Autor: stefanmesch

Writer. Book Critic. Journalist.

Ralf König: „Vervirte Zeiten“ [Comic-Rezension, Deutschlandfunk Kultur]

Am Samstag, 20. Februar, sprach ich bei Deutschlandfunk über Ralf Königs „Konrad und Paul im Lockdown-Alltag“-Comicsammlung „Vervirte Zeiten“:

Audio-Gespräch im Link, 5 Minuten.

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Schwule Liebe im „Cockdown“
Ralf Königs Corona-Comics „Vervirte Zeiten“

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Konrad Stubenburg ist Mitte 60 und gibt Klavierunterricht – ab März 2020 via Webcam. Paul Niemöser, sein etwas jüngerer Partner, ist Autor der Trash- und Fetisch-Romanreihe „Barry Hoden“. Als die Pandemie die Welt des Kölner Paars auf Wohnungsgröße schrumpft, werden Telefonate und Video-Calls immer wichtiger. Und: die täglichen Besuche bei Rewe. Denn der Filialleiter dort ist so behaart und bärtig, dass Paul am liebsten schreien würde: „Setz dich auf mein Gesicht!“

Seit 1980 zeichnet Ralf König Comics – oft alltäglich, liebevoll-satirisch, meist mit schwulen Hauptfiguren, und immer mit Körpern, irgendwo zwischen bewusst lächerlicher Karikatur und genuin sexy „Bären“- und „Beefcake“-Look. Konrad und Paul sind schon seit 1990 Hauptfiguren vieler Strips und Sammelbände; und im März 2020 beschloss König, tägliche 4-Bild-Episoden über den Pandemie-Alltag der beiden zu teilen: auf Facebook und Instagram.

„Ich spitzte gerade die Griffel für den nächsten Rowohlt-Comic“, erklärt König im Vorwort, „in dem es um kontroverse Themen gehen sollte, „wie Political Correctness, gendergerechte Sprache, Querelen in der queeren Szene und verabscheuungswürdige alte weiße Männer.“ Stattdessen erscheinen jetzt fast 200 Momente Konrads und Pauls aus dem Corona-Frühling bis Wintter 2020.

„Vervirte Zeiten“ hat viel Herz und Charme, oft literarische Dialoge (viel punktgenauer, feiner, als zum Treffen der Pointen nötig wäre) und funktioniert als kurzer täglicher Bildwitz ebenso gut wie als längere Geschichte übers Zusammenbleiben eins Paars, bei dem ein Partner immer wieder über seine Lust und Impulskontrolle stolpert: eine glückliche offene Beziehung, doch viele überdrehte Momente über schlechten Webcam-Sex und Macht- und Altersgefälle beim Flirten.

Alle Frauenfiguren bleiben stereotyp – oft Schrullen oder Spielverderberinnen. Eine Figur feiert, dass durch die Corona-Vorschriften immerhin die nervige Mutter fort bleibt. Und Millie, die einzige Frau of Color, will erklären, was übergriffig, gewaltsam und völlig unromantisch daran ist, wenn sie Fotos der Penisse fremder Menschen geschickt bekommt, ungefragt. Paul sagt, ihn machen unerbetene Fotos an. Und Millie wird dann seitenlang zur Heuchlerin oder Schwätzerin, weil sie begeistert durch Pauls Fotoalben voller Dickpics und Selfies stöbert.

Nach jedem Interview, Podcast und Portrait über Ralf König denke ich: „Das ist einer von den Guten.“ (Empfehlung: Sebastian Goddemeiers Text im Berliner Tagesspiegel, https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/die-vielen-coming-outs-des-zeichners-ralf-koenig-die-leute-haben-angst-vor-sex/26925134.html ). Doch seit ein Wandbild mit queeren Figuren, das er 2015 fürs „Rainbow House“ in Brüssel entwarf, 2019 kritisiert wurde (eine Schwarze Figur wirkt wie eine rassistische Karikatur; und eine saloppe Drag Queen wie die transfeindliche Karikatur einer trans Frau), lässt König oft hilflose (oder patzige?) Sätze fallen wie “ Ich nehme in Kauf, wenn sich Leute empören, weil sie etwas sehen oder sehen wollen, was ich gar nicht so gemeint habe. Darauf Rücksicht zu nehmen hieße, den Stift zur Seite zu legen.“

„Vervirte Zeiten“ wirkt spöttisch, aber liebevoll. Besonders frisch, emanzipatorisch, empowernd, feministisch wirkt es auf mich nicht. Wenn die Männer von allen Straßennamen Kölns ausgerechnet die M*hrenstraße erwähnen oder Konrad über „politisches Meinungsgezetere“ im Netz klagt, bin ich skeptisch, ob Ralf König bald Kluges, Frisches, Witziges zu sagen hat über „Political Correctness, gendergerechte Sprache, Querelen in der queeren Szene und verabscheuungswürdige alte weiße Männer.“

Aktuell arbeitet er an einem „Lucky Luke“-Band im König-Stil. In einem Radio-Interview sagte er, dass auch Native Americans vorkommen, und dass er zuckt, wenn sie im Text „Ind*aner“ genannt werden – doch nicht weiß, wie man sie halt sonst nennen soll. Dann frag! Sprich mit Aktivist*innen! Von einem Comic-Künstler, der geschätzt wird, weil er genau hinhört, hinschaut und einige schwule Subkulturen genau beschreiben kann, erwarte ich da mehr.

Ralf König: „Vervirte Zeiten“
192 Seiten, Rowohlt Verlag, Februar 2020. 24 EUR.

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Für Deutschlandfunk-Gespräche schreibe ich vorher einen Leitfaden – mit allen Infos und Vorschlägen, wie der*die Moderatorin fragen, nachhaken, das Gespräch gliedern kann. Manchmal halten wir uns sehr an dieses Skript. Manchmal fast gar nicht. Weil mein Gespräch am Samstag sehr frei war: Hier noch der Leitfaden (…doppelt sich teilweise mit dem Text oben.)

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Ralf König (*1960) wollte einen Comic-Sammelband über Political Correctness schreiben – doch fing dann im März 2020, im Lockdown, an, tägliche Comics auf Facebook und Instagram zu posten, über die Figuren Konrad und Paul, die  – wie er selbst – in Köln leben, als schwules Paar.

Diese täglichen Alltags-Comics (jeweils 4 Panels, mit End-Pointe und gut für sich verständlich; doch mit fortlaufender Handlung) erzählen die Zeit von März 2020 bis November (…einige Epilog-Seiten zeigen noch Weihnachten und Neujahr) und erscheinen jetzt gesammelt als „Vervirte Zeiten“ bei Rowohlt:

Seit 40 Jahren zeichnet Ralf König Comics – oft über den schwulen Alltag seiner Generation. 1994 wurde „Der bewegte Mann“ verfilmt, mit Til Schweiger, und schon seit 1990 gibt es Geschichten über Konrad und Paul, ein schwules Paar – heute in einer gemeinsamen Wohnung, aber einer offenen Beziehung.

Was Konrad und Paul seit Beginn der Pandemie erleben, zeigte Ralf König in kurzen täglichen Comics, geteilt auf Facebook und Instagram. Jetzt erscheinen diese Alltags-Cartoons als Sammelband, „Vervirte Zeiten“.

Sind das Cartoons – kurze Bildwitze – oder eine zusammenhängende Geschichte?

Beides: es sind pro Seite jeweils 4 Bilder – immer kurze Gespräche oder Begegnungen, Telefonate und Video-Calls – und immer mit Pointe und für sich genommen verständlich. ich musste – kein Witz – sehr an die „Garfield“-Cartoons denken. Zum einen, weil Garfield auch oft den beengten Alltag, den Alltagstrott, das Mit- und Gegeneinander im Haus zeigt. Zum anderen, weil Paul – ein Science-Fiction-Autor der „Perry Hoden“-Sex-Romane – so wild auf Sex ist wie… Garfield auf Lasagne. triebgesteuert, phlegmatisch, klein und rundlich… das ist ein ganz ähnlicher Humor wie in den 80ern. 

Aber es ist… sex-positiv und queer.

Es ist *sehr* sex-positiv, salopp und.. deftig, ja: Ich finde auch recht schwer, sprachlich nicht zu vulgär zu werden, weil die Figuren echt auf jeder Seite über z.B. „Schwanzfotos“ sprechen – und ich das nicht hier im Radio verdruckst umschreiben will mit „Freizügige, eindeutige Selfies… im Adamskostüm werden hier verschickt und empfangen“. Nein – es ist schon derb und direkt, und das hat immer noch was Subversives, auch nach 40 Jahren:

Auf Pointe getrimmte Alltags-Szenen über einen sehr, sehr lüsternen 56-Jährigen, der viele Potenzmittel braucht, dauernd Sexdates will, doch sich am Ende dann immer doch mit Skype-Verabredungen begnügt. In einer Szene sagt das Paar auch „Mein Penis hat Cockdown“ (statt „Lockdown“) und mein Verdacht ist, dass das auch der Arbeitstitel fürs Buch war. Sex-positiv ist es also! „Queer“ finde es nicht – sondern wirklich *eine* schwule Welt, *ein* Milieu, in dem z.B. Vielfalt keine große Rolle spielt.

Ist das nicht bei jedem Buch so – besonders, wenn es auf engem Raum spielt, mit wenigen Figuren?

Ich ging recht misstrauisch in die Lektüre, weil ich z.B. die Frauenfiguren sehr abfällig finde: eine humorlose Frau namens „Igitte“, dann Pauls Schwester mit dickem Make-Up und viel ignorantem Gerede, die meint „Ohne meine Kosmetikerin sehe ich aus wie ne Ente“ – dann sagt Paul „Tja, Enten kriegen kein Corona“… Ich musste auch die „Werner“-Comics denken, oder an Walter Moers‘ „Das kleine Arschloch.“ mit 13, 1996, kamen wir uns SO cool vor, wenn wir uns diese „erwachsenen“ Comics gegenseitig zum Geburtstag schenkten, aber…

Im Comics sagt die einzige wichtige recht sympathische Frau, Millie, sie will keine Penisfotos geschickt bekommen. Solche Fotos sind strafbar, und viele Feminist*innen erklären seit Jahren, dass es da um Einschüchterung und Machtgesten geht. das kommt im Comic aber nicht vor – dort sagt Paul nur „Ich druck die Fotos, die man mir schickt, aus und sammle sie in einem Album: willste sehen?“ und Millie sagt begeistert ja.

Aber Sie empfehlen die Lektüre?

Ja. ich fands supercharmant gezeichnet, pointiert geschrieben…

Ich fragte mich nur an vielen Stellen, ob das einfach etwas gestrig ist – oder schon bewusst reaktionär. Das wird sich zeigen, wenn Ralf Königs Sammlung über – oder gegen – Political Correctness erscheint: Er zeichnete 2015 ein Wandbild in Brüssel, mit queeren Figuren, und eine schwarze Frau sieht… aus wie ein rassistisches Klischee (Wulstlippen etc.), eine dreitagebärtige Drag Queen wirkt wie… eine transfeindliche Karikatur einer trans Frau. Ralf König ist einerseits jemand, der dann 2019, als die Kritik kam, sagt „Tja, wenn sie keine Freude an dem Wandbild haben, können sie es auch übermalen.“

Andererseits regen sich die Figuren im Comic über „politisches Meinungsgezetere“ auf, König fühlt sich „belehrt“…

Privat wäre ich, glaube ich, gerne mit ihm befreundet einfach, weil er z.B. in Radiointerviews sehr nett klingt, nie… rechts-trotzig-abfällig. Doch dann sagt er (hier, Link), er zeichnet grade einen Lucky Luke-Comic, und klar kommen dort Western-Figuren vor, die… in Wigwams wohnen. Also: Ind***er. Das Wort schreibt er dann aus, weil: Wie soll man die auch sonst nennen?

Und ich denke: ja, recherchier halt, welche Nation du meinst, und schreib „Apache“ oder „Cheyenne“!

Es kann deshalb gut sein, dass nächstes Jahr ein… Anti-Cancel-Culture- und Anti-Sprachpolizei-Comicmanifest von Ralf König erscheint und er sagt „Zeichenkunst, Comickunst darf KEIN Tabu kennen!“ usw.: Das ist, glaube ich, auch eine Generationenfrage. Queerfeministisch ist „Vervirte Zeiten“ nicht – sondern schon eher: bräsig, altersgeil… ein bisschen denkfaul.

Die besten Geschenke 2020: Buchtipps und Empfehlungen zu Weihnachten

Buchtipps sind… sinnlos. In meinem privaten (Zuhause-)Freundeskreis jedenfalls:

Es fällt mir leichter (und wirkt weniger… übergriffig / aufdringlich), auf z.B. Medimops gebrauchte Ausgaben zu kaufen und zu verschenken – statt Freund*innen mit Kaufempfehlungen in den Ohren zu liegen.

Sobald ich denke “Er*sie hätte Spaß, mit diesem Buch”, kaufe ich eine billige Ausgabe.

Hier: Die Bücher, die ich 2019 und 2020 verschenkte. 90 Prozent davon: selbst schon gelesen, und sehr gemocht.

Blau markierte Titel kamen sehr gut an.

verschenkt 2011 | verschenkt 2012 | verschenkt 2013verschenkt 2014 |

verschenkt 2015 & 16 | verschenkt 2017 & 18

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Geschenke 2019 und 2020:

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Kinder:

Tochter einer Schulfreundin, 3:

  • Tom Schamp: „Das größe und schönste Bildwörterbuch der Welt“ (Link)
  • Tracey Corderoy: „Schufti Verdufti & Mopsfinger Sam“ (Bilderbuch, Link)

Sohn einer Schulfreundin, 4:

  • Patrick Wirbeleit: „Kiste“ (Erstleser- oder Vorlese-Comic, Link)
  • Cube Book: „Cars“ (kleine, dicke Fotobücher zum Blättern und Staunen, Link)
  • Dougal Dixon: „Geschöpfe der Zukunft. Die Tierwelt in 50 Millionen Jahren“ (Bildband über mögliche neue Tiere, Link)

Tochter meiner besten Freunde, 6:

  • Blexbolex: „The Holidays“ (Bilderbuch ohne Text; britische Ausgabe ist billiger & identisch mit der dt.; Link)
  • Barbara Haiduck: „Wo ist bloß das Chamäleon“ (Kinder-Suchbilderbuch, Link)
  • Ulf Nilsson, Anna-Clara Tidholm: „Adieu, Herr Muffin“ (Bilderbuch über Abschied und Tod, Link)
  • Kanata Konami: „Kleine Katze Chi“, Band 4 (Erstleser*innen-Manga, sie mag die Serie und frühere Bände, Link)

meine Nichte, 6:

  • Erwin Moser: „Der Mond hinter den Scheunen“ (Link)
  • Sarah Welk: „Ziemlich beste Schwestern: Quatsch mit Sauce“ (Link)
  • Peter Schössow: „Wo ist Oma? Zu Besuch im Krankenhaus“ (Bilderbuch, Link)
  • Joan Steiner: „Ich sehe was, was du nicht siehst: im Winter“ (Such-Buch, Link)

meine Patentochter, 7:

  • Joris Chamblain, Aurelie Neyret: „Crissis Tagebücher: 1. Der versteinerte Zoo“ (Erstleser*innen-Comic, Link)
  • Joan Steiner: „Ich sehe was, was du nicht siehst: im Winter“ (Such-Buch, Link)
  • Walter Wick: „Ich finde was… in der Schatzkiste“ und „Ich finde was… zur Weihnachtszeit“ (Such-Bücher, Link)
  • Jill Thompson: „Wonder Woman: The True Amazon“ (Comic, Link)
  • „Sailor Moon: Anime-Album 4“ (die erste Hälfte von Staffel 1 nacherzählt, in Screenshots & recht schlecht übersetzten Texten, Link)
  • [für sie und ihre Schwester]: Kamome Shirahama: „Witch Hat Atelier. Das Geheimnis der Hexen“ Band 1 bis 3. (Manga, Link)

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mein Neffe, 11:

  • David Baddiel, „Der total verrückte Elterntausch“ (Link)
  • Akira Toriyama, „Dragonball“ Band 1 bis 3 (Manga, Link)
  • Tsugumi Ohba, Takeshi Obata: „Bakuman“ Band 1 und 2 (20teiliger Manga übers Mangazeichnen, Link)
  • Lustiges Taschenbuch: „Das Schwarze Phantom: Darkenblot“ (Comic, Link)
  • Noriyuki Konishi: „Yo-Kai Watch“, Band 1 (Manga, Link)
  • Ken Akamatsu: „UQ Holder!“, Band 1 (Manga, Link)
  • Hiro Mashima: „Fairy Tail“, Band 1 (Manga, Link)
  • Shinobu Otaka: „Magi – The Labyrinth of Magic“, Band 1 (Link)
  • Gosho Ayoama: „Detective Conan“, Sammelband 1 (Manga, Link)
  • David Walliams: „Gangsta-Oma“ (Link)
  • Stefanie Taschinski: „Familie Flickenteppich: Wir ziehen ein“ (Link)
  • Michael Ende: „Der Wunschpunsch“ (Link)

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Sohn meiner besten Freunde, 13:

  • Jason Fry: „Star Wars: Rebels – Diener des Imperiums“ (Band 1 bis 3; vierteilige Jugendbuch-Reihe, Link)
  • Wesley King: „Daniel is different“ (Link)
  • Kei Sanbe: „Die Stadt, in der es mich nicht gibt“ (Manga-Thriller, Band 1. Link. Er mochte auch die Serie/ Realverfilmung auf Netflix.)
  • Matt Fraction, David Aja: „Hawkeye“, Band 1 (Comic, Link)
  • Ari Folman: „Das Tagebuch der Anne Frank. Graphic Diary“ (Comic, Link)

Tochter meiner besten Freunde, 19:

  • André Schiffrin: „Verlage ohne Verleger“ (Link)
  • Nicola Yoon: „Ein einziger Tag für die Liebe“ (Link)
  • Russell Banks: „Das süße Jenseits“ (Link)
  • Ernest Hemingway: „Der Garten Eden“ (Link)
  • Barbara Yelin: „Irmina“ (Comic, Link)

meine Schwester, 28:

  • Joy Yoon: „The Best Things to do in Los Angeles. 1001 Ideas“ (Guide, Link)
  • Noelle Stevenson: „Nimona“ (Comic, Link)

Pädagogin, 37:

  • Jenny Erpenbeck: „Gehen, ging, gegangen“ (Link)
  • Stewart O’Nan: „Letzte Nacht“ (Link)
  • Tim Winton: „Inselleben. Mein Australien“ (Link)

Pädagogin, 37:

  • Nicola Yoon: „Ein einziger Tag für die Liebe“ (Link)
  • Lucinda Hawksley: „Gefährlich schön – giftige Tapeten im 19. Jahrhundert“ (Link)
  • Brecht Evens: „Panter“ (Comic, Link)

Pädagogin, 38:

  • Nana Ekvtimishvili: „Das Birnenfeld“ (Link)
  • Maria Dermout: „Die zehntausend Dinge“ (Link)
  • Martina Bergmann: „Mein Leben mit Martha“ (Link)
  • Sylvie Schenk: „Schnell, dein Leben“ (Link)

Pädagogin, 38 – liest fast nur Theaterstücke und Comics/Mangas:

  • Matt Kindt, David Rubín: „Ether“ (Comic, Band 1 und 2, Link)
  • Carson McCullers: „Frankie“ (Link)
  • Stefanie Höfler: „Tanz der Tiefseequalle“ (Link)
  • Todd Selby: „The Selby is in your Place“ (Hipster-Bildband, Link)

Bühnentechnikerin & Feinkosthändlerin, 39:

  • Eva Sternheim-Peters: „Habe ich denn allein gejubelt? Eine Kindheit im Nationalsozialismus“ (Link)

Bürokauffrau, 41:

  • Stefanie Höfler: „Mein Sommer mit Mucks“ (Link)
  • Dagmar Fohl: „Frieda“ (Link)

Krankenschwester, Mitte 60:

  • Ulrike Renk: „Die Australierin: Von Hamburg nach Sydney“ (Link)
  • Reinard Kleist: „Der Traum von Olympia“ (Comic, Link)
  • Gertrude Pressburger: „gelebt, erlebt, überlebt“ (Link)

meine Mutter (ehem. Arzthelferin, 65):

  • Jan Brandt: „Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt“ (Link)
  • Kübra Gümüşay: „Sprache und Sein“ (Link)
  • Gertrude Pressburger: „Gelebt, erlebt, überlebt“ (Link)
  • Barry Jonsberg: „Was so in mir steckt“ (Link)
  • Anna Woltz: „Für immer Alaska“ (Link)
  • Marie Luise Lehner: „Fliegenpilze aus Kork“ (Link)
  • Katya Balen: „Mein Bruder und ich und das ganze Universum“ (Link)
  • Dagmar Fohl: „Frieda“ (Link)
  • Roy Peter Clark: „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ (Link)
  • Minna Ritysalo: „Lempi, das heißt Liebe“ (Link)
  • Sandra Hoffmann: „Das Leben spielt hier“ (Link)
  • Richard Flanagan: „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ (Link)

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mein Bruder – Mechatroniker, 35:

  • Noelle Stevenson: „Nimona“ (Comic, Link)
  • Sebastian Haffner: „Die Geschichte eines Deutschen“ (Link)
  • Emmanuel Guibert: „Alans Krieg“ (Comic, Link)
  • Jen Yates: „Cake Wrecks. When professional Cakes go hilariously wrong“ (Bildband, Link)

Ingenieur, 36:

  • Brian Wood: „Brigg’s Land“, Band 1 und 2 (Comic, Link)

Bankkaufmann, 39:

  • John Cowper Powys: „Glastonbury Romance“ (Link)

Kunstpädagoge, 40:

  • Scott McCloud: „Der Bildhauer“ (Comic, Link)
  • George Takei: „They Called Us Enemy. Eine Kindheit im Internierungslager“ (Comic, Link)

Mathe- und Sportlehrer, 40:

  • Stewart O’Nan: „Die Speed-Queen“ (Link)
  • Emmanuel Guibert: „Alans Krieg“ (Comic, Link)

mein Vater, Mechatroniker, 64:

  • Tim Winton: „Inselleben. Mein Australien“ (Link)
  • Dieter Alfter, Wolfgang Warnecke: „Bad Pyrmont in den Fünfziger und Sechziger Jahren“ (Bildband, Link)

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mein Partner und ich wohnen zusammen – und ich kaufe/schenke ihm fast nie Bücher: Er liest meine Ausgaben mit, statt sich ein eigenes, zweites Exemplar zu holen.

Freund M., Florist, 39:

  • Irene Hunt: „Rosen für Robin“ (Jugendbuch, Link)
  • Tine Hoeg: „Neue Reisende“ (Link)
  • Julius Thesing: „You don’t look gay“ (illustrierter Essay, Link)
  • R.C. Sherriff: „Das neue Leben. Oder: Das Haus mit der grünen Gartentür“ (Greengates, Link)

seine Eltern, 60+:

  • Stewart O’Nan: „Das Glück der anderen“ (Link)
  • Tove Jansson: „Das Sommerbuch“ (Link)

2019/2020: LIEBLINGSSONGS / PERSÖNLICHER SOUNDTRACK (JAHR 23)

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I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 23‘, October 2019 to October 2020.

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  • Faouzia – Exothermic
  • Whissell – Legs Crossed
  • Blanco White – Colder Heavens
  • Chris Gethard & Mal Blum – Crying at the Wawa
  • Hello Saferide – Dad told me
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  • Laura Mvula – Father Father
  • Foreign Fields – Terrible Times
  • Roxette – Lucky
  • Dermot Kennedy – All my Friends (Soft Light Sessions)
  • Fires at Night – Forget Gravity
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  • Zaheer Iqbal u.a. – Bumro
  • Sunny Deol u.a. – Ho Jaa Awara
  • A. Rahman u.a. – Hosanna
  • Yash u.a. – Dheera Dheera
  • Vaibhav Bundhoo – Our own to repair
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  • Hundred Waters – Blanket me
  • Night Flight – Departure
  • Findlay Brown – Call it what you want
  • Counting Crows – August and everything after
  • Mesadorn – One of my Friends

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Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

Faouzia – Exothermic

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Whissell – Legs Crossed

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Blanco White – Colder Heavens

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Chris Gethard & Mal Blum – Crying at the Wawa

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Hello Saferide – Dad told me

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Laura Mvula – Father Father

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Foreign Fields – Terrible Times

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Roxette – Lucky

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Dermot Kennedy – All my Friends

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Fires at Night – Forget Gravity

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Zaheer Iqbal u.a. – Bumro

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Sunny Deol u.a. – Ho Jaa Awara

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A. Rahman u.a. – Hosanna

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Yash u.a. – Dheera Dheera

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Vaibhav Bundhoo – Our own to repair

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Hundred Waters – Blanket me

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Night Flight – Departure

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Findlay Brown – Call it what you want

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Counting Crows – August and everything after

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Mesadorn – One of my Friends

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related Links;

Comic-Salon Erlangen 2020: #csedigital

thomas wellmann

Thomas Wellmanns „Pimo & Rex: The Interdimensional Wedding“

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am Montag, 13. Juli 2020, sprach ich als Gast bei Deutschlandfunk Kultur über den Comic-Salon Erlangen 2020: das Gespräch ist hier im Link (6 Minuten).

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„Wie hier die Comic-Kultur hochgehalten wird!“

Der Comic-Salon Erlangen 2020 als Video-Dauerausstellung im Netz

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Seit 1984 feiert Erlangen alle zwei Jahre den „Internationalen Comic-Salon“: ein Wochenende voller Panels, Künstler*innengesprächen, Lesungen für Fans und Fachbesucher*innen. Auch die wichtigste deutschsprachige Auszeichnung für Comics, der Max-und-Moritz-Preis, wird in zuletzt neun Kategorien vergeben.

Für Juni 2020 war der 19. Comic-Salon geplant. Statt die Preisverleihung und den Salon auf den Herbst oder auf 2021 zu schieben, wurde beides in Netz verlegt: Auf der offenen, dauerhaften Gratis-Plattform „Der Digitale Comic-Salon“ sammelt eine Redaktion Links, Kunst, Videos, Podcasts und Texte. Die Plattform versucht, statt Livestreams und Event-Charakter ein besonders nachhaltiges, zugängliches, niedrigschwelliges Portfolio zu schaffen – eine Schatztruhe der Comic-Kultur, ohne Schloss und auch nach Wochen, Monaten noch erweiter- und durchsuchbar.

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max moritz brot

Eröffnet wurde die Plattform mit der Max-und-Moritz-Preisverleihung 2020, moderiert von Hella von Sinnen, als Live-Video (und jederzeit auf der Website oder auf Youtube nachholbar). Als bester internationaler Comic wurde Emil Ferris‘ „Am liebsten mag ich Monster“ ausgezeichnet, bestes deutschsprachiges Werk war Mikael Roes‘ Inklusions-Comic „Der Umfall“, viele feministische Arbeiten von u.a. Lisa Frühbeis, Julia Bernhard, Anna Haifisch überzeugten die Fachjury; der Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk ging an Anke Feuchtenberger. Erkennbar viel Arbeit floss in professionelle Einspiel-Filmen zu allen neun Preisträger*innen, kurze Interviews und viele Kurzvideos aller nominierten Werke, kompetent kommentiert.

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Wer Programmpunkte und Live-Videos nachholen will, streift am besten – auch auf Youtube, Instagram, Twitter, Facebook – durch den Hashtag #csedigital . Via Zoom und Skype sprachen Expert*innen im Lauf des Wochenendes über u.a. Förderung marginalisierter Stimmen durch den GINCO-Award, Klein- und Großverlage in Zeiten von Corona, queere und kollaborative Cartoon-Projekte und – ein Dreiergespräch mit viel Biss und Schwung – feministische Comics. Auch die Diskussionsrunde „Comics gegen Rechts“ machte Expertise, Engagement und Leidenschaft sichtbar.

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Sehenswerte kurze Videos über Arbeitsprozesse, Poetik und künstlerisches Handwerk sammelt der Instagram-Account „Art & Zines & Comics“, @artzicomics. Während die Kamera den Zeichentisch filmt, sprechen Barbara Yelin, Nino Paula Bulling und Nando von Arb über Umwege, Entscheidungen, Kreativität. Neben vielen Lesungen von Kindercomics (einzelne Bilder werden abgefilmt, vergrößert und zum Teil animiert; verstellte Stimmen arbeiten die Sprechblasen ab) machten mir vor allem drei „Comic-Lesungen“ und -Werkschauen Lust auf mehr:

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Der Dokumentarcomic „Bruchlinien“ über die Morde und den Prozess gegen den NSU (Anne König, Nino Paula Bulling), die 600seitige Alltags-Graphic-Novel „Bei mir zuhause“ (Paulina Stulin) und der Kinder-Comic „Pimo & Rex: The interdimensional Wedding“, in dem eine gleichgeschlechtliche Hochzeit in einer Fantasy-Welt charmant alltäglich aus dem Ruder läuft (Thomas Wellmann, ab Minute 8).

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Zum Schluss zwei sperrige Empfehlungen: David Füleki, Kleinverleger und Manga-Künstler aus dem Erzgebirge, spricht in einem flapsigen 2-Stunden-Podcast mit u.a. Künstlerin Lisa Rau über die deutsche Fan- und Messe-Szene und palavert sich charmant um Kopf und Kragen („Dann dachten alle, ich wollte eine Messe namens ‚Corona-Con‘ organisieren!“). Dass 2020 kein Comic-Salon in Erlangen stattfindet, trifft Füleki auch, weil „in Erlangen die Comic-Kultur besonders hochgehalten wird.“

Fürs Gastland Kanada spricht Journalist Lars von Törne mit SETH, einem Illustrator und Comickünstler Ende 50, der pointiert konservativ, knöchern, trocken auftritt. Erst nach der Hälfte des fast einstündigen Gesprächs wurde mir klar, mit welcher Begeisterung hier ein Ausnahmekünstler über seine Lebenswerke spricht – unter anderem über eine ganze fiktive Stadt, die er in Papp- und Karton-Modellen erbaut:

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Trotz aller Euphorie, Idealismus und viel Solidarität sehe ich es als wichtiges Zeichen, dass Birte Förster direkt vor dem Comic-Salon im Tagesspiegel eine große Recherche veröffentlichte, in der Betroffene von sexueller Gewalt und Rassismen über die strukturelle Gewalt berichten, die ihnen in der deutschsprachigen Comic-Szene begegnete: „Ich dachte, ich darf das“.

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