Verbotene Liebe: 50 Fragen und Ideen, an Fans & Zuschauer

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Torte aus Folge 1, 1995. Und Torte aus 2015: Tanjas Hochzeit.

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Verbotene Liebe:

50 Fragen

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Seit 1995 sah ich (selten regelmäßig, aber immer gerne) “Verbotene Liebe” – und als die ARD letzten Juni die Absetzung der täglichen Episoden ankündigte, war ich enttäuscht:

Ich bin Journalist für u.a. ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel und ich hätte 2014 gerne noch aufgeschrieben, was mir die Serie bedeutet hat: die starken Figuren, die Fallhöhe, eine Intensität, die ich kaum kenne aus deutschen TV-Formaten.

Nikola Richter hat einen Verlag für digitale Bücher / ebooks: mikrotext. Die Bücher handeln oft von Nahost-Politik und Geflüchteten, digitalen Prozessen, politischer Gegenwart:

 http://www.mikrotext.de/ | http://de.wikipedia.org/wiki/Nikola_Richter

Doch wir sind beide – zufällig – “Verbotene Liebe”-affin, und haben sehr kurzfristig beschlossen, bis Anfang Juni Texte zu sammeln über 20 Jahre “Verbotene Liebe”. Unser erster Aufruf galt den Fans und regelmäßigen Zuschauern. Hier ist die Einladung (gerne weiterleiten, an Freunde schicken, mit Followern teilen):

http://smesch.tumblr.com/post/118486096051/straighttoyourheart

Die ersten Texte treffen seit zehn Tagen ein: Liebeserklärungen und Analysen, Anekdoten und kurze Interviews, Abgesänge, Erinnerungen.

Elke Heidenreich hat für uns einen großartigen Liebesbrief an Butler Justus verfasst.

Darsteller geben Telefoninterviews, beantworten Fragen per Mail, schicken ältere Texte oder überlegen, ob sie neue schreiben. Am Samstag sprach ich drei Stunden lang mit Tom Chroust, Ex-Chefautor und Erfinder von “Chrolli”.

Auch normale Zuschauer*innen sind eingeladen, über VL zu schreiben – doch viele sind nervös und wissen nicht, wo sie anfangen sollen: Sie glauben, sie haben kein Thema; seien nicht up-to-date genug (das ist uns ganz egal: ob Fans über 1995, 2005 oder die aktuellsten Folgen von 2015 schreiben – alles erlaubt!)

Noch bis zum 31. Mai nehmen wir Texte an. Und heute, als… Erinnerungshilfe, Ermunterung, Inspiration, blogge ich 50 Fragen (oder: Fragen-Reihen). Beantwortet gerne ein paar davon, in beliebiger Reihenfolge. Stellt eigene. Oder nehmt einzelne Fragen als Grundlage für einen längeren Text.

50 Fragen zu “Verbotene Liebe”, an die Zuschauer – zum Weiterleiten, Teilen und Erinnern:

tanja kette

Antworten & Textvorschläge gerne an: das.ensemble@googlemail.com

Wovon handelt VL? Kannst du den Reiz in einem Satz beschreiben?

Welche Szene, welche Storyline wirst du nie vergessen?

Wann hatte VL seine beste Zeit? Wann hattest DU deine größte VL-Zeit?

Ist VL sehenswert? Wem und wie würdest du es empfehlen?

Es gibt über 4660 Episoden. Vermutlich hast du sehr, sehr viele nie gesehen. Hast du Angst, nicht genug über VL zu wissen, um darüber zu schreiben? Was „muss“ man über VL wissen?

Würdest du mitspielen? Welche Sorte Figur, mit welchen anderen Rollen, an welchen Sets?

Würdest du das Set besuchen? Wozu? Was würdest du die Darsteller fragen?

Würdest du für Drehbücher schreiben? Welche Geschichte hättest du gerne verändert, verhindert, welche Figur muss anders werden, welche Fehler machen die Autoren?

Passt VL zu 1995? Passt VL nicht mehr zu 2015? Wann passte VL am besten zu deinem Leben?

Hat VL deinen Tag strukturiert: Hast du immer zur selben Uhrzeit gekuckt? Mit anderen? Habt ihr über Figuren und Geschichten geredet? Wurde dein Sehverhalten anders, seit die Folgen in der ARD-Mediathek stehen und man fast alle alten VL-Szenen bei Youtube o.ä. ansehen kann?

Welcher Figur bist du am ähnlichsten? Hast du von einer Figur etwas gelernt? Magst du Figuren, die realistisch oder dir ähnlich sind… oder Figuren, wie du sie nicht im echten Leben kennst? Mit welcher Figur würdest du flirten? Wen würdest du anschreien?

Brachte dich VL schon zum Weinen – oder sehr zum Lachen? Hat dich die Serie getroffen? Kuckst du die aktuellen Folgen? Die wöchentliche Geschichte will „noch intensiver“ sein: Wann war VL für dich „intensiv“? SOLL VL „intensiv“ sein – oder Nebenbei-TV, Entspannung?

20 Minuten? 45 Minuten? Was ist die ideale Sendelänge, und kuckst du andere Soaps dazu: Ergänzen sich VL und „Marienhof“, „Alles was zählt“, „Unter Uns“, „GZSZ“?

Wenn ich mit Freunden über “Verbotene Liebe” spreche, sagen sie oft “Mich interessiert ‘GZSZ’ nicht” oder “Sowas wie ‘Lindenstrasse’ würde ich nie sehen” – aber privat denke ich dann: Klar – ICH würde ‘GZSZ’ auch nicht sehen. Also: Als Fan von VL ist man kein “Fan von Soaps”, sondern Fan einer ganz bestimmten Soap. Was macht sie besonders? Was macht sie anders? Magst du Soaps, als Genre?

Gibt es Figuren oder Geschichten, die du nie so ganz verstanden hast, bei denen du manchmal überlegst: „Wie fing das damals eigentlich an?“ oder „Wie hörte das auf, wohin lief dieses Stück Handlung?“

Bist du der einzige im Freundeskreis, in der Familie, im Job, der Soaps kuckt oder kuckte? Der einzige, der VL kuckte? Mit wem kannst du darüber sprechen? Wolltest du je darüber sprechen? Ist VL auch… „sozial“, für dich?

VL und Mode? VL und das Schloss? VL und Reichtum? VL und Intrigen? VL und Jugendliche? VL und Charlie Schneider? Was ist nicht wegzudenken bei VL, und gab es Ausstiege, Veränderungen, Storylines, nach denen du dachtest: „Das ist nicht mehr die Serie, die ich mochte“?

Ist VL Schund? Trash? Klischee? Ist VL konservativ? Altmodisch? Billig? Ist VL Berieselung? Reaktionär? „Zum Abschalten“ oder „Gar nichts denken“? Ist VL Rundfunkgebühren wert? Ist VL besser oder schlechter als die vielen anderen deutschen Shows, Serien, TV-Formate? Ist VL wesentlich anders? Wie?

Machen dich Figuren an? Hast du für Schauspieler geschwärmt? Gibt es sexy Darsteller? Ist es wichtig, dass/ob Rollen sexy, gut gekleidet, charismatisch sind? Was hat funktioniert? Was hat gar nicht funktioniert? Hat dich die Serie mal… sexuell… gekitzelt/überrascht?

Gibt es VL-Hasser in deinem Leben? Musst du dich rechtfertigen? Was sind die Argumente gegen VL, die du immer wieder hörst? (Bei mir: „Das sieht alles so billig und polnisch aus!“, „Das ist so eine Alte-Frauen-Serie. ARD!“, „Das hat nichts mit normalen Menschen zu tun.“, „Das war nur früher gut.“)

VL hat viele schwule, lesbische, queere Figuren und Paare, mit Fans weltweit. Warum diese Reaktionen? Hat VL hier Lob verdient – und haben dich Paare angesprochen? Kanntest du schwule/lesbische VL-Figuren, bevor du echte Schwulen/Lesben kanntest? Haben die Figuren etwas mit deinen Bekannten/Freunden zu tun?

Clarissa! Tanja! Ansgar! Menschen, die mit ALLEM durchkommen. Feuerst du sie an? Machen sie dich wütend? Sind sie für dich Schurken… Helden… Störfaktoren… oder Stars und Reiz der ganzen Serie?

VL wird „Studenten-Soap“ genannt, mehr gebildete junge Frauen schauen zu als bei GZSZ oder AWZ. Warum? Bist du selbst jung, gebildet? Ist das eine Serie für Menschen wie dich? Kommen die anderen Soaps anderen Zielgruppen entgegen? Ist VL die einzig “kluge”, “clevere” Soap? Eine „Elite“-Serie? (Spricht dich das an? Schreckt dich das ab: „Elite“?)

Kennst du Düsseldorf? Köln? Kennst du echte Adlige? Schlösser? Sind dir Dinge in der Serie begegnet… und dann erst im echten Leben? Hast du bei VL fürs Leben gelernt? Oder hat VL bestimmte Erwartungen geprägt? Hast du für deine Beziehungen und Freundschaften gelernt? Wärst du gerne in einer Realität, die der VL-Welt ähnlicher ist?

Welche anderen Serien hast du gekuckt, was haben sie dir bedeutet, und was haben sie mit VL zu tun? War VL eine Zwischenstation deines Zuschauer-Lebens? Was kam davor? Danach? Parallel und ergänzend? Als Konkurrenz?

Ist VL jung oder… ganz schön alt geworden? Warst du je zu jung oder zu alt für VL? Wie ist VL gealtert? Wie bist du selbst, parallel dazu, älter geworden?

Elke Heidenreich hat für unser Buch einen Brief an Butler Justus geschrieben. Wem würdest du schreiben? Was?

Wurden bei VL Menschen gezeigt, die man sonst nicht im Fernsehen sieht? Oder wurden Figuren so LANGE gezeigt, dass man sie gründlicher kennen lernte? Wer kam dir nahe? Wen hattest du schnell satt? Wen hätte VL schnell töten, rausschreiben müssen? Gibt es misslungene Figuren – oder wäre jede zu retten, mit einem anderen Partner, einem anderen Job, anderen Storylines? Wie würdest du umräumen? Stell dir vor, die VL-Welt sei ein Puppenhaus: Was tust du?

Kuckst du Hinter-den-Kulissen-Videos? Liest du die Vorschau? Bist du mit Darstellern auf Facebook verknüpft? Hast du tolle oder schreckliche Interviews gelesen oder etwas erfahren über die Machart und die Darsteller, das deine Wahrnehmung von VL verändert hat? Hast du Darsteller getroffen – auf Auftritten oder zufällig? Denkst du über Darsteller nach, und ist dir jemand besonders sympathisch oder unsympathisch?

In VL wird viel geheiratet, viel geküsst, viel gelogen, viel gestorben und es gibt viele Einschnitte und Veränderungen: Hast du selbst gravierende Einschnitte in deinem Leben erlebt? Verliefen sie ähnlich? Oder ganz anders? Gab es Einschnitte, bei denen dir VL half, dich tröstete oder beruhigte? Was denkst du über traurige oder traumatische Storylines, Abschied von Figuren, Katastrophen in der Serienwelt?

Wer hat mehr Liebe verdient: Gibt es eine Figur, die von Fans, anderen Rollen oder den VL-Autoren schlecht behandelt wurde? Wofür würdest du sie loben? Für welche Figur würdest du in die Bresche springen oder eine Verteidigung schreiben?

Leute sagen oft „Wie scheiße, dass in Soaps alle Figuren in die selbe Kneipe gehen“ oder „Nie zahlen diese Leute ihre Getränke“ oder „Krass, wie viele neue Verwandte immer auftauchen“. Was nervt dich selbst am meisten? Was sind die Logiklöcher, Ungereimtheiten und Nachlässigkeiten, die du nicht hinnehmen willst? Und umgekehrt: Was ist dir ganz egal? Was findest du unrealistisch – aber toll?

Sind die großen Liebespaare auch deine Lieblingsfiguren? Magst du Menschen, Schauspieler, Personen wie Jan und Julia, Henning und Marie, Cécile und Leonard, Sarah und Leonard, Gregor und Luise, Dana und Hagen, Juri und Martha, Thore und Caro? Sind das die echten Stars und Traumpaare von VL? Oder hast du ganz andere?

Was sollte in einem Buch über VL stehen? Worüber wird zu wenig geschrieben oder gesprochen: Hast du Themenwünsche, Schnapsideen, Anfragen an Darsteller und Macher, eine Idee, wie unser Buchprojekt besonders interessant für dich wird?

Was unterscheidet VL von einer Krankenhaus-, einer Polizei-, einer Anwalts- oder einer Landkitsch-ZDF-Serie? Findest du gut, dass es trotzdem viele Arzt-, Polizei-, Anwalts- und Landkitsch-Elemente und -Figuren in VL gibt? Ist VL eine „typisch deutsche“ Serie? Über welche Figur könnte man ein Spin-Off machen? Was sollte gestrichen werden? Gibt es ein Vorbild, an dem sich VL orientieren könnte? (Die aktuellen wöchentlichen Episoden orientieren sich an der US-Serie „Revenge“, einer Thriller-Version von „Der Graf von Monte Christo“ mit weiblicher (Anti-)Heldin.)

Haben die Lahnsteins ein gutes Leben? Hat Elisabeth Sinn, auf Königsbrunn? Welche Lahnsteins magst du, wen findest du inkompetent oder schlimm? Wie würdest du selbst das Schloss organisieren?

Hast du eine VL-Szene nie vergessen? Hast du von VL geträumt? Hast du mal über VL geschrieben, davon erzählt, gebastelt, fantasiert? Wie hat VL bleibende Eindrücke hinterlassen, und wie hat VL deine Fantasie beflügelt? (Ich habe als Schüler z.B. immer wieder geträumt, Clarissa würde versuchen, uns alle anzulügen.)

In VL gibt es kaum Omas und, seit ein paar Jahren, auch kaum noch Teenager. Nur selten ärmere Arbeiter. Fast keine Türken. Wer würde VL sehr gut tun? Wer fehlt? Wer fehlt gar nicht?

Von Anstetten? Von Beyenbach? Von Lahnstein? Brandner? Wolf? Wer ist deine Lieblings-Familie? Wer sollte zurückkehren? Wer kam zurück – und enttäuschte oder nervte dich?

Welchem Darsteller wünschst du eine große Karriere? Hat VL echte Stars? Hat VL schlechte Schauspieler? Wer fällt negativ auf? Wer sehr positiv?

Bist du je fremd gegangen… und hast andere Soaps vorgezogen? Oder gibt es Soaps, die du eigentlich nicht magst, aber die EINE tolle Rolle haben, EINE tolle Geschichte, EIN Element, das du dir für VL wünschst?

Hat dich VL toleranter gemacht? Zynischer? Klüger? Entspannter? Romantischer? Einsamer? Besser? Hat es dich verändert, gebildet, geprägt… oder verpfuscht?

Hast du dich je für dein Fan-Sein verteidigen müssen? Wurdest du angegriffen oder ausgelacht? Und umgekehrt: Hast du schon jemanden, der nichts von VL hielt, dazu “bekehrt”?

Ist das Zeitalter der Soaps vorbei? Ist deine Zeit als Soap-Zuschauer vorbei? Warum?

Was geht verloren, falls VL tatsächlich abgesetzt wird am ca. 26. Juni, nachdem alle Folgen versendet sind?

Was war der größte Fehler, den VL je machte? Und umgekehrt: Hast du ein Lieblings-Video? Eine Lieblings-Szene? Einen Lieblings-Dialog?

Ist VL eine Frauen-Serie? Was hat dein Geschlecht mit deinem Interesse an VL zu tun? Ist VL sexistisch? Oder mutig, rebellisch, feministisch?

Bist du im echten Leben über eine große Intrige, einen großen Verrat gestolpert? Gab es Momente, in denen du dachtest „Was? Das ist ja schlimmer als auf Königsbrunn…“?

Zähle zehn Rollen, Ideen, Paare, Orte, Eigenheiten, Aspekte von VL auf, über die du tatsächlich sagen kannst: „DAVON bin ich Fan. DAS hat mich überzeugt!“

Hast du selbst eine Verbotene Liebe erlebt? Mit wem?

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Stefan Mesch: Übersetzer [Interview zu Amy Hempels “Was uns treibt”, mit Stefanie Jaksch, Buchkontor Wien]

Amy Hempel stefan mesch übersetzung

neu bei luxbooks: “Was uns treibt” von Amy Hempel, Übersetzung: Stefan Mesch

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  • seit ein paar Jahren bin ich freier Übersetzer (Deutsch-Englisch und umgekehrt)
  • 2015 neu: Kurzgeschichten in meiner Übersetzung, für Luxbooks.

Im Buchkontor Wien stellt Stefanie Jaksch im “Lesezirkel” seit März nordamerikanische Kurzgeschichten vor: am 19. Mai 2015 Amy Hempels „Was uns treibt“ (übersetzt von mir) und “Die Ernte” (übersetzt von Jakob Jung).

Im Interview fragt Stefanie Jaksch nach Anspruch und Fallen, Chancen und Problemen beim literarischen Übersetzen:

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Stefanie Jaksch: Fangen wir klein an. Wer bist du? Woher kommst du? Warum machst du, was du machst? Und die wichtigste Frage: Woher weißt du, dass du es kannst? (Oi, doch gar keine so kleine Frage!)

Stefan Mesch: Mit 12 wollte ich Film- oder Videospielkritiker werden, mit 15 TV-Serien schreiben, mit 19 doch lieber Romane und Artikel. Ich bin 32. Ich komme aus einem Dorf zwischen Heidelberg, Heilbronn und Karlsruhe. Am liebsten bin ich 13, 14 Stunden jeden Tag allein mit Text oder Büchern.

Vieles, was scheinbar allen Spaß macht, fällt mir schwer: eine Mahlzeit zubereiten und in Ruhe essen. Langsame Spaziergänge. Einen Brief zur Post bringen, rechtzeitig. Einen Film zum zweiten Mal sehen. Über Kleidung, Einrichtung, einen ganzen Haushalt nachdenken. Schlendern, Lauschen, Schlemmen, Bummeln, Schmunzeln, die Seele baumeln lassen: die Hölle!

Aber 400 Seiten lesen, jeden Tag? Ein Thema recherchieren? Fragen stellen? Stundenlang am Rhythmus eines Satzes feilen? Geschichten bauen? Wissen finden, werten… oder im Buchladen jedes Buch öffnen und entscheiden, ob ich weiterlesen will? Sammeln, Sieben, Schreiben, Teilen, Lektorieren, Um- und Weiterdenken?

Ich mache fast nur Dinge, die ich… will: Fünf Jahre lang an einem Roman arbeiten? Sechs Wochen lang über Sätze, Sprache, Gedanken von Amy Hempel puzzeln? Ich weiß nicht, ob ich da per se “besser” bin, mehr “Können” habe als andere. Aber: Ich habe Spaß. Mich fordert das heraus. Ich bin schnell motiviert und leidenschaftlich. Konzentriert. Sorgfältig. Besessen. Das zahlt sich für die Texte aus. (Für mein Zeitmanagement nicht. Aber mich füllt es aus… für ein paar Monate, als Projekt. Es “lohnt” sich.)

Stefanie Jaksch: Du scheinst einen der klassischen „I come from nowhere, I can do anything“-Lebensläufe zu haben. Kreatives Schreiben Hildesheim, Mit-Herausgeber BELLA triste, Artikel für ZEIT Online, ein wacher Blogger etc., – fast wie aus dem Bilderbuch für die digitalen und eigentlich auch analogen Nomaden unserer Generation.

Wie hat sich aus all dem deine Übersetzer-Tätigkeit ergeben? Ist das ganz natürlich aus dem In-den-USA-leben und daraus, dass du selbst schreibst, entstanden, oder hat es einer Initialzündung bedurft? Bist du ein „Gelernter“ oder ein „leidenschaftlich Lernender“?

Stefan Mesch: Ach, “Nomade”…

Eine Wohnung, ein WG-Zimmer, ein Auto könnte ich mir nicht leisten. Meist reichen meine Honorare für Krankenkasse und Essen, oft sitze ich einfach am Schreibtisch – im leerstehenden Haus meiner toten Großeltern, im Dorf – und arbeite vor mich hin. Ein Bilderbuch-Lebenslauf ist das nicht. Ohne dieses Haus, in dem ich mietfrei arbeite und ohne Freunde, die mich immer wieder in ihre Städte, Wohnungen einladen… müsste ich jetzt irgend eine Festanstellung finden und nur Projekte, Ziele anderer Menschen umsetzen. Statt meiner eigenen.

Ende 2008 zog ich aus Hildesheim fort. Zeitungen fragen nach Artikeln, Rezensionen. Unis laden mich als Redner ein. Verlage entwickeln Projekte. Nichts ist sehr gut bezahlt… aber alles wächst. Ich lerne – und komme weiter. Fünf Jahre lang war ich jeden Frühling für drei Monate in Toronto; im Herbst 2013 auch mal länger in New York. Immer wieder fragte das Goethe-Institut nach kleineren Übersetzungen: Reden, Essays, Blogposts, meist Deutsch-Englisch.

2012 übersetzte ich über 100 Seiten Briefe und Tagebücher für eine Klientin aus Toronto: Ihr Mann kommt aus dem Schwarzwald, die Kinder sprechen kein Deutsch; die Briefe dieser Familien hatten Stil, Charakter… aber auch ganz viele Widersprüche, Unbeholfenheiten, und ich hatte Spaß, solche Nuancen vom Deutschen ins Englische zu tragen: Ich habe so viele Freunde, die meine Sprache nicht sprechen… oft verbringe ich mehr Zeit mit amerikanischen Texten, Chats, Gesprächen als mit deutschen.

“Spielwiese”, “Versuch”, “Experiment” ist Übersetzen für mich nicht: Menschen geben mir ihr Geld, damit ich Sätze in eine andere Sprache trage. Das ist so viel Verantwortung… ich brauche viel Zeit. Ich nehme das ernst. Erst, seit Klienten mich loben, weiß mich: Ich KANN da guten Gewissens Geld verlangen. Meine Arbeit hat einen Wert.

Aber, wie gesagt: Das hat viel mit Gründlichkeit, Zeit, persönlichem Aufwand zu tun: Meine Übersetzungen sind IMMER irgendwann recht gut. Aber sie brauchen vorher auch IMMER so viel Zeit, jedes Wort liegt auf der Goldwaage… das kostet viel Energie.

Stefanie Jaksch: Was war deine erste Übersetzung, die du angenommen hast – und warst du nervös? Hat sich seitdem an deiner Art zu Übersetzen etwas verändert?

Stefan Mesch: Das erste Verlagsprojekt, das mehrere Monate in Anspruch nahm, war die Übersetzung eines Superhelden-Lexikons, “Marvel’s The Avengers: The Ultimate Character Guide”, zusammen mit Hildesheim-Freund Lino Wirag. Ich bin Superhelden-Fan und -Experte, aber lese am liebsten die monatlichen Reihen aus dem DC-Verlag: “Superman”, “Wonder Woman”, “Batwoman”, “Green Lantern” usw.

Viele der 200 Marvel-Figuren im Buch waren mir neu und fremd; und ich verbrachte viel, viel Zeit auf Wikipedia, um alles zu verstehen, auf Englisch und auf Deutsch: Ist Adamantium ein “Metall” oder eine “Legierung”? Schreibe ich “Infinity-Juwelen” oder “Ewigkeits-Steine” oder “Infinity Gems”? Meint “Power” hier “Macht”, “Kraft” oder bloße “Stärke”? Superhelden-Fans sind Pedanten – und deutsche Superhelden-Übersetzungen oft voll kleiner, ärgerlicher Widersprüche. Wer Marvel-Comics so sehr liebt, dass er 12 Euro ausgibt und 200 Helden- und Schurken-Steckbriefe liest, dem ist auch wichtig, ob ich Thors “Serpent” und Thors “Midgard-Schlange” unterschieden kann. Extrem viel Arbeit, großer Spaß: Ich habe mir wochenlang diese Welt erarbeitet… und zum Glück bei Dorling Kindersley in München sehr gründliche, leidenschaftliche Verlagsmitarbeiter und Lektor*innen, die es genau so wichtig fanden wie ich, die jeweils passenden Begriffe zu recherchieren.

Die Arbeit an Amy Hempels “Was uns treibt” erforderte viel mehr Sprachgefühl… aber andererseits viel weniger Trivia- und Faktenwissen: Klar habe ich auch bei Hempel jedes Fahrzeug, jeden Drink, jeden Handlungsort und jede Popkultur-Anspielung gegoogelt (und viel gelernt über die US-Westküste der 80er Jahre)… aber während die Superhelden-Texte vor allem Fakten bündeln sollten, so sauber, präzise, unmissverständlich und kurz wie möglich, ging es bei Hempel um Sprachfluss und Witz, Melodie und Tempo, oft 10 bis 20 Seiten Text am Stück, die tragen, strömen, mitreißen wollten. Gesamtbilder!

Stefanie Jaksch: Wie hat sich die Zusammenarbeit mit luxbooks für den Band „Was uns treibt“ von Amy Hempel ergeben? Kanntest du Hempels bisherige Werke eigentlich?

Stefan Mesch: Das “Avengers”-Lexikon verkaufte sich sehr gut, und im Oktober und November 2014 übersetzte ich noch einmal sechs Wochen lang eine ergänzte, aktualisierte Neuauflage. Dann schrieb mich eine britische Literaturagentin an und fragte, ob ich ein weiteres “Avengers”-Sachbuch ins Deutsche übertragen könnte, für einen anderen Verlag – so schnell wie möglich, bitte noch vor Weihnachten. Ich schrieb, ich hätte Interesse. Sie schrieb, sie melde sich im Lauf der nächsten Woche… und ich sollte bitte auf keinen Fall andere große Projekte annehmen… und mir die Zeit frei halten.

Als nach sechs Tagen immer noch nichts kam, postete ich auf Facebook, dass mich das Warten nervt – und, dass ich ÜBERSETZER sein will statt ewiger Avengers-Experte. Annette und Christian Lux kennen mich als Autor und Journalist, Annette las 200 Seiten von “Zimmer voller Freunde”, meinem Roman. Beide fanden, dass mein Sprachstil und meine Amerika-Kenntnisse gut zu Hempel passen… und boten mir den Job an. Ein Riesen-Vertrauensvorschuss.

[Diese seltsame Avengers-Agentin hat sich nie wieder gemeldet.]

Stefan Mesch Lino Wirag Marvel Lexikon der Superhelden

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Stefanie Jaksch: Ein Schritt weiter: Der Auftrag ist da, der Text liegt vor dir in all seiner Unerschlossenheit. Was jetzt? Bist du erst einmal ganz Leser, lässt dich tragen vom Rhythmus, vom Ton, von den Eigenheiten des Autors/der Autorin? Wie gehst du vor? Wie lange brauchst du, bis ein Text fertig ist?

Stefan Mesch: Als Autor (…und als Kritiker) sehe ich Romane meist von oben: Was zeigt der Grundriss? Wie teilen sich die Räume auf? Wofür ist Platz? Stimmt das Fundament? Was wartet hinter der nächsten Ecke? Ich denke oft länger über das Gesamtbild nach als über die Satz-für-Satz-Ebene.

Als Leser aber folgt man diesen einzelnen Sätzen.

Vor ihren Kurzgeschichten arbeitete Hempel als Journalistin – und schrieb später in der Paris Review: “Journalism taught me how to write a sentence that would make someone want to read the next one. You are trained to get rid of anything nonessential. You go in, you start writing your article, assuming a person’s going to stop reading the minute you give them a reason. So the trick is: don’t give them one. Frontload and cut out everything extraneous. That’s why I like short stories. You’re always trying to keep the person interested.“

Entsprechend habe ich bei Hempel übersetzt: Ich kannte alle Texte… und hatte sie – grob – in Erinnerung. Aber wichtig war ein sehr guter erster Satz. Dann ein zweiter Satz, der besser oder gleich gut ist; auf keinen Fall schlechter. Und immer weiter, Satz für Satz. Natürlich gab es während der Übersetzung dann Überraschungen, wenn ich, im selben Tempo wie ein Leser und ohne die Bauherren- und Architekten-Perspektive lieber Satz für Satz durch Hempels Short Stories ging: “Wie viele Zimmer kommen noch?”, “Oh: Hier hinten liegt noch etwas.”, “Mit DER Aussicht habe ich nicht gerechnet.” Aber solche Überrumpelungen oder Überraschungseffekte im Text habe ich dann weiter verstärkt… statt immer schon geistig vorzublättern oder vom Ende aus zu denken: Die Route des Lesers muss überzeugen. Und dafür brauchte ich, beim Übersetzen, erstmal die Perspektive des Lesers. Ausbessern und aus der Rückschau heraus noch einmal Sätze vom Anfang ändern… das geht auch später noch. Aber erstmal: Leser-Perspektive!

Stefanie Jaksch: Als Nicht-Übersetzerin, aber Amerikanistin liebe ich das amerikanische Englisch mit einer Inbrunst, die schwer zu beschreiben ist. Aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, mein Heil in Übersetzungen zu suchen. Dennoch entrüste ich mich wie viele, wenn ich schlechte Übersetzungen vorliegen habe. Geht es dir ähnlich? Hattest du nie Angst, in so eine Falle zu tappen und Leser zu enttäuschen? Wie war das im Fall von Hempel, die ja geradezu fanatische Fans hat? Oder kannst du das ausblenden beim Arbeiten?

Stefan Mesch: Mir selbst fallen Übersetzungen fast immer nur auf, wenn sie misslungen sind oder holpern. US-Titel lese ich meist im Original, bevor die deutsche Version erscheint. Beim Übersetzen dachte ich deshalb auch nicht an US-Liebhaber, Amerikanist*innen und Hempel-Fans… sondern an skeptische, deutsche Leser wie meine Familie oder meine besten Freunde: Kann ich den Charme, die Lakonie, den trockenen Humor und die Eleganz Hempels Menschen zeigen, die das Original gar nicht kennen…?

Annette Lux hat ein irrsinniges Sprachgefühl: Sie ließ mir alle Freiräume – aber machte oft im Lektorat noch kongeniale Vorschläge, bot Lösungen an, auf die ich nie gekommen wäre. Beim Übersetzen dachte ich schnell: Kann das meine Freunde reinziehen, mitreißen, verführen? Und: Kann das Annette überzeugen?

Ich liebe viele dieser Hempel-Texte. Und mir war klar: Ich muss deutsche Versionen schaffen, die man so ähnlich lieben kann. Die mitreißen. Bezirzen. An den richtigen Stillen irritieren.

Stefanie Jaksch: Ehrlich: Ich habe immer noch die etwas romantisierende bzw. eigenartige Vorstellung, dass man, um einem Text wirklich gerecht zu werden, ein bisschen „in die Haut“ des zu übersetzenden Autors schlüpfen müsste, um zu verstehen, was da auf dem Papier und dahinter eigentlich passiert. Geht dir das so? Oder eher gar nicht, kannst du das komplett trennen und analytisch vorgehen? Dazu gleich passend: Hat es dir Amy Hempel (oder besser: Amy Hempels Sprache) leicht gemacht? Hast du ihre Art zu schreiben schnell verstanden und dich in und mit ihren Texten wohl gefühlt?

Stefan Mesch: Ich mag kurze Sätze, Verdichtung. Tempo. Wenn ich selbst schreibe, lese ich meine Sätze immer wieder. Verknappe. Streiche. Amys Präzision, Amys Biss und Sarkasmus… mich spricht das an.

In jedem Hempel-Absatz gibt es so viele Witze und Widersprüche, Abschweifungen und Falltüren, Gemeinheiten und Jargon und komische Elemente und Nuancen und einzelne, tückische Worte, die die Farbe eines Satzes KOMPLETT ins Gegenteil reißen können…

2009 habe ich zum letzten Mal versucht, Stephen King zu lesen (den ich als Schüler mochte, und den ich als Mensch, in Interviews usw., bis heute mag): Die Handlung plätscherte dahin; doch ob da “Auto” steht bei King oder “Fahrzeug”, ob da “zuhören” steht oder “lauschen”, ob da “Haus” steht oder “Zuhause”… das ist ihm leider oft selbst viel zu egal.

Bei Hempel wirkt fast jedes Wort überlegt. Bewusst.

Stefanie Jaksch: Was waren Probleme, auf die du während dem Übersetzen gestoßen bist? Gab es welche? Und wie hast du sie gelöst (Geduld, Aggression, Schnaps)? Gibt es analog zur Schreibblockade auch sowas wie eine „Übersetzer-Blockade?

Stefan Mesch: Übersetzen ist langsam und macht mich oft ein bisschen traurig: Man wird nach acht oder zehn Stunden schon recht müde, man schafft eine Handvoll Seiten jeden Tag, man hat viel Hunger und will viel schlafen… ich hatte das Gefühl, nur schleppend voran zu kommen. Übersetzer-Freunde sagen, mein Tempo sei gut. Texte brauchen eben einfach ihre Zeit. Aber wenn ich zehn Tage lang am Stück übersetze, überkommt mich nach einer Weile das Gefühl, durch Morast zu waten: Beim Schreiben, beim Recherchieren, im Journalismus und im Bloggen gibt es viel schnellere Erfolgserlebnisse. Die Tage sind abwechslungsreicher. Alles flutscht viel mehr.

Ein blöder Faktor, der IMMER im Spiel bleibt, wenn Menschen schreiben: Du tippst Sätze. Formulierst mit großer Sorgfalt. Gibst dir Mühe. Dann lässt du deine Arbeit ein paar Stunden liegen, liest mit frischem Blick… und findest Flüchtigkeitsfehler, Rhythmusprobleme, kleine Dummheiten. Also: RICHTIG zufrieden war ich mit meinen Hempel-Texten erst, wenn ich sie zum zehnten, zum zwölften Mal las – und heute habe ich Angst, ins fertige Buch zu blicken und bei jedem dritten Satz plötzlich doch wieder nur zu denken: “Mist! Da sollte doch besser ‘aber’ stehen statt ‘doch’”, oder: “Hier wäre ein Punkt viel besser als ein Komma!”

Stefanie Jaksch: Mir ist aufgefallen, dass du an manchen Stellen andere Interpunktionen setzt, z.B. gleich in der ersten Geschichte „In einer Wanne“. Haben sich diese kürzeren Sätze organisch ergeben? War das ein Gefühl von dir, dass das im Deutschen da hin muss? Und wie frei bist du bei so etwas tatsächlich (sowohl von Verlags- als auch Autorenseite)?

Stefan Mesch: Im ersten Entwurf habe ich die Sätze möglichst perfekt nachgebaut: Alle Satzglieder an die selbe Stelle, keine Umbauten und Veränderungen. Und dann, beim Wieder-und-Wiederlesen, stellten Annette und ich hin und wieder um. Keine großen Veränderungen, kein Versuch, die Texte im Nachhinein zu “verbessern” oder umzumodeln. Aber am Ende zählt für mich, wie sie auf Deutsch, für deutschsprachige Leserinnen und Leser, wirken.

Oft hilft ein Punkt, zu zeigen: Achtung – jetzt kommt ein neuer Gedanke. Jetzt kommt NOCH ein Aspekt, etwas Eigenes und Frisches. Und weil jeder Hempel-Satz so viele Gedanken und Aspekte enthält, hat dieses kleine Anhalten, Durchatmen oft geholfen: kleine Atempausen, Signale an die Leser.

hempel mesch

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Stefanie Jaksch: In deiner Arbeit als Übersetzer – hilft dir eigentlich, dass du selbst schreibst? Oder ist das in keinster Weise förderlich? Und: Findest du eigentlich, dass der Übersetzer genug „Credit“ erhält? Die wenigsten Verlage nehmen den Übersetzer ja noch mit auf den Titel. Wie siehst du das?

Stefan Mesch: Schreiben hilft. Sprechen hilft. So dumm es klingt: Facebook hilft, immer wieder. Sachen präzise und unmissverständlich auf den Punkt bringen – so, dass es 1000 Leute (oder eben: ganz, ganz verschiedene Facebook-Kontakte) lesen können und möglichst alle möglichst viel davon verstehen – WAS ich sagen will und, ob da z.B. Humor, Sarkasmus, Wut mitschwingt oder nicht.

Ich habe Tagebuch geführt zwischen 14 und ca. 22, oft mehrere Stunden am Tag, und dieses lange Schreiben (am Computer) hat mich sehr geschult: Mein Englisch ist recht gut – aber mein Deutsch ist eben SEHR gut, meine Palette, mein sprachlicher Werkzeugkasten, mein Repertoire, meine Ausdrucksmittel auf Deutsch sind SO VIEL größer… oft schreibe ich einen Satz auf Englisch und merke “Mist. Das sind die sprachlichen Mittel, die du auf Deutsch mit 14 oder 15 hattest. Du musst noch viel lernen.”

Zum Credit will ich Isabel Bogdan zitierten: “”Ich glaube, da gibt es so einen Ursache-Wirkung-Kreislauf, wie beim Huhn und dem Ei: Die Übersetzer fallen oft unter den Tisch, mit der Begründung, das sei auch nicht so interessant – und deswegen interessiert es auch so wenig Leute, weil sie schlicht noch nie auf die Idee gekommen sind, dass es interessant ist.”

Stefanie Jaksch: In den letzten Wochen habe ich Hempels Erzählungen immer und immer wieder gelesen – und immer noch brechen sie mir das Herz. Wie ging es dir am Ende, als alles übersetzt, alles fertig war? Verändert sich der Text für dich erheblich, wenn er dann auf Deutsch – und auch noch aus deiner Feder – vorliegt?

Stefan Mesch: Im Herbst 2013 war ich für neun Wochen in New York, hatte kaum Bücher dabei, aber viele ebooks auf dem Tablet… und las in zwei, drei Tagen Amy Hempels “The Collected Stories”: Das ist eine Sammlung aller vier Kurzgeschichtenbände, die sie 1985 (“Was uns treibt”), 1990, 1997 und 2005 veröffentlicht hat – bis heute ihr Gesamtwerk, als Erzählerin.

Die ersten Texte machten SO viel Spaß: die sperrigen Frauen, die surrealen Vorstädte, die vielen Hunde, die plötzliche Brutalität oder Zärtlichkeit, sehr viele morbide Momente.

Aber leider waren die Texte von 1990… nicht anders als die von 1985. Und Hempel 1997, das war oft immer noch eher ein Aufguss von Hempel ’85. All diese Geschichten hintereinander zu lesen hat ihnen… sehr geschadet: Am Ende konnte ich das nicht mehr hören. NOCH ein Hund. NOCH eine schrullige Westküsten-Nomadin. NOCH ein vages, offenes Ende… Ich finde einzelne Hempel-Texte sehr, sehr gut. Ich finde “Was uns treibt” großartig. Aber ich weiß nicht, ob Hempel als Autorin wirklich gewachsen ist, wirklich wachsen WILL – und, warum sie so viel Zeit in ihrer “comfort zone” verbringt, erzählerisch immer die selben Dinge versucht.

Sie selbst hat mir per Email eine paar Übersetzungsfragen beantwortet (meist ging es ums Geschlecht der Figuren: ist “the neighbour” ein Nachbar oder eine Nachbarin usw.?), und dabei war sie so wach und frisch und höflich und charmant… ich mag sie sehr. Ich hoffe, dass wir noch einmal länger sprechen können, für ein Interview oder Werkstattgespräch.

Aber “In den letzten Wochen habe ich Hempels Erzählungen immer und immer wieder gelesen” kann ich nur schwer verstehen: Ich habe jeden “Was uns treibt”-Text im Rahmen der Übersetzung ca. 15mal gelesen. Und viele Texte kamen mir beim Immer-Wieder-Lesen immer fadenscheiniger oder… effekthascherischer vor. Hempel-Entdecken ist toll. Hempel-Lesen, ganz neu, machte mich sehr glücklich. Aber gerade brauche ich eine Pause. Dringend.

Stefanie Jaksch: Zu guter Letzt: Hattest/hast du eine Lieblingsgeschichte von Amy Hempel? Wenn ja, warum? Und wirst du noch einmal etwas von ihr übersetzen? Und, allerletzte Frage: Weißt du, ob sie mit deiner Übersetzung zufrieden ist?

Stefan Mesch: Die letzte Geschichte in “Was uns treibt”, “Today will be a quiet day”, fließt ruhig und scheinbar harmlos vor sich hin. Beim ersten Lesen dachte ich “Okay: ein viel zu langes Set-Up. Keine Pointe!”

Aber beim Übersetzen, als ich jeden Satz und jede Nuance neu… knacken, schmecken, durchkaufen musste… wurden mir dieser Vater, seine Kinder und ihr seltsam stiller, bitterer Tagesausflug im Auto immer sympathischer und plausibler.

Ein sehr zurückhaltender Text… der aber funkelt und strahlt, je genauer man hinsieht. Das hat mich sehr überzeugt. Ich denke immer wieder an diese Figuren – und lächle.

Werde ich einen zweiten Band Amy Hempel übersetzen? Annette und Christian Lux hätten mich gerne wieder dabei, in zwei Jahren. Aber ein anderer Autor, ein andere Tonart reizen mich erstmal mehr: Ich würde gerne ein, zwei Titel pro Jahr übersetzen. Aber das ist kein Geld-, sondern eine Zeitfrage: Ich weiß nicht, ob ich aus 10, 15 weiteren Hempel-Texten genug mitnehmen und lernen kann, als Übersetzer, so lange ich schon als Leser denke: “EINMAL Hempel? Super. Zweimal Hempel? More of the same.”

Amy selbst schien glücklich über meine Sorgfalt, mein Interesse, meinen Respekt. Ich denke, sie schätzt, was für ein engagierter Verlag hier mit ihr arbeitet und, was für ein Nerd, Pedant und Perfektionist hier für sie übersetzt. Aber ob sie tatsächlich “zufrieden” ist…?

Ich glaube, das misst sich an den deutschen Reaktionen und Kritiken, die noch folgen: Bisher waren alle Rezensent*innen der deutschen Ausgabe zufrieden. Meine Übersetzung wurde gelobt. Im Großen ist das, glaube ich, geglückt. Aber Übersetzen heißt, Entscheidungen zu treffen. Zehn heikle Entscheidungen… pro Satz. Ich glaube nicht, dass JEDER glücklich ist mit jeder einzelnen Entscheidung, die ich hier für Amy traf.

Wichtig für mich: Dass Leser*innen spüren, dass ich jede dieser Entscheidungen bewusst getroffen habe. Mein Repertoire wächst. Ich wachse.

Und, wie gesagt: Es macht absurd viel Spaß!

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Blogs und Literatur: Interview mit Glasperlenspiel13, für die Büchergilde (Frankfurt)

Foto: Adelheid Haaß, Büchergilde Gutenberg 2015

Foto: Adelheid Haaß, Büchergilde Gutenberg 2015

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Seit November 2014 empfehle ich Bücher für die Büchergilde Gutenberg – im Print-Magazin einmal im Quartal, und auf der Facebook-Seite zweimal im Monat, in meiner #Buchsprechstunde.

Vera, Bloggerin bei Glasperlenspiel13 und ebenfalls für die Büchergilde aktiv, stellte mir ein paar Fragen über mein Lesen, Bloggen, Schreiben… und die deutsche Blogger-Szene:

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Du beschäftigst dich auch beruflich viel mit Büchern und Literatur. Gibt es überhaupt noch eine Grenze zwischen privater und beruflicher Lektüre?

Stefan: Als Kritiker, Blogger, Autor lese ich am liebsten Bücher, die noch fast niemand kennt… aber die möglichst viele Menschen kennen lernen sollten: Fundstücke und Geheimtipps, Neuheiten und Underdogs, Überraschungen und vergessene Klassiker.

Gängige Erfolgsromane sind bereits so bekannt… sie brauchen von mir keine große Hilfe oder Unterstützung: “Arbeit und Struktur” oder Margaret Atwoods Zukunfts-Trilogie will ich irgendwann unbedingt lesen. Nur bloß nicht: heute. Ich suche lieber Neuland. Entdeckungen!

Und was liest du privat am liebsten?

Stefan: Ich mag kluge Frauen, verkorkste Familien, komplexe Gefühle. Bücher, die mich fragen: “Was ist ein gutes Leben? Was ist Glück?” Und ich liebe Superman, Wonder Woman. Phantastik!

Unsere Blogs unterscheiden sich sehr: Wie ist dein Selbstverständnis als Blogger? Welche Möglichkeiten bietet dir dein Blog?

Stefan: Wenn ich mit Freunden und Fremden über Bücher sprechen will, gehe ich auf Facebook: Kommentare, schnelle Dialoge, ein waches Hin und Her. Doch nach zwei Wochen rutscht jeder Beitrag so tief fort, dass er nie wieder gefunden, gelesen wird. Also sammle ich seit 2011 Listen, Fundstücke und längere Texte hier auf meinem Blog, stefanmesch.wordpress.com

Journalismus, Rezensionen… das will ich für Zeitungen machen. Bezahlt. Professionell. Aber Listen, Experimente? Bonusmaterial? Dafür liebe ich den Blog: ein Archiv, so offen und öffentlich wie möglich.

Was hat dich veranlasst, auch englische Beiträge auf deinem Blog zu veröffentlichen?

Stefan: Von 2009 bis 2013 lebte ich je drei Monate im Jahr in Toronto, seit 2013 will ich regelmäßig nach New York. Ich übersetze aus dem Englischen, ich habe viele Freunde in Nordamerika, ich liebe die Comics, Belletristik, Netzkultur dort: München oder Berlin sind mir viel fremder.

Du gibst regelmäßig Empfehlungen zu ganz unterschiedlichen Genres und Themen, auf Facebook und im Blog. Wo und wie findest du all diese Bücher?

Stefan: In einer Buchhandlung oder Bibliothek öffne ich fast jedes Buch und lese ein, zwei Seiten, stundenlang. Die Neuerscheinungen. Die Klassiker. Das Abseitige und die US-Fundstücke: zwei, drei Tage im Monat mache ich nichts anderes, notfalls nur online, mit Amazon-Leseproben. Etwa 10,000 Bücher habe ich vorsortiert – in “angelesen: nichts für mich”, “angelesen: klingt gut” und “vorgemerkt: bald Leseprobe finden!” Den Überblick behalte ich mit Goodreads: einer tollen Katalog- und Wertungs-Website für Bücher.

Auf welchen Kanälen außer Facebook bist du noch zu finden und welcher gibt dir den meisten Mehrwert?

Stefan: Wer Illustrationen, Kunst, Visuelles (oder: Pornografie!) liebt, muss zu Tumblr: Nirgendwo wird mein Auge so schnell gereizt, gekitzelt, überflutet.

Twitter ist mir zu schnippisch und abgehackt. Aber ich mag die vielen Fundstücke dort.

Drei Websites, die alles besser machen: TV Tropes, Graph TV und, bei allen Fragen und Gesuchen, Reddit.

Ich bekomme oft zu hören: Blogs, Facebook, Twitter & Co ist doch alles online, so anonym. Du bewegst dich seit Jahren in dieser „Szene“. Wie empfindest du das?

Stefan: Mal lebe ich in Berlin, mal auf dem Land bei Heidelberg. Mal in Amerika. Drei Viertel aller Leute, die mir wichtig sind, erreiche ich nur online, weil wir fast jeden Tag ganz weit entfernt voneinander sind. Lesen macht oft mehr Spaß als Spaziergänge. Schreiben geht schneller als ewiges Gerede. Ich kann im Netz SO viel fragen, zeigen, quatschen, probieren… und falls es stört, klickt Leute eben weiter. Wäre ich unter Menschen so aktiv wie online… man würde mich knebeln und wegsperren!

Was verbindest du mit der Büchergilde und wie bist du zu ihr gekommen?

Stefan: Ich liebe Felix Scheinberger und seine tollen Illustrationen zu “Tod in Venedig” von 2005. Im Büchergilde-Programm erwarte ich Mut, Sorgfalt, Witz und Eigensinn: Bücher, die zwei oder drei entscheidende Schritte weiter gehen.

Im Facebook-Account der Büchergilde bietest du eine regelmäßige #Buchsprechstunde an. Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

Stefan: “Mein Sohn ist 7 und alle Bücher langweilen ihn!”, “Ich suche Jugendbücher mit nicht-weißen Erzählerinnen oder Erzählern.”, “Kennst du gute Schreib- und Roman-Ratgeber?”: Ich liebe diese Fragen, Überraschungen… und wünsche, dass noch viel mehr Aufträge, Kommentare kommen. Geschenktipps, Dialoge, Anfragen: Lasst uns zusammen Bücher finden!

Letztes Jahr hat die Büchergilde 90jähriges Jubiläum. Wo siehst du sie zu ihrem 100. Geburtstag?

Stefan: Mein Lieblings-Buchhändler, Frithjof Klepp bei Ocelot, musste Insolvenz anmelden. Meine liebsten Superhelden-Comics haben kaum noch Leser. Schon heute steht fast jedem Stück Buchkultur, vielen Verlagen und Autoren das Wasser bis zum Hals. Wenn dir jemand wichtig ist: Hilf. Unterstütze. Heute gleich. Sonst fehlt es bald.

Drei Blog-Tipps von dir?

Stefan:
Buzzaldrins.de, We read Indie und die Newsletter von Lesenmitlinks.de und Buchkolumne.de

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weitere Interviews, Gespräche, Fragebögen?

buchsprechstunde stefan mesch

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“Der Journalismus ist kaputt”? Hass-Texte und Abdiss-Journalismus, ZEIT Online

Erika-Fuchs-Stiftung / Disney

Erika-Fuchs-Stiftung / Disney


Am 22. April (Mittwoch) schrieb ich auf ZEIT Online über polemische Texte und “Bullshit-Journalismus”:
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Debatten: “Die Hassknechte vom Abdiss-Dienst.

Feminismus, Ego und Debattedebattedebatte: Täglich platzt jemandem irgendwo der Kragen. Alles Neinsager und Rebellen? Oder doch nur Pseudohass?” von Stefan Mesch

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Zum ersten Mal schrieb ich im März über das Thema. Diese erste Version sollte eigentlich nur redigiert / gekürzt werden; doch weil noch bis April jede Woche neue, umstrittene Texte über Debattenkultur, Wut und Ablehnung veröffentlicht wurden, schrieb ich den Text letzte Woche noch einmal (fast völlig) neu.

Hier im Blog, als Bonus: die frühe Version.

Wut im März!

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Junge Texte werden patzig, wütend, derb: Dem Journalismus platzt der Kragen. Neue Kritiker, Neinsager und Rebellen – oder nützliche Idioten?

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200 Dollar pro Woche, für drei lange Essays und Artikel: Schon lange vor dem Studium wollte M. Kulturkritiker werden. Als freier Journalist alle Kanten der Gegenwart ausmessen. Markante Ich-Texte schreiben wie Joan Didion, David Sedaris. Mit anderen jungen, eigensinnigen Denkern, Welterklärern, Spürhunden, Experten die großen US-Magazine erobern – Harper’s und Vogue, Salon und den New Yorker.

Mitte 20 war er unbezahlter Redakteur bei Worn, einem Indie-Magazin über Außenseitermode. Dann lockte ein erster bezahlter Job – fürs kommerzielle Online-Feuilleton, im Ressort „Style“: freie Themenwahl, drei Texte pro Woche. Kaum redaktionelle Vorgaben; doch auch kaum redaktionelle Betreuung. Hauptsache irgendwas mit Mode – „Content“, den Menschen in Massen klicken, teilen, kommentieren wollen.

M.s Eltern halfen weiterhin bei Essen und Miete. Fünf Tage pro Woche stand er als Barista im Café. Und sieben Nächte pro Woche lag er wach: „Was, wenn kein Mensch meine Artikel klickt? Bringe ich hier Umsatz, Reichweite, Reaktionen? Oder bleibe ich Risiko? Ballast?“ Über 130 Mal musste er entscheiden: Welche Themen hatten Dringlichkeit? Was bringt viele Menschen weiter – oder auf die Palme? Was wird geklickt auf Twitter und Facebook, zwischen 1000 anderen Angeboten – und mit Gewinn gelesen?

Er lud seinen Freundeskreis zum Brainstorming, immer wieder. Vor allem die Frauen sollten reden: Was stört, nervt und beschäftigt sie? Wo mischt sich Mode in ihr Leben? Freundin D., der einzige Single, kochte fast über: „Schreib über Brautjungfernkleider. Die sind totaler Bullshit. Oder über teure Babysachen. So ein Bullshit! Warum schreibt keiner, was für ein Bullshit Kleidergrößen sind? Mir fehlen Texte, die alles anprangern!“

Für D. stand fest: Die Modewelt, der Mode-Diskurs, die ganze Branche war Bullshit. Das Sprechen über Mode war kaputt. Sie wünschte sich Journalismus, der zum Kronzeugen für ihre Wut, zum Megafon für ihren Ärger wird – und alle Missstände täglich neu entlarvt. Ihr fehlten klare, laute Pranger- und Endlich-sagts-mal-einer-Texte, die ihren persönlichen Frust in Worte fassten, ihn online, öffentlich, plausibel teil- und like-bar machten: Shopping ist scheiße. Anpassen ist scheiße. „Sich hübschmachen“ für Dates und Arbeitgeber: Riesenscheiße!

Könnten nicht auch kommerzielle Plattformen jeden Tag an Hunderten Beispielen beweisen: Der Kaiser trägt keine Kleider? Warum zeigt Journalismus, als vierte Gewalt, so selten Zähne?

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Lästern, Haten, Bashen, Ranten

Ich klicke „gefällt mir“, wenn mir Texte aus dem Herzen sprechen. Ich teile, zitiere, poste, tweete Journalismus, der Worte findet für meine eigenen Fragen, Ängste: Wenn mir fremde Menschen neu bestätigen und spiegeln, was ich selbst dachte, irgendwie – nur eben bisher nie: so schön, so öffentlich, so laut und so präzise. Zeitungen sind Speaker’s Corners und Echokammern, Enthüller und Entblößer, Stimmungslabors und Meinungsmacher, Sturmgeschütze der Demokratie… und des Populismus. Ich bin froh, dass so viele und so verschieden wütende Stimmen in Feuilletons Position beziehen. „Ich“ sagen. Widerspruch einlegen. Oder auch mal: lästern, haten, bashen, ranten.

Doch reicht das? Texte feiern, weil sie mein Weltbild, meine Vorurteile stützen? Meinen Frust aufgreifen und genussvoll „Bullshit!“ rufen? Mir sagen, was ich eh schon weiß, zu wissen glaube… oder etwas attackieren und verhöhnen, das ich im Alltag selbst gern attackieren und verhöhnen würde? Ventil-Journalismus, verfasst von Hassknechten und Abdiss-Diensten? Wie viele „kontroverse“ Autorinnen und Autoren sind nur als „Querdenker“, „mutige Schimpfer“ getarnte Schmeichler, die ihrer Zielgruppe die jeweils passenden Ressentiments nachbeten?

Ronja Larissa von Rönne studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim – zehn Jahre nach mir selbst, zehn Jahre jünger als ich und ähnlich aufgekratzt-genervt wie ich mit 22. Tief in den grauen, miefigen Semesterferien stieg sie ohne Hose aufs Bett und postete Selfies – zwischen Shirt und Schenkel, auf halber Hüfte: eine Packung Goudascheiben aus dem Supermarkt. Selfie-Strebertum oder Selfie-Schönheitsideale, sagen diese Scheißegal-Posen, sind Bullshit. Und 22-Sein in Hildesheim ist Käse.

Ich folge dem Ronjas Blog und Ronjas Facebook-Ich. Ihre strahlende, derbe Patzigkeit trifft einen Nerv. Während der halbe Studiengang für ein Literaturfestival putzt und dekoriert, schreibt sie auf jetzt.de: „Es geht darum, Jungautoren so sehr abzufüllen, dass man ihnen die Haare beim Kotzen halten wird.“ Als ich meine alten Schulfreunde zum Weihnachts-Raclette treffe, bloggt sie über ihre eigene Fahrt ins Dorf der Eltern: „Die Stufenschönste ist mittlerweile fett und der ehemalige Klassensprecher hat sich vor einen ICE 3 geworfen. […] Man stellt sich die zerfetzten Einzelteile dieses Arschlochs im Schnee glitzernd vor.“

Ronjas Zorn macht Spaß – in allen Übertreibungen. Sie schreibt, sie will mit einem Mann aus der Supermarktschlange ins Bett, weil „in dessen Einkaufskorb weder Ziegenkäse noch Avocadocreme, sondern ein Tetrapak Rotwein und eine TK Pizza lagen.“ Ich teile den Text auf Facebook. Ronja erhält ein Angebot, Redakteurin im Welt-Feuilleton zu werden.

Wie wütend wollen wir schreiben? Leben? Wie viel Entrüstung und Verweigerung braucht ein debattenstarker Kulturteil? Reinigen Wuttexte die Luft – wie ein Gewitter? Oder plustern sich Leser und Redaktionen gegenseitig in blinde Hysterie? Was kam zuerst: der Wutbürger – oder der Journalist, der mit solchen Texten Stimmung und Auflage machen will? Wie viele Kleider trägt der Kaiser wirklich? Sind Schreiber, die mit Brandreden Likes und Zuspruch sammeln… Brandstifter? Querdenker? Populisten?

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Jungmädchen-Blog im Feuilleton?

Vor fast zehn Jahren wischte Literaturkritiker Helmut Böttiger eine ganze literarische Generation ins Aus: „Warum die deutsche Gegenwartsliteratur so brav, ordentlich und monoton ist“, fragt sein pauschaler Schlag gegen damals junge Autoren. Böttigers Diagnose: Viele Schreiber an Instituten in Hildesheim und Leipzig feilen konforme, schnittige Texte – ohne Inhalt, Dringlichkeit und Aussage.

Letzten Januar fragte Ex-Schreibschüler Florian Kessler: „Warum ist die deutsche Gegenwartsliteratur so brav und konformistisch?“. Das selbe Ressentiment. Die selbe Pseudo-Wut. Schon in der Überschrift die alte, gleiche rhetorische Frage. Nur reicht die Diagnose bei Kessler um eine zusätzliche Ecke: Hildesheimer Texte sind so angepasst, schreibt er, weil viele erfolgreiche Schreibschüler saturierte Eltern haben – die weiterhin bei Essen und Miete helfen. Diese Kinder des Bildungsbürgertums schreiben blutleere Bildungsbürger-Texte.

Zwischen diesen Zuschreibungen, Vorwürfen und Rollen schreibt Ronja Larissa von Rönne – Schnöselname? Schnöselherkunft? Verwöhnte Tochter aus Bayern? – seit knapp sechs Wochen für die Welt: Ein Feuilleton-Aufmacher, in dem sie rät, Wut endlich auszuleben („Es muss weh tun!“) und einem alten Schulfeind unvermittelt ins Gesicht schlägt. Ein Berlinale-Text, der Berlinale-Parties als bodenlosen Bullshit entlarven will. Beide Texte sind patzig, derb. Viel diskutiert. Beide Texte bleiben selbstbewusst in der – im klassischen Feuilleton noch immer ungewohnten – Ich-Perspektive.

Ronja spielt mit Hassmädchen-Klischees. Lästert, hatet, basht und rantet. Ich rolle die Augen… doch habe Spaß: Ist das jetzt „brav und konformistisch“? Markant? Joan Didion 2015? Die vierte Gewalt? Populistischer Bullshit? Oder, wie viele Freunde über 30 bashen: ein Jungmädchen-Blog, der sich ins Feuilleton verirrt hat?

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Neoliberale Selbstdarstellungsschule?

Ich fürchte, zu viele aktuelle journalistischen Texte muss ich von unten her verstehen – aus ihren Leserkommentaren. Aus der Begeisterung, dem Widerspruch, den Klickzahlen und der Empörung, die sie abwerfen. Und abwerfen wollen. Schon seit 1996 ist die US-Kulturseite Slate geschickt auf größten Krawall gebürstet: Jede Schlagzeile dort klingt provokant verdreht. Jede These unerhört und frech. Slate ist gegen alle, aus Kalkül: Ich lese mich wütend. Ich lese zu viel. Jeder Satz regt mich nur weiter auf.

„Kommentare überholen Recherchen“, fasst auch die taz ihre Erfahrungen mit Wut-Autoren, Wut-Lesern und Endlich-sagts-mal-einer-Texten zusammen: „Kommentare, Polemiken und Satire-Artikel“ wurden 2014 zum ersten Mal deutlich häufiger geteilt als „harte Themen und aufwändige Recherchen.“ Auch in der SZ fragten Lars Weisbrod und Nadja Schlüter in knapp 30 Kolumnen bewusst polemisch: „Woher der Hass?“ und wollten enträtseln, weshalb bei Reizthemen wie Laubbläsern, Payback und Veronica Ferres fast jeder Leser „Bullshit!“ schreit.

„Tatsächlich ist das Ich zurückgekehrt in den deutschsprachigen Journalismus“, schreibt Hannah Lühmann, selbst oft gerne „Bullshit!“ polternde Autorin, nach deutlicher Kritik auf zwei kokettiert wütende Berlinale-Ich-Texte von Ronja von Rönne und Katharina Link: „Nun aber sind ein paar der neuen Ich-Schreibenden eben weiblich, und alle sind sich auf einmal sicher, dass die Ursache hierfür ein grassierender Narzissmus sein muss, herangewachsen in einer neoliberalen Selbstdarstellungsschule.“ [guter Text, mittlerweile auch online.]

Mode-Experte M. wollte keinen einzigen „Bullshit“-Wut-und-Mode-Text veröffentlichen. Er arbeitete 11 Monate lang gewissenhaft sein Pensum ab. Schrieb liebevolle, konfliktfreie Texte zu Dumping-Lohn und kellnerte weiter im Café. Gab danach – ausgebrannt, verunsichert und kaum beachtet – seine journalistische Karriere auf. Und macht heute ein Aufbaustudium: PR und Pressearbeit.

Und Florian Kesslers Beitrag schien mir später – ausgeruht – gelungener als beim ersten Lesen. Statt „Schreibschule ist Bullshit!“ fragt Kessler tatsächlich nüchterner: Wer kann sich einen Karriereversuch in Literaturbetrieb und Feuilleton noch leisten? Wie viele Talente, Stimmen blieben außen vor, weil ihre Familien keine Hilfe sein können während Ausbildung und jahrelangem Stottern im Kulturbetrieb? Kein Ranschmeißer-Text. Kein Bullshit-Populismus. Nichts, das kalkuliert größten Zuspruch sucht durch möglichst plakativen Widerspruch.

Doch spielen solchen Nuancen eine Rolle? Für erste bleibt Ronja von Rönne die Aggro-Redakteurin unter Nabelschau-Verdacht. Kesslers Text wird weiterhin ständig als Beleg zitiert, dass junge Texte Bullshit sind, alle Schreiber brav und monoton. Wer Ressentiments zum Thema macht, lockt Neinsager, Zyniker und Nihilisten. Menschen, die den Untergang verkünden – oder sich begeistern, dass eine Zeitung solche Untergänge prophezeit: „Der Journalismus ist kaputt“, versprachen die Krautreporter in ihrer Crowdfunding-Kampagne: „Wir kriegen das wieder hin.“

Bin ich der einzige, dem schon dieser wunderbare, derbe, apokalyptische erste Satz – „Der Journalismus ist kaputt“ – die 60 Euro Abo-Gebühr wert waren? Nicht selten tut es gruselig gut, an prominenter Stelle, patzig, wütend, derb zu lesen: „Hier hakt es. Das läuft schief. Das hier ist Bullshit. Achtung!“ Klar will man uns verführen – zur Wut, zur Angst, zum Tweeten, Teilen, Liken oder zum Widerspruch. Klar sind solche Texte oft unerhört kokett. Doch nach wie vor scheint mir ihre größte, wichtigste Provokation, dass sie aktuell geballt von jungen, lautstarken Frauen kommen. Selbstbewusst. Plakativ. Oft strahlend. Manchmal doof.

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Die besten Jugendbücher 2015: Entdeckungen / Vorauswahl zur Leipziger Buchmesse

YA, Foto von Achim Reibach.

Einmal pro Monat stelle ich ca. 20 unbekannte oder neue Bücher vor.

heute: aktuelle Jugendbücher und Young-Adult-Literatur, neu auf Deutsch.

Neue Titel oder Neuausgaben, erschienen Sommer 2014 und Sommer 2015…

…angelesen, gemocht und vorgemerkt.

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Ich schreibe einen Roman über Sechzehnjährige. Ich lese seit ca. 2009 Young-Adult-Literatur, empfehle Titel bei ZEIT Online und veröffentliche immer wieder auch längere Texte über z.B. “Mockingjay” (Link) oder neue Dystopien (Link). Meine Lieblings-Jugendbuchautorin ist A.S. King (Link).

10 große Favoriten / Empfehlungen:

“Willkommen im Leben” gehört zu meinen Lieblingsserien, “One Tree Hill” ist ein Guilty Pleasure… und aktuell hadere ich mit dem (mittelklugen, aber sehr mitreißenden) MTV-Teen-Drama “Finding Carter”.

2014 habe ich bei Beltz & Gelberg veröffentlicht, in “Das ist genau mein Ding!”.

Jetzt: 21 aktuelle Bücher, in meiner “bald lesen!”-Vorauswahl.

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01: RACHEL McINTYRE, “Sternschnuppenstunden” / “Me and Mr J”

  • Lara, eine gemobbte Schülerin, verliebt sich in ihren Lehrer Ben.
  • Februar 2015 bei Magellan; Original: USA 2015.
  • 304 Seiten. [Goodreads]

Sternschnuppenstunden

02: MARIT KALDHOL, “Allein unter Schildkröten”

  • Mikke ist 18, liebt Meeresbiologie, versorgt einen behinderten Freund… und bringt sich überraschend um. Warum?
  • August 2014 bei mixtvision [ebook; zuvor schon Print]; Original: Norwegen 2010.
  • 136 Seiten. [Goodreads]

Allein unter Schildkröten

03: BENJAMIN ALIRE SÁENZ, “Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums” / “Aristoteles and Dante discover the Secrets of the Universe”

  • 1987 in El Paso, Texas: der fünfzehnjährige Ari schließt eine erste, große Freundschaft.
  • Juli 2014 bei Thienemann; Original: USA 2012.
  • 384 Seiten. [Goodreads]

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

04: LEIGH BARDUGO, “Grischa, Band 1: Goldene Flammen” / “Shadow and Bone”

  • Als Alina ihre magischen Kräfte entdeckt, wird sie dem Zar unterstellt und seiner (magischen) zweiten Armee. Eine Fantasy-Trilogie in einem Fabel-Russland, atmosphärisch und überraschend.
  • Juli 2012 bei Carlsen [als Hardcover schon 2012]; Original: USA 2012. Dort erschien 2014 auch der Abschlussband der Trilogie.
  • 352 Seiten. [Goodreads]

Grischa: Goldene Flammen (Grischa, #1)

05: PATRICIA McCORMICK, “Der Tiger in meinem Herzen” / “Never fall down”

  • Kambodscha 1975: Arn-Chorn Pond überlebt den Völkermord und die Diktatur der Roten Khmer. Ein politischer Tatsachenroman.
  • Februar 2015 bei Fischer KJB; Original: USA 2012.
  • 256 Seiten [Goodreads]

Never Fall Down

06: TERESA TOTEN, “Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B” / “The unlikely Hero of Room 13B”

  • Adam leidet unter einer Zwangsneurose… trifft in der Therapiegruppe auf Robyn und verliebt sich.
  • September 2014 bei cbt; Original: Kanada 2013.
  • 352 Seiten. [Goodreads]

Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B

07: CHRISTOPH WORTBERG, “Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß”

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß: Roman

08: VICTORIA SCHWAB, “Das Mädchen, das Geschichten fängt” / “The Archived: Band 1 von 3″

  • Wohin gehen Tote? Sie werden eine Geschichte, verwahrt im Archiv. Doch was, wenn sie zurück ins Leben drängen? Mac ist eine Hüterin… und einer Verschwörung auf der Spur: eine Fantasy-Reihe über Trauer, Sterblichkeit, Verlust und das Erzählen.
  • Juli 2014 bei Heyne; Original: USA 2013.
  • 431 Seiten. [Goodreads]

Das Mädchen, das Geschichten fängt (The Archived, #1)

09: FRANCES HARDINGE, “Das Mädchen ohne Maske” / “A Face like Glass”

  • Neverfell lebt in einer surrealen, geheimnisvollen Diktatur. Die Einwohner verbergen ihre Gefühle hinter Masken aus Lügen. Doch was, wenn ihre eigene Maske nicht genügt?
  • August 2014 im Verlag Freies Geistesleben; Original: UK 2012.
  • 623 Seiten. [Goodreads]

Das Mädchen ohne Maske

10: JOHANNES GROSHUPF, “Der Zorn des Lammes”

  • Thriller: Milan ist neu in Berlin, verliebt sich in eine Zufallsbekanntschaft… und will mit allen Mitteln in ihr Leben.
  • April 2014 bei Oetinger. Mehr zum Autor.
  • 190 Seiten. [Goodreads]

Der Zorn des Lammes

11: BRIGITTE VAN AKEN, “Alles Liebe, deine Lise”

  • Nach einer Abtreibung schreibt Lise, eine 15jährige Hobbyfotografin, Briefe aus dem Internat an ihre Großmutter.
  • August 2014 bei mixtvision; Original aus Belgien.
  • 206 Seiten. [Goodreads]

Alles Liebe, deine Lise

12: MIRJAM PRESSLER, “Die Zeit der schlafenden Hunde”

  • Johanna ist reich, weil ihre Großeltern in den 30er und 40er Jahren hart arbeiteten. Oder? Ein hypnotischer, atmosphärischer Roman über Enteignungen durch die Nazis, Verantwortung und Privilegien.
  • Juli 2014 bei Beltz & Gelberg [Neuauflage; Original von 2003]; mehr zur Autorin.
  • 384 Seiten  [Goodreads]

Die Zeit der schlafenden Hunde

13: DORIT LINKE, “Jenseits der blauen Grenze”

  • Hanna und Andreas wollen aus der DDR fliehen. Im August 1989, durch die Ostsee.
  • Juli 2014 bei Magellan; mehr zur Autorin.
  • 299 Seiten. [Goodreads]

Jenseits der blauen Grenze

14: GRIT POPPE, “Abgehauen”

  • Gonzo ist 16 und wuchs in DDR-Heimen auf. Jetzt sitzt sie im Jugendstrafhof Torgau… und will fliehen.
  • Januar 2015 bei Oetinger [ebook; 2012 schon Print]; mehr zur Autorin.
  • der Vorgänger, “Weggesperrt” (Link) wirkt stilistisch holpriger.
  • 320 Seiten. [Goodreads]

Abgehauen

15: JOHN COREY WHALEY, “Das zweite Leben des Travis Coates” / “Noggin”

  • Travis stirbt an Leukämie, aber lässt seinen Kopf einfrieren. Fünf Jahre später wacht er auf einem neuen Körper auf und will zurück in sein altes Leben. Doch alles ist anders: absurdes, packendes, wütendes Gedankenspiel.
  • Februar 2015 bei Hanser; Original: USA 2014.
  • 304 Seiten. [Goodreads]

Das zweite Leben des Travis Coates

16: MAKIIA LUCIER, “Das Fieber” / “Death-Struck Year”

  • Im Herbst 1918 sterben Millionen Menschen an der Spanischen Grippe. Cleos Kleinstadt wähnt sich in Sicherheit… doch als die Epidemie näher rückt, beschließt sie, als Krankenschwester zu helfen.
  • 24. April 2015 bei Carlsen; Original: USA 2014.
  • 384 Seiten. [Goodreads]

Das Fieber

17: CAMMIE McGOVERN, “Amy & Matthew: Was ist schon normal?” / “Say What You Will”

  • Zwei Teenager mit Behinderung werden ein Paar. (Das Buch scheint frischer, komplexer und besser geschrieben als der furchtbare deutsche Klappentext:
  • “Die 17-jährige Amy ist ein besonderes Mädchen. Sie kann nicht sprechen und nicht ohne Hilfe laufen. Aber sie ist unglaublich klug und wahnsinnig hübsch – zumindest in den Augen ihres Klassenkameraden Matthew, der auch nicht so ist wie die anderen.:-/
  • 30. März 2015 bei Heyne; Original: USA, 2014.
  • 360 Seiten. [Goodreads]

Amy & Matthew - Was ist schon normal?

18: KATJA BEHRENS, “Alles Sehen kommt von der Seele. Die außergewöhnliche Lebensgeschichte der Helen Keller”

  • Wie lernte die blinde und gehörlose Helen Keller im späten 19. Jahrhundert, mit der Außenwelt zu sprechen? Ein Bio-Roman, sehr literarisch, plastisch und ohne Überheblichkeit erzählt.
  • August 2014 bei Beltz & Gelberg [Neuauflage, Original von 2001]; mehr zur Autorin.
  • 200 Seiten. [Goodreads]

Alles Sehen kommt von der Seele: Die außergewöhnliche Lebensgeschichte der Helen Keller

19: JORDAN SONNENBLICK, “Die total irre Geschichte mit der Gitarre meines Vaters und allem, was danach kam – obwohl sie mir keiner auch nur ansatzweise glauben wird.” / “Are you experienced?”

  • Spaßiger Mainstream-Jungsroman über einen Altrocker-Vater, seine Jimi-Hendrix-Gitarre…. und Rich, der plötzlich im Jahr 1969 aufwacht, in Woodstock. Und seine Familien-Vorgeschichte mit ganzen neuen Augen erlebt.
  • 24. April 2015 bei Carlsen; Original: USA 2013.
  • 304 Seiten. [Goodreads]

Are You Experienced?

20: NON PRATT, “Fuck You, Leben!” / “Trouble”

  • Hannah ist 15 und schwanger. Niemand darf erfahren, wer der Vater ist. Doch Aaron, ein Mitschüler, freundet sich mit ihr an.
  • Dezember 2014 bei dtv; Original: UK 2014.
  • 420 Seiten. [Goodreads]

Fuck You Leben!

BONUS: KATRIN BONGARD, “Subway Sound”

  • Livia zieht nach Berlin und trifft einen Jungen, der auf der Straße lebt.
  • März 2013, bei PINK!; mehr zur Autorin.
  • 208 Seiten. [Goodreads]

Subway Sound

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Die besten Romane 2015: Entdeckungen

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Einmal pro Monat stelle ich ca. 20 unbekannte oder neue Bücher vor.

heute: aktuelle Romane, neu auf Deutsch.

Literatur seit Anfang 2015 – angelesen, gemocht und vorgemerkt:

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01: CHIGOZIE OBIOMA, “Der dunkle Fluss” / “The Fishermen”

  • Nigeria: Als ihr Vater plötzlich verschwindet, wollen zwei Brüder vom Fischfang leben.
  • Literarischer Thriller aus Sicht eines Neunjährigen.
  • 313 Seiten, 13. Februar 2015, Aufbau Verlag [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Der dunkle Fluss

02: JAN HIMMELFARB, “Sterndeutung”

  • Arthur Segal, Jude und Überlebender des Holocaust, lebt als Autohändler in der Ukraine: Anfang der 90er Jahre blickt er zurück auf sein Leben.
  • 394 Seiten, 19. Januar 2015, C.H. Beck [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Sterndeutung

03: MARIA SEMPLE, “Wo steckst du, Bernadette?” / “Where did you go, Bernadette?”

  • Satrischer, überraschender, warmherziger und mutig konstruierter Familienroman zwischen David Foster Wallaces “Unendlicher Spaß” und… “Gilmore Girls”.
  • 384 Seiten, 12. Januar 2015, btb [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Wo steckst du, Bernadette?

04: MICHAEL FEHR, “Simeliberg”

  • Literarische Adaption eines Grimm-Märchens als Schweizer Hinterwäldler-Noir-Thriller in Versen und Mundart. (Wow.)
  • 144 Seiten, Februar 2015, Der gesunde Menschenverstand [Amazon | Leseprobe | Goodreads]

Simeliberg

05: PAMELA ERENS, “Die Unberührten” / “The Virgins”

  • Ein Mädchen und ihr Freund… beobachtet, manipuliert und beneidet von einem linkischen Mitschüler:
  • 297 Seiten, 19. Januar, C.H. Beck [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Die Unberührten

06: TERÉZIA MORA, “nicht sterben”

  • Poetikvorlesungen einer meiner deutschsprachigen Lieblingsautorinnen.
  • 160 Seiten, 23. Februar 2015, Luchthand [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Nicht sterben

07: MATTHEW THOMAS, “Wir sind nicht wir” / “We are not ourselves”

  • Roman über eine irische Familie in Queens, von den 1940ern bis ins Jahr 2000.
  • Jonathan Franzens “Die Korrekturen” in… nett / harmloser.
  • 896 Seiten, 16. Februar 2015, Berlin Verlag [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Wir sind nicht wir

08: FAVEL PARRETT: “Der Himmel über uns” / “When the Night Comes”

  • Atmosphärischer Mainstream-Roman über ein junges Mädchen in Hobart, Tasmanien, das sich mit einem Seefahrer befreundet.
  • (..die früheren Bücher Parretts haben noch bessere Kritiken.)
  • 220 Seiten, 14. Februar 2015, Hoffmann und Campe [Amazon | Ocelot | Goodreads]

When the Night Comes

09: TILMAN STRASSER, “Hasenmeister”

  • Ein Musikschüler und Geigenvirtuose schließt sich in der Übezelle ein und flüchtet vor der Welt und seiner Exfreundin.
  • Leseprobe hier (Link)
  • 240 Seiten, 23. Februar 2015, Salis Verlag [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Hasenmeister

10: NICOLAS BREUEL, “Schlossplatz, Berlin”

  • Ein nervöser, naiver (?) Bundestagsabgeordneter denkt während einer Zwangspause an der Nordsee neu über seine Ziele und Werte nach.
  • 280 Seiten, 1. März 2015, dtv [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Schlossplatz, Berlin

11: MARC DEGENS, “Fuckin’ Sushi”

  • Coming of Age in Bonn: eine Schülerband schafft den Durchbruch. Zu welchem Preis?
  • 320 Seiten, 18. Februar 2015, Galiani [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Fuckin Sushi

12: LINUS REICHLIN, “In einem anderen Leben”

  • Ein Kunstfälscher in Berlin trifft auf die Jahrzehnte alten Lebenslügen seiner Eltern und seiner Jugend. Dick aufgetragen – aber sympathisch.
  • 384 Seiten, 29. Januar 2015, Galiani [Amazon | Ocelot | Goodreads]

In einem anderen Leben

13: DIETMAR SOUS, “Roxy”

  • Außenseiter- und Schulversagerroman über die 70er Jahre. Trotz plattem Buchcover und Klappentext recht smart und schwungvoll.
  • 144 Seiten, 13. Februar 2015, Transit [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Roxy

14: TEJU COLE, “Jeder Tag gehört dem Dieb” / “Every Day is for the Thief”

  • Teju Cole, geboren 1975 als Sohn nigerianischer Einwanderer, reist von den USA aus zurück nach Nigeria, portraitiert und fotografiert dort Menschen und Orte.
  • 176 Seiten, 2. Februar 2015, Hanser Berlin [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Jeder Tag gehört dem Dieb

15: XIFAN YANG, “Als die Karpfen fliegen lernten: China am Beispiel meiner Familie”

  • Xifan Yang, in Deutschland aufgewachsen, schreibt über ihre Eltern und Großeltern.
  • 335 Seiten, 23. Februar 2015, Hanser Berlin [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Als die Karpfen fliegen lernten: China am Beispiel meiner Familie

16: BRENDAN I. KOERNER, “Der Himmel ist unser. Liebe und Terror im Goldenen Zeitalter der Flugzeugentführungen” / “The Skies belong to us: Love and Terror in the Golden Age of Hijacking”

  • US-Sachbuch: eine kleine Kulturgeschichte der Flugzeugentführung von 1968 bis 73.
  • 320 Seiten, 1. März 2015, Verlag André Thiele [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Der Himmel ist unser: Liebe und Terror im Goldenen Zeitalter der Flugzeugentführungen

17: DANIEL JAMES BROWN, “Das Wunder von Berlin: Wie neun Ruderer die Nazis in die Knie zwangen” / “The Boys in the Boat: Nine Americans and their epic Quest for Gold at the 1936 Berlin Olympics”

  • US-Sachbuch: der Olympiasieg des amerikanischen Ruder-Teams und der komplexe, toll recherchierte historische Rahmen.
  • 520 Seiten, 20. April, Riemann Verlag [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Das Wunder von Berlin: Wie neun Ruderer die Nazis in die Knie zwangen

18: BARBARA HONIGMANN, “Chronik meiner Straße”

Chronik meiner Straße

19: BENJAMIN PERCY, “Jemand wird dafür bezahlen müssen” / “Refresh, Refresh”

  • Short Stories aus Oregon. Provinziell, dunkel… vielleicht zu konventionell?
  • 320 Seiten, 23. März 2015, Luchterhand [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Jemand wird dafür bezahlen müssen: Stories

20: LÁSZLÓ KRASZNAHORKAI, “Die Welt voran”

  • Kurzgeschichten, Sprachexperimente, Verwirrspiele: experimentelle Prosastücke des ungarischen Avantgarde-Erzählers.
  • 416 Seiten, 19. Februar 2015, S. Fischer [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Die Welt voran

21: AYELET GUNDAR-GOSHEN, “Löwen wecken”

  • Ein israelischer Neurochirurg überfährt einen illegalen Arbeiter aus Eritrea und begeht Fahrerflucht. Am nächsten Tag erpresst ihn die Witwe: Er soll Flüchtlinge versorgen und behandeln, in einem Camp.
  • 432 Seiten, 1. Februar 2015, Kein & Aber [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Löwen wecken

22: KENNETH BONERT, “Der Löwensucher” / “The Lion Seeker”

  • Südafrika in den 30er Jahren: ein junger Jude als Litauen und die Geheimnisse und Verfehlungen seiner Familie.
  • 800 Seiten, 25. März 2015, Diogenes [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Der Löwensucher

23: SANDRA GUGIC, “Astronauten”

  • Stadtgeschichten, Einsamkeit, lose verknüpfte Alltagsaufnahmen.
  • 208 Seiten, 21. Januar 2015, C.H. Beck [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Astronauten

24: AMBER DERMONT, “In guten Kreisen” / “The Starboard Sea”

  • Unterhaltungsroman über Privatschul-Schnösel in den 60er Jahren, Gruppenzwang, Klassismus und vertuschte Verbrechen.
  • 444 Seiten, 10. Februar 2015, mare [Amazon | Ocelot | Goodreads]

In guten Kreisen

25: SIFISO MZOBE, “Young Blood”

  • Young-Adult-Literatur aus Südafrika: ein junger schwarzer Schulabbrecher wird zum Kriminellen.
  • 274 Seiten, 16. Februar 2015, Peter Hammer [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Young Blood

26: TOM DRURY, “Das stille Land” / “The driftless Area”

  • Eine Affäre in der Provinz, eine allein lebende Nachbarin und eine Kette aus Zufällen… oder geheimen Plänen?
  • 216 Seiten, 31. Januar 2015, Klett-Cotta [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Das stille Land

27: JOHN WILLIAMS, “Butcher’s Crossing”

Butcher's Crossing

28: ARNO GEIGER, “Selbstportrait mit Flusspferd”

  • Nach einer Trennung verbringt ein Veterinärsstudent einen Sommer mit der Pflege eines Zwergflusspferdes. Schönes Sommerbuch? Oder Kitsch?
  • 288 Seiten, 2. Februar 2015, Hanser [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Selbstporträt mit Flusspferd

29: DAGNY GIOULAMI, “Alle Geschichten, die ich kenne”

  • Schrulliger, leichter Südosteuropa-Roman über eine junge Frau aus Zürich, die spontan nach Griechenland reist.
  • 160 Seiten, Februar 2015, weissbooks [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Alle Geschichten, die ich kenne: Roman

30: SIBYLLE KNAUSS, “Das Liebesgedächtnis”

  • Eine Schriftstellerin wird im Alter dement… und schreibt gegen den eigenen Verfall an.
  • 192 Seiten, 9. Februar 2015, Verlag Klöpfer & Meyer [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Das Liebesgedächtnis

31: MIKLÓS BÁNFFY, “In Stücke gerissen” (US-Titel: “They were divided”)

In Stücke gerissen

32: MICHÉLE BERNSTEIN, “Alle Pferde des Königs”

  • Hipster-Literatur, im Original erschienen 1960:
  • Bernstein, eine junge Situationistin, parodiert den psychologischen Roman Frankreichs so geschickt und erfolreich, dass ihr (ironisches?) Buch als großer Jugend- und Beziehungsroman gefeiert wird.
  • 128 Seiten, 25. Februar 2015, Edition Nautilus [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Alle Pferde des Königs

33: PÉTER ESTERHÁZY, “Indirekt”

  • Literatur mit Links: Aus vielen literarischen Zitaten und eigener Handlung colaggiert Esterházy ein kurzes, charmantes erzählerisches Spiel.
  • 176 Seiten, 19. Januar 2015, Berlin Verlag [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Indirekt

34: SIRI HUSTVEDT, “Die gleißende Welt” / “The Blazing World”

  • New-York-Roman über eine Künstlerin, die ihre Arbeit hinter drei Männernamen versteckt, um Sexismus zu entgehen.
  • 512 Seiten, 24. April, Rowohlt [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Die gleißende Welt

35: KAREN JOY FOWLER, “Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke” / “We are all completely besides ourselves”

  • überraschender Familienroman über ein altes Trauma… und Forschung an Menschenaffen.
  • 368 Seiten, 11. Mai 2015, Manhattan [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke

36: SEMJON VOLKOV, “Idiotenbus”

  • der Alltag eines jungen Mannes mit geistiger Behinderung in einer Werkstatt.
  • Rollenprosa, ein bisschen gewollt-drollig / lesebühnenhaft.
  • 200 Seiten, 12. Januar 2015, Verlag tredition [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Idiotenbus

37: FLORIAN GANTNER, “Trockenschwimmer”

  • Ein junger, melancholischer Versager in Österreich blickt zurück auf seine Alltags-Niederlagen… und ein (kleines) Verbrechen.
  • 192 Seiten, 12. Februar 2015, Edition Laurin [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Trockenschwimmer

38: RICHARD McGUIRE, “Hier” / “Here”

  • der selbe Bildausschnitt, immer neu über ganze Epochen hinweg gezeigt:
  • Graphic Novel über Zeit und Wandel.
  • 300 Seiten, 10. Dezember 2014, Dumont [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Hier

39: MILJENKO JERGOVIC, “Vater”

  • autobiografisches Essay: der bosnische Schriftsteller erinnert sich an den Tod seines Vaters und ihr schwieriges Verhältnis.
  • 208 Seiten, 3. Februar 2015, Schöffling [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Vater

40: DASA DRNDIC, “Sonnenschein”

  • Kroatien im zweiten Weltkrieg: ein selbstbewusster, doch oft recht eitler und creative-writing-hafter Roman über eine jüdische Familie.
  • 400 Seiten, 14. Februar 2015, Hoffmann und Campe [Amazon | Ocelot | Goodreads]

Sonnenschein

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Japanliteratur: Die besten Bücher aus und über Japan

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Einmal pro Monat stelle ich 20 unbekannte oder neue Bücher vor.

heute: Bücher aus und über Japan.

viele davon gefunden bei “Japanliteratur.net”, einer übersichtlichen, toll gestalteten, sehr gut informierten Magazin von Friederike Krempin.

20 Titel – angelesen, gemocht und vorgemerkt:

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01: SAIICHI MARUYA, “Die Journalistin” / “A Mature Woman” 

Die Journalistin

02: MORIO KITA, “In Nacht und Nebel”

Lidé z rodu Nire

03: TERU MIYAMOTO, “Kinshu: Autumn Brocade”

  • 208 Seiten, 1982.
  • Briefroman über ein Ex-Liebespaar, das sich zehn Jahre später in einem Onsen in den Bergen wiedersieht.

Kinshu: Autumn Brocade

04: MINATO KANAE, “Confessions”

  • 240 Seiten, 2007.
  • Rezension bei Japanliteratur.net (Link)
  • Monolog einer Lehrerin und Mutter, die der Schulklasse, die sie unterrichtet, die Schuld am Tod ihrer Tochter gibt und sich an den Kindern rächen will. Etwas trashiger (?), aber mitreißender Thriller.

Confessions

05: YUKIO MISHIMA, “Runaway Horses”

Runaway Horses

06: HIROMI KAWAKIMI, “The Briefcase” / “Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß”

The Briefcase

07: NATSUKI IKEZAWA, “A Burden of Flowers” / “Schwere Blumen”

A Burden of Flowers (Kan Yamaguchi Series)

08: ALAN BOOTH, “Looking for the Lost: Journeys through a vanishing Japan”

  • 340 Seiten, 1995.
  • Um Noh-Theater zu lernen, zieht Booth mit 24 nach Japan. Er bleibt 33 Jahre lang, bis zu seinem Tod – und schreibt hier über seine Wanderungen und Reisen durch die japanische Provinz.

Looking for the Lost: Journeys Through a Vanishing Japan

09: OSAMU DAZAI, “The Setting Sun”

  • 175 Seiten, 1947.
  • Als ihre verwitwete Mutter krank wird, muss eine unverheiratete Frau mit ihr aufs Land ziehen: Nachkriegsroman über soziale Kälte und Abstieg.

The Setting Sun

10: MAXENCE FERMIN, “Snow”

  • 112 Seiten, 1999.
  • verknappter, poetischer Roman über einen jungen Haiku-Autor im 19. Jahrhundert, seinen blinden Lehrer und eine Hochseilartistin aus Frankreich, in die er sich verliebt. Könnte schlimmer Kitsch sein – aber stilistisch macht es Spaß.

Snow

11: YASUNARI KAWABATA, “First Snow on Fuji”

Beauty and Sadness

12: FLORENT CHAVOUET, “Tokyo on Foot. Travels in the City’s most colorful Neighborhoods”

  • 206 Seiten, 2009
  • Reisebericht, Visual Guide, Graphic Novel, illustriertes Geschenkbuch: ein harmloser, aber wunderschöner Reiseratgeber von einem Illustrator, der mehrere Bücher zu beliebten Reiseziele in Japan macht(e).

Tokyo on Foot: Travels in the City's Most Colorful Neighborhoods

13: SAWAKO ARIYOSHI, “The River Ki”

  • 243 Seiten, 1959.
  • drei Generationen von Frauen, vom Ende der Edo-Zeit bis zum zweiten Weltkrieg, und ihr Leben an einem Fluss in der Provinz.
  • von der selben Autorin angelesen und gemocht (wirkt aber etwas didaktisch und Biopic-artig): “The Doctor’s Wife” (1978)

The River Ki

14: SHUSAKO ENDO, “The Sea and Poison”

The Sea and Poison

15: EIJI YOSHIKAWA, “Musashi”

  • 970 Seiten, 1935
  • historischer Schmöker über einen Schwertkämpfer, Samurai und Feldherrn im 17. Jahrhundert: viele dieser Bücher sind schleppend – besonders in der Übersetzung. Dieses hier hat mich schnell gepackt.
  • ähnliche Mainstream-Titel, angelesen und gemocht: “Shogun” (James Clavell, 1975), “Hiroshima” (John Hersey, 1946)

Musashi

16: BEATE SIROTA GORDEN, “The only Woman in the Room: A Memoir of Japan, Human Rights and the Arts”

  • 176 Seiten, 1998
  • Beate, Tochter russischer Juden, hilft direkt nach dem 2. Weltkrieg beim Aufsetzen der japanischen Verfassung: ruppige, etwas überdrehte Lebenserinnerungen einer streitbaren und selbstbewussten Frau.

The Only Woman in the Room: A Memoir of Japan, Human Rights, and the Arts

17: NATSUME SOSEKI, “And then”

  • 248 Seiten, 1909
  • Ein junger Idealist wird immer tiefer ins Leben seines besten Freundes und dessen labiler Frau gezogen.
  • Klassiker vom selben Autor: “Kokoro” (1914)

And Then

18: SAYO MASUDA, “Autobiography of a Geisha”

  • 185 Seiten, 2003.
  • Rezension auf Japanliteratur.net (Link)
  • abseits vom Arthur-Golden-Kitsch erzählt eine Geisha von ärmlichen, schwierigen und verstörenden Jahren in der Provinz.

Autobiography of a Geisha

19: YASUSHI INOUE, “Die Eiswand”

  • 415 Seiten, 1956
  • Zwei Freunde und Bergsteiger-Rivalen kämpfen um die selbe Frau.
  • Ich liebe Inoues “Meine Mutter” und empfehle es oft. Niemand in meinem Freundeskreis kann viel damit anfangen. Freundin L. nahm es mit in den Strandurlaub und sagte danach: “Ich war gelangweilt. Aber meine 80jährige Oma fand es, glaube ich, nicht schlecht.”
  • andere Titel von ihm, die ich angelesen habe und mochte: “Schwarze Flut”, “Bullfight”, “Amore” (1950)

Die Eiswand

20: HIKARU OKUIZUMI, “Das Gedächtnis der Steine”

  • 158 Seiten, 2000 oder früher (hier der Amazon-Link)
  • Rezension auf Japanliteratur.net (Link)
  • Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, nach dem Tod seines Sohnes, stellt sich ein inzwischen Erwachsener Familienvater seiner Kriegstraumata und verdrängten Ängsten.

japanliteratur stefan mesch

Klassiker, angelesen und gemocht:

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Nip the Buds, Shoot the KidsmThe Makioka SistersYabu No Naka The Chrysanthemum and the Sword: Patterns of Japanese CulturemTattoo Murder Case

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Expat- und US-Literatur, angelesen und gemocht:

The Japan Journals: 1947-2004m Lost Japanm36 Views of Mount Fuji: On Finding Myself in JapanmMy Year of MeatsmTokyo Fiancée

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sympathische Unterhaltungsromane:

The Yokota Officers ClubmWarten auf die SonnemWingshootersmSchnee im AprilmAll She Was Worth

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underdog literature october 2014

gelesen – und sehr gemocht:

Ich habe alle Haruki-Murakami-Bücher gelesen… und empfehle besonders (in absteigender Reihenfolge):

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fünf Manga, denen ich das größte denkbare Publikum wünsche:

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fünf Japan-Romane, die ich empfehle:

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