Monat: Juni 2017

10 Gründe für – und gegen! – Goodreads

beim Literaturfestival Sprachsalz, Mai 2016. Foto: Denis Mörgenthaler

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Am 21. Juni bin ich Studiogast bei Deutschlandfunk Kultur – und erkläre, wie ich auf Leseplattformen neue und vergessene Bücher finde.

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Mir hilft „Social Cataloging“: Websites, auf denen ich eingebe, was ich las, sah, hörte… oder bald lesen, sehen, hören will.

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Mein Essay „Futter für die Bestie: 528 Wege zum nächsten guten Buch“ (BELLA triste, Link hier) gewann 2012 den Friedrich-Oppenberg-Förderpreis der Stiftung Lesen.  Auf ZEIT Online schrieb ich über Goodreads, zuletzt 2013 (Link). Im Techniktagebuch: ein kurzer Text übers Liken und Herzchen-Vergeben in solchen Netzwerken.

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Als Literaturkritiker ist Goodreads mein wichtigstes Werkzeug.

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zehn Gründe für  – und gegen – die Plattform:

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10. Mein Leben als Leser – öffentlich sichtbar?

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Ich fand Goodreads im Juni 2008; bei einem Praktikum im Lektorat von Klett-Cotta: Ich las aktuelle britische und US-Titel und prüfte, ob sie in den Verlag passen. Oft war Goodreads die einzige Site, auf der über diese Bücher klug gesprochen wurde:kurze Kritiken – und der User-Score zwischen einem und fünf Sternen.

Knapp eine Woche überlegte ich: Was habe ich bisher gelesen? Will ich meine Lektüren mit Sternen bewerten? Ich legte ein Profil – und damit: eine öffentliche „Bibliothek“ – an, ich verschlagwortete Bücher als „Deutsch, modern“, „Deutsch, Klassiker“, „international modern“, „international Klassiker“, „Genre oder Sachbuch“, „Graphic Novel“ und fand ca. 2000 Lektüren, an die ich mich erinnern konnte, in der Datenbank: meine Lese-Biografie, öffentlich im Netz.

Ich bin froh, dass ich das 2008 tat: mit 25. Viele Details hätte ich mittlerweile vergessen.

  • Entscheidet, wer eure Buchsammlung sehen sollte. Alle? Nur Goodreads-Freund*innen?
  • Entscheidet, ob ihr knapp zeigen wollt, was ihr aktuell lest… oder eure komplette Lesebiografie einpflegt.
  • Entscheidet, wie ihr Bücher auf ein oder mehrere virtuelle „Regale“ sortiert: „abgebrochen“? „will ich lesen“? „Lieblingsbuch“? etc.

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ein Problem: Vieles fand ich mit 8, 12, 15 umwerfend. Soll das gleichberechtigt neben aktuellen Büchern stehen? Vergebe ich 5 Sterne, weil das GUT war? Oder nur, weil es mich damals glücklich machte?

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09. Meinung – auf eine Zahl von 1 bis 5 reduziert:

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Freund*innen sind oft verwirrt und müde, wenn ich sie bitte, komplexe Meinungen zu einem Buch auf eine Skala von 1 bis 5 zu reduzieren. Doch das ist Übungssache – und macht oft Spaß. Meine Vermutung: Wer online über Bücher ins Gespräch kommen will, sucht im Jahr 2017 gar keine Leseplattformen mehr – sondern kennt fast alle. Je nach Interesse, Zeit, Stimmung, Zielgruppe, Charakter kann ich…

  • Blogs führen (und meine Rezensionen auf Amazon, Goodreads, Lovelybooks etc. kopieren).
  • Lektüren für Instagram fotografieren, Hashtags vergeben, in Hashtags wie „Essay“ Neues entdecken.
  • Amazon-Wunschzettel anlegen.
  • auf Plattformen wie Literaturschock, Lovelybooks in „Leserunden“ gemeinsam mit Fans & Autoren über ein Buch diskutieren.
  • auf Facebook, Twitter, Tumblr Diskussionen eröffnen, mit Freunden oder Fremden.

Bücher auf einer 5-Sterne-Skala zu werten… das ersetzt keine Literaturkritik oder Dialog. Doch es hilft, sich Vorlieben bewusst zu machen. Lese ich zu viele 3-/2-Sterne-Titel in Folge, denke ich z.B. schnell, Lesen per se mache mir gerade keinen Spaß mehr. Goodreads macht die eigenen Gewohnheiten, Ansprüche, Mechanismen sichtbar(er).

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ein Problem: Goodreads will helfen, indem jedem Stern eine Phrase zugeschrieben wird. „I did not like it“ (1), „It was okay“ (2), „I liked it“ (3), „I really liked it“ (4), „It was amazing“ (5 Sterne). Meine eigene Skala: „unfähig oder böse: Ich wünschte, niemand läse dieses Buch“ (1), „misslungen: Ich rate ab“ (2), „nicht misslungen – doch mit größeren Problemen/Schwächen“ (3), „gern gelesen, viele Stärken“ (4), „umwerfend, besonders, aufregend!“ (5 Sterne).

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08. der User-Score: 401 Abstufungen

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Fünf Sterne? Das klingt undifferenziert. Doch zu jedem Buch wird der Durchschnittswert öffentlich gezeigt, bis zur zweiten Kommastelle. Nur die schlechtesten oder umstrittensten Bücher haben einen Score unter 3.00 („Feuchtgebiete“: 2.80, „Deutschland schafft sich ab“: 3.35), und nur Bücher mit besonders euphorischen Fans (z.B. Kinder und Jugendliche) kommen über 4.5 („Harry Potter“, Band 1: 4.44).

Lovelybooks, der deutschsprachige Konkurrent zu Goodreads, zeigt den Score nur als Grafik: Fast jedes Buch hat rund 4 Sterne. Damit ist die Plattform für mich nutzlos – denn ich brauche die genaue Zahl. Und etwas Erfahrung, wie ich sie lesen/verstehen kann:

  • Romane: ab 3.75 lesenswert; ab 4.00 auffällig beliebt
  • Superheldencomics: ab 3.75 lesenswert; ab 4.00 auffällig beliebt
  • Fantasy und Science Fiction: erst ab 4.00 einen Blick wert, oft seltsame Hypes
  • Jugendbücher: ab 3.90 einen Blick wert; ab 4.20 oft krasser Mainstream/Romance.
  • Theaterstücke, Essays, Kurzgeschichtensammlungen: ab 3.90 einen Blick wert

Schullektüren werden schlechter bewertet – weil viele sie unfreiwillig lesen, und sich darüber ärgern. Bildbände haben hohe Wertungen: Weil viele Geld ausgeben? Stolz sind? Sich den Kauf schön reden? Je schwerer, trockener, anspruchsvoller, desto höher der Score: Vielleicht sind die meisten Leser*innen stolz, sich durch ein Buch gekämpft zu haben. Wichtig: Je größer das Fandom, die Nische, je leidenschaftlicher die Subkultur – desto größer die Hype-Gefahr; Bücher von/für Mormonen sowie Liebes-Groschenromane und Erotik haben oft unkritisch hohe Wertungen. Bücher aus den Niederlanden werden dagegen meist absurd schlecht bewertet: Das niederländische Heimatpublikum fühlt sich von ihren Literat*innen genervter als wir Deutschen von unseren.

ein Problem: Der „Ikea“-Effekt zeigt: Wer viel Arbeit investiert, ist stolzer als jemand, der es leichter hat. Vielleicht werden deshalb zähe, mühsame, trockene Bücher oft höher bewertet. Je mehr man denken, mitarbeiten, die Zähne zusammenbeißen muss, desto höher oft der Score. Eine gute Nachricht, eigentlich: Ein breites Publikum bereut die meisten „schwierigen“ Lektüren nicht. Im Gegenteil!

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07. Anlesen, bald lesen, für später merken:

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Bücher können als „gelesen“, „lese ich gerade“, „will ich lesen“ markiert werden. Meine Routine, seit Jahren: Sobald jemand ein Buch erwähnt oder empfiehlt, öffne ich Goodreads, markiere es. Gibt es eine deutsche oder englische Leseprobe, lese ich rein. Ich entscheide, ob ich das Buch interessant finde, selbst lesen würde. Um dieses Anlesen und Bald-Lesen zu organisieren, habe ich einen Zweit-Account:

  • Bei 6.600 Büchern suche ich eine Leseprobe, warte auf die Übersetzung oder die Buchpremiere.
  • 13.000 Bücher wurden von mir angelesen
  • 2.7000 Bücher von mir als „angelesen und gemocht“ markiert: Ich lege sie auf meine Amazon-/Medimops-/Rebuy-Wunschzettel, blogge über sie, habe sie oft billig gebraucht gekauft und noch ungelesen im Regal stehen.
  • Hier, im Zweit-Account, nutze ich präzisere Verschlagwortungen und sortiere auf mehr Regale: „zweiter Weltkrieg“, „Bücher mit Illustrationen“, „Bücher für Neun- bis Vierzehnjährige“, „in Deutschland erschienen, doch gerade nicht im Buchhandel erhältlich“ etc.
  • Sucht jemand Bücher für Teenager, die von Essen handeln, internationale Comics, die in Japan spielen etc., kann ich in zehn Minuten erste Listen erstellen.
  • Ich bin oft stundenlang in Bibliotheken, Buchhandlungen, Antiquariaten oder vor Regalen von Freund*innen. Ich blättere durch Bücher und markiere, was mich packt/interessiert – und was mich kalt lässt.

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ein Problem: Um schnell zu sehen, welchen Eindruck solche angelesen Bücher auf mich machten, gebe ich den vielversprechenden 4 Sterne, den abstoßenden 2, und allem, das ich nicht unbedingt lesen will, 3. Weil alle Sterne öffentlich sind, beeinflusse ich damit Scores – ohne, das Buch zu Ende gelesen zu haben. Verboten ist das nicht. Doch besonders bei aktuellen deutschen Titeln, die noch kaum bewertet wurden, gebe ich manchmal keine Wertung ab: Statt – anonym, und ohne, komplett gelesen zu haben – durch eine 2-Sterne-Wertung Menschen Lust aufs Buch zu nehmen.

ein größeres Problem: Bei Amazon-Kritiken werden Rezensionen von Menschen, die das Produkt nachweislich bestellten, bevorzugt. Bei Goodreads aber kann man durch Kampagnen und anonyme Sockpuppet-Accounts Scores leicht ändern. Deshalb nehme ich Scores erst ab ca. 30, 40 Einzelwertungen ernst. Viele deutschsprachige Titel aus kleinen Verlagen haben aber nur sechs, sieben Stimmen: Ihre Scores werden nie repräsentativ.

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06. „Lesezwillinge“, Vertrauenspersonen:

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Unter jedem Goodreads-Profil: die Option „Compare Books“. Eine Extra-Seite zeigt alle Titel, die man gemeinsam hat – und stellt die Wertungen gegeneinander. Eine Funktion, die ich auch gern bei Kritiker*innen hätte, die im Feuilleton rezensieren; denn sie lässt überraschend tief blicken: Ich werte Haruki Murakami und viele feministische Memoirs überdurchschnittlich hoch. Meine 3 Sterne für „Tschick“ und „Der Fänger im Roggen“ fallen aus dem Rahmen. Viele Deutsche geben Christian Kracht und Bret Easton Ellis einen Stern – oder fünf.

  • Die Rezensionen unter jedem Buch sind nach Beliebtheit sortiert: Unter den ersten fünf sind oft schon ein, zwei interessante Stimmen.
  • Ich sehe oft nach, wer meine Lieblings- oder Hass-Bücher ähnlich euphorisch oder negativ wertete wie ich.
  • Öffne ich die Profile, klicke ich auf „Compare Books“ und sehe nach, ob ich die Wertungen plausibel/hilfreich finde.
  • Lovelybooks wurde als Bestseller- und Unterhaltungs-Plattform vermarktet. Goodreads lockt auch Expert*innen, Akademiker*innen, Nerds: Ich folge Menschen, die z.B. italienische Hochliteratur lieben, Rrriot Girls oder Mangas mit Schwulen und Lesben.

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ein Problem: In David Lodges „Changing Places“ gibt ein Literaturprofessor auf einer Party zu, nie „Hamlet“ gelesen zu haben – mit Folgen für seine Karriere. Ich fragte einen Germanisten-Freund, ob er zu Goodreads will. Er zierte sich lange: „Zeige ich, welche Bücher ich las, dann zeige ich damit auch, welche Bücher ich NICHT las. Ein peinlicher Offenbarungseid!“ Jeder sieht, dass ich „Krieg und Frieden“ nie las, „Die Blechtrommel“ abbrach, nichts von Heinrich Böll kenne.

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05. Rankings und Listen.

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Spotify kennt meinen Musikgeschmack gut genug, um mir zweimal pro Woche („Mix der Woche“, „Release Radar“) je 30 Songs vorzuschlagen – von denen viele gut passen. Auch Netflix hat eine beliebte „Recommendation Engine“. Die Empfehlungen bei Goodreads sind flau: Sobald ich deutsche Bücher bewerte, greift das System auf deutsche Bücher zurück – von denen die meisten in den USA erschienen. Weil dort noch immer Bücher über den zweiten Weltkrieg gefragt sind, heißt das: Statt Gegenwartsliteratur empfiehlt mir Goodreads – seit die persönlichen Empfehlungen eingeführt wurden (2011) – fast NUR Holocaust-Memoirs.

Unpersönlich dagegen – doch spezifisch und hilfreich: „Listopia“. Der Bereich, in dem jede*r öffentliche Listen erstellen und Titel auf bestehenden Listen nach oben voten oder neu einfügen kann.

Wer promoviert, an einem längeren Text arbeitet oder eine Nische erforschen will: Erstellt eine Liste – und schaut, ob sie wächst!

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ein Problem: Auf den ersten Blick wirkt Goodreads zu US-fixiert. Es hilft, Listen auf Deutsch anzulegen – sonst werden sie bald von englischsprachigen Vorschlägen, Favoriten dominiert.

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04. In Deutschland: lieber Lovelybooks?

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Vorgestern las ich die Verlags-Programmvorschauen für Herbst 2017: Immer wieder wurde versprochen, dass der Verlag Geld an Lovelybooks zahlt, um als dort Werbung für den neuen (meist: Unterhaltungs- oder Liebesroman) Verlosungen und -Leserunden einzurichten. Als PR-Plattform scheint Lovelybooks immer wichtiger zu werden. Auf Goodreads dagegen pflegen Verlage oft nicht einmal das deutsche Cover, den deutschen Klappentext ein (…bis Fans/deutsche User*innen das übernehmen).

Goodreads wird „deutscher“/“deutschsprachiger“, indem man…

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ein Problem: Der US-Markt sowie US-Klassiker werden durch viele, recht diverse US-Leser*innen in aller Vielfalt abgebildet – auch die Hochliteratur und akademische Diskurse. Ich finde dauernd rezensierende US-Bibiothekar*innen, Pädagog*innen. Mit etwas Mühe kann ich (immerhin) auch nach philippinischen, rumänischen, portugiesischen Bestsellern suchen. Doch die Vielfalt deutscher Verlage zeigt sich leider immer noch eher, indem man erst eine Stunde im „Perlentaucher“/Feuilleton liest, dann eine Stunde im Bahnhofsbuchhandel blättert.

„I already know how people like me, people who read books professionally and with a particular set of aesthetic values, respond to a text. I go to reader reviews to see how the other half reads“ …begründet Literaturkritikerin Laura Miller – recht klassistisch / von oben herab – warum sie sich freut, dass Laienkritik, Fan-Meinungen und die Stimmen der Menschen, die meist nur zum Vergnügen lesen, durch Plattformen wie Goodreads sichtbarer werden.

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03. …und meine Daten?

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2013 wurde Goodreads von Amazon gekauft.

Auf Goodreads selbst änderte sich nichts: Ein Button namens Get a Copy leitet mich (schon seit zehn Jahren) an einen Online-Bookstore meiner Wahl; ich selbst stellte dort „Amazon.de“ ein – nicht, um die Bücher dort zu kaufen, sondern, weil sich dann mit ein, zwei Klicks gleich eine Online-Leseprobe öffnet.

Die Übernahme ist problematisch, weil…

  • Amazon auf Goodreads noch schneller sehen kann, welche Bücher einen Hype/Sog entwickeln – besonders auch bei Fans und gebildeteren Käufer*innen.
  • Buch-Scores leicht zu manipulieren sind.
  • Bücher via Newsletter, Anzeigen etc. auf der Seite beworben (oder unsichtbarer gemacht) werden können.
  • Kindle-Daten dem Konzern zeigen, WIE wir lesen, wo wir abbrechen und pausieren…
  • …und Goodreads-Daten jetzt zusätzlich genau zeigen, was wir lesen WOLLEN.

Als User sind Goodreads und Amazon für mich nicht vergleichbar: Auf Goodreads kann ich Bücher markieren, sortieren, sichtbar machen oder wegklicken, in einer Optionen-Fülle, die mir Online-Stores oder Datenbanken nie gaben. Mir kommt das vor, als könne ich mit Leuchtstiften, Stickern, Handwagen etc. durch eine Buchhandlung laufen – und alles wegwerfen, umsortieren, anstreichen, nach meinen Vorstellungen stapeln. Die Amazon-Website gibt mir kaum Optionen, mich als Leser zu organisieren: Hier geht es um Angebote, Überflutung, Werbung, Kaufanreize. Goodreads dagegen ist – bislang – weiterhin ein Ort, an dem ICH entscheiden kann, was ich mir speichere und sichtbar halte.

Trotzdem glaube ich, dass Amazon durch die Goodreads-Daten noch aggressiver planen kann. (Gut, immerhin: Dass die meisten dieser Daten auf Goodreads offen sind und ich selbst – z.B. als Journalist – von außen ebenfalls viele Schlüsse aus all den Scores und Rankings etc. ziehen kann: Die Seite hat mir VIEL mehr gegeben und gezeigt, als ich bisher, durch meine Daten, dort „einzahlte“.)

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02. Abseitiges, Serien, Direktvergleiche:

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„Was macht gute Literatur aus?“, „Was macht Buch X besser als Y?“, das sind Irrsinns-Fragen: Sie müssen immer neu gestellt, verhandelt werden – und Goodreads hat auf sie keine besonders klugen oder neuen Antworten. Eine Frage aber, die die Plattform HERVORRAGEND beantwortet: „Welche Bücher lasen Menschen gern – und: lieber als andere?“

Ich bin besonders oft bei Goodreads, wenn ich mich nicht über EIN konkretes Buch informieren oder austauschen will – sondern frage:

Ich liebe die Website GraphTV: Sie zeigt, wie IMDB-User*innen alle Episoden von Serien bewerten – und liefert damit klare Tendenzen: Welche Serien laufen sich tot? Wo lohnt sich erst die zweite Staffel? Was wird besser und besser? [Beispiele: „The Americans“, „Friends“, „Game of Thrones“, „The Walking Dead“).

Goodreads ist kein Werkzeug, das mir objektiv zeigen kann: Die folgenden Bücher sind gut.

Doch Goodreads kann mir überraschend präzise Tendenzen, Entwicklungen, Abstufungen zeigen.

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ein Problem, das ich oft fürchte, aber nicht besätigen kann: „Unbequeme“ Bücher, Zumutungen, Herausforderungen, Irritationen, Kurswechsel, Experimente – werden sie auf Goodreads abgestraft? Werden nur Wohlfühl-Titel hoch bewertet oder Autor*innen gelobt, die keine Wagnisse eingehen, nur eine feste Formel bedienen? Nein. Die Scores zeigen: Auch das aller-breiteste Publikum ist VIEL kritischer, experimentierfreudiger meist.

schade aber: Wer Band 1 einer Serie, Reihe nicht mag, steigt aus. Wer Band 17 liest, liebt die Reihe meist. Deshalb haben Reihen oft immer höhere Wertungen – vielleicht auch solche, die den Hype nicht verdienen?

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01. nie wieder die Angst: „Nichts macht mir Spaß!“

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Wenn ich krank bin, müde, deprimiert, frage ich nicht mehr: Was soll ich lesen, sehen, hören? Die vielen Watch- und to-Read-Lists helfen mir, Titel präsent zu halten, auf die ich mich freue. Ich öffne Goodreads in Antiquariaten, Bibliotheken, als Wunschzettel, Merk- und Einkaufsliste. Ich war nie suizidal – doch ein Blick auf die Listen macht mir wie NICHTS ANDERES klar, wie viel ich noch nicht kenne… und unbedingt kennen will. Kultur, auf die ich mich freue. Geschichten, Figuren, Stimmen, für die ich mir Zeit nehmen will.

Mein Leben fühlt sich weiter, offener an – seit ich solche Listen pflege. #Vorfreude!

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ein Problem: Für mich ist das Routine:

  • Bücher im Gespräch mit Freund*innen, im Feuilleton oder in Buchläden entdecken.
  • Sie auf Goodreads finden, Kritiken und den Score nachlesen.
  • Die Leseprobe anlesen.
  • …und DANN entscheiden: Will ich das kaufen und komplett lesen?

Viele Freund*innen brauchen das nicht: Sie lassen sich Bücher leihen oder schenken, kaufen nach Cover und Gefühl, sparen sich langes Überlegen. Ich bin Literaturkritiker: Mir ist wichtig, dass ich in alle bekannteren Bücher wenigstens kurze Blicke warf, mir einen ersten Überblick verschaffte, nicht zu viel Zeit mit Dutzendware verbringe. Doch ich verstehe alle, die sagen: „Eine Datenbank pflegen – über die eigenen Lese-Absichten? Wozu?“

Ich verbringe gut vier Tage im Monat, Bücher zu finden, zu sortieren, anzulesen, Redakteur*innen vorzuschlagen, in Listen zu bloggen.

Ich verbringe oft weniger als vier Tage im Monat damit, Bücher zu lesen.

Für mich passt diese Balance meist. Passt sie für euch? Dann: Goodreads, gern.

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Romane 2017: Die besten neuen Bücher – Herbst, Frankfurter Buchmesse & Weihnachten

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angelesen, vorgemerkt, entdeckt: meine Vorauswahl der literarischen Neuerscheinungen in der zweiten Jahreshälfte 2017 – neue Bücher für die Zeit zwischen Spätsommer, Frankfurter Buchmesse und Weihnachten.

Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

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Hier meine Auswahl für Herbst und Winter 2017.

Die Klappentexte/Buchbeschreibungen wurden von mir gekürzt.

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angelesen und gemocht:

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neue Bücher 2017 Colson Whitehead, Mariana Leky, Geoffrey Household.png

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Colson Whitehead: „Underground Railroad“ (Hanser, 21.8. – Deutsch von Nikolaus Stingl) „Cora ist eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Da hört sie von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk. Über eine Falltür beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?“

Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“ (Dumont, 18.7.) „Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt.“

Geoffrey Household: „Einzelgänger, männlich“ (Kein & Aber, 5.9. – Deutsch von Michel Bodmer) „Europa Anfang der Dreißigerjahre: Ein Jäger schleicht sich auf das Anwesen eines gefürchteten Diktators, legt an und zielt. Ein unvorstellbar spannender Thriller, geschrieben aus der Sicht des Verfolgten.“ [Klassiker von 1939]

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neue Bücher 2017 Gael Faye, Betty Smith, Tom Drury

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Gael Faye: „Kleines Land“ (Piper, 2.10. – Deutsch von Brigitte Große, Andrea Alvermann) „Als Kind pflückte Gabriel in Burundi mit seinen Freunden Mangos von den Bäumen. Heute lebt er in einem Vorort von Paris. Dorthin floh er, als der Bürgerkrieg das Paradies seiner Kindheit zerstörte. Doch er muss noch einmal zurück.“

Betty Smith: „Ein Baum wächst in Brooklyn“ (Suhrkamp/Insel, 23.10. – Deutsch von Eike Schönfeld) „Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin – und möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der im bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten.“ [Klassiker von 1944.]

Tom Drury: „Grouse County“ (Sammelband einer Romantrilogie, ich las und mochte „Die Traumjäger“; 5.8. – Deutsch von Gerhard Falkner, Nora Matocza) „Irgendwo im Mittleren Westen: Das Leben der Menschen zerbröckelt langsam, alle jagen unrealistischen Träumen nach – und sind Dorn im Auge des örtlichen Sheriffs, Dan Norman, der die Harmonie in seinem County wahren will. Die jüngere Generation sieht dagegen nur einen Ausweg, dem ländlichen Mief zu entkommen: nie mehr zurückkehren. Der Band enthählt die drei Romane »Das Ende des Vandalismus«, »Die Traumjäger « und den bisher auf Deutsch unveröffentlichten Roman »Pazifik«.“

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neue Bücher 2017 Tim Winton, Margaret Atwood, Elena Lappin

Tim Winton: „Inselleben. Mein Australien“ (Luchterhand, 24.7. – Deutsch von Klaus Berr) [Ich glaube, das ist der schwülstigste, unfreiwillig komischste Klappentext, den ich dieses Jahr las. Winton selbst schreibt zum Glück nicht halb so… pfaffenhaft.]

Margaret Atwood: „Aus Neugier und Leidenschaft. Gesammelte Essays [bis 2005]“ (Berlin Verlag, 13.10. – Deutsch von Christiane Buchner, Claudia Max, Ina Pfitzner) “ Rezensionen zu John Updike und Toni Morrison; ein Afghanistan-Reisebericht, der zur Grundlage für den ‚Report der Magd‘ wurde, leidenschaftliche Schriften zu ökologischen Themen, Nachrufe auf einige ihrer großen Freunde und Autorenkollegen…“

Elena Lappin: „In welcher Sprache träume ich?“ (Kiepenheuer & Witsch, 7.9. – Deutsch von Hans Christian Oeser) „Hineingeboren ins Russische, verpflanzt erst ins Tschechische, dann ins Deutsche, eingeführt ins Hebräische und schließlich adoptiert vom Englischen – jede Sprache markiert einen neuen Lebensabschnitt in der Familiengeschichte Elena Lappins: Fragen nach Heimat, Identität, Judentum und Sprache. Sensibel geht sie den Erzählungen, Lebenslügen und Geheimnissen der Eltern und Großeltern nach und schildert, was es heißt, mit gleich mehrfach gekappten Wurzeln zu leben und auch nach dem Verlust einer Muttersprache schreiben zu wollen.“

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neue Bücher 2017 Benjamin Alire Saenz, Guy Gavriel Kay, James Corey

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Benjamin Alire Saenz: „Die unerklärliche Logik meines Lebens“ (Jugendbuch, Hanser bei Thienemann, 19.8. – Deutsch von Uwe-Michael Gutzschhahn) „Sich gegenseitig auffangen – das haben Sal und seine beste Freundin Samantha bisher immer geschafft. Doch gelingt das auch, wenn alles droht, auseinanderzubrechen? Das letzte Schuljahr stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Sam gerät an einen miesen Typen, während Sal verzweifelt versucht, nicht zu einem zu werden.“

Guy Gavriel Kay: „Am Fluss der Sterne“ (Fantasy, spielt 400 Jahre nach „Im Schatten des Himmels“, Fischer TOR, 26.10. – Deutsch von Ulrike Brauns) „Einst galt Xi’an als schönste Stadt der zivilisierten Welt, der Kaiserhof als Hort des Luxus und der Kultur. Doch seit Kitai in weiten Teilen an die Barbaren aus dem Norden gefallen ist, herrscht Angst auf den Straßen, und das Heulen der Wölfe hallt durch verfallene Gemäuer.“

James Corey: „Babylons Asche“ (Science Fiction, Band 6 der „The Expanse“-Reihe, Heyne, 13.6. – Deutsch von Jürgen Langowski) „Die Menschheit hat das Sonnensystem kolonisiert. Auf dem Mond, dem Mars, im Asteroidengürtel und noch darüber hinaus gibt es Stationen und werden Rohstoffe abgebaut. Doch die Sterne sind den Menschen bisher verwehrt geblieben. Als der Kapitän eines kleinen Minenschiffs ein havariertes Schiff aufbringt, ahnt er nicht, welch gefährliches Geheimnis er in Händen hält – ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird.“

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deutschsprachige Literatur:

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Jana Hensel: „Keinland. Ein Liebesroman“ (Wallstein, 31.7.) „Jana Hensel lotet in kunstvollen Zeitsprüngen und Erinnerungen an Tage in Berlin und Nächte in Tel Aviv, an tiefe Innigkeit und immer wieder scheiternde Gespräche die Grenzen zwischen zwei Liebenden aus. Martin, der als Jude in Frankfurt am Main aufgewachsen ist, Deutschland aber nach der Wiedervereinigung verlassen hat und nach Tel Aviv gezogen ist, und Journalistin Nadja.“

Theresia Enzensberger: „Blaupause“ (Hanser, 24.7.) „Luise Schilling ist jung, wissbegierig und voller Zukunft. Anfang der brodelnden zwanziger Jahre kommt sie an das Weimarer Bauhaus, studiert bei Professoren wie Gropius oder Kandinsky und wirft sich hinein in die Träume und Ideen ihrer Epoche. Zwischen Technik und Kunst, Populismus und Avantgarde, den Utopien einer ganzen Gesellschaft und individueller Liebe wird Luise deutlich, dass der Kampf um die große Freiheit vor dem eigenen kleinen Leben nie Halt macht.“

Maren Wurster: „Das Fell“ (Hanser Berlin, 24.7.) „Vic freut sich auf die Reise mit Karl. Doch dann fährt Karl mit seiner Ex-Freundin und der gemeinsamen Tochter an die Ostsee und reagiert nicht auf Vics Nachrichten. Vic steigt aufs Fahrrad und fährt los, immer weiter durch eine Landschaft, die immer fremder wird. Etwas verändert sich in Vic, etwas Unheimliches kommt zum Vorschein.“

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Thomas Lehr: „Schlafende Sonne“ (Hanser, 21.8.) „Der Dokumentarfilmer Rudolf Zacharias will die Vernissage einer früheren Studentin besuchen. Milena zieht in der Ausstellung nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Historische Katastrophen stehen neben den privaten Verwicklungen dreier Menschen, die Spuren führen von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Ein überwältigendes Fresko dieses deutschen Jahrhunderts: tragisch, komisch, grotesk, und immer wieder ganz persönlich und intim.“

Sabrina Janesch: „Die goldene Stadt“ (Rowohlt Berlin, 18.8.) „Peru, 1887. Augusto Berns will die verlorene Stadt der Inka gefunden haben. Wer ist der Mann, der vielleicht El Dorado entdeckte? Erst seit kurzem weiß man, dass Machu Picchu von einem Deutschen entdeckt wurde. Ein Roman, der uns in eine exotische Welt eintauchen lässt [uff] – und zeigt, was es bedeutet, für einen Traum zu leben.“

Klaus Cäsar Zehrer: „Das Genie“ (Diogenes, 23.8.) „Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wurde von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Doch als er erwachsen wird, bricht er mit seinen Eltern und weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Ver­fügung zu stellen, die von Ausbeutung, Profitsucht und Militärgewalt beherrscht wird.“

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Dietmar Dath: „Der Schnitt durch die Sonne“ (S. Fischer, 24.8.) „Sechs Menschen werden zusammengerufen, um zur Sonne zu reisen: eine Schülerin, ein Koch, ein Finanzberater, eine Mathematikerin, ein Gitarrist und eine Pianistin. Sie erfahren, dass es dort eine Zivilisation gibt, die anders ist als alles, was Menschen kennen. Mit neuen Körpern sollen sie drei große Aufgaben bewältigen und geraten dabei zwischen die Fronten eines gewaltigen Konflikts. »Der Schnitt durch die Sonne« steht in der Tradition von H.G. Wells, Stanisław Lem und Arno Schmidt. Ein abenteuerlicher, philosophischer und politischer Roman, der sich den drängenden Fragen unserer Gegenwart stellt.“

Marcus Braun: „Der letzte Buddha“ (Hanser Berlin, 21.8.) „1995 erkannte der Dalai Lama in einem sechsjährigen Jungen den elften Panchen Lama, den zweithöchsten Würdenträger Tibets. Chinas Regierung zog den Jungen aus dem Verkehr und installierte an seiner Stelle den Sohn regimetreuer Kader. Marcus Braun lässt den echten Heiligen zwanzig Jahre später wieder auftauchen – in Los Angeles, als Surfer. Als Jonathan erfährt, wer er in Wahrheit ist, unterzieht er sich einem Lama-Coaching. Als sich der echte und der falsche Panchen Lama gegenüberstehen, geraten alle Gewissheiten ins Wanken. Der neue Roman eines der originellsten deutschsprachigen Autoren.“

Patricia Hempel: „Metrofolklore“ (Klett-Cotta/Tropen, 9.9.) „Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen. Und wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftigen Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.“

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Sasha Marianna Salzmann: „Außer sich“ (Suhrkamp, 11.9.) „Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims. Noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender.“

Barbara Schibli: „Flechten“ (Dörlemann, 4.9.) „Wer bin ich? Anna ist ein eineiiger Zwilling. Sie ist aus dem bündnerischen Bever nach Zürich gezogen, um Biologie zu studieren. Nun arbeitet sie in der Flechtenforschung, während ihre Schwester Leta sich der Fotografie widmet. Beide betrachten die Welt durch eine Linse: Anna durch das Mikroskop, während Leta seit der Kindheit obsessiv Anna fotografiert. Als Anna nach Treviso zur Eröffnung von Letas Fotoinstallation »Observing the Self« fährt, fühlt sie sich von ihr verraten, missbraucht und ausgelöscht. Denn Leta hat das einzige Zeichen, das sie beide unterscheidet, wegretuschiert.“

Sven Regener: „Wiener Straße“ (Galiani Berlin, 7.9.) „November 1980: Frank Lehmann, neu in einer Wohnung über dem Café Einfall. Österreichische Aktionskünstler, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen. Außer einen! Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre – das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder kann ein Held sein. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen.“

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Christoph Held: „Bewohner“ (Dörlemann, 18.8.) „Das Nichterkennenkönnen des eigenen Zustands gehört zum Erscheinungsbild der Alzheimerkrankheit. Held hat über viele Jahre in Alters- und Pflegeheimen beobachtet: Er erzählt von Bewohnern, die es so nicht gab, doch deren Geschichten alles andere als erfunden sind.“

Dirk van Versendaal: „Nyx“ (Rowohlt, 17.11.) „Ein visionärer dystopischer Thriller, düster wie ein Film von Lars von Trier. Die Nyx, erbaut 2025, ist ein schwimmendes Ungetüm, viereinhalb Kilometer lang. Der Koloss zieht als gigantisches Alters- und Pflegeheim seine Bahnen durch alle Weltmeere – das ist einfach billiger, als die Alten an Land zu versorgen. Als die junge Ärztin Polly Sutter an Bord geht, tut sich aber schon seit längerem Unheimliches. Immer mehr Alte sterben. Die Nyx durchpflügt unbeirrbar die internationalen Gewässer, während an Bord ein Pandämonium ausbricht…“

Christian Bangel: „Oder Florida“ (Piper, 2.10.) „Matthias Freier, 20, sitzt 1998 in seiner Platte und blickt auf Frankfurt (Oder): Ist das der wilde Osten – oder nur eine öde Brache, die sich fest in der Hand von Neonazis befindet?“

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Frankreich – Gastland der Frankfurter Buchmesse 2017:

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Annie Ernaux: „Die Jahre“ (Suhrkamp, 11.9. – Deutsch von Sonja Finck) „Kindheit in der Nachkriegszeit, Algerienkrise, eine prekäre Ehe, de Gaulle, das Jahr 1968, Krankheiten und Verluste, die so genannte Emanzipation der Frau, Frankreich unter Mitterrand, die Folgen der Globalisierung, das eigene Altern. Anhand von Fotografien, Erinnerungen und Aufzeichnungen, von Wörtern, Melodien und Gegenständen vergegenwärtigt Annie Ernaux die Jahre. Sie schreibt ihr Leben – unser Leben, das Leben – in eine völlig neuartige Erzählform ein, in eine kollektive, »unpersönliche Autobiographie«.“

Arthur Dreyfus: „Nach Véronique“ (Albino, 1.10. – Deutsch von Christiane Landgrebe) „Bernards Frau Véronique wird während eines Urlaubs in Tunesien Opfer eines terroristischen Anschlags. Die Tochter zieht für einige Tage in das elterliche Haus in der Pariser Banlieue. Doch Bernard will Rache. In Tunesien hat der junge Student Seifeddine gute Chancen, die ärmlichen Verhältnisse, aus denen er stammt, zu überwinden. Aber der Tod seines Bruders und die Trennung von seiner Geliebten treiben ihn in die Arme islamistischer Extremisten.“ (hat passable Kritiken – doch der Klappentext klingt, als wimmle das Buch von Women in Refrigerators)

Jean-Marc Ceci: „Herr Origami“ (Hoffmann & Campe, 12.9. – Deutsch von Claudia Kalscheuer) „Ein junger Japaner reist auf der Suche nach seiner großen Liebe nach Italien. Als er sie nicht finden kann, widmet er sich in der Toskana ganz der Meditation und der Herstellung von Washi, traditionellem japanischem Papier. Jahrzehnte später besucht ihn ein junger Uhrmacher. Die Begegnung gibt beiden Leben eine völlig neue Richtung.“

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Négar Djavadi: „Desorientale“ (C.H. Beck, 19.9. – Deutsch von Michaela Meßner) „Ein komisch-tragischer, autobiographischer Debütroman. Kimiâ Sadrs Familie stammt aus dem Iran. Ein zweiter Erzählstrang betrifft Kimiâ und ihre Schwangerschaft. Der Mann dazu ist nur geliehen – Kimiâ liebt eher Frauen. Seit zehn Jahren im Pariser Exil, hat Kimiâ stets versucht, ihr Land, ihre Kultur, ihre Familie auf Abstand zu halten.“

Joseph Andras: „Die Wunden unserer Brüder“ (Hanser, 24.7. – Deutsch von Claudia Hamm) „Die wahre Geschichte des einzigen Europäers, der 1957 im algerischen Unabhängigkeitskrieg hingerichtet wurde – ein poetisches Debüt. Fernand Iveton ist dreißig, als er im November 1956 für die algerische Unabhängigkeitsbewegung in einem verlassenen Gebäude eine Bombe legt. Der Algerienfranzose will ein Zeichen setzen, ohne Opfer zu riskieren. Doch Iveton wird verraten und noch vor der Detonation verhaftet. Ein Franzose auf Seiten der Algerier ist nicht tragbar.“

Philippe Pujol: „Die Erschaffung des Monsters. Elend und Macht in Marseille“ (Sachbuch; Hanser Berlin, 21.8. – Deutsch von Till Bardoux und Oliver Ilan Schulz) „Was Savianos „Gomorrha“ für Neapel und „The Wire“ für Baltimore ist, gelingt Philippe Pujol für Marseille. Ein städtischer Kosmos, in dem massive soziale Gegensätze aufeinander prallen. Von den minderjährigen Straßendealern bis zur unheiligen Allianz zwischen Lokalpolitikern und Immobilienhaie.“

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internationale Literatur:

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neue Bücher 2017 Petre M. Andreevski, Peter Nadas, Attila Bartis

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Petre M. Andreevski: „Quecke“ (Guggolz, 1.8. – Deutsch von Benjamin Langer) „Andreevski (1934–2006) schrieb mit »Quecke« den großen Roman über das Mazedonien zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Jon und Velika, ein Ehepaar aus einem kleinen Dorf in den Bergen, wird von den Umbrüchen der mazedonischen Geschichte erfasst. Es ist die Zeit der Balkankriege und des Ersten Weltkriegs. Die beiden erzählen in wechselnden Kapiteln von ihrem Leben – und zeigen, wie sie zwischen politischen Verwerfungen, Besitzansprüchen und Auseinandersetzungen fast zerrieben werden.“

Péter Nadas: „Aufleuchtende Details“ (Autobiografie, Rowohlt, 22.9. – Deutsch von Christina Viragh) „Während Nádas‘ Mutter am 14. Oktober 1942 in Budapest mit der Straßenbahn zur Entbindung fährt, liquidiert ein Einsatzkommando das Getto in Mizocz.
Jedes Ereignis, so Nádas, wirkt auf alle anderen Ereignisse ein – ob in der Politik oder der privaten Lebensgeschichte. Den weitgespannten Verflechtungen folgen Nádas‘ Memoiren nicht chronologisch, sondern assoziativ, wie in seinen großen Romanen. Und durch jede einzelne Episode zieht sich die geheime Frage: Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin, wenn jede persönliche Erinnerung, jede Prägung, untrennbar mit Geschichte verstrickt ist? Und so erzählt dieses Buch nicht zuletzt davon, wie Identität unter schwierigen Bedingungen wächst, während sie sich permanent im Strom der Zeit zu verlieren droht.“

Attila Bartis: „Das Ende“ (Suhrkamp, 9.10. – Deutsch von Terezia Mora) „András Szabad wächst in einer ungarischen Kleinstadt auf, innig geliebt von seiner Mutter, einer Bibliothekarin. 1956 wird sein Vater wegen Teilnahme am Aufstand verhaftet. Als er nach drei Jahren völlig gebrochen nach Hause kommt, stirbt die Mutter – das Ende einer Kindheit. Mit dem Vater zieht er nach Budapest, und András entdeckt das Fotografieren. Die Kamera wird seine Leidenschaft, das Organ, mit dem er der Welt auflauert, sie sich vom Leib hält und aufs Bild bannt. Als er Jahrzehnte später vom Unfalltod Évas erfährt, einer nach Amerika emigrierten Pianistin, mit der ihn eine Amour fou verband, beginnt er sein Leben niederzuschreiben – kurze Episoden, gestochen scharfe Dialoge.“

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neue Bücher 2017 Paolo Cognetti, Elizabeth Day, Nicolas Dickner

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Paolo Cognetti: „Acht Berge“ (DVA, 11.9. – Deutsch von Christiane Burghardt) „Pietro und Bruno erkunden als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Dorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?“

Elizabeth Day: „Die Party“ (Dumont, 19.9. – Deutsch von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel) „Martin Gilmour hat nur einen Menschen, der ihm wirklich etwas bedeutet: Ben. Wenn er es sich auch nicht eingesteht, so dreht sich in seinem Leben doch alles darum, Ben zu gefallen und ähnlich zu sein. Ben ist das genaue Gegenteil von Martin: attraktiv, beliebt, reich. Martin genießt es, dazuzugehören. Und so tut er alles für Ben – wirklich alles.“

Nicolas Dickner: „Die sechs Freiheitsgrade“ (Frankfurter Verlagsanstalt, 30.8. – Deutsch von Andreas Jandl) „Ein verlorener Trailerpark im Süden Québecs: Die fünfzehnjährige hochbegabte Tüftlerin Lisa bricht aus. Éric ist der Einzige, der sie versteht. Doch wegen chronischer Platzangst hat der junge Hacker das Haus seit Jahren nicht verlassen. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, der Lisa auf die ungewöhnlichste Weltreise seit Jules Verne schickt. Die ehemalige Kreditkartenbetrügerin Jay muss Lisas Fährte aufnehmen. Ein globales Gesellschaftsspiel beginnt.“

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neue Bücher 2017 Zurab Karumidze, Ljudmila Ulitzkaja, Szczepan Twardoch

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Zurab Karumidze: „Dagny oder: ein Fest der Liebe“ (Weidle, 1.9. – Deutsch von Stefan Weidle) „Ein großes postmodernes Spiel – doch die zentrale Figur, Dagny Juel, gab es wirklich: Sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen. Sich selbst erschoß er dann auch. Dagny Juel war Norwegerin, lernte früh Edvard Munch kennen und wurde sein Modell (etwa für die berühmte »Madonna«). Später traf sie auf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanislaw Przybyszewski.“

Ljudmila Ulitzkaja: „Jakobsleiter“ (Hanser, 21.8. – Deutsch von Ganna-Maria Braungardt) „Nach der Revolution ziehen Jakow und Marussja mit ihrer kleinen Familie nach Moskau. Während Marussja der neuen Regierung vertraut, erkennt Jakow bald die Missstände. Unter Stalin wird er nach Sibirien verbannt. Seine Frau lässt sich scheiden, auch der Sohn wendet sich ab, und seine Enkelin Nora sieht er nur einmal als Kind. Sie, die ein bewegtes Leben führen wird – Bühnenbildnerin, alleinerziehend, georgische Liebschaft – lernt ihren Großvater erst aus seinen Liebesbriefen an die Großmutter kennen. Angeregt durch den Briefwechsel ihrer eigenen Großeltern hat Ljudmila Ulitzkaja einen Roman geschrieben, der die Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert aus unmittelbarer Nähe erzählt.“

Szczepan Twardoch: „Der Boxer“ (Rowohlt Berlin, 24.1. – Deutsch von Olaf Kühl) „Jakub Shapiro ist ein hoffnungsvoller junger Boxer und überhaupt sehr talentiert. Das erkennt auch der mächtige Warschauer Unterweltpate Kaplica, der Shapiro zu seinem Vertrauten macht. Doch rechte Putschpläne gegen die polnische Regierung bringen das Imperium Kaplicas in Bedrängnis; er kommt in Haft. Jakub Shapiro muss die Dinge in die Hand nehmen: Er geht gegen Feinde wie Verräter vor, beginnt – aus Leidenschaft und Kalkül – eine fatale Affäre mit der Tochter des Staatsanwalts, muss zugleich seine Frau und Kinder vor dem anschwellenden Hass schützen – und nimmt immer mehr die Rolle des Paten ein. Ein überragender, thrillerhafter Roman, der eine eruptive Epoche geradezu körperlich erlebbar macht.“

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Sachbücher:

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Ijoma Mangold: „Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte.“ (Rowohlt, 18.08.) „Ijoma hat dunkle Haut, dunkle Locken. In den siebziger Jahren wächst er in Heidelberg auf. Seine Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, um sich zum Facharzt für Kinderchirurgie ausbilden zu lassen. Weil es so verabredet war, geht er nach kurzer Zeit nach Afrika zurück und gründet dort eine neue Familie. Erst zweiundzwanzig Jahre später meldet er sich wieder. Wie wuchs man als «Mischlingskind» und «Mulatte» in der Bundesrepublik auf? Wie geht man um mit einem abwesenden Vater? Wie verhalten sich Rasse und Klasse zueinander? Und womit fällt man in Deutschland mehr aus dem Rahmen, mit einer dunklen Haut oder mit einer Leidenschaft für Thomas Mann und Richard Wagner?“

Rebecca Solnit: „Die Mutter aller Fragen“ (Tempo, 17.11. – Deutsch von Kirsten Riesselmann) „»Warum haben Sie keine Kinder?« Diese »Mutter aller Fragen« wird Rebecca Solnit hartnäckig von Journalisten gestellt, die sich mehr für ihren Bauch als für ihre Bücher interessieren. Sie erklärt in ihren Essays, warum die Geschichte des Schweigens mit der Geschichte der Frauen untrennbar verknüpft ist, warum fünfjährige Jungen auf rosa Spielzeug lieber verzichten, und nennt 80 Bücher, die keine Frau lesen sollte, schreibt über Männer, die Feministen und Männer, die Vergewaltiger sind.“

Mareike Nieberding: „Als wir das Reden vergaßen. Eine Tochter-Vater-Geschichte“ (Suhrkamp, 23.10.) „Ihre ganze Kindheit und Jugend wurde Mareike Nieberding von ihrem Vater abgeholt. Egal, wo sie war, egal, wie betrunken. Um ein Uhr nachts vom Schützenfest, um sieben nach der Schicht in der Kneipe. Sitzt sie ihm heute gegenüber, fragt sie sich, wer dieser ergrauende Mann eigentlich ist, was er fühlt, ob er glücklich ist. Wenn er sie vom Bahnhof abholt, reden sie auf dem Weg nach Hause über das Leben von Nachbarn und Bekannten, bis sie schließlich wortlos vor ihrem eigenen stehen. Sie streiten nicht. Sie haben sich nur nichts zu sagen. Als wir das Reden vergaßen erzählt davon, warum die meisten Tochter-Vater-Beziehungen nach der Pubertät nicht mehr dieselben sind. Und wie man sich wieder nahekommt, wenn man sich schon fast verloren hat.“

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neue Sachbücher 2017 Konrad Paul Liessmann, Andreas Reckwitz, Martin Reichert

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Konrad Paul Liessmann: „Bildung als Provokation“ (Zsolnay, 25.9.) „Bildung wurde zu einer säkularen Heilslehre für die Lösung aller Probleme – von der Bekämpfung der Armut bis zur Integration von Migranten, vom Klimawandel bis zum Kampf gegen den Terror. Während aber „Bildung“ als Schlagwort in unserer Gesellschaft omnipräsent wurde, ist der Gebildete, ja jeder ernsthafte Bildungsanspruch zur Provokation geworden. Konrad Paul begibt sich in die Niederungen der Parteienlandschaft und die Untiefen der sozialen Netzwerke und denkt darüber nach, warum es so unangenehm ist, gebildeten Menschen zu begegnen.“

Andreas Reckwitz: „Die Gesellschaft der Singularitäten“ (Suhrkamp, 9.10.) „Das Besondere und Einzigartige wird prämiert, eher reizlos ist das Allgemeine, Standardisierte. Der Durchschnittsmensch mit seinem Durchschnittsleben steht unter Konformitätsverdacht. Das neue Maß der Dinge sind die authentischen Subjekte mit originellen Interessen und kuratierter Biografie, aber auch die unverwechselbaren Güter und Events, Communities und Städte. Spätmoderne Gesellschaften feiern das Singuläre. Ausgehend von dieser Diagnose, untersucht Andreas Reckwitz den Prozess der Singularisierung, wie er sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Ökonomie, Arbeitswelt, Netzkultur, Lebensstilen und Politik abspielt.“

Martin Reichert: „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“ (Suhrkamp, 13.11.) „Gib Aids keine Chance – fast jeder Deutsche über dreißig kennt den Slogan dieser 1987 gestarteten Kampagne. »Truvada« heißt das Wundermittel, mit dem sich diese Forderung nun erfüllen soll. Die Kapsel, die HIV-Infizierten schon seit einiger Zeit zu Therapiezwecken verschrieben wird, dient mittlerweile auch der Prophylaxe. Aids hat die Art und Weise, wie wir leben und wie wir lieben, tiefgreifend verändert. Die Kapsel berichtet davon, wie die Krankheit ihren Weg ins Bewusstsein der Bundesrepublik fand.“

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neue Sachbücher 2017 Alexander Gorkow, Ayelet Walman und Michael Chabon, Asne Seierstad

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Alexander Gorkow: „Hotel Laguna. Meine Familie am Strand.“ (Kiepenheuer & Witsch, 17.8.) „In der kleinen Bucht von Canyamel auf Mallorca verbrachte Gorkow seit den späten 60ern prägende Kindheitsurlaube. Mehr als 30 Jahre später trifft er nun Freunde von damals – und findet neue. Hier sieht er klar: seine, unsere Träume und Verluste. Zugleich Familienroman und Mentalitätsgeschichte: über unsere Urlaube, unser Land und unsere Sehnsüchte.“

Ayelet Waldman (…die ich sehr mag, und mit der ich 2010 ein langes Interview führte, LINK) und Michael Chabon (Hrsg.): „Oliven und Asche. Schriftstellerinnen und Schriftsteller berichten über die israelische Besetzung in Palästina“ (Kiepenheuer & Witsch, 5.10.) „Die israelische Besatzungspolitik: International gefeierte Autorinnen und Autoren machen sich vor Ort ein Bild. Breaking the Silence wurde von ehemaligen israelischen Soldaten gegründet, die in den besetzten Gebieten gedient und Ungerechtigkeit direkt erlebt haben. Eva Menasse, Dave Eggers, Colum McCann und Arnon Grünberg reisten in die besetzten Gebiete. Der Leser reist z.B. mit Rachel Kushner in ein palästinensisches Flüchtlingscamp mitten in Jerusalem, lernt mit Taiye Selasi etwas über die verbotene Liebe zwischen Israelis und Palästinensern oder lässt sich von Helon Habila die verblüffende Genese der Israelischen Sperranlage erzählen.“

Asne Seierstad: „Zwei Schwestern. Im Bann des Jihad“ (Kein & Aber, 4.10. – Deutsch von Nora Pröfrock; auch Freund Sebastian Christ veröffentlicht im Herbst ein Buch über einen IS-Aussteiger, „Meine falschen Brüder“) „Aufgewachsen und sozialisiert im europäischen Westen, verlassen zwei norwegisch-somalische Schwestern im Alter von 16 und 19 ihr Heimatland Norwegen. Ihr Ziel: der IS. Die Familie trifft das völlig unvorbereitet. Über soziale Medien halten sie Kontakt, versuchen herauszufinden, wo die Schwestern sich genau befinden und was die Gründe für ihre Handlungen sind. Irgendwann bricht der Kontakt ab, und der Vater begibt sich auf die lebensgefährliche Reise nach Syrien. Warum radikalisieren sich junge Frauen, die in gesicherten Verhältnissen aufwachsen? Åsne Seierstad nähert sich der Frage mit der Neugier und Genauigkeit einer der renommiertesten Journalistinnen Europas.“

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neue Sachbücher 2017 Christiane Westermann, Henry Hitchings, Joachim Kalka Peanuts

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Christiane Westermann: „Die Sache mit dem Abschied“ (…ich finde sie oft gehemmt, verstockt – und bin gespannt, ob das lesenswerter wird, indem sie ein existenzielles Thema aufgreift; Kiepenheuer & Witsch, 9.11.) „»Zur letzten Sendung komme ich nicht«, sagte Christine Westermann scherzhaft schon Jahre, bevor an ein Ende der von ihr und Götz Alsmann moderierten TV-Sendung »Zimmer frei« auch nur zu denken war. So tief saß ihre Angst vor drohenden Abschieden. Wie schwer wiegt der Abschied von einem Freund, von dem man sicher war, dass er einen überleben würde? Wie leicht kann es sein, eine Stadt, einen Wohnort hinter sich zu lassen?“

Henry Hitchings (Hrsg.): „Die Welt in Seiten. Liebeserklärungen an Buchhandlungen“ (Atlantik bei Hoffmann & Campe, 17.11.) „Daniel Kehlmann sinniert über den Wunsch, nicht angesprochen zu werden. Saša Stanišic’ darüber, wie man in einer neuen Stadt einen »Dealer« findet, ohne an einen Besserwisser zu geraten. Elif Shafak beschwört die Atmosphäre einer Istanbuler Buchhandlung herauf – ihr Chaos und ihre Vielfalt, den Geruch nach Tabak und Kaffee. 15 Schriftsteller aus aller Welt erörtern die soziale, kulturelle und politische Funktion von Buchhandlungen – ob in Bogotá oder Delhi, in London oder Berlin, in Kopenhagen oder Nairobi.“

Joachim Kalka: „Die Peanuts. 100 Seiten.“ (Reclam, 29.9.) „Was fasziniert uns an den Kindern (und dem Hund), die doch im Grunde nichts Besonderes erleben? Joachim Kalka zeigt, welche Strömungen der amerikanischen Gesellschaft, etwa der Hype der Psychiatrie, sich in den Peanuts spiegeln.“

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Comics / Graphic Novels:

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Manu Larceret: „Brodecks Bericht“ (Reprodukt, Oktober – Ulrich Pröfrock) „Ein Winter kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Abseits von einem kleinen Dorf im deutsch-französischen Grenzgebiet lebt Brodeck. Als er eines Abends ins Wirtshaus geht, trifft er auf eine schauerliche Szene: Die Dorfgemeinschaft hat soeben kollektiv einen Fremden ermordet. Brodeck ist entsetzt, doch die Männer zwingen ihn, einen Bericht zu verfassen, der ihre Tat rechtfertigen soll…“ [ich las die Romanvorlage an: Link]

Barbara Yelin & Thomas von Steinaecker: „Der Sommer ihres Lebens“ (Reprodukt, September) „Gerda steht am Fenster des Seniorenheims. Lange hat sie die Frage aufgeschoben, jetzt sucht sie eine Antwort: Hatte sie ein glückliches Leben? Während sie versucht, den Alltag im Heim zu meistern, denkt sie zurück an ihre Jugend in den 1960er Jahren; ihre Begeisterung für ein Fach, in dem sie als Frau schief angesehen wurde, die Astrophysik; die harte Wahl, die sie damals treffen musste, in jenem Sommer ihres Lebens: zwischen ihrer Liebe zu Peter und einer Karriere im Ausland… Die erste Zusammenarbeit zwischen der Zeichnerin Barbara Yelin und dem Schriftsteller Thomas von Steinaecker.“

Jillian Tamaki: „Grenzenlos“ (Reprodukt, September – Deutsch von Sven Scheer) „Jenny ist ganz besessen von ihrem Spiegel-Facebook-Double – einer virtuellen, idealen Version ihrer selbst.“

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danke an Ilja Regier, der – wie in den Vorjahren – sehr viele Verlagsvorschauen in seinem Blog verlinkte:

Antje Kunstmann +++ Albino +++ Atlantik +++ Aufbau +++ AvivA +++ Berenberg +++ Berlin Verlag +++ Blumenbar +++ Braumüller +++ C. Bertelsmann +++ C. H. Beck +++ Diogenes +++ Dörlemann +++ Dumont +++ DVA +++ edition.fotoTAPETA  +++ Frankfurter Verlagsanstalt +++ Galiani-Berlin +++ Guggolz +++ Hanser +++ Hanser Berlin +++ Hoffmann und Campe +++ Insel +++ Jung und Jung +++Kein & Aber +++ Kiepenheuer & Witsch +++ Kindler +++ Klett-Cotta +++ Knaus +++ Liebeskind +++ List +++ Louisoder +++ Luchterhand +++ Manesse +++ Matthes & Seitz Berlin +++ Mikrotext +++ Nagel & Kimche +++ Piper +++ Reclam +++ Reprodukt +++ Rowohlt +++ Rowohlt Berlin +++ S. Fischer +++ Schöffling & Co. +++ Suhrkamp +++ Tempo +++ Tropen +++ Ullstein +++ Ullstein Fünf +++ Verbrecher +++ Wallstein +++ Weidle +++ Zsolnay / Deuticke

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P Olfermann

Wonder Woman: die 10 besten Comics (Buchtipps, Lesereihenfolge, Empfehlungen)

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Batman und Superman haben seit 50 Jahren immer wieder neue TV-Serien und Kinofilme. Ihre Städte, Gegner, Liebes- und Vorgeschichten sind bekannt. Wonder Woman (1941) ist fast genauso alt – doch wieder und wieder wird ihr Hintergrund verändert: eine tolle Figur – der oft die tollen Autor*innen fehlen.

Hier sind meine persönlichen Empfehlungen: lesenswerte Comics – für Einsteiger und Fans.

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01 – DC Helden

Superman Batman DC Helden

[Link] …von Paul Dini, Zeichnungen (nein: Gemälde!) von Alex Ross:

Fünf großformatige, kurze, bildlastige Helden-Portraits als wunderbarer Sammelband. Je eine – recht menschliche, gefühlvolle – Begegnung mit Superman, Batman, Wonder Woman, Captain Marvel/Shazam, dazu ein Abenteuer der Justice League und eine Handvoll weiterer Helden-Kurzbiografien. Ein Bilderbuch. Ein Coffee Table Book. Ein Buch zum Kennenlernen, Verschenken – und Staunen. [Hier die US-Ausgabe.]

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02 – Trinity

superman batman trinity

[Link] …von Matt Wagner:

Eine recht kurze, etwas simple/kindische Geschichte über die ersten Begegnungen von Superman, Wonder Woman und Batman. 50er-Jahre-Atmosphäre – charmant, für Kinder und Kindsköpfe. Im Gegensatz zu Tipp 1 kein Buch, für das ich viel Geld ausgeben würde. Im selben Stil, sehr lesenswert; aber mit einer recht kleinen Rolle für Wonder Woman: „The New Frontier“ von Darwyn Cooke.

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03 – A League of One / The Hiketeia

[Link] …von Christopher Moeller

Ein charmantes Kinder- und Märchenbuch über Wonder Womans Versuch, eine unterirdische Zivilisation vor einem Drachen zu retten: kindlich, harmlos, kurz und recht naiv… aber toll zum Vorlesen oder als Gute-Nacht-Lektüre, macht Lust auf die Figur. Etwas erwachsener, aber genauso schnell gelesen: „The Hiketeia“, eine Kurzgeschichte, in der Batman und Wonder Woman in Gotham City kämpfen. „The Hiketeia“ ist die Eröffnung eines viel längeren, komplexeren Wonder-Woman-Epos von Autor Greg Rucka, das ich sehr mag. Doch für sich allein funktioniert das Buch gut als… Häppchen zum Kennenlernen. [Link]

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04 – Wonder Woman: The True Amazon

[Link] …von Jill Thompson

2002 bis 2006 schrieb Greg Rucka moderne, sehr politische „Wonder Woman“-Comics. 2011 bis 2014 schuf Brian Azzarello ein blutiges, aber originelles Fantasy-Epos über Wonder Womans Krisen mit Zeus und Hera. Wer klagt, es gäbe kaum gute Geschichten über die Amazonen-Prinzessin, irrt. Was bisher aber schmerzlich fehlte: Bücher für Kinder im Grundschulalter. Jill Thompson zeigt in fast naiven Aquarellen, wie Diana als verwöhnte, hochmütige junge Thronerbin um die Bewunderung der Amazonen aus dem Hofstaat ihrer Mutter kämpft – doch an Stallmeisterin Alethea scheitert. 120 Seiten lang glauben wir, zu lesen, wie aus Diana eine Heldin, Diplomatin und „True Amazon“ wird. Tatsächlich aber nimmt die Geschichte, wie in einem archaischen Märchen, eine existenzielle, überraschend kraftvolle Wendung. Als Kind hätte mich das Buch über Jahre begeistert und schockiert. Noch heute, mit 34, kann ich die Fortsetzung nicht erwarten. Harmlose Bilder. Doch die allergrößten Fragen, Themen, Konflikte.

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05 – Wonder Woman (1987)

Batman v Superman, Wonder Woman Perez

[Link] …von George Perez (Text und Zeichnungen):

Ein Klassiker – zeitlos, aber unfassbar achzigerjahrig. In vier Sammelbänden (…und Fortsetzungen, mit neuer Zeichnerin, die ich noch nicht kenne) erzählt George Perez die Anfänge, ersten Schritte von Diana jenseits ihrer Amazonen-Heimat. Alles ist überfrachtet, pomadisiert, verschnörkelt, barock. Und trotzdem so charmant, sich-selbst-und-seine-Figuren-ernst-nehmend, dass man bis heute mit Genuss lesen kann.

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06 – Sensation Comics (Sammelband 3)

[Link] …von verschiedenen Zeichner*innen und Autor*innen

Kurzgeschichten zwischen 10 und 30 Seiten, erst digital veröffentlicht, dann als Heftreihe und Sammelband. Ich mochte Sammelband 2 der „Superman“-Kurzgeschichtensammlung „Adventures of Superman“, und Sammelband 3 der folgenden „Wonder Woman“-Sammlung: sympathische Vignetten, Episoden und Experimente, leider oft recht konventionell/zweitklassig gezeichnet. Ein schöner Weg, viele Facetten der Figur kennen zu lernen und zu sehen, wie unterschiedliche Autor*innen kurze, manchmal originelle Fragestellungen an die Heldin tragen.

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07 – The Legend of Wonder Woman

Batman v Superman, Legend of Wonder Woman

[Link] …von Renae de Liz, Zeichnungen von Ray Dillon:

Manchmal sind Comics halbkompetent geschrieben, erzählt – doch laugen mich nach wenigen Seiten aus: Figuren aus “The Walking Dead” sagen zu viele Dinge dreimal. Ihre Sprechblasen sind überfüllt, die Dialoge hölzern. Auch “The Legend of Wonder Woman” krankt an solchen unpräzisen, öden Geschwätzigkeiten. Alle Frauen hier sehen aus wie Disney-Prinzessinnen. Doch kindgerecht ist die Geschichte über Dianas erste Jahre als Kriegerin und Diplomatin trotzdem nicht: Kein Kind hätte Nerven für so langatmiges Geblubber. Solide Geschichte, toll für Leser*innen ab ca. 9. Aber: uff. Kürzt diese Paraphrasen!

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08 – Wonder Woman, “Identity Crisis”, “Infinite Crisis”

Batman v Superman, Identity Crisis

[Link] …von Greg Rucka (meinem Lieblings-Comicautor), Geoff Johns und vielen anderen:

Seit 2003 war Wonder Woman vor allem Diplomatin. Trotzdem musste sie hin und wieder in den Hades steigen, oder in einem Footballstadium wie eine Gladiatorin gegen Medusa kämpfen. Eine moderne, kultivierte Frau – in archaischen Rollen, tragischen globalen und persönlichen Konflikten. Rucka schrieb zur selben Zeit auch “Superman”-Comics, und beide Reihen mündeten in einem (großartigen) Justice-League-Crossover, “Identity Crisis” und, 2006, “Infinite Crisis”. Ich habe hier [Link, Punkt: ‘Identity Crisis, 2005’] aufgeschrieben, in welcher Reihenfolge diese fünf bis ca. 15 Bände am meisten Spaß machen. Lesereihenfolge am besten:

(1) Wonder Woman: Down to Earth, 160 Seiten, DC Comics 2004
(2) Wonder Woman: Bitter Rivals, 128 Seiten, DC Comics 2004
(3) Wonder Woman: Eyes of the Gorgon, 192 Seiten, DC Comics 2005
(4) Brad Meltzer: Identity Crisis, 288 Seiten, DC Comics 2005
(5) Wonder Woman: Land of the Dead, 128 Seiten, DC Comics 2006
(6) Batman: The OMAC Project, 256 Seiten, DC Comics 2005
(7) Superman: Sacrifice, 192 Seiten, DC Comics 2006
(8) Wonder Woman: Mission’s End, 208 Seiten, DC Comics 2006
(9) Geoff Johns, Phil Jimenez, George Perez: Infinite Crisis, 264 Seiten, DC Comics 2006

…und dann gern weiter zu „52“ (vier Bände)

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09 – Wonder Woman (New 52, Band 1 bis 6)

Batman v Superman, Wonder Woman

[Link: 6 Bände] …von Brian Azzarello, Zeichnungen von Cliff Chiang:

Diana muss eine junge Schwangere beschützen – vor dem Zorn der Götter, sechs Sammelbände lang. Simple, aber stilsichere Zeichnungen. Kluge, schnippische Dialoge und Figuren. Nur Wendungen hat diese Odyssee durch London und die antike Unterwelt fast keine; und zwischen den pompösen griechischen Gottheiten wirkt Diana zu oft wie eine machtlose, zufällige Randfigur. Ich kenne keine zweite Mainstream-Comicreihe aus den letzten Jahren, die 30 Hefte lang auf gleichbleibend hohem Niveau eine schlüssige, anspruchsvolle Geschichte erzählte. Respekt! Doch der letzte Funke… fehlt.

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10 – Batman 66 meets Wonder Woman 77

[Link] …von Jeff Parker und Marc Andreyko, Zeichnungen von David Hahn:

Ein kindlicher, aber nie alberner Retro-Comic, der Figuren aus der „Batman“-TV-Serie von 1966 und der „Wonder Woman“-TV-Serie von 1977 zusammen bringt und zeigt, wie Diana (unsterblich) und Bruce Wayne (im zweiten Weltkrieg: ein Grundschüler) das späte 20. und frühe 21. Jahrhundert erleben. Schwungvoll erzählt, toll designt/gestaltet, ein Wohlfühl-Comic, der viele Fragen übers Altern und Sich-Verändern aufwirft und mit originellen Wendungen überrascht.

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bedingt zu empfehlen: für Fans

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„Wonder Women: Earth One“

Grant Morrison (…mit dessen Comics und dessen Fans ich oft große Probleme habe) erzählt Wonder Womans Geschichte neu – und unterstreicht dabei alle Aspekte, die besonders skurril oder absurd wirken. Das Ergebnis wirkt an vielen Stellen wie plumpe Sexploitation… aber trifft durchaus den Geist der frühen Comics von 1941.

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„Wonder Woman“ von Phil Jimenez

Ein schwuler Autor und Zeichner, der Fan der George-Perez-Serie von 1987 war und die Figur vergöttert, füllte mehrere Sammelbände mit feministischen und engagierten, doch oft sehr trägen, überfrachteten Geschichten: Scheitern, auf hohem Niveau. Ein lesenswertes Einzelkapitel, das alles, was gut und schlecht an Jimenez‘ Zeichen- und Erzählweise ist, bündelt: Das Treffen von Wonder Woman und Lois Lane in „Wonder Woman“ 170.

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„Wonder Woman“ von Gail Simone

Fünf Sammelbände, in denen eine große Geschichte… erst viel zu langsam in Fahrt kommt… und dann enttäuschend verpufft. Wer langen Atem mitbringt, wird besonders Simones zweite und dritte Sammlung trotzdem mögen.

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„Wonder Woman“ von Greg Rucka (2016 bis 2017)

25 Hefte, vier Sammelbände: Ein ambitionierter „Wonder Woman“-Neustart auf zwei Zeitebenen und mit zwei tollen Zeichnerinnen, Nicola Scott und Bilquis Evely, in dem sich Diana, Cheetah, Steve Trevor und Veronica Cale jahrelang quälen, den Kopf zerbrechen und gegenseitig im Weg stehen. Die Geschichte mäandert, jeder Sieg entpuppt sich als Niederlage, und ein weiterer Zeichner, Liam Sharp, bleibt viel zu düster und heavy-metal-albumhaft: Hier fehlen Erzählfreude und Schwung.

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keine Empfehlung:

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„Wonder Woman: The Greatest Stories ever told“

Eine Best-of-Sammlung, die leider zeigt, wie wenig gute Geschichten es bis ca. 2002 gab: skurril – aber langatmig, trübselig, deprimierend.

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„Who is Wonder Woman?“

Autor Allan Heinberg schrieb auch das Drehbuch zum WW-Kinofilm von 2017. Seine Comics aber sind mau. Auch die ihm folgende Autorin, Bestseller-Star Jodi Picoult, bietet wenig Lesenswertes: Massenware.

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„Amazons Attack“

Interessante Idee – mit banaler Wendung/Erklärung: Durch eine plumpe Intrige erklärt Königin Hippolyta den USA den Krieg, und verwüstet Washington. Antiklimax, undurchdacht.

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„Wonder Woman: Odyssey“

Zwei banale, schleppende Sammelbände vom (oft tollen) „Babylon 5“-Autor J. Michael Straczynski: Ein böser Zauber ließ Wonder Woman vergessen, dass sie eine Amazone ist. Gefangen in einem Paralleluniversum prügelt sie sich zurück in die Realität.

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„Wonder Woman 77“

Viel zu knappe, apolitische, harmlose und läppische Kurzgeschichten für Fans der 1977 produzierten „Wonder Woman“-TV-Serie.

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„Injustice: Gods Among Us“

Ein sehr langer, politischer/dystopischer Comic über eine Zukunft im DC-Universum, in der Superman glaubt, die Welt durch mehr Kontrolle und Überwachung sicherer machen zu können, während Batman als Widerstandskämpfer untertaucht. „Year One“ und „Year Two“ sind sehr lesenswert und emotional – doch Wonder Woman hat eine recht dümmliche, eindimensionale Rolle als martialische Schreckschraube an Supermans Seite: Autor Tom Taylor wird Diana nicht gerecht.

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„Odyssey of the Amazons“

Trost- und freudlose Fantasy-Saga über Amazonen aus Themyscira, die in der Vorzeit martialische/nichtssagende Begegnungen mit u.a. Wikingern haben.

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„Super Hero Girls“

Die DC-Heldinnen als junge Schülerinnen, für Leser*innen ab sechs Jahren, im Stil der „Disney Princesses“: Figuren und Zeichnungen fehlt Biss und Witz, die Geschichten bleiben arg simpel, alles wirkt püppchenhaft-sexualisiert. Besonders in Sammelband 3, „Summer Olympus“, steht Wonder Woman im Mittelpunkt. [Um Welten besser, für Leser*innen ab ca. 11: „Supergirl: Being Super“]

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„Super Powers“

Comic für Vor- und Grundschüler, das als Geschichte um Batman, Superman und Wonder Woman beginnt… doch sich zu schnell in einer (enttäuschend witzlosen) Anspielungs- und Gastauftritts-Parade verliert. Ich mochte, vom selben Zeichner-/Autoren-Team: „Tiny Titans“ und, besonders, „Superman Family Adventures“.

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„Bombshells“

Was, wenn es kaum Männer mit Superkräften gäbe – sondern alle DC-Heldinnen prägend waren: schon ab den 40er Jahren, im zweiten Weltkrieg? „Bombshells“ ist ein feministischer und sehr sexualisierter Remix der DC-Figuren. Viele Heldinnen sind lesbisch oder queer, und alle lassen es möglichst dramatisch krachen. Trotz vieler Fans und guter Kritiken hat mich die Reihe bisher nicht gekriegt: zu wenig Politik, zu viel Spice-Girl-haft-nichtssagende „Girl Power“.

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„Superman/Wonder Woman“

Von 2011 bis 2016 waren Superman und Wonder Woman ein Liebespaar. Der Beziehung selbst fehlt Tiefe und Charme, und der gemeinsame Comic „Superman/Wonder Woman“ bietet wenig Interessantes: Klar könnte man interessant/lesenswert erzählen, was sich ändert, wenn zwei der mächtigsten und wichtigsten Figuren im DC-Universum eine Beziehung führen. Fünf Sammelbände lang erzählte diese Reihe leider… nicht viel.

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„Superman, Batman, Wonder Woman: Trinity“

längere Kritik von mir hier [Tagesspiegel, Link]: Sehr lange, schleppende Geschichte über eine Helden-Welt, aus der Batman, Superman und Wonder Woman plötzlich entfernt werden. Das heißt: Statt über die drei Titel-Figuren zu erzählen, geht es vor allem darum, wo und wie sie fehlen. Schade!

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zum aktuellen Kinofilm:

Wonder Woman ist eine interessante – weil widersprüchliche – Figur. Ich glaube, der Kinofilm ist so erfolgreich und beliebt, WEIL er die Widersprüche der Figur einem großen Publikum zeigt: spannende Frau, spannende Grundsatzfragen zu Krieg und Pazifismus.
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In den Comics – und besonders auch im Film – geht es viel um die Frage, wie man für Frieden KÄMPFT. Ob man Kriege mit Gewalt stoppen kann. Und welche Menschen „verdienen“, dass man sich für sie opfert: Nach dem Superman-Film „Man of Steel“ (2013) und „Batman v. Superman“ (2016) zeigt auch „Wonder Woman“ (2017), wie Helden*innen scheitern – an einer komplexen Welt.
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grundsätzlich:
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  • Wonder Woman wurde 1941 erfunden. Autor William Moulton Marston war Professor, Psychologie, Feminist, Fan von Bondage und „lustvoller Unterwerfung“, in einer polyamourösen Beziehung mit zwei Frauen… und der Erfinder des Lügendetektors. All diese Aspekte prägten die Figur – sorgen aber auch dafür, dass fast alle Comics, die vor 1987 erschienen, recht hanebüchen/skurril sind.
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  • Dem Mainstream-Publikum die Figur bekannt, weil sie a) als eine der ersten weiblichen Heldinnen gegen die Nazis kämpfte, b) 1972 auf der Erstausgabe von Gloria Steinems feministischem „Ms.“-Magazin abgebildet war, c) 1977 eine bei Kindern populäre TV-Serie hatte.
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  • Seit 1986 gibt es mehrere recht gute, bis heute lesenswerte WW-Comicreihen: Wonder Woman, Batman und Superman sind die drei wichtigsten und bekanntesten Figuren des Verlags „DC Comics“; alle drei arbeiten in den Comics oft eng zusammen. Meist erscheinen Comics ein- bis zweimal im Monat als 20seitiges Heft, ca. sechs Hefte erzählen als Sammelband eine zusammenhängende Geschichte. Pro Monat gibt es meist sechs oder sieben parallele „Batman“-Reihen, doch höchstens zwei bis drei „Wonder Woman“-Reihen. Insgesamt also: weniger Material, und immer wieder Phasen, in denen jahrelang keine besonders guten Hefte/Sammelbände erscheinen.
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  • 1984 floppte der Heldinnenfilm „Supergirl“ (DC). 2004 und 2005 floppten die Antiheldinnen-Comicverfilmungen „Catwoman“ (DC) und „Elektra“ (Marvel). Seit 2008 hat Marvel Comics großen Erfolg mit Heldenfilmen (Iron Man, The Avengers, Captain America, Thor, Guardians of the Galaxy… doch bisher kein Film über eine weibliche Figur in der Hauptrolle); und seit 2013 versucht DC eine ähnliches „Cinematic Universe“ aus verknüpften Filmen (2013 „Man of Steel“, 2016 „Batman v. Superman“ und „Suicide Squad“, Ende 2017 „Justice League“, später „Aquaman“, „The Flash“ etc.)
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  • Der „Wonder Woman“-Kinofilm ist wichtig, weil er nach über zehn Filmen mit männlichen Hauptfiguren in den letzten Jahren der erste Versuch war, einer heroischen HeldIN einen großen Blockbuster zu widmen (…auch Regie führte eine Frau, Patty Jenkins; das Drehbuch ist von einem Mann). Es gibt eine Handvoll erfolgreicher Heldinnen-TV-Serien seit 2015: „Agent Carter“ und „Jessica Jones“ (beide Marvel) und „Supergirl“ (DC). Doch „Wonder Woman“ war der… Testballon, ob solche Figuren einen Kinofilm tragen können. Viele Fans und Kritiker mochten bereits Wonder Womans kurze Szenen in „Batman v. Superman“ (2016).
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  • Tatsächlich übertraf „Wonder Woman“ (2017) die Erwartungen, hat die besten Heldenfilm-Kritiken seit Jahren, wird von Feministinnen gefeiert und… darf jetzt als Beweis/Beruhigung dienen: Leute WOLLEN starke Frauen sehen. Große Erleichterung!
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„Falls du einen Asteroiden stoppen willst, rufst du Superman. Wenn du ein Verbrechen aufklären willst, Batman. Um einen Krieg zu beenden, Wonder Woman“, sagt WW-Autorin Gail Simone.
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Wonder Woman wird in den Comics immer wieder als umsichtige und intelligente Diplomatin gezeigt, die zeigt und reflektiert, dass jeder Mensch für viele Dinge steht: Sie selbst eben als Frau mit Superkräften, die in einem Matriarchat groß wurde. Es gibt großartige Comics über die Diplomatin, Menschenrechtlerin, Spokesperson, Feministin, Staatsfrau Wonder Woman.
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Doch es gibt auch die wütende Kriegerin mit blutbespritztem Schwert und Korsage, die leichthin Gegner abschlachtet. Fast alle Comic-Autor*innen wollen Wonder Woman als „starke Frau“ zeigen und an ihrem Beispiel erklären, was für sie eine „starke Frau“ ausmacht – doch das Ergebnis variiert von Sammelband zu Sammelband: archaische Kriegsprinzessin? Modische, bisexuelle Pop-Feminismus-Ikone? Blutrünstiges Pin-up-Girl?
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Der Film zeigt, wie Prinzessin Diana von Themyscira ihre Insel verlässt und den ersten Weltkrieg beenden will – weil sie glaubt, dass Kriegsgott Ares den Krieg angezettelt hat und es ihre Aufgabe als Amazone sei, ihn zu stoppen, mit einem Schwert namens „Godkiller“. Die große Stärke des Films: dass er die richtigen Fragen stellt… statt vorschnell Antworten zu schustern: Man schaut mit Kopfschmerzen und schlechtem Bauchgefühl, und überlegt „Jetzt will sie Frieden bringen – indem sie einen Gott ermordet?“ und „Was, wenn statt Ares einfach nur die Schlechtheit der Menschen Grund ist für den Weltkrieg?“ etc.
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Faszinierende Fragen und Widersprüche, die den Film lebendig und halbwegs spannend machen – auch, wenn die Antworten am Ende des Films dann doch recht unterkomplex ausfallen.
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Ich denke bei allen DC-Held*innenfilmen seit „The Dark Knight“ (2008) oft ans Sprichwort „Wenn du nichts anderes hast als einen Hammer, sieht jedes Problem für dich aus wie ein Nagel.“
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Wonder-Woman-Comics erzählten schon immer viel von Kriegen – weil Kriegsgott Ares einer der wichtigsten Antagonisten im Comic ist.
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Bisher aber wurde die (unsterbliche) Heldin noch nie im 1. Weltkrieg gezeigt: Das Setting macht Spaß, weil die Figur (jung, unerfahren, sah noch nie einen Mann und weiß nichts über die Moderne) und der Krieg (nihilistisch, diplomatisch verworren) schlecht zueinander passen. Im Superman-Film „Man of Steel“ bricht der unerfahrene Superman einem Gegner das Genick, weil er sich nicht anders zu helfen weiß. Seine Adoptiveltern raten ihm den ganzen Film über, die Menschheit sich selbst zu überlassen und sich ums private Glück zu kümmern: „Du schuldest diesen Leuten nichts.“
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Auch Wonder Woman hört im ersten Weltkrieg von allen Seiten kritische bis zynische Fragen: Haben die Menschen/Männer eine Heldin und Retterin verdient?
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Ich finde die Frage harsch, unsympathisch und unheroisch (…weil ich will, das idealistische Helden wie Superman und Wonder Woman GERN helfen)… doch ich freue mich, dass sie einen Nerv trifft, weil wir uns als Gesellschaft gerade ständig fragen: Wo schauen wir weg? Wessen Sorgen nehmen wir ernst? Kann die westliche Welt Weltpolizei spielen? Und: Wird etwas besser, durch militärische Stärke/Druck?
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Der Kinofilm hat, wie gesagt, keine guten Antworten. Doch erstmal sitzt man zwei Stunden im Kino und denkt „Oha. Diese Frau… kann sich selbst einsetzen wie einen Hammer. Doch all die Probleme, vor die sie im Film gestellt wird, sind doch gar keine Nägel. Was jetzt?“
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Das ist klug/spannend. Denn es passt zu einer… allgemeinen politischen Ratlosigkeit, wenn wir aktuell über Kriege, Macht, globale Verantwortung und Gerechtigkeit sprechen. „Wonder Woman“ hat Humor. Doch es ist kein Wohlfühl-Film: Weil er fast nur Probleme zeigt, die eine Kriegs-Amazone nicht ändern kann, spontan, mit einem Schwert.
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…und dann, Spoiler: 
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mein größtes Problem.
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Ich kann zwar viele „Wonder Woman“-Comics grundsätzlich empfehlen – doch es gibt zwei Elemente ihrer Geschichte, die immer wieder verändert werden: a) Hat sie einen mächtigen Vater, z.B. Zeus? und b) Ist sie moralisch stark, weil oder obwohl sie auf einer Amazonen-Insel aufwuchs?
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Die Amazonen leben auf der Insel Themyscira, abgeschottet vom Rest der Welt. Weil Amazonen-Königin Hippolyta ein Kind will, formt sie eine Figur aus Lehm/Ton. Eine Göttin hat Mitleid und haucht der Figur Leben ein: Diana/Wonder Woman ist das einzige Kind der Insel. Hippolyta ist eine weise Regentin, die Amazonen haben fortschrittliche Technologie und eine tolle Kultur – der Comic zeigt eine matriarchale, feministische Utopie (und: oft sind Hippolyta und/oder Wonder Woman selbst lesbisch oder bisexuell). So war das, schon seit 1941.
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Doch jedes Mal, wenn ein neuer Autor (fast immer sind es Männer) die Comicreihe übernimmt, ändert sich etwas:
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  • 1987 neu: die Götter schenkten den Amazonen die Insel, weil Herkules Hippolyta vergewaltigt hatte. Später aber verzeiht Hippolyta dem Vergewaltiger und verliebt sich neu in ihn. Uff.
  • 2011 neu: Die Amazonen sorgen heimlich für Nachwuchs, indem sie Matrosen auf die Insel locken, vergewaltigen, ermorden, und die männlichen Kinder verstoßen. Hippolyta wusste das und hielt es vor Wonder Woman geheim. Uff.
  • 2012 neu: Wonder Woman ist nicht aus Ton, sondern entstand beim Sex zwischen Zeus und Hippolyta. Uff.
  • 2016 neu, in „Earth One“: Wonder Woman ist die Tochter von Vergewaltiger Herkules. Uff.
  • 2016 neu, in „The Lies“ / „The Truth“: Wonder Woman darf ihre Mutter und die Amazonen-Insel nie wieder sehen oder betreten. Uff.
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Auch im Kinofilm sind die Amazonen a) krass gestrig und insgesamt eher fragwürdig/eine sterbende Kultur, und b) merkt Diana, dass ihre Mutter sie belogen hat: Zeus ist ihr leiblicher Vater.
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Das klingt wie eine Kleinigkeit/ein Detail. Doch ich finde es SO bezeichnend, schlimm, traurig, dass es seit Jahren fast keine „Wonder Woman“-Geschichte/-Version mehr gab, in der a) die Amazonen eine echte Utopie verkörperten und b) Wonder Woman wegen einer starken Mutter und einer starken Kultur zur starken Heldin wurde – nicht, weil sie in Wirklichkeit von einem besonderen Gott/Mann gezeugt wurde.
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„Wonder Woman“ (2017): tolle Frau, gute Comics, schlechter Film [Deutschlandfunk Kultur]

meine Lieblings-Zeichnung, von Maris Wicks

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heute nochmal, ganz kurz, zum Film:

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Seit 1941 fasziniert Wonder Woman in Comics. Die Verfilmung ihrer Abenteuer scheitert – doch macht Lust aufs Lesen.

„Du schuldest dieser Welt gar nichts“, warnt eine Mutter ihren Sohn – und hofft, dass er stumm bleibt, sich nicht einmischt, unter die Räder kommt. Sie heißt Martha Kent. Ihren Sohn nannte sie Clark: Er stammt vom Planeten Krypton. Der Film hieß „Man of Steel“, und war 2013 Grundstein für eine zynische, oft deprimierende Helden-Filmreihe, die auch mit „Wonder Woman“ (2017) nicht viel besser, schwungvoller, sehenswerter wird.

Am Ende von „Man of Steel“ brach Superman, der in den Comics seit Jahrzehnten versucht, niemals zu töten, einem Gegner das Genick. Ich hoffte damals, dass dieser Totschlag in einer Fortsetzung besprochen, durchdacht, in Frage gestellt wird. Stattdessen war „Batman v. Superman“ (2016) noch missmutiger, solipsistischer: Männer, die es hassen, Held zu sein und ihren Job nur machen, um Schlimmeres zu verhindern, schlagen voller Paranoia aufeinander ein. Wer will ich sein? Was habe ich der Welt zu geben? Wie kann ich helfen, sie zu gestalten?

„Wonder Woman“-Comics stellen diese Fragen seit 1941. Autoren und Autorinnen wie George Perez (ab 1987), Greg Rucka (ab 2002), Brian Azzarello (ab 2011) und Jill Thompson (2016) finden immer wieder große, politische, wunderbare Antworten. Ich habe zehn Comic-Empfehlungen hier im Link gesammelt: https://stefanmesch.wordpress.com/2017/06/15/wonder-woman-die-10-besten-comics-buchtipps-lesereihenfolge-empfehlungen/

Vom Kinobesuch rate ich ab. Denn „Wonder Woman“ ist ein besserer Film als alle DC-Comic-Verfilmungen seit „The Dark Knight“ (2008). Doch damit immer noch leider: kein guter. Prinzessin Diana lebt als einziges Kind auf der geheimen Amazonen-Insel Themyscira. Als der Spion und Pilot Steve Trevor auf der Insel notlandet und vom großen Krieg erzählt, der die Welt seit 1914 heimsucht, sind sich die Frauen einig: Kriegsgott Ares steckt dahinter. Diana, die nie zuvor einen Mann sah, zieht mit Steve in die Schützengräben Belgiens.

„Falls du einen Asteroiden stoppen willst, ruf Superman. Wenn du ein Verbrechen aufklären musst, Batman. Und um einen Krieg zu beenden, Wonder Woman“, erklärt Comicautorin Gail Simone die oft verwirrenden Mehrfachrollen der Figur: eine Prinzessin, die keine Hierarchien mag. Eine Vordenkerin aus einer vormodernen Zivilisation. Eine Diplomatin, die mit dem Schwert kämpft.

„Wonder Woman“ scheitert erst in den letzten zehn Minuten: Als die Heldin von Liebe spricht, nachdem sie Gegner zerhackte. Als sich der Weltkrieg tatsächlich beenden lässt, indem ein Kriegsgott verdroschen wird. Und als klar wird: Diese Frau ist nicht (nur) körperlich oder moralisch stark, weil sie in einer utopischen Gender-Blase aufwuchs, die Frauen stärkte und ernst nahm. Sondern (mindestens: auch), weil sie eine heimliche Tochter von Zeus ist.

Nach „Man of Steel“ war unklar, welche Lehren Superman ziehen würde. Kaum welche, zeigte erst die Fortsetzung „Batman v. Superman“. Nach „Wonder Woman“ stehen ähnliche Fragen im Raum: Was tut diese enttäuschend martialische Kriegsprinzessin in den Jahren 1918 bis 2016? Wie handelt sie im zweiten Weltkrieg? Bleibt sie unentdeckt – statt Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren, das 20. Jahrhundert zu prägen? Ist die Moral erneut nur ein myopisches „Du schuldest dieser Welt gar nichts“?

Wenn ein einzelner Heldenfilm wie „Ant-Man“ (2015) nur mäßig erfolgreich ist, fragt sich Hollywood nur: Investieren wir in eine Fortsetzung? Oder lieber nicht? Als der Heldinnenfilm „Supergirl“ (1984) floppte, entschied Hollywood dagegen pauschal: Superheldinnen funktionieren nicht im Kino. Lieber keinen großen Versuch mehr wagen, die nächsten 30 Jahre.

Deshalb: Wunderbar, dass „Wonder Woman“ fast nur gute Kritiken erhielt, international erfolgreich ist. Der Film macht Lust auf die Figur und ihre vielen Comics, Geschichten und Widersprüche. Er macht Lust auf weitere Filme von Regisseurin Patty Jenkins und Hauptdarstellerin Gail Gadot. Und er macht Lust auf viel mehr Blockbuster, in denen Frauen Männer retten, nicht umgekehrt. Über Krieg und Verantwortung, Unterdrückung, Moderne und Matriarchat, fremde Kulturen und das 20. Jahrhundert aber hat „Wonder Woman“ erschreckend wenig zu sagen.

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PROSANOVA 2017: Stimmen der Presse & Fotos

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Literaturfestival PROSANOVA 2017 | Foto: Mara Giese

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Alle drei Jahre findet in Hildesheim PROSANOVA statt (Website), das Festival für junge deutschsprachige Literatur.

2011, als einen der ersten Beiträge in meinem Blogs, sammelte ich die Stimmen der Presse in einem Eintrag (Link).

Auch zu PROSANOVA 2014 machte ich eine Presseschau hier im Blog (Link).

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Hier gesammelt: die wichtigsten Pressestimmen zu PROSANOVA 2017 (8. bis 11. Juni 2017, Hildesheimer Nordstadt)

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01_“Das Publikum ist sehr jung. Die Stimmung ist relaxt, aber nicht kuschelig, nur freundlich und solidarisch. Auf die Platzhirsche der deutschen Literatur hat man mit Absicht deutlicher als zuvor noch verzichtet, aber alle Stimmen, die ich höre, sind mindestens interessant. Sascha Ehlert hat in der Welt die „große, laute, wütende, böse Literatur“ auf dem Festival vermisst. Grow up. Den starken Mann zu markieren hatte auf diesem Prosanova zum Glück niemand nötig.“ Ekkehard Knörer, taz, „Liebesbriefe und Shitstorms“

02_“Welchen Einfluss kann das Prosanova auf den etablierten Literaturbetrieb haben? Und welche Impulse können davon für die Gesellschaft ausgehen? Die Sachbuchautorin Mithu Sanyal ist skeptisch: „Das sind alles Stimmen, die ich hier vertreten fühle, und die ich in der deutschen Literatur auch finde, aber ob das angekommen ist, dass das ein großer, wichtiger Teil der Literatur ist, das weiß ich nicht. Das ist immer noch dieses: Das ist eine Einzelstimme. Nein, es sind ganz viele. Das sind gar nicht mehr Einzelstimmen.“ Auf dem Prosanova bleibt die junge Literaturszene weitgehend unter sich. Selbst in Hildesheim wissen nur wenige um das Festival. Gegenwartsliteratur in der Blase oder Impulsgeber mit Einfluss?“ Simone Schlosser, Deutschlandfunk, „Literatur zwischen Stahlträgern“

03_4-Minuten-Audio-Feature von Jule Hoffmann bei Deutschlandfunk Kultur, „Das ‚andere‘ Literatur-Festival in Hildesheim“ (nur bis Dezember 2017 online)

04_“Wenn man Leute auf ihre Privilegien hinweist, fühlen sie sich oft auf den Schlips getreten. Das Festival schafft aber einen Raum für Frauen, People Of Color und nicht-binäre Personen, der sonst im Betrieb nicht vorhanden ist. Und darum geht’s: über Themen sprechen zu können, ohne die Quotenfrau dabei haben zu müssen.“ Interview mit Autorin Sirka Elspass (Fragen von Juli Zucker) Missy Magazine, „Ich will weniger höflich sein“

05_kurze Notate und Snapshots, gesammelt für Logbuch Suhrkamp

06_Mitschnitte, Podcasts, Features und kurze Texte bei Litradio

07_Beiträge für Fabian Thomas‘ Social-Media-Spiel „Diskursbingo“ bei Instagram und Twitter sowie die Hashtags pn17 (Twitter | IG) und prosanova17 (Twitter | IG)

08_“Wir haben die vitale fünfzigjährige Hundesalonbesitzerin mit dem blinden Pudel aus dem dritten Stock des Gebäudes, in dessen ersten zwei Stockwerken das Festivalzentrum liegt, im Nokia am Ohr, die uns sagt, wir sollen die Party jetzt beenden, es sei zu laut. […] wir haben nach dem Festival eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals, weil die vitale Frau mit dem blinden Pudel, der wir schon am ersten Abend ein Zimmer im Dorint Hotel anbieten, die aber wegen ihres Hundes nicht woanders schlafen kann, aufgrund von Schlafmangel eine Depression bekommt, am Sonntag Abend erklärt uns die Polizei, dass wir die Veranstaltung für beendet erklären müssen, andernfalls rückt die Bereitschaftspolizei aus Hannover an und räumt das Gelände, und das wird dann richtig teuer.“ PROSANOVA-Mitbegründer Paul Brodowsky über PROSANOVA 2005, Prosanova im Praesens II

09_kurze Text- und Bildmontage von mir, zur Einstimmung auf PROSANOVA 2017

10_“Ein Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde, war die Autofahrt während der Commoonity. Eine wahnsinnig aufregende Performance. Wer da keinen Platz mehr ergattert hat, tut mir leid, denn ich hatte das krasse Gefühl von etwas sehr Einmaligem. Besonders schön war, dass ich meine Litaffin-Partnerin Juliane überredet habe, noch mitzukommen und diesen Moment mit ihr teilen konnte.“ Fotos und kurze Statements im „Humans of New York“-Stil: Ann-Kathrin Canjé, „Humans of Prosanova“

11_kurzes Abschlussinterview mit Ole Schwabe, Mitglied der Künstlerischen Leitung, bei Radio Tonkuhle, Hildesheim: „Fazit Prosanova“ (Audio)

12_“Um direkt bei Mithu M. Sanyal zu bleiben, die wirklich eine beeindruckende Frau ist, darf auch ihr Vortrag „Rape Revisited“ in meiner Highlight-Liste nicht fehlen. Ganz unprätentiös und klar hat sie über Vergewaltigung gesprochen. Welche falschen Annahmen darüber in der Gesellschaft herrschen, wie Vergewaltigungen historisch zu beleuchten sind und wie wir sie differenzierter im Verhältnis zu Sex betrachten können.“ Juliane Noßack, Poesierausch, „So war das Prosanova 17“

13_“Das Programm ist gesprächslastig, diskussionsfreudig, am Debattenpuls und eben stark auf den Prozess, die Textarbeit, Unfertiges ausgerichtet. Die Auftretenden sind zum Großteil Autorinnen. Prosanova ist immer auch: Ein Wasserstandsbericht. Eine Zustandsbeschreibung der Szene. Wie wird gerade geschrieben und worüber und worüber muss jetzt mal gesprochen werden?“ Fixpoetry, Andreas Thamm: „Plaudereien auf dem Prosanova: Birgit Birnbacher, Maren Kames, Yael Inokai“

…und, Teil 2: „Plauderein auf dem Prosanova II: Juan S. Guse, Alina Herbig“: „Weißt du einen Satz, eine Formulierung, irgendwas in deinem Buch, worüber du dich heute ärgerst? Alina: Ich glaube nicht, dass es Sätze sind, aber mir fallen beim Vorlesen immer wieder so Kleinigkeiten auf: Wieso hört der Satz da auf? Wieso habe ich da einen Punkt gemacht? Die Sachen streiche ich dann durch und lese ich auch anders. Ich habe auch ein paar Sachen schon für die zweite Auflage geändert. Es sind keine dramatischen Sachen. Andererseits glaube ich, dadurch, dass ich jetzt mit den Reaktionen auf diesen Roman konfrontiert werde, hätte ich wahrscheinlich, wenn ich die vorher mitgedacht hätte, einen ganz anderen Roman geschrieben. Ist aber vielleicht auch ganz gut, dass ich die vorher nicht hatte.“

14_“Ständig bilden sich Schlangen, obwohl es selten wirklich voll ist. Am Sonntag stellen sich Menschen schon in einer Schlange an, obwohl es bei der Insellesung auf dem Parkplatz ganz sicher keinen Einlassstopp geben wird, einfach aus Gewohnheit. Die Schlange, in der sich alle mehr oder weniger ordentlich einreihen.“ Anke Dörsam, meermoabit, „Prosanova 2017“

15_“Die Mischung aus ungewöhnlichen Lesungen, Performances, Installationen, politischen Vorträgen, Panels und Partys ist zu hundert Prozent gelungen. Das alles wurde von Studierenden organisiert und wir staunen, zu welchen Höchstleistungen diese fähig sind. […] Ein großes Klassentreffen der jungen, hippen Literatur sozusagen. Wenn in drei Jahren mehr Menschen angelockt werden könnten, die sich (noch) nicht dem Literaturbetrieb verschrieben haben, wäre der Austausch über Literatur auf dem Festival wohl noch vielseitiger.“ Litaffin, Ann-Kathrin Canjé, „Prosanova 17: Over and Out. Rückblick“

16_“Wie Sprache und Macht zusammenhängen, lerne ich außerdem noch einmal ausführlich in Hornscheidts Workshop „Exit Gender“. Gibt es etwas neben, zwischen, über oder unter „Mann“ und „Frau“? So lautet eine der Ausgangsfragen. Definitiv! Doch wie setze ich diese Varianten von Geschlecht in einem Text um, ohne dass es den Schreib- und Lesefluss stört? Indem ich beschreibe, was eine Person macht und welche Eigenschaften außer Geschlecht sie auszeichnet. Voller Eindrücke, neuer Erkenntnisse und Literaturtipps auf der persönlichen „must read“-Liste fährt Team Ullstein zurück nach Berlin und freut sich auf all das, was da zurzeit im Prozess ist und hoffentlich bald zu Büchern wird.“ Marie Krutmann im Ullstein-Blog Resonanzboden, „Was ist eigentlich junge Literatur? Spurensuche auf dem Prosanova“

17_“Was auffiel war vor allem die Menge an Diskussions- und Gesprächsformaten, die es sich zum Ziel setzten nicht nur eine junge Literatur abzubilden, sondern diese in ihrem Kontext und vor dem Hintergrund eines literarischen Betriebs zu betrachten und zu hinterfragen.“ Textmagazin, Milena, „Prosanova 17“

18_“Die inhaltliche Setzung wirkt weiterhin zu mutlos und unnötig insiderisch bis verkopft. Wo soll die große, laute, wütende, böse Literatur entstehen, die unsere Gegenwart auch mal nachhaltig kritisiert, wenn die talentiertesten Nachwuchsautorinnen und -autoren bei ihrem großen Jahrestreffen nur über öde-abstrakte Begriffe wie Material und Prozesse reden?“ Sascha Ehlert in der Welt, „Last Exit: Hildesheim“

19_“Keine fertige »große, laute, wütende, böse Literatur« wird präsentiert, wie es Sascha Ehlert in der WELT fordert, sondern eine Literatur, die sich im Prozess versteht und mit ihrem Prozesshaften arbeitet – still –, und dafür benötigt es einen affirmativen Raum, um einen respektvollen Zugang zueinander zu finden, eine Art »erhabene Besänftigung« (PM), keine giftigen Schlagabtäusche und Konfrontationen. […] Als Abbild junger Literatur hat es allemal an verschiedensten Stellen gegen die männlichen, konservativen Kollektive der Literaturlandschaft ein Zeichen gesetzt.“ Rudi Nuss im S.-Fischer-Blog hundertvierzehn, „Prosa Nova Orbis Hildesheim“

20_“*Vorlesen* gibt es nicht mehr. Aber wirklich von sich lassen möchte auch kaum ein Text. Bewegungen bleiben erstmal im Testmodus, im „Was-wäre-wenn“. Vielleicht müsste diese Literatur-Praxis sich ein Vorbild am Gelände nehmen. Wenn ich hierhin gehe und den Zaun hinter mir zuziehen lasse, komme ich nicht so schnell zurück. Bleib doch mal da, geh da doch mal weiter, verirr dich ein bisschen! Installation und Performance begegnen mir als Zitat, aber ich würde da gern weiter lesen und sehen, was passiert, wenn der Text sich von seiner Umgebung wirklich angehen lässt. Wenn er sich anstecken lässt von den Räumen und Situationen, in die er gestellt wird, statt seine eigene Atmo nochmal auszupacken. Für einen Moment.“ Tilman Richter im Merkur: Zeitschrift für europäisches Denken, „Streamen, Floaten, Driften. Prosanova-Rumhängen“

21_“Damit die Autoren auf PROSANOVA | 17 nicht in der Überzahl sind, haben wir sehr viel gelesen und nicht bloß auf die Namen vertraut, die eh schon jede°r kennt. Oft lohnt es sich, die vorgetrampelten Wege zu verlassen. Wir hätten am Anfang auch nicht gedacht, dass das so einfach geht.“ schöner Grundsatz-/Programmatiktext von Helene Bukowski bei Suhrkamp über zehn Grundsatzfragen der Festival- und Programmgestaltung, „Die zehn Eckpfeiler des Literaturfestivals PROSANOVA“

22_“Es geht um die noch andauernde Vorherrschaft des weißen, heterosexuellen Mannes. Um das einmal sehr deutlich zu sagen für diejenigen, die sich von der Terminologie weißer, heterosexueller Mann angegriffen fühlen – darin ist kein Vorwurf formuliert für das weiß– und heterosexuell-und männlich-geboren-sein, denn so ist man eben. Darin kann keine Schuld liegen. Es drückt bloß die Bewusstmachung aus, dass man durch diese angeborenen Merkmale mit dem größtmöglichen Privileg ausgestattet ist, dass man in unserer Gesellschaft genießen kann. Weil man maximal der Norm, dem Akzeptierten, dem Machtvollen und Gesehenem entspricht. Daraus entsteht ein Gefälle, das sich bewusst und unbewusst ausübt, das die Leute sortiert nach wichtig und weniger wichtig. Ein System der Über- und Unterordnung, das noch nicht allen geläufig zu sein scheint, und zu dem ich nie wieder die Klappe halten werde.“ Tatjana van der Beek, Mitglied der künstlerischen Leitung von PROSANOVA 2017, im Festivalblog über die Sexismus-Debatte am Literaturinstitut Hildesheim: „Wenn Sexismus eine Neuigkeit ist“

23_“Wann verkommen politische Forderungen und Aussagen zur bloßen Attitüde? Wann sind sie großartig und klatschen genau ins Mark der Gegenwart? Und was haben Sätze aus dem Programmheft wie die Aufführung berührt politische, soziale und emotionale Themen wie Identität, Macht und Liebe mit subtiler Direktheit eigentlich mit Literatur zu tun? Beantwortet wurden diese Punkte mal schlechter und mal besser, ganz wie es sich für ein Festival gehört, das ästhetische Risiken eingeht und nicht einfach nur Großautoren-Polonaise veranstaltet. Auffälligerweise machten viele Schreibende einfach ihr Ding, hatten wenig zu tun mit dem Wording und den Ankündigungen des Festival.“ etwas… schnippisch-ironisierender Text im Merkur von Florian Kessler & Lena Vöcklinghaus – der für mich stellenweise klingt („Wording“), als sei die Diversity und Ideologiekritik, um die sich das Festival sehr bemühte, etwas, das… „der Literatur“ hier unbeholfen aufgepfropft/angehaftet wird. „1000 kritische Bierbongs starren dich an“

…dazu noch einmal Ekkehard Knörer in der taz: „Maren Kames [hat] einen schönen kurzen Essay geschrieben als Vorwort fürs Institutsjahrbuch, gegen Angebertexte und ihre Verfasser. Aber dergleichen kann es für den scheidenden Studiengangsleiter Hans-Josef Ortheil in Hildesheim natürlich nicht geben, so hat er das Vorwort aus dem Jahrbuch gekickt. Außerdem hat das Institut wegen eines anonymen Studierendentexts gerade eine Sexismusdebatte am Hals – kein Wunder an einem Ort, an dem es kaum weibliche Lehrende gibt. Es wäre sehr zu wünschen, dass sich das und manches mehr unter Ortheils Nachfolger beziehungsweise doch hoffentlich: Nachfolgerin ändern wird.“

[kurz von mir: Mich irritiert/stört die Annahme, kritische Texte „könne es für Hanns-Josef Ortheil natürlich nicht geben“: Ich selbst fand Marens Text nicht übertrieben streitbar. Ich weiß nicht, warum er nicht als Vorwort veröffentlicht werden konnte/durfte… doch ich selbst schrieb schon ein (Link, 2007), zwei (Link, 2012) längere und kritischere Vorworte über Probleme in Hildesheim – ohne, dass Hanns-Josef Ortheil intervenierte: Ich fühlte mich von ihm bestärkt, solche Texte zu schreiben und zu veröffentlichen – auch in studiengangseigenen Verlagen. Siehe auch: Ekkehard Knörer, unten in den Kommentaren.]

24_“Das Prosanova17 ist ein Literaturfestival, das bewusst überwiegend Frauen* einlud und feministische Themen auf der Agenda hatte. Ich sitze in Lesungen und habe Tränen in den Augen, weil es sich plötzlich nicht mehr anfühlt, als könnte ich kein Teil von dem Ganzen sein. Weil Positionen gezeigt werden, mit denen ich mich identifizieren kann. Positionen, die in großen Teilen meines Studiums in Hildesheim verborgen blieben, was dazu geführt hat, dass ich mit dem Schreiben aufgehört habe, als ich her kam. Dazu muss gesagt werden, dass ich überhaupt erst mit dem Ziel zu schreiben nach Hildesheim gekommen bin. Den Fun daran hat mir das Institut ziemlich bald genommen. Lange haben mir Worte gefehlt das zu beschreiben. Aber es liegt nicht daran, dass ich nicht schreiben kann, oder nichts zu sagen habe. Es liegt daran, dass mir aber genau das suggeriert wurde – und dass ich mich in Lehrinhalten nicht wiederfinde, spielt dabei eine ausschlaggebende Rolle.“ Jana Zimmermann in Merkur: deutsche Zeitschrift für europäisches Denken: „Wir würden dann jetzt weiter machen“

25_“Politisches Bewusstsein brauchen wir heute mehr denn je. Der belanglose Hedonismus der letzten Jahre hat ausgedient. Heute wird gegen Normen und Strukturen gedacht, geschrieben, gelesen, diskutiert und getanzt. Eine Entwicklung, die das diesjährige Prosanova Festival aufgegriffen und vier Tage diskursiv und praktisch umgesetzt hat. Eine gute Möglichkeit, um den Finger in die Wunde zu legen und jede*n Besucher*in mit einem Anstoß zur Selbstreflektion nach Hause zu schicken. Zu welcher marginalisierten Gruppe gehöre ich? Welchen Machtstrukturen bin ich ausgesetzt? Welche produziere ich selbst?“ Julia Tautz auf Lesflaneurs.de

26_Fotos und kurzer Text zum Festival-Samstag von Blogger Frank R. Rudkoffsky

27_“Der eine oder andere etablierte Name also, aber nicht die ganz großen Stars – klar, es geht ja um junge Literatur. Da wundert es zwar nicht, dass das klassische Lesungspublikum ab fünfzig aufwärts ausbleibt, ein bisschen mehr Durchmischung täte dem Ganzen aber dennoch gut, man hat den Eindruck, es ist fast ausschließlich der Literaturbetrieb anwesend: Nachwuchsautoren, Lektoren, Agenten. Ich selbst bin beruflich hier und fühle mich tatsächlich wie auf Klassenfahrt. […] Alle drei Jahre findet es statt, und genauso häufig wechseln die Kuratoren und mit ihnen die Veranstaltungsorte, Fragestellungen und Künstler. Auch deshalb haftet dem Prosanova vermutlich der Charme des Provisorischen an, des Unfertigen; vielleicht liegt es aber auch nur an den verlassenen Industriehallen, die dieses Jahr als Schauplatz dienen, an der Einrichtung aus Selbstgezimmertem, Sperrmüll und Omas Wohnzimmerdeko. Ein in jeglicher Hinsicht eigenwilliges und liebevoll gestaltetes Festival.“ SchöneSeiten, Caterina Kirsten, „Prosanova | 17“

…auch Bloggerinnen & Freundinnen Mara Giese und Blauschrift sowie die Literatur-Vloggerin Luba Goldberg-Kusnetzova waren vor Ort – ich freue mich auf weitere Fazits, in den nächsten Tagen.

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28_17-Minuten-Film von Yannic Federer, „Kulturu First #17: PROSANOVA“

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…und Teresa Streiß auf Facebook über ein Orga-Grundsatzproblem:

„Prosanova 2017: haben Sie ein festivalbändchen? Haben Sie auch einen stempel? Nein durch diese tür darfst du nicht raus. Nein hier kannst du nicht rein. Nein du darfst das nicht essen. Nein essen gibt es hier nicht. Nein bitte die andere tür. Haben Sie einen stempel? (Aber auch: inhaltlich top. Und slushys mit vodka!)

[…] dieses wochenende fühlte sich so an, als hätte das orgateam über all die tolle politik und Literatur das organisieren vergessen und ganz am ende nachschieben müssen. Vielleicht Sachzwänge (so denke ich mir das zurecht), von wegen räume nicht zu voll werden lassen und so, aber eher uncharmant gelöst durch „bürokratie“ a la du brauchst diesen Stempel und dann dieses bändchen und du musst auf dieser liste stehen und die tür führt nur rein und die andere raus, aber morgen auch schon wieder anders. Gefühlt viele Kommunikationsprobleme innerhalb des teams, so sachen wie nein du ķannst nicht für jemand anderes eine karte für commoonity kaufen und abends dann hundert stunden warteliste weil warum hast du dir denn nicht von jemand anderem heute morgen schon eine kaufen gelassen? Und statt regelflexibilität und hauptziel wohlfühlen eher so nein essen dürfen nur die Künstler und vielleicht bleibt aber ja was übrig das kannst du dann vielleicht und die Künstler dürfen aber auch nur mittags und wenn sie abends wollen, müssen sie zahlen […]. Die essenssituation überhaupt eher so mau soll heißen: mittags gibt’s nix, generell, wenn man kein blaues bändchen hat. Und zeig gefälligst jedes mal deine pfandmarke, wenn du was neues kaufst, und stempel kontrollieren wir auch noch nachts um 4. (Dafür auch nachts um 4 noch: klo putzen, und geputzte klos find ich tendentiell sehr gut ja) Vielleicht würde ich zusammenfassen: sie war sehr deutsch, die junge deutsche gegenwartsliteraturorganisation. Aber wie gesagt: inhaltlich bzw von den veranstaltungen her vielleicht sogar mein liebstes prosanova bisher.“

von mir: Zustimmung. Ich wünsche mir für PROSANOVA 2020, dass das Festivalzentrum betretbar ist, ohne, vorher ein Ticket zu lösen. Dann wären nicht nur Studierende und Betriebsmenschen auf meinen Fotos – sondern hoffentlich z.B. auch viel mehr interessierte Anwohner*innen und Kurzbesucher*innen. #hermetik #blase #abgeschottet

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Fotos von mir. Tag 1 (Donnerstag, 8. Juni):

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Tag 2: Freitag, 9. Juni

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Tag 3: Samstag, 10. Juni

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Tag 4: Sonntag, 11. Juni

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…und drei Fotos vom offiziellen Festival-Fotografen Paul Olfermann:

fast 800 – großartige! – Fotos auf der Facebook-Seite (Link)

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Ich selbst studierte von 2003 bis 2008 in Hildesheim:

Bei PROSANOVA 2005 war ich Praktikant und Autor für die Festivalzeitung, 2008 Mitglied der Künstlerischen Leitung, 2011 und 2014 Gastautor bei der Festivalzeitung & Podiumsgast.

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