Sommer in Neukölln – danke an K.!

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Achtung: Ich habe in den letzten Monaten viele sehr persönliche, mir wichtige Texte geschrieben, z.B. über mein Schreiben (Link), meine Familie (Link), meine Ambitionen (Link), einen toten Freund (Link) oder meinen alten Professor (Link). Der folgende Text gehört nicht dazu:

Er ist nur Spielerei, Notizsammlung, Sommer-Nebenbei-Spaß. Rollt nicht die Augen, weil – im Vergleich zu sonst – Dramatik und Dringlichkeit fehlen.
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Liebe K.,

50_Dein Sicherungskasten riecht nach Zahncreme.

49_Ich weiß das erst seit heute. Denn erst nach 19 Tagen allein in deiner Wohnung zog ich am Knauf: Ich wollte ihn öffnen, um zu wissen, ob er ein Sicherungskasten ist – oder etwas anderes.

48_Beim an-der-Tür-Ziehen rutschte hinten, zwischen Wand und Holzrahmen, sofort ein tic-tac-Hüllen-großes Plastic-Case voller Zahnseide die Wand runter zu Boden. Ich hob es auf. Dachte: “Dann sind da doch keine Sicherungen. Ein riesiger Medizinschrank?” Zog am Knauf…

47_fand Sicherungen und Zähler…

46_und sehr viel Zahncreme, Zahnseide, Reiseutensilien.

45_Sobald ich Schränke, Truhen, Kellertüren öffne, erwarte ich muffigen Geruch: Meine Nase ist recht schlecht. Wahrscheinlich kalkuliere ich, wie es gleich riechen sollte / könnte / müsste, statt wirklich erstmal irgendwas zu riechen. Dass aus dem Sicherungskasten nicht Muff und Moder kam, sondern Minze, macht mich glücklich: Hätte ich eine Wohnung – ich würde solche Geruchs-Übertölpelungen in allen Winkeln mit schlechtem Geruchs-Image verstecken, und die Geruchs-Erwartungen, Geruchs-Dramaturgie von Schränken, Schubladen unterwandern. Bild-Nase-Scheren – wie Ton-Bild Scheren im TV. Falsche Fährten. Überraschungen!

44_Ich bin seit Dienstag, 29. Juli in deiner Neuköllner Wohnung. Weitgehend heimlich.

43_Du kommst übermorgen zurück: am 21. August.

42_Drei ruhige, helle, konzentrierte Wochen. Kaum Menschen. Viel Textarbeit und Schreiben. Südfenster im Schlaf-, Nordfenster in Arbeitszimmer und Küche. Vorne: Rosenstöcke. Hinterhof. Hinten: Fahrradabstellplatz und Sträucher. Ein Wasserbett. Ein Gaskocher. Parterre. Der Plastikbausatz eines Pterodaktylus, 60 oder 70 Zentimeter Flügelspannweite, glow-in-the-dark, über deinem Bett.

41_Ich will mich für die Zeit hier in Berlin bedanken. Ich bin bis Samstag in der Stadt: Wir können Kaffee trinken. Ich lade dich zum Essen ein! Ich finde ein Gast- und Dankesgeschenk – bestimmt auch Bücher. Obwohl du wenig von Buchgeschenken hältst.

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40_Ich glaube, am meisten freuen dich… Einfälle. Gedanken: Lose Notizen über deine Wohnung, meine letzten Tage, die Nachbarschaft, Berlin, den Sommer.

39_Hat das Känguru auf der 1,50 auf 1,50 großen Karikatur an deiner Schlafzimmerwand ein oder ZWEI Augen? Ist diese Beule oben am Kopf ein senkrechtes, rechtes Auge – oder ein Blaulicht? Und trägt der Roboter links daneben, der sich mit Schnaps betrinkt, den ihm das süffisante Blaulicht-Känguru im Beutel zugetragen hat, eine Metall-Sauciere auf dem Kopf? Oder eine Ölkanne? Einen Espressokocher?

38_Und warum hat der Roboter keine Füße und Schuhe? Und das dahinter – ist das ein Zylinder? Saß der Zylinder auf seinem Kopf? Hat der Zylinder die Metall-Sauciere / Ölkanne / den Espressokocher versteckt?

37_Mich freut fast jeden Tag, dass der rote Tannenbaum hinter dem Känguru zwar rechts und links die selbe Anzahl Äste hat – aber diese Äste nicht streng symmetrisch / gespiegelt wachsen.

36_Mich freut fast jeden Tag, dass deine Wohnung kein WLAN hat.

35_Ich arbeite 6, 7 Stunden täglich offline – hier im Schlafzimmer, im Wasserbett, den Laptop auf der Brust. Um 16 Uhr gehe ich zu Edeka und hole mir Oliven und Brot (Haben sie die tollen Kalamata-Oliven aus dem Sortiment genommen, vor zehn Tagen?). Und zwischen 18 und 20 Uhr gehe ich ins „Weserland“, zu deinen Coworking-Kollegen, und google, facebooke, chatte, lese, erledige Bezahljobs – bis nachts um 2 oder 3.

34_Ich habe dein Kürbiskernöl benutzt und deine Olivenöl-Zitrus-Seife im Bad. Ich habe alte Ausgaben von Harper’s Magazine gelesen (wie toll ist Harper’s Index?). Ich habe einmal die Waschmaschine benutzt, zehnmal geduscht. Und Krümel eines Muffins fielen mir im Flur auf die mit Packpapier abgeklebten Dielen – und hinterließen zwei kleine Fettflecke.

33_Ich fragte mich, warum deine Dielen im Flur mit einer Rolle Packpapier abgeklebt sind – und ob du dieses Packpapier ersetzt, beschriftest, bemalst, in Herbst und Winter oft dreckig machst…?

32_Und dachte: „Los! Sammle Fragen zur Wohnung! Schreib einen Text!“

31_Warum fehlen dem Pterodactylus-Skelett viele Rippenbögen und Halswirbel? Warum zeigt eine Fußkralle nach oben – aber die andere nach unten? Warum sehe ich überall in der Wohnung Bilder und verstreute Plüschfiguren von Hasen und Nagetieren (und ein paar Plastiksaurier), aber EIN einziges Dromedar? Wer hat in Schreibschrift und mit rotem Faden „Proletariat“ auf deine braune Stoffratte gestickt? Sind alle Tiere und Tierabbildungen in deiner Wohnung männlich? Das süffisante Känguru auch? Warum das Sam & Max-Poster in der Küche?

30_Warum hast du keine Kleiderbügel? Warum hast du keinen Spiegel im Bad? Warum hast du keinen Kühlschrank?

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29_Du hast mir angeboten, deinen Arbeitsplatz / Account im Weserland zu nutzen – aber 75 Euro monatlich, um 24 Stunden am Tag dort arbeiten, sitzen, surfen zu können? Oder sogar kochen? SNES spielen? Schlafen? Ich fand die Räume so ideal, das ganze Set-up unterstützenswert genug, um mich dort gleich selbst einzumieten: Drei Wochen lang war ich dort jede Nacht am Schreibtisch, ab 18 oder 20 Uhr – bis 2 oder 3. Ich kaufte noch eine „Kaffee-Flatrate“ dazu, für 15 Euro – aber trank am Ende doch nur Mate, jeden Abend. Ich hatte Ohrstöpsel dabei – aber kam trotzdem oft ins Gespräch. Mario. Heiko. Meko. Benno. Felix. Die lustige blonde Frau, die sagt „Ich bin Frederike – aber sag ruhig Franziska zu mir!“ Und Jacqueline, die mit einer Bestimmtheit und einem Verve jeden Raum betritt, der mich wünschen lässt, sie würde in einer neuen „Star Trek“-Serie ein Raumschiff kommandieren: „Captain auf der Brücke!“. Ich kann verstehen, warum du gern neben diesen Leuten, in dieser Atmosphäre schreibst und arbeitest.

28_Ich war nicht auf Konzerten. Ich war nicht bei Starbucks oder Dunkin’ Donuts, bei Ocelot, im Groben Unfug, bei ZEIT Online, ich war nicht bei Skype oder am Telefon, ich habe nichts getrunken. Nichts gestreamt. Nichts gebloggt. Freundin Simone sagt, der Saraha-Imbiss am Reuterplatz ist sehr gut, aber wir fanden – wie immer – keine Zeit. Freundin Simone sagt, das türkische Kaufhaus am Maybachufer verkauft den besten Hummus. Aber immer, wenn ich am Kottbusser Damm war, hatte es schon zu.

27_Ich habe ein ZEIT-Interview mit meinem Lieblingsautor vorbereitet, Stewart O’Nan – aber mich noch nicht getraut, um einen Termin zu bitten. Ich habe Pressearbeit für den neuen Verlag von Freund Felix gemacht – und eine Liste mit 170 Buchblogs mit Krimi- und Thriller-Schwerpunkt recherchiert. Ich habe Christiane Vorschläge für Autor*innen für eine neue E-Book-Anthologie gemailt. Wurde für ein Schul- und Leseprojekt namens Comment angefragt. Entdeckte ein paar neue, gute Comics. Plane ein paar Lesungen und Artikel im Herbst.

26_Fast ALLE Arbeitszeit der letzten Wochen aber gehörte dem Roman: Ich bin im 21. Kapitel von „Zimmer voller Freunde“. Noch ca. 15, 18 Monate Schreiben. Noch ca. 155 Seiten. Ich habe in deiner Wohnung jeden Tag für Stunden lektoriert. Gekürzt. Überarbeitet. Ich habe die selben Kapitel immer wieder neu gelesen – frisch ausgeschlafen oder viel zu müde. Schnell hintereinander oder Stück für Stück. Ich habe Sätze geändert, die mich seit zwei, drei Jahren vage störten. Ich habe Probleme (Rhythmus, Satzbau, Bildsprache, Motivketten, Dialoge, Timing) gelöst, die mir seit Schreib-Beginn nachspukten. Ich war fleißig. Konzentriert. Allein. Sortiert. Verbissen – aber entspannt.

25_Und glücklich!

24_Ich habe mir in den letzten drei Wochen KEINE Zeit genommen für: Die Longlist des deutschen Buchpreis’, Geburtstage meiner Freunde daheim in Baden-Württemberg, neue Blogposts, den Sommer, lange Familien-Gespräche.

23_Ich habe mir einen Schal um den Kopf gewickelt, zum Schlafen: Die Vorhangstange im Schlafzimmer wackelt, und ich hatte Angst, dass mir der Vorhang runterfällt. Dass deine Wohnung auch Elektro-Rollläden hat, verstand ich erst letzte Woche. Aber ehrlich: Ich glaube, ohne das Gefühl des Schals um meinen Kopf könnte ich eh nicht mehr einschlafen.

22_Ich war überrascht, fast jeden Tag der einzige, letzte Schreiber im Weserland zu sein. Aber Simone sagt: „Wer sich einen Platz in einem Gemeinschaftsbüro mietet, wünscht sich vielleicht auch mehr Struktur in seinen Tagen: Bürozeiten, ein fester Rhythmus, 9 to 5.“

21_Allein zu sein in einem warmen, hellen Riesenraum mit Lichterketten und kleinen, warmen Leuchten und Hunderten Origami-Kranichen an der Decke – und allen 20 Minuten durch die großen Fenster einer anderen betrunkenen, glücklichen Weserstraßen-Frau mit Smartphone zuzulächeln („I’m just photographing your birds! Beautiful!“) fühlte sich 20 Abende am Stück sehr gut und richtig an! Ich hatte Zeit für mich selbst – aber kam mir dennoch vor, als sei ich angeschlossen an die Stadt. Die Straße. Die Welt.

20_Das Lied auf Repeat, die letzten Wochen? Lisa Hannigans „Paper House“:

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19_2014 ist das erste Jahr seit 2009, an dem ich mir keine drei, vier Monate Nordamerika leisten kann: 5 Jahre lang war ich jeden Frühling in Toronto. Letzten Herbst war ich 9 Wochen lang in New York. Aber 2014 wollte ich VIEL mehr am Roman arbeiten (hat geklappt), weniger Bezahljobs machen (hat nicht geklappt: ich habe noch nie so viel gejobbt – aber hatte auch noch nie so viel Spaß in Seminar-, Journalismus- und Übersetzungs-Projekten)… und musste Schulden bei der Krankenkasse abbezahlen.

18_In Berlin war ich 20, 25 Mal in den letzten zehn Jahren – aber nie länger als fünf, sechs Tage. Meist schlafe ich bei Simone; und das ist… essentiell, für unsere Freundschaft – und immer schön. Doch wer in Hildesheim studiert, zieht meist zum Schreiben seiner Diplomarbeit hierher, und bleibt dann hängen: Fast ALLE Freunde, fast alle Erzfeinde, fast alle Menschen, die schon im Studium nervten, sind jetzt hier – und wenn ich komme, mache ich jedes Mal ein Dutzend Termine. Richte mich nach Auftraggebern. Freunden. Allen Menschen, bei denen ich ein schlechtes Gewissen habe, dass wir uns selten sehen: Eine Stunde S-Bahn – Kaffee mit A. – eine Stunde S-Bahn – Kaffee mit B. – eine Stunde U-Bahn – Kaffee mit C. – eine Stunde durch viel zu breite, zugige Straßen – Literaturzeugs – eine Stunde U-Bahn – und dann wie tot auf der Matratze in Simones Küche liegen… und neue Termine ausmachen, für morgen.

17_Dieses Mal sagte ich der Facebook-Welt und allen Auftraggebern nur: Ich bin die nächsten Wochen tagsüber aus dem Spiel. Erst abends erreicht ihr mich online, wie immer. Sebastian? Jakob? Frank? Andrea? Marcel? Fabian? Daniela? Stephan? Richard? Britta? David? Felix? Dana? Jo? Hans? Martin? Nicola? Anne? Minette? Entschuldigt, dass ich hinter eurem Rücken nach Berlin kam: Hätte ich mich angemeldet, fest verabredet – ich hätte nicht halb so viel geschafft. Und hätte am vierten, fünften Tag vor Müdigkeit und Frustration geweint:

16_Das war das ERSTE Mal, dass ich zum Arbeiten / Schreiben gekommen bin, hier in Berlin.

15_Nach vier Tagen traf ich Simone zum Kaffee. Und abends Kenny und seinen Mann – die seit August für ein Jahr aus Toronto nach Berlin gezogen sind, damit Kenny für ein Buch über den Umgang mit Behinderten in der DDR recherchieren kann: Wir sind enge Toronto-Freunde, und er war letzten Herbst / Winter schon in hier… und sehr enttäuscht, dass ich nur einmal her kam, in der Zeit. Dieses Mal sahen wir uns beinahe wöchentlich – u.a. zu seiner Lesung. Das war sehr gut…

14_obwohl mich stört, wie schnell aus jedem Treffen mit Freunden Hydra-Köpfe für WEITERE Treffen wachsen: „You should be here on my birthday in September!“, „Do you have plans for Hanukkah?“, „We will spend two nights watching the old ‘Holocaust’ mini-series with several scholars and activists: Do you want to join?“, „You have never been to lab.oratory?“, „Why do you avoid opera? And museums?“, „Just get a permanent apartment here! You’re 31. Move!“

13_Mein wichtigstes Dating-Profil zählt je zwei Dutzend toller Frauen und Männer auf. Die Frauen-Liste endet mit „Julie Delpy (und Ethan Hawke)“, die Männer-Liste mit „Ethan Hawke (und Julie Delpy)“, und als ein schlauer, quatschiger Florist mich anmailt und vorschlägt, mit dem Zug nach Wien zu fahren und dort die Nacht durchzumachen, kriegt er Originalitäts- und Sympathiepunkte.

12_Am ersten Sonntag hier verabreden wir uns, um „Before Midnight“ zu sehen. Ich übernachte bei ihm. Am zweiten Samstag verabreden wir uns für „Capote“. Aber kommen nicht dazu, den Film einzulegen. Letzten Samstag übernachte ich wieder dort. Wir essen die Gummibärchen der „Fan Edition“ im Dunkeln und versuchen, den Geschmack zu erraten – aber Aprikose und Heidelbeere schmecken völlig gleich.

11_Ich habe gelesen, seit Ende Juli: „White like me“ von Tim Wise (Empfehlung!), „A World away“ von Stewart O’Nan (schleppend und freudlos), mittelgute „Batman: Incorporated“ und „Batman: Zero Year“-Comics von Grant Morrison und Scott Snyder, schlechte aktuelle „Batgirl“-, „Aquaman“-, „Nightwing“- und „Batman/Superman“-Bände, okaye Indie-Comics („Sex Criminals“, „The Wake“), die sehr guten Marvel-Reihen „She-Hulk“ und „Ms. Marvel“ und das brillante „Afterlife with Archie“: bisher mein Buch des Jahres! Dazu Paul Hornschemeyers „Mother, come home“ (aus deinem Bücherregal) und einen Zoran-Drvenkar-Thriller, beruflich.

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10_Letztes Jahr war ich ein Wochenende lang in Freds Stuttgarter Wohnung. Im Januar für fast vier Wochen in Karlsruhe, während Lena auf Jamaika war. Im März lebte ich im Münchner WG-Zimmer meiner Schwester – und vor fünf Wochen ein zweites Mal bei Lena. Ich mag das Haus, in dem ich schreibe. Aber mir helfen diese Tapetenwechsel sehr: Städte treiben mich an. Bringen mich weiter. Geben mir das Gefühl, dass es Optionen gibt.

09_Eine beinahe 70jährige Ex-Vermieterin und Freundin aus Toronto, Linda, sagte 2010, sie möchte Couchsurferin werden, in Europa. Sie pflegte ihre demente Mutter – doch 2012, nach deren Tod, machte sie konkrete Reisepläne: Italien? Spanien? „Komm jederzeit zu mir! Ich freue mich!“ Letzten Semptember musste ich nach Berlin – und konnte Linda nur anbieten, sie erstmal dort zu treffen. „Ich habe keine Hotel- oder Unterkunfts-Ideen. Aber wenn du willst, frage ich auf Facebook nach Couchsurfing-Tipps.“

08_“Stefan? Deine Freundin kann bei mir übernachten!“, hast du auf Facebook angeboten… und uns sofort ein Google-.doc geschickt, mit allen Kniffen und Marotten der Wohnung: „Please don’t remove the sheets on the bed when you leave, unless you’ve been doing something really nasty, like eating Zwieback in bed. I might return drunk and/or tired, in which case I much prefer used sheets to changing them first. Changing sheets on a waterbed is a major operation not to be undertaken lightly, like putting a cat into a cat carrier.“

07_Linda hatte großartige Tage. Und blieb danach noch fast drei Wochen bei meiner Mutter auf dem Land, bei Heidelberg. „It’s a very basic apartment. There’s no fridge. But K.’s priorities are clear: That’s a cool life!”, erklärte Linda meiner Mutter. Und half mir damit weiter: Wie viele Duftkerzen, Espressotassen, Rasenmäher will ICH anhäufen, bis ich Mitte 40 bin? Am liebsten: keine! Seit Linda meiner Mutter Kunde gab, dass – echte, erfolgreiche, glückliche Berliner Autorinnen / Journalistinnen – sehr gut durchs Leben kommen OHNE solche Requisiten, reagiert auch meine Familie entspannter: „K. hat keinen Kühlschrank. Und trotzdem kam noch keine Erwachsenen-Polizei, um sie zu verhaften!“ Mir ist dein Leben sehr plausibel: Du bist – auch und besonders in solchen lebenspraktischen Entscheidungen – ein role model für mich.

06_In Woche 1 war ich nervös, dass dein Wasserbett platzt oder ausläuft. (Das ist in „Akte X“ passiert.) In Woche 2 fragte ich mich, ob es – von innen elektrisch beheizt – auch Feuer fangen könnte? Oder mich mit Stromschlägen töten? Vorgestern las ich deinen Bondage-Ratgeber im Bett und merkte plötzlich: Ah. DAFÜR sind diese Haken da, am Bettrahmen! Mir hat das luxuriöse Bett – in diesen drei Wochen – fünfmal mehr Lebensqualität geschenkt, als mir die Kühlschranklosigkeit zu nehmen drohte: Wer Edeka, Netto, Kaufland im 200-Meter Radius um die Wohnung hat (und: einen Weserland-Kühlschrank, für Notfälle), kommt gut zurecht. [und ehrlich: oft ist auch der Kühlschrank in meinem Schreib-Haus auf dem Land über Wochen ausgestellt, und ich kühle nur im Haus meiner Mutter.]
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05_Ich war mit Christian und Anika auf der Thai-Wiese im Preußenpark und habe Nudeln, Fisch, Tempura-Shrimps gegessen. Wir waren in „Boyhood“ (großartig; und deutlich besser als „Before Midnight) und mussten fast 20 Spätis durchprobieren, um roten „Monster“-Energydrink zu finden. Ich feierte Simones Geburtstag im Südblock. War mit einem Petplayer / Fantasy-Blogger im [drögen] „Prinzknecht“ („Mein Ex und ich hatten eine Zwangsjacke – aber er zog nach London, und bei der Trennung wurde IHM die Jacke zugesprochen. Das war traurig!“), lud Kai zum Essen ein in Tangs Kantine. „Kai? Es ist tut mir SO Leid, dass ich zehn Tage lang hinter deinem Rücken in der Stadt war! Kommt nie wieder vor.“ – „Ich freue mich über jede Begegnung mit dir. Aber wenn ich dich auf der anderen Straßenseite sehen würde und mir wäre nicht danach, zu reden – ich würde dich nicht rufen.“ (Und DARUM sind wir Freunde!)

04_Zur Hochzeit habe ich Fanny und Holger (Freiburg) einen 200-Euro-Gutschein bei „ocelot“ geschenkt – und aus dem Nichts schrieb Fanny: „Wir waren heute einkaufen, in Berlin: „The Goldfinch“ von Donna Tartt, „Schlafgänger“ von Dorothee Elmiger, „Unternehmer“ von Matthias Nawrat, „Pierre Bourdieu: eine systematische Einführung“ von Hans Peter Müller, „Johann Holtrop“ von Rainald Goetz, „Der Trinker“ von Hans Fallada, „Alle Welt“ – ein Kinderbuch-Atlas, „What I loved“ von Siri Hustvedt, „Mädchenhimmel“ von Lili Grün, „Heringe“ von Holger Teschke, „Die Ausgewanderten“ von W.G. Sebald, „Ein ganzes Leben“ von Robert Seetaler, „Just Kids“ von Patti Smith.

03_“Ich bin hier! In der Stadt!“ mailte ich zurück und wir waren Eisessen am Kanal, liefen durch Neukölln und suchten ein Café – und trafen Schreiber-Freund Michael Spyra auf der Straße: einen meiner Lieblingsmenschen. Er wollte grade Kaffee trinken gehen, mit einer Freundin, und für fast drei Stunden saßen wir zu fünft, spontan und aufgedreht-entspannt mitten am Kanal. Mitten im August. Mitten in Berlin.

02_“Ich bin im September kaum in Baden-Württemberg – und auch jetzt im August viel unterwegs“, postete ich vor zwei Wochen auf Facebook: „Falls jemand ein paar Tage Ruhe / Grün braucht: Meldet euch! Das leerstehende Haus, in dem ich normalerweise schreibe, steht… ähm… leer.“ – „Ich würde SO gerne“, schrieb Wiebke. „Wenns nicht so weit weg wär…“ Daniela. Und mir wird klar, welches Glück ich habe – als Freelancer / freier Schreiber. Freunde? Wenn ihr mir Zeit in Wohnungen / Städten schenkt, macht ihr mich damit irrsinnig glücklich. Ich wünschte, ich könnte mich revanchieren, mit einem vergleichbaren Angebot!

01_Letzte Woche war der Wäscheständer voll. Also hängte ich Hemden über die Lehnen der Küchenstühle, zum Trocknen. Und an den Knauf des Sicherungskastens. Ich wollte dir irgend etwas Schrulliges notieren, über meine Zeit in deiner Wohnung: „Ich hängte ein Hemd an deinen Sicherungskasten-Knauf.“ Aber dachte jetzt erst, vor Beginn des Texts: „Was, wenn es gar kein Sicherungskasten ist? Sondern… ein Medizinschrank? Los: Kuck kurz rein. Dann weißt du’s!“

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