2020/2021: LIEBLINGSSONGS / PERSÖNLICHER SOUNDTRACK (JAHR 24)

I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 24‘, October 2020 to October 2021.

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  • Ada Victoria – Nice Folks
  • Matt Berninger – One more Second
  • Mother Mother – Ghosting
  • Jensen McRae – Immune
  • Kristofer Aström – Another Love
  • Sunny War – Violent
  • William Fitzsimmons – Second Hand Smoke
  • Amy Speace – There used to be Horses here
  • Declan McKenna – In Blue
  • Leanne Betasamosake Simpson – Viscosity
  • Guru Randhawa – Aise na Chhodo
  • Minar Rhaman – Keno Dishehara
  • Umer Farooq & Moosa Saleem – Aaj Kal
  • Amandeep Singh – Uud Ja Kaale Kanwan (Unplugged Cover)
  • Borno Chakroborty – Bhalobasha Bhalobasha
  • Death Cab for Cutie – Flirted with you all my Life
  • Dar Williams – Little Town
  • Howie Day – Ghost (Live in Boston)
  • Greg Laswell – Royal Empress
  • Antje Duvekot – Anna

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Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

Ada Victoria – Nice Folks

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Matt Berninger – One more Second

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Mother Mother – Ghosting

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Jensen McRae – Immune

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Kristofer Aström – Another Love

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Sunny War – Violent

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William Fitzsimmons – Second Hand Smoke

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Amy Speace – There used to be horses here

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Declan McKenna – In Blue

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Leanne Betasamosake Simpson – Viscosity

https://www.youtube.com/watch?v=0nI-m2Fl_s4

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Guru Randhawa – Aise na Chhodo

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Minar Rhaman – Keno Dishehara

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Umer Farooq & Moosa Saleem – Aaj Kal

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Amandeep Singh – Uud Ja Kaale Kanwan (Unplugged Cover)

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Borno Chakroborty – Bhalobasha Bhalobasha

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Death Cab for Cutie – Flirted with you all my Life

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Dar Williams – Little Town

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Howie Day – Ghost

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Greg Laswell – Royal Empress

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Antje Duvekot – Anna

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related Links:

Sitcom „The Drag and Us“, ZDFneo

ZDF / Walter Wehner

Am 31. August durfte ich bei Deutschlandfunk Kultur über eine neue Sitcom/Comedyserie in der ZDF-Mediathek sprechen:

Gespräch mit mir: 6 Minuten (Audio, Link)

Zusammenfassung des Gesprächs (Text nicht von mir, Link)

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Frausein als Taktik

Die ZDF-Sitcom „The Drag and Us“ findet Gender lästig

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Franziska leitet einen Schlossereibetrieb und zieht allein zwei Söhne groß: Freddy ist noch Kind und hat einen Online-Kanal für möglichst brutale Video-Streiche. Nikki ist fast erwachsen, will statt zur Klassenfahrt heimlich in ein Wellness-Hotel, und als ihm nicht gelingt, Franziska 300 Euro abzuluchsen, vermietet er sein Zimmer unter – an Christian, der sein Geld mit Auftritten als Drag Queen „Catherine“ verdient. Acht kurze Folge zeigt die ZDFneo-Comedy von u.a. Tom Gerhardt („Hausmeister Krause“, „Ballermann 6“), wie die pragmatische Mutter an einem unreifen, selbstverliebten und aggressiven schwulen Mann verzweifelt, der wahllos Perücken trägt, „sie“ genannt werden will – und sich in ihrem Leben einnistet: eine Drag Queen, die, so der Pressetext, „nicht so ganz zwischen der Bühne und dem echten Leben unterscheiden kann.“

Drag ist nicht ganz das selbe wie Travestie – bei der sich Leute „im Fummel“ als Show und Performance als beliebige Geschlechter, oft als prominente Diva oder Ikone, verkleiden. Drag Queens dagegen haben einen festen Namen (hier eben: Catherine), sind weibliche Kunstfiguren – und laden mit überspitzten Aussagen und sarkastischen Statements ein, Geschlechterrollen und Sexismus zu hinterfragen. „The Drag“, „die Drag“ wie hier in der Serie hörte ich noch nie jemanden sagen (es heißt „the Queens“), und wo Christian endet, Catherine beginnt, wirkt völlig undurchdacht, beliebig (und zu oft: transfeindlich). Figuren sagen „er, sie, es“ und „die Transe“, und als Franziskas Exmann mit Catherine schlafen will (bis er die Hoden sieht!), freuen sich die Söhne über peinliches Videomaterial und überlegen, ob Papa weiß, „dass SIE ein ER ist.“ Christian ist nicht trans, sondern performt nur eine Frauenfigur – doch so lange auch trans Menschen mit den selben Sätzen entwertet und als Täuschung, Trick, falsche Behauptung diffamiert werden sollen, ist solche „Comedy“ ein Schlag ins Gesicht.

TV über Drag-Performances holpert fast immer: RuPauls Netflix-Dramedy „AJ and the Queen“ wirkte zweitklassig. Im deutschen Format „The Diva in me“ sollten Drag Queens gestresste Alltagsmenschen (und Boulevard-Promis wie Claudia Obert) zu mehr Mode und Ego ermuntern. Der ProSieben-Drag-Wettbewerb „Queen of Drags“ setzte auf Heidi Klum und Bill Kaulitz. Auch beim international wichtigsten Drag-Format, „RuPauls Drag Race“, sind die Debatten, Essays und Grundsatzfragen drumherum oft wichtiger, progressiver als die Sendung selbst: Es gibt trans Frauen, die Drag machen. Es gibt nichtbinäre Drag-Figuren und nichtbinäre Menschen, die Drag Queens oder Drag Kings darstellen. Bei „Drag Race UK“ darf 2021 zum ersten Mal eine Frau, die nicht trans ist, als Drag Queen antreten: Victoria Scone.

Solche Fragen sind dem bieder erzählten, bieder inszenierten ZDF-Klamauk egal: Christian/Catherine hat nichts Tieferes zu sagen über Geschlecht als Performance, über Queerfeindlichkeit und über die große Hoffnung vieler Menschen, dass Weiblichkeit, Mann-Sein, Geschlecht endlich nichts mehr sind, das irgendwer von außen, institutionell, über eine anderen Menschen pfropfen und bestimmen darf: nur noch man selbst, für sich. Weil „The Drag and Us“ Familie und Kinder zeigt und so simpel, geradlinig gefilmt ist wie viele Kinder-Sitcoms auf z.B. Nickelodeon und dem Disney-Channel, weckt Folge 1 die Hoffnung: Hier können Acht- bis Zwölfjährige viel über Gender lernen. So, wie im echten Leben Drag Queens oft in Kindergärten und Bibliotheken Vorlese-Stunden halten – auch, um Kinder bei Kleidung, Schmuck und Stil zu eigenen Wegen zu ermutigen.

„The Drag and Us“ denkt Catherine, ihr Selbst und ihre Positionierung in einer meist queer- und frauenfeindlichen Welt nicht durch. Nicht einmal über Franziska, die als „burschikos“ beschrieben wird und sich an Catherine interessant reiben könnte, haben die acht Folgen viel zu sagen: Die Drag Queen ist wie ALF. Ein Fremder, der sich in einem Haushalt eingenistet hat, kaum Rücksicht nehmen kann/will und alles läppisch durcheinander bringt. Im Pressetext klagt die Autorin Gabriele M. Walther, dass Kollege Tom Gerhardt im fünften Stock wohnt und eine Drag Queen ihn bat, ihren Koffer nach oben zu tragen. „Ich habe meine schwere Tasche wieder allein hochgetragen“, erklärt sich Walther, „und dachte mir: Irgendwas mache ich falsch. Diese Begegnung hat mich nachhaltig beschäftigt.“

Nach dieser Logik zeigt „The Drag and Us“ gehässige, freudlose, gierige Figuren, die um ein Bett, ein Zimmer, schnellen Sex oder ums Prellen der Zeche streiten und jeden billigen Trick nutzen. „Ich bin eine Frau“ ist der billige Trick, den Christian nutzt: Geschlecht als Vorwand, um sich Extrawürste zu sichern, und queere Menschen als Eindringling, Last, Stolperstein (und bunter Schoßhund). Ein trostloses, un-witziges Tauziehen – etwa, wenn „Catherine“ dem Hausmeister sagt, sie sei eine Lady und kann darum auf keinen Fall die Mülltrennung einhalten: Schmutz sei zu schlecht für ihre Maniküre! Was solche Plots genderqueeren Leuten antun, trans Frauen und eigentlich allen, die gern mal ihre Fingernägel machen? Ist das ignorant – oder schon bewusst reaktionär?

„The Drag and Us“

eine Serie von Martin Duffy, Gabriele M. Walther und Tom Gerhardt

Regie: Franziska Meyer Price

8 Folgen, je ca. 25 Minuten

ab 31. August wöchentlich auf ZDFneo und in der ZDF-Mediathek

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großteils vernichtende Kritken auch bei:

queer.de (Patrick Heidmann)

DWDL.de (Timo Niemeier)

TV Digital

TV Wunschliste (Gregor Löcher)

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ZDF / Anton Volkert

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meine Notizen zum Gespräch:

Der Produzent Tom Gerhardt hatte in den 90ern eine Serie namens „Hausmeister Krause“ – und das hier hat den selben Ton; fühlt sich an wie fast 30 Jahre alt. Es gibt Gelächter vom Band. Simple Kulissen. Figuren, mit GANZ dickem Pinsel gemalt.

Das ist erstmal nicht schlimm – es gibt noch heute viele Kinder-Sitcoms (auf z.B. dem Disney Channel), die genau so aussehen und erzählen. Deshalb dachte ich in Folge 1: Das ist schlicht, simpel – vielleicht richtig gut für neun- oder zehnjährige Kinder. In dem Alter sah ich ja auch „ALF“.

Und ALF liegt hier echt nahe… weil auch hier eine fremde und „exotische“, exotisierte Figur einen ordentlichen Haushalt und eine Familie stört. Im echten Leben gibt es viele Drag Queens, die z.B. in Kindergärten oder Bibliotheken vorlesen – weil diese Künstler*innen, diese Kunstfiguren Kindern Mut machen wollen: Probiert euch mit Mode aus. Schaut, was zu euch passt. Traut euch! Deshalb hier anfangs meine… Euphorie:

Vielleicht ist das gut für Kinder!

Klingt, als wäre die Euphorie dann schnell verflogen…

Ja. Es ist krass transfeindlich.

Und das muss man erstmal hinkriegen – bei einer Serie, in der gar keine trans Figuren vorkommen:

Drag Queens – das sind Leute, die auf Bühnen, als Kunst/oder zum Geldverdienen im Club feminine Kunstfiguren darstellen (wie „Travestie“ – nur, dass eine Drag Queen immer den selben Namen hat, und Travestie oft mehr so ist: Heute bin ich als Madonna unterwegs, morgen spiele ich wen Neues.)

Gar nichts damit zu tun haben erstmal Crossdresser: Das sind Leute, die – aus allen möglichen Gründen – gern Kleidung tragen, die nicht ihrem Geschlecht entspricht („Transvestit“ ist da nicht mehr das gängige Wort).

Und trans Leute (und oft: Intersex-Leute) haben nicht das Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde („Transgender“).

All diese – oft sehr verschiedenen! – Gruppen werden oft entwertet und angegriffen in exakt der selben Sprache – und wenn eine ZDF-Serie wörtlich sagt:

– ich sage jetzt das transfeindliche Wort –

 „Tr*nse“

schmeißt sie das zusammen und trifft sie das ALLE. 

Was ist das denn genau für ne Hauptfigur, dieser Christian, bzw. Catherine?

Christian ist – anders als alle realen Drag Queens, von denen ich je hörte – nicht: Christian der schwule Mann, der aus dem Haus geht und eine Performance macht.

sondern „die Drag“, die einfach daheim oder zum Feiern usw. fast immer „im Fummel“ ist, mit „sie“ angesprochen wird und mit allen Männern flirtet. Wenn dann in der Serie ein Mann drauf einsteigt, lachen die anderen Figuren und sagen „Ha, ob unser Papa überhaupt weiß, dass SIE ein ER ist?“, und dann merkt der Papa aber: „Uff, die Catherine hat ja Hoden. Oh, da wurde ich fast böse verarscht!“

…und das ist einfach DAS typische transfeindliche Szenario:

Der Vorwurf, trans Frauen „verkleiden“ sich als Frau, um Männer zu täuschen, oder sich in Frauenhäuser, Schutzräume zu schmuggeln – und Catherine/Christian tut das als… Fetisch? Trick? Egoismus? Spaß? Man weiß es nicht.

Doch es ist ein SEHR kalter Blick auf eine SEHR rücksichtslose Figur.

Was ist denn das Anliegen hier? Was für ne Idee steckt hinter dieser Geschichte?

Die Folgen sind alle wie ein Schwank, eine Farce, eine Posse. Also: ulkige Verwechslungen. Alle verarschen sich.

Das ZDF selbst sagt dazu: Das ist „eine Drag Queen, die nicht so ganz zwischen der Bühne und dem echten Leben unterscheiden kann.“

Eine Autorin der Serie, Gabriele Walther, sah eine Drag Queen – mit einem Koffer im Flur. Tom Gerhardt trug den Koffer dann hoch in den fünften Stock.

Die Autorin sagt, sie dachte sich: Was mache ich als Frau falsch – dass DIE das getragen kriegt, ich nicht. Das ist das Weltbild dieser Serie: Theatrale queere Menschen schaffen es, dass die Mehrheitsgesellschaft ihnen Extrawürste bietet und auf sie eingeht.

Sie tun das aus Gier, Faulheit, Geltungssucht – weil sie nie erwachsen wurden und „nicht ganz unterscheiden können“.

Dabei gibt es ja mittlerweile schon einige Formate, oder? Die da bisschen genauer hinschauen und Drag eben als Kultur und Kunstform erzählen.

Ich höre Drag Queens am liebsten direkt zu, auf ihren Kanälen – schreibt z.B. Bambi Mercury einen Text, lerne da immer was.

Den wichtigsten Drag-Wettbewerb, „RuPauls Drag Race“, kann man auf TVNow kucken. ProSieben hatte nen deutschen Abklatsch, „Queen of Drags“ mit Heidi Klum – da haben alle zurecht gefragt: Warum moderiert das keine Drag Queen?

1994 gabs im Ersten eine Serie über zwei Männer, die ein Restaurant führen und ein Paar sind, „Durchgehend warme Küche“. Kam Nachmittags, sah ich mit 10, war keine große Kunst – aber eben: normal. Und so weit waren öffentlich-rechtliche Sender schon mal.

„The Drag and Us“ ist nicht in jeder Szene: unterste Schublade. Doch auf jeden Fall: unterste Schublade dafür, was ich vom ZDF erwarte.

ZDF / Walther Wehner

Till Lukat: „Kondensstreifen im Kopf“ (Coming-of-Age-Comic)

Am 23. August 2021 durfte ich bei Deutschlandfunk Kultur Till Lukats Comic „Kondenssteifen im Kopf“ vorstellen:

Gespräch mit mir: 5 Minuten, Audio (Link)

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Hulk Hogan klaut mir meine Freundin!

Till Lukats süß-bitterer Erinnerungs-Comic „Kondensstreifen im Kopf“

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Peter fällt mehrmals durch die Fahrprüfung. Zuletzt, weil er für einen Waschbären bremst, der auf die Fahrspur tapst. Der Fahrlehrer und die Prüferin wollen nichts gesehen haben: Sind Waschbären nicht nachtaktiv? Aus Wut schlägt Peter die Türscheibe eines Wohnblocks ein. „Kondensstreifen im Kopf“ ist das Gefühl, dass jede Tat und jeder Erklärungsversuch die Lage oft nur schlimmer machen. Achtzehn zu sein, doch noch fast nichts am eigenen Leben ändern zu können, ist schwer.

Autor und Zeichner/Illustrator Till Lukat studierte in Berlin und lebt auf einem Boot in Bristol. Er hat, wie seine Figur Peter, rotblondes langes Haar und war 2008, im Handlungsjahr des Comics, selbst um die 18. Auf Instagram und einer sehenswerten Website zeigt Lukat viele oft farbenfrohe, schwungvolle Kurz-Comics und Arbeitsproben. „Kondensstreifen im Kopf“ dagegen startet zerquält. Und, optisch: überraschend hässlich!

Der Fahrlehrer – manchmal fast Mentor, fast Verbündeter – blickt auf fast jedem Bild, als säße er gerade auf dem Klo und presst. Peters Mutter wirkt humorlos, streng, redet ins Leere, und Peters Vater bezahlt das Aktmodell Frau Machiewsky – für erfolglose abstrakte Gemälde? Oder doch nur, um sie fotografieren und anstarren zu dürfen? Kiana, Peters Klassenkameradin, nutzt einen Rollstuhl – und ihr Gesicht, während sie den Flugzeugen beim Abheben zusieht, scheint zu sagen: „Warum lebe ich in einer freudlosen Stadt? Und… in einem freudlosen, tristen Comic?!“

Durch den ruppigen Zeichenstil, Lukats Mut zur Hässlichkeit, ist lange nicht klar, ob „Kondensstreifen im Kopf“ sich über Teenager-Pleiten und Unbeholfenheit lustig machen will. Ob alles auf eine große Katastrophe zusteuert. Oder, ob hier wärmer, psychologisch erzählt wird – Empathie für gehemmte, frustrierte Pennäler im Jahr 2008, bei denen sogar die Sex-Tagträume so schief laufen, dass plötzlich Wrestler Hulk Hogan auftaucht, die Freundin fesselt und prahlt: „Du bist mir direkt in die Falle getappt!“ 

„Kondensstreifen im Kopf“ zeigt bekannte Stimmungen, Milieus und Archetypen in bekannten (und eben: hässlichen!) Bildern – und hält den Ball recht flach. Lukats Blick- oder „Kameraführung“ von Panel zu Panel ist elegant und klug, doch die Gesichter, Fratzen erinnern an 90er-Satiren wie „Beavis & Butt-Head“ oder „King of the Hill“, und aus blassen Jungs, die seitenlang tatenlos in Autos sitzen, holten zuletzt z.B. Martin Panchauds Comic-Groteske „Die Farbe der Dinge“ oder Joff Winterharts grandiose Comic-Dramedy „Driving Short Distances“ viel mehr heraus: „Kondensstreifen im Kopf“ versucht, genau wie Hauptfigur Peter selbst, keine großen, ambitionierten Würfe.

Ein großes Plus aber hat Lukats Comic im Vergleich: Mit 14, 16, vielleicht 18 noch hätte mich die überraschend menschliche, fein austarierte Geschichte – ganz ohne schnelle Lösungen, falsche Nostalgie oder Knalleffekte – lange beschäftigt: „Kondensstreifen im Kopf“ nimmt introvertierte Figuren und die Zwickmühlen, in die sie sich drucksen und hineinstammeln, wunderbar ernst. So hämisch die Gesichter der Figuren auch gezeichnet sind: Lukats hat keinen hämischen Blick. Sondern, zeigt sich gegen Ende der kurzen Geschichte, vor allem Wärme und Empathie. Gern mehr von diesen kleinen, großen Momenten!

Till Lukat: „Kondensstreifen im Kopf“
avant-verlag, Berlin
August 2021
152 Seiten, 25 Euro

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meine Notizen vor der Sendung:

Peter ist 18, geht noch zur Schule – und fällt immer wieder durch die Fahrprüfung. Zum Beispiel, weil ein Waschbär auf die Straße huscht – und Peter eine Vollbremsung macht. Doch Waschbären sind nachtaktiv – also denken alle, Peter sucht nur eine Ausrede.

Von solchem Alltags- und Coming-of-Age-Frust handelt „Kondensstreifen im Kopf“ – der erste längere Comic von Autor Till Lukat.

„Kondensstreifen im Kopf“ – das klingt wie „Honig im Kopf“, der Film über Alzheimer. Hat Peter ein besonderes psychologisches oder neurologisches Problem?

Nein – „Kondensstreifen im Kopf“ ist eine Alltagsgeschichte, schnell weg-gelesen. Es geht drum, eine Stimmung festzuhalten – die, glaube ich, auch jeder in dem Alter gut kennt: Soll man sich erklären? Soll man laut werden? Soll man dem Mädchen, mit dem man knutscht, durch die halbe Stadt hinterherrennen und rufen „Hey – gehst du mir grade aus dem Weg?“ Peter Hartmann hat längeres Haar, wie ein etwas ranziger Vorhang. Schlechte Haltung. Er kriegt den Mund nicht auf – und sagt er doch mal was, wird alles immer nur schlimmer. Also liegt er daheim rum, raucht, trinkt Eistee aus dem Tetra-Pak und kuckt Wrestling-Sendungen. Außerdem gibts einen Flughafen in seiner Stadt, und zusammen mit einer Schulkameradin, Kiana, schaut er gern wehmütig den Fliegern nach.

Was sticht hervor – die Zeichnungen oder die Erzählung?

Ich fand die Zeichnungen erstmal superhässlich: schwarzweiß mit rötlichen Schattierungen, Häuser und Tristesse in einem klaren, doch ziemlich langweiligen 08/15-Stil – und mittendrin Figuren, ganz oft mit verkniffenen Gesichtern, oder nem Mund, der sich beim Schimpfen oder Knutschen oder… beim Fressen, muss man sagen, besonders hässlich verzieht: ich denke an Figuren wie Beavis & Butt-Head manchmal, „King of the Hill“, diese… „dreckigen“ 90er-Jahre-Grunge-Fratzen. Der Comic spielt 2008 – doch könnte auch zehn Jahre vorher spielen, vielleicht 20 sogar: eine muffige, enge Welt, erzählt in sehr konventionellen Bildern. Till Lukat hat eine tolle Website mit vielen Arbeitsproben, einen Instagram-Kanal, er *kann* auch viel freundlicher, bunter, illustrativer. „Kondensstreifen im Kopf“, das SOLL so hässlich und beklemmend sein, und was er drauf hat – beim Erzählen in Bildern – sehe ich im Comic an der Bildführung, den „Kamerafahrten“ von Bild zu Bild: das ist schon sehr gekonnt. Nur halt: trist. Bewusst trist!

Ist das für Jugendliche heute – oder doch vor allem für nostalgische Jungs, die 2008 schon 18 waren?

Till Lukat war, glaube ich, 2008 selbst um die 18, und hat ne ganz ähnliche Frisur wie sein Held. Doch so „old school“ und gestrig ich die Figuren und den Ton und die Bilder erstmal finde – als Erwachsener oder mit einer Nostalgie-Brille kann ich dem Comic gar nicht so viel abgewinnen: Man kennt solchen Blick auf solche Figuren (z.B. aus dem 90er-Film „Willkommen im Tollhaus): Das ist kein innovativer Comic. Doch mit 14, 16 kommt einem Peter, glaube ich, sehr nah. Weil dieser Comic halt doch, unter all seiner Gestrigkeit, was Neues macht: Sehr genau eigentlich immer wieder die genau selbe Situation erzählen.

Die Situation: Die Figur ist passiv, und nichts geht voran?

Ich finde hier präzise und packend, wie schnell man versteht: Wenn Peter jetzt was MACHT, sich erklärt, laut wird, handelt… wirds vielleicht nur schlimmer. Und wenn er nichts tut… vielleicht auch. Ich glaube, viele Coming-of-Age-Geschichten zeigen dieses Problem: „Soll ich mich öffnen, soll ich was sagen, soll ich lauter werden? Oder ziehe ich mich raus, muss ich mich schützen?“ …doch sie haben oft eine klare Seite: „Sag was, sonst geht alles kaputt“ oder „Du hast dich überschätzt, und jetzt bricht alles zusammen“… und… ich las „Kondensstreifen im Kopf“ in der Erwartung, dass es auf eine große Befreiung hinausläuft… oder auf irgend eine läppische, tragikomische Katastrophe. Beides wäre typisch, und typisch seicht: Peters gesammelte Katastrophen. Doch am Ende – ich verrate keine Details – war ich einfach sehr glücklich, wie ernst der Comic die… Unlösbarkeit solcher Pubertätsprobleme nimmt. Die Figuren sehen aus wie Witzfiguren – doch sie sinds nicht. Mit 14 hätte ich es geliebt.

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„FutureLovers“: erstes queeres Festival am Schauspiel Dortmund

für Deutschlandfunk Kultur besuchte ich das (digitale) „FutureLovers“-Festival am Schauspiel Dortmund.

Gespräch mit mir, im DLF-Magazin „Kompressor“, 29. Juni 2021:

Link (Audio, 8 Minuten)

Queer-Festival „FutureLovers“
Mehr Bühnen, Geld, Respekt für LGBT+

Vier Tage und gut 20 Programmpunkte – noch mindestens vier Wochen als Video gratis abrufbar: „FutureLovers“, das erste queere Festival am Schauspiel Dortmund, fand fürs Publikum vor allem online statt: im Theater-Blog.

Besonders die drei großen künstlerischen Beiträge überzeugen: Im Spielfilm „Futur Drei“ lernt Parvis, dessen iranische Eltern einen Edeka-Markt in Hildesheim führen, bei Sozialstunden mit Geflüchteten ein Geschwisterpaar aus dem Iran kennen. Im autofiktionalen Ein-Personen-Musical „Mwinda“ erzählt und singt Belendwja Peter bombastisch orchestriert und mit viel Witz, Trotz, Pathos von einer nicht-binären Schwarzen Person aus London, die wegen Armut und Behinderung obdachlos wird, Sexarbeit macht und später auch im Ruhrgebiet auf Ausgrenzung und Rassismen trifft.

Die Ballroom-Kultur, in der sich queere Menschen (oft: trans Frauen) of Color bei Laufsteg-, Tanz-, Posier-, Kostüm-Wettbewerben feiern und bestärken, kennen mittlerweile auch viele Deutsche durch die Netflix-Serie „Pose“ oder die Doku „Paris is burning“. Ein „Mini-Ballroom“ ohne Publikum auf der Hinterbühne des Schauspiel Dortmund zeigt zehn Kandidat*innen, drei Jury-Mitglieder, eine Ansage- und eine moderierende Person und wirkt anfangs etwas luftleer, nervös und simuliert. Doch in der zweiten Hälfte (und im tollen Begleit-Gespräch, das die Ballroom-Kultur ein wenig erklärt und kontextualisiert) wird viel klarer, wie widerständig, respektvoll, bitter nötig solche Shows und Rituale ums Vorzeigen, Gesehenwerden und Feiern von Körpern sind, die sich Geschlechts-Klischees und Zuschreibungen entziehen.

Georgina Leo Saint Laurent nennt sich „die Pionierin von Ballroom in Deutschland“ – doch macht erfrischend deutlich, dass man als Zaungast und Beobachter der Ballroom-Szene in New York vor allem lernt, noch mehr zu lernen, zuzuhören, sich über Traditionen und antirassistische Arbeit zu bilden. „Teil davon ist, dass der Lernprozess unangenehm ist. Ich habe nur gelernt, weil ich in super-vielen unangenehmen Situationen war und erkannte: Wow – du bist einfach nur ignorant gerade. Step up your game!“

„Ich finde, Ballroom ist eine Kultur, die beschützt werden muss – und sie ist nunmal nicht für jeden Menschen“, sagt Ria Saint Laurent, Tänzerin und trans Frau: „Man muss hinter dieser Kultur stehen. Man kann sich aus dieser Kultur nicht Dinge aussuchen – dies mag ich, das mag ich nicht. Du nimmst alles daran. Das heißt: auch den Aktivismus! Hinter trans Menschen zu stehen. In Medien trans Menschen Platz zu geben. Schwule cis Männer sind nicht die einzige Repräsentanz. Die LGBT+-Bewegung repräsentieren? Ballroom repräsentieren? Trans Menschen fingen diese Bewegungen an, und es wird jetzt langsam Zeit, dass sie im Fokus stehen!“

Als recht zugängliches, inklusives und barrierearmes Festival sammelt und zeigt „FutureLovers“ queere Stimmen – doch fragt sie überraschend wenig nach Queerness und Erfahrungen. Es geht kaum um Personen, die Dinge erlebten (etwa als queere und/oder behinderte und/oder rassifizierte Person) und jetzt das Anliegen haben Schmerz, Trauma, Verletzungen (oder Triumphe!) an ein Publikum zu tragen: in Kunst oder im persönlichen Bericht.

Stattdessen sprechen viele Eingeladene über Macht und Machtlosigkeit in ihren Rollen als Schnittpunkt oder Vermittelnde: Wer eine queere Literaturzeitschrift führt oder ein queeres Jugendprojekt, wer sich für Inklusion am Theater einsetzt, Workshops gibt oder mit Kunst einen recht normativen, feindlichen Raum betritt, berichtet bei „FutureLovers“ weniger vom eigenen Queersein und queeren Lebenswelten, als vor allem von Hürden, Vermittlung und Institutionen. Allen fehlt Wertschätzung, Respekt, Geld und nachhaltige Strukturen.

Eine sehenswerte Paneldiskussion, „Kunst als Praxis der Selbstermächtigung“, kippt überraschend in ein sehr feinteiliges Gespräch über die Unterschiede zwischen brasilianischen und deutschen Kunsthochschulen. Tänzer:in Black Pearl hört an deutschen Instituten viel „Beherrsche die Technik, bevor du dich auf Bühnen ausdrückst!“, während in Südamerika klar scheint: Alle haben etwas zu sagen und dürfen sich künstlerisch ausdrücken – Handwerk und Technik sind Mittel zum Zweck, an denen man unterwegs arbeitet. Keine Grund-Hürde oder -Bedingung!

Markant ist auch der künstlerische Monolog, mit dem  Shivā Āmiri das Panel „Theater als (Verun-)Möglichkeitsraum“ beschließt: „Ich komme rein und stelle aus: meine Kunst, meinen Schweiß, mein Ich, mich. Ich komme rein und falle auf: schräge Blicke, Fragezeichen, weiße Finger auf meinen Sachen. Alle starren. Kein Hallo. […] Es wird geredet und gewertet, verallgemeinert, diskutiert – nur unreflektiert. […] Weißsein füllt den Raum. Ich zitiere, argumentiere, diskutiere. Ich benenne. Unerhört!“

Fast alle Veranstaltungen des „FutureLovers“ sind noch bis mindestens Ende Juli im Blog des Schauspiel Dortmund zu sehen, als Video, meist mit Übersetzung in deutsche Gebärdensprache:

https://blog.schauspieldortmund.de/queer-festival/queer-festival/


„Das Schauspiel Dortmund“, sagt Intendantin Julia Wissert, „begreift sich als Ort, der unsichtbar gemachte Geschichten sichtbar und hörbar macht.“ Vier Tage – bis gestern – geschah das online: beim ersten queeren Festival am Schauspiel Dotmund, unter dem Motto „FutureLovers. The future is queer“.

1) „Unsichtbar gemachte Geschichten“ – wessen Geschichten sind sichtbar, im/auf dem digitalen Festival?

Es gibt drei große künstlerische Beiträge. Einen gabs nur per Voranmeldung, den kann man nicht nachholen: Den sehenswerten Spielfilm „Futur Drei“ über einen jungen queeren Deutsch-Iraner in Hildesheim. (kann man sich aber überall für 4 Euro ausleihen, digital).

Alles andere ist noch bis mindestens Ende Juli gratis online zu sehen: Ich mochte „Mwinda“ – ein autofiktionales Ein-Personen-Musical von Belendjwa Peter. Peter kommt aus Großbritannien, ist Schwarz, nichtbinär, neurodivers und studiert Musical an der Folkwang-Uni Essen. Peter fiel auf, dass Musicals oft diese Boy-meets-Girl Geschichten erzählen für ein weißes Publikum – bei Peter geht es um ne nichtbinäre Person, die keinen Job findet wegen ner Behinderung (also: Neurodiversität), vom Vater vor die Tür gesetzt wird und obdachloch zum Sexarbeitenden wird. das als… einstündige Performance, bombastisch orchestriert, witzig, intensiv, toll gespielt.

2) …und dann gab es noch einen dritten großen Programmpunkt: eine „Mini-Ballroom-Performance“ auf der Hinterbühne des Schauspielhaus.

Man kennt das mittlerweile vielleicht aus der Netflix-Serie „Pose“ oder aus der Doku „Paris is Burning“: seit den 60er Jahren haben rassifizierte queere Menschen, oft trans Menschen, sich in „Familien“ oder „Houses“ organisiert und dann diese Tanz-, Posier- und Laufsteg-Wettbewerbe abgehalten, die Balls. Ein echtes House hier aus Deutschland, das frühere House of Melody, heute Iconic House of St. Laurent und ein zweites House… oder ein Ableger-House, das habe ich nicht ganz verstanden, das Kiki House of Solar – diese beiden Gruppen, jeweils fünf Personen, messen sich in verschiedenen Kategorien: Wer läuft wie auf einem Laufsteg? Wer setzt sein oder ihr oder einfach DAS Gesicht in Szene? Wie wird ein Körper vorgezeigt und inszeniert, alles vor einer Dreier-Jury – aber ohne die toxischen Witze oder die Frauenfeindlichkeit, die ich z.B. von schwulen Clubs oder von Drag Shows kenne: Es geht darum, Körper zu feiern, Mode zu feiern, nicht-normative Inszenierungen von Geschlecht zu feiern, von und, glaube ich, auch vor allem FÜR Menschen of Color.

3) …unter Corona-Bedingungen, auf einer Dortmunder Hinterbühne?

Das ist eine kleine Gruppe, alle sind getestet, ich glaube, die Atmosphäre hat SEHR wenig mit einem echten Ballroom-Ball zu tun. Doch Crystal – die Person die moderiert – und Cosmo – die Person, die ansagt – und die Tanzenden haben so ne Energie: in der zweiten Hälfte dachte ich echt mehrmals „Was für ein Privileg, das ansehen zu dürfen.“ was ich Futur Drei (dem Film) am Musical UND an dieser Ballroom-Performance mochte, ist, dass es digitale Nachgespräche (oder Vorgespräche, wie man will) gab und diese Gespräche klar machen: Du – der nicht in dieser Kultur ist – wirst nicht alles verstehen, KANNST gar nicht alles verstehen: aber es ist ein Zeichen von Respekt, da zuzuhören und dich zu informieren.

4) Drumherum im Programm gab es viele Gespräche: Diskussions-Panels oder Interviews…?

…die man auch alle online nachholen kann. Ich fand ein Gespräch sehr gut, „Kunst als Praxis der Selbstermächtigung“. Da hat Black Pearl, eine Schwarze trans Frau aus Brasilien, drüber geredet, dass in Brasilien klar ist: Drück dich aus, auch durch Tanz – und dann such dir nen Mentor, ne Mentorin, und lern noch die Technik. Und wie im deutschen Hochschulwesen die Grundidee immer zu sein scheint: „Du kannst die Technik noch nicht perfekt – na DANN kannst du dich auch nicht ausdrücken, künstlerisch interessant.“ Ich fand auch alle anderen Panels sehr gut besetzt – aber eher… zerquält, inhaltlich.

5) „Zerquält“ – klingt jetzt aber nicht… empowernd.

Es kommt drauf an. Ich liebe das Festival dafür, dass es wirklich versucht, möglichst viel und möglichst divers abzubilden – alles wird in deutsche Gebärdensprache gedolmetscht, Behinderung wird oft mitgedacht, bei fast jeder Person, die da sprach, dachte ich: Es ist einfach ein… Geschenk dir zuhören zu dürfen. Es fehlt trotzdem wieder viel: Asexualität und Aromantik kamen, glaube ich, überhaupt nicht vor. Über Intersex gabs… zweidrei Sätze. Ich bin keine… Diversity-Polizei, die Kompetenz hätte, das abzuklopfen. Mich stört was anderes:

Wenn gesagt wird „Wir machen Geschichten sichtbar“ denke ich als Publikum, als Konsument „Ja super, Geschichten, her damit: Ich will das alles konsumieren!“ und merke dann aber, was das für ein Machtgefälle ist, wenn ich da am Computer sitze, mir diese Schwarzen oder nicht-weißen Körper ansehen kann, zuhören kann, wie Leute von ihren Traumatisierungen erzählen – alles, damit ICH was lerne, mitnehme, damit ICH weiter komme. deshalb verstehe ich auch den Unwillen von vielen Queeren, immer wieder superpersönliche Geschichten zu erzählen über Verletzungen. Fand ich gut: Dass es davon wenig gab.

Was es aber viel gab, dass strukturell gesagt wurde: „Du bist Künstler*in oder du machst Workshops und Angebote, und du kommst an eine Institution.“ Bei ALLEN Leuten, auf die das zutraf, war klar: „Die Institution schmückt sich mit mir. Die Institution ist eigentlich noch nicht bereit für mich, oder gewillt, mir mit dem Geld und dem Respekt zu begegnen, den ich verdiene – und es passieren dann ignorante und entwürdigende Dinge. Das kostet vor allem Kraft.“

Ich finde, es ging auf diesem gesamten Festival viel weniger um Queerness als um diese Kette, diese schlimme Hierarchie. Dass jede Stufe sagt: „Wir geben uns Mühe. Doch die über uns kosten uns NUR Kraft“. Das ist ne… Realität, für marginalisierte Menschen – ich habe da null Grund, das schönzureden oder abzusprechen. Doch das ist die EINE Sache, die ich an 4 Tagen überall mitgenommen habe: Das über dir saugt dich aus – und du AHNST eigentlich: Du selbst bist eine belastende Horrorgeschichte für die Leute unter dir. Für die Leute, die weniger sichtbar sind, und weniger Gehör finden.