Buchtipps

Die besten Bücher aus und über Norwegen: neue & noch unbekannte Bücher zum Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse 2019

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Im Oktober 2019 ist Norwegen Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse.

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Ich suchte vorbereitend nach Büchern, die…

a) in Deutschland erschienen und bis heute erhältlich (Link folgt)

b) in Norwegen erschienen und für den deutschen Markt interessant sind.

c) Bücher, die in deutscher Übersetzung vorliegen, aber vergriffen sind (Link)

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100+ Bücher – von denen viele in den nächsten Monaten auch auf Deutsch erscheinen.

(Kurztexte: Klappentexte und Goodreads-Reviews, teils via Google Translate aus dem Norwegischen; meist gekürzt.)

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Johan Harstad: „Hässelby“ (2007)

„Roman über das, was Alberg Åberg, Viktor und Milla als Erwachsene passiert ist: Du willst wissen, wie die Beziehung zwischen Albert und Alberts Vater war, als er in seiner Jugend kam, und du wirst einen Roman voller Verweise auf Star Wars und Twin Peaks lesen. Ein typisches „endzeitliches“ Störgefühl innerhalb der desolaten Maschinerie einer postindustriellen Gesellschaft. “

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Johan Harstad: „osv.“ (2011) [„und so weiter“]

„1994. Tonya Harding, Kurt Cobain, OJ Simpson. Menschen tun schrecklich unmenschliche Dinge: Vietnam, Bosnien, Ruanda, Tschetschenien usw. Wenn Sie denken, dass die Probleme der Dritten Welt Sie in Ihrem gemütlichen westlichen Leben nicht erreichen werden, liegen Sie falsch, und dieses Buch ist ein großartiges Beispiel dafür. Viele große Fragen, die so gestellt und geantwortet werden, dass Sie denken und fühlen müssen. Ein sehr schnelles Lesen mit vielen faszinierenden Charakteren und ihren Geschichten. In diesem Buch geht es um einen ständigen Dialog, in dem Sie das Bedürfnis spüren, sich daran zu beteiligen. Und das Leben geht einfach weiter…“

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Johan Harstad: „Max, Mischa & Tetoffensiven“ (2015) [„Max, Mischa und die Tet-Offensive„]

„Max Hansen ist schlaflos im Mittleren Westen schlaflos. Er ist ein Theaterlehrer auf Tour durch die Vereinigten Staaten. Es kann sein, dass er ein Amerikaner geworden ist. Seit 20 Jahren war er nicht mehr zu Hause: in einem Vorort von Stavanger, wo es so viel Chaos gab wie möglich, während die Väter auf den Plattformen in der Nordsee standen und die Stille über den Häusern schwebte, als sie zurückkehrten. Keiner bekam, was er wollte. Ein Roman über die Anwendbarkeit der vietnamesischen Guerilla-Taktik im täglichen Leben; über hyperrealistische Gemälde von Waschmaschinen und Mädchen, die Shelley Duvall ähneln und eine begehrte Arbeitskopie von „Apocalypse Now“. Vor allem aber über die Frage: Wie lange kannst du wirklich weg sein, bevor es zu spät ist, nach Hause zu gehen?“

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Maria Kjos Fonn: „Kinderwhore“ (2018)

„Die Mutter von Charlotte ist immer zu Hause, trotzdem ist sie nie da. Sie benutzt die meiste Zeit, um zu schlafen, und nimmt starke Schlafmittel. Wenn sie wach ist, gibt sie Charlotte neue Väter. Einer von ihnen zeigt ihr einen Blick auf etwas Anderes, Besseres. Doch es ist zu kurz, und da ist ein neuer Vater. Als Zwölfjährige erlebt Charlotte etwas, das ihr zu viel wird. Sie profitiert von den Pillen ihrer Mutter und ist froh zu entdecken, dass es Möglichkeiten gibt, ihre Gefühle abzulegen. Bald lebt sie eine große Distanz zu sich selbst und zu anderen. Ist es möglich, mit solchen destruktiven Mustern aus einer Kindheit zu brechen?“

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Monica Isacstuen: „Om igjen“ (2014) [„Da Capo“]

„Eine offene und furchtlose Fantasie auf Joyce Hattos Leben und Fall. Und ein Porträt von Ida, die sich selbst in den Rollen von Tochter, Freundin, Mutter fühlt: Die britische Pianistin Joyce Hatto starb 2006 und während ihres letzten Jahres hatte sie Hunderte von CDs aufgenommen. In einem Nachruf wurde sie „Der größte Pianistin der Welt, von der niemand etwas gehört hat“ genannt. Später wurden alle Aufnahmen als Fälschungen enttarnt. Durch die direkte und faszinierende Sprache, die langsam aber sicher eine Geschichte von Fälschung und Täuschung, Freundschaft, Zweifel, das Gefühl von Unangemessenheit in seinen Rollen als Mensch, Mutter, Künstler offenbart, wurde die Geschichte unmittelbar spürbar.“

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Kyrre Andreassen: „For ovrig mener jeg at Karthago bor odelegges“ (2016) [„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden sollte“]

„Krister Larsen hat einen Mangel an Selbstwertgefühl und Selbstkritik: ein dunkler, lustiger, gruseliger 400 Seiten langer Monolog eines Elektrikers mit professionellem Stolz und vielen Altlasten. Liebe, Aggression, erwachsene Kinder, Fremdenhass und Schwarzarbeit.“

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Tiril Broch Aakre: „Redd barna“ (2015) [„Rette die Kinder“]

„Montag, der 8. Dezember in einem Dorf in Ostnorwegen. Schnee fällt. Tanja wird Tore und Jorid in den Kindergarten und in die Schule begleiten. Ihr Ehemann Paul geht zu einer medizinischen Konferenz nach Brüssel. Vor sechs Monaten starb Tochter Idee, erst 17 Jahre alt. Der Alltag kehrt langsam aber sicher zurück. Leute um sie herum denken, dass sie es gut gemacht haben. Jetzt planen Tanja und Paul eine große Party, um ihrem 20. Hochzeitstag zu feiern. Tanjas Bruder meldet einen Besuch an: Er sagt, dass er aus dem Gefängnis entlassen wurde. Aber es gibt etwas, das nicht passt. Es ist ungewöhnlich dunkel an diesem Tag. Etwas wird durchbrechen. Aber ist es gut oder schlecht? Gibt es etwas, auf dem du ein Leben aufbauen kannst?“

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Tiril Broch Aakre: „Fjällräven gul“ (2016) [„Fjällräven-Gelb“]

„Ein Coming-of-Age-Roman über Sjur, 18 Jahre alt. Frede ist immer noch im Krankenhaus und Sjurs Aufgabe ist es, den gelben Fjällräven-Rucksack mit geheimem Inhalt an verschiedene Orten in Hakadal zu bringen. Zu Hause hat ihr kleiner Bruder Jesper heftige Wutanfälle und der Hund, Houdini, hat sich in den Bergen verloren. Sjur denkt an Pjotr und daran, was letzten Sommer passiert ist.“

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Ellen Emmerentze Jervell:  „Fjellfolk“ (2018) [„Bergsteiger“]

„Fjellfolk ist ein Buch über zwei Generationen ungewollter Kinder, über die Menschen und die Natur und was sie miteinander verbindet: Es war so einfach, eine Familie zu gründen, aber warum war es so einfach, sie zu zerstören?“

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Zeshan Shakar: „Tante Ulrikkes vei“ (2017) [„Tante Ulrikkes Weg“]

„Norwegen in den 2000er Jahren: Zwei Jungs, Mo und Jamal, wachsen auf Tante Ulrikkes Art in Stovner in Oslo auf. Die Eltern hatten eine Hoffnung – doch die Jungs stehen zwishen Vorstadt und Gesellschaft, zwischen Waschcenter und Mensa. Ein unwiderstehlicher und unterhaltsamer Roman über das innere und äußere Erwachsenwerden.“

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Marit Eikemo: „Gratis og uforpliktande Verdivurdering“ (2018) [„Kostenloses und unverbindliches Gutachten“]

„Hanne hat genug vom Alltag mit Mann und Kindern in der alten, beengten Wohnung. Aber nein, das Traumhaus ist aufgetaucht. Was macht der Traum vom Haus mit der Beziehung? Welche Folgen haben kleine und große Betrügereien aus der Vergangenheit für die Entscheidung, die vor ihnen liegt? Ein Roman, der das Zeitgenössische widerspiegelt, mit satirischen Merkmalen und einer ibsenischen Wendung am Ende.“

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Victoria Durnak: „Senteret“ (2017) [„Center“]

„Einsamkeit und postnatale Depression:  Eine junge Mutter zieht nach Skien, um wegzukommen – weg von Oslo. Weg von ihm. Sie verbringt ihre Tage im Hercules Center, besucht die Geschäfte und die Menschen, die darin arbeiten, denkt über sie nach und versucht, mit ihnen in Kontakt zu treten, während sie versucht, die Mutter einer Tochter zu sein, die nicht einmal einen Namen hat. Per Gesetz bleiben sechs Monate, um einem Kind einen Namen zu geben. Sie können viel in sechs Monaten tun. Eine Autorin, 1989 geboren. Ein Buch, ein wenig wie eine Umarmung, ein wenig wie ein Schlag in den Hals.“

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Helga Flatland: „En moderne Familie“ (2017)

„Was passiert, wenn ein Paar beschließt, seine 40-jährige Ehe zu beenden? Nicht so sehr für sie, sondern für ihre erwachsenen Kinder. Das Buch variiert zwischen den Perspektiven der Kinder – Liv, Ellen und Håkon. Als Vater Sverre 70 Jahre alt wird, lädt er die ganze Familie zu einer Feier an der italienischen Riviera. Während des Festes verkünden die Eltern plötzlich, dass sie entschieden haben, dass sie sich scheiden lassen werden.“

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Helga Flatland: „Vingebelastning“ (2015) [„Tragflächenbelastbarkeit“]

„Hauptfigur Andreas ist 30 und wirklich nervig. Alles läuft gut für ihn: gute Arbeit, gute Beziehung und eine Wohnung in Oslo. Doch er ringt darum, im Leben, das er für sich geschaffen hat, einen Sinn zu finden. Er ist Teil der sogenannten „Dessert“-Generation: Ihnen wurde gesagt, sie können alles werden, was sie wollen. Jetzt haben sie unrealistische Erwartungen und sind besessen von sich selbst.“

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Helga Flatland: „Bli hvis du kan. Reis hvis du ma.“(2010) [„Bleib, falls du kannst. Geh, wenn du musst“; Band 1 der Trilogie „Stirb nicht in Afghanistan, weil alle zuhause traurig sein werden.“]

„Der Roman basiert auf drei jungen Freunden aus der Kindheit – Tarjei, Trygve und Kristian – und ihrer Entscheidung, mit den norwegischen Streitkräften nach Afghanistan zu gehen. Keiner der drei wird zurückkehren. Warum sind sie gegangen? Was ist mit den übrigen? Der Roman handelt davon, in einer Sicherheit aufzuwachsen, die von einer Sicherheit umgeben ist, die sich nicht mehr sicher fühlt.“

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Cathrine Knudsen: „Manuell“ (2014)

„In einer Prosa, die auf das, was zwischen Menschen passiert, extrem reagiert, nähert sich Knudsen den wichtigsten Fragen: Was gehört dazu? Was ist Identität? Was ist Fürsorge? Eine Art der Archäologie des Gefühls, die konsequent die Grenzen des Menschen sucht, Grenzen zwischen Mann und Frau, Krankem und Gesundem, Kind und Erwachsenem, Sucht und Freiheit: Als Kind hat Cara ihren Großvater nur kurz getroffen. Jetzt ist sie Mutter und fragt nach den Beziehungen in ihrem Leben.“

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Erik Eikehaug: „James Fanco spytter nar han snakker“ (2017) [„James Franco spuckt beim Sprechen“]

„Über eine Familie, die sich nicht umarmt. Über das Leben in einem Land, das keine Wiener Würstchen verkauft. Im Herbst 1995 ist Kenneth verliebt. Im Sommer 2001 zieht Kenneth nach Hause. Doch zuerst muss er Großmutter knacken, bevor sie stirbt und alle ihre Geheimnisse in die Hölle nimmt. Im Winter 2008 sitzt Kenneth in einer stinkenden Wohnung in Harlem, New York; hat Alpträume über den Stuhlkreis an der Columbia University und wird von Casper dem freundlichen Geist verfolgt. Ein Roman über chinesische Schulmädchen, die mitten in der Prüfung aus dem Fenster springen. Über Arielle und Prinz Erik. Und die Kunst des Spuckens beim Sprechen. Ein Coming-Out-Roman.“

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Tormod Haugland: „Om dyr og syn“ (2017) [„Über Tiere und Anblick“]

„Eine kleine Siedlung in Westnorwegen in den 1960er, 70er und 80er Jahren. Als kleiner Junge entdeckt Tormod auf dem Schreibtisch seines Vaters einen Kampfhandschuh, den er überallhin mitnimmt. Tormod hat nicht immer Kontrolle, weder über sich selbst noch über seine Umgebung. Er wird geboren, um Bauer zu werden, doch gleichzeitig sehnt er sich nach Anna und wird Kunststudent in Bergen. Ein Roman über Tiere und Menschen, Kunst und Natur. Es geht darum, sich zu erheben, ein Mann zu werden und die großen Entscheidungen im Leben zu treffen. Als ältester Sohn soll er das Vermächtnis weiterführen und die Farm übernehmen. Ein Landwirt oder Künstler zu sein sind anscheinend zwei Roadmaps, die sich ausschließen. Tormod sieht seine täglichen Pflichten als Sisyphosisarbeit, als ewigen Kreislauf kleiner Variationen. Die Tiere sollten sie einfach geschlachtet und gegessen werden.“

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Arne Ruset: „Songbok for hesten“ (2017) [„Liederbuch für das Pferd“]

„Haugmann, Dichter dieser Sauerei, führt eine Apfelplantage. Dann wird eine Geisteskrankheit bei ihm diagnostiziert. Beginnend in den 60er Jahren stellt sich die Frage: Ist Haugmann verrückt, oder sein Bruder Karstein, das Pferd Lykke, Nachbarn Rolf Røys und viele mehr?“

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Thorvald Steen: „Vekten av Snokrystaller“ (2006) [„Warten auf Schneekristalle“]

„Ein bisschen deprimierend, aber gut. Unser 14-jähriger Held macht Skispringen und ist entschlossen, allein zu kämpfen, ohne mit seinen Eltern über die psychischen Belastungen zu sprechen. E-Mails aus der Klinik. Das Umkippen von Leben, Krankheit, Körper und Seele.“

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Ruth Lillegraven: „Mellom Oss“ (2011) [„Zwischen uns“]

„Herkunft, Verrat und Spannung in der Familiengeschichte. 1972 geht Dreg nach Chile. Welche Folgen hat das Leben in Oslo 1943 für Tonje, 60 Jahre später? Lässt sich das Lügengespinst entwirren? Von Oslo nach Natzweiler, Santiago, Pennsylvania und West-Norwegen. Wie spiegelt das kleine Leben die große Welt? Drei Generationen. Wann ist es zu spät, sich einander zu nähern?“

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Trude Marstein: „Plotselig hore noen apne en dor“ (2000) [„Plötzlich das Geräusch einer sich öffnenden Tür“]

„Alltag einer jungen Mutter und ihrer vierjährigen Tochter Sara, während ihre Mutter eine Masterarbeit schreibt. Eine Hauptfigur, die sehr bewusst und kritisch auf ihre Handlungen blickt und die Notwendigkeit, darüber nachzudenken, was „natürlich“ und „real“ ist (vs. „künstlich“ und „manieriert“) – in der Erziehung von Sara und in Beziehung zu anderen Menschen. Welche Grundlage in der Realität hat das Selbstbild der Protagonistin? Und was sollten wahrscheinlich verärgerte Leser von der Erziehung halten, die Sara bekommt?“

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Trude Marstein: „Sa mye hadde jeg“ (2018) [„So viel hatte ich“]

„Monika ist 13 Jahre alt und weiß, dass alles, was sie erlebt, einmal zu einer anderen Zeit gehört. Sie ist 27 Jahre alt und Liebhaberin eines älteren Professors. Sie ist 37 Jahre alt und lebt bei Geir, sie haben Maiken, die rhythmisch saugt. Sie ist 46 Jahre alt, hat ein Nebenhaus voller Kriegerhennen und glaubt, dass das Leben aus hoffnungslosen Versuchen besteht, sich zu vereinigen. Sie ist 52 Jahre alt und begegnet dem Gesicht ihrer Mutter im Spiegel über der Gemüsetheke im Supermarkt. Ein Roman über die nie ruhende Sehnsucht nach einem Leben, das reich an Zugehörigkeit, Leidenschaft und Bedeutung ist – aber auch das Gefühl, dass alles ausrutscht, dass nichts hängen bleibt, dass man jemandem zuhören kann oder auch nicht.“

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Nina Lykke: „Opplosningstendenser“ (2013) [„Verfallserscheinungen“]

„Ein Monolog von unten. Das Leben ist am Nullpunkt, in einem 100-Kronen-pro-Tag-Leben in einem Keller in Oslo, nach der Heirat mit Anders, nach Restaurants, Kreditkarten und der wirtschaftlichen Katastrophe. Vom tiefen Fall aus der höheren Mittelschicht, in die Liv in geboren wurde, wächst eine Burleske: die krumme und dunkle Geschichte des menschlichen Unfalls.“

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Nora Szentiványis: „Leiligheten“ (2016) [„Die Wohnung“]

„In einer kleinen Wohnung in Budapest im Jahr 1970 packt ein junges Paar ihr Leben zusammen. Alles, was sie mitbringen, ist ihr Kleinkind und ein Koffer. Sie fliehen aus ihrem Heimatland Ungarn vor einem System des Terrors. Die Großmutter des Kindes bleibt, allein gelassen. Der Roman ist die Geschichte der Großmutter, erzählt mit Kummer und Abstand vom erwachsenen Enkelkind. Es ist ein Roman über das Leben abseits des Nächsten und über eine Flucht, die immer das Leben derer, die gegangen sind, beeinflussen wird – und desjenigen, der bleibt.“

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Linn Stromsborg: „Furuset“ (2013)

„Ein gut geschriebenes und leicht zu lesendes Buch, das ein wenig über nichts, aber auch über wichtige Dinge handelt. Ein Roman über einen kleinen Ort am Rande eines riesigen und all die Menschen , die dort leben, Freundschaft und Einsamkeit und den Klang von Musik durch die großen Kopfhörer und davon, einen Schritt zurück zu nehmen, bevor Sie zwei nach vorne machen könnten.“

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Linn Stromsborg: „Du dor ikke“ (2016) [„Du stirbst nicht“; Fortsetzung von „Furuset“]

„Eva lebt ein relativ normales und gutes Leben: Jobs, eigene Wohnung, neue und alte Freunde und so weiter. Keine Sorge, nach außen. Doch eines Tages, auf dem Badezimmerboden, bekommt sie eine Panikattacke. Menschen sterben die ganze Zeit. Ohne vorherige Ankündigung. In jedem Alter. Also warum nicht Eva? Dann kommt die beste Freundin Miriam aus Paris. Dann sitzen sie auf dem Boden und reden. Dann putzen sie die Wohnung. Dann sitzen sie auf dem neuen Boden. Dann liegen sie im Bett und reden. Wie weiterleben, wenn Sie überzeugt sind, dass Sie sterben werden? Ein sehr kleiner und fast unendlich großer Roman – darüber, wie eine oft unerklärliche und scheinbar grundlose Angst die Menschen beeinflussen kann. Eine Geschichte über das Weiterleben im Kampf. Und, wie Freunde nicht aufhören anzurufen, auch, wenn Sie nie zurückrufen.“

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Ingvar Ambjornsen: „23-Salen“ (1981) [„Schlafsaal 23“?]

„20 chronisch kranke Patienten in einer psychiatrischen Klinik. Das Buch spielt vor einiger Zeit, doch dieselbe Misshandlung und unmenschliche Behandlung findet heute statt – in psychiatrischen Anstalten im ganzen Land. Eine scharfe und harte Darstellung eines versteckten Kapitels der norwegischen Gegenwart.“

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Pedro Carmona-Alvarez: „Rust“ (2009) [„Ruhe“]

„Es geht um die Band THE WHITE HOUSE, um Kameraden Daniel und Thomas und ihre Beziehung zu Passolini und Miguel Ángel Darío Cortez, der auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Laufbahn verschwindet und seine Freunde in einem Vakuum lässt. Die Geschichten reichen zurück bis in die 60er Jahre in Santiago de Chile, zum Militärputsch von 1973; Entführungen von Kleinkindern in Uruguay, Exilräume in Uppsala und Stockholm, Berlin und Barcelona; in die Realität voller Terror und Gewalt, von Verschwinden und Leere und Leid. Ein Roman über Generationen, über Erinnerung und Vermächtnis, Exil, Rache und Nostalgie, aber auch über Liebe, Musik, Erziehung, Einheit und Verwirrung.“

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Pedro Carmona-Alvarez: „Bergen ungdomsteater“ (2016) [„Jugendtheater Bergen“]

„Der Vater von Marita ist in die Vereinigten Staaten gereist. Die Mutter nimmt das Mädchen von Oslo nach Bergen, um im Sommer 1982 ein neues Leben mit ihrem neuen Freund zu starten. Johannes ist Anwalt und will ein Jugendtheater leiten. Später, in den frühen 90ern, geht Marita zu ihrem Vater nach Kalifornien. Ein Roman über Freundschaft und Liebe und darüber, was dich zu dem macht, der du bist.“

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Jens M. Johansson: „Bryllup og Begravelser“ (2013) [„Hochzeiten und Beerdigungen“]

„Hochzeiten und Beerdigungen. Namenstage, Weihnachtsfeiern und Abendessen am Sonntag. Die Familie ist versammelt und jedes Mal ist es so, als ob die ganze Geschichte erzählt wird. Alle Männer werden geliebt. Die Enttäuschungen, die du trägst. Bestrebungen. Das Geschenk, für das sie nur danke sagen, weil es der Gedanke ist, der zählt. Das Leid, das alles umgibt.  Jens ist erst 22 Jahre alt, als sein Vater an einem Herzinfarkt stirbt. Fast zwanzig Jahre später fällt seine Mutter um. Ihr Gedächtnis ist betroffen. „Ich bin nichts ohne meine Erinnerungen“, sagt sie. Es geht um den Moment, in dem du verstehst, dass du an der Reihe bist, dich um die anderen zu kümmern. Und dann geht es um Jens, Autor und bald vierzig, sehr geliebt und furchtbar ängstlich.“

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Elin Asbakk Lind: „Punktum midt i en vakker setning“ (2016) [„Interpunktion mitten in einem schönen Satz“]

„Mattias trennt sich und flüchtet spontan zu seiner älteren Großmutter auf einer Insel am Fjord. Er weiß nicht, warum er dorthin geht und war nicht dort, seit er klein war. Auf der Insel stolpert er über Marys eigene Geheimnisse und ihr Trauma. Zusammen lernen Mattias und Mary etwas Wichtiges über Verlust, Vermissen und den Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein. Ein schöner und subtiler Roman, wo zwei Leute mit scharlachroten Herzen Schutz in einer norwegischen prächtigen und wilden Nordlandschaft suchen. “

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Ragnar Hovland: „Ei Vinterreise“ (2001)

„Dies sind zwei Bücher in einem: Eine magische Realismus-Geschichte über einen Priester auf einer Autoreise auf der Suche nach der verlorenen Liebe seines Lebens: Johanna; und ein Tagebuch über die Krebsbehandlung des Autors. Sardonisch, hart, knochentrocken.“

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Espen Haavardsholm: „Tjue“ (2006) [„20“]

„Es ist Oslo Mitte der 60er Jahre, Nils ist 20 Jahre alt und Student. Er wird Marias Freund, doch reist mit dem Rucksack durch Europa. Nils träumt davon, Schriftsteller zu werden und aus dem bürgerlichen Leben auszubrechen. Zakk hat seinerseits das Ziel, „eine Bombe zu zünden, eine Täuschung aufzudecken und die Literatur abzulehnen“. Ein autobiografischer Roman über gewalttätige Träume, Ambitionen und Sehnsüchte.“

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Espen Haavardsholm: „Til Nuuk“ (2014) [„Nach Norden“]

„Espen reist von Oslo nach Kopenhagen, um seinen alten Freund Klaus und seine Familie zu besuchen. Klaus wird in die Psychiatrie eingeliefert. Klaus‘ Frau Sarah hat die Hoffnung, dass Espen Klaus helfen kann, der versucht hat, sie zu töten. Espen spekuliert viel über den Grund. Was versteckt Klaus und was versteckt Sara? Sara kommt aus Grönland und hat weitere Verwandte in Kopenhagen, darunter auch einige Heroinisten, denen Espen begegnet.“

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Alf van der Hagen: „Leseren. En Samtale med Henning Hagerup“ (2017) [„Leser. Ein Gespräch mit Henning Hagerup“]

„Henning Hagerup (geb. 1959) gilt als einer der führenden Kritiker und Essayisten seiner Generation. Ein intimes Porträt eines Kritikers und Schriftstellers. Das sind Gespräche, die die Lektüre als Quelle immer größer werdender Vorstellungskraft, Lebensfreude und Empathie im Leben anderer Menschen verraten.“

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Jens Bjorneboe: „Under en hardere Himmel“ (1957) [„Unter einem härteren Himmel“]

wurde das echt nie übersetzt – oder finde ich die deutsche Ausgabe nur nicht? „Eine bewegende Geschichte darüber, wie blinder und missverstandener Idealismus dazu führt, dass Alt und Jung während des zweiten Weltkriegs die falsche Seite wählten. Auch eine scharfe Kritik, wie der norwegische Staat und die norwegische Gesellschaft sie nach dem Krieg behandelten. 92.000 Menschen waren nach dem Krieg von der Gerichtsverhandlung erfasst. 55.000 von ihnen wurden bestraft. Was taten sie? Wer waren sie? Welche Konsequenzen hatte es für sie, verachtet zu werden? Wie objektiv war der Prozess? Jens Bjørneboe folgt in diesem glanzvollen Roman einer Gruppe von einfachen Menschen aus den 30er Jahren bis ins Gefängnis im Jahr 1945.“

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Dag Solstad: „Roman 1987“ (1987)

„Von Dagningen 1961 nach Lillehammer, als Student und später Dozent für Geschichte, dann sieben Jahre Selbstproletarisierung als Fabrickarbeiter. Am Ende des Romans fragt sich Fjord, ob er seine Illusionen und Visionen verloren hat; er zieht sich in die Privatsphäre zurück. Der Roman ist ein kontinuierlicher Monolog des Erzählers. Der Autor hat das Buch folgendermaßen charakterisiert: „Es ist kein Roman, der etwas spricht, sondern murmelt.».“

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Dag Solstad: „T Singer“ (1999)

„T SINGER ist eine Übung im Alltäglichen – ein Marathon des Alltäglichen. Diese seltsame Charakterstudie ohne Handlung war eine intensive Lektüre: Die Hauptfigur hat nicht viel Charakter, wenig Energie oder Mut, und er ist leicht beschämt (Kafkas Charaktere kommen mir als Vergleiche in den Sinn). Mehrere Male im Buch fragt Solstad (in der autorenhaften Stimme, metafiktional), warum das Buch eine solche Person ins Zentrum stellt.“

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Mattis Oybo: „Elskere“ (2016) [„Liebhaber“]

„Juli 2011. Mikkel wartet in einem Hotelzimmer in Oslo auf Anna. Seit mehr als einem Jahrzehnt treffen sie sich heimlich, ein paar Stunden an jedem vierten Freitag und kehren dann ins ihre Leben zurück: zu Ehepartner und Kindern. Aber an diesem Freitag erscheint Anna nicht: Im Regierungsgebäude in Oslo wird eine Bombe gezündet. Reichen alle vier Freitage, zehn Jahre lang für zwei Stunden, um die Geschichte eines ganzen Lebens zu erzählen? Ein Roman über Trauer im Schatten einer nationalen Trauer. Über die Freude, im Verborgenen zu leben. Und über die Konsequenzen für Sie und andere.“

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Brynjulf Jung Tjonn: „Alt det lyse og alt det morke“ (2017) [„All das Licht und all das Dunkle“]

„Vibeke lebt in der Anstalt. Sie hat die Vorhänge zugezogen. Sie mag den Blick auf den Wald nicht. Eines Tages kommt ihre Tochter zu Besuch: Mutter und Tochter haben sich nicht mehr gesehen, seit Hildegunn sechs Jahre alt war. Die Tochter ist jetzt erwachsen geworden. Vibeke hat entschieden, dass diesmal alles anders sein wird. Ein bisschen Licht und viel Dunkelheit in diesem Roman. Spannende Perspektive , in der alles aus Sicht des Kindes geschieht und wir aus ihren Gedanken, Überzeugungen und Phantasien auf die Fakten schließen müssen.“

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Brynjulf Jung Tjonn: „Lyden av noen som dor“ (2008) [„Der Klang von jemandem, der stirbt“]

„Ein intensiver, brutaler und poetischer Roman über etwas, das nie passieren sollte, aber immer noch überall passieren kann. Clemence wuchs auf der Familienfarm auf, einem abgelegenen Ort entlang von Fjorden und Bergen, und aus seiner Sicht lernen wir eine dysfunktionale Familie kennen. Zusammen mit den Hauptfiguren verlieren wir unser Konzept von Zeit und Ort und lösen uns langsam von der Realität: Der Autor hat einen fast poetischen Stil in der Art, wie er die alltäglichsten Dinge bis ins groteskeste Detail beschreibt, während wir nicht immer alle Informationen bekommen, die wir wollen.“

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Rune Christiansen: „Ensomheten i Lydia Ernemans liv“ (2014) [„Einsamkeit in Lydia Ernemanns Leben“]

„Lydia Erneman wuchs als Einzelkind auf einem kleinen Bauernhof im nördlichen Jämtland auf. Sie wird Tierärztin aus und zieht nach einigen Jahren in Skåne in eine kleine Siedlung. Wir folgen Lydia in ihrer Arbeit als Tierärztin, die den wechselnden Jahreszeiten und den Routinen des Lebens folgt. Der Kontakt mit den Eltern ist sporadisch. Ein bemerkenswerter, nostalgischer und vertraulicher Roman, geschrieben in einer konsistenten, bewegenden und außerordentlich reichen Sprache.“

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Nils-Oivind Haagensen: „Er hun din?“ (2016) [„Ist das deine?“]

„Es ist Sommer und Are wird zu einem Freund zum Geburtstag eingeladen, in ein Sommerhaus auf einer Insel. Dort ist die sechsjährige Eira, die beginnt, Are Fragen zu stellen. Die Gespräche öffnen Räume, die Are schon lange geschlossen hat: Die Geschichte seines Kindes, das nie geboren wurde. Die Geschichte der Liebe, die nicht fortgesetzt werden konnte. Die Party der Erwachsenen dauert mehrere feuchte Tage, bis plötzlich ein Unfall eintritt und Are die Insel in Eile verlassen muss. Er trägt nicht einmal seine Schuhe. Ein heller, warmer und schöner Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft.“

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Heidi Linde: „Talte Dager“ (2017) [„Gesprochene Tage“]

[Mainstream-Roman, der vielen zu flach ist.] „Karin verliert ihre jugendliche Tochter Kaja – ohne zu wissen, dass die hässlichen Worte, die zwischen ihnen liegen, die allerletzten sein werden. Vier letzte Tage durch eine Vielzahl von Geschichten und Schicksalen: Der junge Arzt Jonas. Studentin Ingeborg, die über das Gefängnisleben forscht. Das junge Mädchen, das endlich den leiblichen Vater gefunden hat und merkt, dass er keine Lust hat, gefunden zu werden. Ein Buch der Güte und Unerbittlichkeit in den Beziehungen, auf die wir bauen, und darüber, wie kleine Dinge unvorstellbare Konsequenzen haben können.“

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Lars Petter Sveen: „Eg kjem tilbake“ (2011) [„Ich werde zurück sein“ / „I’ll be back“]

„In einer Sommernacht hatte der Himmel Streifen, und er saß am Fenster und sah sie durch das Gras kommen. Der Vater stand draußen, die Waffe lag auf dem Schrank oben an der Tür. Ein Roman, der sich von denen der norwegischen zeitgenössischen Prosa unterscheidet: eine actiongeladene Geschichte, die gleichzeitig gruselig und schön, brutal und schwierig; und durch die poetische und effektive Sprache vor allem ein treibendes und spannendes Buch.“

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Lars Petter Sveen: „Fem Stjerner“ (2017) [„Fünf Sterne“]

„Fünf junge Menschen fliehen: Aisha und Said sind Kindersoldaten, schaffen es aber aus dem Lager außerhalb von Mogadischu in Somalia zu entkommen. Später treffen sie die Isir, Aaliyah und Khadar. Sie versuchen, nach Europa zu kommen und beginnen eine Reise, die sie von den Zelten der Flüchtlingslager zu Truckern durch die Wüste, von brutaler Gefangenschaft zu den Wellen des Mittelmeers führt.“

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Eivind Hofstad Evjemo: „Det siste du skal er et ansikt av kjaerlighet“ (2012) [„Das letzte, was zu sehen ist, ist ein Gesicht der Liebe“]

„Das Buch beschreibt fast eine ganze Gesellschaft. Sogar der Boden einer Turnhalle hat ein eigenes kleines Kapitel. Im Wesentlichen haben wir eine Familie, mit Vater Roy, Sohn Aksel und Kjersti, die behinderten Schülern assistiert. Wir folgen ihrem täglichen Leben und seinem unauffälligen Drama. Vater Roy erreicht seine beiden Kinder weder emotional noch sozial. Kjersti versucht, eine Art von Romantik mit dem Taxifahrer Morgan zu initiieren. Es geht um die Träume, die du an einem Ort hast, an dem alles weit weg zu sein scheint. Fast alle tauchen auf und beschreiben Teile ihres Lebens. Der Busfahrer, der Fahrlehrer, die Krankenschwester, der Schulleiter, die Schüler und sogar der Kronprinz. Insgesamt wird ein scharfer sozialer Überblick gemacht. Die soziale Hierarchie, erforscht in einer beladenen und sinnlichen Sprache.“

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Marit Eikemo: „Mellom oss sagt“ (2006) [„Unter uns gesagt“]

„Die Studienzeit ist vorbei und die Gemeinschaft zerbröckelt. Durch Regines Job als Staatsanwalt in Aetat bekommen wir Einblick in das Leben und die Talente der Menge, die ihn täglich umgibt. Die Absurditäten des Lebens sind klar. Eine witzige und scharfe, tragische und schmerzhafte Darstellung von Freundschaft und Einsamkeit und von der Klaustrophobie der Gemeinschaft.“

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Jan Roar Leikvoll: „Eit Vintereventyr“ (2008) [„Ein Winterabenteuer“]

„Ein Arbeitslager: Im brutalen und grausamen Nachtleben sehnt sich die Hauptfigur danach, geliebt zu werden. Eine Geschichte von Wahnsinn und Abgrund, aber auch von Liebe und Sehnsucht. Eine angespannte Dynamik in diesem dunklen Roman. “

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Peter Franziskus Strassegger: „Stasia“ (2012)

„Ein Buch über ein Tagelöhner-Paar und ihre beiden Kinder Stasia (15) und Armin (9), die an die deutsche Grenze reisen, um ein Haus zu bauen. Ein Roman über Kindheit und Vernachlässigung, Nostalgie und alte Kindheitsängste. Wie eine langsame Kaskade aus mildem psychologischen Horror.“

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Margaret Skjelbret: „Du skal elske lyset“ (2011) [„Du liebst das Licht“]

„Die Geschichte dreht sich hauptsächlich um Trauer, die Trauer eines Kindes über einen toten Vater, eine Trauer, die so tief und allumfassend ist, dass sie ein ganzes Leben belastet. Eine streng religiöse Gemeinde. Alva ist acht Jahre alt. Der glückliche Vater ist tot, und ihre Mutter zieht mit Alva und Schwester zurück in ihr Elternhaus, das sie verlassen musste, als sie nicht kirchlich heiratete. Alva begegnet einer Welt, die von strenger Gottesfurcht, von Verbot und Verzweiflung geprägt ist. Und von vielen Geheimnissen.“

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Stig Holmas: „Regn“ (2008)

„Zwei Brüder wachsen in Bergen in den 1950er Jahren auf. Der Vater ist Meteorologe und sie können seine Stimme nur im Radio hören. Dann schlagen die Unfälle zu. Dies ist eine Geschichte der Unschuld und des Desasters, über brüderliche Liebe, gebrochene Träume und vorsichtige Hoffnung.“

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Mirjam Kristensen: „Jeg har ventet par deg“ (2014) [„Ich habe auf dich gewartet“]

„1942. Die Schwestern Paula, Matilde, Edit und Milly Olsen wachsen auf einer kleinen Insel an der Südküste auf. Im Nachbarhaus lebt die Familie Didrikson im Ruhestand; und eines Tages kommt ein Ehepaar mit dem Pflegesohn David an. Er ist ein jüdischer Flüchtling. David und Paula treffen sich jede Nacht im alten englischen Garten der Insel. Bis zum Tag, als die kleine Milly auf dem jährlichen Sommerausflug ertrinkt. Kurz darauf beginnt die Verfolgung der norwegischen Juden und David verschwindet aus Paulas Leben. Viele Jahre später wird Anna Vårø Erbin der grandiosen Paula Therese Olsen. Anna fängt an, Paulas alte Tagebücher zu lesen. Was geschah, dass Tante Paulas Leben zu dem wurde, was es wurde?“

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Lars Amund Vaage: „Syngja“ (2012)

„Als junger Mann arbeitet er als Busfahrer und träumt vom Schreiben. Eines Tages steigt ein Mädchen in den Bus. Jetzt ist er ein etablierter Schriftsteller; Kann er jemals den Roman über sie schreiben? Ein Buch, schön und zum Nachdenken anregend, nackt und offen, über das Leben mit einer Tochter mit Autismus. Der Roman ist ein Versuch, ihre Geschichte zu schreiben. Es geht darum, wie schwierig, aber auch wichtig es ist, jemanden zu verstehen, der nicht leicht zu verstehen ist.“

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Marita Hansen: „Og hver morgen vakner jeg“ (2016) [„Und jeden Morgen wache ich auf“]

„Im Frühsommer 2013 wird sich Marita Vidar treffen. Sie bekommen 231 Tage zusammen bevor er plötzlich und unerwartet in ihren Armen stirbt. Er existiert nicht mehr. Das Buch sagt dir, wie unmöglich es ist zu verstehen, dass der, den du liebst, weg ist. Ein Buch über das Weitergehen nach dem Undenkbarsten.“

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Gunnhild Corwin: „Idas Dans“ (2005) [„Idas Tanz“]

„Eine junge Frau, 18 Jahre alt, bei der akute Leukämie diagnostiziert wird. Ihre Mutter hat das Buch geschrieben, das die 14 Monate ihrer Krankheit bis zum Tod erzählt, und ihre drei älteren Schwestern, ihren Bruder, ihren Freund und ihre anderen Freunde zeigt, basierend auf Tagebüchern und Briefen.“

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Trude Lorentzen: „Mysteriet Mamma“ (2013)

„Dies ist die Geschichte von Mia. Eine glückliche Frau wurde so plötzlich und unerklärlich psychisch krank und beging Selbstmord, als Trude 15 Jahre alt war. Jetzt ist Trude erwachsen und selbst Mutter. Kann sie jetzt mehr verstehen? Die Liebeserklärung einer Tochter an eine Mutter, die es versäumt hat zu leben.“

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Levi Henriksen: „Her Hos de Levende“ (2017) [„Her mit den Lebenden“]

„Das Haus, das Hermann Henriksen mit eigenen Händen baute, wurde verkauft und muss abgerissen werden. Hermann, der jahrelang im Wald gearbeitet hat. Wer war er wirklich? Hermanns Sohn hat das alte und verlassene Haus betreten. Er weiß wenig über die Erziehung und die dunkle Vergangenheit des Vaters. Mit zwei alten Landschaftsbildern und einem späten siebten Sinn versucht er, den Bruch des Lebens seines Vaters zu kleben. Ein Roman über geliehene Sprungski, gestohlene Angelruten und warme Hände.“

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Tiger Garté: „Fluglehotellet“ (2012) [„Vogelhotel“]

„Nach einem langen und schweren Leben als Arbeiter in der Aluminiumfabrik stirbt Bår Meldal. Fünf Jahre später kehrt der Enkel Tor nach Øra zurück, um dort einen Sommerjob zu machen und bei Oma Lilly, Witwe von Bår, zu leben. Tor sitzt mit dem Gefühl, dass er den Großvater nie richtig kennen gelernt hat. Tor muss kämpfen, um mit der rauen Umgebung fertig zu werden. Zur gleichen Zeit schaffen die Geschichten zu Bårs ehemaligen Kollegen und Freunden ein immer komplexeres Bild des Großvaters. Ein Bild, auf das sich Tor allmählich beziehen muss, obwohl er nicht immer mag, was er sieht. Der Roman basiert auf den eigenen Erfahrungen des Autors.“

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Ivo de Figueiredo: „En freemmed ved mitt bord“ (2016) [„Ein Fremder an meinem Tisch“]

„“Wo beginnt die Geschichte des Vaters?“ Ivo de Figueiredo fragt mit 45 Jahren nach einer unbekannten Familiengeschichte auf vier Kontinenten: in fünf Jahrhunderte kommen und vergehen Imperien. Die Familie des Vaters wanderte von der portugiesischen Kolonie Goa an der Westküste Indiens nach Britisch-Ostafrika aus. Sie waren Inder mit europäischen Gewohnheiten und Werten. Als das Empire zusammenbrach, mussten sie sich weiter nach Westen kämpfen. Einige kamen in die Vereinigten Staaten und England, doch einer endete in Bamble, an der Küste von Telemark in Norwegen. Die Geschichte einer Familie, die niemals verloren geht, sondern sich immer wieder findet.“

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Trude Teige: „Mormor danset I regnet“ (2015) [„Großmutter tanzte im Regen“]

„Juni hat das Haus der Großeltern geerbt und kehrt auf die Insel zurück, auf der sie aufwuchs. Beim Hausputz findet sie ein Bild der Großmutter mit einem deutschen Soldaten und einen Brief von 1946 mit deutschen Poststempel. Juni ist völlig unbekannt, dass die Großmutter kurz nach dem Krieg in Deutschland war und sie beschließt, zu recherchieren. Schließlich versteht Jun, dass das Geheimnis der Großmutter nichts anderes ist, als dass sie ein deutsches Mädchen war.“

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Thorvald Steen: „Det hvite Badehuset“ (2017) [„Das weiße Badehaus“]

„Im Dezember ruft eine unbekannten Frau an und sagt, sie sei seine Cousine. Die Familie wurde noch nie erwähnt. Jetzt entdeckt er neue Wahrheiten und Verwandte, und mit ihnen erscheinen schwierige Fragen. Er lebt mit einer Erbkrankheit und nutzt einen Rollstuhl. Ist die Geheimhaltung in der Familie mit dem Chromosomenfehler verbunden, den er erbte? Thorvald Steen geht dort hinein, wo es brennt. Der Roman ist eine tiefgründige und bewegende Geschichte über Herkunft, Scham, Verzweiflung und die Kosten, ehrlich zu sein.“

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Ida Jackson: „Morfar, Hitler og jeg“ (2014) [„Opa, Hitler und ich“]

„Ida Jackson ist Enkelin von Per Pedersen Tjøstland – SS-Mann, Frontkämpfer und Redakteur der nationalsozialistischen Wochenzeitung Germananen. Durch Zufall erfuhr sie vom Hintergrund des Großvaters erfahren – und musste ihre Familie und sich selbst in einem ganz neuen Licht sehen musste. Sie erlaubt dem Leser eine Reise ins ideologische Universum der germanischen SS Norwegen, der vielleicht extremsten Organisation in Norwegens Geschichte. Sie nutzt die Begegnung mit dem Extremismus der Vergangenheit, um extreme Strömungen heute zu verstehen“

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Marte Michelet: „Den storste Forbrytelsen“ (1947) [„Das größte Verbrechen: Opfer und Täter im norwegischen Holocaust“]

„Eine schockierende Geschichte über Frontkämpfer, die Staatspolizei und die Nazi-Bürokraten, die den Völkermord in Norwegen erlaubten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam das junge jüdische Ehepaar Benzel und Sara Braude nach Kristiania. An einem anderen Rand der Stadt wird Stian Bech jr. erwachsen. Er ist der Sohn eines antisemitischen Obersten Richters und kämpft darum, den Erwartungen gerecht zu werden. Der Krieg gibt Bech jr. neue Möglichkeiten. Wer wollte die Juden in Norwegen auslöschen? Warum und wie könnte dieses Verbrechen passieren? Marte Michelets sorgfältige Überprüfung des norwegischen und deutschen Archivmaterials zeigt eine schockierende Geschichte und zugleich ein lebendiges Bild des jüdischen Lebens in Norwegen zwischen den Kriegen und in den tödlichen Besatzungsjahren.“

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Simon Stranger: „Leksikon om lys og morke“ (2018) [„Lexikon über Hell und Dunkel“]

„Was machte den bescheidenen Schustersohn Henry Rinnan zu einem der härtesten Faschisten Norwegens? Und warum sollte eine jüdische Familie nach dem Krieg in das Rinnan-Hauptquartier ziehen: ins Haus, das als Symbol des Bösen stand? Als Simon Stranger erfährt, dass die Familie seiner Frau in jenem Haus lebte, beginnt er in der Geschichte zu graben. Stranger stellt Stücke zusammen, die sich über ein Jahrhundert erstrecken und die schönsten und verletzlichsten Seiten des menschlichen Lebens berühren.“

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Sumaya Jirde Ali: „Ikkje ver redd sanne som meg“ (2018) [„Hab keine Angst vor mir wie ich“]

„Ich war dreizehn Jahre alt und entkam nicht dem Politischen. Ich trug es mit mir.“ Sumaya Jirde Ali kam als Kind nach Bodø. Am 22. Juli 2011 wurde sie in Oslo von dem Angriff betroffen: ihre eigene Identität und Zugehörigkeit. Wir bekommen auch einen Einblick in das, was wir tun, um dem Hass entgegenzuwirken.“

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Camara Lundestad Joof: „Eg snakkar om det heile tida“ (2018) [„Ich rede die ganze Zeit darüber“]

„Camara Lundestad Joof ist in Norwegen geboren, mit norwegischer Mutter und gambischem Vater. Das Buch zeigt den Rassismus, den Sie weiterhin erlebt, der ihre Tage infiziert und immer mitgedacht werden muss.“

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Marte Spurkland: „Klassen – fortellinger fra et skolear“ (2017)

„Während des Schuljahres 2016/17 hat die Journalistin und Schriftstellerin Marte Spurkland sieben Schüler*innen und ihre Lehrer*innen in der dritten Klasse der Sekundarstufe II begleitet. Die Schüler haben keine findigen Eltern, die die Probleme für sie lösen. Sie kämpfen darum, in etwas im Leben einsteigen. Holen sich das Zertifikat, das Ticket in die Zukunft. Was gewinnen wir als Gesellschaft, in der mehr Menschen den richtigen Weg gehen?“

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Anette Trettebergstuen, Bard Nylund:  „Homo“ (2017)

„Informativ und gut, aber generell „nur“ Mittelmaß: Wenn Sie ein Lern- und Spaßbuch über Queerness suchen, lesen Sie es. Mit Texten von u.a. unter anderem Nils Bech, Jens Stoltenberg, Knut Anders Sorum, Linn Skåber.“

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Line Baugsto: „Vi skulle vaert lover“ (2018) [„Wir hätten Löwen sein sollen“]

„Ein neues Mädchen in der Klasse! Malin ist aufgeregt. Vielleicht ist es eine neue beste Freundin? Doch das neue Mädchen ist sehr schüchtern: Leona ist nicht einfach zu erreichen. Es stellt sich heraus, dass sie ein Geheimnis versteckt, ein Geheimnis, das in der Garderobe des Turniers brutal offenbart wird. Leona [ist trans]. Dann bekommt Malin eine neue Herausforderung: Ist sie mutig genug, um Leona zu verteidigen?“ [Hm. Klingt von oben herab & nicht sehr empowernd. Bleibt Leona Nebenfigur ihrer eigenen Geschichte?]

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Monica Flatabo: „En sann jente“ (2017) [„So ein Mädchen“]

„Andrea Voll Voldum ist bewusstlos und wird von drei Männern weg getragen. Sie sagt, sie wurde stundenlang vergewaltigt. Mit Erfahrung und Hingabe erzählt Monica Flatabø eine erschütternde Geschichte über Vergewaltigungen im heutigen Norwegen. Warum gibt es so viele Jugendliche, die nicht wissen, was Vergewaltigung ist? Wie sprechen wir mit unseren Söhnen über Sex? Und warum ist Vergewaltigung immer noch ein großes soziales Problem in einem gleichwertigen und zivilisierten Land wie Norwegen?“

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Madeleine Schultz, Marta Breen, Jenny Jordahl: „F-Ordet“ (2015) [„Das F-Wort. 155 Gründe, Feminist*in zu werden“]

„Eine neue feministische Welle ist über uns! Gute Tipps, wie Sie typische Argumente und Klischees in der Debatte über Geschlechtergleichheit begegnen können. Das „F-Wort“ ist ein lustiges und politisches Selbsthilfebuch für diejenigen, die sich fragen, ob Sie Feministin sind oder nur bestätigen wollen, dass Sie Recht haben.“

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Tengehanne, Jostein Larsen: „Lykke til!“ (2017) [„Viel Glück! 52 Dinge, die du leider benötigst.“]

„Dein Leben wird aus einer endlosen Anzahl von Überraschungen bestehen. Selbst hier in einem der besten Länder der Welt wirst du Herausforderungen meistern. Du wirst deine Eltern enttäuschen. Aber nimm es leicht! Das ist in Ordnung! Hier sind 52 Dinge, die du erkennen und über die du lachen kannst. Passt gut als leichtes Geschenk für 18-jährige.“

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Janne S. Drangsholt: „Winterkrigen“ (2018) [„Der Winterkrieg“]

[Band 3 einer Serie] „Ingrid Winters Alltag ist wie immer von Herausforderungen geprägt. Bei der Arbeit: offene Bürolandschaften mit Clean-Desk-Politik und neuen synergiebildenden Formen des Teamworks, im Gegensatz zu Ingrids Traum vom Professortitel und Sabbatjahr. Zu Hause hat Ingrid Sorgen über Tochter Alva, die auf dem Fußballplatz in die falsche Richtung läuft und in der Klasse schikaniert wird. Zu Weihnachten sind Eltern und Schwiegereltern eingeladen.“

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Lene Wold: „Aere vaere mine dotre“ (2017) [„Ehre sei meinen Töchtern“]

„Ehrenmorde aus der Perspektive des Mannes. In den letzten drei Jahren verbrachte Lene Wold viel Zeit in Jordanien mit einem Vater, der sowohl seine Mutter als auch eine seiner beiden Töchter getötet hat, um die Familienehre wiederherzustellen. Wold hat mit der zweiten überlebenden Tochter gesprochen, die mehrere Jahre im Gefängnis war, zur Strafe für einen Mordversuch, mit dem sie sich vor ihrer Familie schützen wollte. Eine erschütternde Geschichte darüber, was einen Vater dazu bringt, gemeinschaftliche Werte vor das Leben der eigenen Kinder zu stellen.“

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Kristine Storli Henningsen: „Antisuper“ (2015)

„Beruhigender Spaß. Niemand ist die ganze Zeit glücklich. Die Autorin erreichte mit dem Blog Antisupermamma ein großes Publikum. Doch sie war anti-super, lange bevor sie drei Kinder in drei Jahren bekam. In ihrer ersten Ehe versuchte sie, einen Drogenabhängigen zu erfreuen. Als sie wieder heiratete, kam sie zu spät zur Hochzeitszeremonie. Kristine ist ausgebildete Figurentherapeutin und vertieft sich in den Perfektionismus der Moderne. Sie gibt uns eine neue Sicht dessen, was erstrebenswert ist. Nach dem Lesen dieses Buches fühlt es sich großartig an, ein gewöhnlicher Mensch zu sein.“

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Helene Uri: „Hvem sa hva?“ (2018) [„Wer hat was gesagt?“]

„Er sät wie ein Mädchen. Sie hat Haare auf ihrer Brust. Er fährt wie eine Kutsche, und es ist Zeit, dass sie sich aufregt. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Helene Uri mit Sprache und Geschlecht. Sind Frauen in ihrer Sprache indirekter? Sie hat auch Gesprächen im Bus und auf der Party gehört, sie hat die Redezeit gemessen. Ein Buch darüber, wie Sprache die Realität spricht, aber auch wie sie sich formt.“

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Karin Fossum: „De Gales Hus“ (1999)

„Hajna ist eine sehr junge und elende Frau. Sie rennt durch ein Fenster und möchte sich umbringen, aber sie scheitert und überlebt. Eine schöne und genaue Wiedergabe davon, wie man in einer psychiatrischen Abteilung in Norwegen lebt.“

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Anja H. Hagelund: „Med himmelen under oss“ (2015) [„Mit dem Himmel unter uns“]

„Ein kurzer Roman über Verletzlichkeit, Beziehungen zu anderen Menschen und grüne Turnschuhe. Erika, 25, geht gern mittwochs in die Bibliothek. Es geht auch um Ole, der an einem Ort arbeitet, an dem „niemand wirklich sein will“. Erika hat Zwangshandlungen. Dies ist kein trauriges Buch: Sie können Humor finden und Tragikomik. Ein kleines Juwel von zwei verschiedenen Menschen, die ihr Leben nicht komplett in Ordnung bringen und sich in ihrer Andersartigkeit wiederfinden. Voller Wärme und Humor. Doch die Sprache hätte von einem besseren Lektorat profitiert.“

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Kristine Getz: „Hvis jeg forsvinner, ser du meg da?“ (2012) [„Wenn ich verschwinde, siehst du mich dann?“]

„Eine gut geschriebene Darstellung des Kampfes einer Frau mit ihrer Essstörung. Es war schwierig, das Buch wegzulegen, die Ehrlichkeit des Autors schafft das Gefühl, dass du bei ihr bist: Bei meiner Essstörung ging es nicht darum, im Restaurant einen Salat zu bestellen. Es ging nicht darum, ein kleines Stück Kuchen auf einer Geburtstagsparty zu essen, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, sich ins Badezimmer zu schleichen. Unter dem Bedürfnis nach Kontrolle war Angst, Scham, Wertlosigkeit, Verzweiflung. Die Magersucht war bösartig, kalt und unbeschreiblich einsam. Und weil sie mich beherrschte, in mir lebte, brachte sie mich dazu, böse, verzweifelte Dinge zu tun.“

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Ingeborg Senneset: „Anorektisk“ (2017)

„Ehrliche, gnadenlose und originelle Darstellung aus dem Inneren der Magersucht. Geschrieben über drei Jahre, durch eine langsame Genesung, von einer Autorin in der einzigartigen Dreifachrolle Patientin, Journalistin und Krankenschwester. Wie erlebt die norwegische Psychiatrie einen Patienten mit Anorexie und Zwangsstörungen? Welche Spiele werden in einem Menschen gespielt, der eine Krankheit beenden wird, die seit ihrer Kindheit sowohl lebensrettend als auch lebensbedrohlich ist? Dieses Buch ist garantiert frei von Romantik.“

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Lotta Elstad: „Et eget Rom“ (2014) [„A Room of One’s own“]

„Eine feministische Satire über Geld, Titten und Professur. Anna Louisa Germaine Millisdotter, 70, lebt in einer großzügigen Wohnung und schläft seit 15 Jahren. Bis sie am 7. Dezember 2013 aufwacht und sich erinnert, dass die Welt sie braucht. Ein modernes satirisches Kammerspiel mit Platz für Bitcoins und Pussy Riot. Lotta Elstad ist vielleicht Norwegens wichtigste Satirikerin.“

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Lotta Elstad: „Je nekter a tenke“ (2017) [„Ich weigere mich, zu denken“]

„Lotta Elstads neuer Roman enthält den gleichen scharfen und intelligenten Humor wie ihre früheren Bücher. Wir treffen Hedda Møller nach einem traumatischen Flug: ein krisengeschütteltes Europa mit Zug und Bus, dreckige Zimmer in Hostels und ein One-Night-Stand in Berlin. Wieder zu Hause entdeckt sie eine ungewollte Schwangerschaft. Es sollte leicht sein, etwas dagegen zu tun. Ist es aber nicht. Eine schwarze, feministische zeitgenössische Komödie über Politik, Liebe und die Abgründe von Nähe.  Der Frauenkörper steht immer am Verhandlungstisch. Vor einer Abtreibung sind drei Tage Bedenkzeit vorgeschrieben. Hedda weigert sich, zu denken.“

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Ilona Wisniewska: „Hen“ (2016) [„Im Norden von Norwegen“]

„Nordnorwegens raues Klima, eine Handvoll Menschen, Tausende von Rentieren, eisiges Meer und Wind. Für die Helden dieses Buches ist Finnmark, die seit Jahrhunderten mit Ultima Thule identifizierte Region, das Zentrum der Welt und eine unendliche Geschichte. Finnmark ist das Ende. Es spielt keine Rolle, wo du hinschaust, denn es wird immer noch weit weg sein. Das Wort „Hen“ auf Norwegisch bezieht sich auf die Entfernung, es kann „auf der anderen Seite des Globus“ bedeuten und „gleich um die Ecke“. Hen ist gleichzeitig weit und nah. Es ist auch eine Geschichte über die Samen, die lange Zeit vom norwegischen Staat als Fremdkörper behandelt wurden.“

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Emil Andre Erstad: „Farvel, Syria“ (2016) [„Auf Wiedersehen, Syrien. Wenn ein Volk flieht.“]

„Norwegen hat beschlossen, dass wir für die nächsten drei Jahre 8000 Quotenflüchtlinge erhalten werden. Darüber hinaus kommen tausende andere Flüchtlinge alleine hierher. Was ist der Unterschied zwischen ihnen und Frauen, denen wir helfen müssen? Das Buch erklärt, warum die Gesellschaft für Flüchtlinge aufstehen muss, liefert gute Analysen und Erklärungen und der Autor gibt einen Einblick in eine bestimmte Flüchtlingspolitik für Norwegen und Verda.“ [Ich hoffe, die „Was ist der Unterschied?“-Frage im Klappentext ist rhetorisch gemeint und das Buch ist kein rechter Wir-können-nicht-allen-helfen-Müll, der das „Wirtschaftsflüchtlinge können ruhig sterben“-Narrativ stützt.]

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Simen Ekern: „Europere“ (2015) [„Europäer“]

„Gut geschriebenes, leicht lesbares und interessantes Buch über die Krisen der letzten Jahre in Europa. Als Simen Ekern Ende der 1990er Jahre als Austauschstudent nach Brüssel zog, war die Stimmung optimistisch. Die „Erasmus-Generation“ sollte ein neues Europa schaffen, in dem nationale Unterschiede weniger wichtig sind als die Idee einer harmonischen europäischen Zukunft. Als er zehn Jahre später als Journalist in die EU-Hauptstadt zurückkehrte hat die schwierige wirtschaftliche Situation politischen Unternehmern mit sehr unterschiedlichen ideologischen Projekten viel Raum gelassen. Ekern führt den Leser zu italienischen Populisten, schottischen Separatisten und ungarischen Extremisten. Er spricht mit Brüsseler Bürokraten, französischen Patrioten – und einem griechischen Krimiautor. Der Kampf um Europas Zukunft ist intensiv, einschüchternd und unterhaltsam, und in diesem Buch treffen wir die Hauptfiguren.“

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Monika Steinholm: „Naermere kommer vi ikke“ (2016) [„Näher kommen wir nicht“]

„Jens hat Angst vor vielen Dingen. Er hat Angst, sich zu outen, Angst vor Wasser und Angst vor Blut. Edor hat vor nichts Angst. Er ist mit Beate zusammen, trainiert neue Eisbahnen, badet im Meer, schwimmt weiter hinaus, als er sollte. Edor badet nackt mit Celia, es ist ihm egal. Er klickt mit Mariell im Tiefkühlraum von Burger King, es macht einfach Spaß. Edor trifft Jens und fühlt, dass Jens cool ist, weil er ein Motorrad hat und Edor will hinterher sitzen. Edor braucht keinen Helm, er hat keine Angst zu sterben. Es gibt nur eine Sache, vor der er Angst hat, und so schafft Jens es, in seinem Bauch zu zerbröseln.“

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Monika Steinholm: „Fuck Verden“ (2015) [„Fick die Welt!“]

„Gunn ist gerade mit ihrer Mutter nach Tromsø gezogen. Die Mutter sitzt normalerweise drinnen und redet mit Fremden im Telefon. Gunn fährt einen Traktor herum. In der roten Abendtasche ihrer Großmutter findet sie ein Bild eines jungen Mannes. Sie sollte fragen, wer er ist. Niklas fehlt ein Gegenmittel. Ein Gegenmittel gegen den Drang, auf Facebook zu sitzen und die Bilder der Ex zu sehen. Ein Psychologe könnte etwas für Niklas tun, doch davon hält er nichts. Freundschaft, Mutter-Tochter-Beziehung, Suche nach der Herkunft und Versöhnung.“

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Monika Steinholm: „Under snoen“ (2017) [„Unter dem Schnee“]

[Band 3 und, scheint mir, der erste Band, für den man Vorwissen braucht.] „Es ist bald Weihnachten. Gunn hat beschlossen, keinen Kontakt zu ihrem Vater zu haben. Das wird schwierig, als er unerwartet an der Tür erscheint. Edor ist nach Brighton gereist, arbeitet bei Burger King und kann genau tun, was er will. Aber was will er? Jens versucht wieder, die Liebe zu finden, doch seine Gedanken fließen immer wieder zu Edor zurück. Es schneit viel. Im Radio empfehlen sie, dass jeder drinnen bleibt.“

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Camilla Sandmo: „Kan vi bare late som“ (2017) [„Können wir nur so tun?“]

„Wenn Emma nicht davon träumt, eine berühmte Bloggerin zu werden, macht sie Eistkunstlauf. Jossi betreibt Hockey und ist hauptsächlich damit beschäftigt, Spaß auf dem Eis zu haben. Nach einer Wette entwickelt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden. Aber in Jossis Welt ist nicht alles vorhanden. Tolles Buch über Schulstress und Liebe. Die Geschichte handelt von einer lesbischen Beziehung. Es ist erfrischend, nicht „Bin ich eine Lesbe?“-, „Ich bin verwirrt, bin ich verrückt?“-Monologe in der Geschichte zu finden. Emma verliebt sich und so ist es.“

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Lisa Forfang Grimnes: „Kaoshjerte“ (2014) [„Chaosherz“]

„Minja ist sechzehn Jahre alt und erwacht ohne Erinnerung. Sie träumt von Händen, die sie in den Sumpf ziehen und einem Mann, der so schön ist wie die Unterwelt selbst – und plötzlich erinnert sie sich an den daran Preis, ihre verbotene Großmutter diesen Sommer zu besuchen: den besten Freund Joseph für immer und ewig zu verlieren. Eine Geschichte, die zwischen Realität und Mystik balanciert, über Freundschaft, Verwurzelung und Selbstvertrauen.“

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Elisabeth Ovreberg: „Blodets Galskap“ (2015) [„Der Wahnsinn des Blutes“]

„Ein brandneues Konzept, bei dem keine Brutalität verschont bleibt. Aber das Buch ist nicht frei von Klischees, und das zieht meine Sterne herunter. Insta-Liebe und, dass jeder so schön ist: Krieger Eskil gewinnt unerwartet seine Freiheit unter einer Bedingung. Er muss auf die entlegene Insel Gaptul gehen, damit er sich nicht an dem Urgroßvater rächen kann, der ihn als Gladiator gefangen hielt. Eskil will die Abkürzung über den Berg zu nehmen,. Hier trifft er die Nachtjäger aus einer isolierten Gesellschaft, in der sich die Bewohner ganz anders als gewöhnliche Menschen entwickelt haben. In der vielleicht gefürchtetsten Schlacht in der nordischen Region erkennt er, dass seine enormen Kräfte knapp werden.“

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Stig Beite Loken: „Drommelinsene“ (2018) [„Traum-Objektive“]

„Ein unterhaltsamer und nachdenklich stimmender Roman über eine Zukunft, in der sich die Menschen im technologischen Traum verlieren. Immobilienmakler Jonas Høller will einen virtuellen Ausblick haben, um ein Haus in Stavanger zu verkaufen. In der Show trifft er eine Frau. Um herauszufinden, wer Mathilde ist, unternimmt Jonas eine Reise zu Orten und Menschen, die er vorher nicht kannte.“

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Thore Hansen: „Skogland“(1988) [„Woodland“/“Forestland“]

„Es gibt eine Welt, nur einen Schritt von uns entfernt. Menschen, Wälder, Drachen, Zwerge, Elfen, Trolle, Shimoles, Schattenmenschen und Höhlenmenschen – alle gehören in Skogland, am Rande unserer Welt. Für die Bücher über Skogland hat Thore Hansen den Nordischen Kinderbuchpreis erhalten. | An imaginative and unique world, written in a simplistic and easy-to-read style which fits children and young teens perfectly. Its content, while down-to-earth and simple, is also poetic and contains many wise lectures. The series‘ ongoing central theme is definitely the balance between civilization vs. nature or the civilized vs. the primitive. This struggle is portrayed through the journey of three unlikely friends, the human child Kaim, the forestman Gwan and the dragon. The journey explores the dynamics between the different intelligent races, the lifestyle of living out in the wild, cultural and racial identity, and longing. A series shedding away from the usual run-of-the-mill D&D fantasy, and filled with a vibrant and well-realized world. The balance between humans, animals, nature and civilization is explored in depth and from different interesting angles. Easy to read, childish but also wise.“

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Elin Viktoria Unstad: „Vega“ (2017) [„Wega – der Kampf um eine neue Welt“]

„Ein harter und actiongeladener Roman über Vega, 17 Jahre. Der Energiekrieg zerstörte fast alles. Vega folgt den Regeln und hat Pläne für die Zukunft. Doch dieser Sommer wird nicht wie erwartet sein. Nach einer Weile tobt die Gesellschaft um sie herum. Die lebenswichtigen Solarzellen hören auf zu arbeiten. Einschränkungen werden verschärft. Aber die Behörden haben Kontrolle. Oder? | Vega ist ein hartes Mädchen und versteht, dass die Beziehung, in der sie lebt, nicht so groß ist, wie sie aussieht. Empfehlung!“

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ab hier: Titel, die wohl auf jeden Fall noch ins Deutsche übersetzt werden.

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Carl Frode Tiller: „Begynneleser“ (2017) [„Anfänge“]

„Das Leben des Umweltschützer Terje in umgekehrter Chronologie – vom Selbstmord bis zur Geburt: Warum ist es so gelaufen? Wir erhalten Einblick in Terjes Entscheidungen im Erwachsenenalter, Jugend und Kindheit; seine große Liebe zur Natur; und der Schmerz, der dadurch entsteht. Ein Roman, der in die entscheidende Frage von heute – die Klimadebatte – eingreift, sanft durch Terjes Geschichte erzählt.“

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Roy Jacobsen: „Seierherrene“ (1991) [„Die Sieger“]

„Hat die Arbeiterklasse gesiegt? Der Sprung von seinem Großvater als Ruder-Fischer an der Küste von Helgeland, die Hoffnung auf die Revolution und die Brüder, die zwei Generationen später in Oslo eine eigene Computerfirma starten wollen: Jacobsen beschreibt diese großartige Zeitspanne mit beeindruckenden Einsichten und Wissen. Im Mittelpunkt des Romans ist der Abbau oder Sprung in der norwegischen Nachkriegsgesellschaft: Generation mit Vätern und Mütter sollten aufstehen, aus der Arbeiterklasse. Ein Generationenroman, der stehen bleiben wird.“

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Gaute Heivoll: „Over det kinesiske hav“ (2013) [„Übers chinesische Meer“]

„Kurz vor dem Krieg will ein Ehepaar in dem kleinen Dorf im Süden Norwegens sein eigenes Pflegeheim für Atemkranke eröffnen: Der religiöse Christian Jensen, der stille, stets besorgte Matias und Onkel Josef, einer der beliebtesten im Dorf. Eine Geschwisterklasse von fünf Kindern zieht in das sogenannte Galeerenhaus. Joseph nennt sie nur „die Trolle aus Stavanger“, aber sie werden schnell Teil der Familie. Der Krieg endet, doch die ungewöhnliche Familie wird alles andere als Frieden erhalten. Denn bald werden sie von einer großen Tragödie getroffen, die sie den Rest ihres Lebens verfolgen wird. Eine Geschichte, die auf realen Ereignissen und authentischen Menschen basiert. Die durch ihr Leben und Handeln ihre Würde und Stärke zeigen.“

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Tore Renberg: „Mannen som elsket Yngve“ (2003) [„Der Mann, der Yngwe liebte“]

„Zusammen mit Helge und seiner Freundin Katrine ist Jarle Klepp die härteste Gang in der Schule. Sie haben kompromisslose Standpunkte zu den grundlegenden Fragen des Lebens: Weltordnung, Musik, Frisur. Der bisher heterosexuellste Jarle verliebt sich in Yngve. Yngve ist ein Eindringling, der Tennis spielt. Jarle muss ehrlich zu sich selbst und seinen eigenen Gefühlen sein und damit ein Netzwerk von Lügen gegen die alte Bande aufbauen.“

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Tore Renberg: „Kompani Orheim“ (2005) [Band 2 der selben Reihe; die in Deutschland erst ab Band 3 erschien]

„Stavanger in den 80er Jahren. Jarle, Mutter und Vater ziehen in ein Stadthaus mit Carport in der norwegischen Ölhauptstadt Stavanger. Alles sieht sehr gut für die kleine Kernfamilie aus, bis der Vater anfängt zu trinken. Jarle hat den starken Willen, das Beste aus der Welt zu machen, in der er lebt. Er verliebt sich in die Mädchen, wird Antirassist und Feminist. Doch was ist mit der Familie passiert? Warum haben sich diejenigen, die sich so gut leiden wollten, gegenseitig verletzt? “

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Tore Renberg: „Du er sa lys“ (2016) [„Du bist so leicht“]

„Was können wir über das Leben der anderen wissen? Es ist ein neues Jahr in dem kleinen Dorf. Eine dreiköpfige Familie zieht ins Nachbarhaus; die zwei Familien werden gute Freunde. Doch dann bekommt Jørgen etwas zu sehen, das ihn unruhig macht. Ein nervöses und bewegendes Buch über das, was wir uns nicht leisten können. Auch wenn es direkt vor uns spielt.“

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Arne Garborg: „Fred“ (1892)

„Das Leben der Hauptfigur Enok Hòve ist alles andere als friedlich. Er trauert Tag und Nacht, tut sich und seiner Familie weh. Am Ende treibt er sich selbst in den Tod. Sofort zeichnet das Buch ein kraftvolles Bild von der Natur und erzählt vom großen Wandel in Wirtschaft und Kultur, der das alte, sichere Dorfleben wiederbelebte. Eine tiefgründige Studie in religiöser Psychologie vor einer Gesellschaft in Transformation.“

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Britt Karin Larsen: „Som steinen skinner“ (2011) [„So, wie der Stein glänzt“]

„Die Geschichte aus dem Gebiet zwischen Hedmark und Värmland im 18. Jahrhundert: Die Menschen haben ein hartes Wintertreffen, bei dem beide Ernten zerstört werden und die Vorräte durch große Schneemengen behindert sind. Bestehen Lina und die Kinder in Mostamägg, Jussi und der Priester auch diese harten Herausforderungen?“ [Band 3 eines Zyklus‘]

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Cecile Enger: „Himmelstormeren“ (2007) [„Hitzestürme“]

„Wer war Ellisif Wessel? Geboren 1866 hatte sie jede Gelegenheit, um ein komfortables und geschützt privilegiertes Leben zu leben, hinter dicken Samtvorhängen. Stattdessen ließ sie sich direkt in ihre Zeit fallen. Sie ließ sich in der Grenzzone des Landes nieder und entschied sich dafür, für die am wenigsten repräsentiertesten Menschen zu kämpfen. Mit Kamera und Worten dokumentierte sie das Elend unter der ärmsten Arbeiterklasse des Landes und wurde zu einem glühenden Schauspieler und Revolutionär. Zu Ellisifs Kampf für Gerechtigkeit kam ihr persönlicher Kampf um Ausbruch, gegen den Zweifel und gegen das eigene Leid. “

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Tomas Espedal: „Aret“ (2016)

„Ich würde gerne ein Buch über die Jahreszeiten schreiben unser Herbst Sommer Winter die hellen Tage von April und Juni die Dunkelheit des August beschreiben die Wochen Wochen die Tage des Tages und die Veränderungen, die immer dasselbe auf eine neue Art wiederholen.“ So einfach, so schön eröffnet Tomas Espedal das neue Buch. Seine Prosa hatte immer einen poetischen Unterton, und in diesem Buch ist die Poesie noch prominenter als zuvor. Ein Buch darüber, das gleiche ganze Leben zu lieben, auch wenn die Liebe nicht belohnt wird. Ein Buch über Altern und Verzweiflung, über Stagnation und Wiederholung. Die Handlung beginnt am 6. April, dem Datum, an dem der italienische Dichter Petrarca seine geliebte Laura zum ersten Mal sah, als sie 13 Jahre alt war. Offen und schön untersucht Tomas Espedal die Liebe eines Menschen, die Liebe, die nicht endet. Ist die große Liebe noch möglich?

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Lars Saabye Christensen: „Byens spor“ (2017) [„Die Spuren der Stadt“]

Der erste Band einer Trilogie und wir sind direkt nach dem Krieg in Oslo West, wo wir Ewald und Maj Kristoffersen mit ihrem Sohn Jesper treffen. Ewald arbeitet in einer Werbeagentur, die mit der Kampagne im Zusammenhang mit Oslos 900-jährigem Jubiläum beauftragt wurde und May engagiert sich beim Roten Kreuz. Hören Sie den Sound von Oslo. Sehen Sie die Straßen, die es zusammenbinden, die Leute, die darin leben. Sehen Sie Ewald und May, sehen Sie den Metzger, gehen Sie zum Arzt, hören Sie den Kosmopoliten in Bristol, hören Sie den Anruf von Frau Vik. Hören Sie, wie sich die Brille an Bristol klammert. Hören Sie das Geräusch von weinerlichen Bremsen.

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Jan Kjaerstad: „Berge“ (2017)

An einem Augusttag 2008 wurde Arve Storefjeld und mehrere in seiner Familie wurden tot in der Waldhütte bei Blankvann gefunden. Fünf Menschen mit durchgeschnittenen Kehlen. Jeder nimmt an, dass Terroristen hinter der Tat stehen. Die Journalistin Ine Wang hat sich in letzter Zeit dumm gefühlt. Aber die Morde an der Storefjeld-Familie verändern alles. Der Bezirksrichter Peter Malm lebt in seiner Freizeit ein zurückgezogenes Leben und beschäftigt sich mit seinen kleinen Projekten. Das Letzte, was er will, ist Aufmerksamkeit wegen dieser Angelegenheit. Für mehrere glückliche Jahre war Nicolai Berge mit Gry zusammen, Arve Storefjelds Tochter. Dann beendete sie es. Jetzt ist sie tot. Das Unwahrscheinliche passiert in der Welt immer und immer wieder. Trotzdem sind wir niemals vorbereitet. Berge ist die Geschichte eines schrecklichen Ereignisses, das in drei Teilen aus drei verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird: ein Journalist, ein Richter, ein Ex-Freund. Berge ist ein Roman, der nicht über den 22. Juli erzählt, aber nicht ohne den 22. Juli geschrieben werden konnte.

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Vergessene Bücher, Geheimtipps: Norwegen, Gastland / Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019

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2013, 2014 suchte ich für die „ZEIT Bibliothek der verschwundenen Bücher“ nach Literatur, die in Deutschland erschien – und wieder verschwand:

Bücher, nur noch aus zweiter Hand erhältlich.

Im Oktober 2019 ist Norwegen Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse.

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Ich suchte vorbereitend nach Büchern, die…

a) in Deutschland erschienen und bis heute erhältlich (Link folgt)

b) in Norwegen erschienen, doch für den deutschen Markt interessant sind (Link, 100+ Titel)

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Unterwegs fand ich die ca. 30 Titel hier im Post.

Bücher, die in deutscher Übersetzung vorliegen und oft noch billig gebraucht erhältlich sind…

…und denen ich eine Neuauflage oder Neuausgabe wünsche, vor Oktober 2019.

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(Kurztexte: Klappentexte und Goodreads-Reviews, teils via Google Translate aus dem Norwegischen; meist gekürzt.)

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Johan Harstad: „Buzz Aldrin, wo warst du in all dem Durcheinander?“ (1999)

2013 gelesen; sehr gemocht. „Die kuriose, verspielte und poetische Geschichte eines schüchternen jungen Gärtners aus Stavanger: In dem Moment, als Buzz Aldrin am 11. Juli 1969 als zweiter Mann den Mond betritt, erblickt Mattias das Licht der Welt. Natürlich verbindet so etwas. Und wie Aldrin ist Mattias seither bei allem der zweite Mann gewesen, der unsichtbare Zweite hinter einem Ersten. Daran war für ihn nichts auszusetzen. Bis seine Freundin Helle ihm den Laufpaß gibt und Mattias auch noch seinen Job verliert. Mattias wird aus seiner Umlaufbahn gerissen, und das Leben schleudert ihn bis auf die Färöerinseln.“

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Jan Kjaerstedt: „Der Entdecker“ (2005)

dritter Teil einer Trilogie – steht aber, glaube ich, gut für sich allein: „Er war ein Verführer, ein Blender, ein abgebrühter Eroberer. Jonas Wergeland, der bekannte norwegische Fernsehstar, hat bitter dafür gebüßt: Seine Frau ist tot, er selber saß mehrere Jahre im Gefängnis. Nun muß Wergeland eine neues Leben beginnen und sich zugleich der Vergangenheit stellen…“

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Sigrid Unset: „Kristin Lavranstochter“ (1920)

„Set in 14th-century Norway, Nobel laureate Sigrid Undset tells the life story of one passionate and headstrong woman. The day-to-day life, social conventions and political and religious undercurrents of a period: Kristin is deeply devoted to her fathern. But as a student in a convent school she meets the charming and impetuous Erlend Nikulaussøn and defies her parents in pursuit of her own desires. Her saga continues through her marriage, their tumultuous life together raising seven sons as Erlend seeks to strengthen his political influence, and finally their estrangement as the world around them tumbles into uncertainty.“

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Knut Hamsun: „Segen der Erde“ (1917)

„Unter Verwendung autobiographischer Elemente erzählt Hamsun die Geschichte Isaks, des Bauern, der in der Einsamkeit des Nordlandes dem Moor ein Stück Erde abringt, es urbar und zu einer fruchtbaren, weithin angesehenen Oase des Lebens für viele macht. In seiner einfachen, manchmal biblisch anmutenden Sprache ist der Roman weder nur Heimat- noch nur realistisch erzählter Bauernroman. Das im Roman vertretene Menschenbild, im Dritten Reich emphatisch begrüßt und durch die Ereignisse dieser Zeit in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert, hat dennoch nichts von seiner Überzeitlichkeit eingebüßt.“

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John Steinbeck: „Der Mond ging unter“ (1942)

„Taken by surprise, a small coastal town is overrun by an invading army with little resistance. The town is important because it is a port that serves a large coal mine. Colonel Lanser, the head of the invading battalion, along with his staff establishes his HQ in the house of the democratically elected and popular Mayor Orden. As the reality of occupation sinks in and the weather turns bleak, with the snows beginning earlier than usual, the „simple, peaceful people“ of the town are angry and confused.“

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Herbjorg Wassmo: „Dinas Vermächtnis“ (1997)

dritter Teil einer Trilogie. „Dinas Sohn Benjamin kehrt mit seiner jungen Tochter Karna in das nordnorwegische Anwesen Reinsnes zurück. Das 19. Jahrhundert neigt sich dem Ende zu; die dieser Veränderungen verlaufen im hohen Norden. Reinsnes ist verfallen, doch als die starke Dina aus Berlin zurückkehrt, sorgt sie mit ihrer Fähigkeit und ihrem Geschäftssinn für eine entscheidende Wende. „

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Gerd Brantenberg: „In alle Winde“ (1989)

Als eBook erhältlich; im Print nicht. „Die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens im Norwegen der sechziger Jahre. Über die Vergangenheit wird geschwiegen, ganz besonders, wenn die Eltern Nazikollaborateure waren; von Sexualität spricht niemand, schon gar nicht, wenn es um Homosexualität und Lesbischsein geht. Inger Holm aus Fredrikstad sucht ihren Weg aus der Enge. Nach der Schule arbeitet sie ein Jahr als Au-pair-Mädchen in Edinburgh, danach geht sie auf die Universität in Oslo. Allmählich wird ihr bewusst, dass sie Frauen liebt; aber auch, dass sie zumindest ihrer Mutter mitteilen möchte, von welcher Art ihr Leben sein wird.“

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Gerd Brantenberg: „Vom anderen Ufer. Autobiografische Erzählung.“ (1973)

„This was a cult classic novel in Scandinavia in the 1970s, about a young lesbian whose lone problem with her sexual identity is that society’s rejection of it often forces her to lie about who she is. I liked the very self-possessed character and the setting (glum Oslo).“ (…und auch „Umarmungen“, OT „Favntak“)

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Gerd Brantenberg: „Die Töchter Egalias“ (1977)

„In Egalia werden Frauen und Weibliches als Norm angesehen und Männer als das abweichende, untergeordnete Geschlecht. Dabei werden alle üblicherweise männlichen Wörter weiblich umgesetzt und umgekehrt.“

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Jens Bjorneboe: „Haie“ (1974)

Edit: Im Merlin-Verlag ist das Buch noch erhältlich. „Die „Geschichte eines Schiffsuntergangs“ ist eigentlich die Geschichte einer über ihre bestialischen Raufereien das Wohl des Schiffes vergessenden Besatzung. Die meuternde Mannschaft, auf engstem Raum des scheiternden Schiffes zusammengedrängt, wird zum Gleichnis der Menschheit, die in irrsinniger Gegnerschaft die Erde ihrem Untergang entgegentreibt. Das letzte Buch Bjørneboes ist ein literarisches Vermächtnis.“

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Jens Bjorneboe: „Jonas“ (1955)

„Jonas – das ist ein siebenjähriger Junge, dem wir in der Nacht vor seinem ersten Schultag begegnen, wie er im Traum frei über dem Fjord schwebt. Der alte Oberlehrer Jochumsen, der Literaturkritiker Werner, der Lehrer Marx, der Jungmann, der Priester, der kleine Bobbi: In der äußeren Schulhandlung geht der Sinn des Romans nicht auf. Und doch steht die Pädagogik in seinem Zentrum. | Bjørneboe’s book has been roundly condemned by educators wherever it has appeared. The fate of the little boy, Jonas, crushed by the enforced conformity of his education, is not, the author says, the central theme of the novel. „All the important persons in this novel are different variations of Jonas – all of them are Jonases. The theme of the book is not the boy Jonas, but the ‚being a Jonas.'““

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Jens Bjorneboe: „Stille“ (1973)

dritter Teil einer Trilogie; auch 1 und 2 interessieren mich: „Bjorneboe’s remarkable, fierce, and even savage fictional inquiry into what he saw as the nature of evil in the twentieth century.As with the first two novels in the trilogy, The Silence also rejects the traditional modes of fiction to posit instead an essay-like novel of ideas, philosophy, and argumentation. It is, in fact, even further removed from the loose fictional form of the two previous protocols, and owes more to the works of Foucault, Girard, and Sartre. Described by Bjorneboe as an anti-novel and absolutely final Protocol, The Silence was ahead of its time in its critique and discussion of the post-colonialist world. Here the inquiring narrator explores not just European history, as he did in the first two novels, but the crimes committed by Europeans against the rest of humanity in the name of expansion and conquest. Set in an unnamed country in northern Africa, the narrator is looking at Europe from the outside. With his friend Ali, an African revolutionary intellectual, he discusses in epic fashion the history of colonialism.“

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Toril Brekke: „Sara“ (2001)

„Sara – Mutter und Tochter eint nicht nur der Name. Gemeinsam müssen die beiden Frauen im Norwegen des 19. Jahrhunderts um ihre Eigenständigkeit kämpfen, sich gegen die Willkür der Männer stemmen und die Zumutungen der Gesellschaft ertragen. Ein schweres Leben ist es mitunter, aber stets gelingt es den beiden Saras, ihre Würde zu wahren. „

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Margaret Skjelbred: „Die Perlenkönigin“ (2004)

„Die kleine Signhild wächst auf dem Hof ihres Großvaters Håvard auf. Noch ahnt sie nichts von dem dunklen Familiengeheimnis. Auf eindringliche Weise erzählt Margaret Skjelbred von menschlichen Schicksalsschlägen: von verschmähter Liebe, Tod, von Gewalt in der Familie und von der versöhnenden Kraft der Liebe. – »In präzisen, poetischen Bildern verleiht Skjelbred den grauenhaften Erlebnissen eines kleinen Kindes Sprache.«“

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Agnar Mykle: „Das Lied vom roten Rubin“ (1956)

Teil 2 einer Trilogie. „“RUBIN“ – und der darauf folgende Prozess – bilden ein eigenes Kapitel in der norwegischen Nachkriegsgeschichte. Gegen Agnar Mykle wurde Klage erhoben. Der Fall war wichtig, weil er eine Debatte über Sexualmoral und Meinungsfreiheit aufwarf. Die Geschichte des Jungen Burkefots, der durch Scham, Niederlage und Triumph zu einem tieferen und gerechteren Verständnis seiner selbst führt, öffnete einer ganzen Generation die Augen. Der Roman ist ein intensiver und lebendiger Bildungsbericht.“

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André Bjerke (unter dem Pseudonym Bernhard Borge): „Tod im Blausee“ (1942)

„Eine Gruppe von Jugendlichen reist in eine Hütte, um den Grund herauszufinden, warum ein guter Freund Selbstmord begangen hat. Während einiger Tage des Herbstes sind sie einer Reihe nervöser Erfahrungen ausgesetzt. Alles bewegt sich an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, in einem Schleier des Unglücks, bis der Psychoanalytiker Kai Bugge das Geheimnis durchkreuzt und die Lösung vorstellt.“

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André Bjerke (unter dem Pseudonym Bernhard Borge): „Tote Männer gehen an Land“ (1947)

„Ein junger Mann versucht, aus dem alten Kap ein Hotel zu machen. Aber dann beginnt es mit unheimlichen und mysteriösen Dingen. Hier sind Aberglaube und schwarze Magie und tote Männer in tropfenden Öllecks. Und die ganze Zeit ist die Aufregung an der Spitze.“

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Tor Age Bringsvaerd: „Die Stadt der Metallvögel“ (1983)

(2017 als eBook) „Nach dem Erscheinen des grossen Pilzes befindet sich die Welt in einem post-apokalyptischen Zustand. Der letzte überlebende Mensch sucht in dieser Welt, die von permanenter Dunkelheit gezeichnet und von Tiermenschen belebt wird, nach seiner ursprünglichen Herkunft. Seine Ermittlungen führen ihn nicht nur aus dem Königreich der Felin (Katzenmenschen) zum Raum der Kaan (Hundemenschen), sondern auch zu den Gna (Rattenmenschen) und in die alte Götterstadt der Ker Shus. – Ein gelungener Science Fiction Roman, der durch glaubwürdige Darstellung einer postapokalyptischen Welt und nicht-linearen Erzählweise überzeugt.“

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Vera Henriksen: „Der silberne Hammer“ (1961)

„Tells the story of Sigrid Toredotter, from she’s fifteen, and is married away to the much older Olve. The first book in Vera Henriksen’s trilogy from the early Middle Ages. The action takes place in a dramatic breakdown when Olav Haraldsson tries to complete the Christianity of the country.“

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Andreas Haukland: Flut und Ebbe

Einziges (?) Buch von Haukland auf Deutsch; der Wikipedia-Eintrag machte mir Lust: „Haukland war ein Pionier in der neuen realistischen Poesie. Er beleuchtete soziale Klassen, die zuvor geschwiegen hatten. Haukland selbst hatte eine schwierige Kindheit und Jugend. Er schrie seine Verachtung für diese Umgebung aus, wurde oft von seiner Autobiographie inspiriert und machte expressive und gesprochene Darstellungen des Lebens von Nordland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Andreas Haukland war ein produktiver Autor; insgesamt 27 Bücher. Das erste kam 1898 und das letzte 1933, im selben Jahr wie er starb. Sein Hauptwerk: Vor allem die vier Bücher über Ol-Jørgenwie; die erste wirkliche proletarische Quelle in der norwegischen Literatur.“

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Ragnar Hovland: „Dr. Munks Vermächtnis“ (1996)

„Dr. Munk sucht die zwei Männer über 40, mit denen er vor 20 Jahren zusammen in einer Band spielt und überredet sie, sich auf eine Konzertreise zu begeben, was nicht einfach ist, weil die beiden anderen etabliert sind. Aber Dr. Munk wird einen unbekannten Sohn finden, der in Heidelberg studiert.“

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Sigurd Hoel: Begegnung am Meilenstein (1947)

„In this moving and profound novel, Sigurd Hoel explores belief and traitorism through the major character’s memories of the underground during World War II in Norway. At the dark center of this work are questions of why certain individuals turn against their own country, their own values, and their own „selves“.“

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Sigurd Hoel: Der Trollring (1958)

„A historical saga, murder mystery, and domestic tragedy. Sigurd Hoel’s last novel is set in the early nineteenth century, following Norway’s independence from Denmark and during the country’s struggle to escape Danish domination. The story of an idealistic young farmer named Havard Viland and his struggle against religious bigotry, mindless conformity, and political and intellectual stagnation. The farmer wants to bring hope and dignity into the lives of everybody, even the lowliest cotter, but he is an outsider in his backward rural community. Tricked into marriage, gradually cut off, pushed into the position of scapegoat, and deliberately misunderstood, Havard becomes the personification of stifled goodwill and strangulated progress. It is shocking that he becomes the victim of a circle of aggressive neighbors and officials intent on maintaining the status quo.“

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Aksel Sandemose: Der Werwolf (1958)

„The thirst for power over others‘ lives, the lust to destroy what cannot be possessed or controlled:  Norwegian society from World War I to the 1960s. The relationship between one woman and two men, and stories of people „carried off by the werewolf“ are told with lots of turns, curves and seemingly irrelevant stops. Somebody might find this chaotic, but I found it fascinating.“

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Trygve Gulbranssen: „Und ewig singen die Wälder“ (1933)

„The story of three generations of an old-lineage Norwegian family making their life in the northern woods (circa 1750’s.) Main themes are the struggle between tradition and innovation, the prejudices of pastoral society, and a study in human nature and man’s ability to make peace with it.“

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Mette Newth: „Das dunkle Licht“ (1995)

„Thirteen-year-old Tora has leprosy and is sent from her family’s remote mountain farm to the leprosy hospital in the bustling port of Bergen. In early-nineteenth-century Norway, lepers are quarantined in this hospital and no longer considered among the living. But even as her body gradually fails her, Tora’s new life blossoms. She finds strength through helping her fellow patients, both young and old, and she decides to see for herself what the Bible says about leprosy. To do so, she must make friends with the young and angry Mistress Dybendal, the only person at the hospital who can teach her to read.“

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Lynne Marie Rypdal: Das blühende Land (poems) (2000)

noch erhältlich. „Verse voller Licht. Ein Licht, aus dem Rhythmus sprudelt und die Substanz vielseitger, ausdrucksvoller Bilder, denen nicht die Zeit gegeben wird, sich in Rhetorik zu verwandeln. Geschwindigkeit und Weisheit: Was für eine originelle jugendliche Kombination wird uns in deutscher Sprache aus Norwegen gebracht!“

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Aimee Sommerfelt: „Der Weg nach Agra“ (1959)

„The story is about a 13 or 14 year old boy named Lalu and his 7 year old sister, Maya, set in India. Maya has been lucky enough to receive a spot at the local school, and Lalu is determined to learn to read from her, but poor Maya is going blind. A friend tells Lalu that at the hospital in Agra, they can cure blindness, but Lalu’s family has no way to send Maya. So Lalu volunteers to take her himself–to walk 475km by themselves. Along the way, the siblings meet good people and bad; a cobra, bear, and elephant; suffer and grow. Some might object that Maya cries a lot.“

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Anne-Cath Vestly: „Aurora aus Hochhaus 7“ (1966)

„When Aurora’s family moves into a high-rise apartment complex in Oslo, she becomes conscious for the first time of how unusual they are. Aurora’s mother is a lawyer and her graduate-student father stays home to care for her and baby Socrates — a situation that raises eyebrows among the neighbors and leads to some embarrassing situations for Aurora, who must answer the nosy questions of ladies at Socrates‘ baby clinic and is puzzled by her new friends‘ scenario for playing „“Mothers and Fathers,““ Aurora’s daily adventures — a bungled trip to the supermarket, confrontation with the scary boy from upstairs, a visit from Granny — have a comfy universality.“

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Rune Belsvik: „Vom kleinen Land am Bach“ (2007)

„Im kleinen Land am Bach ist die Welt noch in Ordnung – hier leben Trottelpups, der am liebsten Ploppsteine in den Bach wirft, Oktavia, die so gerne singt, der Zwiebackfuchs, der neben Brot und Zwieback das leckerste Marzipan der Welt herstellt, der Stiefelstinker und der Grottenschniefer, die sich erst nicht ausstehen können und dann doch zu Freunden werden. Ein poetisches Buch zum Vorlesen und Selberlesen, für alle Mumin- und Winnie-the-Pooh-Fans.“

Töchter schreiben über Väter: Mareike Nieberding, Linn Ullmann, Elizabeth Garber bei Deutschlandfunk Kultur.

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Für Deutschlandfunk Kultur las ich drei aktuelle Bücher, in denen Töchter über ihre Väter schreiben…

…und über ihre Schwierigkeiten, mit den alternden Männern zu sprechen.

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Morgen – Donnerstag, 21. Juni 2018 – bin ich gegen 10.15 Uhr Studiogast in der „Lesart“, für ein ca. 6-Minuten-Gespräch mit Frank Meyer.

Der Audio-Link bleibt nur sechs Monate verfügbar.

Schon heute, hier im Blog: Thesen, Kurztexte und ein paar Links zum Themenfeld.

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Ich las:

MAREIKE NIEBERDING: „Ach, Papa. Wie mein Vater und ich wieder zueinanderfanden“ (Suhrkamp Nova, Februar 2018)

LINN ULLMANN, „Die Unruhigen. Roman (!)“ (Luchterhand, Juni 2018. Original: Norwegen 2015)

ELIZABETH GARBER, „Implosion. A Memoir of an Architect’s Daughter“ (She Writes Press, 12. Juni 2018. nicht auf Deutsch)

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Wie sprechen Töchter mit Vätern – und wie sprechen die Bücher darüber, wie schwer es ist, als Erwachsener mit wortkargen oder emotional kalten Männern neu ins Gespräch zu kommen? Den Generationskonflikt kannten Autor*innen der 68er-Generation: linke Töchter und Söhne, die ihre vom Krieg deformierten Väter (oft: Nazis) konfrontieren. Mir geht es um sanftere, jüngere Bücher.

Ich habe viele bleischwere Tochter-Vater-Lieblingsbücher: Liane Dirks schreibt in „Vier Arten, meinen Vater zu beerdigen“ über Missbrauch und Kolonialismus; Alison Bechdel erzählt im Comic „Fun Home“ vom Selbstmord ihres schwulen oder bisexuellen Vaters; auch Miriam Toews‘ „Mr. T, der Spatz und die Sorgen der Welt“ handelt vom Selbstmord des Vaters.

Stattdessen aber suchte ich nach aktuellen Büchern/Memoirs, die kleiner, intimer, alltäglicher sind: der Vater nicht als Monster oder lebenslanger Widersacher. Sondern als jemand, den die Welt überholt. und den man später, als Tochter, neu mitnehmen und einbinden will. Alle drei Bücher werden durch ihre Alltäglichkeit relevant: Die Autorinnen sprechen viel über Subjektivität, menschliche und literarische Versuche, Poetik: statt selbstbestimmt und autoritär aufzutreten (wie ihre Väter, in der Kindheit) wissen sie, dass ihr Erzählvorhaben auch scheitern kann.

Tastende Bücher, ohne Arroganz.

Ich suchte gezielt nach Töchtern, weil hier viel erzählt wird über neue Frauenbilder, Emanzipation… und eine ratlose ältere Männer-Generation, die sich neu erfinden sollte – doch meist einfach geschockt oder frustriert schweigt, verharrt. bei Vätern und Töchtern ist außerdem klar: der Vater kann kein 1-zu-1-Role-Model sein (wie in Vater-Sohn-Büchern):

Vor 30+ Jahren bestimmten diese Väter, wie Mädchen zu sein haben. Heute liegt die Macht, Verantwortung, Agency bei den Autorinnen, die als erwachsene Frauen abwägen müssen, wie sie über den Vater schreiben: Die Macht wandert von dem, der alles finanziert, normiert, wertet… zu der, die heute erzählt, normiert, wertet. Ich mag, wie macht- und schutzlos die Töchter sind, als Figuren, in der Kindheit… doch dass sie als Autor*innen ja ALLE Macht und Deutungshoheit über ihre Väter haben. Ich mag, dass alle Töchter versuchen, ihren Vätern etwas anzubieten, zurückzugeben etc.: „Du hast mir meine Kinderwelt gebaut. Jetzt bin ich erwachsen und nehme dich in meine… erwachsene, ganz eigene Welt mit.“ Spannend / dramatisch, wie schwer das ist – und wie vergeblich oft.

Die Bücher sind reizvoll, weil sie alltäglich, intim sind – und ich vieles gut mit der eigenen Familie/Kindheit abgleichen kann. Thema ist: Mein Vater baut mir eine Welt. an der ich mich reibe – und aus der ich raus wachse. Keiner der Väter in den Büchern meint es böse. Interessant, wie gesagt: wie Väter transportieren, wie Mädchen (später: Frauen) zu sein haben, was sich ziemt, wo sie sich in der Tochter sehen und, wo sie sich nicht sehen, weil sie verschiedene Geschlechter haben. Der Vater als Versorger, Richter, Autorität.

In Jugendbüchern kommt das kaum vor: Dort sind die Held*innen oft Waisen oder auf sich allein gestellt. Harper Lees „To kill a Mockingbird“ zeigt ein wunderbares, doch sehr idealisiertes Tochter-Vater-Gespann. Und, Überraschung: „Go set a Watchman“, Lees zuvor entstandenes, dunkleres, bittereres Buch, passt wunderbar in diese Memoir- und Nonfiction-Reihe über ambivalente, normierende Väter… und die Tochter, die da raus wächst.

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Mareike Nieberdings „Ach, Papa“ war ursprünglich für den Herbst 2017 angekündigt – unter dem Titel „Als wir das Reden vergaßen“.

Mein Vater wurde im Sommer 2016 60 – und wünschte sich von allen Gästen der Feier persönliche Texte. Doch weil er selbst so wenig Persönliches erzählt, schrieb ich eine Liste mit 200 Fragen (Link). Von Nieberding, einer ZEIT-Journalistin, vier Jahre jünger als ich (*1987) erhoffte ich mir einen recht persönlichen, vielleicht symptomatisierenden Blick auf diese Generation deutscher Väter/Männer:.

Doch „Ach, Papa“ kriegte, zusammen mit dem neuen Titel, ein zartrosa Cover – und vermittelt eher Landkindheits-, Wohlfühl-, Sehnsucht-nach-Zuhause-Atmosphäre.

Nieberdings Vater (stolz, stoisch, freundlich, warm, brummig) studierte in Freiburg und lebt mit der Familie bei Oldenburg. Nieberding zieht nach Berlin, doch kehrt für einen Tochter-Vater-Roadtrip bis nach Freiburg zurück. Unterwegs spricht sie über Lebensentwürfe, Träume, Heimat, Geborgenheit, Familienkonzepte. Ihr Vater sagt recht wenig – klingt vernünftig, aber bleibt, als Figur, stoisch und blass. Die beiden mögen sich: auf der Buchpremiere im Januar stand der Vater stolz, mit feuchtem Blick im Publikum.

Doch mich enttäuschte das Buch. Ich verstehe, dass man bei einem noch lebendem Vater nicht jeden Widerspruch, Konflikt ausbreiten will – und ich verstehe, dass ein gelungenes Tochter-Vater-Buch kein großes Trauma braucht: Ein undramatischer 190-Seiten-Text über einen etwas knorrigen Papa? Passt. Nur war hier, bei beiden Generationen, viel zu viel Scheu: Ein Vater, der seine Tochter fast nichts fragt, nicht wertet, wenig will, tut, ausspricht. Und eine Tochter, die auf 190 Seiten jeden Abgrund, jede harte Frage umgeht:

Ein übervorsichtiges, lauwarmes, defensives Buch – in dem niemand unsympathisch oder schwierig ist, doch bei dem ich mich trotzdem unangenehm berührt fühlte: Weil zwei Menschen, denen es offenbar nicht viel gibt, sich öffentlich zueinander zu positionieren… in der Öffentlichkeit stehen, nervös, befangen und norddeutsch-schmallippig.

Zwei Amazon-Statements, denen ich zustimme:

„Ich selbst gehöre einer ganz anderen Generation an und vielleicht ist das der Grund, warum ich mich immer wieder fragte „was will sie denn, sie hat doch ein tolles Verhältnis zu ihrem Vater“. Tatsächlich fand ich Mareikes Problem eher als Luxusproblem und ich hätte nicht von Entfremdung gesprochen. Was mir dieses Buch aver gegeben hat, war der Denkanstoß mich mit meinem eigenen Vater und seiner Vergangenheit zu beschäftigen, so intensiv, wie ich es vielleicht noch nie gemacht habe.“

„Um sich ihrem Vater anzunähern, schickt Nieberding ihm zum einen E-Mail-Fragebögen und unternimmt mit ihm außerdem einen Kurzurlaub in den Schwarzwald. Diese Passagen handelt von zweien, die keine Übung mehr darin haben, miteinander alleine zu sein. Allerdings kam mir Mareike Nieberdings Erkenntnis dann wenig spektakulär vor: „Auch ich hätte fragen können – und ebenso gut hätte ich auch einfach mal erzählen können.“ Stimmt – statt immer nur zu warten, dass ihr tiefschürfende Fragen gestellt werden. Ohnehin blieb bei mir der Eindruck zurück, den Vater trotz aller privaten Details zu wenig kennengelernt zu haben – wie steht er denn eigentlich zu der Entfremdung? Hat die Autorin ihn das eigentlich gefragt?

Als öffentliche Aufarbeitung ihrer eigenen Vater-Tochter-Beziehung hat Mareike Nieberding natürlich sowohl alle Freiheiten als auch die Deutungshoheit. Angekündigt wurde das Buch allerdings auch damit, dass es erzählen würde „[…] wie man sich wieder nahekommt, wenn man sich schon fast verloren hat.“ Das mag auf die Autorin und ihren Vater zutreffen, aber aus „Ach, Papa“ lässt sich nur wenig allgemein ableiten.“

Ich will das Buch nicht als Neon-Journalismus etc. aussortieren. Doch tatsächlich las auch ich nur deshalb mit Gewinn weiter, weil ich bei jeder Aussage an meinen eigenen Vater denken musste. Und wusste: ich wäre beherzter, konfrontativer, lauter als Niebderding.

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Linn Ullmanns „Die Unruhigen“ erzählt auf 410 Seiten von einem gescheiterten journalistischen, psychologischen, künstlerischen Projekt:

Als ihr Vater mit Anfang 80 erste Demenzerscheinungen zeigt, kauft Ullmann ein Diktiergerät, zieht in ein Haus nahe des Vater-Hauses auf der Insel Farö und verabredet sich mit ihm ein Frühjahr lang (2007) zu je zwei Stunden langen Interviews: Sie stellt Fragen – und gemeinsam wollen sie ein Buch über ihr Verhältnis – und sein Vermächtnis als Theater- und Filmregisseur – erarbeiten: diszipliniert, reflektiert, nüchtern.

Tatsächlich schätzte Ullmann ihren Vater falsch ein: Die Demenz ist weit fortgeschritten; die sechs Gespräche sind voller non sequiturs, ihr Vater fühlt sich hörbar unwohl. Sie bricht das Projekt ab – und beschließt Jahre später, einen Roman über ihre Kindheitssommer auf der Insel zu schreiben: Sie verbringt je einen Monat im Jahr bei ihm, lebt sonst bei ihrer Mutter, einer nervösen und einsamen Schauspielerin, in u.a. Amerika. Ullmanns Vater hat insgesamt neun Kinder, fünf Exfrauen, vier Häuser etc.

„Die Unruhigen“, ein Roman, vermischt Gesprächsprotokolle, skandinavischen Kindheits-Erinnerungs-Glanz im Stil von u.a. Tove Janssons „Sommerbuch“ (Empfehlung!), geschwätzige, detailversessene, oft viel zu lange Autofiktion wie bei Knausgard und viele, viele Reflektionen über die Natur des Erinnerns (u.a. mit massig Verweisen auf Proust): Ullmann findet die Tonaufnahmen ca. 2011 wieder – und montiert ein Erinnerungsbuch über die Unfähigkeit, ein kohärentes Erinnerungsbuch zu schreiben.

Mir wurde erst nach ca. 100 Seiten klar, dass Ullmann die Tochter von Ingmar Bergmann und Liv Ullmann ist: Das Buch ist auch ohne diese Promi-Ebene packend, übervoll. Einzelne Szenen dauern zu lang, oft sagt Ullmann die selben Dinge auf fünf verschiedene Arten: Das Buch wirkt zerquälter und schwerfälliger, als es sein müsste (insgesamt ist es weder besonders anklagend, noch deprimierend):

Eine sehr analytische Tochter zeichnet in teils ermüdenden, doch immer psychologischen, reifen, klugen Details, wie klein die Rolle war, die ihr im Leben des Regisseurs, Bestimmers, Pedanten zugeteilt wurde – und, wie schwer es oft war, sich selbst zu disziplinieren, anzupassen. Sehr gern gelesen, trotz der Längen!

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Elizabeth Garbers „Implosion“ ist das Buch, das ich mir am dringendsten wünschte: stilistisch, erzählerisch etc. eine wunderbar runde Sache.

Woodie Garber, deutschstämmiger Architektensohn, studierte während der Rezession Architektur. Mit seiner zweiten Frau und drei Kindern baute er Mitte der 60er Jahre ein Le-Corbusier-haftes Glashaus in einem Vorort von Cincinatti, Ohio. Elizabeth bewundert ihren (bipolaren, despotischen, frauenfeindlichen, snobistischen) Vater, der mit Jahr zu Jahr mehr Druck aufbaut. Die erste Hälfte des Buchs zeigt die feinen, klug beobachteten Ambivalenzen, mit einem Vater aufzuwachsen, dessen Häuser, Werte, Geschmack etc. ALLES prägen.

Als Elizabeth ca. 14 ist, bedrängt er sie sexuell. Er bedroht und tyrannisiert die Brüder und die Mutter; und parallel zur US-Bürgerrechtsbewegung und -Politisierung Ende der 60er und Elizabeths eigenem Coming-of-Age setzt ein schmerzhafter, ambivalenter, komplexer Emanzipationsprozess ein. Elizabeth Garber hat jahrzehntelange Schreib- und Therapieerfahrung, ein tolles Gespür für Szenen, Widersprüche und relevante Fragen… und vermittelt in einfacher Sprache, ohne ein Wort zu viel, alle Schwierigkeiten, die ein autoritärer Vater mit sich bringt.

Nebenbei ist das Buch eine gute Einführung in den Appeal von Mid-Century Modernism und die Ideale, Sehnsüchte etc. der Männer, die sich damit von ihren eigenen Eltern absetzen wollten. Eine Memoir, halb (…Sally Draper in) „Mad Men“, halb „Der Eissturm“. Emotional erwachsen. Oft überraschend. Immens lesenswert.

„Überraschend“ vor allem, weil Elizabeth ihren Vater nicht aufgeben will. Und ich bis zur letzten Seite nicht wusste, ob ich sie für diese Versuche feiern sollte – oder denken „Der Mann ist toxisch: Lauf! Du schuldest ihm nichts!“

Im Verlag, der Garber veröffentlicht, „She Writes Press“, erscheinen seit 2013 Bücher von Autorinnen: oft Memoirs; manchmal spezifisch über den Vater, u.a. „Veronica’s Grave“ von Barbara Donsky und „The Sportscaster’s Daughter“ von Cindi Michael.

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sieben aktuelle Bücher, die ins Themenfeld passen:

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Carsten Hueck zu Nadja Spiegelmans „Was nie geschehen ist“: „Im Buch der Tochter spielt Art Spiegelman nun kaum eine Rolle, im Mittelpunkt steht der Lebensweg ihrer Mutter.“

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mein Vater, ca. 1987.

Reading Women, 2018: Summer Books, Summer Reading

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GENEVIEVE GRAHAM: „Come from Away“

„In 1939, Grace Baker’s three brothers board Canadian ships headed for a faraway war. Grace stays behind, tending to the homefront and the general store that helps keep her small Nova Scotian community running. Three years later, rumours swirl about “wolf packs” of German U-Boats lurking in the waters along the shores of East Jeddore, a stone’s throw from Grace’s window.“

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MIRA T. LEE: „Everything here is beautiful“

„Miranda, the responsible one: always her younger sister’s protector; Lucia, the headstrong, unconventional one. When their mother dies and Lucia starts to hear voices, it’s Miranda who must fight for the help her sister needs — even as Lucia refuses to be defined by any doctor’s diagnosis. Miranda must decide whether or not to step in. Told from alternating perspectives. A family drama about tough choices.“

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[2017] CAITLIN HAMILTON SUMMIE: „To lay to Rest our Ghosts“

„WWII Kansas City. A poor, drug-ridden NYC neighborhood. Woodsy Wisconsin and the quiet of rural Minnesota: Ten elegantly written short stories navigating the geographical boundaries that shape our lives.“

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MICHELE LENT HIRSCH: „Invisible. How young Women with serious Health Issues navigate Work, Relationships and the Pressure to seem just fine“

„Miriam’s doctor didn’t believe she had breast cancer. She did. Sophie navigates being the only black scientist in her lab while studying the very disease, HIV, that she hides from her coworkers. For Victoria, coming out as a transgender woman was less difficult than coming out as bipolar.

Author Michele Lent Hirsch knew she couldn’t be the only woman who’s faced serious health issues at a young age, as well as the resulting effects on her career, her relationships, and her sense of self. Young female patients are in fact the primary demographic for many illnesses. Not only do they feel pressured to seem perfect and youthful, they also find themselves amid labyrinthine obstacles in a culture that has one narrow idea of womanhood.

Lent Hirsch weaves her own harrowing experiences together with stories from other women, perspectives from sociologists on structural inequality, and insights from neuroscientists on misogyny in health research. She shows how health issues and disabilities amplify what women in general already confront: warped beauty standards, workplace sexism, worries about romantic partners, and mistrust of their own bodies.“

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SHANNON HITCHCOCK: „One True Way“

„Two girls who discover their friendship is something more. Daniel Boone Middle School in the 1970s, where teachers and coaches must hide who they are, and girls who like girls are forced to question their own choices. Set against the backdrop of history and politics that surrounded gay rights in the 1970s South, this novel is a thoughtful look at tolerance, acceptance, and change.“

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MICHELLE KIM: „Running through Sprinklers“

„Surrey, British Columbia, Canada, in the early 1990s: Nadine has suddenly skipped a grade and gone to high school without Sara. Sara can feel their friendship slipping away.“

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ILYASAH SHABAZZ: „Betty before X“

„A powerful middle-grade novel about the childhood activism of Betty Shabazz, Malcolm X’s wife, written by their daughter. In Detroit, 1945, eleven-year-old Betty’s house doesn’t quite feel like home. Betty quickly finds confidence and purpose in volunteering for the Housewives League, an organization that supports black-owned businesses. Ilyasah Shabazz illuminates four poignant years in her mother’s childhood.“

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VEERA HIRANANDANI: „The Night Diary“

„It’s 1947, and India, newly independent of British rule, has been separated into two countries: Pakistan and India. The divide has created much tension between Hindus and Muslims, and hundreds of thousands are killed crossing borders. Half-Muslim, half-Hindu twelve-year-old Nisha doesn’t know where she belongs. When Papa decides it’s too dangerous to stay in what is now Pakistan, Nisha and her family become refugees and embark first by train but later on foot to reach her new home.“

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KHERYN CALLENDER: „Hurricane Child“

„Twelve-year-old Caroline is a Hurricane Child, born on Water Island during a storm. She’s hated by everyone in her small school, she can see things that no one else can see, and — worst of all — her mother left home one day and never came back. Kalinda, a solemn girl from Barbados, seems to see the things Caroline sees, too. Joined by their common gift, Kalinda agrees to help Caroline look for her mother. A cadenced work of magical realism.“

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CLARE STRAHAN: „The Learning Curves of Vanessa Partridge“

„Vanessa (Van) Partridge is curious about the idea of having sex. At first, summer feels like delicious freedom as she explores her independence, practising her favourite cello pieces, reconnecting with her long-time summer friend Kelsey and exploring her attraction to environmental activist Bodhi. But when her sense of self is shaken, Van wrestles with issues of desire and consent: Can someone with sensible plaits and an interest in philosophy really be a raving sex-o-maniac? And if they are, is there anything wrong with that?“

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ADRIENNE KISNER: „Dear Rachel Maddow“

„A high school girl deals with school politics and life after her brother’s death by drafting emails to MSNBC host Rachel Maddow: After writing to Rachel for a school project–and actually getting a response–Brynn starts drafting e-mails. She tells Rachel about breaking up with her first serious girlfriend, about her brother Nick’s death, about her passive mother and even worse stepfather, about how she’s stuck in remedial courses at school.

Then Brynn is confronted with a moral dilemma. One student representative will be allowed to have a voice among the administration in the selection of a new school superintendent. Brynn’s archnemesis, Adam, and ex-girlfriend, Sarah, believe only Honors students are worthy of the selection committee seat. Brynn feels all students deserve a voice. When she runs for the position, the knives are out. So she begins to ask herself: What Would Rachel Maddow Do?“

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WHITNEY GARDNER: „Chaotic Good“

„When Cameron wins a major cosplay competition, she inadvertently sets off a firestorm of angry comments from male fans. She hopes to complete her costume portfolio in peace and quiet away from the abuse. Unfortunately, the only comic shop in town–her main destination for character reference–is staffed by a dudebro owner who challenges every woman who comes into the shop.

At her twin brother’s suggestion, Cameron borrows a set of his clothes and uses her costuming expertise to waltz into the shop as Boy Cameron, where she’s shocked at how easily she’s accepted into the nerd inner sanctum. Soon, Cameron finds herself drafted into a D&D campaign alongside the jerky shop-owner Brody, friendly (almost flirtatiously so) clerk Wyatt and handsome Lincoln. But as her „secret identity“ gets more and more entrenched, Cameron’s feelings for Lincoln threaten to make a complicated situation even more precarious.“

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AUSTIN CHANNING BROWN: „I’m still here. Black Dignity in a World made for Whiteness“

„An eye-opening account of growing up Black, Christian, and female in middle-class white America. Austin Channing Brown’s first encounter with a racialized America came at age 7, when she discovered her parents named her Austin to deceive future employers into thinking she was a white man. Growing up in majority-white schools, organizations, and churches, Austin writes, „I had to learn what it means to love blackness“.

I’m Still Here is an illuminating look at how white, middle-class, Evangelicalism has participated in an era of rising racial hostility, inviting the reader to confront apathy, recognize God’s ongoing work in the world, and discover how blackness–if we let it–can save us all.“

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AFUA HIRSCH: „Brit(ish). On Race, Identity and Belonging“

„Where are you really from? You’re British. Your parents are British. You were raised in Britain. Your partner, your children and most of your friends are British. So why do people keep asking you where you are from?

Brit(ish) is about the everyday racism that plagues British society. It is about our awkward, troubled relationship with our history. It is about why liberal attempts to be ‘colour-blind’ have caused more problems than they have solved. It is about why we continue to avoid talking about race.

In this personal and provocative investigation, Afua Hirsch explores a very British crisis of identity. We are a nation in denial about our past and our present. We are convinced that fairness is one of our values, but that immigration is one of our problems. Brit(ish) is the story of how and why this came to be, and an urgent call for change.“

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IJEOMA OLUO: „So you want to Talk about Race“

„Issues as privilege, police brutality, intersectionality, micro-aggressions, the Black Lives Matter movement, and the „N“ word. Oluo answers the questions readers don’t dare ask.“

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[male authors:] T. CHRISTIAN MILLER, KEN ARMSTRONG: „A False Report: A True Story of Rape in America“

„On August 11, 2008, eighteen-year-old Marie truthfully reported that a masked man broke into her apartment near Seattle, Washington, and raped her, but within days police and even those closest to Marie became suspicious of her story. The police swiftly began investigating her. Confronted with inconsistencies in her story and the doubts of others, Marie broke down and said her story was a lie. Police charged her with false reporting. One of her best friends created a web page branding her a liar.

More than two years later, Colorado detective Stacy Galbraith was assigned to investigate a case of sexual assault. Describing the crime to her husband that night–the attacker’s calm and practiced demeanor, which led the victim to surmise „he’s done this before“–Galbraith learned that the case bore an eerie resemblance to a rape that had taken place months earlier in a nearby town. She joined forces with the detective on that case, Edna Hendershot, and the two soon realized they were dealing with a serial rapist: a man who photographed his victims, threatening to release the images online, and whose calculated steps to erase all physical evidence suggested he might be a soldier or a cop.

An Unbelievable Story unveils the disturbing reality of how sexual assault is investigated today–and the long history of skepticism toward rape victims.“

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BARBARA J. RISMAN: „Where the Millennials will take us. A new Generation wrestles with the Gender Structure“

„Are today’s young adults gender rebels or returning to tradition? Risman reveals the diverse strategies youth use to negotiate the ongoing gender revolution. Some are true believers that men and women are essentially different and should be so. Others are innovators, defying stereotypes and rejecting sexist ideologies and organizational practices. Perhaps new to this generation are gender rebels who reject sex categories, often refusing to present their bodies within them and sometimes claiming genderqueer identities. Risman reminds us that gender is much more than an identity; it also shapes expectations in everyday life, and structures the organization of workplaces, politics, and, ideology.“

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SAFIYA UMOJA NOBLE: „Algorithms of Oppression. How Search Engines reinforce Racism“

„A revealing look at how negative biases against women of color are embedded in search engine results and algorithms. Run a Google search for „black girls“–what will you find? „Big Booty“ and other sexually explicit terms are likely to come up as top search terms. But, if you type in „white girls,“ the results are radically different. Safiya Umoja Noble challenges the idea that search engines like Google offer an equal playing field for all forms of ideas, identities, and activities. Data discrimination is a real social problem. Through an analysis of textual and media searches as well as extensive research on paid online advertising, Noble exposes a culture of racism and sexism in the way discoverability is created online. Algorithms of Oppression contributes to our understanding of how racism is created, maintained, and disseminated in the 21st century.“

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LUCY JONES: „The Big Ones. How Natural Disastes have shaped us“

„By a veteran seismologist of the U.S. Geological Survey, a lively and revealing history of the world’s most disruptive natural disasters, their impact on our culture, and new ways of thinking about the ones to come. The Big Ones is a look at some of the most devastating disasters in human history. It considers Pompeii, and how a volcanic eruption in the first century AD challenged and reinforced prevailing views of religion for centuries to come. It explores the California floods of 1862, examining the failures of our collective memory. And it shows what Hurricane Katrina and the 2004 Indian Ocean tsunami can tell us about governance and globalization. Natural disasters are inevitable; human catastrophes are not.“

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ELIZABETH CATTE: „What you are getting wrong about Appalachia“

„In 2016, headlines declared Appalachia ground zero for America’s “forgotten tribe” of white working class voters. Journalists flocked to the region to extract sympathetic profiles of families devastated by poverty, abandoned by establishment politics, and eager to consume cheap campaign promises. What You Are Getting Wrong About Appalachia analyzes trends in contemporary writing on Appalachia, presents a brief history of Appalachia with an eye toward unpacking Appalachian stereotypes, and provides examples of writing, art, and policy created by Appalachians as opposed to for Appalachians.“

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KAREN AUVINEN: „Rough Beauty. Forty Seasons of Mountain Living“

„An inspirational memoir from an award-winning poet who ventures into the wilderness to seek answers to life’s big questions and finds her way back after losing everything she thought she needed. During a difficult time, Karen Auvinen flees to a primitive cabin in the Rockies to live in solitude as a writer and to embrace all the beauty and brutality nature has to offer. When a fire incinerates every word she has ever written and all of her possessions—except for her beloved dog Elvis, her truck, and a few singed artifacts—Karen embarks on a heroic journey to reconcile her desire to be alone with her need for community.

In the evocative spirit of works by Annie Dillard, Gretel Ehrlich, and Mary Oliver, Rough Beauty is a lyric exploration of forty seasons in the mountains.“

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FRANCHESCA RAMSEY: „Well, that escalated quickly“

Franchesca Ramsey didn’t set out to be an activist. Or a comedian. Or a commentator on identity, race, and culture. But then her YouTube video „What White Girls Say. . . to Black Girls“ went viral. Faced with an avalanche of media requests, fan letters, and hate mail, she had two choices: Jump in and make her voice heard or step back and let others frame the conversation.

In her first book, Ramsey uses her own experiences as an accidental activist to explore the many ways we communicate with each other–from the highs of bridging gaps and making connections to the many pitfalls that accompany talking about race, power, sexuality, and gender in an unpredictable public space…the internet. WELL, THAT ESCALATED QUICKLY includes Ramsey’s advice on dealing with internet trolls and low-key racists, confessions about being a former online hater herself, and her personal hits and misses in activist debates with everyone from bigoted Facebook friends and misguided relatives to mainstream celebrities and YouTube influencers.“

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ELIZABETH W. GARBER: „Implosion. A Memoir of an Architect’s Daughter“

Visionary architect Woodie Garber had already built his masterwork—the family’s glass-walled house—when he received the commission to create Sanders Hall, a glass tower dormitory at The University of Cincinnati. At the time, Elizabeth was still impressed with her brilliant father and his taste for modernism, jazz, art, and race cars. But as she grew up, her adoration faded. Woodie became more controlling. Belittling. Inappropriate.

As the late 1960’s and early 1970s culture wars and race riots reached Cincinnati, and when Elizabeth started dating an African-American student at her high school, Woodie’s racism emerged. His abuse splintered the family, and unexpected problems with the design of Sanders Hall precipitated a financial crisis that was exacerbated by a sinking economy. Elizabeth Garber describes Woodie’s deepening mental illness, the destruction of her family, and her own slow healing from his abuse.“

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NELL SCOVELL: „Just the funny Parts… and a few hard Truths about Sneaking into the Hollywood Boys‘ Club“

„For more than thirty years, writer, producer and director Nell Scovell worked behind the scenes of iconic TV shows, including The Simpsons, Late Night with David Letterman, Murphy Brown, NCIS, The Muppets, and Sabrina, the Teenage Witch, which she created and executive produced. In 2009, Scovell gave up her behind-the-scenes status when the David Letterman sex scandal broke. Scovell used the moment to publicly call out the lack of gender diversity in late-night TV writers’ rooms. Her criticisms fueled a cultural debate.

Through her eyes, you’ll sit in the Simpson writers’ room… stand on the Oscar red carpet… pin a tail on Miss Piggy…bond with Star Trek’s Leonard Nimoy… and experience a Stephen King-like encounter with Stephen King. A fast-paced account of a nerdy girl from New England who fought her way to the top of the highly-competitive, male-dominated entertainment field.“

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FERN RIDDELL: „Death in Ten Minutes. Kitty Marion. Activist. Arsonist. Suffragette“

„The story of radical suffragette Kitty Marion, told through Kitty’s never before seen personal diaries. Kitty Marion was sent across the country by the Pankhurst family to carry out a nationwide campaign of bombings and arson attacks, as women fought for the vote using any means necessary. But in the aftermath of World War One, the dangerous and revolutionary actions of Kitty and other militant suffragettes were quickly hushed up and disowned by the previously proud movement.“

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JANE ROBINSON: „Hearts and Minds. The untold Story of the Great Pilgrimage and how Women won the Vote“

„The suffragists‘ march on London. 1913: the last long summer before the war. The country is gripped by suffragette fever. Hundreds of women are stepping out on to the streets of Britain. They are the suffragists: non-militant campaigners for the vote, on an astonishing six-week protest march they call the Great Pilgrimage. Rich and poor, young and old, they defy convention, risking jobs, family relationships and even their lives to persuade the country to listen to them. This is a story of ordinary people effecting extraordinary change. Jane Robinson has drawn from diaries, letters and unpublished accounts to tell the inside story of the march.“

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LYUDMILA PAVLICHENKO: „Lady Death. The Memoirs of Stalin’s Sniper“

„The wartime memoir of Lyudmila Pavlichenko, World War II’s best scoring sniper. In June 1941, when Hitler launched Operation Barbarossa, she left her university studies to become one of Soviet Russia’s 2000 female snipers. Less than a year later she had 309 recorded kills. She spoke at rallies in Canada and the US and the folk singer Woody Guthrie wrote a song, ‚Killed By A Gun‘ about her exploits. Her US trip included a tour of the White House. In November 1942 she visited Coventry. She never returned to combat but trained other snipers. After the war, she finished her education at Kiev University and began a career as a historian. She died on October 10, 1974 at age 58.“

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PENG SHEPHERD: „The Book of M“

„One afternoon at an outdoor market in India, a man’s shadow disappears—an occurrence science cannot explain. The phenomenon spreads like a plague, and while those afflicted gain a strange new power, it comes at a horrible price: the loss of all their memories. Ory and his wife Max have escaped the Forgetting so far by hiding in an abandoned hotel deep in the woods. Until one day Max’s shadow disappears too.

Knowing that the more she forgets, the more dangerous she will become to Ory, Max runs away. But Ory refuses to give up the time they have left together. Desperate to find Max before her memory disappears completely, he follows her trail across a perilous, unrecognizable world.“

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BETHANY C. MORROW: „MEM“

„Set in the glittering art deco world of Montreal a century ago, MEM makes one slight alteration to history: a scientist discovers a method allowing people to have their memories extracted from their minds, whole and complete. The Mems exist as mirror-images of their source ― zombie-like creatures destined to experience that singular memory over and over, until they expire in the cavernous Vault where they are kept. And then there is Dolores Extract #1, the first Mem capable of creating her own memories. She is allowed to live on her own, and create her own existence, until one day she is summoned back to the Vault.“

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KATARINA BOUDREAUX: „Platform Dwellers“

„On the remnants of oil platforms in the Gulf of Mexico, Joe is a typical Nob Platform teenager, except that her Mom left a year ago for a more social Platform, and her Dad sometimes forgets she exists. Her high school senior project “See-Saw” focuses on long-distance underwater connections. Then, Joe’s best friend discovers lights moving on Land at the same time Joe picks up SOS signals with her See-Saw – though Land has been silent since technology was destroyed during the Moralist Revolution. Joe enlists the help of Flox, a debunked scientist, to take them to Land to investigate the remnants of human Land society.“

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KATIE O’NEILL: „The Tea Dragon Society“ [2017]

„A charming [and queer] all-ages graphic novel. Greta is a blacksmith apprentice. After discovering a lost tea dragon in the marketplace, she learns about the dying art form of tea dragon care-taking from the kind tea shop owners, Hesekiel and Erik and befriends their shy ward, Minette.“

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MICHELLE PEREZ, REMY BOYDELL: „The Pervert“

[Graphic Novel] „A surprisingly honest and touching account of a trans girl surviving through sex work in Seattle: a collection of vignettes about a girl in transition, training to be a nurse, who supports herself through sex work.“

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PAMELA RIBON, CAT FARRIS: „My Boyfriend is a Bear“

[Graphic Novel] „Nora has bad luck with men. When she meets an (actual) bear on a hike in the Los Angeles hills, he turns out to be the best romantic partner she’s ever had! But he’s a bear, and winning over her friends and family is difficult. Not to mention he has to hibernate all winter. Can true love conquer all?“

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male writers:

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DONAL RYAN: „From a low and quiet Sea“

„Farouk’s country has been torn apart by war. Lampy’s heart has been laid waste by Chloe. John’s past torments him as he nears his end. From war-torn Syria to small-town Ireland, three men are drawn towards a powerful reckoning.“

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TOMMY ORANGE: „There There“

„A multigenerational story of twelve characters, each of whom have private reasons for traveling to the Big Oakland Powwow. Jacquie Red Feather is newly sober and trying to make it back to the family she left behind in shame. Dene Oxendene is pulling his life back together after his uncle’s death. Opal Viola Victoria Bear Shield has come to watch her nephew Orvil, who has taught himself traditional Indian dance through YouTube.

A voice full of poetry and rage. Orange writes of the plight of the urban Native American. An unforgettable debut, destined to become required reading in schools and universities across the country.“

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DAVID DUCHOVNY: „Miss Subways“

„Emer is just a woman living in New York City who takes the subway, has writerly aspirations, and lives with her boyfriend, Con. But is this life she lives the only path she’s on? Taking inspiration from the myth of Emer and Cuchulain and featuring an all-star cast of mythical figures from all around the world, David Duchovny’s darkly funny fantasy novel Miss Subways is one woman’s trippy, mystical journey down parallel tracks of time and love.“

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JOSIAH BANCROFT: „Senlin Ascends“

„The Tower of Babel is the greatest marvel in the world. The ancient Tower holds unnumbered ringdoms, warring and peaceful, stacked one on the other like the layers of a cake. It is a world of geniuses and tyrants, of airships and steam engines, of unusual animals and mysterious machines. Soon after arriving for his honeymoon at the Tower, the mild-mannered headmaster of a small village school, Thomas Senlin, gets separated from his wife, Marya.

Senlin is determined to find Marya, but to do so he’ll have to navigate madhouses, ballrooms, and burlesque theaters. This quiet man of letters must become a man of action.“

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DAVID CAY JOHNSTON: „It’s even worse than you think. What the Trump Administration is doing to America“

„David Cay Johnston has been following Trump since 1988.“

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HANS ROSLING: „Factfulness“ (…auf Deutsch bei Ullstein)

„The stress-reducing habit of only carrying opinions for which you have strong supporting facts. When asked simple questions about global trends—what percentage of the world’s population live in poverty; why the world’s population is increasing; how many girls finish school—we systematically get the answers wrong. So wrong that a chimpanzee choosing answers at random will consistently outguess teachers, journalists, Nobel laureates, and investment bankers. Factfulness reveals the ten instincts that distort our perspective—from our tendency to divide the world into two camps (usually some version of us and them) to the way we consume media (where fear rules) to how we perceive progress (believing that most things are getting worse). Our problem is that we don’t know what we don’t know, and even our guesses are informed by unconscious and predictable biases. It turns out that the world, for all its imperfections, is in a much better state than we might think. An urgent and essential book that will change the way you see the world and empower you to respond to the crises and opportunities of the future.“

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For the sake of search engines, I didn’t start this blog post with my usual German disclaimers: I sampled about 500 books, published in 2018, to make my selection. I haven’t read these titles yet. But this is the list of titles with the most appealing sample chapters (…and reviews).

Ich habe die Titel angelesen: eine Vorauswahl von Büchern, deren Leseproben mich überzeugte. Lieblingsbücher des Jahres blogge ich u.a. hier (Link)

Frauen im Science-Fiction-Comic [Gasteintrag ‚Binge Reader‘]

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Ich bin kein Fan von „Paper Girls“: dem aktuell beliebtesten Science-Fiction-Comic in deutschsprachigen Buchblogs.

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In bisher vier Sammelbänden stranden vier zwölfjährige Schülerinnen aus Cleveland, die 1988 auf Fahrrädern Zeitungen austragen, in einem Krieg unter Zeitreisenden. Portale und Flugsaurier, Soldaten und Verschwörungen.

Ich liebe die ausdrucksstarken, schlichten Zeichnungen Cliff Chiangs. Autor Brian K. Vaughan gehört seit fast zwanzig Jahren zu den fähigsten Comic-Erzählern. Doch er schrieb auch für „Lost“ – eine Serie, die ich erst mochte, der Figuren wegen…  doch schnell zu hassen lernte, als all diese Figuren zu immer flacheren Spielsteinen wurden. Weil sie nur flüchteten, rannten, Fallen entkamen: In tausend hektisch-öden Standard-Action-Szenarios blieb kaum Raum für Dialoge, komplexer als „Wir müssen zum Frachter! Schnell!“

„Paper Girls“ ist die selbe Sorte flach-naive Schnitzeljagd: Vier Heldinnen, bei denen ich nach fast 500 Seiten noch immer nur ein, zwei Charaktereigenschaften nennen kann, sind auf mehreren Zeitebenen einzig damit beschäftigt, zu laufen, nicht getrennt zu werden und Soldaten, Monstern, Robotern zu entkommen. Ein professioneller Comic? Ja. Doch als Story um Klassen schlechter als „Stranger Things“. Die Figurentiefe? Flacher als in „My Little Pony“.

Toll, vier junge Frauen in der Hauptrolle zu sehen. Doch das geht besser, tiefer!

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Sabine Delorme bloggt als „Binge Reader“ [Buchblog, Link] und sammelt aktuell Gastbeiträge über Feminismus und Science-Fiction unter #womeninscifi

Es geht u.a. um:

Ich selbst bloggte auf „Binge Reader“ über Science-Fiction-Comics mit Frauen in der Hauptrolle (und manchmal: auch von Frauen gezeichnet und geschrieben).

Heute cross-poste ich den Eintrag noch einmal hier bei mir im Blog, mit ein paar zusätzlichen Bildern.

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Frauen in SciFi-Comics: 7 Favoriten

 

Twin Spica | in 16 Sammelbänden abgeschlossen

Text und Zeichnungen: Kou Yagunima

9781939130945Die ersten „Harry Potter“-Bände? Als alle neu in Hogwarts sind – und jeden Tag überrumpelt, überrascht werden?

„Twin Spica“ erzählt von einer Schülerin im selben Alter, die Astronautin werden will. Alltag (und viel Sense of Wonder!) in der Akademie. Eine traurige Familiengeschichte. Etwas magischer Realismus. Und die Frage, welche Ziele sich Menschen setzen, die viel verloren haben. Verlust gegen Hoffnung. Zuversicht trotz Trauma. Wer die Optik von 70er-Trickserien wie „Heidi“ mag, findet hier eine emotional komplexe, viel erwachsenere Geschichten im selben Stil. Ich las bis Band 6 von 16. Und bin fasziniert, wie harmlos ein existenzieller, reifer Comic aussehen kann.

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Dept. H | in 4 Sammelbänden abgeschlosen
Text und Zeichnungen: Matt Kindt
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Mias Vater ist Tiefseeforscher, Umweltaktivist – der Jacques Cousteau Südasiens. Mia forscht im All, nicht unter Wasser. Bis ihr Vater an Bord seiner Station ermordet wird: Jemand aus der kleinen Crew muss Täter sein; Mia will ihn vor Ort überführen. Doch die Station wird sabotiert… und damit zur Falle. Ein Kammerspiel mit unvergesslichen Figuren, viel Psychologie, trügerisch schlichten Zeichnungen, absurd warmherzigen Rückblenden und einer Spannungskurve wie in den größten Horror- und Thriller-Klassikern: technisch, menschlich, literarisch ist „Dept. H“ der reifste aktuelle Comic, den ich kenne.
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Lazarus | bisher 5 Sammelbände und der recht nichtssagende Kurzgeschichten-Band „Lazarus X+66“

Text: Greg Rucka, Zeichnungen: Michael Lark
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Konzerne regieren die Welt. Jedes große Familienunternehmen herrscht über ein Terrain, wie im Feudalismus. Die Bevölkerung lebt in zwei Gruppen: als wertloser „Waste“ oder als Dienerklasse, „Serf“. Und diplomatische Konflikte werden meist unter Elite-Kampfkräften der Clans ausgetragen. Manchmal durch Krieg, Terrorismus, Spionage. Oft aber in rituellen Duellen: Jede Familie hat einen „Lazarus“.
Clan Carlyle herrscht über die Südwestküste der ehemaligen USA. Tochter Forever Carlyle wurde ihr Leben lang als Lazarus trainiert. Machtspiele, Samurai-Drama, Biotech und tolle Nebenfiguren aus den unteren Klassen: Rucka ist mein Lieblings-Comicautor. „Lazarus“ sein durchgängig packendstes Werk.
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Shade | 2 Sammelbände, dann das Crossover „Milk Wars“, dann die Reihe „Shade, the Changing Woman“
Text: Cecil Castellucci, Zeichnungen: Marley Zarcone
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Eine depressive Vogelfrau vom Planeten Meta stiehlt ein Artefakt, mit dem sie in den Körper des komatösen US-Schulmädchens Megan springt. Megan war hasste sich selbst – und ihre Nicht-Freunde und Mobbing-Opfer Megans fragen sich, warum sie plötzlich spricht wie ferngesteuert. „Shade“ bringt 90er-, Indie- und David-Lynch-Atmosphäre ins DC-Universum; fragt nach Gender, Identität, Körperbildern und Agency. Grandios koloriert, unverwechselbar gezeichnet.
Feministisch, komplex, verspielt, überraschend. Die originellen Bilder, Layouts und Wendungen machen so viel Lesefreude: ein Gegengewicht zu den düsteren Frauen-Leben.
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Squirrel Girl | bisher 8 Sammelbände; besonders empfehlenswert ist der Sonderband „The unbeatable Squirrel Girl beats up the Marvel Universe“
Text: Ryan North, Zeichnungen: Erica Henderson
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Ich brauchte 100 Seiten, um den Tonfall zu verstehen: Eine Eichhörnchen-Superheldin Anfang 20, die im ersten Semester Computerlinguistik studiert – und sich die gute Laune nie verderben lässt? Sollen wir mit ihr lachen… oder über sie? Doch wer Doreen Green drei, vier Bände lang folgt – schrullige Dialoge, grimmiger Optimismus, zu viele hyper-theoretische, absurde Zeitreise- und Doppelgänger-Storylines, die immer fünf, sechs Seiten zu lang dauern, immer mehrere pedantische Gedankenspiel-Wendungen mehr als nötig nehmen – wird die Figur und ihren Blick nie vergessen. Ein unvergleichlicher Marvel-Comic, albern, kantig, schlau. Lernte Ryan North von Terry Pratchett?
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Wandering Island | bisher 2 Sammelbände
Text und Zeichnungen: Kenji Tsuruta
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Mikura, eine junge Pilotin mit Wasserflugzeug, liefert an der japanischen Küste als privater Kurierdienst Pakete aus. Die selbe Prämisse wie in „Käptn‘ Balu und seine tollkühne Crew“ – doch erzählt in ruhigen, detaillierten Flug- und Landschaftsbildern. Auch Mikuras Großvater war Pilot: Sein Archiv sammelt Indizien, dass eine mechanische, schwimmende Insel vor der Küste treibt. Sind die Mentoren und Vorbilder in Mikuras Leben wirklich tot – oder verstecken sie sich in einem Steampunk-Exil? „Wandering Island“ zeigt eine absurd schlanke, oft nackte junge Frau, über Seekarten gebeugt. Trotz dem sexistischen Blick und arg dünnem Plot: große Zeichenkunst, tolle Atmosphäre!
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Unstoppable Wasp | in 8 Kapiteln / 2 kurzen Sammelbänden abgeschlossen
Text: Jeremy Whitley, Zeichnungen: Elsa Charretier
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Mädchen und MINT-Fächer? Nadia Pym ist Tochter des verstorbenen Forschers und Avengers Hank Pym: Ant-Man. Die junge (und: lesbische?) Osteuropäerin erbt sein Labor – und fragt sich, weshalb im S.H.I.E.L.D.-Ranking der intelligentesten Menschen so wenige Frauen stehen. Oder Bobbi Morse als Super-Spionin bekannt ist, doch kaum als Wissenschaftlerin. Und, wie solche Probleme strukturell, institutionell, politisch lösbar sind. Ein schwungvoller, farbenfroher, optimistischer Comic für alle ab 11 mit einer idealistischen, hochbegabten, doch nie kitschig-perfekten Heldin.
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5 Mainstream-Superheldinnen:

Thor. 11+ Sammelbände; von Jason Aaron (Text), Russell Dauterman u.a. (Zeichnungen):
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2010 nannte ich „Green Lantern“ das „vielleicht letzte große triviale Epos im Comic“: eine wuchtige Space Opera, blutig, überbordend, warmherzig. Seit 2011 schreibt Jason Aaron „Thor“, im selben Stil: Erst geht es vier Sammelbände lang um Odins Sohn. Dann um eine geheimnisvolle Frau, die Thors Hammer übernimmt. Eine Reihe, die immer schneller, facettenreicher, melodramatischer wird. Allergrößte Oper!
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Invincible Iron Man. Bisher 2+ Bände, dann das Crossover „The Search for Tony Stark“; von Brian Michael Bendis (Text), Stefano Caselli (Zeichnungen):
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Tony Stark ist fort. Doch sein Bewusstsein hilft, als A.I.-Programm, der brillanten Schülerin Riri Williams beim Bau einer eigenen Iron-Man-Rüstung. Brian Michael Bendis, Erfinder von Jessica Jones, ist einer der wichtigsten (und: feministischsten) Marvel-Autoren. Mit „Invincible Iron Man“ und der (leider: viel schlechteren) parallelen Serie „Infamous Iron Man“ verabschiedet er sich aus dem Marvel-Universum und wechselt zu Konkurrenzverlag DC. Riris Hefte? Young-Adult-Spaß mit allen Figuren, die schon in den Iron-Man-Kinofilmen überzeugten (Pepper Potts etc.) – und Spider-Mans Tante May!
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Runaways [Neustart]. Bisher ein Sammelband; von Rainbow Rowell (Text), Kris Anka (Zeichnungen)
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Ein Comic-Erfolg ab 2003, seit 2017 auch als TV-Serie: Fünf Jugendliche denken, ihre Eltern seien alte Geschäftsfreunde. Tatsächlich sind sie ein Schurken-Geheimbund. In Rainbow Rowells Neuauflage verging Zeit: Fast alle kriminellen Eltern sind besiegt, die Runaways gehen eigene Wege. Dann gelingt es zweien, eine verstorbene Freundin via Zeitreise in die Gegenwart zu retten. Start einer langsamen, dialoglastigen, gefühlvollen, oft „Buffy“-haften Young-Adult-Reihe über Freundschaft und Entfremdung. Vorwissen über die früheren „Runaways“-Hefte? Kein Muss.
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Batwoman. Greg Rucka (Text), J.H. Williams III (Zeichnungen, ab Band 2 auch Text)
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Kate Kane, Bruce Waynes lesbische, jüdische Cousine, wollte Elite-Soldatin werden. Jetzt kämpft sie gemeinsam mit ihrem Vater, einem Colonel, gegen meist übersinnliche und okkulte Bedrohungen in Gotham City. Eine unverwechselbare Frau in düster-märchenhaften Urban-Fantasy-Abenteuern, oft ebenso unverwechselbar gezeichnet, inszeniert. Die ersten fünf Sammelbände? Die beste DC-Serie seit 2011. Auch James Tynions „Detective Comics“, über Kate als Bat-Team-Chefin, machen Spaß.
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Moon Girl. Bisher 5+ Sammelbände; Amy Reeder (Text), Brandon Montclare (Zeichnungen)
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Ein Comic für Kinder ab 8 – über die begabteste Person im Marvel-Universum: eine schwarze Drittklässlerin in Midtown, mit liebevollen Eltern und einem bodenständigen Alltag. Lunella Lafayette lernt einen tumben Saurier kennen, versteckt ihn im geheimen Labor unter der Schule. Ich liebe, dass die Serie viel süßlicher, harmloser sein könnte – doch immer wieder komplizierte Abenteuer und Konflikte entwickelt; und dass Lunella oft atemberaubend arrogant, unterfordert, frustriert sein darf. Eine kindgerechte Kinder-Heldin – mit Profil und Abgründen.
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6 Sci-Fi-Tipps, in denen Frauen zentral sind – doch nicht die einzige Hauptfigur:

Saga. Bisher 8+ Sammelbände; von Brian K. Vaughan (Text), Fiona Staples (Zeichnungen)
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Eine Soldatin verliebt sich in einen Mann der gegnerischen Spezies. Die beiden zeugen ein Kind – und flüchten, vor beiden Nationen. Vaughans brutale, aber sehr zärtliche Weltraum-Odyssee zeigt markante, originelle Welten, Wesen; und liebt irre Cliffhanger, Zeitsprünge, dramatische Ironie. Der beste Comic des Jahrzehnts, mit vielen interessanten Frauenfiguren – einige auch queer und/oder trans.
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Injection. Bisher 3+ Sammelbände; von Warren Ellis (Text), Declan Shalvey (Zeichnungen)
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Fünf britische Genies – zwei Frauen, drei Männer – setzen eine künstliche Intelligenz in die Welt. Doch das Programm glaubt, wachsen zu können, indem es prüft, ob es Übersinnliches, fremde Dimensionen, okkulte Wesen gibt – und diese kontrollieren kann. Ein Mystery-Comic im Stil von „Akte X“, „Fringe“ oder „Torchwood“, mit Figuren, inspiriert von „Dr. Who“, James Bond und Sherlock Holmes. Autor Warren Ellis liebt Technologie, Literatur, Mythologie – und spielt hier kongenial mit britischen Pulp-Nationalmythen.
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Invisible Republic. Bisher 3+ Sammelbände; von Gabriel Hardman (Text und Zeichnungen), Corinna Bechko (Zeichnungen)
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Die Menschheit hat ein fremdes Sonnensystem besiedelt – doch der Mond Avalon wurde durch Bergbau, Korruption und einen Stellvertreterkrieg zur Militärdiktatur. Ein junger Partisane und seine Cousine wollen das Regime stürzen. Mit welchen Mitteln? Auf zwei Zeitebenen zeigt Hardman Geopolitik, Kolonialismus, linke Debatten; und fragt nach der Rolle von Whistleblowern und Presse. Ein realistischer, manchmal grauer Geheimtipp, der optisch an Osteuropa in den 70ern erinnert. Eine TV-Version? Kommt sicher bald. Perfekte Vorlage!
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The Vision. In 2 Sammelbänden abgeschlossen; von Tom King (Text), Gabriel Hernandez Walta (Zeichnungen)
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Ein Android mit Sehnsucht nach Menschlichkeit baut sich eine Kleinfamilie, zieht in die Vorstadt… und erlebt, wie in einem magischen Norman-Rockwell-Herbst alles vor die Hunde geht: „The Vision“ beginnt als „domestic drama“ im satirischen Retro-Look. Doch in Band 2 tauchen auch andere Avengers, Victor Mancha, die Scarlet Witch auf – und aus einer „Mad Men“-artigen Parabel wird ein Helden-Thriller. Nerdig, menschlich, überraschend. Und, wie immer bei Tom King: voller Motivketten, formaler Spielchen und erzählerischer Tricks. Souverän!
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Black Hammer. Bisher 3+ Sammelbände sowie mehrere Spin-Off-Comics; von Jeff Lemire (Text), (Zeichnungen)
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Eine Gruppe Superhelden, wie wir sie aus den 50ern und 60ern kennen, dem „Golden“ und dem „Silver Age“ der Heldencomics, ist seit Jahrzehnten gestrandet – in einem künstlichen Retro-Dorf. Kanadier Jeff Lemire liebt Groschenheft-Klischees. Und ehrliche, tiefe Provinz-Melancholie. „Black Hammer“ ist ein neues, eigenes Erzähl-Universum, das klassische Figuren wie Mary Marvel, Lex Luthor und Martian Manhunter neu denkt. Liebevoll, morbide, intelligent.
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Darth Vader. In 4 Sammelbänden und dem Crossover „Vader Down“ abgeschlossen; doch fortgesetzt in der (schwächeren) Serie „Star Wars: Doctor Aphra; von Kieron Gillen (Text), Salvador Larroca (Zeichnungen)
Dr. Aphra ist Archäologin (und lesbisch) – und hat keine Skrupel, fürs Imperium zu arbeiten. In klugen Polit- und Action-Dramen, die alle zwischen Episode IV und V spielen, kämpfen Vader und Aphra mit- und gegeneinander. Sie überlisten Rebellen. Verbündete. Und alle, die versuchen, sie zu verraten. Ein Comic voll zynischer Figuren – der jedoch selbst nie menschenfeindlich, respektlos wird. Sondern zeigt, wie im totalitären Imperium jeder leidet – unter jedem anderen.
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15 Comics, auf die ich mich freue:

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Hawkeye Kate

tolles Panel aus: „Hawkeye: Kate Bishop“, Vol. 2

Die besten Comics 2018: Empfehlungen zum Gratis-Comic-Tag #gct2018

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Am Samstag, den 12. Mai 2018 ist Gratis Comic Tag [Infos: hier].

In teilnehmenden Comic-Shops, Buchhandlungen, Zeitschriftenläden darf man aus 35 je ca. 40 Seiten langen Gratis-Comics wählen; so lange der Vorrat reicht. Ein Radar zum Finden aller Stores: hier im Link.

Als Kritiker und Journalist stelle ich u.a. bei Deutschlandfunk Kultur und im Berliner Tagesspiegel Comics vor und gebe regelmäßig persönliche Empfehlungen hier im Blog [2017 | 2016 | 2015 | Mangas]. 2017 und 18 schrieb ich die Programmtexte zur Manga Comic Con der Leipziger Buchmesse. 2014 und 2015 übersetzte ich zwei Versionen eines „Avengers“-Lexikon vom Englischen ins Deutsche.

Zum Gratis Comic Tag ließ ich mir alle 35 Titel zur Rezension schicken. Hier im Eintrag stelle ich sie vor.

Hier im Blogpost: Ausschnitte, [gekürzte, teils präzisierte] Klappentexte und etwas Literaturkritik / Einordnung von mir.

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Unerschrocken. Portraits außergewöhnlicher Frauen

Reprodukt | Pénélope Bagieu

Reprodukt_GCT2018_Unerschrocken„Vorreiterinnen, Querdenkerinnen. Jede eine Heldin auf ihre ganz eigene Art. Diese Frauen fanden ihre Bestimmung: Insgesamt 30 beeindruckende Persönlichkeiten porträtiert Pénélope Bagieu in den beiden Bänden von “Unerschrocken”, darunter bekannte Namen wie die Kunstsammlerin Peggy Guggenheim und noch zu entdeckende Persönlichkeiten wie die Vulkanologin Katia Krafft. Sie alle führen und führten ein selbstbestimmtes Leben und haben die Welt verändert. Das Heft zum Gratis Comic Tag zeigt drei spannende Biografien: Sonita Alizadeh, Rapperin aus Afghanistan; Autorin und Zeichnerin Tove Jansson; und Mae Jemison – die erste schwarze Frau im Weltall.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Reprodukt | Goodreads

Empfehlung: Drei politische, inspirierende, packende Kurzbiografien, je 6 Seiten lang – die ich nie vergessen werde.

Schwächen? Über einen großen Mann schreiben Menschen eine Monografie. Doch wegweisende Frauen landen dauernd in Büchern, die 15, 20, 30 von ihnen sammeln. „Unerschrocken“ begann als Zeitungsprojekt und wirkt weniger wie ein Comic als eine illustrierte Info-Seite. Didaktisch, textlastig, visuell nie besonders reizvoll. Aber: Pénélope Bagieu ist SEHR gut darin, Relevantes auszuwählen und pointiert, kurzweilig zu präsentieren. Für mich sind diese Biografien Einladungen, zu googeln, mich selbst weiter zu bilden. Bagieu macht Lust, mehr zu erfahren!

und dann? Narrativere, literarischere Comics über Frauen- und Bürgerrechte, z.B. „Stuck Rubber Baby“ oder „Ooku – the inner Chambers“; Tove Janssons wunderbares „Sommerbuch“

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Q-R-T

Reprodukt | Ferdinand Lutz

Reprodukt_GCT2018_Q-R-T_CVR_web„Q-R-T sieht aus wie ein normaler Junge, doch ist schon 122 Jahre alt. Er kommt vom Planeten Rzzz, auf dem man sein Leben lang Kind bleibt. Mit seinem tollpatschigen Haustier Flummi, das jede beliebige Gestalt annehmen kann, zieht er in eine Plattenbausiedlung, um das Verhalten der Erdlinge zu studieren. Die scharfsinnige Nachbarin Lara lässt nicht locker und stellt unangenehme Fragen. Ferdinand Lutz’ liebevoll-schräge Comics erschienen 2011 bis 2016 monatlich im Kindermagazin “Dein SPIEGEL”.“

Details: Reprodukt| Goodreads

Empfehlung: Kurze, kindgerechte Episoden. Jedes Panel zeigt schöne Charakter-Momente oder einen Grund, zu lachen. Lara wirkt etwas banal / nebensächlich, und die Atmosphäre (mit Kehrwoche etc.) erinnert mich an eine Kindheit der 80er, nicht an heute. Trotzdem: So einladend, leicht verständlich, schwungvoll… ein gutes Geschenk; und eine Figur, die Kinder anspricht. (Plus: kluges Kurzinterview des Zeichners/Autors.)

Schwächen? Ein Ensemble wie aus einer typischen 80er-Jahre-Sitcom („ALF“, „Mein Vater ist ein Außerirdischer“); viele Witze wirken etwas gestrig.

und dann? „Kiste“ von Patrick Wirbeleit. Solider Erstleser-Comic ab 6. Und, wie immer: mein Lieblingscomic für alle Grundschüler*innen, „Yotsuba!“

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To your Eternity

Egmont Manga | Yoshitoki Oima

02_GCT2017_Manga_ToYourEternity„Allein in der Tundra: Der letzte Überlebende eines Dorfes ist dem Tode nahe. Doch er bekommt Gesellschaft: Ein unsterbliches Wesen ist auf der Welt gelandet und kopiert den Körper seines sterbenden Wolfshunds. Eine fantastische Geschichte voll Leid, Schmerz, Freundschaft, Liebe der Zeichnerin von ‚A Silent Voice‘.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads | Egmont

Empfehlung: Ein stiller, sofort verständlicher, märchenhafter A-Boy-and-his-Dog-Manga, der mich mühelos in die Geschichte zieht, neugierig macht.

Schwächen? Die Mangaka schrieb auch „A Silent Voice“: eine Manga-Reihe, in der eine gemobbte, gehörlose Schülerin Nebenfigur ihrer eigenen Geschichte blieb. Selbsthass und Tristesse, kein Empowerment. Ich mag, dass „To your Eternity“ ganz andere Figuren zeigt, eine ruhigere Grundstimmung. Doch ich traue dieser Autorin nicht zu, viel Kluges zu sagen über z.B. Nomadenvölker, oder die Psychologie jahrelanger Hunger-, Survival- / Überlebenskampf-Konflikte.

und dann? Viel besser gezeichnet? „Young Bride’s Story“, über Alltag an der Seidenstraße im späten 19. Jahrhundert. Großes, märchenhaftes Survival-Kino? „Nausicaä – Prinzessin aus dem Tal der Winde“. Auch die Manga-Vorlage will ich endlich lesen.

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Schattenspringer

Panini | Daniela Schreiter

Schattenspringer-GCT-Cover-500x„’Wer einen Autisten kennt, kennt genau EINEN Autisten‘, sagt sich Daniela Schreiter im dritten ‚Schattenspringer‘-Band und macht sich auf, andere Betroffene zu interviewen. Wie immer kombiniert sie dies mit ihren eigenen Erfahrungen. Und schafft erneut, wundervoll unterhaltend über ein scheinbares Tabuthema aufzuklären, ohne belehrend zu wirken. Schreiter wurde im wilden Berlin der 1980er Jahre geboren.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Panini  | Goodreads

Empfehlung: Eine Künstlerin mit Asperger-Autismus zeigt ihren Alltag – in didaktischen, einladenden Sach-Comics. Ich mag das Figurendesign, die klare Sprache und, wie verhältnismäßig tief, komplex hier auf wenigen Seiten über Themen wie „Warum stört mich, dass mir Partner beim Kochen helfen?“ oder „Warum brachte mich Gruppenarbeit an der Uni aus dem Konzept?“ gesprochen wird. Durchgängig lehrreich, lesenswert!

Schwächen? Ich war SO enttäuscht, dass der Mittelteil des Comics plötzlich nur Schwarzweiß zeigt. Und ich bin gespannt, wie tief Daniela Schreiter z.B. über Sexualität spricht, in ihren drei Büchern: einerseits gibt es eine „Nacktszene“. Andererseits spielt in den langen Passagen über die Dynamik in Partnerschaften Körperlichkeit *gar keine* Rolle.

und dann? Ich liebe den Pädagogik-Manga „With the Light: Raising an Autistic Child“. Tolle Sach-Comics über Neurodiversität oder Krankheit habe ich HIER im Link gesammelt. Ich folge Schreiters Kollegin und Freundin Sarah Burrini auf Twitter – und glaube, sie haben ähnliche Zielgruppen.

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Snoopy

Carlsen | Charles M. Schulz

CarlsenComics_Cover_Peanuts-500„‚DIE PEANUTS‘ gehören zu den großen, zeitlosen Comics: seit Jahrzehnten von Kindern und Erwachsenen geliebt. Bei Carlsen erscheinen deshalb Bücher für unterschiedlichste Zielgruppen, wie die 26-bändige, bibliophil ausgestattete Gesamtausgabe. Und die Reihe „Peanuts für Kids“ für die jüngsten Leser. Dieser Gratiscomic enthält farbige Comicstrips, Zeichenanleitungen und Rätsel.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Carlsen | Goodreads

Empfehlung: Sympathische, solide Snoopy-Comics, selten ganz-, meist halbseitig. Gewitzt, warmherzig, für jede Altersgruppe geeignet.

Schwächen? Keine. Snoopy ist nicht meine „Peanuts“-Lieblingsfigur. Das Heft dreht sich fast nur um ihn. Persönlich wäre mir ein Band über z.B. Patty, Linus oder Schröder lieber.

und dann? Ich frage mich oft, welche erwachsenere Serie den „Peanuts“-Tonfall am besten aufgreift. „Scott Pilgrim“ und „Honey & Clover“ sind recht schrullig, idiosynkratisch, melancholisch.

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Der freie Vogel fliegt

Chinabooks | Jidi & Ageng

chinabooks_der_freie_vogel_flie„China in den 90er Jahren: Lin Xiaolu besucht eine Mittelschule mit Schwerpunkt Kunst und Gestaltung. Als Scheidungskind lebt sie mit ihrer Mutter in der westchinesischen Stadt Chengdu. Sehr realistisch erfährt man von seelischen Nöten und Sorgen: erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, erste Liebe und Liebeskummer, die Sprachlosigkeit zwischen Heranwachsenden und ihren Eltern. Es werden auch schwierige Themen angepackt wie der enorme Schuldruck und Prüfungsstress.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Chinabooks | Goodreads

Empfehlung: Pastellfarben, gefällig, illustrativ. Ein sympathischer Comic mit interessanten Zwischentönen. Im Grundschulalter z.B. freut sich die Hauptfigur, dass ihre Eltern sich trennen und Partner suchen, die besser passen. Mir fehlen längere Szenen mit mehr Sprechblasen, Dynamik: Oft schreibt die Ich-Erzählerin drei, vier Sätze über ihr Innenleben, und auf der Bild-Ebene gibt es dazu eine nette, doch nie besonders originelle visuelle Umsetzung. Ein braver, statischer Comic. Klappentext und Erzähltext sind zudem seltsam trocken, akademisch: Ich kann kein Chinesisch. Doch vermute, dass hier an vielen Stellen unnötig abstrakt, verlabert übersetzt wurde.

Schwächen? Hätten die Nebenfiguren mehr Raum und mehr szenische Auftritte – die Geschichte wäre dynamischer, vielleicht authentischer.

und dann? „The Nao of Brown“ erzählt im selben Zeichenstil von einer Angststörung, deutlich klüger. „Punpun“ ist psychologischer (…und gegen Ende leider platt nihilistisch), zieht mich tiefer rein. Der tolle Anime „Your Name“ ist ähnlich illustrativ & pretty. Und Thi Buis „The Best we could do“ zeigt, dass es keine makellosen Bilder braucht, um Zwischentöne der Pubertät toll zu schildern. Auf meinem bald-Lesen-Stapel: Yoshihiro Tatsumis Künstler-Biografie „A Drifting Life“

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Black Hammer

Splitter | Jeff Lemire, Dean Ormston

Splitter_Black_Hammer_GCT_Cover„Das goldene Zeitalter der Superhelden ist um: Abraham Slam und seine Gefährten waren einst die Beschützer von Spiral City, doch nach einem Gefecht gegen ihren Erzfeind finden sie sich in einem gottverlassenen Nest im Nirgendwo wieder. Dort müssen die Helden sich häuslich einrichten, denn aus der Kleinstadt gibt es kein Entkommen. Jeff Lemire, Spezialist für ausgefallene Stories mit Tiefgang, schafft eine Hommage an die großen Comic-Helden, bei der die Liebe zum Genre aus jeder Seite strahlt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Splitter | Goodreads

Empfehlung: Ich empfahl „Black Hammer“ schon mehrmals. Zuletzt mit folgendem Kurztext: Eine Gruppe Superhelden, wie wir sie aus den 50ern und 60ern kennen, dem „Golden“ und dem „Silver Age“ der Heldencomics, ist seit Jahrzehnten gestrandet – in einem künstlichen Retro-Dorf. Kanadier Jeff Lemire liebt Groschenheft-Klischees. Und ehrliche, tiefe Provinz-Melancholie. „Black Hammer“ ist ein neues, eigenes Erzähl-Universum, das klassische Figuren wie Mary Marvel, Lex Luthor und Martian Manhunter neu denkt. Liebevoll, morbide, intelligent.

Schwächen? Heft 1 ist männerlastig und recht trostlos. Die Erzählwelt wird bald bunter, feministischer, reicher. Nicht zuletzt durch z.B. Gastzeichner David Rubin.

und dann? James Robinsons „Starman“, Jeff Lemires „Royal City“ und „Essex County“, vielleicht auch Darwyn Cookes „The New Frontier“ (über das Silver Age, nicht das Golden Age); auch der direkte Vergleich zwischen „Watchmen“ und „Black Hammer“ lohnt sich.

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American Gods

Splitter | Neil Gaiman, P. Craig Russell, Scott Hampton

Splitter_American_Gods_GCT_Cove„Kaum hat Shadow seine Haftstrafe abgesessen, erfährt er, dass seine Frau einen tödlichen Unfall hatte. Darum hält ihn nichts davon ab, auf das Jobangebot des jovialen Mr. Wednesday einzugehen und dessen Leibwächter zu werden. Die Personen, die Mr. Wednesday auf seinen Reisen quer durch die USA besucht, sind ebenso undurchschaubar. Shadow steckt mitten in einem uralten Konflikt von wahrhaft göttlichem Ausmaß.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Splitter | Goodreads

Empfehlung: Neil Gaimans Romanvorlage? Eins meiner Lieblingsbücher. Die aktuelle HBO-Serie? Solide Kritiken. Der Comic irritiert: Ich mag, wie viel Platz jede Seite lässt, um Neil Gaimans Prosa Wort für Wort zu erhalten. Doch damit wirkt das Heft recht steif. Bildaufbau und Figuren (nach Models gezeichnet: Photo Referencing?) kommen mir vor wie aus den 90ern; und ich habe kein Vertrauen, dass jemand diese Seiten liest und daran sieht, was Comics als eigene, distinkte Kunstform können. Trotzdem: tolle Geschichte, schön koloriert, kompetent adaptiert. Und: sympathisch, dass eine der wagemutigsten Szenen im Roman – ein Mann wird von einer Vagina verschlungen – direkt hier im Heft zu finden ist.

Schwächen? Women in Refrigerators: Frauen, die sterben, damit die männlichen Helden Antrieb haben, zu handeln. Wäre ich kein Gaiman-Fan, würde mir dieser Start keine Lust machen, mehr von ihm zu lesen.

und dann? Ich bin kein Fan von Grant Morrisons und Dave McKeans „Arkham Asylum“, doch glaube, wer die „American Gods“-Ästhetik mag, wird den Klassiker lieben. Ich selbst empfehle den (schrulligen, auch toll verfilmten) Comic „Wild Palms“ von Bruce Wagner.

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Die drei ??? und das Dorf der Teufel

Kosmos | Christopher Tauber, Ivar Leon Menger, John Beckmann, Asja Wiegand

Kosmos_GCT2018_DDF_print-1-500x„Auf der Suche nach einem vermissten Freund des Chauffeurs Morton landen die drei ??? in Redwood Falls. Die Bewohner lehnen Fortschritt ab. Schon bald überschlagen sich die Ereignisse und das Dorf der Teufel zeigt sein wahres Gesicht.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Kosmos | Goodreads

Empfehlung: Drei schnöselige Jungs in Abenteuern, die mir wenig über Kalifornien zeigen/verraten. In meiner (Nicht-Bildungsbürger-)Kindheit las man das prollige, rassistische „TKKG“, nicht die drei Fragezeichen. Auch hier wachsen mir die drei Stock-im-Arsch-Boys und ihr Junge-Liberale-haftes Siezen nicht an Herz. Die Geschichte (oder: der Ausschnitt des Bandes, auf den sich das Gratis-Heft beschränkt) ist durchschaubar, klischeehaft, hat ein offenes Ende. Eine frustrierende Rahmenhandlung macht nichts besser. Doch die Zeichnungen?! Das Heft ist zeichnerisch – keine Übertreibung! – Weltklasse, und erzählerisch gut genug, dass ich… begeistert wäre, falls das ???-Team US-Horror-Lieblings-Comicreihen wie „Afterlife with Archie“, „Harrow County“ übernehmen würde.

Schwächen? Massig. Egal: Feiert dieses Heft; gebt den Künstlern Geld, Jobs, künstlerische Freiheiten. Erste Liga!

und dann? „Harrow County“ und „Afterlife with Archie“. Außerdem: Alles von Seth (Link), einem kanadischen Comiczeichner, der oft im selben Stil und mit den selben Farbkombinationen arbeitet. Und: Der aktuelle, lesenswerte Matt-Ruff-Roman „Lovecraft Country“ hat die selben Themen, Atmosphäre, den selben „Look“.

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Batman: Metal

Panini | Scott Snyder, Jim Lee, Andy Kubert, John Romita Jr

DBATME001CT_cover_RGB-500x714„Starautor Scott Snyder taucht tief ein in die Vergangenheit der Familie Wayne und die Ursprünge des DC-Kosmos ‒ und präsentiert die Schrecken des Schwarze-Materie-Universums! Batman und Helden wie Wonder Woman, Superman, Aquaman und Flash kämpfen ums Schicksal der Welt. Das DC-Mega-Event, das niemand verpassen darf!“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Wikipedia | Goodreads

Empfehlung: Die ersten beiden „Batman“-Bände von Scott Snyder, „Court of Owls“ und „City of Owls“, sind einsteigerfreundlich, packend. Dann wurden Snyders Comics esoterischer, barocker: überspannt. Oft toll eigensinnig. Oft einfach: Trash und Fan-Wank für ein Nischenpublikum. Ein DC-Autor dagegen, der auch Nischen-Themen toll mainstreamfreundlich erzählen kann? Geoff Johns. 2016 deutete Johns an, dass der Joker keine Einzelperson ist, sondern drei verschiedene Entitäten. In „Batman: Metal“ erzählt Snyder (der dafür wirklich GAR kein Talent bewies bisher) eine Geschichte im Johns-Stil, u.a. über den Joker. Die Kritiken sind großartig, der Start macht Spaß (ich las bisher erst 100 von fast 400 Seiten). Aber, Warnung: Das hier…

Schwächen? …ist ein DC-Comic für Menschen, die nachts wach liegen und sich fragen „WAS ist eigentlich mit Hawkman?“ oder „Welche Plastic-Man-Comics sind weiterhin ‚offiziell passiert‘, und welche kosmischen Zauber, Dimensionswechsel, Neustarts etc. haben die Figur verändert: inwiefern?“

und dann? Die meisten DC-Serien sind ab 2016 recht zugänglich, einsteigerfreundlich. Ich empfehle „Superman“ und „Action Comics“, „Detective Comics“, „Super Sons“ und das barocke, doch einladende, süffige „Injustice 2“.

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Die Nektons: Abenteurer der Tiefe

Dani Books | Tom Taylor, James Brouwer

dani_books-GCT-2018-Die-Nektons„Die wagemutige Meeresforscherfamilie Nekton reist mit ihrem High-Tech-U-Boot „Arronax“ in die Tiefe! Als es nach einem Erbeben vor der Küste Grönlands vermehrt zu Berichten über Monstersichtungen kommt, machen sich William und Kaiko Nekton gemeinsam mit ihren Kindern Fontaine und Ant (sowie natürlich Ants Haustier, dem Fisch Jeffrey) auf, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Werden sie aus Versehen aufgefressen? Wird es Ant gelingen, einem Fisch das Stöckchenholen beizubringen? Das Comic zur beliebten Super-RTL-Trickserie von Tom Taylor („Injustice: Gods Among Us“, „All-New Wolverine“).“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Serie bei TV Tropes | Goodreads | Dani Books

Empfehlung: Australier Tom Taylor, einer der witzigsten, schwungvollsten, zugänglichsten US-Heldencomic-Autoren, hat eine Kinderserie? Drei Staffeln? Auch in Deutschland erfolgreich? Ich bin bei Unterwasser-Serien (wie „Seaquest“) schnell nervös – weil oft nach wenigen Episoden die Ideen ausgehen. Die Rollenverteilung in der Familie Nekton ist konventionell, und noch bevor etwas Originelles geschieht, Ausmaß und… Tiefgang des Konflikts absehbar werden, hört der Gratis-Comic auf. Trotzdem: für 8- bis 12jährige wartet hier kompetente Mainstream-Unterhaltung eines Comic-Profis, dem ich seit ca. 2012 vertraue.

Schwächen? Seit Jahren sensibilisieren mich Freund*innen, dass Worte wie „dumm“, „irre“, „bescheuert“ ableistisch sind. Beim dritten, vierten „Du bist ein Idiot!“ unter den Geschwistern hier im Comic war ich gelangweilt, genervt.

und dann? Mein Tiefsee-Favorit (für Erwachsene) ist Matt Kindts „Dept H“. Die Nektons wirken auf mich noch zu sehr wie „The Incredibles“ (Pixar). Trotz guter Kritiken konnte ich mit den Abteuer-Grundschul-Comics „Amulet“ und „Avatar: Herr der Elemente“ wenig anfangen (die „Avatar“-Trickserie mag ich sehr).

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Super Mario Adventures

Kazé | Kentaro Takekuma, Charlie Nozawa

Kaze_SuperMario_COVER_UNVERBIND„Prinzessin Peach wird vom teuflischen Halunken Bowser entführt. Doch die Super-Klempner Mario und Luigi sind mit ihrem neuen Freund Yoshi schon auf dem Weg. Können sie den Koopa-König aufhalten, bevor er Peach zur Heirat zwingt und das Pilzkönigreich an sich reißt? Exklusiv für das offizielle Magazin ‚Nintendo Power‘ entstand von Januar 1992 bis Januar 1993 eine Reihe von Comic-Strips. Diese Comics folgten nicht der Storyline eines bestimmten Spieles, vielmehr erzählten sie neue Abenteuer der bekannten Helden – und führten sogar neue Figuren ein. Der Sammelband Super Mario Adventures bündelt erstmals und vollständig auf Deutsch alle Comics. Zum Gratis Comic Tag gibt es die Kapitel 1 bis 3 zum Schnuppern.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Kaze | Goodreads

Empfehlung: Die Super-Mario-Trickserien von 1989 („Super Mario Bros Super Show“), 90 („Super Mario Bros 3“), 91 („Super Mario World“) sind atemberaubend schäbig, geistlos, schlecht. Umso toller, wie viele skurrile Ideen, Bildwitze, Wortspiele und Details dieser Werbe-Comic von 1993 aus dem selben Stoff holt. Man merkt dem Comic sein Alter deutlich an – Luigi nahm ich z.B. in modernen Spielen nie als faulen Vielfraß wahr. Doch Mario ist eine SO populäre Figur, über die es SO wenig interessante Texte, Geschichten gibt: Ich bin hingerissen! (Schaut z.B. oben: Bowser hat sogar DEN SCHREI VERSTEINERT!)

Schwächen? Ein Toad-Masseur, der über Chi spricht, eine halbe Seite lang auftaucht, sieht aus wie die typische rassistische Karikatur eines Chinesen.

und dann? Sagt es mir! Der „Sonic“-Comic hat oft gute Kritiken, doch bisher war ich von jeder Leseprobe gelangweilt. TV Tropes hat eine kurze Liste mit Comics, die auf Spielen basieren.

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Grandville

Schreiber & Leser | Bryan Talbot

schreiberleser_Grandville_cover„Wie sähe die Welt aus, wenn Napoleon bei Waterloo gewonnen hätte? Vielleicht wäre die Sozialistische Republik Britannia ein kleiner, unbedeutender Staat, über die Kanalbrücke verbunden mit dem Empire Frankreich. In dieser Parallelwelt wird die Leiche eines britischen Diplomaten aufgefunden. Selbstmord? Detective Inspector LeBrock und sein Assistent Roderick Ratzi ermitteln in der Grandville Paris, der Stadt der Lichter. Bryan Talbot, u.a. bekannt durch ‚Sandman‘, verneigt sich mit dieser Steampunk-Serie vor Meistern wie J.J. Grandville, Albert Robida, Sir Arthur Conan Doyle und Quentin Tarantino.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Schreiber & Leser | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. Ein Dachs, der spricht wie Sherlock Holmes, erlebt recht hölzern und steif geschriebene und gezeichnete Steampunk-Krimi-Abenteuer mit erwartbaren Nebenfiguren, Wendungen. Ich mag die detailverliebten Zeichnungen, die Alternate-History-Ideen und, wie erkennbar tief und leidenschaftlich sich Autor Bryan Talbot literarisch in die Tropen, Stimmungen, Themen des viktorianischen Zeitalters einarbeitete. Außerdem: Paradoxe wie „In Paris scheißen die Hunde auf die Straße“. Sprechen wir von anthropomorphisierten Hunden? Oder haben die anthropomorphisierten Hunde im Grandville-Universum Hunde als Haustier? Ich glaube, dass z.B. Disney mit diesem Stoff mehr machen könnt. (Oder – hey: Die Spanier, die in den 80ern „Um die Welt mit Willy Fog“ animierten!)

Schwächen? Im ganzen Heft: amateurhafte Computereffekte, Kolorierung. Trotzdem ist der Comic innen deutlich einladender als das triste Titelbild. Unbedingt aufschlagen, blättern!

und dann? Um Welten besser gezeichnet, stilsicherer inszeniert: die „Blacksad“-Comics.

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Usagi Yojimbo

Dantes Verlag | Stan Sakai

Dantes-Verlag-GCT-2018-Usagi-Yo„Die Saga um Usagi Yojimbo [wörtlich: „Leibwächter Hase“] entfaltet sich im teils fiktiven Japan am Ende des 16. Jahrhunderts. Die historische Schlacht von Sekigahara wurde am 21. Oktober 1600 geschlagen: Sie beendete die Zeit der Bürgerkriege und etablierte die Shogunatsherrschaft. Die Samurai bilden im ganzen Land die herrschende Klasse. Sie folgen einem strengen aber ungeschriebenen Kodex an Verhaltensregeln, dem bushido [„Weg des Kriegers“], und müssen in der neuen Ordnung erst noch ihren Platz finden. Es ist eine Zeit unruhiger Geschäftigkeit und politischer Intrigen. Durch diese Welt wandert ein herrenloser Samurai: Miyamoto Usagi. Im Comic „Ein welkes Feld“ trifft er auf Nakamura Koji, einen in die Jahre gekommenen, vollendeten Schwertkämpfer.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Dantes | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. Das kluge Vorwort des Gratis-Comics zeigt: Der Dantes-Verlag brennt für diesen Comic, will die historischen Hintergründe vermitteln. Ich liebe Holzschnitte von u.a. Hasui Kawase, bewundere Sakais elegante, fachkundige Zeichnungen. Emotional stieg ich trotzdem aus – als die Hauptfigur 16 Samurai tötet, ohne Gedanken. Mir sind fast alle Samurai-Manga zu gefühlskalt – und ich komme mit der Mischung „Funny Animal-Figuren & Seppuku“ nicht zurecht, emotional.

Schwächen? Moderne „Turtles“-Comics werden oft für ihre Psychologie, Deepness gelobt – doch bisher las ich keinen, der mich tatsächlich packte. „Usagi Yojimbo“ ist etwas tiefer, melancholischer, psychologischer – doch auch hier wünsche ich mir mehr Innenleben. Die Hauptfigur blieb mir teils ekelhaft fremd.

und dann? Hier im Link merkte ich mehrere Samurai-Manga vor. MÜSSTE ich einen lesen, wäre es „Jin“ von Motoka Murakami (ein Arzt in der Edo-Zeit). „Blade“ und „Vagabond“ sind zu nihilistisch; „Shigurui“ fand ich absurd und, in seinen Gewaltdarstellungen, pornografisch. Trotzdem war’s ne Lektüre, die ich nie vergaß.

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Ekhö

Splitter | Christioge Arleston, Alessandro Barbucci

Ekhoe_01_GCT_Cover-500x714„Als ihre Linienmaschine vom Blitz getroffen wird, landet die junge Studentin Ludmilla auf dem Rücken eines Flugdrachen in New York landet. Doch ist dies überhaupt noch New York? Es gibt keinen Strom oder Autos, dafür aber jede Menge Fabeltiere. Im Hintergrund der bizarren Parallelwelt Ekhö halten die Preshauns die Fäden in der Hand: scheinbar putzige, etwas pedantische Wesen, die Eichhörnchen ähneln. Im Flugzeug krallte sich Ludmilla an ihrem Sitznachbarn Juri fest, der ihr nun auf Schritt und Tritt folgen muss. Gelegentlich wird sie von ruhelosen Geistern kürzlich Verstorbener besessen, die erst von ihr ablassen, wenn ihr ungeklärter Todesfall gelöst ist.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. In jedem Sammelband erkundet Ludmilla (mit Juri?) eine andere Stadt der Spiegelwelt. Warum sie dabei zusätzlich „Ghost Whisperer“-artige Fälle löst? Mir scheint das unfertig, überfrachtet. Hintergründe, Design des Comics: Weltklasse. Die Geschichte? Recht banal, schleppend. Allerwelts-Fantasy!

Schwächen? TV Tropes nennt Ekhö einen „Young Adult“-Comic; vom Zeichner der („Sailor Moon“-artigen) Kinderserie „WITCH“. Ludmilla wirkt wie Cassie Sandsmark, Wonder Girl in… (noch) pornös(er). Für mich ist Ekhö vorbei, weil a) Ludmilla auf jede Gefahr mit einem dümmlich-erstaunten Porno-Gesichtsausdruck reagiert, b) jedes Panel die übergroßen Brüste zeigt, c) zwei Stripperinnen ihre Brustwarzen schwenken, seitenlang. Nicht, weil sich  Erotik und Young Adult widersprechen. Sondern, weil hier zwei super-talentierte Männer, die sich auf jeder Seite endlos gestalterische Mühe geben, mit schmierigem Male Gaze alles verderben. Selbstsabotage. Selbst-Verramschung.

und dann? Der schönste aktuelle Parallelwelt-Comic, den ich kenne: Matt Kindts „Ether“. Doch tatsächlich sind die „Ekhö“-Zeichnungen besser. Sehenswert: Simon Spurriers „The Power of the Dark Crystal“

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Lucky Luke: Billy the Kid

Egmont | René Goscinny, Morris

03_GCT2018_Comic_Lucky_Luke_37-„Der einsame Cowboy kommt nach Fort Weakling. Das einst lebhafte Städtchen ist wie ausgestorben und wird von Billy the Kid terrorisiert. Lucky Luke will Billy dingfest und aus den verschüchterten Einwohnern wehrhafte Bürger machen.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads zur Reihe | Kritiken zum Einzelband

Empfehlung: Bedingt. Ein Comic von 1961 – mit markantem Figurendesign, viel Humor, seiner Zeit voraus. Mich langweilte „Lucky Luke“ als Kind, Anfang der 90er, und ich bin unsicher, wen diese Comics ansprechen: europäische Western-Klischees, alles sehr normiert – auch z.B. durch die engen, rigiden Panels. Wer die Figur mag, findet hier eine komplette Geschichte. Ich selbst habe keine Lust, mehr zu lesen.

Schwächen? Kaum Frauen. First-Nation-Figuren als übliches rassistisches Klischee.

und dann? Ich glaube, ich lese gar keine Western – und merke oft, dass andere Formate als Western konzipiert wurden (z.B. Staffel 4 von „Fear the Walking Dead“), ohne, dass mir diese Strukturen auffallen. Der Weltraum-Westerncomic „Copperhead“ ist brav, gemächlich, aber sympathisch. „Westworld“ ist toll – aber kein Western.

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Battle Angel Alita

Carlsen | Yukito Kishiro

battle_angel_perfect_edition_GC„Neuausgabe in vier Sammelbänden im Großformat, frisch digitalisiert und mit neuen Farbseiten – rechtzeitig zum Kinostart der von James Cameron produzierten Hollywood-Live-Action-Verfilmung. Auf dem Schrottplatz unterhalb der Himmelstadt Zalem findet der Mechaniker Ido den Kopf eines weiblichen Cyborgs, dessen Gehirn noch intakt ist. In seiner Werkstatt baut er dem Wesen einen reizvollen mechanischen Körper und gibt ihm den Namen Alita…“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Carlsen | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. 2017 legte ich den „Ghost in the Shell“-Manga (1989) zur Seite, weil mich die Optik „detailverliebte Technik, puppenhafte Kindfrauen mit Riesenbrüsten und Männer, im Funny-Stil gezeichnet“ abstieß. „Alita“ stammt aus der selben Ära (1991), hat etwas luftigere Layouts, ist flüssiger zu lesen. Doch ich mag a) keine Pinoccio-Plots, b) keine Mangas über Mädchen als Kampfmaschinen wie „Saikano“ und „Home sweet Home: Die fünfte Stunde des Krieges“. Durch „Westworld“ bin ich komplexe, feministische Geschichten gewohnt über künstliche Frauen, von Männern instrumentalisiert. „Alita“ ist, fürchte ich, schlichter. Im Gratis-Heft werden Prostituierte ermordet. Allen Figuren ist das Schicksal dieser Frauen recht egal. Bestimmt wird „Alita“ noch etwas tiefsinniger. Doch ich will SciFi lesen, in denen ALLE Frauen wertvoll sind. Nicht nur die eine: die mit dem Puppenmund und den Riesenbrüsten.

Schwächen? Hier gilt die umgekehrte Frage. Kann ich etwas, das handwerklich solide wirkt, nach ca. 40 Seiten aussortieren? Ich WILL das nicht lesen. Doch einen zweiten Blick ist es sicher wert.

und dann? „Westworld“, wie gesagt.

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Courtney Crumrin

Dani Books | Ted Naifeh

dani_books-GCT-2018-Courtney-Cr„Courtneys Eltern wollen fortan im alten Spukhaus des gruseligen Großonkels Aloysius wohnen. Courtney muss sich mit hochnäsigen Klassenkameraden und seltsamen zwielichtigen Besuchern herumschlagen, die oft bei ihrem Onkel vorbeischauen. Statt der Kinder aus der Nachbarschaft sind nun grausige Ghule und gräuliche Geister ihre einzigen Freunde.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Wikipedia | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. Ein Horror-Comic mit langweilig konventionellem Figuren-Design und Plot – an dem nur die bizarr unsympathischen Nebenfiguren auffallen: Courtneys Eltern sind ignorant, eitel; die Mitschüler prügeln, wenn Courtney kein Taschengeld auszahlt. Ein freundlicherer Schüler wird von ihr verachtet, dann von Monstern verspeist – ohne, dass sich Courtney oder der Erzähler daran stören. „Courtney Crumrin“ will etwas literarischer, „Coraline“-hafter sein als z.B. „Emily the Strange“ und „Monster High“ – doch wirkt wie ein freudloser, fader Nachklapp, zehn Jahre zu spät. [Edit: Nein. Der Comic erschien im Original 2002. Er wird nur absurd spät übersetzt!]

Schwächen? Der Klappentext gilt fürs komplette Buch, nicht fürs Gratis-Comic-Heft – und erwähnt, dass Courtney mit Geistern befreundet ist. Ich hoffe, einer dieser Geister ist der tote Kumpel. Falls nicht, ist mir das Menschenbild hier zu… garstig, kalt, gehässig für eine Geschichte, die ca. Elfjährigen gefallen soll.

und dann? Die warmherzige, makabre, schwungvolle Horror-Reihe „October Faction“ von Steve Niles! Unterkomplexe Plots. Doch viel enthusiastischere Helden! Oder meine Lieblings-Comicreihe überhaupt, „Locke & Key“. Auch der Middle-Grade-Grusel-Comic „Anya’s Ghost“ ist solide.

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Sigurd

Ewald Verlag | Hansrudi Wäscher, Angel B. Mitkov

Cover-Becker-Comic-etc„Zwei Kurzgeschichten des ritterlichen Helden Sigurd. Im von Hansrudi Wäscher gezeichneten Abenteuer „Im Tal der Schatten“ nimmt Sigurd es gegen eine Bande auf, die als sagenhaften Werwölfe Angst und Schrecken verbreiten. „Gefährliche Hilfe“, gezeichnet von Angel B. Mitkov, ist ein Auszug aus der aktuell geschaffenen Fortsetzung des 1968 abgebrochenen Abenteuers: wobei streng darauf geachtet wurde, dass Wäschers markanter Zeichen- und Erzählstil beibehalten wurde.“[Klappentext, gekürzt.]

Details: Wikipedia

Empfehlung: Bedingt. Ich glaube, man kann aus „Sigurd“, seiner Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte viel lesen über Deutschland in den 50ern, und ich bin froh um jeden Satz, der diese Comics kontextualisiert, erklärt. Lesespaß? Nein. Eine farblose Hauptfigur, keine Frauen, zu viel Der-Erzähler-erzählt. Immerhin spielen die Comics nicht im apolitischen „Gummibärenbande“-Märchenbuch-Mittelalter. Sondern setzen voraus, dass ihre Leser z.B. wissen, wie Wilderei funktioniert oder, was Lehnsherren sind.

Schwächen? Ich dachte, die Panels, die ich oben fotografierte, stammen aus den 50ern. Doch sie sind moderne Hommagen: „echte“ Sigurd-Comics waren noch hölzerner.

und dann? Ab 1905 zeichnete ein Amerikaner „Little Nemo“. Ab 1940 zeichnete Will Eisner „The Spirit“. Deutschland feierte DAS hier?

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Aposimz: Land der Puppen

Manga Cult | Tsutomu Nihei

GCT2018_MangaCult_Aposimz_Cvr_rDas neue Meisterwerk von Tsutomu Nihei (Blame!, Knights of Sidonia): Vor 500 Jahren verloren die Menschen des künstlichen Planeten Aposimz den Krieg gegen den Kern des Planeten und somit auch das Recht, im Inneren von Aposimz zu leben. Seitdem kämpfen sie auf der eiskalten Oberfläche des Planeten ums Überleben. Sie verstecken sich in den Ruinen einer längst vergangenen Zeit, um der Unterdrückung durch die aggressiven Cyborgs (oder Puppen) des Kernes zu entgehen… während sie eine mysteriöse Krankheit einen nach dem anderen selbst in Puppen verwandelt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Cross Cult | Wikipedia

Empfehlung: Nur für a) Menschen, die durch „Blame!“ und „Knights of Sidonia“ schon Vertrauen in den Mangaka haben oder b) Menschen, die „Alien“-Designer H.R. Giger so toll finden, dass ihnen auch eine fade Schwarzweiß-Hommage des Looks (ohne besondere eigene Ideen) sehenswert scheint. Ich mag, wie absurd weit in der Zukunft alles spielt und hoffe, im Planetenkern sind komplexere, futuristischere Dinge verborgen (Hard Sci-Fi!). An der Oberfläche gibt’s erstmal nur Survival-, Soldaten- und Zombie-Klischees.

Schwächen? Das Manga-Kapitel hat Überlänge, das Gratis-Heft nicht: Die Handlung bricht mittendrin ab.

und dann? Der postapokalyptische Sci-Fi-Manga, auf den ich mich freue? „Desert Punk“. Liste mit weiteren Mangas des Genres: Link, TV Tropes.

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Kultgeschichten

Kult Comics | Michael Mikolajzak, Sascha Dörp, Holger Klein, Andreas Möller

KultComics_kultgeschichten_GCT1„Zum ersten Mal ist Kult Comics beim Gratis Comic Tag dabei, mit drei Geschichten: »S.C.U.M.« gezeichnet von Sascha Dörp, »Königinnen« von Holger Klein und »Wurzeln« von Andreas Möller. Alle Stories wurden von Michael Mikolajczak geschrieben. Spannende [70er-Jahre-]Geschichten über starke Frauen, Wahnsinn, Verzweiflung, Rache, Familienbande und Mord.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Kult Comics

Empfehlung: Bedingt. Ich schlage 35 Comics auf. „Unerschrocken“ (Platz 1) und „Kult Comics“ sind die einzigen, in denen Schwarze Frauen und queere Figuren nennenswerte Rollen spielen. Wer 80er-Jahre-Underground-Comics im Stil von „V for Vendetta“ mag, findet hier drei literarische, visuell halbwegs interessant inszenierte Episoden: Comics über die 70er, erzählt wie in den 80ern.

Schwächen? „Comics über die 70er, erzählt wie in den 80ern“ war kein Lob. Jeder von uns hat fünf, sechs Facebook-Freunde, die Zeug posten wie „Nach Led Zeppelin gab es keine nennenswerte Musik mehr!“ oder „‚Der Pate‘? Bester Film, seitdem gehts nur bergab“. Die „Kultgeschichten“ erzählen von Emanzipation, queere Politik (Valerie Solanas, Andy Warhol), Selbstermächtigung. Im Ton von Onkel Wolfgang.

und dann? Keine Ahnung – ich fand auch Reinhard Kleists „The Secrets of Coney Island“ schlimm gestrig, altbacken: Bin ich bei deutschen Amerika-Comics überkritisch? Aber: Warum nicht Schwarzen Künstler*innen direkt zuhören? In z.B. „Atlanta“.

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Garfield

Egmont | Jim Davis

03_GCT2018_Comic_Garfield-500x7„1978 erblickte der fett, faul, filosofische Kater das Licht der Welt. Das feiern wir mit einem Best-of aus 40 Jahren Garfield Comic-Strips.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Goodreads

Empfehlung: Ästhetisch, sprachlich, „zeitgeistig“ blieb „Garfield“ in den späten 70ern. 2017 las ich einen klugen, leidenschaftlichen „Squirrel Girl“-Comic von Jim Davis; bin deshalb umso enttäuschter, wie einfach er es sich sonst macht. „Garfield“ ist „Garfield“ ist „Garfield“. Nicht weniger. Aber: Ein bisschen wäre schön gewesen, in 40 Jahren!

Schwächen? Die längeren Farb-Strips, einer pro Doppelseite, sind origineller, witziger als die Drei-Panel-Shorts, die drei Viertel des Hefts einnehmen. Krass auch, dass kaum Frauen vorkommen.

und dann? „Calvin & Hobbes“ (dort sind die kurzen Schwarzweiß-Strips besser als die farbigen, mir immer etwas zu langen Sunday Strips). Oder, klar: „Garfield minus Garfield“!

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The Tale of the Wedding Rings

Kazé | MAYBE

Kaze_WeddingRings_Cover_NEU-500„Seit Jahren ist Sato schon in seine Nachbarin Hime verknallt. Doch als er den Mut aufbringt, ihr diese Liebe zu gestehen, eröffnet sie ihm, dass sie fortgehen wird – für immer. Seine Angebetete die Prinzessin eines magischen Königreiches und die letzte Hoffnung ihres verzweifelten Volkes. Um ihre Welt zu retten, muss Hime unbedingt heiraten, denn ihre Hochzeitsringe bergen ein mächtiges Geheimnis…“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Wikipedia | Goodreads

Empfehlung: Ich scheitere am Timing. Sato und Hime waren jahrelang Nachbarn – doch stellten sich die wichtigsten Fragen nie? Ein 08/15-Schulboy. Eine brave, gewissenhafte Standard-Schulmädchen-Figur. Auf den letzten Seiten ein Standard-Fantasy-Königreich. Ich sehe hier literarisch, gestalterisch, psychologisch keine Lust, keinen Ansatz, etwas Neues zu probieren. Eine Erzählwelt, so Schema F, dass ich aussteige.

Schwächen? „Sato ist von nun an der Ringkönig, dessen Aufgabe es ist, die Prinzessinnen der fünf verschiedenen Völker zu ehelichen. Jede Prinzessin besitzt einen Ring, mit dem man über ein Element gebieten kann.“ [Wikipedia] Urks.

und dann? Fantasy-Königreiche im Comic? „Monstress“, vielleicht die neue Reihe „Isola“.

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Wayne Shelton

All Verlag | Jean Van Hamme, Christian Denayer, Thierry Cailleteau

GCT2018-All_Verlag_v1-1-500x714„Vietnam-Veteran Wayne Shelton ist Mann für heikle Missionen, in Diensten finanziell potenter Auftraggeber ein. Der exzentrische Milliardär Horace T. Quale bietet Shelton stattliche Summen, um einem französischen Fernfahrer, der in der fiktiven ehemaligen Sowjetrepublik Kalakschistan in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt, zur Flucht zu verhelfen. Shelton schart ein Team bewährter Mitarbeiter um sich. Ein Meisterwerk des modernen Abenteuercomics, geschaffen vom belgischen Erfolgsautor Jean van Hamme und seinem Landsmann Christian Denayer.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads | Wikipedia

Empfehlung: Nur für Menschen, die z.B. „The Italian Job“, alte Bond-Filme und „Ocean’s Eleven“ sehen können, ohne, dort Frauenfiguren, Vielfalt, Repräsentation zu vermissen. Ich las „Wayne Shelton“ und dachte „Oha. SO sahen die 80er aus. Angestaubt, altbacken – aber ECHT stilsicher.“ Dann merkte ich: Der Comic ist von 2001.

Schwächen? Am liebsten würde ich eine diverse Gruppe 17jähriger bitten, alle Sprechblasen und Texte neu zu schreiben. „Wayne Shelton“ ist ein Cliché Storm, altmännerhaft und provinziell, über den ich lachen, heulen könnte. Kunstvolle Zeichnungen, detailverliebtes Ambiente. Und: Es ist kein *böse* reaktionäres Comic. Sondern einfach: kurz gedacht, gedankenlos, langweilig.

und dann? Ed Brubakers „Velvet“ liebt 70er-Jahre-Dekor; Band 3 endet leider banal. 60er-Jahre-Bildwelten? Darwyn Cookes „Hunter“-Comics.

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Der Janitor

Schreiber & Leser | Francois Boucq, Yves Sente

schreiberleser_Janitor_cover-1-„Zwölf Janitoren bilden die geheime Elite-Schutztruppe des Vatikan. Als Nummer Drei ausfällt, muss jemand nachrücken: So wird aus dem jungen Pater Vince, der sich bereits als Leibwächter bei Sondereinsätzen bewährte, Janitor Trias. Doch Vince, weltlichen Genüssen nicht abgeneigt, quält sich mit Zweifeln über seine klerikale Berufung.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Schreiber & Leser | Goodreads

Empfehlung: Bedingt. „Janitor“ hat keine dramatischen Schwächen, Angriffsflächen, Probleme – doch leider auch keine besondere Dramatik. Ein souveräner, gemächlicher Polit-Thriller, der im Original als großformatiges Album erschien und dessen kleine Schriftart hier als Heft alles noch träger macht. Fahrzeuge, Hintergründe sind detailverliebt, atmosphärisch inszeniert. Die Hauptfigur bleibt blass.

Schwächen? Keine interessanten Frauen. Um Welten zeitgemäßer als „Wayne Shelton“. Doch während Shelton Trash-Charme hat, ist mir der „Janitor“ einfach sehr egal.

stattdessen? Die aktuellen James-Bond-Comics haben maue Kritiken – und auch dort schnarchte ich jedes Mal, wenn ich mehr als zehn Seiten las, weg. Ich liebe Greg Ruckas „Queen & Country“-Spionage-Polit-Thriller.

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ASH – Austrian Superheroes

Contentkaufmann | Andi Paar, Harals Havas, Martin Frei, Jan Dinter u.a.

ASH_LDH_GCT_Cover-500x714Die Comicserie wurde 2015 durch Crowdfunding finanziert und 2016 gestartet. Seit 2017 erscheinen die Hefte regelmäßig alle zwei Monate. Das Ziel? Ein eigenes europäisches Mainstream-Superhelden-Universum. Seit Herbst 2017 wird ASH durch eine zweite Serie namens „LDH – Liga deutscher Helden“ ergänzt. Dahinter stehen über 20 Zeichnerinnen und Zeichner, österreichische bei ASH, deutsche bei LDH. Sowohl von den Storys und dem Artwork her als auch dem qualitativ hochwertigen Druck versucht das Team, denselben Look und Feel zu bieten wie die großen amerikanischen Vorbilder. Und denselben Spaß!“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Website | Goodreads

Empfehlung: Nein. Ich teile die Kritikpunkte von Lara Keilbart im Tagesspiegel (Link, zum Spinoff „LDH“): „Das Gesamtbild wirkt älter, wie ein Comic aus den 60er Jahren. […] Einerseits möchte es keine Parodie sein, andererseits sind die Protagonisten auf allen Ebenen wandelnde Klischees. Vor allem der alberne Jeck und der grobschlächtige Gamsbart irritieren mit Dialektsprache und unangebrachten lockeren Sprüchen. Die Dialoge sind dabei hölzern und die Formulierungen wirken oft peinlich verkrampft auf vermeintliche Epik getrimmt.“

Die burschikos-rustikale Lady Heumarkt ist eine witzige Figur. Und: toll, dass deutschsprachige Profis versuchen, mit der US-Szene mitzuhalten. Dass das Ergebnis so sehr nach Regionalliga klingt / aussieht, liegt für mich vor allem an der Idee, lokale Held*innen müssten „Captain Ethnic“-Klischees erfüllen. Ein lokaler Held sein? Heißt für mich nicht, sich zu kostümieren und zu benennen, als sei man Lokalmarketing; ein Maskottchen vom Fremdenverkehrsamt!

Schwächen? Mein größter Wunsch an diese Reihe: WENN euch so wichtig ist, Wien etc. zu zeigen, zeichnet bitte detailliertere, liebevollere Hintergründe. Und, hey: Für mich ist Österreich ein Land, das RIESIGE Probleme mit Fremdenhass, reaktionären Stimmen, Rechtspopulismus hat. Kämpfen die ASH-Leute dagegen? Oder steht die Heimattümelei dieser Comics für die Sehnsucht nach einem „Wir sind wieder wer!“/“Wir sind genau so gut! Sogar unsere Heldencomics“…?

stattdessen? Ich bin kein Fan der (humorvolleren, satirischen) Justice-League-Comics von Keith Giffen. Und: Bezeichnend, dass der einzige professionelle US-Comic, der mir zu ASH einfällt, eine Reihe von 1987 ist.

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Star Wars Abenteuer

Panini | Landry Q. Walker, Chris Eliopoulos, Allessandro Ferrari, Jordie Bellaire, Derek CHarm u.a.

StarWars_GCT_2018_Cover-500x714„Neben einer Leseprobe zur Junior Graphic Novel zum Filmhit ROGUE ONE enthält dieses spannende Heft zwei abgeschlossene Droiden-Kurzgeschichten, eine davon exklusiv nur in diesem Heft. Ein Highlight für junge Star Wars-Fans.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Star Wars Adventures in Deutschland: je 80 Seiten, bei Panini

Empfehlung: Nein. Drei von vier Gratis-Comics von Panini 2018 scheitern, weil sich statt einer packenden Geschichte viel zu knappe Vignetten ins Heft quetschen. „Star Wars“-Comics sind seit 2015 oft großartig: Kieron Gillens „Darth Vader“, „Kanan“, „Poe Dameron“. Ich mag die TV-Jugendserie „Rebels“, ich LIEBE Jarson Frys „Rebels“-Romanreihe „Servants of the Empire“. Doch ich las bisher keinen guten Comic der Jugendreihen „Star Wars: Adventures“ & „Forces of Destiny“ (Sympathisch? Die deutsche Zeichnerin Eva Widermann). Mich langweilen Landry Q. Walkers dialogfreie Druiden-Comics. Und der simple Zeichenstil lässt alle Figuren naiv, zu harmlos wirken.

Schwächen? Erst eine Nicht-Geschichte, in der C-3PO anreißt, wie viel er erlebte. Dann banale Druiden. Am Ende der Start der Kindercomic-Adaption von „Rogue One“. Nichts davon: unprofessionell. Doch als „Geschichte“ qualifiziert sich keine der drögen Szenen.

stattdessen? Ich suche selbst: abgeschlossene Graphic Novels für ca. Zehnjährige werden wichtiger, populärer (Liste für 2018, Link). Doch eine Heftreihe für die Altergruppe? Mit SciFi, Abenteuer? „Princeless: Raven the Pirate Princess“ war… okay.

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Werner: Wat Nu!?

BröseLine Verlag | Brösel

broesline_werner_13_gct_cover_1„Werner ist wieder da! Und zeigt der Fracking-Lobby, Donald und sonstigen Spinnern wo die Wuäss wächst! Die Essenz aus Alt und Neu. Gute Unterhaltung!“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads

Empfehlung: Nein. Ich mag, dass Werner eine Blue-Collar-Figur ist; Brösel wirklich *immer* mitdenkt, was das bedeutet: Auf dem Land zu leben, Handwerker zu sein, in vieler Hinsicht abgewertet und ausgeschlossen. Und ich mag, dass die ersten Seiten des Comics von Fracking handeln (und eine spätere Doppelseite vom Endlager Gorleben): Brösel ist politisch, hat Anliegen, Haltung. Doch Fracking wird sich nicht aufhalten lassen, indem Werner nach Hannover fährt und einen Anzugträger anbrüllt. Und dieser Comic – an vielen Stellen: charmant koloriert – hat nichts zu sagen, nichts zu erzählen, bei dem ich denke: „Whoa! Werner und Werners Macher gehören ins Jahr 2018.“ Ein peinlicher Comicstrip von 1982 verdirbt mir das Heft noch mehr: Eine übergewichtige Frau fragt einen Verkäufer nach einem knappen Bikini. Ihr Ehemann kriegt bei der Vorstellung, seine Frau darin zu sehen, das Kotzen.

Schwächen? Gestrig, müde, stehen geblieben. Die Comics erscheinen im Selbstverlag. Ich wünschte, jemand würde Brösel sagen: „Sei Punk. Sei unbequem. Sag klügere Dinge über Arbeit, Strukturwandel, Provinz!“

stattdessen? Walter Moers‘ „Das kleine Arschloch“?

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Is it wrong to try to pick up Girls in a Dungeon?

Kazé | Kunieda, Fuhino Omori

Kaze_IsItWrong_Cover-500x714„In den Tiefen des Dungeons lauern Monster, Schätze – und süße Mädchen! Doch wie soll ein Hänfling wie Bell nur die Aufmerksamkeit einer so talentierten Schwertmeisterin wie Aiz erwecken? Da hilft nur eins: Bell muss stärker werden. Also geht er fleißig weiter im Dungeon trainieren – und macht dabei schnellere Fortschritte, als er sich selbst je zugetraut hätte. Ohne sein Wissen schlummern in Bell besondere Fähigkeiten. Der Anime- und Light-Novel-Hit jetzt auch als Manga: aufgebaut ganz nach den Regeln japanischer Rollenspiele, inklusive Statuswerten und besonderen Skills, die den Helden von ihren Schutzgöttinnen auf den Rücken tätowiert werden.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads | TV Tropes

Empfehlung: Nein. „Sword Art Online“ hat viele Probleme typischer Shonen-Animes (endlose Superlative und Steigerungen; die Hauptfigur als Messias; Durchhalte- und Streng-dich-an-dann-klappt-schon-alles-Moral; naive Technikkritik & Körperbilder); doch dort geht es um E-Sport, Fantasy-Duelle, Rollenspiel und DUTZENDE interessanter, fähiger Frauenfiguren. „Is it wrong…?“ ist eine drittklassige, sexistischere, einfallslose Geschichte für die selbe Zielgruppe: ein Harem-Manga mit uninteressanten, sinnlos servilen Frauen und einer langweiligen, planlosen Hauptfigur.

Schwächen? Eine Figur in einem MMORPG (?) hinterfragt die Logik ihrer fadenscheinigen Welt. Alle zwei Seiten sehe ich Ballonbrüste an Mädchen, gezeichnet, als wären sie 12. Nach der „Ich bin die brave Bäckerin und schenke dir ohne Grund mein Essen!“-Szene verlor ich mein Vertrauen, dass hier noch etwas kommt, das meine Zeit wert ist.

stattdessen? Noelle Stevensons „Nimona“, vielleicht auch „The Guild“

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Avengers: Attack on Titan

Panini | Babs Tarr, Brenden Fletcher, Gail Simone, Phil Jimenez, Hajime Isayama, Jim Zub, Jason Aaron u.a.

Avengers-AttackOnTitans-GCT_cov„Als die Titanen Manhattan angreifen, stellen sich die Marvel-Helden den Giganten aus einer anderen Dimension. Das ultimative Crossover zwischen Attack on Titan und Avengers. Inhalt: ‚Attack on Titan‘-Kurzgeschichten von Gail Simone und Brenden Fletcher; Attack on Avengers; eine Szene aus Avengers K; und eine kurze Wolverine/Logan-Szene aus ‚Marvel Legacy'“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Goodreads zum über 200 Seiten langen US-Sammelband | Wiki zur Originalserie 

Empfehlung: Nein. Ich lese „Attack on Titan“, finde die Serie an vielen Stellen so zynisch, dass es faschistoid wird – doch freue mich, wie viele Wendungen sie nimmt und dass es mittlerweile, in Band 24+, um VÖLLIG andere Machtkonstellationen und politische Probleme geht. Die beiden AoT-Kurzgeschichten hier Heft sind banal. Brenden Fletcher, dessen ersten „Batgirl“-Band ich mochte, liefert bizarren, tumben Trash; Gail Simone eine fade Klischee-Geschichte. Alle fünf Storys im Heft sind viel zu kurz, oberflächlich, unnötig brutal – und falls ich nichts über die Avengers und / oder AoT wüsste, wäre mein Fazit nach 40 blutig-pubertär-zusammenhanglos-freudlosen Seiten: Beides kann ich mir sparen.

Schwächen? Überall, ja. Flechters Geschichte würde ich gern in einem Gender-Seminar besprechen: kurz gedachte „Girl Power“. Lichtblick: Ich mag Zeichner Phil Jimenez, doch finde seine Panels oft überfrachtet. Hier, in Gail Simones Geschichte, sind sie toll koloriert und wirken deshalb großzügiger, luftiger, eleganter als sonst.

stattdessen? G. Willow Wilsons „Ms. Marvel“ und Jason Aarons „Thor“ sind seit über vier Jahren die besten Marvel-Reihen.

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Oblivion Song

Cross Cult | Robert Kirkman, Lorenzo de Felici

GCT2018_CrossCult_ObivionSong_C„Der neue Comic-Hit von Erfolgsautor Robert Kirkman (The Walking Dead): eine actiongeladene Reise durch Raum und Zeit – fiese Aliens inklusive. Vor [10] Jahren tauchte in Philadelphia plötzlich eine Dimension auf, die fast die Hälfte der Stadt mit einem neuen Ökosystem überzog. Fast 20.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Nach der Katastrophe finden Wissenschaftler heraus, dass die fremde Welt nicht einfach in Philadelphia erschien, sondern den Platz mit einem Teil der Stadt tauschte. Neue Technologie ermöglicht nun die Reise zwischen Erde und der Oblivion genannten Dimension. In diese werden Rettungsteams geschickt, um die Überlebenden des echten Philadelphias in Oblivion zu finden und zu retten.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: GoodreadsCross Cult

Empfehlung: Nein. Ich las zwei Bände „The Walking Dead“, zwei Bände „Invincible“, doch scheitere an Robert Kirkmans Dialogen: In jeder Sprechblase stehen ein, zwei Sätze mehr als nötig. Seine Figurensprache ist deprimierend redundant. Er sagt das selbe mehrmals, direkt hintereinander. Es gibt zu viele Wiederholungen. Ich bin gelangweilt, dass seine Figuren oft den selben Punkt in der selben Sprechblase erneut machen. Ich will nichts lesen, das klingt, als gäbe es keinen Lektor. Kirkmans Sprache dreht sich im Kreis. Mich macht ungeduldig, wie oft er sich wiederholt.

Schwächen? Der selbe Kirkman-Bla wie immer. Dazu: eine einfallslose Erzählwelt und klischierte Figuren. Eine Prämisse, so frisch wie Roland Emmerich, „Sliders“, „Revolution“, „FlashForward“ etc.

stattdessen? Brian Wood denkt solche Stoffe politischer und persönlicher: Ich mag „DMZ“ und das etwas schwächere „The Massive“.

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Deadpool

Panini | Robbie Thompson, Mark Bagley, Gerry Duggan, Scott Koblish, Fred van Lente, Dalibor Talajic, Damion Scott

DEADPL023CT_cover-1-500x714„Deadpool, der Söldner mit der großen Klappe macht Jagd auf Cable, den Mutanten aus der Zukunft. Inhalt: The despicable Deadpool #287; Kurzgeschichten aus Deadpool #900 (II, III)“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Panini setzt auf diese Figur

Empfehlung: Nein. Ich sah den „Deadpool“-Kinofilm noch nicht. Das kann schon klappen: ein ultrabrutaler, fast unsterblicher Söldner, der mit dem Publikum spricht, alle Gegner überlistet. Halb Till Eulenspiegel, halb GTA-Avatar, der nur bösen Quatsch macht. Doch alle (5?) „Deadpool“-Comics, die ich las, erschienen mir wie: Der erstbeste Autor lässt Deadpool die erstbesten Dinge sagen. Dann wird jemand erschossen. Geist-, freud-, witzlos.

Schwächen? Mein Verdacht: Die Figur klappt, wenn mehrere Leute an ihr arbeiten, sich alle Beteiligten anstacheln. „Geht das gewitzter? Origineller?“ Die Comics hier im Band sind ein Armutszeugnis. Erzählerischer Bankrott. Menscheinfeindlicher Müll.

stattdessen? „Gwenpool“ zeigt die Comic-Leserin Gwen Poole – die plötzlich im Marvel-Universum erwacht. Begreift, dass sie in einem Comic steckt. Und mit Fan-Wissen Figuren manipuliert. „Gwenpool“ bringt mich zum Lachen. Und Weinen! „Deadpool“ könnte das. Doch versagt hier komplett.

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Dragons – Die Reiter von Berk

Cross Cult | Simon Furman, Stephen Downey, Sara Richard, Arianna Florean

GCT2018_CrossCult_Dragons_Cvr_r„Gleich drei irrwitzige Kurzgeschichten aus der Welt der Drachenreiter – bekannt aus TV und Kino. 1) Rotzbakke merkt, dass es gar nicht so einfach ist, als Babysitter auf einen Haufen Jungdrachen aufzupassen. 2) Ein verstauchter Flügel ihres Drachen Sturmpfeil zwingt Astrid zur Landung auf einer einsamen Insel. 3) Kann das Feuer der Drachen beim Schmieden helfen?“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Wiki | Goodreads | Cross Cult

Empfehlung: Nein. Seit mich „Ice Age“ und „Shrek“ anödeten, konnte ich mich zu keinem DreamWorks-Film aufraffen – das „How to Train your Dragon“-Universum ist mir fremd. Hier sehe ich: naive, eindimensionale Figuren in Geschichten, viel zu kurz und ohne Pointe. Ich mag den Zeichenstil in Astrids Geschichte (Bild oben). Und: Nichts an diesen professionellen Comics ist besonders amateurhaft, zweitklassig. Doch es sind jene Sorte Kurzgeschichten, die z.B. gratis in einer Cornflakes-Packung liegen, und sie machen mir *null* Lust auf Berk und seine Bewohner. Das hier liest sich wie KNAX: der fade Gratis-Comic der Sparkasse.

Schwächen? Vielleicht kann Cross Cult mit der Lizenz anspruchsvollere Erwachsenen-Comics querfinanzieren? Ich sehe: Storys, die mich schon als Kind schlimm gelangweilt hätten.

stattdessen? Viele aktuelle Kinderserien trauen sich a) anspruchsvolleres Design, b) schrulligere, teils auch  queere Figuren. Der „SpongeBob“-Comic ist oft überraschend gut. Auch „Adventure Time“-, „Stephen Universe“-, „Gravity Falls“-, „Wander over Yonder“-Comics würde ich sofort lesen.

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Micky Maus

Egmont | Gail Renard, Tom Anderson, Ferioli, Francois Corteggiani, Daan Jippes u.a.

02_GCT2018_Comic_Mickey_Maus-50„Jeder liebt Micky Maus! Die Comic-Ikone schlechthin feiert am 18. November 2018 90. Geburtstag! Zu diesem Anlass haben wir vier der besten Maus-Comics ausgewählt.“ [Klappentext, gekürzt.]

Details: Comicforum

Empfehlung: Nein. In welchem Jahr erschien die längste Geschichte hier im Heft, von Gail Renard und Tom Anderson, ursprünglich: Anfang der 90er? In Deutschland haben die Disney-Enten viel mehr Fans als Micky. Sowohl die klassische Schabernack- und Unruhestifter-Maus aus den frühen Cartoons (hier im Heft: eine Comic-Version von „Micky’s Trailer“) als auch Detektiv- und Bürger-Micky der europäischen Comics sind umstritten. Ich selbst mag den seriösen Micky sehr, z.B. in „Das verzögerte Telefonat“. Hier im Comic aber: zwei banale Kurz-Strips, je eine Seite lang. Die blasse „Micky’s Trailer“-Adaption. Und eben: ein durchschaubarer, langweiliger Detektiv-Micky-Comic, ca. 25 Jahre alt.

Schwächen? Das Problem ist nicht, dass diese blassen, ramschigen, banalen Comics verschenkt werden. Sondern, dass sie unter dem Label „vier der besten Comics“ vermitteln sollen, was spannend ist an einer bekannten, doch oft nicht sehr beliebten oder greifbaren Figur. Hier versagt das ärgerliche, uninteressante Heft völlig.

stattdessen? Die neue „DuckTales“-Serie ist exzellent. Meine Lieblings-Comics aus den Lustigen Taschenbüchern habe ich u.a. hier gebloggt. Und Carl Barks ist so toll, wie alle sagen: Believe the Hype!

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Splatoon

Carlsen | Sankichi Hinodeya

GCT-2018_carlsen_Splatoon_U1-1-„Vorbild für die Mangaserie sind die Nintendo-Games auf Wii-U und Switch – ein Riesenspaß für Kids und alle Zocker! Bis an die Zähne bewaffnet mit Klecksrollern, Schwappern, Pinseln oder am besten gleich als Tintenfisch muss Farbe verteilt werden: Das Team, das das größte Gebiet in Inkopolis einfärbt, gewinnt! Das blaue Dussel-Team rund um den Inkling Goggle mischt das CoroCoro-Turnier auf. Was kann dieses Team, das voll neben der Kappe steht, den Konkurrenten entgegensetzen?“[Klappentext, gekürzt.]

Details: TV Tropes | Goodreads

Empfehlung: Nein! Ein Videospiel, in dem es NUR darum geht, auf den ersten Blick zu sehen „Liegt hier mehr Blau oder z.B. mehr Grün?“ als lustloser, banaler Schwarzweiß(!)-Manga voll „Deine Hose steht offen!“-Witzeleien. Ich lerne nichts über die Erzählwelt, die Inklings, einzelne Figuren. Nur, dass alle „dumm“ oder „peinlich“ sind. Bevor das erste Duell richtig beginnt, bricht das Heft ab. Armselig, drittklassig, langweilig.

Schwächen? NUR Schwächen.

stattdessen? Die Hauptfigur sieht aus wie Beast Boy aus „Teen Titans Go!“. Ähnlicher Tonfall – aber temporeich und witzig. Die Comics zur Serie sind solide.

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Bild unten: noch mal „Der freie Vogel fliegt“

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GCT2018

Die besten Jugendbücher: Deutschland, 2018 – Vortrag am Literarischen Colloquium Berlin

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Am 13. März darf ich am Literarischen Colloquium Berlin sieben aktuelle Jugendbücher meiner Wahl vorstellen, denen ich ein internationales Publikum wünsche. 35 Übersetzer*innen aus 29 Ländern hören zu.

Seit 2009 lese und mag ich Jugendbücher: Ich schreibe einen Roman über Teenager, „Zimmer voller Freunde“, und war unsicher, sobald Agent*innen etc. fragten, ob das Young-Adult-Literatur sei. Kann ich aus YA-Literatur für mein Erzählen, Schreiben lernen? Soll mein Buch in dieser Ecke der Buchhandlung liegen? Ich las YA – um mich zu positionieren und, weil mir die Sparte schnell ans Herz wuchs.

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„Jugendbuch“ in Deutschland heißt meist:

ein Buch, geschrieben für Leser*innen ab ca. 10.

Auf dem US-Markt wird zwischen „Middle Grade Novels“ und „Young Adult“ unterschieden: Bücher für Tweens (10 bis ca. 12) und dunklere, anspruchsvollere, komplexere Bücher für Teenager auf der High School. Der deutsche Jugendbuchmarkt scheint mir, insgesamt, auf Jüngere fixiert: Ich finde kaum ein Buch, das explizit erst ab 14 bis 16 empfohlen wird, über 300 Seiten hat oder sich, im Young-Adult-Stil, bemüht, ein Problem-Thema besonders tief und intensiv zu bearbeiten.

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Young-Adult-Literatur, die ich mag:

  • …hat meist eine Hauptfigur, der wir möglichst nahe kommen sollen. Oft als Ich-Erzähler*in.
  • Die Figur kann sehr eigen sein in Sprache oder Verhalten; sie kann unsympathisch sein oder ein komplexes Krankheitsbild, einen komplizierten Background etc. haben. Doch Ziel ist fast immer, dass wir der Figur und ihren Problemen so nah wie möglich kommen. Die Welt aus ihren Augen sehen.
  • Oft gibt es EIN zentrales Thema im Buch, z.B. „Loslassen“, „Vertrauen fassen“, „zu sich selbst Stehen“ etc., und alle Figuren, alle Subplots etc. behandeln Facetten und Aspekte dieses zentralen Themas.
  • (Mein Roman hat drei Hauptfiguren, ein halbes Dutzend Perspektiven, Sprünge. YA-Leser*innen wären irritiert, wie viel Distanz durch solche Wechsel entsteht: Um die YA-Zielgruppe anzusprechen, müsste ich mich viel entschiedener, empathischer auf die Seite einer oder zweier Figuren stellen.)

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Deutschsprachige Jugendbücher sind weniger normiert als US-Titel.

Leider haben sie dafür oft auch weniger Formgefühl: Sie sind amorpher, labbriger erzählt. Ich frage mich oft: „Autor*in? Wie viele Jugendbücher hast DU bisher gelesen? Was genau tust du da, für wen?“ Die Bücher sind kürzer. Und: meist jünger, optimistischer, harmloser. Sprachlich und psychologisch weniger komplex.

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Zwei Probleme bei meiner Auswahl: Auch, weil viele der erfolgreichsten Klassiker auf dem deutschen Markt Märchen- und Fantasy-Elemente enthielten, gibt es aktuell eine Flut von Prinzessinnen-, Elfen- und Zauber-Romanen, meist „nur für Mädchen“. Sowie irrsinnig viele Jugend-Dystopien, die ich als schwache Kopie von „Hunger Games“ etc. lese. Beides: oft sexistisch, abgedroschen, klischiert.

Mir fehlen männliche Autoren, die ausschließlich Jugendbücher schreiben: Ich finde Jugend-Krimis von Krimi-Autoren, Jugend-Sci-Fi von Sci-Fi-Autoren, Jugend-Thriller von Thriller-Autoren. Die Jugendbücher dieser Männer kommen mir oft vor wie Nebenbei- oder Light-Projekte. Mein Erfahrungswert: Je hauptberuflicher, desto ambitionierter und intelligenter ist das Jugendbuch..

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Sieben Favoriten, die ich gern übersetzt sähe:

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STEFANIE HÖFLER, „Mein Sommer mit Mucks“

  • Jugendbuch ab ca. 11 | Ich-Erzählerin ist ca. 12
  • Mädchen trifft einen exzentrischen Jungen im Schwimmbad; sie werden Vertraute.
  • Beltz & Gelberg, 140 Seiten, 2015
  • PerlentaucherGoodreads, Amazon

„Zonja besitzt eine unbezwingbare Neugier, weshalb die meisten in ihrer Klasse sie für eine Spinnerin halten. Egal. Zonja mit Z liebt es, im Schwimmbad Leute zu beobachten und Statistiken aufzustellen, und so fischt sie an diesem Tag einen Jungen – grüne Badehose, dünn wie eine junge Birke, abstehende Ohren – aus dem Wasser, weil der nicht schwimmen kann. Seltsam. Sie spielen Scrabble, beobachten den Sternenhimmel und essen viele Pfannkuchen – eigentlich ist Mucks der erste Mensch seit Jahren, der ihr Freund werden könnte. Doch irgendwas stimmt überhaupt nicht mit ihm, und es dauert diesen einen Sommer, bis sie weiß, warum er im Regen tanzt und was es mit den blauen Flecken und dem Pfefferspray auf sich hat.“ [Klappentext, ungekürzt]

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Ein pubertäres, idealistisches Mädchen im Stil von Lisa Simpson (talentiert, aufgeweckt, doch ziemliche Scheuklappen) mit harmonischen Eltern, liebevoller Oma, hübschem Garten etc… in einer nicht-sehr-großen, wohlhabenden (süddeutschen?) Stadt. Ein introvertierter, aber liebenswerter Junge aus einfachen Verhältnissen, dessen Vertrauen sie gewinnt. Ein Handlungsraum und Tonfall, in dem auch kleine Schritte (nachts die Sterne beobachten; den Mut fassen, an einem fremden Wohnblock in einer „schlechten“ Nachbarschaft zu klingeln usw.) angemessen dramatisch erzählt werden:

„Mein Sommer mit Mucks“ ist das schönste, wärmste, liebevollste, zugänglichste Jugendbuch, das ich seit Jahren las. Genug Tiefgang und eine intelligente Grundfrage – Wie weit kann man gehen, um jemandem zu helfen, der sagt, er brauche keine Hilfe? – um sich als Schullektüre zu empfehlen. Und so frei von Zeit-, Medien- und Gegenwarts-Bezügen, dass es in jeder Sprache funktioniert und für fast jede Altersgruppe: Stefanie Höfler hätte das Buch auch 1996 schreiben können, oder spielen lassen.

Als Autorin macht sie mir das eher unsympathisch – weil für mich Social Media, Serien, Kino etc. zu Jugend und Alltag gehören. Und, Grundproblem: Fehlen Jugendbücher mit dem Plot (A) „Bürgerliches Mädchen mit idyllischem Umfeld hat kurz Sorgen, wegen einem sozial schwachen Jungen“? Oder (B) „sozial schwacher Junge kennt nur häusliche Gewalt, Armut und Frauenhass“? (B) wäre mutiger. Und ginge tiefer.

Schwächen:

  • Betuliche, altbackene Sprache… die zwar zur sehr behütet aufwachsenden Erzählerin passt, doch auf mich arg saturiert, provinziell, bieder, tantig wirkt: Stefanie Höfler ist eine irrsinnig sympathische Erzählerin. Als Stilistin finde ich sie gestrig.
  • Wenige Illustrationen – die der Geschichte nichts vermitteln/hinzufügen.
  • Plot und Figuren sind großartig universell, zeitlos. Das heißt auch: Der spezifische Handlungsort, die Zeit etc. bleiben vage. Das Buch aus dieser Auswahl, dem Gegenwärtigkeit & „Sense of Place“ am egalsten sind, und das am wenigsten über Deutschland erzählt.

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STEFANIE HÖFLER, „Tanz der Tiefseequalle“

  • Jugendbuch ab ca. 12 | Ich-Erzähler und Ich-Erzählerin sind ca. 12
  • angepasstes Mädchen traut sich nicht, freundlich zu einem übergewichtigen (und: exzentrisch-schrullig-selbstverliebten) Jungen zu sein.
  • Beltz & Gelberg, 190 Seiten, 2017
  • Perlentaucher, Goodreads, Amazon

„Manchmal ist es diese eine Sekunde, die alles entscheidet: Niko, der ziemlich dick ist und sich oft in Parallelwelten träumt, rettet die schöne Sera vor einer Grapschattacke. Sera fordert Niko daraufhin zum Tanzen auf, was verrückt ist und so aufregend anders, wie alles, was in den nächsten Tagen passiert. Vielleicht ist es der Beginn einer Freundschaft von zweien, die gegensätzlicher nicht sein könnten – aber im entscheidenden Moment mutig über ihren Schatten springen.“ [Klappentext, ungekürzt]

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Niko ist für mich eine Kunstfigur: ein optimistischer, tagträumender, onkelig-altklug-distanzierter Nerd, der davon träumt, mit schrulligen Erfindungen den Alltag aller Menschen zu verbessern. In altkluger, künstlicher Sprache schreibt er über Klassenkameradin Sera – die er langsam aus der Reserve lockt und von der er hofft, sie sei anders als die vielen oberflächlichen Kinder, die ihn mobben.

Auch Sera ist Ich-Erzähler: In jedem zweiten Kapitel wägt sie ab, was es für ihren Status auf dem Schulhof bedeutet, wenn sie mit einem Außenseiter lacht und Zeit verbringt. Auf einer Klassenfahrt versucht Sera, für Niko Flagge zu zeigen – doch alles geht schief, und die beiden trampen, getrennt von ihrer Klasse, nach Hause.

Schwächen:

  • Sera ist ein Archetyp, den ich in der Schulzeit oft sah – doch kaum kenne, verstehe: ein Mädchen, das nicht auffallen will. Nicht als Pathologie oder große Charakterschwäche. Sondern einfach, weil das leichter ist. Was widerfährt so vielen Mädchen ab ca. 12, bis/dass sie glauben, es sei lebenswichtig, unter dem Radar zu bleiben? Ich hätte mir von Höfler mehr Tiefgang, bessere Antworten gewünscht.
  • Nikos schrullige und altbackene Sprache passt gut zu Höflers eigenem, meist biederem Stil. An zu vielen Stellen aber klingt Niko komplett artifiziell. Ein Junge voller Selbsthass wäre mir lieber gewesen als jemand, dessen drollige Exzentrik deutlich mehr Raum nimmt als die… Body Issues.
  • Niko ist großherzig, charmant und entspannt. Tatsächlich aber tragen die meisten gemobbten Jungs den Hass, den sie erfahren, an z.B. die Mädchen, in die sie sich erfolglos verlieben, weiter: Ich kann mir eine MENGE ca. 14jähiger Arschloch-Jungs vorstellen, die das Buch lesen, sich sagen „Auch ich wurde von einer dummen Fotze in die Friendzone gesteckt. Dabei bin ich so ein netter Kerl!“ Niko ist für mich eine Ausnahme, eine Fiktion.

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ANKE STELLING, „Erna und die drei Wahrheiten“

  • Jugendbuch ab ca. 11 | Ich-Erzählerin ist 11
  • Soll Erna einen scheußlichen Mitschüler verpetzen, unter dem alle leiden? Alle in der Gemeinschaftsschule mahnen: Nein – nimm bitte immer Rücksicht!
  • cbj, 240 Seiten, 2017
  • Perlentaucher, LovelyBooks, Amazon

„Warum steckt in „Gemeinschaft“ auch „gemein“? Solche Fragen interessieren Erna Majewski, 11. Sie besucht eine Gemeinschaftsschule und lebt, wie ihre Freundinnen Liv und Rosalie, im gemeinschaftlichen Wohnprojekt. Dass das ganze Gemeinschaftsgetue ungerecht und sogar verlogen sein kann, erleben Erna und ihre Freundinnen, als nach dem Schulfasching jemand mutwillig die Klos ruiniert hat: Weil der Täter sich nicht meldet, sollen jetzt alle dafür büßen. So eine Gemeinheit! Liv lässt das kalt, aber Erna ermittelt. Und sie findet heraus, was passiert ist. Aber soll sie es auch verraten? Schließlich gibt es laut einem Sprichwort drei Wahrheiten – deine, meine und die Wahrheit. Und wer kann die schon ertragen?“ [Klappentext, ungekürzt]

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2015 war Anke Stellings (Erwachsenen-)Roman „Bodentiefe Fenster“ auf der Longlist des deutschen Buchpreis‘: Eine Ich-Erzählerin mit Kindern und lapidarem Ehemann, zunehmend verzweifelt in einem Gemeinschaftswohnprojekt im Prenzlauer Berg. Linke Idealisten und Kreative, die sich Eigentumswohnungen bauten; doch deren Freundschaften während endloser Öko-, Achtsamkeits-, Bio-Debatten im Plenum starben. Ich mochte das Buch… doch wurde beim Lesen müde: Ist das Satire? Rollenprosa einer irr zergrübelten, analytischen, gehemmten Mutter – privilegiert und trotzdem prekär? Die Grübel-Ich-Erzählerin war so unentschieden, stellte ihre Gefühle so schnell in Frage, relativierte jeden Gedanken… Der Roman verlor Schwung. Jeden Gedanken mit einem Gegen-Gedanken zu kontern und dabei immer schneller zu pendeln… das wurde, gegen Ende, freudlos und zerquält. Ohne, dass ich noch sagen konnte: „Klug hinterfragt!“

„Erna und die drei Wahrheiten“ spielt im selben Milieu. Mit einer elfjährigen Hauptfigur, genauso zergrübelt, fragend, nervös. Aber: Das Jugendbuch ist kürzer, spitzer, schärfer, witziger und zieht sich, anders als „Bodentiefe Fenster“, nicht ständig selbst durch Über-Analysieren den Boden unter den Füßen fort.

Ein oft brillanter Ton, der die maximal unbequemen Fragen in den witzigsten Momenten stellt – kindgerecht, doch für jedes Alter empfehlenswert. Den Erwachsenen aus „Bodentiefe Fenster“ wollte ich zurufen: Trennt euch! Zieht aus! Tut irgendwas und zieht es durch! Ihr habt alle Möglichkeiten!“ Erna, 11, hat keine Optionen. Das macht ihr Buch so dringlich, intensiv, klug. Ein Tonfall wie in den besten „Peanuts“-Strips: melancholisch, clever… und trotzdem irr süffig, lebenslustig, leicht!

Schwächen:

  • Erna liebt seltene Worte, hat immer ein etymologisches Wörterbuch dabei. Das ist, im Rahmen des Buchs, okay. Doch mich langweilt, dass DREI von sieben Kinder-Ich-Erzähler*innen hier auf der Liste seltene Worte sammeln, über die Schönheit von Vokabeln philosophieren. Ein Bildungsbürger-Kinderbuch-Klischee – das nochmal doppelt nervt, falls Figur und Autor dann auch noch Youtube, Whatsapp usw. ostentativ egal sind. [Erna schimpft immerhin, dass sie kein eigenes Tablet hat; und sie mag schlechte High-School-Filme.]
  • Ein abruptes Ende. Ich glaube, Ratlosigkeit und ein gewisses Sich-Abfinden sind Stellings Markenzeichen: Über Probleme mit klarer Lösung schreibt sie erst gar nicht.
  • Erna hat die zweit-dicksten Oberschenkel der Stufe. Ich mochte, dass das recht spät im Buch zum Thema wird – weil Erna selbst ihren Körper mag, nur unter den abschätzigen Kommentaren leidet. Doch wenn der Verlag Erna zeichnen lässt, will ich beim Blick aufs Buch-Titelbild bitte nicht denken: „schlaksiges, dünnes Mädchen“.

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DORIT LINKE, „Jenseits der blauen Grenze“

  • Jugendbuch ab ca. 13 | Ich-Erzählerin ist ca. 12 bis 16 (Rückblenden) / 17 oder 18 (Flucht)
  • Hanna und Andreas aus Rostock schwimmen über die Ostsee – weil sie in der DDR keine Zukunft sehen.
  • Magellan, 304 Seiten (TB), 2014
  • Goodreads, Amazon
  • Link zu geschichtlichen Hintergrund: „Die Ostsee – eine gefährliche Fluchtroute“

„Die DDR im August 1989: Hanna und Andreas sind ins Visier der Staatsmacht geraten und müssen ihre Zukunftspläne von Studium und Wunschberuf aufgeben. Stattdessen sehen sie sich Willkür, Misstrauen und Repressalien ausgesetzt. Ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben liegt in der Flucht über die Ostsee. Fünfzig Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit – und nur ein dünnes, verbindendes Seil um ihr Handgelenk rettet sie vor der absoluten Einsamkeit …

‚Ergreifend wird hier das Bild einer sozialistischen Jugend zwischen Aufmüpfigkeit und Resignation, Leistungssport und politischer Agitation gezeichnet. Hanna und ihre Freunde finden mit sicherem Instinkt die Brüche im System. Dorit Linke hat die Charaktere glaubwürdig und berührend gezeichnet und eine untergegangene Welt dem Vergessen entrissen.‘ Karen Duve“ [Klappentext, ungekürzt]

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Hanna, Andreas (…und der alberne, naive, eindimensionale „Sachsen-Jensi“) hadern seit der ca. 7. Klase mit gehässigen Lehrern, Drill, angepassten Kameraden. Jensi hat West-Verwandtschaft: Er darf nach Hamburg ausreisen. Andreas wird vom Vater geschlagen. Er rebelliert, landet im Jugendwerkhof und versucht, sich umzubringen. Ich-Erzählerin Hanna hat einen depressiven/umnachteten Vater. Eine Mutter, die sich nur wünscht, dass Hanna Zöpfe und Röcke trägt. Und einen renitenten Opa, der jedes Schulfest und jede Feier mit staats- und frauenfeindlichen Sprüchen sprengen will. Nach einem Scherz von Opas wird Hanna und Andreas das Abitur verwehrt – und Andreas beschließt, im Neoprenanzug ca. 50 Kilometer in den Westen zu schwimmen. Hanna, die als Sportlerin aussortiert wurde, trainiert in der Schwimmhalle. Auch, weil sie glaubt, dass Andreas unvorbereitet und schwach ist, und ohne sie sterben wird.

Alle ca. 8 Seiten wechselt das Buch von Rückblenden aus der Schulzeit (oft: schleppend, mit recht durchschaubaren Figurenkonflikten) zur Gegenwart: toll recherchierte, dramatische Survival-Action auf der Ostsee, blendend geschrieben. Hanna spricht und entscheidet extrem pragmatisch: Ich musste an „Hunger Games“ denken – denn wie Katniss liebt auch Hanna ihren Survival-Partner… doch hält ihn für leichtsinnig, zu weich, einen Klotz am Bein.

Eine sehr erwachsene, oft rhythmische Sprache. Eine Autorin, die ihr Milieu *sehr* genau kennt. Ein actionreiches, beklemmendes, oft erwachsen-unsentimentales Buch – ambitioniert, literarisch auf hohem Niveau. Passt auf den US-Markt, wo Action-Historien-Titel wie „Code Name Verity“ zu YA-Bestsellern wurden.

Schwächen:

  • Unmengen an DDR-Jargon? Das öffnet eine fremde Welt. Dass sich Vieles erst im Kontext erschloss? Kein Problem. Doch ich hatte den Eindruck, dass besonders in den dialog-intensiven Rückblenden auf jeder Seite fünf bis acht Idiome, Sprüche, Floskeln, Markennamen etc. aus der DDR gehäuft wurden. Als würde die Autorin eine Liste abarbeiten. Auf Kosten des Erzählfluss‘.
  • Am störendsten: Sachsen-Jensi und Opa erzählen gern Witze, manchmal drei oder vier am Stück. Auf 300 Seiten gibt’s 40, 50 (?) sehr zeit-spezifische Ost-Kalauer. Alle wären lost in translation. Mich haben sie beim Lesen gebremst: Sie nervten, in ihrer Monotonie.
  • „Sachsen-Jensi“ ist wie eine noch dümmere, feigere, faulere Version von Ron aus „Harry Potter“: eine eindimensionale Figur mit dümmlichen Slapstick-Problemen wie zu kleiner / zu großer / gerissener / hässlicher Kleidung.
  • Eine Übersetzung bräuchte Fußnoten, ein ausführliches Glossar – oder viele ergänzende Halbsätze wie „Wir gingen in den Intershop, wo man nur mit Fremdwährung einkaufen konnte.

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CHRISTIANE NEUDECKER, „Sommernovelle“

„Ein Sommer, wie es ihn nur in der Kindheit oder Jugend gibt: In den Ferien arbeiten zwei 15-jährige Schülerinnen auf einer Vogelstation direkt am Meer. Sie streifen über die Nordsee-Insel und lauschen den Trillergesängen der Austernfischer, zählen Silbermöwen am Himmel und führen Kurgäste durch das schillernde Watt.

Pfingsten 1989: Lotte und Panda wollen die Welt verändern. Es ist die Zeit kurz vor der Wende, in der es für Jugendliche in der BRD vor allem Nord und Süd gab, nicht aber Ost und West. Deutschland liegt noch im Schatten der Wolke von Tschernobyl und jedes Gewitter bringt sauren Regen. Die beiden Freundinnen sind sich einig: Sie wollen handeln. Gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe aus Rentnern und Studenten leisten sie ökologischen Dienst in einer skurrilen Vogelstation. Da ist etwa Hiller, der vogelbesessene Pensionär, der Panda in sein Herz schließt und ihr beibringt, das Meer zu deuten und den Himmel zu lesen. Lotte nähert sich dem attraktiven Julian an, der sie für erwachsener hält, als sie tatsächlich ist.“ [Klappentext, gekürzt]

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Ich hasse, wenn Zyniker Kinder- und Jugendliteratur als Schwundstufe, Light-Version von E-Literatur begreifen. Ich zweifle, dass es einfacher, leichter ist, ein gutes Jugendbuch zu schreiben – und halte Jugendbuchautor*innen nicht für verkrachte Autor*innen zweiter Klasse. Trotzdem kann ich in Jugendbüchern – besonders bei Ich-Erzähler*innen gibt – besser mit Figuren leben, die nicht alles zu Ende denken. Ich las „Sommernovelle“ 2015… und fand das Buch zu harmlos, kurz, plätschernd unentschieden: Christiane Neudecker findet einen liebenswerten Ton. Schafft eine überzeugende Atmosphäre und eine Erzählerin, die man gern begleitet. Besonders tief, dramatisch, hässlich, verstörend oder klug-verdichtet sind die melancholischen Sommer- und Insel-Anekdoten nicht.

Doch übersetzt, und als Jugendbuch vermarktet? Die Ich-Erzählerin kommt mir nah (perfekt bei Jugendbüchern!), funktioniert als Einladung, Identifikationsfläche… doch ist trotzdem so charmant prototypisch-nostalgisch-spezifisch fürs 80er-Jahre-Bürgertum, dass z.B. eine etwas versnobte 40jährige Kanadierin, die sich für übersetzte Literatur interessiert, *sehr* viel wieder erkennen und mögen wird.

Ähnlich gelungen finde ich hier im Buch Sylt: Eine Kulisse, harmlos und einladend genug, dass das Buch als Sommer-, Strandlektüre und Middle-Brow-Novel funktioniert. Doch detailliert und fachkundig genug beschrieben, dass jeder sagen wird: „In diesem sehr deutschen Buch über Deutschland wurde mir eine attraktive deutsche Ecke in schöner Sprache einladend beschrieben.“

Überzeugendes, charmantes, publikumswirksames Zeit- und Lokalkolorit!

Schwächen:

  • Ich glaube, je mehr man denkt „Das hier will allergrößte Literatur sein“, desto enttäuschter ist man von diesem sanften, lapidaren Buch.
  • „Sommernovelle“ handelt von Jugendlichen, die nicht wissen, wie viel sie erwarten dürfen. Fast alle Erwartungen werden enttäuscht. Deshalb wirkt das Buch etwas… antiklimatisch.
  • (Aber: meine Lieblings-Jugendserie, „Willkommen im Leben“/“My so-called Life“, hat das selbe Grundthema. Ich finde tröstend, wenn Jugendliteratur, statt künstlicher Dramatik, zum Thema macht, wie wenig oft passiert.)

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CHRISTIAN DUDA, „Gar nichts von allem“

  • Jugendbuch ab ca. 10 | Ich-Erzähler ist 11
  • Der Vater schlägt. Die Mutter vertuscht und entschuldigt. In einem Tagebuch wird Magdi die eigene Machtlosigkeit bewusst.
  • Beltz & Gelberg, 140 Seiten, 2017
  • Perlentaucher, Amazon

„Der 11jährige Magdi ist glühender Fan des Boxers Mohammed Ali. Denn Ali ist stark, fair und einfach unbesiegbar. Ganz anders als Vater. Der buckelt nach oben und tritt nach unten. Unten, da stehen Magdi und seine drei Geschwister. Und Mutter. Was den arabischen Vater und die deutsche Mutter eint, ist der Wille, »gebührliche« Kinder großzuziehen. Bloß nicht unangenehm auffallen! Deshalb müssen Magdi und seine Geschwister besser sein als die anderen. Und wenn sie nicht besser sind, dann hilft Vater nach.“ [Klappentext, ungekürzt]

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Ein Tick zu kurz, zu schlicht. Doch dafür: Das Buch hier in meiner Auswahl, das ich jedem noch-so-lesefaulen Elfjährigen in die Hand drücken will. Zugänglich, pointiert und mit zwei, drei markanten Gedanken, Szenen oder Witzen pro Seite. Duda nutzt Sarkasmus, um einem 11jährigen in hoffnungsloser Lage Stimme, Agency, Mut, Spielraum zu zeigen: Im Schreiben versteht Magdi die Dynamiken seines (oft unerträglichen) Alltags.

Ob „Gar nichts von allem“ gefällt/gelingt, hängt an den eigenen Maßstäben: Alles könnte tiefer greifen. Viel länger sein! Geschwister, Nebenfiguren bleiben kaum genutzt. Dass Magdis Mutter als Enablerin / Vertuscherin genauso gefährlich ist wie der gewalttätige Vater, deprimiert mich. Realistisch, dass die Familie in ihrer Dynamik bleibt. Doch schade, dass (außer: Tagebuch-Führen) für keines der Kinder eine Lösung sichtbar wird: Magdi wünscht sich, dass sein Vater stirbt. Ein Wunsch, auch für uns Leser deprimierend verständlich.

Lieblingsstelle: Eine Fußballmanschaft gewinnt ein wichtiges Spiel. Die autoritäre, böse Lehrerin steht auf dem Hof und schreit völlig enthemmt „Sieg! Sieg!“, „als hätte sie das schon mal irgendwo geübt.“ ❤

Schwächen:

  • Hier im Buch ist das Meta-Gewäsch über den Zauber der Sprache und die empowernde Macht des Schreibens am stärksten: Magdi ist ein scharfsinniger, gewitzter Ich-Erzähler, genießt das Tagebuchschreiben sichtlich, wird als Figur plausibel. Doch fünf, sechs „XY ist SO ein verrücktes Wort, wenn man genauer darüber nachdenkt…!“-Passagen hätte ich streichen lassen.
  • Kleine Illustrationen, die aussehen wie Schmierereien und Tintenkleckse eines nervösen Elfjährigen: Sie passen gut ins Buch – doch fügen dem Text nichts hinzu, und die Motive sind nicht originell.
  • Das Buch spielt Mitte der 70er in einer Industriestadt (Ruhrgebiet?); der Klappentext rückt Mohammed Ali in den Mittelpunkt. Tatsächlich sind Plot und Milieu nicht besonders detailliert / zeitspezifisch. Ein halbes Dutzend recht verständlicher, doch nicht sehr origineller Popkultur-Anspielungen werden in einem witzigen, charmanten Glossar kurz erklärt.
  • Rezensent Hartmut el Kurdi „rechnet dem Autor hoch an, dass dieser die Probleme nie ethnisiert oder kulturalisiert und die Durchschnittlichkeit einer multikulturellen Identität ebenso thematisiert wie deren Besonderheit. Nicht zuletzt lobt El Kurdi den „authentischen“ Erzählton dieses lesenswerten Buches“. Ich stimme zu. Warne aber: Über den Alltag muslimischer Familien in Deutschland erfährt man hier deshalb eben… relativ wenig.

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TANYA LIESKE, „Mein Freund Charlie“

  • Jugendbuch ab ca. 11 | Ich-Erzähler ist 12 oder 13
  • Ein Sommer in Düsseldorf, damit Niks‘ Vater auf dem Bau Geld machen kann. Niks, allein in der Wohnung, wird in den Bandenkrieg der russischen Nachbarn verwickelt.
  • Beltz & Gelberg, 170 Seiten, 2017
  • Perlentaucher, Bücherkinder, Amazon

„Niks lernt Charlie kennen, als er mit seinem Vater Mahris für mehrere Wochen von Riga nach Deutschland kommt. Während Mahris Arbeit sucht, streunen die Jungen durch die Stadt und Charlie zeigt Niks, was er besonders gut kann: sich unsichtbar machen. Egal, ob in einer Menschenmenge oder in einem Geschäft, manchmal ist Charlie einfach weg. Oft sind dann auch Portemonnaies, Skateboards oder anderes Zeugs verschwunden. Niks ist fasziniert von Charlies Talent.“ [Klappentext, ungekürzt]

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Das schwächste Buch dieser Auswahl: Ich freue mich, dass eine deutschsprachige Autorin versucht, die Stimme eines jungen Letten einzunehmen. Psychologisch klappt das gut – für mich handelt Niks nachvollziehbar und authentisch. Stilistisch, sprachlich klappt es kaum: Tanya Lieske benutzt viele Floskeln und Sprachbilder aus den ca. 60ern. Das Buch klingt IRRSINNIG altbacken [aber: genau solche Dinge kann eine gute Übersetzung ja ausbügeln/ausgleichen].

Drei Viertel des Romans glücken für mich: Niks, allein in einer deprimierenden Mietwohnung, lernt von seiner Zufallsbekanntschaft Charlie die Kunst des Taschendiebstahls, doch muss dann für dessen Familie in ein Hehler-Haus klettern, damit Charlies russische Hehler-Familie ihre Rivalen, zwei deutsche Hehler-Brüder, bestehlen können. Viel Action. Eine vernünftige, gewinnende Hauptfigur – und ihr liebevoller, hilflos optimistischer Vater: ein Duo, eine Familiendynamik, die mir sehr gefiel!

Leider läuft alles auf einen Klimax hinaus, in dem Figuren entführt werden, Schüsse im Mietshaus fallen, verkleidete Männer Lassos (!) in einer Sozialwohnung schleudern etc. – ein Finale, in dem sich Abgründe auftun, die dann aber – völlig misslungen! – binnen zwei, drei Seiten geklärt sind. Wenn Lieske erklärt, dass eine ganze Mietskaserne den Atem anhält, gafft, die Helden beobachtet… DANN in einer kleinen Wohnung ein Schuss fällt… doch nie jemand nachschaut, nachfragt, die Polizei ruft etc. …bin ich raus.

Schwächen:

  • Freund Charlie hat kaum Persönlichkeit, Tiefe, Kontur.
  • Seine Verwandten/Geschwister bleiben noch blasser: ein Buch ohne nennenswerte Frauenfiguren.
  • Lieske bedankt sich bei einer Kommissarin, die „viel weiß über Bandenkriminilität, Wohnungseinbrüche und Kinder, die in diesem Milieu aufwachsen. Die Wirklichkeit ist um etliches düsterer, als in meinem Roman dargestellt.“ Ich wünschte, der Roman hätte sich näher an dieser Wirklichkeit orientiert, statt…
  • …die Geiselnahme zu beenden, indem Niks‘ reicher Onkel aus Amerika maskiert ins Zimmer stürmt und mit Zirkus-Tricks und Lassos zwei Hehler überrumpelt. Auch, dass Niks‘ nicht wusste, dass sein Vater und Onkel im Zirkus erwachsen wurden, schien mir aufgesetzt/hanebüchen.
  • Lieske bedankt sich bei einer lettischen Autorin, die ihr viel über Lettland erklärte, und den Jugendkrimi „Spelés Meistars“ schrieb. Im Roman ist „Spelés Meistars“ Niks‘ Lieblingsbuch, wird oft erwähnt – doch an keiner Stelle erfahren wir, worum es geht oder, was das Buch besonders, wichtig macht für Niks. Das wirkt für mich wie… albernes Product-Placement. Oder: eine schlecht durchdachte Gefälligkeit unter Kolleginnen.
  • Nachdem wir über 150 Seiten sahen, dass Mahris ein liebevoller, doch finanziell / lebenspraktisch oft inkompetenter Vater ist, sich kaum über Wasser halten kann… eröffnet er einen Zauber- und Artistik-Shop in Riga und wird damit mühelos erfolgreich? Ein Ende, das allem, was zuvor gezeigt wurde über Nöte, Pragmatismus, schmutzige Kompromisse… ins Gesicht spuckt.

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