Month: December 2013

[Interview] Wovon lebst du eigentlich…?

ab hier kultur 2013 wordpress

.

Zwei Kulturjournalisten. Zwei Kontinente. Die gleichen Niedriglöhne und Existenzängste:

.

Die Redaktion von “Kultur 2013”, dem Alumni-Magazin der Universität Hildesheim und ihrer kulturwissenschaftlichen Studiengänge, bat mich im Herbst 2013, einen Text zum Thema “Geld oder Liebe” zu schreiben: Herzens-Projekte versus Auftrags-Arbeiten, schnöde Jobs versus Schreib- und Lebensziele, Pragmatismus versus Ideale. Der Text – ein langes Gespräch mit Kulturjournalist / Freelancer / Lieblingsmensch Max Mosher – erschien im Dezember 2013 (Link).
.
.

.

Stefan Mesch (30) studierte in Hildesheim und schreibt heute für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er wohnt bei seiner Mutter auf dem Land und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”. Max Mosher (28) liefert einem Stadt- und Kulturportal in Toronto seit Herbst 2012 wöchentlich drei lange Artikel über Mode und Kultur. Um Miete und Krankenversicherung zu finanzieren, jobbt er vier Tage pro Woche als Barista. Beide hadern mit prekären Perspektiven – bis Max die Taktik ändern will: ein Facebook-Chat über Ansprüche, Angst, enttäuschte Erwartungen.

.

[Max] Ich überlege, ob ich den Absprung mache.

.

[Stefan] Absprung von was?

.

[Max] Freelance. Freier Journalismus. Die AIDS-Hilfe sucht jemanden für PR- und Öffentlichentlichkeitsarbeit: Pressetexte zu Studien, Social-Media-Zeug usw.

.

[Stefan] Eine feste Stelle. Wenn das dein Ziel sein soll – okay. Aber denk dran, woher ich komme: Fast alle meine Hildesheim-Freunde stehen mittlerweile im Beruf. Ich kucke seit fünf Jahren zu, wie JEDER ein paar Monate lang versucht, sich als freier Autor durchzukämpfen… und dann “den Absprung macht”. Statt endlich Texte zu schreiben, die er immer schreiben wollte.

.

[Max] Die Hürden sind zu hoch. Für freie Autoren ist alles zäh und unsicher.

.

[Stefan] Ich kenne 50 tolle Schreiber / Journalisten. Von denen vielleicht… fünf (!) noch regelmäßig schreiben. Wie absurd ist das? Der Kulturjournalist, der grade am meisten und besten publiziert, kommt aus Toronto. Nicht aus meiner Schreib-Schule!

.

[Max] Wenn ich Ideen für Artikel an Zeitungen pitche, kriege ich meist nicht mal Antwort. Nach einer Weile hören Leute eben auf, sich anzubieten. Trotz Talent.

.

[Stefan] Wäre ich sauer auf jeden, der eine feste Stelle am Schreibtisch sucht, hätte ich keine Freunde mehr. Aber dass viele ganz aufhören, zu schreiben? Sich mit Büro- und Orga-Arbeit abfinden? Das ist doch beschissen!

.

[Max] Ob ich mit Schreiben aufhöre, kann ich mir offen halten. Ich würde vor allem aufhören, meine drei wöchentlichen Mode-Texte an mein Online-Portal zu liefern.

.

[Stefan] Falls du den Schreibtischjob bekommst: Wie viele Tage pro Woche wären übrig? Für dein Schreiben, deine Projekte? Ein oder zwei? Dann mach das AIDS-Ding. Aber “ab und zu, abends und am Wochenende”? Das klappt bei keinem, den ich kenne.

.

[Max] Sie bieten eine Vollzeitstelle. Also Schreiben nur nach Feierabend. Aber Stefan? Das ist jetzt schon so: Ich arbeite meine drei Texte pro Woche ab und stehe im Café, für Mindestlohn. Ein fester Job wäre keine Hiobsbotschaft. Viel Zeit für Eigenes bleibt nie!

.

[Stefan] Dann sprich mit Leuten, die solche Schreibtisch-Stellen besetzen: Haben sie noch Zeit für eine Autoren- oder Journalistenkarriere? Lohnt sich das, langfristig?

[Max] Hätte ich direkt mit 24 angefangen, frei zu schreiben, wäre ich wahrscheinlich etwas weiter. Aber ich wollte den Master, machte Praktika, wohnte daheim… und jetzt, mit 28, will ich mir diese Unsicherheit nicht mehr viel länger geben.

[Stefan] Ich muss immer an Erin denken und ihre Bier-Sache: Das darf dir nicht passieren.

[Max] Ich bin nicht Erin.

[Stefan] Na ja. Fast 10 Jahre lang studiert und jobbt sie auf der ganzen Welt. Jetzt fand sie diesen Brauerei-Job. Und hat plötzlich jeden Tag Angst, dass man sie feuert. Das scheint ein riesiger, persönlicher Kampf zu sein: Sie will um jeden Preis eine tolle Bier-Vertreterin werden. Aber wenn es klappt, was ist sie dann? Eine Super-Vertretin. Keine Super-Erin. Kämpft sie, um die Person zu werden, die SIE sein will? Oder wird sie nur die Sorte Handlanger, die am bequemsten und billigsten ist… für den Brauereikonzern?

[Max] Bitte hör auf, mich mit Erin zu vergleichen.

[Stefan]Okay – aber warum? Du magst sie. Ihr habt ähnliche Wünsche. Ihr seid ähnlich nervös, weil eure Arbeitgeber viel fordern.

[Max] Erin ist neurotisch.

[Stefan]Erin will, dass endlich jemand kommt und sagt: “Auf dich habe ich gewartet! DU hast mir gefehlt.” Ein Mann. Oder ein Chef. Und tatsächlich kommen Leute. Aber sie sagen: “Ich liebe dich – wenn du anders wirst!” oder “Pass dich gut an – DANN loben wir dich!” Ich will, dass Leute anfangen, Erin zu mögen. Nicht Erins wachsende Bereitschaft, für alle genau das zu werden, was sie von ihr verlangen: Hauptsache, irgend jemand lobt sie. Für irgendwas.

[Max] Ich hoffe, von mir denkst du das nicht.

[Stefan]Du bist weniger gefallsüchtig. Weniger willig, dich zu verbiegen. Aber ihr wollt beide passen. Endlich dazugehören.

[Max] Die meisten von uns haben weniger Glück mit Auftraggebern und Redaktionen als du: Wir brauchen feste Jobs, um unsere Rechnungen zu zahlen. Meist sagen wir “Augen zu und durch!” und arbeiten irgendwo.

[Stefan] So viel “Glück” hatte ich nicht. Ich hänge hier in der Provinz und schlafe in meinem alten Kinderzimmer. Hätte ich große finanzielle Verpflichtungen wie ein WG-Zimmer in einer Stadt könnte ich nicht weiter schreiben, jeden Tag.

[Max] Auf jeden Fall würde mir die AIDS-Hilfe mehr zahlen als das Café. Ich könnte eine gute Sache unterstützen. Und notfalls kündige ich eben wieder.

[Stefan] Du hast bessere Umstände, besseren Lohn, ein besseren Alltag verdient: Du arbeitest wie verrückt, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Du lebst erwachsener als ich.

[Max] Aber wie lange soll ich rumkrebsen? Ohne Aussicht auf Festanstellung oder regelmäßige Aufträge? Das Portal zahlt 200 Dollar für drei Texte. Davon kann keiner leben. Ich habe keine Zeit, jede Woche fremden Redakteuren fünf eigenständige Ideen zu recherchieren, anzubieten – und wenn die Absage kommt, zu schreiben: Toll: Dann schicke ich gleich drei andere, neue!” Die Zeit und Energie, die solche Pitches kosten, brauche ich zum Geldverdienen.

[Stefan] Meine Regel ist, fünf Sachen zu versuchen. Fünf Leute anzuschreiben. Ich werde erst weinerlich, wenn volle fünf Absagen zusammen sind.

[Max] Du hast neulich zugegeben, dass Redakteure auf den Großteil deiner Ideen anspringen.

[Stefan] Wenn ich fünf Sachen probiere, klappen drei davon, früher oder später.

[Max] Glückwunsch. Dann stell dir vor, du müsstest Zeitschriften, die dir oft unsympathisch sind, ständig neue Vorschläge machen – meist ohne jedes Feedback, immer vergebens. Wenn ich keine Kraft für diese Scharmützel habe, ist der Krieg verloren. Aber langsam merke ich, wie bitter und negativ ich werde: So war ich nie. So ticke ich nicht!

[Stefan] Überleg länger, was DU willst. Nicht, was andere Leute von dir wollen. Die AIDS-Hilfe braucht keinen Max Mosher. Deine Ziele und Ansprüche haben dort keine Priorität.

[Max] Torontos Stadtmagazine brauchen keinen Max Mosher. Flare und Elle brauchen keinen Max Mosher. Niemand will mich drucken – und bezahlen.

[Stefan] Braucht Max Mosher Max Mosher?

[Max] Du meinst: Braucht die Person den Autor?

[Stefan] Ja: Muss diese Person schreiben? Ein Autor sein? Ist das nötig?

[Max] Tja. Das zeigt sich dann wohl bald.

[Stefan] Ich würde am liebsten für sechs Monate nach Toronto fliegen, Privatsekretär spielen und dir Artikel sichern.

[Max] Das muss ich selbst schaffen.

[Stefan] Dann sprich mit Leuten, die für Flare, Elle usw. schreiben und dir Tipps geben: Manchmal reicht Ausdauer. Stehenbleiben. Viele Konkurrenten geben einfach auf, mit der Zeit. Und viele Ex-Hildesheimer sind genauso talentiert als Journalist oder Autor. Aber sie schreiben nicht. Weil sie schneller Geld und Sicherheiten brauchen, oder keine Geduld mehr haben: Ich war umgeben von… Sängern. Viele sangen besser als ich! Aber nach und nach hören fast alle auf: ein Chor, immer dünner, leiser. Mit immer weniger Stimmen.

[Max] Alle hier freuen sich über die AIDS-Sache und wünschen mir Glück für die Bewerbung.

[Stefan] Die erste Bewerbung wird nicht klappen. Aber die dritte. Oder die fünfte. Ich kenne keinen, der einen Bürojob fand und danach wieder (glücklicher!) Freelancer wurde. Trotzdem sind sie zufriedener als direkt nach dem Studium. Und reicher.Vielleicht vermisse ICH es mehr, regelmäßig Texte von ihnen zu lesen, als SIE es vermissen, solche Texte zu schreiben.

[Max] Du glaubst so sehr an mein Talent. Sorry, dass das hier klingt wie ein Streit.

[Stefan] Ich hatte diesen “Streit” so oft: Wärt ihr ab morgen alle Hedge-Fund-Manager, ich würde euch trotzdem lieben. Blöd nur: Wenn DU die Förderanträge für die AIDS-Hilfe nicht schreibst, schreibt sie halt irgendwer. Aber wenn du keine Reportagen, Essays schreibst… werden diese Texte nie geschrieben. Das fehlt. Mir fehlt es. Immer mehr. Und dir?

[am nächsten Tag:]

[Max] Die Stellenausschreibung galt nur bis vorgestern. Sie wollten Bewerber mit IT- und Programmier-Kenntnissen. Alles bleibt, wie es ist.

ab hier kultur 01.

.

Stefan Mesch lebt seit 2009 drei Monate im Jahr in Toronto, als freier Autor und Übersetzer; und neun Monate im leerstehenden Haus seiner toten Großeltern, in der Provinz bei Heidelberg. Texte unter stefanmesch.wordpress.com

Maximilian Mosher schreibt über Film- und Modegeschichte, Politik und Alltagskultur, u.a. für WORN Fashion Journal. 2012 bis 2013 schrieb er 130 Mode-Artikel für ein Online-Portal in Toronto. Jetzt sucht er neue Auftraggeber. Twitter: @max_mosher_

.2013 ab.hier.kultur Max Stefan.

verwandte Links:

Indie Movies 2013: my 15 Top Favorites

Wordpress Best Movies 2013.

The best movies I’ve seen in 2013?

.

The 2013 movies I am most eager to watch as soon as possible?

15: “Her” [Spike Jonze, USA]

14: “The Butterfly’s Dream” [Yilmaz Erdogan, Turkey]

13: “In Bloom” [Chris Michael Birkmeier, USA]

12: “Snowpierce” [Joon-ho Bong, South Korea]

11: “12 Years a Slave” [Steve McQueen, USA]

10: “An Adventure in Space and Time” [Terry McDonough, UK]

09: “Phantom” [Jonathan Soler, France]

08: “The Lunchbox” [Ritesh Batra, India]

07: “Short Term 12” [Destin Cretton, USA]

06: “Class Enemy” [Rok Bicek, Slovenia]

05: “Somewhere Slow” [Jeremy O’Keefe, USA]

04: “The Past” / “Le Passé” [Asghar Farhadi, France]

03: “Blue is the warmest Color” [Abdellatif Kechiche, France]

02: “Before Midnight” [Richard Linklater, USA]

01: “Like Father, like Son” [Hirokazu Koreeda, Japan]

.

Related Links:

Romane 2014: Neuerscheinungen, Empfehlungen

Literatur 2014 - Neuerscheinungen Romane.

Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

Eine erste Auswahl der literarischen Neuerscheinungen, die ich bis Ende des Jahres u.a. für ZEIT Online (an-)lesen, sichten, sortieren will.

Hier meine Auswahl für 2014. Ergänzungen / Empfehlungen sind willkommen – vielen Dank!

.

The Summer Book

The Odds: A Love Story

.

angelesen und gemocht:

    • Alissa Nutting: “Tampa”, Satire / dunkler Gesellschaftsroman über sexuellen Missbrauch (Hoffmann und Campe, 288 Seiten, 16. Januar 2014. Goodreads: 3.28 von 5)

Tampa

Zone One

All That I Am

The Blind Man's Garden

The Universe Versus Alex Woods

May We Be Forgiven: A Novel

Speedboat

Young Hearts Crying

The Goldfinch

MaddAddam (MaddAddam Trilogy #3)

The Illusion of Separateness

  • Chimamanda Ngozi Adichie: “Americanah”, monumentaler Roman über Nigerianer, die ein neues Leben in den USA beginnen (S. Fischer, 600 Seiten, 24. April 2014. Goodreads: 4.19 von 5)

Americanah

Joseph Walser's Machine

.

neue deutsche / deutschsprachige Romane:

  • Navid Kermani: “Große Liebe”, Coming-of-Age-Roman und persisch-deutsche Kulturgeschichte der ersten Liebe (Hanser, 224 Seiten, 3. Februar 2014.)
  • [Hildesheimfreund / Kommilitone] Martin Kordic: “Wie ich mir das Glück vorstelle”, magischer Realismus / Road Novel über ein behindertes (?) Kind im Krieg (Hanser, 176 Seiten, 3. Februar 2014.)
  • [Hildesheim-Dozentin] Corinna Antelmann: “VIER”, Was-wäre-wenn?-Beziehungsroman (Septime, 216 Seiten, 13. Februar 2014.)
  • Nina Sahm: “Das letzte Polaroid”, kitschiger (?) Roman über eine Mädchenfreundschaft zwischen Deutschland und Ungarn… und eine manische Mutantin im Bikini, die vier, fünf Meter hoch springen kann. (Blumenbar, 237 Seiten, 17. Februar 2014.)
  • Uwe Kolbe: “Die Lüge”, Stasi-Familiendrama (S. Fischer, 384 Seiten, 20. Februar 2014.)
  • Lisa Kreißler: “Blitzbirke”, magischer Realismus / Dorfroman mit “naturromantischem, märchenhaften Hintergrund” (Mairisch, 208 Seiten, März 2014.)
  • Lukas Bärfuss: “Koala”, Roman über Selbstmord (Wallstein, 220 Seiten, März 2014.)
  • Andreas von Flotow: “Tage zwischen gestern und heute”, Familien- /Erinnerungsroman über Verluste in der Kindheit, klingt vage kitschig und verkopft (DVA, 176 Seiten, 3. März 2014.)
  • Norbert Leithold: “Herrliche Zeiten”, 20.-Jahrhundert-Roman über eine großbürgerliche Familie in Berlin (DVA, 544 Seiten, 3. März 2014.)
  • Michael Ziegelwagner: “Der aufblasbare Kaiser”, Satire über eine geheime Monarchisten-Loge in Wien und Rom (Rowohlt Berlin, 256 Seiten, 7. März 2014.)
  • Robert Gwisdek: “Der unsichtbare Apfel”, magischer Realismus… oder Roman über psychische Krankheiten? (Kiepenheuer & Witsch, ??? Seiten, 8. März 2014.)
  • Deniz Utlu: “Die Ungehalteten”, Berlinroman über türkisch-deutsche Freunde und ihre Wurzeln (Graf, 240 Seiten, 10. März 2014.)
  • Sasa Stanisic (yeah!): “Vor dem Fest”, magischer Realismus in einem ostdeutschen Dorf (Luchterhand, 400 Seiten, 10. März 2014.)
  • [Hildesheimfreund / Kommilitone] Fabian Hischmann: “Am Ende schmeißen wir mit Gold”, Coming-of-Age-Provinz-Roman über eine Dreiecksbeziehung / komplizierte Freundschaft (Berlin Verlag, 256 Seiten, 10. März 2014.)
  • Jan Christophersen: “Echo”, nostalgischer Musik- und alte-Schulfreunde-im-Wandel-der-Zeiten-Roman (mare, 224 Seiten, 11. März 2014.)
  • Gunnar Cynybulk: “Das halbe Haus”, Familienroman über die Teilung Deutschlands (Dumont, 576 Seiten, 13. März 2014.)
  • Dorothee Elmiger: “Schlafgänger”, Roman über Menschen im Wald, der “die brisanten Fragen unserer Gegenwart ausleuchtet” (Dumont, 160 Seiten, 13. März 2014.)
  • Kurt Oesterle: “Der Wunschbruder”, problematische Familiengeschichte über eine missglückte Adoption (Klöpfer und Meyer, 450 Seiten, 7. April 2014.)

.

(vielversprechende) Übersetzungen – neu auf Deutsch:

Bezbarwny Tsukuru Tazaki i lata jego pielgrzymstwa

En la orilla

Вечер у Клэр. Ночные дороги

Der sehr beliebte / gefeierte Gasdanov-Roman “Das Phantom des Alexander Wolf” ließ mich recht kalt. Ich bin großer Nabokov-Fan – und hatte von Gasdanov mehr Anspruch, Farbe, Komplexität erwartet.

The Exiles Return: A Novel

  • Dragan Velicic: “Bonavia”, Belgrad-, Wien- und Familienroman über die Spätfolgen des Jugoslawien-Konflikts (Hanser, 336 Seiten, 3. Februar 2014. Goodreads: 4.08 von 5)

Bonavia

A Dark Stranger

Rewers

A Constellation of Vital Phenomena

  • Christos Tsiolkas: “Barrakuda”, Aufstieg-und-Fall-Sportler-Roman über einen Schwimmer mit Minderwertigkeitskomplex; Australien (Klett-Cotta, 480 Seiten, 21. Februar 2014. Goodreads: 3.98 von 5 – der allererste (!) von fünf Tsiolkas-Romanen, den Leser recht gut bewerten.)

Barracuda

The Museum of Eterna's Novel (The First Good Novel)

Jójó

Morfina

The Life List

Az

Ascent

Every Day (Every Day, #1)

Openly Straight

Journal d'un corps

Mrtvý muž

Frutos extraños

Le Cas Eduard Einstein

Geek Love

.

Übersetzungen – mit schlechten Kritiken:

  • Eiríkur Örn Norðdahl: “Böse” / “Illska”, “leidenschaftliche Dreiecksbeziehung zwischen einer jüdischen, in Island aufgewachsenen Litauerin, einem antriebslosen Geisteswissenschaftler und einem selbstherrlichen Neonazi” (Klett-Cotta, 580 Seiten, 23. April 2014. Goodreads: 3.59 von 5)

.

angelesen – und nicht gemocht:

The Round House

Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore

The Cyclist Conspiracy

How Should a Person Be?

TransAtlantic

A Tale for the Time Being

No One is Here Except All of Us

Waterline

The Gamal

Agaat

.

verwandte Links:

und, jeden Monat neu:

Underdog Literature: 15 unbekanntere Bücher (Link; monatlich neu)

Best Books of 2013 – popular new recommendations

Underdog Literature WordPress December 2013.

Every month, I select 15 books that caught my interest lately.

Fresh, off-beat, quirky or curious titles that might deserve more attention.

This month – in time for Christmas:

15 of 2013’s best / most recent books!

.

01: JINCY WILLETT, “Amy Falls Down”, 336 pages, May 2013. [Realistic Fiction / Satire]

Amy Falls Down: A Novel

02: J.J. ABRAMS, DOUG DORST, “S.”, 472 pages, August 2013. [post-modern fiction / Fantasy]

S.

03: TAMARA FAITH BERGER, “Little Cat”, 224 pages, June 2013. [Realistic Fiction / Memoir]

Little Cat

04: PAUL ROME, “We all sleep in the same Room”, 280 pages, October 2013. [Realistic Fiction]

We All Sleep in the Same Room

05: PETER GELFAN, “Found Objects”, 268 pages, April 2013. [Realistic Fiction]

Found Objects

06: MAC LETHAL, “Texts from Bennett”, 320 pages, September 2013. [Humour]

Texts from Bennett

07: CARI LUNA, “The Revolution of Every Day”, 392 pages, September 2013. [Realistic Fiction]

The Revolution of Every Day

08: TERRY McMILLAN, “Who asked you?”, 400 pages, September 2013. [Realistic Fiction / Chick Lit]

Who Asked You?

09: HELEN WAN, “The Partner Track”, 304 pages, September 2013. [Realistic Fiction]

The Partner Track: A Novel

10: MARTIN FLETCHER, “Jacob’s Oath”, 323 pages, October 2013. [Historical Fiction / WW2 – and set in Heidelberg, Germany]

Jacob's Oath

11: SEBASTIEN BREBEL, “Villa Bunker”, 106 pages, July 2013. [Realistic Fiction; French]

Villa Bunker

12: MARTIN VAN BOOY, “The Illusion of Seperateness”, 224 pages, July 2013. [Historical Fiction / Realistic Fiction]

The Illusion of Separateness

13: KAREN JOY FOWLER, “We are all completely besides ourselves”, 310 pages, May 2013. [Realistic Fiction]

We Are All Completely Beside Ourselves

14: STEPHEN DIXON, “His Wife leaves him”, 407 pages, September 2013. [Realistic Fiction: YA]

His Wife Leaves Him

15: CHINELO OKPARANTA, “Happiness, like Water”, 208 pages, August 2013. [Short Stories]

Happiness, Like Water

.

As a bonus, here are five 2013 nonfiction books that I’ve sampled and liked:

16: SCOTT NADELSON, “The Next Scott Nadelson: A Life in Progress”, 264 pages, February 2013.

The Next Scott Nadelson: A Life in Progress

17: SHERI FINK, “Five Days at Memorial”, 558 pages, September 2013.

Five Days at Memorial: Life and Death in a Storm-Ravaged Hospital

18: J.L. WITTERICK, “My Mother’s Secret: A Novel based on a true Holocaust Story”, 208 pages, March 2013.

My Mother's Secret: A Novel Based on a True Holocaust Story

19: PAUL KWIATKOWSKI, “And every Day was overcast”, 280 pages, October 2013.

And Every Day Was Overcast

20: DAVID FINKEL, “Thank you for your Service”, 272 pages, October 2013.

Thank You For Your Service

.

Here are five books from 2013 that made me curious enough to buy them:

01: DAVID RHODES, “Jewelweed”, 448 pages, April 2013. [Realistic Fiction]

Jewelweed

02: DONNA TARTT, “The Goldfinch”, 756 pages, October 2013. [Realistic Fiction]

The Goldfinch

03: ELIZABETH GILBERT, “The Signature of all Things”, 512 pages, October 2013. [Historical Fiction]

The Signature of All Things

04: ALISSA NUTTING, “Tampa”, 272 pages, July 2013. [Realistic Fiction]

Tampa

05: PRISCILLE SIBLEY, “The Promise of Stardust”, 432 pages, February 2013. [Mainstream]

The Promise of Stardust

.

…and finally, here are nine recent books from 2013 that I read – and that were really good:

5 of 5 stars: DAVID LEVITHAN, “Two Boys kissing”, 208 pages, August 2013. [Realistic Fiction / YA]

Two Boys Kissing

4 of 5 stars: KATE SOUTHWOOD, “Falling to Earth”, 272 pages, March 2013. [Realistic Fiction / Historical Fiction]

Falling to Earth

4 of 5 stars: JANETTE JENKINS, “Firefly”, 156 pages, June 2013. [Realistic Fiction]

Firefly

4 of 5 stars: DENNIS MAHONEY, “Fellow Mortals”, 288 pages, February 2013. [Realistic Fiction]

Fellow Mortals

4 of 5 stars: LEA CARPENTER, “Eleven Days”, 288 pages, June 2013. [Realistic Fiction]

Eleven Days

4 of 5 stars: SUSAN NUSSBAUM, “Good Kings Bad Kings”, 298 pages, March 2013. [Realistic Fiction: YA / literary fiction]

Good Kings Bad Kings

4 of 5 stars: SARI BOTTON, “Goodbye to all that. Writers on Loving and Leaving New York”, 288 pages, September 2013. [personal Essays]

Goodbye to All That: Writers on Loving and Leaving New York

4 of 5 stars: SONALI DERANYIAGALA, “Wave”, 274 pages, March 2013. [Memoir]

Wave

4 of 5 stars: NICKOLAS BUTLER, “Shotgun Lovesongs”, 432 pages, September 2013. [Mainstream; German edition]

Shotgun Lovesongs

.

…have a look at my “Young Adult Literature: Best of 2013” recommendations, too!

.

related Posts:

and:

Wozu WordPress? Wozu Bloggen? [kurzes Essay]

.

.

“Du hast 2003 begonnen, in Hildesheim „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ zu studieren. Damals war die Anzahl von kasualisierten Blogs noch überschaubar – wie kamst Du auf den Gedanken, Dich mit der Blogosphäre zu beschäftigen?

.

…fragt Freund K. im Rahmen seiner Diplomarbeit über Blogger und ihre Konzepte / Poetik.

.

meine Replik:

.

.

Stöbern. Sammeln. Schreiben. Schachteln.

Warum ich blogge.

.

von Stefan Mesch

.

.

.

Einen Blog einrichten, vor zehn Jahren – 2003?

.

Das hätte ich kaum geschafft. Das machte keinen Sinn.

.

Das hätte ich mir nie angemaßt.

.

Damals verstand ich – und jeder, den ich kannte – einen Blog als ein „Web-Logbuch“: eine Sammlung von Links, Fundstücken, besonderen Entdeckungen aus einem klar begrenzten, präzisen Expertengebiet oder Themenfeld.

.

In Blogs protokollierten Fachleute für Solartechnik, Ziegenkäse oder die Liverollenspiel-Kampagnen im Südwesten Norddeutschlands (…oft: jeweils nur für ihre eigene enge, kleine, super-kritische Peer Group), welche aktuellen Texte, Websites und interne Debatten ihnen beim täglichen Surfen durch noch obskurere, unbekanntere Nischen-Websites begegneten:

.

Blogs waren 2003 Fahrtenschreiber durchs Internet. Und zwar: durch die Elite- und Experten-Nischen des Internets. Geführt von Fachleuten und Freaks, die in diesen Nischen heimisch genug waren, um nicht ständig zu stolpern oder sich zu verirren.

.

Ich war froh, wenn ich selbst in einem Fachgebiet mal überhaupt nur qualifiziert genug war, einen Blog zu lesen (z.B. Sascha Becks US-Serien-Blog sablog.de). Aber einen eigenen Weblog starten? Und damit in die ganze (Fach-)Welt schreien: „Ich bin Experte und Anlaufstelle für ALLE tagesaktuellen Fragen und Debatten in diesem EINEN Themengebiet! UND ich traue mir dabei zu, fast täglich Neuigkeiten und Quellen zu entdecken und für Leser aufzuarbeiten“…?

.

Das machte keinen Sinn. Das war keine Option.

.

Das hätte ich mir nie, NIE angemaßt.

.

.

2013 wordpress nyc 001 .

.

2005 – viele Freunde waren bei Livejournal, Blogspot oder auf redaktionell betreuten Plattformen wie jetzt.de – war das schon leichter, denkbarer: Blogs wurden exzentrische, zwanglose, oft sehr persönliche Sammlungen. Versuche, Spielereien.

.

2007 oder 2008 hätte sich die Frage schließlich gar nicht mehr gestellt: persönliche Websites waren passé. Jede Art von Material / Content wurde in Blogs gespeist. Wenn Internet, dann Blog.

.

Aber 2003…? „Stefan Meschs Web-Log”? Die Hemmschwelle, mir eine Ladenfront in einer Fußgängerzone zu mieten, wäre niedriger gewesen, als mich selbst „Blogger“ zu nennen und als „Fachmann“ und „Ansprechpartner“ „Experten-Links“ für meine virtuelle „Anlaufstelle“ zu sammeln:

.

Ich hätte keinen Blog „verdient“. Mir fehlte die Kompetenz. Die Disziplin. Die dicke Haut. Die Hybris.

.

.2013 wordpress nyc 002 .

.

stefanmesch.wordpress.com gibt es seit Mai 2011 – und aus ganz anderen Gründen: Ich habe Tagebuch geführt, seit ich 14 war, oft zwei, drei Stunden pro Tag, sieben Jahre lang. Ich habe für Schülerzeitungen geschrieben, ein Sailor-Moon-Fanzine betreut (1998), dann Filmkritiken ins Netz gestellt (1999) und für Lokalzeitungen gearbeitet in der Oberstufe (2000 bis 2002) und später, im Studium, all meine Begeisterung und Energie in Literaturkritik, studentische Projekte, Redaktionsarbeit, Themen-Radiosendungen, E-Zines gesteckt:

.

Wenn mich Kultur oder Menschen interessieren, will ich über sie schreiben.

.

DAMIT ich schreibe, brauche ich klar markierte Orte.

.

Orte wie… Schachteln, an denen diese Texte von Lesern gefunden werden.

.

Ohne meine Filmkritik-Website hätte ich 1999 keine Filme rezensiert. Ohne Lokalzeitungen hätte ich keine Interviews geführt und Menschen portraitiert. Ohne Literaturkritik.de und lit04.de hätte ich keine 200 Bücher besprochen im Studium – und hätte mein privates Offline-Tagebuch 2004 oder 2005 den Sprung ins Netz geschafft, auf irgend eine Plattform und für irgendein Publikum, die / das damals für mich passte, dann (nur dann!) hätte ich dort sicher noch lange weiter geschrieben – zwei, drei Stunden pro Tag.

.

„If all you have to solve your problems is a hammer – everything will start looking like a nail“ ist so ein Sprüchlein, das mir als Autor komplett einleuchtet. Nur… umgekehrt. Andersrum:

.

.

Ich bin ein Scout. Ich mag Archive, Sammlungen. Flut, Chaos. Kraut und Rüben. Ein Überangebot. Ich mag Entdeckungen. Reihungen, Listen. Fundstücke. Sortieren. Ich mag Angebote und Empfehlungen und Kuratoren und Begeisterung. Ich mag Kritik. Und Warnungen. Und neuen Kontext.

.

Und ich will so gut werden – so viel wissen, so hart arbeiten – dass ich selbst Angebote und Empfehlungen machen kann. Kurator sein darf, Kritiker, Warner und Menschen-für-obskure-Dinge-Begeisterer.

.

.

.

Nochmal:

.

Wenn mich Kultur oder Menschen interessieren, will ich über sie schreiben.

.

DAMIT ich schreibe, brauche ich feste Orte.

.

Orte, an denen diese Texte von Lesern gefunden werden.

.

2003, im ersten Semester in Hildesheim, sprach Hanns-Josef Ortheil darüber, wie wichtig die tägliche Lektüre von Tageszeitungen ist… doch es machte keinen lebenspraktischen / schreiberischen Sinn für mich, damals: Ich holte mir nach viel Zögern ein SZ-Abo und gab mir für zwei Jahre Mühe, die Altpapierberge durchzusehen… doch Spaß hatte ich keinen: Deutschsprachiger überregionaler Tagesjournalismus – das gibt mir nicht besonders viel. Das war die ganze Zeit nur Hausaufgabe. Altpapier. Schlechtes Gewissen.

.

Heute lese ich 30 oder 40 Artikel pro Tag, nebenbei und mit großem Vergnügen. Zum einen, weil sie sich digital – handverlesen / auf meine Interessen zugeschnitten, als RSS-Newsfeed – leichter, schneller, bequemer, vielseitiger usw. durch meinen Lese-Alltag schieben lassen als auf Papier. Zum anderen aber, weil ich heute Orte und Leser habe, die auf diese Artikel warten: Das Netz hat mir – erst jetzt, erst heute! – “Schachteln” (Plattformen zum Sammeln, Teilen, Empfehlen, Diskutieren) aufgestellt, auf denen ich (endlich!) mit Zeitungsartikeln umgehen kann, wie ich (auf anderen Plattformen und in anderen Texten) mit Büchern, Filmen, Musik usw. schon lange umgehe:

.

Freund S. mag anspruchsvolle Animationsfilme. Freund M. hat eine Kolumne über Mode-als-Protest, Fashion Statements. Freundin V. wünscht sich ein starkes Urheberrecht und harte Strafen gegen Buchpiraterie, Freundin H. schreibt über Rape Culture, Freundin B. bloggt über Urban Gardening und Mode für nicht-mehr-junge Frauen:

.

Wenn ich heute Zeitungen lese, behalte ich diese Freunde, Diskurse, Fachgebiete im Hinterkopf. Durchsuche den „Die besten Animationsfilme 2013“-Artikel nebenbei nach Tipps für Freund S., markiere Freund B. in meinem Artikel über Gärtnern und Do-it-Yourself-Kultur, öffne Fashion-Blogs für Freund M.. Oder Freundin H.. Oder für meine Schwester: Ich bin nicht mehr alleine, isoliert. Ich bin jetzt (auch als Zeitungsleser!) Scout, Entdecker. Ich teile auf Facebook, Twitter, im Blog, per Mail.

.

Ich werde so gut – als Leser, Sammler, Scout – dass ich ständig Angebote und Empfehlungen machen kann. Die Plattformen helfen mir beim Kritiker-, Warner- und Menschen-für-obskure-Dinge-Begeisterer-Sein.

.

Ich werde so gut – weil es so einfach (geworden) ist.

.

.2013 wordpress nyc 003

 .

.

.

„If all you have to solve your problems is a hammer – everything will start looking like a nail.“

.

  • Wenn alles, was ich online lese, „Teil mich!“ brüllt…

.

  • Wenn alles, was mich interessiert, als Sammlung, Flut, Archiv, Kraut-Rüben-Chaos verfügbar steht und aufs Entdeckt-Werden wartet…

.

  • Wenn ich nichts lieber tue, als diese Rüben zu sammeln, zu sortieren, auszuwerten…

.

  • Wenn es feste Orte gibt, an denen Freunde und Fremde auf Empfehlungen warten…

.

  • Wenn WordPress, Twitter, Facebook, Tumblr, Goodreads Strukturen, Gestaltungsräume und Plattformen schaffen, in denen und für die ich tun kann, was ich jeden Tag am liebsten 14 Stunden tue…

.

…greift heute, 2013, endlich etwas ineinander, das vor zehn Jahren, zur Zeit der „Web-Logbücher“, noch nicht klappte:

.

.

.

Das Web stellt (anders als 2003) bequeme, große, offene Schachteln auf: Also teile ich meine Favoriten aus dem „Die besten Animationsfilme 2013“-Artikel mit Freund S.. Wenn ich auf Reddit Superhelden-Buchtipps gebe, können sie bei WordPress nochmal ordentlich gesammelt und zweitverwertet werden. Meine alten Zuhause-Freunde kriegen zu Weihnachten meine Songs des Jahres auf CD – doch alle anderen Interessierten kriegen sie auch, bequem im Blog.

.

Egal, wonach ich suche… ich habe heute (digitale) Orte, um meine Entdeckungen zu sammeln. Tools, Netzwerke, Plattformen, um zu ordnen und zu werten. Fremde und Freunde, die meine Arbeit honorieren.

.

If all I want to do professionally, all day, is scout and sift and sort through stuff to put in boxes – the internet has given me 10.000 flexible and customizable boxes, all waiting to be filled.

.

.

2013 wordpress nyc 004

.

 .

.

2003 hatte ich keinen Grund (und keine Kapazitäten), täglich 30 oder 40 Presseartikel zu lesen. Keinen Anlass, meine SZ zu durchsuchen (wonach?). Keine Plattform, sie zu teilen (mit wem?). Keine Schachtel / Box, die ich mit meinen Fundstücken füllen konnte (wozu?).

.

2003 machte die einzige omnipräsente Schachtel / Box, das „Experten-Web-Logbuch“, für meine Arbeit, meine Ziele keinen Sinn.

.

2003 hatten meine Essays und Kritiken, meine Kurzgeschichten oder Tagebucheinträge, meine Playlists, Buchtipps, Fundstücke, offenen Fragen, Schnappschüsse, Alltags-Beobachtungen, Link-Listen oft keine passenden Schachteln / Boxen im Netz. Keine Plattformen. Keine Leser, die an einer bestimmten Adresse nach einer (mehr oder weniger) bestimmten Sorte Stefan-Mesch-Beitrag Ausschau hielten. Oder etwas damit anfangen konnten.

.

Wenn mich Kultur oder Menschen interessieren, will ich über sie schreiben.

.

DAMIT ich schreibe, brauche ich feste Orte.

.

Orte, an denen diese Texte von Lesern gefunden werden.

.

Meine Welt wurde breiter, tiefer, reicher, in den letzten zehn Jahren. Meine Texte und meine Fundstücke / Empfehlungen als Scout treffen die richtigen Leute – viel schneller, effizienter, bequemer.

.

Die Schachteln, Boxen helfen dabei ungemein.

.

Wie viel Mühe und Zeit würde ich damit verbringen, zu suchen, sammeln und zu sortieren… gäbe es diese Schachteln nicht? Wer wären meine Leser? An welchem Ort würden sie warten? Und wie würde dieser Ort (wie heute: WordPress, Facebook, Twitter, Tumblr) mein Schreiben und meinen Fokus verändern? Formen? Bestimmen?

.

Ich benutzte Blogs. Als Plattform und Werkzeug. Aber diese Plattformen und Werkzeuge verändern mich dabei: meinen Zugriff, meinen Blick, meinen Fokus, meine Zielgruppen, meinen Ton. Ich schreibe 2013 anders als 2003. Denn ich schreibe… in und für… Schachteln.

.

.

verwandte Links:

.