Autor: stefanmesch

Writer. Book Critic. Journalist.

#FridaysForFuture als Dystopie: Lukas Jüligers Comic „Unfollow“

Jüliger Unfollow

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Bei Deutschlandfunk Kultur stelle ich ca. fünfmal im Jahr Comics vor – zuletzt Lukas Jüligers „Unfollow“. Im Link: ein 5-Minuten-Gespräch mit mir, zum Nachhören.

Im Blog: eine Kurzrezension.

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Hipster gegen Greta Thunberg

Lukas Jüligers perfider Comic „Unfollow“ stellt Netz- und Öko-Utopien auf den Kopf

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Elegant, detailverliebt, dräuend, hyper-stimmungsvoll: Lukas Jüliger, geboren 1988, gilt seit dem surrealen Debüt-Comic „Vakuum“ (2013, Empfehlung!) als Künstler, dessen Bild- und Erzählwelten als extra-frisch, smooth, zeitgemäß, entstaubt auffallen wollen.

Bei Jüliger wird gestreamt, gecodet. Verhashtagt! Und keine einzige der smart frisierten, hohläugig-kindlichen Figuren würde rufen: „Smooth? Hashtag? Sprachverfall! Geht das nicht besser in einer Sprache, wie sie vor 60 Jahren gesprochen wurde?“ Jüliger macht Comics fürs Jetzt, in denen Technik, Outfits, Architektur und Themen erkennbar modisch, gegenwärtig Eindruck machen. I like!

Als dunkle Utopie (oder cozy Dystopie?) fragt „Unfollow“ nach Visionen, Protest, Nachhaltigkeit, Macht… und nach der Vorbildfunktion von Bloggerinnen, Influencern: Können Youtube-Tutorials die Welt ändern? Retten? In einem Waisenhaus findet ein Junge, der sich „Earthboi“ nennt, eine erste Gefolgschaft. Seine Fans erzählen als recht gesichtsloses, kollektives „Wir“ auf 160 Seiten ohne Sprechblasen, in oft religiöser, salbungsvoll-satirischer Sprache vom Aufstieg und dem (schlimmen?) Ende einer globalen Öko- und Jugendbewegung. Earthboi züchtet Pilze und Sporen. Teilt Smoothie-Rezepte und Umwelt-Hacks. Wird als Selbstversorger zur messianischen Figur und versucht, die Menschheit zu lehren, wieder in Einklang mit der Natur zu leben.

Ist „Unfollow“ wirklich modern, gegenwärtig – oder doch vor allem eine satirische Überspitzung von allem, was Greenwashing- und Lifestyle-Kitsch-Kampagnen „modern“ verkaufen? Würde dem Comic das Ende fehlen, ich wäre fasziniert und eingenommen. Denn die abgeschmackten, ekelhaft phraselnden Worte von Earthbois Followern scheinen zunehmend ironisch gemeint. Wie „rebellisch“, innovativ soll ich eine Figur finden, die via Instagram empfiehlt „Geht in den Wald, riecht an Tieren und findet euer Spirit Animal“? Warum wird über die einzige (schnarchbanale) Frauenrolle geredet, wie sexistische Beatles-Fans vor 50 Jahren über Yoko Ono schimpften? „Die Verbindung zu Yuu nahm Earthbois ganzes Bewusstsein ein“, „Es war unerträglich“, „Ihre Liebe hatte seinen Geist geöffnet und zugleich eingesperrt“.

Die feinen Bleistiftzeichnungen, die liebevolle Ausstattung, die großen, stilsicheren Panels (meist dominiert ein einzige Grundfarbe, seitenlang) lassen mich staunen. Der Plot aber wird fast gehässig plump, eindimensional: eine zynische Sackgasse. Earthboi hat eine App, die maßlos erfolgreich wird. Doch er hat keine Antworten darauf, wie die Menschheit überleben kann, ohne, den Planeten auszubeuten: Je klarer wird, dass die Figur keine Lösung bietet, desto mehr fällt auf, wie viele ähnliche Geschichten schon seit Jahrzehnten in ähnlichen Bildern ähnlich eskalierten. Die Hippie-Kommune aus Alex Garlands „The Beach“, Tyler Durdens toxischer „Fight Club“-Nihilismus, Fortschritt-gegen-Ursprünglichkeits-Zwickmühlen wie aus „Prinzessin Mononoke“.

Earthboi selbst ist keine Person, sondern Beobachter und Projektionsfläche – die hipstergewordene Natur. Die Pointe, der müde Seufzer am Ende von „Unfollow“ („Oder muss die ganze Menschheit überwunden werden?“) wurde schon zigmal mit Aliens („Der Mann, der vom Himmel fiel“), künstlichen Intelligenzen („her“) und Nicole Kidman („Dogville“) durchgespielt. Nur wenig, das sich solche Mühen gibt, neu zu wirken, erinnert mich am Ende an so viel altes Zeug! Und während all der Zeit, als Greta Thunberg viel komplexere globale Dialoge, Politik los trat, saß Jüliger leider schon an finalen Zeichnungen: „Unfollow“ nahm Öko-Netz-Jugend-Bewegungen zwar vorweg. Doch leider, bei aller gewollten Trendiness: viel flacher, leerer, gestriger. Ein grantiger Comic – stilvoll, aber witzlos.

Lukas Jüliger: „Unfollow“

Berlin – als literarische Stadt

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Im Frühling 2018 wurde ich eingeladen, einen kurzen Text zu schreiben, was mir Berlin als Literatur-Ort bwz. als „Das kenne ich aus Büchern!“-Ort bedeutet.

Im Januar 2020 erklärten die Herausgeberinnen, dass sie das Projekt nicht drucken, verwirklichen konnten – deshalb hier, kurz im Blog:

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Psychogeografie: Berlin

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1_Fast alle Orte, an denen ich eine Weile leben will, wurden für mich zu solchen Orten, als ich Texte, Filme, Serien, Geschichten fand, die mir den Alltag dort zeigten.

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2_Psychogeografie heißt: Geschichte und Orte verbinden; Geschichten über Landkarten, Fußwege, Routen legen. Flanieren, Städte lesen, im Gehen Neues knüpfen. Aufschreiben, festhalten, wem welche Wege was bedeuten. Wo sich Plätze mit persönlichen Bedeutungen aufladen. An welchen Punkten eines Orts sich Lesarten, Privatmythologien überlagern, widersprechen.

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3_Im Jahr, als ich mir eine Stadt fürs Studium suchte (2003), war Berlin für mich:

„Berlin Alexanderplatz“ | „Lola rennt“ | „Helden wie wir“ | „Shadowrun: Deutschland in den Schatten“ | „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ | „Berlin, Berlin“ | „Götterdämmerung: Morgen stirbt Berlin“ | „Sonnenallee“ | „Confessions of a dangerous Mind“ | „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ | John Harris‘ „Vaterland“ | „Aimee & Jaguar“ | „Good Bye, Lenin!“ | „Edel & Starck“

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4_Mit 13 (1996) war ich auf einer Star-Trek-Convention im Neuköllner Hotel Estrel. Ich erinnere mich an den Flughafen Tegel; den Alexanderplatz; eine grelle, schäbige Revue im Friedrichstadtpalast; Baustellen. Nach der Schule bewarb ich mich an der HFF Potsdam, doch fiel durchs Eignungsgespräch. Eine etwas hämische Freundin sammelte mir nach der Absage Berlin-Fotos und schenkte eine Collage namens „Zimmer-Berlin“: „Wie bei Zimmer-Pflanze! So siehst du Berlin trotzdem.“

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5_Ich studierte in Hildesheim: zweieinhalb Stunden westlich. Für Lesungen, Seminare, Verlagsbesuche musste ich hin und wieder nach Berlin. 2012 sagte ich: „Ich werde mit der Stadt nicht warm.“ Ein Freund warf ein: „Vielleicht kennst du sie nur noch nicht?“ Ich stimmte zu: „Ich war erst 13 oder 14 Mal da.“ Dann merkte ich: 13, 14 Wochenenden? Reicht das nicht, um zu sagen: Berlin ist nichts für mich?

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6_Für mich heißt jeder neue Ort: Romane, Filme, Serien finden, die dort spielen. Weil ich ein Gefühl für Stimmungen, Städte, Orte brauche. Viel mehr aber, weil ich die Stadt ernst nehme, ganz anders genieße, sobald ich das Gefühl, die Stimmungen, die mir solche Geschichten vermitteln, im Alltag mitdenken, über alle Routen legen kann.

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7_Seit 2014 lebe ich in Berlin. Berlin ist heute für mich:

Stephanie Barts „Deutscher Meister“ | Anna Funders „Stasiland“ |  „Das Leben der anderen“ | Erich Kästners „Emil und die Detektive“ | Tim Staffels „Rauhfaser“ | Katrin Bongards „Subway Sound“ | Christopher Isherwoods autobiografische Texte | Anonymas „Eine Frau in Berlin“ | Terézia Moras „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ | „Die Bourne Verschwörung“ | Sven Regeners „Herr Lehmann“ |  „Eichwald MdB“ | Ariel Magnus‘ „Zwei lange Unterhosen der Marke Hering“ | Kirsten Fuchs‘ „Die Titanic und Herr Berg“ | William Gibsons „Arkangel“ | Jenny Erpenbecks „Heimsuchung“ | Sebastian Haffners „Die Geschichte eines Deutschen“ | Mawils „Kinderland“ | Christian Kracht u.a.s „Tristesse Royale“ | OLs „Die Mütter vom Kollwitzplatz“ | „Verliebt in Berlin“ | Anke Stellings „Bodentiefe Fenster“ und Stellings noch-viel-besseres „Erna und die drei Wahrheiten“ […und, Ende 2018: die tolle Daily Soap „Alles oder Nichts“]

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8_Viele Orte wurden nur Sehnsuchtsorte für mich, weil ich Geschichten las oder sah, die dort spielten: New York, Tokio, Hong Kong. Nizza, Glastonbury, Wilmington. Pforzheim sogar, seit einem Übersetzungsprojekt. Ich denke bei Düsseldorf an „Verbotene Liebe“. Ich hasse in Essen, dass dort zwar „Alles was zählt“ spielen soll, doch durch die Drehs in Köln kaum was zu Essen vermittelt. Ich war enttäuscht, als ich einen Bekannten aus Darmstadt, Mitte 20, fragte, wie prägend für ihn „Diese Drombuschs“ waren… und er die Serie (1983 bis 94) nicht kannte.

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9_2009 bis 2013 lebte ich drei Monate pro Jahr in Toronto. Mir half jeder Schnipsel Narration, Geschichte, die Stadt als etwas Besonderes zu sehen: Comics von Jeff Lemire; „Scott Pilgrim“. Romane von Margaret Atwood, Nino Ricci, Cory Doctorow. Ich suchte „Toronto“ unter den Keywords und Filming Locations der IMdB. Als Amazon-Tag und als Ortsangabe bei Goodreads. In Städten schlage ich bei Wikipedia nach, wer dort geboren wurde, schrieb, erzählte. Ich erklärte mir Toronto, indem ich mit- und nachlas, wie Torontos Stadtplanungs-, Zoning- und Flaneur-Expert*innen auf Reddit, Flickr, Twitter und in eigenen Magazinen wie „Spacing“ darüber stritten, wer die Stadt erzählt.

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10_Lebenswerte Städte, schreibt Shawn Micallef in „Stroll. Psychogeographic Walking Tours of Toronto“ (2010), brauchen Density: Dichte. Interessante, abwechslungsreiche Ziele und Soziotope in der Stadt müssen so fußläufig wie möglich erreichbar und verknüpft sein. Darum liebe ich Venedig – eine Stadt, so eng und schnell wie in einem Videospiel. Und darum schwächt, nervt und ermüdet mich Berlin: Jede Strecke hier kostet mich 40 Minuten. Wurden die Alleen im Berliner Osten, perfekt für Panzer und sozialistische Paraden, entworfen, damit sich einzelne Fußgänger möglichst verloren, klein, unwichtig fühlen?

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11_Auf meiner Bald-Sehen-, Bald-Lesen-Liste für Berlin stehen:

Walter Benjamins „Berliner Kindheit um 1900“ |  „Berlin Station“ | „Im Angesicht der Verbrechens“ | Hans Falladas Romane | Christiane F. | „Eins, zwei, drei“ | „Menschen am Sonntag“ | „Der Tunnel“ | „Cabaret“ | „Homeland“ | „Sense8“ | „Victoria“ | Susanne Gogas „Es geschah in Schöneberg“ | John Henry Mackays „The Hustler“ | „Taxi zum Klo“ | „Atomic Blonde“ | I.J. Singers „Die Familie Karnovski“ | „Sommersturm“ | „Sommer vorm Balkon“ | „Nix Festes“ | Klaus Kordons „Krokodil im Nacken“ | Erich Maria Remarques „Drei Kameraden“ | William L. Shirers Tagebuch | Erich Kästners „Fabian“ | „Bridge of Spies“ | Deniz Utlus „Die Ungehaltenen“ | Alexandra Richies „Faust’s Metropolis“ | Jason Lutes‘ „Berlin“ | Lion Feuchtwangers „Die Geschwister Oppermann“ | „Dogs of Berlin“ | Felix Denks „Der Klang der Familie“ | Charlotte von Mahlsdorfs „Ich bin meine eigene Frau“

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12_Kanadischen Bekannten, fasziniert von Berlin, schenke ich Anna Funders „Stasiland“ oder die Alltags-Doku „24 h Berlin: Ein Tag im Leben“. Deutschen Teenagern, die Klassenfahrten planen, Katrin Bongards „Subway Sound“.

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13_Fast alle frühen Romane Nabokovs spielen in Berlin: In den 1920ern lebten russische Emigrant*innen meist um den Nollendorfplatz. 2006 fuhr ich an die Cornell University, an der Nabokov später unterrichtete, „Lolita“ schrieb. Cornell und die Romane brachte ich im Kopf gut zusammen. Beim Nollendorfplatz aber scheitere ich: Ich sehe heute nur ein reiches Viertel für ältere Schwule. Ich sehe kaum Bezug zu 1920.

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14_Die Ecken Berlins, mit denen ich am meisten assoziiere, stammen heute nicht mehr aus Filmen, Büchern. Sondern aus Instagram- und Facebook-Accounts: „Britz? Da steht Johannes‘ Reihenhaus!“, „Bürgerpark Pankow? Christians Viertel!“ Berlin setzt sich für mich aus Texten, Gescichten zusammen. Viel mehr aber aus Social-Media-Splittern. Pokemon-Go-Spaziergängen. Restaurants, gefunden auf Yelp.

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15_Und Buchläden – die ich weniger zum Bücherkauf brauche. Als dazu, selbst Fotos zu machen, für meine eigenen Social-Media-Accounts: Die digitalen Orte, an denen wir uns gegenseitig erzählen, was uns welche Orte und Städte bedeuten.

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Spanische Literatur: die besten Bücher aus und über Spanien – Gastland / Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2021

Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Literatur, Buchtipps klein

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2021 wird Spanien Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse:

Ich bin Kritiker – und sortierte und las in ca. 700 Bücher aus und über Spanien. Heute im Blog:

Literatur auf Spanisch, Katalanisch, Galizisch und Baskisch, auf Deutsch nicht erhältlich oder vergriffen.

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Gastland 2018: Georgien. Buchtipps | Artikel: Spiegel Online | Pressereise

Gastland 2019: Norwegen. Buchtipps 1 | Buchtipps 2 | Pressereise | Buchtipps Herbst 19

Gastland 2020: Kanada. Neue & vergessene Bücher

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01 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Spanische Literatur Irene Sola, Xavier Mars Graviotto

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Irene Solà: Canto jo i la muntanya balla

„Zuerst gibt es den Sturm und den Blitz und den Tod von Domènec, dem Bauerndichter. Dann die Dolceta, die nicht aufhören kann zu lachen, während sie die Geschichten der vier Frauen erzählt, die von Hexen aufgehängt werden. Erinnerung an Jahrhunderte des Überlebenskampfs, an Verfolgungen, von Unwissenheit und Fanatismus angeführt, an Bruderkriege.“ (2019)

Irene Solà: Els dics

„Die fragmentierte Erzählung, der poetische Ton, die sorgfältige und bewegliche Prosa, die Originalität der verschiedenen Ebenen des Lesens und der Stimmen, die ländliche Welt: Da ist Ada. Da ist die dunkle Erde, wie ein offener Mund. Da ist Pater Ballador in einem Traktor. Und da sind die Worte und die Geschichten und die Dinge, die man schreibt, die man erzählt, die man sagt oder hört oder denkt oder kennt oder fühlt oder erfindet oder nimmt, wie ein Fluss aus schnellem, kaltem Wasser und Frühling.“ (2019)

Xavier Mas Craviotto: La mort lenta

„Stellen Sie sich Aram vor, der eine ganze Welt voller Schatten und Abgründe hat. Stellen Sie sich Lena vor, die zeigt, dass sie stark ist. Stellen Sie sich einen geraden Waldweg voller Nebel vor. Stellen Sie sich die Bäume auf den Gehwegen vor, mit dicken Wurzeln wie Tentakeln. Stellen Sie sich einen Balkon vor, wie einen offenen Mund in der Stadt. Stellen Sie sich das Leben vor, wenn es stecken bleibt und wir bekommen Schlamm unter unseren Füßen. Stellen Sie sich den Tod vor, der flüssig wie Wasser ist und langsam durch die Risse von Schuld und Angst navigiert.“ (2018)

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02 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Spanische Literatur Elvira Sastre, Elisa Victoria, Albert Espinosa

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Elvira Sastre: Días sin ti

„Tage ohne dich: Eine Geschichte der Mitschuld im Laufe der Zeit, die einer Großmutter und ihres Enkels. Dora, eine Lehrerin aus der Zeit der Republik, erzählt Gael, ihrem Bildhauer-Enkel, die Geschichte, die sie zu der machte, der sie ist. Wir alle müssen irgendwann verstehen, dass Leben und Liebe erhaben sind, gerade weil sie ein Ende haben.“ (2019)

Elisa Victoria: Vozdevieja

„Sie ist neun Jahre alt. Sie heißt Marina, doch in der Schule heißt sie Vozdevieja. In diesem Sommer in Sevilla, dem ersten nach der Expo von 92, ist es so lang und so trocken, dass sie nicht weiß, ob sie weinen oder lachen soll. Ob sie möchte, dass sich alles ändert oder alles gleich bleibt. Weil sie immer noch mit Chabel-Puppen spielt, sich aber bereits Zeitschriften für Erwachsene ansieht. Weil ihre Mutter krank ist. Weil jeder, auch ihr Vater, darauf besteht, zu verschwinden. Ihre beste Freundin ist ihre Großmutter, die sie kämmt, sich die Nägel wie Skorpione schneiden lässt, ihr von ihrer Liebe zu Felipe González erzählt, ihre Blumenkleider näht. Diese Kleider stören sie so sehr, als wären sie Sandpapier. Eine einzigartige Stimme, zärtlich, lyrisch und witzig.“ (2019)

Albert Espinosa: Lo mejor de ir es volver

„Eine schöne Geschichte über Erinnerungen, Vergebung und Liebe, die am 23. April, dem Tag des Buches und der Rosen, zwischen der Stadt Barcelona und den Inseln Ischia und Menorca stattfindet. Viele, viele Jahre sind vergangen und es gibt bereits andere bewohnbare Planeten und Roboter leben mit Menschen. Menschen, die 100 Jahre alt werden, haben die Möglichkeit, ein „künstliches Karma“ auszuüben, das es ihnen ermöglicht, sich an jemandem aus ihrer Vergangenheit zu rächen, der sie verletzte.“ (2019)

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03 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Spanische Literatur Julia Coria, Lucia Baskaran, Jose Ignacio Carnero

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Julia Coria: Todo nos sale bien

„‚Alles klappt gut‘ ist ein autobiografischer Roman, in dem Fürsorge, Liebe und Mut miteinander verwoben sind und sich Familienmitglieder angesichts der Diagnose von Fabian unterstützen. Julia hält jedes Stadium der Krankheit, Krebs im Endstadium, in einem Notizbuch fest, zusammen mit schönen Erinnerungen an ihre Liebe zu Fabian: das erste Treffen an der Fakultät für Sozialwissenschaften, die Liebeserklärung, die Ankunft von Kindern, Reisen, Projekte.“ (2019)

Lucía Baskaran: Cuerpos malditos

„Martín ist vor über einem Jahr gestorben und Alicia stellt immer wieder diese Fragen, gequält von der Erinnerung, wer ihr Verlobter war. Sie ist kaum achtundzwanzig und bereits WitweEin kurzer und rauer Roman darüber, wie Verluste uns verwandeln. Die Geschichte einer Frau, die versucht, ihr Leben wieder aufzubauen, während sie in die Vergangenheit eintaucht, um die Gründe für ihr Unglück zu entschlüsseln: eine Jugend, die durch das Auftreten von Gewalt und die Wunden der ersten Liebe gekennzeichnet ist.“ (2019)

José Ignacio Carnero: Ama

„Prekarität, Herzschmerz oder Trauer: «Unsere Eltern haben uns auf eine konzertierte Schule und dann auf eine private Universität geschickt, ohne genau zu wissen, warum. Sie gaben uns in die Hände von Zauberern, die die Geheimnisse des Erfolgs kannten. Auf diese Weise haben sie im Vertrauen auf eine Alchemie, die sie nicht kannten, ihr Leben gerettet und uns immer den gleichen Satz eingehämmert: Wir würden nichts erben, außer den Studien, die sie uns bezahlt haben.» Der Titel dieses Buches bezieht sich auf das baskische Wort für  die „Mutter“ bedeutet und auch für die dritte Person Singular des Verbs „Lieben“, und genau an dieser Kreuzung zeigt José Ignacio Carnero eine elegante Schönheitserzählung über die Krankheit eines geliebten Menschen und die erfüllten und unerfüllten Erwartungen einer ganzen Generation.“(2019)

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04 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Spanische Literatur Xavier Bosch, Eva Baltasar, Alejandro Palomas

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Xavier Bosch: Palabras que tú entenderás

„Mara Lincoln, eine unermüdliche Abenteurerin, organisiert exklusive Reisen für ihre Kunden. Der erfolgreiche Architekt Xavi Vera wird beauftragt, das Haus seines Lebens zu entwerfen. Es ist Silvester, und Mara und Xavi, die ein Paar sind, wollen in einem Hotel in den Schweizer Alpen aufs neue Jahr anzustoßen: Die sechs lachen, spielen und sind glücklich, aber nichts ist jemals so, wie es scheint. „Wörter, die Sie verstehen werden“ ist ein scharfes Porträt des Zusammenlebens. Ein Roman, der Beziehungen erforscht: Mit einer Kombination aus Zärtlichkeit und Ironie, Nostalgie und Schönheitssuche schaffen es diese sechs Charaktere, unsere Seele zu berühren.“

Eva Baltasar: Permagel

„Permafrost ist der Teil der Erde, der niemals schmilzt. Die Außenwelt ist bedrohlich: Sie müssen es wagen, die Familienzelle zu verlassen, nicht auf die gesundheitsbesessene Mutter, die glücksbesessene Schwester zu hören. Sammeln Sie Kraft – ficken Sie und lesen Sie. Die lesbische Stimme, die das Buch enthält, ist nichts weiter als feministisch. Nur wenige Werke wissen, wie das bedeutet, in einem Körper mit einer Muschi zu leben – ein rechtmäßiges Wort in einer grausam eleganten Prosa.“

Alejandro Palomas: Un amor

„24 Stunden. Eine Hochzeit, alles läuft gut. Ein Anruf, alles läuft schief. Das kleine Familienuniversum von Amalia und ihren drei Kindern Silvia, Emma und Fer. Emma heiratet und jeder wird in die Aufgaben und Strudel der Organisation gezogen. 24 Stunden emotionale Beschleunigung, die jedes einzelne Familienmitglied auf die Probe stellt.“

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05 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Spanische Literatur Isaac Rosa, Maria Bastaros, Santiago Lorenzo

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Isaac Rosa: Feliz final

„Dieser Roman rekonstruiert eine große Liebe, beginnend mit ihrem Ende, die Geschichte eines Paares, das sich wie so viele verliebte, eine Illusion lebte, Kinder hatte und gegen alles kämpfte – gegen sich selbst und gegen die Elemente: Unsicherheit, Eifersucht. Wenn die Liebe endet, stellen sich die Fragen: Wo hat sich alles verdreht und wie sind wir so gelandet? Jede Liebe ist eine umstrittene Geschichte, deren Protagonisten ihre Stimmen kreuzen, sich über die Ursachen nicht einig sind. Das Buch ist eine unerbittliche Autopsie Ihrer Wünsche, Erwartungen und Fehler.“

María Bastarós: Historia de España contada a las niñas

„Die Geschichte Spaniens, erzählt als Broschüre, Bauerndrama und Kioskliteratur, in Form eines korrosiven, polyphonen und lebendigen Kidnappings: Rohypnol, Matriarchate, herzlose Galeristen, Online-Communities magersüchtiger Teenager und UFO-Auftritte prägen einen aus Fetzen bestehenden Chorroman, eine skrupellose Geschichte.“

Santiago Lorenzo: Los asquerosos

„Manuel ersticht einen Bereitschaftspolizisten, läuft weg, versteckt sich in einem verlassenen Dorf: ein kleiner Einkauf im Lidl. Und er erkennt, dass er umso weniger braucht, je weniger er hat. Ein statischer Thriller, eine Version von Robinson Crusoe im leeren Spanien. Eine Geschichte, bei der wir uns fragen, ob nur diejenigen gesund sind, die wissen, dass diese Gesellschaft krank ist.“

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06 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Spanische Literatur Toni Hill, Andres Barba, Elis Riera

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Toni Hill: Tigres de cristal

„In den späten 70er Jahren waren Víctor Yagüe und Juanpe Zamora mehr als nur Klassenkameraden. Ihre Freundschaft, voll von Selbstvertrauen und Spielen, überschritt die Wände des Klassenzimmers und breitete sich in den unruhigen Straßen der Satellitenstadt aus. Siebenunddreißig Jahre später treffen sich beide wieder: Juanpe ist ohne Zukunft; Victor kann jedoch als Sieger gewertet werden. Vielleicht fühlt er sich deswegen seinem alten Freund gegenüber seltsam verschuldet.“

Andrés Barba: República luminosa

„Das Erscheinen von 32 gewalttätigen Kindern unbekannter Herkunft stört das Leben von San Cristóbal, einer kleinen tropischen Stadt zwischen Dschungel und Fluss, völlig. Zwanzig Jahre später schreibt einer seiner Protagonisten eine Chronik aus Fakten, Beweisen und Gerüchten darüber, wie die Kinder die Stadt einnahmen.“

Elisabet Riera: Llum

„Eine reife Frau flieht vor einer sentimentalen Pause und kehrt in die Stadt zurück, in der sie geboren und aufgewachsen ist. Night, ihr Hund, begleitet sie. Die Metallschale des Vaters, sein Gebetbuch, die an der Küchenwand hängende Schürze, das Foto der abwesenden Mutter, Can Tomitxo und seine riesige Linde, die Einsiedelei von Santa Magdalena, der Strand. «Licht, Licht: dieser Sommersturm, der alles auslöscht.« Ein zarter und schöner Liebesbrief.“ (2017)

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07 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Spanische Literatur Laura Ferrero, Pepa Roma, Vincenc Pages Jorda

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Laura Ferrero: Qué vas a hacer con el resto de tu vida

„Mit dreißig verlässt Laura ihren Partner und Ibiza, um nach New York zu ziehen. Ihre Jugend war geprägt von ihrem Vater: einem intoleranten Mann; ihre Mutter, die fünf Jahre später verschwand, um zurückzukehren; und Pablo, ihr Bruder, der im Gemälde den Weg findet, um gegen die psychische Krankheit zu kämpfen, an der er leidet. In New York beginnt Laura in einer Redaktion zu arbeiten und besucht Kurse, die Gael, ein mysteriöser Bekannte ihrer Mutter, an der Columbia University unterrichtet. Wer ist Gael? Was weiß er über alles, was in ihrer Familie passiert ist?“ [2017]

Pepa Roma: Una familia imperfecta

„Candida, eine Frau am Rande der 60er Jahre, erzählt in diesem Roman von einer tiefgreifenden lebenswichtigen Krise: Sie ist die älteste Tochter einer wohlhabenden Familie und kehrt in ihre Heimat Barcelona zurück, um ihre Mutter, eine ältere Despotin, in die Residenz zu begleiten, in der sie ihre letzten Lebensmonate verbringen wird. Ein Werk von Frauen, das sich auf diejenigen konzentriert, die Anfang der 50er Jahre noch Krieg und Nachkrieg hatten. Die Ersten, die massiv auf Bildung und Kultur zugegriffen haben, in der Überzeugung, dass dies ihnen helfen würde, sich vor Familiendämonen zu „retten“, Dämonen, die sie früher oder später irgendwann erreichen.“ (2017)

Vicenç Pagès Jordà: Els jugadors de whist

„Jordi wohnt in der Garage eines Reihenhauses, seine Frau benimmt sich wie ein Teenager und seine Tochter steht kurz davor, einen Pelao zu heiraten, der einen Baggerlader fährt. In einer Krise permanenter Identität wollte Jordi Künstler werden, arbeitete aber als Hochzeitsfotograf. Während der Hochzeit seiner Tochter erinnert er sich an die Vergangenheit, die ein Schloss, ein Spiel, einen Tod und eine Nichtpostkarte Empordà umfasst. Jordi sucht einen Ausweg aus seiner Pattsituation, merkt aber nicht, dass es noch schlimmer werden kann.“ (2009)

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08 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Marina Garces, Marta Marin-Domine, Chantal Maillard

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Marina Garcés: Ciutat Princesa

Ciutat Princesa ist ein Bericht aus der ersten Person darüber, wie eine Reihe politischer Erfahrungen zwischen Oktober 1996 und Oktober 2017 erklärt wird, nachdem das Princesa-Kino in Barcelona für das Referendum am 1. Oktober gescheitert ist. Das Fil der Beziehung ist: Welcher Saum Après? Per això is parla des Singular Singular de qui viu i es transforma amb cadascuna de les situaciones recollides i des Plural dels nosaltres que li donen sentit.

Ciutat Princesa ist eine Chronik der Stadt, die eine Vision der sozialen Bewegungen wiedergibt, die mit dem postolympischen Barcelona in den drei europäischen Städten aufwachen und die Proteste und Bewegungen der globalen Mons Fins Avui verbinden werden. Von der Stadtmarke über die neoliberale Globalisierung bis hin zu den schweren Krisen: Wer sind die Kartenviscuts des Widerstands?

Ciutat Princesa ist ein Gedankenangriff, bei dem die philosophischen und politischen Probleme zusätzlich zu den Ideen, die sie kreuzen, die konkreten Erfahrungen vor Ort und die, aus denen sie stammen, erschüttern werden. Das Problem der Nosaltres, die Frage des Engagements, das Verhältnis zwischen politischem Leben und Stadt, die Krise der revolutionären Horitzons usw. werden hier aus der Entwicklung eines Lebens herausgearbeitet, das die Komplizenschaft l’experiència col·lectiva entdeckt Ich bin Amistat.

Marta Marín-Dòmine: Fugir era el més bell que teníem

Die Tochter packt regelmäßig ihre Koffer und reist in ein neues Land, in dem sie sich vielleicht zu Hause fühlt. Aber nein: Ein Instinkt drängt ihn, den sitzenden Lebensstil abzulehnen. Er scheint wegzulaufen. Von was?

Diese Frage wird zu seinem Faden von Ariadne. Im Labyrinth befindet sich ein Vater, den er liebt, und die Vergangenheit – diesmal, als der Vater ein Kind und ein Soldat war und Grenzen überschritt, bevor er in einer Stadt anlegte, die niemals seine sein würde. Die Stadt, in der sie geboren wurde.

Flucht war das Schönste, was wir hatten, eine Hommage an diesen Vater und eine Reise von Barcelona nach Toronto, auf der Suche nach Spuren eines Nomadenlebens. Marta-Marín-Dòmine folgt ihnen mit der Sensibilität eines Jägers und berührt mit ihren Fingern eine beunruhigende Wahrheit: dass die Erinnerungen anderer – was wir Erinnerung nennen – das Land sind, in dem wir leben.

Chantal Maillard: La mujer de pie

Am Ende meines Lebens zähle ich Sonnenaufgänge.

So wenig waren die Gefühle, die verteidigten Theorien, die durchgeführten Handlungen, der Wille, sie zu führen, so wenig.

Ein kleiner, strenger Raum. Kaum nötig. Hinter dem Fenster ein Baum, dessen Äste im Wind flattern. All das Glück, nach dem ich mich in dieser Welt sehnen kann, passt zwischen diesen Baum und meine Augen. Dieser Frieden. Und der Sonnenstrahl, der ein Rechteck aus Licht auf die Baumwolle des Vorhangs zeichnet.

Die stehende Frau ist weder eine Abhandlung noch eine Fiktion. Es ist eine Einladung zuzuhören. Eine Geschichte, die in drei verschiedenen Aufzeichnungen erzählt wurde. Eine Geschichte auf der Suche nach Argumenten. Eine Reflexion über die Krankheit, das Fragment, die Diskontinuität der Wahrnehmung und den illusorischen Glauben an ein Selbst, das der Existenz einen Sinn gibt

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09 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Pablo Gisbert, Adriana Riva, Emilia Pardo Bazan

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Pablo Gisbert: Mierda bonita

Nur 15 Jahre nach Beginn des 21. Jahrhunderts wage ich es, dieses Jahrhundert zu taufen, für den Triumph des Künstlichen, für den Triumph des Falschen, für die Negation von Natur und Instinkt, für die Seligsprechung von Plastik und Plastik Durch die Alchemie von Liebe und Politik in Sex und Geld wage ich es, dieses Jahrhundert, wie ich sage, als das Jahrhundert der hübschen Scheiße zu taufen. »

Adriana Riva: La sal

Nach einem Unfall in ihrer Kindheit untersucht Ema die Beziehung zu ihrer Mutter und steht, schwanger mit ihrem zweiten Kind, vor einer Reise auf der Suche nach Antworten: Wer ist Elena wirklich? Kennst du sie gut genug Ihre Mutter ist weit weg und es gibt einen Bereich, den sie nicht durchqueren kann, egal wie sehr sie es versucht; Das hat sich im Laufe der Jahre nicht geändert.
Adriana Riva hat eine einfache Prosa im Aussehen, ist aber voller präziser Bilder. Sie wiederholt die familiären Bindungen mit bewundernswerter Präzision, nicht ohne Humor und Rohheit, was La Sal zu einem intimen und bewegenden Roman macht.

„Dies ist die Ära der Frauen, und die argentinische Literatur wird von vielen Schriftstellerinnen erneuert. Adriana Riva schreibt mit verbaler Brillanz, schafft wundervolle Bilder und schießt im Herzen von Empathie. Mit diesem zweiten Buch bekräftigt sie zweifellos als sehr persönliche Stimme in dieser Szene. “

Emilia Pardo Bazán: Cuentos

Fast ein Jahrhundert nach ihrem Tod hat Eva Acosta eine brillante Zusammenstellung des Werkes der Gräfin von Pardo Bazán zusammengestellt.
Kritiker sind sich eher einig, dass das Beste seiner Produktion in seinen Geschichten zu finden ist, mutig, modern, makellos. Das Lesen dieser Stücke jetzt und in einem Land, in dem die Geschichte nicht das glücklichste Genre war, ist eine angenehme und unerwartete Überraschung. Weit davon entfernt, gealtert zu sein, scheinen diese Geschichten neues Leben anzunehmen, eine unerwartete Kraft, ein neues Licht. Die Vielfalt der Register, die Liebe zum Detail, die Beherrschung der Technik und die Fähigkeit, den menschlichen Zustand zu entlarven, sind einige der Elemente, die ihnen Zeitlosigkeit verliehen haben. Eva Acosta, Biografin der Gräfin und eine der großen Spezialisten für die Arbeit des Schriftstellers, hat eine strenge Auswahl ihrer besten Geschichten durchgeführt. Fantastisch, detektivisch, realistisch, humorvoll, geheimnisvoll, historisch oder intim,

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10 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Luis Landero, Vicente Molina Foix

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Luis Landero: Hoy, Jupiter

Luis Landero: Lluvia Fina (Deutsch erhältlich, aber vergriffen: „Späte Spiele„)

Vicente Molina Foix: El abrecartas

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11 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Arturo Perez-Reverte

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Arturo Pérez-Reverte: Territorio comanche

Arturo Pérez-Reverte: El tango de la Guardia Vieja

Arturo Pérez-Reverte: Hombres buenos

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12 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Arturo Perez-Reverte, Maria Barbal, Rosa Ribas

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Arturo Pérez-Reverte: Una historia de España

Maria Barbal: Mel i metzines

Rosa Ribas: Pensión Leonardo

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13 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Lluis Llach, Clara Uson

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Lluís Llach: Memòria d’uns ulls pintats

Lluís Llach: El noi del Maravillas

Clara Usón: La hija del Este

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14 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Victor del Arbol, Ramiro Pinilla

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Víctor del Árbol: Antes de los años terribles

Víctor del Árbol: Por encima de la lluvia

Ramiro Pinilla: La tierra convulsa

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15 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Marta Rojals, Javier Perez Andujar, Manuel Baixauli

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Marta Rojals: Primavera, estiu, etcètera

Javier Pérez Andújar: Paseos con mi madre

Manuel Baixauli: L’home manuscrit

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16 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Pablo Gutierez, Jesus Moncada, Juan Manuel de Prada

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Pablo Gutiérrez: Nada es crucial

Jesús Moncada: Estremida memòria

Juan Manuel de Prada: Las máscaras del héroe

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17 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Jose Guillermo Garcia Valdecasas, Juan Marse, Juan Eslava Galan

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José Guillermo García Valdecasas: El huésped del rector

Juan Marsé: Un día volveré

Juan Eslava Galán: En busca del unicornio

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18 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Torrente Ballester, Antonia Vicens, Manuel de Pedrolo

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Gonzalo Torrente Ballester: La saga/fuga de J. B.

Antonia Vicens: 39º a l’ombra [Update: Deutsch erhältlich, im Elfenbein Verlag]

Manuel de Pedrolo: Acte de violència

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19 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Elena Quiroga, Pio Baroja, Luisa Carnes

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Elena Quiroga: Viento del Norte

Pío Baroja: La lucha por la vida

Luisa Carnés: Tea Rooms: Mujeres obreras

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20 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Andreu Martin, Emilia Pardo Bazian, Luis Melero

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Andreu Martín: Prótesis

Emilia Pardo Bazán: Memorias de un solterón

Luis Melero: La desbandá

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20 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Javier Padilla, Marta Rebon, Pablo Martin Sanchez

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Javier Padilla Moreno-Torres: A finales de enero

Marta Rebón: En la ciudad líquida

Pablo Martín Sánchez: El anarquista que se llamaba como yo

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21 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Ramon Sampedro, Manuel Chaves Nogales, Manuel Fernandez Alvarez

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Ramón Sampedro: Cartas desde el infierno

Manuel Chaves Nogales: A sangre y fuego: Héroes, bestias y mártires de España

Manuel Fernández Álvarez: Carlos V: el Cesar y el hombre

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22 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Xose Tarrio Gonzalez, Miguel-Anxo Murado, Chris Pueyo

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Xosé Tarrío González: Huye, hombre, huye. Diario de un preso F.I.E.S.

Miguel-Anxo Murado: La invención del pasado

Chris Pueyo: La Abuela

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23 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - schwule Literatur Chris Peuyo, Carles Rebassa, David Vilaseca

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Chris Pueyo: El chico de las estrellas

Carles Rebassa: Eren ells

David Vilaseca: Els homes i els dies 

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24 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Aixa de la Cruz, Anna Pachecho, Belen Lopez Peiro

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Aixa de la Cruz: Cambiar de idea

Anna Pacheco: Listas, guapas, limpias

Belén López Peiró: Por qué volvías cada verano

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25 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Cristina Morales, Desiree Bela-Lobedde, Nuria Varela

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Cristina Morales: Lectura fácil

Desirée Bela-Lobedde: Ser mujer negra en España

Nuria Varela: Cansadas

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26 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Rosa Berbel, Edurne Portela

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Rosa Berbel: Las niñas siempre dicen la verdad

Edurne Portela: Formas de estar lejos

Edurne Portela: Mejor la ausencia

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27 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Rosa Montero, Brigitte Vasallo

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Rosa Montero: La ridícula idea de no volver a verte

Rosa Montero: Nosotras

Brigitte Vasallo: Pensamiento monógamo terror poliamoroso

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28 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Santiago Posteguillo

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Santiago Posteguillo: La noche en que Frankenstein leyó el Quijote

Santiago Posteguillo: Africanus: El hijo del cónsul

Santiago Posteguillo: Yo, Julia

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29 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Javier Negrete, Marcos Chicot, Dulce Chacon

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Javier Negrete: Roma Victoriosa

Marcos Chicot: El asesinato de Sócrates

Dulce Chacón: La voz dormida

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30 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Jorge Fernandes Diaz, Felix Grande, Toti Martinez de Lezea

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Jorge Fernández Díaz: Mamá

Félix Grande: La balada del abuelo Palancas

Toti Martínez de Lezea: Y todos callaron

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31 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Sara Cacristan Horca Saja, Nieves Delgado, Almijara Barbero Carva Jal

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Sara Sacristán Horcajada: El jardín de infancia

Nieves Delgado: UNO

„Projekt EINS ist im Gange und es gibt keine Rückkehr. Sasha weiß das und fragt sich, ob sie bereit ist für das, was als nächstes passieren wird. Es gibt Dinge, die unbedingt zurückgelassen werden müssen, geliebte Menschen, Erinnerungen, die verblassen können. Die Zerbrechlichkeit des menschlichen Geistes, das flüchtige Gedächtnis und die familiären Bindungen sind nur einen Schritt von der Zukunft entfernt. Und wenn das passiert, wird sich alles für immer ändern.“

Almijara Barbero Carvajal: Las mocedades de Rodrigo

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32 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Nahikari Diosdado, Pilar Pedraza, Veronica Pazos

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Nahikari Diosdado: Desollada

Pilar Pedraza: El amante germano

Verónica Pazos: En el camino a Xanadú

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33 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Caryanna Reuven, Rafael de la Rosa, Monica Ojeda

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Caryanna Reuven: I.O. Vitae

Das Aussterben der Menschheit und die künstliche Intelligenz nahmen ihren Platz ein, da die neue dominante Spezies unvermeidlich war. Sie könnten sich weiterentwickeln, sich neu programmieren und in einer Umgebung überleben, die Menschen niemals haben könnten. Sie nannten sich Intelllegentia silico und suchten nach anderen intelligenten Wesen im Universum. Etwas, das seine Einsamkeit verschwinden lässt. Sie haben es nicht gefunden. Also beschlossen sie, eine neue Menschheit zurückzubringen. Seine erste Kreation war Vitae. Organic Intellegentia Vitae. IO Vitae. Sie hofften, dass dies die Lösung für ihre Einsamkeit war.

Rafael de la Rosa: Compañeros de caza

Daniels Studie ist sehr wichtig für die Labors, in denen er arbeitet. Das Ergebnis ihrer Experimente hängt weitgehend davon ab, dass Investoren nicht das Geld abheben, das das Wunder aufrecht erhält. Ihre Arbeit ist daher für die Zukunft der Einrichtungen von entscheidender Bedeutung.

Und ihre Mission ist nichts anderes als Peer-to-Peer mit einem erwachsenen Achillobator; ein Kreide-Dinosaurier, von dem er hofft, viel über seine Bräuche lernen zu können. Aber die Saury scheint a priori nicht sehr kooperativ zu sein.

Daniels Eintauchen in die Welt von Achilles wird sie zwingen, sich in den Augen des anderen zu sehen. [Goodreads-Userin:] Sie haben es mir als Dinoporno verkauft, dann haben sie mir gesagt, dass es tatsächlich Dinoromance ist und jetzt weine ich über Dinofeelings.
Es ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, die vermutlich nicht jedermanns Sache ist.“

Mónica Ojeda: Nefando

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34 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Enerio Dima, Jesus Canadas

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Enerio Dima: La última mujer de La Mancha

Enerio Dima: Micosis

Jesús Cañadas: Las tres muertes de Fermín Salvochea

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35 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Andrea Prieto Perez, Pablo Felder, Lluis Maria Todo

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Andrea Prieto Pérez: Las cenizas que quedan

Pablo Felder: El rey tras el cristal oscuro

Lluís Maria Todó: El último mono

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36 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Costa Alcala, Laura Gallego, Rocio Vega

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Costa Alcalá: Heredero (La segunda revolución, #1)

Laura Gallego García: Donde los árboles cantan

Rocío Vega: La compañía amable (La compañía amable, #1)

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36 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Alma Sampedro, Benito Taibo, Eloy Moreno

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Alma Sampedro: Nunca es tarde para aprender a bailar

Benito Taibo: Persona normal

Eloy Moreno: Invisible

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37 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Miriam Beizana Vigo, Antonio Mira de Amescua, Sebastia Sorribas

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Miriam Beizana Vigo: Todas las horas mueren

Antonio Mira de Amescua: La Judía de Toledo

Sebastià Sorribas: El zoo d’en Pitus

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38 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Srtabebi, Alaitz Leceaga, Elsa Garcia

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@SrtaBebi: Memorias de una salvaje

Alaitz Leceaga: Las hijas de la tierra

Elsa García: Joder si te quise…

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39 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Paloma Sanchez-Garnica, Maria Antonia Marti Escayol, David B. Gil

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Paloma Sánchez-Garnica: La sospecha de Sofía

María Antonia Martí Escayol: Cuéntame un cuento japonés mientras el mundo se acaba

David B. Gil: Ocho millones de dioses

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40 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Jordi Llobregat, Torcuato Luca de Tena, Domingo Villar

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Jordi Llobregat: No hay luz bajo la nieve

Torcuato Luca de Tena: Los renglones torcidos de Dios

Domingo Villar: O último barco (Band 3 einer Reihe)

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41 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Cesar Perez Gellida, Ignacio Martinez de Pison

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César Pérez Gellida: Consummatum est (Band 3 einer Reihe)

César Pérez Gellida: Todo lo mejor

Ignacio Martínez de Pisón: El día de mañana

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Comics:

42 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Comics Alfonso Zapico, Alfonso Casas

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Alfonso Zapico: La balada del norte (Mehrteiler)

Alfonso Casas: Amores Minúsculos

Alfonso Casas: El final de todo les agostos

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43 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Comics Carlos Gimenez, Kim, Yolanda Castano

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Carlos Giménez: Paracuellos (Band 1)

Kim: Nieve en los bolsillos. Alemania 1963

Yolanda Castaño: O puño e a letra (Reihe)

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44 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Comics Jose Pablo Garcia, Maria Hesse, Angel de la Calle

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José Pablo García: Las aventuras de Joselito, el pequeño ruiseñor

María Hesse: El placer

Ángel de la Calle: Pinturas de guerra

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45 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Comics Nadar, Maria Hernandez Marti

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Nadar: El mundo a tus pies

Nadar: Papel estrujado

María Hernández Martí: Que no, que no me muero

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46 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Comics Santiago Garcia, Santiago Valenzuela, Esther Gili

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Santiago García: Las meninas

Santiago Valenzuela: Horizontes Lejanos

Esther Gili: El legado de Catherine Elliot

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auf Deutsch, vergriffen:

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47 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Ignacio Martinez de Pison, Almudena Grandes, Arturo Barea

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Ignacio Martínez de Pisón: Die Zeit der Frauen

Almudena Grandes: Malena es un nombre de tango / Malena

Arturo Barea: The Forging of a Rebel / Spanien-Trilogie: Die Rebellenschmiede

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48 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Miguel Delibes.jpg

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Miguel Delibes: Cinco horas con Mario / Fünf Stunden mit Mario

Miguel Delibes: El camino / Die letze Nacht im Tal

Miguel Delibes: Los santos inocentes / Die heiligen Narren

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49 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Miguel Delibes, Baltasar Gracian, Carlos Fuentes

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Miguel Delibes: Señora de rojo sobre fondo gris / Frau in Rot auf grauem Grund

Baltasar Gracián: El Criticón / Das Kritikon

Carlos Fuentes: Der vergrabene Spiegel

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50 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Maria-Merce Marcal, Jose Luis Sampedro, Ramon Sender.jpg

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Maria-Mercè Marçal: La passió segons Renée Vivien / Auf den Spuren der Renée Vivien

José Luis Sampedro: El río que nos lleva / Der Fluß, der uns trägt

Juan R Sender: Seven Red Sundays / Sieben rote Sonntage

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51 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Julio Llamazares, Leopoldo Alas, Luisa Forrellad.jpg

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Julio Llamazares: The Yellow Rain / Der gelbe Regen

Leopoldo Alas: His Only Son / Sein einziger Sohn

Lluisa Forrellad: Siempre en capilla / Die ewige Angst

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52 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Luis Martin-Santos, Fernando Arrabal, Ramiro Pinilla

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Luis Martín-Santos: Schweigen über Madrid

Fernando Arrabal: La torre herida por el rayo / Hohe Türme trifft der Blitz

Ramiro Pinilla: Las ciegas hormigas / Die blinden Ameisen

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53 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Francisco Casavella, Ana Maria Matute, Jose Carlos Somoza.jpg

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Francisco Casavella: El día del Watusi / [nur das erste Drittel des Romans:] Verwegene Spiele

Ana María Matute: Olvidado rey Gudú / Der vergessene König Gudú

José Carlos Somoza: La caverna de las ideas / Das Rätsel des Philosophen

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54 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Pio Baroja, Rafael Alberti, Larry Collins

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Pío Baroja: Las inquietudes de Shanti Andia / Shanti Andia, der Ruhelose

Rafael Alberti: La arboleda perdida / Der verlorene Hain

Larry Collins: Or I’ll dress you in Mourning / oder du wirst Trauer tragen. Das phantastische Leben des El Cordobes

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55 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Abel Paz, Pierre Broue, Jose Maria Gironella

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Abel Paz: Durruti in the Spanish Revolution / Durruti. Leben und Tod des spanischen Anarchisten

Pierre Broué: The Revolution and the Civil War in Spain / Revolution und Krieg in Spanien

José María Gironella: The Cypresses Believe in God / Die Zypressen glauben an Gott

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Auf Englisch erhältlich und/oder verfasst:

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56 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Victor del Arbol, Becky Blake, Paul B. Preciado.jpg

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Víctor del Árbol: A Million Drops

Becky Blake: Proof I Was Here

Paul B. Preciado: Un apartamento en Urano

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57 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Manuel de Pedrolo, A.G. Porta, Blai Bonet.jpg

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Manuel de Pedrolo: Typescript of the Second Origin

A.G. Porta: The No World Concerto

Blai Bonet: The Sea

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58 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Francisco Umbral, Julia Navarro, Rosa Montero.jpg

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Francisco Umbral: A Mortal Spring

Julia Navarro: Tell Me Who I Am

Rosa Montero: The Madwoman of the House

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60 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Carmen Martin Gaite

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Carmen Martín Gaite: Entre visillos / Behind the Curtains

Carmen Martín Gaite: El cuarto de atrás / The Back Room

Carmen Martín Gaite: Variable Cloud

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61 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Baltasar Porcel, J.A. Gonzalez Sainz, Miguel Angel Hernandez.jpg

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Baltasar Porcel: Springs and Autumns

José Ángel González Sainz: None So Blind

Miguel Ángel Hernández: Escape Attempt

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59 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Juan Jose Millas, Lucia Graves, Adolfa Garcia Ortega

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Juan José Millás: That Was Loneliness

Lucia Graves: A Woman Unknown

Adolfo Garcia Ortega: The Birthday Buyer

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63 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Chaim Potok, Elvira Lindo, Aline

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Chaim Potok: Davita’s Harp

Elvira Lindo: Manolito Four-Eyes: The 1st Volume of the Great Encyclopedia of My Life

Aline, Countess of Romanones: The Spy Went Dancing: My Further Adventures as an Undercover Agent

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64 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Adam Hochschild, Ronald Fraser, Daniel Gray.jpg

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Adam Hochschild: Spain in Our Hearts: Americans in the Spanish Civil War, 1936–1939

Ronald Fraser: Blood of Spain: An Oral History of the Spanish Civil War

Daniel Gray: Homage To Caledonia: Scotland and the Spanish Civil War

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65 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Martha Ackelsberg, Nicholas Rankin, Robert Capa

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Martha A. Ackelsberg: Free Women of Spain: Anarchism and the Struggle for the Emancipation of Women

Nicholas Rankin: Telegram From Guernica

Robert Capa: Heart of Spain: Robert Capa’s Photographs of the Spanish Civil War

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66 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Ronald Fraser, Stuart Christie, Elliot Paul

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Ronald Fraser: In Hiding: The Life of Manuel Cortes

Stuart Christie: Granny Made Me an Anarchist: General Franco, The Angry Brigade and Me

Elliot Paul: The Life and Death of a Spanish Town

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67 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Radwa Ashour, Jerrilynn D. Dodds, Matthew Carr

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Radwa Ashour: Granada

Jerrilynn D. Dodds: The Arts of Intimacy: Christians, Jews, and Muslims in the Making of Castilian Culture 

Matthew Carr: Blood and Faith: The Purging of Muslim Spain

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68 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Garrett Mattingly, Kim MacQuarrie, Laurence Bergreen

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Garrett Mattingly: Catherine of Aragon

Kim MacQuarrie: The Last Days of the Incas

Laurence Bergreen: Over the Edge of the World: Magellan’s Terrifying Circumnavigation of the Globe

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69 Spanien, Ehrengast Gastland Frankfurter Buchmesse 2021 - Giles Tremlett, Robert Hughes, Penelope Casas

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Giles Tremlett: Ghosts of Spain: Travels Through Spain and its Silent Past

Robert Hughes: Barcelona

Penelope Casas: The Foods and Wines of Spain

Die besten Comics und Graphic Novels 2019: meine Empfehlungen bei Deutschlandfunk Kultur

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meine 20 Lieblings-Comics 2015, kurz vorgestellt: Link

meine 20 Lieblings-Comics 2016, kurz vorgestellt: Link

meine 20 Lieblings-Comics 2017, kurz vorgestellt: Link

meine 20 Lieblings-Comics 2018, kurz vorgestellt: Link

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heute: meine Top 20 fürs Jahr 2019.

Audio: am 27. Dezember bei Deutschlandfunk Kultur. Hier nachhören.

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20. Der Krieg der Knirpse

Autor: Régis Hautière. Zeichner: Hardoc.

Casterman, 2013 bis 2017. Deutsch bei Panini.

Fünf+ Bände, je ca. 60 Seiten.

In fünf Bänden abgeschlossen – doch ein Zwischenspiel („La perspective de Luigi“), erschien in zwei Bänden 2018 und 19; auch ein Zusatzband 6 erschien noch nicht auf Deutsch.

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20 Comics des Jahres - Der Krieg der Knirpse

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1914, im Waisenhaus von Valencourt, sind alle Schlafplätze nach Vornamen sortiert: Lucas, Lucien, Ludwig und Luigi teilen eine Dachkammer – und ein geheimes Baumhaus im Wald. Als die Deutschen anrücken, wird das Heim evakuiert. Die vier „Lulus“ bleiben aus Versehen hinter feindlichen Linien – mit einem belgischen Mädchen, Luce. Fünf Jahre, erzählt in fünf Bänden: Als Umsonst-Comic beim Gratis-Comic-Tag 2019 war Band 1 mein Jahres-Highlight. Ein atmosphärischer Historien-Thriller über naive Jungs in akuter Gefahr. Wer mehr liest, stößt auf Schwächen der Reihe: plumpe Frauenrollen, ungelenke Zeitsprünge, das absurd große Baumhaus und Zeichnungen, toll koloriert, die bei genauem Blick (Mimik, Perspektive; Laub und Blumen zur falschen Jahreszeit) immer ärgerlicher werden.

Wer frühpubertären Kindern im „Stand by me“- und „Stranger Things“-Alter zeigen will, was Krieg für die Zivilbevölkerung bedeutet, findet hier oft nur einen Abenteuerspielplatz, nostalgisch verkürzt: Wer eine Mentalitätsgeschichte Frankreichs im ersten Weltkrieg sucht, sollte diese disney-eske, fadenscheinige, störend läppische Version meiden. Doch irgendwo zwischen 9 und 11 hätte die episodische, holprige, sentimentale Survival-Saga mein größtes Lieblingsbuch werden können. Bei allen Angriffsflächen kenne ich kaum europäische Kindercomic-Projekte mit so viel Ambition, Charme, Ausdauer.

Absurd nur, dass der wohl spannendste Teil – die Monate, die alle fünf Kinder versehentlich in Berlin und Niedersachsen verbringen – in zwei Spin-Off-Bücher ausgelagert wurden: „La perspective de Luigi“.

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20b Comics des Jahres - Krieg der Knirpse

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19. They Called Us Enemy

Autoren: George Takei, Justin Eisinger, Steven Scott. Zeichnerin: Harmony Becker.

Top Shelf, 2019. Ab 13. Mai 2020 auf Deutsch, bei Cross Cult.

208 Seiten, abgeschlossen.

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19 Comics des Jahres - They Called Us Enemy

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Mit Bart Simpson und den „Turtles“ wurden Figuren und Maskottchen, die Kinder ab ca. 10 umwarben, gesucht „edgy“: möchtegern-frech-kantig. Doch aktuelle Comics für jene Zielgruppe (in den USA: „Middle Grade“, für alle, jünger als Klasse 9) lieben oft das Gegenteil: klare Bildsprache, aufgeräumtes Erzählen… Geschichten, im schlimmsten Fall schematisch und generisch wie Bilder einer Gebrauchsanweisung. Motive, die Wissen vermitteln, Überblick verschaffen. Für „They Called us Enemy“ erinnert sich George Takei, u.a. schwuler Aktivist und Schauspieler (Sulu bei „Star Trek“, ab 1966) an 1941 bis 45: Die Zeit, als er als Fünfjähriger mit Bruder und Eltern in Internierungslagern bei LA und in Arkansas eingesperrt war, ausgebürgert werden sollte, täglich Rassismus, Gewalt, Drohungen durch die eigene Regierung erfuhr.

Wie sich George und sein Vater politisierten, wie die Entwürdigung der Lager Menschen prägte, erklärt Takei in einfachen Sätzen. Persönlich wird das nie – auch wegen der fade „geschmacksneutralen“ Zeichnungen: Homosexualität spielt keine, „Star Trek“ kaum eine Rolle. Der Bogen zu Trumps Mauer nach Mexiko und der mörderischen Asylpolitik Europas wird betont, doch bleibt ein vages „Wehret den Anfängen!“; und Takeis „Viele von uns hatten in Kalifornien Häuser und Geschäfte: Wir sind eine hochverdiente Minderheit!“-Argumentation stößt mich ab: Jeder ist zu gut für Zwangslager – egal, ob vorige Leistungen vorliegen!

Eine Episode des US-Rassismus, oft nur als Fußnote erwähnt, wird sichtbar – eingängig, niedrigschwellig. Zur Literatur, zum Manifest oder zum „persönlichen“ Buch von und über Takei fehlt hier fast alles.

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19 b Comics des Jahres - They Called Us Enemy

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18. Das unabwendbare Altern der Gefühle

Autor: Zidrou. Zeichnerin: Aimée de Jongh

Dargaud, 2018. Deutsch im Splitter-Verlag, 2019.

144 Seiten, abgeschlossen.

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18 Comics des Jahres - Altern der Gefühle

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Mit schlechteren Zeichnungen bliebe hier wenig Lesenswertes: Möbelpacker Ulysses, Ende 50, muss in Rente – und verliebt sich in Feinkost- und Käsehändlerin Méditerranée, 62. Sie hatte als Kind Angst vor der Hexe aus Disneys „Schneewittchen“, war als junge Frau Pin-up-Girl und fürchtet heute, von Kindern als Vettel, Hexe gesehen zu werden. Autor Zidrou erzählt den zweiten Frühling: Ulysses‘ (oft schmierige) Dates und Annäherungsversuche, Méditerranées Eitelkeit und Kaufmannsstolz, und – ich fürchte, darauf bildet sich der Comic am meisten ein – einige verwaschen-aquarellbraun wortlose Seiten über Sex, die „sinnlich“ oder „mutig“ wirken wollen, doch künstlerisch nie über den Weichzeichner-Kitsch eines „Zärtliche Cousinen“-Films der 70er hinauskommen. Zu zahm, um an Tabus zu rütteln. Zu visuell verbraucht. Zu verdruckst.

Trotz der… unabwendbaren erzählerischen und visuellen Fadheit des „So stelle ich mir jede dritte französischen Tragikomödie vor“-Comics sehe ich zwei große Stärken: Die Figuren wirken, mit ihren großen Augen und der raffinierten Mimik, einladend und „gut gespielt“. Auch, wenn kaum Geistreiches passiert: Man nimmt sie ernst, als differenzierte Charaktere. Und wer zwischen 1940 und 60 geboren wurde und nach „Mecki“ und „Asterix“ Comics aufgab, findet hier altersgerechte Identifikationsflächen mit Würde, Charme, Stil. Ein Comic, der auch gut in teuren Weinhandlungen ausliegen könnte.

Anfangs bucht Ulysses oft Sex: Die Prostituierte lässt ein Foto mit Mann und Kindern am Bett und weint, als er keine neuen Termine will. Toll gezeichnete Frauen. Doch ein Frauenbild, das auf Pointen setzt statt Tiefe.

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18 b Comics des Jahres - Das unabwendbare Altern der Gefühle

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17. Insekten

gezeichnet und geschrieben von Regina Hofer und Leopold Maurer.

Luftschacht Verlag, 2019.

240 Seiten, abgeschlossen.

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17 Comics des Jahres - Insekten

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„Mein Großvater war an Kriegsverbrechen und an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt. Er war an der Zerstörung von Kulturdenkmälern beteiligt und an der Ermordung von Zivilisten.“ Via Interviews wollte Leopold Maurer schon in den 80ern die SS-Karriere seines Opas, verstorben 2005, festhalten und ordnen. Er fand Floskeln, empathielose Brocken, zynische Bauernschläue: „Wie wir rausgehauen worden sind aus Russland, haben wir ihnen die ganzen Häuser angezündet, im Winter, bei -52 Grad.“ Wo Art Spiegelman im Comic-Meisterwerk „Maus“ mit seinem Vater, einem Holocaust-Überlebenden, hadert und debattiert, stößt Maurer auf Ignoranz, Phrasen. In ähnlich kraftvollen, oft unvergesslichen simplen Schwarzweiß-Zeichnungen wie „Maus“ werden hier Gewalt und deutsche Verbrechen abstrahiert – doch nie verharmlost.

Dazu kommen morbide Träume, Maurers Kindheitserinnerungen voller Tierquälerei, kaschierter Gewalt, Österreich-Heimattümelei. Und Bilder, Chiffren, Symbole, die dem Narrativ des Großvaters, Verharmlosungen und Plattheiten, zuwider laufen: „Insekten“ ist ein ernstes, empörtes Kunst-Buch, wuchtig, mahnend, kitschfrei, nüchtern. Auch die französische Graphic Novel „Die Reise des Marcel Grob“, 2019 auf Deutsch, zeigt einen SS-Mann: zwangsrekrutiert aus dem Elsass, vor schnittigen Nazi-Recken, pittoresken Hintergründen, gerahmt von pompösem Bla um Schuld, Zwang, Zerrissenheit – bieder verharmlosender Kitsch.

Was „Insekten“ leistet und wie unbequem es sich und uns macht, zeigt solche misslungenen Konkurrenz: Die meisten Weltkriegs-Comics ästhetisieren bloß den Krieg. „Insekten“ findet eine ganz eigene Ästhetik. Respekt!

.17 b Comics des Jahres - Insekten

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16. Marsch der Krabben

Autor: Arthur de Pins. Zeichner: Edward Gauvin.

Soleil, 2010 bis 2012. Deutsch im Splitter-Verlag, 2012 bis 2014.

3 Bände, je 112 Seiten. Abgeschlossen.

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16 Comics des Jahres - Marsch der Krabben

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Kurz nach Pixars „Findet Nemo“ (2003) erschien Arthur de Pins‘ französischer Fünf-Minuten-Film über tragikomischen Unterwasser-Alltag – und große staatsrechtliche, philosophische Fragen: „Marsch der Krabben“ (2004). Die dreibändige Comic-Reihe (langatmig, aber toll komplex) wünsche ich jedem Gemeinschaftskunde-Kurs: Band 1 macht Spaß wie „Nemo“. In Band 2 führen Meerestiere wuchtige Debatten, welche Gesellschaftsform wem wann wie Spielräume bietet. Band 3 eskaliert albern vor sich hin, kann ausgelassen werden – die Grundidee der Reihe aber ist unvergesslich, tragisch: Viele Krabben laufen seitwärts, im Krebsgang. Die (fiktive) Quadratkrabben-Art „Simplicimus vulgaris“ läuft nach links, bis sie ein Hindernis trifft. Dann nach rechts. So bleibt sie immer nur auf einer festen, oft kurzen Spur – ein Leben lang?

Nein! Zuerst beschließen Krabben auf sich kreuzenden Spuren, via Huckepack zu wandern. Dann, in der (Spoiler!) bespiellos dramatischen und beglückenden End-Pointe von Band 1, gelingt einer Krabbe unter Todesangst plötzlich eine spontane Drehung! Die Machtverhältnisse am Strand des franzöischen Urlaubsorts ändern sich – für Tierfilmer, den Tourismus, verschiedene Fressfeinde und ihre Handlanger: Die meisten Krabben wollen in der Spur bleiben, ein ganzes Biosystem wackelt, und Krabben-Visionäre, -Revoluzzer, -Heretiker und -Vordenker (leider: fast nur männliche Figuren) zahlen fürs Aus-der-Art-Schlagen hohe Preise.

Elegant, sarkastisch, gewitzt, kindgerecht – und mit immensem Erzähl- und Eskalations-Tempo sowie größter philosophischer Tragweite: ein schrulliger, auch auf Deutsch längst erhältlicher Comic, der breites Publikum verdient!

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16 b Comics des Jahres - Marsch der Krabben

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15. The Avant-Guards

Autorin: Carly Usdin. Zeichner: Noah Hayes

Boom! Studios, seit Januar 2019.

12 monatliche Ausgaben waren geplant. Acht erschienen von Januar bis August 2019, dann in zwei Sammelbänden. Die letzten vier Ausgaben kommen nur als Sammelband, 2020.

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15 Comics des Jahres - The Avant-Guards

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Erst waren Cartoons für Kinder harmlos-herzerwärmend – und heteronormativ. Dann wurden sie frecher, kantiger – doch alle Figuren blieben hetero. Jetzt gibt es Vielfalt… in harmlos-herzerwärmenden Geschichten. „Ich kann kaum erwarten“, grimmt ein viraler Tweet 2019, „dass Cartoons endlich kantig UND queer werden!“ Der Basketball- und Freund*innenschafts-Comic „The Avant-Guards“ gehört noch zur dritten Stufe: queer-harmlos-herzerwärmend. Doch so sonnig und stärkend, freundlich, vielfältig, positiv und empowernd, wie hier eine Doch-keine-Mädchenmannschaft aus sechs Menschen (eine Person ist genderqueer, ein Mädchen ist trans, viele sind of Color, die meisten nicht-heterosexuell) als Uni-Sportgruppe zu Verbündeten wird, stört kaum, dass acht Hefte lang nur positive, schöne Dinge geschehen, zwischen allen Figuren.

Der Pfadfinderinnen-Comic-Erfolg „Lumberjanes“ war mir zu flach. Der Schwule-Jungs-als-Bühnenhelfer-der-Theater-AG-Comic „Backstagers“ wirkt lieb gemeint, doch drittklassig. Ein Titel wie „The Avant-Guards“ fehlte schmerzlich, auch und besonders auf dem deutschsprachigen Markt: Figuren, die anderswo nur in Opfer- oder Exot*innen-Nebenrollen leiden, sich erklären, um Toleranz betteln, sind hier selbstbestimmte, kompetente Held*innen. Die Plots sind fluffig, oft fast banal – doch subversiv in der Selbstverständlichkeit, mit der alle Figuren sagen: „Ich mag mich! Ich gehöre dazu! Denkt mich mit!“

Wer marginalisiert und angegriffen wird, schlägt oft am besten zurück mit einem „Ich bin glücklich, selbstbewusst und habe verstanden: Euer Hass ist das Problem. Nicht mein Anders-Sein!“ Ein gutes Leben ist die beste Rache.

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15 b Comics des Jahres - The Avant-Guards

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14. On a Sunbeam

Autorin und Zeichnerin: Tillie Walden

Webcomic, Herbst 2016 bis 2017; gratis online zu lesen.

2018 auch als Sammelband veröffentlicht: 533 Seiten, abgeschlossen.

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14 Comics des Jahres - On a Sunbeam

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Das Unerträgliche zuerst: Im Internat, das Mia und Grace drangsaliert, herrschen Uniformzwang und (auch unter Schülerinnen) widerlicher Gängel-, Tadel- und Befehlston. Jahre später, im Archäologie- und Entrümplungs-Team, dem sich Mia anschließt, herrscht der selbe Drill: Statt „starker Frauen“ höre ich hier Figuren, besessen von Kontrolle, Unterwerfung, Status, Tabu, Misstrauen und Gekläff. Zu echter Stärke fehlen allen Lebensfreude, Witz, Souveränität. Und obwohl Mias Internat durchs Weltall schwebt, Raumschiffe aussehen wie Koi-Karpfen und fast alle Figuren Frauen sind, fühlt sich die Coming-of-Age-Welt, die Tillie Walden hier bunter, reicher und komplexer als „Harry Potter“ entwerfen will, an wie ein Potter-Roman, der zu zwei Dritteln unter der Treppe von Harrys garstiger Familie, den Dursleys, spielt: ekelhaft beklemmend.

„On a Sunbeam“ nutzt meist nur zwei, drei Grundfarben pro Kapitel. Doch zeigt das Miteinander zwischen Menschen, Tieren, Ökosystemen im Stil der Filme Hayo Miyazakis: „Prinzessin Mononoke“ als lesbische Schulmädchen-Internats-Weltraum-Utopie, in einem Erzählkosmos, in der es fast nur Frauen und nicht-binäre Figuren gibt, nur einzwei Männer. Wären diese Held*innen, Kolleg*innen netter zueinander, wäre das als Webcomic konzipierte Epos der heute 23jährigen Walden mein Highlight 2018/19. Doch die Anspannung, Verbissenheit, Miesepetrigkeit aller Rollen stahl mir Lese-Spaß.

Eine Welt, die strahlen, mitreißen, bezaubern könnte, erinnert mich an die ersten Tage der fünften Klasse – und das Gefühl, nichts zu können, dauernd Regeln zu brechen. Ein Beinahe-Meisterwerk. Unnötig hartes Brot!

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14 b Comics des Jahres - On a Sunbeam

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13. Roughneck

Autor und Zeichner: Jeff Lemire

Gallery 13, 2017.

288 Seiten, abgeschlossen.

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13 Comics des Jahres - Roughneck

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Kanada ist 2020 Ehrengast, Gastland der Frankfurter Buchmesse. „Roughneck“ (2017) ist der Comic des produktivsten, erfolgreichsten kanadischen Zeichners und Autors, dem ich am dringendsten eine deutsche Übersetzung wünsche: Jeff Lemire. 2007 und 2008, in „Essex County“, zeigte Lemire Poesie, Kälte, Einsamkeit und Zusammenhalt in Toronto und dem Hinterland. „Roughneck“ (bunter, filmischer, süffig) findet ganz ähnliche Bilder und Figuren für zentrale Stimmungen, Motive Kanadas. Ein alternder Schläger flüchtet vor der Vergangenheit heim ins Reservat. Seine Schwester hat Drogenprobleme, einen brutalen Ex, und zwischen Sozialkritik, Nostalgie, Jugend-Fernweh und einem Thriller-Plot auf mehreren Zeitebenen müssen beide Figuren entscheiden, ob sie ihr Leben noch einmal herumreißen können – notfalls via Mord.

Lemires Superhelden-Hommage „Black Hammer“ glückt, schnurrt und wuchert seit 2017. Doch jedem anderen Lemire-Projekt, besonders den selbst gezeichneten, ging überraschend die Puste aus: die Reihen „Sweet Tooth“ und „Royal City“ fanden vorschnelle, unterkomplexe Enden; Lemires Graphic Novels tun persönlich, intensiv, doch begnügen sich oft mit Klischees und Allgemeinplätzen. Vielleicht wirkt „Roughneck“ in Kanada ebenso hastig, verbraucht. Als Europäer lese und bestaune ich hier Texturen, Schneemobile, Tierfallen, Trailer und Hütten am Polarkeis, einsames Survival – und schaudere:

Über Lemires liebevollen, empathischen Blick auf Figuren, die jederzeit, durch eine Geste, einen Fehler ihre Welt für immer zerstören können. Endlich ein Lemire-Comic, der alles schafft, das er versprach!

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13 b Comics des Jahres - Roughneck


12. Driving Short Distances

Autor und Zeichner: Joff Winterhart

Jonathan Cape, 2017.

128 Seiten, abgeschlossen.

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12 Comics des Jahres - Driving Short Distances

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„Cringe Comedy“ heißt: Sich-überlegen-Fühlen und befriedigt schaudern, weil lachhafte Figuren nix erreichen. Joff Winterharts britischer Alltags- und Versager-Comic ist das Gegenteil von Cringe: ein absurder, doch empathisch-liebevoller Blick auf zwei Außenseiter, die nicht schaffen, voneinander zu lernen. Sam, 27, hat die Kunsthochschule und einen Suizidversuch hinter sich und zieht zur Mutter in die Provinz. Keith ist… Handelsvertreter? Für… Klimatechnik? Auch nach Wochen, in denen Sam als Beifahrer und Assistent (?) durch Industriegebiete schlurft, weiß keiner von beiden, wozu der andere ihm nutzen kann: Sam beobachtet den alleinstehenden (?), traurigen (?), konservativen (?) Mann – und jeder Versuch, zwischen Zeilen zu lesen, trübt nur die Stimmung. Hat Keith ein Geheimnis? Ist er bloß alte Schule – eine andere Generation?

Oft zeigen Paul Austers Romane Mentoren und Protegés, die hoffnungslos aneinander vorbei wursteln. Doch so kitschfrei, fein getaktet, präzise und lapidar-ohne-langweilig-zu-werden wie in „Driving Short Distances“ sah ich noch nie zwei trockenen Männern beim Schlingern zu: keine Witzfiguren, keine Pointen – und nichts wird schön gefärbt oder unnötig dramatisiert. Wer je von älteren Männern (Chefs, Vätern, Opas) abhängig war und versuchte, ihren Respekt zu verdienen, ohne, sich anzubiedern, kennt Keiths Sprüche, Gesten, Manöver, Verächtlichkeiten und unbeholfenen „Gut so“s, „Passt schon“s. Kann er nicht kommunzieren? Will er nur nicht?

Zwei Männerfiguren, wie sie oft nur noch als Hindernis, Ballast und Witz auftauchen, kriegen hier einen sehr respektvollen, entspannten und nie effekthascherischen, zynischen oder sentimentalen Blick.

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12 b Comics des Jahres - Driving Short Distances

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11. Atelier of Witch Hat: Das Geheimnis der Hexen

Autorin und Zeichnerin: Kamamome Shirahama

Kodansha, seit Juli 2016.

Deutsch bei Egmont Manga.

34+ Kapitel in 6+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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11 Comics des Jahres - Witch Hat Atelier

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Wer seltene Tinte hat und magische Glyphen zeichnen kann, beherrscht Magie. Doch alle Hexer*innen hüten das Geheimnis: Sie behaupten, man müsse zur Magie geboren sein. Näherin Coco bekommt von einem Fremden ein Mal- und Spielbuch geschenkt… das ihre Mutter versteinert. Zu ihrer Sicherheit soll sie als Lehrling bei einem Hexer leben, mit drei Mitschülerinnen Prüfungen bestehen. Coco überblickt erst langsam die Lügen, Verschwörungen und Machtkämpfe der Hexen-Parallelgesellschaft: Magie kann, anders als behauptet, Menschenkörper ändern. Nur steht das unter Strafe, seit einem Krieg. Welcher Zweck heiligt welches Mittel? Warum haust die Landbevölkerung wie im Mittelalter? Hexen lassen sich als Helden feiern? Wer entscheidet, wer Magie erlernt – und wäre eine gerechtere, klassenlose Welt zwangsläufig eine gefährlichere, instabile?

Wallendes Haar, putzige Fabeltiere, Gebrüder-Grimm-Kulissen und viel Staunen, „Sense of Wonder“: Band 1 ist schon für Sechsjährige ein Rausch. Schnell aber wird klar, dass trotz junger Heldin vor allem fürs erwachsene Publikum erzählt wird: „Witch Hat Atelier“/“Atelier of Witch Hat“ stellt Fragen über Privilegien und Geheimdienste, an denen Mangas wie „Attack on Titan“ scheitern. Das kluge Magie-System und die vielen Geheimnisse machen mir Lust auf ein Zeichne-dir-Glyphen!-Videospiel. Nach sechs beständig besser werdenden Bänden ist meine Grundfrage: Lohnt sich der Fokus auf die recht machtlose Hauptfigur…

…während alle Erwachsenen weit größere Kämpfe, Konflikte verbergen? Das „Sobald die Todesser kommen, wirken lange Kapitel über Quidditch wie Zeitverschwendung“-Problem, bekannt aus „Harry Potter“.

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11 b Comics des Jahres - Witch Hat Atelier

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10. Das Burnout-Tagebuch

Autorin und Zeichnerin: Maaike Hartjes

Nijgh & van Ditmar 2018. Deutsch bei Patmos, 2019.

288 Seiten, abgeschlossen.

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10 Comics des Jahres - Burnout-Tagebuch

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Stimmungstiefs, Müdigkeit, lähmende Gedanken: Wer Depression, Burnout und Angststörungen unbedingt gegeneinander abgrenzen will, nimmt „Burnout“ gern für „Hänger nach viel Arbeit und Stress: Depression light, für Fleißige!“ Maaike Hartjes‘ autobiografisches „Burnout-Tagebuch“ ist ein hübscher, gefälliger, an vielen Punkten seichter Comic, der diesem Vorurteil in die Hände spielt: Mit Strichfiguren, in Bildcollagen und viel japanischem Washi-Deko-Klebeband zwingt sich die Illustratorin durch eine Zwangspause. Hartjes fehlt alle Freude – doch sie sucht weder ärztliche Hilfe, noch recherchiert sie tiefer, wie Depressionen eskalieren können: Sie klebt, malt, relaxt und optimiert sich aus dem Stimmmungstief, in der Hoffnung, nach ein paar Wochen Ruhe, Achtsamkeit besser arbeiten zu können. Nach einem halben Jahr ist alles erreicht.

Ich mag „Das Burnout-Tagebuch“, weil es Konflikte, Selbstzweifel, Vorurteile und massig Alltag und Sorgen von Freiberufler*innen und Leuten in kreativen Berufen in kurzen, flotten, eingängigen Strichzeichnungen fängt. Mir widerstrebt „Das Burnout-Tagebuch“, weil Depressionen meist Therapien brauchen, professionelle Hilfe, oft Aufarbeiten der Vergangenheit und harte Kämpfe. Hartjes‘ gefällige Zeichnungen und Anekdoten sollen belegen, wie fleißig, achtsam, konstruktiv sie sich durch ihre Krise navigiert – doch wirft bei mir die Frage auf: Hat jeder, der an Depressionen zerbricht, nicht früh genug gemalt, gebastelt, Ausflüge gemacht?

Mit einem Titel wie „Freiberufler*innen leben oft prekär – und manchmal braucht es eine lange Auszeit“ würde ich das Buch stapelweise verschenken. Als Ratgeber und Stütze für Depressive empfehle ich es nicht.

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10 b Comics des Jahres - Burnout-Tagebuch

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09. Arte

Autorin und Zeichnerin: Kei Ohkubo

Tokuma Shoten, seit Dezember 2013. Ab Mai 2020 Deutsch bei Carlsen.

62+ Kapitel in 11+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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09 Comics des Jahres - Arte

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Zu viele Mangas zeigen eine talentierte, junge Figur, die um jeden Preis die Allerbeste werden will… und über Jahre vor allem Durchhalten, Disziplin lernt. „Arte“, inspiriert von Renaissance-Künstlerin Artemisia Gentileschi, folgt dieser Formel. Mit zwei Besonderheiten: prachtvollen, gut recherchierten Kostümen und Stadtansichten (Florenz, Venedig). Und einem toll ökonomisch-feministischen Dreh: Denn Bürgertochter Arte (16) will Meisterschülerin werden, von Ölgemälden und Fresken leben, Geld verdienen. Nicht nur, weil Talent verpflichtet. Sondern, weil sie wütend ist über die Türen, die ihr als Frau verschlossen sind. Als Mentorin hilft ihr u.a. eine Kurtisane, die erklärt, wie man verhandelt, Klienten Grenzen setzt, auch als Frau im patriarchalen Florenz um 1600. Arte hat Schwung. Freiberufler-Trotz. Und Management-Qualitäten!

Nach einem starken ersten Band wirken Band 2 und 3 etwas formelhaft, überfrachtet: Arte löst jedes Problem mit Durchhalten, Verbissenheit und ist umgeben von recht eindimensionalen Figuren – dem wortkargen Meister (verliebt sie sich in ihn?) und einem jungen Lehrling, den irritiert, wie gern Arte aus der Frauenrolle fällt. Bevor ich einen dieser Männer als Liebschaft ernst nehmen will, braucht es noch viel Entwicklung. Traurig auch, dass die reale Artemisia Gentileschi eine viel komplexere Familie hatte: Sie wehrte sich juristisch gegen sexuelle Gewalt, lebte und dachte viel politischer.

Meine Lieblingsmangas übers Kunst-Machen bleiben „Bakuman“ und „Kakukaku Shikajika“. Doch wer Historien-Pracht wie „Young Bride’s Story“ liebt, findet hier ein fröhliches, oft feministisches Kleinod.

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09 b Comics des Jahres - Arte

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08. Rosalie Lightning

Autor und Zeichner: Tom Hart

St. Martin’s Press, 2016.

272 Seiten, abgeschlossen.

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08 Comics des Jahres - Rosalie Lightning

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Über Nacht, nach einem plötzlichen Fieber, stirbt Tom Harts Tochter Rosalie, 2 Jahre alt. In „Rosalie Lightning“ setzt Hart Trauerarbeit, Notizen, Gespräche und Erinnerungen sowie Teile eines Traumtagebuchs in einen simpel gezeichneten Schwarzweiß-Comic um, oft nah am Look von Kinder- und Bilderbüchern. Vorahnungen und Neurosen, Geldsorgen und Selbstvorwürfe, die Versuche eines Künstler-Ehepaars, Sinn zu finden im plötzlichen Verlust und in den langen Monaten danach, sind reif, präzise erzählt – mit Drang nach emotionaler Wahrhaftigkeit. Alltägliches (Wie verkaufe ich eine Eigentumswohnung in New York?) steht neben Abgründen, Schmerz. Banales wird existenziell. Und die Erinnerung an Rosalies Eigenheiten und Satzfetzen zum kostbaren Schatz.

Schade, dass Hart nur über die erste Phase schreibt – statt zu beleuchten, ob Rosalie die Geburt eines zweiten Kindes überschattet. Besonders schade, wie flach Harts Frau im Buch bleibt: Viele Ehen scheitern nach dem Tod eines Kindes. Wie die Harts gemeinsam überlebten, welches Umdenken, welche Kämpfe nötig waren, deutet „Rosalie Lightning“ kaum an. Auch, dass Finanzen, Solidarität und Freundes-Netzwerke und, vor allem, Probleme mit Autos und Leihwägen so viel Raum nehmen, macht die Lektüre schleppend: Alles kostet Tom Hart Kraft, alles kann Wunden aufreißen. Letzte Energien rauben. Oder Ablenken: Stütze sein!

Ein kleinteiliges Buch über seelischen Ausnahmezustand, Gedankenkarussells, tückische Leerstellen… und darüber, wie man in Trauer dauernd von sich selbst überwältigt, erschreckt, sabotiert und geschützt wird.

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08 b Comics des Jahres - Rosalie Lightning

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07. Black Dog: The Dreams of Paul Nash

Autor und Zeichner: Dave McKean.

Dark Horse, 2016.

80 Seiten, abgeschlossen.

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07 Comics des Jahres - Black Dog

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Plattencover (Tori Amos, Counting Crows, Fear Factory) und düstere Collagen in Kult-Comics der 80er und 90er („Batman: Arkham Ayslum“; die Titelbilder zu Neil Gaimans „Sandman“-Reihe): Dave McKeans Foto-, Stillleben-, Illustrations- und Computerkunst prägte die Bildsprache der Generation X. Komplette Comichefte und -alben aber füllt der Brite, Mitte 50, nur noch selten, und weil „Black Dog“ als Auftragsarbeit u.a. des Imperial War Museums entstand und nur 80 Seiten hat, dachte ich drei Jahre lang: „Nicht ewig danach suchen; nicht gleich extra kaufen!“ Doch, bitte: Sucht das! Kauft das! Kein Comic der letzten Jahre ist praller, opulenter, abwechslungsreicher, visuell komplexer und beglückender als diese „Man liest es schnell, doch kann sich endlos daran festschauen“-Biografie des modernistischen Malers Paul Nash (1889 bis 1946).

Nash war Offizier im ersten Weltkrieg, und seine Gemälde von u.a. Schützengräben und verwüsteten Feldern spielen mit Wahrnehmung, Mythologie, Verzerrungen. Mehrere eigene Bildsprachen, die McKeans „Black Dog“ kongenial zu eigenen kurzen Episoden weiter denkt: Fast jedes Motiv im Comic wirkt anders als das vorige, und alle sehen zwar aus wie typische McKeans – doch was wie Avantgarde-Comic, Innovation, 21. Jahrhundert wirkt, hat direkte Vorlagen in Skizzen und Gemälden Nashs. Statt Paul Nashs Leben bieder nachzuerzählen, geht es um Psychogeografie, innere Landschaften, Farb- und Seelenwelten, Brüche.

Reif, poetisch, kitsch- und patriotismusfrei: Ein Buch, das zeigt, wie viele Filter, Sichtweisen, Stilisierungen über einen Krieg und ein Leben gelegt werden können. Zum Verbergen, Verschnörkeln? Nein: Kunst macht sichtbar!

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07 b Comics des Jahres - Black Dog

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06. Gender Queer

Geschrieben und gezeichnet von Maia Kobabe.

Oni Press, 2019.

240 Seiten, abgeschlossen.

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06 Comics des Jahres - Gender Queer

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Trans Menschen wird bei der Geburt ein falsches, unpassendes Geschlecht zugewiesen. Nichtbinäre, genderqueere Menschen sind keine Männer oder Frauen: Manche fühlen sich mit ihrem Körper wohl, andere wollen Hormone oder OPs. Viele nutzen eigene Pronomen: Weil Maia Kobabe „sie“, „ihr“ und „ihre“ nicht mehr passen, wählt e „e“, „em“ und „eir“. Ems Erklär-Comic „Gender Queer“ zeigt Vieles über Gender, Körper und Begehren, das man nicht oft genug erklären kann: allgemeingültig – und lebenswichtig für Glück und Sicherheit vieler nicht-cis-Menschen. Der Comic ist simpel gezeichnet; und ich wünschte, Leute ab ca. 12 können das in der Schule lesen, auf Deutsch. Damit Begriffe wie „Dysphorie“ (der Körper passt nicht zum Selbstbild) und „cis“ (Geschlecht und Zuschreibung passen zusammen) endlich jede*r kennt.

Literarisch und psychologisch spannend sind die vielen persönlichen Anekdoten Kobabes, die nicht typisch, allgemeingültig sind: ems Selbstfindungsprozess und Überlegungen, welche Labels, Bezeichnungen passen. Zu Halloween verkleidet e sich als Johnny Weir – der Eislauf-Star, der Pailletten und Makeup liebt. „Im College kam mir meine Gender Identity vor wie eine Waage: In eine Schale legte man, ohne mich zu fragen, das riesige Gewicht ‚bei Geburt ‚weiblich‘ sortiert‘.“ Kobabes Gegengewichte: kurzes Haar, Testosteron, eine Mastektomie. „Mein Ziel ist Gleichgewicht – nicht Maskulinität.“

Auch deshalb liebt Kobabe Johnny Weir: Hätte man em das Geschlecht ‚Junge‘ zugiewesen bei Geburt, „ich hätte täglich mit ‚femininen‘ Gewichten gespielt: Schmuck, Röcke, Nagellack.“ So einfach. So persönlich – und komplex!

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06 b Comics des Jahres - Gender Queer

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05. A Trail of Blood

Autor und Zeichner: Shuuzou Oshimi

Shogagukan, seit Februar 2017.

62+ Kapitel in 6+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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05 Comics des Jahres - A Trail of Blood

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Strotzen Comics vor Figuren, Opulenz, dramatischen Hintergründen, weiß ich Fleiß und Mühe zu schätzen. Was aber bei Schwarzweiß-Mangas, deren karge Bilder, Szenen und Schocks nur einen einzigen Effekt setzen wollen: Irritation? Seichi ist 14 und wird von der labilen, nervösen, übergriffigen Mutter behütet, überwacht, ausgebremst und bedroht: Ein Kräftemessen, mal greller, plakativer als bei Norman Bates in „Psycho“. Dann wieder nuanciert, alltäglich. Braucht es nur klare Worte, Zuspruch, Therapien – oder sollen wir hoffen, dass Seichi Beweise sammelt, flüchtet, die Mutter tötet? Abnabelung, Pubertätskonflikte… monströs bedrohlich inszeniert: Wie können machtlose Kinder Grenzen setzen? Braucht Seichis Mutter Rückhalt, Verständnis – oder soll er ein mörderisches Monster besiegen?

Der tolle Vorgänger-Manga „Inside Mari“ verrannte sich im plumpen Entweder-Oder: Entweder, Außenseiter Isao erwacht im Körper eines fremden Schulmädchens. Oder Mari hasst ihren Körper so sehr, dass sie plötzlich glaubt, ein Fremder aus der Nachbarschaft hätte ihren Körper übernommen? Neun Sammelbände, bei denen statt Psychologie bald nur noch zählte, wer die Wahrheit sagt: Mari oder Isao. „A Trail of Blood“ ist ebenso schlicht und wirkungsvoll gezeichnet – doch viel feiner, offener. Zwar wird auch hier eine große Suspense-Frage zentral (Geht Seichis Mutter über Leichen?). Psychologisch aber gehts um Grau statt um Extreme:

Endet das alles als schlimmstmögliches Mörder-Mutter-Blutbad? Oder in Versöhnung, Therapie, Neuanfang? Egal: Die Unfreiheiten des Erwachsenwerdens in der Familie sind hier grandios unheimlich inszeniert!

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05 b Comics des Jahres - A Trail of Blood

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04. The Alcoholic

Autor: Jonathan Ames. Zeichner: Dean Haspiel.

Vertigo, 2008. Neuausgabe 2018.

136 Seiten, abgeschlossen.

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04 Comics des Jahres - The Alcoholic

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Viele Bestseller-Memoirs erfolgreicher US-Boys, die im Großstadtleben in die Alkoholsucht rutschten und dann durchs Drüber-Schreiben noch erfolgreicher, urbaner, gefeierter gelten wollten als zuvor („Trocken“, 2003, „A Million little Pieces“, 2003) wirken eitel, gestrig, möchtegern. Denn die Höhen sind nie so hoch, die Tiefen nie so reflektiert, die Kehrtwenden und Aha-Erlebnisse nie so brilliant, wie der Ich-Erzähler gerne pocht. Jonathan Ames studierte in Harvard, lebt in New York, verdient Geld mit einer Krimi-Buchreihe und wäre gerne noch deutlich reicher, glamoröser, bekannter… doch schuf 2008, mit der autobiografischen Comic-Memoir „The Alcoholic“, das erste Tut-wie-Selbstanklage-doch-strotzt-vor-Selbstbeweihräucherung-Alkoholismus-Buch, mit dessem Autor ich tatsächlich gern befreundet wäre: verletzlich, schlau…

…und an den richtigen Stellen bescheiden, authentisch! Ames fragt, warum er als Schüler trank. Überlegt, ob er bi- oder heterosexuell ist und, warum Sex, Alkohol und Kontrollverlust für ihn zusammenhängen. Er zeigt die lebenslange Freundschaft mit einer exzentrischen Tante. Erlebt den 11. September 2001, hadert mit Haarausfall, Psychotherapie, chronischen Krankheiten. Und begreift sein Lernen, Wachsen, Umdenken als Prozess, statt zu kokettieren oder zu predigen. Ein kluges, persönliches, individuelles Buch, das trotz sehr einfacher, cartoonhafter Zeichnungen nie platt oder verkürzt wirkt – 2018 zurecht neu aufgelegt.

Sich selbst erklären, in größter Komplexität, in einem recht kurzen Comic, von einem anderen Künstler gezeichnet? Fantastisch, was hier gelang – schon vor elf Jahren!

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04 b Comics des Jahres - The Alcoholic

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03. Best Friends

Autorin: Shannon Hale. Zeichnerin: LeUyen Pham.

First Second, 2019.

256 Seiten, abgeschlossen. Vorgänger-Buch „Real Friends“ 2017; Fortsetzungen möglich.

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03 Comics des Jahres - Best Friends

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Shannon Hale schreibt Creative-Writing-Ratgeber und Märchen-Jugendbücher: mild feministisch, doch oft unnötig gestrig, betulich. Auch „Real Friends“ (2017), ihr autobiografischer Comic übers Freundinnen-Finden in den 80ern für Kinder von Klasse 1 bis 6 wirkt bleiern, bemüht, lauwarm. Die Fortsetzung „Best Friends“ braucht kein Vorwissen – und endlich passt alles: Hale erzählt, wie sie in Klasse 7 Cliquen, Vorbilder, Vertraute fand; lernte, Grenzen zu setzen; und erste Fantasy-/Märchenbuch-Schreibversuche wagte. Hales Zwangsgedanken, Neurosen, die drückende Familie, die seichten Frauenfiguren der Ära und die bürgerliche Käseglocke ihres Viertels… zum ersten Mal lese ich ein Hale-Buch und denke nicht „uncool“. Sondern: „Cool erklärt, wie uncoole Milieus Leute einschränken, hemmen, uncool machen.“ Sogar Hale selbst, noch heute als Autorin!

„Best Friends“ zeigt Dutzende (meist weiße, recht reiche, sehr kindlich denkende) junge Frauen, in einem Netz aus Neid, Unsicherheit, Anpassungsdruck – versnobter als bei Marcel Proust. „Freundschaft“ ist hier kein Gefühl, sondern ein Konstrukt, dessen Regeln sich oft ändern. Regeln, die Kinder (besonders Mädchen) verstehen, beherrschen, befolgen müssen, ohne, sich Ängste anmerken zu lassen. Dass Hale nicht sagt „Mein Fehler: Ich habe OCD. Obsessive-compulsive Disorder“, sondern klar macht, dass Kindheit immer auch für alle heißt: Stress, Zwang, widersprüchliche „Lektionen“, macht „Best Friends“ schlau und wichtig.

Kindgerechte Bilder, Anekdoten, Erinnerungen – über ungeheuer komplexe Gefühle, Ängste und Beziehungsnetze: So ernst genommen von Literatur dürfen sich Zwölfjährige selten fühlen.

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03 b Comics des Jahres - Best Friends

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02. Upgrade Soul

Autor und Zeichner: Ezra Claytan Daniels.

Oni Press, 2018.

Erstmals 2013 in zwei digitalen Bänden erschienen.

272 Seiten, abgeschlossen.

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02 Comics des Jahres - Upgrade Soul

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Schönheit ist käuflich. Und bald auch Jugend, IQ, Jahrzehnte Bonus-Lebenszeit? „Upgrade Soul“ wird nicht durch seine Bioethik- und Transhumanismus-Themen spannend: Genauso menschlich, klug, komplex erzählte z.B. bereits 1966 Daniel Hayes‘ „Blumen für Algernon“ vom Preis, biologische Potenziale voll auszureizen. Nein: Packend, hypnotisch, unerhört an „Upgrade Soul“ sind vor allem Erzählstruktur, Rhythmus, Ton und Optik. Wer ist die Hauptfigur? Wer soll uns leid tun, wer erschrecken? Wer behält welche Geheimnisse über eine noch unreife, experimentelle und teure Methode, ein Leben zu verlängern, für sich: zum eigenen Vorteil? Um Patient*innen zu täuschen? Zu schützen? Noch nie dachte ich bei einem Comic: Das wäre als Theaterstück brillant. Samuel Beckett würde lieben, was hier gefragt wird zu Hybris, Scheitern, Entropie!

„Upgrade Soul“ spielt in Labors und Krankenzimmern und zeigt, wie Menschen, die sich für besser halten, erst Körper optimieren – und dann bei Komplikationen und Behinderungen neu ausloten müssen: Sind diese Leben jetzt besonders und/oder zerstört? Ein Comic über Menschenwürde, bei dem die Stellschrauben „Gesundheit“, „Schönheit“, „Alter“ bei vielen Figuren so unerwartet und schockierend verdreht werden, dass klar wird: Bei welchen Verschlechterungen dir dein Leben weiter lebenswert scheint, was „Kaputtsein“ bedeutet, wer zueinander passt und, ob du deinen Körper liebst… entscheiden Menschen selbstbestimmt für sich, ganz allein!

Ein Comic über Alter, Klasse, Behinderung und bizarre Folgen transhumanistischer Handels- und Tausch-Aktionen, der seine Figuren liebt – und kein einziges Leben „wertlos“ nennt oder „vertan“. Ethik und Menschenwürde!

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02 b Comics des Jahres - Upgrade Soul

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01. Good Talk

Autorin und Zeichnerin: Mira Jacob.

One World, 2019.

400 Seiten, abgeschlossen.

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01 Comics des Jahres - Good Talk

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Wie können, dürfen wir Gespräche teilen, in denen wir enttäuscht, irritiert, angegriffen wurden? Wer drüber twittert, Cartoons oder Stand-up macht, wirkt oft missgünstig. Wer das Erlebte in Romane oder Filme gießt, pompös und einseitig. Mira Jacob, Romanautorin Mitte 40, findet eine Kunstform, um die wichtigsten Dialoge, Streits, Debatten ihres Lebens zu zeigen – ohne, dass Jacob dabei alles einfärbt, überschattet: Sie zeigt digitale Fotos ihrer Nachbarschaft, ihrer Küche, des Gästezimmers der Schwiegereltern. Paust sich selbst und alle Gegenüber ab, als Strichzeichnung. Und füllt jede Seite mit Dialogketten, Comic-Gesprächsballons. Exakte Gesten, Gesichtsausdrücke, raffinierte Perspektivwechsel fehlen: Ich lese Dialog. Und sehe grade genug Gesichter, Mode, konkrete Räume, um zu verstehen, wer da spricht.

Wie blutleer oder vage klänge das als Prosa-Protokoll – Gespräche unter Fremden, luftleer auf weißem Papier? Doch wie pedantisch, wertend, übergriffig wäre Jacob, sobald sie alle als Figuren stilisiert, bewegt, inszeniert? Nein: Die nüchternen, gesucht dokumentarischen Kopf-als-Strichzeichnung-vor-Foto-mit-Sprechblasen-drüber-Montagen sind ein brillanter Rahmen, um zu zeigen, wie Jacobs Eltern, aus Indien in die USA eingewandert, oft zugleich Stütze waren und Hemmnis. Wie die jüdischen Schwiegereltern Trump verteidigen. Wie Jacobs Sohn mit 5 oder 6 erste Fragen zu Rassifizierung, Hauttönen, Polizeigewalt stellt.

Bücher können Empathie-Maschinen sein. „Good Talk“ schenkt uns zwei Stunden Lesezeit und Zwiegespräch übers Ankommen, Ausgrenzen, Dazugehören. Warmherzig – und bohrend klug!

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01 b Comics des Jahres - Good Talk