Open Mike 2012 – 11. November 2012 [Blog-Eintrag 09]

schlechter Verlierer…!

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von Stefan Mesch, Open-Mike-Blogger und Finalist/Autor

(Auf dem Open Mike lesen und drüber bloggen? Darf der das…?)

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Als “embedded Blogger” und Journalist begleite(te) ich den 20. Open Mike in kurzen, persönlichen Blog-Snapshots.

Ich war am Samstag / Sonntag zum ersten Mal beim Wettbewerb:

Die Preisträger?

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  • “Und du? Stefan? Wie geht es dir jetzt…? Bist du sehr enttäuscht?”
  • “Woran lag’s? Was hast du falsch gemacht…?”
  • “Bist du wütend auf die Jury? Hast du dich erholt – oder tut es noch weh?”
  • “Aber du bist wenigstens bei deinen Freunden, ja? Helfen sie dir?”

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Leute…? 700 Schreibende haben Texte eingereicht. 22 wurden (anonymisiert) ins Finale gewählt. Vier Texte wurden prämiert…

…und damit: die übrigen 18 Schreiber-Lebensläufe, Seelen und Egos verletzt, beschädigt, zertrümmert?

Freunde, Vermittler und Besucher schauen uns Verlierer an, als wäre es nur verständlich / menschlich, wenn wir beben, Fäuste ballen und für fünf bockige, pubertäre Minuten alles hinschmeißen. Verdammt – ich habe nicht gewonnen?

  • “Ich habe einen 15-Minuten-Auszug aus meinem Roman eingereicht. Das war suggestiv, kunstvoll / gut genug geschrieben, dass Leute sagten: “Oh, spannend! Wir wählen ihn aus, aus 700 Leuten.” Großer Erfolg, macht mich sehr glücklich.” (mein Facebook-Post nach der Vergabe der Preise. 16 (mitleidige…?) Likes.)

Mehrere andere Texte waren runder. Lyrischer. Preiswürdiger. Besser!

Und, wie Nikola Richter schreibt (Link):

  • “Was sich meiner Meinung nach [in 20 Jahren “Open Mike”-Geschichte] geändert hat, ist die over all Dankbarkeit, überhaupt teilgenommen zu haben. Denn “Finalistin beim Open Mike” ist seit einigen Jahren ein verbreiteter Biographiezusatz. Das war zu meiner Zeit (2000) nicht so, aber da gabs ja auch noch keine Anthologie, keine Gewinner-Lesereisen, keine Workshops. Dankbarkeit ist ja auch erstmal was Schönes und ein so anerkannter Wettbewerb für junge Literatur auch. Glückwunsch an dieser Stelle!”

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Freundin Jule, erzähle ich oft jedem, der es hören will, hat – als Autorin, Theatermacherin, Jongleurin verschiedenster Projekte – eine große Lebens-Regel:

  • Bewirb dich auf fünf unterschiedliche Stellen / Preise / Projekte. Hab fünf Bälle in der Luft.
  • …und erst, wenn diese fünf Dinge gescheitert sind – alle fünf, am Stück – hast du das Recht, zu jammern.

“Du hattest Recht!”, verstand ich letztes Jahr: “Deine Regel stimmt! Von fünf Sachen gelingen mir immer zwei bis drei – das ist eine verlässliche, beruhigende, tolle Quote. Kein Grund, unglücklich zu sein.”

“Stefan…?”, Jule zögert. “Ich habe das nie gesagt. Du verwechselst mich. Oder hast das selbst erzählt – irgendwann!” Sie lacht. “Aber es stimmt. Oft klappen sogar 4 von 5 Projekten!”

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Mein Romanauszug… als Teil der besten 20 Texte, bei 700 Bewerbern? Eine Ehre.

Das Wochenende? Mit allen Gesprächen, Begegnungen, Texten, Potenzial? Ein Highlight.

Mental, in einer “gefloppte vs. erfolgreiche Projekte”-Liste, gehört dieses Wochenende – ohne Fragen – auf die “erfolgreich”-Seite. Nichts daran macht mich unglücklich oder unzufrieden…

…bis auf die Facebook-Nachrichten der Freunde: “Kopf hoch!”, “Es ging nur um den Spaß, denk dran!”, “Tröste dich!”

Verhalten sich Open-Mike-Verlierer traditionell wie… Anakin Skywalker? Enttäuscht? Voller Hass? Wütend auf die ganze Welt?

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Und die Gewinner? Sandra Gugics zweiter Platz freut mich sehr. Joey Juschka… und ihr Tonfall, Humor, ihre Welt, ihr Blick auf Gender/Frauen… ist mir sympathisch: unbedingt mehr! Martin Piekars Lyrik wirkt auf mich oft zu schwülstig – aber sein Gestus, seine Präsenz und seine Persönlichkeit machen Spaß: Schreib auf, wie du dieses Wochenende erlebt hast. Schreib auf, für wen – und: gegen wen! – du schreibst!

Der Gewinner – Juan S. Guse, selbst aus Hildesheim; wir kennen uns nicht – brummt vor Potenzial. Tolle Stimme. Sprachmacht. Leiser Humor. Ein überzeugendes Gesamtpaket. Ich habe – als Ex-Redakteur von BELLA triste (Link) – gefühlte 40 Texte gelesen, in denen ähnliche Bilder, Motive, Rhythmen und Stimmungen unheimliche Erzählräume bauen; und habe da eine private… Aversion:

Stille, abwesende Frauen mit exotischen Namen. Tote Tiere, bedeutungsschwanger in die Natur drapiert – mich deprimiert, wie störrisch diese Formel als große Short Story verstanden wird: Ich hoffe, ich klinge nicht wie ein schlechter Verlierer, wenn ich mir für Juan buntere Erzählwelten wünsche. Mehr Leben. Mehr Figuren. Weniger Memento-Mori-Archaik.

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Ich freue mich auf den Workshop, Anfang Februar! Danke fürs Lesen. Bald mehr!

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