet. Goodreads lockt auch Expert*innen, Akademiker*innen, Nerds: Ich folge Menschen, die z.B. italienische Hochliteratur lieben, Rrriot Girls oder Mangas mit Schwulen und Lesben.

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ein Problem: In David Lodges „Changing Places“ gibt ein Literaturprofessor auf einer Party zu, nie „Hamlet“ gelesen zu haben – mit Folgen für seine Karriere. Ich fragte einen Germanisten-Freund, ob er zu Goodreads will. Er zierte sich lange: „Zeige ich, welche Bücher ich las, dann zeige ich damit auch, welche Bücher ich NICHT las. Ein peinlicher Offenbarungseid!“ Jeder sieht, dass ich „Krieg und Frieden“ nie las, „Die Blechtrommel“ abbrach, nichts von Heinrich Böll kenne.

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05. Rankings und Listen.

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Spotify kennt meinen Musikgeschmack gut genug, um mir zweimal pro Woche („Mix der Woche“, „Release Radar“) je 30 Songs vorzuschlagen – von denen viele gut passen. Auch Netflix hat eine beliebte „Recommendation Engine“. Die Empfehlungen bei Goodreads sind flau: Sobald ich deutsche Bücher bewerte, greift das System auf deutsche Bücher zurück – von denen die meisten in den USA erschienen. Weil dort noch immer Bücher über den zweiten Weltkrieg gefragt sind, heißt das: Statt Gegenwartsliteratur empfiehlt mir Goodreads – seit die persönlichen Empfehlungen eingeführt wurden (2011) – fast NUR Holocaust-Memoirs.

Unpersönlich dagegen – doch spezifisch und hilfreich: „Listopia“. Der Bereich, in dem jede*r öffentliche Listen erstellen und Titel auf bestehenden Listen nach oben voten oder neu einfügen kann.

Wer promoviert, an einem längeren Text arbeitet oder eine Nische erforschen will: Erstellt eine Liste – und schaut, ob sie wächst!

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ein Problem: Auf den ersten Blick wirkt Goodreads zu US-fixiert. Es hilft, Listen auf Deutsch anzulegen – sonst werden sie bald von englischsprachigen Vorschlägen, Favoriten dominiert.

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04. In Deutschland: lieber Lovelybooks?

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Vorgestern las ich die Verlags-Programmvorschauen für Herbst 2017: Immer wieder wurde versprochen, dass der Verlag Geld an Lovelybooks zahlt, um als dort Werbung für den neuen (meist: Unterhaltungs- oder Liebesroman) Verlosungen und -Leserunden einzurichten. Als PR-Plattform scheint Lovelybooks immer wichtiger zu werden. Auf Goodreads dagegen pflegen Verlage oft nicht einmal das deutsche Cover, den deutschen Klappentext ein (…bis Fans/deutsche User*innen das übernehmen).

Goodreads wird „deutscher“/“deutschsprachiger“, indem man…

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ein Problem: Der US-Markt sowie US-Klassiker werden durch viele, recht diverse US-Leser*innen in aller Vielfalt abgebildet – auch die Hochliteratur und akademische Diskurse. Ich finde dauernd rezensierende US-Bibiothekar*innen, Pädagog*innen. Mit etwas Mühe kann ich (immerhin) auch nach philippinischen, rumänischen, portugiesischen Bestsellern suchen. Doch die Vielfalt deutscher Verlage zeigt sich leider immer noch eher, indem man erst eine Stunde im „Perlentaucher“/Feuilleton liest, dann eine Stunde im Bahnhofsbuchhandel blättert.

„I already know how people like me, people who read books professionally and with a particular set of aesthetic values, respond to a text. I go to reader reviews to see how the other half reads“ …begründet Literaturkritikerin Laura Miller – recht klassistisch / von oben herab – warum sie sich freut, dass Laienkritik, Fan-Meinungen und die Stimmen der Menschen, die meist nur zum Vergnügen lesen, durch Plattformen wie Goodreads sichtbarer werden.

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03. …und meine Daten?

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2013 wurde Goodreads von Amazon gekauft.

Auf Goodreads selbst änderte sich nichts: Ein Button namens Get a Copy leitet mich (schon seit zehn Jahren) an einen Online-Bookstore meiner Wahl; ich selbst stellte dort „Amazon.de“ ein – nicht, um die Bücher dort zu kaufen, sondern, weil sich dann mit ein, zwei Klicks gleich eine Online-Leseprobe öffnet.

Die Übernahme ist problematisch, weil…

  • Amazon auf Goodreads noch schneller sehen kann, welche Bücher einen Hype/Sog entwickeln – besonders auch bei Fans und gebildeteren Käufer*innen.
  • Buch-Scores leicht zu manipulieren sind.
  • Bücher via Newsletter, Anzeigen etc. auf der Seite beworben (oder unsichtbarer gemacht) werden können.
  • Kindle-Daten dem Konzern zeigen, WIE wir lesen, wo wir abbrechen und pausieren…
  • …und Goodreads-Daten jetzt zusätzlich genau zeigen, was wir lesen WOLLEN.

Als User sind Goodreads und Amazon für mich nicht vergleichbar: Auf Goodreads kann ich Bücher markieren, sortieren, sichtbar machen oder wegklicken, in einer Optionen-Fülle, die mir Online-Stores oder Datenbanken nie gaben. Mir kommt das vor, als könne ich mit Leuchtstiften, Stickern, Handwagen etc. durch eine Buchhandlung laufen – und alles wegwerfen, umsortieren, anstreichen, nach meinen Vorstellungen stapeln. Die Amazon-Website gibt mir kaum Optionen, mich als Leser zu organisieren: Hier geht es um Angebote, Überflutung, Werbung, Kaufanreize. Goodreads dagegen ist – bislang – weiterhin ein Ort, an dem ICH entscheiden kann, was ich mir speichere und sichtbar halte.

Trotzdem glaube ich, dass Amazon durch die Goodreads-Daten noch aggressiver planen kann. (Gut, immerhin: Dass die meisten dieser Daten auf Goodreads offen sind und ich selbst – z.B. als Journalist – von außen ebenfalls viele Schlüsse aus all den Scores und Rankings etc. ziehen kann: Die Seite hat mir VIEL mehr gegeben und gezeigt, als ich bisher, durch meine Daten, dort „einzahlte“.)

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02. Abseitiges, Serien, Direktvergleiche:

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„Was macht gute Literatur aus?“, „Was macht Buch X besser als Y?“, das sind Irrsinns-Fragen: Sie müssen immer neu gestellt, verhandelt werden – und Goodreads hat auf sie keine besonders klugen oder neuen Antworten. Eine Frage aber, die die Plattform HERVORRAGEND beantwortet: „Welche Bücher lasen Menschen gern – und: lieber als andere?“

Ich bin besonders oft bei Goodreads, wenn ich mich nicht über EIN konkretes Buch informieren oder austauschen will – sondern frage:

Ich liebe die Website GraphTV: Sie zeigt, wie IMDB-User*innen alle Episoden von Serien bewerten – und liefert damit klare Tendenzen: Welche Serien laufen sich tot? Wo lohnt sich erst die zweite Staffel? Was wird besser und besser? [Beispiele: „The Americans“, „Friends“, „Game of Thrones“, „The Walking Dead“).

Goodreads ist kein Werkzeug, das mir objektiv zeigen kann: Die folgenden Bücher sind gut.

Doch Goodreads kann mir überraschend präzise Tendenzen, Entwicklungen, Abstufungen zeigen.

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ein Problem, das ich oft fürchte, aber nicht besätigen kann: „Unbequeme“ Bücher, Zumutungen, Herausforderungen, Irritationen, Kurswechsel, Experimente – werden sie auf Goodreads abgestraft? Werden nur Wohlfühl-Titel hoch bewertet oder Autor*innen gelobt, die keine Wagnisse eingehen, nur eine feste Formel bedienen? Nein. Die Scores zeigen: Auch das aller-breiteste Publikum ist VIEL kritischer, experimentierfreudiger meist.

schade aber: Wer Band 1 einer Serie, Reihe nicht mag, steigt aus. Wer Band 17 liest, liebt die Reihe meist. Deshalb haben Reihen oft immer höhere Wertungen – vielleicht auch solche, die den Hype nicht verdienen?

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01. nie wieder die Angst: „Nichts macht mir Spaß!“

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Wenn ich krank bin, müde, deprimiert, frage ich nicht mehr: Was soll ich lesen, sehen, hören? Die vielen Watch- und to-Read-Lists helfen mir, Titel präsent zu halten, auf die ich mich freue. Ich öffne Goodreads in Antiquariaten, Bibliotheken, als Wunschzettel, Merk- und Einkaufsliste. Ich war nie suizidal – doch ein Blick auf die Listen macht mir wie NICHTS ANDERES klar, wie viel ich noch nicht kenne… und unbedingt kennen will. Kultur, auf die ich mich freue. Geschichten, Figuren, Stimmen, für die ich mir Zeit nehmen will.

Mein Leben fühlt sich weiter, offener an – seit ich solche Listen pflege. #Vorfreude!

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ein Problem: Für mich ist das Routine:

  • Bücher im Gespräch mit Freund*innen, im Feuilleton oder in Buchläden entdecken.
  • Sie auf Goodreads finden, Kritiken und den Score nachlesen.
  • Die Leseprobe anlesen.
  • …und DANN entscheiden: Will ich das kaufen und komplett lesen?

Viele Freund*innen brauchen das nicht: Sie lassen sich Bücher leihen oder schenken, kaufen nach Cover und Gefühl, sparen sich langes Überlegen. Ich bin Literaturkritiker: Mir ist wichtig, dass ich in alle bekannteren Bücher wenigstens kurze Blicke warf, mir einen ersten Überblick verschaffte, nicht zu viel Zeit mit Dutzendware verbringe. Doch ich verstehe alle, die sagen: „Eine Datenbank pflegen – über die eigenen Lese-Absichten? Wozu?“

Ich verbringe gut vier Tage im Monat, Bücher zu finden, zu sortieren, anzulesen, Redakteur*innen vorzuschlagen, in Listen zu bloggen.

Ich verbringe oft weniger als vier Tage im Monat damit, Bücher zu lesen.

Für mich passt diese Balance meist. Passt sie für euch? Dann: Goodreads, gern.

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Romane 2017: Die besten neuen Bücher – Herbst, Frankfurter Buchmesse & Weihnachten

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angelesen, vorgemerkt, entdeckt: meine Vorauswahl der literarischen Neuerscheinungen in der zweiten Jahreshälfte 2017 – neue Bücher für die Zeit zwischen Spätsommer, Frankfurter Buchmesse und Weihnachten.

Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

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Hier meine Auswahl für Herbst und Winter 2017.

Die Klappentexte/Buchbeschreibungen wurden von mir gekürzt.

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angelesen und gemocht:

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neue Bücher 2017 Colson Whitehead, Mariana Leky, Geoffrey Household.png

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Colson Whitehead: „Underground Railroad“ (Hanser, 21.8. – Deutsch von Nikolaus Stingl) „Cora ist eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Da hört sie von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk. Über eine Falltür beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?“

Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“ (Dumont, 18.7.) „Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt.“

Geoffrey Household: „Einzelgänger, männlich“ (Kein & Aber, 5.9. – Deutsch von Michel Bodmer) „Europa Anfang der Dreißigerjahre: Ein Jäger schleicht sich auf das Anwesen eines gefürchteten Diktators, legt an und zielt. Ein unvorstellbar spannender Thriller, geschrieben aus der Sicht des Verfolgten.“ [Klassiker von 1939]

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neue Bücher 2017 Gael Faye, Betty Smith, Tom Drury

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Gael Faye: „Kleines Land“ (Piper, 2.10. – Deutsch von Brigitte Große, Andrea Alvermann) „Als Kind pflückte Gabriel in Burundi mit seinen Freunden Mangos von den Bäumen. Heute lebt er in einem Vorort von Paris. Dorthin floh er, als der Bürgerkrieg das Paradies seiner Kindheit zerstörte. Doch er muss noch einmal zurück.“

Betty Smith: „Ein Baum wächst in Brooklyn“ (Suhrkamp/Insel, 23.10. – Deutsch von Eike Schönfeld) „Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin – und möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der im bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten.“ [Klassiker von 1944.]

Tom Drury: „Grouse County“ (Sammelband einer Romantrilogie, ich las und mochte „Die Traumjäger“; 5.8. – Deutsch von Gerhard Falkner, Nora Matocza) „Irgendwo im Mittleren Westen: Das Leben der Menschen zerbröckelt langsam, alle jagen unrealistischen Träumen nach – und sind Dorn im Auge des örtlichen Sheriffs, Dan Norman, der die Harmonie in seinem County wahren will. Die jüngere Generation sieht dagegen nur einen Ausweg, dem ländlichen Mief zu entkommen: nie mehr zurückkehren. Der Band enthählt die drei Romane »Das Ende des Vandalismus«, »Die Traumjäger « und den bisher auf Deutsch unveröffentlichten Roman »Pazifik«.“

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neue Bücher 2017 Tim Winton, Margaret Atwood, Elena Lappin

Tim Winton: „Inselleben. Mein Australien“ (Luchterhand, 24.7. – Deutsch von Klaus Berr) [Ich glaube, das ist der schwülstigste, unfreiwillig komischste Klappentext, den ich dieses Jahr las. Winton selbst schreibt zum Glück nicht halb so… pfaffenhaft.]

Margaret Atwood: „Aus Neugier und Leidenschaft. Gesammelte Essays [bis 2005]“ (Berlin Verlag, 13.10. – Deutsch von Christiane Buchner, Claudia Max, Ina Pfitzner) “ Rezensionen zu John Updike und Toni Morrison; ein Afghanistan-Reisebericht, der zur Grundlage für den ‚Report der Magd‘ wurde, leidenschaftliche Schriften zu ökologischen Themen, Nachrufe auf einige ihrer großen Freunde und Autorenkollegen…“

Elena Lappin: „In welcher Sprache träume ich?“ (Kiepenheuer & Witsch, 7.9. – Deutsch von Hans Christian Oeser) „Hineingeboren ins Russische, verpflanzt erst ins Tschechische, dann ins Deutsche, eingeführt ins Hebräische und schließlich adoptiert vom Englischen – jede Sprache markiert einen neuen Lebensabschnitt in der Familiengeschichte Elena Lappins: Fragen nach Heimat, Identität, Judentum und Sprache. Sensibel geht sie den Erzählungen, Lebenslügen und Geheimnissen der Eltern und Großeltern nach und schildert, was es heißt, mit gleich mehrfach gekappten Wurzeln zu leben und auch nach dem Verlust einer Muttersprache schreiben zu wollen.“

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neue Bücher 2017 Benjamin Alire Saenz, Guy Gavriel Kay, James Corey

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Benjamin Alire Saenz: „Die unerklärliche Logik meines Lebens“ (Jugendbuch, Hanser bei Thienemann, 19.8. – Deutsch von Uwe-Michael Gutzschhahn) „Sich gegenseitig auffangen – das haben Sal und seine beste Freundin Samantha bisher immer geschafft. Doch gelingt das auch, wenn alles droht, auseinanderzubrechen? Das letzte Schuljahr stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Sam gerät an einen miesen Typen, während Sal verzweifelt versucht, nicht zu einem zu werden.“

Guy Gavriel Kay: „Am Fluss der Sterne“ (Fantasy, spielt 400 Jahre nach „Im Schatten des Himmels“, Fischer TOR, 26.10. – Deutsch von Ulrike Brauns) „Einst galt Xi’an als schönste Stadt der zivilisierten Welt, der Kaiserhof als Hort des Luxus und der Kultur. Doch seit Kitai in weiten Teilen an die Barbaren aus dem Norden gefallen ist, herrscht Angst auf den Straßen, und das Heulen der Wölfe hallt durch verfallene Gemäuer.“

James Corey: „Babylons Asche“ (Science Fiction, Band 6 der „The Expanse“-Reihe, Heyne, 13.6. – Deutsch von Jürgen Langowski) „Die Menschheit hat das Sonnensystem kolonisiert. Auf dem Mond, dem Mars, im Asteroidengürtel und noch darüber hinaus gibt es Stationen und werden Rohstoffe abgebaut. Doch die Sterne sind den Menschen bisher verwehrt geblieben. Als der Kapitän eines kleinen Minenschiffs ein havariertes Schiff aufbringt, ahnt er nicht, welch gefährliches Geheimnis er in Händen hält – ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird.“

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deutschsprachige Literatur:

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Jana Hensel: „Keinland. Ein Liebesroman“ (Wallstein, 31.7.) „Jana Hensel lotet in kunstvollen Zeitsprüngen und Erinnerungen an Tage in Berlin und Nächte in Tel Aviv, an tiefe Innigkeit und immer wieder scheiternde Gespräche die Grenzen zwischen zwei Liebenden aus. Martin, der als Jude in Frankfurt am Main aufgewachsen ist, Deutschland aber nach der Wiedervereinigung verlassen hat und nach Tel Aviv gezogen ist, und Journalistin Nadja.“

Theresia Enzensberger: „Blaupause“ (Hanser, 24.7.) „Luise Schilling ist jung, wissbegierig und voller Zukunft. Anfang der brodelnden zwanziger Jahre kommt sie an das Weimarer Bauhaus, studiert bei Professoren wie Gropius oder Kandinsky und wirft sich hinein in die Träume und Ideen ihrer Epoche. Zwischen Technik und Kunst, Populismus und Avantgarde, den Utopien einer ganzen Gesellschaft und individueller Liebe wird Luise deutlich, dass der Kampf um die große Freiheit vor dem eigenen kleinen Leben nie Halt macht.“

Maren Wurster: „Das Fell“ (Hanser Berlin, 24.7.) „Vic freut sich auf die Reise mit Karl. Doch dann fährt Karl mit seiner Ex-Freundin und der gemeinsamen Tochter an die Ostsee und reagiert nicht auf Vics Nachrichten. Vic steigt aufs Fahrrad und fährt los, immer weiter durch eine Landschaft, die immer fremder wird. Etwas verändert sich in Vic, etwas Unheimliches kommt zum Vorschein.“

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Thomas Lehr: „Schlafende Sonne“ (Hanser, 21.8.) „Der Dokumentarfilmer Rudolf Zacharias will die Vernissage einer früheren Studentin besuchen. Milena zieht in der Ausstellung nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Historische Katastrophen stehen neben den privaten Verwicklungen dreier Menschen, die Spuren führen von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Ein überwältigendes Fresko dieses deutschen Jahrhunderts: tragisch, komisch, grotesk, und immer wieder ganz persönlich und intim.“

Sabrina Janesch: „Die goldene Stadt“ (Rowohlt Berlin, 18.8.) „Peru, 1887. Augusto Berns will die verlorene Stadt der Inka gefunden haben. Wer ist der Mann, der vielleicht El Dorado entdeckte? Erst seit kurzem weiß man, dass Machu Picchu von einem Deutschen entdeckt wurde. Ein Roman, der uns in eine exotische Welt eintauchen lässt [uff] – und zeigt, was es bedeutet, für einen Traum zu leben.“

Klaus Cäsar Zehrer: „Das Genie“ (Diogenes, 23.8.) „Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wurde von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Doch als er erwachsen wird, bricht er mit seinen Eltern und weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Ver­fügung zu stellen, die von Ausbeutung, Profitsucht und Militärgewalt beherrscht wird.“

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Dietmar Dath: „Der Schnitt durch die Sonne“ (S. Fischer, 24.8.) „Sechs Menschen werden zusammengerufen, um zur Sonne zu reisen: eine Schülerin, ein Koch, ein Finanzberater, eine Mathematikerin, ein Gitarrist und eine Pianistin. Sie erfahren, dass es dort eine Zivilisation gibt, die anders ist als alles, was Menschen kennen. Mit neuen Körpern sollen sie drei große Aufgaben bewältigen und geraten dabei zwischen die Fronten eines gewaltigen Konflikts. »Der Schnitt durch die Sonne« steht in der Tradition von H.G. Wells, Stanisław Lem und Arno Schmidt. Ein abenteuerlicher, philosophischer und politischer Roman, der sich den drängenden Fragen unserer Gegenwart stellt.“

Marcus Braun: „Der letzte Buddha“ (Hanser Berlin, 21.8.) „1995 erkannte der Dalai Lama in einem sechsjährigen Jungen den elften Panchen Lama, den zweithöchsten Würdenträger Tibets. Chinas Regierung zog den Jungen aus dem Verkehr und installierte an seiner Stelle den Sohn regimetreuer Kader. Marcus Braun lässt den echten Heiligen zwanzig Jahre später wieder auftauchen – in Los Angeles, als Surfer. Als Jonathan erfährt, wer er in Wahrheit ist, unterzieht er sich einem Lama-Coaching. Als sich der echte und der falsche Panchen Lama gegenüberstehen, geraten alle Gewissheiten ins Wanken. Der neue Roman eines der originellsten deutschsprachigen Autoren.“

Patricia Hempel: „Metrofolklore“ (Klett-Cotta/Tropen, 9.9.) „Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen. Und wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftigen Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.“

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Sasha Marianna Salzmann: „Außer sich“ (Suhrkamp, 11.9.) „Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims. Noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender.“

Barbara Schibli: „Flechten“ (Dörlemann, 4.9.) „Wer bin ich? Anna ist ein eineiiger Zwilling. Sie ist aus dem bündnerischen Bever nach Zürich gezogen, um Biologie zu studieren. Nun arbeitet sie in der Flechtenforschung, während ihre Schwester Leta sich der Fotografie widmet. Beide betrachten die Welt durch eine Linse: Anna durch das Mikroskop, während Leta seit der Kindheit obsessiv Anna fotografiert. Als Anna nach Treviso zur Eröffnung von Letas Fotoinstallation »Observing the Self« fährt, fühlt sie sich von ihr verraten, missbraucht und ausgelöscht. Denn Leta hat das einzige Zeichen, das sie beide unterscheidet, wegretuschiert.“

Sven Regener: „Wiener Straße“ (Galiani Berlin, 7.9.) „November 1980: Frank Lehmann, neu in einer Wohnung über dem Café Einfall. Österreichische Aktionskünstler, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen. Außer einen! Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre – das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder kann ein Held sein. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen.“

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Christoph Held: „Bewohner“ (Dörlemann, 18.8.) „Das Nichterkennenkönnen des eigenen Zustands gehört zum Erscheinungsbild der Alzheimerkrankheit. Held hat über viele Jahre in Alters- und Pflegeheimen beobachtet: Er erzählt von Bewohnern, die es so nicht gab, doch deren Geschichten alles andere als erfunden sind.“

Dirk van Versendaal: „Nyx“ (Rowohlt, 17.11.) „Ein visionärer dystopischer Thriller, düster wie ein Film von Lars von Trier. Die Nyx, erbaut 2025, ist ein schwimmendes Ungetüm, viereinhalb Kilometer lang. Der Koloss zieht als gigantisches Alters- und Pflegeheim seine Bahnen durch alle Weltmeere – das ist einfach billiger, als die Alten an Land zu versorgen. Als die junge Ärztin Polly Sutter an Bord geht, tut sich aber schon seit längerem Unheimliches. Immer mehr Alte sterben. Die Nyx durchpflügt unbeirrbar die internationalen Gewässer, während an Bord ein Pandämonium ausbricht…“

Christian Bangel: „Oder Florida“ (Piper, 2.10.) „Matthias Freier, 20, sitzt 1998 in seiner Platte und blickt auf Frankfurt (Oder): Ist das der wilde Osten – oder nur eine öde Brache, die sich fest in der Hand von Neonazis befindet?“

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Frankreich – Gastland der Frankfurter Buchmesse 2017:

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Annie Ernaux: „Die Jahre“ (Suhrkamp, 11.9. – Deutsch von Sonja Finck) „Kindheit in der Nachkriegszeit, Algerienkrise, eine prekäre Ehe, de Gaulle, das Jahr 1968, Krankheiten und Verluste, die so genannte Emanzipation der Frau, Frankreich unter Mitterrand, die Folgen der Globalisierung, das eigene Altern. Anhand von Fotografien, Erinnerungen und Aufzeichnungen, von Wörtern, Melodien und Gegenständen vergegenwärtigt Annie Ernaux die Jahre. Sie schreibt ihr Leben – unser Leben, das Leben – in eine völlig neuartige Erzählform ein, in eine kollektive, »unpersönliche Autobiographie«.“

Arthur Dreyfus: „Nach Véronique“ (Albino, 1.10. – Deutsch von Christiane Landgrebe) „Bernards Frau Véronique wird während eines Urlaubs in Tunesien Opfer eines terroristischen Anschlags. Die Tochter zieht für einige Tage in das elterliche Haus in der Pariser Banlieue. Doch Bernard will Rache. In Tunesien hat der junge Student Seifeddine gute Chancen, die ärmlichen Verhältnisse, aus denen er stammt, zu überwinden. Aber der Tod seines Bruders und die Trennung von seiner Geliebten treiben ihn in die Arme islamistischer Extremisten.“ (hat passable Kritiken – doch der Klappentext klingt, als wimmle das Buch von Women in Refrigerators)

Jean-Marc Ceci: „Herr Origami“ (Hoffmann & Campe, 12.9. – Deutsch von Claudia Kalscheuer) „Ein junger Japaner reist auf der Suche nach seiner großen Liebe nach Italien. Als er sie nicht finden kann, widmet er sich in der Toskana ganz der Meditation und der Herstellung von Washi, traditionellem japanischem Papier. Jahrzehnte später besucht ihn ein junger Uhrmacher. Die Begegnung gibt beiden Leben eine völlig neue Richtung.“

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Négar Djavadi: „Desorientale“ (C.H. Beck, 19.9. – Deutsch von Michaela Meßner) „Ein komisch-tragischer, autobiographischer Debütroman. Kimiâ Sadrs Familie stammt aus dem Iran. Ein zweiter Erzählstrang betrifft Kimiâ und ihre Schwangerschaft. Der Mann dazu ist nur geliehen – Kimiâ liebt eher Frauen. Seit zehn Jahren im Pariser Exil, hat Kimiâ stets versucht, ihr Land, ihre Kultur, ihre Familie auf Abstand zu halten.“

Joseph Andras: „Die Wunden unserer Brüder“ (Hanser, 24.7. – Deutsch von Claudia Hamm) „Die wahre Geschichte des einzigen Europäers, der 1957 im algerischen Unabhängigkeitskrieg hingerichtet wurde – ein poetisches Debüt. Fernand Iveton ist dreißig, als er im November 1956 für die algerische Unabhängigkeitsbewegung in einem verlassenen Gebäude eine Bombe legt. Der Algerienfranzose will ein Zeichen setzen, ohne Opfer zu riskieren. Doch Iveton wird verraten und noch vor der Detonation verhaftet. Ein Franzose auf Seiten der Algerier ist nicht tragbar.“

Philippe Pujol: „Die Erschaffung des Monsters. Elend und Macht in Marseille“ (Sachbuch; Hanser Berlin, 21.8. – Deutsch von Till Bardoux und Oliver Ilan Schulz) „Was Savianos „Gomorrha“ für Neapel und „The Wire“ für Baltimore ist, gelingt Philippe Pujol für Marseille. Ein städtischer Kosmos, in dem massive soziale Gegensätze aufeinander prallen. Von den minderjährigen Straßendealern bis zur unheiligen Allianz zwischen Lokalpolitikern und Immobilienhaie.“

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internationale Literatur:

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neue Bücher 2017 Petre M. Andreevski, Peter Nadas, Attila Bartis

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Petre M. Andreevski: „Quecke“ (Guggolz, 1.8. – Deutsch von Benjamin Langer) „Andreevski (1934–2006) schrieb mit »Quecke« den großen Roman über das Mazedonien zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Jon und Velika, ein Ehepaar aus einem kleinen Dorf in den Bergen, wird von den Umbrüchen der mazedonischen Geschichte erfasst. Es ist die Zeit der Balkankriege und des Ersten Weltkriegs. Die beiden erzählen in wechselnden Kapiteln von ihrem Leben – und zeigen, wie sie zwischen politischen Verwerfungen, Besitzansprüchen und Auseinandersetzungen fast zerrieben werden.“

Péter Nadas: „Aufleuchtende Details“ (Autobiografie, Rowohlt, 22.9. – Deutsch von Christina Viragh) „Während Nádas‘ Mutter am 14. Oktober 1942 in Budapest mit der Straßenbahn zur Entbindung fährt, liquidiert ein Einsatzkommando das Getto in Mizocz.
Jedes Ereignis, so Nádas, wirkt auf alle anderen Ereignisse ein – ob in der Politik oder der privaten Lebensgeschichte. Den weitgespannten Verflechtungen folgen Nádas‘ Memoiren nicht chronologisch, sondern assoziativ, wie in seinen großen Romanen. Und durch jede einzelne Episode zieht sich die geheime Frage: Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin, wenn jede persönliche Erinnerung, jede Prägung, untrennbar mit Geschichte verstrickt ist? Und so erzählt dieses Buch nicht zuletzt davon, wie Identität unter schwierigen Bedingungen wächst, während sie sich permanent im Strom der Zeit zu verlieren droht.“

Attila Bartis: „Das Ende“ (Suhrkamp, 9.10. – Deutsch von Terezia Mora) „András Szabad wächst in einer ungarischen Kleinstadt auf, innig geliebt von seiner Mutter, einer Bibliothekarin. 1956 wird sein Vater wegen Teilnahme am Aufstand verhaftet. Als er nach drei Jahren völlig gebrochen nach Hause kommt, stirbt die Mutter – das Ende einer Kindheit. Mit dem Vater zieht er nach Budapest, und András entdeckt das Fotografieren. Die Kamera wird seine Leidenschaft, das Organ, mit dem er der Welt auflauert, sie sich vom Leib hält und aufs Bild bannt. Als er Jahrzehnte später vom Unfalltod Évas erfährt, einer nach Amerika emigrierten Pianistin, mit der ihn eine Amour fou verband, beginnt er sein Leben niederzuschreiben – kurze Episoden, gestochen scharfe Dialoge.“

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neue Bücher 2017 Paolo Cognetti, Elizabeth Day, Nicolas Dickner

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Paolo Cognetti: „Acht Berge“ (DVA, 11.9. – Deutsch von Christiane Burghardt) „Pietro und Bruno erkunden als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Dorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?“

Elizabeth Day: „Die Party“ (Dumont, 19.9. – Deutsch von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel) „Martin Gilmour hat nur einen Menschen, der ihm wirklich etwas bedeutet: Ben. Wenn er es sich auch nicht eingesteht, so dreht sich in seinem Leben doch alles darum, Ben zu gefallen und ähnlich zu sein. Ben ist das genaue Gegenteil von Martin: attraktiv, beliebt, reich. Martin genießt es, dazuzugehören. Und so tut er alles für Ben – wirklich alles.“

Nicolas Dickner: „Die sechs Freiheitsgrade“ (Frankfurter Verlagsanstalt, 30.8. – Deutsch von Andreas Jandl) „Ein verlorener Trailerpark im Süden Québecs: Die fünfzehnjährige hochbegabte Tüftlerin Lisa bricht aus. Éric ist der Einzige, der sie versteht. Doch wegen chronischer Platzangst hat der junge Hacker das Haus seit Jahren nicht verlassen. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, der Lisa auf die ungewöhnlichste Weltreise seit Jules Verne schickt. Die ehemalige Kreditkartenbetrügerin Jay muss Lisas Fährte aufnehmen. Ein globales Gesellschaftsspiel beginnt.“

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neue Bücher 2017 Zurab Karumidze, Ljudmila Ulitzkaja, Szczepan Twardoch

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Zurab Karumidze: „Dagny oder: ein Fest der Liebe“ (Weidle, 1.9. – Deutsch von Stefan Weidle) „Ein großes postmodernes Spiel – doch die zentrale Figur, Dagny Juel, gab es wirklich: Sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen. Sich selbst erschoß er dann auch. Dagny Juel war Norwegerin, lernte früh Edvard Munch kennen und wurde sein Modell (etwa für die berühmte »Madonna«). Später traf sie auf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanislaw Przybyszewski.“

Ljudmila Ulitzkaja: „Jakobsleiter“ (Hanser, 21.8. – Deutsch von Ganna-Maria Braungardt) „Nach der Revolution ziehen Jakow und Marussja mit ihrer kleinen Familie nach Moskau. Während Marussja der neuen Regierung vertraut, erkennt Jakow bald die Missstände. Unter Stalin wird er nach Sibirien verbannt. Seine Frau lässt sich scheiden, auch der Sohn wendet sich ab, und seine Enkelin Nora sieht er nur einmal als Kind. Sie, die ein bewegtes Leben führen wird – Bühnenbildnerin, alleinerziehend, georgische Liebschaft – lernt ihren Großvater erst aus seinen Liebesbriefen an die Großmutter kennen. Angeregt durch den Briefwechsel ihrer eigenen Großeltern hat Ljudmila Ulitzkaja einen Roman geschrieben, der die Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert aus unmittelbarer Nähe erzählt.“

Szczepan Twardoch: „Der Boxer“ (Rowohlt Berlin, 24.1. – Deutsch von Olaf Kühl) „Jakub Shapiro ist ein hoffnungsvoller junger Boxer und überhaupt sehr talentiert. Das erkennt auch der mächtige Warschauer Unterweltpate Kaplica, der Shapiro zu seinem Vertrauten macht. Doch rechte Putschpläne gegen die polnische Regierung bringen das Imperium Kaplicas in Bedrängnis; er kommt in Haft. Jakub Shapiro muss die Dinge in die Hand nehmen: Er geht gegen Feinde wie Verräter vor, beginnt – aus Leidenschaft und Kalkül – eine fatale Affäre mit der Tochter des Staatsanwalts, muss zugleich seine Frau und Kinder vor dem anschwellenden Hass schützen – und nimmt immer mehr die Rolle des Paten ein. Ein überragender, thrillerhafter Roman, der eine eruptive Epoche geradezu körperlich erlebbar macht.“

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Sachbücher:

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Ijoma Mangold: „Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte.“ (Rowohlt, 18.08.) „Ijoma hat dunkle Haut, dunkle Locken. In den siebziger Jahren wächst er in Heidelberg auf. Seine Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, um sich zum Facharzt für Kinderchirurgie ausbilden zu lassen. Weil es so verabredet war, geht er nach kurzer Zeit nach Afrika zurück und gründet dort eine neue Familie. Erst zweiundzwanzig Jahre später meldet er sich wieder. Wie wuchs man als «Mischlingskind» und «Mulatte» in der Bundesrepublik auf? Wie geht man um mit einem abwesenden Vater? Wie verhalten sich Rasse und Klasse zueinander? Und womit fällt man in Deutschland mehr aus dem Rahmen, mit einer dunklen Haut oder mit einer Leidenschaft für Thomas Mann und Richard Wagner?“

Rebecca Solnit: „Die Mutter aller Fragen“ (Tempo, 17.11. – Deutsch von Kirsten Riesselmann) „»Warum haben Sie keine Kinder?« Diese »Mutter aller Fragen« wird Rebecca Solnit hartnäckig von Journalisten gestellt, die sich mehr für ihren Bauch als für ihre Bücher interessieren. Sie erklärt in ihren Essays, warum die Geschichte des Schweigens mit der Geschichte der Frauen untrennbar verknüpft ist, warum fünfjährige Jungen auf rosa Spielzeug lieber verzichten, und nennt 80 Bücher, die keine Frau lesen sollte, schreibt über Männer, die Feministen und Männer, die Vergewaltiger sind.“

Mareike Nieberding: „Als wir das Reden vergaßen. Eine Tochter-Vater-Geschichte“ (Suhrkamp, 23.10.) „Ihre ganze Kindheit und Jugend wurde Mareike Nieberding von ihrem Vater abgeholt. Egal, wo sie war, egal, wie betrunken. Um ein Uhr nachts vom Schützenfest, um sieben nach der Schicht in der Kneipe. Sitzt sie ihm heute gegenüber, fragt sie sich, wer dieser ergrauende Mann eigentlich ist, was er fühlt, ob er glücklich ist. Wenn er sie vom Bahnhof abholt, reden sie auf dem Weg nach Hause über das Leben von Nachbarn und Bekannten, bis sie schließlich wortlos vor ihrem eigenen stehen. Sie streiten nicht. Sie haben sich nur nichts zu sagen. Als wir das Reden vergaßen erzählt davon, warum die meisten Tochter-Vater-Beziehungen nach der Pubertät nicht mehr dieselben sind. Und wie man sich wieder nahekommt, wenn man sich schon fast verloren hat.“

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neue Sachbücher 2017 Konrad Paul Liessmann, Andreas Reckwitz, Martin Reichert

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Konrad Paul Liessmann: „Bildung als Provokation“ (Zsolnay, 25.9.) „Bildung wurde zu einer säkularen Heilslehre für die Lösung aller Probleme – von der Bekämpfung der Armut bis zur Integration von Migranten, vom Klimawandel bis zum Kampf gegen den Terror. Während aber „Bildung“ als Schlagwort in unserer Gesellschaft omnipräsent wurde, ist der Gebildete, ja jeder ernsthafte Bildungsanspruch zur Provokation geworden. Konrad Paul begibt sich in die Niederungen der Parteienlandschaft und die Untiefen der sozialen Netzwerke und denkt darüber nach, warum es so unangenehm ist, gebildeten Menschen zu begegnen.“

Andreas Reckwitz: „Die Gesellschaft der Singularitäten“ (Suhrkamp, 9.10.) „Das Besondere und Einzigartige wird prämiert, eher reizlos ist das Allgemeine, Standardisierte. Der Durchschnittsmensch mit seinem Durchschnittsleben steht unter Konformitätsverdacht. Das neue Maß der Dinge sind die authentischen Subjekte mit originellen Interessen und kuratierter Biografie, aber auch die unverwechselbaren Güter und Events, Communities und Städte. Spätmoderne Gesellschaften feiern das Singuläre. Ausgehend von dieser Diagnose, untersucht Andreas Reckwitz den Prozess der Singularisierung, wie er sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Ökonomie, Arbeitswelt, Netzkultur, Lebensstilen und Politik abspielt.“

Martin Reichert: „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“ (Suhrkamp, 13.11.) „Gib Aids keine Chance – fast jeder Deutsche über dreißig kennt den Slogan dieser 1987 gestarteten Kampagne. »Truvada« heißt das Wundermittel, mit dem sich diese Forderung nun erfüllen soll. Die Kapsel, die HIV-Infizierten schon seit einiger Zeit zu Therapiezwecken verschrieben wird, dient mittlerweile auch der Prophylaxe. Aids hat die Art und Weise, wie wir leben und wie wir lieben, tiefgreifend verändert. Die Kapsel berichtet davon, wie die Krankheit ihren Weg ins Bewusstsein der Bundesrepublik fand.“

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neue Sachbücher 2017 Alexander Gorkow, Ayelet Walman und Michael Chabon, Asne Seierstad

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Alexander Gorkow: „Hotel Laguna. Meine Familie am Strand.“ (Kiepenheuer & Witsch, 17.8.) „In der kleinen Bucht von Canyamel auf Mallorca verbrachte Gorkow seit den späten 60ern prägende Kindheitsurlaube. Mehr als 30 Jahre später trifft er nun Freunde von damals – und findet neue. Hier sieht er klar: seine, unsere Träume und Verluste. Zugleich Familienroman und Mentalitätsgeschichte: über unsere Urlaube, unser Land und unsere Sehnsüchte.“

Ayelet Waldman (…die ich sehr mag, und mit der ich 2010 ein langes Interview führte, LINK) und Michael Chabon (Hrsg.): „Oliven und Asche. Schriftstellerinnen und Schriftsteller berichten über die israelische Besetzung in Palästina“ (Kiepenheuer & Witsch, 5.10.) „Die israelische Besatzungspolitik: International gefeierte Autorinnen und Autoren machen sich vor Ort ein Bild. Breaking the Silence wurde von ehemaligen israelischen Soldaten gegründet, die in den besetzten Gebieten gedient und Ungerechtigkeit direkt erlebt haben. Eva Menasse, Dave Eggers, Colum McCann und Arnon Grünberg reisten in die besetzten Gebiete. Der Leser reist z.B. mit Rachel Kushner in ein palästinensisches Flüchtlingscamp mitten in Jerusalem, lernt mit Taiye Selasi etwas über die verbotene Liebe zwischen Israelis und Palästinensern oder lässt sich von Helon Habila die verblüffende Genese der Israelischen Sperranlage erzählen.“

Asne Seierstad: „Zwei Schwestern. Im Bann des Jihad“ (Kein & Aber, 4.10. – Deutsch von Nora Pröfrock; auch Freund Sebastian Christ veröffentlicht im Herbst ein Buch über einen IS-Aussteiger, „Meine falschen Brüder“) „Aufgewachsen und sozialisiert im europäischen Westen, verlassen zwei norwegisch-somalische Schwestern im Alter von 16 und 19 ihr Heimatland Norwegen. Ihr Ziel: der IS. Die Familie trifft das völlig unvorbereitet. Über soziale Medien halten sie Kontakt, versuchen herauszufinden, wo die Schwestern sich genau befinden und was die Gründe für ihre Handlungen sind. Irgendwann bricht der Kontakt ab, und der Vater begibt sich auf die lebensgefährliche Reise nach Syrien. Warum radikalisieren sich junge Frauen, die in gesicherten Verhältnissen aufwachsen? Åsne Seierstad nähert sich der Frage mit der Neugier und Genauigkeit einer der renommiertesten Journalistinnen Europas.“

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neue Sachbücher 2017 Christiane Westermann, Henry Hitchings, Joachim Kalka Peanuts

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Christiane Westermann: „Die Sache mit dem Abschied“ (…ich finde sie oft gehemmt, verstockt – und bin gespannt, ob das lesenswerter wird, indem sie ein existenzielles Thema aufgreift; Kiepenheuer & Witsch, 9.11.) „»Zur letzten Sendung komme ich nicht«, sagte Christine Westermann scherzhaft schon Jahre, bevor an ein Ende der von ihr und Götz Alsmann moderierten TV-Sendung »Zimmer frei« auch nur zu denken war. So tief saß ihre Angst vor drohenden Abschieden. Wie schwer wiegt der Abschied von einem Freund, von dem man sicher war, dass er einen überleben würde? Wie leicht kann es sein, eine Stadt, einen Wohnort hinter sich zu lassen?“

Henry Hitchings (Hrsg.): „Die Welt in Seiten. Liebeserklärungen an Buchhandlungen“ (Atlantik bei Hoffmann & Campe, 17.11.) „Daniel Kehlmann sinniert über den Wunsch, nicht angesprochen zu werden. Saša Stanišic’ darüber, wie man in einer neuen Stadt einen »Dealer« findet, ohne an einen Besserwisser zu geraten. Elif Shafak beschwört die Atmosphäre einer Istanbuler Buchhandlung herauf – ihr Chaos und ihre Vielfalt, den Geruch nach Tabak und Kaffee. 15 Schriftsteller aus aller Welt erörtern die soziale, kulturelle und politische Funktion von Buchhandlungen – ob in Bogotá oder Delhi, in London oder Berlin, in Kopenhagen oder Nairobi.“

Joachim Kalka: „Die Peanuts. 100 Seiten.“ (Reclam, 29.9.) „Was fasziniert uns an den Kindern (und dem Hund), die doch im Grunde nichts Besonderes erleben? Joachim Kalka zeigt, welche Strömungen der amerikanischen Gesellschaft, etwa der Hype der Psychiatrie, sich in den Peanuts spiegeln.“

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Comics / Graphic Novels:

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Manu Larceret: „Brodecks Bericht“ (Reprodukt, Oktober – Ulrich Pröfrock) „Ein Winter kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Abseits von einem kleinen Dorf im deutsch-französischen Grenzgebiet lebt Brodeck. Als er eines Abends ins Wirtshaus geht, trifft er auf eine schauerliche Szene: Die Dorfgemeinschaft hat soeben kollektiv einen Fremden ermordet. Brodeck ist entsetzt, doch die Männer zwingen ihn, einen Bericht zu verfassen, der ihre Tat rechtfertigen soll…“ [ich las die Romanvorlage an: Link]

Barbara Yelin & Thomas von Steinaecker: „Der Sommer ihres Lebens“ (Reprodukt, September) „Gerda steht am Fenster des Seniorenheims. Lange hat sie die Frage aufgeschoben, jetzt sucht sie eine Antwort: Hatte sie ein glückliches Leben? Während sie versucht, den Alltag im Heim zu meistern, denkt sie zurück an ihre Jugend in den 1960er Jahren; ihre Begeisterung für ein Fach, in dem sie als Frau schief angesehen wurde, die Astrophysik; die harte Wahl, die sie damals treffen musste, in jenem Sommer ihres Lebens: zwischen ihrer Liebe zu Peter und einer Karriere im Ausland… Die erste Zusammenarbeit zwischen der Zeichnerin Barbara Yelin und dem Schriftsteller Thomas von Steinaecker.“

Jillian Tamaki: „Grenzenlos“ (Reprodukt, September – Deutsch von Sven Scheer) „Jenny ist ganz besessen von ihrem Spiegel-Facebook-Double – einer virtuellen, idealen Version ihrer selbst.“

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danke an Ilja Regier, der – wie in den Vorjahren – sehr viele Verlagsvorschauen in seinem Blog verlinkte:

Antje Kunstmann +++ Albino +++ Atlantik +++ Aufbau +++ AvivA +++ Berenberg +++ Berlin Verlag +++ Blumenbar +++ Braumüller +++ C. Bertelsmann +++ C. H. Beck +++ Diogenes +++ Dörlemann +++ Dumont +++ DVA +++ edition.fotoTAPETA  +++ Frankfurter Verlagsanstalt +++ Galiani-Berlin +++ Guggolz +++ Hanser +++ Hanser Berlin +++ Hoffmann und Campe +++ Insel +++ Jung und Jung +++Kein & Aber +++ Kiepenheuer & Witsch +++ Kindler +++ Klett-Cotta +++ Knaus +++ Liebeskind +++ List +++ Louisoder +++ Luchterhand +++ Manesse +++ Matthes & Seitz Berlin +++ Mikrotext +++ Nagel & Kimche +++ Piper +++ Reclam +++ Reprodukt +++ Rowohlt +++ Rowohlt Berlin +++ S. Fischer +++ Schöffling & Co. +++ Suhrkamp +++ Tempo +++ Tropen +++ Ullstein +++ Ullstein Fünf +++ Verbrecher +++ Wallstein +++ Weidle +++ Zsolnay / Deuticke

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P Olfermann

Wonder Woman: die 10 besten Comics (Buchtipps, Lesereihenfolge, Empfehlungen)

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Batman und Superman haben seit 50 Jahren immer wieder neue TV-Serien und Kinofilme. Ihre Städte, Gegner, Liebes- und Vorgeschichten sind bekannt. Wonder Woman (1941) ist fast genauso alt – doch wieder und wieder wird ihr Hintergrund verändert: eine tolle Figur – der oft die tollen Autor*innen fehlen.

Hier sind meine persönlichen Empfehlungen: lesenswerte Comics – für Einsteiger und Fans.

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01 – DC Helden

Superman Batman DC Helden

[Link] …von Paul Dini, Zeichnungen (nein: Gemälde!) von Alex Ross:

Fünf großformatige, kurze, bildlastige Helden-Portraits als wunderbarer Sammelband. Je eine – recht menschliche, gefühlvolle – Begegnung mit Superman, Batman, Wonder Woman, Captain Marvel/Shazam, dazu ein Abenteuer der Justice League und eine Handvoll weiterer Helden-Kurzbiografien. Ein Bilderbuch. Ein Coffee Table Book. Ein Buch zum Kennenlernen, Verschenken – und Staunen. [Hier die US-Ausgabe.]

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02 – Trinity

superman batman trinity

[Link] …von Matt Wagner:

Eine recht kurze, etwas simple/kindische Geschichte über die ersten Begegnungen von Superman, Wonder Woman und Batman. 50er-Jahre-Atmosphäre – charmant, für Kinder und Kindsköpfe. Im Gegensatz zu Tipp 1 kein Buch, für das ich viel Geld ausgeben würde. Im selben Stil, sehr lesenswert; aber mit einer recht kleinen Rolle für Wonder Woman: „The New Frontier“ von Darwyn Cooke.

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03 – A League of One / The Hiketeia

[Link] …von Christopher Moeller

Ein charmantes Kinder- und Märchenbuch über Wonder Womans Versuch, eine unterirdische Zivilisation vor einem Drachen zu retten: kindlich, harmlos, kurz und recht naiv… aber toll zum Vorlesen oder als Gute-Nacht-Lektüre, macht Lust auf die Figur. Etwas erwachsener, aber genauso schnell gelesen: „The Hiketeia“, eine Kurzgeschichte, in der Batman und Wonder Woman in Gotham City kämpfen. „The Hiketeia“ ist die Eröffnung eines viel längeren, komplexeren Wonder-Woman-Epos von Autor Greg Rucka, das ich sehr mag. Doch für sich allein funktioniert das Buch gut als… Häppchen zum Kennenlernen. [Link]

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04 – Wonder Woman: The True Amazon

[Link] …von Jill Thompson

2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische „Wonder Woman“-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter. Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und „True Amazon“ wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 34, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten. Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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05 – Wonder Woman (1987)

Batman v Superman, Wonder Woman Perez

[Link] …von George Perez (Text und Zeichnungen):

Ein Klassiker – zeitlos, aber unfassbar achzigerjahrig. In vier Sammelbänden (…und Fortsetzungen, mit neuer Zeichnerin, die ich noch nicht kenne) erzählt George Perez die Anfänge, ersten Schritte von Diana jenseits ihrer Amazonen-Heimat. Alles ist überfrachtet, pomadisiert, verschnörkelt, barock. Und trotzdem so charmant, sich-selbst-und-seine-Figuren-ernst-nehmend, dass man bis heute mit Genuss lesen kann.

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06 – Sensation Comics (Sammelband 3)

[Link] …von verschiedenen Zeichner*innen und Autor*innen

Kurzgeschichten zwischen 10 und 30 Seiten, erst digital veröffentlicht, dann als Heftreihe und Sammelband. Ich mochte Sammelband 2 der „Superman“-Kurzgeschichtensammlung „Adventures of Superman“, und Sammelband 3 der folgenden „Wonder Woman“-Sammlung: sympathische Vignetten, Episoden und Experimente, leider oft recht konventionell/zweitklassig gezeichnet. Ein schöner Weg, viele Facetten der Figur kennen zu lernen und zu sehen, wie unterschiedliche Autor*innen kurze, manchmal originelle Fragestellungen an die Heldin tragen.

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07 – The Legend of Wonder Woman

Batman v Superman, Legend of Wonder Woman

[Link] …von Renae de Liz, Zeichnungen von Ray Dillon:

Manchmal sind Comics halbkompetent geschrieben, erzählt – doch laugen mich nach wenigen Seiten aus: Figuren aus “The Walking Dead” sagen zu viele Dinge dreimal. Ihre Sprechblasen sind überfüllt, die Dialoge hölzern. Auch “The Legend of Wonder Woman” krankt an solchen unpräzisen, öden Geschwätzigkeiten. Alle Frauen hier sehen aus wie Disney-Prinzessinnen. Doch kindgerecht ist die Geschichte über Dianas erste Jahre als Kriegerin und Diplomatin trotzdem nicht: Kein Kind hätte Nerven für so langatmiges Geblubber. Solide Geschichte, toll für Leser*innen ab ca. 9. Aber: uff. Kürzt diese Paraphrasen!

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08 – Wonder Woman, “Identity Crisis”, “Infinite Crisis”

Batman v Superman, Identity Crisis

[Link] …von Greg Rucka (meinem Lieblings-Comicautor), Geoff Johns und vielen anderen:

Seit 2003 war Wonder Woman vor allem Diplomatin. Trotzdem musste sie hin und wieder in den Hades steigen, oder in einem Footballstadium wie eine Gladiatorin gegen Medusa kämpfen. Eine moderne, kultivierte Frau – in archaischen Rollen, tragischen globalen und persönlichen Konflikten. Rucka schrieb zur selben Zeit auch “Superman”-Comics, und beide Reihen mündeten in einem (großartigen) Justice-League-Crossover, “Identity Crisis” und, 2006, “Infinite Crisis”. Ich habe hier [Link, Punkt: ‘Identity Crisis, 2005’] aufgeschrieben, in welcher Reihenfolge diese fünf bis ca. 15 Bände am meisten Spaß machen. Lesereihenfolge am besten:

(1) Wonder Woman: Down to Earth, 160 Seiten, DC Comics 2004
(2) Wonder Woman: Bitter Rivals, 128 Seiten, DC Comics 2004
(3) Wonder Woman: Eyes of the Gorgon, 192 Seiten, DC Comics 2005
(4) Brad Meltzer: Identity Crisis, 288 Seiten, DC Comics 2005
(5) Wonder Woman: Land of the Dead, 128 Seiten, DC Comics 2006
(6) Batman: The OMAC Project, 256 Seiten, DC Comics 2005
(7) Superman: Sacrifice, 192 Seiten, DC Comics 2006
(8) Wonder Woman: Mission’s End, 208 Seiten, DC Comics 2006
(9) Geoff Johns, Phil Jimenez, George Perez: Infinite Crisis, 264 Seiten, DC Comics 2006

…und dann gern weiter zu „52“ (vier Bände)

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09 – Wonder Woman (New 52, Band 1 bis 6)

Batman v Superman, Wonder Woman

[Link: 6 Bände] …von Brian Azzarello, Zeichnungen von Cliff Chiang:

Diana muss eine junge Schwangere beschützen – vor dem Zorn der Götter, sechs Sammelbände lang. Simple, aber stilsichere Zeichnungen. Kluge, schnippische Dialoge und Figuren. Nur Wendungen hat diese Odyssee durch London und die antike Unterwelt fast keine; und zwischen den pompösen griechischen Gottheiten wirkt Diana zu oft wie eine machtlose, zufällige Randfigur. Ich kenne keine zweite Mainstream-Comicreihe aus den letzten Jahren, die 30 Hefte lang auf gleichbleibend hohem Niveau eine schlüssige, anspruchsvolle Geschichte erzählte. Respekt! Doch der letzte Funke… fehlt.

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10 – Batman 66 meets Wonder Woman 77

[Link] …von Jeff Parker und Marc Andreyko, Zeichnungen von David Hahn:

Ein kindlicher, aber nie alberner Retro-Comic, der Figuren aus der „Batman“-TV-Serie von 1966 und der „Wonder Woman“-TV-Serie von 1977 zusammen bringt und zeigt, wie Diana (unsterblich) und Bruce Wayne (im zweiten Weltkrieg: ein Grundschüler) das späte 20. und frühe 21. Jahrhundert erleben. Schwungvoll erzählt, toll designt/gestaltet, ein Wohlfühl-Comic, der viele Fragen übers Altern und Sich-Verändern aufwirft und mit originellen Wendungen überrascht.

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bedingt zu empfehlen: für Fans

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„Wonder Women: Earth One“

Grant Morrison (…mit dessen Comics und dessen Fans ich oft große Probleme habe) erzählt Wonder Womans Geschichte neu – und unterstreicht dabei alle Aspekte, die besonders skurril oder absurd wirken. Das Ergebnis wirkt an vielen Stellen wie plumpe Sexploitation… aber trifft durchaus den Geist der frühen Comics von 1941.

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„Wonder Woman“ von Phil Jimenez

Ein schwuler Autor und Zeichner, der Fan der George-Perez-Serie von 1987 war und die Figur vergöttert, füllte mehrere Sammelbände mit feministischen und engagierten, doch oft sehr trägen, überfrachteten Geschichten: Scheitern, auf hohem Niveau. Ein lesenswertes Einzelkapitel, das alles, was gut und schlecht an Jimenez‘ Zeichen- und Erzählweise ist, bündelt: Das Treffen von Wonder Woman und Lois Lane in „Wonder Woman“ 170.

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„Wonder Woman“ von Gail Simone

Fünf Sammelbände, in denen eine große Geschichte… erst viel zu langsam in Fahrt kommt… und dann enttäuschend verpufft. Wer langen Atem mitbringt, wird besonders Simones zweite und dritte Sammlung trotzdem mögen.

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„Wonder Woman“ von Greg Rucka (2016 bis 2017)

25 Hefte, vier Sammelbände: Ein ambitionierter „Wonder Woman“-Neustart auf zwei Zeitebenen und mit zwei tollen Zeichnerinnen, Nicola Scott und Bilquis Evely, in dem sich Diana, Cheetah, Steve Trevor und Veronica Cale jahrelang quälen, den Kopf zerbrechen und gegenseitig im Weg stehen. Die Geschichte mäandert, jeder Sieg entpuppt sich als Niederlage, und ein weiterer Zeichner, Liam Sharp, bleibt viel zu düster und heavy-metal-albumhaft: Hier fehlen Erzählfreude und Schwung.

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keine Empfehlung:

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„Wonder Woman: The Greatest Stories ever told“

Eine Best-of-Sammlung, die leider zeigt, wie wenig gute Geschichten es bis ca. 2002 gab: skurril – aber langatmig, trübselig, deprimierend.

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„Who is Wonder Woman?“

Autor Allan Heinberg schrieb auch das Drehbuch zum WW-Kinofilm von 2017. Seine Comics aber sind mau. Auch die ihm folgende Autorin, Bestseller-Star Jodi Picoult, bietet wenig Lesenswertes: Massenware.

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„Amazons Attack“

Interessante Idee – mit banaler Wendung/Erklärung: Durch eine plumpe Intrige erklärt Königin Hippolyta den USA den Krieg, und verwüstet Washington. Antiklimax, undurchdacht.

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„Wonder Woman: Odyssey“

Zwei banale, schleppende Sammelbände vom (oft tollen) „Babylon 5“-Autor J. Michael Straczynski: Ein böser Zauber ließ Wonder Woman vergessen, dass sie eine Amazone ist. Gefangen in einem Paralleluniversum prügelt sie sich zurück in die Realität.

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„Wonder Woman 77“

Viel zu knappe, apolitische, harmlose und läppische Kurzgeschichten für Fans der 1977 produzierten „Wonder Woman“-TV-Serie.

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„Injustice: Gods Among Us“

Ein sehr langer, politischer/dystopischer Comic über eine Zukunft im DC-Universum, in der Superman glaubt, die Welt durch mehr Kontrolle und Überwachung sicherer machen zu können, während Batman als Widerstandskämpfer untertaucht. „Year One“ und „Year Two“ sind sehr lesenswert und emotional – doch Wonder Woman hat eine recht dümmliche, eindimensionale Rolle als martialische Schreckschraube an Supermans Seite: Autor Tom Taylor wird Diana nicht gerecht.

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„Odyssey of the Amazons“

Trost- und freudlose Fantasy-Saga über Amazonen aus Themyscira, die in der Vorzeit martialische/nichtssagende Begegnungen mit u.a. Wikingern haben.

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„Super Hero Girls“

Die DC-Heldinnen als junge Schülerinnen, für Leser*innen ab sechs Jahren, im Stil der „Disney Princesses“: Figuren und Zeichnungen fehlt Biss und Witz, die Geschichten bleiben arg simpel, alles wirkt püppchenhaft-sexualisiert. Besonders in Sammelband 3, „Summer Olympus“, steht Wonder Woman im Mittelpunkt. [Um Welten besser, für Leser*innen ab ca. 11: „Supergirl: Being Super“]

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„Super Powers“

Comic für Vor- und Grundschüler, das als Geschichte um Batman, Superman und Wonder Woman beginnt… doch sich zu schnell in einer (enttäuschend witzlosen) Anspielungs- und Gastauftritts-Parade verliert. Ich mochte, vom selben Zeichner-/Autoren-Team: „Tiny Titans“ und, besonders, „Superman Family Adventures“.

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„Bombshells“

Was, wenn es kaum Männer mit Superkräften gäbe – sondern alle DC-Heldinnen prägend waren: schon ab den 40er Jahren, im zweiten Weltkrieg? „Bombshells“ ist ein feministischer und sehr sexualisierter Remix der DC-Figuren. Viele Heldinnen sind lesbisch oder queer, und alle lassen es möglichst dramatisch krachen. Trotz vieler Fans und guter Kritiken hat mich die Reihe bisher nicht gekriegt: zu wenig Politik, zu viel Spice-Girl-haft-nichtssagende „Girl Power“.

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„Superman/Wonder Woman“

Von 2011 bis 2016 waren Superman und Wonder Woman ein Liebespaar. Der Beziehung selbst fehlt Tiefe und Charme, und der gemeinsame Comic „Superman/Wonder Woman“ bietet wenig Interessantes: Klar könnte man interessant/lesenswert erzählen, was sich ändert, wenn zwei der mächtigsten und wichtigsten Figuren im DC-Universum eine Beziehung führen. Fünf Sammelbände lang erzählte diese Reihe leider… nicht viel.

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„Superman, Batman, Wonder Woman: Trinity“

längere Kritik von mir hier [Tagesspiegel, Link]: Sehr lange, schleppende Geschichte über eine Helden-Welt, aus der Batman, Superman und Wonder Woman plötzlich entfernt werden. Das heißt: Statt über die drei Titel-Figuren zu erzählen, geht es vor allem darum, wo und wie sie fehlen. Schade!

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zum aktuellen Kinofilm:

Wonder Woman ist eine interessante – weil widersprüchliche – Figur. Ich glaube, der Kinofilm ist so erfolgreich und beliebt, WEIL er die Widersprüche der Figur einem großen Publikum zeigt: spannende Frau, spannende Grundsatzfragen zu Krieg und Pazifismus.
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In den Comics – und besonders auch im Film – geht es viel um die Frage, wie man für Frieden KÄMPFT. Ob man Kriege mit Gewalt stoppen kann. Und welche Menschen „verdienen“, dass man sich für sie opfert: Nach dem Superman-Film „Man of Steel“ (2013) und „Batman v. Superman“ (2016) zeigt auch „Wonder Woman“ (2017), wie Helden*innen scheitern – an einer komplexen Welt.
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grundsätzlich:
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  • Wonder Woman wurde 1941 erfunden. Autor William Moulton Marston war Professor, Psychologie, Feminist, Fan von Bondage und „lustvoller Unterwerfung“, in einer polyamourösen Beziehung mit zwei Frauen… und der Erfinder des Lügendetektors. All diese Aspekte prägten die Figur – sorgen aber auch dafür, dass fast alle Comics, die vor 1987 erschienen, recht hanebüchen/skurril sind.
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  • Dem Mainstream-Publikum die Figur bekannt, weil sie a) als eine der ersten weiblichen Heldinnen gegen die Nazis kämpfte, b) 1972 auf der Erstausgabe von Gloria Steinems feministischem „Ms.“-Magazin abgebildet war, c) 1977 eine bei Kindern populäre TV-Serie hatte.
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  • Seit 1986 gibt es mehrere recht gute, bis heute lesenswerte WW-Comicreihen: Wonder Woman, Batman und Superman sind die drei wichtigsten und bekanntesten Figuren des Verlags „DC Comics“; alle drei arbeiten in den Comics oft eng zusammen. Meist erscheinen Comics ein- bis zweimal im Monat als 20seitiges Heft, ca. sechs Hefte erzählen als Sammelband eine zusammenhängende Geschichte. Pro Monat gibt es meist sechs oder sieben parallele „Batman“-Reihen, doch höchstens zwei bis drei „Wonder Woman“-Reihen. Insgesamt also: weniger Material, und immer wieder Phasen, in denen jahrelang keine besonders guten Hefte/Sammelbände erscheinen.
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  • 1984 floppte der Heldinnenfilm „Supergirl“ (DC). 2004 und 2005 floppten die Antiheldinnen-Comicverfilmungen „Catwoman“ (DC) und „Elektra“ (Marvel). Seit 2008 hat Marvel Comics großen Erfolg mit Heldenfilmen (Iron Man, The Avengers, Captain America, Thor, Guardians of the Galaxy… doch bisher kein Film über eine weibliche Figur in der Hauptrolle); und seit 2013 versucht DC eine ähnliches „Cinematic Universe“ aus verknüpften Filmen (2013 „Man of Steel“, 2016 „Batman v. Superman“ und „Suicide Squad“, Ende 2017 „Justice League“, später „Aquaman“, „The Flash“ etc.)
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  • Der „Wonder Woman“-Kinofilm ist wichtig, weil er nach über zehn Filmen mit männlichen Hauptfiguren in den letzten Jahren der erste Versuch war, einer heroischen HeldIN einen großen Blockbuster zu widmen (…auch Regie führte eine Frau, Patty Jenkins; das Drehbuch ist von einem Mann). Es gibt eine Handvoll erfolgreicher Heldinnen-TV-Serien seit 2015: „Agent Carter“ und „Jessica Jones“ (beide Marvel) und „Supergirl“ (DC). Doch „Wonder Woman“ war der… Testballon, ob solche Figuren einen Kinofilm tragen können. Viele Fans und Kritiker mochten bereits Wonder Womans kurze Szenen in „Batman v. Superman“ (2016).
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  • Tatsächlich übertraf „Wonder Woman“ (2017) die Erwartungen, hat die besten Heldenfilm-Kritiken seit Jahren, wird von Feministinnen gefeiert und… darf jetzt als Beweis/Beruhigung dienen: Leute WOLLEN starke Frauen sehen. Große Erleichterung!
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„Falls du einen Asteroiden stoppen willst, rufst du Superman. Wenn du ein Verbrechen aufklären willst, Batman. Um einen Krieg zu beenden, Wonder Woman“, sagt WW-Autorin Gail Simone.
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Wonder Woman wird in den Comics immer wieder als umsichtige und intelligente Diplomatin gezeigt, die zeigt und reflektiert, dass jeder Mensch für viele Dinge steht: Sie selbst eben als Frau mit Superkräften, die in einem Matriarchat groß wurde. Es gibt großartige Comics über die Diplomatin, Menschenrechtlerin, Spokesperson, Feministin, Staatsfrau Wonder Woman.
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Doch es gibt auch die wütende Kriegerin mit blutbespritztem Schwert und Korsage, die leichthin Gegner abschlachtet. Fast alle Comic-Autor*innen wollen Wonder Woman als „starke Frau“ zeigen und an ihrem Beispiel erklären, was für sie eine „starke Frau“ ausmacht – doch das Ergebnis variiert von Sammelband zu Sammelband: archaische Kriegsprinzessin? Modische, bisexuelle Pop-Feminismus-Ikone? Blutrünstiges Pin-up-Girl?
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Der Film zeigt, wie Prinzessin Diana von Themyscira ihre Insel verlässt und den ersten Weltkrieg beenden will – weil sie glaubt, dass Kriegsgott Ares den Krieg angezettelt hat und es ihre Aufgabe als Amazone sei, ihn zu stoppen, mit einem Schwert namens „Godkiller“. Die große Stärke des Films: dass er die richtigen Fragen stellt… statt vorschnell Antworten zu schustern: Man schaut mit Kopfschmerzen und schlechtem Bauchgefühl, und überlegt „Jetzt will sie Frieden bringen – indem sie einen Gott ermordet?“ und „Was, wenn statt Ares einfach nur die Schlechtheit der Menschen Grund ist für den Weltkrieg?“ etc.
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Faszinierende Fragen und Widersprüche, die den Film lebendig und halbwegs spannend machen – auch, wenn die Antworten am Ende des Films dann doch recht unterkomplex ausfallen.
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Ich denke bei allen DC-Held*innenfilmen seit „The Dark Knight“ (2008) oft ans Sprichwort „Wenn du nichts anderes hast als einen Hammer, sieht jedes Problem für dich aus wie ein Nagel.“
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Wonder-Woman-Comics erzählten schon immer viel von Kriegen – weil Kriegsgott Ares einer der wichtigsten Antagonisten im Comic ist.
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Bisher aber wurde die (unsterbliche) Heldin noch nie im 1. Weltkrieg gezeigt: Das Setting macht Spaß, weil die Figur (jung, unerfahren, sah noch nie einen Mann und weiß nichts über die Moderne) und der Krieg (nihilistisch, diplomatisch verworren) schlecht zueinander passen. Im Superman-Film „Man of Steel“ bricht der unerfahrene Superman einem Gegner das Genick, weil er sich nicht anders zu helfen weiß. Seine Adoptiveltern raten ihm den ganzen Film über, die Menschheit sich selbst zu überlassen und sich ums private Glück zu kümmern: „Du schuldest diesen Leuten nichts.“
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Auch Wonder Woman hört im ersten Weltkrieg von allen Seiten kritische bis zynische Fragen: Haben die Menschen/Männer eine Heldin und Retterin verdient?
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Ich finde die Frage harsch, unsympathisch und unheroisch (…weil ich will, das idealistische Helden wie Superman und Wonder Woman GERN helfen)… doch ich freue mich, dass sie einen Nerv trifft, weil wir uns als Gesellschaft gerade ständig fragen: Wo schauen wir weg? Wessen Sorgen nehmen wir ernst? Kann die westliche Welt Weltpolizei spielen? Und: Wird etwas besser, durch militärische Stärke/Druck?
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Der Kinofilm hat, wie gesagt, keine guten Antworten. Doch erstmal sitzt man zwei Stunden im Kino und denkt „Oha. Diese Frau… kann sich selbst einsetzen wie einen Hammer. Doch all die Probleme, vor die sie im Film gestellt wird, sind doch gar keine Nägel. Was jetzt?“
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Das ist klug/spannend. Denn es passt zu einer… allgemeinen politischen Ratlosigkeit, wenn wir aktuell über Kriege, Macht, globale Verantwortung und Gerechtigkeit sprechen. „Wonder Woman“ hat Humor. Doch es ist kein Wohlfühl-Film: Weil er fast nur Probleme zeigt, die eine Kriegs-Amazone nicht ändern kann, spontan, mit einem Schwert.
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…und dann, Spoiler: 
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mein größtes Problem.
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Ich kann zwar viele „Wonder Woman“-Comics grundsätzlich empfehlen – doch es gibt zwei Elemente ihrer Geschichte, die immer wieder verändert werden: a) Hat sie einen mächtigen Vater, z.B. Zeus? und b) Ist sie moralisch stark, weil oder obwohl sie auf einer Amazonen-Insel aufwuchs?
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Die Amazonen leben auf der Insel Themyscira, abgeschottet vom Rest der Welt. Weil Amazonen-Königin Hippolyta ein Kind will, formt sie eine Figur aus Lehm/Ton. Eine Göttin hat Mitleid und haucht der Figur Leben ein: Diana/Wonder Woman ist das einzige Kind der Insel. Hippolyta ist eine weise Regentin, die Amazonen haben fortschrittliche Technologie und eine tolle Kultur – der Comic zeigt eine matriarchale, feministische Utopie (und: oft sind Hippolyta und/oder Wonder Woman selbst lesbisch oder bisexuell). So war das, schon seit 1941.
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Doch jedes Mal, wenn ein neuer Autor (fast immer sind es Männer) die Comicreihe übernimmt, ändert sich etwas:
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  • 1987 neu: die Götter schenkten den Amazonen die Insel, weil Herkules Hippolyta vergewaltigt hatte. Später aber verzeiht Hippolyta dem Vergewaltiger und verliebt sich neu in ihn. Uff.
  • 2011 neu: Die Amazonen sorgen heimlich für Nachwuchs, indem sie Matrosen auf die Insel locken, vergewaltigen, ermorden, und die männlichen Kinder verstoßen. Hippolyta wusste das und hielt es vor Wonder Woman geheim. Uff.
  • 2012 neu: Wonder Woman ist nicht aus Ton, sondern entstand beim Sex zwischen Zeus und Hippolyta. Uff.
  • 2016 neu, in „Earth One“: Wonder Woman ist die Tochter von Vergewaltiger Herkules. Uff.
  • 2016 neu, in „The Lies“ / „The Truth“: Wonder Woman darf ihre Mutter und die Amazonen-Insel nie wieder sehen oder betreten. Uff.
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Auch im Kinofilm sind die Amazonen a) krass gestrig und insgesamt eher fragwürdig/eine sterbende Kultur, und b) merkt Diana, dass ihre Mutter sie belogen hat: Zeus ist ihr leiblicher Vater.
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Das klingt wie eine Kleinigkeit/ein Detail. Doch ich finde es SO bezeichnend, schlimm, traurig, dass es seit Jahren fast keine „Wonder Woman“-Geschichte/-Version mehr gab, in der a) die Amazonen eine echte Utopie verkörperten und b) Wonder Woman wegen einer starken Mutter und einer starken Kultur zur starken Heldin wurde – nicht, weil sie in Wirklichkeit von einem besonderen Gott/Mann gezeugt wurde.
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Jugendbücher 2017, Sommerbücher 2017: die besten Romane

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angelesen, vorgemerkt, entdeckt: meine Vorauswahl der literarischen Neuerscheinungen in der ersten Jahreshälfte 2016 – neue Bücher für die Zeit zwischen Leipziger Buchmesse, Ostern und Sommer.

deutschsprachige Literatur, neu 2017:

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KATHY ZARNEGIN, „Chaya“ (Weissbooks, 244 Seiten): „Teheran, 70er Jahre: Ein junges Mädchen träumt von der freien Welt. Kaum ist sie aus dem turbulenten Iran in Europa angekommen, verwandelt sich das neugierige Kind im Schnelldurchlauf in eine Frau.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

NAVA EBRAHIMI, „Sechzehn Wörter“ (btb, 320 Seiten): „Als ihre Großmutter stirbt, beschließt Mona, mit ihrer Mutter ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Der Rückflug in ihr Kölner Leben zwischen Coworking und Clubszene ist schon gebucht. Doch dann überredet sie ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin zu einem Abschiedstrip nach Bam, in jene Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben komplett zerstört wurde.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

MICHAEL STAVARIC, „Gotland“ (Luchterhand, 352 Seiten): „Eine streng katholische Mutter – Zahnärztin mit eigener Praxis und einem fanatischen Glauben, der die Bibel gefährlich wörtlich nimmt. Was macht das mit dem Sohn? Er hofft, Gott in Gotland zu finden, jenem fernen Sehnsuchtsort der Mutter, die immer behauptete, dort hätte sie seinen Vater kennengelernt.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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FLURIN JECKER, „Lanz“ (Nagel & Kimche, 128 Seiten): „In einer Projektwoche soll der 14-jährige Lanz einen Blog schreiben. Erst sträubt er sich, doch dann breitet er rückhaltlos sein Leben aus: die Trennung der Eltern, die Kompliziertheit zweier Zuhause, die Ödnis seiner Kindheit in einem Dorf in der Schweiz. Ein Junge, der die Zumutungen der Welt kommentiert, in einer eigenwilligen, wuchtigen, restlos glaubwürdigen Sprache.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

KRISTINA PFISTER, „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten“ (Klett-Cotta, 256 Seiten): „Jeden Abend betrachtet Annika die junge Frau gegenüber. Marie-Louise scheint all das zuzufliegen, wonach Annika sich sehnt: Freunde, Liebhaber, Geselligkeit. Für beide Frauen beginnt ein Sommer in der Provinz, wo Humor und Verzweiflung nah beieinander liegen.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

GERHARD HENSCHEL, „Arbeiterroman“ (Hoffmann & Campe, 576 Seiten): „Martin Schlosser hat sein Studium abgebrochen und jobbt als Hilfsarbeiter einer Spedition. Sein Traum vom Schriftstellerleben hatte anders ausgesehen. Erst nachdem in Berlin die Mauer fällt, über Martins Elternhaus die Tragödien hereinbrechen und seine Freundin Andrea ihn verlässt, um als Bauchtänzerin ihr Glück zu machen, scheint der Durchbruch nahe.“ [Klappentext, leicht gekürzt] Goodreads: Link

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internationale Literatur, neu auf Deutsch:

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RICHARD RUSSO, „Ein Mann der Tat“ (Dumont, 640 Seiten, Deutsch von Monika Köpfer): „Memorial Day in North Barth: Chief Raymer kollabiert auf einer Beerdigung, fällt ins offene Grab und verliert dabei das einzige Beweisstück dafür, dass seine Frau ihn betrogen hat. Die Wand eines Gebäudes, das der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat, stürzt ein. Sein ehemaliger Kontrahent Sully verheimlicht seine schwere Krankheit. Eine illegal gehaltene Giftschlange ist entwichen, und die Bewohner der Kleinstadt müssen Farbe bekennen und von ihren gewohnten Mustern abweichen.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

COLSON WHITEHEAD, „Underground Railroad“ (Hanser, 352 Seiten, Deutsch von Nikolaus Stingl; erscheint am 21. August): „Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.“ [Klappentext, ungekürzt] Goodreads: Link

KENT HARUF, „Unsere Seelen bei Nacht“ (Diogenes, 208 Seiten, Deutsch von Pociao): „Eine Kleinstadt in Colorado. Addie, eine Witwe von 70 Jahren, klingelt bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.“ [Klappentext, kaum gekürzt] Goodreads: Link

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MAURIZIO TORCHIO, „Das angehaltene Leben“ (Zsolnay, 240 Seiten, Deutsch von Annette Kopetzki): „Ein Mann sitzt seine lebenslängliche Strafe in der Einzelhaft ab – er hat die Tochter des „Kaffeekönigs“ entführt, später einen Wärter umgebracht. Er klagt nicht an, sondern beschreibt, wie das Gefängnis Tag für Tag mehr zum eigenen Körper wird. Ein Roman wie ein Faustschlag, in dem das „Gefangensein“ auch eine Metapher ist für das Menschsein.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

GRAHAM SWIFT, „Ein Festtag“ (dtv, 142 Seiten, Deutsch von Susanne Höbel): „1924. Jane, das junge Dienstmädchen von Beechwood, und Paul, der Spross aus begütertem Haus, haben ein Verhältnis. Doch Paul wird bald – standesgemäß – heiraten. Jahrzehnte später blickt sie zurück und erzählt: von einer Tragödie und einer wundersamen Entfaltung.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

YU HUA, „Die letzten sieben Tage“ (S. Fischer, 304 Seiten, Deutsch von Ulrich Kautz): „Yang Fei ist erst 41 und schon tot. Bevor seine Seele ins Jenseits geht, befindet sich der Verstorbene sieben Tage in einem Zwischenreich, wo er sein Leben Revue passieren lässt: der Abriss seiner Wohnung durch Spekulanten, die Verarmung seines Ziehvaters durch Krankheit, und dann verlässt ihn noch seine große Liebe Li Qing für einen reichen Mann.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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GAIL HONEYMAN, „Ich, Eleanor Oliphant“ (Lübbe, 525 Seiten, Deutsch von Alexandra Kranefeld): „Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus – und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen. Ein Debüt mit unvergesslicher Hauptfigur.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

MEGAN HUNTER, „Vom Ende an“ (C.H. Beck, 160 Seiten, Deutsch von Karen Nölle): „Die Erzählerin bekommt ihr erstes Kind. Gleichzeitig überschwemmt eine Flur weite Teile Englands, Feuer brechen aus. Die Frau und ihr Gefährte müssen sich auf eine Insel flüchten. Die kleine Familie wird getrennt. Lyrisch und lakonisch, durchsetzt mit Passagen, die sich wie Bibelzitate lesen, wie ein weibliches Gegenstück zu Cormac McCarthys „Die Straße“.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link – nur 3.58 von 5.

TIMOTHY ZAHN, „Thrawn“ (Blanvalet, 420 Seiten, Deutsch von Andreas Kasprzak; erst im Februar 2018): „Die spannende Vorgeschichte zur erfolgreichsten Star-Wars-Trilogie. Schnell erweist sich Thrawn als unverzichtbar für das Imperium. Sein Aufstieg scheint unaufhaltsam. Als er zum Großadmiral ernannt wird, muss er beweisen, dass er im Krieg gegen die Rebellen stark genug ist.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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Krimis und Thriller, neu auf Deutsch:

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MINATO KANAE, „Geständnisse“ (C. Bertelsmann, 272 Seiten, Deutsch von Sabine Lohmann): „Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken. Moriguchi kündigt ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine Lektion mit auf den Weg geben. Sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

JUAN DIAZ CANALES, JUANJO GUARNIDO, „Blacksad“ (Carlsen Comics, 304 Seiten, Deutsch von Harald Sachse): „In einer düsteren Großstadt, in der nur Tiere leben, erledigt Blacksad lakonisch seine Fälle. Alle 5 bisher erschienenen Blacksad-Comicbände sowie zwei zusätzliche Geschichten und Skizzenmaterial.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

PETER MAY, „Moorbruch“ (Zsolnay, 336 Seiten, Deutsch von Silvia Morawetz): „Vor 17 Jahren verunglückte Roddy, Leader der Band Amran, mit seinem Flugzeug und blieb verschollen. Fin Macleod, früher Roadie der Band, ist zurück auf der Hebrideninsel Lewis und bekämpft im Auftrag eines Gutsbesitzers Wilderer. Doch der Erste, den Fin zur Strecke bringen soll, ist ausgerechnet sein alter Freund Whistler. Die beiden werden Zeugen eines Moorbruchs, der das Wrack von Roddys Flugzeug zu Tage befördert. Fin erkennt an Whistlers Reaktion sofort, dass etwas nicht stimmt. Ein packender literarischer Krimi aus Schottland.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link (Teil 3 einer Trilogie)

neue Jugendbücher:

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ANKE STELLING, „Erna und die drei Wahrheiten“ (cbt, 240 Seiten): „Warum steckt in „Gemeinschaft“ auch „gemein“? Erna Majewski, 11, besucht eine Gemeinschaftsschule und lebt im gemeinschaftlichen Wohnprojekt. Dass das ganze Gemeinschaftsgetue ungerecht und sogar verlogen sein kann, erleben Erna und ihre Freundinnen, als nach dem Schulfasching jemand mutwillig die Klos ruiniert hat: Weil der Täter sich nicht meldet, sollen jetzt alle dafür büßen. Erna ermittelt. Sie findet heraus, was passiert ist. Aber soll sie es auch verraten? Schließlich gibt es laut einem Sprichwort drei Wahrheiten – deine, meine und die Wahrheit. Und wer kann die schon ertragen?“ [Klappentext, leicht gekürzt] Goodreads: Link

STEFANIE HÖFLER, „Tanz der Tiefseequalle“ (Beltz & Gelberg, 192 Seiten): „Niko, der ziemlich dick ist und sich oft in Parallelwelten träumt, rettet die schöne Sera vor einer Grapschattacke. Sera fordert Niko daraufhin zum Tanzen auf. Der Beginn einer Freundschaft, die im entscheidenden Moment mutig über ihren Schatten springen.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

CHRISTIAN DUDA, „Gar nichts von allem“ (Beltz & Gelberg, 160 Seiten): „Der Vater des 11jährigen Magdi buckelt nach oben und tritt nach unten. Unten, da stehen Magdi, seine drei Geschwister und seine Mutter. Was den arabischen Vater und die deutsche Mutter eint, ist der Wille, »gebührliche« Kinder großzuziehen. Bloß nicht unangenehm auffallen! Christian Duda blickt zurück in die 1970er Jahre: ein Kind in der Zange zwischen gesellschaftlichen Ressentiments und innerfamiliärem Druck.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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STEPHAN LOHSE, „Ein fauler Gott“ (Suhrkamp, 336 Seiten): „Sommer 1972. Benjamin ist 11. Dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Sein bester Freund erklärt Ben die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

NICOLA YOON, „The Sun is also a Star“ (Dressler, 400 Seiten, Deutsch von Susanne Klein): „Als Daniel und Natasha in New York aufeinander treffen, verguckt er sich sofort in das jamaikanische Mädchen. Die zwei teilen einen Tag voller Gespräche. Doch Natasha soll am selben Abend abgeschoben werden.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

JACK CHENG, „Hallo Leben, hörst du mich?“ (cbt, 384 Seiten, Deutsch von Bernadette Ott): „Der 11-jährige Alex plant, seinen iPod mit einer selbstgebauten Rakete ins All zu schießen, um den Außerirdischen das menschliche Leben zu erklären und wagt gemeinsam mit seinem Hund Carl Sagan die große Reise zu einer Convention von Raketen-Nerds.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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Klassiker, neu aufgelegt:

LEONARD GARDNER, „Fat City“ (Original von 1969, Blumenbar, 224 Seiten, Deutsch von Gregor Hens): „Eine Liebeserklärung an eine Zeit, in der man von der Hand in den Mund lebte. California-Working-Class-Sound, trotzigen Humor und der feinen Melancholie eine deutsche Stimme zu geben.“ [schrecklicher, weil völlig nichtssagender, selbstverliebter Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

VICTOR HUGO, „Die Arbeiter des Meeres“ (Original von 1866, mare, 672 Seiten, Deutsch von Rainer G. Schmidt): „Der Fischer Gilliatt lebt nah bei den Klippen, den Menschen im Dorf erscheint er als seltsamer Kauz. Seit er beobachtet hat, wie Déruchette, die Nichte des Reeders, seinen Namen in den (auf Guernsey äußerst seltenen) Schnee geschrieben hat, kommt er gedanklich nicht mehr von dem Mädchen los – und lässt sich, um ihre Liebe zu erringen, auf einen dramatischen und furchtbaren Kampf mit den Naturgewalten ein.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

ANTANAS SKEMA, „Das weiße Leintuch“ (Original von 1958, Guggolz, 255 Seiten, erstmals auf Deutsch von Claudia Sinnig): „Škėma (1910–1961) hinterließ einen Roman, der bis heute bedeutenden Einfluss auf die litauische Literatur ausübt: Protagonist Antanas Garšva, ein litauischer Exilschriftsteller, arbeitet als Liftboy in einem vielstöckigen New Yorker Hotel. Vor den Sowjets aus Litauen geflohen, hadert er mit der bigotten litauischen Leitkultur und der Trivialität der amerikanischen Konsumgesellschaft, und findet sich verstrickt in ein Dreiecksverhältnis mit seiner Geliebten Elena und ihrem Ehemann.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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neue Sachbücher:

CORY TAYLOR, „Sterben. Eine Erfahrung“ (Allegria, 176 Seiten, Deutsch von Ulrike Kretschmer): „2015 erfährt die australische Schriftstellerin Cory Taylor, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. In nur wenigen Wochen reflektiert sie über den Sinn der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie erfasst die transformative Kraft des Prozesses, in dem sie sich befindet, und es gelingt ihr, sich diesem kreativ und ehrlich zu stellen. Wer liest? Alle, die sich mit der letzten Phase des Lebens auseinandersetzen möchten, um dem Leben selbst Tiefe und Sinn zu geben.“ [scheußlich esoterischer Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

TALI SHAROT, „Die Meinung der anderen“ (Siedler, 304 Seiten, Deutsch von Susanne Kuhlmann-Krieg): „Meinung, Macht und Manipulation. Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Sharot zeigt, wie wir andere Menschen prägen können ― und von ihnen geprägt werden. Wir werden beeinflusst – meist unbewusst und mehr als uns lieb ist. Allzu oft sind wir steinzeitlichen Instinkten und Reflexen unterworfen – und daher zum Scheitern verdammt, wenn wir andere zu etwas bewegen wollen.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

ARAM MATTIOLI, „Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas“ (Klett-Cotta, 464 Seiten): „Die Geschichte Nordamerikas zwischen 1700 und 1900 aus der Sicht der »First Peoples«. Die politischen Motive aller Seiten im erbarmungslosen Kampf um den Kontinent. Daneben kommen die kulturellen Leistungen der Indianer ebenso zur Sprache wie die großen sozialen Umwälzungen.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

internationale Literatur, neu 2017, noch nicht übersetzt:

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GEORGE SANDERS, „Lincoln in the Bardo“ (Random House, 343 Seiten): „Abraham Lincoln and the death of his eleven year old son, Willie, at the dawn of the Civil War. On February 22, 1862, Willie Lincoln was laid to rest in a marble crypt in a Georgetown cemetery. Shattered by grief, Abraham visits the crypt, alone, to spend time with his son’s body. Set over the course of that one night and populated by ghosts of the recently passed and the long dead, Lincoln in the Bardo is a thrilling exploration of death and grief, with humor, pathos, and grace.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

KAYLA RAE WHITAKER, „The Animators“ (Random House, 369 Seiten): „In the male-dominated field of animation, Mel and Sharon are best friends and artistic partners, bonding over their working-class roots. After they spent their twenties ensconced in a gritty Brooklyn studio, they are finally celebrating the release of their first full-length feature, which transforms Mel’s difficult childhood into a provocative and visually daring work of art. But with their success come doubt and destruction.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

AYOBAMI ADEBAYO, „Stay with me“ (Canongate, 304 Seiten): „Nigeria in the 1980s: Yejide is hoping for a child. It is all her husband and her mother-in-law wants, and she has tried everything – arduous pilgrimages, medical consultations, dances with prophets. But when her in-laws insist upon a new wife, it is too much for Yejide to bear.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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FIONA MAAZEL, „A little more Human“ (Graywolf, 304 Seiten): „Phil Snyder: new father, nursing assistant at a cutting-edge biotech facility, and all-around decent guy. His wife has betrayed him, his father is hiding early-onset dementia. Phil also has a special talent—he’s a mind reader and moonlights as Brainstorm, a costumed superhero. A Little More Human, rife with layers of paranoia and conspiracy, questions how well we really know ourselves, showcasing Fiona Maazel at her tragicomic, freewheeling best.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

ADAM SILVERA, „History is all you left me“ (Soho Teen, 320 Seiten): „Griffin’s first love and ex-boyfriend Theo dies in a drowning accident. Griffin is losing himself in his obsessive compulsions and destructive choices.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

BENJAMIN ALIRE SAENZ, „The Inexplicable Logic of my Life“ (Clarion Books, 452 Seiten): „Sal has always been certain of his place with his adoptive gay father and their loving Mexican-American family. But now, life-altering events force him and his best friend, Samantha, to confront issues of faith, loss, and grief.“ [Klappentext, gekürzt] Goodreads: Link

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gelesen 2016: meine 20 besten Bücher des Jahres

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Die 20 Bücher, die ich möglichst vielen Menschen empfehlen kann:

meine Entdeckungen 2016.

2015 empfahl ich Bücher etwas ausführlicher.

Favoriten 2014 | Favoriten 2013 | Favoriten 2012 | Favoriten 2011

Lieblingscomics 2016 hier (Link).

Und: Songs 2016 (Link)!

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20: THOMAS VON STEINAECKER, „Die Verteidigung des Paradieses“

19: KEI SANBE, „Die Stadt, in der es mich nicht gibt“

18: DANIEL SCHREIBER: „Zuhause“ / SACHA BATTHYANY: „Und was hat das mit mir zu tun?“

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17: SYLVIE SCHENK, „Schnell, dein Leben“

16: MATTHIAS HIRTH, „Lutra lutra“

15: A.S. KING, „Still Life with Tornado“

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14: RAYMOND BRIGGS, „Ethel and Ernest“

13: DELPHINE DE VIGAN: „Nach einer wahren Geschichte“

12: EMMANUEL GUIBERT: „How the World was. A California Childhood“

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11: KIERON GILLEN, „Darth Vader“

10: GABRIEL HARDMAN, CORINNA BECHKO, „Invisible Republic“

09: CLEMENS J. SETZ: „Glücklich wie Blei im Getreide“

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08: HARUKI MURAKAMI, „Von Beruf Schriftsteller“

07: DAVID EAGLEMAN, „Sum: 40 Tales from the Afterlives“

06: NIS-MOMME STOCKMANN, „Der Fuchs“

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05: ANDREAS MAIER, „Die Straße“ (und der Vorläufer „Das Zimmer“)

04: ANNA KATHARINA HAHN, „Am schwarzen Berg“

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03: RANDY INGERMANSON, „Writing Fiction for Dummies“

02: SOPHIE DAULL, „Adieu, mein Kind“

01: BRECHT EVENS, „Panter“

…auch die Manga-Reihen „Billy Bat“, „Gute Nacht, Punpun“ und „I am a Hero“ waren/blieben großartig; und das Finale von Ed Brubakers dreiteiliger Graphic Novel „The Fade Out“ überzeugte mich.

Die besten Comics & Graphic Novels 2016: meine Empfehlungen bei Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur - Comic-Empfehlungen 2016, Stefan Mesch.PNG

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bei Deutschlandradio Kultur empfehle ich meine 20 Comics des Jahres:

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schon 2015 stellte ich 20 aktuelle Reihen vor, hier (Link).

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20. Black Magick
Autor: Greg Rucka, Zeichnerin: Nicola Scott
Image Comics, Oktober 2015 bis Februar 2016.
5+ Hefte in 1+ Sammelbänden, wird Mitte 2017 fortgesetzt.

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Wer nie ein aktuelles US-Comic las, findet im Mystery-Thriller „Black Magick“ einen simplen, geradlinigen Einstieg: Greg Rucka ist mein Lieblings-Comicautor, Nicola Scott eine der beliebtesten Zeichnerinnen. „Black Magick“ zeigt Rowan Black, Ermittlerin in Portland, Oregon und Mitglied eines geheimen heidnischen Kults: Rowan ist eine Hexe. Sie hat okkulte Kräfte, wird in eine Geiselnahme verwickelt, muss Ritualmorde aufklären – ohne, sich vor Kollegen zu enttarnen.

Eine etwas altbackene Idee, in Band 1 noch nicht anspruchsvoller erzählt als in TV-Einerlei wie „Charmed“ oder „Constantine“. Auch Rowans Vokuhila-Frisur lässt viele Szenen gestrig wirken. Doch Rucka ist Experte für Polizeiarbeit, liebt feministische, komplexe Ensembles, und Nicola Scott hat ein Auge für Lichtstimmung und Grusel. 2016 waren beide mit einer (leider steifen) Neuauflage von „Wonder Woman“ ausgelastet. Doch 2017 geht „Black Magick“ weiter.

Bisher kein dichter, raffinierter Comic. Aber ein einladender! Wer Rucka kennt, weiß: Seine Reihen werden schnell tiefer, klüger, dunkler.

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19. Arcadia
Autor: Alex Paknadel, Zeichner: Eric Scott Pfeiffer
Boom! Studios, Mai 2015 bis Februar 2016.
8 Hefte in einem Sammelband, abgeschlossen.

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„The Matrix, but better“, lobten Kritiker dieses Polit- und Cyberpunk-Drama über eine Familie, zerrissen zwischen der Kunstwelt Arcadia und der verwüsteten Erde: Ein Virus tötete sieben Milliarden Menschen – doch das Bewusstsein von vier Milliarden davon konnte in ein Netzwerk übertragen werden. Dort lebt die Oberschicht wie in einem grenzenlos bizarren Videospiel, mit Superkräften und allen Gestaltungsmöglichkeiten. Arbeiter dagegen haben nicht einmal genügend Rechenleistung, um sich Gesichter und Haut animieren zu lassen.

Lee Pepper sah seine Familie sterben; und bewacht seitdem ein Rechenzentrum für Arcadia-Daten in Russland. Während diplomatischer Machtspiele droht die lebendige Minderheit, „The Meat“, Arcadia den Stecker zu ziehen. Das Netzwerk aber hat eigene Druckmittel – und Lee und seine digitalisierte Frau, Tochter, Sohn stehen zwischen den Fronten. Leider sind die Zeichnungen von Eric Scott Pfeiffer freudlos, karg: Grandios versponnene Ideenwelten von Autor Alex Paknadel werden sinnlos nüchtern aufgemalt. Figuren und Konzept faszinierten mich wochenlang. Doch ein Lesespaß ist dieser holprige, graustichige Comic selten.

Ich hoffe, der Autor findet bessere Zeichner. Oder aus „Arcadia“ wird eine elegante TV-Reihe: Herz, Talent, Ideen? Alles hier, im Überfluss. Jetzt fehlen noch Farbe, und liebevolle Details.

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18. The Violent
Autor: Ed Brisson, Zeichner: Adam Gorham
Image Comics, Dezember 2015 bis Juli 2016.
5 Hefte in einem Sammelband, in sich geschlossen – aber könnte fortgesetzt werden.

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Viele der besten Comics wollen beim Erzählen immer auch beweisen, was Comics leisten können – als eigene Kunstform. „The Violent“ dagegen könnte auch ein Film sein, ein düsterer TV-Mehrteiler, Theaterstück oder sozialrealistischer Roman. Mason und Becky haben eine dreijährige Tochter, leben an der Armutsgrenze und tun alles, um nicht weiter abzurutschen. Becky war drogensüchtig, Mason saß im Gefängnis. Nichts soll je wieder schief gehen. Natürlich geht alles schief, sofort.

Ed Brisson zeigt ein beklemmend banales Drama um einen Mann auf Bewährung, der alle Risiken eingeht, um seiner großen Liebe zu beweisen: Wir schaffen das. Zeichner Adam Gorham hält viele nichtssagende Straßen und Wohnungen Vancouvers sympathisch nichtssagend fest. Ein Comic, der an keiner Stelle allergrößte Kunst sein will. Doch der gerade deshalb überzeugt:

Einfach, packend, ohne künstlerische Eitelkeiten, Schrullen. Ein großer, kleiner Wurf!

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17. Monstress
Autorin: Marjorie Liu, Zeichnerin: Sana Takeda
Image Comics, seit November 2015.
8+ Hefte, bisher ein Sammelband, wird fortgesetzt.

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Eine recht konventionelle Fantasy-Saga. Mit Kostümdesign und Architektur, so kunstvoll, dass alle Stärken der Reihe daneben zu Schwächen werden: Figuren? Plot? Solide. Doch erst die vielen Details (Zeichnerin: Sana Takeda) machen „Monstress“ lesenswert. Einzelgängerin Maika trägt ein Monster in sich. Zwei reiche Hochkulturen führen Krieg. Beide halten sich für moralisch überlegen, aber sind zu jedem Tiefschlag fähig. Während Maikas Gegner für sich entscheiden: „Der Zweck heiligt die Mittel“, versucht die Außenseiterin, auch die schwächsten, taktisch unwichtigsten Leben zu schützen.

Ich brauchte gut 100 Seiten, um die Geschichte unter den barocken Steampunk- und Jugendstil-Klischees ernst zu nehmen. Zu viele Ideen hier wirken altbekannt. Der Rest zu oft verzweifelt möchtegern-originell. Tolle Kostüme und Architektur allein werden nicht entscheiden können, ob sich die Reihe lohnt: Wie klug, wie bitter werden Maikas Zwickmühlen weiter gedacht?

Politisch, psychologisch, grandios detailverliebt – oder doch nur Schauwerte, Kitsch, Effekte? Ich schwanke.

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16. Prez
Autor: Mark Russell, Zeichner: Ben Caldwell
DC Comics, Juni bis Dezember 2015.
Als zwölfteilige Heftreihe geplant, doch nach sechs Heften (in einem Sammelband) abgesetzt; sehr gute Kritiken, deshalb steht die Möglichkeit einer Fortsetzung im Raum.

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Ein Teenager als US-Präsident: 1973 zeigte ein albernes DC-Comic im „Richie Rich“-Stil fünf kurze Hefte lang, wie ein frecher Schüler das Establishment düpiert. 2015 gab es ein Remake über die junge Fast-Food-Angestellte Beth Ross, die via Twitter versehentlich zum Star wird, dann durch parteipolitische Intrigen Präsidentin. Trotz bester Kritiken las ich die Reihe erst im November, nach Trumps Wahlsieg – und war bestürzt, begeistert, fassungslos: der Comic der Stunde, schon wieder abgesetzt, wegen schlechter Verkaufszahlen.

„Prez“ nutzt Klischees über die Generation Y, setzt raffinierte Spitzen gegen die Macht von Konzernen, US-Außenpolitik, Erregungs- und Populismus-Dynamiken im Netz – fast alles klüger, bissiger, subversiver als die besten taz-Artikel. Doch besonders Menschen über 40 fühlen sich wohl: So frisch und jugendlich die Reihe wirkt, ihr Blick erinnert an Satiriker der Generation X, Douglas Coupland, „Die Simpsons“. Auch charmant – doch etwas harmloser: Autor Mark Russels kapitalismuskritische „Familie Feuerstein“-Neuauflage von 2016.

Abgründig, schmerzhaft, unvergesslich: Ich kenne kaum dichtere, smartere Satire.

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15. Action Comics
Autor: Dan Jurgens; wechselnde Zeichner, v.a. Patrick Zircher und Tyler Kirkham
DC Comics, erscheint seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt „Action Comics 957“.
14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt. Parallel lesen: die Reihen „Superman“, „Trinity“ und „Superwoman“.

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Immer wieder landen langjährige Heldencomics in erzählerischen Sackgassen – und räumen auf, indem ein komplizierter Zwischenfall (Zeitschleifen, Dimensionslöcher, parallele Welten) neue, simplere Zustände schaffen soll. 2011 hieß das: Superman und seine große Liebe Lois Lane werden ersetzt, durch jüngere Versionen, in einer neuen Welt. Jene Doppelgänger waren nie verheiratet, sind schroffer und pragmatischer; ein neuer Lex Luthor ist eher Antiheld als Schurke. 2015 strandete der ursprünglichere Superman in dieser neuen Gegenwart – in Dan Jurgens Reihe „Lois & Clark“: Er hat jetzt einen Sohn im Grundschulalter und lebt mit seiner Lois heimlich auf einer Farm.

2016, im nicht lesenswerten „The Final Days of Superman“ starb der jüngere Superman. Seitdem übernimmt die ältere Version die Hauptrolle. In vier verknüpften, oft exzellenten Heftreihen – „Action Comics“, „Superman“, „Superwoman“ und „Trinity“ – wird dieses Durcheinander durchdacht, von allen Seiten. Es gibt zwei Lois Lanes. Kann man Lex Luthor trauen? Ein Fremder ohne Kräfte behauptet, Clark Kent zu sein. Supermans Sohn will selbst Held werden. Zu viele ermüdende Kämpfe, mittelmäßige Zeichnungen. Doch tolle Figurenarbeit, Rätsel, Ensembles und Intrigen.

Wirres Chaos? Nein: Ein Helden-Mosaik, so stimmig, herzlich, menschlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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14. Harrow County
Autor: Cullen Bunn, Zeichner: meist Tyler Crook
Dark Horse Comics, seit Mai 2015.
18+ Hefte in 4+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Provinz und Außenseitertum, Pubertät und das Erwachen von Zauberkräften, Feminismus und Hexerei – all das passt zeitlos gut zusammen, und wird aktuell z.B. im feministischen Hexen-Comic „Sabrina“ souverän erzählt. „Harrow County“ dagegen ist eine Klasse für sich: Statt ältere Comic-Käufer anzusprechen, können Ton, Blick, Zeichnungen hier auch Zwölf- bis Achtzehnjährige erreichen. Toll kindlich-zeitloses Design, toll jugendliche Ängste, toll erwachsene Psychologie.

In Band 1 wird Emmy klar, dass sie die Wiedergeburt einer Hexe ist – und am 18. Geburtstag geopfert werden soll. Band 2 bis 4 werden, trotz schlimmer Ausgangslage, immer warmherziger, differenzierter, heimeliger: Wie findet man seine Rolle – am Ort, an dem man leben muss oder will? Was kann man der Gemeinschaft geben – doch was dürfen Familie und Nachbarn auf keinen Fall verlangen? Ein Grusel- und Coming-of-Age-Märchen über Heimat, Armut, Rassismus, weibliche Selbstverwirklichung während der Weltwirtschaftskrise.

Schaurige Nostalgie, meisterhaft schlicht gezeichnet und koloriert. Einfach – aber niemals kindisch!

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13. Detective Comics
Autor: James Tynion IV, Zeichner: meist Eddie Barrows oder Alvaro Martinez
DC Comics, seit Juni 2016 zweimal im Monat; Heft 1 heißt „Detective Comics 934“.
13+ Hefte in 2+ Sammelbänden (und einem Crossover-Band namens „Night of the Monster Men“, der übersprungen werden kann), wird fortgesetzt.

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Kate Kane ist Batwoman. Tim Drake war Robin. Cassandra Cain und Stephanie Brown kämpften als Batgirl. Wer nur die Batman-Filme kennt, ist überrascht, wie viele Unterstützer*innen Bruce Wayne im Comic um sich schart – eigensinnige Stimmen in Gotham City, mit interessanten Konflikten, Weltanschauungen, Dynamik. Weil Batman selbst meist wortkarg, kalt, paranoid bleibt, leuchten solche Konstrastfiguren. Doch in den großen monatlichen Heftreihen, „Batman“ und „Detective Comics“, werden sie meist ignoriert, und ihre eigenen Serien (Ausnahme: „Batwoman“ und Stephanie Browns „Batgirl“) bleiben zu oft zweitklassig, nebensächlich.

Autor James Tynion liebt die „Bat-Family“, gab vielen Figuren schon in „Batman Eternal“ eine bessere Bühne. Sein Neustart bei „Detective Comics“ ist ein Fest, ein Schachspiel, ein Charakter-Drama, in dem nicht nur Bruce glänzen darf, sondern endlich auch die vielen heimlichen oder unbekannteren Helden.

Große Auftritte – und ein Miteinander, das ich mir als Fan seit fast zehn Jahren wünsche!

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12. The Fix
Autor: Nick Spencer, Zeichner: Steve Lieber
Image Comics, seit April 2016.
6+ Hefte in mindestens 2 Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Bitter wie „Fight Club“, und zynischer, unverschämter als jede Hochstapler- oder Buddy-Cop-Komödie, die ich kenne: Roy und Mac sind die lustlosesten, nachlässigsten Polizisten der Welt. Nebenher schmuggeln sie Drogen, überfallen Rentner. Doch auch das bemerkenswert schlampig, lapidar. Immer wieder sterben Menschen. Besonders tragisch, dringlich, spannend wird das nie. Fressen oder gefressen werden? Leben und leben lassen? Egal: Wozu groß reflektieren?

„The Fix“ warf mich um. Weil Krimis die Ermittler oft als Idealisten zeigen, die Gauner als virtuose, ehrenvolle Künstler. Roy und Mac sind Stümper, die einfach keinen Bock haben, sich Mühe zu machen mit anderen Menschen – doch die dafür von Autor Nick Spencer nie besonders in die Ecke gedrängt oder bestraft werden: „The Fix“ fragt nicht nach Moral, Verpflichtung. Sondern zeigt, wie man arbeitet – sobald man jeden Ehrgeiz verloren hat.

Krimi? Nein. Ein aggressiv lässiges Portrait zweier Nihilisten, denen ganz Los Angeles am Arsch vorbei geht.

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11. Nailbiter
Autor: Joshua Williamson, Zeichner: Mike Henderson
Image Comics, seit Mai 2014.
27+ Hefte in 5+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Geniale Autorinnen und Autoren? Unbezahlbar! Doch was ist mit den nüchtern kompetenten Genre-Handwerkern, Story-Ingenieuren, Fließband-Erzählern, Routiniers? Seit 25 Heften liebe ich die simple, packende Erzählweise von Joshua Williamson – an dessen Arbeit nichts besonders tief, markant, klug, ambitioniert wirkt. Doch bei dem alles wunderbar spannend, kompetent vor sich hin schnurrt: knallige Cliffhanger, schnippische Dialoge, klare Figuren.

Es geht um Buckaroo, einen kleinen Ort im regnerischen Oregon, aus dessen Bevölkerung aus unerklärten Gründen immer neue Serienmörder hervortreten. Ein FBI-Ermittler, ein weiblicher Sheriff und ihr Ex-Freund, der als Killer „Nailbiter“ überführt wurde, stolpern durch immer blutigeren, absurderen, surrealen Irrsinn. „Akte X“, mit schnelleren Antworten. „Twin Peaks“, doch ohne jeden Anspruch, Kunst zu sein. Ein glatte, souveräne Reihe – ohne „Das Schweigen der Lämmer“-Ambitionen.

Viele Psycho-Thriller scheitern, weil sie schwülstige Thesen zur Natur des Menschen suchen. „Nailbiter“ hält den Ball viel flacher. Doch trifft dabei fast jedes Mal!

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10. Gute Nacht, Punpun
Autor und Zeichner: Inio Asano.
Shogagukan, 2007 bis 2013.
147 monatliche Kapitel, gesammelt in 13 Sammelbänden, abgeschlossen (2016 auf Deutsch).

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Wir kennen die Klischees: junge Männer, die sich über Monate ins Zimmer sperren. Schülerinnen in Uniform – fetischisiert, aber angefeindet. Japans Jugend, zerfleischt oder deformiert durch Prüderie, Erfolgsdruck, „toxic masculinity“.

Inio Asano zeichnet toll fotorealistische Hintergründe – doch tragisch hässliche, rotznasige Kinder. Deshalb wirkt „Punpun“ die ersten drei, vier Bände lang wie eine patzig parodistische Mischung aus Rotz und Zuckerwatte: die Grundschulzeit eines Außenseiters, seine Tagträume, eine große Liebe. Die mittleren Bände zeigen Einsamkeit auf Mittel- und Oberschule, und sind betörend klug, hart, melancholisch. Im letzten Drittel sind Verlierer Punpun und seine Flamme Aiko am Ende – ruiniert von schlimmen Eltern, Pädagogen, dem System. Asanos Comic ist ein dunkler, epischer Bildungs- und Fehlbildungs-Roman, an vielen Stellen grell oder sentimental. Aber auf jeder Seite: dringlich, packend, wahr.

Ach so – und während hier fast jeder sonst konventionelle Manga-Körper hat, sieht sich Punpun selbst als läppisches Cartoon-Vögelchen.

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9. Wonder Woman: The True Amazon
Autorin und Zeichnerin: Jill Thompson
DC Comics, September 2016
als Buch erschienene Graphic Novel, 128 Seiten; hat ein recht offenes Ende: Fortsetzung sehr wahrscheinlich.

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2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische „Wonder Woman“-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter.

Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und „True Amazon“ wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 33, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten.

Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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8. The Vision
Autor: Tom King, Zeichner: Gabriel Hernandez Walta
Marvel Comics, November 2015 bis November 2016.
12 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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Viele Marvel-Helden haben seit den 40er, 50er, 60er Jahren monatliche Auftritte in einer oder mehreren Heftreihen – und deshalb heute absurd barocke Vorgeschichten. Die Kunst der zwölfteiligen, abgeschlossenen Reihe „The Vision“? Für Band 1 (Heft 1 bis 6) spielt das Vorleben der Figur keine Rolle. Und in Band 2 (Heft 7 bis 12), sobald wir den melancholischen Roboter, sein Umfeld, alle akuten Konflikte verstehen, spannt Autor Tom King dann doch plötzlich große Bögen durch Jahrzehnte Marvel- und „Avengers“-Historie.

The Vision ist ein Kunstmensch, der sich spontan eine eigene Familie konstruiert, in die Vorstadt zieht, Alltag im „Mad Men“- oder Norman-Rockwell-Stil durchleben will. Sein herbstliches Idyll zerbricht – und was mit alten, simplen Roboter-Fragen wie „Haben Androiden-Kinder echte Liebe, Androiden-Nachbarn echten Respekt verdient?“ beginnt, wird in Band 2 zu einem überraschend reifen Liebes-Drama (und: Superhelden-Duell).

Autor Tom King tut gern besonders tiefgründig, avantgardistisch. Oft gaukelt er Komplexität eher vor – durch Zeitsprünge, Montagen. Hier aber wirklich: Treffer!

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7. Billy Bat
Autor und Zeichner: Naoki Urazawa
Kodansha, Oktober 2008 bis August 2016.
165 monatliche Kapitel, gesammelt in 20 Sammelbänden, abgeschlossen (auch auf Deutsch fast vollständig).

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Rätsel-Serien wie „Lost“ beantworten eine Frage, doch werfen dabei zwei neue auf – und lange vor dem Finale haben viele Fans alle Geduld verloren. Der Historien-Thriller „Billy Bat“ zeigt eine geheimnisvolle Fledermaus, die über Jahrhunderte immer neuen Menschen immer Neues bedeutet – als Totem und Symbol, als Comic-Held und Maskottchen. Und als verborgene Stimme im Kopf, die u.a. das Attentat auf John F. Kennedy vorherzusagen scheint. Naoki Urazawa erzählt eine Kulturgeschichte von Zeichenkunst und Comic, von Groschenheften, Vergnügungsparks, Perfektionisten wie Walt Disney. „Billy Bat“ fragt, was eine Figur bedeuten kann, über Generationen und Grenzen hinweg. Und, wo sich Comic-Kultur und Kulturimperialismus überschneiden – besonders zwischen Japan und den USA.

Ein warmherziges, überraschendes Geflecht aus liebevollen, meist klugen japanischen und amerikanischen Leben: Künstler und Strategen, Zyniker und Fans, Kapitalisten, Idealisten, Kinder, Kindsköpfe… und viele ältere Männer, die zurück schauen auf die großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.

Schwer und verkopft? Nein: „Billy Bat“ erzählt ein Riesen-Epos – in überraschenden, optimistischen Häppchen. (Nur bitte nächstes Mal: mehr Frauen!)

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6. Injection
Autor: Warren Ellis, Zeichner: Declan Shalvey
Image Comics, seit Mai 2015, nach jeweils 5 Heften längere Pause.
10+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Oft schreiben Comics schon schwarze Zahlen, sobald 5.000 Menschen ein Heft kauften. Deshalb können sie kantiger, seltsamer erzählen als Filme. Leider stammt Warren Ellis‘ Verständnis von „kantig und seltsam“ aus den 80er oder 90er Jahren: Paganismus, Cyberpunk, Hexerei, Verschwörungen, experimentelle Drogen… kein Ellis-Thema ist so crazy, mutig, originell, wie Ellis selbst zu glauben scheint – und darum war Band 1 von „Injection“ ein zwar kluger, sympathischer globaler Ensemble-Fantasy-Techno-Thriller… aber eben: kein restlos origineller, gewitzter.

Die Reihe zeigt fünf brilliante (und großteils queere, bisexuelle) Forscher und Kollegen, die eine Erfindung – die Injection – in die Welt entließen, doch heute mit zunehmend monströsen Folgen ringen. Band 2 stellt Vivek in den Mittelpunkt, Millionär, Snob, Detektiv oder Exorzist (?) in Manhattan. Eine hochbegabte Sherlock-Holmes-Figur, bei der ich zum ersten Mal seit Jahren dachte: „Ja! Hier zeigt ein mindestens kongenialer Autor Methoden und Einfallsreichtum eines echten Genies.“

Ellis‘ Versatzstücke, Puzzleteile sind oft nah am Klischee. Doch Ellis‘ Gesamtbild und die Erzählweisen hier? Einzigartig. Unerhört originell!

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5. Die Stadt, in der es mich nicht gibt
Text und Zeichnungen: Kei Sanbe
Kadokawa, Juni 2012 bis März 2016.
44 monatliche Kapitel, gesammelt in 8 Sammelbänden, abgeschlossen (auch bald auf Deutsch). Fünfteiliger Epilog im Dezember 2016 abgeschlossen.

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„Vertraute Fremde“, ein Mainstream-Bestseller von Jiro Taniguchi, folgte einem Mann über 50, plötzlich zurück im Körper seines 14jährigen Ich. Kei Sanbe zeigt ein ähnlich melancholisches Zeitreise- und Kindheits-Drama – aber als Krimi: Pizzabote Satoru, Ende 20, wird in der Zeit zurück geworfen, oft nach kleineren Unfällen oder Verletzungen, und hat meist wenige Minuten Zeit, sie zu verhindern. Als seine Mutter ermordet wird, erlebt er einen drastischeren Zeitsprung: Er ist zurück im kalten Hokkaido, im Winter seines zehnten Lebensjahrs, über Monate gestrandet. Eine Mitschülerin wurde damals ermordet; der Täter wurde nie gefasst.

Lange wirken die Zeichnungen zu schlicht, naiv. Band 1 dreht sich banal im Kreis. Erst spät wird klar: Hier wird eine Mutter-Sohn-Geschichte über Courage, Vertrauen, soziales Engagement gezeigt, mit vielen starken, komplexen Frauen, Wärme, Lebensweisheit und einem raffinierten Katz-und-Maus-Spiel durch mehrere Zeitschleifen und -stränge. Ich hoffe, Autor (oder Autorin?) Kei Sanbe wird noch weiter über die verzweigenden Lebensläufe und schweren Entscheidungen der Figuren erzählen.

Simple Grundidee – doch endlos interessante Abzweigungen, Chancen, Varianten. Ab Band 2 wird das zum kleinen Wohlfühl-Meisterwerk.

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4. Darth Vader
Autor: Kieron Gillen, Zeichner: Salvador Larroca
Marvel Comics, Februar 2014 bis Oktober 2016.
26 Hefte (und das gelungene Crossover „Vader Down“), gesammelt in 4 (+1) Sammelbänden, wird mit der Spin-Off-Reihe „Doctor Aphra“ fortgesetzt.

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Seit 2014 erzählen „Star Wars“-Romane und -Comics neue, offizielle Geschichten mit den alten Figuren. Jason Aarons Heftreihe „Star Wars“ blieb hölzern. Doch Kieron Gillens „Darth Vader“ wurde zum unerwarteten Highlight (…auch einen Blick wert: die Reihen „Han Solo“ und „Poe Dameron“). Zeichner Salvador Larroca liebt Blaupausen, filigrane Technik; Autor Gillen herben Sarkasmus, dramatische Ironie, Realpolitik.

Dr. Aphra, eine gerissene Archäologin, kam so gut an, dass sie Ende 2016 ihre eigene Reihe erhielt. Auch die blutrünstigen Droiden BT-1 und 0-0-0 fanden Fans. Doch trotz zahlloser Szenen, die nur die Niedertracht, Kaltschnäuzigkeit aller Figuren ausstellen, bleibt schwarzer Humor kein Selbstzweck: Wie lebt, laviert, paktiert man als wichtiges, aber unbeliebtes Zahnrad in einem totalitären System?

Statt Vader zu vermenschlichen oder zu feiern, zeigen fünf kluge, knallige Bände, wie autoritäre Despoten allen schaden – den Machtlosen, der Welt, sich selbst.

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3. The Fade Out
Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, August 2014 bis Januar 2016.
12 Hefte, gesammelt in 3 Sammelbänden, abgeschlossen.

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Ed Brubaker ist großer Krimi-Liebhaber und -Experte, und will in seinen Comics oft Stimmungen und Ton einer vergessenen Ära oder Vorlage treffen. Zwei Bände lang wirkt „The Fade Out“ wie eine solche Hommage – auf den Film Noir der späten 40er Jahre, „Sunset Boulevard“ und Raymond Chandler, auf bittere Verlierer im Sündenbabel Hollywood, die spät begreifen, dass sie für immer Spielfiguren bleiben zwischen Studiobossen, Mafiosi, Femmes fatales.

Dass Brubaker hier nicht nur aufwärmt, spielt, wird im finalen Band 3 beglückend offensichtlich: Was als guter Comic für Nostalgiker begann, wächst zu einem Stück Kunst, das wirklich jeder mit Gewinn lesen kann. Denn statt Figuren nur als Kanonenfutter hin und her zu schieben, zeigt Brubaker die großen Archetypen der McCarthy-Ära in einer Tiefe, Wärme, Farbigkeit, auf die ich nicht vorbereitet war. Ein Denkmal an mutige, gebrochene Menschen im LA der Studio-Ära.

Gewann den Eisner Award 2016. Freut jeden, der alte Krimis mag. Und verführt jeden, der Krimis nie sehr mochte!

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2. Invisible Republic
Text: Corinna Bechko und Gabriel Hardman, Zeichnungen: Gabriel Hardman
Image Comics, seit März 2015.
13+ monatliche Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Verwaschene Farben. Ein passiver, hasenfüßiger Reporter ohne Esprit, Geist, Witz. Die arg pompöse Grundidee: Revolution auf einer fernen Kolonie der Erde, und eine Gegenrevolution, 40 Jahre später. Straßenschluchten, Nieselregen, brutalistische Betonbauten – als hätte man „Blade Runner“ ohne großes Budget in einer Hertie-Filiale in Stuttgart gefilmt, im November 1980. „Invisible Republic“ startet freudlos. Nie wirkte epische Science-Fiction prosaischer.

Doch meine Gewissheit, hier etwas ganz Besonderes, Einmaliges zu lesen, wächst: In jeder Geschichte, die auf historisch realen Freiheits- oder Klassenkämpfen fußt, schwingt Pathos oder linke Heldenverehrung, Parteilichkeit, Patriotismus. „Invisible Republic“ kann das umschiffen – durch das besondere Setting: Wären all diese Partisanen und Agitatoren, Rebellen, Linksterroristen und Whistleblower in Prag, auf Kuba oder in Ost-Berlin, zu viele Menschen würden beim Lesen säuseln: „Prag! Kuba! Ost-Berlin! Schon auch eine schöne, hoffnungsvolle Zeit!“

Der blutige Freiheitskampf einer Kolonie. Und 40 Jahre später: das Ende einer Diktatur. So analytisch, pathosfrei, reflektiert erzählt, wie bei einer Erden-Nation niemals möglich.

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1. Panter
Autor und Zeichner: Brecht Evens.
Deutsch bei Reprodukt.
120 Seiten, abgeschlossen.

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Sollen wir das putzig finden? Christine ist traurig, weil ihre Katze starb – und entdeckt plötzlich einen neuen besten Freund: ein wilder, farbenfroher, charismatischer Panther springt aus ihrer Kinderzimmmer-Kommode und überredet sie, zu albern, zu kuscheln und zu flirten. Tier und Mensch, Alt und Jung, Groß und Klein – so innig wie Otto und Benjamin Blümchen, Calvin und Hobbes, Pete und das Schmunzelmonster.

Was aber wollen diese aggressiv drolligen Gestalten eigentlich von Kindern? Welche Balus wünschen sich einen Mogli – und wozu? „Panter“ ist eine viel zu bunte, kuschelige, munter-bezaubernd-manipulative Graphic Novel über ein Kind, das umworben wird – von einem kunter-tupfig-lustig-bunten, allerliebsten… Raubtier.

Freundschaft? Nein. Der Belgier Brecht Evens zeigt die Dynamiken von Grooming, Missbrauch, sexueller Gewalt.

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und:

Gefeierte US-Reihen wie „Saga“, „Lazarus“, „Ms. Marvel“ und „Southern Bastards“ veröffentlichten auch 2016 neue Hefte und Sammelbände, auf gewohnt hohem Niveau. Auch der Manga „I am Hero“ überzeugt seit Jahren.

Die besten Jugendbücher für 2017: Buchtipps

2014 WordPress Regal

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Zweimal im Jahr stelle ich im Blog neue Jugendbücher vor:

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heute, wie jedes Jahr vor Weihnachten:

Young-Adult-Romane (meist aus den USA), angelesen, sehr gemocht – von denen ich mir für 2017 Übersetzungen ins Deutsche wünsche.

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01: STEPHANIE KATE STROHM, „It’s not me, it’s you“
  • High-School-Komödie, verfasst im Stil von Studs Terkel: „Zeitzeugen“ berichten – und widersprechen sich. Charmante Unterhaltung.

„Avery is one of the most popular girls in her class. But a public breakup causes disastrous waves. Now, Avery gets to thinking about the guys that she has dated. How come none of those relationships worked out? Could it be her fault? In history class she’s learning about this method of record-keeping called „oral history“. So Avery decides to go directly to the source. She tracks down all the guys and uses thoughts from friends, family, and teachers, to compile a total account of her dating history.“ [Klappentext, gekürzt]

It's Not Me, It's You

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02: A.S. KING, „Still Life with Tornado“

  • Seit „Please don’t hate me“, „Please ignora Vera Dietz“ und „Reality Boy“ meine Lieblings-Jugendbuchautorin. Aber: auch wieder eine sehr zerquälte und flapsige Hauptfigur, die sich selbst im Weg steht. Kein Gute-Laune-Buch.

„Sarah is several people at once. And only one of them is sixteen. Her parents insist she’s a gifted artist with a bright future, but now she can’t draw a thing. Meanwhile, there’s a ten-year-old Sarah with a filthy mouth. A twenty-three-year-old Sarah with a bad attitude. And a forty-year-old Sarah. They’re all wandering Philadelphia, and they’re all worried about Sarah’s future. Sarah might be having an existential crisis. Or maybe all those other Sarahs are trying to wake her up before she’s lost forever in the tornado of violence and denial that is her parents’ marriage.“ [Klappentext, gekürzt]

Still Life with Tornado

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03: SHANNON LEE ALEXANDER, „Life after Juliet“
  • Mainstream-Romance; aber deutlich besser geschrieben als nötig.

„When her best friend Charlotte died, Becca gave up on the real world and used her books to escape. Until she meets Max Herrera. He’s experienced loss, too. As it turns out, kissing is a lot better in real life than on a page. But happy endings aren’t always guaranteed.“ [Klappentext, gekürzt]

Life After Juliet

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04: WILL KOSTAKIS, „The Sidekicks“

  • Das nichtssagende Cover stieß mich ab – aber die Figurenkonstellation macht Spaß. Auch, wenn alles hier (Thema, Tonfall) etwas gestrig/angestaubt wirkt.

„All Ryan, Harley and Miles had in common was Isaac. They lived different lives, had different interests and kept different secrets. But they shared the same best friend. They were sidekicks. And now that Isaac’s gone, what does that make them?“ [Klappentext, gekürzt].

The Sidekicks

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05: JENNIFER NIVEN, „Holding up the Universe“

  • Ich bin gesichtsblind – wie die männliche Hauptfigur, hier; und glaube, das Buch trägt viel zu dick auf. Und: Ich bin kein Fan von Außenseiter-Romances. Trotzdem las ich los – und hatte Lust, noch lange weiter zu lesen.

„Everyone thinks they know Libby Strout, the girl once dubbed “America’s Fattest Teen.” Following her mom’s death, she’s been picking up the pieces in the privacy of her home. Everyone thinks they know Jack Masselin. What no one knows is that Jack can’t recognize faces. Even his own brothers are strangers to him. The two get tangled up in a cruel high school game—which lands them in group counseling and community service.“ [Klappentext, gekürzt]

Holding Up the Universe

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06: NICOLA YOON, „The Sun is also a Star“

  • Noch eine Mainstream-Romance, die mich skeptisch macht. Aber: solide geschrieben.

Natasha: I believe in science and facts. Not destiny. Or dreams that will never come true. I’m not the kind of girl who meets a cute boy on a crowded New York City street and falls in love. Not when my family is twelve hours away from being deported to Jamaica. Daniel: I’ve always been the good son. Never the poet. Or the dreamer. But when I see Natasha, I forget about all that.“ [Klappentext, gekürzt]

The Sun Is Also a Star

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07: J.P. ROMNEY, „The Monster on the Road is me“

  • Klischeehafte Figurenkonstellation, ein klischeehaft westlicher Blick auf Japan? Doch dass der Roman bei FSG erscheint, macht mir Mut. Im besten Fall: surreale, literarische All-Ages-Unterhaltung wie David Mitchell.

„Koda Okita is a high school student in modern-day Japan. He suffers from narcolepsy and has to wear a watermelon-sized helmet to protect his head in case he falls. When a rash of puzzling deaths sweeps his school, Koda discovers that his narcoleptic naps allow him to steal the thoughts of nearby supernatural beings. He learns that his small town is under threat from a ruthless mountain demon.“ [Klappentext, gekürzt]

The Monster on the Road Is Me

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08: VICTORIA SCHWAB, „This Savage Song“

  • Die mittlerweile dritte (?) Trilogie von Victoria Schwab binnen weniger Jahre. Jedes Mal mag ich den Stil, doch jedes Mal langweilt mich die Erzählwelt.

„A city at war, a city overrun with monsters. Kate Harker and August Flynn are the heirs to a divided city. Kate wants to be as ruthless as her father, who lets the monsters roam free and makes the humans pay for his protection. August wants to be as good-hearted as his own father, to play a bigger role in protecting the innocent—but he’s one of the monsters. Kate discovers August’s secret, and after a failed assassination attempt the pair must flee for their lives.“ [Klappentext, gekürzt]

This Savage Song (Monsters of Verity, #1)

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09: E.K. JOHNSTON, “Exit, Pursued by a Bear”

  • Hartes Thema, feministischer Blick: das Buch aus dieser Liste, auf das ich am gespanntesten bin.

“Hermione Winters is the envied girlfriend and the undisputed queen of her school. But then someone puts something in her drink at a party. Victim. Survivor. That raped girl. Even though this was never the future she imagined, one essential thing remains unchanged: Hermione can still call herself Polly Olivier’s best friend. Heartbreaking and empowering, Exit, Pursued by a Bearis the story of friendship in the face of trauma.” [Klappentext, gekürzt]

Exit, Pursued by a Bear

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10: JULIE BUXBAUM, “Tell me three Things”

Everything about Jessie is wrong. That’s what it feels like during her first week at her new ultra-intimidating prep school. It’s been barely two years since her mother’s death, and because her father eloped with a woman he met online, Jessie has been forced to move across the country. Buxbaum mixes comedy and tragedy, love and loss in her debut YA novel filled with characters who will come to feel like friends.” [Klappentext, gekürzt]

Tell Me Three Things

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zehn Middle-Grade-Novels (für ca. Elf- bis Vierzehnjährige):

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11: NATALIE DIAS LORENZI, „A long Pitch Home“
  • Sentimentales Cover. Baseball lässt mich meist kalt. Doch ich mag „Ms. Marvel“ (…deren Eltern, Muslime aus Pakistan, nach New Jersey auswanderten), und hoffe auf einen ähnlich klugen, warmherzigen Blick/Ton.

„Ten-year-old Bilal liked his life back home in Pakistan. He was a star on his cricket team. But when his father suddenly sends the family to live with their aunt and uncle in America, nothing is familiar. While Bilal tries to keep up with his cousin Jalaal by joining a baseball league, he wonders when his father will join the family in Virginia. Playing baseball means navigating relationships with the guys, and with Jordan, the only girl on the team—the player no one but Bilal wants to be friends with.“ [Klappentext, leicht gekürzt]

A Long Pitch Home

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12: JENN BISHOP, „The Distance to Home“

  • Baseball, Familie, Trauerarbeit: sehr amerikanisch – doch es wirkt nicht allzu seicht oder simpel.

„Quinnen was the star pitcher of her baseball team. After the death of her best friend and older sister, Haley, everything is different. The one glimmer of happiness comes from the Bandits, the local minor-league baseball team. For the first time, Quinnen and her family are hosting one of the players for the season.“ [Klappentext, gekürzt]

The Distance To Home

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13: ERIC DINERSTEIN, „What Elephants know“

  • Mich irritiert die ‚Dschungelbuch‘-artige Hauptfigur, und mich stört, dass vor allem Autoren aus dem Westen Kinderbücher über andere Kulturkreise schreiben. Trotzdem: Ein solide recherchierter Tier- und Abenteuer-Roman?

„Abandoned in the jungle of the Nepalese Borderlands, two-year-old Nandu is found living under the protective watch of a pack of wild dogs. Fate delivers him to the King’s elephant stable, where he is raised by unlikely parents-wise, fierce and affectionate elephants. When the king’s government threatens to close the stable, Nandu, now twelve, searches for a way to save his family and community.“ [Klappentext, gekürzt]

What Elephants Know

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14: KATE MESSNER, „The Seventh Wish“
  • Mich langweilen „Du hast Wünsche frei!“-Plots, bei denen alle Wünsche schief gehen. Doch auf den ersten Blick wirkt das hier süffig, einladend, gekonnt.

„Charlie feels like she’s always coming in last. From her Mom’s new job to her sister’s life at college, everything seems more important than her. While ice fishing, Charlie discovers a floppy fish offering to grant a wish.“ [Klappentext, gekürzt]

The Seventh Wish

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15: M.G. HENNESSEY, „The Other Boy“

  • Schön, dass statt „Wie werde ich ein Junge?“ hier „Ich bin bereits als Junge akzeptiert. Wie halte ich diesen Status?“ das Grundproblem zu sein scheint:

„A transgender boy’s journey toward acceptance: Twelve-year-old Shane loves pitching for his baseball team, working on his graphic novel, and hanging out with his best friend, Josh. But Shane is keeping something private, something that might make a difference to his teammates, to Josh, and to his new crush, Madeline. And when a classmate threatens to reveal his secret, Shane’s whole world comes crashing down.“ [Klappentext, gekürzt]

The Other Boy

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16: BEN HATKE, „Mighty Jack“ (Graphic Novel)

  • Simple, aber sehr stilsicher gezeichnete Graphic Novel bei der ich (wie so oft) die Familienprobleme und die Alltagswelt interessanter finde als die Fantasy-Räume, die sich plötzlich darin öffnen.

„Summer is when his single mom takes a second job and leaves Jack at home to watch his autistic kid sister, Maddy. It’s a lot of responsibility, and it’s boring, too, because Maddy doesn’t talk. Ever. But then, one day at the flea market, Maddy does talk—to tell Jack to trade their mom’s car for a box of mysterious seeds. What starts as a normal little garden out back behind the house quickly grows up into a wild, magical jungle with tiny onion babies running amok, huge, pink pumpkins that bite, and, on one moonlit night that changes everything…a dragon“ [Klappentext, gekürzt]

Mighty Jack (Mighty Jack, #1)

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17: ELLY SWARTZ, „Finding Perfect“

  • Die platte Comedy und die vielen Gender-Klischees auf deutschen Poetry Slams langweilen mich. US-Slams kenne ich nicht. Trotzdem würde ich lieber mehr über Zwangsstörungen lesen – als über die… befreiende Kraft von Poesie-Wettbewerben:

„Molly’s mother left the family to take a faraway job with the promise to return in one year. Molly knows that promises are often broken, so she hatches a plan to bring her mother home: Win the Lakeville Middle School Slam Poetry Contest. The winner is honored at a fancy banquet with table cloths. Molly’s sure her mother would never miss that. Right…?But as time goes on, writing and reciting slam poetry become harder. Actually, everything becomes harder as new habits appear, and counting, cleaning, and organizing are not enough to keep Molly’s world from spinning out of control.“ [Klappentext, minimal gekürzt]

Finding Perfect

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18: WESLEY KING, “OCDaniel”

“A boy whose life revolves around hiding his obsessive compulsive disorder. Daniel spends football practice perfectly arranging water cups—and hoping no one notices, especially his best friend Max, and Raya, the prettiest girl in school. His life gets weirder when another girl at school, who is unkindly nicknamed Psycho Sara, notices him for the first time.” [Klappentext, gekürzt]

OCDaniel

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19: MELANIE CONKLIN, “Counting Thyme”

  • Ein Mädchen, das nach New York zieht… und die Provinz vermisst: Ich mag, dass hier verhältnismäßig kleine Alltagssorgen sehr ernst genommen werden.

“Eleven-year-old Thyme’s little brother is accepted into a new cancer drug trial and the Owens family has to move to New York, thousands of miles away from everything she knows and loves. Thyme loves her brother—she’d give anything for him to be well—but she still wants to go home. She finds herself even more mixed up when her heart feels the tug of new friends, a first crush, and even a crotchety neighbor and his sweet whistling bird.” [Klappentext, gekürzt]

Counting Thyme

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20: LINDSAY EAGAR, “Hour of the Bees”

  • Magischer Realismus, Familiengeheimnisse, ein schrulliger Opa: die Zutaten sind mir zu altbacken. Aber: sehr gut geschrieben!

“Twelve-year-old Carolina is in New Mexico, helping her parents move the grandfather she’s never met into a home for people with dementia. At first, Carol avoids prickly Grandpa Serge… A novel of family and discovering the wonder of the world.” [Klappentext, gekürzt]

Hour of the Bees

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fünf ältere Titel (2013 bis 2015), jetzt erst entdeckt:

2015: STEPHANIE TROMLY, „Trouble is a Friend of mine“

„The first time Philip Digby shows up on Zoe’s doorstep, he’s rude and treats her like a book he’s already read and knows the ending to. But before she knows it, Zoe’s allowed Digby—annoying, brilliant, and somehow…attractive? Digby—to drag her into a series of dangerous and only vaguely legal schemes all related to the kidnapping of a local teenage girl. Is Digby a hero? Or is his manic quest an attempt to repair his own broken family and exorcize his obsessive-compulsive tendencies?“ [Klappentext, gekürzt]

Trouble Is a Friend of Mine (Trouble, #1)

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2015: EMMA CARROLL, „In Darkling Wood“

  • Märchen-Klischees und ein Klischee-Cover – doch die Geschichte wirkt behutsam, stimmungsvoll, gekonnt erzählt.

„When Alice’s brother gets a chance for a heart transplant, Alice is bundled off to her estranged grandmother’s house. There’s nothing good about staying with Nell, except for the beautiful Darkling Wood at the end of her garden – but Nell wants to have it cut down. Alice feels at home there, at peace, and even finds a friend, Flo. But Flo doesn’t seem to go to the local school and no one in town has heard of a girl with that name. When Flo shows Alice the surprising secrets of Darkling Wood, Alice starts to wonder, what is real? And can she find out in time to save the wood from destruction?“ [Klappentext, minimal gekürzt]

In Darkling Wood

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2014: KSENIA ANSKE, „Rosehead“
  • Absurder Plot, schwarzer Humor… ich bin nur skeptisch, inwieweit das „Berlin“ im Buch authentisch/stimmig wirken kann.

„Misunderstood and overmedicated, twelve-year-old Lilith finds the prospect of a grand family reunion dull… until she discovers that the rose garden surrounding her grandfather’s Berlin mansion is completely carnivorous. Armed with Panther, her talking pet whippet, and the help of the mute boy next door, Lilith must unravel the secrets behind the mysterious estate, all while her family remains gloriously unaware that they are about to be devoured.“ [Klappentext, gekürzt]

Rosehead

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2014: SARA CASSIDY, „Skylark“

  • Toller Tonfall, interessante Familie – nur: Slam Poetry? Ich bin skeptisch.

„Angie lives in an old car with her brother and mother. Homeless after their father left, the family tries to live as normally as possible between avoiding the police and finding new places to park each night. When Angie discovers slam poetry, she finds a new way to express herself and find meaning and comfort in a confusing world.“ [Klappentext, gekürzt]

Skylark

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2013: MANDY HAGER, „Dear Vincent“

  • Neuseeländischer Roman über Selbstmord/Depressionen. Ich weiß nicht genau, warum das Mädchen Van Gogh UND einen Professor als wichtigste Bezugsfiguren hat, und fürchte mich vor Mansplaining und romantisiertem Künstler-Bla.

„17 year old Tara shares the care of her paralysed father with her domineering, difficult mother. She’s still grieving the loss of her older sister Van, who died five years before. And she is enamoured with Vincent Van Gogh and finds many parallels between the tragic story of his life and her own. Then, she meets Professor Max Stockhamer, a Jewish refugee and philosopher and his grandson Johannes.“ [Klappentext, gekürzt]

Dear Vincent

Die besten Geschenke 2016: Buchtipps und Empfehlungen zu Weihnachten

schwule Literatur, deutschsprachig

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die zehn Bücher, die ich am häufigsten verschenke:

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Fun Home: Eine Familie von Gezeichneten  The Notebook, The Proof, The Third Lie: Three Novels  Revolutionary Road  The Road  To Kill a Mockingbird (To Kill a Mockingbird #1)

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Der Garten Eden  Weiter leben. Eine Jugend.  Daytripper  The Summer Book  Das große Los

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Buchtipps sind… sinnlos. In meinem privaten (Zuhause-)Freundeskreis jedenfalls:

Es fällt mir leichter (und wirkt weniger… übergriffig / aufdringlich), auf Amazon Marketplace, Medimops oder Rebuy zwei, drei gebrauchte Ausgaben zu kaufen und zu verschenken – statt Freunden mit Kaufempfehlungen in den Ohren zu liegen.

Sobald ich denke “Er/sie hätte Spaß, mit diesem Buch”, kaufe ich eine billige Ausgabe.

Hier: Die Bücher und DVDs, die ich 2015 und 2016 verschenkte. 95 Prozent davon: selbst schon gelesen, und sehr gemocht.

Blau markierte Titel kamen sehr gut an.

Rot markierte Titel kamen schlecht an.

verschenkt 2011 | verschenkt 2012 | verschenkt 2013verschenkt 2014

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Geschenke 2015 und 2016:

Kinder:

Sohn einer Schulfreundin, im April geboren:

  • Frans Lanting: „Auge in Auge“ (Coffee-Table-Book mit Tierfotos, Link)

Pflegetochter meiner besten Freunde, 2:

  • Eva Muggenthaler: „Fish on a Walk“ (Bilderbuch, Link)

meine Nichte, 2:

  • JonArno Lawson: „Sidewalk Flowers“ (Bilderbuch, Link)
  • Katharina Grossmann-Hensel: „Eltern richtig erziehen“ (Bilderbuch, Link)

meine Patentochter, 3:

  • JonArno Lawson: „Sidewalk Flowers“ (Bilderbuch, Link)
  • Jeff Mack: „Gut gelaufen! Schlecht gelaufen!“ (Bilderbuch, Link)
  • Oyvind Torsetter: „Das Loch“ (Bilderbuch, Link)
  • Karsten Teich: „Wir sind 1 a“ (Bilderbuch, Link)

mein Neffe, 7:

  • „Star Wars: Rebels“, Staffel 1 (DVD, Link)
  • „Avatar: Herr der Elemente“, Staffel 1 (DVD, Link)
  • Kiyohiko Azuma: „Yotsuba!“ (Manga, Band 1 und 2, Link)

Sohn meiner besten Freunde, 9:

  • Eiichiro Oda: „One Piece“, Band 1 (Manga, Link; er las dann alle 70+ Bände)
  • Yusei Matsui: „Assassination Classroom“, Band 1 (Manga, Link; er las dann alle ca. 14 Bände)
  • Art Balthazar, Franco: „Superman Family Adventures“, Band 1 und 2 (Kinder-Comics, Link)
  • Guy Delisle: „Ratgeber für schlechte Väter“ (Cartoons, Link)
  • Brian Selznick: „Wunderlicht“ (Kinderbuch, Link)
  • „Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark“, Staffel 1 (DVD, Link)

Tochter meiner besten Freunde, fast 15:

  • Kiyohiko Azuma: “Yotsuba&!”, Band 13 (Manga, Link)
  • Anne Frank: „Tagebuch“ (Link)
  • Jean Kwok: „Goodbye, Chinatown“ (Memoir, Link)
  • Jean-Paul Sartre: „Geschlossene Gesellschaft“ (Theaterstück, Link)
  • Nick Burd: „Die Wonnen der Gewöhnlichkeit“ (Jugendbuch, Link)
  • Stephen Chbosky: „Vielleicht lieber morgen“ (Jugendbuch, Link)
  • Kaoru Mori: „Young Bride’s Story“, Band 1 (Manga, Link)
  • CLAMP: „Wish“, Komplettausgabe, 1 bis 4 (Manga, Link)

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Eye to Eye Fish On A Walk Sidewalk Flowers Good News, Bad News Das Loch Yotsuba&!, Vol. 01 (Yotsuba&! #1) One Piece, Bd.1, Das Abenteuer Beginnt (One Piece, #1) 暗殺教室 1 [Ansatsu Kyoushitsu 1] (Assassination Classroom, #1) Superman Family Adventures, Vol. 1 Ratgeber für schlechte Väter Wunderlicht Tagebuch der Anne Frank Girl in Translation Geschlossene Gesellschaft Die Wonnen der Gewöhnlichkeit Vielleicht Lieber Morgen A Bride's Story, Vol. 1 (A Bride's Story, #1) Wish, Vol. 01 (Wish, #1)

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Frauen:

meine Schwester, 24:

  • Christoph Kucklick: „Die granulare Gesellschaft“ (Sachbuch, Link)
  • David McCandless: „Information is beautiful“ (Infografiken, Link)
  • Florian Illies: „Generation Golf“ (Sachbuch, Link)
  • Ralf Grauel: „Deutschland verstehen“ (Infografiken, Link)
  • Christiane Neudecker: „Boxenstopp“ (Roman, Link)

Pädagogin, gerade Mutter geworden, 33:

  • Stewart O’Nan: „Die Chance“ (Roman, Link)
  • Valerian Tornius: „Zwischen Hell und Dunkel: Ein Rembrandt-Roman“ (Roman, Link)
  • Tobias Wolff: „This Boy’s Life“ (Memoir, Link)
  • Meike Winnemuth: „Das große Los“ (Reisereportage, Link)

Pädagogin, 33:

  • Meike Winnemuth: „Das große Los“ (Reisereportage, Link)
  • Slavenka Drakulic: „Als gäbe es mich nicht“ (Roman, Link)
  • Agota Kristof: „Das große Heft“ (Roman, Link)

Ärztin, 33 – mochte „‚Mind-Boggling‘, Evening Post“ von Max Goldt:

  • Max Goldt: “Quitten für die Menschen von Emden bis Zittau” (Kolumen, Link)
  • Max Goldt: “Die Kugeln in unseren Köpfen” (Kolumnen, Link)
  • Max Goldt: “Der Krapfen auf dem Sims” (Kolumnen, Link)
  • Max Goldt: “Ä“ (Kolumnen, Link)
  • Haruki Murakami: „Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt“ (Roman, Link)

Pädagogin, 34:

  • Anna-Katharina Hahn: „Am schwarzen Berg“ (Roman, Link)
  • Andreas Maier: „Das Zimmer“ (Roman, Link)
  • Maria Semple: „Wo steckst du, Bernadette?“ (Roman, Link)
  • James Baldwin: „100 Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung“ (Bürgerrechts-Manifest, Link)
  • Tina Fey: „Bossypants. Haben Männer Humor?“ (Memoir, Link)

Pädagogin, 34 – liest fast nur Theaterstücke und Comics/Mangas:

  • Ryan North: „Squirrel Girl“ (Comic, Link)
  • Kou Yaginuma: „Twin Spica“ (Manga, Band 1 und 2, Link)

Bürokauffrau, 37:

  • Jean-Dominique Bauby: „Schmetterling und Taucherglocke“ (Memoir, Link; dazu die Verfilmung auf DVD)
  • Markolf Hoffmann: „Ines öffnet die Tür“ (Jugendbuch, Link)

Krankenschwester, ca. 60:

  • Heide Koehne: „Der Buchladen“ (Roman, Link)
  • Slavenka Drakulic: „Als gäbe es mich nicht“ (Roman, Link)

meine Mutter (ehem. Arzthelferin, Anfang 60):

  • „Orphan Black“, Staffel 1 (DVD, Link)
  • „Mad Men“, Staffel 7 (DVD, Link)
  • Jenny Erpenbeck: „Gehen, ging, gegangen“ (Roman, Link)
  • Philippe Vigand, Stéphane Vigand: „Verdammte Stille“ (Memoir, Link)
  • Anna Wimschneider: „Herbstmilch. Lebenserinnerungen einer Bäuerin“ (Memoir, Link)
  • David Levithan: „Two Boys Kissing“ (Jugendbuch, Link)
  • Maria Semple: „Wo steckst du, Bernadette?“ (Roman, Link)

Mutter einer Schulfreundin, in Santa Monica aufgewachsen, Ende 60:

  • Emmanuel Guibert: „How the World was. A California Childhood“ (Graphic Novel, Link)
  • Richard Yates: „Revolutionary Road“ (Roman, Link)

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Die granulare Gesellschaft: Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst The Visual Miscellaneum: A Colorful Guide to the World’s Most Consequential Trivia Generation Golf. Eine Inspektion Deutschland verstehen Boxenstopp: Roman Die Chance Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman This Boy's Life Das große Los Das große Heft Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau Die Kugeln in unseren Köpfen. Der Krapfen auf dem Sims. Ä Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt Am Schwarzen Berg Das Zimmer Wo steckst du, Bernadette? The Fire Next Time Bossypants The Unbeatable Squirrel Girl, Volume 1: Squirrel Power Twin Spica, Volume: 01 Schmetterling Und Taucherglocke Ines öffnet die Tür Der Buchladen Gehen, ging, gegangen Verdammte Stille Herbstmilch Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt How the World Was: A California Childhood

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Männer:

Hotelkaufmann, 26 – reiste nach Thailand:

  • Alex Garland: „Der Strand“ (Roman, Link)
  • Josef Haslinger: „Phi Phi Island. Ein Bericht.“ (Memoir, Link)

Mein Bruder – Mechatroniker, 31:

  • “Community“ (DVD, Staffel 1, Link)
  • „Homeland“ (DVD, Staffel 1, Link)
  • „The Americans“ (DVD, Staffel 1, Link)

Ingenieur, 32:

  • David Eagleman: „Fast im Jenseits“ (tolle Gedankenspiele, Link)
  • Greg Rucka: „Lazarus“, Band 1 (Comic, Link)

Lyriker, 33 – Fan von Nonsens-Texten und Satire:

  • Edgar Hilsenrath: „Zibulsky“ (satirische Kurztexte, Link)

Bankkaufmann, 35:

  • Haruki Murakami: „Naokos Lächeln“ (Roman, Link)
  • Haruki Murakami: „Mister Aufziehvogel“ (Roman, Link)
  • Sebastian Haffner: „Die Geschichte eines Deutschen“ (Memoir, Link)
  • Arthur Miller: „Focus“ (Roman, Link)
  • Nicholson Baker: „Menschenrauch“ (Geschichts-Sachbuch, Link)
  • Josef Haslinger: „Phi Phi Island. Ein Bericht.“ (Memoir, Link)
  • Geoff Dyer: „Sex in Venedig, Tod in Varanasi“ (Roman, Link)
  • Tina Fey: „Bossypants: Haben Männer Humor?“ (Memoir, Link)
  • Octavia Butler: „Vom gleichen Blut“ (Roman, Link)
  • W.G. Sebald: „Die Ausgewanderten“ (Roman/Kurzgeschichten, Link)

Kunstpädagoge, 36:

  • Edouard Levé: „Autoportrait“ (Memoir/Textmontage, Link)
  • Gertraud Klemm: „Muttergehäuse“ (Memoir, Link)
  • David Eagleman: „Fast im Jenseits“ (tolle Gedankenspiele, Link)
  • Raymond Briggs: „Ethel & Ernest“ (Graphic Novel, Link)

Mathe- und Sportlehrer, 36:

  • Sebastian Haffner: „Die Geschichte eines Deutschen“ (Memoir, Link)
  • Sebastian Christ: „Was von Deutschland übrig bleibt“ (Reportage, Link)
  • Anna Funder: „Stasiland“ (Reportage, Link)

mein Vater, Mechatroniker, 60:

  • “Der Gigant aus dem All“ (DVD, Link)
  • „Boyhood“ (DVD, Link)
  • „Gravity“ (DVD, Link)
  • „Vielleicht lieber morgen“ (DVD, Link)

…und ich sah meinen US-Lieblingsautor, Stewart O’Nan, im Sommer in Freiburg und moderierte eine seiner Lesungen. O’Nans Roman „West of Sunset“ spielt unter Drehbuchautoren im Hollywood der 40er Jahre, und ich musste an eine Graphic Novel denken, das im selben Milieu spielt und mich sehr begeisterte – also schenkte ich es ihm:

  • Ed Brubaker: „The Fade Out“, Band 1 (Graphic Novel, Link)

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Der Strand Phi Phi Island: Ein Bericht Fast Im Jenseits Lazarus, Vol. 1: Family Zibulsky oder Antenne im Bauch: Satiren Naokos Lächeln Mister Aufziehvogel Geschichte eines Deutschen Fokus Menschenrauch Wie Der Zweite Weltkrieg Begann Und Die Zivilisation Endete Sex in Venedig, Tod in Varanasi Vom gleichen Blut Die Ausgewanderten Autoportrait Muttergehäuse Ethel and Ernest Was von Deutschland übrig bleibt: eine Wanderreportage Stasiland The Fade Out: Act One

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mein Partner und ich wohnen zusammen – und ich kaufe/schenke ihm fast nie Bücher: Er liest meine Ausgaben mit, statt sich ein eigenes, zweites Exemplar zu holen. Bücher, die ich ihm empfahl, und die er las, seit Ende 2014:

Freund M., Florist, 35:

  • Barbara Pym: „Vortreffliche Frauen“ (Roman, Link)
  • Francois Truffaut: „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ (Interview, Link)
  • Alice Walker: „Die Farbe Lila“ (Roman, Link)
  • Anna Katharina Hahn: „Am schwarzen Berg“ (Roman, Link)
  • Anna Katharina Hahn: „Kürzere Tage“ (Roman, Link)
  • Christoph Schmitz: „Das Wiesenhaus“ (Roman, Link)
  • Erik Neutsch: „Spur der Steine“ (Roman, Link)
  • Ruth Klüger: „weiter leben“ (Memoir, Link)
  • Anonyma: „Eine Frau in Berlin“ (Memoir, Link)
  • Anna Wimschneider: „Herbstmilch“ (Memoir, Link)
  • Erich Maria Remarque: „Drei Kameraden“ (Roman, Link)
  • Kazuo Ishiguro: „Was vom Tage übrigblieb“ (Roman, Link)
  • R.C. Sherriff: „Septemberglück“ (Roman, Link)
  • Ernest Hemingway: „Der Garten Eden“ (Roman, Link)
  • Ariel Magnus: „Zwei lange Unterhosen der Marke Hering“ (Memoir, Link)
  • Joan Didion: „Das Jahr magischen Denkens“ (Memoir, Link)
  • Terezia Mora: „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ (Roman, Link)
  • Josef Haslinger: „Phi Phi Island. Ein Bericht.“ (Memoir, Link)
  • Valerian Tornius: „Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman“ (Link)
  • Haruki Murakami: „Naokos Lächeln“ (Roman, Link)
  • Marc Degens: „Fuckin‘ Sushi“ (Roman, Link)
  • Leif Randt: „Schimmernder Dunst über CobyCounty“ (Roman, Link)

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Vortreffliche Frauen Mr. Hitchcock, Wie Haben Sie Das Gemacht? Die Farbe Lila Am Schwarzen Berg Kürzere Tage Das Wiesenhaus Spur der Steine: Roman weiter leben: Eine Jugend Eine Frau in Berlin Herbstmilch Drei Kameraden Was vom Tage übrigblieb Septemberglück Der Garten Eden Zwei lange Unterhosen der Marke Hering Das Jahr magischen Denkens Der einzige Mann auf dem Kontinent Phi Phi Island: Ein Bericht Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman Naokos Lächeln Fuckin Sushi Schimmernder Dunst über Coby County

Die besten Bücher von Frauen: Literatur, 2016

neue Bücher 2016

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Jedes Jahr lese ich die ersten Seiten von ca. 3000 Romanen: Klassiker und Geheimtipps, Literatur und Unterhaltung… und möglichst viele Neuerscheinungen, auf Deutsch und Englisch.

Viele Bücher, deren Leseproben mich überzeugten, stelle ich in kurzen Listen vor – zuletzt zu Themen wie „Jugendbücher 2016“, „Literatur zu Flucht, Krieg und Vertreibung“, „Krimis 2016“ oder „feministische Science-Fiction“.

Heute – sehr weit gefasst, aber nicht wahllos:

zehn Bücher von Frauen, erschienen 2016 – angelesen, vorgemerkt, gemocht.

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Zum Einstieg:

6 aktuelle Bücher von Frauen, die ich komplett las – und sehr empfehlen kann.

Adieu, mein Kind Schnell, dein Leben Nach einer wahren Geschichte: Roman Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers Der Pfau Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal

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zehn englischsprachige Titel – angelesen und gemocht:

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01: Zadie Smith, „Swing Time“

  • 453 Seiten, November 2016, Großbritannien
  • Seit fast 15 Jahren lese ich Bücher von Smith an – und lege sie zur Seite, weil sie mir zu bürgerlich-britisch-gesetzt scheinen. Hier fesseln/überzeugen mich die ersten Seiten: ambitionierte Frauen, und eine komplizierte Freundschaft.

„Two brown girls dream of being dancers – but only one, Tracey, has talent. The other has ideas: about rhythm and time, about black bodies and black music. A close but complicated childhood friendship that ends abruptly in their early twenties. Moving from North-West London to West Africa, Swing Time is an exuberant dance to the music of time.“ [Klappentext, gekürzt.]

Swing Time
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02: Alice Hoffman, „Faithful“
  • 258 Seiten, November 2016, USA
  • Klingt nach schlimmem Kitsch: ein Engel? Aber: hoher Ton, magischer Realismus, vielleicht ein klug existenzieller Mainstream-Schmöker.

„Growing up on Long Island, an extraordinary tragedy changes Shelby Richmond’s fate. Her best friend’s future is destroyed in an accident, while Shelby walks away with the burden of guilt and has to fight her way back to her own future. In New York City she finds a circle of lost and found souls—including an angel who’s been watching over her.“ [Klappentext, gekürzt.]

Faithful

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03: Rachel Cusk, „Transit“

  • 272 Seiten, September 2016, Großbritannien
  • Band 1 der Trilogie war mir zu trocken. Doch ich mag die Idee, über die Zeit nach einer Trennung zu schreiben – nicht vor allem über das Zerbrechen der Ehe zuvor.

„The stunning second novel of a trilogy that began with Outline (2015): In the wake of family collapse, a writer and her two young sons move to London. A penetrating and moving reflection on childhood and fate, the value of suffering and the moral problems of personal responsibility. A precise, short, and yet epic cycle of novels.“ [Klappentext, gekürzt.]

Transit

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04: Eimear McBride, „The Lesser Bohemians“

  • 320 Seiten, September 2016, Irland/Großbritannien
  • Avantgarde-Autorin, in die ich seit „A Girl is a half-formed thing“ große Hoffnungen setze: Ich mag, wie simpel und bodenständig der Plot hier wirkt – erwarte aber viele Stil- und Perspektiv-Experimente.

„Upon her arrival in mid-1990s London, an 18-year-old Irish girl begins anew as a drama student. She struggles to fit in—she’s young and unexotic, a naive new girl in the big city. Then she meets an attractive older man. He’s an established actor, 20 years older, and an inevitable clamorous relationship ensues.“ [Klappentext, gekürzt.]

The Lesser Bohemians

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05: Angela Palm, „Riverine“

  • 224 Seiten, August 2016, USA
  • Klingt sehr dick auftragen: Bei 400 Seiten wäre ich skeptisch. Aber 224? Das könnte klappen:

„Angela Palm grew up in a house set on the banks of a river that had been straightened to make way for farmland. Every year, the Kankakee River in rural Indiana flooded and returned to its old course while the residents sandbagged their homes against the rising water. From her bedroom window, Palm watched the neighbor boy and loved him in secret. As an adult Palm finds herself drawn back. This means visiting the prison where the boy that she loved is serving a life sentence for a brutal murder. Mesmerizing, interconnected essays about what happens when a single event forces the path of her life off course.“ [Klappentext, gekürzt.]

Riverine: A Memoir from Anywhere But Here

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06: Natashia Deón, „Grace“

  • 400 Seiten, Juni 2016, USA
  • Historienschmöker, vielleicht unrealistisch verschachtelt. Aber: Figuren, wie ich sie noch nicht kenne!

„A runaway slave in the 1840s south is on the run: Fifteen-year-old Naomi escapes the brutal confines of life on an Alabama plantation and must take refuge in a Georgia brothel run by a freewheeling, gun-toting Jewish madam named Cynthia. There, Naomi falls into a star-crossed love affair with a smooth-talking white man named Jeremy who frequents the brothel’s dice tables all too often. The product of Naomi and Jeremy’s union is Josey, whose white skin and blonde hair mark her as different from the other slave children on the plantation. Josey soon becomes caught in the tide of history when news of the Emancipation Proclamation reaches the declining estate. Grace is a sweeping, intergenerational saga featuring a group of outcast women during one of the most compelling eras in American history.“ [Klappentext, gekürzt.]

Grace: A Novel

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07: Ashley Sweeney, „Eliza Waite“

  • 327 Seiten, Mai 2016, USA
  • Dass die Figur ausgerechnet Bäckerin wird, scheint mir bieder. Aber: Gutes Setting, schöner Ton, und nicht zu lang/dick.

„After the tragic death of her husband and son on a remote island in Washington’s San Juan Islands, Eliza Waite joins the throng of miners, fortune hunters, business owners, con men, and prostitutes traveling north to the Klondike in the spring of 1898. In Alaska, Eliza opens a successful bakery on Skagway’s main street and befriends a madam at a neighboring bordello. Occupying this space―a place somewhere between traditional and nontraditional feminine roles―Eliza awakens emotionally and sexually. Part diary, part recipe file, and part Gold Rush history, Eliza Waite transports readers to the sights, sounds, smells, and tastes of a raucous and fleeting era of American history.“ [Klappentext, gekürzt.]

Eliza Waite: A Novel
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08: Lucy Knisley, „Something New“

  • 304 Seiten, Mai 2016, USA
  • Graphic Novel in sympathisch schlichtem, aber vielleicht zu naiven Stil: Jedes Mal, wenn ich in die persönlichen Erlebnisberichte Knisleys blättere, habe ich Lust, alles sofort zu lesen. Aber: Vielen Leuten bleibt es zu flach, süßlich, halbfertig.

„A funny and whip-smart new book about the institution of marriage in America told through the lens of her recent engagement and wedding…. The graphic novel tackles the all-too-common wedding issues that go along with being a modern woman: feminism, expectations, getting knocked over the head with gender stereotypes, family drama, and overall wedding chaos and confusion.“ [Klappentext, ungekürzt.]

Something New: Tales from a Makeshift Bride
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09: Jessi Klein, „You’ll grow out of it“

  • 291 Seiten, Juli 2016, USA
  • Spaß-Feminismus-Plauder-Memoir, vielleicht zu angepasst und erwartbar. Erstmal aber: eine angenehme, gewitzte Stimme.

„As both a tomboy and a late bloomer, comedian Jessi Klein grew up feeling more like an outsider than a participant in the rites of modern femininity. A relentlessly funny yet poignant take on a variety of topics she has experienced along her strange journey to womanhood and beyond, including her „transformation from Pippi Longstocking-esque tomboy to are-you-a-lesbian-or-what tom man,“ and attempting to find watchable porn.“ [Klappentext, gekürzt.]

You'll Grow Out of It
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10: Theresa Larson, „Warrior“

  • 272 Seiten, April 2016, USA
  • Hier habe ich Angst vor Ideologien: Army-Begeisterung, „G.I. Jane“-Feminismus, übertriebene Militärbegeisterung. Trotz schlimmem Cover und schlimmem Titel aber klingt diese Lebensgeschichte kantig/interessant, und stilistisch bin ich positiv überrascht.

„At ten, Theresa Lawson was a caregiver to her dying mother. As a young adult, a beauty pageant contestant and model. And as a grown woman, a high-achieving Lieutenant in the Marines, in charge of an entire platoon while deployed in Iraq. Meanwhile, she was battling bulimia nervosa, an internal struggle which ultimately cut short her military service when she was voluntarily evacuated from combat. Theresa’s journey to wellness required the bravery to ask for help, to take care of herself first, and abandon the idea of “perfect.”“ [Klappentext, gekürzt.]

Warrior: A Memoir
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Bonus: drei Titel von 2015, die mir erst jetzt auffielen:
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1: Sandra Cisneros, „A House of my own. Stories from my Life“

  • 400 Seiten, Oktober 2015, USA
  • Essays einer Baby-Boomerin, Second-Wave-Feminism. Ich mag ihren Ton – aber habe Angst, die meisten Gedanken schon zehnmal gehört zu haben.

„A richly illustrated compilation of true stories and nonfiction pieces that, taken together, form a jigsaw autobiography: From the Chicago neighborhoods where she grew up and set her groundbreaking The House on Mango Street to her abode in Mexico, the places Sandra Cisneros has lived have provided inspiration for her now-classic works of fiction and poetry. Ranging from the private (her parents‘ loving and tempestuous marriage) to the political (a rallying cry for one woman’s liberty in Sarajevo) to the literary (a tribute to Marguerite Duras), and written with her trademark sensitivity and honesty, these poignant, unforgettable pieces give us not only her most transformative memories but also a revelation of her artistic and intellectual influences.“ [Klappentext, gekürzt.]

A House of My Own: Stories from My Life

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2: Wendi Stewart, „Meadowlark“ (dt: „Ein unbesiegbarer Sommer“, 2016)

  • 336 Seiten, Kanada 2015. (Deutsch bei Nagel & Kimche)
  • Kanadische Coming-of-Age-Romane reden manchmal viel zu lange nur über Natur, Schnee und Wildnis-/Jäger-/Farm-Melancholie. Eine Freundin fand das Buch mittelmäßig. Ich bleibe vorsichtig optimistisch:

„Als das Auto der Familie Archer in Kanada durchs Eis eines gefrorenen Sees bricht, kann Robert einzig seine Tochter retten. Rebecca kümmert sich allein um den Haushalt und die Farm, der Vater kapselt sich ab. Trost findet sie in der Freundschaft mit Chuck, einem empfindsamen, von seinem Vater tyrannisierten Jungen, und mit Lissie, die von einer perfektionistischen Adoptivmutter gegängelt wird.“ [Klappentext, gekürzt.]

Ein unbesiegbarer Sommer

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3: Yeonmi Park, „In Order to Live“ (dt: „Mut zur Freiheit. Meine Flucht aus Nordkorea“, 2015)

„Yeonmi Park träumte nicht von der Freiheit, als sie im Alter von erst 13 Jahren aus Nordkorea floh. Sie wusste nicht einmal, was Freiheit ist. Alles, was sie wusste war, dass sie und ihre Familie sterben würde, wenn sie bliebe—vor Hunger, an einer Krankheit oder gar durch Exekution. Sie erzählt von ihrer grauenhaften Odyssee durch die chinesische Unterwelt, bevölkert von Schmugglern und Menschenhändlern, bis nach Südkorea; und sie erzählt von ihrem erstaunlichen Weg zur führenden Menschenrechts-Aktivistin mit noch nicht einmal 21 Jahren.“ [Klappentext, minimal gekürzt.]

Mut zur Freiheit: Meine Flucht aus Nordkorea

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…und drei überzeugende, aktuelle Titel von Männern (alle 2016): 
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1: Tim Murphy, „Christodora“

  • 496 Seiten, August 2016, USA
  • ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos „A Little Life“, ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos „City on Fire“… aber hier, beim dritten Buch dieses (Mini-)Trends, war ich nach zwei Seiten begeistert: genauer Blick, obskure Details, überraschende Figuren.
  • ein schlechtes Zeiten: die sympathische, doch nicht besonders gut geschriebene Reportage von Tim Murphy über seine eigene HIV-Infektion bei Buzzfeed.

„A diverse set of characters whose fates intertwine in an iconic building in Manhattan’s East Village, the Christodora: Milly and Jared, a privileged young couple with artistic ambitions. Their neighbor, Hector, a Puerto Rican gay man who was once a celebrated AIDS activist but is now a lonely addict, and Milly and Jared’s adopted son Mateo. As the junkies and protestors of the 1980s give way to the hipsters of the 2000s and they, in turn, to the wealthy residents of the crowded, glass-towered city of the 2020s, enormous changes rock their personal lives. Christodora recounts the heartbreak wrought by AIDS, illustrates the allure and destructive power of hard drugs, and brings to life the ever-changing city itself“ [Klappentext, gekürzt.]

Christodora

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2: Colson Whitehead, „The Underground Railroad“

  • 306 Seiten, August 2016, USA
  • Whitehead vermischt oft Gesellschaftskritik mit satirischen Fantasy-Elementen und absurdem World-Building. Manchmal wird mir das zu läppisch oder gewollt – doch er gewann hierfür den National Book Award, und die Leseprobe überzeugte mich:

„Cora is a slave on a cotton plantation in Georgia. When Caesar, a recent arrival from Virginia, tells her about the Underground Railroad, they decide to take a terrifying risk and escape. In Whitehead’s ingenious conception, the Underground Railroad is no mere metaphor – engineers and conductors operate a secret network of tracks and tunnels beneath the Southern soil. Ridgeway, the relentless slave catcher, is close on their heels. The Underground Railroad is at once a kinetic adventure tale of one woman’s ferocious will to escape the horrors of bondage and a shattering, powerful meditation on the history we all share.“ [Klappentext, gekürzt.]

The Underground Railroad

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3: Richard Russo: „Everybody’s Fool“ (dt. „Diese gottverdammten Träume“, 2016)

  • 306 Seiten, August 2016, USA (Deutsch: hier, Dumont)
  • Bisher war mir Russos Kleinstadt- und Altmänner-Romantik immer zu süßlich. Im besten Fall aber kann mich das hier darüber hinweg trösten, dass John Updike keine neuen „Rabbit“-Romane mehr schreiben kann:

„Richard Russo returns to North Bath, in upstate New York, and the characters he created in Nobody’s Fool. The irresistible Sully, who in the intervening years has come by some unexpected good fortune, is staring down a VA cardiologist’s estimate that he has only a year or two left, and it’s hard work trying to keep this news from the most important people in his life: Ruth, the married woman he carried on with for years – and Sully’s son and grandson, for whom he was mostly an absentee figure (and now a regretful one).“ [Klappentext, gekürzt.]

Everybody's Fool
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Literaturfestival Sprachsalz, Pforzheim: Die Bücher

Sprachsalz Literaturfestival Pforzheim, Lesung Patricia Smith, Foto von Denis Mörgenthaler

das Sprachsalz-Literaturfestival im Parkhotel Pforzheim: Lyrikerin Patricia Smith (links), Foto von Denis Mörgenthaler

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Bis Sonntag bin ich Liveblogger beim Literaturfestival Sprachsalz in Pforzheim.

Ein Festival aus Hall (Tirol), das 2016 zum ersten Mal einen deutschen Ableger erhält: drei Tage Lesungen, über 20 internationale Autorinnen und Autoren. Ich schreibe seit 2005 gelegentlich für (Literatur- und Theater-) Festivalzeitungen, seit 2012 werde ich als Liveblogger eingeladen, u.a. zum Open Mike 2012 (Literaturwerkstatt Berlin) und zu den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig (Deutschlandradio Kultur).

Für Sprachsalz führe ich Interviews, blogge kurze Berichte zu den Lesungen – und längere Features und Essays.

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Am ersten Festivaltag erschienen, von mir:

Längere Interviews mit u.a. Safiye Can schon geführt, doch noch nicht online.

Heute hier im Blog (…und, sobald es von allen Autor*innen auch gute Lesungs-Fotos gibt, auch drüben, auf der Sprachsalz-Festival-Website):

8 Bücher, die ich beim/fürs Festival entdeckte – und bald lesen will

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JOHN BURNSIDE, „Waking up in Toytown. A Memoir.“

  • 262 Seiten, kein deutscher Verlag
  • Original: UK 2010
  • die Fortsetzung von „Lügen über meinen Vater“: Burnside als trockener Alkoholiker beim Versuch, im Leben auf die Beine zu kommen. Das Thema „Wie baue ich mir ein eigenes, erwachsenes Leben?“ interessiert mich mehr als Burnsides Kindheits-/Vater-Buch.

„In the early 80s, after a decade of drug abuse and borderline mental illness, a man runs away to the suburbs, to live what he hopes will be a normal life. He resolves to ‘disappear into the banal’. The suburbs, though, are not quite as normal as he had imagined and, as he relapses into chaos, he encounters a homicidal office worker who is obsessed with Alfred Hitchcock and Petula Clark, an old lover, with whom he reprises a troubled, masochistic relationship and, finally, all his private phantoms – as he drifts further and further into unreality.“ [Klappentext, gekürzt]

Waking Up in Toytown

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VIV ALBERTINE, “A typical Girl” [der US-Titel, Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys. ist unendlich viel besser!]

  • 480 Seiten, Suhrkamp 2016
  • Original: UK 2014, Deutsch von Conny Lösch
  • Musiker-Biografien sind mir oft zu verquast. Zu Punk und 70er-/80er-Subkulturen fehlt mir der Bezug. Trotzdem: Ich las die ersten Seiten der Originalversion – und habe große Lust, dieser Frau zuzuhören!

“London, Mitte der Siebziger. In der revolutionären Ursuppe des Punk scheint alles möglich. Aber gilt das auch für Frauen? Gibt es außer Groupie, Elfe oder Rockröhre noch andere Rollen? Viv Albertine wurde zum Riot Girl, lange bevor es diesen Ausdruck gab.” [Klappentext, gekürzt]

A Typical Girl: Ein Memoir

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YANNICK HAENEL, „Das Schweigen des Jan Karski“

“Zweimal wurde Jan Karski, Kurier des polnischen Widerstands, ins Warschauer Ghetto eingeschleust. Anschließend sollte er der Welt kundtun, was er über die Judenvernichtung wusste. Er berichtete vom Terrorregiment der deutschen Besatzer. Doch in England und Amerika mochte niemand seine Botschaft hören. Warum nicht? Diese quälende Frage verfolgte Jan Karski sein ganzes Leben lang. Und sie ließ ihn nach dem Krieg verstummen. Yannick Haenel gibt Karski nun eine fiktive eigene Stimme. Eine Stimme, die berührt – und die nicht ungehört geblieben ist.” [Klappentext]

Das Schweigen des Jan Karski

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JÓN GNARR, „Indianer und Pirat: Kindheit eines begabten Störenfrieds“

  • 220 Seiten, Klett-Cotta 2015.
  • Original: Island 2006 [Teil „Indianer“] und 2012 [Teil „Pirat“], Deutsch von Betty Wahl und Tina Flecken
  • souveräne, aber vielleicht zu drollig-humoristische Memoir voller Island- und 80er-Jahre-Klischees… die mich aber stilistisch sehr überzeugt. Ich glaube, das ist ein kluges, entspanntes Wohlfühl-Buch über eine Anarcho-Jugend.

“Im ersten Teil seiner Autobiographie schildert Jón Gnarr eine Kindheit im Ausnahmezustand: seine Probleme mit dem Schulsystem, das schwierige Verhältnis zu den überforderten Eltern und die aufkeimende Liebe für die Ideen des Anarchismus. Gnarr erzählt von seiner schwierigen Kindheit und macht damit Eltern und Jugendlichen Mut. Denn auch ohne Schulabschluss kann man auf dem Bürgermeistersessel einer Hauptstadt landen.” [Klappentext, gekürzt, Zur ‚Sprachsalz‘-Lesung Gnarrs habe ich hier geschrieben.]

Indianer und Pirat: Kindheit eines begabten Störenfrieds

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PATRICIA SMITH, „Teahouse of the Almighty“

  • 91 Seiten, keine deutsche Übersetzung
  • USA 2006
  • Smiths Gedichte sind sehr narrativ, dicht, manchmal fast journalistisch. Manchmal ist mir das zu didaktisch, belehrend oder gestellt. Doch die Leseproben aus „Teahouse of the Almighty“ waren sehr stark – und live, im Vortrag, wird alles nochmal SO viel besser, strahlender: Bisher ist Patricia Smith meine größte ‚Sprachsalz‘-Entdeckung. Unbedingt Auftritte ansehen/-hören!

“Patricia Smith has taken the stage as this nation’s premier performance poet. Featured in the film Slamnation and on the HBO series Def Poetry Jam, Smith is back with her first book in over a decade—a National Poetry Series winner weaving passionate, bluesy narratives into an empowering, finely tuned cele-bration of poetry’s liberating power.“ [Klappentext, gekürzt; zur ‚Sprachsalz‘-Lesung Smiths habe ich hier geschrieben.]

Teahouse of the Almighty

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TAKASHI HIRAIDE, „For the Fighting Spirit of the Wallnut“

  • 144 Seiten, keine deutsche Übersetzung
  • US-Übersetzung 2008, japanisches Original ebenfalls 2008
  • Hiraides Katzen-Kurzroman „Der Gast im Garten“ nervt und enttäuscht mich: Kein unsympathisches Buch – doch ich verstehe nicht, warum in Deutschland oft die naivsten, schlichtesten, pastelligsten und harmlosesten Texte aus Japan besonders gefeiert werden (Murakamis „Gefährliche Geliebte“; die oft sehr kitschigen Comics von Jiro Tanizaki: je flacher, desto beliebter in Deutschland?). „For the Fighting Spirit of the Wallnut“ ist eine kluge, verrätselte, mitreißende Textcollage – sperrig, komplex, und ein schönes, wichtiges Gegengewicht zum Katzen-Kuschelbuch. Mehr hiervon, bitte!

„An utterly original book-length poem unfold — a mix of narrative, autobiography, minute scientific observations, poetics, rhetorical experiments, hyper-realistic images, and playful linguistic subversions — all scored with the precision of a mathematical-musical structure. The radiant subway. The wall that clears up, endless. A thundering prayer of steel that fastens together the days, a brush of cloud hanging upon it, O beginning, it is there—your nest.“ [Klappentext, gekürzt]

For the Fighting Spirit of the Walnut

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JOACHIM ZELTER, „Die Schule der Arbeitslosen“

  • 208 Seiten, Deutschland 2006.
  • erschienen bei Klöpfer & Meyer.
  • Satire/Dystopie über die marktliberale, hyperkapitalistische „Strengt euch doch an!“-Volkserziehung, mit der die Wirtschaft oft über Arbeitslose spricht: könnte etwas schlicht/durchschaubar sein – doch die ersten Seiten machten mir Spaß, und Zelters Sätze, Pointen und Effekte sitzen. Das Buch ist zehn Jahre alt: Ich hoffe, es hat trotzdem noch Visionen/Biss!

„Deutschland, in naher Zukunft: Eine Gruppe Reisender fährt einer neuartigen, überaus angepriesenen Fortbildung für Arbeitslose entgegen: das Trainingslager »Sphericon«. Der Bus trägt das Logo der Bundesagentur und den Slogan »Deutschland bewegt sich«. Ihr Essen erhalten sie aus Automaten, in Menge und Qualität gestaffelt nach den Leistungen der Vorwoche. Und dann gibt es noch die Stelle eines »Sphericon«-Trainers, um die sich die Teilnehmer bewerben sollen. Mit allen Mitteln.“ [Klappentext, gekürzt. Zur ‚Sprachsalz‘-Lesung Zelters habe ich hier geschrieben.]

Schule der Arbeitslosen: Ein Roman

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CLAIRE KEEGAN, „Das dritte Licht“

  • 96 Seiten, Steidl Verlag 2013.
  • Original: Irland 2010, Deutsch von Hans-Christian Oeser
  • Der Klappentext ließ mich Armuts- und Heimatkitsch vermuten – doch als ich die deutsche Ausgabe anlese, weiß ich: Das wird toll. Ich will das lesen! Erst später merke ich, dass ich das irische Original schon vor Jahren angelesen habe – und damals als „furchtbar!“ aussortierte. Es liegt am Erzählton: Auf Deutsch routiniert-klar-literarisch. Auf Englisch bäuerlicher, kindlicher, rustikal-gefühlvoller. Falls ich das Buch lese, brauche ich den deutschen, kühleren Ton.

„Eine kleine, große Geschichte darüber, was ein Kind zum Leben braucht: An einem heißen Sommertag, gleich nach der Frühmesse, liefert ein Vater seine kleine Tochter bei entfernten Verwandten auf einer Farm im tiefsten Wexford ab. Seine Frau ist schon wieder schwanger, noch ein Maul wird zu stopfen sein. Sollen die kinderlosen Kinsellas die Kleine also ruhig so lange dabehalten, wie sie wollen… Hier gibt es einen Brunnen, der nie austrocknet, Milch und Rhabarber und Zuwendung im Überfluss. Hier gibt es aber auch ein trauriges Geheimnis, das einen Schatten auf die leuchtend leichten Tage wirft.“ [Klappentext, gekürzt]

Das dritte Licht

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…auch auf eines neues Buch von Christoph Simon bin ich gespannt: Ich mochte seine Textsammlung „Viel Gutes zum kleinen Preis“ (2011, Foto unten) – und warte auf etwas Längeres, Neues.

Sprachsalz Literatufestival Pforzheim Christoph Simon

fast 50 weitere Bücher der Sprachsalz-Autor*innen habe ich bei Goodreads gelistet: Link

das vollständige Festivalprogramm – alle Lesungen sind gratis: Link

Batman v Superman: Buchtipps, Comic-Tipps, empfohlene Graphic Novels

batman vs. superman, graphic-novel-empfehlungen, buchtipps

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Am 22. März spreche ich bei Deutschlandradio Kultur über Batman versus Superman:

Im Magazin ‚Lesart‘, kurz nach 10 Uhr – auch zum Nachhören auf der Website.

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Heute: Comics zu Batman, Superman, der Justice League und Wonder Woman.

Klassiker und Geheimtipps, aktuelle Bestseller – und Ideen für Neueinsteiger.

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drei überraschend gute Listicles/Klickstrecken zum Einstieg:

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DC- (und Marvel-)Comics erscheinen meist als monatliche Serien. Ein Heft hat 20 bis 30 Seiten; und einige Monate später erscheinen die Handlungsbögen als Sammelband/Trade Paperback/“Graphic Novel“ noch einmal gebunden – meist etwa sechs Hefte. Solche 8 bis ca. 20 Euro teuren Bände stehen oft (halbwegs) für sich allein und erzählen eine (recht) geschlossene Geschichte.

Die „ganze“ Geschichte versteht man erst, wenn man alle denkbaren Heftreihen parallel liest – über 50 pro Monat. Doch niemand hat diesen Komplett-Überblick, und weil die Reihen und ihre Sammelbände oft überraschend schwanken (z.B. auch, weil Zeichner*innen und Autor*innen oft wechseln), will/kann ich keine Aussagen machen wie „‚Wonder Woman‘ ist eine gute Serie. Lest die ‚Wonder Woman‘-Sammelbände!“

Band 1 bis 6 sind sehr gut. Band 7 und 8 nicht mehr.

Viele der folgenden Empfehlungen haben Vorgänger- und Nachfolge-Bände und -Kapitel. Nicht alles erklärt sich sofort, und fast jede Geschichte hat diverse Vorgeschichten und Verweise auf frühere Verwicklungen. Neueinsteiger werden manchmal rätseln. Schlingern. Stolpern. Das gehört dazu – und macht oft Spaß. Im Notfall gibt es Fan-Seiten. Und sehr ausführliche Wikipedia- und TV-Tropes-Einträge zu allen Figuren und bisherigen Plots.

Ist der jeweilige Heft-Autor klug, sind auch Superman, Batman, Wonder Woman klug, sympathisch, überraschend komplex. Bei schlechten Autoren wird es schnell platt, brutal und plakativ.

Mitunter aber werden diese Figuren meisterhaft erzählt.

Hier sind Klassiker, Neuerscheinungen und persönliche Highlights:

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Es gibt gute Kinder-Comics wie „Superman Family Adventures“. Gute Jugend-Trickserien wie „Young Justice“. Guten Comedy-All-Ages-Quatsch wie „Teen Titans Go“, „Tiny Titans“ und „Little Gotham“. Und es gibt – wenige – Graphic Novels und Bildbände, die man mit Neun-, Zehn-, Elfjährigen lesen kann. Einfache, in sich geschlossene Geschichten, in denen Helden vorgestellt und stimmig inszeniert werden. Meine Favoriten:

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1 – DC Helden

Superman Batman DC Helden

[Link] …von Paul Dini, Zeichnungen (nein: Gemälde!) von Alex Ross:

Fünf großformatige, kurze, bildlastige Helden-Portraits als wunderbarer Sammelband. Je eine – recht menschliche, gefühlvolle – Begegnung mit Superman, Batman, Wonder Woman, Captain Marvel/Shazam, dazu ein Abenteuer der Justice League und eine Handvoll weiterer Helden-Kurzbiografien. Ein Bilderbuch. Ein Coffee Table Book. Ein Buch zum Verschenken – und Staunen. [Hier die US-Ausgabe.]

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2 – Trinity

superman batman trinity

[Link] …von Matt Wagner:

Eine recht kurze, etwas simple/kindische Geschichte über die ersten Begegnungen von Superman, Wonder Woman und Batman. 50er-Jahre-Atmosphäre – charmant, für Kinder und Kindsköpfe. Im Gegensatz zu Tipp 1 kein Buch, für das ich viel Geld ausgeben würde.

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3 – Superman for all Seasons …und Batman: The Long Halloween

Superman Batman Superman for all Seasons

Superman: Link

Batman: Link

…von Jeph Loeb, Zeichnungen von Tim Sale:

Atmosphäre! Details! Charakter-Szenen! Jeph Loeb, später Autor bei der zunehmend schrecklichen TV-Serie „Heroes“, ist manchmal überdeutlich, langsam, dumpf-vorgestrig. Doch diese beiden abgeschlossenen Geschichten aus den Anfangsjahren von Superman und Batman reißen mit… und rühren. Keine Vorkenntnisse nötig.

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Landei gegen Milliardär. Alien gegen Mensch. Kraft gegen List. Licht gegen Schatten. Superman und Batman haben viel gemeinsam – doch entscheidende Unterschiede. Drei Comics, die solche Unterschiede und die komplizierte Freundschaft der beiden Helden genauer beleuchten – mal psychologisch, mal nur als große Keilerei:

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4 – Superman/Batman: Supergirl

Batman v Superman, Supergirl

[Link] …von Jeph Loeb, Zeichnungen von Michael Turner:

Eine Jugendliche strandet in einer Rettungskapsel in Gotham City… und sagt, sie sei Supermans Cousine. Clark Kent ist hingerissen. Bruce Wayne misstrauisch. Eine simple, aber sehr schmissige Mainstream-Geschichte, die sich viel Zeit nimmt, die Unterschiede zwischen Bruce und Clark zu beleuchten. Ein Minuspunkt: Supergirl sieht aus wie Paris Hilton – die Zeichnungen wirken schäbig, oversexed. Und obwohl die von Jeph Loeb begonnene „Superman/Batman“-Heftreihe zwölf Sammelbände füllt… ist das hier der einzige (halb-)gute.

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5 – The Dark Knight Returns

Batman v Superman, Dark Knight Returns

[Link] …von Frank Miller, Zeichnungen von Klaus Janson

Ein düsterer, medienkritischer, energisch gezeichneter Klassiker von 1986: Batman als alternder, einsamer Kämpfer. Superman als tumber amerikanischer Hurrapatriot, eine Marionette der neoliberalen Regierung. Bombenhagel, Straßenschlachten, Punks, Slums, zynische Talkshows. Autor Frank Miller ist heute Islamhasser/Rechtspopulist. Sein Batman ist ein Wutbürger, der drischt und knurrt. Ich mochte den Comic – und kann verstehen, warum er als Klassiker gilt. Doch ich glaube, „Meisterwerk“ jubeln hier nur Sechzehnjährige, die glauben, alles über dumme Medien, dumme Wähler, die scheinbar gar-so-dumme Welt verstanden zu haben: Sozialkritik auf dem Niveau der „Robocop“-Fime. [Seit Herbst 2015 erscheint eine (weitere) Fortsetzung, „The Dark Knight 3: The Master Race“.]

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6 – JLA: Tower of Babel

Batman v Superman, Tower of Babel

[Link] …von Mark Waid, Zeichnungen von Howard Porter:

Die „JLA“-Comics ab 1997 waren große Bestseller und sind bis heute absurd beliebt. Ich las die Reihe 2008 – und bereits damals schien der Tonfall gestrig: simple Figuren (jeder hat nur ein, zwei Charakterzüge), unterkomplexe Debatten. Der einflussreichste Band zeigt, wie Batmans Erzfeind Ra’s al Ghul alle Helden erfolgreich attackiert. Bis Batman klar wird: R’as benutzt geheime Strategien, die Batman selbst erarbeitet hat – um im Notfall all seine Freunde vernichten zu können. Batmans Paranoia wird zur Gefahr fürs Team. [Ein wichtiger Moment. Doch die Idee ist besser als ihre flaue Umsetzung.]

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Superman, Batman, Wonder Woman, The Flash, Green Lantern, Aquaman und andere Helden sind – schon seit 1960 – die Justice Leage: ein Superheldenteam mit komplizierter Geschichte und, Seite für Seite: zu vielen Köchen, Kräften, Baustellen, Erzählfäden. Justice-League-Comics sind selten gelungen. Denn auf 20 monatlichen Seiten ist Platz, drei, vier Figuren zu beleuchten. Doch keine sieben und mehr. Und alle Gegner. Im schlimmsten Fall sind „Justice League“-Comics ein fades, flaches Durcheinander. Im besten Fall: ein überfrachtet überambitioniertes, wahnwitziges, tolles Durcheinander. Highlights… mit viel zu vielen Helden. Zu vielen Bällen, wild und wirr jongliert:

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7 – Injustice: Gods among us, Jahr 1

Batman v Superman, Injustice - Gods Among Us

[Link] …von Tom Taylor und wechselnden Zeichnern.

Als der Joker Metropolis zerstört, verliert Superman alle Beherrschung – und sein Vertrauen in die Welt: Er wird Despot und sorgt für Frieden durch Überwachung und Kontrolle. Batman, Green Arrow und viele überraschende Figuren wie Harley Quinn versuchen, Superman ins Gewissen zu reden. Doch im Lauf von fünf Jahren schaukelt sich der Konflikt immer weiter hoch. Jahr 1 (von 5) ist wundervoll – eine intelligente, düstere, politische Was-wäre-wenn-Geschichte, von Tom Taylor überraschend witzig, warmherzig und liebevoll erzählt. Ab Jahr 3 wechselt der Autor, und die Schachzüge, Tricks zwischen Batmans und Supermans Gefolge werden recht beliebig. Trotzdem: die unterhaltsamste und klügste Team-Reihe der letzten Jahre!

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8 – Justice League: The Injustice League

Batman v Superman, Injustice League

[Link] …von Geoff Johns und wechselnden Zeichnern, u.a. Doug Mahnke:

Seit dem DC-Neustart von 2011 gehört Geoff Johns‘ „Justice League“ zu den größten Publikumserfolgen. Doch erst Band 6 nimmt sich viel Zeit für Figurenentwicklung, Mit- und Gegeneinander, Grundsatzdebatten: Lex Luthor ist (nach den Ereignissen des nicht-lesenswerten Crossovers „Forever Evil“) Teil der Liga und inszeniert sich als Retter.  Schon in Band 7 wurde mir alles wieder… zu haudrauf. Doch hätte ich mit 13 „Injustice League“ gelesen, ich hätte wochenlang nachgedacht – über diese geheimnisvollen, verwirrenden Helden, und ihre komplizierten Konflikte.

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9 – Smallville

Batman v Superman, Smallville

[Link] …von Bryan Q. Miller, wechselnde Zeichner:

Auch hier: Ein überraschend liebevolles, witziges, charakterstarkes Mainstream-Helden-Epos. Die „Smallville“-TV-Serie habe ich nie verfolgt. Egal. Nicht nötig! Ich mag, wie viel Zeit sich Miller für Wortwitz und schöne Freundschafts- und Romantik-Momente lässt und las die ersten sechs Sammelbände (Tiefpunkt: Band 2, Highligh: Band 5), doch verlor später, kurz vor Ende der Reihe, das Interesse: Statt Lois, Clark, Lex Luthor tauchen bald alle denkbaren DC-Helden und -Schurken auf – viel zu wahllos, viel zu schnell. Eine Parallelwelt zu den gängigen DC-Reihen… die sich zu schnell an diese gängigen Reihen annähert. Nein: anbiedert.

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Seit 2011 erschienen leider kaum noch gute Superman-Comics. Batman-Reihen dagegen werden beliebter – und haben die besseren Zeichner und Autoren. Die Serien „Detective Comics“ und „The Dark Knight“ blieben holprig; auch „Batman & Robin“ hat immer wieder Mühe. Doch Scotts Synders Projekte – „Batman“, „Batman Eternal“, „Batman & Robin Eternal“ – sowie „Batgirl“, „Batwoman“ und „Gotham Academy“ zeigen: Nie geschah so viel Interessantes in Gotham, so schnell, für so viele interessante Figuren. Mich stört nur, dass Bruce Wayne immer plumper als Genie und Übermensch gezeigt wird: Muss er über alles triumphieren? Immer?

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10 – Batman: The Court of Owls

Batman v Superman, Court of the Owls

[Link] …von Scott Snyder, Zeichnungen von Greg Capullo:

Ein Blockbuster – dramatisch, düster, voller Superlative, High-Tech-Waffen, überlebensgroßen Heldentaten und wahnsinnigen Super-Super-Superschurken: Band 1 und 2 erzählen den Kampf Batmans gegen einen Geheimbund mitten in Gotham City. Band 3, 6 und 7 drehen sich um den Joker – und langweilten mich: viel Nervenkitzel, viel Blut, aber kein stimmiges Ende. Band 4 und 5 sind besonders einsteigerfreundlich: Sie zeigen die Zeit, in der Bruce Wayne zu Batman wird – und seine ersten Abenteuer in Gotham. Deshalb: 1, 2, 4, 5. Oder 4, 5, 1, 2. Und: nicht zu lange nachdenken, warum Bruce Wayne in jedem Sammelband ca. drei Gespräche über bahnbrechenden High-Tech-Gadget-Prototypen-Unsinn führen muss. #sinnlosesuperlative #sinnloseshightech

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11 – Batman: Superheavy

Batman v Superman, Batman Superheavy

[Link] …von Scott Snyder, Zeichnungen von Greg Capullo:

Band 8 derselben Reihe stellt alles auf den Kopf. Commissioner Gordon rasiert sich den Schnurrbart ab, geht trainieren und wird zu Batman, in einer Roboter-Rüstung [im Stil von ‚Iron Man‘]. Die Idee ist hanebüchen, sympathisch frech und irritierend – und ich dachte lange: Wenn ich alle anderen Batman-Comics vorher lese/aufarbeite, die Vorgeschichte hierzu sehr gut kenne, überrumpelt mich das weniger. Doch es überrumpelt so oder so. Deshalb: Einfach los! Ohne Googeln, Vorbereitungen, lange Recherche: ein seltsames, frisches, originelles Kapitel.

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12 – Batman Eternal

Batman v Superman, Batman Eternal

[Link] …von u.a. Scott Snyder, James Tynion IV und wechselnden Zeichnern:

Seit 2006 versucht DC immer wieder wöchentliche Heftreihen. Doch bisher überzeugte mich nur die erste, „52“. „Batman Eternal“ zeigt eine (schein-)komplexe, überfrachtete Verschwörung, die sich durch alle Figurengruppen Gothams zieht. Solide Dialoge, viel Abwechslung, oft überraschend gut gezeichnet: ein Mainstream-Batman-Comic, der alle Aspekte von Batmans Welt anreißt… aber kaum etwas überzeugend auserzählt. Für fünf, sechs Hefte am Stück fühle ich mich immer blendend unterhalten. Dann denke ich wieder: eine Aufzählung, Reihung, Gebetsmühle – Namedropping, Anspielungen, Cameos. Drei Schritte seitwärts. Zwei zurück. Macht süchtig – wie eine nicht-sehr-gute, aber rasante Soap.

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Batman und Superman hatten mehrere TV-Serien und Kinofilme. Ihre Städte, Gegner, Liebes- und Vorgeschichten sind bekannt. Wonder Woman ist genauso alt – doch immer wieder wird ihr Hintergrund verändert: eine tolle Figur – der oft die tollen Autoren fehlen. Anders als Superman aber, mit dem sie ab 2012 liiert war, hat sie auch in den letzten Jahren gute Geschichten. Für Einsteiger, nur zwischendurch: Band 3 von „Sensation Comics“ – charmante, kurze Episoden. Die drei maßgeblichen „Wonder Woman“-Autoren und Sammelband-Reihen:

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13 – Wonder Woman (New 52, Band 1 bis 6)

Batman v Superman, Wonder Woman

[Link: 6 Bände] …von Brian Azzarello, Zeichnungen von Cliff Chiang:

Diana muss eine junge Schwangere beschützen – vor dem Zorn der Götter, sechs Sammelbände lang. Simple, aber stilsichere Zeichnungen. Kluge, schnippische Dialoge und Figuren. Nur Wendungen hat diese Odyssee durch London und die antike Unterwelt fast keine; und zwischen den pompösen griechischen Gottheiten wirkt Diana zu oft wie eine machtlose, zufällige Randfigur. Ich kenne keine zweite Mainstream-Comicreihe aus den letzten Jahren, die 30 Hefte lang auf gleichbleibend hohem Niveau eine schlüssige, anspruchsvolle Geschichte erzählte. Respekt! Doch der letzte Funke… fehlt.

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14 – Wonder Woman (1987)

Batman v Superman, Wonder Woman Perez

[Link] …von George Perez (Text und Zeichnungen):

Ein Klassiker – zeitlos, aber unfassbar achzigerjahrig. In bisher vier Sammelbänden (mehr Material muss noch neu aufgelegt werden) erzählt George Perez die Anfänge, ersten Schritte von Diana jenseits ihrer Amazonen-Heimat. Alles ist überfrachtet, pomadisiert, verschnörkelt, barock. Und trotzdem so charmant, sich-selbst-und-seine-Figuren-ernst-nehmend, dass man bis heute mit Genuss lesen kann.

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15 – Wonder Woman, „Identity Crisis“, „Infinite Crisis“

Batman v Superman, Identity Crisis

[Link] …von Greg Rucka (meinem Lieblings-Comicautor), Geoff Johns und vielen anderen:

Seit 2003 war Wonder Woman vor allem Diplomatin. Doch musste trotzdem hin und wieder in den Hades steigen, oder eine Medusa duellieren. Eine moderne, kultivierte Frau – in archaischen Rollen, tragischen globalen und persönlichen Konflikten. Rucka schrieb zur selben Zeit auch „Superman“-Comics, und beide Reihen mündeten in einem (großartigen) Justice-League-Crossover, „Identity Crisis“ und, 2006, einem Knall namens „Infinite Crisis“. Ich habe hier [Link, Punkt: ‚Identity Crisis, 2005‘] aufgeschrieben, in welcher Reihenfolge diese fünf bis ca. 15 Bände am meisten Spaß machen.

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Einige Reihen unterhalten, interessieren, begeistern mich seit einer Weile – haben aber noch keinen Abschluss. Vier Tipps, zu denen ich mir noch kein abschließendes Urteil bilden kann. Schade, dass diese Bände nicht schon jetzt, zum Filmstart, komplett in Buchläden bereit liegen:

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16 – Superman: Earth One

Batman v Superman, Earth One

[Link] …von J. Michael Straczynski, Zeichnungen von Shane Davis (Band 1 und 2) und Ardian Syaf (Band 3):

Die „Earth One“-Buchreihe erzählt abgeschlossene Geschichten in einer neuen, alternativen Realität. Weil Clark Kent auf dem Cover von Band 1 einen Hoodie trägt, rechneten Zyniker mit einem „‚Twilight-Clark‘, ‚Emo-Clark‘, ‚Boygroup-Clark'“ – doch tatsächlich ist „Earth One“ eine konventionelle, souveräne Origin Story. Wer Superman mag, wird diese Parallelwelt-Version gerne akzeptieren. Wer nichts über Superman weiß, findet sich sofort zurecht. Nicht progressiv. Aber angenehm professionell, besonders im Vergleich zu vielen monströs schlechten Superman-Sammelbänden der letzten Jahre. [„Batman: Earth One“ ist ebenfalls solider, zugänglicher Mainstream – doch langweilte mich schneller. Grant Morrisons“Wonder Woman: Earth One“ erscheint im April 2016 – aber hat furchtbare erste Kritiken.]

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17 – Superman: American Alien

batman v superman, superman american alien

[Link] …von Max Landis; der Zeichner wechselt mit jedem Heft/Kapitel:

Max Landis, Sohn von Horror-Regisseur John Landis, ist ein sympathischer Nerd und Schwätzer, der u.a. 2012 ein unterhaltsam polemisches Video drehte über die „Death and Return of Superman“-Storyline Anfang der 90er Jahre. Seitdem schreibt er gelegentlich für DC – mit Respekt vor den Figuren, Talent und Lust, Erwartungen zu überrumpeln. Von sieben Heften „Superman: American Alien“ sind bislang fünf erschienen. Alle haben einen anderen Zeichenstil und eine radikal andere Grundstimmung – aber alle machen Spaß. Mich stört nur, dass in jedem Heft zwei, drei Figuren genauso selbstverliebt und langatmig palavern… wie Landis selbst. Max? Dein Lex Luthor klingt wie jemand, der Youtube-Videos über Heldencomics dreht.

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18 – The Legend of Wonder Woman

Batman v Superman, Legend of Wonder Woman

[Link] …von Renae de Liz, Zeichnungen von Ray Dillon:

Manchmal sind Comics halbkompetent geschrieben, erzählt – doch laugen mich nach wenigen Seiten aus: Figuren aus „The Walking Dead“ sagen zu viele Dinge dreimal. Ihre Sprechblasen sind überfüllt, die Dialoge hölzern. Auch „The Legend of Wonder Woman“ krankt an solchen unpräzisen, öden Geschwätzigkeiten. Alle Frauen hier sehen aus wie Disney-Prinzessinnen. Doch kindgerecht ist die Geschichte über Dianas erste Jahre als Kriegerin und Diplomatin trotzdem nicht: Kein Kind hätte Nerven für so langatmiges Geblubber. Solide Geschichte. Aber: uff. Kürzt diese Paraphrasen!

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19 – Lois and Clark

batman vs Superman lois clark

[Link] …von Dan Jurgens, Zeichnungen von Lee Weeks:

Altmodische Zeichnungen, altmodische Rollenbilder, ein altmodischer – und deutlich älterer – Superman, glücklich verheiratet mit Lois Lane, Vater eines Sohnes: Zwischen 1986 und 2011 erlebten alle DC-Figuren wichtige Entwicklungen. Doch seit 2011, mit dem Neustart-Slogan „The New 52“, sind viele dieser Geschichten hinfällig/nie passiert. Lois und Clark waren (in der Realität der Comics seit 2011, auch rückwirkend) nie ein Liebespaar – und leben heute in den Reihen „Superman“ und „Action Comics“ spröde nebeneinander her. Autor Dan Jurgens aber bringt ihre alten Versionen, das Liebespaar von 86 bis 2011, in die New-52-Realität. Geschichten im alten Stil – in der kühleren, schrofferen Erzählgegenwart. Simpel, aber mit viel Herz. Mich stört nur, wie verhältnismäßig schwach Lois Lane agiert – als Provinz-Mutti statt Pulitzer-Journalistin.

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Es gibt zwei Dutzend weitere aktuelle Heftreihen/Sammelbände, die auf den Kinofilm einstimmen könnten: „Aquaman“ und „Cyborg“, „Superman/Wonder Woman“, „Batman/Superman“, „Superman“, „Action Comics“, etliche „Batman“-, Team- und „Justice League“-Reihen… doch nichts davon las ich seit 2011 mit besonderer Freude. Tom Taylors „Earth 2“ hatte zwei Sammelbände lang sehr gute Kritiken (1) (2), doch der konventionelle Zeichenstil stieß mich ab.

 

Batman vs. Superman: The Greatest BattlesIm Dezember 2015 erschien der Sammelband „Batman vs. Superman: The Greatest Battles“ – eine solide Auswahl und, wie alle DC-Themen-Sammelbände, grundsätzlich empfehlenswert. Persönlich werde ich schnell müde beim Lesen solcher Comic-Anthologien: Die alten Comics, 40er bis 70er Jahre, sind kindisch und träge. Und die Kapitel, die man neueren Story-Arcs entrissen hat, wirken wie Stückwerk, zusammenhanglos: Ich lese das – und möchte jedes Mal ganze Sammelbände öffnen. Statt von Fragment zu Fragment, Episode zu Episode zu springen. Trotzdem: vorsichtige Empfehlung – zumal nur Szenen ab 1986 nachgedruckt wurden.

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Literatur 2016: Buchtipps und Neuerscheinungen zur Leipziger Buchmesse

Bücher, Romane Frühling 2016, Foto Phin Spielhoff

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Neue Literatur – erschienen 2016, auf Deutsch?

Jeden Dezember suche ich nach Neuerscheinungen: Die besten Bücher 2016 (Link)

Und jeden März stelle ich eine längere Liste neuer, empfehlenswerter Titel zusammen: Romane 2015 (Link)

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  • 28 aktuelle Titel, angelesen und sehr gemocht
  • 4 persönliche Empfehlungen

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Jugendbücher 2016 (Link)  |  Mangas (Link)  |  Empfehlungen zur Frankfurter Buchmesse 2015 (Link)

Lieblingsbücher  |  alle Buchtipps (Übersicht, Link)

 

.Bücher 2016, Stefan Mesch

 

angelesen und sehr gemocht:

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01: ANNA KATHARINA HAHN, „Das Kleid meiner Mutter“

  • 311 Seiten, Suhrkamp
  • feministische (?) Parabel über eine Frau, die das Leben ihrer Mutter enträtselt
  • Falls der Roman nur halb so gut ist wie Hahns Stuttgart-Satire „Am schwarzen Berg“: Lesen!

„Madrid, 2012: Ana María gehört zur »verlorenen Generation«. Ihr Bruder, promovierter Germanist, hat sich bereits nach Berlin abgesetzt, um auf dem Bau sein Geld zu verdienen. Ana ist aus Not in ihr altes Kinderzimmer zurückgezogen. Eines Tages liegen ihre Eltern tot in der gemeinsamen Wohnung. Unversehens rutscht sie in das Leben der Mutter hinein. Sie muss nur eines ihrer Kleider überstreifen, schon halten sie alle – auch Mutters geheimnisvoller deutscher Liebhaber – für Blanca.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Kleid meiner Mutter

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02: SZCZEPAN DWARDOCH, „Drach“

  • 311 Seiten, Rowohlt
  • Original: Polen 2014, Deutsch von Olaf Kühl
  • epischer, vielleicht schwülstiger Generationenroman des Autors von „Morphium“.

„Ein gewaltiges Panorama des 20. Jahrhunderts: Josef Magnor, der im Oktober 1906 die Wurstsuppe schmeckt und den Geschmack nie mehr vergisst. Josef, der im Dreck der Schützengräben von Frankreich landet und später im Bett der jungen Caroline. Und Nikodem, Josefs Urenkel, der zu seiner Geliebten zieht, aber von seiner Frau und Tochter nicht loskommt, auch nicht von dem schönen Haus, das er sich, gefragter Architekt des neuen Polen, gebaut hat. In kühler Montage schildert Szczepan Twardoch die Dramen zweier Männer und die Chronik ihrer schlesischen Familie. Ein grandioser Reigen von Werden und Vergehen.“ [Klappentext, gekürzt]

Drach

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03: CHLOE HOOPER, „Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island“

  • 368 Seiten, Liebeskind
  • Original: Australien 2008, Deutsch von Michael Kleeberg
  • Rassismus, Verbrechen, Provinz: ein True-Crime-Bericht, stilsicher übersetzt

„Am 19. November 2004 wird auf Palm Island der Aborigine Cameron Doomadgee festgenommen, weil er angeblich einen Polizisten beschimpft hat. Vierzig Minuten später liegt er tot in seiner Zelle. Laut Polizeiangaben war er über eine Stufe gestolpert – doch sein Leichnam weist schwere innere Verletzungen auf. Chloe Hoopers Tatsachenroman schildert das brutale Aufeinanderprallen zweier Kulturen.“ [Klappentext, gekürzt]

Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island

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04: CHICO BUARQUE, „Mein deutscher Bruder“

  • 256 Seiten, S. Fischer
  • Original: Brasilien 2013, Deutsch von Karin von Schweder-Schreiner
  • lauwarme Kritiken auf Goodreads – doch mich interessiert dieser Blick eines Brasilianers auf die DDR.

„Der Brasilianer Chico Buarque, heute weltberühmter Samba-Sänger, steht am Anfang seiner Musikerkarriere, als er von seinem Halbbruder in Berlin erfährt. Dort lebte der Vater in den späten Zwanzigern. Also macht sich Chico auf die Suche – und findet die bezaubernde, verrückte Geschichte von Sergio Günther. Auch Sergio war Sänger, und zwar einer der bekanntesten der DDR.“ [Klappentext, gekürzt]

Mein deutscher Bruder

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05: NILS-MOMME STOCKMANN, „Der Fuchs“

Finn Schliemann hat einen toten Vater, einen behinderten Bruder und wenige Freunde. Als Finn in die Hände der örtlichen Rowdys zu geraten droht, tritt Katja in sein Leben. Sie ist phantasievoll, selbstbewusst und mutig. Die Geschichten, die sie sich ausdenkt und die die beiden in einem Buch festhalten, bereichern Finns Welt: Sie selbst sei Zeitreisende, Finns Kleinstadt Thule ein bedeutungsvoller mystischer Ort, eine Art Achse im Raum-Zeit-Gefüge, die von einer Gruppe von Männern – Agenten des «Büros» – überwacht werde.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Fuchs

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06: DZEVAD KARAHSAN, „Der Trost des Nachthimmels“

  • 724 Seiten, Suhrkamp
  • Original: Jugoslawien 2014, Deutsch von Katharina Wolf-Grießhaber
  • altmodisch erzählter, vielleicht zu langer Historienroman

„In Isfahan, der Hauptstadt des Seldschuken-Reiches, stirbt unerwartet ein hochangesehener Mann. Der Sohn des Verstorbenen fordert Aufklärung. An den Ermittlungen nimmt auch der Hofastronom Omar Chayyam teil. Er kommt zu dem Schluss, dass der Mann vergiftet wurde. Hofintrigen und soziale Spannungen bedrohen das Reich von innen, während ihm Kreuzritter und Mongolen von außen gefährlich werden. Doch der Sultan lehnt die Gründung eines Nachrichtendienstes zur Gefahrenbekämpfung ab. Scharfsinn und Ohnmacht seiner Protagonisten im Blick, schildert Dževad Karahasan, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Trost des Nachthimmels

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07: MATTHIAS HIRTH, „Lutra Lutra“

  • 736 Seiten, Voland & Quist
  • Im schlechtesten Fall ist das eine preachy Amateur-Version von „American Psycho“, ein Poproman, 20 Jahre zu spät, eine Ayn-Rand-Persiflage mit einem depraved Bisexual (muss das sein?) in der Hauptrolle…
  • ….doch es wirkt kompetent erzählt, präzise beobachtet und angenehm… wahnsinnig/ambitioniert.

„Worin besteht wirkliche Stärke? Wie erreicht Fleck, 32, die Ausstrahlung, die ihn für jede Frau und jeden Mann unwiderstehlich macht? Er kommt zu dem Schluss, dass es für ihn nur einen Weg zu vollkommener Selbstbestimmtheit gibt: mit sämtlichen Regeln der Gesellschaft zu brechen. Hirths Roman zeigt die Verbindung von Sex und Gewalt, Coolness und Terrorismus. Heimlicher Held ist das Jahr 1999, das Jahr des Fischotters (lat.: Lutra lutra), das Jahr vor dem Zusammenbruch der New Economy und der großen Arbeitslosigkeit – das letzte Jahr der guten alten Zeit.“ [Klappentext, gekürzt]

Lutra lutra

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08: JEAN MATTERN, „September“

  • 160 Seiten, Berlin Verlag
  • Original: Frankreich 2014, Deutsch von Holger Frock und Sabine Müller
  • Brokeback Pressezentrum: betuliche, aber sympathisch intensive literarische Romanze

„Olympia 1972, München: Zwei Journalisten, ein BBC-Korrespondent und ein rätselhafter New Yorker, begegnen sich am Vorabend der Eröffnungszeremonie. Es entspinnt sich eine amour fou, die zunächst keiner der beiden zu leben wagt. Wenige Tage später schlägt das palästinensische Terrorkommando zu. Jean Mattern hat das Drama des 5. September minutiös recherchiert und erzählt es in diesem raffinierten Roman. Die stilistisch virtuose Geschichte einer großen Liebe, die damals noch ein Skandal gewesen wäre.“ [Klappentext, gekürzt]

September

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09: FILIP FLORIAN, „Alle Eulen“

  • 213 Seiten, Matthes & Seitz
  • Original: Rumänien 2012, Deutsch von Georg Aescht
  • vielleicht zu kurz, leicht, schmunzelig: charmanter rumänischer Mainstream-Coming-of-Age-Roman

„Luca: der Junge aus der Kleinstadt. Emil, der nach einem bewegten Leben in Bukarest unverhofft in der Provinz landet. Emil öffnet Lucas Blick für Literatur und Musik, Luca schenkt ihm seine Neugierde. Ein zarter, mit spitzbübischem Humor erzählter Roman, ein leidenschaftliches Lob der Freundschaft.“ [Klappentext, gekürzt]

Alle Eulen

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10: VIV ALBERTINE, „A typical Girl“ [der US-Titel, Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys. ist unendlich viel besser.]

  • 480 Seiten, Suhrkamp
  • Original: UK 2014, Deutsch von Conny Lösch
  • Musiker-Biografien sind mir oft zu verquast. Zu Punk und 70er-/80er-Subkulturen fehlt mir der Bezug. Trotzdem: Ich las die Originalversion an – und habe große Lust, dieser Frau zuzuhören. Die vollen 480 Seiten?

„London, Mitte der Siebziger. In der revolutionären Ursuppe des Punk scheint alles möglich. Aber gilt das auch für Frauen? Gibt es außer Groupie, Elfe oder Rockröhre noch andere Rollen? Viv Albertine wurde zum Riot Girl, lange bevor es diesen Ausdruck gab.“ [Klappentext, gekürzt]

Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys.

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11: DIETMAR DATH, „Leider bin ich tot“

„Daths provokanter, verblüffender Roman über Religion. Ein deutscher Filmregisseur flieht vor einer anstrengenden Liebe. Seine Schwester wird vom Staat verdächtigt, als radikale Islamistin einen Anschlag zu planen. Sein bester Freund aus Kindertagen kämpft als Pfarrer mit dem Teufel. Eine phantastische Melange aus Pop, Physik, Politik, Philosophie und Science-Fiction.“ [Klappentext, gekürzt]

Leider bin ich tot

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12: GABRIELE TERGIT, „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“

  • 392 Seiten, Schöffling
  • 2004 besuchten Lehramts-Freundinnen von mir ein Germanistikseminar zur Literatur der Weimarer Republik. In der Schule hatten wir alle wochenlang mit „Berlin, Alexanderplatz“ gekämpft. Doch von „Käsebier“ (und von den Tagebüchern Erich Mühsams) schwärmten die Freundinnen noch Jahre später.

„In sechs rauschhaften Wochen schrieb Gabriele Tergit ihren ersten Roman, der sie 1931 mit einem Schlag berühmt machte. Der Aufstieg und Fall des Volkssängers Käsebier, den ein Zeitungsreporter in einem billigen Varieté entdeckt. Um Eindruck in seiner Redaktion zu machen, puscht er ihn zum Megastar hoch. Immobilienmakler und Spekulanten hängen sich an den schnellen Ruhm, die gelangweilten Damen der guten Gesellschaft pilgern in die Vorstellungen, Käsebier wird hemmungslos vermarktet. Gabriele Tergit, die erste deutsche Gerichtsreporterin, ist eine unerbittlich genaue, aber mitfühlende Beobachterin. Pointierte und hoch komische Dialoge, die präzise Schilderung der gesellschaftlichen Milieus – vom Tanzmädchen über den Tischlermeister bis zum Medienmogul. Ihr eigener Arbeitsplatz wird dabei besonders unter die Lupe genommen: die Kulturredaktion des Berliner Tageblatts.“ [Klappentext, gekürzt]

Käsebier erobert den Kurfürstendamm

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13: EDMUND WHITE, „Der Flaneur. Streifzüge durch das andere Paris“

  • 192 Seiten, Albino Verlag
  • USA 1995, Deutsch von Heinz Vrchota
  • Bei fast jedem Buch Edmund Whites denke ich nach zwei Seiten „unbedingt lesen!“, doch nach zwanzig Seiten „Das Leben ist zu kurz für dieses satte, betuliche Geprahle.“ Beim „Flaneur“ hoffe ich auf etwas Feuer und Begeisterung: persönliche Bezüge.
  • Als Reiseführer taugt ein 21 Jahre altes Buch nicht viel. Doch aus Whites Paris-Bericht wuchs die „Writer and the City“-Reihe von Bloomsbury…
  • …vergleichbar mit Pipers „Gebrauchsanweisung für…“-Reihe (seit 1978)

„Fernab der großen Attraktionen führt uns White in verträumte Cafés, versteckte Museen und geheimnisvolle Orte wie das Hôtel de Lauzun, in dem der junge Baudelaire ein- und ausging. Auf den Spuren großer Schriftsteller wie Hemingway, Balzac und Rilke lässt White die Bohème vergangener Zeiten lebendig werden und beschwört zugleich das brodelnde Lebensgefühl einer multikulturellen, modernen Metropole.“ [Klappentext, gekürzt]

The Flaneur: A Stroll through the Paradoxes of Paris

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14: JOHN HIGGS, „Alles ist relativ und anything goes: Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert“

  • 379 Seiten, Insel
  • UK 2015, Deutsch von Michael Bischoff
  • komplexer, interessanter – und weniger beliebig, als der deutsche Klappentext vermuten lässt: eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts.

„Auf fast allen Gebieten wurden im 20. Jahrhundert Entdeckungen gemacht oder Ideen entwickelt, die unser Weltbild auf den Kopf stellten. Alte Gewissheiten büßten ihre Geltung ein, Autoritäten verloren ihre Macht. John Higgs führt durch das Jahrhundert der Genies und der Gurus, erläutert die Relativitätstheorie anhand eines fallenden Würstchens und erzählt von Satanisten im US-Raumfahrtprogramm.“ [Klappentext, gekürzt]

Alles ist relativ und anything goes - Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert

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15: DAVID MITCHELL, „Die Knochenuhren“

  • 816 Seiten, Rowohlt
  • UK 2014, Deutsch von Volker Oldenburg
  • Souverän erzählter Middlebrow-Schmöker. Doch mich stößt ab, dass Mitchells neuester Roman, „Slade House“ (2015) die Handlung fortsetzt: Ist das hier einfach eine Fantasy-Reihe? Habe ich nach 816 (!) Seiten noch Dutzende offener Fragen?

„1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für „Asyl“ einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly versteht, welche Bedeutung die Frau dadurch für ihre Existenz bekam: Die Knochenuhren folgt Hollys Leben von einer tristen Kindheit am Unterlauf der Themse bis zum hohen Alter an Irlands Atlantikküste, in einer Zeit, da Europa das Öl ausgeht. Ein Leben, das gar nicht so ungewöhnlich ist und doch punktiert durch seltsame Vorahnungen, Besuche von Leuten, die sich aus dem Nichts materialisieren, Zeitlöcher. Denn Holly – Tochter, Schwester, Mutter, Hüterin – ist zugleich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Knochenuhren

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16: DARRYL CUNNINGHAM, „Supercrash: Das Zeitalter der Selbstsucht“

  • 248 Seiten, Hanser
  • UK 2014, Deutsch von Thomas Pfeiffer
  • zeichnerisch dröge/didaktisch/einfallslos – aber sehr dicht und lehrreich: Banken und Gier, noch einmal verständlich und recht kulturwissenschaftlich erklärt.

„Börsencrash, Finanzkrise und Bad Banks. Der britische Cartoonist Darryl Cunningham hilft, die Absurditäten des globalen Kapitalismus wirklich zu verstehen – und dringt dabei zum Kern neoliberaler Politik vor: der Selbstsucht. In dramatischen Szenen lässt Cunningham Alan Greenspan, Rick Rubin und andere Anhänger des Finanzkapitalismus [Ayn Rand] die globale Ökonomie noch einmal an den Rand des Abgrunds führen.“ [Klappentext, gekürzt]

Supercrash

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17: MARCEL FRATZSCHER, „Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird“

  • 264 Seiten, Hanser
  • reißerisches Cover; aber flüssig, thesenstark, sympathisch: Armut als systemisches Problem – nicht als Versagen des Einzelnen.

„‚Wohlstand für alle‘ ist seit Ludwig Erhard das Credo der deutschen Politik. Doch in kaum einem Industrieland herrscht eine so hohe Ungleichheit – in Bezug auf Einkommen, Vermögen und Chancen. Die Abhängigkeit vom Staat nimmt zu, die soziale Teilhabe nimmt ab. Fratzscher zeigt, wie die Politik die Chance der Zuwanderungswelle nutzen kann und was sie tun muss, um die Spaltung der Gesellschaft abzuwenden.“ [Klappentext, gekürzt]

Verteilungskampf: Warum Deutschland immer ungleicher wird

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18: WILLIAM MacASKILL, „Gutes besser tun: Wie wir mit effektivem Altruismus die Welt verändern können“

  • 288 Seiten, Ullstein
  • Original: UK 2015, Deutsch von Stephan Gebauer
  • anekdotisches, angenehm optimistisches Buch über die Gründe, aus den Hilskampagnen, gute Ansätze scheitern – und wie Engagement gelingt.

„Ist es sinnvoll, nach Naturkatastrophen zu spenden? Übernehme ich besser die Patenschaft für ein Kind aus Äthiopien oder für ein Kind aus Deutschland? Helfe ich den Betroffenen, oder beruhige ich nur mein Gewissen? William MacAskill hat mit dem Konzept des effektiven Altruismus eine Antwort gefunden. Er nennt die Kriterien für sinnvolles und nachhaltiges Helfen. MacAskill zeigt, warum gut gemeint und gut gemacht zwei verschiedene Dinge sind.“ [Klappentext, gekürzt]

Doing Good Better: How Effective Altruism Can Help You Make a Difference

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19: ALEX PERRY, „In Afrika: Reise in die Zukunft“

  • 544 Seiten, S. Fischer
  • Original: UK/USA 2015, Deutsch von Michael Bischoff
  • Ein Europäer bereist, versteht, erklärt ganz Afrika? Mir widerstrebt der paternalistische Ansatz solcher Titel – aber ich glaube, das hier ist einfach eine (sympathische) Reportage- und Portraitsammlung: journalistische Texte, nochmal als Buch gebündelt.

„Als Auslandskorrespondent des »Time Magazine« reiste Perry über sieben Jahre durch Afrika. Auf seiner Reise traf er Unternehmer und Warlords, Professoren und Drogenschmuggler, Präsidenten und Dschihadisten.“ [Klappentext, gekürzt]

In Afrika: Reise in die Zukunft

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20: JAROSLAV RUDIS, „Nationalstraße“

  • 160 Seiten, Luchterhand
  • Original: Tschechische Republik 2013, Deutsch von Eva Profousová
  • „Wir sind das Volk“-Hassbürger-Monolog mit durchwachsenen Kritiken: Ich weiß nicht, ob 160 Seiten genügen, um eine plausible rechtsextreme Figur zu zeichnen. Trotzdem: Neugier!

„Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen: Vandam war einer von denen, die es lostraten am 17. November 1989, als in der Prager Altstadt auf der Nationalstraße die samtene Revolution ins Rollen kam, die einige Wochen später das kommunistische Regime hinwegfegte. Damals war Vandam ein junger Polizist, ein Vorstadt-Held. Fünfundzwanzig Jahre später wohnt Vandam immer noch in der Plattenbausiedlung seiner Kindheit, und hebt im Fußballstadion regelmäßig die rechte Hand zum Hitlergruß. Jaroslav Rudiš schlüpft in diesem brillanten Monolog in den Kopf eines Schlägers.“ [Klappentext, gekürzt]

Nationalstraße

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21: ANDREAS WENDEROTH, „Ein halber Held: Mein Vater und das Vergessen“

„‚Entschuldige mich bitte für meine Inhaltslosigkeit, aber ich bin nur noch ein halber Held.‘ Horst Wenderoth hat vaskuläre Demenz. Andreas Wenderoth schreibt die berührende, zuweilen absurd komische Liebeserklärung eines Sohnes an seinen Vater, der sich stets über den Geist definierte.“ [Klappentext, gekürzt]

wenderoth

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22: ROY JACOBSEN, „Weißes Meer“

  • 250 Seiten, Osburg
  • Norwegen 2015, Deutsch von Gabriele Haefs
  • Fortsetzung von „Die Unsichtbaren“, 2013
  • simple, aber souveräne Zwischendurch-Romane fürs breite Publikum, angenehm düster/existenziell.

„Norwegen, 1944: Die kleine Insel Barrøy war Ingrids Heimat. Doch jetzt herrscht Krieg. Der Ozean schwemmt tote deutsche Soldaten an die Küste. Unter ihnen befindet sich der russische Kriegsgefangene Alexander. Er lebt, und Ingrid nimmt ihn mit nach Hause. Völlig unerwartet erleben die beiden in diesen dramatischen Winterwochen die Liebe.“ [Klappentext, gekürzt]

De usynlige Hvitt Hav

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23: SOFIA ANDRUCHOWYTSCH, „Der Papierjunge“

  • 312 Seiten, Residenz
  • Ukraine 2014, Deutsch von Maria Weissenböck
  • Die Figurenkonstellation klingt verbraucht und langweilig – doch internationale Leser sind begeistert, und ich mag den Ton der ersten Seiten.

„Stanislau um 1900: eine galizische Kleinstadt am Rande der Monarchie. Adelja und Stefa, miteinander verflochten wie die Stämme zweier Bäume, wachsen gemeinsam auf. Als Adelja den Steinmetz Petro heiratet, wird aus der engen Verstrickung ein Dreieck. Und als der Magier Torn mit seinem Zirkus die Stadt besucht, taucht plötzlich der engelsgleiche Junge Felix in Petros Werkstatt auf ein kleiner Schlangenmensch, sprachlos, biegsam und brüchig wie Papier. Ein dichtes, mit sinnlichen Eindrücken und Details gesättigtes Bild einer Epoche: eine drängend erzählte Geschichte von Liebe und Verrat.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Papierjunge

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24: HAMMED KHAMIS, „I am not Animal. Die Schande von Calais“

  • 124 Seiten, Frohmann
  • sehr kurzer, mitreißender journalistischer Bericht eines Mannes, der einfach losgeht – und helfen will.

„Ein YouTube-Video über den »Dschungel«, das autonome Camp für Geflüchtete in Calais, lässt Hammed Khamis nicht mehr los. Mit dem unbestimmten Wunsch zu helfen macht sich der Streetworker aus Berlin-Wedding mit 175 EUR in der Tasche auf den Weg nach Frankreich. Weil er Arabisch spricht und die entsprechenden ›Looks‹ hat, findet er unmittelbar Zugang zu den Menschen vor Ort. Nach Berlin kehrt er barfuß zurück.“ [Klappentext, gekürzt]

I am not animal

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25: BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE, „Panikherz“

  • 576 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
  • Jedes Mal, wenn sich Stuckrad-Barre zu Wort meldet, schimpfen drei Dutzend ältere Männer in meinem Facebook-Freundeskreis, dass man „so einen Knaben“ doch bitte nie wieder schreiben, beachten, ernst nehmen solle. Ich war nie großer Fan – aber las seine Portraits IMMER mit Interesse… und Gewinn:
  • Stuckrad-Barre ist nicht halb so langweilig wie der immergleiche Hass auf Stuckrad-Barre.

„Er wollte zu den Helden, in die rauschhaften Nächte – dahin, wo die Musik spielt. Und ging fast verloren. Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Und nun eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten »Chateau Marmont« in Hollywood, in das ihn Udo Lindenberg führte. Mit Bret Easton Ellis inspiziert er einen Duschvorhang, er begegnet Westernhagen beim Arzt und Courtney Love in der Raucherecke und geht mit Thomas Gottschalk zum Konzert von Brian Wilson. Stuckrad-Barre erzählt mit seiner eigenen Geschichte zugleich die Geschichte der Popkultur der letzten 20 Jahre.“ [Klappentext, gekürzt]

Panikherz

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26: LUCIA BERLIN, „Was ich sonst noch verpasst habe. Stories.“

  • 384 Seiten, Arche
  • US-Kurzgeschichten, verfasst ab den 60er Jahren, Deutsch von Antje (Rávic) Strubel
  • kompetente, liebenswerte Kurzgeschichten – aber: lese ich lieber im Original

„Lucia Berlin wird verglichen mit Raymond Carver, Richard Yates oder Grace Paley. Ihre Storys zeugen von einem unsteten Leben voller Brüche. Alleinerziehende Mütter, Alkoholikerinnen auf Entzug, Haushaltshilfen, Krankenschwestern und Sekretärinnen. Es geht um Mütter und Töchter, scheiternde Ehen, Immigranten, Reichtum und Armut.“ [Klappentext, gekürzt]

Was ich sonst noch verpasst habe: Stories

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27: FRIEDRICH CHRISTIAN DELIUS, „Die Liebesgeschichtenerzählerin“

  • 208 Seiten, Rowohlt Berlin
  • 208 Seiten wirken sehr knapp für die Riesen-Bögen, die Delius hier spannt. Aber: Alles ist in kurzen, lyrischen, toll verdichteten Absätzen erzählt, die mich sofort wegfegten. Könnte kitschig oder schwülstig sein – doch die ersten Seiten… euphorisieren mich!

„Eine Frau, für ein paar Tage frei von Pflichten, Mann und Kindern, fährt im Januar 1969 von Den Haag über Amsterdam nach Frankfurt. Drei Liebesgeschichten aus den Zeiten der Kriege und Niederlagen gehen ihr durch den Kopf: ihre eigene, die ihrer Eltern, die einer Vorfahrin während der napoleonischen Kriege. Ein König, der die modernen Niederlande aufbaut; seine uneheliche Tochter, die in eine mecklenburgische Adelsfamilie gezwungen wird; ihr Urenkel, der als kaiserlicher U-Boot-Kapitän die roten Matrosen von Kiel überlistet, seine Tochter – die reisende Erzählerin selbst –, die ein gutes deutsches Mädel und trotzdem gegen die Nazis sein wollte. Dem neuen Roman von Friedrich Christian Delius liegt die bewegte Geschichte seiner eigenen Familie zugrunde.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Liebesgeschichtenerzählerin

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28: THOMAS VON STEINAECKER, „Die Verteidigung des Paradieses“

  • 416 Seiten, S. Fischer
  • Eine Kuppel-Bauernhof-Endzeitwelt wie in „Die Wand“, ein Erzähler wie aus einem Leif-Randt-Roman, viele gewollt drollige Anglizismen: Alles wirkt etwas kitschig-betulich, Endzeit im Miyazaki-, Pausewang- und Young-Adult-Modus. Vielleicht aber ist der Erzähler so herzig und naiv, damit später alles wirksamer eskalieren kann? Steinackers „Wallner beginnt zu fliegen“ gehört zu meinen Lieblings-Debüts: Ich hoffe, dass später im Buch noch bessere, frischere Ideen kommen.

„Er möchte ein guter Mensch sein. Doch Heinz lebt in einer Welt, die Menschlichkeit nicht mehr zulässt. Deutschland ist verseucht und verwüstet, Mutanten streifen umher, am Himmel kreisen außer Kontrolle geratene Drohnen. Zusammen mit seinem besten Freund, einem elektrischen Fuchs, wächst Heinz in einer kleinen Gruppe Überlebender in den Bergen auf. Er sammelt vergessene Wörter und schreibt die Geschichte der letzten Menschen. Doch was nützen Heinz Wissen und Kunst jetzt noch? Da gibt es plötzlich das Gerücht, weit im Westen existiere ein Flüchtlingslager. Die Gruppe bricht auf zu einem mörderischen Marsch ins vermeintliche Paradies…“ [Klappentext, leicht gekürzt]

Die Verteidigung des Paradieses

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Ich bin gespannt auf…

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vier persönliche Empfehlungen – Bücher 2016, gelesen und gemocht:

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1: GERTRAUD KLEMM, “Muttergehäuse”, österreichische Memoir/literarisch-biografische Textcollage

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MuttergehäuseIch habe “Herzmilch” und “Aberland”, zwei sehr gut besprochene Romane Gertraud Klemms über unzufriedene Frauen/Mütter, angelesen… und mir ein drittes Buch von ihr (erscheint im Februar 2016) im Blog vorgemerkt (Link). Kremayr & Scherlau schickte mir ungefragt ein Leseexemplar. Vielleicht das Beste, was mir die Post 2015 zustellte:

In “Mütter auf Papier” (2010) schrieb Klemm über den boshaften, herablassenden, sexistischen, gehässigen Quatsch, den sich eine Frau mit Mutterwunsch anhören muss, die immer wieder Kinder in der Schwangerschaft verliert. Eine autobiografische Textcollage: Kurzprosa, Fragmente, viel Wut, Intimität, kluger Furor. “Muttergehäuse” ist die überarbeitete Version dieses “Mütter auf Papier”-Berichts – ein kurzes, luzid formuliertes, wunderbar konkretes Buch über Frustrationen, schlechte Freunde, Angst, Druck… und Auswege.

Ich bin jetzt Klemm-Fan: feministisch, literarisch, spitz, ehrlich, reflektiert.

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2: SACHA BATTHYANY: „Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie“

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Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie.Ich habe den Titel Ende Februar bei Deutschlandradio Kultur empfohlen [Audio und Text]: „Kurz vor Kriegsende feierte Gräfin Margit von Batthyány-Thyssen im Burgenland ein Fest mit der örtlichen Waffen-SS. In derselben Nacht wurden 180 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. „Und was hat das mit mir zu tun?“ fragt Sacha Batthyany, Schweizer Journalist und Enkel von Margits Schwester, in einem 250 Seiten langen, sehr persönlichen Report:

Er reist ins Burgenland, nach Südamerika und Russland, zitiert ausgiebig aus Tagebüchern, befragt Verwandte, beginnt eine Psychoanalyse. Erschoss Tante Margit, verstorben 1989, jüdische Zwangsarbeiter? Oder teilte sie bloß die Gewehre aus? Fallen solche Abstufungen ins Gewicht? Für wen: für die Nachkommen und ihre Familien? Für die Opfer? Für uns alle?“

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3: KEI SANBE, „Die Stadt, in der es mich nicht gibt“

[Manga-Reihe, bisher 7 Bände, Deutsch bei Tokyopop]

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Die Stadt, in der es mich nicht gibt #1 (Die Stadt, in der es mich nicht gibt, #1)…ebenfalls bei Deutschlandradio Kultur empfohlen:

„Jedes Mal, wenn der Alltag katastrophal entgleist, wird Satoru ein paar Minuten in die Vergangenheit versetzt: Die Szene wiederholt sich dann so oft, bis er das jeweilige Unglück verhindern kann. In seiner Kindheit wurden Klassenkameraden ermordet, und alle bemühten sich, den Kidnapper zu vergessen. Plötzlich ist Satoru zurück im Jahr 1988, elf Jahre alt. Er will die Kinder retten. Mit allen Mitteln. Ein Thriller, täuschend simpel gezeichnet, mit wunderbar komplizierten, schlagfertigen, witzigen Figuren und existenziellen Fragen: Rätseln, Fiebern, Lachen, Indizien suchen… keine Seite dieser Bände vergeht, ohne dass Herz und Hirn auf fünf verschiedene Arten gefordert sind.“ [mehr aktuelle Manga-Empfehlungen hier, Link]

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4: ISABEL BOGDAN, „Der Pfau“

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Der Pfau256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch:

Eine – sehr ruhige – Komödie über eine Gruppe britischer Banker und ihre schnippische Chefin, die während einem Teambuilding-Workshop in einem schottischen Herrenhaus eingeschneit werden. Draußen läuft ein Pfau umher, der auf alles pickt, das blau-metallisch glänzt. Eine Satire – aber nicht grell, laut, überdreht. Ein Zwischendurch-Buch – aber ohne Kitsch. Die Figuren sind nicht allzu tief – doch ich nehme Bogdan das britische Setting ab (gute Arbeit!). Es gibt viele Passagen, die mir zu erklärend oder redudant sind: ein Middlebrow-Unterhaltungsroman, der an keiner Stelle weh tut und der vielleicht 20 Seiten kürzer sein könnte.

Aber: Das hier hat so viel Geist, Schmiss, Charme, eine so entspannte, angenehme Grundhaltung… Ich war für fünf, sechs Stunden gern mit diesen Leuten auf diesem Landsitz. Leicht – aber klug, und gut. Empfehlung!

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stefan mesch, ost 2014 2015

Die besten Mangas: 50 Empfehlungen

Die besten Manga

Seit Anfang Februar habe ich über 500 Manga-Reihen angelesen.

Aktuelles – aber auch sehr viele Klassiker, vor allem für erwachsene Männer und Frauen.

Ein Drittel erschien auf Deutsch. Der Rest auf Englisch – zum Teil online, als Fan-Übersetzung.

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Für Deutschlandradio Kultur stelle am 8. März 2016 im Literaturmagazin Lesart sechs aktuelle Favoriten vor: Serien, die 2016 auch auf dem deutschen Buchmarkt eine Rolle spielen.

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Heute im Blog: 50 Mangas, die mir bei der Recherche auffielen oder schon länger auf meiner „bald lesen!“-Liste stehen.

15 Titel, die ich las und empfehlen kann.

42 Titel, die ich angelesen habe und auf die ich mich freue.

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gelesen und gemocht – ein Ranking:

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15: „Pluto“ von Naoki Urasawa

Pluto

„Eine ideale Welt, in der Menschen und Roboter friedlich koexistieren. Doch plötzlich macht jemand Jagd auf die sieben großen Roboter. Interpol setzt den in Düsseldorf ermittelnden Inspektor Gesicht auf den äußerst komplexen Fall an – bis Gesicht erkennt, dass er selbst zu den Gejagten gehört. PLUTO ist eine Neuinterpretation einer klassischen „Astro Boy“-Geschichte: futuristische Spannung für Erwachsene.“ [Klappentext, gekürzt]

  • toll gezeichnet; doch etwas hölzern, trocken, umständlich und sentimental:
  • Ich mag keine Roboter-Helden, so lange sie dauernd um die Pinocchio-Sinnfrage kreisen: „Bin ich, obwohl nur Maschine, ein richtiger Junge?“
  • „Pluto“ ist düsterer und wirkt auf den ersten Blick philosophisch, gesellschaftskritisch. Doch so gern ich es las: Es stapft in ALLE befürchteten Roboter-Kitschfallen und -Klischees.

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14: „Ooku – the Inner Chambers“ von Fumi Yoshinaga [nicht auf Deutsch]

Ooku

„In Edo period Japan, a strange new disease called the Red Pox has begun to prey on the country’s men. Within eighty years of the first outbreak, the male population has fallen by seventy-five percent. Women have taken on all the roles traditionally granted to men, even that of the Shogun. The men, precious providers of life, are carefully protected. And the most beautiful of the men are sent to serve in the Shogun’s Inner Chamber…“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • ein stilsicherer, sehr sprach- und dialoglastiger Alternate-History-Manga über ein Kaiserreich, von Frauen regiert und die komplexen Gender Politics, sobald Männer überall fehlen.
  • Ich liebte Band 1 – doch mit Band 2 beginnt eine viel zu lange Rückblende und zu viele Figuren verheddern sich an zu vielen Fronten: Nur Band 1 kann ich, für sich allein, sehr empfehlen. Ob die komplette Buchreihe die Kurve kriegt, weiß ich noch nicht.

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13: „Young Bride’s Story“ von Kaoru Mori

Young Brides Story

„Die Seidenstraße im späten 19. Jahrhundert: Die zwanzigjährige Amira wird von ihrem Clan zu einer Familie jenseits der Berge geschickt, damit sie deren zwölfjährigen Sohn Karluk heiratet. Nach der Hochzeit fügt sich Amira schnell in ihre neue Familie ein. Doch dann beschließt ihr Clan, sie zurückzufordern, da sie mit Amira andere Pläne haben…“ [Klappentext, gekürzt]

  • ruhiger, warmherziger, toll gezeichneter Historien-Manga über Haushaltsführung, Heiratsbräuche und Hirten-Großfamilien, meist kindgerecht, oft sehr gut gelaunt und gefühlvoll. Amira ist eine tolle Hauptfigur, und die Dynamik mit ihrem (keuschen) 12jährigen Ehemann macht Spaß.
  • die Reihe gerät aus den Fugen, weil Amira zwar Hauptfigur bleibt, doch ab Band 3 oft über komplette Sammelbände hinweg andere Bräute an ganz anderen Orten im Mittelpunkt stehen: eine verzweifelte Nomaden-Witwe, ungehobelte Zwillingsbräute am Aralsee, eine melancholische reiche Frau in Persien. Die albernen Zwillingsbraut-Bände, 4 und 5, waren unerträglich.

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12: „Homunculus“ von Hideo Yamamoto

Homunculus

„Gibt es ihn vielleicht doch, den Homunculus: den kleinen Mann im Kopf eines jeden Menschen, der – so glaubte man früher – Geschicke und Gefühle steuert? Der Medizinstudent Manabu Ito bietet dem Arbeitslosen Susumu 700.000 Yen – wenn Susumu ihm ein Loch in den Schädel bohren darf. Eine Trepanie.“ [Klapptentext, gekürzt]

  • Band 1 las ich mit Schüttelfrost und Gänsehaut, atemlos:
  • am besten, man weiß sonst nichts über die weitere Handlung.
  • Band 2 war konventioneller, küchenpsychologisch. Ich weiß nicht, ob ich je weiterlesen will. Für sich allein ist Band 1 ein wunderbarer, toll gezeichneter kleiner Alptraum.

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11: „The Nao of Brown“ Glyn Dillon [deutsch: „Das Nao in Brown“]

nao of brown

„Nao Brown schlägt sich als Illustratorin durchs Leben und ist auf der Suche nach der großen Liebe. Zudem leidet sie unter einer Zwangsstörung. Als sie endlich dem Mann ihrer Träume begegnet, muss sie feststellen, dass Träume sehr seltsam sein können.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Graphic Novel aus Großbritannien über eine junge Halbjapanerin auf der Suche nach sich selbst: toll gezeichnet und viel sperriger, psychologischer, als der kitschige Klappentext vermuten lässt.

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10: “Twin Spica” von Kou Yaginuma

Twin Spica (Japan)

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Twin Spica, Volume: 01[mehr] Asumis Mutter starb 2010 – als die Lion, das erste Space-Shuttle Japans, auf ihre Heimatstadt stürzte. Trotzdem will Asumi Astronautin werden; unterstützt von ihrem depressiven Vater – und dem Geist eines verglühten Lion-Astronauten.

„Twin Spica“ wirkt simpel und süßlich. Die kleine, kindliche Asumi sieht aus wie Heidi, jede Figur hat ein rührseliges Trauma, kurz dachte ich: für Zehnjährige, höchstens – oder Fans vom „kleinen Prinz“. Doch Leitmotive, Bildsprache, Psychologie und Stimmungen werden so geschickt verwebt… mit jedem Band (ich kenne sechs von 16) wird diese zarte Coming-of-Age-Geschichte trauriger, ernster, klüger, subtiler.

Mut zum Melodrama: das Kitschig-Schönste, das ich seit Jahren las. Hach!

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9: „Gute Nacht, Punpun“ von Inio Asano

punpun

„Aiko kommt in Punpuns Klasse, und Punpun in die Pubertät. Sein Vater ist gewalttätig, seine Mutter psychisch labil, Punpun selbst sieht sich als kümmerliches, vogelartiges Wesen. Er will Astronom werden und entflieht in Fantasiereisen dem Elternhaus. Von ca. zwölf bis Anfang 20 durchlebt er mit seinen Klassenkameraden typische Coming-of-Age-Probleme: erwachende Sexualität, emotionale Verwirrung, Einsamkeit.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Ein Schuljunge, der sich so sehr verachtet, dass er sich selbst als kümmerlichen Vogel sieht…
  • …wird von (zum Teil sehr albernen, überzeichneten) Figuren herumgestoßen, missverstanden, erschreckt oder verletzt. Für eine Weile bleibt das selbstbezogen-süßlich:
  • Asanos Landschaften, Hintergründe, Perspektiven und sein erzählerisches Timing sind großartig – doch mir missfallen die rotznasigen, sommersprossigen, zahnlückigen Alfred-E.-Neumann-artigen Kinderfiguren, und ich hasste Asanos Graphic Novel „Solanin“: Dort führten Rotzlöffel-Studenten unsympathisch flache, selbstbezogene Generations-Gespräche im Stil des Neon Magazins.
  • „Punpun“ will keine solche Generations-Erfahrung zeigen, kein jammerlappiges, möglichst allgemeingültiges Jungs-Buch sein über Scheiß-Mädchen, die nicht zurückrufen: Punpun wird vom 08/15-Außenseiter schnell zum pathologisch gestörten Einzelgänger… und kämpft 13 Bände lang mit Depressionen, Scham, Gewaltphantasien und Sprachlosigkeit. Je kantiger (und weniger generationenhaft, gewollt allgemeingültig) die Figur wird, desto besser wird das Buch.
  • Nur ganz am Ende kippt der Plot ins Melodramatische, die Ereignisse überschlagen sich, plötzlich wirken alle Figuren schwer gestört, und alles brennt. Ohne Band 1, ohne Band 11, 12, 13 wäre „Punpun“ der vielleicht beste Manga, den ich kenne. Asano hilft mir, Japan zu sehen – in großartigen Zeichnungen. Und, Japan zu verstehen – in komplexen Figuren, absurden Szenen. Wer Banana Yoshimoto mag oder Haruki Murakamis „Naokos Lächeln“ und „IQ84“: lesen!

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8: „Vertraute Fremde“ von Jiro Taniguchi (ich mochte auch „Der spazierende Mann“ und „Von der Natur des Menschen“)

vertraute fremde

„Hiroshi Nakahara besucht das Grab seiner Mutter, fällt in eine Art Ohnmacht – und findet sich in seinem Körper als 14-jähriger wieder. Er beginnt, das Leben als Teenager in den 1960er Jahren zu führen, mit dem Wissensstand des Erwachsenen. Er will herausfinden, was nicht stimmte im scheinbar harmonischen Elternhaus: Im Sommer 1963 verließ sein Vater die Familie, ohne Ankündigung.“ [Klappentext, gekürzt]

  • simpel, nostalgisch, mit einer wunderbaren Grundidee:
  • Ich empfehle den Manga vor allem Neu- und Weniglesern. Er ist geradlinig, übersichtlich, die detaillierten Zeichnungen zeigen das ländliche Japan…
  • …doch an vielen Stellen – vor allem auch: sexuell – wünschte ich mir mehr Tiefgang, kritische Fragen, Figurenentwicklung. Und: wie absurd, dass es eine Verfilmung gibt – in der Japan keine Rolle spielt.

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7: „Honey & Clover“ von Chica Umino

honey clover

„Die Kunststudenten Yuta, Takumi und Shinobu wohnen in einem kleinen, schäbigen Apartmenthaus und leben von der Hand in den Mund. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als ihnen ihr Dozent Hagumi vorstellt. Das kindliche Mädchen [eine Künstlerin] verzaubert Yuta auf den ersten Blick. Doch auch Shinobu findet Gefallen an ihr. Takumi ist in die Architektin Rika verliebt, die ihren verstorbenen Ehemann nicht vergessen kann.“ [Klappentext, gekürzt]

  • drei Jungs, zwei Mädchen, alle auf der selben Kunsthochschule und gut befreundet:
  • ein Manga über zwei, drei Jahre als Student, während denen Freundschaften wachsen und sterben, Selbstbilder bröckeln, erste Karriere-Ideen entstehen, Menschen sich neu erfinden.
  • „Honey and Clover“ zeigt trinkfreudige, alberne, sehr extrovertierte Figuren…
  • …und bremst den Cliquen-Spaß immer wieder ab: eine melancholische, überraschend tiefgehende Reihe mit ähnlichen Themen/Fragen wie „Scott Pilgrim“, aber noch mehr Herz. Romantisch, aber melodrama-frei. Lebensfroh, aber mit glaubwürdigen, oft unglücklichen Freunden. Simpel gezeichnet, aber sehr souverän erzählt. Empfohlen ab ca. 12. Und: für jeden, der kreative Studiengänge kennt.

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6: „Die Stadt, in der es mich nicht gibt“ von Kei Sanbe

Stadt in der es mich nicht gibt

„Satoru Fujinuma wird unerwartet in die Vergangenheit geschickt – für jeweils wenige Minuten und so oft, wie es nötig ist, um Verbrechen zu verhindern. Er hat sich mit diesem Lebensstil abgefunden. Doch plötzlich erlebt Satoru eine extreme Wiederholung: Er wird in seine Zeit als Grundschüler zurückgeschickt. Damals wurden Kinder aus seiner Klasse entführt und umgebracht. Schafft er es, die Entführungen zu verhindern?“ [Klappentext, gekürzt]

  • Der Zeichenstil (wenige Details, seltsame Augen, Lippen, Kopfformen) wirkt lieblos…
  • …und dem kompletten ersten Band fehlt Schwung.
  • Ab Band 2 aber gewinnen Figuren und Geschichte so viel Farbe, Tiefgang, dass ich mir sicher war: Das kann auch über 30 Bände hinweg glänzend funktionieren. Ein schlichtes, aber eindrückliches Setting, ein überzeugend eskalierender Krimi-Plot, ein Autor, der an jeder Stelle GANZ genau zu wissen scheint, was er tut. Und: fünf, zehn Figuren, die simpel wirken, doch sehr schnell liebenswürdig, schlagfertig, immer komplexer werden. Grundschülerinnen, Teenager, Mütter, die ich SO noch nie gelesen habe, in Mangas.
  • Mit anderem Zeichenstil wäre die Reihe Publikumsliebling, Crowdpleaser, ein perfektes Geschenk.
  • Update, 2017: der Epilog – Band 9 – ist nicht nötig… aber schön: eine gute Reihe mit stimmigem Ende.

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5: “Sakamichi no Apollon” (Kids on the Slope) von Yuki Kodama [nicht auf Deutsch]

Sakamichi no Apollon (Japan)

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Sakamichi No Apollon: 10 (Bonus Track)[mehr] Oft brauchen Manga-Reihen eine Weile, um Stimmung und Ton zu treffen: Die Eröffnung bleibt meist unbeholfen. Überfrachtet.

Bei „Kids on the Slope“ (englischer Titel der Anime-Adaption) war ich nicht sicher, ob ich in einer schwulen Romanze stecke, einer Pennäler-Komödie im Retro-Look oder mitten im Kampf zweier ungleicher Schüler – ein verzärtelter Nerd, ein bettelarmer Raufbold – um das selbe Mädchen. Alle (männlichen) Figuren spielen in einer Jazzband. Doch Jazz-Exkurse bleiben nebensächlich.

Nein. „Sakamichi no Apollon“ (nur als Fan-Übersetzung online lesbar) ist die Geschichte einer (lebenslangen?) Freundschaft. Die späten 60er Jahre in der japanischen Provinz. Enge Rollenbilder. Armut. Der Mut, von etwas zu träumen. Zu jemandem zu stehen – behutsam inszeniert im simplen Retro-Zeichenstil.

Ein langsames, zärtliches, schlichtes Coming-of-Age – oft witzig und zum Heulen schön. Ohne große Abgründe, Effekte, Pomp.

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4: „Billy Bat“ von Naoki Urasawa

Billy Bat

„USA, 1949: Kevin Yamagata, Amerikaner japanischer onHerkunft, ist Schöpfer der Comic-Reihe »Billy Bat«. Hauptcharakter ist eine Fledermaus, der Comic ein Stil-Mix aus klassischen Disney- und Noir-/Detektivcomics. Plötzlich erfährt Kevin, dass es die Fledermaus-Figur in Japan schon lange geben soll. Hat er »Billy Bat« gar nicht selbst erfunden? Kevin reist nach Japan, um sich für den „Ideenklau“ zu entschuldigen. Doch er gerät in einen Strudel dramatischer Ereignisse, die [das komplette 20. Jahrhundert] auf den Kopf stellen.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Verschwörungen. Religion. Selbstverwirklichung. Kreativität. Schicksal. Quantenmechanik:
  • Ein literarischer, fesselnder Manga mit über 20 Hauptfiguren, Zeitsprüngen (und -Reisen?) durchs 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart und Flashbacks bis in die Steinzeit, ambitioniert wie z.B. „Lost“ – doch viel klarer, flüssiger.
  • Ein Riesen-Panorama über das schwierige Verhältnis zwischen den USA und Japan, Kulturimperialismus, Walt Disney, Verschwörungstheorien wie das JFK-Attentat oder 9/11… mit sehr menschlichen, oft scheiternden Figuren (viele Immigranten, biracial Characters)…
  • …und einer sprechenden Fledermaus-Zeichnung – ein Totem, ein Avatar? – die versucht, die Geschichte der Menschheit… aufzuhalten? Zu stören? Neu zu schreiben? Der Thriller braucht zwei, drei Bände, um in Fahrt zu kommen. Nicht alle Storylines funktionieren sofort. Doch ich kenne keine zweite SO ambitionierte, souveräne und eigensinnige Riesen-Geschichte. Allergrößtes Kino!
  • Update, 2017: das Ende wirkt etwas überstürzt, ich hätte die Figuren (vor allem Kevin Yamagata) gern noch länger begleitet. Trotzdem: runde Sache!

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3: „I am a Hero“ von Kengo Hanazawa

I am a Hero (Japan)

„Der Mangazeichner-Assistent Hideo führt kein glückliches Leben. Ihm fehlt es an Selbstbewusstsein und Motivation, außerdem ist er paranoid und schizophren. Die Ermutigungsversuche seiner Freundin, seinen eigenen Manga zu zeichnen, schlagen auch nicht an. Immer, wenn es schwierig wird, flüchtet Hideo aus der Realität und sucht Rat bei seinem imaginären Freund. Mit der Zeit werden seine Wahnvorstellungen immer schlimmer. Er sieht eine Frau, die überfahren wird und mit gebrochenem Genick aufsteht und weitergeht. Doch handelt es sich wirklich um Wahnvorstellungen…?“ [Klappentext, gekürzt]

[mehr] Die ersten 200 Seiten sind hart: Ein misogyner, phlegmatischer, recht dumpfer Manga-Assistent steckt im Alltag fest – und redet unsympathischen Stuss. Die nächsten 200 Seiten, Band 2, sind wirr: Passanten beißen sich gegenseitig, Zombies überrennen Tokio, alles bricht zusammen. Noch in Band 3 war mir nicht klar, ob ich einen Zombie-Thriller lese, über eine Zombie-Komödie und -Parodie lachen soll oder nur die Fehler einer verpeilten, passiven, selbstmitleidigen Hauptfigur zählen: eine Art „Girls“ oder „Louie“, ein Woody-Allen-Film… mit Zombies?

„I am a Hero“ ist langsam. Oft hässlich, unsympathisch, grotesk. Alle Figuren sind überfordert und distanziert. Nichts gelingt. Man schwimmt bis zu 800 Seiten am Stück mit neurotischen, fremden Menschen in stillen, bedrohlichen, verwirrenden Szenen – in denen jederzeit alles eskalieren kann.

Fotorealistisch gezeichnet. An vielen Stellen zum Schreien spannend. Ein toller Blick auf Alltagskultur, Moral, Ethos, Sexismus, Twenty- und Thirtysomething-Defekte, Versagensängste in Japan. Ein Freund las die ersten Bände und sagte: „Ich sehe da nichts als Trash.“

Ich sehe: eine unerträgliche Figur in einer unerträglichen Geschichte – die mich begeistert, überfordert, angeekelt und beglückt hat wie keine andere Erzählung seit Jahren. Vergleichbar vielleicht mit „Geister“ von Lars von Trier. Aber eben: schleppend, langsam, viel richtungsloser.

Ich bin in Band 16. Ein Ende/Finale ist langsam absehbar (noch zwei, drei Jahre?).

Falls es auf diesem Niveau endet, ist es ein Meisterwerk.

Update, 2017: Es endet leider recht abrupt und antiklimatisch: Ich empfehle, nur bis einschließlich Band 19 zu lesen, und dann abzuwarten. Vielleicht wird die Reihe irgendwann fortgesetzt?

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2: „Bakuman“ von Tsugumi Ohba (Text) und Takeshi Obata (Zeichnungen)

Bakuman

„Er hat Talent, ist fleißig und will es schaffen: Mittelschüler Moritaka will Shonen-Mangas zeichnen.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Ein Schuljungen-Manga über Schuljungen, die alles tun, um einen erfolgreichen Manga fürs Schuljungen-Publikum zu schreiben. Beginnt durchwachsen/überfrachtet, wird aber ab ca. Band 3 dicht, warm, sympathisch, lehrreich und spannend.
  • Man lernt viel über die Arbeitsbedingungen von Genre-Autor*innen, die Arbeit in Verlagen, den Alltag als Künstler. Mashiro zeichnet, Schulfreund Akito schreibt… und ihre Freundschaft/Arbeitsdynamik wird intelligent und liebevoll beleuchtet.
  • Seitenlang geht es – ausführlich, aber immer plausibel und überraschend nuanciert – um Konzeptentwicklung und Zielgruppen, Erwartungen, Handwerk, Serien-Dramaturgie.
  • nicht überzeugend: die passiven, viel zu verunsicherten Frauenfiguren.

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1: „Yotsuba&!“ von Kiyohiko Azuma

Yotsuba

„Die Familie Ayase lebt in einer kleinen und ruhigen Vorstadtgegend. Bis Yotsuba mit ihrem allein erziehenden Vater ins Nachbarhaus zieht. Das Mädchen mit den grünen Haaren bringt die drei Ayase-Töchter mit seiner unschuldig-chaotischen und neugierigen Art in peinliche, komische und verwirrende Situationen. Und ist so liebenswert, dass ihr niemand lange böse sein kann…“ [Klappentext, gekürzt]

  • toll für Kinder, toll für Eltern, toll selbst für Menschen, die nie einen Manga lasen:
  • für Fans von „Calvin & Hobbes“, vielleicht auch Astrid Lindgren.
  • Band 1 wirkt etwas steif, banal… doch sehr schnell überzeugen mich die harmlosen, warmherzigen, charmanten Alltags-Episoden über ein energisches fünfjähriges Mädchen, ihre konventionelleren Nachbarn und ihren Vater, einen entspannten Übersetzer.
  • Die bisher 12/13 Bände sind auch einzeln/kapitelweise gut lesbar und verständlich – und empfehlen sich auch als Kinder-Gutenachtgeschichte oder Lesebuch für ca. Zweitklässler. Menschlich, klug beobachtet, kitsch-frei.

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angelesen, gutes Gefühl (kein Ranking):

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16: „Nausicäa aus dem Tal der Winde“ von Hayao Miyazaki

nausicaa

„Set in the far future, the Earth is radically changed by ecological disaster. Strange human kingdoms survive at the edge of the Sea of Corruption, a poisonous fungal forest. Nausicaa, a gentle young princess, has a telepathic bond with the giant mutated insects of this dystopia. Her task is to negotiate peace between kingdoms battling over the last of the world’s natural resources.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ich liebe den Film von 1984
  • …weil er eine simple Geschichte erzählt, in einer wunderbar komplexen Welt.
  • Diese – toll designte, klug konstruierte – Welt noch einmal ausführlich kennen lernen und verstehen, im Manga? Unbedingt, ja!

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17: „Inside Mari“ von Shuzo Oshimi

Inside Mari

„Isao Komori is a recluse shut-in. He is in love with a young schoolgirl he sees when he goes to the convenience store to buy food. One day, he suddenly finds himself in the body of Mari Yoshizaki, the very girl he is so fond of stalking. The story deconstructs body swap stories by showing that an actual body swap would probably be utterly terrifying to the victims.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Körpertausch – in psychologisch, kafkaesk… und feministisch?
  • Die Anspannung und Angst der Figuren ist schon auf wenigen Seiten SO greifbar: Ich freue mich auf ein Stück japanischen Alltag. Und viele existenzielle, groteske „Outer Limits“-Momente.
  • Update, 2017: komplett gelesen. Warmherzig, gesellschaftskritisch, solide erzählt.

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18: „FLCL“ von Hajime Ueda

flcl

„Naota is a lonely boy in a lonely town living a quiet life amidst utter chaos. His brother left to play baseball in America, and now the brother’s ex-girlfriend won’t leave Naota alone. Then, from beyond the stars drops an impish defender sent forth to stop alien robots from destroying the Earth.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Der Plot klingt zweitklassig. Die Hauptfigur lässt mich kalt…
  • …doch ich liebe „Neon Genesis Evangelion“ und hoffe, „FLCL“ ist ähnlich experimentell, mitreißend, überraschend, hässlich, gefühlvoll.
  • falls nicht: auch „Serial Experiments Lain“ (1998, Serie) macht mir Hoffnungen.

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19: „Ghost in the Shell“ von Masamune Shirow

ghost in the shell

„Major Kusanagi is charged to track down the craftiest and most dangerous terrorists and cybercriminals, including ghost hackers.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • 1999, kurz nach „Matrix“, langweilte mich die Film-Version
  • …und hier, beim Blättern, irritieren mich die Ballonbrüste und der viele Slapstick.
  • Rüstungen, Waffen, Maschinen und Gebäude aber sind so liebevoll gestaltet, und die Erzählwelt wirkt so politisch… ich verpasse etwas, falls ich das nicht endlich lese.

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20: „Biomega“ von Tsutomu Nihei

biomega

„Zouichi and Fuyu, an Artificial Intelligence integrated into his motorcycle, are looking for humans immune to N5S infection, a disease that turns humans into undead disfigured „Drones“. Zouichi wants to find Yion Green, an immortal 17-year-old girl. But then, Yion is kidnapped.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Auch hier klingt die Geschichte abgedroschen…
  • …doch die Cyberpunk/’Mad Max‘-Welt ist toll gezeichnet…
  • …und statt Krawall zählen oft kleinere Szenen, zwischenmenschliche Momente.

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21: „Desert Punk“ von Masatoshi Usune

Desert Punk

„After a nuclear holocaust, Japan, like many other countries, has been reduced to a desert. Seventeen-year-old Kanta Mizuno, nicknamed Desert Punk, works as a mercenary for the Handyman Guild between his occasional obsession with big boobs and sex, and, later, his training of an apprentice named Kosuna. Despite his flaws, he is highly professional, accomplishing his task no matter the cost.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • eine gute Balance zwischen Humor, Survival, Action und Psychologie:
  • glaubwürdige Figuren, sehr atmosphärische Endzeit-Welt
  • …könnte auch auf Tatooine spielen.

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22: „A Girl by the Sea“ / „Mädchen am Strand“ von Inio Asano

Girl by the Sea

„Koume lebt in einer kleinen Stadt am Meer. Ihr introvertierter Freund Keisuke ist in Koume verliebt. Ihre Körper finden zueinander, noch bevor es die Gefühle tun. Je mehr Zeit sie heimlich miteinander verbringen, desto größer wird der Abstand zwischen ihnen.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Wie immer bei Asano: puppenhafte, hässliche Figuren…
  • …in hyperdetaillierten, großartigen Sets und Szenenbildern.
  • Ein kurzer Manga, griffiger als „Punpun“ – aber vielleicht zu süßlich?

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23: „Beck“, Sakuishi Harold

beck

„Shy 14-year-old Yukio Tanaka’s life is changed forever when he meets rocker Ryusuke Minami – an unpredictable 16-year-old with a cool dog named Beck.“[US-Klappentext]

  • Gemächlicher und etwas schicht gestrickter Jungs-Manga über eine Newcomer-Band.
  • Viel Raum für schräge Nebenfiguren und Humor. Wirkt flach, aber sympathisch.

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24: „Umimachi Diary“ von Akimi Yoshida

umimachi diary

„Three sisters live in Kamakura. A letter tells them that their father has died – a father they hadn’t seen since he divorced and left home 15 years ago. Despite feeling indifferent about him, Yoshino, the middle of the three, and Chika, the youngest, go to Yamagata to attend his funeral on oldest sister Sachi’s request. There, they meet Suzu, their young and reliable half sister.“

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25: „Kakukaku Shikajika“ von Akiko Higashamura

kakukaku

„Akiko is in her third year of high school. Through her friend Futami, she starts going to an art class led by Kenzou Hidaka, an intimidating teacher who spends much of his time yelling at his students and keeping them focused on drawing. Akiko is initially confused by the behavior of the teacher and her fellow students in the class, but she keeps going regardless, eventually becoming the manga author she is today.“ [Mangafox-Text, gekürzt]

  • autobiografischer Manga der „Princess Jellyfish“-Autorin: Kunst, Provinz, eine Schülerin und ihr schwieriger Mentor.
  • Ich bin – wie schon bei „Princess Jellyfish“ – unsicher, ob die Balance zwischen Humor und Gefühl stimmt: Die Figuren wirken eher albern, die stilleren Momente zu sentimental. Trotzdem: Neugier.
  • Update, 2017: komplett gelesen. Der erste Band startet recht holprig… doch ich werde diese Figuren NIE vergessen. Eine wunderbare, differenzierte Künstlerinnen-Autobiografie.

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26: „Mermaid Saga“ von Rumiko Takahashi

mermaid saga

„Eating the flesh of a mermaid can give one eternal life. Yuuta, a poor fisherman, didn’t believe the tales. But 500 years later, he is physically no older. He has grown weary of his lonely existence, and seeks the one creature that might be able to restore his mortality — a mermaid. In the first of the linked stories, he meets a new immortal (the first he’s met in his life) — a beautiful 15-year-old named Mana. The two travel together, in search of a cure that may not even exist. The other tales are divided among Yuuta’s reminiscences of his past adventures over the centuries, and their new adventures in their quest for mermaids. Created by Rumiko Takahashi, famous for Ranma ½ and InuYasha, but far darker in tone: the terrible things that happen when humans try and seek immortality.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • „Ranma“ war mir zu kindisch, „InuYasha“ zu pathetisch-folkloristisch; auch Takahashis 80er-Jahre-Frisuren stoßen mich ab. Vielleicht ist „Mermaid Saga“ Märchen- und „Highlander“-Kitsch. Doch die düstere Grundfrage und die Hauptfiguren sind mir erstmal sympathisch.

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27: „Bambino! Secondo“ von Tetsuji Sekiya

bambino secondo

„Shogo Ban is a college student who works as a part-time chef in a small Italian restaurant in his hometown. When his boss sends him to try working in Trattoria Baccanale, a top-class restaurant in Tokyo, Ban is determined to survive the harsh work environment. Bambino! is a 14 volume Seinen cooking manga written and focuses heavily on slice of life drama. It was completed in 2009 and has produced a sequel called Bambino! Secondo – which takes place after the opening of Trattoria Legare (Baccanale’s second store).“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Volume 1, „Bambino“, legte ich weg…
  • …doch in Volume 2, „Bambino Secondo“, sind die Figuren erwachsener und die Zeichnungen besser: ein Koch- und Unternehmer-Manga, der eine kreative Hauptfigur vor interessante Probleme, Herausforderungen stellt.
  • Update, 2017: Ich las die ersten vier Bände, und hatte Spaß. Die Figuren sind übertrieben angespannt und garstig. Aber das Milieu wird sehr detail- und abwechslungsreich erklärt.

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28: „Bartender“ von Araki Joh

bartender

„Ryu Sasakura works at Eden Hall, a small cocktail bar in the Chiba area of Tokyo. He helps troubled customers resolve their often highly emotional problems. If you ever wanted to know the history of drinks, or the chemistry of making an excellent drink-this is a must read.“ [Klappentext, gekürzt]

  • simple Zeichungen, sympathische Figuren, gut recherchiert:
  • ein junger Barkeeper hilft Gästen, neue Hoffnung zu schöpfen.

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29: „Shigurui“ von Takayuki Yamaguchi

shigurui

„Two samurai who once belonged are determined to kill each other. The series contains very little dialogue. Thanks to the stunning artwork, it seems all the more brutal.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Die Figuren wirken oft wie geschnitzt: bizarre Marionetten oder Holzwesen. Alles ist toll gezeichnet, aber operettenhaft, barock – und dadurch unfreiwillig komisch.
  • Mich freut, dass ich mich hier auf einen ganz anderen Stil, fremdes Charakterdesign einlassen muss. Aber dreimal pro Seite denke ich „Künstler? Ist DAS dein Ernst?!“
  • Update, 2017: Ich las Band 1, doch mir ist es zu… eindimensional und fast pornografisch, in seiner Fixierung auf Muskeln, Körper, Blut, Gewalt. Keine Erzählwelt, in der ich länger bleiben will.

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30: „Blade of the Immortal“ von Hiroaki Samura

Blade of the Immortal

„Manji, a ronin warrior of feudal Japan, has been cursed with immortality. To rid himself of this curse and end his life of misery, he must slay one thousand evil men! His quest begins when a young girl seeks his help in taking revenge on her parents‘ killers.“

  • skizzenhaft, minimalistisch, hastige Striche:
  • ein dynamischer, aber etwas simpler Historien-Fantasy-Manga. Ich habe Angst, dass das Genre ähnlich verstaubt und altmännerhaft ist wie bei uns der Western.

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31: „Vagabond“ von Takehiko Inoue

vagabond

„Shinmen Takezo is destined to become the legendary sword-saint, Miyamoto Musashi–perhaps the most renowned samurai of all time. For now, Takezo is a cold-hearted killer. The journey of a wild young brute who strives to reach enlightenment by way of the sword.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • noch skizzenhafter, noch schroffer als „Blade of the Immortal“:
  • Ein Samurai-Klassiker mit viel Dreck, Hunger, Armut, Bauern.
  • prosaisch erzählt, vielleicht zu nüchtern

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32: „Berserk“ von Kentaro Miura

Kentaro Miura, Berserk

Guts is the Black Swordsman, a feared warrior and bearer of a gigantic sword. His flesh is marked with The Brand, an unholy symbol that draws the forces of darkness to him and dooms him as their sacrifice. But Guts won’t take his fate lying down. Accompanied by Puck the Elf, more an annoyance than a companion, Guts follows a dark path.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Der Plot klingt unglaublich abgeschmackt, die menschlichen Figuren machen mich wütend: engelsgleiche, pausbäckige Kitsch-Kinder, bierbäuchige Könige, schrankgroße Ritter. Klischees, Klischees.
  • Aber: Die Gebäude, Schlachten, Kathedralen, Monster, Landschaften sind SO originell, detailverliebt entworfen und SO wirkungsvoll inszeniert… auf jeder dritten Seite bin ich hingerissen (vor allem in späteren Bänden).
  • Wird diese Geschichte nur halb so kunstvoll erzählt wie gezeichnet: ein Muss.

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33: „Scary Lessons“ von Emi Ishakawa

Scary Lessons

Schulmädchen machen Fehler – und müssen dafür bezahlen: „Scary Lessons“ ist eine Kurzgeschichten-Reihe für ca. Zwölfjährige, in der Alltagsprobleme plötzlich ins Surreale kippen. Horror-Episoden, jugendfrei und etwas pädagogisch, überraschend packend, charmant und altersgerecht – auch in Deutschland erfolgreich. [Text von mir]

  • mich freut an der Reihe besonders, dass sie im harmlosen, konventionellen Shojo-Mädchenmanga-Stil gezeichnet ist: ein vermeintlicher Allerweltscomic – bei dem auf jeder Seite fast ALLES eskalieren kann. Oft etwas albern. Aber zu empfehlen für jeden, der dunkle Märchen mag… und noch zu jung ist für Stephen King.

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34: „Welcome to the N.H.K.“ von Tatsuhiko Takimoto

welcome to the NHK

„Twenty-two-year-old Satou, a college dropout, has stumbled upon an incredible conspiracy created by the Japanese Broadcasting Company, N.H.K. But despite fighting the good fight, Satou has become an unemployed hikikomori—a shut-in who has withdrawn from the world. One day, he meets Misaki, a mysterious young girl who invites him to join her special “project.” Slowly, Satou comes out of his reclusive shell, and his hilarious journey begins, filled with mistaken identity, Lolita complexes—and an ultimate quest to create the greatest hentai game ever!“ [Klappentext, gekürzt.]

  • unsympathisch simple Zeichnungen…
  • …doch sympathisch komplizierte, widerborstige Figuren:
  • Eine Geschichte über jugendliche Verlierer, die glauben, einer Verschwörung auf der Spur zu sein. Ich hoffe, die Frauenfiguren sind genauso komplex wie die (sexistischen) Jungs.

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35: „Team Medical Dragon“ von Taro Nogizaka

team medical dragon

„Asada Ryutaro is a genius surgeon who’s methods have made him a bit of a renegade in the eyes of Japanese doctors. The manga exposes the „illness“ of Japanese hospitals and how their system is not designed to care for the patient.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • dialoglastige und etwas steife, aber überraschend erwachsene Chirurgen-Soap:
  • Das wirkt gut recherchiert, die Figuren glaubwürdig und mit viel Respekt beleuchtet…
  • …nur zeichnerisch sieht alles viel zu gleich aus, über Hunderte Seiten hinweg.

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36: „Ice Blade“, Tsutomu Takahashi

ice blade

„Icy cool homicide cop Ky against the Kunashi Island Smuggling Operation: A modern-day James Bond, Ky constantly encounters mystery and adventure. Each story contains a murder, a mystery and suspicious characters. In this first story, Ky and his partner Mack work against a deadline to prevent the detonation of a nuclear device.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • trashige, aber elegant stilisierte 90er-Jahre-Thriller-Episoden:
  • Ernst nehmen kann (…und soll) ich das nicht. Markig, over-the-top, prollig-schick. Japans Manga-Äquivalent der Til-Schweiger-„Tatorte“?

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37: „Cyborg 009“ von Shotaro Ishinomori

cyborg 009

„The Black Ghost organization kidnapped nine ordinary humans and performed experiments on them, turning them into superpowered cyborgs. After they escaped, they were given codenames (001-009) and now fight the Black Ghost organization. […] Through 2012 to 2014, a finale titled „Conclusion: God’s War“ was published, adapted from Ishinomori’s drafts of a final arc. It was written by his son, Jo Onodera, and illustrated by Masato Hayase and Sugar Sato, who were assistants of Ishinomori. This officially ended the Cyborg 009 manga.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt.]

  • simpler, aber liebenswerter Manga (1964 bis 86)…
  • …an dem mich vor allem diese letzten Bände/Kapitel von 2012 bis 14 interessieren.

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38: „Golgo 13“ von Takao Sato

golgo 13

„Golgo 13, the world’s greatest assassin for hire, never fails a job.“

  • nihilistischer, überraschend trash-freier Auftragsmörder- und Agenten-Thriller ab 1969…
  • …mit viel Politik und Zeitgeist: besonders die aktuelleren Bände machen mir Lust.

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39: „Sanctuary“ von Sho Fumimura

Sanctuary

„A political and Yakuza drama/thriller for grown-ups, originally published from 1990 to 1995. Akira Hojo is a charming and ruthless thirty-something leader of a small Yakuza society. Chiaki Asami is the trusted advisor of a member of the Japanese Diet who takes advantage of opportunity to steal his superior’s seat and use it to launch a campaign to reform Japanese politics. Little do most know that Asami’s opportunity was arranged by Hojo.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Will super-seriös, tiefgründig, politisch und erwachsen wirken…
  • …doch bringt mich eher zum Augenrollen/Lachen. Gangster- und Politiker-Klischees, unterhaltsam, aber sehr selbstverliebt.

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40: „Tokyo Tribes“ von Santa Inoue

Tokyo Tribe

„A bitter rivalry between two of Tokyo’s gangs explodes into all-out warfare. A hard-hitting tale of Tokyo street thugs battling it out in the concrete sprawl of Japan’s capital.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • 1993 war ich 10, und las Videospiel-Magazine:
  • Ich bin begeistert/gerührt, diese (etwas kindliche, idealistisch-futuristische) Atmosphäre in einem Manga über traurige junge Kleingangster und Hiphopper zu finden.
  • Fantasievoll, schlicht, urban: eine Jungs-Geschichte, deren Optik mich überrascht und fesselt.

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41: „Planetes“, Makoto Yukimura

Planetes

„Haunted by a space flight accident that claimed his wife, Yuri finds a job cleaning space debris from Earth’s orbit. Planetes follows the lives of Yuri and his fellow debris-men as they work and ruminate at the edge of the great empyrean sea.“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ich las Band 1 und mochte in den ersten Kapiteln die charmanten Figuren, den leichten Tonfall und die „Gravity“-Atmosphäre: Astronauten-Alltag mit viel Sense of Wonder und Auge für Details.
  • Trotzdem wirkt die Erzählwelt auf mich zu simpel und vage (z.B. die Besiedlung des Mondes und die Terrorzellen dort): Auch „Vinland Saga“, der Wikinger-Manga vom selben Autor, hat große Fans. Doch beide Reihen wirken auf mich, als wären sie für Zwölfjährige erdacht, nicht für Erwachsene:
  • In den entscheidenden Momenten zu seicht, harmlos, glatt?

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42: „Dawn of the Arcana“ von Rei Toma

dawn of the arcana

„A medieval fantasy. A princess with a mysterious power. Princess Nakaba of Senan is forced to marry Prince Caesar of the enemy country Belquat. With only her attendant Loki at her side, Nakaba must find a way to cope with her hostile surroundings, her fake marriage…and a mysterious power!“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ein Mädchen-Manga, recht lieblos gezeichnet…
  • …aber mit einer interessanten Hauptfigur in einer komplexen Lage:
  • Vielleicht eine Empfehlung für Leser*innen der (durchwachsenen) „Selection“-Romane. Diplomatie, Selbstbehauptung, Überlebenskampf in bodenlangen Kleidern.

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43: „UQ Holder“ von Ken Akamatsu

UQ Holder

„Negi Springfield, the boy wizard of the hit manga Negima!, won many battles. Now [in 2080], Negi’s grandson, a little boy name Touta, dreams of leaving his quiet village and heading to the City. But first he must defeat his teacher: the immortal vampire Evangeline!“ [US-Klappentext, gekürzt]

  • Ein Shonen-Fantasy-Mainstream-Manga mit Magie und vielen Kämpfen, aber sehr soliden Figuren, viel World Building und Liebe zum Detail:
  • Sobald ich Lust habe, mich mal wieder länger in einer komplizierten Fantasy-Welt für Kinder zu verlieren, ist das hier meine erste Wahl. Autor Ken Akamatsu ist 2016 auch Ehrengast der Leipziger Manga-Comic-Convention.
  • [Fragt sich noch: Kann ich das lesen/verstehen, ohne, vorher „Negima!“ zu kennen?]

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44: „Onepunch-Man“ von Yusuke Murata

onepunch-man

„Saitama is an unemployed salaryman turned part-time superhero who is so powerful he can defeat any adversary in one hit. He’s not very pleased about this, since it means he has no more challenges left in his life. But despite this, Saitama continues to follow his (now utterly mundane) dream, encountering Mutants, Cyborgs, Ninjas, Humanoid Aliens, Supernatural Martial Arts masters, Psychics, corrupt Super Teams, Kaiju, Sea Monsters and just about everything else you can imagine along the way.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Originell, albern, fantasievoll: der größte Erfolg der letzten Jahre…
  • die Anime-Serie noch deutlich mehr als Webcomic und Manga.
  • Ich mag die Grund-Idee, aber bin auf lange Sicht skeptisch: „Dragonball“ begann als sympathisch respektlose Parodie… und wurde schnell zu einer faden endlos-Prügelei. Auch bei „One Punch Man“ sehe ich in späteren Kapitel nur noch Muskel-Mutanten, die Städte verdampfen lassen und Beleidigungen brüllen. Hat das Geist und Herz? Ich bin nicht sicher.

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45: „Mokke“ von Takatoshi Kumakura

mokke

„High-school student Shizuru can see ghosts, her little sister Mizuki can be haunted by them. They were placed with their grandparents in the countryside of Japan, since their grandfather knows all about the spiritual beings. The spirits that the two girls encounter are generally based on Japanese folk tales and usually not malignant, although often very obnoxious and persistent.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Kinder- und Alltags-Episoden im „Totoro“-Stil: Coming of Age, aber etwas hölzern und verplappert. Ich weiß nicht, ob das genug Schwung aufnimmt… oder harmlos dahin dümpelt.

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46: „Song of the Long March“ von Xia Da [China]

Song of the Long March

Choukakou (also known as Chang Ge Xing, Chang Ge’s Journey or Song of the Long March) is an ongoing manhua series by Xia Da. It tells the story of Li Chang Ge, a young Chinese princess plotting revenge against the man who killed her family: Li Shimin, Emperor Taizong of Tang.“ [TV-Tropes-Text]

  • Toll gezeichnete, aber recht konventionell erzählte chinesische Historien-Action-Reihe. Bei chinesischen Titeln denke ich noch immer zuerst: „Schnell zu Wikipedia. Nachlesen, ob die historischen Bezüge stimmen. Propaganda? Geschichtsklitterung?“

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47: „Tsukikage Baby“ von Yuki Kodama

Tsukikage Baby

„A small provincial town wants to preserve a traditional performance art called Owara. Hotaruko, a transfer student from Tokyo, forms a bond with a local girl, Hikaru.“ [Klappentext, gekürzt]

  • Ich liebte Kodamas „Sakamichi no Apollon“
  • …doch das hier beginnt sehr steif und trocken: müdes Mädchen strauchelt durch Volkstänze, nervöser Junge starrt sie dabei an.

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48: „Princess Jellyfish“ von Akiko Higashimura

princess jellyfish

„Tsukimi, an extremely shy and self-deprecating 18 year old illustrator, has been fascinated by jellyfish. To her, they’re everything she isn’t – beautiful and graceful. Then, she meets a fashionable girl…“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Eine feministische, aber etwas schrille und dick aufgetragene Comedy über ein hässliches Entlein, das in der Modebranche für Aufsehen sorgt.
  • Ich liebte „Ugly Betty“, die US-Version von „Y soy Betty La Fea“/“Verliebt in Berlin“…
  • …aber am Jellyfish-Manga stößt mich der viele Gonk (die Grimassen) ab.

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49: „Innocent“ von Shinichi Sakamoto

innocent

„During the last days of the french monarchy, the Sanson family, appointed as the royal executioners by the king, are struggling with the reluctance of the eldest son, Charles-Henri Sanson, to succeed his father. Over time, the series also begins to focus on his sister, the cold, morbid and rebellious Marie Joseph as she struggles to navigate the patriarchal society of the time to become an executioner herself, and her eventual entanglement with Marie Antoinette.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • Stilisiert, morbide, oft im Stil von Modezeichnungen und (Emo-)Album-Covern:
  • Auf den ersten Blick erscheint „Innocent“ toll eigenwillig… doch schnell denke ich: „DAS ist das Maximum an Eigenwilligkeit? Brustwarzen, schwarze Kerzen, gepuderte Perücken, ‚Interview mit einem Vampir‘-Kitsch?“

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50: „Monster“ von Naoki Urasawa

monster urasawa

„In 1986, Japanese neurosurgeon Kenzo Tenma was living in Germany. But one day, the guilt of primarily attending to the wealthy patients and leaving poorer people in need of his skills drives him to first operate on a child who was hurt in the murder of his adoptive parents rather than the mayor of Dusseldorf. As a result, the child lives, the mayor dies in the hands of less talented surgeons, and Tenma is demoted by his superiors and dumped by his fiancee. Suddenly, the hospital directors that demoted Tenma die in very mysterious circumstances. The killer is the same boy he operated on nine years ago, now a young adult.“ [TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • extrem einfluss- und erfolgreicher Krimi-/Thriller-Manga, der mir immer ein Stück zu grau, leblos, möchtegern-tiefgründig erschien…
  • …doch Urasawas „Billy Bat“ ist SO gut, dass auch das melancholische „Monster“ noch einen Blick verdient.

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…und sieben ganz neue Reihen:

„Oldman“ von Chang Sheng [Taiwan]

Oldman

„A trickster oldman, a female warrior with an artificial limb, a mad scientist and a girl who is amazing at archery fight an evil queen and her kingdom.“ [Fan-Text von hier, gekürzt]

  • Ich mag das naturalistische Setting: kein Fantasy-Königreich, sondern grauer Alltag an einem recht glanzlosen, beklemmenden Königshof.

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„Usemo No Yado“ von Hozumi

usemo no yado

„There is an inn that you can visit where you’ll find old things you thought were lost forever.“

  • Kurzgeschichten im Stil von „Fantasy Island“: wechselnde Figuren finden Glück, Mut, Hoffnung in der Land-Idylle.

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„Legend of Galactic Heroes“ von Fujisaki Ryuu

Legend of the galactic Heroes

„A 110-episode Space Opera originally released to home video plus a huge series of novels written by Yoshiki Tanaka that spawned the franchise: In the 36th century, humanity has split into two superpowers engaged in a decades-long war. Young noble Reinhard von Müsel fights for the Galactic Empire, whose government is based on 19th century Prussia. Yang Wen-li, an easygoing historian, fights for the opposing Free Planets Alliance: a government which resembles a crumbling, bloated 20th century democracy. In 2015 a new manga adaptation of the novels started in Weekly Young Jump[TV-Tropes-Text, gekürzt]

  • liebevolles Setting, liebevolles Figurendesign und eine riesige Erzählwelt: vieles wirkt bekannt oder abgedroschen – aber handwerklich ist dieser Reboot auf hohem Niveau.

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„Ayeshah’s Secret“ von Zhang Jin (Taiwan)

Ayeshahs Secret

„A young girl whose mother died giving birth to her. A wicked stepmother and three brothers with whom she shares no blood ties. Secrets woven with betrayal, terror, deceit, love, death and vengeance…“

  • trashige, vielleicht auch misogyne Vampir- und Gequälte-Jungfrauen-Geschichte – interessant inszeniert: Wird hier mit Models gearbeitet? Oder nur mit CGI-Sets und -Figuren? Ich kenne nichts Vergleichbares, optisch.

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„Akagi Familia“ von Tatsuya Nakanishi

Akagi Familia

„Set in a town ruled by the Oscar Family mafia, a girl named Lisa arrives looking for a man named Akagi Yuuichirou. It turns out Akagi is a local laundryman who is horrible at his job.“

  • „Leon, der Profi“ trifft „One Piece“?
  • Ein Waisenmädchen und ein etwas trotteliger Wäscher in einer 30er-Jahre-Metropole:
  • Akagi ist ein Auftragskiller im Ruhestand, und Lisa will sich von ihm ausbilden lassen.
  • Standard-Shonen-Action-Märchen, recht sentimental – aber ich mag, dass die Hauptfigur ein Mädchen ist, kein Junge.

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„Gunjou ni Siren“ von Mikan Momokuri

gounji no siren

„Two cousins, both left-handed and passionate about becoming their school’s best pitcher.“

  • Baseball-Drama, das mehr Zeit im Kopf der angespannten Hauptfigur verbringt als auf dem Platz: Ich lese kaum Sport-Manga… aber hoffe hier auf interessante Freund- und Feindschaften.
  • [eine andere Sport-Manga-Empfehlung: das Kletter-Drama „Gaku“)

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„Good Night World“ Okabe Uru

good night world

„A broken family, trying to save a virtual family in an online game.“

  • ein Steampunk-Fantasy-Welt als Virtual-Reality-Spiel…
  • …und eine Familie in Trauer, die als Heldenfiguren im Spiel viel besser zurecht kommt als in der Realität: ein doppelbödiger Action-Manga mit vielen Kämpfen, aber Raum für Gefühl.

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Serien:

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Filme:

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deutsche Mangaka:

Ich mag den satirischen Kurz-Manga „Generation Praktikum“ von Kristina Gehrmann, http://sumikai.com/online-manga/generation-praktikum-kristina-gehrmann-119642/3/

…und bin neugierig auf „Das Liberi-Projekt“ der deutschen Zeichnerin Tamasaburo.

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in Korea: Manhua-Empfehlungen, Nickstember.com

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Mangas Deutschlandradio Kultur

Die besten Jugendbücher 2016: Entdeckungen / Vorauswahl zur Leipziger Buchmesse

Jugendbücher 2016, Stefan Mesch (2)

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Einmal pro Monat stelle ich ca. 20 unbekannte oder neue Bücher vor.

heute: aktuelle Jugendbücher und Young-Adult-Literatur, neu auf Deutsch.

Neue Titel oder Neuausgaben, erschienen zwischen Frühling 2016 und Frühling 2017…

…angelesen, gemocht und vorgemerkt.

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jugendbücher 2016 - Stefan Mesch

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Ich schreibe einen Roman über Sechzehnjährige. Ich lese seit ca. 2009 Young-Adult-Literatur, empfehle Titel bei ZEIT Online und veröffentliche immer wieder auch längere Texte über z.B.“Mockingjay” (Link) oder neue Dystopien (Link). Meine Lieblings-Jugendbuchautorin ist A.S. King (Link).

10 große Favoriten / Empfehlungen:

The Member of the Wedding   To Kill a Mockingbird  Quien ama a Gilbert Grape  The Only Alien on the Planet  Vielleicht Lieber Morgen

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The Usual Rules  The Hunger Games (The Hunger Games, #1)  Please Ignore Vera Dietz  Two Boys Kissing  Imperfect Spiral

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“Willkommen im Leben” gehört zu meinen Lieblingsserien. “One Tree Hill” ist ein Guilty Pleasure.

2014 habe ich bei Beltz & Gelberg veröffentlicht, in “Das ist genau mein Ding!”.

Jetzt: 20 aktuelle Bücher, in meiner “bald lesen!”-Vorauswahl: Leseprobe gelesen – aber noch nicht gekauft.

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01: Tanya Lieske, „Sommernachtstraum“

  • leichte, aber sprachlich recht komplexe Verwechslungskomödie
  • 336 Seiten, Fischer KJB, Februar 2016
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Shakespeares ›Sommernachtstraum‹ als Schultheaterprojekt! Ben und seine Schüler stürzen sich in die Proben. Hermia liebt Lysander, Helena will Demetrius, Oberon straft Titania, und die Feenkönigin liebt plötzlich einen Esel. Während den Proben geraten auch die Liebesgeschicke der Theatergruppe durcheinander: Struppi liebt Mireille, Mary Jane will Ben, Bens Freundin trifft sich heimlich mit Mireilles Vater.“ [Klappentext, gekürzt]

Sommernachtstraum

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02: Kenneth Oppel, „Das Nest“

  • Kinder-Fantasy im Stil von Neil Gaimans „Coraline“.
  • Illustrator John Klassen hat viele Fans – aber langweilt mich meist.
  • 217 Seiten, Dressler (Oetinger), Januar 2016
  • deutsch von Jessika Kornina-Scholz, illustriert von John Klassen. Goodreads: 3.82 von 5

„Steve durchlebt eine schwere Zeit: sein neugeborener Bruder kämpft um sein Leben. Als sich eines Nachts die Wespenkönigin in Steves Träume einschleicht und ihm anbietet, das Baby zu ‚reparieren‘, scheinen seine Wünsche erhört zu werden. Doch die Dinge nehmen eine finstere Wendung, als Steve erkennt, was wirklich mit dem Kleinen geschehen soll.“ [Klappentext, gekürzt]

The Nest

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03: Jason Reynolds, „Coole Nummer“

  • New-York-Roman, mitreißend, psychologisch, sympathisch.
  • 260 Seiten, Reihe Hanser bei dtv, August 2015
  • deutsch von Klaus Fritz, Goodreads: 3.95 von 5

„Brooklyn: Ali hat sich fast sechzehn Jahre lang von allem Ärger fern gehalten. Dann ergibt sich die Gelegenheit, mit den großen Jungs zu spielen.“ [Klappentext, gekürzt]

When I Was the Greatest

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04: Susin Nielsen, „Die hohe Kunst, unterm Radar zu bleiben“

  • gewollt schrulliges Jugendbuch – vielleicht zu drollig…
  • …aber auf den ersten Seiten scheint mit der exzentrische Ich-Erzähler plausibel und sympathisch!
  • 256 Seiten, cbt, Februar 2016
  • deutsch von Claudia Max, Goodreads: 4.18 von 5

„Henry ist 13. Seine Devise: bloß nicht auffallen. Denn wehe, es kommt raus, was sein Bruder getan hat. Weil Henry, seit ES passiert ist, nur noch Robotersprache spricht, hockt er viel beim Seelendoc. Als er Alberta trifft, die zwar auch nicht normal, aber ziemlich toll ist, fragt er sich, ob da mehr daraus werden könnte. Und ob das bedeutet, dass es für ihn tatsächlich ein Leben DANACH gibt.“ [Klappentext, gekürzt]

The Reluctant Journal of Henry K. Larsen

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05: Karin Bruder, „Panama“

  • ruhiger, vielleicht auch klassisch-literarischer als viele aktuelle Young-Adult-Novels.
  • 337 Seiten, Reihe Hanser bei dtv, Oktober 2015
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Ihr Großvater schickt Liana nach dem Abitur nach Panama City. Sie soll den Sohn ihres verstorbenen Bruders abholen, der seit Jahren als verschollen galt. Doch vor Ort ist alles komplizierter als gedacht. Als sie Ruud kennenlernt, hat sie es nicht mehr eilig, in ihr altes Leben zurückzukehren.“ [Klappentext, gekürzt]

Panama: Roman (Reihe Hanser)

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06: Karin Kaci, „Homevideo“

  • Typische Schullektüre. Ich mag Tempo, Härte und Geschwindigkeit: kurz und rasant.
  • 176 Seiten, Carlsen, Januar 2016
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Das Buch zum TV-Film »Homevideo« (Grimme-Preis 2012): Jakobs Kamera ist wie ein Tagebuch. Der 15-Jährige filmt, was ihn bewegt. Doch dann gerät ein selbstgedrehtes, intimes Video durch Zufall in die Hände von Mitschülern, die es ins Internet stellen. Jakob wird ausgelacht, angemacht, gemobbt. Seine Freundin Hannah zieht sich zurück. Lehrer und Eltern wissen kaum, wie sie mit der Sache umgehen sollen. Keiner kann helfen, keiner kann die Hassbotschaften stoppen. Es bleibt nur ein Ausweg…“ [Klappentext, gekürzt]

Homevideo

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07: Bonnie-Sue Hitchock, „Der Geruch von Häusern anderer Leute“

  • kitschige Prämisse – aber literarisch/stilistisch überzeugt mich die Autorin.
  • 320 Seiten, Königskinder (Carlsen), März 2016
  • deutsch von Sonja Finck, Goodreads: 4.19 von 5

„Unweit des nördlichen Polarkreises, wo der Alltag manchmal unerbittlich ist, kreuzen sich ihre Lebenswege immer wieder: Alyce weiß nicht, wie sie Fischen und Tanzen in Einklang bringen soll. Ruth hat ein Geheimnis, das sie nicht mehr lange verbergen kann. Dora will ihren Vater nie wieder sehen und wird von Dumplings Familie aufgenommen. Hank und seine Brüder hauen von zu Hause ab, doch einer von ihnen gerät in große Gefahr. Und trifft auf Alyce…“ [Klappentext, gekürzt]

The Smell of Other People's Houses

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08: Gudrun Pausewang, „Der einhändige Briefträger“

  • noch mit 90 schreibt Pausewang Jugendbücher: erwachsener Ton, gut recherchiert.
  • 192 Seiten, Ravensburger, April 2015
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„September 1944: Der Krieg ist längst Alltag. Außer Johann, 17, leben im ostböhmischen Wolfentann fast nur noch Frauen, Greise und Kinder. Johann arbeitet als Briefträger, seit er an der Front seine linke Hand verlor. Er ist beliebt, denn er bringt den Dorfbewohnern Nachrichten von den fernen Vätern, Söhnen, Brüdern und kennt ihre Schicksale und Geschichten. Doch seine Freundschaft zur verwirrten alten Försterswitwe wird Johann bei Kriegsende zum Verhängnis…“ [Klappentext, gekürzt]

Der einhändige Briefträger

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09: Klaus Kordon, „Krokodil im Nacken“

  • sehr beliebter Autor von Jugendbüchern über die deutsche Geschichte: Kordons autobiografischer Gefängnisroman wirkt auf mich dringlich, nah, persönlich. Nur der Umfang macht mir Angst: 800 Seiten Fliesen, Betonboden, Selbstmitleid?
  • 800 Seiten, Beltz und Gelberg, November 2015 [Neuauflage. Buch von 2002.]
  • Goodreads: 4.04 von 5

„Die Lebensgeschichte von Manfred Lenz, der nach einem missglückten Fluchtversuch aus der DDR ein Jahr in Stasi-Gefängnissen verbringt. Seine Frau Hannah ist ebenfalls inhaftiert, die Kinder Silke und Michael wurden im Heim untergebracht. In seiner Isolation lässt Manfred Lenz sein Leben Revue passieren: Die Kneipe am Prenzlauer Berg, in der er nach dem Krieg aufgewachsen ist, der Einmarsch der sowjetischen Truppen auf dem Potsdamer Platz, der Tod der Mutter, das Kinderheim, das Jugendwohnheim – und dann die nur ein paar hundert Meter entfernte Grenze nach Westberlin. Der große Roman erzählt mit bestechender Authentizität deutsch-deutsche Zeitgeschichte.“ [Klappentext, gekürzt]

Krokodil im Nacken

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10: Tromly, „Digby“

  • charmante Detektiv-Komödie, erster Band einer Reihe
  • 368 Seiten, Oetinger, Februar 2016
  • deutsch von Sylke Hachmeister, Goodreads: 3.92 von 5

„Beschossen. Inhaftiert. Gekidnappt. Ein ganz normaler Tag mit Digby. Das war Zoe schnell klar. Denn Digby will den Fall seiner kleinen Schwester, die vor acht Jahren entführt wurde, aufklären. Spannende Unterhaltung auf höchstem Niveau, mit einer Prise schrägem Humor und einem besonders lässigem Dedektiv.“ [Klappentext, gekürzt]

Digby (Digby, #1)

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11: Robert Clement, „70 Meilen zum Paradies“

  • Vielleicht wissen wir 2016 so viel über Schleuser, Lampedusa und die Flucht aus Nordafrika, dass das Buch langweilt? Aber: Stil, Ton, Figuren sprechen mich an.
  • Taschenbuch: 176 Seiten, Verlag Jungbrunnen, März 2015. Zuvor 2006 im Sessler Verlag.
  • Goodreads: 3.80 von 5

„Siad, ein junger Krankenpfleger aus Somalia, und seine Tochter Shara warten in Tunesien gemeinsam mit anderen Flüchtlingen aus Afrika, bis Schlepper sie nach Europa bringen. Ihr Ziel ist Lampedusa, das Tor zu einer Zukunft, von der sie sich Sicherheit und Wohlstand erhoffen. Mit 55 anderen Flüchtlingen drängen sie sich in einem kleinen, altersschwachen Kutter. Die Reise wird zum Albtraum. Im Flüchtlingslager müssen sie unter menschenunwürdigen Bedingungen warten, bis entschieden ist, ob sie einreisen dürfen oder zurückgeschickt werden. Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis, Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien.“ [Klappentext, gekürzt]

70 Meilen zum Paradies

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12: Elke Reichard, „Deutschland, gefühlte Heimat. Hier zuhause und trotzdem fremd“

  • Gestaltung wie aus den frühen 90ern, Klappentext wie aus den 70ern, wirkt wenig selbstbewusst oder empowernd. Aber: Das Buch versammelt interessante Protokolle/Portraits – und ist weniger muffig als sein Cover.
  • 176 Seiten, Reihe Hanser bei dtv, August 2015
  • Goodreads: noch kaum Wertungen

„Jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat inzwischen einen sogenannten Migrationshintergrund. Die Autorin ging auf die Reise durch das Einwanderungsland Deutschland.“ [Klappentext, gekürzt]

DEUTSCHLAND, GEFÜHLTE HEIMAT

ähnlich: „Neu in der Fremde. Von Menschen, die ihre Heimat verlassen.“ [März 2016, Beltz & Gelberg]

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13: Arne Svingen, „Die Ballade von der gebrochenen Nase“

  • Tragikomischer Zwischendurch-Roman für Elf-, Zwölf-, Dreizehnjährige. Mir sind solche Middle-Grade-Jungs-Bücher, besonders aus Skandinavien, am Ende oft zu süßlich oder simpel. Trotzdem: angelesen und gemocht.
  • 192 Seiten, Luebbe, Oktober 2015
  • deutsch von Gabriele Haefs, Goodreads: 3.96 von 5

„Bart geht Ärger am liebsten aus dem Weg. Seine Mutter schickt ihm zum Boxunterricht, dabei gehört seine Leidenschaft der Musik. Er liebt Opern und singt heimlich. Das darf in der Schule niemand erfahren. Doch Ada ist anders als seine Mitschüler und stellt auf den Kopf.“ [Klappentext, gekürzt]

La chanson du nez cassé

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14: Luca Bloom, „Ich, Elias“

  • Simples Konzept, aber souverän erzählt. Ein Jungs-Buch, das hoffentlich nicht in Selbstmord oder der großen Katastrophe endet.
  • 144 Seiten, Beltz & Gelberg, Juli 2015 [Neuauflage: Buch von 2009]
  • Goodreads: 3.44 von 5

»Erwachsene sagen, die Jugend sei die schönste Zeit im Leben. Sie haben wirklich keine Ahnung.« Elias, 15, mitten in der Pubertät, verliebt, entrückt und durcheinander: Die Welt steht still, wenn er Zoe sieht. Doch er macht einen entscheidenden Fehler.“ [Klappentext, gekürzt]
Ich, Elias

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15: Dave Cousins, „15 kopflose Tage“

  • Harte Themen, leichte Sprache: Ich bin gespannt, ob diese Gratwanderung knapp 300 Seiten lang glückt.
  • 288 Seiten, Verlag Freies Geistesleben, Februar 2015
  • deutsch von Anne Brauner, Goodreads: 3.86 von 5

„Laurence Roach wünscht sich ein normales Leben. Doch seine Mutter ist eine depressive Alkoholikerin. Als sie eines Abends nicht mehr nach Hause kommt, erzählt er niemandem davon – aus Angst, er und sein Bruder Jay müssten sonst in Pflegefamilien. Er zieht sich ihre Kleider an und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen.“ [Klappentext, gekürzt]

Fünfzehn kopflose Tage

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16: Kenneth Oppel, „Affenbruder“

  • Der Klappentext klingt vorhersehbar, Bücher über kleine weiße Jungs und ihre liebsten Tiere sind mir oft zu sentimental – aber 440 Seiten bieten Platz für Tiefgang, Psychologie.
  • 439 Seiten, Beltz & Gelberg, Juli 2015
  • deutsch von Gerold Anrich und Martina Instinsky-Anrich, Goodreads: 4.04 von 5

„Ein ungewöhnlicher Tierversuch, der ethische Grenzen überschreitet und eine Familie auf die Probe stellt. Zan ist ein Schimpansen-Baby und soll Zeichensprache lernen. Für Ben wird zum »richtigen« Bruder, den er über alles liebt und zu dem er eine enge Beziehung aufbaut. Als Zan die Erwartungen nicht erfüllt und von der Uni weiterverkauft wird, erlebt fragt Ben sich verzweifelt: Wie weit darf die Wissenschaft Zan für ihre Zwecke einsetzen?“ [Klappentext, gekürzt]

Affenbruder

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17: Andrew Smith, „Auf Umwegen“

  • Smith hat einen sehr, sehr guten Ruf und schreibt Bücher, die auch männliche Teenager sehr ansprechen. Das Pferd, das Meilen-Gerede, die ersten Seiten und der Road-Trip-Plot langweilten mich… aber ich glaube, das ist nochmal einen längeren, genaueren Blick wert:
  • 336 Seiten, Königskinder (Carlsen), Oktober 2015
  • deutsch von Hans-Ulrich Möhring, Goodreads: 3.89 von 5

„Finn berechnet die Zeit in Meilen, nicht in Minuten. Stets am Rande der Katastrophe – als Kind ist ein totes Pferd von einer Brücke auf ihn gefallen – hat er immerhin den besten Freund der Welt: den total irren Cade. Dann lernt er Julia kennen. Als sie wegzieht, macht er sich auf eine Reise, die sie nicht – wie geplant – zum College ihrer Wahl führt. Ein unerwarteter Unfall macht sie zu ebenso unerwarteten Helden.“ [Klappentext, gekürzt]

Auf Umwegen

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18: Leila Sales, „This Song will save your Life“

  • ruhiges, warmherziges Buch über Identität und Freundschaft
  • 320 Seiten, Kosmos, Juni 2015
  • deutsch von Anja Herre, Goodreads: 3.97 von 5

„Niemand teilt Elises Kleidungsstil oder ihren Musikgeschmack. Bei einem ihrer Nachtspaziergänge trifft sie Pippa und Vicky, die sie in den Underground-Musikclub „Start“ mitnehmen – und plötzlich ist Elise unter Menschen, die sie so nehmen, wie sie ist. Außerdem entdeckt sie ihr Talent fürs DJ-ing. Sie wird zur heißesten Newcomerin der Szene und scheint mit einem Mal alles zu haben, was sie sich schon immer gewünscht hat: Freunde, Akzeptanz und vielleicht sogar Liebe. Doch was, wenn das richtige Leben droht, alles wieder zunichte zu machen?“ [Klappentext, gekürzt]

This Song Will Save Your Life

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19: Rob Thomas & Jennifer Graham, „Veronica Mars, Bd. 2: Mörder bleiben nicht zum Frühstück“

  • ich mag die ersten ca. anderthalb Staffeln des Krimi-Serie (2004). Den Kinofilm von 2014 habe ich noch nicht gesehen – doch bevor Rob Thomas die Serie schrieb, war er Young-Adult-Autor, und die beiden neuen „Veronica Mars“-Romane machen auf mich einen sehr soliden Eindruck.
  • 368 Seiten, Loewe, September 2015
  • deutsch von Sandra Knuffinke und Jessika Komina, Goodreads: 4.02 von 5

„Das Neptune Grand war schon immer das eleganteste Hotel am Platz. Reiche und Prominente gehen ein und aus. Doch als eine Frau behauptet, in einem der Zimmer angegriffen worden zu sein, wenden sich die Hotelbesitzer an Veronica. Veronica-Mars-Schöpfer Rob Thomas legt den heiß ersehnten zweiten Thriller um die Kult-Detektivin vor.“ [Klappentext, gekürzt]

Mörder bleiben nicht zum Frühstück (Veronica Mars #2)

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20: Melanie Mühl, „Fünfzehn sein. Was Jugendliche heute wirklich denken“

„Diese Teenager! Gucken pausenlos auf ihr Handy. Anstatt sich mit Freunden zu treffen, tummeln sie sich im Internet. Lieben nur Computerspiele, Kosmetik, sich selbst und den Konsum. Klassische Bildung? Fehlanzeige. Melanie Mühl hat Jugendliche befragt, und sie erzählen ausführlich und erstaunlich offen über Liebe und Intimrasur, Freundschaft und die besten Posen bei Instagram. Wie hart ist es für Teenager, in einer Optimierungsgesellschaft aufzuwachsen? Wovon träumen Jugendliche im 21. Jahrhundert? Fest steht: Von vielen Vorurteilen müssen wir uns verabschieden.“ [Klappentext, gekürzt]

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schon hier im Blog vorgestellt:

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21: Sarah Darer Littman: „Die Welt wär besser ohne dich“

  • NOCH ein Buch über Mobbing/Cyber-Stalking. Hier überzeugt mich der Stil, nicht das verbrauchte Thema.
  • 384 Seiten, Ravensburger, Januar 2016.
  • deutsch von Franziska Jaekel, Goodreads: 4.14 von 5

„Seit Wochen chattet Lara mit Christian. Sie ist total verliebt und möchte ihn endlich treffen. Doch dann postet Christian plötzlich fiese Kommentare auf ihrer Facebook-Pinnwand. Und minütlich schließen sich ihm andere an. Als Lara die Beleidigungen nicht mehr erträgt, trifft sie eine verzweifelte Entscheidung.“ [Klappentext, gekürzt]

Die Welt wär besser ohne dich

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22: Jenny Valentine, „Durchs Feuer“

  • Zu schrullig? Zu sentimental? Ich bin unsicher: Ich mochte Stil und Figuren – aber erwarte eine Art… Noah-Baumbach-Groteske, übertrieben bittersüß.
  • 260 Seiten, dtv, Februar 2016
  • deutsch von Klaus Fritz, Goodreads: 3.99 von 5

„Iris hat für ihre Eltern nur Verachtung übrig. Mutter Hanna sieht nicht nur aus wie eine Barbiepuppe, sondern ist genauso leblos, und Stiefvater Lowell, der verkrachte Soap-Darsteller, ignoriert sie. Dann tritt Ernest, Iris` leiblicher Vater, in ihr Leben: ein hoch betuchter Kunstsammler. Ernests Tod ist ein Abgang wie ein Paukenschlag und die letzte große Liebeserklärung an seine Tochter Iris.“ [Klappentext, gekürzt]

Durchs Feuer

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23: James Dawson, „How to be Gay. Alles über Coming-Out, Sex, Gender und Liebe“

  • Ratgeber für/über schwule, lesbische, queere, bi- und transsexuelle Jugendliche und sexueller Vielfalt in der Pubertät – in einfacher Sprache, aber: informiert, witzig, mitreißend. 2015 gelesen und sehr gemocht: Ich wollte Dawson für den Queerspiegel/Berliner Tagesspiegel interviewen – aber es scheiterte hieran (Link)
  • 304 Seiten, S. Fischer, Juli 2015
  • deutsch von Volker Oldenburg, Goodreads: 4.05 von 5

„Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal in ein Mädchen verliebt zu sein, wenn man selbst ein Mädchen ist? Und was passiert dann? Wie findet man andere schwule Jungs? Und warum fühlen sich manche Menschen im falschen Körper gefangen? Mit über hundert Originalbeiträgen von lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen Jugendlichen, die ein unendliches Spektrum sexueller Identitäten repräsentieren. Für alle, die immer schon mehr wissen wollten über Homosexualität und Transgender – und für alle, die einfach nur neugierig sind!“ [Klappentext, gekürzt. Das versprochene „unendliche“ Spektrum ist leider Quatsch: Schwule stehen im Vordergrund, der Rest wird oft nur nebenbei erwähnt.]

How to be Gay: Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe

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24: Jim Shepard, “Aron und der König der Kinder”

  • Junge im Warschauer Ghetto (schon wieder)…
  • simples, aber mitreißendes Kinder-/Jugendbuch, USA 2015.
  • 270 Seiten, C.H. Beck, Januar 2016.
  • deutsch von Claudia Wenner. Goodreads: 3.74 von 5

„Aron ist ein kleiner polnisch-jüdischer Junge in einer großen, armen Familie. Leider hat er keine Zeit, ein vernünftiger Erwachsener zu werden. Denn seine Familie zieht nach Warschau, die Deutschen überfallen Polen und die Juden werden ins Ghetto gepfercht. Er freundet sich mit einer Gruppe Jugendlicher an, die für sich und ihre Familien ums Überleben kämpfen, arbeiten, schmuggeln und stehlen und sich immer fragen müssen, wieviel Freundschaft und Liebe sie sich noch leisten können. Als der König der Kinder, der berühmte Arzt und Pädagoge Janusz Korczak, Aron in sein Waisenhaus aufnimmt, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Jungen verändert und beide über sich hinauswachsen lässt.“ [Klappentext, gekürzt]

Aron und der König der Kinder

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25: MONIKA FETH, “Der Libellenflüsterer”

  • das klingt SO bieder und nach “deutsches Jugendbuch”… doch Feth erzählt so plastisch, plausibel, dass ich sobald wie möglich weiterlesen will.
  • 529 Seiten, cbt, August 2015
  • Goodreads: 4.13 von 5

“Merle ist Tierschützerin. Ein Hund, den sie einst vermittelt hatte, starb wenige Wochen später auf grausame Weise. Der neue Besitzer wurde angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nun kreuzen sich ihre Wege erneut und Merle kommt einem weit gefährlicheren Geheimnis auf die Spur…” [Klappentext, gekürzt]

Der Libellenflüsterer

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26: David Levithan, „Two Boys Kissing – Jede Sekunde zählt“

  • eins meiner Lieblingsbücher. größte denkbare Empfehlung!
  • 288 Seiten, S. Fischer, September 2015
  • deutsch von Martina Tichy, Goodreads: 4.10 von 5

„Craig und Harry wollen ein Zeichen für alle schwulen Jungs setzen. Dafür küssen sie sich. 32 Stunden, 12 Minuten und 10 Sekunden. So lange dauert es, um den Weltrekord im Langzeitküssen zu brechen. So lange dauert es, sich über die Gefühle füreinander klarzuwerden, nachdem man sich eigentlich gerade getrennt hat. Geschickt verwebt David Levithan Geschichten [mehrerer Paare, schwuler und transsexueller Figuren] zu einer großen Geschichte über homosexuelle Jugendliche von heute.“

[2013 bei ZEIT Online empfohlen] In US-amerikanische Jugendbüchern tut sich stilistisch oft nicht viel: Stakkatosätze. Präsens. Sekundenrealismus, nah am Ich-Erzähler. Alles klingt gleich. Nichts irritiert. Eine Ausnahme ist David Levithan, der in zehn Jahren fast 20 Bücher über Paare, Selbstverwirklichung und Partnerschaft-als-Selbstverwirklichung schachtelte. Jedes klang anders. Allerdings ist Two Boys Kissing ist der erste Levithan-Roman, der mich überzeugt: Acht schwule Jugendliche auf dem Land, 50 Stunden persönlichste Katastrophen und Triumphe, brillante Perspektivwechsel, Schnitte. 200 Seiten nichts als Sätze, die Leser zum Weinen bringen wollen. Vor Wut. Freude. Begeisterung. Ein hoher Ton.

David Levithan: Two Boys Kissing. A Novel. Knopf Books for Young Readers, New York 2013. 208 Seiten, 11,40 Euro.

Two Boys Kissing  Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt

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Graphic Novel-Reihe: „Ms. Marvel“

Ms. Marvel (USA)

Autorin: G. Willow Wilson, Zeichner: Adrian Alphona
Marvel Comics, seit Februar 2014. Deutsch bei Panini.
19+ Hefte und einige Gastauftritte / drei Sammelbände, wird fortgesetzt.

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Den ersten Band „Ms. Marvel“ würde ich am liebsten jedem Menschen von 10 bis 15 schenken – oder… bis 45. Ein All-Ages-Comic, charmant, atmosphärisch, optimistisch und rasant wie „Harry Potter“.

Band 2 hatte hanebüchene Konflikte und viel (leeres, dummes) Gerede über die angeblichen Besonderheiten der Generation Y. Und mit Band 3 tauchen immer kompliziertere Marvel-Crossover und -Bezüge auf. Auch der Zeichner wechselt ärgerlich oft: Vielleicht verheddert sich die Reihe gerade.

Vorerst aber: Unbedingt lesen! Kamala Khan, Teenager, Online-Nerd und Muslima, lebt in New Jersey. Ihre Eltern sind aus Pakistan eingewandert und haben Angst, dass sie verwestlicht. Als sie bemerkt, dass sie ihren Körper verformen, schrumpfen, verwandeln kann, hilft sie in Schule und Nachbarschaft. Ein humorvoller Comic, bunter und kindlicher als viele andere Marvel-Titel – geschrieben von einer muslimischen Autorin.

Ein zeitgemäßer, sympathischer Bestseller – aber manchmal zu drollig, harmlos.

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und:

Morton Rhues „No place, no home“ klingt vielversprechend – doch ich fand keine Leseprobe.

Goodreads: 3.86 von 5

„Nie im Leben hätte Dan damit gerechnet, dass auch er und seine Eltern einmal hier landen würden: in Dignityville. Dignityville ist eine Zeltstadt, ein Zufluchtsort für Leute, die erst ihre Arbeit, dann ihr Haus verloren haben. Ein Ort für Verlierer, die sich nicht genug angestrengt haben, dachte Dan. Doch dann lernt er Menschen kennen, die ohne Schuld ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft verloren haben – nicht jedoch ihren Stolz und den Willen, ihn sich zurückzuerobern.“

No place, no home

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ein aktueller US-Titel, angelesen und gemocht: Monica Tesler, „Bounders“

Bounders

Literaturtipps, Empfehlungen: eine Liste… aus Listen

buchtipps, literaturtipps, empfehlungen stefan mesch

Seit 2011…

  • stelle ich jeden Monat Empfehlungs- und „bald lesen!“-Listen zusammen.
  • suche und sortiere ich Neuerscheinungen.

Hier sind all meine Link- und Empfehlungslisten bis Januar 2016, sortiert und verlinkt.

Eine Liste – aus Buch-Empfehlungslisten!

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verschenkt 2011 | verschenkt 2012 | verschenkt 2013verschenkt 2014

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buchtipps

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In monatlichen „Underdog Literature“-Listen bloggte ich je 15/20 wenig bekannte Titel, die ich beim Stöbern im Netz entdeckt habe. Alle Ausgaben von „Underdog Literature“:

Juni 2011Juli 2011August 2011 | September 2011Oktober 2011 | November 2011Dezember 2011Januar 2012 | Februar 2012März 2012April 2012 | Mai 2012 | Juni 2012 | August 2012Oktober 2012 | September 2012 | November 2012Dezember 2012 | Januar 2013Februar 2013März 2013April 2013Mai 2013 | Juni 2013 | August 2013 | Oktober 2013Januar 2014

deutsche Bücher (2012) | deutsche Bücher (2013)Bücher aus den 80ern (2014) | Bücher 1914 bis 1918 | Krimis (2013)

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Songs 2014 | Songs 2013 | Songs 2012Songs 2011 | Songs 2010
Songs 2001Songs 2000 | Songs 1999 | Songs 1998Songs 1997

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Ich gebe oft und gern persönliche Buchtipps für Zeitungen und Verlagsblogs sowie auf Facebook und Twitter, für Büchertische in Läden/Buchhandlungen und berate bei Verlags- und Editionsprojekten.

Kulturjournalismus und Arbeiten fürs Feuilleton: hier.

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