German Posts

Ada Palmer: „Dem Blitz zu nah“ & Terra Ignota (Rezension / Kritik)

Im März 2022 las ich Ada Palmers vier „Terra Ignota“-Romane.

Ich schrieb zwei Rezensionen:

.

Keine Macht für Grenzen, Religion, Geschlecht

Verkopft und warmherzig: Ada Palmers Utopie „Terra Ignota“ feiert auf 3000 Seiten neue Wohn-Entwürfe und sprachlich-literarischen Exzess.

.

Ibasho heißt „Zuhause“ oder „Ort, an den man gehört“ in Japan. Und weil Science Fiction inspirieren kann und frische Denk-, Sprach-, Lebensmodelle zeigen, hofft Autorin Ada Palmer, dass wir eine ihrer  Wortneuschöpfungen bald alle selbst benutzen – und im Alltag ausprobieren: „Bash“ ist Palmers Begriff für „Wahlfamilie“. Ein „Bash-House“ ist meist größer als das Eigenheim der Kern- und Kleinfamilie. Oft gründen junge Erwachsene und Cliquen ihr „Bash“, um Kinder gemeinsam großzuziehen. Palmer selbst wohnt in einer WG in Chicago und wünscht sich, dass Generationenhäuser und Co-Parenting gängiger werden.

Palmers in vier Bänden abgeschlossene Reihe „Terra Ignota“ erschien 2017 bis 2021. Claudia Kerns Übersetzung ins Deutsche ist ein besonders heikler Kraftakt – weil die Romane kaum direkt erklären: Der Ich-Erzähler Mycroft stößt uns ins kalte Wasser. Als Chronist soll Mycroft sieben Tage im Jahr 2454 beschreiben, in der eine friedliche und progressive Weltordnung plötzlich Risse zeigt. „Dem Blitz zu nah“, der in den USA besonders beliebte und prämierte Band 1, zeigt nur vier dieser sieben Tage – und beantwortet fast keine Fragen.

Zwei Gründe machen ihn zur unvergesslichen, beispiellosen Lektüre. Die schiere Mühe, Mycroft zu folgen – der so gern lügt, schwafelt, verschweigt und, als Fan von Voltaires Aufklärung des 18. Jahrhunderts, oft unerträglich elitär und gestrig Polit-Rituale und Verflechtungen, Salons und Staatsakte ins Pathetische zieht. Wer für vier Bände gut 100 Stunden Lese- und Lebenszeit aufgibt, um aus Mycrofts Sprach-Zumutungen herauszupuzzeln, wie Palmers Welt funktioniert (und wie viele Aspekte dürftig, trashig, undurchdacht oder reaktionär sind), lernt unterwegs viel über Weltenbau und Erkenntniswege, Sprachfluss und erzählerische Zumutungen. Palmer, geboren 1981, studierte in Harvard und weiß als Professorin für Geschichte, wie viele Faktoren, Normen, Zufälle und Umwege man kennen muss, um zu begreifen, wie eine Epoche begann und endet. „Dem Blitz zu nah“ ist eine Einladung, politische Kartenhäuser verstehen zu lernen – aus einem Text heraus, der große Widerstände leistet, verständlich zu wirken.

So bleischwer sich das liest: Die Einladung wurde breit angenommen, weil „Terra Ingota“ oft als feministisch gedeutet wird und viele Orte, Oberflächen und Figuren in Buch 1 gemütlich wirken, weich, heimelig und als wären Palmer Vielfalt und Queerness wichtig. Via Flugtaxi pendeln Figuren zu Jobs auf anderen Kontinenten. Nur wenige arbeiten Vollzeit (freiwillig, als motivierte „Vocateure“). Seit den „Church Wars“ vor fast 300 Jahren ist Glaube Privatsache. Und niemand soll sich mehr in den Schubladen „Mann“ und „Frau“ eingeschränkt fühlen: Fast alle Welt benutzt für alle Figuren das neutrale „they“ als dritte Person Singular. Im Deutschen schafft das Neo-Pronomen „nin“ toll irritierende Szenen.

Man braucht oft 50, 100 Seiten, um Sätze zu verstehen wie „Nin sagt, einin Polyrecht sei oben: ein Maurernin.“ Jemand mit unbestimmtem Geschlecht sagt, im Stockwerk oben sei jemand anderes mit unbestimmtem Geschlecht: eine Person, die alle Rechtssysteme kennt und sich selbst vom Rechtssystem des Mason-Hives regieren lässt – ein Freimaurer-Imperium, das behauptet, schon seit dem alten Rom viele große Imperien zu lenken. Fast jeder Erwachsene lässt sich von einem dieser sieben Hives regieren. Greenpeace-Mitsubishi liebt Land (und Kimono-Kitsch), Europa liebt den Idealismus der EU (und Kulturerbe-Kitsch), Humanisten lieben Ambition (und Versailles-Kitsch, und Olympia), die Cousins lieben Mutter-Theresa-Kitsch, die Maurer Altes-Rom-Kitsch, und nur zwei Hives schauen nach vorn:

Am Brill-Institut in Ingolstadt soll das Gehirn digitalisiert und Menschlichkeit berechenbarer werden. Und auf dem Mond plant Utopia den nächsten Schritt Richtung Mars: eigenbrötlerische Science-Fiction-Fans, die mit der Erde schon fast abgeschlossen haben. Wer das bezaubernd findet, hat in Band 1 allerlei „Alle Figuren sind einsortiert wie in Hogwarts und sehen durch Anti-Aging-Mittel und geschlechtsneutrale Kleidung aus wie androgyne 17jährige in schicken Uniformen!“-Schauwerte; und wer das fadenscheinig und schief findet, wird durch Mycrofts wachsende Systemkritik ab Band 2 etwas versöhnt. Denn Mycroft glaubt, Herkunft, Geschlecht und Religion werden mächtiger, je mehr man sie tabuisiert.

Praktisch heißt das leider, dass Mycroft „als griechischer Mann“, der die Welt nach Spuren eines schöpferischen Gottes absucht, jede Figur, die herrscht, lenkt und entscheidet „Mann“ nennt und jede Figur, die sich kümmert, „sie“: Sniper, Promi und Sex-Symbol, wird von Mycroft ungefragt „es“ genannt. Während 2022 also immer mehr Leute vom Glück berichten, die für sie genau passenden Worte zu finden, hat Palmers Welt nur die Optionen „Ich habe keinen Grund, mein Geschlecht zu benennen“ und „Mycroft nennt mich irgendwie. Je nachdem, ob ich eher seinem Bild einer Frau oder eines Mannes ca. 1740 entspreche“.

Nach dem paradoxen, wirren, zauberischen Band 1 werden die Bücher konkreter. Das ist schlecht. Weil Palmer mit jedem Satz klarer zeigt, dass Tempel, Uniformen, Nonnen und Staatsherren für sie tausendmal mehr Kraft, Bestand, Faszination verdienen als die Idee, Herkunft, Religion und Geschlecht tatsächlich produktiv zu erweitern – statt totzuschweigen und ihren Mycroft davon schwärmen zu lassen, wie viel kraftvoller die Welt vor diesen Tabus war.

Und leider sind da noch – im Mittelpunkt, doch fade und nebensächlich erzählt: das Wunderkind und der Gott. Denn Mycroft beschützt einen 13jährigen, der alle Dinge aus dem Nichts erschaffen kann. Mycroft glaubt, weil so ein Kind existiert, muss auch Gott existieren. Und Mycroft bewundert einen Maurer-Spross, Jehovah Mason, der spricht und denkt wie ein Alien. Oder ein fremder Gott, Kollege unseres Schöpfers? An keiner Stelle hat Ada Palmer Lust, durchzudenken, was die Existenz solcher zwei Figuren für die politischen Systeme ihrer Welt bedeutet: Statt dass alle überlegen, wo sie in einem Kosmos stehen, in dem Götter und Wunder existieren, gehts zur Olympia-Eröffnung oder in einen Voltaire-Puff. Beide Wunder-Figuren bleiben Chiffren (und reden vor allem über die Ilias oder auf Latein). Dass ein Gott, Schöpfer hier wohl mitmischt, schluckt Mycroft lapidar wie eine Figur aus religiösen Trash-Bestsellern wie „Left Behind“.

„Terra Ignota“ ist wuchtig, ambitioniert, unverschämt idiosynkratisch. Palmer liebt ihre feingeistigen Figuren. Ihre frischeste Idee ist: In 400 Jahren gibt es schöne WGs. Doch immerhin: Wo sonst kriegt nin solche Sätze zu lesen?

.

.

…und, detaillierter:

Kein aktuelles Science-Fiction-Epos wagt literarisch mehr als Ada Palmers „Terra Ignota“

Ein Roman, der ausnahmslos jede Figur „Frau“ nennt – 500 Seiten im generischen Femininum: Ann Leckies militärischer Weltraum-Thriller „Die Maschinen“ (2013) erzählt aus Sicht einer Künstlichen Intelligenz, die nur noch Soldatinnen, Kapitäninnen, Herrscherinnen sieht, weil es für „Soldat“ kein eigenes Wort mehr gibt. Die Übersetzung stärkt das noch: Denn wo Leckie geschlechtsneutral „Soldier“ schreibt, lässt Bernhard Kempens „Soldatin“ schneller Bilder entstehen, die manchmal unerhört wirken, oft feministisch, immer subversiv.

Ada Palmers vier Bände lange Utopie „Terra Ignota“ geht einen Schritt weiter – und dann drei oder fünf zurück: Im Jahr 2454 gilt Geschlecht als überholt. Nur Mycroft Canner, Erzähler, Chronist und Strafgefangener, bricht die Sprachregelung: In einem Protokoll beschreibt er sieben Tage, in denen die Weltordnung nach fast 300 Jahren Wohlstand Risse zeigt. Bisher war alles utopisch-gut: Schon seit den ‚Church Wars‘ ist illegal, in Gruppen über Glauben zu sprechen. Es gibt keine tiefen Ländergrenzen mehr. Und alle Menschen werden geschlechtsneutral als „they“ beschrieben statt als „he“, „she“. (Doch warum will keine Figur aktuelle Neo-Pronomen wie „ser“ oder „xier“, die heute verstärkt u.a. trans und nichtbinäre Menschen oft nutzen?)

Einzig Erzähler Mycroft wählt einen frevelhaften, respektlosen Sonderweg: Das Sex-Symbol Sniper wirkt androgyn – also sagt Mycroft „it“, ohne Sniper zu fragen. Wer die Welt lenkt, kämpft und regiert, heißt bei Mycroft „er“. Eine hünenhafte Figur namens Gibraltar Chagatai hat Dreitagebart – doch kocht so gern und fürsorglich… Mycroft findet „Mama Bear“ für sie korrekt. Ein unzuverlässiger Erzähler, besessen von Geschlechts-Klischees, der jede Figur ungefragt sortiert und gewaltvoll gendert.

„Dem Blitz zu nah“, Claudia Kerns deutsche Übersetzung von Band 1, nutzt kein „they“ wie im Original, sondern das Neopronomen „nin“: Man braucht oft 50, 100 Seiten, um Sätze zu verstehen wie „Nin sagt, einin Polyrecht sei oben: ein Maurernin.“ Jemand mit unbestimmtem Geschlecht sagt, im Stockwerk oben sei jemand anderes mit unbestimmtem Geschlecht: eine Person, die alle Rechtssysteme kennt und sich selbst vom Rechtssystem des Mason-Hives regieren lässt – ein Freimaurer-Imperium, das behauptet, schon seit dem alten Rom viele große Imperien zu lenken.

Zu dicht und schwülstig? Zu viel, das sich erst unterwegs erklärt? Autorin Palmer, geboren 1981, studierte in Harvard und ist Geschichtsprofessorin in Chicago. Vieles an ihrer Zukunfts-Welt ist gestrig, betulich, bieder rückwärtsgewandt: Die Mason-Figuren, die auf Latein sprechen. Eine Polit-Elite, die Voltaires Zeit der Aufklärung liebt, Salons des 18. Jahrhundert, leeren Prunk, Uniformen und Geschlechterrollen wie aus kitschigen Ballsaal-und-Kampfroboter-Animes. Weil Herkunft, Geschlecht und Religion tabu sind, spricht Mycroft pausenlos darüber, wie er als griechischer Mann Göttern und Hybris trotzt und aus der Ilias die Gegenwart verstehen will. Mag die Autorin ihren Mycroft: Massenmörder und Schwafel-Snob? Mag Mycroft die Welt, die er so umständlich beschreibt? Hat diese Welt ein Recht, sich „fortschrittlich“ zu nennen – und sind wir in einem fortschrittlich erzählten Buch? All das verschiebt sich über 2500 Seiten lang in quälend trägem Tempo immer schiefer: Wen tötete Mycroft, und warum darf er seitdem pausenlos an den wichtigsten Besprechungen einer globalen Elite teilnehmen?

„Terra Ignota“ fragt, was Fortschritt und eine vielstimmige Gesellschaft ausmacht – und hat am Ende zwei, drei progressive Ideen, warmherzige Standpunkte und Thesen. Palmers Leidenschaft für Raumfahrt wird über-deutlich. Doch um das Ende zu erreichen, setzt man sich Textwüsten, Umwegen, Kitsch, lieblosen Lücken aus und wartet pausenlos mit den unwichtigsten, humorlosesten Figuren in bleiern erzählen Besprechungen und Staatsakten. Die einzigen drei großen Rollen, die Mycroft gern „sie“ nennt, sind misogyne Klischees (Hexe, Intrigantin, Stalkerin), während allerlei allergrößte Kaiser und Herren regieren wie vor Jahrhunderten. Weil Technik, Überwachung und ein paar Kameras Palmers Plot verhindern und auflösen würden, ist ihr Jahr 2454 voller gestriger Funk- und Logiklöcher. Eine Zukunft wie ein humanistisches Gymnasium mit Handy-Verbot.

Zwei Qualitäten machen „Terra Ignota“ trotzdem beispiellos: Im kalten Wasser antiquierter Sprache(n) eine Welt verstehen lernen, die mit jedem Satz weniger Sinn ergibt, wird zum literarischen Workout – drei Nummern spröder als bei Proust, „Ulysses“, „Unendlicher Spaß“. Nur wenige Bücher sind härter zu knacken! Und wer keine 2500 Seiten will, in denen Figuren, Systeme und Regelungen doch endlich problematisiert und durch-erklärt werden, kriegt gleich zu Anfang eine – unlogische und absurde, doch sehr gemütlich wirkende – Alltagswelt für Nerds: Weil Flugtaxi-Autos binnen Stunden die Welt umkreisen, pendeln fast alle täglich zu Jobs auf anderen Kontinenten. Statt in der Kleinfamilie leben Leute in (polyamor-queeren? Palmer sagt zu weng dazu) Wahlfamilien-Häusern. Fast jeder Erwachsene lässt sich von einem der sieben Hives regieren: Greenpeace-Mitsubishi liebt Land (und Kimono-Kitsch), Europa liebt den Idealismus der EU (und Weltkulturerbe-Kitsch), Humanisten lieben Ambition (und Olympia-Kitsch), die Cousins lieben Mutter-Theresa-Kitsch, die Maurer Altes-Rom-Kitsch, und nur zwei Hives schauen nach vorn:

Am Brill-Institut in Ingolstadt soll das Gehirn digitalisiert und Menschlichkeit berechenbarer werden. Und auf dem Mond plant Utopia den nächsten Schritt Richtung Mars: Eigenbrötlerische Science-Fiction-Fans, die mit der Erde schon fast abgeschlossen haben. Wer das bezaubernd findet, hat in Band 1 allerlei „Wie Hogwarts, nur queerer, und alle Figuren sehen aus wie androgyne 17jährige in schicken Uniformen!“-Schauwerte; und wer das fadenscheinig und schief findet, wird durch Mycrofts wachsende Systemkritik ab Band 2 etwas versöhnt. Nur sind da noch: das Wunderkind und der Gott. Denn Mycroft beschützt einen 13jährigen, der alle Dinge aus dem Nichts erschaffen kann – und glaubt, weil so ein Kind existiert, muss auch Gott existieren. Und Mycroft bewundert einen Maurer-Spross, Jehovah Mason, der spricht und denkt wie ein Alien. Oder ein fremder Gott, Kollege unseres Schöpfers?

An keiner Stelle hat Ada Palmer Lust, durchzudenken, was die Existenz solcher zwei Figuren für die politischen Kartenhäuser ihrer Welt bedeutet: Statt dass Figuren überlegen, wo sie in einem Kosmos stehen, in dem Götter und Wunder existieren, gehts zur Olympia-Eröffnung oder in einen Kostüm-Puff. Beide Wunder-Figuren bleiben Chiffren (und reden vor allem über die Ilias oder auf Latein). Dass ein Gott, Schöpfer hier wohl mitmischt, schluckt Mycroft lapidar wie eine Figur aus religiösen Trash-Bestsellern wie „Left Behind“:

„Terra Ignota“ stapelt alte, oft reaktionäre Bilder. Verklebt in leblos pseudo-poetischer, elitärer Sprache. Manchmal kommt eine Nonne. Manchmal Odysseus. Immer kommt die nächste Konferenz: heute mit dem Flugtaxi zum Vatikan. Wer sagt: „Der frischeste, schwungvollste Comic, den ich las, war Asterix auf Latein, in Klasse 9“ sagt auch: „Palmer macht progressive, feministische SciFi.“ Immerhin aber: Wer sonst zieht so idiosynkratisch-unverschämt sein Ding durch, literarisch? Wo sonst kriegt nin solche Sätze zu lesen?

.

Ada Palmer: „Dem Blitz zu nah: Eine Erzählung der Ereignisse aus dem Jahr 2454“

aus dem amerikanischen Englisch von Claudia Kern

Panini Verlag, Stuttgart 2022

672 Seiten. 19 Euro

viele Figuren sind of Colour, und beinah alle genderqueer – doch die Kostüme und Ästhetik, die Palmer oft feiert, erinnert mich an militaristische Historien-Space Opera-Animes wie „Macross“ oder „Legend of Galactic Heroes“

Shining Girls (Apple TV+, Staffel 1: Kritik)

.

Für Deutschlandfunk sah ich Staffel 1 von „Shining Girls“:

Gespräch mit mir im Link (Audio, 6 Minuten)

.

Krimi „Shining Girls“ auf Apple TV+

Gute Serien aus schlechten Büchern

Keine Serie braucht einen wasserdichten Plot oder perfekte Spannungsbögen. Keine Serie braucht ein Finale, das jede Frage letztgültig beantwortet: TV-Erfolge der 80er und 90er Jahre setzten auf klare Figuren und ein verlässliches Format. Doch schon in Serien wie „Twin Peaks“ entschied vor allem die Atmosphäre: Intensive Songs, vertraute Farben oder ein markanter Handlungsort versprechen eine eigene Stimmungs- und Gefühlswelt, in die man möglichst tief tauchen darf. Wer „Breaking Bad“ oder „Game of Thrones“, wer „Gilmore Girls“ oder „Grey’s Anatomy“ nicht mag, klagt selten über spezifische Rollen und Momente. Die Grundfarbe, der Grundtonfall und -rhythmus machen aus, wer sich im Publikum angesprochen fühlt – oder außen vor.

Der prachtvolle Krimiserie „Shining Girls“ auf Apple TV+ gehört zu einer ganzen Welle aufwändiger Apple-Produktionen, in denen Stimmung, Farbe, Atmosphäre mehr zählen als der Plot: Toll sieht das aus! Chicago 1992, die Redaktion der Tageszeitung Sun-Times, kurz bevor das Internet alles erleichtert und neu verkompliziert. Archive und Zettelkästen, Schulterpolster und Tonbänder. Kirby (Elisabeth Moss) stand vor ihrem Durchbruch als Journalistin, als sie beim Gassigehen von einem Fremden überfallen und aufgeschlitzt wurde. Als eine Krankenpflegerin tot aufgefunden wird mit ähnlichen Schnitten, riskiert Kirby den faden Job im Zeitungsarchiv und überredet den Journalisten und Alkoholiker Dan Velasquez (Wagner Moura), zu ermitteln: Ist Kirby das einzige überlebende Opfer eines Killers?

Viele Zufälle und Wendungen der achtteiligen Staffel 1 sind fadenscheinig. Doch jede Szene ist besser gespielt und markanter gefilmt als nötig, und jede Folge so originell verschachtelt, so abwechslungsreich und überraschend strukturiert, dass ein Schema-F-Mörder und eine recht konventionelle Krimi-Welt viel packender, hochwertiger wirken als auf dem Papier. Denn „Shining Girls“ erschien schon 2013 als Roman – ein erfolgreicher, doch arg wackelig und wurstig erzählter Fantasy-Thriller der südafrikanischen Autorin Lauren Beukes. Im Buch ist Kirby ein nassforsches Punk-Girl im „Ich bin anders als die anderen Mädchen“-Stil der 90er und verdient sich so Respekt und Liebe des väterlichen Dan. In langen Kapiteln werden starke Frauen vorgestellt, exemplarisch für die Stadtgeschichte Chicagos – nur, um dann aufgeschlitzt zu werden: ein monotoner und trostloser Erzählrhythmus. Die meisten Rezensionen zu Beukes‘ Buch sind voller Ideen, wie man Kirbys Wut, Trauma und Ermittlungen besser hätte erzählen können.

Toll also, dass Apple das neun Jahre später mit viel Budget, Sorgfalt, Talent und Stilwille versucht: einen Bestseller, der fast niemandem so recht gefiel, in eine möglichst intensive Bild- und Stimmungswelt umzubauen. Dafür werden viele der komplexesten Frauen aus Beukes Vorlage gestrichen: zum Beispiel eine trans Frau, die in den 40er Jahren auf dem Jahrmarkt auftritt, doch sich jeder Exotisierung verweigert, und ein feministisches Kollektiv, das in den 70er Jahren bei Schwangerschaftsabbrüchen hilft. Frauenmörder Harper ist in Buch und Serie (hier gespielt von Jamie Bell) die selbe Sorte Aufsteiger, Nach-unten-Treter und Opportunist, und welchen Schaden ein einziger kleiner, rücksichtsloser Mensch anrichtet und wie viel Zukunft er zerstört, zeigt „Shining Girls“ in jeder Szene: Frauen, die leuchten und strahlen, erlöschen.

Für seine Morde reist Harper durch die Zeit – er kann fast im gesamten 20. Jahrhundert jeden Tag so oft wiederholen, so frei vor- und zurückspringen, dass er Hilferufe und Wortwahl seiner Opfer gern auswendig lernt und meist perfekt vorhersagen kann. Wenn Harper Kirbys Gestern ändert, bemerkt das nur Kirby – die plötzlich eine neue Frisur hat oder ein anderes Haustier. Die Serie macht fast nichts aus diesem Zeitreise-Potenzial, weil die Figur Harper selbst fast nichts aus dem Potenzial „Zeitreise“ holt außer, das Potenzial von Frauen zu zerstören. Ein, zwei Requisiten (zum Beispiel blaue Nike-Schuhe im 19. Jahrhundert) liefern eine Basis für eine mögliche Staffel 2. Dort müsste deutlich klüger besprochen werden, wie man via Zeitreisen Hitler tötet oder generell so viele Leben wie möglich rettet (statt wehrlose Frauen auswendig zu lernen und ihre Fluchtwege vorherzusagen). Weder im Buch noch in der Serie ist dieser Zeitreise-Aspekt besonders stimmig. Aber in der Serie zumindest stimmungsvoll – weil Kirby sich selbst und ihrem Alltag seit dem Angriff nicht mehr traut. Ein griffige Metapher für Trauma, Selbstwirksamkeit und verletzte Autonomie.

Falls Hollywood bald noch viel mehr auf Verfilmungen und Adaptionen setzt und falls eine 8-Folgen-Serie zum Standardmodell wird, um schlechte Bücher durch Schauwerte und Sorgfalt zu besseren Serien zu machen, bleibt ein immer größeres Problem: Die Serie beginnt, als Kirby in der Kindheit vom erwachsenen Harper besucht, verstört und beschenkt wird. Sie erhält ein Holzpferd, das in vielen Szenen auf allen möglichen Zeitebenen bedeutungsschwanger herumsteht. Am Ende bedeutet das Pferd fast nichts: Es ist nur da, weil Kirby in Kapitel 1 von Beukes Roman ein „My Little Pony“-Plastikpony erhält – im Jahr 1976. „Die Ponys kamen erst 1983 auf den Markt“ wissen pony-affine Zeitreise-Roman-Fans und die Frage, ob das für Beukes und Kirby später im Buch relevant wird, macht die Lektüre etwas spannender. Doch eine Serie ist weniger denn je ein Kunstwerk, in dem jedes Element seinen Platz und Sinn hat: Das Pferd ist da, weil es anderswo ein Pony gab – das ganz anders benutzt und erzählt wurde. Zur Atmosphäre der hochwertigen, schicken Serie passt dunkles Holz viel besser als Neon-Plastik. Und Atmosphäre entscheidet hier alles. Nicht stimmig. Aber stimmungsvoll!

Shining Girls

drei Episoden ab 29. April 2022 auf Apple TV+

danach fünf weitere Episoden wöchentlich freitags

.

.

Krimis wollen oft bodenständig sein: nah an der Realität – und nah an den Milieus und Orten, an denen sie spielen.

Apple TV+ zeigt ab 29. April eine neue Krimi-Serie über Chicago vom ersten Weltkrieg bis Anfang der 90er Jahre: „Shining Girls“.

Es geht um Stalking – und um Kirby: eine Frau, so verängstigt, dass sie sagt: Sie weiß nicht mehr, was real ist. Ihr Stalker, sagt sie, ist einfach überall.

Die ganze Serie wird getragen von Elisabeth Moss – die Schauspielerin, die sich bei „Mad Men“ im Büro durchbeißen musste, weil alle so sexistisch sind. Dann klärte sie als Ermittlerin Frauenmorde auf in „Top of the Lake“. Seit fünf Jahren spielt sie in „The Handmaids Tale“: Auch da geht es um sexualisierte Gewalt und um Frauen, die Widerstand leisten.

„Shining Girls“ ist jetzt genau das – eine weitere Paraderolle für Moss, doch für ein breites Krimi-Publikum. Moss zeigt uns, was Frauen erdulden müssen; dieses Mal als Archivarin bei einer Zeitung, 1992. Kirby muss sehr auf sich aufpassen – denn überall scheint dieser Mann zu sein, der alles sieht. Vor Jahren hat er sie beim Gassi-Gehen gepackt und aufgeschlitzt. Sie hat das überlebt, doch sein Gesicht nicht gesehen. Und sie hat keine Kraft, um als Journalistin zu arbeiten. „Shining Girls“ zeigt – toll gespielt, toll geschrieben, sehr atmosphärisch gefilmt – wie Trauma hemmt und verunsichert und, wie Kirby Jahre später neu ermittelt gegen den anonymen Stalker.

Was sind denn „Shining Girls“? Ist Kirby so ein „Girl“?

„Shining Girls“ sind Frauen voller Potenzial, die im Leben strahlen. Es gibt eine Roman-Vorlage, schon von 2013: die Autorin Lauren Beukes kommt aus Südafrika, doch recherchierte tolle Frauen, typisch für die Stadtgeschichte von Chicago. Und ihr Buch zeigt dann ca. sieben solcher Frauenrollen von den 20er Jahren bis in die 90er – zum Beispiel eine trans Frau in den 40ern, oder ein feministisches Kollektiv in den 70ern, das anonym bei Schwangerschaftsabbrüchen hilft. die Frauen werden im Buch kurz beschrieben – und dann alle abgemurkst, von einem armseligen Mann der sagt „Ihr überstrahlt mich nicht!“.

Das ist ein trostloser und monotoner Roman, immer die erstbesten Ideen, erstbesten Sätze – wie Stephen King, wenn er mal wieder gar keinen Bock hat. Und Kirby in diesem Buch ist ganz frech und zynisch, ihr Altmänner-Chef verliebt sich in sie, weil: Die flucht und ist ein Punk und lässt sich nicht ins Bockshorn jagen.

Die Serie macht das besser?

Kirby und ihr Trauma sind um Welten besser erzählt in der Serie! Viele der interessanten Frauen und Epochen aus dem schlechten Roman lässt die Serie auch ganz weg. Doch diese Verfilmung ist SO intensiv – und liebevoll gemacht: „Shining Girls“ ist eine echte Mainstream-Empfehlung, weil man acht lange Folgen auf die Mechanismen von Trauma und Gewalt gestoßen wird… aber für das Publikum, das Mainstream-Krimis mag wie „Cold Case“ oder „Frequency“.

Denn der Killer kann durch die Zeit reisen und er benutzt das, um viele Tage zu wiederholen und seine Opfer, ihre Reaktionen einzustudieren. Das klingt jetzt wild verkopft – doch wir sehen keine komplexe, gut erklärte, wasserdichte Zeitreise. Sondern wir erleben mit Kirby einen ganz heutigen Frauenhass.

.

.

Aber der Frauenmörder sah den ersten Weltkrieg: Warum ist sein Frauenhass „aktuell“?

Es gibt bei „Star Trek“ einen Zeit-Kristall. Damit kann Hochstapler und Mörder Harry Mudd zurückspulen, immer von vorn: Harry will die U.S.S. Discovery stehlen, und die v.a. Frauen, die versuchen, ihn zu stoppen, sehen, wie er genervt und gelangweilt tötet und sagt „Boah, das sagt die Alte jedes Mal“ oder „So ist die Frau immer“ – bei jedem Durchgang.

So erlebe ich viele Videospiele: Ich bin der Spieler in einer Welt, ich spule zurück, ich sehe die Frauen in ihren Durchläufen, ich kann sie töten und ich kann alles an ihnen ausprobieren. Das ist EIN Weltbild aus Games – vor dem ich Angst habe. Es ist auch ein Weltbild für Leute, die sagen: „Wer schwächer ist, den schiebe ich hin und her.“ Kirby in der Serie merkt das: Ein Mann verändert ihre Zeitlinie. Er weiß fast immer, was sie gleich tut. In fast jeder Szene schiebt etwas Leute hin und her.

Elisabeth Moss führte bei zwei Folgen auch Regie. Es gibt nur Regisseurinnen…

Und ich würde so gern sagen „Man merkt es: Es ist nicht der übliche Hetero-Voyeurs-Blick, der Male Gaze auf schöne tote Frauen.“ Doch die Serie hat keinen schlau-feministischen Blick und nichts Superneues zu sagen. Es bleibt konventionell.

Doch jede Szene packt mich. Das Zeitreise-System ergibt null Sinn – ist aber so interessant, dass ich mir unbedingt Staffel 2 wünsche. Alle spielen toll. Die Ausstattung, die Kamera, die Lichtstimmung: das ist die dritte Serie von Apple dieses Jahr, von der ich sage: „So toll ist das Konzept nicht – aber die Sorgfalt, das Herzblut, der detailverliebte Aufwand?“

Wir haben hier: schlampig erzählte Zeitreisen und die Versatzstücke eines 08/15-Thrillers. Doch wo ich beim Roman denke „Bäh – wie naheliegend. Was für ein flacher Dialog. Was für ein einfallsloses Requisit“ denke ich bei Apple-Serien gerade „Das Requist, der Dialog ist doppelt so gut wie nötig.“

Und das ist sehenswert: wie aus Romanen, die man sich sparen kann, eine intensive Serie wird – nur, weil Geld da ist und alle deutlich mehr investieren und nachdenken und schönere Bilder finden als nötig. „Shining Girls“ ist wie ein Werbespot für die Kunstform: kurze, gute Serie.

.

Elisabeth Moss ist bei Scientology und wirbt dafür, dass wir die Scientology-Sekte als Religion akzeptieren. Ich wünsche so einem Appell so wenig Gehör und Einfluss wie möglich.

.

„The Dropout“ und „WeCrashed“: Kritik

The Dropout — “I’m in a Hurry” – Episode 101 — Elizabeth Holmes, an optimistic and determined young woman, drops out of Stanford to found a promising new blood testing startup. Elizabeth Holmes (Amanda Seyfried), shown. (Photo by: Beth Dubber/Hulu)

.

am 18. März 2022 sprach ich bei Deutschlandfunk Kultur über zwei neue Serien über Unternehmen, Gier und Hype:

Gespräch mit mir (Link: Audio, 6 Minuten)

.

„WeCrashed“ und „The Dropout“
Wie Apple sich über Apple-Fans erhebt

.

Im Juni 2007 steht Elizabeth Holmes (23) für Stunden vor einem kalifornischen Apple-Store und wartet auf die Chance, Geld für ein erstes iPhone ausgeben zu dürfen. Menschenmassen sehen zu, wie erste Apple-Fans ins Geschäft und an die Kasse dürfen. Jemand mit Brille, der als erstes Einlass fand, stürzt auf die Straße, hält das Gerät zum Himmel, jauchzt und jubelt. Ein großer Moment. Alle klatschen. Think different!

In acht meist 50 Minuten langen Folgen erzählt „The Dropout“ (ab 20. April 2022 auch auf Deutsch bei Disney+) von Unternehmerin Elizabeth Holmes – im Januar 2022 wegen Betrugs verurteilt. Als Teenager hängt sie sich Steve Jobs als Poster übers Bett und sucht recht wahllos eine große Idee, um irgendwie die ganze Welt zu formen. Ein schickes Gerät in jedem Haus, das Blutbilder erstellt – mit einem einzigen Tropfen Blut? Und damit also die Chance, Krankheit viel früher zu erkennen – daheim, ohne größere Blutproben und Termine in Praxen?

„The Dropout“ ist keine Satire oder Comedy – auch wenn Schöpferin Elizabeth Meriwether, die vorher 146 Folgen der Comedy „New Girl“ verantwortete, oft schrullige, absurde Momente liebt. „The Dropout“ fragt, was Medien und Technologiekonzerne in den Nuller- und Zehnerjahren falsch machten. Wie Gier und Startups, PR und journalistische Texte über „Wunderkinder“, viel Hype und halbgare Geschäftsmodelle halfen, Figuren we Elizabeth Holmes groß zu machen – und, warum Holmes als Eigenmarke und „Girl Boss“ viel erfolgreicher funktioniert, sobald sie lernt, dauernd in einem schwarzen Rollkragenpulli aufzutreten. Genau wie Steve Jobs!

Die bisher fünf in den USA gesendeten Episoden sind bissig und pointiert: weil jede Szene auf größere Gesellschafts-Trends verweist und sich kritisch am jeweiligen Zeitgeist abarbeitet. Weil Hauptdarstellerin Amanda Seyfried als Stanford-Studienabbrecherin (Englisch: Dropout) mit 21 überzeugt – und Schritt für Schritt zur Hochstaplerin und Kriminellen Ende 30 wird, deren Firma (Theranos) sich nicht rechnet und deren Bluttest-Maschinen nie richtig funktionierten. Eine kurze Büro- und Machtmenschen-Serie, wie „Mad Men“ für die Gegenwart. Schade nur, dass Holmes‘ reale Geschichte zuvor schon bei Disneys ABC-Sendern journalistisch aufbereitet wurde. Danach als Podcast „The Dropout“. Und von der Konkurrenz HBO als Doku-Film „The Inventor“: eine Verwertungs- und vielleicht auch Verkitschungs-Kette, die einen realen Fall immer flotter und süffiger neu erzählen will.

Seit 18. März läuft auf Apple TV+ eine zweite Serie nach dieser Formel: Auch „WeCrashed“ war zuerst ein Podcast. Auch hier scheitert ein junges Unternehmen (Adam Neumanns weltweite Coworking-Bürokette  WeWork) an Gier, unternehmerischer Hybris und der (falschen oder leider wohl waren?) Idee, dass schlechte Löhne, große Versprechen, schöne Büros, tausend strikte Design-Regeln und despotische „Visionen“ eine Firma besonders begehrlich erscheinen lassen. Bereits die Doku „WeWork“ (Disney, 2021) erzählte nach, wie ein grenzenlos selbstbewusster Adam Neumann und seine etwas esoterische Frau Rebekah vom Aufsichtsrat gefeuert werden – doch erst die Apple-Serie hat schönste Aufnahmen, eine strikt designte Bildsprache und zwei oscarprämierte Stars.

Anne Hathaway kriegt viel Raum, zu blinzeln, zu schaudern, sich auf die Lippe zu beißen und ein komplexes Innenleben anzudeuten – doch ihre plakative Figur Rebekah redet nur Quatsch. Jared Leto kriegt unendlich viel mehr Raum noch, mit aufgesetztem israelischen Akzent und voller Großmann-Gesten eine Mischung aus Vertreter und Möchtegern-Rockstar zu spielen, die kein „Nein“ je gelten lässt, nichts lernt, keine Entwicklung durchmacht und wie eine boshafte, toxische, vielleicht auch antisemitische Karikatur des realen Adam Neumann wirkt: ein junger Emigrant, der allen anderen Figuren alles wegnehmen will, ein gieriges und rücksichtsloses Schreckgespenst.

Beide Serien, das schmissige „The Dropout“ und das viel quälendere, bleierne „WeCrashed“, liefern den Look, die Floskeln, die Milieus und die Themen, die Apple-Fans lieben. Doch solche Hochglanz-Unternehmenskulturen als Mogelpackung zu entlarven, das wird selbst rasch zur erzählerischen Mogelpackung: „Viele Unternehmen sind mehr Schein als Sein“, diese Binse trägt keine achtstündige Serie. Erst wenn (wie in „The Dropout“) auch die vielen Opfer und Profitierenden Raum kriegen und – genau hier sind Dokus und Journalismus oft besser als Dialoge und Drama-Szenen – gezeigt wird, warum wer wann was wusste, doch entschied, das Kartenhaus zu stützen statt es einstürzen zu lassen, können solche Serien mehr aussagen als: „Achtung. Vieles, das so tut, als wäre es das nächste Apple, hat nur Gejubel und Design und Fans. Doch keine Substanz!“

„WeCrashed“: 8 Folgen, ab 18. März 2022 wöchentlich auf Apple TV+

„The Dropout“: 8 Folgen, ab 20. April 2022 auf Disney+

.

.

„WeCrashed“ ist eine erzählende, gescriptete Serie – will aber authentisch zeigen, was in einem realen Start-Up-Unternehmen schief lief: mit echten Namen?

Ja. Das ist das Ende einer journalistischen Verwertungskette. Die reale Vorgeschichte hier ist: Zuerst braucht eine Firma Investor*innen und Kapital, also gibt es Artikel: „Adam Neumann, das Wunderkind, das in ganz New York Büroflächen anmietet – für die Gemeinschaftsbüros der Coworking-Kette WeWork.“ dann gab es viel Journalismus über Neumanns Skandale und Gerichtsprozesse. Dann kam ein Podcast, der das alles nochmal nacherzählt – „WeCrashed“, den Podcast gibt es auch auf Deutsch. Und jetzt wird also die… journalistische Arbeit des Podcasts zu einer teuren Hochglanz-Serie mit Hollywood-Stars.

Filme in diesem Stil gibt es ja oft über Adlige, Sportler*innen, Promis oder über Verbrechen. doch eine ganze Serie über ein inkompetentes Unternehmer-Ehepaar…

Ich finde das übergriffig. Weil: das Milieu ist ist erstmal toll. So viele Leute schuften in Agenturen, in Startups, in Ausbeutungsverhältnissen: Die Firma, auf die du setzt, ist noch jung. Die Geschäftsidee klingt wild. Die Banken sind skeptisch. Viele warten, dass das Kartenhaus einstürzt. Doch du bleibst im Büro und hoffst auf den Börsengang – denn DANN hat es sich vielleicht gelohnt. Ausbeutung, Gier, Selbstvermarktung…. im seelischen Alltag von Angestellten. Nur: Davon handelt „WeCrashed“ nicht genug: es geht fast nur um das Liebespaar an der Spitze.

Adam Neumann und seine Frau Rebekah. der Untertitel ist: „Eine Liebesgeschichte, 47 Milliarden Dollar wert.“ Was steckt in dieser Liebesgeschichte, dass sie so im Fokus steht?

Jared Leto und Anne Hathaway gewannen Oscars – und die Kamera gibt ihnen viel Raum, zu zeigen, was sie können. Ich schaue also 2 Stunden auf jedes Blinzeln von Anne Hathaway und denke: „Hathaway tut gewichtig – doch ist diese Rolle echt SO platt? Glaubt Rebekah den Esoterik-Quatsch, den sie redet, selbst?“ und ich schaue 4 Stunden lang Jared Leto zu, wie er kein „Nein“ gelten lässt, immer die selben Sprüche schreit, immer BEINAHE auf die Nase fällt… und das mit einem israelischen Akzent – eine Holzhammer-Darstellung, bei der mich nicht wundert, falls Leute sagen ’nein, das ist rassistisch‘ oder: antisemitisch.

Jared Leto ist über 50, hat eine halb so alte Freundin, es gibt eh so viele Leute, die Leto nicht mögen; und jetzt spielt er diesen penetranten Gernegroß ohne jeden Charme. nur: online gibts Videos mit dem realen Adam Neumann, und der mag scheußlich sein als Chef und als Mensch – doch er hat viel mehr Humor, Charme, klingt viel nachdenklicher. und dann kommt Apple und sagt: hey Jared Leto – spiel mal diesen Mann, als Karikatur, in unserer süffisanten Serie. mich stößt das ab.

Es gibt eine zweite aktuelle Serie, die als Alternative…

ja – genau das selbe Konzept, doch über die Firma Theranos… und insgesamt frischer, witziger, besser: Ende April startet „The Dropout“ auf Deutsch auf Disney+ – auch acht Folgen, auch nach einem Podcast, ich sah die ersten 5 und lerne da zehnmal mehr:

es geht um Elizabeth Holmes, die 2003 eine Firma für Bluttests gründete. ganz intensiv und gewitzt gespielt von Amanda Seyfried: Adam Neumann von WeWork wird uns als toxischer Schwätzer erzählt. Elizabeth Holmes hat viel mehr kriminelle Energie: das Testgerät gab falsche Ergebnisse aus, kranke Menschen kriegten falsche Blutbilder, sie wusste das: eine Hochstaplerin, die diesem Ideal des „Girl Boss“ entsprechen wollte. die Serie „The Dropout“ hat viel weniger Hochglanz, doch will deutlich mehr zeigen und erklären, kontextualisieren: über Systeme, über Gier…

Apples „WeCrashed“ kann man sich sparen, Disneys „The Dropout“ macht Spaß?

selbst bei „The Dropout“ denke ich: eine Serie im „Mad Men“-Stil ist einfach kein so gutes Format, um einen Skandal zu erklären… dessen Welt und Figuren wir ja eh schon sehen und kennen durch viele PR und Journalismus. 8 Folgen lang sehen, wie die WeCrashed-Eheleute immer das selbe tun und viel zu lang damit durchkommen, weil alle viel in sie investiert haben… hat sich für mich sinnlos angefühlt. US-Fans sagen, das sind „Schadenfreude-Shows“, doch ich empfinde da nichts.

Auch Amanda Seyfried in „The Dropout“ hat dauernd Fremdschäm-Momente. doch es sind immerhin dauernd andere, neue, denn das ist eine flexiblere Figur. manchmal tut sie das Richtige. doch es ist eben auch: eine reale verurteilte Kriminelle… deren Leben jetzt IRGENDWIE und UNGEFÄHR auf Pointe getrimmt nacherzählt wird, von der Macherin der Comedy-Serie „New Girl“. von allen Menschen auf der Welt, über deren Entscheidungen man 8 Stunden fabuliertes TV-Drama machen könnte sind das für mich: ziemlich die letzten.

.

Beth Dubber/Hulu

Queer Eye Germany: Staffel 1, Kritik

Auf Deutschlandfunk durfte ich Staffel 1 von „Queer Eye Germany“ vorstellen.

Gespräch mit mir: Link (Audio, 6 Minuten)

.

Lebenshilfe bei „Queer Eye Germany“:

Zu fröhlich für Deutschland

Ein US-Erfolgsrezept, eins zu eins nach Deutschland kopiert und in Hagen, Kiel und an der Nordsee neu und lokal nachgespielt: „Queer Eye Germany“ startet mit fünf Folgen auf Netflix und kann in 190 Ländern gesehen werden. Passt das Format nach Deutschland? Und ist diese deutsche Variante für internationale Fans von Wellness, Selbsthilfe und Life-Coaching spannend?

Die Ur-Version von „Queer Eye“ lief 2003 bis 2007 im US-Spartensender Bravo, der seit 1980 Kunst- und Kulturformate zeigte, doch durch den „Queer Eye“-Erfolg zur Marke für schwule Männer und eitles, bissiges Reality-TV wie „Real Housewives“ wurde. Bis 2005 hieß das Format „Queer Eye for the Straight Guy“ und zeigte fünf queere Experten als sarkastische, gepflegte und kultivierte Elite-Helferlein, die überforderten Hetero-Männern Stil-Tipps gaben und gern auch Schmutz im Badezimmer oder Spermaflecken im Bettlaken kommentierten. Ein wegweisendes, doch gestriges und stereotypes Format.

Seit 2018 will eine erfolgreiche Neuauflage auf Netflix viel softer und herziger erzählen: In bisher 52 Folgen sollen Stilfragen um Deko, Mode und Kosmetik immer auch als maximal entscheidend fürs innere Wohl verstanden werden. Ein Haarschnitt ist Selbstverwirklichung. Triste Tapeten bedrücken das ganze Leben. Wer zweifelt, dem Alltag gewachsen zu sein, schuldet sich selbst auch ordentliche Schuhe und eine Handtasche! Verstörend wird „Queer Eye“, weil Trauma, Leid und Tränen komplett überforderter Alltags-„Heroes“ oft fast hämisch gekontert und attackiert werden – von fünf jubelnden, strahlenden, theatral-ironisch selbstbewussten Lifestyle-Stars, aggressiv fröhlich, aggressiv gerührt, aggressiv wertschätzend, aggressiv (Klischee-)amerikanisch.

Und das jetzt nochmal auf Deutsch nach-gestrickt, mit deutschen Coaches, doch im selben US-Ton? Tatsächlich funktioniert fast alles an der deutschen Variante: Erzähltempo, Bilder, Humor und ehrlich rührende Lektionen und Selbsterkenntnisse heben „Queer Eye Germany“ weit über „Frauentausch“ oder „Shopping Queen“. Besonders David Jakobs (Haar und Beauty) und Leni Bolt (Life Coaching), die beiden nicht-binären Expert*innen im Fünfer-Team, haben Charisma und viel zu sagen. Folge 1, über den nervösen Friedhofsangestellten und alleinerziehenden Vater Björn, ist so nervös wie Björn selbst: Helfen fünf demonstrativ extrovertierte Stimmen, ihre dauernden „Group Hugs“, ihr Jubeln und Anfeuern, das oft völlig übertriebene Cheerleading, Gerührtsein, Zugewandtheit einem schüchternen Mann, der vor Kameras gern immer leiser, kleiner wird?

Bäcker Nils (22) wohnt noch bei den Eltern und ist Fußball-Jugendtrainer: Soll er ausziehen und sich als schwul outen, auch im Verein? Marleen (18) verlor Eltern und alle Geschwister durch einen seltenen Gen-Defekt. Sie hat ein Spenderherz und in vielen Wortwechseln sichtbar mehr Wissen und Erfahrung als die fünf Coaches, die sie u.a. ermutigen, Makeup zu nutzen ohne Angst, automatisch „girly“ zu wirken. Viele Alltagstipps sind kurzweilig und haben Mehrwert: Ayan Yuruk renoviert und will ein Vorbild für queere Menschen of Color sein. Aljosha Muttardi ist Arzt und Experte für vegane Ernährung. „Fünf queere Personen, die so, wie sie sich hier kleiden und geben, auf deutschen Straßen jederzeit mit Hass und Gewalt rechnen müssen, verbreiten Wohlwollen statt Bitterkeit“, lobt Peter Weissenburger in der taz. Hilfe, Tiefgang, Expertise, konkrete Tipps sind alle immer grade: gut genug. Alles könnte deutlich tiefer sein. Doch „Queer Eye Germany“ als „oberflächlich“ anzugreifen, wäre hämisch: Fast alles passt.

Nur eins passt überhaupt nicht: Die Munterkeit und lautstarke Lebensfreude, das quirlige, tausendmal strahlendere Mitfühlen, Mitfreuen, Mitleiden, Mitfiebern fünf deutschsprachiger Leute, die tun, als sei das ihr persönliches, alltägliches Naturell – und nicht ein Gestus, der US-Ausgabe nachgepaust. Wir fahren Auto, wir erkunden fremde Wohnungen, wir tanzen und jubeln in kurzen Einspielern, wir sitzen in „unserem“ Loft und feiern jede Video-Botschaft und jeden Fortschritt „unserer“ Schützlinge: In jeder Gruppenszene der „Fab Five“ müht sich besonders Jan-Henrik Scheper-Stuke, der dandyhafte Mode-Experte, einen gelösten und euphorischen Ton zu treffen… der schon im US-Vorbild oft nicht authentisch wirkte, sondern verbissen, verzweifelt und wie eine Performance im Kapitalismus. Als sei die Kamera eine Waffe, die droht: „Für Netflix reichen nur die freudigsten, eifrigsten queeren Menschen!“

Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, sitzt im Netflix-Vorstand. Der Comedian Dave Chappelle dreht immer wieder Comedy-Specials für Netflix, in denen er klagt, dass trans Menschen und übertriebenes Pochen auf queere Sichtbarkeit der Comedy und der freien Gesellschaft schaden. Nach einem großen Chappelle-Special im Oktober 2021 fühlten sich queere Netflx-Angestellte vom Unternehmen und der Unternehmenskultur so allein gelassen, dass sie streikten. Einige der wichtigsten queeren Stimmen kündigten. Im Februar 2022 versprach Netflix vier weitere große Chappelle-Auftritte. Auch darum wäre ein deutsches Netflix-Format, in dem queere Expert*innen zeigen, wie man sich gegen Hass und Gewalt wehrt, überfällig. Queere Wut ist keine „Bitterkeit“. Queere Wut braucht viel mehr Platz – auch in Wohlfühl-Formaten einer Plattform, die aktuell kein Vertrauen queerer Menschen verdient.

Queer Eye Germany. Staffel 1: fünf Episoden, je ca. 50 Minuten.

ab 9. März 2022 auf Netflix

.

.

Lässt sich das Format gut von USA nach Deutschland übertragen und funktioniert es ähnlich?

ja – der deutsche Trailer sah noch ein wenig… billig aus und graustichig. doch die fünf Folgen haben den selben Look, das Tempo, den Tonfall wie das US-Vorbild. das Vorbild ist beliebt, weil es so fröhlich ist, mitreißend, weil es SO viele rührende Momente gibt statt der gehässigen Reality-TV-Stimmung von z.B. „Frauentausch“. „Queer Eye“ gab es auch 2003 bis 2007 schon mal in den USA – da war es oberflächlicher. doch 2018 hatte Netflix eben Riesen-Erfolg, indem gezeigt wurde: Schau mal, wie sich diese fünf queeren Expert*innen wertschätzen und feiern und mögen. DU selber darfst dich auch mögen. und: wir ALLE sollten bitte queere Leute mögen – die sind nämlich gutgelaunt und frech angezogen. Das deutsche Team sagt: „Wir bringen Farbe ins Leben. Wie der Regenbogen!“

Die Kandidat*innen sind „Heroes“. 2003 waren es allerdings nur männliche.  Wird der Regenbogen in den Alltag inzwischen diverser überbracht?

die beste US-Folge, die ich sah, zeigt zwei schwarze Schwestern mit nem Barbecue-Imbiss… und als Deutscher lernte ich da viel über Alltagskultur und soziale Unsicherheiten in den USA. DIESES Fremde fehlt in der deutschen Variante etwas: es geht um einen Friedhofsgärtner und alleinerziehenden Vater, der immer kichert und sich wenig zutraut. oder um nen schwulen Fußball-Jugendtrainer, der sich outen will und bei den Eltern ausziehen mit 22. Die Folge „Ein Tag am Meer“ fand ich bisher am besten: da geht es um Marleen, deren ganze Familie an einem Gendefekt gestorben. Marleen ist 18… und… ich hätte eigentlich lieber IHR zugehört, wie sie über Trauma und über Loslassen spricht. als zu hören, wie Marleen erklärt kriegt, welches Makeup zu ihr passt.

Schafft es die deutsche Queer Eye-Version denn, würdig damit umuzugehen?

so halb: mindestens eine Person ist in Therapie und einfach: klinisch depressiv. es ist ein wertschätzendes und schwungvolles Wohlfühl-Format, das ECHT mitreißt. es sieht hochwertig aus, und ich fand es nie oberflächlich. das Fünfer-Team überzeugt mich: David und Leni sind nichtbinär und am charismatischsten. aber bei Jan-Henrik, das ist der Mode-Schnösel, schaudere ich noch ein wenig: der wirkt wie so ein Dandy vor 10 Jahren und… in meinem Bekanntenkreis ruft DIESE queere Rolle, diese Dandy-Selbstinszenierung oft plötzlich die kältesten, unsolidarischsten Dinge. so: der schwule, rechte Gentleman. aber so ne Figur zu sehen, wie sie jetzt dauernd mit den anderen jubelt, aufs Bett hüpft, alle umarmen sich, finden ALLES toll, sehen IMMER Hoffnung und eine Lösung… das wirkt noch EINS ZU EINS aus dem Amerikanischen nach-gespielt und rüber-kopiert, das ist noch SO eine Performance: einem Jan-Henrik glaube ich diese Herzlichkeit noch nicht. und es ist halt auch noch keine spürbar sichtbar *queere* Sendung. 

Was absurd klingt. Haben wir nicht die ganze Zeit über queere Expert*innen gesprochen?

ich finde, NOCH sind das aus Amerika rüber-kopierte,starre und eher unpersönliche Figuren oder Rollen. so: kindlich, happy, harmlose Jubelnde. In Filmen waren Schwarze Figuren oft so: hilfreiche Randfiguren, manchmal können die zaubern, und sie zaubern das Leben der Hauptfiguren schöner. Queerness hat für mich aber VIEL mehr mit Widerstand zu tun, mit Neinsagen, Weggehen, mit Sich-Entziehen, Protest, mit Normen sprengen, auch schmerzhafte Alternativen sichtbar machen, STÖRENDE, radikale, neue Ideen. aber eine Sendung, in der die queeren Leute kaum was von SICH erzählen, und immer ausstrahlen: Es geht bergauf, wir schaffen das – da ist die Aussage über alle Leute, die es eben NICHT schaffen in der Gesellschaft halt oft: Tja, die haben sich eben nicht genug Mühe gegeben und sich nicht zu helfen gewusst.

Das heißt: Das Format ist viel unpolitischer, als es sein sollte?

die Lektion hier ist meist sowas wie: Iss gesünder und geh zum Friseur, das schuldest du dir selbst. doch wenn ich das stundenlang höre, denke ich zu sehr: „tja. ich bin auch selbst Schuld, wenn mich was überfordert: ich sollte erstmal zum Friseur, bevor ich wütend sein darf über Systeme und Verhältnisse.“ die „Lösung“ bei „Queer Eye“ klingt zu oft wie „Du kochst jetzt erstmal ordentlich, du pflegst dich, und wenn diese Self-Care ordnungsgemäß abgearbeitet ist, DANN darfst du wütend sein über Hass oder Queerfeindlichkeit.“ bei charismatischen queeren Leuten wie Leni oder David aber will ich Davids Ängste hören und Lenis KÄMPFE  – die Haarpflege-Tipps von David, da denke ich: „Wieso darf David nur in DIESER Rolle groß auf Netflix?“ warum geht dem Mainstream das Herz auf, wenn die queeren Leute tanzen, lachen, helfen und jubeln? ich will, dass queere Menschen sich WEHREN.

weil: ICH will besser lernen, wie man sich wehrt. nicht, wie man sich eincremt.

.

„Marleen ist ein hübsches Mädchen mit einer top Figur, einer tollen Personality und ist ein ganz starker Mensch. und das, das kann sie auch zeigen.“ – Jan-Henrik (uff!)