Autor: stefanmesch

Writer. Book Critic. Journalist.

„Avengers: Endgame“: Fragen, Kritik, Probleme

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Seit „Iron Man“ (2008) erzählen 22 Marvel-Kinofilme (und, eher nebensächlich: eine Handvoll TV-Serien, u.a. auf Netflix) eine große, oft zusammenhängende Geschichte. Viele der bekanntesten und/oder mächtigsten Helden (und, weniger: Heldinnen) sind Teil des Teams „The Avengers“.

Der Kinofilm „The Avengers“ (2012) bringt Figuren zusammen, die auch jeweils eigene Kinofilme hatten:

  • Captain America (bisher 3 Filme)
  • Iron Man (bisher 3 Filme)
  • Thor (bisher 3 Filme)
  • Hulk (ein nebensächlicher Film mit ganz anderer Besetzung)

…sowie Hawkeye (kriegt eine eigene TV-Serie) und, als anfangs einzige Frau, Black Widow (Kinofilm geplant).

Die meisten Verträge dieser sechs Schauspieler laufen 2019 aus.

Deshalb gab es, nach den Avengers-Filmen „The Avengers“ (12) und „Age of Ultron“ (15) jetzt, 2018 und 2019, einen Zweiteiler, der fast alle wichtigen Figuren aus den bisherigen 20 Filmen zusammen führt, im Kampf gegen den außerirdischen Thanos, der sechs mächtige Steine/Kristalle sucht und mit ihrer Macht die Hälfte des Lebens im gesamten Universum auslöschen will (…wegen Ressourcenknappheit, Überbevölkerung und den „Grenzen des Wachstums, es reicht nicht für alle“-Erfahrungen seiner Heimatwelt, Titan.)

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Im Film „Avengers: Infinity War“ (2018) sammelt er alle 6 Steine, schnippt mit den Fingern und löscht die Hälfte alles Lebens aus. „Infinity War“ war ein rasanter, recht einstiegsfreundlicher Non-Stop-Kampf, den ich gern sah & empfehle: Ein Film über die Vielfalt und die Schrullen, Kräfte, Eigenheiten und das Mit- und Gegeneinander der vielen, vielen in vorigen Filmen etablierten Marvel-Figuren. Man muss nicht alle Figuren kennen: „Infinity War“ zieht schnell rein und zeigt: „Das ‘Marvel Cinematic Universe’, MCU, ist farbenfroh, dramatisch und hat viel schönes Pathos.“

Die direkte Fortsetzung, „Avengers: Endgame“, wird so heiß erwartet, weil:

  • Hier alles zusammen laufen soll.
  • Vieles enden wird: Welche Schauspieler*innen steigen aus? Welche Held*innen verschwinden oder sterben?
  • Der Film im Vorfeld mit einem Staffel- oder Serienfinale verglichen wurde: ein 22teiliges, komplexes, extrem erfolgeiches Erzähluniversum will für viele Figuren einen wichtigen Schlusspunkt setzen.

7 der 21 erfolgreichsten Kinofilme seit 2010 sind MCU-Filme.

Auch „Endgame“ wird erfolgreich sein. Die Frage bei ALLEN aktuellen Marvel-Filmen aber ist: erfolgreich genug?

Sind die Filme…

  • einsteigerfeundlich? (Infinity War: ja! Endgame: auf keinen Fall.)
  • für sich alleinstehend gelungen? (Es geht: beide Filme sind sehr ‘in medias res’)
  • ein wichtiger Baustein der größeren MCU-Erzählung. (Besonders ‘Endgame’: Ja, und wie. Eine Belohnung für Fans: Je besser man sich an Details aus früheren Filmen erinnert und je näher man den Figuren steht, desto mitreißender, dichter und befriedigender ist dieser Film.)
  • zeitgemäß: Gibt es interessante Heldinnen, Figuren of Color, LGBTQ-Content usw.? (Nein. Heldin Black Widow hat eine große, Heldinnen Nebula und Gamora kleinere Rollen. Der Rest nur eine Handvoll Sätze und Momente; und ein sprechender Waschbär kriegt mehr Raum & Tiefe als alle Figuren of Color.)

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Das für mich Wichtigste und Schönste an „Endgame“ ist, dass (wussten wir vorher) das „Marvel Cinematic Universe“ nicht enden wird. „Endgame“ ist NUR emotionaler Höhepunkt und großes Finale für das Miteinander der sechs Original-Avengers: Zwei sterben den Heldentod, einer ist am Ende des Films durch eine Zeitreise verändert, die anderen drei könnten in zukünftigen „Avengers“-Filmen mühelos große Rollen spielen.

Das heißt auch: Nach 22 Filmen gibt es jetzt eine Art Machtvakuum: mehr Platz auf der Bühne. In den Comics passiert oft, dass eine Figur stirbt oder sich verändert und eine neue Figur die alte Heldenrolle übernimmt. Solche „Erben“ sind oft Frauen oder Figuren of Color, und „Endgame“ z.B. macht einen Schwarzen, Sam Wilson, zum offiziellen Nachfolger Captain Americas. (War auch in den Comic-Vorlagen so.)

Ich hatte gehofft, dass sich „Endgame“ mehr Zeit nimmt, solche Nachfolge-Figuren, „Legacy Characters“, zu positionieren: auch in den folgenden Jahren werden jährlich zwei bis drei Marvel-Kinofilme starten. Ob das Heldenteam „The Avengers“, bisher das Zentrum des MCU, weiter besteht, bleibt offen. Erstmal aber, wie gesagt: eine freiere Bühne.

Toll an „Endgame“ ist, dass die ganze Geschichte, das Mosaik aus 22 Filmen, ein wirklich stimmiges Finale bekommt: Das Experiment „Wollen Menschen die selben 40+ Figuren 12 Jahre lang in lose verknüpften Kinofilmen verfolgen: Lohnt sich das? Macht das Spaß?“ ist mit diesem Film, finde ich, tatsächlich voll geglückt.

Nur, wie gesagt: Während ich „Infinity War“ wirklich auch Neueinsteiger*innen empfehlen kann, weil man dort mit viel Tempo schräge Figuren, Duos und Kleingruppen kämpfen sieht (das macht auch noch Spaß, wenn man viele nicht kennt: Durch ihre Art, zu kämpfen und zu streiten, erklären sich diese Figuren recht gut)…

…ist der 3 Stunden lange „Endgame“ (u.a. durch eine ca. eine Stunde lange Zeitreise, in der u.a. Szenen aus den Filmen „Thor 2“, „The Avengers“ und „Captain America 2“ direkt zitiert und auf den Kopf gestellt werden; sowie durch viele Dialoge über früher, frühere Partnerschaften, verstorbene Familienmitglieder etc.) wirklich ein Film für Fans, ein Grande Finale, das man besser findet, je mehr andere, frühere Filme man kennt. Fragen wie „Wer ist wem wichtig, und warum?“ sind zentral, sowie „Was macht ein gutes Leben aus?“ und „Welche Sorte Bürger/Held will ich sein?“. Die Antworten, die Figuren jeweils wählen, erschließen sich VIEL besser, wenn man die Figuren schon möglichst gut kennt.

Wermutstropfen?

  • Einzelne Szenen (Kämpfe, Heldentode, Schlachten) sind klischeehaft und wurden schon in 10+ vorigen Marvel-Filmen ähnlich erzählt.
  • Die beiden erfolgreichsten und frischesten MCU-Figuren der letzten Jahre, Heldin Captain Marvel und König/Held Black Panther, spielen kaum eine Rolle.
  • Wie fast immer bei Marvel kriegen recht dümmliche und naive Figuren (hier: Ant-Man) viel Raum, tölpelhaft zu sein, im Stil von 80er-Jahre-Komödien. Unreife Jungs, erzählerisch langweilig. (In „Infinity War“ wars Peter Quill – der dort aber interessante Entscheidungen treffen musste. In „Endgame“ nimmt Ant-Man ermüdend viel Platz ein; auch Thor langweilt.)

Lange, akkurate Zusammenfassung (und interessante Kommentare): Link, Reddit

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01__Länge? 181 Minuten. Trotzdem keine Längen: gutes Tempo/Dichte, passt. („Titanic“: 195 Minuten).

02_“Okay. Hold on, don’t shoot“, die erste Dialogzeile im Film, bedeutet nichts Tieferes, oder?

03_Schade, dass das Mädchen, mit dem Hawkeye am Bogen trainiert, „nur“ seine Tochter ist – nicht, wie nach dem „Endgame“-Trailer viele hofften, Kate Bishop: Clints junge Nachfolgerin-dann-gleichberechtigte-Kollegin aus den „Hawkeye“-Comics.

04_“Endgame“ will als Abschluss verstanden werden: Wie das Ende (oder, mindestens: Staffel-Finale) einer Serie. Der Film setzt einen schönen (vorläufigen) Schlussakkord. Aber, wirklich: Es ist kein Ende des MCU. Kein Ende der Avengers. Nichtmal ein Ende für die sechs zentralen Figuren. Sonern einfach: ein Finale fürs Miteinander dieser 6 Leute. Das einzige, das wir vermutlich nie wieder sehen, in den nächsten 22 Filmen, sind Cap, Thor, Tony, Natasha, Bruce und Clint, zusammen, routiniert.

05_Ich mag, wie viele Dialoge es gibt… und wie tief sie schneiden, wie oft, viel und detailliert Figuren-Historie und Vorgeschichte Thema ist in diesem Film: Momente, die sich die Figuren in JAHREN Vorgeschichte, Vorbereitung verdienten.

06_Befreiend und überraschend, dass „Endgame“ nicht v.a. von Thanos handelt. Thanos war (in Sachen Screentime) Mittelpunkt und Hauptfigur von „Infinity War“ und hatte noch viel Raum für Wachstum, Tiefe. Schön aber, dass er „Endgame“ nicht dominiert.

07_Ich war in der Hamburger Pressevorführung (Dienstag, 23. April, 9 Uhr morgens): etwa 60 Journalist*innen, fast alle weiß, fast alle Männer zwischen 25 bis 40. Viele trugen Fan-Shirts, Fan-Rucksäcke etc. Ich bin immer traurig, wenn ich bei Heldenfilmen v.a Männer im Publikum sehe und einzwei Paare. Fühlen sich Frauen (zu Recht) nicht angesprochen/repräsentiert?

08_Mein Verdacht, vor „Endgame“: Dass es besonders um Tony & Steve gehen wird und, dass, falls beide sterben, die Tode verschieden genug sein müssen, dass sie sich nicht überschneiden. Ich dachte, einer stirbt (Cap?) und einer endet anderswo (im All, oder z.B. als A.I.). Dass Natasha stirbt, hätte ich nie erwartet.

09_Wer alle sieben Dragonballs findet, hat einen Wunsch frei. Ist er erfüllt, versteinern die Dragonballs, zerstreuen sich in alle Winde und müssen neu gefunden werden. Der grundlegende „Endgame“-Plot ist super-ähnlich: „Thanos hat geschnippt, jetzt müssen wir alle Steine neu finden, um selbst schnippen zu können.“

10_Guter Fan-Slang für „Thanos schnippt die Finger“ (snap) und lässt, wie beim Jüngsten Gericht (rapture) einen Teil der Lebenden verschwinden: „Snapture“!

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11_Auch im „Infinity Gauntlet“-Comic (1991) löscht Thanos die Hälfte alles Lebens aus… dort aber, weil er sich in den Tod persönlich verliebte (Tod = eine Gruftie-Diva, die Zeichner George Perez GENAU SO inszeniert wie Raven in den 80er-Jahre-“Teen Titans“-Comics, die er zuvor zeichnete). „Ressourcenknappheit“ wurde u.a. durch die „Die Grenzen des Wachstums“-Studie des „Club of Rome“ globales Thema: 1972. Obwohl „Kann das für alle reichen?“ also schon recht lange gefragt wird, finde ich das als Thanos’ Motivation zeitgemäßer und interessanter als „Ich liebe den Tod“.

12_Im Comic „Y: The Last Man“ sterben alle Männer (nein: alle Menschen mit Y-Chromosom, also die meisten cis Männer und trans Frauen) an einem Virus. Die Welt verändert das extrem. „The Leftovers“ (flauer Roman; doch TV-Serie mit euphorischen Kritiken) zeigt eine Welt, in der 2 Prozent der Weltbevölkerung plötzlich verschwanden. Auch dort ist alles grundsätzlich aus den Fugen.

13_Ich hätte SO gern eine Montage in „Endgame“ gesehen, die überraschende globale Folgen der „Snapture“ zeigt: soziale, biologische, kulturelle, religiöse. In der Comic-Vorlage verschwindet auch die Hälfte aller TIERE. Wie ändert das z.B. Viehzucht und Ökosysteme?

14_Wer sind die unbestreitbaren Hauptfiguren dieses Films? Die ersten sechs Avengers. Es spricht *sehr* für das MCU und die vielen neueren Figuren, dass ich, als Thanos schnippte und immer mehr Figuren zu Staub zerfielen, dachte „Oha: Das hat ja echt auch sehr, sehr zentrale Figuren erwischt.“ Dass es die sechs zentralsten Figuren aussparte, fiel mir erst beim Listen-Durchsehen auf, später. Denn klar sind für mich Figuren wie Peter Parker, T’Challa und Stephen Strange super-zentral. Gute Arbeit!

15_Sympathisch, dass sich Tony und Nebula kurz nach Thanos‘ Schnippen die Zeit mit einem Spiel vertreiben, bei dem man… Spielfiguren schnippt!

16_Immer wieder klagt jemand, im MCU fehlen interessante Gegner/Villains. Das beinahe ERSTE, das wir im „Infinity Gauntlet“-Comic (1991) sehen, nachdem Thanos schnippte: Bösewicht Doctor Doom – gekränkt und wütend. Ich war mir sicher, dass „Endgame“ einen Avengers-Einsatz oder -Kampf zeigen würde, kurz nach dem Verschwinden der halben Menschheit… und einen Bösewicht, der das Machtvakuum zu einem „Power Grab“ nutzt. Stattdessen fällt mir nicht mal *ein* MCU-Bösewicht ein, der noch am Leben ist und eine Gefahr darstellt.

17_Ich bin 36 – und merke, wie absurd wichtig der Generation meiner Eltern Gartenarbeit, Gartenpflege, „Mein schöner Garten“-Abos etc. sind: Dass Thanos (mächtig, patriarchal, hält alle für unreif und unerfahren) sich auf „my Veranda“ zurückziehen will und sich auf ein Leben voller Gartenarbeit freut, passt hier, glaube ich, sehr gut: #altersfrage #generationenkonflikt

18_Doch dass Pepper Potts (Firmenchefin, Superheldin) Bücher übers Kompostieren liest, über die sich Tony lustig macht, nervt mich – so gut es auch zum Öko- und Achtsamkeits-Image von Schauspielerin Gwyneth Paltrow passt.

19_Heft 1 von „The Infinity Gauntlet“ fragt über Thanos: „Or will his fragile heart be his undoing?“ Ich war gespannt, welche Charakterschwäche oder Hybris Thanos zu Fall bringt. Doch bin froh, dass „Endgame“ die Zeit für anderes nutzt.

20_Ich dachte, sobald ich „Five Years Later“ las: Ich sehe jetzt einen Drei-Stunden-Film über Leerstellen, Verlust, Trauer. Stattdessen wurde der Zeitreise-Plot schnell zu einer schwungvollen, lockeren Zitate- und Easter-Egg-Suche für Fans. Schön, dass SO viele widersprüchliche Töne, Aspekte, Stimmungen ins MCU passen. Doch schade, wie brachial, plump und nervös Humor DAUERND als Gegengewicht oder Überzuckerung in MCU-Momenten auftaucht, die… gar keinen Humor/Zucker brauchen.

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21_Der Plot von „Endgame“? Thanos heute (später: Thanos von 2014) und die Avengers kämpfen um einen großen Reset-Knopf. Ich bin froh, wie behutsam dieser Knopf am Ende gedrückt wird und, dass fast alles, was in vorigen Filmen geschah, weiterhin so erinnert werden kann / noch in Continuity ist. [Die DC-Heftreihen versuchen 2011 etwas ähnliches, durch Flashs Zeitreise in „Flashpoint“. Das Ergebnis: Ich weiß bei heute von vielen DC-Lieblingsfiguren nicht, was weiterhin zu ihrer Vergangenheit gehört… und was sich geändert haben muss, doch nie genau neu auserzählt wurde. Uff!]

22_“Etwa 80 Prozent“ von „Thor 3“ wurden improvisiert. Auch in „Infinity War“ gab es Spider-Man-, Doctor-Strange- und Guardians-Momente, die mir improvisiert schienen. In „Endgame“ aber würde mich das überraschen: Fast alle Dialoge wirken zwingend, dringlich und so, als zählt die exakte Wortwahl. Kein spontaner oder verspielter Film!

23_In vielen MCU-Filmen nervt Product Placement. Dieses Mal fiel mir nur eins auf: Audi – plump und penetrant.

24_Der Film beginnt mit einem Rock-Klassiker, den ich nicht namentlich erkannte… und endet mit einem Swing-Standard (40er?), den ich nicht kenne. Googelt gern, ob die Songs tiefere Aussagen haben oder Subtexte aufmachen. Ich finde, allen MCU-Soundtracks und -Original Scores fehlt Charakter. Solide – und schnell vergessen.

25_Scott Lang beschreibt den Zeitreise-Plan als „Time Heist“. „Heist Movies“ sind z.B. die Gangster- und Ganoven-Klassiker, die „Ocean’s Eleven“ aufgriff: Filme, in denen ein Team einen komplexen Plan spinnt, etwas zu stehlen und alle zu täuschen. Ich sah die beiden „Ant-Man“-Filme noch nicht – doch auch sie werden als „Heist Movies“ beschrieben. Kennt man das Wort im Deutschen – oder sagen wir noch 20 Jahre lang „Sowas wie ‚Ocean’s Eleven'“?

26_Wir sehen durch Scott Langs Augen […viel zu wenig davon], wie Thanos’ Snapture die Welt änderte. TV-Pilotfilme haben oft eine neue oder außenstehende Figur, durch deren Augen man z.B. ein Polizeirevier, ein Milieu oder einen Freundeskreis kennen lernt. Als Newcomer und Viewpoint Character macht Lang zwar viele Szenen zu Beginn des Films einfacher… doch mich deprimiert, wie trottelhaft, übereifrig etc. er inszeniert wird: Ich muss nicht alle drei Szenen einen totalen Trottel sehen. (Wie gesagt: In „Infinity War“ war Peter Quill der eher-störende-als-witzige Ignorant. In „Endgame“ sind es Scott Lang und (schade!) Thor.)

27_Die „Star Trek“-Folge „The Trouble with Tribbles“ macht Spaß. Nachfolger „Deep Space Nine“ nahm sich fast 30 Jahre später das Filmmaterial und fügte die eigenen, neuen Figuren ein: Die DS9-Helden machten eine Zeitreise und mussten, parallel zur Handlung von „Trouble with Tribbles“, ein eigenes Problem lösen – ohne, aufzufallen oder die Vergangenheit zu beeinflussen. Ich liebe die Folge und das Konzept. Doch dass ich aus „Infinity War“ (allergrößte Oper, Pathos!) zu „Scott Lang & Kumpels spielen ‘Trials and Tribble-ations’ mit alten, vorigen MCU-Filmen“ …schlitterte ist für mich… doch: ein Schlittern. Kein „Wow! Diese Filmreihe weiß, was sie tut!“

28_[Produzent] Kevin Feige mentioned that the Grand Finale of Star Trek: The Next Generation („All Good Things…“), which prominently featured characters jumping through time, was a key influence on „Endgame“. [Quelle]

29_Ich glaube jetzt, nach „Endgame“, alle MCU-Regisseure etc. verstehen Tony Stark als Hauptfigur des gesamten MCU. Kann man so sehen – doch dann hätte mir weitere „Iron Man“-Filme nach 2013 gewünscht: Tony redet zwar viel. Doch gewann für mich in den letzten Filmen, besonders in „Ultron“ und „Civil War“,nicht genug weitere Tiefe.

30_Spannend, wie dieser Artikel [Link] über die schrägen/interessanten/überraschenden Duos, Trios, Gruppen in „Infinity War“ direkt sagt: „Doctor Strange wird neben Tony gesetzt, damit TONY sich als Figur entwickelt.“ Ich halte Tony für so klar, konturiert, dass ich die Szenen nicht als Tonys Szenen las. Sondern als: ‚Schaut. Hier erklären wir, warum Stephen Strange kein bloßer Tony-Abklatsch ist.“

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31_Weil das MCU offenbar viele witzige Trottel braucht, doch fast jeder MCU-Einzelfilm so wenige Frauenrollen hat, dass eine Trottel-FRAU als frauenfeindliches Klischee verstanden würde, sind die MCU-Frauen generell VIEL kompetenter und weiser als die MCU-Männer. Das heißt auch: Fast jede Szene in „Endgame“, in der ein Mann länger mit einer Frau spricht, zeigt mir einen schönen „Yeah! Mit SO einer deutlich schlaueren Frau wäre ich auch gern befreundet!“-Moment. Frigga und The Ancient One (Tilda Swinton) kommen deutlich schlauer rüber als ihre männlichen Dialogpartner. Nur Clint und Natasha sind, finde ich, auf Augenhöhe.

32_Meine Mutter sah nur „Iron Man 3“ und „Black Panther“. Sie mochte beide Filme… und sagte über die Gespräche zwischen Tony und Pepper, sie hätte sich alles viel martialischer vorgestellt. „Aber dass du Figuren magst, die SOLCHE tollen Gespräche führen. Das passt ja doch!“ Ich glaube, sie würde gern ne Serie sehen, in der sich Tilda Swinton und Mark Ruffalo 8 Stunden unterhalten. Schön, dass sowas zwischen all den Knalleffekten Raum kriegt, in „Endgame“.

33_Trotzdem hatte Bruce Banner (Hulk) im Film wenig zu tun und, im Rückblick, seit „Age of Ultron“ auch keinen richtigen Arc / Charakterbogen: Ich hätte gern gesehen, wie (genau, konkret!) Bruce es schafft, mit Hulk auf einen… grünen Zweig zu kommen.

34_Fans rätseln noch, ob die kurzen Szenen mit Jane Foster neu gefilmt wurden… oder Material aus dem „Thor 2“-Dreh sind. Natalie Portman (Jane) hatte keine Lust mehr, in weiteren Filmen mitzuspielen, als Regisseurin Patty Jenkins (später: „Wonder Woman“) aus „Thor 2“ ausstieg.

35_Mir ist Jane Foster wichtig, weil sie in den Comics Thors Hammer übernimmt für einige Jahre: Wie toll wären „Thor“-Filme mit Portman als Mittelpunkt?

36_Ich denke oft: Als TV-Serie(n), mit 10+ Stunden Figuren- und Dialogzeit pro Jahr, hätte ich mehr Spaß mit dem MCU. Über eine Figur wie Sharon Carter – die ich bisher in drei Filmen zusammengenommen ca. 11 Minuten sah – weiß ich im Grunde nichts. Besonders, sobald ich Wissen, das ich nur durch ihre Comic-Vorlage habe, ausklammere: WER ist Bucky? Für mich sind das Chiffren, Phantome, fast leere Flächen, die sich oft auch von Film zu Film extrem ändern. Wie kann man Fan einer solchen… Skizze, Vorläufigkeit sein? Ich sah „Ultron“ erst vor Kurzem. Davor wusste ich nichts darüber, dass Bruce und Natasha (die ich beide in späteren Filmen oft sah) über ein gemeinsames Leben nachdachten. Oder, wer Natasha eigentlich tiefer ist, sein will, früher war.

37_“Ultron“ erklärte, dass alle Agentinnen/Assassins, die wie Black Widow im „Red Room“ ausgebildet wurden, sterilisiert wurden. Für Clints Familie war Black Widow „Tante Natasha“, und dass ihr Clints‘ Verlust nahe geht, ist in „Endgame“ deutlich. Schade aber, dass sie zwar SAGT, sie gehe im Job auf (und: ihr Job sei ihre Familie), doch fünf Jahre lang weder a) Clints Alleingänge aufhalten kann noch b) besonders effizient und beherzt und „Ich habe einen Plan, wie alles gut wird“ rüber kommt. Die mutigen Pläne schmieden die Männer. Natasha heult, allein am Schreibtisch.

38_Die freudlose, langweilige, brutale und optisch klischeehafte Szene in Tokyo, in der Clint einen Yakuza-Gangster tötet, nervt mich besonders, weil Natasha offenbar eingreifen und den Tod hätte verhindern können. Mein Lieblingsheld ist Superman („No one dies today“), auch vor Batmans „Ich nutze keine Schusswaffen“ habe ich großen Respekt. Wie leichtfertig Held*innen im MCU DAUERND töten, macht mich müde und stößt mich ab.

39_Als Hawkeye in den Comics stirbt, taucht später eine Vigilanten-Figur auf: Ronin. Lange steht in Frage, ob Hawkeye Ronin ist (jein). Ich finde anstrengend, wie schnell Fans bei „Endgame“ schreiben: „Hawkeye ist jetzt Ronin“ oder „Statt Hawkeye geht es jetzt um Ronin“ – weil Clint für zwei (?) Szenen mehr Vigilant, Einzelkämpfer, Mörder ist als Held, und sein aktuelles MCU-Kostüm dem Ronin-Kostüm der Comics ähnlich wird.

40_Der dystopische (mittelprächtige, aber sehr beliebte) Comic „Old Man Logan“ zeigt Wolverine als alten Mann in einer postapokalyptischen „Mad Max“-Zukunft. Hawkeye wird, ebenso gealtert, zum besten Freund. 2019 startete die Comicreihe „Old Man Hawkeye“. Sie hat überraschend gute Kritiken. Jetzt, nach Jeremy Renners Leistung in „Endgame“, habe ich zum ersten Mal Lust auf das Konzept.

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41_Dass ich, obwohl ich jeweils alle Filme beider Figuren sah, nicht sagen könnte, was Falcon und Rhodey charakterlich unterscheidet, ist ein RIESENproblem.

42_Jemand (Black Widow, in der Erdnussbutter-Sandwich-Szene?) liest J.G. Ballards SciFi-Kurzgeschichtensammlung „Terminal Beach“ (1964). Als Carol in „Captain Marvel“ bei Blockbuster die VHS zum Astronauten-Drama „The Right Stuff“ musterte, passte das gut. Ob „Endgame“ Parallelen hat zu Ballards Geschichten, weiß ich nicht.

43_Was tat Carol / Captain Marvel im All? Sich um zahllose Welten kümmern, die, als die Hälfte ihrer Bevölkerung verschwindet, “die selben Probleme haben wie wir auf der Erde“. Eine einzige und recht nichtsagende Zeile, die a) nicht erklärt, warum sie von 1995 bis jetzt nie zurück zur Erde kam und b) besser funktionieren würde, wenn „Endgame“ zeigen würde, WELCHE Probleme eine Erde hat, der die halbe Bevölkerung fehlt: In Scott Langs Nachbarschaft sind viele Häuser zugewachsen und Mülltüten stapeln sich am Straßenrand. Das ist alles?

44_Auch, warum Carol nicht sichtbar altert, wird in „Endgame“ nicht klar. Oder, was aus den Skrulls wurde.

45_2007 übersprangen alle DC-Heftreihen ein Jahr: „One Year Later“. Umzüge, neue Heldennamen, Schwangerschaften, ein veränderter Status Quo für alle. Die Aktion war durchwachsen – weil viele Veränderungen Monat für Monat erzählt spannender gewesen wären statt des plötzlichen „Schaut! ALLES ist anders.“ Das „Wie wurde es anders?“ wurde oft nur angerissen. „Five Years Later“ wirft diese Probleme fünf Mal so schlimm auf, in einem Film, der noch siebzehn andere Dinge erzählen will. Mir gibt der Sprung nichts, und mich gruselt davor, was er z.B. für den nächsten „Spider-Man“-Film, „Far from Home“ bedeutet: Hat Peter Parker, als Opfer Thanos’, tatsächlich grade fünf Jahre verloren? Sind viele seiner Bezugspersonen und Mitschüler*innen jetzt fünf Jahre älter und dachten, sie sähen Peter nie wieder?

46_Verstehe ich das richtig? Durch Hulks Snap sind alle durch Thanos verschwundenen Lebewesen wieder genau dort, wo sie vor fünf Jahren waren? Was ist mit den zurückgelassenen Menschen, die seitdem z.B. neu geheiratet haben? (Aber: Zivilist*innen, einfache Menschen sind im MCU eh egal meistens: Alles wird anhand von Held*innen und ihrer nahsten Umwelt erzählt.)

47_Was ist mit Leuten, die verstarben, als/weil plötzlich die halbe Weltbevölkerung fehlte, z.B. durch Flugzeugabstürze? Die snappte Hulk nicht zurück, und auch nicht Leute, die im Lauf der letzten fünf Jahre starben, mittendrin?

48_Alle Netflix-Serien mit Marvel-Figuren wurden 2019 plötzlich beendet oder abgesetzt. Ich hoffe, z.B. „Jessica Jones“ erhält eine zweite Chance auf der neuen Plattform Disney+; doch nach „Endgame“ verstehe ich besser, wie paradox Alltag im MCU plötzlich wurde, durch diesen „Die Welt drehte sich fünf Jahre lang weiter und die Hälfte der Menschheit lebte dort; doch die andere Hälfte kehrt JETZT zurück und ist auf dem Stand von vor fünf Jahren“-Sprung: Was heißt das für Serien, die weiter produziert werden, „Cloak & Dagger“, „Agents of SHIELD“, „Runaways“?

49_Ich verstehe nicht, wie Thor auf Zeitreise 2013 den Hammer rufen und mit in die Gegenwart nehmen kann, ohne, damit alles zu ändern.

50_Gut, dass Loki den Tesserakt in der neuen Timeline 2014 nicht sofort nutzte. Gut, dass Hydra in der neuen Timelin 2014 nicht mehr Ärger machte etc.: Ich bin nicht sicher, ob ich die Regeln für Zeitreisen im MCU verstehe – doch ich glaube, wenn man sie versteht, wie man sie verstehen soll, kuckt man auf die Zeitreise-Szenen und denkt „Alles egal. Hauptsache, die Zeitreisenden sterben nicht. Sonst ist alles erlaubt, und nichts hat Konsequenzen.“ Verstehe ich das richtig?

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51_Verstehe ich das richtig: Captain America hat die Infinity-Steine *und* Mjölnir zurück in die Vergangenheit gebracht? Thor hat nach „Endgame“ erneut keinen Hammer mehr?

52_Reddit-User*innen, genervt: „They state that time travel doesn’t work like Back to the Future. Killing your past self doesn’t make your future self disappear. It’s all a stable time loop where this is what always happened.“ Heißt das, eine Reise in die Vergangenheit hat KEINE Konsequenzen?

53_Tonys höchstens fünfjährige Tochter sagt “I love you 3000“ – und ich rechne damit, dass das Nerdspeak für „Ich liebe dich sehr“ wird. Ich denke auch an Dragonballs [His power rank is] „Over 9000“: Menschen benutzen „Over 9000“ für „Ich reagiere übertrieben auf einen übertrieben hohen Wert“.

54_Schön, dass Tony Peter Parker mag. Bitter und klug, dass Tony glaubt, zwischen seiner leiblichen Tochter und „Ziehsohn“ (will er das nur? Oder sind sie echt schon so eng?) Peter wählen zu müssen. Schade, wie sich der Film da rausmogelt am Ende.

54_Ich sah „Spider Man: Homecoming“ noch nicht und sah deshalb die Begeisterung zwischen Tony und Peter bisher nur in „Civil War“ und „Infinity War“ (Stehen sich Tony und Tante May in „Homecoming“ nahe? Auf Tonys Beerdigung steht sie SEHR weit vorne). Wer Tonys Miteinander & Ton hier mag: „Squirrel Girl“ von Ryan North, besonders den aktuellen Sammelband 10, „Life is too short, Squirrel“. Große Empfehlung!

55_Bucky hat fast nichts zu tun im Film. Falcon auch. Loki bleibt vorerst tot. Ich bin erleichtert, zu wissen, dass es bald TV-Serien über diese Figuren geben wird. Wäre das, was „Endgame“ mit ihnen tut, alles für die nächsten Jahre… wärs viel zu wenig.

56_Figuren, die in „Endgame“ starben, BEVOR Thanos die Finger schnippte, bleiben tot. Das gilt für Loki und The Vision. Für beide aber sind TV-Serien geplant. Auch ein „Black Widow“-Film ist in Vorbereitung.

57_Dass Gamora zwar weiter im MCU bleibt, doch in ihrer 2014er-Version, und ihr (sehr bewegender) Tod in „Endgame“ nicht rückgängig gemacht wird, gefällt mir.

58_Wütende Fans auf Reddit, über z.B. Natashas Tod: „There’s just so much here that just seems so disrespectful to soo many characters in this entire franchise.“ Ich mag die meisten Figuren, doch ich LIEBE keine einzige und bin nicht besonders… protective. Schön, dass Hawkeye nochmal deutlich Raum kriegte. Schön, dass Pepper überhaupt vorkam. Schön, dass Wanda nie „irre“ oder „hysterisch“ gezeichnet wird. „Disrespectful“ fand ich nichts.

59_Verständlich, dass Sam Wilson, als er Caps Schild hält, sagt: „It feels like it belongs to someone else.“ Gut, dass Steve sofort widerspricht. Schade, dass trotzdem viele rassistische Fanboys sagen werden: „Nö, es gibt nur EINEN wahren Captain America“. Es ist, glaube ich, echt einfach egal, wie sehr man eine Figur, die kein weißer cis Mann ist, als kompetent und legitim beschreibt: Im halben Netz wird stehen, die Figur sei falsch, aufgepropft, unnötig.

60_Ich weiß nicht, wie lange politisch „neutrale“ Filme wie „Endgame“ noch darin funktionieren werden, Rechte UND Progressive anzusprechen: „Star Wars“ ist seit dem (progressiven, tollen) „The Last Jedi“ so umkämpft, dass Rechte und Comicgate-Männerrechtler sagen: „Das ist nicht mehr mein ‘Star Wars’“. „Endgame“ hat keine großen Momente, die Rechte als „Pandering“ und „linkgsgrünversifft“ und „Mary-Sue-haft“ und „Feminist Agenda-driven“ beschimpfen können: Es ist kein feministischer oder progressiver Film – doch eben auch kein aggressiv reaktionärer. Vielleicht werden in fünf Jahren Menschen sagen: „Nein. Entscheidet euch! Ich will konservative Figuren und deutliche Messages gegen Feminismus.“ bzw.: „Gähn. Keine Queerness, wenig Vielfalt, Frauen sind unterrepräsentiert. Ich bin raus!“

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61_Vor der „Endgame“-Premiere stand die Frage im Raum, ob „Endgame“ z.B. die „Young Avengers“ einführt: Scott Langs Tochter, Loki als wiedergeborener Teen, Prodigy als Schüler aus/in Wakanda, Kate Bishop als Hawkeyes Nachfolgerin. Tatsächlich kommen in „Endgame“ zwar Teenager vor. Eine große „Schaut: Dieses heroische Mädchen, das zweimal durchs Bild läuft, heißt übrigens Kamala Khan“ etc.-Szene fehlt.

62_Der Film besteht den Bechdel-Test: Black Widow spricht kurz mit Okoye. Gamora und Nebula haben mehrere Dialoge. Doch in fast jeder Szene sind Männer in der Überzahl oder unter sich. Captain Marvel hat mit niemandem besonders tiefe oder interessante Gespräche; Maria Hill kommt fast nicht vor; falls Sharon Carter vorkam, erkannte ich sie nicht.

63_Im Endkampf stehen acht, zehn Heldinnen zufällig im selben Bereich des Schlachtfelds: ein Kamerabild, das als Poster und .gif hervorragend funktionieren wird. Als Momentaufnahme während des Kampfs, erzählerisch, ergibt dieses Frauen-Tableau keinen Sinn. Doch ich glaube, darum ging’s auch nie. Sondern um ein „Seht her! Auch ohne Black Widow STROTZT das MCU vor Frauen.“ Das stimmt halbwegs. Nur haben all diese Frauen immer noch zu wenig zu tun, zu wenig zu sagen, zu wenig Tiefe.

64_“Gozie Agbo“ ist das Pseudonym von Joe Russo, Co-Regisseur des Films. Er hat eine kleine Szene im Film als trauernder Mann in Caps Selbsthilfegruppe. Ich bin gesichtsblind und dachte erst: „Ah, das ist Mark Ruffalo.“

65_Die Szene ist wichtig, weil sie, glaube ich, das erste Mal in den MCU-Filmen (…anders als in den Netflix-Serien) Queerness direkt thematisiert: Hörte ich richtig, sagt der trauernde Mann, dass er ein Date hatte zum ersten Mal seit der Snapture und verwendet für den Date-Partner das Pronomen „he“. [Mit Pech verhörte ich mich, und er sagte nicht sowas wie „After years, I finally saw a date“ sondern „After years, I finally saw my DAD.“ aber… nein. Es ging doch um Dates?!]

66_Die Szene lässt sich leicht rausschneiden oder neu synchronisieren: Man müsste „er“ nur durch „sie“ ersetzen. Ich bin gespannt, in welchen Ländern die Szene bleibt, wie sie ist.

67_Valkyrie ist offiziell bisexuell – eine entsprechende Szene wurde aus „Thor 3“ gestrichen. Ihre Szenen in „Endgame“ verraten nichts über ihre Sexualität. Das selbe gilt für Drax und Mantis. Produzent Kevin Feige sagt, dass a) es bereits jetzt queere Figuren im MCU gibt (…Loki auch?), b) in kommenden Filmen neue folgen werden.

68_Hawkeye ist weiterhin (wie in „Ultron“ und „Civil War“) Mentor / Bezugsperson für Scarlet Witch, und fragt sich am Ende des Films, ob Natasha [trotz ihres Todes] wohl weiß, dass die Avengers gewonnen haben. Scarlet Witch: „She knows. They both know.“ Ich musste fast weinen, weil ich dachte: Wie schön, respetkvoll und stimmig, dass Scarlet Witch an ihren Zwillingsbruder denkt, Quicksilver. Nach ein paar Stunden aber dachte ich: Was, wenn sie Vision meint, ihren Liebhaber? Beides würde passen – doch diesen Satz SO offen und vage zu lassen, dass unklar ist, wen sie meint, halte ich für lieblos – und damit das Gegenteil dieser „Wie schön! Tote Figuren werden erinnert!“-Absicht: I honestly can’t tell if she means Vision or Pietro.

69_Immer wieder zeigen Marvel-Filme, wie Hauptfiguren den Abwasch machen. Auch hier wieder (Tony, bei sich daheim). Mich ärgert, wie gleich alle „Hier ist unser schönes Zuhause“-Landhäuser in „Ultron“ (Hawkeye), „Captain Marvel“ (Maria Rambeau) und „Infinity War“ (Tony) ausehen. Und mich ärgert, wie undurchdacht der Film erst Clints Idylle zerstört, dann Tony eine viel zu ähnliche Idylle gibt. (Ich verstehe die Spiegelung. Doch sie bleibt flach/einfältig.)

70_Viel Rocket Raccoon. Wenig Okoye, Black Panther, Carol Danvers. Doctor Strange und Peter Parker haben zwar einige Momente – die aber nichts verraten/zeigen, das nicht „Infinity War“ bereits besser erzählte. Auch Peter Quinn tut und sagt das selbe wie in „Infinity War“, nur gekürzt/weniger.

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71_Thor sagt Valkyrie, sie sei bereit, New Asgard anzuführen. Ich mag die Figur durch „Thor 3“ und freue mich, dass Thor viel von ihr hält. Doch dass sie fünf Jahre lang nur in Norwegen saß und zusah, wie sich Thor betrinkt, spricht nicht für sie. Und: Nicht für einen Film, der in 5 Jahren erzählter Zeit praktisch *nichts* von Belang mit dem Großteil seiner Figuren wagt, durchdenkt, zeigt. Zum Vergleich: Was geschah in den fünf Jahren zwischen 2012 und 2017, im MCU?

72_Ich verstehe, dass Fans von „Thor 3“ wütend auf den Start von „Infinity War“ sind: In „Alien 2“ tut Ripley alles, um ein Kind zu retten. Für „Alien 3“ wird das Kind schnell getötet/weg gewischt, um einen neuen Plot in Fahrt zu bringen. Reddit: „Half of Thor’s people die in Infinity War even though Thor Ragnarok said Asgard was about the people“.

73_Ich sah „Thor 3“ auf Deutsch, und war hingerissen von Korg. Auch, weil mich die Figur an einen lapidaren, gutmütigen Obdachlosen/Sidekick in einer Soap, die ich mag, erinnert: Hotte in „Alles oder nichts“. Dass Korg mich aber SO kriegt und SO nah an Hotte kommt, lag am deutschen Synchronsprecher: Im Original ist die Figur… good. Not great.

74_“Thor 3“ zeigte, wie witzig Chris Hemsworth sein kann. Dass „Endgame“ noch einen drauf setzt, tut der Figur nicht gut: Ich bin großer Fan von Jason Aarons „Thor“-Comics. Dort ist er trinkfreudig, selbstbezogen, oft naiv. Doch das Inkompetenz-, Big-Lebowski- und Homer-Simpson-Level in „Endgame“ deprimiert mich.

75_Schön aber, dass Thor trotzdem das lange und wichtigste (im Sinne von: Hier wird, glaube ich, ein Leitgedanke des ganzen MCUs klar benannt) Gespräch im Film hatte, mit seiner Mutter Frigga hatte: noch ein Moment, in dem ich fast weinte.

76_Frigga: „Everyone fails at who they are supposed to be.“ Wichtiger deshalb, als Held und Mann: „Suceed at who you are!“ [Vielleicht heißt das bei Comic-Verfilmungen und Adaptionen generell auch: Macht EUER Ding möglichst gut und konsequent. Filmfiguren sind nie das, was Fans der ursprünglichen Comics erhofften.]

77_In „Infinity War“ verliert Peter Quill die Nerven vor Thanos (Inkompetenz und ein taktischer Fehler; andererseits aber etwas, das für Doctor Strange passieren MUSS, damit die Timeline/Wahrscheinlichkeiten stimmen und alle das „Endgame“ erreichen). In „Endgame“ köpft Thor Thanos, bevor die anderen Figuren ihm wichtige Fragen stellen können. Mit beiden Momenten kann ich gut leben: Ich hasse Fans, die einen kurzen Moment jahrelang einer Figur (oft: einer Frau/Heldin) zum Vorwurf machen. Tony trägt Verantwortung für Ultron… und niemand nimmt es ihm RICHTIG übel. Für mich sind Ausraster und Affekthandlungen verzeihbar, und ich will keine Filmserien sehen, die ihren Held*innen Wut, Mitleid, Irrationales NICHT verzeiht.

78_Tonsberg (jetzt: New Asgard) ist ein realer Ort in Norwegen – doch viel größer, städtischer. Weil im Abspann Island als Drehort genannt wird, denke ich, es gibt keinen eins-zu-eins Ort in Norwegen.

79_Was wurde aus den norwegischen Einwohnern Tonsbergs? Sind die einfach noch da, neben den Asgardianer*innen, gleichberechtigt? Ich denke an die „Thor“-Comics, in denen Asgard eine Weile bei Broxton, Oklahoma liegt… und an „The Last Jedi“: Wo Luke ähnlich stoisch und unrasiert vor ähnlichen Natursteinwänden Trübsal bläst. (Schade, dass Thor nichts und niemanden molk: Leute wären SO sauer gewesen.)

80_Gibt es die „Peter Quill hört Walkman und tritt kleine Kröten“-Szene auch in den Guardian-Filmen [Twitter: „Ja. Die Starlord Walkman-Kröten-Szene ist die erste Einstellung ziemlich am Anfang von „Guardians of the Galaxy“ in der man Peter Quill als Erwachsenen sieht.]? Szenen (oft mit Gesangs- und Musikeinlagen), die absurd und beliebig wirken, aus der Handlung fallen und gekürzt werden könnten, heißen im TV Tropes „Big-Lipped Alligator Moment“. Für mich sind die kleinen Echsen eine gute Mischung aus „Jurassic World“-Verweis und „Alligator Moment“.

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81_Ca. 2010 merkte ich, dass Leute, oft jünger als ich, Shirts und Poster von möglichst bunten, oft lila-stichigen Spiralnebeln und Sternenfeldern feiern. Bunter Galaxy-Kitsch. Ich bin kein Fan der Ästhethik – doch finde (auch durch Thanos’ lila Haut), besonders „Infinity War“ perfekt für… spacekitsch-verliebte Millennials.

82_Eine Lichtstimmung, die mich in „Endgame“ nervte: Die Chiaroscuro-Ästhethik (Wolken, Schatten, Cap in der Lichtsäule etc.) während der letzten Schlacht. Ich denke an Superman im DCU, der oft in solchen Bildern inszeniert wird. Und an ein Flashback in „Thor 3“, der das Ende der Walküren zeigt. Dass in „Infinity War“ eine lange, wichtige Sequenz (inklusive Walküren-Pegasus!) in einer so künstlichen Stilisierung gezeigt wird, wirkt auf mich videospielhaft, billig. Ich mag das MCU am meisten, wenn (ähnlich wie bei James Bond) drei, vier Metropolen oder Landschaften stimmungsvoll, aber realistisch einen ganzen Film tragen.

83_Atlanta, Georgie ist Drehort zunehmend vieler MCU-Filme. Manchmal passt dieser Look gut („Captain Marvel“), manchmal wirkt alles arg künstlich („Black Panther“). „Endgame“ zeigt wenig von der realen Welt und Landschaft: eine Klischee-Szene in einer Tokyo-Klischeekulisse. Ich liebe Sokovia aus „Ultron“: gedreht in Norditalien (Aosta). MCU-Filme, die das nutzen („Doctor Strange“) überzeugen mich oft mehr als Georgia-Computer-Orgien.

84_Die beliebteste Szene aus „Winter Soldier“ zeigt, wie Steve gegen eine Überzahl aus Shield/Hydra-Agenten kämpft, im Lift des Triskelion. Schön, wie originell und witzig „Endgame“ eine ähnliche Szene aufbaut… und dann auf den Kopf stellt.

85_Toll, dass Robert Redford (Bösewicht in „Winter Soldier“) eine kurze Szene hat. Doch Michelle Pfeiffer z.B. erkannte ich nichtmal. Und: war die Schwarze SHIELD-Mitarbeiterin 1970 eine Figur oder Schauspielerin, die ich kennen sollte? [Edit: Yvette Nicole Brown aus u.a. „Community“]

86_„Captain Marvel“ zeigte Samuel L. Jackson – 25 Jahre jünger. In „Endgame“ taucht Michael Douglas kurz auf – als Hank Pym, 1970. Ich bin gespannt, wann wir die ersten komplett neuen Filme sehen werden mit digitalen oder digital verjüngten Schauspieler*innen, die z.B. bereits gestorben sind.

87_Eine kurze Sequenz aus „Captain America“, bei der Steve in Jogginghose auf einen Boxsack schlägt, von hinten gefilmt, ging viral – weil viele Leute Chris Evans’ Hintern scharf fanden. Die erste „Endgame“-Szene mit Steve zeigt ihn sofort in Jogginghose, und ich dachte „Mal sehen, ob die Kamera die Hose in den Fokus nimmt.“ Sie tat es nicht (Überraschung!), doch kurz darauf begann ein Running Gag, der sich dazu steigerte, dass mehrere Leute UND Steve über den Hintern sagten: „That is America’s Ass.“ THAT escalated quickly!

88_Nebula (2019) hätte wissen müssen, dass sie verlinkt ist – und Nebula (2014) spüren wird, dass sich eine zweite Nebula in ihrer Zeit aufhält.

89_Ein solider Comic mit physikalisch absurdem Planet-stürzt-in-schwarzes-Loch-Plot, doch viel Gamora und etwas Nebula, den Fans der Filmfiguren mögen werden: „Gamora: Memento Mori“ (6 Hefte, 2016. Autorin: Nicole Perlman). 3 von 5 Sternen.

90_Ein Wortspiel… doch seit 2018 auch eine ernst gemeinte Marvel-Heftreihe: „Asgardians of the Galaxy“. Ich frage mich, ob a) Chris Hemsworth in „Guardians of the Galaxy 3“ einfach Teil des Teams ist (…und ob das okay ist für nen Schauspieler, der bisher immer Top Billing hatte / auf dem Kinoplakat der eindeutige Star war in den „Thor“-Filmen); b) dieses Wortspiel irgendwo fällt im MCU.

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91_Mark Zuckerberg, Elon Musk, Jeff Bezos… es gibt SO viele arrogante „Disruptors“, die glauben, mit ihren Millionen die Welt verändern zu können – ohne, die Folgen durchzudenken oder um Erlaubnis zu fragen. Dass Tony sagt, er wollt „a Suit of Armor around the World“ bauen, aber Menschen heulten, weil das ihre „precious freedom“ gefährde, finde ich… a) tagesaktuell superwichtig und passend, b) toll in Character und der Grund, warum ich gern noch jahrelang gesehen hätte, wie Tony länger, härter, tiefer in Frage gestellt wird.

92_Eine Hauptfigur nennt SHIELD in „Endgame“ „quasi-fascist intelligence Organiziation“? Wunderbar, danke. Ich denke das seit Jahren – und kann deshalb Figuren wie Nick Fury, Captain America und Black Widow nicht abfeiern. Die MCU-Filme sind oft krass militaristisch – und dass es SHIELD gibt, ist ein Problem. Keine Lösung.

93_Ich kann mit „Winter Soldier“ leben. Doch v.a. „Civil War“ enttäuschte mich: Ich habe nicht den Eindruck, dass die „Freiheit vs. Sicherheit“-Debatten, die Steve und Tony führen, tatsächlich durchdacht sind. Und: Am Ende von 22 Filmen mal kurz „faschistoid“ sagen reicht halt nicht, um meine… Verachtung dafür wegzuspülen, wie kritiklos alle Held*innen immer wieder auf Militär, Überwachung, Helicarrier, Lenkraketen und Gegner-Erschießen setzen.

94_Ich habe keine Ahnung, ob die Person im Smoking auf Tonys Trauerfeier, die hinter dem Wakanda-Trio steht, Maria Hill ist… oder Harvey Keener (der Junge aus „Iron Man 3“).

95_Wonder Woman, Batman und Superman gelten als DCs „Trinity“. Im selben Stil kämpfen im „Endgame“-Finale Thor, Cap und Tony gegen Thanos. Auch, dass Cap worthy ist, Thors Hammer zu heben (Tony nicht, zeigte „Age of Ultron“), lese ich als „Schaut: Die sind sich ebenbürtig und allererste Liga“-Signal. Bezeichnend aber, dass diese Trinity nur aus Männern besteht.

96_Mal sehen, ob das „angeknabberte“ [von Thanos’ Schwert zerteilte] Vibranium-Schild nochmal in Comics oder in Fan-Art als Symbol für „Amerika hat ein Problem“ oder „Die besten Zeiten sind vorbei“ verwendet wird.

97_In „Endgame“ hat Stan Lee ein letztes Cameo: ein hippyesker Playboy in einem Straßenkreuzer, 1970 auf dem Highway, der sich Liebe statt Krieg wünscht. Nicht furchtbar – doch auch nicht besonders clever oder markant.

98_Stan Lee spielt in all diesen Filmen die selbe Figur: einen außerirdischen „Watcher“, der sich als Erdenmensch tarnt und die Held*innen beobachtet. Ich hätte mir gewünscht, dass „Endgame“ das on-screen zum Thema macht und nochmal sagt: „DAS hier tat ‘Stan Lee’ als MCU-Figur, DAS war seine Mission.“ (Vielleicht gibts ab MCU-Film Nr. 23 jetzt Cameos von… Robert Downey jr.?)

99_Es gibt keine Post-Credit-Scene.

.Endgame 13

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Helden-Kino als Sackgasse

Wäre dies das Ende: alles wäre schlimm. Marvels „Endgame“ ist eine TV-Soap im Kino.

Wer einer Seifenoper, einer Wrestling-Liga oder Superheldencomics über Jahre treu bleibt, will meist nicht wegen der Handlung, den tagesaktuellen Wendungen immer mehr. Sondern der Figuren wegen: Nach 22 Marvel-Kinofilmen seit 2008 mit über 40 wichtigen, immer wiederkehrenden Heldinnen und Helden wird jeder, der zwei, drei Filme sah, erklären können, warum er persönlich Lust hat, einen vierten, fünften, zwanzigsten zu sehen:

Weil Tony Stark (Iron Man) kluge Fragen stellt zu Freiheit, Sicherheit, Disruption? Weil mit Black Panther und Captain Marvel endlich auch Frauen und Menschen of Color in einzelnen Filmen die größte Haupt- und Titelrolle spielen? Oder doch, weil viele Figuren Potenzial haben – das noch nicht eingelöst wurde, und jeder weitere Film ein paar kostbare Minuten Dialog- und Bildzeit verspricht für Rollen, die seit Jahren am Rand bleiben? Agentin Black Widow, Kriegerin Okoye?

Ein paar der besten Marvel-Filme seit 2016 brauchten kein Vorwissen: „Black Panther“, „Captain Marvel“, „Doctor Strange“ sind schwungvolles, einsteigerfreundliches Popkorn-Kino. Überraschend aber, dass auch „Avengers: Infinity War“ (2018) den Quereinstieg leicht macht: Eroberer Thanos überlebte die Verteilungskämpfe, Hunger- und Überbevölkerungs-Katastrophen seiner Heimatwelt, Titan. Er denkt, das Leben im Universum hätte nur eine Chance, falls jemand die Hälfte aller Personen auslöscht. Sammelt er erfolgreich alle sechs Infinity-Steine, müsste er dazu nur mit dem Finger schnippen.

„Infinity War“ stellt den arroganten Doctor Strange neben den arroganten Tony Stark. Den brachialen Thor neben den brachialen Rocket Racoon: Figuren, die bisher gedoppelt, redundant schienen, entwickeln in toller Zweier- und Gruppendynamik Kontraste. „Infinity War“ ist ein erbarmungslos packender Film über 40 verzweifelte, aus 20 vorigen Filmen bekannte Figuren, die in neuen Teams und Kleingruppen versuchen, den übermächtigen Thanos am Steine-Sammeln zu hindern. Dringlich, tragisch, warmherzig.

„Endgame“ (2019) ist die direkte Fortsetzung von „Infinity War“: Thanos löschte die Hälfte allen Lebens aus, und die verbleibenden Figuren (vor allem: die aus „The Avengers“ (2012) bekannten fünf Männer und Heldin Black Widow) machen Zeitreisen nach 1970, 2012 und 2014, um die Steine neu zu sammeln und damit alle Ausgelöschten zurück ins Leben zu schnipsen: „Endgame“ ist ein Zeitreise-Abenteuer, nach dem atemlosen „Infinity War“ überraschend verspielt. Ein ambitionierter, komplexer, übervoller Film, in dem fast alle Fäden zusammen laufen – doch der Spaß macht, je mehr frühere Marvel-Filme man kennt und, an je mehr Figuren man hängt. „Infinity War“ war offen, packend. „Endgame“ belohnt vor allem die treuesten Fans.

Doch wie „belohnt“ fühlt man sich, sobald viele Lieblingsfiguren sterben, verschwinden, sich zur Ruhe setzen? Vertraute Teams und Freundschaften enden? Und klar ist: Auch die überlebenden Held*innen werden erst in zwei, drei Jahren wieder zwei, drei Sätze von Substanz sagen dürfen, in folgenden Filmen?

„Endgame“ ist kein Endpunkt. Auch 2020 erscheinen bis zu drei neue Filme, und für die Netflix-Konkurrenzplattform „Disney+“ sind Serien zu Loki, Falcon/Winter Soldier, Vision/Scarlet Witch und Hawkeye in Arbeit. Sogar für eine Figur, die in „Endgame“ stirbt, ist ein weiterer Kinofilm geplant.

Nur das macht „Endgame“ erträglich: Wäre dies das Ende, würde es vor allem zeigen, wer als Neben- und Randfigur nie wirklich Tiefe erlangte, erlangen sollte, erlangen durfte. Noch immer sind Frauen deutlich in der Unterzahl. Menschen of Color sind in „Endgame“ auf Nebenrollen beschränkt. Offen queere Held*innen fehlen weiterhin. Bei „Infinity War“ zählten Fans akribisch nach, wer wie viel Sprechzeit bekam. Mit 29 Minuten war Thanos die klare Hauptrolle. „Endgame“ ist als Film, für sich, schwer zu genießen. Weil so viele Figuren für Sekunden auf einer Bühne drängen, dass Fans zurecht fragen: „Jane Foster? Pepper Potts? Shuri? Valkyrie? Ist sinnvoll, mein Herz an solche Rollen zu hängen? Wenn fast alle, die keine weißen Männer sind, selbst nach 10+ Jahren vor allem Chiffren, Schablonen, Skizzen bleiben?“

„Endgame“ ist ein hochkomplexes Mosaik, das zahllose Einzelteile überraschend und ambitioniert jongliert und neu ordnet und, wie immer, vor allem Lust auf Fortsetzungen macht. Vielleicht aber sollten Heldinnen und Helden schnell wieder vor allem in monatliche Comic-Heftreihen und lange TV-Serien.

Denn wer Captain Marvel oder Black Widow über Jahre die Treue hält, muss sich nach „Endgame“ fragen: Wie viel wissen wir über diese Frauen? Wie viel können wir je von ihnen erfahren – bevor die Verträge der Schauspielerinnen auslaufen? Sogar Entscheidungen, die zentralste Figuren wie Thor und Captain America in „Endgame“ treffen, zeigen vor allem, wie wenig man über 40+ Figuren erfuhr, im Lauf von 22 langen, am Ende aber doch: viel zu kurzen Filmen.

Die besten Bücher aus Kanada – Gastland / Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020 #canlit #canadaFBM2020

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Von 2009 bis 2013 lebte ich drei Monate pro Jahr in Toronto.

2020 wird Kanada Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse: #canadaFBM2020

Ich bin Kritiker – und sortierte und las in ca. 1500 kanadische Bücher. Heute im Blog:

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Kanadische Literatur, auf Deutsch nicht erhältlich. #vorauswahl

Gastland 2018: Georgien. Buchtipps | Artikel: Spiegel Online | Pressereise

Gastland 2019: Norwegen. Buchtipps 1 | Buchtipps 2 | Pressereise

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Catherine Hernandez, Ahmad Danny Ramadan, Kristel Derkowski

CATHERINE HERNANDEZ: „Scarborough“

„Scarborough is a low-income, culturally diverse neighborhood east of Toronto, the fourth largest city in North America. A multitude of voices tell the story of a tight-knit neighborhood that refuses to be undone: Victor, a black artist harassed by the police; Winsum, a West Indian restaurant owner struggling to keep it together; Hina, a Muslim school worker who witnesses first-hand the impact of poverty on education… and three kids who work to rise above a system that consistently fails them: Bing, a gay Filipino who lives under the shadow of his father’s mental illness; Sylvie, a Native girl whose family struggles to find a permanent home; and Laura, whose history of neglect by her mother is destined to repeat itself with her father.“

AHMAD DANNY RAMADAN: „The Clothesline Swing“

„The troublesome aftermath of the Arab Spring. A former Syrian refugee himself, Ramadan was inspired by One Thousand and One Nights. The mountains of Syria, the valleys of Lebanon, Turkey, Egypt and finally Canada. The epic story of two [male] lovers: A storyteller relays remembered fables to his dying partner.“

KRISTEL DERKOWSKI: „One Million Trees“

„A memoir of what it’s like to work as a tree planter, replanting the clear-cut forests of northern Ontario, Manitoba and the Maritimes. Bleak, funny, brutally realistic, Six Million Trees follows the author and her companions as they battle blizzards and broken bones, through isolation, desperation, solidarity and healing.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Merilyn Simonds, Joshua Whitehead, Richard Wagamese

MERILYN SIMONDS: „Refuge“

After a life that rubbed up against the century’s great events in New York City, Mexico, and Montreal, ninety-six-year-old Cassandra MacCallum is surviving well enough, alone on her island, when a young Burmese woman contacts her, claiming to be kin. Nang’s story of torture and flight provokes memories in Cass: Could her son really be Nang’s grandfather? What does she owe this girl?

JOSHUA WHITEHEAD: „Jonny Appleseed“

„Appleseed is a young Two-Spirit/Indigiqueer: Off the reserve and trying to find ways to live and love in the big city, Jonny becomes a cybersex worker who fetishizes himself in order to make a living. Stories of love, trauma, sex, kinship, and ambition, full of grit, glitter, and dreams.“

RICHARD WAGAMESE: „Indian Horse“

Saul Indian Horse has hit bottom. His last binge almost killed him, and now he’s a reluctant resident in a treatment centre for alcoholics: For Saul, an remarkable Ojibway man, taken forcibly from the land and his family when he’s sent to residential school, salvation comes for a while through his gifts as a hockey player. But in the harsh realities of 1960s Canada, he battles obdurate racism and the spirit-destroying effects of cultural alienation and displacement. Indian Horse unfolds against the bleak loveliness of northern Ontario, all rock, marsh, bog and cedar.

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Sean Michaels, Kathryn Kuitenbrouwer, Heather O'Neill

SEAN MICHAELS: „Us Conductors“

„In a finely woven series of flashbacks and correspondence, Lev Termen, the Russian scientist, inventor, and spy, tells the story of his life to his “one true love,” Clara Rockmore, the finest theremin player in the world. Leningrad during the Bolshevik Revolution, his arrival in 1930s New York. As Termen returns to Russia, he is imprisoned in a Siberian gulag and later brought to Moscow, tasked with eavesdropping on Stalin himself.“

KATHRYN KUITENRBOUWER: „All the broken Things“

„September, 1983. Fourteen-year-old Bo, a boat person from Vietnam, lives in a small house in Toronto with his mother and his four-year-old sister, who was born severely disfigured from the effects of Agent Orange. Named Orange, she is the family secret. One day a carnival worker and bear trainer, Gerry, sees Bo in a streetfight, and recruits him for the bear wrestling circuit, eventually giving him his own cub to train. This opens up a new world for Bo–but then Gerry’s boss, Max, begins pursuing Bo’s mother with an eye on Orange for his travelling freak show.“

HEATHER O’NEILL: „The Girl who was Saturday Night“

„Nineteen years old, free of prospects, and inescapably famous, twins Nicholas and Nouschka Tremblay are trying to outrun the notoriety of their father, a French-Canadian Serge Gainsbourg with a genius for the absurd and for winding up in prison. Nouschka not only needs to leave her childhood behind; she also has to leave her brother, whose increasingly erratic decisions might take her down with him.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Carrianne Leung, Anita Rau Badami, Shyam Selvadurai

CARIANNE LEUNG: „That Time I loved you“ [Short Stories]

„June is an irrepressible adolescent Chinese-Canadian coming of age. The suburbs of the 1970s promised to be heaven on earth—new houses, new status, happiness guaranteed. But in a Scarborough subdivision populated by newcomers from all over the world, a series of sudden catastrophic events show the fine line where childhood meets the realities of adult life.“

ANITA RAU BADAMI: „Can you hear the Nightbird call?“

„Moving between Canada and India: the interweaving stories of three Indian women. Leela, born to a German mother and a Hindu father, is doomed to walk the earth as a „half-and-half.“ and emigrates to Vancouver with her husband and two children. Bibi-ji gains access to a life of luxury in Canada – but her sister Kanwar, left behind to weather the brutal violence of the Partition of India and Pakistan in 1947, is not so fortunate.“

SHYAM SELVADURAI: „The hungry Ghosts“

„In Buddhist myth, the dead may be reborn as „hungry ghosts“—spirits with stomachs so large they can never be full—if they have desired too much during their lives. It is the duty of the living relatives to free those doomed to this fate by doing kind deeds and creating good karma. Shivan is gay, lives in Canada and travels back to Colombo, Sri Lanka, to rescue his elderly and ailing grandmother and bring her to Toronto.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Zoe Whittall, Daniel Allen Cox, Sassafras Lowrey

ZOE WHITTALL: „Bottle Rocket Hearts“

„Montreal in the months before the 1995 referendum. Riot Grrl gets bought out and mass marketed as the Spice Girls, and gays are gaining some legitimacy, but the queers are rioting against assimilation; cocktail AIDS drugs are starting to work, and Eve, 18, is pining to get out of her parents‘ house in Dorval and find a girl who wants to kiss her back. She meets Della: mysterious, defiantly non-monogamous, an avid separatist, and ten years older. From naive teenager to hotshot rough girl, Eve decides her own fate.“

DANIEL ALLEN COX: „Shuck“

„Set in the late 1990s: the last gasp of a gritty Manhattan. The intense diary of a male hustler in New York who tries to manage his reputation as the city’s porn star du jour when he’s not dumpster diving, or trying to get published. A novel about what binds artists and prostitutes: Cox is a former porn star. This is his first novel.“

SASSAFRAS LOWREY: „Lost Boi“

„A queer punk reimagining of the classic Peter Pan story: Told from the point of view of Tootles, Pan’s best boi, the lost bois call the Neverland squat home, creating their own idea of family, and united in their allegiance to Pan, the boi who cannot be broken, and their refusal to join ranks with Hook and the leather pirates. A struggle against the biggest battle of all: growing up.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Medina Faris, Ins Choi, Sheree Thomas

MEDINA FARIS: „The Dirty Version“

„Asia Salam is a hip-hop DJ with a drug dealing brother. Temür Mirzaev is a disenchanted hitman. Set during the economic and political upheaval of 2009, The Dirty Version is a story of blood ties that bind and the grey between good and evil.“

INS CHOI: „Kim’s Convenience“ [Theaterstück]

„Mr. Kim is a first-generation Korean immigrant and the proud owner of a variety store located in the heart of downtown Toronto’s Regent Park neighbourhood. As the neighbourhood quickly gentrifies, Mr. Kim is offered a generous sum of money to sell – enough to allow him and his wife to finally retire. But Kim’s Convenience is more than just his livelihood – it is his legacy. As Mr. Kim tries desperately, and hilariously, to convince his daughter Janet, a budding photographer, to take over the store, his wife sneaks out to meet their estranged son Jung, who has not seen or spoken to his father in sixteen years and who has now become a father himself.“

SHEREE THOMAS: „Dark Matter. A Century of Speculative Fiction from the African Diaspora“

„Black science fiction, fantasy, and speculative fiction for readers who have not had the chance to explore the scope and diversity among African-American writers.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Emily Saso, Danila Botha, Sophe B. Watson

EMILY SASO: „The Weather inside“

„It’s summer in Toronto, and the snow and ice is relentless. Too bad no one but Avery can see it. Avery remembers the death of her beloved father, the abuse she suffered as a teen, and the religion that tore her parents apart.“

DANILA BOTHA: „Too much on the Inside“

„The sub-cultural heartland of Toronto’s Queen Street West: Four people in their twenties converge with the impossible task of escaping their pasts in Brazil, Israel, South Africa, and Nova Scotia and try to build new identities.“

SOPHIE B. WATSON: „Cadillac Couches“

„A picaresque road trip novel set in the late ’90s and framed by the popular Edmonton Folk Music Festival: Two music-smitten twentysomething women search for love and purpose race across the country to Montreal.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Joey Comeau, Jason Lee Norman, Jacques Poulin

JOEY COMEAU: „Malagash“

„A darkly humorous portrait of a family in mourning. Sunday’s father is dying of cancer. They’ve come home to Malagash, on the north shore of Nova Scotia, so he can die where he grew up. Her mother and her brother are both devastated. But Sunday starts recording everything her father says. His boring stories. His stupid jokes.“

JASON LEE NORMAN: „Americas“ [Short Stories]

„There are 22 countries in the Americas. There are 22 stories in this book. In Nicaragua they keep their tears in jars. Guyana has separation anxiety. 22 stories about 22 countries you thought you knew.“

JACQUES POULIN: „Les grandes Marées“ / „Spring Tides“

„On an uninhabited island, a translator of comic strips lives in the company of his marauding cat and his tennis ball machine. But his boss helicopters in a few solitude-seeking companions—the beautiful and elusive Marie with her flirtatious cat Moustache; the seductive nudist, Featherhead; Professor Moccasin, the half-deaf comic strip scholar; the moody and contradictory Author; the Ordinary Man; and the Organizer, sent to “sensitize the population.” As the spring tides drag ocean debris onto the shore, the translator and his companions seek out their own solitudes in this hilarious philosophical fable.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Antanas Sileika, W. P. Kinsella, Hugh Garner

ANTANAS SILEIKA: „Buying on Time“

„Growing up in an eastern European immigrant community near Toronto: A book, both harsh and sympathetic, about the personal embarrassments we all live through.“

W. P. KINSELLA: „Shoeless Joe“ [Vorlage zu Kevin Costners „Feld der Träume“]

„“If you build it, he will come.” These mysterious words inspire Ray Kinsella to create a cornfield baseball diamond in honor of his hero, Shoeless Joe Jackson. A story about fathers and sons, love and family.“

HUGH GARNER: „Cabbagetown“

„A voluminous tale of depression-era Canada: One of the few Canadian novels published before 1960 that is genuinely frank about sex and politics. Set in Toronto’s east-end Cabbagetown neighbourhood („the largest Anglo-Saxon slum in North America“), teenage characters are leaving school and find paltry jobs. Some turn to crime, prostitution, or wage slavery and others ride the rails, while one cynical social climber becomes a crypto-fascist and government clerk. There’s nothing puritanical about Garner’s novel; in this Old Ontario, people cruise for sex in city parks, drink themselves to death, and lie, cheat, cuss, and steal for all they’re worth. A gang of fascist youths attacks a party of picnicking Jews at Cherry Beach. As literary art, Cabbagetown is decidedly second-tier. But its brutal honesty makes it consistently rewarding.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Claire Mullignan, Lesley Crewe, Suzanne Aubry

CLAIRE MULLIGAN: „The Reckoning of Boston Jim“

„The colony of British Columbia, 1863. Boston Jim Milroy, a lone trapper and trader with an eidetic memory has become obsessed with reciprocating a seemingly minor kindness from the loquacious Dora Hume, a settler in the Cowichan Valley of Vancouver Island. Dora’s kindness and her life story both haunt Boston Jim.“

LESLEY CREWE: „Amazing Grace“

„Grace Willingdon has everything she needs. For fifteen years she’s lived in a trailer overlooking Bras d’Or Lakes in postcard-perfect Baddeck, Cape Breton. Then, her estranged son calls from New York City, worried about his teenaged daughter: Grace finds herself the temporary guardian of her self-absorbed, city-slicker granddaughter Melissa.“

SUZANNE AUBRY: „Fanette“

„The Great Famine of 1845 in Ireland forced thousands of people to leave. Fionnuala, 7, travels in a „coffin ship“ to Quebec City. She loses her parents to typhus. Along with her sister Amanda, she is placed on a farm. The destinies of the two sisters are intertwined in a compelling saga exploring the depths of human cruelty and solidarity.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Helen Humphreys, Patrick Gale, Donna Milner

HELEN HUMPHREYS: „The Evening Chorus“

„Downed during his first mission, James Hunter is taken captive as a German POW. To bide the time, he studies a nest of redstarts at the edge of camp. Back home, James’s new wife, Rose, is on her own, free in a way she has never known. Then, James’s sister, Enid, loses everything during the Blitz and must seek shelter with Rose. In a cottage near Ashdown forest, the two women find unexpected freedom amid war’s privations and discover confinements that come with peace.“

PATRICK GALE: „A Place called Winter“

„A privileged elder son, and stammeringly shy, Harry Cane has followed convention at every step. After an affair, he’s forced to abandon his wife and child and signs up for emigration to the newly colonised Canadian prairies: a world away from the golden suburbs of turn-of-the-century Edwardian England.“

DONNA MILNER: „A Place called Sorry“

Growing up in the 1930s, Adeline Beale knows little of the outside world: She believes that everything she could ever want or need is to be found on her grandfather’s cattle ranch, or in the little town twelve bush miles away, a place called Sorry. After tragedy strikes her family, Addie learns that her grandfather too has lived with his own secret torment for more than seventy years.

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Genevieve Graham, Elizabeth Hay, Annie Daylon

GENEVIEVE GRAHAM: „Come from Away“

„1939: Grace Baker’s three brothers, sharp and proud in their uniforms, board Canadian ships headed for a faraway war. Grace stays behind, tending to the homefront and the general store that helps keep her small Nova Scotian community running. The war, everyone says, will be over before it starts. But three years later, the fighting rages on and rumours swirl about “wolf packs” of German U-Boats lurking in the deep waters along the shores of East Jeddore. Then, a handsome stranger ventures into the store. But Rudi is not the lonely outsider he appears to be.“

ELIZABETH HAY: „His whole Life“

„Starting with something as simple as a boy who wants a dog: Ten-year-old Jim and his Canadian mother and American father are on a journey from New York City to a lake in eastern Ontario during the last hot days of August. Moving from city to country, summer to winter, wellbeing to illness, the novel charts the deepening bond between mother and son even as the family comes apart. Set in the mid-1990s, when Quebec is on the verge of leaving Canada: an unconventional coming-of-age story.“

ANNIE DAYLON: „Of Sea and Seed“

„This novel launches The Kerrigan Chronicles, the story of three generations. Burin Peninsula of Newfoundland in 1929. Family matriarch, storyteller, and ghost Kathleen Kerrigan tells the story of her downfall.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Clark Blaise, Ernest Buckler, Sarah McCoy

CLARK BLAISE: „Lunar Attractions“

„The story of a whimsical boy from the Florida backwoods whose shocking sexual awakening propels him into the world of murder and extortion that roils beneath the surface of 1950s America.“

ERNEST BUCKLER: „The Mountain and the Valley“

„An affectionate portrait of a sensitive boy who becomes increasingly aware of the difference that sets him apart from his family and his neighbours: David’s desire to write is the secret that starts his spiritual awakening and the gradual growth of artistic vision.“

SARAH McCOY: „Marilla of Green Gables“

„Green Gables before Anne: Rural Prince Edward Island in the nineteenth century. The young life of spinster Marilla Cuthbert, and the choices that will open her life to the possibility of heartbreak—and unimaginable greatness. Plucky and ambitious, Marilla Cuthbert is thirteen years old when her world is turned upside down. Her beloved mother dies in childbirth, and Marilla suddenly must bear the responsibilities of a farm wife. Her one connection to the wider world is Aunt Elizabeth “Izzy” Johnson, her mother’s sister, who managed to escape from Avonlea to the bustling city of St. Catharines. An opinionated spinster, Aunt Izzy’s talent as a seamstress has allowed her to build a thriving business and make her own way in the world. Marilla is in no rush to trade one farm life for another. She soon finds herself caught up in the dangerous work of politics, and abolition.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Brian Francis, Cory Doctorow, Eric Walters

BRIAN FRANCIS: „Natural Order“ [gelesen, sehr gemocht]

„Joyce Sparks has lived the whole of her 86 years in the small community of Balsden, Ontario. She ponders the terrible choices she made as a mother and wife. Then, a young nursing home volunteer named Timothy appears, so much like her long lost tgay son John. Voiced by an unforgettable and heartbreakingly flawed narrator, Natural Order is a masterpiece of empathy.“

CORY DOCTOROW: „Makers“ [gelesen, sehr gemocht]

„Perry and Lester invent things—seashell robots that make toast, Boogie Woogie Elmo dolls that drive cars. Andrea Fleeks, a journo-turned-blogger, is there to document it.“

ERIC WALTERS: „Safe as Houses“ [gelesen, gemocht: simpler Jugendbuch-Thriller]

„October 15, 1954: Thirteen-year-old Elizabeth lives in the Toronto suburb of Weston. She has a part-time job babysitting an adorable little grade 2 girl named Suzie, and Suzie’s not-so-adorable grade 6 brother, David. Hurricane Hazel roars down, bringing torrential rains that cause extensive flooding. The parents are unable to reach the house, which means the children’s safety on this most deadly of nights is Elizabeth’s responsibility.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Timothy Findley, Robertson Davies, Richard Wagamese

TIMOTHY FINDLEY: „The Piano Man’s Daughter“ / „Die Tochter des Klavierspielers“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„The lyrical, multilayered tale of Charlie’s mother, Lily, his grandmother Ede, and two Irish immigrant families facing a new and uncertain future in turn-of-the-century Toronto.“

ROBERTSON DAVIES: „World of Wonders“ / „Welt der Wunder“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„The third book of the Deptford Trilogy follows the story of Magnus Eisengrim—the most illustrious magician of his age—who is spirited away from his home by a member of a traveling sideshow, the Wanless World of Wonders.“

RICHARD WAGAMESE: „Keeper n me“ / „Hüter der Trommel“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„When Garnet Raven was three years old, he was taken from his home on an Ojibway Indian reserve and placed in a series of foster homes. Having reached his mid-teens, he escapes, but finds himself cast adrift on the streets of the big city. In jail, he gets a surprise letter from his long-forgotten native family. Back on the reserve, Garnet is initiated into the ways of the Ojibway–both ancient and modern–by Keeper, a friend of his grandfather: a positive view of Native life and philosophy.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Michael Turner, Ruth Ozeki, Jane Urquhart

MICHAEL TURNER: „The Pornographer’s Poem“ / „Das Gedicht des Pornographen“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„The life of an unnamed pornographic filmmaker: Nettie, an idealistic poet and the one person with whom the narrator genuinely connects, sees in pornography the opportunity to do something artistic, liberating, and socially relevant. She pushes him to make even more subversive films.“

RUTH OZEKI: „My Year of Meats“ / „Beef“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„A mesmerizing debut novel: When documentarian Jane Takagi-Little finally lands a job producing a Japanese television show that just happens to be sponsored by an American meat-exporting business, she uncovers some unsavory truths about love, fertility, and a dangerous hormone called DES. Soon she will also cross paths with Akiko Ueno, a beleaguered Japanese housewife struggling to escape her overbearing husband. „

JANE URQUHART: „Übermalungen“ / „The Underpainter“ [deutsche Ausgabe vergriffen; gelesen, sehr gemocht]

„In Rochester, New York, a seventy-five-year-old artist, Austin Fraser, is creating a new series of paintings recalling the details of his life and those who have affected him–his peculiar mother, a young Canadian soldier and china painter, a First World War nurse, the well-known American painter Rockwell Kent, and Sara, a waitress from the wilderness mining settlement of Silver Islet, Ontario, who became Austin’s model and mistress.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Ann-Marie MacDonald, Jean Little, Ross Macdonald

ANN-MARIE MACDONALD: „Fall on your Knees“ / „Vernimm mein Flehen“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„The Pipers of Cape Breton Island hide a tragic secret that could shatter the family. Chronicling five generations of this eccentric clan, Fall on Your Knees follows four remarkable sisters across the battlefields of World War I, to the freedom and independence of Jazz-era New York City.“

JEAN LITTLE: „From Anna“ / „Alles Liebe, Deine Anna“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„Moving is never easy, especially when you’re a little 9-year-old girl moving from the tumult of living in Nazi Germany to Canada in the 1930s. And if you’re clumsy and your older brothers and sisters all call you „Awkward Anna“. When it’s discovered that Anna needs glasses and that her clumsiness is actually the result of being visually impaired, Anna’s life changes completely. Suddenly her brothers and sisters see Anna in a new light and try to make amends for being unkind.“

ROSS MACDONALD: „The Galton Case“ / „Der Fall Galton“ [deutsche Printausgabe vergriffen; nur als EBook erhältlich]

„Almost twenty years have passed since Anthony Galton disappeared, along with several thousand dollars of his family’s fortune. Now Anthony’s mother has hired Lew Archer to find him. What turns up is a headless skeleton, a boy who claims to be Galton’s son, and a con game whose stakes are so high that someone is still willing to kill for them.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - John Glassco, Modris Eksteins, Jan Wong

JOHNNY GLASSCO: „Memoirs of Montparnasse“ / „Die verrückten Jahre. Abenteuer eines jungen Mannes in Paris“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„Young, reckless, and without a care in the world: In 1928, 19-year-old John Glassco escaped Montreal and his overbearing father for the wilder shores of Montparnasse. He remained there until his money ran out and his health collapsed, and he enjoyed every minute of his stay.“

MODRIS EKSTEINS: „Tanz über Gräben. Die Geburt der Moderne und der erste Weltkrieg“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„The origins, impact, and aftermath of World War I, from the premiere of Stravinsky’s ballet The Rite of Spring in 1913 to the death of Hitler in 1945. The Great War was a psychological turning point for modernism as a whole: Eksteins examines the lives of ordinary people, works of modern literature, and pivotal historical events to redefine the way we look at our past.“

JAN WONG: „Red China Blues“ / „Abschied von China“ [deutsche Ausgabe vergriffen]

„A journalist and her six-year-romance with Maoism, which crumbled as she became aware, firsthand, of the harsh realities of communism. An eyewitness account of the Tienanmen Square uprising, along with portraits of the individuals and events she covered in China during the recent tumultuous era of capitalist reforms.“

[Auch Jan Wongs Depressions-Memoir „Out of the Blue“ (2012) reizt mich.]

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Mary Henley Rubio, Wallace Stegner, Farley Mowat

MARY HENLEY RUBIO: „Lucy Maud Montgomery. The Gift of Wings“

„A Canadian literary icon, set in rich social context, including extensive interviews with people who knew Montgomery – her son, maids, friends, relatives, all now deceased. [Also:] Her shattering experiences with motherhood and as wife to a deeply troubled man.“

WALLACE STEGNER: „Wolf Willow“

„Stegner weaves fiction and nonfiction, history and impressions, childhood remembrance and adult reflections in this unusual portrait of his boyhood. Set in Cypress Hills in southern Saskatchewan, Stegner’s family homesteaded from 1914 to 1920, Stegner brings to life the pioneer community and the magnificent landscape.“

FARLEY MOWAT: „No Man’s River“

„An Arctic tale chronicling Mowat’s life among Metis trappers and native people as they struggle to eke out a living in a brutal environment. In the spring of 1947, Mowat joined a scientific expedition. In the remote reaches of Manitoba, he witnessed an Eskimo population ravaged by starvation and disease brought about by the white man.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Richard Gwyn, Janet Lunn, Pierre Berton 1812

RICHARD GWYN: „Nation Maker“

„Canada’s first and most important prime minister is the man who made Confederation happen. This is book 2 of his biography: From Confederation Day in 1867, where this volume picks up, Macdonald faced constant crises, from Louis Riel’s two rebellions through to his quest to find the spine of the nation: the railroad that would link east to west. Macdonald marries for the second time and deals with the birth of a disabled child.“

JANET LUNN: „The Story of Canada“ [illustriertes Jugendbuch ab ca. 10]

„The country’s story, told through rich narrative, recreations of daily life, folk tales and fascinating facts.“

PIERRE BERTON: „War of 1812“

„Pierre Berton’s two groundbreaking books: The Invasion of Canada shows the war’s first year. In Flames Across the Border, Berton evocates the muddy fields, the frozen forests and the ominous waters where men fought and died. The early, bloody conflict between the two emerging nations of North America“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Pierre Berton Klondike, Gread Depression, Laura Beatrice Berton

PIERRE BERTON: „Klondike. The last great Gold Rush: 1896 – 1899“

With the building of the railroad and the settlement of the plains, the North West was opening up. The Klondike stampede was a wild interlude in the epic story of western development, and here are its dramatic tales of hardship, heroism, and villainy. We meet Swiftwater Bill Gates, who bathed in champagne; Silent Sam Bonnifield, who lost and won back a hotel in a poker game; dance-hall queens, paupers turned millionaires, missionaries and entrepreneurs. Berton contrasts the lawless frontier life on the American side of the border to the relative safety of Dawson City.

LAURA BEATRICE BERTON: „I married the Klondike“

„In 1907, Laura Beatrice Berton, a 29-year-old kindergarten teacher, left her comfortable life in Toronto to teach in a Yukon mining town. She fell in love with the North–and with a northerner–and made Dawson City her home for the next 25 years. She quickly discovered why the town was nicknamed the „Paris of the North.“ Although the gold rush was over, the townsfolk still clung to the lavishness of the city’s golden era. While thousands of people left the Klondike each October on the „last boat out“ and Dawson City slowly decayed around her, the author remained true to her northern home.“

PIERRE BERTON: „The Great Depression“

„Over 1.5 million Canadians were on relief, one in five was a public dependant, and 70,000 young men travelled like hoboes. Ordinary citizens were rioting in the streets, but their demonstrations met with indifference, and dissidents were jailed. It began with the stock market crash of 1929 and ended with the Second World War. The Regina Riot, the Great Birth Control Trial, the black blizzards of the dust bowl and the rise of Social Credit. Berton proves that Canada’s political leaders failed to take the bold steps necessary to deal with the mass unemployment, drought and despair. A child of the era, Berton writes passionately of people starving in the midst of plenty.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Pierre Berton, Barry Broadfoot, Mark Sakamoto

PIERRE BERTON: „Marching as to War. Canada’s turbulent Years 1899 – 1953“

„Canada’s twentieth century can be divided roughly into two halves: All the wars and all the unnecessary battles in which Canadian youth was squandered belong to the first. The first war of the century took Canadian soldiers to South Africa, and the last sent them to Korea. Nowadays, Canadians are proud of their role as Peacekeepers. Berton traces how one war led to the next.“

BARRY BROADFOOT: „Ten Lost Years. 1929 – 1939: Memories of Canadians who survived the Depression“

„Hundreds of ordinary Canadians tell their own stories in their own words, and the impact is astonishing. One story tells how rape by the boss was part of a waitress’s job. Other stories show Saskatchewan families watching their farms turn into deserts. A portrait of the era before Canada had a social safety net.“

MARK SAKAMOTO: „Forgiveness“

„When the Second World War broke out, Mitsue Sakamoto and her family felt their pleasant life in Vancouver starting to fade away after the Japanese attack on Pearl Harbor. Mitsue and her family were ordered out of their home and were packed off to a work farm in rural Alberta. The Sakamotos lost everything when the community centre housing their possessions was burned to the ground, and the $25 compensation from the government meant they had no choice but to start again. [In a parallel narrative, a Canadian soldier becomes a prisoner of war in Japan. Mitsue is Mark’s grandmother, the soldier is Mark’s grandfather.]“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Thomas King, Peter Collings, Darrell Dennis

THOMAS KING: „The inconvenient Indian“

„What does it mean to be “Indian” in North America? King refashions old stories about historical events and figures, takes a sideways look at film and pop culture, relates his own complex experiences with activism, and articulates a deep and revolutionary understanding of the cumulative effects of ever-shifting laws and treaties on Native peoples and lands.“

PETER COLLINGS: „Becoming Inummarik. Men’s Lives in an Inuit Community.“

„What does it mean to become a man in the Arctic today? The lives of the first generation of men born and raised primarily in permanent settlements: Forced to balance the difficulties of schooling, jobs, and money that are a part of village life with the conflicting demands of older generations and subsistence hunting, these men struggle to chart their life course and become inummariit – genuine people. Inuit men who are no longer youths, but not yet elders. Based on over twenty years of research conducted in Ulukhaktok, Northwest Territories. He also reflects on the ethics of immersive anthropological research, the difficulties of balancing professional and personal relationships, and the nature of knowledge in Inuit culture.“

DARRELL DENNIS: „Peace Pipe Dreams. The Truth about Lies about Indians“

„Dennis is a stereotype-busting, politically incorrect Native American / Aboriginal / Shuswap (Only he’s allowed to call himself an “Indian.” Maybe. Under some circumstances). He looks at European-Native interactions in North America from the moment of first contact, discussing the fur trade, treaty-signing and the implementation of residential schools. Dennis explains why Native people aren’t genetically any more predisposed to become alcoholics than Caucasians; that Native religion doesn’t consist of worshipping rocks or conversing with animals; and that tax exemptions are so limited and confusing that many people don’t even bother.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - James Daschuk, Alexandra Shimo, Lee Maracle

JAMES DASCHUK: „Clearing the Plains. Disease, Politics of Starvation, and the Loss of Aboriginal Life“

„The roles that Old World diseases, climate, and, most disturbingly, Canadian politics—the politics of ethnocide—played in the deaths and subjugation of thousands of aboriginal people in the realization of Sir John A. Macdonald’s “National Dream.” The lingering racism and misunderstanding permeates the national consciousness to this day.“

ALEXANDRA SHIMO: „Invisible North. The Search for Answers on a troubled Reserve“

„Freelance journalist Alexandra Shimo arrives in Kashechewan, a northern Ontario reserve, to investigate rumours of a fabricated water crisis. She finds herself drawn into the troubles of the reserve. Unable to cope with the desperate conditions, she begins to fall apart. Part memoir, part history of the Canadian reserves, including the suicide crises, murdered and missing indigenous women and girls, Treaty rights, First Nations sovereignty, and deep poverty.“

LEE MARACLE: „My Conversations with Canadians“

„Harkening back to her first book tour at the age of 26 (for the autobiographical novel Bobbi Lee: Indian Rebel), First Nations leader, woman, mother and grandmother Lee Maracle thinks about the threads that keep Canadians tied together as a nation–and also, at times, threaten to pull us apart.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Tanya Talaga, Harold R. Johnson

TANYA TALAGA: „Seven fallen Feathers. Racism, Death, and hard Truths in a Northern City“

„In 1966, twelve-year-old Chanie Wenjack froze to death on the railway tracks after running away from residential school. More than a quarter of a century later, from 2000 to 2011, seven Indigenous high school students died in Thunder Bay, Ontario. The seven were hundreds of miles away from their families, forced to leave home and live in a foreign and unwelcoming city. Investigative journalist Tanya Talaga delves into the history of this small northern city that has come to manifest Canada’s long struggle with human rights violations against Indigenous communities.“

TANYA TALAGA: „All our Relations“

„The alarming rise of youth suicide in Indigenous communities in Canada and beyond. The violent separation of Peoples from the land, the separation of families, and the separation of individuals from traditional ways of life — all of which has culminated in a spiritual separation that has had an enduring impact on generations of Indigenous children. But, Talaga reminds us, First Peoples also share a history of resistance, resilience, and civil rights activism, from the Occupation of Alcatraz led by the Indians of All Tribes, to the Northern Ontario Stirland Lake Quiet Riot, to the Standing Rock protests against the Dakota Access Pipeline.“

HAROLD R. JOHNSON: „Firewater. How Alcohol is killing my People (and yours)“

„Alcohol─its history, the myths surrounding it, and its devasting impact on Indigenous people. Drawing on his years of experience as a Crown Prosecutor in Treaty 6 territory, Harold Johnson challenges readers to change the story we tell ourselves about the drink. Confronting the harmful stereotype of the „lazy, drunken Indian,“ and rejecting medical, social and psychological explanations of the roots of alcoholism, Johnson cries out for solutions.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Robyn Maynard, Kamal Al-Solaylee, Lawrence Hill

ROBYN MAYNARD: „Policing Black Lives. State Violence in Canada from Slavery to the Present“

„Behind Canada’s veneer of multiculturalism and tolerance, Maynard traces the violent realities of anti-blackness from the slave ships to prisons, classrooms and beyond: Nearly 400 years of state-sanctioned surveillance, criminalization and punishment of Black lives in Canada, the state’s role in perpetuating contemporary Black poverty and unemployment, racial profiling, incarceration, immigration detention, deportation, exploitative migrant labour practices, disproportionate child removal and low graduation rates.“

KAMAL AL-SOLAYLEE: „Brown. What being Brown in the World today means (to everyone)“

„The in-between space that brown people occupy in today’s world: on the cusp of whiteness and the edge of blackness. Stories from the United Arab Emirates, the Philippines, the US, Britain, Trinidad, France, Hong Kong, Sri Lanka, Qatar and Canada. Al-Solaylee also reflects on his own identity and experiences as a brown-skinned person who grew up with images of whiteness as the only indicators of beauty and success.“

LAWRENCE HILL: „Black Berry, Sweet Juice. On Being Black and White in Canada“

„Hill movingly reveals his struggle to understand his own personal and racial identity. Raised by human rights activist parents in a predominantly white Ontario suburb, Hill describes the ambiguity involved in searching for his identity – an especially complex and difficult journey in a country that prefers to see him as neither black nor white.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Arlene Chan, How Toronto got Queer, B. Denham Jolly

ARLENE CHAN: „The Chinese in Toronto from 1878: From outside to inside the Circle“

„The modest beginnings of the Chinese in Toronto and the development of Chinatown is largely due to the completion of the Canadian Pacific Railway in 1885. No longer requiring the services of the Chinese labourers, a hostile British Columbia sent them eastward in search of employment. In 1894 Toronto’s Chinese population numbered fifty. Today, no less than seven Chinatowns serve what has become the second-largest visible minority in the city, with a population of half a million. Their lives are a vibrant part of the diverse mosaic that makes Toronto one of the most multicultural cities in the world.“

JOHN LORINC: „Any other way. How Toronto got queer“

„Community networks have transformed Toronto from a place of churches and conservative mores into a city that has consistently led the way in queer activism. Includes chapters on: Oscar Wilde’s trip to Toronto; early cruising areas; bath house raids; LBGT-police conflicts; Jackie Shane, the trans R&B singer who performed in drag in both Toronto and Los Angeles, and gained international fame with her 1962 chart-topping single, ‘Any Other Way.“

B. DENHAM JOLLY: „In the Black. My Life“

„Black Canadians have faced systematic discrimination. Jolly arrived from Jamaica to attend university in the mid-1950s and worked as a high school teacher before going into the nursing and retirement home business. Though he was ultimately successful in his business ventures, Jolly faced both overt and covert discrimination, which led him into social activism. He tells the story of a generation of activists who worked to reshape the country into a more open and just society.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Wayne Reeves, Christina Palassio, John Sewell, Juan Butler

WAYNE REEVES, CHRISTINA PALASSIO: „HTO. Toronto’s Water“

„Cut by a network of deep ravines and fronting on a Great Lake, Toronto is dominated by water. Thirty contributors examine the ever-changing interplay between nature and culture.“

JOHN SEWELL: „How we changed Toronto, 1969 to 1980“

„By the mid-1960s Toronto was well on its way to becoming Canada’s largest and most powerful city. City officials were cheerleaders for unrestricted growth. All this „progress“ had a price. Heritage buildings were disappearing. Whole neighbourhoods were being destroyed — by city hall itself. Many idealistic, young Torontonians didn’t like what they saw. Recently graduated lawyer John Sewell was one of many. Some were saving Toronto’s Old City Hall from demolition. 12 years when Toronto developed a whole new approach to city government, civic engagement, and planning policies. Sewell went from activist organizer, to high-profile opposition politician, to Toronto’s mayor. Race relations, attitudes toward the LGBT community, and the role of police: His defeat in the city’s 1980 election marked the end of a decade of dramatic transformation.“

JUAN BUTLER: „Cabbagetown Diary. A Documentary“

A novel taking the form of a diary written by a disaffected young Toronto bartender, Michael, over the course of his four-month liaison with Terry, a naive teenager who is new to the city. Michael introduces her to his his inner-city haunts, to drink and drugs, and to nihilist politics.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Shawn Micallef, Stroll, Frontier City, The Trouble with Brunch

SHAWN MICALLEF: „Stroll. Psychogeographic Walking Tours of Toronto“ [gelesen; gemocht.]

„Glass skyscrapers rise beside Victorian homes, creating a city of contrasts whose architectural look can only be defined by telling the story of how it came together and how it works, today, as an imperfect machine. Micallef situates Toronto’s buildings and streets and tells us about the people who use them; the ways, intended or otherwise, that they are being used; and how they are evolving. 32 walks.“

SHAWN MICALLEF: „Frontier City. Toronto on the Verge of Greatness“

„The civic drama of the 2014 elections: Micallef talked with candidates from all over Greater Toronto, and observed how they energized their communities.“

SHAWN MICALLEF: „The Trouble with Brunch. Work, Class and the Pursuit of Leisure“

„Every weekend, in cities around the world, bleary-eyed diners wait in line to be served overpriced food by hungover waitstaff. The ritual is a waste of time. What does its popularity say about shifting attitudes towards social status and leisure? For urbanist Micallef, brunch is a way to look more closely at the nature of work itself and a catalyst for solidarity among the so-called creative class in a cosmopolitan city where the evolving middle class is oblivious to its own instability and insularity. A provocative analysis of foodie obsession and status anxiety.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Tima Kurdi, Stevie Cameron, Anne Petrie

TIMA KURDI: „The Boy on the Beach“

„Alan Kurdi’s body washed up on the shore of the Mediterranean Sea on September 2, 2015. Tima Kurdi first saw the shocking photo of her nephew in her home in Vancouver, Canada. Tima recounts her idyllic childhood in Syria. At twenty‑two, she emigrated to Canada. A single mother and immigrant, Tima suddenly found herself thrust onto the world stage as an advocate for refugees everywhere, a role for which she had never prepared.“

STEVIE CAMERON: „On the Farm. Robert William Pickton and the tragic Story of Vancouver’s missing Women“

„North America’s most prolific serial killer. Stevie Cameron first began following the story of missing women in 1998, when the odd newspaper piece appeared chronicling the disappearances of drug-addicted sex trade workers from Vancouver’s notorious Downtown Eastside. It was February 2002 before Robert William Pickton was arrested, and 2008 before he was found guilty, on six counts of second-degree murder.“

ANNE PETRIE: „Gone to an Aunt’s. Remembering Canada’s Homes for Unwed Mothers“

„Thirty or forty years ago, everybody knew what that phrase meant: a girl or a young, unmarried woman had gotten herself pregnant. She was “in trouble.” She had brought indescribable shame on herself and her family. In those days it was unthinkable that she would have her child and keep it. Instead she had to hide. Her baby was born and given up for adoption. In institutional settings, most of them run by religious organizations, girls were kept out of sight until their time was up and they could return to the world as if nothing had happened. Seven women – including the author – recount their experiences, talking openly, some for the first time, about how they got pregnant; the reaction of their parents, friends, boyfriends, and lovers; why they wound up in a home; and how they managed to cope with its rules and regulations.“

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TOM WILSON: „Beautiful Scars. Steeltown Secrets, Mohawk Skywalkers and the Road home“

„Wilson was raised in the rough-and-tumble world of Hamilton -Steeltown- in the company of World War II vets, factory workers, fall-guy wrestlers and the deeply guarded secrets kept by his parents. He built an international music career and became a father and battled addiction.“

BARNEY HOSKYNS: „Across the great Divide. The Band and America“

„Recounts the turbulent career of The Band–Robbie Robertson, Richard Manuel, Rick Danko, Garth Hudson, and Levon Helm–from their beginnings playing in seedy bars to their rise to international stardom.“

SCOTT YOUNG: „Neil and me“

„Probably unique in the world of rock memoirs, „Neil and Me“ is a biography of an artist written by his own father, novelist Scott Young.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Nia King, Viviane K. Namaste, Zena Sharman

NIA KING: „Queer & trans Artists of Color. Stories of some of our Lives“ [Interviews]

„16 unique and honest conversations. Mixed-race queer art activist Nia King left a full-time job in an effort to center her life around making art. Grappling with questions of purpose, survival, and compromise, she started a podcast called We Want the Airwaves in order to pick the brains of fellow queer and trans artists of color about their work, their lives, and „making it“ – both in terms of success and in terms of survival. Nia discusses fat burlesque with Magnoliah Black, interning at Playboy with Janet Mock, intellectual hazing with Kortney Ryan Ziegler, gay gentrification with Van Binfa, the politics of black drag with Micia Mosely, gay public sex in Africa with Nick Mwaluko, the tyranny of „self-care“ with Lovemme Corazon.“ [Band 2 hier: Link]

VIVIANE K. NAMASTE: „Invisible Lives. The Erasure of transsexual and transgendered People“

„[erschien schon 2000; teils veraltetes und verletzendes Vokabular]  The first scholarly study of transgendered people—cross-dressers, drag queens and transsexuals—and their everyday lives. Namaste argues that transgendered people are not so much produced by medicine or psychiatry as they are erased, or made invisible, in a variety of institutional and cultural settings. New research on some of the day-to-day concerns of transgendered people, offering case studies in violence, health care, gender identity clinics, and the law.“

ZENA SHARMAN: „The Remedy. Queer and trans Voices on Health and Health Care“

„What do we need to create healthy, resilient, and thriving LGBTQ communities? A diverse collection of real-life stories from queer and trans people on their own health-care experiences and challenges, from gay men living with HIV to young trans people who struggle to find health-care providers who treat them with dignity and respect. The book also includes essays by health-care providers, activists and leaders.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Ivan Coyote, Karleen Pendleton Jimenez

IVAN E. COYOTE: „Tomboy Survival Guide“

„A funny and moving memoir told in stories, in which Ivan recounts the pleasures and difficulties of growing up a tomboy in Canada’s Yukon, and how they learned to embrace their tomboy past. Ivan writes movingly about many firsts: the first time they were mistaken for a boy; the first time they purposely discarded their bikini top so they could join the boys at the local swimming pool; and the first time they were chastised for using the women’s washroom. Ivan also explores their years as a young butch, and life as a gender-box-defying adult.“

IVAN E. COYOTE: „The Slow Fix“

„A collection that is disarming, warm, and funny about our preconceived notions of gender roles.“

KARLEEN PENDLETON JIMENEZ: „How to get a Girl pregnant“

„Jiménez has known that she was gay since she was three years old, and has wanted to have a baby for almost as long. One crucial element was missing in the life of the butch Chicana lesbian—the sperm. This candid and humorous memoir follows Karleen’s challenges, adventures, successes, failures, humiliations, and triumphs while attempting to fulfill her dream of becoming a mother.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Cameron Duder, Bruce Gillespie, Cheryl B. Evans

CAMERON DUDER: „Awfully devoted Women. Lesbian Lives in Canada, 1900 – 65“

„The lives of lesbians who grew up before 1965 remain cloaked in mystery. Historians have illuminated the worlds of upper-middle-class „romantic friends“ and working-class butch and femme women who frequented lesbian bars in the ’50s and ’60s. The majority of lesbians, however, were lower-middle-class women who hid their sexual identity by engaging in discreet social and sexual relationships. Drawing on correspondence, interviews, journals, and newspaper articles, Awfully Devoted Women offers a nuanced portrait of the lives of middle-class lesbians in the decades before the gay rights movement in English-Canada. A world of private relationships, house parties, and discreet social networks. An intimate study of the lives of women forced to love in secret.“

BRUCE GILLESPIE: „A Family by any other Name. Exploring queer Relationships“

„What does “family” mean to people today? Stories on coming out, same-sex marriage, adopting, having biological kids, polyamorous relationships, families without kids, divorce, and dealing with the death of a spouse, as well as essays by straight writers about having a gay parent or child.“

CHERYL B. EVANS: „I promised not to tell. Raising a transgender Child“

„One transgender child from birth through age eighteen. Their son’s desperate effort to comply to societal gender norms, a suicide attempt, a family members struggle with God.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Clifford R. Johnson, Bill Gaston, Howard Akler

HAROLD R. JOHNSON: „Clifford“

„When Harold Johnson returns to his childhood home in a northern Saskatchewan Indigenous community for his brother Clifford’s funeral, the first thing his eyes fall on is a chair. It stands on three legs, the fourth broken off and missing. Memories of his silent, powerful Swedish father and his formidable Cree mother. Memory, fiction, and fantasy collide.“

BILL GASTON: „Just let me look at you. On Fatherhood“

„A tender, wry memoir about alcohol, fishing, and all the things fathers and sons won’t say to each other. Fairly or unfairly, sons judge fathers when they take to drinking.“

HOWARD AKLER: „Men of Action“

„After his father undergoes brain surgery and slips into a coma, Howard Akler begins to reflect on the complicated texture of consciousness. During the long months that follow, Akler confronts the unknowable nature of another person’s life, as well as the struggles within his own unpredictable mind. With echoes of Paul Auster’s The Invention of Solitude and Philip Roth’s PatrimonyMen of Action treads the line between memoir and meditation, and is at once elegiac, spare and profoundly intimate.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Michael V. Smith, David Rakoff, Sunrise Person

MICHAEL V. SMITH: „My Body is yours“

„A novelist, poet, improv comic, filmmaker, drag queen, performance artist, and occasional clown, Michael traces his early years as an inadequate male—a fey kid growing up in a small town amid a blue-collar family; a sissy; an insecure teenager desperate to disappear; and an obsessive writer-performer, drawn to compulsions of alcohol, sex, reading, spending, work, and art as many means to cope and heal. How can we know what a man is? In coming to terms with his past failures at masculinity, Michael offers a new way of thinking about breaking out of gender norms, and breaking free of a hurtful past.“

DAVID RAKOFF: „Fraud“ [gelesen und gemocht; erschien auf Deutsch als „gelogen!“, vergriffen]

This American Life alum David Rakoff’s first essay collection: Whether impersonating Sigmund Freud in a department store window during the holidays, climbing an icy mountain in cheap loafers, or learning primitive survival skills in the wilds of New Jersey, Rakoff clearly demonstrates how he doesn’t belong-nor does he try to.“

CEA SUNRISE PERSON: „North of Normal“

„In the late 1960s, riding the crest of the counterculture movement, Cea’s family left a comfortable existence in California to live off the land in the Canadian wilderness. Led by Cea’s grandfather Dick, they lived a pot-smoking, free-loving, clothing-optional life under a canvas tipi without running water, electricity, or heat for the bitter winters. When Cea was five, her mother took her on the road with a new boyfriend. As the trio set upon a series of ill-fated adventures, Cea began to question both her highly unusual world and the hedonistic woman at the centre of it. Finally, in her early teens, Cea realized she would have to make a choice as drastic as the one her grandparents once had in order to save herself. A successful international modeling career offered her a way out of the wilderness.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - David Blackwood, Jeff Lemire, Hope Nicholson

DAVID BLACKWOOD: „Black Ice. Prints of Newfoundland“ [Bildband]

„Canadian artist David Blackwood (born in 1941) draws epic visual narratives using childhood memories, dreams, superstitions, the oral tradition and the political realities of the community on Bonavista Bay. An iconography of Newfoundland that is as universal as it is personal, as mythic as it is rooted in reality, and as timeless as it is linked to specific events. Black Ice features over 70 prints, accompanied by essays from various disciplines – geology, history, folklore and literature.“

JEFF LEMIRE: „Roughneck“ [Comic]

„Derek Ouellette’s glory days are behind him. His hockey career ended a decade earlier in a violent incident, and since then he’s been living off his reputation in the remote northern community where he grew up. When his long-lost sister Beth shows up, on the run from an abusive boyfriend, the two escape to a secluded hunting camp in the woods.“

HOPE NICHOLSON: „Moonshot. The indigenous Comics Collection“ [Comic-Anthologie]

„From traditional stories to exciting new visions of the future. Claude St-Aubin (R.E.B.E.L.S., Green Lantern), Stephen Gladue (MOONSHOT cover artist), George Freeman (Captain Canuck, Aquaman, Batman), Lovern Kindzierski (X-Men, Wolverine).“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Elsine Will, Ryan North, E.K. Johnston

ELAINE M. WILL: „Look Straight Ahead“ [Comic]

„Jeremy is a 17-year-old outcast who dreams of being a great artist, but suffers a mental breakdown brought on by bullying and other pressures at school.“

RYAN NORTH: „To be or not to be. A choosable Path Adventure“ [Spielbuch]

„A choose-your-own-path version of Hamlet: Play as Hamlet, Ophelia, or King Hamlet–if you want to die on the first page and play as a ghost. Over 15,000 people backed the book in just one month, and it remains the number-one most funded publishing project ever on Kickstarter.“

E. K. JOHNSTON: „Exit, pursued by a Bear“ [Jugendbuch]

„Veronica Mars meets William Shakespeare: Hermione Winters is captain of her cheerleading team in tiny Palermo Heights. But during a party, someone slips something in her drink. And it all goes black. In every class, there’s a star cheerleader and a pariah pregnant girl. They’re never supposed to be the same person. The assault wasn’t the beginning of Hermione Winter’s story and she’s not going to let it be the end. She won’t be anyone’s cautionary tale.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Meags Fitzgerald, Nathan Jurevicius, Elise Gravel

MEAGS FITZGERALD: „Photobooth. A Biography“ [Comic]

„For almost a century chemical photobooths have occupied public spaces; giving people the opportunity to quickly take inexpensive photos. In the last decade these machines have started to rapidly disappear. Illustrator, writer and long-time photobooth lover, Meags Fitzgerald traveled in North America, Europe and Australia and constructed a biography of the booth through the eyes of technicians, owners, collectors, artists and fanatics.“

NATHAN JUREVICIOUS: „Junction“ [(surreales Hipster-)Bilderbuch]

„For generations the Face Changers have made the clay tokens that change the faces of their kin. This month the youngest is tasked to take the ten thousand footsteps to the top of the mountain. Inspired by Judeo-Christian mythology and the mythology of Australian aboriginal tribes, Junction tells a magical piece of modern mythmaking.“

ELISE GRAVEL: „The Great Antonio“ [Bilderbuch]

„What made the Great Antonio great? He once wrestled a bear. He could devour 25 roasted chickens at one sitting. The true story of Antonio Barichievich, the larger-than-life Montreal strongman who had muscles as big as his heart.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Roch Carrier, Stephanie Innes, Terry Fan

ROCH CARRIER, SHELDON COHEN: „The Hockey Sweater“ [Bilderbuch]

„Winters in the village of Ste. Justine were long: Life centered around school, church, and the hockey rink, and every boy’s hero was Montreal Canadiens hockey legend Maurice Richard. Everyone wore Richard’s number 9. When Roch outgrows his cherished sweater, his mother writes away for a new one. Much to Roch’s horror, he is sent the blue and white sweater of the rival Toronto Maple Leafs. How can Roch face the other kids at the rink?“

STEPHANIE INNES, BRIAN DEINES: „A Bear in War“ [Bilderbuch]

„Teddy belonged to Aileen Rogers, 10, whose father Lawrence left the family farm in Quebec and went to war. Janet and Lawrence exchanged more than 200 letters — and Aileen sent her beloved Teddy overseas to help protect him. Sadly, Lawrence died at the battle of Passchendaele. In 2002, his granddaughter Roberta Innes found Teddy and the letters in an old family briefcase.“

TERRY FAN, ERIC FAN: „The Night Gardener“ [Bilderbuch]

„William discovers that the tree outside his window has been sculpted into a wise owl. Then, more topiaries appear: Soon, William’s gray little town is full of color and life. And though the mysterious night gardener disappears as suddenly as he appeared, William—and his town—are changed forever.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - David Bouchard, Jenny Kay Dupuis, Kathy Kacer, David Alexander Robertson

DAVID BOUCHARD: „If you’re not from the Prairie…“ [Bilderbuch]

„A boy. Life on the prairies of North America. The effects of the climate on the people in the heartland.“

JENNY KAI DUPUIS: „I am not a Number“ [Bilderbuch]

„When 8-year-old Irene is removed from her First Nations family to live in a residential school she is confused, frightened, and homesick. She tries to remember who she is and where she came from, despite the efforts of the nuns who are in charge. When she goes home for summer holidays, Irene’s parents decide never to send her and her brothers away again. But where will they hide?Based on the life of co-author Jenny Kay Dupuis’ grandmother, I Am Not a Number is a hugely necessary book that brings a terrible part of Canada’s history to light in a way that children can learn from and relate to.“

DAVID ALEXANDER ROBERTSON: „Sugar Falls. A Residential School Story“ [Comic]

„A school assignment to interview a residential school survivor leads Daniel to Betsy, his friend’s grandmother. At the age of 8, Betsy was taken away to a residential school. There she was forced to endure abuse and indignity.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Julie Lawson, Jean Little, Barbara Haworth-Attard

JULIE LAWSON: „No Safe Harbour. The Halifax Explosion Diary of Charlotte Blackburn. Halifax, Nova Scotia, 1917“ [Historien-Jugendbuch in Tagebuchform]

„Charlotte struggles to find her twin brother after the rest of her family is killed in the tragic Halifax explosion: the largest man-made blast in history until the dropping of the atomic bomb on Hiroshima. It levelled most of the city, left thousands dead, blinded or homeless. Charlotte turns to her diary to help her cope.“

JEAN LITTLE: „If I die before I wake. The Flu Epidemic Diary of Fiona Macgregor. Toronto, Ontario, 1918“ [Historien-Jugendbuch in Tagebuchform]

„Fiona comes from a large and loving family where she, her older sisters and her mother are all twins. Then, the Spanish flu is brought to Canada by soldiers returning from fighting overseas in World War I. Her sisters fall ill with the deadly disease.“

BARBARA HAWORTH-ATTARD: „To stand on my own. The Polio Epidemic Diary of Noreen Robertson. Saskatoon, Sasketchewan, 1937“ [Historien-Jugendbuch in Tagebuchform]

„Life on the Prairies is not easy. The Great Depression has brought great hardship. Noreen, like hundreds of other young Canadians, contracts polio and is placed in an isolation ward, unable to move her legs. After a few weeks she gains partial recovery, but her family makes the painful decision to send her to a hospital far away for further treatment. Adjustment to life in a wheelchair and on crutches; and ultimately, the emotional and physical hurdles she must face when she returns home.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Philip Roy, Riel Nason, Andrew Binks

PHILIP ROY: „Blood Brothers in Louisbourg“ [Jugendbuch]

„As the son of an officer, Jacques was expected to pursue a career in the military. In the spring of 1744, at the age of fifteen, he and his father leave France for Louisbourg, the French capital of Île Royale. In the forests that surround the French fortress of Louisbourg, a young Mi’kmaw man named Two-feathers watches soldiers and citizens. He is hoping to find his father who, he has been told, is an important man among the French. Then he befriends a beautiful young French woman. Two men, both seeking to understand their father: Their paths collide during the violent siege by British forces in 1745.“

RIEL NASON: „All the Things we leave behind“ [Jugendbuch]

„1977. Violet, 17, is left behind by her parents to manage their busy roadside antique business for the summer. Her restless older brother, Bliss, has disappeared, and her parents are off searching for clues.“

ANDREW BINKS: „The Summer between“ [Jugendbuch]

„Like his attempts to swim over the dark water of the river that lies between him and the object of his affections, Dougaldo Montmigny, 12, struggles against oppression, homophobia and racism to realise his love for Tomahawk Clark, a thirteen-year-old Metis boy.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Kit Pearson, Bernice Thurman Hunter

KIT PEARSON: „Awake and Dreaming“ [Jugendbuch]

„Theo and her young, irresponsible mother seem trapped in their poverty. Theo dreams of belonging to a “real” family, and her dream seems to come true when she is mysteriously adopted by the large, warm Kaldor family. But are the Kaldors real or just a dream?“

KIT PEARSON: „A perfect gentle Knight“ [Jugendbuch]

„The six Bell children, each of them coping in various ways in the aftermath of their mother’s death. Set in the 1950s and seen through the perspective of the middle child, 11-year-old Corrie, Pearson’s story illustrates how a rich fantasy life both helps and hinders children trying to cope with loss, loneliness, and growing up.“

BERNICE THURMAN HUNTER: „That Scatterbrain Booky“ [Jugendbuch]

„Booky didn’t know much about the reasons for the Great Depression. All she knew was that she was hungry all the time, that her parents fought constantly, that the bailiff would soon return to evict her family from their home. Christmas would be a time of empty stockings instead of presents under the tree, a time of mashed potatoes and turnips instead of turkey. But Booky’s spunky nature refused to be crushed, even by the Great Depression“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Susin Nielsen, Lianne Oelke

SUSIN NIELSEN: „No Fixed Address“ [Jugendbuch]

„Felix is 12. His mom Astrid is loving but unreliable. When they lose their apartment in Vancouver, they move into a camper van, just for August. September comes, they’re still in the van. Felix must keep „home“ a secret and give a fake address in order to enroll in school.“

SUSIN NIELSEN: „Word Nerd“ [Jugendbuch]

„Ambrose, 12, is a self-described “friendless nerd”. When some bullies at his new school almost kill him by slipping a peanut into his sandwich. Then, he enters the world of competitive Scrabble, searching for acceptance.“

LIANNE OELKE: „Nice try, Jane Sinner“ [Jugendbuch]

„After a personal crisis and her expulsion from high school, Jane, 17, is going nowhere fast. She signs up for House of Orange, a student-run reality show that is basically Big Brother. As it grows from a low-budget web series to a local TV show with fans, Jane has the chance to let her cynical, competitive nature thrive.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Charles deLint, J.A. McLachlan, Marika McCoola

CHARLES de LINT: „Under my Skin. Wildings: Book One“ [Jugendbuch]

„Young people in Santa Feliz: Week after week, there’s news of another teen changing shape, transforming from human into wild animal and back again. Josh Saunders is transformed into a mountain lion. Trusting only his best friends Des and Marina with his secret, Josh tries to return to normal life. But an encounter with Elzie, another Wildling, brings him unwanted attention from the authorities.“

J. A. MCLACHLAN: „The occasional Diamond Thief“ [Jugendbuch]

„On his deathbed, Kia’s father discloses a secret to her: a magnificent diamond he has been hiding for years. Fearing he stole it, Kia (16) keeps it secret. It comes from the distant colonized planet of Malem, where her father caught the illness that eventually killed him. It is illegal for any off-worlder to possess a Malemese diamond. Then, Kia is travelling to Malem, as a translator-in-training. She wants to return the diamond to its original owner.“

MARIKA McCOOLA: „Baba Yaga’s Assistant“ [Kinder-Comic]

„Masha’s beloved grandma taught her that nothing is too difficult or too dirty to clean. Now, the fearsome witch of folklore needs an assistant, and Masha needs an adventure. Is she clever enough to enter Baba Yaga’s house on chicken legs, and make dinner for her host? No easy task, with children on the menu!“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Atwood Survival, Nick Mount Arrival, TC Albert

MARGARET ATWOOD: „Survival. A thematic Guide to Canadian Literature“

„When first published in 1972, Survival was considered the most startling book ever written about Canadian literature. A book of criticism, a manifesto, and a collection of personal and subversive remarks. Margaret Atwood begins by asking: “What have been the central preoccupations of our poetry and fiction?” Her answer is “survival and victims.” Twelve brilliant, witty, and impassioned chapters; from Moodie to MacLennan to Blais, from Pratt to Purdy to Gibson.“

NICK MOUNT: „Arrival. The Story of CanLit“

„In the mid-20th century, Canadian literature transformed from a largely ignored trickle of books into an enormous cultural phenomenon that produced Margaret Atwood, Alice Munro, Mordecai Richler. What caused the CanLit Boom?“

T.C. TOLBERT: „Troubling the Line. Trans and genderqueer Poetry and Poetics“

„55 poets. In addition to generous samples of poetry by each trans writer, the book also includes “poetics statements”—reflections by each poet that provide context for their work.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Anne Carson

ANNE CARSON: „Float“ [Lyrik]

„An arrestingly original format–individual chapbooks that can be read in any order, and that float inside a transparent case. A mix of voices, time periods, and structures to explore what makes people, memories, and stories „maddeningly attractive“ when observed in spaces that are suggestively in-between.“

ANNE CARSON: „The Beauty of the Husband. A fictional Essay in 29 Tangos“

The story of a marriage, told in 29 “tangos” of narrative verse: erotic, painful, and heartbreaking scenes from a long-time marriage that falls apart.“

LEANNE BETASAMOSAKE SIMPSON: „This Accident of being lost: Songs and Stories“

„The knife-sharp new collection of stories and songs from award-winning Nishnaabeg storyteller and writer: the fragment as a tool for intervention that resists dominant narratives or comfortable categorization. Blending elements of Nishnaabeg storytelling, science fiction, contemporary realism, and the lyric voice.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Hoa Nguyen, Chelsea Vowel

HOA NGUYEN: „Red Juice. Poems 1998 – 2008“

„A decade of poems, previously only available in small-run handmade chapbooks, journals, and out-of-print books. Hoa Nguyen’s feminist ecopoetics and unique style, all lyrical in the post-modern tradition.“

HOA NGUYEN: „As long as Trees last. Poems“

„Clear-eyed and grounded: What does it mean to be a twenty-first century human?“

CHELSEA VOWEL: „Indigenous Writes. A Guide to First Nations, Métis, and Inuit Issues in Canada“

Delgamuukw. Sixties Scoop. Bill C-31. Blood quantum. Appropriation. Two-Spirit. Tsilhqot’in. Status. TRC. RCAP. FNPOA. Pass and permit. Numbered Treaties. Terra nullius. The Great Peace: Are you familiar with these terms? Vowel, legal scholar, teacher, and intellectual, opens an important dialogue about the concepts and wider social beliefs associated with the relationship between Indigenous peoples and Canada. In 31 essays, Chelsea explores the Indigenous experience from the time of contact to the present.“

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#canadaFBM2020 Buchmesse Ehrengast - beste Bücher kanadische Literatur CanLit - Robyn Sarah, Daphne Marlatt, Karen Solie

ROBYN SARAH: „My Shoes are Killing me. Poems.“

„Winner of the Canadian Jewish Literary Award for Poetry. Natural, musical, meditative, warm, and unexpectedly funny.“

DAPHNE MARLATT: „Liquidities. Vancouver Poems then and now“

„In her „re-vision“ of Vancouver Poems, originally published in 1972, Marlatt’s additional lyrics trace countless transformations of a West Coast port city – including poverty, addiction, and homelessness.“

KAREN SOLIE: „The Road in is not the same Road out“

„Wayside motels and junkyards, the abandoned Calgary ski jump and the eternal noon of Walmart: Poems that stake out startlingly new territory.“

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alle Klappentexte: von mir gekürzt.

Meine Auswahl von 100+ vielversprechenden kanadischen Titeln, auf Deutsch erhältlich, kommt Mitte 2019.

Wichtig jetzt – lange vor Herbst 2020: Bücher zu benennen und sie für deutschsprachige Verlage sichtbarer zu machen. Verlags-Scouts? Hier mehr zur Übersetzungsförderung (Link).

gelesen 2018: meine 20 besten Bücher / Lieblingsbücher des Jahres

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20 Bücher, die ich möglichst vielen Menschen empfehlen kann:

meine Entdeckungen 2018.

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Favoriten 2017 | Favoriten 2016 | Favoriten 2014 | Favoriten 2013 | Favoriten 2012 | Favoriten 2011

2015 empfahl ich Bücher etwas ausführlicher.

 

Lieblingscomics 2018 hier (Link)

Und: Songs 2018 (Link)!

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20: DANIELA KRIEN, „Liebe im Ernstfall“

19: RITA INDIANA, „Tentakel“ [empfohlen von mir im Leutzebuerger Journal, Link]

18: CLAUDIA RANKINE, „Citizen“ [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

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17: ELIZABETH W. GARBER, „Implosion“ [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

16: AWTANDIL KWASKHWADSE, „Das Spiel des Todesengels. Georgien unter Stalin“ [empfohlen von mir bei Spiegel Online, Link]

15: ASSAF GAVRON, „Hydromania“

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14: LASHA BUGADZE, „Der erste Russe“ [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

13: CHUYA KOYAMA, „Space Brothers“ (Manga, Band 1 bis 34) [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

12: NANA EKVTIMISHVILI, „Das Birnenfeld“

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11: ANKE STELLING, „Schäfchen im Trockenen“

10: INGVILD H. RISHOI, „Winternovellen“

09: PENELOPE BAGIEU, „Unerschrocken“ (Biografien, illustriert: Band 1 und 2) [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

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08: JON McNAUGHT, „Kingdom“ [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

07: JULIA ZEIJN, „Drei Wege“ [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

06: JON McGREGOR, „Speicher 13“

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05: BETTINA WILPERT, „Nichts, was uns passiert“ [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

04: ANGELA STEIDELE, „Anne Lister. Eine erotische Biografie“ [und, etwas schwächer: „Zeiteisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg“] [empfohlen im Blog, Link]

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03: RANDY SHILTS, „And the Band played on“ [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

02: MAKOTO YUKIMURA, „Vinland Saga“ (Manga, Band 1 bis 22) [empfohlen von mir bei Deutschlandfunk Kultur, Link]

01: ANKE STELLING, „Erna und die drei Wahrheiten“ [empfohlen von mir am LCB Berlin, Link]

„Spider-Man: A New Universe“: Vielfalt, Minderheiten & neue Heldinnen bei Marvel Comics

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Meine Lieblings-Marvel-Held*innen sind Figuren, von denen oft nur wenige Leute hörten:

Minderheiten, die in den Serien und Filmen fast nie auftauchen.

Oft junge Held*innen, oft Teil einer neuen Generation: „Legacy Characters“, die seit ca. 2012 in den Comics große Rollen spielen.

Miles Morales – ein Spider-Man mit Schwarzem Vater und Mutter aus Puerto Rico – ist der erste „Legacy Character“ mit eigenem Kinofilm:

„Spider-Man: A New Universe“ (Titel in Deutschland) / „Into the Spider-Verse“ (US-Titel).

Für Deutschlandfunk Kultur sah ich den Film – und stelle am Donnerstag, 20. Dezember kurz nach 10 Uhr Miles‘ Comics und Miles‘ unbekanntere Kolleg*innen vor.

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schon heute, hier im Blog:

Buchtipps, Kontext & Notizen über Vielfalt im Marvel-Universum – und die Frage, warum die Marvel-Kinofilme so wenig davon zeigen. 

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Superheldencomics erscheinen als monatliche Heftreihen – ca. 20 Seiten pro Monat, zusammenfasst alle ca. 6 Monate in einem Sammelband.

Die etwa 50 Heftreihen von DC Comics (Superman, Batman, Wonder Woman etc.) sind eine (meist) zusammenhängende Erzählwelt seit 1938, das „DC-Universum“.

Die etwa 50 Heftreihen von Marvel Comics (Spider-Man, The Avengers, Black Panther etc.) sind eine andere (meist) zusammenhängende Erzählwelt, das „Marvel-Universum“. Marvel gehört seit 2012 zu Disney und hat sehr erfolgreiche Verfilmungen, das „Marvel Cinematic Universe“: die meisten Kinofilme und TV-/Netflixserien sind neue Kapitel der selben großen „MCU“-Geschichte, seit 2008.

Die meisten Figuren in den Marvel-Comics kennen einander; viele Plots beeinflussen sich gegenseitig: In Heftreihe A, geschrieben von Autorin X, ändert sich etwas. Bereits im selben Monat hat das Konsequenzen in Heftreihe B, geschrieben von Autor Y. Die meisten Figuren aus dem Helden-Team „The Avengers“ haben eigene monatliche Reihen mit eigenen Abenteuern, z.B. Iron Man, Thor, Hawkeye, Hulk, manchmal Black Widow.

Heftreihen mit Frauen in der Haupt- und Heldenrolle verkaufen sich schlechter.

Noch vor ca. 15 Jahren gab es oft nur drei, vier Heldinnen-Reihen (von ca. 50).

Auch Heftreihen mit Minderheiten verkaufen sich meist schlechter.

Fragt man Leute, die KEINE Hardcore-Fans sind:

  • Wer sind die wichtigen Avengers?
  • Wer sind die stärksten und bekanntesten Helden? etc.

…werden fast nur weiße Männer genannt.

In dem Comics hat das (auch) historische Gründe: Ab 1961, als viele Marvel-Figuren erfunden wurden, zeichneten/schrieben fast nur weiße Männer fast nur weiße Protagonisten für ihre Zielgruppe: weiße Schuljungs.

Die Marvel-Kinofilme sind moderner – doch ebenso einseitig:

Mit „Captain Marvel“ hat im März 2019 zum ersten Mal eine Frau die Haupt- und Titelrolle in einem Marvel-Film (der 22. Film seit 2008); es gibt erst zwei[einhalb] TV-Serien über Frauen, „Jessica Jones“ und „Agent Carter“ [und „Cloak & Dagger“], und vom Kino-Erfolg des afrikanischen Helden „Black Panther“ (Februar 2018; erfolgreichster Helden- und Marvel-Film bisher) waren viele überrascht:

Endlich werden jetzt auch die Filme vielfältiger, diverser:

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Der aktuelle Spider-Man-Kinofilm, „A New Universe“, ist ein großer Schritt vorwärts: Es ist der achte größere Spider-Man-Kinofilm seit 2002 – und der erste, in dem es nicht v.a. um die weiße Figur Peter Parker geht.

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Legacy-Figuren:

Wenn Held*innen sterben, Kräfte verlieren, neue bekommen – oder sich aus anderen Gründen neu erfinden – wird manchmal eine Rolle, ein Helden-Name frei:

  • Bruce Wayne ist querschnittsgelähmt? Ein junger Mann, Jean-Paul Valley, wird an seiner Stelle Batman.
  • Dick Grayson – Batmans Robin – wird erwachsen, geht aufs College und nennt sich „Nightwing“? Batman macht einen anderen Waisenjungen, Jason Todd, zum neuen Robin usw.

Mittlerweile gibt es in den „Batman“-Comics vier bis fünf wichtige Robins – die sich alle kennen. Oft haben mehrere von ihnen eigene Heftreihen. Der aktuellste Robin ist Batmans ca. elfjähiger Sohn, Damian. Doch in Verfilmungen ist Robin fast immer Dick Grayson, und es bräuchte viele zusammenhängende „Batman“-Kinofilme, um die ganze Comic-Saga der Robins nachzuerzählen und bei Damian „anzukommen“.

Deshalb tauchen neuere, moderne, diverse Figuren in Verfilmungen oft arg spät auf, in Teil 3 oder 4:

Die meisten solcher Figuren gibt es erst seit den 90er Jahren; viele sogar erst seit ca. 2012.

Figuren, die „Zweitbesetzung“, Nachfolger*in etc. einer bestehenden, plötzlich freien Helden-Rolle werden, heißen „Legacy Character“:

Sie treten das Erbe an.

Legacy-Figuren sind toll – weil sie oft jünger sind, viel zu lernen haben, neuen Schwung in Geschichten bringen und fragen: „Muss ich die Rolle GENAU SO füllen wie der weiße, ältere Mann, der sie bisher inne hatte; oder geht’s auch anders?“ Die meisten Legacy-Figuren sind schon per se machtkritischer, rebellischer, origineller, aufmüpfiger: Underdogs, die in große Fußstapfen treten.

Doch nur sehr selten schaffen es Legacy-Figuren in Kinofilme:

Weil man meist erstmal die Geschichte des (männlichen, weißen) Vorgängers voll ausreizen will:

Es wäre riskant, die seit 50+ Jahren bekannten weißen Thors, Iron Mans, Hulks, Hawkeyes, Captain Americas, Batmans etc. durch eine Minderheit und viel weniger bekannte Figur zu ersetzen, von der nur Comic-Fans je viel hörten. Jeder Helden-Name außer „Wonder Woman“, bekannt genug, um Leute sagen zu lassen „Von dem habe ich schon mal gehört. Dem Film gebe ich ne Chance“ ist der Name eines weißen Mannes.

eine Liste mit Legacy-Figuren in Marvel-Comics – bei denen meist eine Frau und/oder eine Figur of Color Name und Rolle eines weißen Helden übernimmt: Link

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Miles Morales: Blatino-Spider-Man

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a) Hawkeye ist ein (weißer) Bogenschütze und… Hallodri. 2012 zeigte ein „Hawkeye“-Comic Hawkeyes verkrachten Alltag: charmant, recht erwachsen, in eigenem, originellen Tonfall. Die Zeichnungen stammten von David Aja – der Infografiken liebt und formalistischer, experimenteller erzählte. „Hawkeye“ war ein Kritiker-Erfolg – und brachte Marvel auf die Idee, mehr Comics zu machen, in denen

  • weniger bekannte Held*innen
  • in einem ganz eigenen, originellen, experimentellen Ton
  • kleinere oder idiosynkratische Geschichten erleben

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b) Die erwachsene Heldin Ms. Marvel ist auch Pilotin/Captain bei er US Air Force – und nannte sich deshalb statt „Ms“ später „Captain Marvel“. So wurde der Titel „Ms. Marvel“ frei: Seit 2014 erzählt „Ms. Marvel“ die Geschichte der ca. 15jährigen Kamala Khan aus New Jersey. Sie ist Muslima, ihre Eltern stammen aus Pakistan. wie im „Hawkeye“-Comic sind Zeichnungen, Tonfall etc. sehr schrullig, eigen und markant. Die Reihe ist ein großer Erfolg.

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c) Miles Morales (Vater: Schwarz; Mutter: Latina) hat seit 2011 eine monatliche Heftreihe, in der er als (zweiter) Spider-Man New York rettet. Peter Parker, der bekannte weiße Spider-Man, existiert weiter und hat eine ANDERE Heftreihe; die beiden Figuren kennen sich. Der Erfolg von Miles, Mrs. Marvel und Hawkeye war Teil des Versuchs von Marvel, mehr Heftreihen inklusiver, diverser, vielfältiger zu machen: Seit ca. 2012 gibt es pro Monat mindestens 10 Heftreihen über Frauen und/oder Figuren of Color, die in recht eigenem Stil mehr ausprobieren und erzählen als die klassischen Helden-Kämpfe & Konflikte.

Viele dieser neuen Heftreihen über neue Held*innen sind exzellent.

Trotzdem sind die meisten kein Erfolg, sondern werden nach 8 bis 15 Monaten beendet. Fast alle handeln von Figuren, die man als Marvel-Kinofan nicht oder kaum kennt. Miles ist die erste Figur dieses Trends, die einen großen Kinofilm tragen soll. Und: es klappt.

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Miles als Sonderfall – in den Comics und im Kino:

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2000 gründete Marvel ein neues Imprint, „Ultimate Comics“, um alte, bekannte Figuren & Geschichten noch einmal einsteigerfreundlich und origineller neu zu erzählen: ein Reboot/Remake bekannter Heftreihen, oft düsterer, blutiger und etwas diverser (mehr queere Figuren etc.): das „Ultimate-Universum“.

Die ca. 50 bestehenden monatlichen Marvel-Heftreihen erzählten weiterhin neue Geschichten. Separiert in einer Parallelwelt erzählte das „Ultimate-Universum“ begann in ca. 7 monatlichen Heftreihen alles anders und von vorn. [Link]

Die Kritiken waren mau, die meisten Ultimate-Comicreihen bleiben zweitrangige Experimente; doch die Reihe „Ultimate Spider-Man“ von Autor Brian Michael Bendis wurde zum großen Erfolg: Der Peter Parker der Haupt-/Mainstream-Welt hat sich seit den 60er Jahren weiter entwickelt, ist u.a. berufstätig und meist in festen Beziehungen. „Ultimate Spider-Man“ erzählt noch einmal die Geschichte des Außenseiters und Schülers Peter Parker: Verstorbene Figuren wie Gwen Stacy sind im Ultimate-Universum noch am Leben. Nach ca. 22 Sammelbänden stirbt Peter Parker, immer noch 16 Jahre alt. 

Kurz zuvor wird Miles Morales, 13, von einer (anderen) radioaktiven Spinne gebissen und zu Peters Nachfolger im Ultimate-Universum. 2015 wechselt er ins Haupt-Universum und ist seitdem eine etablierte, reguläre Figur im Marvel-„Mainstream“. Die Ultimate-Comics über Miles sind gut/lesenswert, doch für neue Fans ist es ganz zweitrangig, dass sie nicht im „richtigen“ Marvel-Universum spielen: Einfach loslesen, das passt.

2015 gab es in allen Spider-Man-Comics ein ca. 600 Seiten langes Crossover: Ein Bösewicht jagte Spider-Men in verschiedenen Parallelwelten, und Peter Parker, Miles Morales und viele weitere Figuren reisten durch die Dimensionen, um sich gegenseitig zu retten. Die Storyline hieß „Spider-Verse“. Der Miles-Morales-Kinofilm ist keine direkte Verfilmung – doch greift viele Elemente auf: Verschiedene, teils absurde Spider-Men aus verschiedenen Parallelwelten retten & helfen sich. 

Ich las und empfehle:

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Lieblingsfiguren: Silk, Spider-Woman, Spider-Gwen

 

Die Rechte der meisten Marvel-Figuren liegen bei Disney/Marvel: Sie können problemlos in allen Filmen auftauchen, genannt werden etc.

Die Rechte der X-Men, der Fantastic Four und von Spider-Man wurden in den 90er Jahren verkauft: Deshalb sind viele Spider-Man-Kinofilme seit 2002, alle produziert von Sony statt Disney, Konkurrenzprodukte zum „Marvel Cinematic Universe“. Dass Sony Spider-Man „auslieh“/lizensierte für Disneys Marvel-Cinematic-Universe-Filme „Civil War“, „Spider-Man: Homecoming“ und „Infinity War“ war heikel und aufwändig.

Der Sony-Film „Spider-Man: A New Universe“ will auffallen, herausstechen, sich von den Disney-Filmen absetzen:

  •  als Kinderfilm statt „erwachsener“ Heldenfilm
  • mit Miles statt dem bekannten/etablierten Peter Parker als Hauptfigur
  • durch schrille, originelle Animation

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Der Film… ist solide: Unterhaltung für Kinder ab ca. 10, temporeich, visuell originell, halbwegs stimmungsvoll und warmherzig: Kein kalter, öder, zynischer oder einfallsloser Film. Miles ist sehr unsicher, nervös, passiv, verdattert – und alle Figuren bleiben sehr oberflächlich.

Über Race, Ethnie, Vielfalt erzählt der Film nichts. Bereits die Miles-Morales-Comics machten [anders als z.B. „Ms. Marvel“] Rassismus, Polizeigewalt, Rechtsruck etc. kaum je zum Thema. 2018 finde ich es… obszön, einer Schwarzen Teenager-Hauptfigur einen Kapuzenpulli anzuziehen, in Anlehnung an Trayvon Martin – doch Polizei nur in einer seichten „Freund & Helfer“-Rolle zu zeigen.

„Spider-Man: A New Universe“ zeigt kaum interessante Frauen; besteht nur knapp den Bechdel-Test. Die emanzipatorischen, gesellschaftskritischen Anliegen, die „Wonder Woman“ (2017) und „Black Panther“ (2018) auszeichneten (und ein Grund für den großen Erfolg waren?) fehlen hier.

Aber: Ich bin 1983 geboren – und kann mich an KEINEN schwarzen Kindheitshelden erinnern. Die Selbstverständlichkeit, mit der Miles als Held & Sympathieträger etabliert wird… und überzeugt, freut mich.

(Ganz am Rand: Im Film geht es um einen Teilchenbeschleuniger, der Spider-Men aus verschiedenen, teils sehr absurden Universen in Miles‘ New York schleudert. Ich mochte, wie postmodern, aber ruhig der Film diese Figuren interagieren lässt – ohne, ständig zu rufen: „Hat man sowas schon gesehen? Ist das nicht VÖLLIG abgedreht? Kuckt mal – wie wild und unkonventionell!“ Figuren, Heldenrollen, Kinder-Franchises sind oft postmodernes Stückwerk. Ein Film, in dem Figuren das sehen und sich gegenseitig sagen: „Tja, klar. Wir SIND halt postmodernes Stückwerk“? freut mich!)

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Ich las alle Marvel-Comics mit weiblichen Hauptfiguren, die seit 2013 erschienen; und auch viele idosynkraitsch-schrullige Reihen mit (oft z.B. nicht-weißen oder queeren) Männern. Hier warten Figuren, die ein Mainstream-Publikum in Verfilmungen und Serien mitreißen können.

„Spider-Man: A New Universe“ stößt diesen Figuren eine Tür auf in den Mainstream.

ca. 2016 hatten fast alle Marvel-Heftreihen, die bisher von weißen Männern erzählten, Frauen und/oder Minderheiten in der Titelrolle:

  • Hulk war tot. das „Hulk“-Heft erzählte von She-Hulk, ein zweites Heft von einem Asian-American Hulk
  • in „Thor“ schwang eine Frau den Hammer
  • Captain America gab seine Rolle an einen schwarzen Stellvertreter weiter
  • „Iron Man“ Tony Stark war tot, eine schwarze Schülerin trat seine Nachfolge an
  • der erwachsene „Hawkeye“ Clint Barton und die ca. 20jährige Kate Bishop teilen sich den Helden-Namen „Hawkeye“, Hauptfigur ist oft Kate; Clint spielt ihr zu.
  • Wolverine war tot, sein junger, weiblicher Klon Laura war der „All-New Wolverine“

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Wenn solche Figuren einen neuen, eigenen Heldennamen tragen, verkaufen sich die Hefte oft schlecht: Ein Heft namens „Wolverine“ wirkt wichtig, ein Heft namens „X-23“ drittrangig: Deshalb übernimmt Laura, Heldin namens „X-23“, die Titelrolle in „Wolverine“ etc.

Trotz oft sehr guter Kritiken und viel erzählerischem frischen Wind blieben die Verkaufszahlen enttäuschend, und ca. 2017 machte Marvel die meisten Änderungen rückgängig: Im „Captain America“-Heft lesen wir wieder vom altbekannten weißen Mann etc.

Die neuen Figuren aber blieben; einige haben sich etabliert – und ich rechne damit, viele bald im Kino sehen zu können. Vielleicht auch, weil viele Schauspieler-Verträge 2019, mit „Avengers: Endgame“ auslaufen: Iron Man, Hulk, Thor etc. könnten sterben und auch im Kino durch neue, diversere Legacy Characters abgelöst werden.

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Vielfalt bei Marvel: 10 Empfehlungen

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Die „Miles Morales“-Comics sind psychologischer und ergreifender als der Kinofilm: Ich las letzte Woche ca. 8 Sammelbände, erschienen zwischen 2011 und 2018, und kann sie durchgehend empfehlen. Die Figur ist spannend und in guten Händen.

„Thor“ erzählte bis Mitte 2018 weniger von Odins Sohn als von einer Erdenfrau, die Thors Hammer schwang. Ein bombastisches, schwungvolles triviales Epos, toll geschrieben und gezeichnet!

„Ms. Marvel“ fragt, was eine junge Muslima ihrem Kiez in New Jersey geben kann und, wie sich Teenager in Trumps Amerika positionieren. Originelle Zeichnungen, sympathische Heldin, 10 Sammelbände auf hohem Niveau, einsteigerfreundlich.

„Squirrel Girl“ ist ein Spaß-Comic über eine junge Programmiererin mit Eichhörnchen-Kräften: 15 clevere Ideen, Scherze und optimistische Momente auf jeder Seite.

„Gwenpool“ zeigt eine Marvel-Leserin, die in die Comics gezogen wird und bald merkt: Sich überlegen zu fühlen, über allen Dingen zu stehen macht nicht glücklich: Sie kämpft (recht existenzialistisch & smart) um eine bedeutungsvolle (Helden-)Rolle und Identität.

In „Hellcat“ zeichnet eine junge lesbische Autorin den Helden-Alltag einer recht… drolligen Helden-Clique: feministischer, optimistischer Twentysomething-Spaß.

„Iceman“ ist schwul. Der schwule Autor Sina Grace nimmt sich viel Zeit für Icemans bigotte Eltern: Erwartungen, Dating, Unsicherheiten als queerer Mann.

„Moon Girl“ ist Drittklässlerin, Schwarz und die nachweislich intelligenteste Person im Marvel-Universum – doch sehr unreif, arrogant und jähzornig. Mir sind die Comics oft zu kindisch – doch die Figur und ihre Kanten sind großartig!

„Wasp“ Nadia Pym ist Schülerin, Erfinderin, kann schrumpfen (und ist lesbisch?): ein simpler, sonniger Girl-Power-Comic, der Naturwissenschaften & Freundschaften unter Frauen feiert.

In der Teenager-Helden-Clique „Runaways“ (seit 2017 auch eine TV-Serie) sind Vielfalt und Diversity eine Selbstverständlichkeit: viel Raum für Sinnsuche, Zwischenmenschliches, Identitätsfragen.


 

„Neue, frische Gesichter – unter alten Masken

Mit „Spider-Man: A New Universe“ erreicht eine vielfältige, junge Generation der Marvel-Figuren auch die Marvel-Kinofilme: „Legacy Characters“

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Im März 2019 startet „Captain Marvel“: der 21. Marvel-Kinofilm seit 2008. Doch der erste, in dem allein eine Heldin ins Zentrum darf: Die blonde, weiße Air-Force-Pilotin Carol Danvers war in den Comic-Vorlagen schon ab 1977 „Ms. Marvel“. Nachdem sie von „Ms.“ zu „Captain“ wechselte, übernahm 2014 eine Schülerin aus New Jersey, Kamala Khan, den Helden-Namen „Ms. Marvel“. Kamala ist Muslima, ihre Eltern stammen aus Pakistan, und die bisher zehn „Ms. Marvel“-Sammelbände bis 2018, verfasst von der muslimischen Autorin G. Willow Wilson, sind der vielleicht schönste, überraschendste Helden-Erfolg des Jahrzehnts:

„Ms. Marvel“ überzeugt – literarisch wie zeichnerisch. Denn Kamala hat eine ganz eigene, begeisternde Stimme, und ihr Alltag erzählt viel über Paranoia und Fremdenhass seit dem 11. September. Den Marvel-Kinofilmen fehlt solche Vielfalt meist: Fast alle wichtigen Figuren sind weiße, heterosexuelle Männer.

„Spider-Man: A New Universe“ gehört nicht in den Kanon der Marvel-Produktionen: Der Animationsfilm, lanciert von Sony statt Disney/Marvel, spielt in einer eigenen Erzähl- und Parallelwelt. Dort wird Spider-Man Peter Parker erschlagen – doch weil der junge Eliteschüler Miles Morales (Vater: schwarzer Polizist, Mutter: Krankenschwester aus Puerto Rico) wie zuvor Peter von einer verstrahlten Spinne gebissen wurde, tritt er die Nachfolge an. „Legacy Characters“ heißen Figuren, die Kostüme, Masken, Namen und oft auch die Comic-Heftreihen von anderen (meist: weißen), etablierten Figuren übernehmen.

Seit 2011 gibt es zwei große Spider-Man-Heftreihen: eine zum erwachseneren Peter, und eine einstiegsfreundliche, jugendliche Parallel-Reihe zu Miles. Bis 2015 war Miles meist für sich allein in einem eigenen, separierten New York in der Neben- und Parallelwelt des „Ultimate Universums“. Seit einem Dimensionssprung 2016 ist er Kollege und Freund von Peter, Kamala und den 50+ anderen Figuren, deren Heftreihen Monat für Monat die Marvel-Welt fortschreiben.

Figuren und Plots, die in diesen Comics überzeugen, finden oft nach ca. zehn Jahren den Weg ins Kino. Miles Morales brauchte sieben – und der Erfolg des (stimmungsvollen, knallbunten) Kinofilms könnte die Tür öffnen für weitere „Legacy Heroes“: Als Iron Man (Tony Stark) stirbt, baut sich eine schwarze Schülerin, Riri Williams, eine Kampfrüstung in der Garage und will die Nachfolge. Als Thor, Odins Sohn, nach einer Sinnkrise den magischen Hammer Mjölnir nicht länger nutzen kann, sucht sich der Hammer eine Erdenfrau, die zur neuen Donnergöttin wird. Den Helden-Namen „Hawkeye“ teilen sich in den Comics Clint Barton und die junge Amateurdetektivin Kate Bishop. Schrumpf-Heldin „Wasp“ ist aktuell eine lesbische Schülerin und Erfinderin. Auch Squirrel Girl, Hellcat und der schwule Iceman (alle ohne weißen Hetero-Helden-Vorgänger) bringen in eigensinnigen, manchmal schrulligen Heftreihen Vielfalt und frischen Wind.

Doch seit 2017 machte Marvel einen großen Schritt zurück: Der (jahrelang grandiose!) „Thor“-Comic zeigt nun wieder vor allem den Mann statt seine Kollegin. Tote Helden wie Hulk, Iron Man und Wolverine erstehen auf, drängten ihre (vielfältigeren, oft interessanteren) Vertreter*innen ab.

Wollen Comic-Fans in einem „Captain America“-Heft unbedingt den weißen, aus dem Kino bekannten Steve Rogers sehen – nicht seinen schwarzen Nachfolger Sam Wilson? Fest steht: Ein Heft namens „Hulk“ verkauft sich besser, gilt als „wichtiger“ als ein Heft namens „She-Hulk“. Ein Miles-Morales-Comic namens „Spider-Boy“ wirkt nebensächlich, zweitrangig – und wäre wohl gefloppt: Frauen, Marginalisierte, Minderheiten müssen in die erste Reihe, in Heften und im Kino.

Wie gut das klappen kann, beweist der aktuelle „Spider-Man“-Film. Schade nur, wie oft es dazu noch die Fußstapfen und Helden-Namen älterer, weißer, männlicher Figuren braucht. Die Filmkritik sagt: „Black Panther“ und Miles Morales‘ „A New Universe“ sind die Helden-Highlights 2018. Dann also bitte: mehr, bald. Lest „Squirrel Girl“! Feiert „Silk“, „Gwenpool“, „Iceman“! Und in fünf Jahren kennt jedes Kind Kamala Khan!“

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Link: Alle Anspielungen & „Easter Eggs“ in „Spider-Man: A New Universe“

Die besten Jugendbücher 2019 – Entdeckungen zur Leipziger Buchmesse

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Ich schreibe einen Roman über Sechzehnjährige. Ich lese seit ca. 2009 Young-Adult-Literatur, empfehle Titel bei ZEIT Online und veröffentliche immer wieder auch längere Texte über z.B.“Mockingjay” (Link) oder neue Dystopien (Link). Meine Lieblings-Jugendbuchautorin ist A.S. King (Link).

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Mehrmals jährlich stelle ich hier im Blog unbekannte oder neue Bücher vor.

Heute: aktuelle Jugendbücher und Young-Adult-Literatur, erst neu auf Deutsch, weiter unten: englischsprachig.

Neue Titel oder Neuausgaben – erschienen zwischen Frühling 2018 und Frühling/Sommer 2019. Angelesen, gemocht und vorgemerkt.

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gelesen und gemocht:

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STEFANIE HÖFLER: „Der große schwarze Vogel“, Beltz & Gelberg, Juli 2018

„Bens Mutter stirbt völlig unerwartet – an einem strahlenden Oktobertag. Ben erzählt von der ersten Zeit danach und wie er, sein Bruder Krümel und Pa klar kommen – oder eben nicht. Mit einem Mal ist nichts mehr so, wie es war. Doch manchmal geht das Leben nicht nur irgendwie weiter, sondern es passieren neue, verwirrende und ganz wunderbare Dinge.“ [mehr: Goodreads]

Ich mochte Höflers Debüt, „Mein Sommer mit Mucks“, mehr – Ben bleibt recht farblos, passiv und hat keine besonders interessanten Impulse oder Ideen. Trotzdem: Die beste deutschsprachige Jugendbuchautorin, die ich kenne. Starkes Thema, intensives Buch.

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LAURIE HALSE ANDERSON: „Sprich“, dtv, Juni 2019

„Wehr dich! Sprich! Melinda freute sich auf der erste Jahr an der High School. Doch jetzt ist alles wie ein böser Traum: Von ihrer Freundin wird sie geschnitten, die Mitschüler reagieren abweisend. Melinda gilt als Zicke, seit sie auf jener Party die Polizei gerufen hat, aber nicht sagen wollte, warum. Sprechen kann und will sie nicht darüber. Es dauert ein Jahr, bis Melinda ihre Sprache wiederfindet – und mit ihr die Kraft, sich zu wehren.“ [mehr: Goodreads]

Zerquält, trocken, solide: Ich las das Buch 2010 im Original und hoffe, dass es mittlerweile bessere Jugendbücher gibt, die über Trauma, sexuelle Gewalt und Toxic Masculinity erzählen. 2004 gab es eine Verfilmung mit Kristen Stewart, 2019 kommt eine Graphic Novel.

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angelesen und gemocht:

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ADAM SILVERA, „Am Ende sterben wir sowieso“, Arctis, September 2018

„Was, wenn das Schicksal bei dir anklopft – um zu sagen, dass du stirbst? Am 5. September, kurz nach Mitternacht, bekommen Mateo und Rufus den Anruf der »Death Cast«: Sie werden heute sterben. Noch kennen sie sich nicht. Doch aus unterschiedlichen Gründen beschließen sie, an ihrem letzten Tag einen neuen Freund zu finden. Dafür gibt es die App ›Last Friend‹. Zusammen werden sie ein letztes großes Abenteuer erleben – und ein ganzes Leben an einem einzigen Tag verbringen.“ [mehr: Goodreads]

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ADAM SILVERA: „Was mir von dir bleibt“, Arctis, 22. März 2019

„Freundschaft, Liebe, Verlust, Trauer, Selbstsuche: Als Griffins erste Liebe und Exfreund Theo bei einem Unfall stirbt, bricht eine Welt zusammen. Obwohl Theo aufs College nach Kalifornien gezogen war und anfing, Jackson zu daten, hatte Griffin nie daran gezweifelt, dass Theo eines Tages zu ihm zurückkehren würde. Für Griffin beginnt eine Abwärtsspirale. Er verliert sich in seinen Zwängen und selbstzerstörerischen Handlungen. Seine Geheimnisse zerreißen ihn innerlich. Sollte eine Zukunft ohne Theo für ihn überhaupt denkbar sein, muss Griffin sich zuerst seiner eigenen Geschichte stellen.“ [mehr: Goodreads]

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AMI POLONSKY: „Und mittendrin ich“, cbj, 24. Juni 2019

„Was wäre, wenn dein Äußeres das genaue Gegenteil deines Inneren wäre? Du deine Sehnsucht einfach nicht mehr länger geheim halten könntest? Würdest du den Mut haben, du selbst zu sein? Bisher machte sich [trans Mädchen] Grayson, 12, in der Schule unsichtbar. Als eine unerwartete Freundschaft und ein verständnisvoller Lehrer Grayson ermutigen, ins Rampenlicht zu treten, findet Grayson endlich einen Weg, ihre Flügel auch im wahren Leben zu entfalten.“ [mehr: Goodreads]

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ASTRID LINDGREN: „Das entschwundene Land“, Oetinger, Mai 2018

„Das entschwunde Land ist das glückliche Land Lingrens Kindheit. Zwischen Mägden und Knechten, Armenhäuslern und Landstreichern wuchsen sie und ihre Geschwister auf einem Hof nahe der schwedischen Kleinstadt Vimmerby in Småland auf. Dort, wo irgendwann im Jahr 1888 die Liebesgeschichte ihrer Eltern begann und ein Leben lang dauerte. Aktualisierte und neu gestaltete Autobiographie der weltberühmten Kinderbuchautorin.“ [Wird ca. alle fünf Jahre neu aufgelegt. mehr: Goodreads]

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CLARA ASSCHER-PINKHOF: „Sternkinder“, Dressler, September 2018

„Kindersicht auf die Gräuel des Nationalsozialismus. „Sternkinder“, das waren die jüdischen Kinder, die den Davidstern tragen mussten. Sie erfuhren die Schrecken der Konzentrationslager und verstanden doch oft nicht, was mit ihnen geschah. Clara Asscher-Pinkhof, die selbst deportiert wurde und nur durch großes Glück überlebte, beschreibt die Verfolgung durch die Augen der Kinder. Das früheste Dokument über das Schicksal jüdischer Kinder, erschienen 1946.“ [mehr: Goodreads]

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CLAIRE CHRISTIAN: „Du bringst mein Leben so schön durcheinander“, Thienemann, Februar 2019

„Ava ist das beliebteste Mädchen der Schule. Gideon der schüchterne Junge von nebenan. Beim Nebenjob im Schnellrestaurant lernen die beiden sich kennen. Ava mag Gideon sofort, weil er anders zu sein scheint. Zum Beispiel als er zugibt, weder ein Handy noch Internet zu haben und vorschlägt, stattdessen Briefe zu schreiben. Dann wird aus der Freundschaft Liebe.“ [mehr: Goodreads]

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JEAN WEBSTER, „Daddy Langbein“, Anaconda Verlag, März 2018

„Die junge Jerusha kann wunderbar schreiben. Deshalb schickt ein reicher Gönner das Waisenkind aufs College. Er erwartet dafür jeden Monat einen Brief, in dem das Mädchen über ihre Fortschritte berichtet. Jerusha ist in ihrem Element: freimütig und frech, voller Beobachtungsgabe und übersprudelnder Fantasie schildert sie dem ihr unbekannten Mann, den sie Daddy Langbein nennt, wie sie vorankommt und was sie bewegt.“ [mehr: Goodreads]

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JULIE BUXBAUM, „Tell me three Things“, Luebbe One, Juni 2018

„Jessie hat eine neue Schule – und bekommt eine anonyme Mail mit Ratschlägen, wie sie den Schulalltag überstehen kann. Sie beschließt, die Tipps zu befolgen und verliebt sich Nachricht für Nachricht mehr in den Absender. Doch wer ist der Unbekannte?“ [mehr: Goodreads; erschien schon 2016 als „Absender: Glück“ bei Boje]

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ELISABETH ETZ, „Nach vorn“, Tyrolia Verlag, August 2018

„„Geheilt“ – auch wenn sich Ärzte stets davor scheuen, ein „endgültig“ davor zu setzen. Doch der Port der 17-jährigen Helene ist draußen, der Krebs gibt Ruhe. Die Zeit im Krankenhaus ist vorbei. Man kann nicht einfach dort weitermachen, wo man vor eineinhalb Jahren aufhören musste. Den Schalter umkippen und wieder ein „normaler“ Teenager sein. Helene legt ihren alten Spitznamen ab und will statt Lene nun Hel genannt werden – Hel wie Hölle. Sie verliert gute Freundinnen und Freunde, um an einem unerwarteten Ort neue zu finden. Und arbeitet sich langsam in ein Leben, das mit ihrem alten wenig zu tun hat. Und die, die gestorben sind: Waren die einfach nicht tapfer genug?“ [mehr: Goodreads]

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NEAL SHUSTERMAN: „Kompass ohne Norden“, Hanser, August 2018

„Caden hält sich für einen normalen Jungen. Doch sein Verstand ist ein krankhafter Lügner: Manchmal ist Caden auf dem Weg zum tiefsten Punkt der Erde im Marianengraben, auf einem Schiff, auf dem die Zeit seitlich läuft wie eine Krabbe. In der Realität lässt Cadens Verstand harmlose Dinge wie einen Gartenschlauch zur tödlichen Gefahr werden. Als die Grenze zwischen realer und fantastischer Welt verschwimmt, begreift Caden: In den Tagen der Bibel hätte er vermutlich als Prophet gegolten, doch heute lautet die Diagnose: Schizophrenie.“ [mehr: Goodreads]

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HOLLY BLACK: „Elfenkrone“, cbj, November 2018

„Elfen sind schön wie das Feuer und gnadenlos wie Schwerter – bis ein Mädchen ihnen Einhalt gebietet. Cardan ist der Schönste von allen. Jude ist sieben, als ihre Eltern ermordet werden und sie gemeinsam mit ihren Schwestern an den Hof des Elfenkönigs verschleppt wird. Zehn Jahre später hat sie nur ein Ziel vor Augen: dazuzugehören, um jeden Preis. Doch die meisten Elfen verachten Sterbliche wie sie. Ihr erbittertster Widersacher: Prinz Cardan, der jüngste und unberechenbarste Sohn des Elfenkönigs. Doch gerade ihm muss Jude die Stirn bieten, wenn sie am Hof überleben will…“ [mehr: Goodreads]

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CHRISTELLE DABOS: „Die Verlobten des Winters“, Insel, März 2019

„Ophelia kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie. Doch sie soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen, Thorn, heiraten. Warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia macht sich auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause.“ [mehr: Goodreads. Erster Teil einer französischen Reihe]

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#norwegen2019 AMINA BILE, SOFIA NESRINE SROUR, NANCY HERZ: „Schamlos“, Gabriel (Thienemann-Esslinger), Februar 2019

„Drei junge Frauen – Muslimas, Bloggerinnen, Feministinnen – beziehen Position: Wie fühlt es sich an, ständig zwischen den Erwartungen ihrer Familien, ihrer kulturellen Identität und ihrem Selbstverständnis, als Jugendliche in einem westlichen Land zu leben, hin- und hergerissen zu sein? Sie haben Diskussionen angeregt, Tabu-Themen öffentlich gemacht und zahlreiche sehr persönliche Geschichten gesammelt. Dabei entstand ein bemerkenswertes, mutiges Buch. Ein Plädoyer für eine multikulturelle Gesellschaft.“ [mehr: Goodreads]

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#norwegen2019 MARTA BREEN: „Rebellische Frauen – Women in Battle. 150 Jahre Kampf für Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit“, Elisabeth Sandmann Verlag, Februar 2019

„Der Kampf ums Wahlrecht war zugleich der Kampf dafür, als vernünftige, rational denkende Menschen wahrgenommen zu werden. Frauen kämpfen seit über 150 Jahren für wirtschaftliche Unabhängigkeit, Bildung, Beruf und für das Recht über den eigenen Körper und das Recht, zu leben und zu lieben, wen man will. Neben Rosa Luxemburg, Emmeline Pankhurst und Malala Yousafzai werden auch weniger bekannte Protagonistinnen der Frauenbewegung portraitiert.“ [mehr: Goodreads]

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#norwegen2019 HAKON OVREAS: „Super-Laura“, Hanser, Mai 2018

„Super-Bruno und Super-Matze hatten ihren Auftritt – nun ist Super-Laura an der Reihe! Die Gemeinde bewilligt, dass ein reicher Unternehmer mitten in dem kleinen Dorf eine Geflügelfarm bauen darf. Das wäre das Ende für die Hütte von Laura, Matze und Bruno. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und will den Bürgermeister überzeugen, den Beschluss zurückzunehmen. Und sie will Geld sammeln, um das Grundstück selbst zu kaufen. Doch dafür fehlen mehrere Millionen. Zeit für Super-Laura!“ [mehr: Goodreads]

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sechs Titel, für dich noch keine Leseprobe vorliegt:

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ANGIE THOMAS: „On the come up“, cbj, 4. März

„Bri ist 16 und will berühmte Rapperin werden. Als Tochter einer Rap-Legende ist das nicht leicht: Ihr Vater starb, kurz bevor er den großen Durchbruch schaffte. Dann verliert ihre Mutter ihren Job. Plötzlich gehören Essensausgaben, Zahlungsaufforderungen und Kündigungen ebenso zu Bris Alltag wie Reime und Beats.“ [mehr: Goodreads]

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JUDITH VISSER: „Mein Leben als Sonntagskind“, HarperCollins, 1. Mai

„Jasmijn führt Tagebuch – doch redet nur mit ihrer Hündin Senta und mit Elvis Presley, mit dessen Postern sie ihr Zimmer tapezierte. Wie schaffen es andere Menschen bloß, dass sie immer wissen, wie sie sich verhalten sollen? Mit Senta und Elvis an ihrer Seite macht sich Jasmijn auf, dieses Geheimnis zu ergründen und ihr Glück zu finden. Der Bestseller aus den Niederlanden: ein berührender Roman über das Erwachsenwerden mit Autismus.“ [mehr: Goodreads]

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CORNELIA FUNKE: „Das Labyrinth des Fauns“, Fischer, 2. Juli

„Spanien, 1944: Ofelia zieht mit ihrer Mutter in die Berge, wo ihr neuer Stiefvater mit seiner Truppe stationiert ist. Der dichte Wald wird zum Königreich voller magischer Wesen. Ein geheimnisvoller Faun stellt dem Mädchen drei Aufgaben. Besteht sie, wird sie Prinzessin des Reiches. Immer tiefer wird Ofelia in eine phantastische Welt hinein gezogen, die wundervoll ist und grausam zugleich. Inspiriert von Guillermo del Toros grandiosem oscarprämierten Meisterwerk »Pans Labyrinth« schafft Bestsellerautorin Cornelia Funke eine Welt, wie nur Literatur es kann.“

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KATHLEEN WEISE: „Wenn wir nach den Sternen greifen“, Ueberreuter, 15. März 2019

„2039: Ianthe ist 17. Ihr Vater wurde für die erste bemannte Mars-Mission ausgewählt, und auf einem abgeschirmten NASA-Gelände am Strand verbringen alle Familien einen letzten Urlaub. Ianthe ist wütend, weil ihr Vater für seinen Traum die Familie verlässt. Sie hat ein Angebot von einem Plattenlabel in der Tasche. Der Haken: Sie müsste nach Seattle ziehen. Kann sie ihrer Familie eine weitere Veränderung antun? Was kostet es wirklich, seinen Traum zu leben?“

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INTI CHAVEZ PEREZ: „:respect. Das Sexbuch für Jungs“, Heyne, 12. August 2019

„Wie soll ein Schwanz aussehen? Sind Pornos in Ordnung? Was mögen Mädchen? Was mögen Jungs? Wie schütze ich mich selbst, und wie sage ich nein? Für den [schwedischen] Sexualpädagogen Inti Chavez Perez ist keine Frage zu groß, klein, tabu oder peinlich.“ [mehr: Goodreads; schon 2010 erschienen]

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NICO ABRELL: „Ich bin ich – und jetzt? Über Mobbing, Outing und das erste Mal“, dtv, 22. März 2019

„Nico ist 18 und schwul. Er liest, schreibt, singt und spielt Gitarre. Auf Youtube beantwortet er Fragen, spricht über seine Beziehung, Mobbingerfahrungen und Alltag, Diversity, Coming of Age und Sexualität. Nico gibt Tipps, die er vor einigen Jahren selbst gerne gehabt hätte: Was sind die besten Konter auf blöde Sprüche? Wie oute ich mich und muss ich das überhaupt? Wie überwindet man seine Ängste?“

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bisher nur auf Englisch – angelesen und gemocht:

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ADIS KHORRAM: „Darius the Great is not okay“, August 2018

„Darius Kellner speaks better Klingon than Farsi, and he knows more about Hobbit social cues than Persian ones. He’s about to take his first-ever trip to Iran, and it’s pretty overwhelming–especially when he’s also dealing with clinical depression and a disapproving dad. In Iran, he gets to know his ailing but still formidable grandfather, his loving grandmother, and the rest of his mom’s family for the first time. And he meets Sohrab, the boy next door who changes everything. Sohrab calls him Darioush–the original Persian version of his name–and Darius has never felt more like himself than he does now that he’s Darioush to Sohrab. When it’s time to go home to America, he’ll have to find a way to be Darioush on his own.“

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SUSIN NIELSEN: „No fixed Address“, September 2018

„Felix is 12. His mom is loving but unreliable and can’t hold onto a job, or a home. When they lose their apartment in Vancouver, they move into a camper van, just for August, till Astrid finds a job. September comes, they’re still in the van; Felix must keep „home“ a secret and give a fake address in order to enroll in school. When he gets to compete on a national quiz show, Felix is determined to win: The cash prize will bring them a home.“

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GUY JONES: „The Ice Garden“, Januar 2018

„Jess is allergic to the sun and has to stay in the hospital. Her only friend is a boy in a coma, to whom she tells stories. One night she sneaks out to explore the empty playground she’s longed to visit, where she discovers a beautiful impossibility: a magical garden wrought of ice. But Jess isn’t alone in this fragile, in-between place…“

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BECKY ALBERTALLI, ADAM SILVERA: „What if it’s us“, Oktober 2018

„Arthur is only in New York for the summer. Ben is on his way to the post office, carrying a box of his ex-boyfriend’s things. They meet at the post office. But what if Arthur tries too hard to make it work and Ben doesn’t try hard enough?“

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KATRIN VAN DAM: „Come November“, Oktober 2018

„Rooney’s mom just lost her job. She isn’t planning to get another one: The Next World Society has its members convinced they’ll be leaving Earth behind on November 17. To Ronney’s mother and younger brother it sounds like salvation. Their obsession threatens to tear their lives apart.“

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MELANIE SUMROW: „The Prophet calls“, November 2018

„‚Let’s play apocalypse!‘, my cousin yells. In the shade of the grocery store, my three mothers shake their heads in unison.‘ Gentry feels lucky to live among God’s chosen people in the Prophet’s compound, but when music is outlawed, Gentry and her older brother Tanner sneak out. Gentry begins to question the Prophet’s teachings and his revelations, especially when his latest orders put her family in danger. Can she escape the only life she’s ever known?“

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GLORY EDIM: „Well-read Black Girl“, Oktober 2018

„An inspiring collection of essays by black women writers on the importance of recognizing ourselves in literature: Remember that moment when you first encountered a character who seemed to be written just for you? That feeling of belonging remains with readers the rest of their lives—but not everyone regularly sees themselves on the pages of a book. Contributors include Jesmyn Ward, Jacqueline Woodson, Tayari Jones. Whether it’s learning about the complexities of femalehood from Zora Neale Hurston and Toni Morrison, finding a new type of love in The Color Purple, or using mythology to craft an alternative black future, the subjects of each essay remind us why we turn to books in times of both struggle and relaxation.“

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JACQUELINE WOODSON: „Harbor me“, August 2018

„Six kids have to meet for a weekly chat–by themselves, with no adults to listen in. What is bothering them? Esteban’s father’s deportation and Haley’s father’s incarceration, Amari’s fears of racial profiling and Ashton’s adjustment to his changing family fortunes. When the six are together, they can express the feelings and fears they have to hide from the rest of the world.“

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SHARON M. DRAPER: „Blended“, Oktober 2018

„Eleven-year-old Isabella’s blended family is more divided than ever: a thoughtful story about divorce and racial identity. One week, she’s living in a fancy house where they are one of the only black families in the neighborhood. The next week she’s with her mom and her boyfriend John-Mark in a small, not-so-fancy house that she loves. And she’s is beginning to realize that being split between Mom and Dad is more than switching houses, switching nicknames, switching backpacks: it’s also about switching identities. Strangers are always commenting: “You’re so exotic!” “You look so unusual.” “But what are you really?” Then, Isabella and her step-brother are stopped by the police. A cell phone is mistaken for a gun. And shots are fired.“

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JENNIFER A. NIELSEN: „Resistance“, August 2018

„Chaya is a teenager living in Nazi-occupied Poland. After her little sister is taken away, her younger brother disappears. Using forged papers and her fair features, Chaya becomes a courier and travels between the Jewish ghettos of Poland, smuggling food, papers, and even people.“

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DANIEL JOSÉ OLDER: „Dactyl Hill Squad“, September 2018

„It’s 1863 and dinosaurs roam the streets of New York as the Civil War rages between raptor-mounted armies down South. Magdalys Roca and her friends from the Colored Orphan Asylum are on a field trip when the Draft Riots break out, and a number of their fellow orphans are kidnapped by an evil magistrate, Richard Riker.“

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ETHAN M. ALDRIDGE: „Estranged“, August 2018  [Comic]

„Edmund and the Childe were swapped at birth. Edmund has fae powers, but lives in secret as a changeling in the World Above. The Childe lives among the fae in the World Below, where being human makes him an oddity at the royal palace, and where his only friend is a wax golem named Whick. When the cruel sorceress Hawthorne takes the throne, the Childe and Edmund need to act.“

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LAURA SHOVAN: „Takedown“, Juni 2018

„One girl wants to break barriers in a sport dominated by boys. Mikayla is a wrestler. Some people object to having a girl on the team. Lev is determined to make it to the state championships. At the beginning of sixth grade, he’s paired with a new partner–a girl. Mikayla and Lev work hard together and become friends. But when they face each other, only one of them can win.“

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KELLY JENSEN: „(Don’t) call me crazy. 33 Voices start the conversation about mental health“, Oktober 2018

„Is using the word crazy offensive? The word itself means different things—wild? extreme? disturbed? passionate?—to different people. Thirty-three writers, athletes, and artists offer essays, lists, comics, and illustrations that explore their personal experiences with mental illness, how we do and do not talk about mental health.“

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TENA CLARK: „Southern Discomfort. A Memoir“, Oktober 2018

[kein Jugendbuch] „For readers of beloved memoirs like The Glass Castle: Set in rural Mississippi during the Civil Rights era. A white girl coming of age in a repressive society: Tena was born in 1953 in a tiny Mississippi town where the legacy of slavery and racial injustice still permeated every aspect of life. On the outside, Tena’s childhood looked like a fairytale. Her father was one of the richest men in the state; her mother was a regal beauty. The family lived on a sprawling farm and had the only swimming pool in town; Tena was given her first car—a royal blue Camaro—at twelve. But by the time she was three, her parents’ marriage had dissolved into a swamp of alcohol, rampant infidelity, and guns. Tena was left in the care of her black nanny, Virgie, who became Tena’s surrogate mother and confidante—even though she was raising nine of her own children and was not allowed to eat from the family’s plates or use their bathroom. It was Virgie’s acceptance and unconditional love that gave Tena the courage to [out herself as a lesbian.]“

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MICHELLE KIM: „Running through Sprinklers“, April 2018

„Surrey, British Columbia, Canada, in the early 1990s: Nadine has suddenly skipped a grade and gone to high school without Sara. Sara can feel their friendship slipping away.“

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VEERA HIRANANDANI: „The Night Diary“, März 2018

„It’s 1947, and India, newly independent of British rule, has been separated into two countries: Pakistan and India. The divide has created much tension between Hindus and Muslims, and hundreds of thousands are killed crossing borders. Half-Muslim, half-Hindu twelve-year-old Nisha doesn’t know where she belongs. When Papa decides it’s too dangerous to stay in what is now Pakistan, Nisha and her family become refugees and embark first by train but later on foot to reach her new home.“

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ALEX GINO: „You don’t know everything, Jilly P!“, Oktober 2018

„When her sister Emma is born Deaf, Jilly realizes how much she still has to learn. A big fantasy reader, Jilly connects with another fan, Derek, who is a Deaf Black ASL user. Jilly has to learn to be an ally, a sister, and a friend, understanding that life works in different ways for different people, and that being open to change can make you change in the best possible ways.“

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[Alle Klappentexte: gekürzt]

[Leseexemplare? gern einfach direkt per E-Mail schicken | Printadresse hier: Link]

HIV in den 80ern und 90ern: Buchtipps zum Welt-AIDS-Tag

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Promising people, who could have contributed much, dying young and dying unnecessarily. (Randy Shilts)

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Die AIDS-Krise ist 35 Jahre her. Ich bin 35. Die Menschen, die damals starben, forschten, aktivistisch arbeiteten, waren oft Mitte 30.

Im Juni 2018 las ich mehrere Sachbücher über HIV und AIDS in den 80er und 90er Jahren, für Deutschlandfunk Kultur.

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„Erst 1969 war Homosexualität im Rahmen der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger entkriminalisiert worden, nachdem über 50000 Bürger verurteilt worden waren.“

„Im Juli des Jahres 1979 fand der Homolulu-Kongress in Frankfurt am Main statt, das erste internationale Homosexuellentreffen, das zum Zündfunken für die Gründung vieler schwuler Initiativen in Westdeutschland wurde, darunter das Begegnungs- und Tagungshaus Waldschlösschen.“

„Christian von Maltzahn beteiligte sich an der Aktion »Wir sind schwul«, bei der sich im Oktober 1978 682 Männer im Stern outeten (angelehnt an die legendäre Aktion »Wir haben abgetrieben« von 1971). Daraufhin wurde er von der Familie verstoßen.“

„1980 zerschlug der Künstler und spätere Präsident des FC St. Pauli Corny Littmann einen Spiegel in der öffentlichen Toilette am Jungfernstieg, hinter dem sich ein Raum der Polizei befand. Von dort aus hatten Beamte bis dato durch ein Spezialglas die Urinale beobachtet, um Homosexuelle auf frischer Tat bei »sittenwidrigen Handlungen« ertappen zu können.“

„Die relative Freiheit, mit der sich Homosexuelle in der Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt bewegen konnten? In den Großstädten gab es eine ausdifferenzierte Szene, allein in Westberlin mehr als fünfzig Kneipen, zwei schwule Verlage und mehrere Saunen. Frank Ripplohs legendärer, auch international erfolgreicher »Film Taxi zum Klo« (1980) vermittelt etwas von der damaligen Atmosphäre.“

„Am Anfang war Aids nichts als ein »Schreck von drüben«, wie der Spiegel im Mai des Jahres 1982 schrieb.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Ein wichtiges Buch.

Mit wuchtigem Titel: In „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“ will taz-Redakteur Martin Reichert 40 Jahre Krankheits-, Sozial-, Polit- und Kulturgeschichte bündeln, auf 270 knappen Seiten. Ein Buffet aus Fakten, Diskursen, offenen Fragen und persönlichen Anekdoten, das so viele Themen (und: Pioniere, Stimmen) streift, dass ich beim Lesen mehr Zeit bei Google, Wikipedia verbrachte als in Reicherts zugänglichem, doch oft kursorischem Text.

Das viel zu kurze Suhrkamp-Buch zeigt mir vor allem, wie vage und oberflächlich mein eigenes Verständnis und Wissen sind.

„Das Ende von AIDS haben sich die Vereinten Nationen fürs Jahr 2030 auf die Fahnen geschrieben, in Deutschland soll das Ziel schon 2020 erreicht sein. Bis dahin soll die Krankheit bei niemandem mehr ausbrechen. In Deutschland wird derzeit noch bei etwa tausend [HIV-positiven] Patienten jährlich das Vollbild diagnostiziert.“

Wie ausführlich, detailliert müssen Dokus und Sachbücher erzählen?

Wunderbare Graphic Novels wie Judd Winnicks „Pedro and me“ (2000, über Aktivist und MTV-Star Pedro Zamora) oder „Taking Turns“ (2017: ein „Graphic Medicine“-Doku-Comic der lesbischen Hospizpflegerin und Künstlerin M.K. Czweriec) bleiben bei engen Einzel-Aspekten der AIDS-Krise (Jugendkultur der 90er; Pflege und Hospiz): didaktisch, zugänglich, sympathisch.

Fehlt also immer noch ein großes Standard-, Grundsatzwerk über der Zeit von ca. 1978, als erste AIDS-Fälle dokumentiert wurden, und 1996 – seit HIV via „Medikamentencocktail“ meist gebändigt wird?

2017 erzählt David France in „How to survive a Plague“ auf über 600 holprigen Seiten, wie New Yorker Aktivistengruppen, z.B. ACT UP Ende der 80er gegen selbstsüchtige Forscher, korrupte Pharmafirmen und die Gleichgültigkeit der Presse und des Präsidenten, Ronald Reagan, agitierten. Ein verquastes, maßloses, oft provinzielles Buch. Tausend (oft interessante) Details. Ohne Gespür für Dramaturgie.

Hier stolpern auch Filme und Theaterstücke meist:

Tony Kushners unvergesslicher Broadway-Zweiteiler „Angels in America“ (1991) zeigt Stimmungen und Alpträume der New Yorker Community. Larry Kramers Lehrstück „The Normal Heart“ (1985) prangert das Polit-Versagen an, zusammen mit einer fiktiven, eher seichten Liebesgeschichte. Ryan Murphys HBO-Verfilmung von 2013 vermittelt kompakt, stilsicher, packend alle Oberflächen der Ära: Wie wurde vor 35 Jahren in Manhattan gesprochen, getanzt, gestritten? Gestorben?

Je mehr Sender und Portale im US-Serienmarkt auf Nischen setzen und eigensinnigen Ton – je mehr Produktionen nicht mehr allen, jeden vage gefallen, sondern lieber kleine, engere Zielgruppen komplett begeistern wollen – desto spezifischer, mutiger werden HIV und queerer Alltag erzählt. Zuletzt etwa in Ryan Murphys „Pose“ (2018). Ikonografie, die oft aufs Fremde und Vergangene setzt. Bilder, die zeigen: Das war eine ganz eigene Welt, zu einer ganz anderen Zeit.

Um die AIDS-Krise zu verstehen, brauche ich mehr als solche Momentaufnahmen – die immer wieder unterstreichen: “Das ist lange her. Das ist weit weg.”

Das für mich stärkste, wichtigste AIDS-Sachbuch stammt von Randy Shilts: einem der ersten offen schwulen Journalisten im Dienst großer US-Zeitungen.

“And the Band played on” erschien bereits 1987. Die deutsche Ausgabe, “Und das Leben geht weiter”, ist seit 25 Jahren vergriffen. Shilts stellt zwei große Fragen: “Was geschah?” Und, sobald klar wird, dass eine Geschichte von AIDS vor allem eine Geschichte von Versäumnissen, vermeidbarem Leid, sozialer Kälte, Hass, Homophobie ist: “Wie konnte das geschehen?”

Zeitlicher Abstand hilft beim Analysieren. Trotzdem bleibt “And the Band played on”, eines der frühesten und ältesten Bücher, eine Klasse für sich. Ein deutsches Pendant fehlt schmerzlich. Shilts selbst ließ sich während der Arbeit am Manuskript nicht auf HIV testen. Erst, als das Buch in Druck ging, sah er sich bereit, den eigenen Status zu erfragen. Er starb 1994, mit 43 Jahren, an AIDS.

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„Gab es damals in Hannover überhaupt Schwulenbars? »Natürlich, in der Nähe des Bahnhofs, eine sogar mit ›Dunkelraum‹«, erinnert Udo sich, »Klappen waren sowieso überall, in Paderborn sogar direkt unter dem Dom.« Man habe zu dieser Zeit nichts zu befürchten gehabt als schwuler Mann. Tripper, Syphilis und Filzläuse waren lästig, aber gut behandelbar.“

„Journalist Jan Feddersen, geboren 1957: »Aids ist ein Scheißdreck. Aids – da war ich so jung und lebenshungrig – so von wegen: Die Party namens Leben, die ich immer so ernst genommen habe, ging doch gerade erst los, nachdem ich den wesentlichen Schutt aus Kinder- und Jugendtagen weggeräumt hatte. Durch Aids konnte man seine Sexualität nicht mehr leben, und weil die ein zentraler Aspekt der schwulen Identität ist, konnte man auch die Identität nicht mehr leben.«“

„»In den achtziger Jahren war es nötig, eine andere Sprache zu finden – über Sexualität zu sprechen. Das Land hatte den Nationalsozialismus hinter sich, die fünfziger Jahre; es gab noch dieses Bild, dass die Menschen, die an Aids erkrankten, für ihre Sünden bestraft würden.« Die konservative, zutiefst christliche Politikerin Rita Süssmuth musste nun über Anal- und Oralverkehr sprechen – und vor allem über Kondome. Der Spiegel zeigte sie auf dem Titel, eingehüllt in ein Ganzkörperkondom.“

„Wir als Schwule haben uns gut geschlagen, die Gesellschaft hat – wenn man von Bayern absieht – einigermaßen fair reagiert. Aber eigentlich ging es eben nur darum, dass die Seuche nicht von der Randgruppe in die Mehrheitsgesellschaft dringt. Das, was Rita Süssmuth damals geleistet hat, hatte mehr mit merkelscher Pragmatik zu tun als mit Empathie.“

„Wie wurde noch der damalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger in den achtziger Jahren zitiert, selbstverständlich im Spiegel: »Man muß nicht von einer Strafe Gottes sprechen. Es ist die Natur, die sich wehrt.«“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Ich las & sah 2018:

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A (2018): Martin Reicherts „AIDS in der Bundesrepublik“, Suhrkamp

B (2016): David Frances‘ „How to survive a Plague. The Story of how Scientists and Activists tamed AIDS“, nicht auf Deutsch. 2014 drehte France eine gleichnamige Doku. Das 600-Seiten-Buch dokumentiert Networking, Politik und Widerstand, vor allem im New York der 80er.

C (2014): den Film „A Normal Heart“ (2014), nach Larry Kramers gleichnamigen Theaterstück von 1985, über Aktivismus in New York bis 1985. Kramer ist auch in (B) und (D) eine wichtige Figur.

D (1987): Randy Shilts „And the Band Played on. Politics, People and the AIDS Epidemic“ (dt. „Und das Leben geht weiter“, vergriffen), 800-Seiten-Doku darüber, warum alles so schleppend lief – behördlich, politisch, sozial etc.

E (2017): MK Czwerkieks Comic „Taking Turns. Stories from HIV/AIDS Care Unit 371“: autobiografischer Doku-Comic über Hospiz und Pflege ab 1994.

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Alle Titel sind empfehlenswert.

Doch man muss vorher entscheiden, was man selbst über HIV/AIDS wissen will – und erwartet:

Sortiert von „einsteigerfreundlich“ zu „großer Wurf“:

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E – Der Comic, „Taking Turns“: einfache Sprache, viele medizinisch und… sozialhistorische Infos, schöner Überblick. Das Buch, das ich am ehesten verschenken würde, falls jemand fragt: „Wie verläuft diese Krankheit, und warum war/ist sie gesellschaftlich eine große Sache?“

C – Ein 2-Stunden-Film, „The Normal Heart“, der in starken Bildern das Zeitgefühl der 80er vermittelt. Ich sah das mit Gewinn, doch finde unerträglich, dass Autor Larry Kramer sich selbst in jeder Szene als tollsten Hecht schildert / feiert. Ein narzisstischer und einseitiger Film, den man nur erträgt, wenn man ausklammert, dass hier ein super-umstrittener und ineffektiver Aktivist ein Denkmal für sich selbst baut, plump, arrogant und voll VIEL zu platter Monologe, die ich literarisch nicht ernst nehmen kann. Je weniger man über Kramer und die Realität weiß, desto sehenswerter ist der Film.

B – Wer sich für HIV interessiert und einen soliden, faktensatten und zeitgemäßen Überblick sucht: Bitte „How to survive a Plague“. Persönlich fand ich anstregend, dass der Autor mit vielen Aktivist*innen von damals befreundet zu sein scheint und sehr bauchpinselt. auf 600 Seiten in oft labbrigem, plapprigem Stil zu lesen, dass Harry ein toller Typ, Gary ein netter Kerl, Barry eine gute Seele ist – ohne, dass wir tief in diese Personen, ihre Psyche und Widersprüche steigen konnten… fand ich ermüdend. Und: journalistisch peinlich.

D – Wow. Schade, dass das beste Buch, auf das ich stieß, auch das älteste ist: „And the Band played on“

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1984: „Before AIDS, Paul had never believed that gays really were all that oppressed; now he was worrying about wholesale employment discrimination and quarantine camps.“

1983: „Czechoslovakia was the only communist nation to concede that AIDS could spread within socialist borders. Respresentatives of the Union of Soviet Socialist Republics stoically insisted that ‚We will not have any of these casis in the Soviet Union‘.“

1983: „Japan had reported its first two AIDS cases, making it the first Asian nation to be touched by the epidemic. The brothels, Turkish baths, and sex parlors in Tokyo’s famed Yushiwara District were refusing foreign visitors for fear that they might spread AIDS. Baths posted signs reading: ‚Japanese Men Only‘.“

1983: „The long incubation period for the virus had permitted it to spread for years before anyone even knew it existed. The mean period was 5.5. years. It appeared that some cases would take more than 11 years to incubate; although some people would come down with AIDS in as little as six months.“

1984, BRD: „In the second hardest-hit nation in Europe [after France], testing found that two-thirds of hemophiliacs, 20 percent of intravenous drug users and one-third of gay men carried HTLV-III antibodies. […] Under veneral disease laws, which were in force in nearly every northern European country, it was a crime for a person with a sexually transmitted disease to have sex.“

1983: „Nervous health officials and reporters had spent months talking about AIDS being spread through ‚bodily fluids‘. What they meant to say was semen and blood, but the term ’semen‘ is one that polite people don’t use in conversation, and blood banks still objected to the use of the term ‚blood‘. [So… public fears spread:] Saliva was a bodily fluid. Could AIDS be spread through coughing?“

[schreibt Randy Shilts in „And the Band Played On“]

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Warum genau jetzt / heute diese Bücher lesen?

– Weil die Bücher fragen „Wie konnte das passieren?“, und die Antworten interessant, komplex, lehrreich sind.

– Weil von 1980 bis ca. 1987 viele Dinge falsch liefen – politisch, sozial, psychologisch. AIDS war *eine* Herausforderung, auf die die Gesellschaft reagieren musste. ein guter Aufhänger für ein Sachbuch (weil: klare Chronologie, nicht zu viele handelnde Institutionen etc.)

– Wie schlecht, wie falsch, wie langsam die Gesellschaft reagiert hat und, wie wir daraus sehen, wie schlecht, langsam, falsch wir gesellschaftlich auf ALLES Neue immer wieder reagieren… diese Mechanismen werden in den Büchern erklärt. Deshalb für mich: eine Lektüre fürs Leben. Ich habe *sehr* viel gelernt.

– Weil in 35 Jahren ähnliche Bücher erscheinen werden über z.B. den Klimawandel oder die Diesel-Debatten. ich glaube nicht, dass man Bezug zu HIV oder Diesel braucht, um das mit Gewinn zu lesen.

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„Die Zeit der Aids-Krise von Mitte der achtziger bis Mitte der neunziger Jahre ist auch eine Zeit, in der sich die Kultur des Krankseins verändert. Damals hält das Leben paradoxerweise Einzug in die Krankenhäuser: »Auf einmal waren da jede Menge junge Leute – und die haben ja auch Besuch bekommen. Da wurde Musik gemacht und gelacht – das war eine neue Kultur. Vorher gab es nur streng geregelte Besuchszeiten und Blumenvasen.«“

„Bruno Gmünder hat viele Bekannte und Freunde sterben sehen. »Ein Freund von mir war positiv und hat sich noch Mitte der Neunziger umgebracht. Er war in der Modebranche tätig, in Süddeutschland – aber zur Behandlung ist er immer nach Berlin geflogen, seine Sekretärin durfte nichts davon wissen, niemand durfte etwas wissen. Dieser Druck, dieses Schweigen. Viele haben das mit Kokain überdeckt – eines Tages ist er dann vom Balkon gesprungen.«“

„Gmünder: »Aids, das hat eine ganze Generation verbogen. All diese deformierten, traumatisierten Menschen.«“

„Wieland Speck hat einen kleinen Altar aufgebaut, mit Bildern, Fotos, Erinnerungsstücken von Freunden, die er verloren hat, viele in den Jahren zwischen 1988 und 1996. »Zuvor hatte ich schon mehrere Sommer im Krankenhaus verbracht, bei sterbenden Freunden. Ich denke, Aids hat mich rund zehn Jahre meines Lebens gekostet. Und dann die Erschöpfung danach.«“

„Zum Zeitpunkt des Mauerfalls hatten sich offiziell 133 DDR-Bürger mit dem HI-Virus infiziert, bei 27 von ihnen war die Krankheit ausgebrochen. In der BRD waren damals 42000 Menschen HIV-positiv und mehr als 5000 an Aids erkrankt.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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„And the Band Played on“:

Shilts, Lokaljournalist in San Francisco, schrieb 1982 ein Buch über Harvey Milk, den schwulen Bürgermeister in San Francisco vor der AIDS-Krise: „The Mayor of Catro Street“. Die Verfilmung („Milk“) war 2009 für den Oscar nominiert, und ich fand Film und Buch 2009… solide und lokal. Nichts, das mir viel über die Welt erklärt – nur über ein (mich eher langweilendes) Milieu: oft biedere Lokalpolitik im San Francisco der 70er. Keine Empfehlung.

Doch ausgerechnet Shilts fragt in „And the Band Played on“ akribisch und umfassend „Wie konnte das passieren?“

Das Ergebnis ist wie… „Game of Thrones“: sehr kurze, pointierte Kapitel jeweils darüber, aus welchen Gründen EINE Person an EINEM Datum EINE strittige Entscheidung traf. Die Personen werden nicht ohne Wärme geschildert, doch Shilts spricht viel über Widersprüche, Neurosen, Unsicherheiten, persönliche Agenda. Es sind keine Sympathieträger*innen, sondern fast immer Leute, halb-informiert, nervös und mit dem Rücken zur Wand.

Ein Königreich wird von Frostzombies und ewigem Winter bedroht, die Herrschenden wissen davon… Doch niemand hat eine Strategie: Die Reihe lässt sich als Kommentar zum Klimawandel lesen oder zu sozialen, anderen Katastrophen – und zeigt die vielen politischen, psychologischen, wirtschaftlichen Verkettungen und Zahnräder, die dafür sorgen, dass ein großes Problem, das alle sehen, nicht gelöst wird. So, wie bei „A Song of Ice and Fire“ seit Band 1 klar ist: „Der Winter kommt“ …und trotzdem keiner auf die Bedrohung angemessen reagiert, zeigt „And the Band Played on“ nicht ohne Wärme und Empathie, doch eben SEHR kühl und klar: total überraschende… Kausalketten.

Auf die ich nie gekommen wäre.

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Dinge wie: Es gibt Herrensaunen / Gay Bathhouses – und Epidemologen ist früh klar, dass dort eine hohe Ansteckungsgefahr herrscht. gleichzeitig sind die Männer, die solche Saunen betreiben, oft die reichsten schwulen Unternehmer in jeder Stadt, und weil es ständig Probleme mit z.B. „Zoning Laws“ / Gewerberecht gibt, sind sie alle in der Lokalpolitik aktiv und vernetzt.

1983: „In Miami, Jack Campbell, owner of the Club baths chain of forty-two bathhouses, brushed of questions about the baths‘ role in the epidemic by insisting that most of Florida’s AIDS cases were Haitians, and it wasn’t a problem for gays. This was not accurate [but] most of the nation’s gay newspapers received substantial advertising revenue from the bathhouses and sex businesses. This assured that not only would few gay leaders support moving against the baths, but that the gay papers would unanimously support their advertisers. Potential bathhouse closure was not even to be discussed.“

Wie es dann – obwohl niemand was Böses will – von 1980 bis ca. 1984 braucht, bevor sich Politiker*innen und Aktivist*innen trauen, zu sagen „Die Saunen sind gefährlich“, weil niemand den politisch vernetzten Unternehmern das Wasser abgraben will, ist… entscheidend.

„And the Band Played on“ beschreibt NUR solche Mechanismen. Sehr elegant und überraschend – häppchenweise, Schritt für Schritt, ohne Überdramatisierung oder besserwisserische „DAS war fatal, und alle hätten es kommen sehen können!“-Wut: 1979 streitet sich eine Stadtteilinitiave. 1984 sterben Tausende von Menschen. Als direkte Folge.

Diese Kausalketten zu verstehen – zu begreifen, wie random und wie fragil sie sind, fand ich *immens* lesenswert.

Ich will nicht sagen „Dass es um AIDS geht, ist da fast egal“. Doch ich finde, jeder, der Politik verstehen will, oder die Haltung von Zeitungen, oder Gesetzesentwürfe, oder „die kollektive Psyche“ und diese oft bizarren Wechselwirkungen, Ursachen, Tabus und Konsequenzen, sollte 25 Stunden in dieses Buch investieren. Man muss sich nicht für die USA, Bürgerrechte, Medizin oder die 80er interessieren: Es ist völlig egal, wie nah oder fern man dem Thema „HIV in den 80ern“ steht.

„And the Band Played on“ zeigt aus… fünf Dutzend Perspektiven, wie sich diese Krankheit ausbreiten konnte.

Pointierte, ganz kurze, sehr klar formulierte… Vignetten / Episoden darüber, wie z.B. eine Tochter, deren Mutter nach einer Bluttransfusion krank wird, JAHRE braucht, um zu verstehen: „Meine fast 60jährige Mutter hat AIDS.“

Doch: Das beste Sachbuch, das ich kenne.

Weil es um Strukturen und Mechanismen geht – nicht um EIN Thema, das man „spannend“ oder „irrelevant“ finden kann.

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„Wie konnte man Menschen dazu bewegen, überhaupt Kondome zu benutzen? Hans Hütt: »Grauenhaft – die gab es unter dem Ladentisch und in seltsamen Automaten auf öffentlichen Toiletten. Man konnte sie nicht einfach im Drogeriemarkt kaufen. Auch kein Gleitgel, das machten die Leute damals selbst.«“

„Hans Hütt: »Es gab zwei einschlägige Hautarztpraxen in Berlin, dort ist man regelmäßig hingegangen. Das war einfach ein Teil der Libertinage, die Geschlechtskrankheiten. Ob man Feigwarzen hatte oder Syphilis, das wurde immer ganz offen kommuniziert. Das war in meiner Erinnerung ein verantwortungsbewusster Hedonismus. Und dann kam die Gegenaufklärung: Seit Aids ging man nicht mehr zum Arzt, man fürchtete, dass der ohne Absprache Bluttests macht.« Es gab Ärzte, die sich weigerten, Positive zu behandeln, und hysterisches Pflegepersonal. Man wusste nicht, wie man die Behandlungen verbuchen sollte, weil es noch keinen WHO-Schlüssel gab. »Die haben dann Krebs abgerechnet oder sonst was.«“

„Das Jahr 1985 aber war für schwule Männer von Angst und Unsicherheit im Umgang mit ihrer Sexualität geprägt, wie die Safer-Sex-Comics des Zeichners Ralf König illustrieren, die er in diesem Jahr erstmals für die AIDS-Hilfe zeichnete. Die Figuren mit den berühmten Knollennasen onanieren häufig gemeinsam zu Pornos – manchmal haben sie auch Analverkehr: mit Kondomen, deren Verwendung Ralf König seinen Lesern ans Herz zu legen versuchte.“

„1989: »Wir machten Werbung für Kondome – und weil die reißen können, wurden wir als Mörder beschimpft.« Gar keinen Sex mehr zu haben, das war eine Variante, die seinerzeit nicht nur konservative Politiker wie Peter Gauweiler propagierten; auch Schwulenaktivisten wie Rosa von Praunheim forderten angesichts des Sterbens zeitweilig sexuelle Abstinenz.“

„»Kondom« war gemeinsam mit »Aids« das Wort des Jahres 1987 in der Bundesrepublik – und es bedurfte einer Menge Arbeit, da – mit es so weit kommen konnte.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Martin Reicherts „Die Kapsel“ braucht etwa 6 Stunden Lesezeit: ca. 10 Begegnungen mit Zeitzeugen, dazwischen kurze Grundsatz-Kapitel. Eine einsteigerfreundliche, süffige, doch etwas lose Sammlung von Eindrücken, Themenfeldern und Zeitgeschichte.

Auch hier fand ich die Ursache-Wirkungs-Ketten am interessantesten.

Zusammenhänge wie: Die deutsche Schwulenbewegung kam aus der Studentenbewegung und war deshalb eher konsum- und lustfeindlich, elitär; die US-Schwulenbewegung kam aus dem Civil-Rights-Movement, sah z.B. Leather Bars nicht als ‚oberflächlich‘ und hatte eher ein Hippie-Bild von Sex, Spiritualität, Selbstverwirklichung etc.

ca. 1979: „Die Trennung zwischen Politszene und der sogenannten Sub, also dem eher kommerziell und hedonistisch orientierten Teil der Schwulenszene, ist für Bruno Gmünder ein spezifisch deutsches Phänomen: »In Deutschland war die Schwulenbewegung an die Studentenbewegung angebunden, in den USA an die Bürgerrechtsbewegung.« Die Studenten seien eben verklemmt gewesen, während man in der Sub ungetrübt von Antiamerikanismus und voller Lebensfreude den Vorbildern aus San Francisco und New York nacheiferte.“

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In Reicherts Buch lernt man kompakt und flüssig alle wichtigen Namen, Stichpunkte, Debatten etc. kennen.

Martin Reichert ist taz-Redakteur und informiert über die gängigen queeren Diskurse seit den 80ern. „Die Kapsel“ handelt von einem Friedhof für Lesben in Berlin; Rosa von Praunheims Outings von u.a. Hape Kerkeling in der RTL-Sendung „Der heiße Stuhl“; der bundesweiten Präventionskampagne „Gib AIDS keine Chance“ und der Rolle, die Rita Süssmuths Engagement spielte, v.a. gegen Bemühungen von z.B. Peter Gauweiler in Bayern, HIV-Infizierte in Lagern zu sammeln. Ein kurzweiliges Buch, das viele Themen, von denen jede*r mal hörte, vertieft, pointiert nacherzählt, in Kontexte setzt.

Doch während Randy Shilts genau erklärt, wie alles passieren konnte und ineinander greift, kann ich nach der Lektüre von Reichert z.B. nicht beantworten, WARUM genau der „Spiegel“ ab 1983 sehr apokalyptische, hämische Artikel schrieb. Ich kann es mir zusammen reimen – „Ist halt der Spiegel“ -, doch es gibt zu viele Stellen in „Die Kapsel“, bei denen ich nur denke:

„Aha. Okay. Na ja. Ist halt Bayern. Ist halt Rosa von Praunheim. Ist halt Berlin. Waren halt die 80er“ usw.: Eine ferne Zeit, deren Mechanismen ich nicht mehr verstehe.

Eine Kleinigkeit: Der Titel, „Die Kapsel“, klingt groß und programmatisch. Geht es um eine Pille? Geht es darum, dass die BRD wie eine Kapsel funktionierte? Reichert sagt, viele Überlebende hätten sich nach 1996, als durch medizinische Durchbrüche klar war, dass HIV kein Todesurteil mehr ist, „abgekapselt“. Warum? Warum in Deutschland? Warum so? etc.

Das beantwortet das Buch nicht im Detail. Ich kann damit leben. Doch direkt nach der Shilts-Lektüre denke ich: „Und wo bleiben jetzt die 400 zusätzlichen Seiten, die alle URSACHEN und komplexen gesellschaftlichen Wechselwirkungen explizit beschreiben?“

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„Für die Aktivisten der ersten Stunde gab es bereits zu Beginn auch ganz konkrete Gründe, sich zu engagieren. Die wenigen Patienten waren einer diskriminierenden Behandlung ausgesetzt, zum Teil wurden sie regelrecht als Versuchskaninchen benutzt. So kam es bereits im Jahr 1983 zu einem Akt zivilen Widerstands, einer »Act-Up-Aktion ›avant la lettre‹« (Michael Bochow): Ein Aids-Patient, der in einem Berliner Universitätsklinikum im Sterben lag, sollte aus Gründen wissenschaftlicher Neugierde hirnoperiert werden – Aids-Aktivisten blockierten die Tür zum OP.“

„Zwar erklärt die Bundesregierung 1983 Aids in einer Pressemitteilung erstmals zu einem nationalen Problem […] Die Behörden blieben jedoch – aus heutiger Sicht – erstaunlich untätig, und das bis 1985.“

1983: „Manche glauben, sich vor der Erkrankung schützen zu können, indem sie sich von bestimmten Personengruppen fernhalten: In der New Yorker Szene misstraut man den Haitianern, in deutschen Großstadtszenen wähnt man sich sicher, wenn man Sex mit Amerikanern meidet.“

1986: In einem Ableger der linken Zeitschrift Konkret, der Sexualität konkret, war im Jahr zuvor ein offener Brief Martin Danneckers an den Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein erschienen, der mit den Worten endet: »Im ›Spiegel‹ wird seit nunmehr vier Jahren ein antihomosexueller und minderheitenfeindlicher Fortsetzungsroman veröffentlicht. Von diesem haben sich Abertausende in ihrem Selbstgefühl beleidigt und in ihrer Angst bestätigt gefühlt. Ein solches Stück, so haben Sie anläßlich der Diskussion um das Schauspiel von Fassbinder geschrieben, dürfe nicht gespielt werden. Bitte sorgen Sie in Ihrem eigenen Haus für das Absetzen der menschenfeindlichen Berichte über die von Aids so schrecklich gebeutelten sozialen Minderheiten.«“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Georg Zipp empfahl mir im Juni via Twitter:

  • David Wojnarowiczs autobiographische Graphic Novel „7 Miles a Second“
  • Wojnarowiczs „Close to the Knives: A Memoir of Disintegration“ und „Waterfront Journals“
  • Allan Gurganus: „Plays Well With Others“
  • Pier Vittorio Tondelli: „Camere Separate“
  • Hervé Guibert: „À l’ami qui ne m’a pas sauvé la vie“ (fiktionalisierter Roman über Michel Foucault).
  • Norwegische Kurzserie aus dem Jahr 2012: „Don’t Ever Wipe Tears Without Gloves“
  • Subkultureller Kultroman: „Tim and Pete“ von James Robert Baker.
  • Kinderbuch aus dem Jahr 1989: „Losing Uncle Tim“
  • „Ich glaub, bei Hubert Fichte gab’s da auch was… Dazu dann noch vielleicht ein bisschen Susan Sontag…“
  • Aus der Perspektive, wie sich HIV und AIDS plötzlich in das Leben schlichen: Die komplette „Tales of the City“-Reihe von Armistead Maupin.
  • Für eine südafrikanische Post-Apartheid-Perspektive: Phaswane Mpe, „Welcome to Our Hillbrow“
  • Noch nicht gelesen: „Body Counts: A Memoir of Politics, Sex, AIDS, and Survival“ von Sean Strub.
  • Australien, und auch neulich als Film: „Holding the Man“ von Timothy Conigrave.
  • Versuch eines Mainstream-Autors, sich an das Thema zu wagen: Louis Begley, „As Max Saw It“.
  • Leo Bersanis großartiger Theorietext aus dem Jahr 1987, „Is the rectum a grave?“
  • und dann vielleicht noch als letztes ein Mainstream-Roman von letztem Jahr: „Tin Man“ von Sarah Winman

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„Laut der Epidemiologischen Kurzinformation des Robert Koch-Instituts, Stand Ende 2015, leben in Deutschland geschätzte 84 700 Menschen mit HIV/ Aids, 72000 davon mit Diagnose, 12 700 ohne. Die Infektion erfolgte in 54 100 Fällen durch Sex zwischen Männern, in 10700 durch heterosexuellen Kontakte, in 7700 durch Drogengebrauch und in 440 durch Blutprodukte. geschätzte Gesamtzahl der Neuinfektionen in Deutschland lag bei 3900. Im Jahr 2015 starben in Deutschland 460 Menschen an den Folgen von Aids,144 seit Beginn der Epidemie waren es insgesamt 28 100.“

„Dass die meisten Positiven, die in diesem Buch zu Wort kommen, ihren Namen nicht nennen möchten, spricht für sich.“

ca. 1985: „Die schwedische Regierungspolitik erlaubte im Folgenden auch die Absonderung – Positive, die sich »uneinsichtig« zeigten und sich weigerten, Kondome zu benutzen, konnten für mindestens drei Monate interniert werden. Nachdem zunächst einige (wenige) Infizierte per Gerichtsbeschluss in ein Hospital zwangseingewiesen worden waren, regte sich Widerstand in den Krankenhäusern, deren Mitarbeiter nicht ohne Weiteres bereit waren, polizeiliche mit therapeutischen Aufgaben zu vermengen. So kam es zur Einrichtung des berühmt-berüchtigten Stenby-Hofes auf der Schäreninsel Adelsö rund fünfundzwanzig Kilometer westlich von Stockholm. Das »Lager« erlangte weltweite Berühmtheit.“

1987: „Peter Gauweiler schaffte es mit dem Thema 1987 sogar auf den Titel des Spiegel: »Einer gegen Aids«, indem er unter anderem die »Absonderung« von Infizierten forderte. […] Ein gewisser Horst Seehofer, seinerzeit ein kleiner, aufstrebender CSU-Abgeordneter, forderte die Unterbringung Infizierter in »speziellen Heimen«. Der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair bezeichnete 1987 Homosexualität im Bayerischen Fernsehen als »contra naturam«, es handle sich um ein naturwidriges und »im Grunde in krankhaftes Verhalten«; man müsse »endlich wieder den Schutz der vielen in der Bevölkerung als zentrales Ziel im Auge sehen«, statt sich zu fragen, »wer am Rand noch besser verstanden werden kann. Dieser Rand muss dünner gemacht, er muss ausgedünnt werden«.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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ich empfehle:

_Wer nichts über die medizinischen und sozialen Kontexte weiß, kriegt in der Graphic Novel „Taking Turns“ viele Grundlagen vermittelt, in sehr einfachen Bildern und klarer Sprache. MK Czerwiecz war (lesbische) Krankenschwester in einem AIDS-Hospiz in Chicago, Mitte der 90er Jahre. Ihre Zeichnungen sind oft unterkomplex, ZU schlicht. Die Figuren wirken durch ihre Playmobil-artigen Gesichter z.B. oft kindisch oder töricht. Doch in Sachen Tiefgang / Wissenschaft / Details hat der Comic genau die richtige Dichte, Länge – einen sehr angenehmen Schwierigkeitsgrad.

_Ryan Murphys Film „The Normal Heart“ (auch auf Deutsch, 2014) zeigt in toller Ausstattung und mit charismatischen Schauspieler*innen wie Mark Ruffalo (Hulk aus den „Avengers“) und Julia Roberts… wie sich all das ANFÜHLTE: die Oberflächen, die Mode, der Ton, die Farben, die Stimmung der 80er. Ich mag, in zwei Stunden, sehr konzentriert, diese Texturen vermittelt zu kriegen. Das Licht. Den Look. Ein kleineres Problem nur, wie gesagt: dass Autor Larry Kramer in „And the Band Played on“ und „How to survive a Plague“ ausführlichst beschrieben wird – als unsachlicher, aufbrausender, oft Dinge-schlechter-machender Schimpf-Aktivisit. Während sein Alter Ego hier im Film NUR die klügsten Dinge sagt. (Rein als Literatur / Theaterstück ist Tony Kushners AIDS-Stück „Angels in America“ viel besser… doch deutlich weniger dokumentarisch etc.)

_“How to survive a Plague“ erzählt auf den ersten 300 Seiten die exakt selbe Geschichte wie Randy Shilts, nur… a) viel labbriger, unfokussierter, langweilig-partikulärer, b) mit einem Fokus auf New York statt San Francisco, oft sehr provinziell („Kuckt! Wir haben AUCH tolle Leute!“): Kein schlechtes Buch. Doch 30 Jahre nach Shilts finde ich DAS zu wenig: enttäuschend.

_Die Graphic Novels „Pedro and me“ (großartig!) und „Blue Pills“ (solide) erzählen aus der Perspektive von (heterosexuellen) Angehörigen.

_Kenny Fries schreibt in „In the Province of the Gods“ über Behinderung & Krankheit in Japan und seine HIV-Diagnose Mitte der Nullerjahre. Auf Electric Literature empfiehlt er weitere Bücher (Link).

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„Taking Turns“

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„In Central Africa, AIDS was simply called ‚The horror sex disease‘.“

1984: „AIDS continued to embarass people. From the start, it had made people uncomfortable, whether they were in government or media, in public health or prominent universities. AIDS was about homosexuals and anal intercourse, and all kinds of things that were just plain embarrassing.“

1982: „There was a doctor from New York University who had written an extensive study on the apparent infection of the central nervous system, but he refused to tell the report from the American Medical Association journal about his work because he had submitted his paper to a neurological journal where it had been accepted for publication. The neurological journal might throw out the story if he publicly discussed his findings with the press, and that would hurt the doctor’s career in the publish-or-perish world of academic medicine. It was science as usual, and the Journal of the American Medical Association would just have to wait until the research was published in six months.”

1985: „In the strangest twist to Englisch AIDS history, the guide to British aristocracy, ‚Burke’s Peerage‘, announced that, in an effort to preserve ‚the purity of the human race‘, it would not list any family in which any member was known to have AIDS.“

1983: „Television actor Robert ‚Benson‘ Guillaume was about the only big name who would associate himself with AIDS. Most other stars, including many who had built their careers on their gay followings, were not inclined to get involved with a disease that was not… fashionable.“

[schreibt Randy Shilts in „And the Band Played On“]

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„Axel Schock: »Mein Freund wollte auf dem Alten St.-Matthäus-Friedhof in Berlin beerdigt werden, aber er wurde dann in seiner Heimatstadt in Norddeutschland beigesetzt.« Sobald er tot war, wurde die schwule Geschichte annulliert. »Ab jetzt ist Schluss«, hatte sein Vater verkündet und das Testament, in dem Axel berücksichtigt war, vernichtet. »›Wir haben kein Testament‹, sagte er lapidar.« […] »Zu der Beerdigung bin ich mit einer gemeinsamen Freundin gefahren. Der Pfarrer erweckte in seiner Trauerrede den Eindruck, als wäre sie seine Lebensgefährtin gewesen. Und dass er an Krebs gestorben sei.«“

„Selbst im liberalen Westberlin streikte 1990 das Personal eines öffentlichen Bades, weil dort ein Positivenschwimmen stattfinden sollte. Ein Fall, der damals auch medial für einiges Aufsehen sorgte. In der ganzen Republik weigerten sich Zahnärzte, positive Patienten zu behandeln. Gefängnisbeamte beantragten ihre Versetzung, um nicht mit positiven Häftlingen in Kontakt zu kommen, Kollegen forderten die Entlassung positiver Mitarbeiter.“

„Mehr als 90 Prozent der gemeldeten HIV-Positiven waren Männer. Einer Erhebung von 1987 zufolge waren zu diesem Zeitpunkt 15 bis 40 Prozent der Schwulen infiziert, allerdings sind solche Schätzungen schwierig, weil es aus guten Gründen keine genauen Zahlen zum Anteil der Homosexuellen in der Bevölkerung gab.“

ein Berliner Arzt, auf HIV spezialisiert, 2017: „»Ich habe Patienten aus Brandenburg, die bringen ihre leeren Pillendosen mit nach Berlin, damit die Nachbarn sie nicht im Müll finden. Die würden auch nie zu einer Apotheke bei sich zu Hause gehen. Das Risiko, dass einer quatscht, ist ihnen zu hoch.«“

„»Von den jährlich rund 3000 Neuinfektionen, die wir in Deutschland verzeichnen, sind etwa ein Drittel im Aids-Stadium. Das ist enorm.« Das Aids-Stadium, das Vollbild, es existiert noch immer, auch in der Bundesrepublik: »Gerade heute war ein Kameruner hier mit zerebraler Toxoplasmose – aber es sind auch viele über Sechzigjährige dabei, die sich vor Jahren angesteckt haben. Männer, die im Thailand-Urlaub waren, oder Frauen, die sich beim Trommel-Workshop in Kenia angesteckt haben.«“

„Hepatitis C ist dreihundertmal leichter übertragbar, anders als bei HIV ist sogar getrocknetes Blut noch infektiös – in Deutschland gibt es wahrscheinlich 200000 verborgene Hep-C-Träger.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Ein kalifornischer Universitätsrektor, Mitte der 80er: „At least with AIDS, a lot of undesirable people will be eliminated.“

1983: „Nearly half of the AIDS casualties were men between the ages of 30 and 39. Another 22 percent were men in their twenties.“

1983: „Prisoners at a New York State prison in Auburn started a hunger strike because the cafeteria’s eating utensils had been used by an inmate who had died of AIDS a week earlier.“

1983: „All forty-four cases of AIDS reported in West Germany as of March 31, 1983, were either among people who had traveled to Haiti or Africa, or among gay men who recently had vacationed in Florida, California, or most commonly, New York.“

„Between June 1982 and June 1985, the San Francisco Chronicle printed 442 staff-written AIDS stories, of which 67 made the front page. In the same period, The New York Times ran 226 stories, only 7 of which were on page one. From mid-1983 on, the coverage of the Chronice focused on public policy aspects of the epidemic, while the Times covered AIDS almost exclusively as a medical event, with little emphasis on social impact or policy. [The Chronicle] helped sustain a lvel of political pressure on local government and health officials to respond to the AIDS crisis.“

1987: „Virtually every major newspaper in the country now had a full-time AIDS reporter. The New York Times was on the verge of announcing that, at long last, it would allow the adjective „gay“ to be used when describing homosexuals.

[schreibt Randy Shilts in „And the Band Played On“]

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„Spätestens Ende der neunziger Jahre hatte Aids jeden Sensationswert verloren. Matthias Frings spricht von Aids-Müdigkeit: Als er für die seinerzeit beliebte Fernsehsendung Liebe Sünde einen Beitrag zum Thema Aids anmoderierte, schalteten 200000 Zuschauer weg – am Ende des Beitrags hatte die Sendung mehr als eine halbe Million Zuschauer verloren.“

„Die nachfolgende Generation schwuler Männer reagierte auf ihre Weise auf das Erbe von Aids. Die Ästhetik der neunziger Jahre mit ihren in den Fitnessstudios trainierten und komplett rasierten Körpern spricht für sich. Es ging nun vor allem darum, Gesundheit darzustellen. Abzugrenzen galt es sich sowohl von den kranken Körpern der Positiven als auch von der Ästhetik der siebziger und achtziger Jahre, die von (Schnurr-)Bärten und Körperbehaarung geprägt war.“

„Es gibt in Deutschland keine Pflicht, Sexpartner oder -partnerinnen von der HIV-Infektion in Kenntnis zu setzen. […] Wer mit HIV infiziert ist und ungeschützten Geschlechtsverkehr betreibt, macht sich nach §§ 223 und 224 des Strafgesetzbuches der Körperverletzung schuldig. Strafbar ist bereits der Versuch. Seit 1987 wurden fünfunddreißig HIV-Positive wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Die Richter entscheiden höchst unterschiedlich und in jüngster Zeit immer häufiger unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse, nach denen eine Ansteckungsgefahr unter erfolgreicher Behandlung nicht mehr zwingend vorliegt.“

„Der letzte HIV-Test liegt bei 27 Prozent der Befragten mehr als ein Jahr zurück. 35 Prozent haben sich noch nie haben testen lassen.“

[schreibt Martin Reichert in „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“]

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Die besten Comics & Graphic Novels 2018: meine Empfehlungen bei Deutschlandfunk Kultur

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meine 20 Lieblings-Comics 2015, kurz vorgestellt: Link

meine 20 Lieblings-Comics 2016, kurz vorgestellt: Link

meine 20 Lieblings-Comics 2017, kurz vorgestellt: Link

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heute: meine Top 20 fürs Jahr 2018.

Ausführliche Texte etc. kurz nach Weihnachten bei Deutschlandfunk Kultur.

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20. Flavor

Autor: Joseph Keatinge, Zeichner: Wook Jin Clark.

Image Comics, seit Mai 2018.

6+ Hefte in 1+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Schnelles Geld für Verlage. Dazu eine Leserschaft, die oft zu unkritisch bewertet: Seit Raina Telgemeiers fadem Zahnspangen-Bericht „Smile“ (2010) wollen Middle-Grade-Comics extra-simpel, weich, harmlos-progressiv belehren. Lesen auf Stützrädern, für 8- bis 12-Jährige. „Flavor“ mischt bewährte Ideen aus „Wallace & Gromit“, „Kikis kleiner Lieferservice“ und „Avatar: Herr der Elemente“. Eine Märchenstadt hinter Festungsmauern feiert Kulinarik, Restaurants und eine Akademie für Elite-Köchinnen und Köche. Eine fadenscheinige, kindische Welt, die sich allein ums Essen dreht: geheime Koch-Fight-Clubs im Untergrund! Hetzjagden um besonders edle Pilze! Harte Kerle und Gauner trinken nicht – sondern zechen in Eiscreme-Kaschemmen. Detailverliebt gezeichnet. Doch mir fehlt Pfeffer. Eine eigene Note!

Sammelband 1 lässt vieles unklar: Anant, Sohn aus bestem Haus, kämpft um seinen Platz an der Akademie. Heldin Xoo führt einen Imbiss: Seit einem (nicht genannten) Vorfall, für den sie sich die Schuld gibt, brauchen ihre Eltern Rollstühle. Ich liebe, dass Xoos Onkel, ein Abenteurer und Herumtreiber, in vielen anderen Plots Sympathieträger, große Stütze wäre. Hier aber sollen wir denken: „Trottel! Deine Nichte hat echte Imbiss-Kompetenz!“ Wie oft inszenieren sich unreife Männer als Lösung – und werden dabei zum größten Problem?

Widerborstige Figuren. Viele offene Fragen. Ich freue mich auf Band 2. Doch wie meist im Segment „Middle Grade“, 8 bis 12, bleibt mir vieles hier zu abgespeckt, geschmacksneutral.

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19. Joe Shuster: Der Vater der Superhelden

Autor: Julian Voloj, Zeichner: Thomas Campi

Super Genius, 2018. Deutsch bei Carlsen.

180 Seiten, abgeschlossen.

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1938, mit Mitte 20, verkaufen Autor Jerry Siegel und Zeichner Joe Shuster, Freunde aus Cleveland, ihre Figur Superman an DC Comics – und schaffen damit das Superhelden-Genre. Was die neuen Helden über New York, den Zweiten Weltkrieg, jüdische Kultur erzählen, wie Superman zeit- und ideengeschichtlich wirkt, klärt Michael Chabons grandioser 600-Seiten-Roman „Kavalier & Clay“ (2000). Doch die bitteren persönlichen Folgen für Zeichner Shuster zeigt erst diese (oft etwas trockene) Comic-Biografie, die unter anderem auf Briefen und juristischen Dokumenten fußt. Wieso verdienten Siegel und Shuster kaum an Supermans Erfolg? Wie ließen Medienkonzerne und Verlage ganze Generationen Kreativer im Regen stehen – noch in den 90er- und Nuller-Jahren?

Die eleganten, hellen Zeichnungen erinnern an die späten 50er und „Mad Men“: War der Midcentury-Modern-Stil schon 1938 so präsent – in den Büros von Groschenheft-Verlagen? Nah kommt der Doku-Comic leider weder der Person Shuster noch seinen Figuren. Es bleibt beim „Wie gewonnen, so zeronnen“-Lehrstück ohne viel Charaktertiefe oder Psychologie. Doch Sätze wie „Bill Finger, Jack Kirby, Alan Moore wurden von Verlagen schlimm über den Tisch gezogen“ lese ich als Fan fast täglich. Hier endlich: die faktensatte, plastische Ausarbeitung eines solchen Falls.

Warmherzig, respektvoll, professionell: ein Urheberrechtsstreit, der noch 80 Jahre später Folgen hat. Wer 180 Seiten lang über Freiberufler-Elend lesen will…? Stilvoller, griffiger lässt sich ein derart trockener Stoff schwer inszenieren!

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18. Infidel

Autor: Pornsak Pichetshote, Zeichner: Aaron Campbell

Image Comics, März bis Juli 2018.

5 Hefte/ein Sammelband, abgeschlossen.

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Horror lebt von Furcht… und Identifikation. Doch jede Gruppe hat eigene, spezifische Ängste. Pornsak Pichetshote war Redakteur und Lektor bei Vertigo Comics. Im Debüt als Autor zeigt er Rassismus, Grusel, Ausgrenzung, Monster und institutionelle Gewalt: Aisha ist Muslima und lebt mit Mann und Kind im Apartment der christlichen Schwiegermutter. Als sie im Traum – und bald auch im Gebäude – Monster sieht, beginnt ein nervöser Tanz um Notwehr, Vorwürfe, Paranoia, Terror und Fremdenfeindlichkeit, der viele Nachbarn und Aishas Freundin Medina in Dialog bringt: Wie begegnet New York People of Color, seit dem 11. September? Wie leiden US-Bürger, die ständig misstrauisch als Andere, Fremde „ge-other-ed“, ausgeschlossen werden? Welchen Mächten – politischen wie übersinnlichen – nutzt dieses „Othering„?

Die antirassistische Horror-Satire „Get Out“ gewann 2018 den Oscar fürs beste Drehbuch. Auch „Infidel“ zeigt die bürgerliche Mehrheit als größte Bedrohung: Das Monster selbst, ein Dschinn, wirkt einfallslos – und als sogar die Figuren sagen: „Nutzen wir jetzt im Ernst dieselbe Taktik wie bei ‚Ghostbusters‘?“ wird klar, dass Atmosphäre, Politisches hier mehr zählen als ein besonders origineller, schnittiger Frau-im-Mietshaus-gegen-Wesen-Plot. Es gibt zu viele und zu flache Figuren, konstruierte Wendungen. Vieles verheddert sich: Die geplante TV-Version muss besser werden!

Trotzdem: Wie vielen Frauen of Color, wie vielen Muslimas geben Comics Raum? Auch Matt Ruffs Roman „Lovecraft Country“ verknüpfte 2018 Horror und Ausgrenzung, Rassismus. Eine riesiges Feld – das hoffentlich auch Pichetshote weiter bearbeitet. Talent und Potenzial? Massig, schon hier!

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17. Runaways

Autorin: Rainbow Rowell, Zeichner: meist Kris Anka

Marvel Comics, seit September 2017.

15+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Sechs Jugendliche sehen sich einmal im Jahr. Weil die Eltern Charity-Projekte leiten? Nein: In Wahrheit sind sie heimliche Superschurken; und gemeinsam flüchten die sechs Kinder (und ein Dinosaurier) als Helden-Clique „Runaways“ vor Familie, Behörden und Aliens quer durch die Marvel-Welt. Brian K. Vaughan („Saga“) erfand die Reihe 2004; eine TV-Serie startete 2017. Der Comic-Neustart fragt recht einsteigerfreundlich: Wie prägen Intrigen, Unterwegs-Sein, Misstrauen, Traumata eine Gruppe? Wie geht Erwachsenwerden ohne Eltern-Rückhalt? Jugendbuchautorin Rainbow Rowell lässt sich alle Zeit für Sinnsuche, „Teen Angst“, Kameraderie – tiefer, langsamer, psychologischer, witziger und oft viel origineller als andere Marvel-Reihen. Meist hängen die Ausreißer lustlos auf dem Sofa. Besonders im schlaffen Band 2: viel unnötiges Jammern, Schmollen.

Junge Helden-Teams („Young Avengers“, „Teen Titans“, aktuell die schmissigen „West Coast Avengers“) wollen Jugendlichkeit, Jungsein oft feiern, loben. „Runaways“ zeigt vor allem, wie naiv, schlecht ausgebildet, misstrauisch und aus der Zeit gefallen die „Runaways“-Notgemeinschaft mit den Jahren wird: In ständiger Todesangst fasst man selten schärfste Gedanken. Oder lernt, gesunde Beziehungen zu führen. Der Comic wird zum Sammelbecken für beschädigte Figuren – und zur Einladung an beschädigte Leser*innen: voller Wortwitz und Sarkasmus.

Ob Rowell hier nur seufzen will: „Erwachsenwerden heißt oft: ein Schritt vor, zwei Schritte zurück“ oder ob die panische Ersatzfamilie bald endlich raus, los, weiter kommt, werden erst folgende Bände zeigen. Bisher machen alle sechs Runaways vor allem (lesenswert dramatische!) Fehler.

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16. Ice Cream Man

Autor: W. Maxwell Prince, Zeichner: Martin Morazzo.

Image Comics, seit Januar 2018.

8+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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„Geschichten aus der Schattenwelt“ (1984), „American Gothic“ (1995), Stephen Kings Novellen: US-Horror bleibt oft putzig moralisch, reaktionär. Naive Lehrstücke mit Lektionen wie „Hochmut kommt vor dem Fall“, die ich mit 12, 13, 14 erwachsen fand. „Ice Cream Man“ erzählt in jedem Heft eine solche Grusel-Kurzgeschichte – abgedroschen, abgeschlossen. Belohnt werden meist die selben biederen Normen, auf die Grimms Märchen weisen: Die Dicken sterben an Völlerei. Jeder kriegt seine Rechnung. So schnell kann’s gehen, ja ja. Dass „Ice Cream Man“ trotzdem viel bösen Spaß macht, liegt an den trashigen Zeichnungen von Martin Morazzo. Den abwechslungsreichen (doch immer abgeschmackten) Plots und Twists. Und einer Mythologie, die sich nur langsam zeigt: Wer ist der Mephisto-artige Eisverkäufer mit starrem Lächeln und buntem Kühlwagen?

Kluge Horror-Comics wie „Harrow County“, „Locke & Key“ folgen unvergesslichen Figuren. Doch weil in „Ice Cream Man“ alle Opfer, Fast-Opfer, Doch-nicht-Opfer und Täter-statt-Opfer nach 20 Seiten eh bestraft, entsorgt, vergessen sind, lese ich hier keine „Schicksale“. Sondern Goldmarie-und-Pechmarie-, Die-Guten-ins-Töpfchen-die-Schlechten-ins-Kröpfchen-Gedankenspiele: Wer wird belohnt? Wer hat Gewalt und Strafe, die plötzlich in den Alltag brechen, „verdient“; wer nicht? Was sind die aktuellen Feindbilder, Prügelknaben, „acceptable targets“ im US-Horror: Um wen ist es „nicht schade“?

Ein autoritäres Weltbild. Straf- und Rachefantasien. Das genuin Gruselige an biederen US-Comics? Wessen Tode uns befriedigen, freuen sollen.

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15. Incognegro & Incognegro: Renaissance

Autor: Mat Johnson, Zeichner: Warren Pleece

Vertigo/DC Comics (Incognegro: 2008) und Berger Books/Dark Horse Comics (Renaissance: 2018)

Zwei abgeschlossene Geschichten mit je ca. 120 Seiten, beides erst in je 5 Heften erschienen, dann als Sammelband.

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Zwei Krimis, durch und durch: Wer „Incognegro“ und die Vorgeschichte „Incognegro: Renaissance“ als Historien- und Dokumentar-Comic über Rassismus in den 1920er Jahren liest, behält Lücken. Zu lustvoll, melodramatisch, konstruiert dreht sich hier alles um Verdächtige, falsche Fährten und den Kampf des sarkastischen Journalisten Zane Pinchback gegen Lug, Trug, Vorurteile: Genre-Kost, pointiert und überzeichnet. Autor Mat Johnson wird oft für einen Weißen gehalten; und schon 1929 schrieb die Harlem-Renaissance-Autorin Nella Lawson im Roman „Passing“ über die Preise, die hellhäutige Schwarze zahlen, sobald sie öffentlich als Weiße auftreten. Im (passablen) „Incognegro: Renaissance“ hilft Zane einer schwarzen Aufsteigerin, deren „Passing“ in der Film- und Literaturszene Erpressungen provoziert.

Im (besseren, doch oft leichtfertig brutalen) „Incognegro“ nutzt Pinchback sein eigenes „Passing“, um in die Südstaaten zu reisen und als vermeintlich weißer Reporter Bürger bloßzustellen, die Lynchmorde bejubeln. Ich lernte zwar einiges über Segregation, Jim-Crow-Gesetze, Justiz- und Unterdrückungsmechanismen seit dem US-Bürgerkrieg… doch hätte lieber einen seriöseren Sachcomic über White Supremacy als dieses schmissige, überkonstruierte, an vielen bedrückenden Stellen plötzlich action- und plotversessene Katz-und-Maus-Spiel.

Flotte Sprüche, böse Wendungen, coole Helden: Als Unterhaltung mit großem Herz und emanzipatorischem Anliegen machen beide Bände Vieles viel, viel richtiger als andere Krimis. Als Lehrstücke zu Rassismus und Lynchmorden bleiben sie zu grell, oberflächlich.

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14. Crowded

Autor: Christopher Sebela, Zeichner*in: Ro Stein

Image Comics, seit August 2018.

4+ Hefte; alle 6 Hefte erscheint ein Sammelband: wird fortgesetzt.

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Frauen mit Abgründen, Defekten, gehetzt durch eine bitterböse Welt. 2014, in Christopher Sebelas Himalaya-Thriller „High Crimes“, verfranste sich eine drogensüchtige Bergführerin in Schluchten und Selbsthass. „Crowded“ (Arbeitstitel: „Crowdfundead“) folgt zwei störrischen, verschlossenen Frauen – ebenfalls auf der Flucht vor Killern: Die eitle Charlie hält sich via „Gig Economy“ über Wasser: Über Apps kann man ihr Auto, Bett oder ihre Zeit als zum Beispiel Dogwalkerin buchen. Als immer mehr Passanten plötzlich versuchen, sie zu töten, wird klar: Bekannte, „Freunde“, Familie sammelten Kopfgeld, online, oft anonym. Wer Charlie tötet, erhält eine Million Dollar. Solche Mordkampagnen liefen bislang vor allem für Politiker. Vida, Personenschützerin mit schlechter Online-Wertung, muss wissen: Was tat Charlie (aufmüpfig, unzuverlässig), um so gehasst zu werden?

2015 überzeugte der Social-Media-Satire-Comic „Prez“. „Crowded“ zeigt im selben bitter-überdrehten Ton, wie Frauen unter Wertungs-Terror, Shitstorms, dauernder Verfügbarkeit, Kapitalismus leiden. Die Streits zwischen Vida (lesbisch, wortkarg, mürrisch, pragmatisch) und Charlie (egoman wie Lena Dunham in „Girls“ oder Bryan Lee O’Malleys fiese Influencerin „Snotgirl“) haben Biss, und nach fünf Heften bin ich froh, dass Sebela noch weitere Kapitel, Sammelbände plant. Eine sarkastische Reihe – doch niemals zynisch, plump technik- oder menschenfeindlich.

Eine Welt, die sofort jeden abstraft, der laut ist oder irritiert: „Crowded“ ist kritisch wie „Black Mirror“ – doch hat mehr Farbe, Tempo, Wortwitz. Lässt sich das über 12 oder 18 Hefte hinweg halten?

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13. Unerschrocken: 15 Porträts außergewöhnlicher Frauen (2 Bände, je 15 Porträts)

Autorin und Zeichnerin: Penelope Bagieu

Gallimard, 2016 und 2017. Deutsch bei Reprodukt, 2017 und 18.144 Seiten (Band 1), 168 Seiten (Band 2), abgeschlossen.

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Kaum Bildfolgen, Sequenzen. Keine Sprechblasen. Immer jeweils nur ein Frauenleben, erzählt auf fünf bis sieben Seiten, mit sechs bis neun Bildern pro Seite – oben immer Fließ-, Erklärtext, darunter eine simple Illustration. Als Fazit jeweils noch eine vielfarbige, prächtige Doppelseite, die jede Frau in ihrem Element, ihrer Lebenswelt feiert. „Unerschrocken“ begann als grafische Erklär-Kolumne auf der Website von Le Monde Diplomatique: Bagieu stellt Pionierinnen vor wie Mae Jemison – die erste schwarze Frau im All –, Agnodyce – Gynäkologin im antiken Athen – oder Christine Jorgensen, trans Frau und Star ab 1953. Fast jede Geschichte endet als Triumph: „Unerschrocken“ inspiriert, beflügelt, macht Mut. Viele dunkle Momente, Rückschläge und einige z.B. blutrünstige Kaiserinnen, Kriegsherrinnen, Partisaninnen sorgen für Abwechslung.

Ich zögere, die (leider auf glanzlosem, recht gelbstichig-trübem Papier gedruckten) Bände „Comics“ zu nennen: Präzise, endlos interessante Erklär-Textchen und -Bildchen, schwungvoll gezeichnet, über Frauen, die jedes Kind kennen sollte. Bekannt sind u.a. die Forscherin, Tierrechts-Aktivistin und Autistin Temple Grandin. Die lesbische Autorin Tove Jansson, Erfinderin der „Mumins“. Oder Kunstsammlerin Peggy Guggenheim – über deren Kämpfe, Konflikte ich bisher nichts wusste. Bitte unbedingt googeln: Sonita Alizadeh. Jesselyn Radack. Leymah Gbowee.

Absurd, welche Vorurteile, Hürden, welches Unrecht Frauen vor 200 Jahren ausgrenzte, bremste. Oder vor 70 Jahren. Oder heute!

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12. Days of Hate

Autor: Ales Kot, Zeichner: Danijel Zezelj

Image Comics, Januar 2018 bis Januar 2019.

12 Hefte in 2 Sammelbänden, davon 11 bereits erschienen; danach abgeschlossen.

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„Solche Comics sind Hilferufe: Der Autor braucht Therapie“, spottet ein Nicht-Fan über „Days of Hate“. Ich las bisher alle Reihen von Ales Kot. Sie wirkten hochpolitisch, ambitioniert, voll literarischer Bezüge, doch dabei freudlos, nihilistisch: rechthaberische Polit- und Politikverdrossenheits-Essays, erzählt als tiefgraue Comic-Thriller. „Days of Hate“ zeigt ein Ex-Liebespaar in einem dystopischen Amerika, 2022. Amanda führt Krieg gegen die Regierung. Huan, ihre Exfrau, hilft dem Geheimdienst, Amanda zu stellen. Sind die Frauen echte Gegnerinnen? Woran scheiterte die Ehe? Was erhofft sich Huan in rassistischen Verhören? Wie konnten Trumps Diskursverschiebungen die USA in vier kurzen Jahren ruinieren?

False Flags, Fake News, White Supremacy: Nach jedem Kapitel gibt Kot machtkritische Buch-, Essay- und Musiktipps. Der drückende Zeichenstil, die vielen Schatten, die schon in ähnlich hoffnungslosen, tollen Polit-Reihen wie „DMZ“ und „The Massive“ überzeugten, passen zum erwachsenen, doch oft belehrenden Ton. Zwei verletzte, hoch gebildete Frauen und mehrere Unterdrücker, Agenten debattieren wie in Sartres „Geschlossene Gesellschaft“. Das Weltbild (und den Insider-Jargon) kenne ich aus Oliver Stones Verschwörungsthrillern der 90er.

Vor 25 Jahren fragten Linke der Generation X, was Widerstand bedeutet. Ales Kot (32, Generation Y) stellt die selben Fragen, im selben Look. Kritik an der Brave New World, im Ton der guten alten (90er-)Zeit.

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11. Mr. Miracle

Autor: Tom King, Zeichner: Mitch Gerads

DC Comics, August 2017 bis November 2018.

12 Hefte in 2 Sammelbänden, abgeschlossen.

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Vor einem Jahr, nach fünf (von zwölf) Heften/Kapiteln, stürmte „Mister Miracle“ viele Beste-Comics-2017-Listen als clever-wirres Weltraum-Rätsel. Ich bleibe unsicher, wie klug der toll gezeichnete und inszenierte Comic wirklich von Gehirnwäsche, Palastintrigen, „Mindfucks“ unter Höllengöttern erzählt: Despot Darkseid knechtet den Fabrik-Planeten Apokolips. Im Krieg gegen das aseptische New Genesis wird Frieden erst möglich, indem Darkseid und Patriarchen-Gott Highfather Söhne tauschen. So wächst Scott Free in Darkseids Folterkammern auf, verliebt sich in die „Female Fury“ Big Barda und flüchtet als Entfesslungskünstler „Mister Miracle“ zur Erde – alles erzählt ab 1971, in Jack Kirbys „New Gods“-Comics. Barda und Scott leben als junges, traumatisiertes Paar in LA. Ist seine Kindheit Gund für Scotts plötzlichen Suizidversch? Steckt Darkseid dahinter?

In vielen Mainstream-Comics ist das Power-Couple Scott und Barda Teil der Justice League. Für Autor Michael Chabon war Barda (dominant, souverän, wuchtiger als ihr Partner) eine prägende Sehnsuchts-Frau. Trotz Jack Kirbys pompöser, fast biblischer Mythologie sind die Eheleute zugänglich, plausibel, sympathisch. Nach 12 Ausgaben Geraune, Rätsel, Andeutungen, bleibt von „Mister Miracle“ kein (richtig stimmiger) Brainfuck-Plot: King ging es offenbar viel mehr um (oft: profane) Widersprüchlichkeiten einer modernen Partnerschaft ab 30 – skurril verfremdet.

Götter und Ausklapp-Sofas: „Mister Miracle“ fragt, wie Menschen die Verletzungen ihrer Kindheit in die Ehe tragen – und sie überwinden. Als Autor von „Batman“ liebt Tom King Halbgares, Stream-of-Consciousness-Gestammel. Auch hier bleibt vieles offen. Doch Scott und Barda rühren, leuchten!

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10. Shimanami Tasogare

geschrieben und gezeichnet trans Zeichner*x Yuhki Kamatani

Shogakukan, März 2015 bis Mai 2018.

21 Kapitel in vier Sammelbänden, abgeschlossen.

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Eine marode Kleinstadt am Meer. Eine Teestube als sanfter Rückzugsort: Safe Space. Und Tasuku, etwa 15 Jahre alt, der jedes Wochenende mit den neuen Lounge-Bekannten verlassene Häuser renoviert, bezahlt mit staatlichen Fördermitteln: Yuhki Kamatani sagt nicht, welches Geschlecht sie oder er hat – nur, dass ihm oder ihr als Kind das falsche Geschlecht zugewiesen wurde. Ihr oder sein Manga zeigt unter anderem eine nonbinary Figur, die weder „er“ noch „sie“ genannt werden will (und asexuell ist). Einen Crossdresser, etwa 12, der Mädchenhaftes liebt. Ein lesbisches Paar, das heiraten will. Und den älteren Tchaiko, dessen Lebenspartner im Sterben liegt. Alle Figuren fragen in ruhigen, klugen Gesprächen: Wie hängen Begehren, Queerness, Selbstverständnis und Identität zusammen?

Fast alle „Boy’s Love“-Mangas führen klischeehafte Männer-Paare für Hetero-Fans vor: sexistische Klischees wie „Der starke, größere Partner penetriert den zarten, weibischen“. Mit jenem Kitsch-und-Klischee-Erotik-Genre hat „Shimanami Tasogare“ nichts zu tun. Ein respektvolles Erklär- und Alltags-Drama ohne Exotisierung. Nur der Abschluss des auf Deutsch noch nicht erhältlichen Geheimtipps kommt viel zu abrupt: Ich hätte gern noch jahrelang verfolgt, wie sich die respektvollen Figuren gegenseitig fördern, stützen und herausfordern.

Je mehr wir über Identitäten, Sexualitäten sprechen, desto klarer wird, dass wir noch viel, viel mehr erklären und verstehen müssen. Erklär-Mangas geben bei vielen Themen Hilfestellung. Hier fließt alles so klug, entspannt, präzise – das muss in (Schul-)Bibliotheken!

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09. Der Umfall

Autor und Zeichner: Mikael Ross

Avant Verlag, 2018.

128 Seiten, abgeschlossen.

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Eine evangelische Stiftung in Niedersachsen, das inklusive Dorf Neuerkerode, gibt einen Promo- und PR-Comic in Auftrag (uff!). Ein Cartoonist, der Körper gern cartoon- und lachhaft überzeichnet, zeigt Figuren mit Behinderung (hmpf!). Hauptfigur Noel, herzig, pummelig, Anfang 20, muss zur betreuten Wohngruppe aufs platte Land, weil die Mutter einen „Umfall“ hatte, leblos im Bad lag… doch plant den wilden Roadtrip heim nach Berlin (oje!). „Mutig“ sind die kurzen, oft tragikomischen Anekdoten aus dem Heim-Alltag nicht, weil Künstler Mikael Ross Neues ausprobiert, sondern, weil er überraschend warmherzig, souverän, respektvoll zeigt, dass auch auf ausgetretenen Pfaden Raum ist für Figuren mit Behinderung, würde- und humorvoll porträtiert. Furchtbar gut gemeint. Doch, Überraschung: tatsächlich auch furchtbar gut gemacht!

Ein Spielfilm über das Dorf (und unter anderem die T4-Morde bis 1945) wäre schnell verkitscht, artifiziell. Als Roman bräuchten Ross‘ Nuancen, Ambivalenzen viel mehr Umschreibung. Und eine TV-Doku wirkt schon nach drei, vier Jahren gestrig. „Der Umfall“ gelingt – doch wiederholt ein Muster: Hauptfiguren mit geistiger Behinderung erleben oft größte Schläge. Hören immerzu, wie viel sie nicht dürfen, können, niemals erreichen. Dann weinen sie, schlagen kurz über die Stränge, und ein bittersüßes Ende zeigt: Das Leben geht weiter.

Wie Menschen, alert genug, um zu verstehen, dass ihnen dauernd Teilhabe, Normalität verweigert wird, mit dieser Dauer-Frustration umgehen, ohne, zu verbittern oder täglich zu platzen? Das fragt der immens lesenswerte Comic zwar. Eine Antwort hat das bittersüße Klischee-Ende nicht.

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08. Saga

Autor: Brian K. Vaughan, Zeichnerin: Fiona Staples

Image Comics, seit März 2012.

54+ Hefte in 9+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Ein Ehepaar, ihre Tochter und viele (oft wechselnde oder sterbende) Verbündete auf der Flucht – gejagt von Kopfgeldjäger*innen, Geheimdiensten und den Heeren zweier Mächte: Alana war Soldatin der Landfall-Allianz. Marko stammt vom Mond Wreath. Ihr Kind Hazel gilt als biologische Unmöglichkeit, und seit 2012 erzählten 54 Hefte/Kapitel von Gewalt, Familie (und Wahlfamilien, Solidarität), dem Glück (und manchmal Trauma), Eltern zu sein und dem Trauma (und manchmal Glück), Kind zu sein. Jedes Heft überrumpelt auf Seite 1 mit absurden neuen Settings und Figuren. Jedes Heft endet mit einem „Da staunt ihr!“-Twist. Brian K. Vaughan benutzt immer gleiche, oft eitle Kunstgriffe: Gefühlsachterbahnen. Dramatic Irony. Überraschender Verrat. Überraschende Versöhnung. So toll Fiona Staples‘ Gestalten und Design sind: „Saga“ wirkt sehr kalkuliert.

Toll darum, dass nach neun Sammelbänden (und etwa der Hälfte der geplanten Geschichte) ein radikaler Einschnitt zeigt: Vieles, das in den letzten Jahren geschah, kann nach 2018 unmöglich weiter aufgekocht, variiert werden. Die Karten liegen plötzlich anders.

„Saga“ ist verlässlich einer der anspruchsvollsten, (verkrampft) originellsten und mainstream-tauglichsten Erwachsenencomics, Jahr für Jahr. Mit Band 9 beweist Vaughan, dass er keine Masche, kein Strickmuster perfektioniert – sondern sich Anfang, Mitte und (in fünf Jahren?) Ende deutlich unterscheiden. Was in Band 6, 7, 8 mitunter wie Leerlauf, Wassertreten wirkte, liegt jetzt in einem neuen Licht. Ein guter Punkt, um einzusteigen!

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07. Go Go Power Rangers

Autor: Ryan Parrott, Zeichner: Dan Mora; später Eleonora Carlini

Boom! Studios, seit Juli 2017.

14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Alien Zordon leiht fünf Teenagern aus Angel Grove, Kalifornien, Kräfte (und Dinosaurier-Roboter), um eine böse Hexe auf dem Mond zu stoppen: Rita Repulsa. Die billige TV-Serie ab 1993 – als Rahmenhandlung: fade US-Teens im Jugendzentrum; dazwischen Monster-Kämpfe, aus der japanischen „Super Sentai“-Reihe importiert – zeigte mir damals nur, dass ich mit 11, 12 fadem Kinder-TV entwuchs. Ein 25 Jahre altes Trash-Franchise, für das mir jede Nostalgie, fast alle Kenntnisse fehlen. Doch eine Menge aktueller US-Comics (besonders bei Dark Horse, IDW und Boom) setzen Kinder- oder 90er-Erfolge komplexer, erwachsener neu fort: 2018 erhielten unter anderem neue Comics zu „Turtles“, „Transformers“, „Xena“, „Der dunkle Kristall“ exzellente Kritiken.

„Go Go Power Rangers“ gibt fünf, sechs Hauptfiguren viel Zeit: Die Reihe spielt kurz nach Folge 1 der Serie. Die Teenager hadern mit ihren Rollen, Kräften und Geheimnissen. Dass alle sprechen wie 2018, und nur ihr Jugendzentrum aussieht wie 1993? Dass ich nicht weiß, was aus Zordon oder Rita wird? Und dass ein anderer, paralleler Comic, Kyle Higgins‘ „Power Rangers“, noch mehr (viel kompliziertere) Zusatz- und Drumherum-Geschichten erzählt? Egal! Kein Fan- und Vorwissen sind nötig: Alles erklärt sich zwanglos und elegant nebenbei.

Ein Comic, an dem alles schreit „zweitrangig, nebensächlich“ beweist, dass auch fadenscheinige, lieblose Konzepte strahlen können – sobald Figuren Raum kriegen für Witz, Ideen, Verletzlichkeit.

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06. Girlsplaining; Der Ursprung der Welt; Der Ursprung der Liebe

Katja Klengel (Autorin und Zeichnerin), Reprodukt Verlag.

160 Seiten, 2018. („Girlsplaining“)

Liv Strömquist (Autorin und Zeichnerin), Avant Verlag.

(„Welt“: 140 Seiten, 2017. „Liebe“: 136 Seiten, 2018.)

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Eine Kulturgeschichte der Vulva: Wie deuteten, straften, stigmatisierten Männer weibliche Lust, Menstruation, den Körper? („Der Ursprung der Welt“) Und eine Kulturgeschichte der Idee, dass Frauen besondere Erfüllung finden, indem sie sich einem Partner unterwerfen („Der Ursprung der Liebe“: straffer, pointierter, doch etwas flacher). Feministin und Kulturwissenschaftlerin Liv Strömquist spricht in zwei Schwarzweiß-Erklär-Comics mit oft polemischem, überlangem Text und meist arg simplen, bewusst dilettantischen Zeichnungen im Punk- und Fanzine-Look über Statistiken, Denkfehler, kollektive Urteile. Bücher, die jeder Mensch ab 13 mit Gewinn lesen wird. Kurz nerven die Krakelschrift, die Textwüsten, der plump rotzige Jargon. Zu oft sind Strömquists Montagen so einladend, ansehnlich wie PowerPoint. Trotzdem: ein Muss!

Kürzer, witziger erklärt Katja Klengel, geboren 1988 in Jena, wie starke Frauenfiguren wie Sailor Moon, Buffy, Prinzessin Fantaghirò sie in den 90ern inspirierten. Wie „Sex & the City“ sie hingegegen hemmte und frustrierte. Das Stigma Körperbehaarung. Rosarotes Mädchen-Spielzeug. Die Standard-Themen feministischer Kolumnen – super-liebevoll und -gewitzt illustriert. Kein Buch stimmte mich 2018 fröhlicher: Ein fast perfekter Verschenk- und Einstiegs-Tipp, zugänglich, sympathisch!

Als Texte ohne Bilder wäre Strömquist recht glanzlos, trocken – und Klengel viel zu karg. Erst all die albernen, verspielten Illustrationen schaffen Sog und Ausgleich: Feministische Essays, die einladen, Welt neu und kritischer zu sehen.

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05. Eine Schwester

Autor und Zeichner: Bastien Vivès

Casterman, 2017. Deutsch bei Reprodukt, 2018.

216 Seiten, abgeschlossen.

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Geht das nur in Frankreich – als eleganter Comic, der nur die nötigsten Umrisse zeigt? Oft sogar Blick und Augen der Figuren ausspart? Antoine ist 13, zeichnet Pokémon und schlägt mit seiner jüngeren Schwester am Strand und im Ferienhaus Zeit tot. Dann wird die 16-jährige Hélène, Tochter einer Freundin der Eltern, für ihn zur Mentorin, Vertrauten und „Schwester“. Vivès zarte, kluge Ferien-Episode wäre noch besser, würde sogar noch mehr fehlen: Das nächtliche Wettschwimmen mit melodramatischer Pointe. Die Erektion des 13-Jährigen in einer Dusch-Szene. Nicht-sehr-subtile Psychologisierungen zur Frage, was „Kind“, „Schwester“, „Zuwachs“ etc. für alle Figuren bedeuten. Originell ist nichts an dieser Geschichte – oder ihren Motiven. Manches wirkt so reißbretthaft wie eine Familienaufstellung.

Doch so, wie ich bei Vivès‘ Tanzhochschul-Comic „Polina“ (2011) noch Jahre später Räume, Körper, Choreografien erinnere und weiß: deutlicher, markanter hat mir niemand je dieses Milieu vermittelt… denke ich bei „Eine Schwester“: Respekt! Das sind Bilder und Figuren, die lange nachklingen. Für die 216 Seiten braucht man keine 30 Minuten. Alle kurzen Dialoge, spärlichen Bilder, skizzierten Zimmer, Wege, Beziehungen bleiben, nüchtern betrachtet, supervage, karg und offen. Die Kunst des Weglassens. Leerstellen, die faszinieren.

Weniger ist selten mehr. Doch selten ist so wenig… so wunderbar viel. Eine zeitlose Coming-of-Age-, Initiations-Geschichte, in der jeder Strich und jede Silbe zählen.

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04. Kingdom

Autor und Zeichner: Jon McNaught

Nobrow Press, 2018.

112 Seiten, abgeschlossen.

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1931 erschien R.C. Sherriffs „Septemberglück“: ein gemütvoller, stiller Roman über britische Kleinbürger mit fast erwachsenen Kindern, die zwei Wochen in einem Kurort sitzen – sobald es kühler wird und die Pension erschwinglich. Dieser Klassiker ist keine Satire über Spießer, und auch kein Versuch, oft heikle, trostlose Ferien und murksige Entscheidungen von Familien, denen Geld und Bildung fehlt, zu beschönigen. Jon McNaught, Illustrator (33), schafft die fast selbe Atmosphäre, in wenigen Farben und der flächigen Fehldruck-Optik von Risografien. Eine alleinerziehende Mutter, ihr Sohn (etwa 15 Jahre alt) und die kleine Schwester im Containerdorf am Meer. Ein totes Schaf in den Dünen. Eine Spielhalle am Rasthof. Der melancholische Besuch bei einer Tante. The seaside town that they forgot to close down…

McNaughts Illustrationen passen auf Buchcover oder zum „New Yorker“: retro, flächig – meist simple Spiele mit Licht, Schatten, Silhouetten, Negative Space. Die Puppengesichter, Knopfaugen der Figuren wirken schlicht – die Emotionen sind es nicht: Ein Buch über Schönheit, Schäbigkeit, Melancholie und kleines Glück, in dem jede Szene mit großflächigen Zeichnungen beginnt… doch bald schon kurze, leise Dialoge, Blicke, kleine Wendungen in immer engere, beklemmendere Panels stampft. Comic-Star Chris Ware erzählt ähnlich – und empfiehlt und fördert McNaught.

„Man braucht eben kaum Plot, wenn das Design überzeugt!“, denke ich beim Blättern. Und dann wieder: „Man braucht eben kein eitles, bombastisches Design – bei einem so simplen, zeitlosen, starken Plot.“ Ein Kleinod!

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03. Space Brothers

Autor und Zeichner: Chuya Koyama

Kodansha, seit Ende 2007.

327+ Kapitel in 34+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Große Männer – als kleine Geister: Wer Branchen zeigt, in denen Pathos und Elite zählen (Medizin, Sport, Politik, Militär), stellt Profis oft als Ausnahme- oder Übermenschen dar. Oder ruft besonders hämisch: „Kuckt. Die kochen nur mit Wasser!“ Ingenieur und Autodesigner Mutta, Anfang 30, steht im Schatten des jüngeren Hibito: dem ersten Japaner, der 2025 für eine NASA-Mondlandung im Gespräch ist. Mutta hat Gespür für Stimmungen, Ambivalenzen. Doch im Versuch, taktisch raffiniert aufzutreten, macht er sich oft zum Trottel. Eignungs-Verhöre, Budget-Debatten, Assessment Centers, lustvolles Improvisieren… „Space Brothers“ zeigt Druck und Ethos bei der NASA. Viel Navigieren mit Vorgesetzten und Kollegen. Und, je näher die Brüder dem All kommen: das Wissen, dass jeder Fehltritt die Karriere kosten kann – und Menschenleben.

Ein Manga für berufstätige Männer… der Frauen wenig Raum bietet. Die einfältige, plumpe Mutter. Die 15-jährige russische Tänzerin Olga, verliebt in Hibito. Ein afroamerikanischer Astronaut wird als Gorilla vermarktet – ohne, dass sich jemand am Rassismus stößt. Vieles wird nur langsam, über Jahre hinweg enthüllt oder präzisiert. Dann aber: toll kitsch-, pathos-, und patriotismusfrei. Deshalb vertraue ich auch bei Misstönen wie Olga oder dem Gorilla-Vergleich auf die Zeit: Vieles, das „Space Brothers“ nur kurz streift, wirkt halbgar, skurril. Später wird es en detail erklärt – und stimmig.

Mutta ist ein Unikat (und Tölpel). Ich liebe, diesem Mann beim Entscheiden zuzusehen – in einer akribisch recherchierten, glaubwürdigen Erzählwelt. Ingenieurskunst, Gruppendynamik, Lern- und Organisationspsychologie – statt plump gefeiertes Heldentum.

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02. Drei Wege

Autorin und Zeichnerin: Julia Zeijn

Avant Verlag, 2018.

184 Seiten, abgeschlossen.

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100 Jahre Frauenwahlrecht: 1918 wird Ida (18) Hausmädchen einer bürgerlichen Familie, lernt Radfahren, stellt Weichen fürs Leben. 1968 will Marlies (18) eine Ausbildung im Buchhandel – obwohl sie eh bald unter die Haube soll. 2018, nach dem Abitur, schaut Selin (18) auf ihre Mutter (Influencerin und Öko-Bloggerin) und die ambitionierte beste Freundin (Studium in den USA) – und muss abwägen, wie viel Ruhe oder Sinnsuche sie sich noch leistet. Die Bleistift-Zeichnungen, vermeintlich kindlich, strotzen vor Berlin-Details und den Spezifika historischer Milieus. Statt vieler Farben liegt nur je ein Filter über jedem Erzählstrang. Ida: blasses Gelb; Marlies: Altrosa; Selin: kühles Blau, wie LCD-Screens. In einigen Montagen, Stadtansichten stehen Filter und Zeiten wie Mosaiksteine nebeneinander: Drei Frauen radeln zu drei Zeiten durch die selbe Straße, in einem Bild.

10, 20 Seiten mehr pro Handlungsstrang – und die vielen Nebenfiguren hätten Tiefe. Mich begeistert, dass ein deutschsprachiger Comic auf Weltniveau erzählt – nicht durch gefällig kunstfertige Zeichnungen oder hochdramatische Themen. Sondern, weil Zeijn drei Frauen und ihre Welt erkennbar liebt, versteht, grandios effektiv vermittelt. Schon Barabra Yelins Comics („Irmina“, „Der Sommer ihres Lebens“) machten Spaß – wirken aber oft recht lehrstückhaft, von-oben-herab. „Die arme Frau: Opfer ihrer Zeit und Umstände!“

„Drei Wege“ ist optimistischer. Viel mehr am Individuum interessiert als am „Typus“, „Fallbeispiel“. Hätten alle Figuren so viel Tiefe, wäre das mein Buch des Jahres.

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01. Vinland Saga

Autor und Zeichner: Makoto Yukimura

Kodansha, seit Juli 2005.

155+ Kapitel in 21+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Ein brutales Wikinger-Epos – über Pazifismus: Thorfinn Karlsefni, Bauernkind auf Island, erlebt, wie sein oft nachgiebiger, konfliktscheuer Vater von Söldner-Hauptmann Askeladd betrogen wird. Thorfinn weiß nicht, wer den Mord in Auftrag gab, versteckt sich auf Askeladds Schiff und wird im Gefolge erwachsen: Askeladd verspricht, sich einem ehrenvollen Duell zu stellen, sobald sich Thorfinn als Messerstecher und Kampfmaschine bewährt. Der akribisch recherchierte, prachtvolle Historien-Manga startete 2007 in einem Magazin für Schuljungs: Kapitel 1 wirkt, als wolle es nur List und Kaltschnäuzigkeit übermenschlich schneller Super-Vikinger feiern. Doch ab Band 3 lässt der Plot keine Zweifel: Gewalt löst nichts. Alle (oft: historisch verbürgten) Figuren, die in Skandinavien und England intrigieren, kämpfen, Krieg führen, haben seelische Schäden – und tragen sie immer weiter.

Seit Band 15, als Thorfinn Vertraute findet, Verantwortung für Schwächere übernimmt, wird das Epos bunter, launiger. Trotzdem hat jeder Konflikt auf allen Seiten nur Verlierer – und kluge Perspektivwechsel und Dialoge zeigen, warum Konzepte wie „Mitleid“, „Atheismus“, „Demokratie“, „Gewaltfreiheit“ im frühen elften Jahrhundert, zur Zeit Leif Eriksons, nicht greifen: Eine Geistes- und Mentalitätsgeschichte aller Mitglieder der Ständegesellschaft. Duelle, Allianzen und Survival-Drama wie in „The Walking Dead“. Nur eben: warmherziger. Getragen von Idealen!

Mittelalter-Kitsch liebt alte Rollenbilder. Das Recht das Stärkeren. Der wohlige Grusel, dass jede tapfere Magd oder „zu stolze“ Leibeigene jederzeit „geschändet“ werden kann. „Vinland Saga“ zeigt komplexe Männer und Frauen – die in einer komplexen Welt maximal klug, moralisch handeln wollen.

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