Month: April 2016

“September” von Jean Mattern, bei Deutschlandradio Kultur

rezension 2016

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Am Mittwoch, 27. April, stelle ich Jean Matterns Roman “September” vor: bei Deutschlandradio Kultur, im Magazin ‘Lesart’, kurz nach 10 Uhr morgens.

Den Beitrag kann man anschließend als Stream und .mp3 nachhören (Link folgt)…

…und gegen Mittag erscheint auf der Deutschlandradio-Website auch eine begleitende, kurze Rezension von mir (Text, kein Audio: zum Lesen).

Schon jetzt, hier im Blog: ein etwas längerer, salopperer Text von mir zum Buch, seinen Stärken und Schwächen. Ich schreibe solche Texte vor all meinen Deutschlandradio-Beiträgen, als Anmerkung/Vorbereitung/Information an die Redaktion und den Moderator. Manchmal bleiben sie intern. Manchmal stelle ich sie in online, hier im Blog.

"September" von Jean Mattern, Deutsch im Berlin Verlag, 2016

“September” von Jean Mattern, Deutsch im Berlin Verlag, 2016

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Briten trennen nicht nur zwischen Hoch- und Popkultur – high-brow und low-brow. Sie haben auch einen Begriff für eingängige, publikumswirksame… Bildungsbürger-light-Produkte: “middle-brow”. Leicht zu lesen, massentauglich, unterhaltend – doch mit einem gewissen Bildungs- und Belehrungs-Anspruch.

Beispiele sind für mich Isabel Allende, Florian Illies’ ‘1913’, Historienschmöker wie ‘Wasser für die Elefanten’, ‘Alles Licht, das wir nicht sehen’ und viele historische, unterhaltende Romane, die nicht bei Suhrkamp, sondern im (unterhaltenderen) Suhrkamp-Imprint ‘Insel Verlag’ erscheinen: oft Zeitgeschichte, vermischt mit einer Romanze oder dem Schicksal eines Kindes. John Boynes Romane. Alles von Jean Echenoz. Michael Ondaatje. Historie trifft Gefühl.

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Jean Matterns “September” ist ein prototypischer Middle-Brow-Roman:

150 Seiten. Überzeugendes Setting. Überzeugendes Cover. Eine Liebesgeschichte (eine schwule) vor einem Stück Zeitgeschichte (Olympia 1972, in München). Ein Buch, das in drei Stunden gelesen, verstanden, erledigt ist.

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Natürlich könnte man auch Dokus über das Geiseldrama von München sehen, oder Steven Spielbergs komplexeres Drama ‘Munich’. Doch ich mag, wie emotional, intensiv, erklärend und häppchengroß gute Middle-Brow-Romane ein Stück Zeitgeschichte erfahrbar machen. Ich wusste fast nichts über die Spiele 1972 – und ich verstehe, warum Autor*innen Geschichte verständlich machen wollen, neu filtern durch die Perspektive interessanter Romanfiguren.

Eine erfundene Figur nimmt dich an die Hand.

Zeigt und erklärt dir ein Stück Welt.

Leicht verständlich, mit vielen Emotionen.

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Mattern, geboren 1968, sagt, sein Anreiz fürs Schreiben war, dass ihm sein Vater das Geiseldrama damals nicht erklären, begreifbar machen konnte. In meiner eigenen Kindheit sah ich viele Olympia-72-Memorabilien bei meinen Großeltern und Eltern (vor allem Trinkgläser mit Olympia-Motiven), meine Schwester wohnt heute neben dem Olympiapark – doch trotzdem wusste ich über die Geiselnahme nur, dass Israel damals irgendwie Ärger hatte… oder machte. Vom Versagen der Bayrischen Justiz z.B. erfuhr ich erst durch den Roman.

Die Romanze? Eine Art “Brokeback Mountain”/amor fou zwischen Sam, einem forschen, jüdisch-amerikanischen Reporter (geboren in Südafrika) und dem Ich-Erzähler Sebastian, einem 30jährigen Briten mit Frau und Kind – erzählt über zwei Wochen im August und September 1972.

“Jean Mattern hat das fürchterliche Drama des 5. September minutiös recherchiert und erzählt es in diesem raffinierten Roman, wie es noch nie erzählt worden ist” …schwärmt der Klappentext…

…und lügt.

“Raffiniert”?

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Sprache: Mattern benutzt eine simple, klare Sprache. Alles wird übergenau erklärt, offen ausgesprochen – und zu oft werden Dinge nur behauptet: Sebastian berichtet von einem “charmanten” und “witzigen” Gespräch, doch nirgendwo im Dialog gelingt Mattern Witz oder Charme. Im ersten Drittel des Romans dachte ich: Das erinnert an japanische Literatur. Ein steifer Ich-Erzähler voller mühsam zurückgehaltener Emotion – und vermeintlich einfache Sätze, unter denen Gefühle brodeln.

Doch an zu vielen Stellen rollte ich die Augen: Holzhammer-Sätze, kunstlose Behauptungen, plumpes Tell-statt-Show, eine Menge Stilblüten und unbeholfene Gefühls-Beteuerungen.

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Thema: Ein Freund, der an einem Drehbuch über die Geiselnahme schreibt, sagte, ihm erschien Matterns Version “gewissenhaft, aber uninspiriert aus den üblichen Quellen zusammengeschrieben” – und ich verstehe den Eindruck: Beide Figuren beteuern immer wieder, wie ergriffen oder durcheinander sie sind, doch tatsächlich lesen sich die meisten Passagen wie ein Wikipedia-Eintrag. Das Buch macht Zeit und Stimmung nicht lebendig – vor allem, weil der Erzähler so steif und trocken, seine Sprache so künstlich wirkt.

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Figurenpsychologie: Sebastian traut sich recht schnell, auszusprechen/sich vor sich selbst einzugestehen, dass er sich – offenbar zum ersten Mal im Leben – in einen Mann verliebt hat. Doch außer dauernden Beteuerungen, dass er sich hingezogen fühlt, zu Sams ‘großen schwarzen Augen’ usw. und er irrsinnig aufgeregt/erregt ist… fehlt jeder Tiefgang, jeder Versuch, das – psychologisch, sozial, persönlich – irgendwie weiterzudenken: Die Verliebtheit wirkt eher wie eine heftige allergische/körperliche Reaktion. “September” ist kein tiefsinniges schwules Buch, kein sexy Buch, kein wirklich romantisches Buch. Ein Ich-Erzähler sagt pausenlos “Uiuiui: Mich hat’s ganz schön erwischt” – doch dieses Eingeständnis bleibt hohl und leer, und der geliebte Sam ein recht gesichtsloses, ungefähres Gegenüber.

[So ähnlich betont Sebastian die ganze Zeit, dass er durch seine Arbeit zur Geiselnahme ‘fast berühmt’ wurde – doch nichts, was er im Buch tut, wirkt besonders mutig, engagiert oder journalistisch glaubwürdig: Er trottet die meiste Zeit schwer verliebt zwischen den Sportstätten und dem Pressezentrum hin und her und hofft, dass Sam spontan Zeit hat, mit ihm ein Bier zu trinken.]

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“September” ist kein Buch, das EINEN fatalen Fehler macht. Doch alles wirkt ein wenig zu flach, etwas zu kurz gedacht, zusammengelesen; Mattern nimmt die erstbeste Formulierung oder verlässt sich auf Beteuerungen. Auf 150 Seiten wirkt all das sehr dünn – und ich bin froh, wie viele Facebook-Freunde sagten, auch sie seien von der Lektüre enttäuscht: Als Literaturkritiker habe ich Angst, dass solche kurzen, gut gemeinten Häppchen-Bücher und Middle-Brow-Harmlosigkeiten fast jedem genug sind. Doch auch die Sehr-viel-Gut-Finder in meinem Freundeskreis sagten: DAS war zu wenig. Hier fehlt Substanz.

Mattern betont über das ganze Buch hinweg immer wieder, wie wichtig es den Münchnern war – besonders auch: nach der Berliner Olympiade 1936 – als harmlos, heiter, professionell und perfekt organisiert wahrgenommen zu werden und, dass die Geiselnahme eher als Störung/Ärgernis begriffen wurde. Doch beide Journalisten-Figuren in “September” sind fassungslose Zuschauer, weit weg und ohne intelligente oder besonders komplexe Standpunkte zu den Ereignissen: Brite Sebastian ist durcheinander, Jude Sam wütend, und beide unzufrieden mit der Art, wie das Live-TV und die deutschen Organisatoren kommunizieren: Die offizielle Berichterstattung wirkt selbstverliebt und dilettantisch, bayrisch-provinziell; bis auf Innenminister Genscher, dessen Engagement und Mut das Buch mehrmals betont.

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Mit 14 sah ich “Titanic” im Kino. Die Liebesgeschichte, die soziale Kluft zwischen den Figuren, das Innenleben des Schiffs… nach sicher 90 Minuten dachte ich: “Wow. Selbst, wenn gar kein Eisberg mehr kommen würde – DAS ist ein gelungener Film.” Middle-Brow funktioniert, wenn BEIDES interessant ist: die einfachen Menschen mit ihren Gefühlen… UND die historischen Umstände, in denen sie sich finden. “September” scheitert, weil bei Mattern beide Ebenen – und ihre Verknüpfung – simpel, kunstlos bleiben: ein farblos-fader Brite, behauptet verliebt, steht teilnahmslos neben einer farblos-fade nacherzählten Geiselnahme.

Und: ein bisexueller Mann, der jung Vater wird, sich 1972 zum ersten Mal in einen Mann verliebt… und 2012 (in einer Rahmenhandlung im Buch) nur sagt “Ich bin verheiratet. War 40 Jahre lang sehr angesehener Journalist. Vor einigen Jahren starb meine Tochter. Das war mein Leben”…?

Ich glaube, eine reale Figur mit *diesen* biografischen Eckpunkten hat eine interessantere, komplexere Psychologie und hätte mehr Dinge zu sagen – z.B. auch über die AIDS-Krise der 80er Jahre und über die Art, wie Live-Berichterstattung unsere Wahrnehmung von Katastrophen bis heute immer mehr verändert.

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Zu kurz gedacht. Zu knapp, lieblos erzählt. In jeder Hinsicht: zu wenig.

Jean Mattern: „September“. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. 160 Seiten, Berlin Verlag 2016.

Lyrik: “Buntes Wasser”, Stefan Mesch

poesie statt tatort

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Ich bin kein Lyriker. Doch ich mag Textcollagen, -montagen, Rhythmus.

Jeden Sonntag Abend, zur “Tatort”-Zeit, veröffentlicht das Online-Magazin “ZurQuelle” junge Lyrik: die Reihe “Poesie statt Tatort” will “Sonntage poetisieren: hübsche Poesie statt mittelmäßigem Tatort”.

Letzten Sonntag wurde mein Text veröffentlicht – Link hier.

Ich habe Titel von “Tatort”-Episoden montiert, zu einer Liste/Collage. “Tatort”-Lyrik – statt “Lyrik statt Tatort”:

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Buntes Wasser

Stefan Mesch

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Atlantis, Bermuda, Manila

Harte Hunde, Krumme Hunde, Schlafende Hunde, Fette Hunde, Fette Krieger

Kopfgeld, Blutgeld, Schweinegeld

Kindergeld, Weihnachtsgeld, Schweigegeld, Schmerzensgeld

Geld für den Griechen, Geld oder Leben

Zweierlei Knoten, Zweierlei Blut, Im Schmerz geboren, Telefongeld.

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Der King, Der Boss, Das Mädchen Galina

Drei Affen, Drei Schlingen, Dagoberts Neffen

Franziska, Pauline, Scheherazade, Leyla, Tini, Rikki, Marion, Miriam, Zabou

Veras Waffen, Katjas Schweigen, Wie einst Lilly, Peggy hat Angst

Schöne Belinda, Rosen für Nadja, Maria im Elend, Arme Püppi

Laura mein Engel, Renis Tod, Frau Bu lacht, Alibi für Amelie, Happy Birthday, Sarah.

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Das namenlose Mädchen, Der Name der Orchidee

Taxi nach Leipzig, Quartett in Leipzig, Einsatz in Leipzig, Zwei Flugkarten nach Rio

Alles Palermo, Flucht nach Miami, Frankfurt-Miami, Und dahinter liegt New York

Blüten aus Werder, Stuttgarter Blüten, Gebrochene Blüten, Blütenträume

Usambraveilchen, Berliner Bärchen, Lastrumer Mischung, Zürcher Früchte

Bittere Mandeln, Flieder für Jaczek, Viktualienmarkt.

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Passion, Alter Ego, Der Traum von der Au

Die Feigheit des Löwen, Die Sonne stirbt wie ein Tier

Silberstreifen, Salzleiche, Wolfsstunde, Wegwerfmädchen, Baum der Erlösung, Summ, Summ, Summ

Rabenherz, Krokodilwächter, Schwarze Tiger, weiße Löwen, Leiden wie ein Tier

Kolportage, Deserteure, Erkläre Chimäre

Das Zittern der Tenöre, …und die Musi spielt dazu.

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Blindekuh, Doppelspiel, Todesspiel, Bauernopfer

Kinderspiel, Herz-As, Schattenboxen, Schwarzer Peter

Herrenboxen, Spiel mit Karten, Superzwölfer, Spiel auf Zeit

Roulette mit 6 Kugeln, Spiel mit dem Feuer

Gegenspieler, Schiffe versenken, Häschen in der Grube

Kollaps, Blackout, Ohnmacht, Absturz, Kassensturz, Zahltag, Fluppys Masche.

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Der schwarze Engel, Gefallene Engel, Todesengel, Racheengel, Engel der Nacht

Der Teufel, Feuerteufel, Der Teufel vom Berg, Teufelskreis, Teufel im Leib

Kainsmale, Fegefeuer, Exitus, Requiem, Schwarzer Advent, Die apokalyptischen Reiter

Martinsfeuer, Paradies, Ihr Kinderlein kommet, Im Namen des Vaters

Feuertaufe, Kalter Engel, Ihr werdet gerichtet

Himmelfahrt, Höllenfahrt, Blechschaden, Engelchen flieg, Heilig Blut.

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Verdammt, Verbrannt, Verfolgt, Vermisst, Verschleppt

Märchenwald, Rotkäppchen, Pechmarie

Herzjagd, Jagdzeit, Bluthochzeit, Schattenhochzeit, Spargelzeit, Im Herzen Eiszeit, Kaltes Herz

Kopflos, Schutzlos, Schwerelos, Ausweglos, Schattenlos, Schuldlos schuldig

Angezählt, Ausgelöscht, Platt gemacht, Abgezockt, Ausgeklinkt, Ausgespielt

Ätzend, Unvergessen, Unbestechlich, Allmächtig, Benutzt.

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Neuland, Freigang, Mauerpark

Starkbier, Schußfahrt, Kurzschluß, Zweikampf, Nachtfrost, Spätschicht, Schwelbrand, Strandgut

Blutwurstwalzer, Stahlwalzer, Totentanz, Hexentanz, Freddy tanzt, Tanz auf dem Stahlseil

Freischwimmer, Todesbrücke, Jagdrevier, Spätlese, Reifezeugnis, Blechschaden, Gier, Gift, Müll

Wenn Frauen Austern essen, Die Liebe der Schlachter, Wir sind die Guten

Aida, Ein Sommernachtstraum, Hitchcock und Frau Wernicke, Romeo und Julia.

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Stefan Mesch, geboren 1983 in Sinsheim (Baden), lebt bei Heidelberg und in Berlin. Er veröffentlichte u.a. in BELLA triste, EDIT, Am Erker, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, schreibt über Literatur bei ZEIT Online, Deutschlandradio Kultur, Der Freitag und über Graphic Novels im Berliner Tagesspiegel.

zu Lyrik:

schwule deutsche Literatur, schwule deutschsprachige Autoren

schwule Literatur, deutschsprachig

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Einmal pro Monat suche ich 20 neue oder unbekannte Bücher aus einem Themenfeld oder Genre.

Queere US-Autor*innen – auch Jugendbücher, Graphic Novels – sind leicht zu finden:

Doch schon seit Januar suche ich nach deutschsprachiger Literatur – mit schwulen Themen oder Figuren.

…und finde kaum etwas.

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Statt – wie bisher – 150 bis 300 Bücher zu jedem Thema anzulesen, dabei meine 20, 25 Favoriten zu finden (und die anderen Titel der Vorauswahl zu ignorieren/nicht weiter zu erwähnen, hier im Blog)…

…habe ich bei deutschsprachiger schwuler/queerer Literatur schon Mühe, überhaupt 50 bis 60 literarische Titel zu finden – und viele von ihnen sind verlagsvergriffen/nur noch antiquarisch erhältlich, oder haben keine Online-Leseprobe. Deshalb diesen Monat: keine Auswahl meiner Favoriten. Sondern eine allgemeinere, viel unkritischere Übersicht:

Bücher seit den ca. 70er Jahren, erschienen auf Deutsch, mit wichtigen schwulen Figuren oder Bezügen.

[Einige Autoren sind bi- oder heterosexuell. Andere machen keine Angaben. Insgesamt wird recht wenig über eigene Homo- (oder Hetero-)sexualität gesprochen, im Vergleich zu US-Autor*innen.]

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gelesen und gemocht:

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schwule literatur hubert fichte joachim helfer christian kracht.

  • Hubert Fichte: intelligente, autobiografische, oft wagemutig montierte, avantgardistische Hamburg-Romane über das Erwachsenwerden kurz nach dem zweiten Weltkrieg. “Die Palette” ist am bekanntesten, mein Favorit ist “Detlefs Imitationen: Grünspan”; Fichtes Debüt “Das Waisenhaus” erzählt von seiner unglücklichen Kindheit. Einer meiner deutschsprachigen Lieblingsautoren. Manchmal sperrig – aber immer klug, dicht, lebendig.
  • Joachim Helfer: Ein schwuler deutscher Autor und ein heterosexueller Kollege aus dem Libanon schreiben über Homosexualität und die arabische Welt. Beide versuchen sich an Theorien, Urteilen, Psychologisierungen – und hauen oft schlimm daneben: kein kluges Buch. Aber eins, dessen – oft viel zu pauschale – Aussagen mich staunen, schaudern, lachen und in viele Richtungen neu denken ließen.
  • Christian Kracht: Die Hauptfigur aus “Faserland” wird oft als schwul/bisexuell interpretiert. Die Hauptfiguren aus “1979” (für mich: der bessere, weil überraschendere, wildere Roman) sind offen schwul. In beiden Büchern ist Homosexualität eher eine bittere Pointe/Schrulle – kein Schwerpunkt, und nicht besonders klug oder komplex thematisiert. Trotzdem: lesenswerte Bücher – über interessante-aber-absurde reiche Schnösel.

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deutsche schwule literatur, Matthias Hirth, Kristof Magnusson, Max Goldt

  • Matthias Hirth: gerade gelesen. Rezension: kommt! 736 aufregende, intelligente, oft aber etwas schwerfällig-theoretisierende Seiten über Macht, Autonomie, schwule und queere Hookups, Intimität, Pornografie. Ein schwerer Brocken – den ich empfehle.
  • Kristof Magnusson: Sein Debüt “Zuhause” las ich 2006. Rezension hier. Das Buch hat Kanten, Schwächen, einige dramaturgische Hänger – doch ich halte viel von Magnusson… und seinen Figuren [mehr im Link]. Auch eine der drei Haupftiguren aus Magnussons zweitem Roman, “Das war ich nicht”, ist schwul – doch kam mir nicht besonders nahe.
  • Max Goldt ist ein großartiger Kolumnist (und Moralist), schwul… doch spricht/schreibt kaum darüber. Einer der Autoren, die ich am häufigsten verschenke. Nur “schwule Literatur” wollen seine Bücher (und Comics) nicht sein: Dazu fehlt Tiefgang, Perspektive.

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weitere Bücher und Autoren:

deutsche schwule literatur, hans pleschinski, alain claude sulzer, christoph geiser

  • Hans Pleschinksi
  • Alain Claude Sulzer
  • Christoph Geiser

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schwule literatur poschenrieder tim staffel fabian hischmann

  • Christoph Poschenrieder
  • Tim Staffel [“Rauhfaser” gelesen: hat seine Momente – aber auch viele Popliteratur-Klischees]
  • Fabian Hischmann (bisher nur “Am Ende schmeißen wir mit Gold”)

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schwule literatur arnold stadler josef winkler michael roes

  • Arnold Stadler (…nur “Komm, gehen wir”?)
  • Josef Winkler
  • Michael Roes

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schwule literatur yesilöz bittner kirchhoff

  • Yusuf Yesilöz (…nur “Hochzeitsflug”?)
  • Karl Heinz Bittel (…nur “Eine Art Verrat”?)
  • Bodo Kirchhoff (nur “Eros und Asche”!)

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deutsche schwule literatur, Hans Scherer, J. Walther, Roland M. Schernikau

  • Hans Scherer
  • Jan Walther
  • Ronald M. Schernikau

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deutschsprachige schwule literatur, Philipp Tingler, Gunther Geltinger, Jürgen Bauer

  • Philipp Tingler [keine Empfehlung!]
  • Gunther Geltinger
  • Jürgen Bauer (…nur “Das Fenster zur Welt”?)

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deutsche schwule literatur, Sacha Sperling, Simon Froehling, Jannis Plastargias

  • Sacha Sperling (…nur “Ich dich auch nicht”?)
  • Simon Froehling (…nur “Lange Nächte Tag”?)
  • Jannis Plastargias

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deutsche schwule literatur, reiner schürmann, hans mayer, joachim campe

  • Reiner Schürmann
  • Hans Mayer
  • Joachim Campe [Anthologie, vergriffen]

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Sachbücher/Memoirs:

schwule sachbücher, marko martin, daniel schreiber, mario wirz

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neu erschienen, Unterhaltung:

schwule neue bücher, Tobias Rebisch, Julian Mars, Volker Surmann

  • Julian Mars
  • Volker Surmann
  • Tobias Rebisch

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Jugendbücher (…die mich nicht überzeugten:)

schwule jugendbücher andreas steinhöfel günter ohnemus vera kissel

  • Andreas Steinhöfel
  • Günter Ohnemus (…nur “Alles, was du versäumt hast”: Hauptfigur hat queere Eltern)
  • Vera Kissel (…nur “Was die Welle nahm”: Hauptfigur hat toten, schwulen Vater)
  • Wolfgang Herrndorfs “Tschick” ist empfehlenswert, doch Homosexualität völlig nebensächlich.

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Tagebücher und queere Sachtexte:

deutsche schwule Biographien, Tagebücher, Erinnerungen Fritz J. Raddatz, Rosa von Praunheim, Roland M. Schernikau Matthias Frings, Martin Büsser

  • Fritz J. Raddatz
  • Rosa von Praunheim
  • Matthias Frings’ Biografie Ronald M. Schernikaus
  • Martin Büsser (Musikjournalist: Texte über Musik und Politik)

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deutsche Graphic Novels:

deutsche schwule und queere Graphic Novels Martin Büsser, Martina Schradi, Ralf König

  • Martin Büsser: “Der Junge von Nebenan” – sehr kurz, skizzenhaft, lapidar: keine Empfehlung
  • Martina Schradi: “Ach, so ist das?!” – sympathische, aber klar didaktische Edutaiment-Comics, die Vorurteile abbauen sollen.
  • Ralf König

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deutsche Geschichte:

deutsche Geschichte der Homosexualität, Heinz Heger, Lutz van Dijk, Wolfgang Ehmer

  • Heinz Heger – über die Schwulenverfolgung und -morde der Nazis
  • Lutz van Dijk – über eine Liebe im zweiten Weltkrieg
  • Wolfgang Ehmer – über Strafverfolgungen Homosexueller in den 50er Jahren

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Literatur bis in die 60er Jahre ist oft bekannter: Thomas Bernhard, Hans Henny Jahnn, Klaus Mann, Thomas Mann, Hermann Hesse, Christopher Isherwood, Stefan George, Joseph Breitbach, Wolfgang Koeppen. […mehr auch hier, Link.]

Freundin E. suchte für ihre Magisterarbeit nach Romanen mit schwulen Figuren. Ihre Liste: Joachim Helfer: Cohn & König, PatMcCraw: Duocarns-Reihe, Kristof Magnusson: Zuhause, Jan Walther: Im Zimmer wird es still, Peter Nathschläger: Im Palastdes schönen Schmetterlings, Jan Stressenreuter: Haus voller Wolken, Christoph Wildt: Anleitung zum Mord, Wolfgang Koeppen; Tod in Rom, Joseph Breitbach: Bericht über Bruno, Petra Morsbach: Der Cembalospieler, Juan Santiago/Celine Blue: Schattenspiele, Albert Rausch: Jonathan, Steffen Marciniak: Hylas, Christian Kracht: 1979; Freund C. empfiehlt “Barfuß als Prinz” von Knut Koch; Freundin A. empfiehlt Michael Sollarz; Freund K. “Ein gutes Leben ist die beste Antwort” von Friedrich Dönhoff und “Der Friseur” von Christian Schünemann; Freundin K. das Programm des Konkursbuch Verlags. Vielen Dank!

An “Gay Romances” und M/M-Liebesromanen habe ich kein Interesse.

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schwule Verlage: Querverlag  |  Männerschwarm  |  Bruno Gmünder

schwule Buchhandlungen: Löwenherz (Wien)  |  Eisenherz (Berlin)

schwule Literatur …bei Queer.de  |  …im Blog SchwuleLiteratur.de

tägliche Presseschau über Artikel mit LGBTQ-Thematik: lsvd.de

…und: das Beratungszentrum Sub München (Link) hat eine recht gut sortierte öffentliche Bibliothek.

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zehn persönliche Favoriten (nicht-deutsch, gelesen, sehr zu empfehlen):

Fun Home. A Family Tragicomic: Eine Familie von Gezeichneten Two Boys Kissing The Amazing Adventures of Kavalier & Clay Ask the Passengers The Vast Fields of Ordinary

Stuck Rubber Baby The Lost Language Of Cranes Pedro and Me: Friendship, Loss, and What I Learned This Book Is Gay Natural Order