Buchblog

Warum ich keine Comics lese: Argumente gegen Mangas und Graphic Novels. [Montagsfrage, deutsche Buchblogs]

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Comics sind humorvolle Unterhaltung für zwischendurch, aber nicht wirkliche Lektüre.

Ich denke, das ist eher was für nebenbei.

Man kann es auch gar nicht mit echten Büchern vergleichen: Romane sind einfach viel mehr Literatur.

Bücher haben doch eine ganz andere Tragweite.

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Ich will mir eine Geschichte selbst ausmalen.

Das geschriebene Wort ist einfach viel schöner, und man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Es geht doch nichts über einen echten Roman, der Figuren und Schauplätze auch ohne Bild zu malen fähig ist.

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Comics liegen bei uns am Klo. Für mehr Lektüre als kurze Bildgeschichten ist oft gar keine Zeit.

Bücher finde ich doch wertiger.

Seit ich Bücher ohne Bilder lesen kann, mache ich das auch.

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Als Kind war es irgendwie normal, Comics zu lesen. „Asterix & Obelix“ und „Tim & Struppi“ haben wir gefühlt alle gelesen, oder? Das gehört wohl zur Grundbildung dazu. Mein Papa hat gern die Asterix-Hefte gelesen. Wir Kinder kamen natürlich damit in Berührung, auch wenn das meiner Mama nicht so gut gefiel. Weil ich zur Waldorfschule ging, war es sogar etwas verpönt und nicht gern gesehen. Mangels Büchern im elterlichen Haushalt habe ich eben mit Comics begonnen.

Irgendwann im Alter von acht oder neun Jahren hatte ich keine Lust mehr auf Comics oder der Reiz war einfach weg.

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Mein bester Freund liest noch heute die alten Comics, um sich aufzuheitern. Ich habe mein Abo der „Lustigen Taschenbücher“ gekündigt, weil ich merkte, dass hier keine Geschichten mehr für mich geschrieben werden. Die LTBs waren immer zu schnell ausgelesen. Ich vermute, heute würden sie mich nicht mehr begeistern. Ich will sie nicht lesen, um meine Kindheitserinnerungen nicht zu verfälschen.

Die paar Comics von damals sind gegen die Masse der gelesenen Bücher eigentlich kaum der Rede wert.

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Viele Leser hat das sicher auf den Weg zu „echten“ Büchern geführt.

Ich finde Comics für die Entwicklung sehr nützlich.

Je älter ich aber wurde, desto weniger konnten sie mich in den Bann ziehen.

Mir sind die Geschichten einfach zu „flach“. Als Lückenfüller beim Arzt ganz ok, aber ansonsten fehlt der Reiz. Ich kann nichts daran finden.

Für viele Leser sind Comics der Einstieg in die Welt der Romane.

Ich habe die Fähigkeit erworben, Bücher ohne Bilder zu lesen. Darauf war ich stolz, also zieh ich das jetzt durch.

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Für Mangas habe ich mich noch nie interessiert. Mit Comics bzw. Mangas konnte ich noch nie etwas anfangen. Um ehrlich zu sein, kann ich da nicht mal einen Unterschied erkennen. Ich weiß so wenig über Comics und Graphic Novels, dass mir nicht mal klar war, dass es da einen Unterschied gibt. An der Comicecke in der Bücherei oder der Buchhandlung laufe ich schnurstracks vorbei und würdige sie keines Blickes.

Mangas rühre ich im Traum nicht an. Auf den Manga-Zug bin ich nie aufgesprungen, weil mir die Darstellung mit den übergroßen Augen und schmalen Mündern der Manga-Menschen nie gefallen hat. Wahrscheinlich gehöre ich mit meiner Generation auch nicht mehr zu der Zielgruppe: In meiner Kindheit gab es Mangas noch gar nicht.

Die Schreibweise von Mangas hat mich übelst verwirrt. Mich irritieren diese ganzen Bilder und die Sprechblasen und dieses Von-hinten-nach-vorne-Lesen einfach nur total – das ist nicht meins.

Man muss ja auch nicht jeden Trend mitgehen.

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Mich machen überladene Comics/Manga nervös. Es passiert zu viel auf einer Seite, meine Augen wissen nicht, wo sie beginnen und wo enden sollen. Ganz übel ist es, wenn sich bunte Seiten mit schwarz-weißen abwechseln.

Ich schaue auch nur wenige Serien/Filme: zu viel, zu schnell. Ich mag nur selten Buchverfilmungen. Also liegt mein Unwillen wohl daran, dass ich mir ungern in mein Kopfkino reinpfuschen lasse: Ich habe oft sehr spezifische Vorstellungen, und wenn eine Zeichnung (oder andere Darstellung) so gar nicht damit übereinstimmt, bringt mich das total aus dem Konzept.

So kunstvoll ein Comic auch gezeichnet sein mag, ich konzentriere mich viel zu sehr auf den Text, der für mich dann logischerweise zu wenig hergibt. Das ist für mich also kein Lesevergnügen so wie ich es verstehe. Denn ich habe Freude an Formulierungen, an poetischen Beschreibungen, an der Sprache, dem Erzählstil. All das finde ich beim Comic nicht bzw. steckt eben das in den Bildern, die ich nicht zu würdigen weiß.

Für mich persönlich ist das Lesen eines Romanes einfacher und flüssiger.

Ich hab gleich mit den richtig fetten Schinken losgelegt.

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Ich bewundere heute noch Wilhelm Busch mit seinem ausdrucksstarken Zeichentalent und seinen treffenden Texten mit viel Witz dahinter.

Aber heute müssen es Bücher sein.

Ich lese zwar nicht nur Romane (sondern auch Fachbücher), aber mit Comics habe ich abgeschlossen. Das ist nicht meine Welt.

Ein weiterer Grund, weshalb ich nie einen Comic oder einen Manga in die Hand nehme ist, dass mich beides schon als Kind nicht interessiert hat. Ich glaube, es ist schwer, für so etwas noch im Nachhinein seine Leidenschaft zu entdecken. Viele scheinen mit Comics gestartet zu sein und sich dann weiterentwickelt zu haben.

Ich lese höchstens mal die Comics aus der Tageszeitung oder sehe mir ein paar online an. Aber extra einen Manga kaufen oder eine Graphic Novel, das wäre nichts für mich. Gezeichnete Geschichten sind für mich eine zusätzliche, humorvolle Ablenkung, die ich mehr nebenbei zur Erheiterung mal lese, aber nicht Lektüre als solches. Ein witziger Zeitvertreib, etwas um sich alleine zu amüsieren und lachen, aber keine Lektüre zum Sich-Hineinversetzen und Wegtauchen. Eine Unterbrechung beim Lesen von Comics ist viel weniger schlimm, als wenn ich einen Roman lese.

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Mangas waren nur gut während dem Studium, wenn ich Zug gefahren bin. Da konnte ich mich nie so gut auf Bücher konzentrieren, wegen den ganzen Gesprächen um mich.

Als ich damals angefangen habe, kosteten Mangas meist um die 5 €, was für mich absolut vertretbar war. Irgendwann wurden die Preise erhöht und ich wurde zu geizig, um Mangas für 6,50 € zu kaufen. Für mich stimmte dann das Verhältnis zwischen dem Preis und der Lesezeit einfach nicht mehr. Mit einem Roman, der 8 oder 10 Euro kostet, kann ich mich viel länger beschäftigen.

Was mich nervt, ist die Tatsache, dass sie sehr schnell ausgelesen sind. Ich muss sagen, dass sie mir meist den Preis nicht wert sind, dafür dass man super schnell damit durch ist und ich die Zeichnungen auch gar nicht angemessen würdige, sondern aus Ungeduld immer direkt zur Sprechblase springe und den Rest eher am Rande wahrnehme.

Verglichen mit normalen Taschenbüchern sind Comics schweineteuer.

Bei mir stehen auch zu viele Bücher, die noch gelesen werden wollen. Daher werde ich sicherlich mir nicht noch eine Buchform wie Comic oder Manga auswählen. Ich habe a) viel zu wenig Platz in meinen Bücherregalen und b) viel zu wenig Geld auf meinem Konto, um eine eigene Sammlung anzulegen.

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In meiner Jugend habe ich mich an die X-Men gewagt (und auch andere Superheldencomics gelesen), aber so richtig warm geworden bin ich damit nicht. Ich mag Superheldenfilme und auch gegen die animierten Serien habe ich nichts. Aber die Comics reizen mich nicht.

Ich würde super gerne ins Marvel- und DC-Universum eintauchen, finde aber keinen guten Anfangspunkt. Wollte man chronologisch anfangen, müsste man sich doch diese unverschämt teuren Uralt-Ausgaben anschaffen, oder sehe ich das falsch? Bei Marvel und DC habe ich irgendwie immer eine so düstere Stimmung im Kopf.

Im Bereich Comic ist die Mädchen-Jungs-Trennung noch absurd deutlich.

Der Blick auf die herkömmliche Comic-Branche zeigt, wie mager starke weibliche Charaktere und Protagonistinnen waren und es trotz Verbesserungen eigentlich auch heute noch sind. Vor allem mit den Manga-Gesichtern tue ich mich oft schwer. Meist gefallen mir eher die Szenenzeichnungen im Hintergrund. Ich las noch so eine Manga-Reihe mit rotem Cover. Ich weiß leider nicht mehr wie er heißt und worum es geht. Irgendwas mit Schule und Liebe, erschienen bei Tokyopop. Mit dem Alter hat das Lesen von Mangas nachgelassen. Das liegt, denke ich vor allem daran, dass in Deutschland wenige Mangas mit starken und reifen/älteren Charakterinnen existieren.

Warum ich das aufgegeben habe, weiß ich gar nicht. Ich wurde einfach älter und habe den Reiz daran verloren.

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Mangas und Comics sind mir mittlerweile nicht mehr ernst genug.

Da lese ich doch lieber einen Fließtext!

Mittlerweile, muss ich gestehen, übersehe ich die Illustrationen und lese nur noch den vorhanden Text. Ich weiß auch nicht woran das liegen mag, dass ich die wunderschönen, schaurigen oder aber auch bedrückenden Bilder nicht mehr so wahrnehme wie damals. Vielleicht weil man heute zu übersättigt ist von Bildern? Vielleicht aber auch, weil mich die Sprache mehr reizt.

Ich finde gezeichnete Geschichten gut, wenn man nicht viel Zeit zu lesen hat oder eher etwas Leichtes lesen möchte. Ganz selten greife ich noch danach: Wenn ich in Erinnerungen schwelgen oder einfach ein bisschen abschalten und entspannen möchte.

Eigentlich nicht aus reinen Interesse, sondern eher um die Zeit tot zu schlagen

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Graphic Novels sind Romane, als „Comic“ gezeichnet. Natürlich kann man das nicht mit Romanen vergleichen.

Bei Comics fehlt mir etwas und es ist für mich auch kein richtiges Lesen. Lesen ist für mich, wenn ich völlig in eine Geschichte eintauchen kann, die Charaktere mit all ihren Facetten kennen lerne und entweder mag oder nicht.

Gerade für Graphic Novels muss man ja auch erst einmal in der richtigen Stimmung sein, finde ich. Ich wüsste noch nicht mal, wo ich da anfangen sollte, so viele gibt es da schon. Der Markt scheint ja ziemlich geflutet zu sein. Mir fehlt einfach der Überblick über das Medium, um einen Ansatzpunkt zu finden, ohne eine Menge Fehlkäufe zu tätigen.

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Damit ich ein Comic kaufe, muss mich der Zeichenstil einfach umhauen. Ich verstehe, dass man den künstlerischen Aspekt einer tollen Zeichnung schätzen kann. Aber dafür würde mir z.B. ein einzelnes Bild mit einer entscheidenden Szene reichen, das ganze Buch müsste ich nicht auf diese Art erzählt bekommen.

Wenn mir die Zeichnungen nicht gefallen, dann hat die Story oft auch keine Chance. Ich habe noch keinen Comic gefunden, wo für mich „alles passt“

Wobei ich mich schon für eine Reihe begeistern könnte, wenn ich nur die richtige finden würde.

Das Erlebnis beim Romanelesen ist meiner Ansicht nach intensiver (und länger).

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Meine Fantasie passt einfach besser zu den Protagonisten, als sie beschrieben werden. Das verfälscht aber oftmals die Intention des Autors, der sich ja etwas dabei gedacht hat, den Charakter SO darzustellen. Ein Manga lässt hier nicht viel Interpretationsspielraum. Man bekommt deutlich – schwarz auf weiß – gezeigt, wie der Charakter aussieht, ob er eher ein kalter oder gefühlvoller Mensch ist. Hier wird das Augenmerk auf die Mimik und nicht auf das geschriebene Wort gelegt. Bei den passenden Genres ist das eine willkommene Abwechslung für mein Gehirn – mal wenig mitdenken zu müssen, tut wirklich gut.

Ich lese gerne Bücher und lasse meine Fantasie spielen, genieße aber trotzdem ab und an, dass ich bei Comics komplett abschalten kann und Bilder vorgegeben bekomme.

Grundsätzlich bin ich nicht dagegen.

Ich bin aber eher der Romantyp.

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Beim Lesen geht es mir wirklich um das Wort und nicht um die optische Gestaltung.

In ein Buch lasse ich mich komplett fallen, sinke da viel tiefer ein als in eine Comicgeschichte.

Dann kommt mein Kopfkino zum Einsatz und ich lasse mich entführen in fremde Welten, wie es ein Comic nie könnte.

Ich bemühe lieber das Kopfkino als mir eine optische Ergänzung der Geschichte vorsetzen zu lassen. Das Kopfkino ist meiner Meinung nach auch viel vielfältiger. Ich brauche die Möglichkeit, mir selbst auszumalen zu können, wie eine Figur, wie eine Umgebung aussieht.

Wenn ich mich beim Lesen zwischen den Buchdeckeln verliere, habe ich mich zu 99,9% in die Wörter verliebt – Wörter können schön sein, Wörter können mehr verletzen als ein Messer – und nicht in die optische Gestaltung.

Das ist einfach nicht mein Medium, weil es zu viel vorgibt, was ich mir (was wir uns) lieber selbst ausmalen wollen.

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Das hier war kein Text von mir – sondern eine Collage aus 70 Blogbeiträgen von:

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1. Motte Enna – BücherregalSchätze 25. Charleens Traumbibliothek 49. Pineapples BookNook
2. Holla die Buchfee 26. Bücher in meiner Hand 50. PaperbackStories
3. Aequitas et Veritas 27. msmedlock 51. Ruby
4. Sheena 28. LeesBücher! 52. sanne von Wortgestalten
5. Gabis Laberladen 29. Nisnis Bücherliebe 53. Little Book Obsession
6. Ladysmartypants 30. Kerstin Wörterkatze 54. Ghost
7. wortmagieblog 31. Nenis Welt 55. Conny | Meine kleine Welt
8. Bücherkiste 32. Corly 56. Liv
9. Kiras kleine Leseecke 33. away from here 57. schraeglesen
10. Der Büchernarr 34. Tessa Jones 58. Anna von liveyourlifewithbooks
11. Buchträumerin 35. Julia L. Jordan 59. Lauter&Leise | Antonia
12. Buchperlenblog 36. Nicoles Bücherwelt 60. Klusi liest
13. VonDerZeitBeseelt 37. Myna Kaltschnee 61. Melanie von Bücher sind Schiffe, …
14. Bucheulchen Lisa 38. Wulf | Medienjournal 62. geschichtenfaenger
15. Katja | Zwischen den Seiten 39. Anni_Book 63. libris_poison
16. sommerlese 40. Lesefieber-Buchpost 64. Mein Lesezeichen Blog
17. Tintenblüte 41. Leuchtturmwaerterins Buechertuermchen 65. My Book&Serie&Movie Blog
18. Büchertänzerin 42. Mein Senf für die Welt 66. Määds Books
19. Unendliche Geschichte 43. Sarah von ZeilenSprung – Literatur erleben 67. Sven von It’s a Blob
20. Moony || Vollmondschatten 44. Buch – „Bloggade“ 68. vro jongliert
21. Beutelwolf-Blog 45. Shanlira`s Bücherwelt 69. Schwarzbuntgestreift
22. Linda // dufttrunken 46. Nela | Livricieux 70. Bettina von Bookish Moments
23. Tinte | Feder | Schwert 47. bookish-heart-dreams 71. Buchweiser
24. Gedankenwelt von Denise & Antonia 48. RaspberryBook 72. Tarika (Tarikas Orbit)

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Buchbloggerin Svenja Borghans fragte auf ihrem Blog Buchfresserchen als „Montagsfrage“ in die Runde:

„Ich arbeite als Illustratorin und lese ganz gerne mal eine gezeichnete Geschichte statt eines klassischen Romans: Ein Bild sagt eben doch oft mehr als 1000 Worte. Wie ist das bei euch?“

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Ich las alle 70+ Antwort-Blogposts und trug zusammen, was viele Buchblogger*innnen an Comics verwirrt, langweilt, abstößt oder kalt lässt, im obigen Text.

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Ich selbst liebe Comics und bespreche/empfehle sie u.a. beim Berliner Tagesspiegel und bei Deutschlandradio Kultur.

Ich freue mich, wenn mich Menschen nach persönlichen Comictipps und Empfehlungen zum Einstieg fragen – gern z.B. via Facebook.

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Falls ihr nur EINEN Comic probieren wollt: Nehmt „Daytripper“ von Fabio Moon und Gabriel Ba.

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drei Blogposts zur Montagsfrage, die ich mochte und empfehle:

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als Gegengewicht:

Zitate aus Buchblogs, deren Autor*innen GERN Comics lesen… und ihre Gründe:

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  • Man taucht nicht nur in die Fantasie des Autors, sondern auch gleich noch in die des Zeichners ein.
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  • Ich finds toll, wenn man manchmal keine Worte braucht und trotzdem die Geschichte versteht.
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  • Da spielen Bild und Wort einander den Ball zu, da erzählt eine Zeichnung ohne eine einzige Sprechblase einen eigenen Teil der Handlung. Das Bild dient dabei nicht dazu, dem Leser die Vorstellungsarbeit abzunehmen.
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  • Die Vielfalt von Comics steht der von Romanen in nichts nach, so dass für jeden Geschmack etwas zu finden sein sollte. Und so sehr ich es schätze, wenn es einem Buch gelingt, eine fiktive Welt vor meinem inneren Auge lebendig werden zu lassen, so schön ist es doch manchmal, sich die Visionen und Ideen anderer Leute direkt präsentieren zu lassen, wobei hier eben ähnlich wie im Film vieles auch einfach nur gezeigt, nicht erzählt werden muss, was dem Geschehen oft eine zusätzliche Ebene verleiht, die bei dem „nur“ geschriebenen Wort schwer zu erreichen ist.
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  • Der Zugang zu Comic ist intuitiv: Deswegen lesen sie Kinder so gerne. Das Bild erzählt die Geschichte und der Text ist nur ein Teil davon. Die Peanuts würden als rein sprachlicher Witz doch niemals funktionieren. Oder würdet ihr lachen, wenn ihr einen puren Buchstabentext darüber lesen würdet, wie Lucy Charlie Brown den Football wegzieht – schon wieder?
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  • Bildgeschichten können so beiläufig sein: Ich erinnere mich, wie ich früher Geschichten gelesen habe und mir im Hintergrund herrlich absurde Details aufgefallen sind. Die Haupthandlung geht unbeteiligt weiter, aber im Hintergrund jagt ein Mensch seinen Hund, weil der seine Hose geklaut hat. Ein Buchstabentext kennt nur eine Ebene der Erzählung.
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  • Gute Geschichten vertragen keine mittelmäßigen Wortakkrobaten: Eigentlich bin ich ja auch gerne für Action und Abenteuer zu haben, Sci-Fi und Fantasy. Doch oft hapert es einfach an Menschen, die diese Geschichten erzählen können. Weil die Aktionen zugegebenermaßen auch nach platten und klischeebehafteten Beschreibungen schreien. Doch Comics kommen da drum herum – weil sie das eben einfach den Bildern überlassen können.
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  • Allen Graphic Novels, die ich mag, ist gemein, dass sie versuchen, ein komplexes Thema oder den Inhalt eines mehrere hundert Seiten langen Romans in einer graphischen Darstellung wiederzugeben. Manchmal mit wenigen Worten, dafür mit umso ausdrucksstärkeren Bildern.
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  • In einem Song von Rammstein heißt es „Der Mensch ist doch ein Augentier. Schöne Dinge wünsch‘ ich mir“. Und so ist es – ich mag einfach schöne Bilder.
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  • Nicht nur Nerds, Geeks oder aber Kinder lesen Comics. Denn wie bei den Romanen, sind auch der Stil, das Genre und die unterschiedlichsten Thematiken ein besonderer Pool, aus dem man schöpfen kann.
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  •  Entsprechend kann ich nur jedem raten, der immer noch mit Comics fremdelt oder meint, die Geschichten wären bloß für Kinder konzipiert, sich doch einmal ausgiebig umzutun und eventuell einen Blick zu wagen, denn so schön Bücher sind, in die man abtauchen kann, so schön kann es eben auch sein, sich in einem optisch wie inhaltlich fulminant aufgemachten Comic zu verlieren.

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  • „Onkel Dagobert“-Autor und -Zeichner Don Rosa schafft es wie kein anderer, eine tolle Geschichte zu erzählen und dazu mega detaillierte Zeichnungen zu liefern. Er erzählt oft im Hintergrund noch eine kleine Nebengeschichte, während man den Figuren im Vordergrund „lauscht“. Dazu recherchiert er akribisch für seine Geschichten, die meist geschichtliche Aspekte beinhalten. Seine Figuren sind die Ducks, die er auf diese Abenteuer schickt. Leider ist er nun im Ruhestand, es kommen also keine neuen Geschichten mehr von ihm.
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  • Batman-Comics sind, glaube ich – man verzeihe mir das Stereotyp – so ein Jungs-Ding. Es ist legitim, sie als Helden zu verehren, weil sie stark sind. Und lustigerweise auch Probleme haben dürfen. Bruce Wayne ist für mich eine gescheiterte Existenz, dennoch kann der kleine Junge in mir zu ihm aufblicken und ihn bewundern. Es geht um Männerrollen und Ideale.
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  • Ich lese gerne Shonen-Mangas – das bedeutet, dass die eigentliche Zielgruppe für dieses Genre Jungen sind und ein bestimmter Zeichenstil vorherrscht. Es geht meist um einen Hauptcharakter, der mit der Zeit Freunde findet und auf eine Reise aufbricht oder auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitet. Was mir daran so gefällt ist vor allen Dingen, die Botschaft, die diese Mangas übermitteln. Es geht darum, dass man für seine Freude und für seine Ziele und Träume einsteht und dass man alles schaffen kann, wenn man zusammenhält und hart an sich und für seine Ziele arbeitet.
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  • Beim Manga „One Piece“ kann ich mir einfach nicht vorstellen, das als Buch zu lesen. Ich wüsste nicht wie man so genau die Kampfszenen beschreiben soll und erst die Blicke der Crew Mitglieder, wenn einer ihrer Freunde verletzt wird.
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  • Was mich an gezeichneten Figuren reizt? Die Emotionen bekommen ein Gesicht, welches ich nicht fehlinterpretieren kann.
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  • Ansonsten reizt mich an Manga, dass sie wahnsinnig viel Gefühl durch die Kombination von Bild und Text übermitteln können. Ich kann mich stundenlang in einem Manga verlieren und dann beim zweiten Mal lesen doch immer wieder etwas Neues entdecken.
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  • Außerdem stammen Mangas aus einem ganz anderem Kulturkreis mit anderen Traditionen und Umgangsformen. Ich denke, dass das auch ein Grund war weshalb ich sie so gerne gelesen habe, das hat mich einfach fasziniert. Da war ich dann ganz weit weg von meinem Alltag.

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Christian Schlüter schreibt in der Berliner Zeitung:

Allein das Neben- und Ineinander von Bild und Text erfordert hier einen gelenkigen Blick: Aus einer Linie, einem Strich kann sowohl eine lebendige Zeichnung als auch ein lebloser Buchstabe werden, aber auch eine wortmalerische Interjektion, ein „Zack“, „Boing“, „Peng“ oder „Hatschi“ – das Auge springt zwischen Bild und Text hin und her. Eine wunderbare Dehnübung für schlaffe Sehnerven ist das und eine Aufforderung zu weitreichender Interpretation.

Dass unsere Fantasie aus wohlgesetzten Buchstabengruppen – aus Wörtern und Sätzen – die schönsten Bilder zusammenreimt und damit die schöne Literatur zum Leben erweckt, dass unsere Fantasie also das Tote zum Leben erweckt: Diese Kulturleistung wird bis heute als alternativloser Vorzug der reinen Buchstabenbelletristik gepriesen.

Und macht als Argument, obwohl alles an ihm falsch ist, den größten Eindruck: Die schöne, an sich selbst bilderlose Literatur gilt als die eigentliche, die gute Literatur, aber der Comic, der Bilder schon mit sich trägt, soll die Fantasie töten und deswegen schlechte Literatur sein.

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auf Facebook kommentieren Freundin W…

„Ich habe im Bereich der Graphic Novels so viele wunderbare, großartige Geschichten entdeckt, von denen mich einige mehr gefangen genommen und gerührt haben als die meisten Romane.

Das Lesen erfordert eine andere Art der Konzentration. Wenn ich mich gerade auf keinen Roman konzentrieren kann, aber gerne lesen möchte, dann klappt das mit GN, weil sie eine andere Art der Konzertation erfordern. Wenn mir Geschichte und Darstellung zusagen, ist das Lesen wie ein Film, dessen Tempo ich selbst bestimme. GNs sind perfekt, wenn man lieber weniger Wörter haben will als zu viele. Jeder wichtige Moment muss sitzen, als einzelnes Bild oder Sequenz mit kurzgefassten Worten und die Wirkung ist auf mich oft intensiver und einprägsamer als bei Romanen. Besonders die autobiografischen GN kommen mir oft mutiger, frischer, jünger, konzentrierter und ehrlicher vor als ähnlich motivierte Romane.“

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…und Comicleser I.:

Die meisten Blogger-Kommentare sind nachvollziehbar, nicht weil sie korrekt sind, sondern weil es für Comic-Einsteiger nicht leicht ist, durch den Wust an Veröffentlichung zu blicken. Das es neben Einzelheften und TPB [Sammelbänden] auch meist schöne, ‚wertige‘, Hardcover-Ausgaben gibt. Dass es nicht nur Marvel, DC und Superhelden gibt. Dass sich gute Geschichten meist über viele Ausgaben und Jahre aufbauen. Dass Menschen die ‚Buchblogger‘ sind, wohl selten einen coolen Comic-Geek im Freundeskreis haben, der sich täglich durch die Neuerscheinungen liest und Lesetipps und Kaufberatung geben kann. Dass man sehr viel über Theorie und Technik der Comicgestaltung lernen kann. Dass ‚Graphic Novel‘ ein von Schnöseln geprägter Begriff für besonders langweilige Comics ist. Und besonders, dass es nicht auf das Medium ankommt, sondern auf den Inhalt.“

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George R.R. Martin, J.K. Rowling, Stephen King – Autor*innen streiten und antworten, online

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Für Deutschlandfunk Kultur las ich den Blog / das Livejournal von George R.R. Martin – alle Einträge seit 2005:

  • ich notierte mir alle Buch- und Filmtipps, die Martin in den letzten 13 Jahren gab
  • ich notierte alles über seine Schreibweisen, Arbeitsweisen und Poetik
  • (wahrscheinlich werde ich beides später nochmal irgendwo sammeln/bloggen, als Linkliste)

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Morgen, 13. Juli, gegen 10.20 Uhr, bin ich Studiogast bei Deutschlandunk Kultur und spreche über Martin… und andere Autor*innen, die bloggen, an Debatten teilnehmen, über ihren Schreibprozess berichten, sich gesellschaftlich einmischen oder ihre Werke durch Tweets etc. erklären.

Vor jeder Deutschlandfunk-Sendung schicke ich meine Stichpunkte und Thesen an die Redaktion: Hintergrund-Infos und Links, aus denen Moderator*innen dann ihre Fragen fürs Livegespräch erarbeiten. Hier kurz gebloggt: meine Fundstücke und Links zur morgigen Sendung.

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  • Es gab schon immer Sekundärliteratur zu Büchern (und Serien).
  • Besonders seit dem Internet sind diese Texte, Wortmeldungen zweiter Ordnung immer öffentlicher, leichter zu finden.
  • George R.R. Martin scheint, besonders seit 2014, oft mehr zu bloggen, als an neuen Romanen zu arbeiten.
  • Ich selbst bin Fan seines Blogs und den Artikeln ÜBER seine Bücher (…und die TV-Verfilmung).
  • Wichtig: die Serie selbst und die Romane habe ich nicht durch: Ich liebe es, die Sekundärtexte, Kritiken, Debatten drumherum zu lesen.

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zu Martin selbst:

  • Er ist fast 70 (geboren 1948 in New Jersey) und lebt in Santa Fe, New Mexico. Zum zweiten Mal verheiratet, keine Kinder.
  • Er schrieb Science-Fiction-Kurzgeschichten, Novellen und Romane; manchmal Horror, und seit 1987 eine Surperhelden-Reihe namens „Wild Cards“ (fast 30 Sammelbände aus mehreren Perspektiven, verfasst von mehreren Autor*innen, Martin ist auch Herausgeber/Editor der Reihe).
  • Sein Hauptwerk, „Das Lied von Eis und Feuer“, läuft seit 1996.
  • Es sollte ursprünglich eine Trilogie werden, ist jetzt aber auf sieben Bände angelegt.
  • Bisher erschienen fünf Bände, alle auch in Deutsch (dort meist zweigeteilt): 96, 99, 2000, 2005, 2011.
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  • Seit 2011 läuft eine Verfilmung auf HBO, „Game of Thrones“. Sie ist auf acht Staffeln angelegt, Staffel 7 startet am 16. Juli (auf Englisch) und am 17. Juli (auf Deutsch).
  • Letztes Jahr hat die Serie die Bücher überholt: Die Geschichte wird ERST als TV-Verfilmung zu Ende erzählt. Martin selbst gibt viel Input. Die Serie endet 2018. Doch Roman 6 von 7, „The Winds of Winter“, erscheint frühestens 2018.das ist für alle Beteiligten etwas unglücklich, und Martin selbst wird oft belächelt: Warum schreibt er so langsam? Warum macht er so viele andere Projekte? [Ich selbst schreibe seit 2009 an meinem Roman, und einmal pro Woche will jemand mit mir über Martin reden, den anderen „zu langsamen“ und „immer abgelenkten“ Autor, den alle kennen.]

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Autor*innen reden mit?

  • 1992 starte die Science-Fiction-Serie „Babylon 5“. Verträge für Schauspieler*innen dürfen maximal sechs Jahre gelten. Deshalb wissen Serienmacher*innen: Alles läuft etwa sechs Jahre lang, dann wird es teuer und kompliziert, wegen neuer Vertragsverhandlungen. „Babylon 5“ war eine der allerersten Serien mit einem im Vorfeld über alle Staffeln geplanten Spannungsbogen: Beeinflusst von u.a. „Herr der Ringe“ erzählt die Serie von einer Raumstation, die in einen großen Krieg verwickelt wird.
  • Der Macher, J. Michael Straczynski, plante 5 Staffeln, schrieb fast alle Drehbücher zur Serie selbst und konnte trotz ein paar Schauspielerwechseln und Produktionsproblemen EINE große Geschichte erzählen. Zuvor erzählte TV meist episodisch: Jede Folge ist möglichst einsteigerfreundlich, wenig verändert sich, notfalls kann man Folgen auch in falscher Reihenfolge sehen. „Babylon 5“ hat eine Fünf-Akt-Struktur und erzählt wie ein Roman: Ständig wird betont, dass jetzt ALLES anders ist und sich Dinge grundlegend verändert haben. Das ist ein starker Kontrast zu „Star Trek“, wo sich jahrzehntelang möglichst wenig ändern sollte.
  • Straczynski benutzte Fan-Foren im Internet, um jede Woche Fragen zu beantworten über seine Vision, seine Pläne und seinen Arbeitsprozess. Diese Chats sind online gesammelt, und für viele Menschen ist es normal, erst eine Folge der Serie zu sehen… und dann die gesammelten „JMS speaks“-Zitate zu lesen.

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  • Websites wie „Television without Pity“ wurden irrsinnig erfolgreich, indem sie – zu einer Zeit, als Episoden noch nicht direkt als Raubkopie online zu sehen waren – jede Folge vieler laufender Serien ausführlich nacherzählten.
  • In Deutschland erzählen vor allem Welt.de/Axel Springer jeden „Tatort“ und jeden größeren Polit-Talk (Anne Will etc.) nach: Diese Texte sind sehr erfolgreich.
  • Nach Footballspielen gibt es „Post-Game“-Rederunden. immer mehr Menschen wünschen sich solche Nachbesprechungen, nachdem sie eine Episode einer Serie gesehen zu haben.
  • Serien wie „The Walking Dead“ gingen darauf ein und senden tatsächlich nach jeder neuen Folge eine Talkshow/Gesprächsrunde, „The Talking Dead“. „Game of Thrones“ hat seit 2016 „After the Thrones“; ich mag auch die kurzen „Rebels: Recon“-Making-of-Videos zu „Star Wars: Rebels“

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  • 2012 startete „Girls“, eine Serie über vier widersprüchliche junge Frauen in New York.
  • Die New York Times schrieb ca. 40 Artikel über „Girls“, in sechs Jahren; weil viele Themen der Serie relevant für NYT-Leser*innen sind: Gentrifizierung, Gender, Lokalpolitik, Generationenfragen (Hipster, Millennials)
  • Solche Texte, die immer MIT der Serie einstiegen, aber dann oft sehr persönlich werden und über strittige gesellschaftliche Themen sprechen, heißen „Think Pieces“. Seit „Girls“ gibt es nach provokanten Momenten in Serien dauernd neue „Think Pieces“.

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bei Martin und „Game of Thrones“ kommt all das zusammen:

  • „Game of Thrones“ zeigt viel sexuelle Gewalt und „starke“ Frauen, denen Furchtbares passiert. Dreimal im Jahr erscheinen 20 Artikel über eine besonders brutale oder ambivalente „Game of Thrones“-Szene: War das „schlechter Sex“ – oder Vergewaltigung? Wird eine Frau erniedrigt, und agiert fünf Folgen später als besonders kalte oder starke Kämpferin: Heißt das, der Missbrauch und das Trauma machten die Frau „stärker“?
  • Oft variieren solche Szenen im Buch und in der Serie: War es in Martins Text ruppiger Sex – oder Vergewaltigung? Ist die Serie brutaler? Ist sie, durch diese Brutalität, autormatisch frauenfeindlicher?
  • Geht es „Game of Thrones“ darum, Gewalt gegen Frauen, Sexismus, Zwänge im Feudalismus, Intoleranz etc. möglichst drastisch auszustellen, zu verurteilen? Oder ist da immer ein gewisser Sexploitation-Kitzel? etc.
  • Nicht nur bei Sex- und Gender-Fragen öffnet „Game of Thrones“ oft Debatten, die WEIT über die Serie selbst hinaus gehen.
  • Allergrößte Zeitungen schreiben nach Einzelepisoden lange Texte darüber, was „Game of Thrones“ z.B. über den Klimawandel, das Bankenwesen oder Kolonialismus im nahen Osten erzählt.
  • (schade dagegen: Auch in großen deutschen Zeitungen erzählen manchmal nur Fanboys nach, was sie an der jeweiligen Folge „krass“ oder „witzig“ fanden. Das bleibt oft unreflektiertes, dünnes Clickbait-Gerede, und dem Feuilleton nicht würdig.)

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für Wortmeldungen von Autor*innen selbst gibt es den Ausdruck „Word of God“:

  • Fragen, die das Werk selbst nicht eindeutig beantwortet, werden manchmal vom Autor beantwortet.
  • Eins der bekanntesten Beispiele: J.K. Rowling, die nach dem Ende von „Harry Potter“ sagt, Zauber-Rektor Dumbledore sei schwul sei. In den Büchern selbst kommt das nicht vor.
  • Rowling hat seit 2007 – vor allem auf Twitter, in Interviews und in sehr, sehr langen und detaillierten Fußnoten auf der Website „Pottermore“ immer wieder offene Fragen beantwortet, Ambivalenzen ausgemerzt, Ideen konkretisiert. Oft ging das Fans auf die Nerven.
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  • Martin ist recht zurückhaltend mit solchen „Words of God“; und lügt auch immer wieder, um Wendungen/Geheimnisse nicht im Voraus zu verderben.
  • Trotzdem ist all das mittlerweile ein großer, zweiter Raum, der sich um jedes Buch und jede Serien-Episode öffnet: Fans legen Wikis an, um „Words of God“ zu sammeln, TV-Schöpfer*innen livetweeten während der Erstausstrahlung wichtiger Episoden, die New York Times macht oft Interviews mit Darsteller*innen von Serien, am Morgen, nachdem ihre Figuren überraschend ausstiegen oder starben: „Wie geht es Ihnen jetzt? Und warum wurde Ihre Rolle vergewaltigt?“ etc.

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John Fiske, mein Lieblings-Popkulturforscher, sagt, Dinge werden populär, wenn sie widersprüchlich bleiben, verschiedene Lesarten zulassen, nicht alle Fragen beantworten.

  • Der Witz an all den Sekundärtexten, Wortmeldungen ist, dass es immer SCHEINT, als gäbe es gleich große, gültige Antworten: Ist Figur X „böse“? Ist Y eine Metapher für Donald Trump? etc. Doch obwohl Autor*innen und Serienmacher*innen heute viel MEHR reden, verstärken ihre Drumherumtexte eher noch die Fragen und Widersprüche: Fans reiben sich produktiv an offenen Fragen. Größte Zeitungen debattieren z.B. ob die Ehefrau aus „Breaking Bad“ nervt – oder als Sympathieträgerin verstanden werden soll.
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  • In Deutschland gibt es den Geniemythos: Als Autor über die eigenen Intentionen und das Handwerk zu sprechen, gilt oft als unnötig, verpönt. Martin kommt aus der Science-Fiction-Ecke, und war als Kind Fan von Sci-Fi-Groschenheften und Superheldencomics. Die Szene organisiert sich in Conventions: Fans treffen auf Macher*innen, alle bleiben in Dialog. Martin selbst schrieb Leserbriefe, die in Marvel-Comics gedruckt wurden, und fand Freunde/Anschluss, als andere Fans auf seine Briefe antworteten. Die Treffen/Conventions sind bis heute wichtig für die – gut vernetzte – Phantastik-Szene, und Martin besucht immer noch mehrere Cons im Jahr. Er schrieb als Teenager Amateurtexte – aber mit eigenen Figuren. Heute wünscht er sich, dass Fans ihre eigenen Erzählwelten bauen, statt mit vorhandenen Figuren (z.B. „Harry Potter“) neue Fanfiction-Texte zu schreiben.
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  • Es gibt einige sehr aktive, gut vernetzte Bestseller-Autor*innen in der Phantastik, bei denen die Grenze zwischen Star und Fan verwischt (weil sie selbst Fans sind und über ihr Fan-Sein sprechen)… und die in Blogs oder auf Twitter sehr viel über ihre Arbeit und ihre Begeisterung für andere Autor*innen sprechen:
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  • Neil Gaiman
  • Patrick Rothfuss
  • Cory Doctorow
  • Stephen King (der SEHR viel liest und oft großartige Buch-, Film-, Serientipps gibt)
  • manchmal JK Rowling (poltisch, besonders auf Twitter)
  • die Comic-Autorin Gail Simone
  • … und eben Martin (der nichts auf Twitter und Facebook schreibt, aber seinen Blog pflegt)
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  • Lyriker*innen können oft kluge Dinge über ihre Kolleg*innen sagen – weil Gedichte so kurz sind, dass jeder alle Gesamtwerke der anderen kennt. Deutsche Autor*innen sagen oft nichts Kluges über ihre Kolleg*innen – weil niemand sich die Zeit nimmt, viel zu lesen. Obwohl Fantasy-Bücher sehr dick sind, merkt man: Martin u.a. nehmen sich extrem viel Zeit, nach rechts und links zu schauen: Eine Szene, die sich für sich selbst interessiert, und relativ offen/einladend ist.

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mein Fazit?

  • In den 90ern warteten alle auf Hypertexte, interaktive Literatur, nicht-lineares Erzählen.
  • Das Tolle an „Words of God“ und den vielen neuen Debatten-Texten ist, dass es dem nahe kommt. Es gibt die Haupterzählung, die alle Fans verfolgen: das Buch, die Serie. Und es gibt die Ausläufer, das Bonusmaterial, die Debatten drumherum: Alle können so viel oder wenig davon lesen, wie sie wollen. Man kann Dinge entdecken, und selbst mitreden.
  • Die TV-Autorin Shonda Rhimes („Grey’s Anatomy“, „Scandal“, „How to get away with Murder“) bloggt viel über ihre Arbeit… und gesellschaftliche, politische Fragen: Ich sehe ihre Serien nicht. Aber ich bin süchtig danach, über ihren Arbeitsprozess und ihre politischen Anliegen zu lesen: Manchmal ist die Geschichte, wie und warum etwas von der Autorin gemacht wird, viel interessanter, als das, WAS gemacht wird.
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  • Die Romane von Martin machen wir wenig Spaß – er hält sich zu viel Heraldik/Wappen/höfischen Ritualen auf.
  • Die Serie sehe ich nicht gerne, weil sie oft fast nur „wie gewonnen, so zerronnen“- und „so schnell kanns gehen!“-Momente aneinander reiht: Figuren geben sich Mühe… und sterben/scheitern dann sang- und klanglos. Das soll tiefgründig, existenziell, nihilistisch wirken… doch oft kommt es mir einfach trost- und pointenlos vor.

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Blogs und Literatur: Interview mit Glasperlenspiel13, für die Büchergilde (Frankfurt)

Foto: Adelheid Haaß, Büchergilde Gutenberg 2015

Foto: Adelheid Haaß, Büchergilde Gutenberg 2015

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Seit November 2014 empfehle ich Bücher für die Büchergilde Gutenberg – im Print-Magazin einmal im Quartal, und auf der Facebook-Seite zweimal im Monat, in meiner #Buchsprechstunde.

Vera, Bloggerin bei Glasperlenspiel13 und ebenfalls für die Büchergilde aktiv, stellte mir ein paar Fragen über mein Lesen, Bloggen, Schreiben… und die deutsche Blogger-Szene:

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Du beschäftigst dich auch beruflich viel mit Büchern und Literatur. Gibt es überhaupt noch eine Grenze zwischen privater und beruflicher Lektüre?

Stefan: Als Kritiker, Blogger, Autor lese ich am liebsten Bücher, die noch fast niemand kennt… aber die möglichst viele Menschen kennen lernen sollten: Fundstücke und Geheimtipps, Neuheiten und Underdogs, Überraschungen und vergessene Klassiker.

Gängige Erfolgsromane sind bereits so bekannt… sie brauchen von mir keine große Hilfe oder Unterstützung: “Arbeit und Struktur” oder Margaret Atwoods Zukunfts-Trilogie will ich irgendwann unbedingt lesen. Nur bloß nicht: heute. Ich suche lieber Neuland. Entdeckungen!

Und was liest du privat am liebsten?

Stefan: Ich mag kluge Frauen, verkorkste Familien, komplexe Gefühle. Bücher, die mich fragen: “Was ist ein gutes Leben? Was ist Glück?” Und ich liebe Superman, Wonder Woman. Phantastik!

Unsere Blogs unterscheiden sich sehr: Wie ist dein Selbstverständnis als Blogger? Welche Möglichkeiten bietet dir dein Blog?

Stefan: Wenn ich mit Freunden und Fremden über Bücher sprechen will, gehe ich auf Facebook: Kommentare, schnelle Dialoge, ein waches Hin und Her. Doch nach zwei Wochen rutscht jeder Beitrag so tief fort, dass er nie wieder gefunden, gelesen wird. Also sammle ich seit 2011 Listen, Fundstücke und längere Texte hier auf meinem Blog, stefanmesch.wordpress.com

Journalismus, Rezensionen… das will ich für Zeitungen machen. Bezahlt. Professionell. Aber Listen, Experimente? Bonusmaterial? Dafür liebe ich den Blog: ein Archiv, so offen und öffentlich wie möglich.

Was hat dich veranlasst, auch englische Beiträge auf deinem Blog zu veröffentlichen?

Stefan: Von 2009 bis 2013 lebte ich je drei Monate im Jahr in Toronto, seit 2013 will ich regelmäßig nach New York. Ich übersetze aus dem Englischen, ich habe viele Freunde in Nordamerika, ich liebe die Comics, Belletristik, Netzkultur dort: München oder Berlin sind mir viel fremder.

Du gibst regelmäßig Empfehlungen zu ganz unterschiedlichen Genres und Themen, auf Facebook und im Blog. Wo und wie findest du all diese Bücher?

Stefan: In einer Buchhandlung oder Bibliothek öffne ich fast jedes Buch und lese ein, zwei Seiten, stundenlang. Die Neuerscheinungen. Die Klassiker. Das Abseitige und die US-Fundstücke: zwei, drei Tage im Monat mache ich nichts anderes, notfalls nur online, mit Amazon-Leseproben. Etwa 10,000 Bücher habe ich vorsortiert – in “angelesen: nichts für mich”, “angelesen: klingt gut” und “vorgemerkt: bald Leseprobe finden!” Den Überblick behalte ich mit Goodreads: einer tollen Katalog- und Wertungs-Website für Bücher.

Auf welchen Kanälen außer Facebook bist du noch zu finden und welcher gibt dir den meisten Mehrwert?

Stefan: Wer Illustrationen, Kunst, Visuelles (oder: Pornografie!) liebt, muss zu Tumblr: Nirgendwo wird mein Auge so schnell gereizt, gekitzelt, überflutet.

Twitter ist mir zu schnippisch und abgehackt. Aber ich mag die vielen Fundstücke dort.

Drei Websites, die alles besser machen: TV Tropes, Graph TV und, bei allen Fragen und Gesuchen, Reddit.

Ich bekomme oft zu hören: Blogs, Facebook, Twitter & Co ist doch alles online, so anonym. Du bewegst dich seit Jahren in dieser „Szene“. Wie empfindest du das?

Stefan: Mal lebe ich in Berlin, mal auf dem Land bei Heidelberg. Mal in Amerika. Drei Viertel aller Leute, die mir wichtig sind, erreiche ich nur online, weil wir fast jeden Tag ganz weit entfernt voneinander sind. Lesen macht oft mehr Spaß als Spaziergänge. Schreiben geht schneller als ewiges Gerede. Ich kann im Netz SO viel fragen, zeigen, quatschen, probieren… und falls es stört, klickt Leute eben weiter. Wäre ich unter Menschen so aktiv wie online… man würde mich knebeln und wegsperren!

Was verbindest du mit der Büchergilde und wie bist du zu ihr gekommen?

Stefan: Ich liebe Felix Scheinberger und seine tollen Illustrationen zu “Tod in Venedig” von 2005. Im Büchergilde-Programm erwarte ich Mut, Sorgfalt, Witz und Eigensinn: Bücher, die zwei oder drei entscheidende Schritte weiter gehen.

Im Facebook-Account der Büchergilde bietest du eine regelmäßige #Buchsprechstunde an. Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

Stefan: “Mein Sohn ist 7 und alle Bücher langweilen ihn!”, “Ich suche Jugendbücher mit nicht-weißen Erzählerinnen oder Erzählern.”, “Kennst du gute Schreib- und Roman-Ratgeber?”: Ich liebe diese Fragen, Überraschungen… und wünsche, dass noch viel mehr Aufträge, Kommentare kommen. Geschenktipps, Dialoge, Anfragen: Lasst uns zusammen Bücher finden!

Letztes Jahr hat die Büchergilde 90jähriges Jubiläum. Wo siehst du sie zu ihrem 100. Geburtstag?

Stefan: Mein Lieblings-Buchhändler, Frithjof Klepp bei Ocelot, musste Insolvenz anmelden. Meine liebsten Superhelden-Comics haben kaum noch Leser. Schon heute steht fast jedem Stück Buchkultur, vielen Verlagen und Autoren das Wasser bis zum Hals. Wenn dir jemand wichtig ist: Hilf. Unterstütze. Heute gleich. Sonst fehlt es bald.

Drei Blog-Tipps von dir?

Stefan:
Buzzaldrins.de, We read Indie und die Newsletter von Lesenmitlinks.de und Buchkolumne.de

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weitere Interviews, Gespräche, Fragebögen?

buchsprechstunde stefan mesch

Buchtipps des Jahres: Stefan Mesch

2014 stefan mesch

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Seit 2009 schreibe ich für ZEIT Online.

Interviews, Texte über Bücher und Autoren.

Manchmal auch NetzkulturFilm und Feminismus.

Jeden Sommer empfehlen Mitglieder der Redaktion und freie Mitarbeiter ein Buch für den Urlaub. Jeden Winter einen Weihnachts-Geschenktipp oder ihr persönliches Buch des Jahres.

Mir macht dieses Büchersuchen und -empfehlen Spaß. Ich finde das ganze Jahr lang mögliche Kandidaten. Meine ideale Empfehlung: Literatur, die noch fast niemand kennt… aber die möglichst viele Leserinnen und Leser überzeugt.

Heute, hier gesammelt: meine ZEIT-Empfehlungstexte und Tipps seit 2009.

Im Sommer 2014 gaben zum ersten Mal keine Redaktionsmitglieder / Journalisten Empfehlungen, sondern Autorinnen und Autoren. [Memo an mich selbst: Schnell den Roman fertig machen!]

Ich selbst hatte zwei Bücher in der ersten Sommer-2014-Auswahl:

Meine privaten Bücher des Jahres stelle ich jedes Jahr Anfang Januar HIER vor.

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Stefan Mesch Buchtipps Zeit Online 2

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Weihnachten 2013:

[Original hier] In US-amerikanische Jugendbüchern tut sich stilistisch oft nicht viel: Stakkatosätze. Präsens. Sekundenrealismus, nah am Ich-Erzähler. Alles klingt gleich. Nichts irritiert. Eine Ausnahme ist David Levithan, der in zehn Jahren fast 20 Bücher über Paare, Selbstverwirklichung und Partnerschaft-als-Selbstverwirklichung schachtelte. Jedes klang anders. Allerdings ist Two Boys Kissing ist der erste Levithan-Roman, der mich überzeugt: Acht schwule Jugendliche auf dem Land, 50 Stunden persönlichste Katastrophen und Triumphe, brillante Perspektivwechsel, Schnitte. 200 Seiten nichts als Sätze, die Leser zum Weinen bringen wollen. Vor Wut. Freude. Begeisterung. Ein hoher Ton. (Stefan Mesch)

David Levithan: Two Boys Kissing. A Novel. Knopf Books for Young Readers, New York 2013. 208 Seiten, 11,40 Euro.

erhältlich u.a. hier.

Two Boys Kissing

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Sommer 2013:

[Original hier] Tote Kinder. Zerstörte Existenzen. Im März 1925, nach einem beispiellosen Tornado, steht jede Familie in Marah, Illinois vor verheerenden Lücken. Bis auf Familie Graves: Großmutter, Eltern, Tochter, Söhne, Haus, Auto und Sägewerk bleiben verschont. Falling to Earth, ein straffes Debüt, beginnt als Fabel oder alttestamentarisches Gleichnis. Sobald die Graves‘ aber verstehen, welches Neid- und Vorwurfspotenzial ihr Überleben wecken kann, wird aus der dunklen Mär um Anstand und Verlust ein atemloses, überraschend modernes Psychogramm. Ein Dorf, in Trauer verschnürt – gegen stolze Einzelgänger, die sich selbst zerreißen. Traumatisch gut! (Stefan Mesch)

Kate Southwood: Falling to Earth. Europa Editions, New York 2013. 272 Seiten, 12.99 Euro.

erhältlich u.a. hier.

Falling to Earth

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Weihnachten 2012:

[Original hier] Frauen werden alt – und bitter wie Mutti. Männer bleiben Tölpel – und mit 40 noch Jungs. In Gone Girl, dem erfolgreichsten US-Krimi 2012, spielt Gillian Flynn mit Zorn, Klischees und enttäuschten Erwartungen eines Paars, das von Manhattan aufs Land zieht und sich hassen lernt, als Träume, Jobs, Selbstbilder zerbrechen. In furiosem Zorn hetzt Flynn einen Frauenhasser auf eine Männerhasserin, schnürt ein Entlieben und die schleichend schlechten Kompromisse einer Ehe zu einem grellen, hanebüchenen Komplott: Frauen wollen Handschellen? Schmachtende Vampire? Nein. Ein Partner, geistig reifer als 15 Jahre, wäre hier schon genug. Jemand, der auch mal ungefragt die Küche wischt – ohne dabei zu träumen, dir den Schädel einzuschlagen. (Stefan Mesch)

Gillian Flynn: Gone Girl, Crown Books, New York 2012. 432 S., 12.95 Euro.

erhältlich u.a. hier.

Gone Girl
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Sommer 2012:

[Original hier] Stille Wiesen. Karge Dörfer. Ein Grüppchen Gänse und ein Fuchs, der nachts um die Ställe schleicht: Der Umweg, dritter Roman des niederländischen Gärtners, Schlittschuhlehrers und Erzählers Gerbrand Bakker, zeigt Kitsch- und Sehnsuchtsräume von Landlust-Lesern… in atemloser, neuer Perspektive. Ohne Warnung, Abschied und Begründung flieht eine Frau von Amsterdam nach Caernafon (Wales) und wartet auf den Winter. Ein neuer Alltag, ohne Zwänge? Freiheit? Oder dumpfe Isolation? In Schärfe und Bildkraft, die schaudern lassen, zeichnet Bakker einen Rückzug, ein Haus und eine drastische, faszinierende Entscheidung. Ein Kammerspiel? Ein Thriller? Beides! (Stefan Mesch)

Gerbrand Bakker: Der Umweg. Roman. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Suhrkamp, Berlin 2012, 230 Seiten, 19,95 Euro.

erhältlich u.a. hier.

De omweg
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Weihnachten 2011:

[Original hier] Drei Außenseiter, ein toter Mitschüler, ein Jahr auf einer High School im tristen Pittsburgh, 1991: Stephen Chboskys Jugendroman The Perks of Being a Wallflower erzählt entspannt und ohne falsche Dramatik vom Erwachsenwerden der Grunge- und Mixtape-Generation. Veröffentlicht im Jahr 2000 als vielleicht lieber morgen, doch schon seit Jahren vergriffen. So entschied sich Heyne in diesem Jahr für eine neue Übersetzung: Das also ist mein Leben folgt einer Gruppe hungriger, verletzter Teenager, auf Kollisionskurs mit der Welt. Mehr Herz als Der Fänger im Roggen, mehr Hirn als Virgin Suicides… und 2012 im Kino. Ein Kultroman – ohne schmachtende Vampire. (Stefan Mesch)

Stephen Chbosky: Das also ist mein Leben. Aus dem Englischen von Oliver Plaschka. Heyne 2011, 288 S., 12,99 Euro. 

erhältlich u.a. hier.

The Perks of Being a Wallflower
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Sommer 2011:

[Original hier] Egal, wie „wichtig“ oder „lohnenswert“ ein Buch sich liest – es bleibt ein kleiner Sarg, in dem ein Nachmittag oder ein Wochenende begraben liegt: Der Sommer ist halb vorbei. Die Tage werden kostbarer und kürzer. Wie viele Fehlstarts, Umwege und Sackgassen erträgt ein gutes Leben? Gabriel Bá und Fábio Moon, Zwillingsbrüder aus São Paulo, zeigen in Daytripper zehn End- und Wendepunkte im Leben des brasilianischen Journalisten Bras de Olivias Dominguez. Bras schreibt die Nachrufe der Tageszeitung. Doch seine eigenen Träume müssen warten, jahrelang. Auf Deutsch ist der zum Heulen kluge Comic vorerst nicht geplant. Dann also: Die US-Ausgabe! So brutal zärtlich, ernst und hoffnungsvoll brüllt kaum ein anderes Buch: „Du stirbst. Wach auf! Fang an, zu leben!“ (Stefan Mesch)

Gabriel Bá, Fábio Moon: Daytripper. Vertigo Verlag 2011, 256 S., 14 Euro.

mittlerweile auch auf Deutsch erhältlich, u.a. hier.

Daytripper

 

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Weihnachten 2010: 

[Original hier] Was sind BRIC-Staaten? Was geschah in Darfur? Wem gehört die Arktis? Seit 2003 veröffentlicht die französische Monatszeitschrift Le Monde Diplomatiquekurze, klug recherchierte Grundlagentexte zu Wirtschaft, Krieg und Krise: Der Atlas der Globalisierung ist ein Gemeinschaftskunde-Reader für Erwachsene, faktensatt, überraschend und angenehm differenziert. Globalisierung ist hier kein linker Kampfbegriff – sondern ein (toll visualisiertes) Netz aus Interessen, Konflikten und ihren weltweiten Folgen. Pflichtlektüre! (Stefan Mesch)

Le Monde Diplomatique (Hrsg.): Atlas der Globalisierung. Sehen und verstehen, was die Welt bewegt . taz Verlag, Paris/Berlin 2010, 216 S., 13 €

aktuelleres Update von 2012 erhältlich u.a. hier.

Atlas der Globalisierung: Die Welt von morgen
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Weihnachten 2009 [1]:

[Originale hier] Das erste eigene Haus, zwei hübsche Kinder und eine brave Ehe in der Vorstadt: 1955 merken Frank und April Wheeler, dass sie von ihrem Leben deutlich mehr wollen. Das Paar wagt einen letzten, großen Ausbruch aus der Mittelmäßigkeit. Sam Mendes’ Revolutionary Road, die Verfilmung des Romans, stieß letzten Frühling auf Preise und freundliche Kritiken – und machte Richard Yates’ Romanvorlage, erschienen 1961, zur Wieder-Entdeckung des Jahres: Ein scharfkantiges, wahres Buch, menschlich, modern und erwartet witzig.

Richard Yates: Zeiten des Aufruhrs. DVA, München 2008, 368 Seiten, 14,99 Euro

erhältlich u.a. hier..

 

Revolutionary Road

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Weihnachten 2009 [2]:

Facebook, Twitter, Google Books: 2009 wurden die Debatten um Datenschutz, Copyright und globale Information immer lauter und panischer. Der Romancier, Blogger und Aktivist Cory Doctorow geht den umgekehrten Weg: Visionen statt Verbote, Verstand statt Angst. In Content sammelt er 17 knackige Essays über die Zukunft der Medien und der globalen Kommunikation. Wie alle Bücher und Geschichten Doctorows gibt es Content als klassische Print-Ausgabe. Doch parallel dazu auch als offiziellen Gratis-Download im Internet – wenn auch vorerst nur auf Englisch.

Cory Doctorow: Content. Selected Essays on Technology, Creativity, Copyright, and the Future of the Future. Tachyon Publications, San Francisco 2008, 224 Seiten, 10.99 Euro

gratis hier.

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