Die besten Comics & Graphic Novels 2017: Meine Empfehlungen bei Deutschlandfunk Kultur

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bei Deutschlandfunk Kultur empfehle ich meine 20 Comics des Jahres:

  • 20 Tipps auf der Website, mit Kurztexten (erscheint morgen)
  • live im Literaturmagazin „Lesart“ (12. Dezember 2017, ab 10.08 Uhr)

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meine 20 Lieblings-Comics 2016, kurz vorgestellt: Link

meine 20 Lieblings-Comics 2017, kurz vorgestellt: Link

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20. Space Battle Lunchtime
Autorin und Zeichnerin: Natalie Riess
Oni Press, Mai 2016 bis Januar 2017.
8 Hefte in zwei Sammelbänden, abgeschlossen.

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19. Manifest Destiny
Autor: Chris Dingess, Zeichner: Matthew Roberts
Image Comics, seit November 2013.
32+ Hefte in 6+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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18. Kakukaku Shikajika
Autorin und Zeichnerin: Akiko Higashimura
Shueisha, Ende 2011 bis Anfang 2015.
34 Kapitel in fünf Sammelbänden, abgeschlossen.

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17. Martha & Alan
Autor und Zeichner: Emmanuel Guibert
L’Association, 2016. Deutsch bei Edition Moderne, 2017.
120 Seiten, abgeschlossen; doch das dritte Buch einer Reihe, die 2000 begann.

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16. Snotgirl
Autor: Bryan Lee O’Malley, Zeichnerin: Leslie Hung
Image Comics, seit Juli 2016.
8+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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15. Ether
Autor: Matt Kindt, Zeichner: David Rubin
Dark Horse Comics, November 2016 bis März 2017.
5 Hefte in einem Sammelband, Fortsetzung angekündigt.

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14. Shade, the Changing Girl
Autorin: Cecil Castellucci, Zeichnerin: Marley Zarcone
DC Comics (Imprint: Young Animal), seit Oktober 2016.
12+ Hefte in 2+ Sammelbänden, pausiert; aber wird fortgesetzt.

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13. Black Hammer
Autor: Jeff Lemire, Zeichner: Dean Ormston, David Rubin
Dark Horse Comics, seit Juli 2016.
14+ Hefte und 2+ Sammelbänden sowie die Spin-Off-Serie „Sherlock Frankenstein“; wird beides fortgesetzt.

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12. Afterlife with Archie
Autor: Roberto Aguirre-Sacasa, Zeichner: Francesco Francavilla
Archie Comics, seit Oktober 2013.
10 Hefte in zwei Sammelbänden, erscheint unregelmäßig, doch wird später fortgesetzt.

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11. Injustice 2
Autor: meist Tom Taylor, Zeichner: meist Bruno Redondo
DC Comics, seit April 2017. Deutsch bei Panini.
10 Seiten pro Woche erscheinen als digitaler Comic, alle 30 Seiten gesammelt als Print-Heft, später als Sammelband. Bisher 36 Kapitel, wird fortgesetzt.

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10. Briggs Land
Autor: Brian Wood, Zeichner: meist Mack Chater
Dark Horse Comics, seit August 2016.
12+ Hefte in 2+ Sammelbänden, wird alle sechs Hefte mit neuem Untertitel und neuem Heft 1 fortgesetzt.

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9. Brodecks Bericht
Autor und Zeichner: Manu Larcenet, nach dem Roman von Philippe Claudel
Dargaud, 2015/2016. Deutsch bei Reprodukt, 2017.
328 Seiten, abgeschlossen.

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8. Providence
Autor: Alan Moore, Zeichner: Jacen Burrows
Avatar Press, Mai 2015 bis April 2017. Deutsch bei Panini.
12 Hefte in drei Sammelbänden, abgeschlossen.

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7. Thor
Autor: Jason Aaron, Zeichner: meist Russell Dauterman
Marvel Comics, November 2012 bis September 2014 (Thor: God of Thunder); ab November 2015 (The Mighty Thor); Deutsch bei Panini.
25 Hefte in 4 Sammelbänden (Thor: God of Thunder), dann 25+ Hefte in 6+ Sammelbänden (The Mighty Thor) sowie Einzelband „The Unworthy Thor“, wird fortgesetzt.

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6. Jessica Jones / Invincible Iron Man
Autor: Brian Michael Bendis, Zeichner: Michael Gaydos (Jones), Stefano Caselli (Iron Man)
Marvel Comics, ab Oktober 2016 (Jones) bzw. November 2016 (Iron Man); Deutsch bei Panini.
14+ Hefte in mindestens drei Sammelbänden (Jones); 11 Hefte in zwei Sammelbänden, dann der Crossover-Band „The Search for Tony Stark“ (Iron Man); wird fortgesetzt.

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5. Royal City
Autor und Zeichner: Jeff Lemire
Image Comics, seit März 2017.
7+ Hefte, auf mindestens 3 Sammelbände/15 Hefte angelegt.

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4. Squirrel Girl
Autor: Ryan North, Zeichnerin: Erica Henderson
Marvel Comics, seit Januar 2015. Nur Band 1 auf Deutsch, bei Panini.
34+ Hefte in 8+ Sammelbänden und der Extra-Band „…beats up the Marvel Universe“, wird fortgesetzt.

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3. The Best we could do
Autorin und Zeichnerin: Thi Bui
Abrams ComicArts, März 2017.
329 Seiten, abgeschlossen.

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2. Dept. H
Autor und Zeichner: Matt Kindt
Dark Horse Comics, seit April 2016.
21+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird wohl mit Heft 24 abgeschlossen.

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1. Kill or be killed
Autor: Ed Brubaker, Zeichner: Sean Phillips
Image Comics, seit August 2016. Deutsch bei Splitter Verlag.
14+ Hefte in 3+ Sammelbänden, wird fortgesetzt.

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Auch die US-Heftreihen „Saga“, „Harrow County“, „Lazarus“, „Jupiter’s Legacy“, „Injection“, „Southern Bastards“ und „Invisible Republic“ hatten gute neue Hefte/Sammelbände 2017: Empfehlung!

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Vier größere Thesen, zum Comic-Markt und Comic-Jahr 2017:

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1) Graphic Novels? nur illustrierte Romane.

In deutschen Verlagen wie Suhrkamp, Carlsen usw. erschienenen in den letzten Jahren immer wieder Comic-Adaptionen von Literatur, z.B. Kafka oder Don Quijote. Eine „Graphic Novel“ heißt in Deutschland oft: ein literarischer Stoff (oder die Biografie eines Bildungsbürger-Helden wie Johnny Cash), grafisch aufbereitet.

Ein Comic, der das gut macht?

Der Franzose Manu Larcenet adaptierte Philippe Claudels Roman „Brodeks Bericht“. Die Zeichnungen vermitteln so viel Atmosphäre, Larcenets Figuren haben so viel Charakter… das Buch gewinnt, illustriert, nochmal an Tiefe: weil eine allegorische Geschichte durch die konkreten Landschaftsbilder etc. im Comic plötzlich sehr konkret, lokal, verortbar wird.

Trotzdem bin ich als Comic-Leser formal gelangweilt. Weil der „Brodeks Bericht“-Comic selten versucht, Wort und Bild toll neu zu verbinden. Stattdessen: Erzählkästen mit Claudels Originaltext aus dem Roman. Und dazu eben: hübsche Illustrationen eines morbiden Bergdorfs und seiner grausamen Bewohner.

2017 erschien auch eine Graphic-Novel-Version des Tagebuchs von Anne Frank. Mit dem selben Problem: Die Geschichte wird illustriert, Bilder begleiten die Worte. Damit bleiben die Bilder leider vor allem Zusatz, Beiwerk, Schmuck. Von genuinen Comics erwarte ich mehr. Eine ähnliche Kritik habe ich zum Gereon-Rath-Comic „Der nasse Fisch“: Der Berlin-Bestseller-Krimi, der in der Weimarer Republik spielt… einfach nochmal als Comic. Text geht verloren, Zeichnungen kommen hinzu, die Geschichte wird, durch die detaillierten Illustrationen, anschaulicher. Doch alles, was man Literaturverfilmungen oft vorwirft (Schwundstufen des Originals etc.) gilt auch für diese Comic-Adaptionen.

[konkret meine ich, 2017: Kutschers „Der nasse Fisch“, Ari Folmans „Tagebuch der Anne Frank“, Reinhard Kleists Nick-Cave-Biografie und „Brodecks Bericht“.]

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2) schrullige Superheld*innen.

Marvel und der Konkurrenzverlag DC Comics erzählen meist epische Crossover-Geschichten mit vielen Held*innen, oft in Teams und Ensembles (z.B. „Avengers“ und „Justice League“).

Doch 2012 hatte Marvel großen Kritiker-Erfolg mit „Hawkeye“ – einer Serie, die einen unbedeutenderen, schwächeren Helden zeigte, bei kleineren, alltäglicheren, persönlicheren Abenteuern. Der Zeichenstil war eigensinnig, die Heftreihe hatte einen ganz eigenen Ton – und seitdem experimentiert Marvel mit diesen kleinen, schrulligen Konzepten:

Die Frage bei Marvel-Titeln, in denen es um einzelne Personen geht statt um ein ganzes Team, ist nur noch selten „Wie passt diese Figur, ihr Design etc. ins große Erzähl-Universum?“, sondern viel öfter: „Was ist der richtige Ton und die spezifische Zielgruppe für DIESE Figur?“

Ein schöner Nebeneffekt: ein Buch über eine zehnjährige Heldin soll jetzt auch Zehnjährigen gefallen, Bücher mit Frauen sollen eher Frauen als Männer ansprechen (also: weniger peinliche Ballonbrüste und Pamela-Anderson-Posen etc.), und die muslimische Heldin Ms. Marvel wird von einer Muslima geschrieben, der schwule Iceman von einem schwulen Autor etc.

Die Reihen haben oft keinen großen Erfolg – doch sie sind so spezifisch und eigensinnig, dass sie jenen Leuten aus dem Herzen sprechen, die sich seit Jahren danach sehnten. Deshalb: wer Minderheiten, Vielfalt, Experimente sucht statt Einheitsbrei: Marvel hat jeden Monat acht bis zehn Serien, die möglichst unverwechselbar und eigensinnig sein wollen.

[2017, bei Marvel: der schwule „Iceman“, die muslimische „Ms. Marvel“, die feministische Agentin „Mockingbird“, die hochbegabte Grundschülerin „Moon Girl“, der schrullige Computernerd-Humor-Comic „Squirrel Girl“]

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3) US-Comicreihen als TV-Vorlage

Wer für DC oder Marvel schreibt, verdient kaum Geld, falls eine Figur, die er/sie erfand, später in TV-Serien wie „Arrow“ oder „Flash“ verwendet wird.

Der drittgrößte Comicverlag, Image, veröffentlicht fast keine klassischen Superheld*innen – und oft gehen die Autor*innen dort in Vorkasse, um ihre Reihen drucken zu können. Der große Vorteil: ihre Figuren und Konzepte bleiben „Creator-owned“; und die Schöpfer*innen können bei TV-Deals besser profitieren.

Viele Heftreihen aus den letzten Jahren werden schon nach 10, 15 Heften für eine TV-Adaption ins Auge gefasst. Reihen wirken von Anfang an, als wären sie mit Blick auf einen späteren TV-Pilotfilm geschrieben. Das Schöne dabei: ein Heft braucht 5.000 Käufer und gilt als Erfolg. Eine TV-Serie muss immer noch von mindestens 500.000 Menschen gesehen werden. Deshalb: wer heute wissen will, was übermorgen eine (oft seichtere, weil gefälligere, massentauglichere) TV-Serie wird: Die Vorlagen erscheinen oft bei Image. Mit allem, was gute Serien ausmachen – starke Figuren, eigener Ton, schockierende Wendungen.

[2017, alle lesenswert, Serien dazu sind geplant: die Kleinstadt-Hexen-Thriller „Harrow County“ und „The Chilling Adventures of Sabrina“, das Aussteiger/Miliz-Drama „Briggs Land“, und viele Marvel-Heftserien, die Fans der Marvel-TV-Serien ansprechen sollen, z.B. „Jessica Jones“ und „Runaways“. Auch die beste aktuelle US-Reihe, „Kill or be killed“, wirkt wie ein TV-Pitch.]

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4) „Auteurs“, „Autorencomics“

Einige Autor*innen können SEHR gut erzählen – in eigenem Ton.

Dass sie nicht besonders zeichnen können oder, dass sie, sobald sie Marvel- und DC-Geschichten schreiben, nicht überzeugen, wird dabei immer unwichtiger:

Jeff Lemires Zeichnungen wirken schräg, seine Geschichten schrullig und spezifisch – doch wie bei Murakami weiß man mittlerweile: Er macht SEIN Ding, und während Filme etc. nicht finanzierbar wären, kann er sich in Comics kostengünstig und ohne Produzenten, die ihm enge Regeln setzen, ausdrücken.

Es gibt immer mehr solcher Stimmen: spezifisch, literarisch, SEHR eigene und spezielle Nischen besetzend. Eben wie Autorenfilmer*innen, oder „Kult“-Schriftsteller*innen.

[2017: Lemires „Royal City“, „AD After Death“ und „Black Hammer“, alle sehr gut; Matt Kindts „Dept H.“, Bryan Lee O’Malleys schrullig-tolles „Snotgirl“; das surreale „Shade – the Changing Girl“]

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