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2020/2021: LIEBLINGSSONGS / PERSÖNLICHER SOUNDTRACK (JAHR 24)

I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 24‘, October 2020 to October 2021.

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  • Ada Victoria – Nice Folks
  • Matt Berninger – One more Second
  • Mother Mother – Ghosting
  • Jensen McRae – Immune
  • Kristofer Aström – Another Love
  • Sunny War – Violent
  • William Fitzsimmons – Second Hand Smoke
  • Amy Speace – There used to be Horses here
  • Declan McKenna – In Blue
  • Leanne Betasamosake Simpson – Viscosity
  • Guru Randhawa – Aise na Chhodo
  • Minar Rhaman – Keno Dishehara
  • Umer Farooq & Moosa Saleem – Aaj Kal
  • Amandeep Singh – Uud Ja Kaale Kanwan (Unplugged Cover)
  • Borno Chakroborty – Bhalobasha Bhalobasha
  • Death Cab for Cutie – Flirted with you all my Life
  • Dar Williams – Little Town
  • Howie Day – Ghost (Live in Boston)
  • Greg Laswell – Royal Empress
  • Antje Duvekot – Anna

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Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

Ada Victoria – Nice Folks

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Matt Berninger – One more Second

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Mother Mother – Ghosting

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Jensen McRae – Immune

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Kristofer Aström – Another Love

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Sunny War – Violent

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William Fitzsimmons – Second Hand Smoke

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Amy Speace – There used to be horses here

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Declan McKenna – In Blue

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Leanne Betasamosake Simpson – Viscosity

https://www.youtube.com/watch?v=0nI-m2Fl_s4

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Guru Randhawa – Aise na Chhodo

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Minar Rhaman – Keno Dishehara

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Umer Farooq & Moosa Saleem – Aaj Kal

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Amandeep Singh – Uud Ja Kaale Kanwan (Unplugged Cover)

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Borno Chakroborty – Bhalobasha Bhalobasha

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Death Cab for Cutie – Flirted with you all my Life

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Dar Williams – Little Town

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Howie Day – Ghost

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Greg Laswell – Royal Empress

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Antje Duvekot – Anna

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related Links:

Sitcom „The Drag and Us“, ZDFneo

ZDF / Walter Wehner

Am 31. August durfte ich bei Deutschlandfunk Kultur über eine neue Sitcom/Comedyserie in der ZDF-Mediathek sprechen:

Gespräch mit mir: 6 Minuten (Audio, Link)

Zusammenfassung des Gesprächs (Text nicht von mir, Link)

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Frausein als Taktik

Die ZDF-Sitcom „The Drag and Us“ findet Gender lästig

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Franziska leitet einen Schlossereibetrieb und zieht allein zwei Söhne groß: Freddy ist noch Kind und hat einen Online-Kanal für möglichst brutale Video-Streiche. Nikki ist fast erwachsen, will statt zur Klassenfahrt heimlich in ein Wellness-Hotel, und als ihm nicht gelingt, Franziska 300 Euro abzuluchsen, vermietet er sein Zimmer unter – an Christian, der sein Geld mit Auftritten als Drag Queen „Catherine“ verdient. Acht kurze Folge zeigt die ZDFneo-Comedy von u.a. Tom Gerhardt („Hausmeister Krause“, „Ballermann 6“), wie die pragmatische Mutter an einem unreifen, selbstverliebten und aggressiven schwulen Mann verzweifelt, der wahllos Perücken trägt, „sie“ genannt werden will – und sich in ihrem Leben einnistet: eine Drag Queen, die, so der Pressetext, „nicht so ganz zwischen der Bühne und dem echten Leben unterscheiden kann.“

Drag ist nicht ganz das selbe wie Travestie – bei der sich Leute „im Fummel“ als Show und Performance als beliebige Geschlechter, oft als prominente Diva oder Ikone, verkleiden. Drag Queens dagegen haben einen festen Namen (hier eben: Catherine), sind weibliche Kunstfiguren – und laden mit überspitzten Aussagen und sarkastischen Statements ein, Geschlechterrollen und Sexismus zu hinterfragen. „The Drag“, „die Drag“ wie hier in der Serie hörte ich noch nie jemanden sagen (es heißt „the Queens“), und wo Christian endet, Catherine beginnt, wirkt völlig undurchdacht, beliebig (und zu oft: transfeindlich). Figuren sagen „er, sie, es“ und „die Transe“, und als Franziskas Exmann mit Catherine schlafen will (bis er die Hoden sieht!), freuen sich die Söhne über peinliches Videomaterial und überlegen, ob Papa weiß, „dass SIE ein ER ist.“ Christian ist nicht trans, sondern performt nur eine Frauenfigur – doch so lange auch trans Menschen mit den selben Sätzen entwertet und als Täuschung, Trick, falsche Behauptung diffamiert werden sollen, ist solche „Comedy“ ein Schlag ins Gesicht.

TV über Drag-Performances holpert fast immer: RuPauls Netflix-Dramedy „AJ and the Queen“ wirkte zweitklassig. Im deutschen Format „The Diva in me“ sollten Drag Queens gestresste Alltagsmenschen (und Boulevard-Promis wie Claudia Obert) zu mehr Mode und Ego ermuntern. Der ProSieben-Drag-Wettbewerb „Queen of Drags“ setzte auf Heidi Klum und Bill Kaulitz. Auch beim international wichtigsten Drag-Format, „RuPauls Drag Race“, sind die Debatten, Essays und Grundsatzfragen drumherum oft wichtiger, progressiver als die Sendung selbst: Es gibt trans Frauen, die Drag machen. Es gibt nichtbinäre Drag-Figuren und nichtbinäre Menschen, die Drag Queens oder Drag Kings darstellen. Bei „Drag Race UK“ darf 2021 zum ersten Mal eine Frau, die nicht trans ist, als Drag Queen antreten: Victoria Scone.

Solche Fragen sind dem bieder erzählten, bieder inszenierten ZDF-Klamauk egal: Christian/Catherine hat nichts Tieferes zu sagen über Geschlecht als Performance, über Queerfeindlichkeit und über die große Hoffnung vieler Menschen, dass Weiblichkeit, Mann-Sein, Geschlecht endlich nichts mehr sind, das irgendwer von außen, institutionell, über eine anderen Menschen pfropfen und bestimmen darf: nur noch man selbst, für sich. Weil „The Drag and Us“ Familie und Kinder zeigt und so simpel, geradlinig gefilmt ist wie viele Kinder-Sitcoms auf z.B. Nickelodeon und dem Disney-Channel, weckt Folge 1 die Hoffnung: Hier können Acht- bis Zwölfjährige viel über Gender lernen. So, wie im echten Leben Drag Queens oft in Kindergärten und Bibliotheken Vorlese-Stunden halten – auch, um Kinder bei Kleidung, Schmuck und Stil zu eigenen Wegen zu ermutigen.

„The Drag and Us“ denkt Catherine, ihr Selbst und ihre Positionierung in einer meist queer- und frauenfeindlichen Welt nicht durch. Nicht einmal über Franziska, die als „burschikos“ beschrieben wird und sich an Catherine interessant reiben könnte, haben die acht Folgen viel zu sagen: Die Drag Queen ist wie ALF. Ein Fremder, der sich in einem Haushalt eingenistet hat, kaum Rücksicht nehmen kann/will und alles läppisch durcheinander bringt. Im Pressetext klagt die Autorin Gabriele M. Walther, dass Kollege Tom Gerhardt im fünften Stock wohnt und eine Drag Queen ihn bat, ihren Koffer nach oben zu tragen. „Ich habe meine schwere Tasche wieder allein hochgetragen“, erklärt sich Walther, „und dachte mir: Irgendwas mache ich falsch. Diese Begegnung hat mich nachhaltig beschäftigt.“

Nach dieser Logik zeigt „The Drag and Us“ gehässige, freudlose, gierige Figuren, die um ein Bett, ein Zimmer, schnellen Sex oder ums Prellen der Zeche streiten und jeden billigen Trick nutzen. „Ich bin eine Frau“ ist der billige Trick, den Christian nutzt: Geschlecht als Vorwand, um sich Extrawürste zu sichern, und queere Menschen als Eindringling, Last, Stolperstein (und bunter Schoßhund). Ein trostloses, un-witziges Tauziehen – etwa, wenn „Catherine“ dem Hausmeister sagt, sie sei eine Lady und kann darum auf keinen Fall die Mülltrennung einhalten: Schmutz sei zu schlecht für ihre Maniküre! Was solche Plots genderqueeren Leuten antun, trans Frauen und eigentlich allen, die gern mal ihre Fingernägel machen? Ist das ignorant – oder schon bewusst reaktionär?

„The Drag and Us“

eine Serie von Martin Duffy, Gabriele M. Walther und Tom Gerhardt

Regie: Franziska Meyer Price

8 Folgen, je ca. 25 Minuten

ab 31. August wöchentlich auf ZDFneo und in der ZDF-Mediathek

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großteils vernichtende Kritken auch bei:

queer.de (Patrick Heidmann)

DWDL.de (Timo Niemeier)

TV Digital

TV Wunschliste (Gregor Löcher)

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ZDF / Anton Volkert

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meine Notizen zum Gespräch:

Der Produzent Tom Gerhardt hatte in den 90ern eine Serie namens „Hausmeister Krause“ – und das hier hat den selben Ton; fühlt sich an wie fast 30 Jahre alt. Es gibt Gelächter vom Band. Simple Kulissen. Figuren, mit GANZ dickem Pinsel gemalt.

Das ist erstmal nicht schlimm – es gibt noch heute viele Kinder-Sitcoms (auf z.B. dem Disney Channel), die genau so aussehen und erzählen. Deshalb dachte ich in Folge 1: Das ist schlicht, simpel – vielleicht richtig gut für neun- oder zehnjährige Kinder. In dem Alter sah ich ja auch „ALF“.

Und ALF liegt hier echt nahe… weil auch hier eine fremde und „exotische“, exotisierte Figur einen ordentlichen Haushalt und eine Familie stört. Im echten Leben gibt es viele Drag Queens, die z.B. in Kindergärten oder Bibliotheken vorlesen – weil diese Künstler*innen, diese Kunstfiguren Kindern Mut machen wollen: Probiert euch mit Mode aus. Schaut, was zu euch passt. Traut euch! Deshalb hier anfangs meine… Euphorie:

Vielleicht ist das gut für Kinder!

Klingt, als wäre die Euphorie dann schnell verflogen…

Ja. Es ist krass transfeindlich.

Und das muss man erstmal hinkriegen – bei einer Serie, in der gar keine trans Figuren vorkommen:

Drag Queens – das sind Leute, die auf Bühnen, als Kunst/oder zum Geldverdienen im Club feminine Kunstfiguren darstellen (wie „Travestie“ – nur, dass eine Drag Queen immer den selben Namen hat, und Travestie oft mehr so ist: Heute bin ich als Madonna unterwegs, morgen spiele ich wen Neues.)

Gar nichts damit zu tun haben erstmal Crossdresser: Das sind Leute, die – aus allen möglichen Gründen – gern Kleidung tragen, die nicht ihrem Geschlecht entspricht („Transvestit“ ist da nicht mehr das gängige Wort).

Und trans Leute (und oft: Intersex-Leute) haben nicht das Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde („Transgender“).

All diese – oft sehr verschiedenen! – Gruppen werden oft entwertet und angegriffen in exakt der selben Sprache – und wenn eine ZDF-Serie wörtlich sagt:

– ich sage jetzt das transfeindliche Wort –

 „Tr*nse“

schmeißt sie das zusammen und trifft sie das ALLE. 

Was ist das denn genau für ne Hauptfigur, dieser Christian, bzw. Catherine?

Christian ist – anders als alle realen Drag Queens, von denen ich je hörte – nicht: Christian der schwule Mann, der aus dem Haus geht und eine Performance macht.

sondern „die Drag“, die einfach daheim oder zum Feiern usw. fast immer „im Fummel“ ist, mit „sie“ angesprochen wird und mit allen Männern flirtet. Wenn dann in der Serie ein Mann drauf einsteigt, lachen die anderen Figuren und sagen „Ha, ob unser Papa überhaupt weiß, dass SIE ein ER ist?“, und dann merkt der Papa aber: „Uff, die Catherine hat ja Hoden. Oh, da wurde ich fast böse verarscht!“

…und das ist einfach DAS typische transfeindliche Szenario:

Der Vorwurf, trans Frauen „verkleiden“ sich als Frau, um Männer zu täuschen, oder sich in Frauenhäuser, Schutzräume zu schmuggeln – und Catherine/Christian tut das als… Fetisch? Trick? Egoismus? Spaß? Man weiß es nicht.

Doch es ist ein SEHR kalter Blick auf eine SEHR rücksichtslose Figur.

Was ist denn das Anliegen hier? Was für ne Idee steckt hinter dieser Geschichte?

Die Folgen sind alle wie ein Schwank, eine Farce, eine Posse. Also: ulkige Verwechslungen. Alle verarschen sich.

Das ZDF selbst sagt dazu: Das ist „eine Drag Queen, die nicht so ganz zwischen der Bühne und dem echten Leben unterscheiden kann.“

Eine Autorin der Serie, Gabriele Walther, sah eine Drag Queen – mit einem Koffer im Flur. Tom Gerhardt trug den Koffer dann hoch in den fünften Stock.

Die Autorin sagt, sie dachte sich: Was mache ich als Frau falsch – dass DIE das getragen kriegt, ich nicht. Das ist das Weltbild dieser Serie: Theatrale queere Menschen schaffen es, dass die Mehrheitsgesellschaft ihnen Extrawürste bietet und auf sie eingeht.

Sie tun das aus Gier, Faulheit, Geltungssucht – weil sie nie erwachsen wurden und „nicht ganz unterscheiden können“.

Dabei gibt es ja mittlerweile schon einige Formate, oder? Die da bisschen genauer hinschauen und Drag eben als Kultur und Kunstform erzählen.

Ich höre Drag Queens am liebsten direkt zu, auf ihren Kanälen – schreibt z.B. Bambi Mercury einen Text, lerne da immer was.

Den wichtigsten Drag-Wettbewerb, „RuPauls Drag Race“, kann man auf TVNow kucken. ProSieben hatte nen deutschen Abklatsch, „Queen of Drags“ mit Heidi Klum – da haben alle zurecht gefragt: Warum moderiert das keine Drag Queen?

1994 gabs im Ersten eine Serie über zwei Männer, die ein Restaurant führen und ein Paar sind, „Durchgehend warme Küche“. Kam Nachmittags, sah ich mit 10, war keine große Kunst – aber eben: normal. Und so weit waren öffentlich-rechtliche Sender schon mal.

„The Drag and Us“ ist nicht in jeder Szene: unterste Schublade. Doch auf jeden Fall: unterste Schublade dafür, was ich vom ZDF erwarte.

ZDF / Walther Wehner

Vier schwule Rollen – für Heteros? (ARD-Serie „All you need“)

seit 7. Mai 2021 läuft Staffel 1 von „All you Need“ gratis in der ARD-Mediathek

Link: alle 5 Episoden

als Sendungsgast bei Deutschlandfunk Kultur sprach ich über meine Eindrücke:

Link: Gespräch mit mir, ca. 9 Minuten

Link: kurze Zusammenfassung des Gesprächs (Text nicht von mir)

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Vier schwule Rollen – für Heteros?
Das Casting der ARD-Serie „All you need“ enttäuscht

Oralsex auf der Club-Toilette: in Folge 1, nach wenigen Minuten. „Eine Szene“, klagt der Berliner Tagesspiegel, mit der sich die erste große schwule Serie im deutschen TV „beinahe selbst ein Bein stellt“. Weil schwule Männer nicht dauernd schnellen Sex suchen oder feiern. Mehr und vielfältiger sind und „nicht alle gerne im Berghain durchtanzen“, mahnt Kritiker Markus Ehrenberg. Auch Oliver Kaever im „Spiegel“ stört sich an einer der ersten Szenen der ersten Folge: Hauptfigur Vince bekommt ein Penis-Foto zugeschickt, und revanchiert sich. „Die beschriebene Szene wirkt aber weniger unique als vielmehr plakativ; sie reduziert Schwulsein so stark auf Sexualität wie eine deutsche Komödie anno 1995.“

Umgekehrt aber ist so wichtig, überfällig und befreiend, dass schneller Sex, Penisfotos und eine schwule Sauna zur Lebenswelt der „All you Need“-Figuren gehören! Und dass sympathische, komplexe, oft charismatische Männer in einer ARD-Serie absprechen, wer aktiv und wer passiv ist heute, beim Sex.

Viele Serien werden komplexer, aussagekräftiger, indem sich Hauptfiguren sozial recht ähnlich sind: Vier Single-Frauen in „Sex & the City“ (1998) wollten grundverschiedene Wege zeigen, sich als Single zu behaupten. Die britische Serie „Queer as Folk“ (1999) zeigte drei queere Männer in Manchester, das US-Remake (2000 bis 2005) vier Männer in Pittsburgh. „All you Need“ erinnert besonders an die HBO-Serie „Looking“ (2014) über etwas planlose, schlurfige, sich oft selbst sabotierende queere Männer in San Francisco. Eine „Dramedy“ mit viel Dating, etwas Humor, kaum Melodrama.

Der größte erzählerische Unterschied zu solchen (international schon wieder gestrigen) Serien: „All you Need“ hat fünf sehr kurze Episoden. In insgesamt kaum 120 Minuten haben vier Figuren keine vier Geschichten: Vince ist Schwarz, studiert Medizin und lässt sich mit Ende 20 zum ersten Mal länger auf einen Partner ein, Robbie. Vinces Mitbewohner Levo hatte Sex mit Familienvater Tom – und will jetzt in Toms Vorstadt-Haus mit Pool die Leerstelle füllen, die Toms Ex-Frau hinterließ. Weil sich nur Vince und Levo gut kennen, besteht die kurze Serie zu zwei Dritteln aus Szenen, in denen sich Figuren holprige Kennlern- und „Wie ist das eigentlich bei dir?“-Fragen stellen.

Besonders in Folge 1 bleibt das platt, didaktisch, freudlos und fürs Hetero-Publikum gedacht: „Warum schickt ihr Dick Picks?“, „Warum fahren immer noch so viele auf Britney (Spears) ab?“, „Regt dich (Queerfeindlichkeit) etwa nicht auf? Warum wehrst du dich nicht?“, „Was für ein Leben führen ‚wir Schwulen‘ denn – und warum sollte jemand Berührungsängste damit haben?“, „Was ist so besonders an einer schwulen Sauna?“. Das ist kein Erzählen – sondern eine „Frequently Asked Questions“-Liste, bei der Autor Benjamin Gutsche oft nur Antworten einfallen, die vor fünf Jahren schon auf Sprücheklopf-Sammlungen im Internet langweilten: „Wer von euch ist eigentlich die Frau?“ – „Bei Essstäbchen fragst du doch auch nicht, wer das Messer ist und wer die Gabel.“

Ab Folge 2 wirkt der Plot weniger wie eine Liste, die abgehakt sein will – und die vier Männer sind kantig genug, um sich in einer zweiten Staffel (schon in Arbeit) tiefer zu fragen: Was haben wir gemeinsam? Wollen wir monogam leben? Wem glauben wir, gefallen zu müssen? Zwei US-Serien, die solche Fragen stellten, „Eastsiders“ und „Ein besonderes Leben“, brachen 2019/2021 ab. „All you Need“ hat Potenzial – weil viele Szenen ins Gruselige kippen, die Männer keinen gemeinsamen Nenner finden. „Ich glaube ja“, sagt Vince, „als Schwuler ist man sein ganzes Leben lang damit beschäftigt, herauszufinden, was an der eigenen Identität wahrhaftig ist… und was nur angeeignet, weil man in einer heteronormativen Gesellschaft nicht auffallen will.“

Zum Glück ist undenkbar, dass bei einer Serie über vier Schotten kein Darsteller aus Schottland kommt. Denkbar, doch zum Glück zunehmend in der Kritik: dass bei einer Serie über vier behinderte oder vier trans Figuren keine Hauptollen an trans Menschen oder Menschen mit Behinderung gehen. Für „All You Need“ wurden offen queere Schauspieler zwar angefragt, doch im Casting bei fast 400 Bewerbungen gingen alle vier Hauptrollen an Heteros. Das spricht dafür, wie viele Hetero-Schauspieler sich heute Prestige und Applaus davon erhoffen, schwule Rollen zu spielen: Noch 1995 stieg in „Verbotene Liebe“ ein Schauspieler aus, weil er nicht auf die Rolle des schwulen Gero von Sterneck festgelegt sein wollte.

So gerne ich „All you Need“ empfehle, unterm Strich: Eine Serie ohne Lesben, Bi- oder Asexuelle, genderqueere Figuren etc. ist weniger „queer“ als ausschließlich und ausschließend „schwul“. Und so interessant ein Interview mit Hauptfigur Vince darüber wäre, wie Schwulsein und Schwarzsein seinen Alltag prägen – Vinces Darsteller Benito Bause kann, als Hetero, entscheidend weniger beitragen: Mit vier queeren Darstellern gäbe es jetzt vier öffentliche Sprecher, Ansprechpartner, Gesichter in einer neuen, wichtig sichtbaren Position. Wollen wir zehn, zwanzig Jahre warten – auf die nächste Serien-Chance?

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und, als Bonus: meine Notizen, vorbereitend zur Sendung:

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1) ist das eine „queere Serie“ – oder eine Alltagsserie, in der 4 Hauptfiguren queer sind?

„queer“ ist die Serie leider gar nicht: es geht um 4 schwule Männer. schon die Frage, ob einer vielleicht bisexuell ist, kommt nicht vor. es gibt keine lesbischen Figuren, keine trans Figuren, keine Asexuellen etc.

wenn man grundsätzlich sagt „queer“ ist eine Art, Normen in Frage zu stellen, Erzählmuster, die Dominanzkultur usw. hat „All you Need“ für mich einen wenig „queeren“ Blick._ich halte Folge 1 für ein Ärgernis und eine… kleine Katastrophe, weil 4 Männer, von denen die meisten sich noch nicht gut kennen, Gespräche führen. Oft redet auch eine Hetero-Freundin mit. und weil sich viele Figuren noch neu und fremd sind, stellen sie sich Fragen. aber GENAU die Fragen, von denen ich denke: Das glaubt eine ARD- oder Degeto-Redaktion, sind die Fragen eines Hetero-Publikums.

alles in 33 Minuten – ich habs mir echt notiert, weil ichs nicht fassen konnte:

Warum schickt ihr Dick Picks?

Warum fahen immer noch so viele auf Britney ab?

Regt dich (Queerfeindlichkeit) etwa nicht auf? Warum wehrst du dich nicht?

Was für ein Leben führen „wir Schwulen“ denn – und warum sollte jemand Berührungsängste damit haben?

Was ist so besonders an einer schwulen Sauna?

und dann etwas später noch:

Glaubst du nicht, es git auch unter Schwulen rein platonische Freundschaften?

2) Folge 2 wird dann aber besser?

Ja. Insgesamt ist die ganze Staffel eher wie ein Film, 120 Minuten – und trotz vier Figuren auch deutlich simpler erzählt als z.B. „Sex & the City“ (uff: simpler als DAS), ich würde echt empfehlen, einfach mit Folge 2 einzusteigen.Ich mag, dass die Hauptfigur Schwarz und schwul ist und dass Alltagsrassmus und struktureller Rassismus immer wieder thematisiert werden.Ich mag, dass es *nicht*groß um schwules Leid und schwule Traumata geht – doch dass man trotzdem, wenn sich Figuren z.B. beim Spaziergehen nahe kommen, immer kuckt: Stehen da Leute irgendwo? Kucken sie böse? Kann das gleich eskalieren?

3) Gibt es nicht international schon viele solcher Serien, z.B. auf Netflix?

da gibt es vielen explizit queeren Content – auch immer mehr Dokus und Zeitgemälde. doch ich mag Alltagsserien, gerne auch mit sperrigen Figuren wie in „Girls“ – und DAVON gibt es überraschend wenig.“All you need“ ist im Ton so ähnlich wie „Looking“, eine San-Francisco-Serie über Figuren, die sich fragen „Bin ich jetzt schon erwachsen? Wie will ich leben?“ war toll gefilmt, mir aber etwas zu langweilig.Und dann gibts „Eastsiders“ – das ist geschwätzig, oft etwas billig gefilmt etc., geht aber für mich menschlich mehr in die Tiefe. und „Special – ein besonderes Leben“ – da hat die Hauptfigur eine Spastik, hatte noch nie Sex, es ist alles etwas simpler und komödiantischer, aber hat superviel Charme.“All you need“ kriegt auf jeden Fall eine zweite Staffel, sie haben Themen wie Armut/Bildungsgefälle angeschnitten, Heteronormativität, ich finde, es braucht *wirklich* dringend lesbische und/oder genderqueere Figuren… das ist schon genug Stoff, Raum für eine Serie.

mein „Vorwurf“ an „All you Need“ wäre, dass es bisher noch um gar nichts Tieferes, Zentrales geht: Schwulsein heißt in dieser Serienwelt, dass man ein Mann ist und Männer trifft, mit denen man wenig gemeinsam hat. und jeder dieser Männer kann mit dir schlafen, oder mit allen anderen um dich rum – erzählerisch fühlt sich das bisher an, als würde ein Ball von Figur zu Figur geworfen.

4) Auf Youtube gibt es ein langes Gespräch mit dem Autor und Regisseur der Serie, Benjamin Gutsche. die Drag Queen Bambi Mercury fragt enttäuscht nach: warum werden alle vier Hauptrollen von heterosexuellen Schauspielern gespielt?

ja – das Gespräch sah ich sehr gern und mit großem Gewinn. die Antwort ist, dass sie fürs Casting zwar auch einige queere Schauspieler anfragten – doch weder für den Redakteur, noch für die Casterin oder für Benjamin Gutsche war das DIE Priorität. tatsächlich sind viele schwule Schauspieler abgesrpungen – während es für Heteros 2020 offenbar attraktiv und spannend ist, schwule Rollen zu spielen.

(als Ruby Rose, queere Hauptdarstellerin bei „Batwoman“, nach Staffel 1 die Serie verließ, wurde ein Ersatz für sie gesucht. der Casting-Aufruf endete mit „Performers who are LGBTQ are encouraged to submit.“ am Ende fand sich auch für die queere Figur Ryan Wilder, Batwomans Nachfolgerin in Staffel 2, eine queere Darstellerin.)

ich bin froh, dass Gutsche schwul ist. ich finde auch leider unvermeidlich, dass bei solchen Fragen immer 20 Leute rufen „Ja, aber dürfen jetzt nur noch Mörder einen Mörder darstellen?“

doch das ist gar nicht so sehr mein Problem: bei „Unter Uns“ spielt Lars Steinhöfel eine schwule Figur, Easy – und Steinhöfel gibt als schwuler Mann einfach VIEL politischere, überlegtere, interessantere Antworten, wenn man ihn fragt. genauso Gunnar Solka aus der „Lindenstraße“. bei der Reality-Show „Prince Charming“ hatten die meisten Kandidaten Instagram – und ich finde wichtig, wenn mir eine Serienwelt ans Herz wächst, Interviews lesen zu können, Welten HINTER diesen Figuren lesen zu können.

wären das 4 queere Schauspieler, gäbe es jetzt einfach 4 wichtige oder präsentere queere Stimmen mehr. ich kann Hauptdarsteller Benito Bause fragen „Du bist Schwarz.“ aber ich kann eben nicht, wie bei seiner Figur, fragen: „Du bist Schwarz UND Schwul – wie wirkt das ineinander?“ das ist eine verpasste Chance.

2019/2020: LIEBLINGSSONGS / PERSÖNLICHER SOUNDTRACK (JAHR 23)

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I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 23‘, October 2019 to October 2020.

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  • Faouzia – Exothermic
  • Whissell – Legs Crossed
  • Blanco White – Colder Heavens
  • Chris Gethard & Mal Blum – Crying at the Wawa
  • Hello Saferide – Dad told me
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  • Laura Mvula – Father Father
  • Foreign Fields – Terrible Times
  • Roxette – Lucky
  • Dermot Kennedy – All my Friends (Soft Light Sessions)
  • Fires at Night – Forget Gravity
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  • Zaheer Iqbal u.a. – Bumro
  • Sunny Deol u.a. – Ho Jaa Awara
  • A. Rahman u.a. – Hosanna
  • Yash u.a. – Dheera Dheera
  • Vaibhav Bundhoo – Our own to repair
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  • Hundred Waters – Blanket me
  • Night Flight – Departure
  • Findlay Brown – Call it what you want
  • Counting Crows – August and everything after
  • Mesadorn – One of my Friends

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Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

Faouzia – Exothermic

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Whissell – Legs Crossed

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Blanco White – Colder Heavens

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Chris Gethard & Mal Blum – Crying at the Wawa

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Hello Saferide – Dad told me

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Laura Mvula – Father Father

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Foreign Fields – Terrible Times

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Roxette – Lucky

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Dermot Kennedy – All my Friends

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Fires at Night – Forget Gravity

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Zaheer Iqbal u.a. – Bumro

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Sunny Deol u.a. – Ho Jaa Awara

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A. Rahman u.a. – Hosanna

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Yash u.a. – Dheera Dheera

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Vaibhav Bundhoo – Our own to repair

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Hundred Waters – Blanket me

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Night Flight – Departure

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Findlay Brown – Call it what you want

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Counting Crows – August and everything after

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Mesadorn – One of my Friends

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