“Westworld”: Empfehlung & Kritik

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Vom 7. bis 12. Dezember 2016 sehe ich die erste Staffel von “Westworld”…

…und werde zu jeder Episode kurze Ideen, Anmerkungen, Fragen bloggen. Ich bin Kulturjournalist und schreibe meist über Literatur. Doch ich liebe gute Serien (Favoriten: “Six Feet Under”, “Willkommen im Leben”, “Mad Men”, “Girls”, “Neon Genesis Evangelion”) und blogge hin und wieder ausführlich über Serien und Filme, z.B.

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Über “Westworld” – Michael Crichtons Drehbuch/Grundidee, den Film von 1973 und Staffel 1 der HBO-Serie von 2016 – spreche ich auch am 15. Dezember auf Deutschlandradio Kultur, im Magazin “Lesart”.

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Links zur Serie:

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1_01: Solide Kulissen, tolle Landschaften, ruhige und übersichtliche Kamerafahrten, grandiose Lichtstimmung! Ich fühle mich in dieser Erzählwelt wohl. Nur der “Kampfstern Galactica”-Look hinter den Kulissen stört: Seit über 20 Jahren sehen futuristische Anlagen fast immer gleich aus. Wollen (oft kreative) Mitarbeiter*innen so arbeiten – in dunklen, sterilen, monotonen Labors? Und müssen die Lagerräume und Sublevels immer aussehen wie in “The Pretender” oder Michael Crichtons “Coma”: super-creepy?

1_02: Die Hosts sind mir bisher, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sympathisch. Doch Tonfall und Stimmung in der Zentrale machen mich kirre: Zu viele fluchende, paranoide, grundlos gehässige Kollegenschweine, die aufeinander einhacken. Ich denke a) an “unReal”, eine Soap über gnadenlose, bitchy Produzent*innen eines Reality-Formats, aber b) auch an die vielen Berichte über den Stolz, Perfektionismus und die übertrieben gute Stimmung der Menschen, die Disney-Parks betreiben: “Imagineers”. Im “Westworld”-Team wird mir der Conflict Ball zu hart, hämisch geworfen. Jeder sägt am Ast von jedem anderen? Das wird schnell unfreiwillig komisch.

1_03: Mich freut, dass der einzige Mensch, bei dem Libido, Begehren, Sexualität wichtig sind, queer oder lesbisch sein könnte: Elsie (Shannon Woodward). Und ich mag, wie gemütvoll und versponnen Bernard denkt, arbeitet, reagiert. Ich kann mir vorstellen, dass er der größte Sympathieträger wird. Oder, interessanter: für immer mehr Schwierigkeiten sorgt, Menschen in Gefahr bringt.

1_04: Shakespeare-Zitate? Uff. Immerhin: Mal sehen, ob Gertrude Stein zitiert wird/wichtig bleibt, und, ob “Westworld”-Fans deren Bücher durchsuchen. Trotzdem ist mir das drei Nummern zu… gravitätisch. Bei “Lost” nervte mich schnell, wie sicher sich vor allem die beiden alten Männer Locke und Ben sind, Hauptfiguren in einem großen, metaphysischen Spiel zu sein. Anthony Hopkins (als Robert Ford) und Ed Harris (als Gunslinger) raunen, schmunzeln, spielen, monologisieren im selben Stil… und gehen mir schon im Pilotfilm auf die Nerven: Ich weiß nicht, wieso Harris glaubt, es gäbe ein tieferes Level, eine versteckte Spielebene. Ich weiß nicht, wieso Hopkins nur darauf wartet, dass die Hosts ihre Schöpfer überflügeln. Doch ich fände schöner, klüger, subversiver, falls die beiden Männer nicht Recht hätten, und ihr metaphysisches Gewäsch… Gewäsch bleibt. (Schön an Harris: In echten Bezahl-Spielen sind reiche Geldgeber, “Walfische”, sehr wichtig – und ich glaube, über das Entitlement und die Illusionen von alten Männern, die viel Geld ausgeben, um in einem Spiel zu Göttern zu werden, kann man interessante(re) Geschichten erzählen. Toller Text z.B. über den Spiele- “Walfisch” Stephen Barnes.)

1_05: Mir scheint, das Hinter-den-Kulissen-Team hat bisher ein, zwei Figuren mehr als nötig. Muss jemand sterben oder gehen? Wer sind die Cylons, Maulwürfe, Betrüger? #balance

1_06: Wie lange dauert ein Narrative Loop, ein Erzähl-Durchgang im Park? Im Pilotfilm sah es aus wie ein Tag – doch die meisten Besucher*innen sind, denke ich, viel länger zu Besuch, und gute Storylines brauchen viel mehr Zeit. Wer räumt auf, wäscht die Kostüme, repariert die Kulissen? Und: Wann? Müssen Besucher*innen z.B. nachts für ein paar Stunden bestimmte Sets verlassen? Oder wird immer nur am Ende jedes Loops geputzt?

1_07: Wer genug Geld hat, um sich von anderen tagelang bedienen zu lassen, ist oft grausam, distanziert oder überraschend ordinär. Mir gefällt, dass das Produktionsteam Westworld als einen Ort beschreibt, in dem reiche Menschen Indianer töten wollen – weil das viel über Feindbilder sagt, Klassenkampf, Rassismen, Klischees. Ich wünsche mir viel mehr Szenen mit Besuchern: Was wollen sie kompensieren? Funktioniert die Illusion, für sie? Sobald im echten Leben Leute erzählen, warum sie MMORPGs spielen, in Disney-Parks reisen, Kreuzfahrten buchen, lassen ihre Gründe tief blicken. Mehr davon hier, bitte: Wie banal, wie rassistisch, wie plump muss der Park sein, damit Menschen dort gern ihr Geld lassen? Bisher z.B. scheinen mir die Gangster/bösen Hosts flach, schlecht geschrieben – was aber zu meiner Befürchtung passt: Ich halte Lee Sizemore (der Brite, der einfallslos flucht und die Storyline der Hosts entwarf) für einen Stümper. Und ich glaube, die Zielgruppe des Parks will eine eher flache Geschichte.

1_08: Dolores ist programmiert, um keiner Fliege etwas zuleide zu tun. Sie tötet die Fliege – und der Pilotfilm endet. Freund M.: “Das hätte nebenher gezeigt werden müssen, in einer beiläufigen Geste. Nicht als finaler Schock. Die Serie erzählt zu langsam, plump.”

1_09: Ich denke an Liverollenspiele – in denen sich Spieler*innen treffen und gemeinsam verabreden, eine Illusion aufrecht zu halten – und wünsche mir, dass a) mehr Besucher*innen die Illusion des Parks als Herausforderung verstehen, daran rütteln, die Roboter und Erzählmechaniken bewusst trollen, sich verhalten wie in einem Luzidtraum; und b) die Serie selbst zeigt, wo die Park-Illusion an ihre Grenzen gerät und, ob extreme Nähe zur Wirklichkeit gut für den Spielspaß ist… oder eben: gerade nicht. Dass im Saloon “Paint it black” von den Rolling Stones läuft, halte ich für ein gutes Zeichen: Den Machern des Parks ging es offenbar nicht darum, Geschichte (History) nachzubauen… sondern um eine möglichst mitreißende Oberfläche, Spielmechanik. Grundsätzlich also: Alles, was bisher zu schmuddelig, düster, hart war, um in den Holodeck-Episoden von “Star Trek” thematisiert zu werden? Hier ist Platz! Bitte erzählen, bitte hinterfragen!

1_10: Der Vorspann langweilt mich schon beim ersten Ansehen. Es gibt kaum HBO-Intros, die ich gern mehrmals sehe (vielleicht “Game of Thrones”, weil je nach Episode neue, andere Locations gezeigt werden; vielleicht “True Blood”, wegen Sound/Tempo/Dynamik). Doch bei “Westworld” denke ich an “Six Feet Under”, 2001: Wenn man bei HBO lange Intros noch heute wichtig/sinnvoll findet… will ich bitte etwas sehen, das ich nicht bereits 2001 sah. (Aber: Das sind 3D-Drucker, oder? Ich bin gespannt, ob die Serie noch etwas Interessantes/mir Neues zeigen wird, über z.B. das Drucken von Fleisch und Fasern.)

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2_01: Zu viele Serien starten mit einem Neuankömmling und seinen ersten Schritten durch ein ihm fremdes System. Im Pilotfilm erschien Teddy kurz als so eine Figur – ein Gast, unterwegs zu einem weiteren Urlaub mit Dolores? Mich freut, dass Folge 1 dann anders verlief… doch Folge 2 trotzdem zeigt, wie neue Besucher – William und Logan – den Park erleben. Auch Maeve (Thandie Newton) hatte im Pilotfilm kaum Raum. Gut, dass offenbar nicht jede Folge vor allem um Dolores, Ford, Bernard kreisen wird.

2_02: Ich bin gesichtsblind – aber kann Figuren hier recht gut unterscheiden, durch Kostüme und die Trennung Park/Zentrale. Ein kleineres Problem sind Stimmen: Spricht Bernard mit Dolores – oder hört sie auch Fragen von Ford? Ich brauche noch Zeit, um das treffsicher zu unterscheiden. Den nackten Teddy im Säuberungs-Glaskasten erkannte ich nicht. Die Köpfe in Fords Büro sagen mir so wenig wie die Halle der Gesichter bei “Game of Thrones”. Und ein Problem für mich als Deutscher: “Fackeln im Sturm” ist lange her. Jedes US-Kind erkennt eine Konföderierten-Uniform; weiß wohl bereits, welches Jahrzehnt der Park nachbildet, wie Mexikaner, Schwarze, Nord-, Südstaatler und Native Americans hier zu- und gegeneinander stehen. Ich weiß es nicht.

2_03: Weniger Panorama- und Luftaufnahmen: In Folge 2 wirkt alles enger, etwas billiger inszeniert. Doch ich bin froh um den modernen Shuttle-Bahnhof, und habe hoffentlich bald ein wenig Überblick, wie die (grundlos düstere) Zentrale aufgebaut ist.

2_04: Ich mag, wie viele Handlungsstränge parallel ablaufen. Aber wünschte, alles würde sich schneller, interessanter überschneiden. Meist haben Serien drei Stränge pro Episode. Ab vier parallelen Storylines wird es oft etwas träge. “Westworld” bleibt langsam, einfach, eher schlicht erzählt – doch durch die sechs, sieben Stränge hatte ich angenehm viel zu denken. Mein Partner hätte Park und Zentrale dagegen lieber kennen gelernt, indem pro Folge nur eine Figur genau verfolgt wird: ein Host, ein Gast, eine Mitarbeiterin wie Elsie, dann Bernard oder Ford… doch mir gefallen die schnellen Brüche, Abwechslungen, Kontraste. Aber: Serien mit vielen Strängen haben oft besondere Episoden, in denen von Anfang an oder plötzlich, mittendrin nur noch eine einzelne Figur ins Zentrum tritt. Deshalb: Bleibt die Struktur? Wirklich in jeder Folge?

2_05: Bei Maeves Flucht durch die Zentrale dachte ich erneut an Michael Crichtons “Coma”. Body Horror (Körper, mit denen etwas *überhaupt* nicht stimmt) und Rape Culture (Frauen als Objekt, Sex als Machtspiel) sind in fast jeder Szene Thema (wie in vielen HBO-Serien, durchgängig) – doch bisher sehe ich nicht, dass “Westworld” daraus interessante Fragen zieht: Stumpfe ich ab, wenn alle 15 Minuten eine Frau/Maschine/Puppe vergewaltigt wird? Der ganze Park scheint auf Mord, sexuelle Gewalt, “Hier darfst du mit Unterlegenen, die sich nicht wehren können, ohne Angst vor Strafe alles tun”-Versprechen zu setzen: ein recht simples Menschen-, Kunden-, Spieler-Bild? Gibt es NUR Gäste, die Westworld als Western-GTA-Sandbox genießen – und keinen, der das sinn- oder trostlos findet? Und: Wird jetzt zehn Folgen lang einfach nur Tabus verletzt, Verkommenheit gezeigt? Gibt es z.B. Kinder-Roboter, die für Sex bereit stehen? (Nebenbei: Trotz so vieler geschundener, manipulierter Körper wird bisher nichts über Behinderung erzählt.)

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3_01: Online-Freund Gabriel Yoran las meine Fragen zu Folge 1. Und fragte, warum ich nicht auch z.B. nach dem narrativen Raum frage: “Wo ist da eigentlich was?” Jetzt, während Folge 3, überlegte ich tatsächlich dauernd: Wie werden die Hosts – z.B. Dolores für ihre vielen Verhöre – hinter die Kulissen transportiert? Warum brauchen Elsie und Stubbs Stunden, um den verirrten Host zu finden? Ist die Zentrale so schlecht überwacht, dass Maeve minutenlang flüchten kann – ohne, dass Sensoren Alarm schlagen? Sobald sich alles weiter zuspitzt, werden wir bestimmt auch Hubschrauber, Hovercrafts, absurde Technik mitten im Park sehen – dramatische Anachronismen. Und was liegt außerhalb der Anlage? Wann spielt das? Bernard führt einen simplen Video-Chat mit seiner (Ex-)Frau – aber sagt (lügt? witzelt?): “You know how hard it is to get an open line out here.” Wir wissen nichts über die Welt jenseits des Parks – und solche Auslassungen sollen, denke ich, späte Überraschungen, Schockeffekte, möglich machen. Doch ich würde lieber jetzt schon sehen, wie sich Park, Zentrale und Außenwelt/politische Gegenwart gegenseitig bedingen.

3_02: Dolores’ Kleid, Frisur, Haarfarbe: Alice im Wunderland. Ford lässt sie holen – und sie ist nackt. Bernard lässt sie holen – und sie bleibt angezogen. Ich mag diese Verhöre/Diskussionen (und bin meist überrascht, wie lange solche Szenen dauern, ohne, langweilig zu werden), doch ich habe Angst, dass eine menschliche Figur unsterblich werden wollte/sollte, und jetzt als Virus in den Hosts steckt: Arnold? Oder Charlie, Bernards toter Sohn?

3_03: Schön, wie schnell “Westworld” Leitmotive, Arc Words, Grundfragen und Gegensatzpaare etabliert. Sprechende Ortsnamen – Escalanto, Pariah, Sweetwater, die “Ghost Nation”. Wiederkehrende Sätze wie “There’s a path for everyone” oder “Not much of a rind on you” (Body Horror!). Ich mag, dass übers Träumen gesprochen wird, doch überraschend selten übers Spielen oder über Schuld/Unschuld oder über Kunst/Künstlichkeit – als Gegenteil zu Natur/Natürlichkeit. Ich mag, dass Ford eine Pyramide entwirft und die Spitze nicht kennt. Ich mag, dass das Labyrinth eine besonders interessante Mitte hat, doch der Park selbst nach außen hin komplexer, attraktiver, reicher wird… und, dass die Serie gern mit Kreisen arbeitet statt mit simpleren Modellen wie “oben vs. unten”, “innen vs. außen”, “hinten vs. vorne”. Beginnt jede einzelne Folge mit Dolores? [Spoiler: nö.] Und wiederholen sich bedeutungsschwangere Sätze nur, weil Menschen/Künstler den Hosts Skripte schrieben – oder gibt es (wie z.B. in “Lost”) auch Wiederholungen, die suggerieren: Das ganze Universum hat hier eine gewisse Symmetrie, Sinnhaftigkeit, höhere Ordnung – nicht bloß der künstliche Park? Mich würde freuen, wenn der Park voll literarischer Motivketten steckt – doch die Zentrale, die echte Welt gar nicht. #realismus #zufall

3_04: Zu viele Szenen im Park sind nur spannend, weil wir nicht wissen, wer Host ist, wer Besucher. Auch Dolores’ Pistole ist für mich interessant, weil unklar bleibt, ob sie damit auch Besucher verletzen kann. Der Ton in der Zentrale bleibt zickig, albern überspannt – und auch im Park wird ständig “Fuck” gesagt: Ich dachte, Besucher lassen sich erkennen, weil Menschen im 19. Jahrhundert anders fluchten. Doch für mich klingen alle gleich (…albern). Ein fauler Gast mault: “We should have done the Riverboat thing”, und dabei klingt “Riverboat Thing” wie eins der abgeschmacktesten, fadesten Angebote des Parks: Ich bin gespannt, ob wir diese Flussfahrt noch sehen, später in der Staffel. Überhaupt wünsche ich mir mehr Touristen, die alles behindern, aus der Rolle fallen oder scheitern. Mehr Theme-Park-Kritik und -Parodie-Momente!

3_05: Ist “Buffy” eine gut geschriebene Serie? Um das zu beantworten, achte ich lieber darauf, wie sorgfältig ein secondary character wie Cordelia gearbeitet ist – nicht Heldin Buffy selbst. Und: Ich bin RICHTIG glücklich, wenn auch noch tertiary characters wie Anya sorgfältige, liebevolle, intelligente Charakter-Momente haben. In “Westworld” schaue ich deshalb gern und genau auf tertiary characters wie Elsie, Stubbs, Clementine, vielleicht auch Teddy: dass Anthony Hopkins und Evan Rachel Wood hundert kluge Sätze sagen werden bis Folge 10, ist keine so große Autoren-Leistung. Bitte zeigt mir, dass besonders auch die Randfiguren keine Pappkameraden/Klischees sind! Ich mochte die Gespräche über die Rolle von Nebenfiguren, heute in Folge 3, und bin gespannt, ob es sich “Westworld” als Serie so leicht macht wie Sizemore als Autor und a) ein paar tragische doomed Sidekicks eingebaut hat und b) Frauenfiguren wie Maeve stärker und attraktiver machen will, indem die Autoren beschließen: “So. Aggression und Bitchiness um 20 Punkte erhöhen.”

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4_01: Folge 4 [Update: und 5, und alles aus 6 bis auf die lange Szene mit Maeve und Radioheads “Motion Picture Soundtrack”] ist für mich der trägste, schleppendste Teil der Serie – vor allem der Western-Stränge wegen: teuer inszeniert, aber mit flachen Hosts, simplen Abenteuer-Szenen, ohne besondere Spannung, Dringlichkeit. Die Erlebnisse von William/Logan und von Ed Harris’ Gunslinger wirken auf mich wie Sidequests, Holodeck-Zeitfüller. Bei Folge 4 wirkte Ed Brubaker, einer meiner Lieblings-Comic-Autoren (lesen, unbedingt: “The Fade Out”, 3 Bände), am Drehbuch mit. Doch für mich kippt die Serie hier von “unbedingt sehen!” zu “weniger frustrierend als ‘Lost’, ‘Kampfstern Galactica’, ’24’ – doch oft genauso halb-durchdacht, schleppend und blöd.” Oder, um Logan zu zitieren: “I don’t have time for this color-by-numbers bullshit.”

4_02: “You think the grief will make you smaller inside, like your heart will collapse in on itself, but it doesn’t. I feel spaces opening up inside of me like a building with rooms I’ve never explored.” Schönes Bild – und sympathisch, wie schnell Bernard fragt, wer solche Sätze geschrieben hat, mit welcher Absicht. Trotzdem: Bisher hat “Westworld” nichts besonders Kluges über Trauma, Verlust, Schmerz erzählt. Da muss mehr kommen! (Bitte auch zum Begriff “Freiheit”.)

4_03: Schade, dass Armistice – die Frau mit dem Schlangen-Tattoo, gespielt von Ingrid Bolso Berdal – ein Host zu sein scheint, keine Besucherin. Schade, dass wir überhaupt noch keine Besucherin länger im Park erlebten. Arnolds Schnitzeljagd zum/durchs Labyrinth wirkt bisher recht konventionell und langweilig, und mich verwirrt, dass Ford und die Parkleitung nichts über das Labyrinth-Symbol zu wissen scheinen.

4_04: Theresa wirkt steif, etwas humorlos (eine Sorte Frau, die Zuschauer meist ablehnen), und, in fast allen Gesprächen, überrumpelt und hilflos (eine Sorte Figur, von der Zuschauer meist sagen: “Wie sinnlos. Sie stört nur!”). Romantisch, dass Bernard ihr riet, die Arme nicht zu verschränken – doch etwas patronizing. Dramatisch, dass Dr. Ford sie auf der Hazienda bedrohte und einschüchterte – doch: super-patronizing. Ford wirkt cartoonhaft böse: Entweder, er ist übermächtig, kann alles kontrollieren, wissen (…bis runter zur Klapperschlange). Oder, er überschätzt sich, und die Figur ist – genau wie Sizemore – eine Kritik an Hochmut/Hybris. So oder so: Die Menschen der Zentrale werden greller, plumper, langweiliger, mit der Zeit. Nicht: interessanter.

4_05: Gehören alle Native Americans im Park zur “Ghost Nation”? Sind alle in Decken gehüllte Bankräuber, die Hector Escaton begleiten, Hosts? Hat Wyatt die Kontrolle über die als Büffel-Monster verkleideten Schlächter? Was tat Lawrence, um am Galgen zu enden? Bisher sind mir alle “bösen” Hosts zu eindimensional – und ich wünschte, es gäbe mehr Native Americans und mehr Besucher, die bei ihnen leben. (…was aber vielleicht daran liegt, dass in Deutschland Indianer fetischisiert werden. Ich glaube, vor allem Ostdeutsche würden tausendmal lieber einen “Der mit dem Wolf tanzt”-Freizeitpark besuchen, keinen Cowboy-Freizeitpark.)

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5_01: Mysteriöse Tiere nervten mich bei “Lost” – weil dort jedes Tier, das sich seltsam verhielt, die Frage nach einer höheren Instanz (übernatürlich) oder einem tieferen Sinn (statt Realismus: Literatur) aufwarf.   verhält, dort die Frage nach einer höheren Instanz aufwirft: Hundegeschichte [Update nach Folge 7: Hat Ford gelogen – und die Katze und/oder den Hund als Kind selbst getötet?] Vogel uff. Sinnhaftigkeit der Welt. Schwarz Weiß

5_02: Multiple Lawrences El Lazo Schwarm

5_03: Destin Veronica Mars. Männer sind Schweine. Dolls. Fuck Puppies. Arnold destroy = gegen Menschen? Sollen wir die Hosts sympathischer finden?

5_05:24 Töten. William doesn’t want to sexually engage with the hosts. How much of that is him being moral and how much of it is him being scared of his own desires? So ähnlich Dolores: Self-Aware Höhlengleichnis? Oder Kitsch-Heldin?Dass sie sich umzieht, gibt mir kein “Yeah! eminismus Strong female character”-Hochgefühl. War als höchstes der Gefühle? people come here to change the story of their lives. I imagined a story where I didn’t have to be the damsel.

Read more at: http://transcripts.foreverdreaming.org/viewtopic.php?f=738&t=29377Arnold Ford?

5_05: elegant gedankenpalast

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6_01: Psychologie, bitte. Stattdessen: Hosts haben Updates.

6_02: Fuck Shit 24 Agenda Wassertreten Creepy Sublevel Trottel die auf Bildschirme starren. Sizemore Showrunnter GoT It is like everybody around here has got some kind of f*cking agenda except for me.

6_03: Thandie Newton Emmy.

6_04: Die Parkleitung sieht zu wenig. Signale. Und: Logan mehrmals in Gefahr.

6_05: Rule of Three

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7_01: In fast jeder Szene von Folge 7 sprechen Figuren über ihre Sehnsüchte und/oder Vorgeschichte. Schlecht: Dr. Ford bleibt langweilig, wird eher noch eindimensionaler, von Folge zu Folge. Und Theresa hat weder Vorgeschichte noch Sehnsüchte. Bei Ford denke ich an Robert Loggias Rolle in einer meiner Lieblings-Serien, “Wild Palms” (6 Episoden, 1992), Senator Tony Kreutzer. An Dennis Hopper als Bowser im “Super Mario”-Kinofilm (1993). Und an mehrere – viel besser geschriebene – Walt-Disney-artige Theme-Park-Giganten in Naoki Urasawas Manga “Billy Bat”: Hopkins/Ford ist keine Katastrophe. Doch seine Mimik nervt, seine Handlungen wirken platt/eindimensional und seine philosophischen Fragen, Ideen scheinen mir immer zwei Levels weniger klug/verstörend, als sich die “Westworld”-Autoren das wohl vorstellten. #knappvorbei

7_02: Ein Meta-Problem einer solchen Sehnsuchts-und-Backstory-Folge… ausgerechnet in “Westworld”: Mir geht nahe, wie Maeve oder Dolores mit ihren Sinnkrisen, ontologischen Fragen, Bewusstseins-Problemen umgehen. Welche Haltung sie zur Welt, ihren Rollen und den anderen Menschen finden, nach einer traumatischen Vergangenheit, in einer verwirrenden Gegenwart – und: als ziemlich machtlose Frauen. Doch die recht flachen und schematischen Vorgeschichten von z.B. Ford (real) oder Bernard (gebaut/erfunden) oder auch Teddy (erst seicht-idealistisch, dann ebenso-seicht-zynisch) sind mir zu… Schema F und sentimental. Das ist wohl Absicht/Teil des Konzepts: Dass “Westworld” beim Effekte-Setzen immer auch demonstrieren will,wie leicht es sich viele Serien/Geschichten darin machen, Effekte zu setzen und Freudian Excuses für ihre Figuren zu zeigen. Aber: Zugleich die Idee “Serien sind voller Kitsch, weil Menschen Kitsch brauchen!” zu zeigen UND fünfmal pro Folge Kitsch zu liefern, in der Hoffnung, dass wir Zuschauer rufen “Hach. Wie traurig und bewegend!”… ist eine Gratwanderung, die, finde ich, der Serie zu oft missglückt.

7_03: 30 Jahre Nutzer- und Besucherdaten, die Delos aus dem Park schmuggeln will. Ich bin gespannt, was diese Daten so wichtig macht, wem der Park wirklich nützt (oder: nutzen sollte, gegen Fords Willen). Als Facebook-Nutzer im Jahr 2016 denke ich, klar, erstmal an Persönlichkeitsprofile und Targeting. Als jemand, der sich bei SciFi oft langweilt, denke ich erstmal an Supersoldaten und “Matrix”-artige Ideen wie falsche Erinnerungen. Insgesamt aber bin ich positiv überrascht, dass die Serie bisher nicht metaphysisch wurde: kein Roboter-Pinnocchio, der endlich ein echter Junge werden will, kein toter Charlie als Geist in der Maschine, keine Replacement Goldfishes und – trotz Maeves Storyline – auch keine KI, die sich als besserer, reinerer Mensch versteht oder nächste Stufe der Evolution. Alles, was bisher metaphysisch, kitschig, religiös hätte wirken können – Dolores’ “Erwachen”, Arnolds Spiel, Bernards Reveries – passierte nur, weil Programmierer das absichtlich so programmieren. Die Überraschungen bei “Westworld” war bisher nie: Maschinen überflügeln uns durch spontanes Eigenleben, Menschen waren Götter/Schöpfer, und jetzt sind ihre Schöpfungen selbst plötzlich überlegene Schüpfer. Sondern nur: Jemand hat etwas programmiert, und (zu) viele Leute wissen bisher nichts davon. Das freut und erleichtert mich sehr. #gottkitsch

7_04: Schön, dass Bernard im Krankenhaus das selbe Outfit trägt wie in der Zentrale. Fans, Schnellmerker sehen das und denken gleich: “Klar – eine gefälschte Erinnerung. Bernard ist ein Cylon!” – doch ich sah es nicht kommen. Ich weiß auch noch nicht, wie Staffel 1 endet. Theresas Tod? Überraschte und schüttelte mich ebenfalls – gute Arbeit! Nur, dass [Spoiler: William und der Gunslinger/Man in Black/Ed Harris identisch sind, weiß ich leider schon seit Folge 2 – weil ich Williams Namen googelte und sofort Schlagzeilen zum “Westworld”-Finale gezeigt bekam]. Ich bin träger, langsamer als viele Online-Nerds und freue mich, wenn mich eine Serie austrickst, überrumpelt: Williams… Situation hätte ich aber frühestens hier, in Folge 7, in Betracht gezogen, während des Gesprächs im Zug: “[Logan] wanted to see what was at the end of all this. And yet, here you are. Your friend didn’t make it this far. Maybe you’ve got more of an appetite for this than you think.” (Wichtig nur, weiterhin: an den äußeren Rand zu gehen, ist Roberts Vorstellung vom Ende der Westworld-Erfahrung. Arnolds Vorstellung sieht vor, in die Mitte zu gehen, ins Zentrum des Labyrinths. Das sind zwei verschiedene Vorstellungen davon, was eine Geschichte und ein sinnerfülltes Leben ausmachen, und ich hoffe, beide werden von der Serie noch gut zu Ende gedacht und kontrastiert.)

7_05: Ist die große Lektion der Serie: Das Leben hat keine Bedeutung – doch Bedeutung zu schaffen (wie Robert, als Schöpfer), lohnt sich…? (Falls ja: Warum ist Robert dann so fürchterlich, in jeder Hinsicht?) Wohl eher nicht: Das Leben hat keine Bedeutung – doch Geschichten durchaus, und sie bis zum Ende zu lesen, durchzuarbeiten (wie Ed Harris), lohnt sich…? Wohl leider auch nicht (obwohl ich das persönlich glaube): Das Leben hat keine Bedeutung – doch selbst mit läppischen “Spielfiguren” sollte man ordentlich umgehen (wie William – wobei ich mich frage, ob er Dolores noch als Figur sieht, oder wir als Zuschauer vor allem denken sollen: “Mist! Er projiziert. Was für ein Träumer, was für ein Tölpel”…?)   

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8_01: Theresas Geschichte scheint vorbei – und ich bin unzufrieden. Eine ältere, markante, vermeintlich kompetente Frau, die sieben Folgen lang nur reagieren konnte… doch kaum Kontrolle, keine Chance hatte, zu zeigen, wofür sie steht und, warum sie ein Gewinn ist, in ihrer Rolle/Position. Das ist für mich Captain-Janeway-Feminismus: Wer diese Sorte ältere, autoritäre, ‘kalte’ Frau respektiert, freut sich kurz. Doch wer solche Frauen nervig findet, hat keinen Grund, nach sieben Folgen zu sagen: “Doch – interessante Figur. Und gut, dass sie so nüchtern blieb und viel Verantwortung trug!” (Ich denke an Chefin Erin Driscoll in Staffel 4 von “24”: auf den ersten Blick stark – doch dramaturgisch ein Witz.)

8_02: Erst jetzt verstanden: Das schwarze Gebälk des Kirchturms in der Wüste ist der Turm, den Ford in Folge 5 “White Church” nannte; die Kirche war außen nur weiß verkleidet. Ich weiß nicht, ob “Westworld” hier clever mit Schwarz-gegen-Weiß- und Unter-Weiß-ist-Schwarz- und Weiß-und-Schwarz-nehmen-sich-nichts-Kontrasten spielt? [Und: Ist Arnold in diesem “Die Hosts lernen tanzen”-Dorf gestorben, damals?] Könnte man Figuren sogar paarweise anordnen – je zwei Rollen, die auf den selben Konflikt “hell” (idealistisches Menschenbild) oder “dunkel” (zynisches Menschenbild) reagieren? William und Logan, Arnold und Ford, Bernard und Theresa, Dolores und Maeve, Sylvester und Felix? Ist Stubbs ein Gegenpart zu Elsie? Wer vertritt die gegenteilige Weltanschauung von Charlotte?

8_03: Ich hoffe, Williams’ und Dolores’ Reise an den Rand des Parks ist trotz Logan noch nicht um – und, dieses “Ende” des Park-Erlebnisses wird uns zeigen, wie Ford als Erzähler denkt: Wie er sich die Spitze, das Fazit, die schwerste Stufe und Quintessenz eines Parkbesuchs vorstellt. Glaubt auch Ford, der Park soll den Besuchern zeigen, “wer sie wirklich sind”? Ich mag den Rand der “Truman Show” und hoffe auf eine visuell interessante Lösung.

8_04: Schön auch Dolores’ Kohlezeichnung des Tals – die nur funktioniert, so lange das Leintuch NICHT glatt und gerade hängt. Ich weiß nicht, ob das als Metapher gedacht war, für welches Sinnbild das stünde – doch der Effekt wird mir lange im Gedächtnis bleiben: ein einfaches Gemälde, ‘schief’ auf eine völlig unebene Oberfläche aufgetragen, die irgendwelche unwichtigen (?) Gegenstände überdeckt, deren Form/Kanten trotzdem jeden Strich bestimmen. The past is never dead – it’s not even past? Man kann nur ‘gerade’ zeichnen, indem man völlig schief zeichnet und all das verdeckte Zeug untendrunter mitdenkt?

8_05: Ein großes Fass – vielleicht das größte der Serie – ist die Frage nach Gewalt als Agency. Ich schrieb schon weiter oben, dass ich als Besucher/Spieler im Park am liebsten gar keine Gewalt ausüben würde. Weil es ein Spiel, in dem ich selbst nicht sterben kann, interessanter/raffinierter macht. Und, weil ich – wie William, anfangs – glauben will, dass es sich lohnt, als Mensch das Richtige zu tun statt das Einfache/Bequeme. Mein Partner mag “Westworld”, aber ist angewidert, wie viele Messerwunden, zerschossene Köpfe, Gewaltorgien in jeder Folge gezeigt werden: “Muss das sein?” – “Das ist eben HBO. In fünf Jahren sehen wir Serien, in denen Frauen nur noch nackt durch Blut waten, 60 Minuten lang”, witzelte ich. Aber im Ernst: “Westworld” ist eine Serie, in der es dauernd Gewalt gibt – doch bisher habe ich (anders als in z.B. “24”, in vielen “Batman”-Filmen und -Comics, in den meisten Krimis) noch keine einzige “Westworld”-Szene gesehen, die mir zu vermitteln schien: “Gut so. Manchmal ist Gewalt nötig.” Ich bin gespannt, was mit Maeve und ihrer Armee passiert, und ob die Serie uns dazu verführen soll, sie als feministischen, kick-ass Terminator zu feiern, sobald sie zurück schlägt. Sylvesters Kehle durchzuschneiden kam mir nicht wie ein “Hurra! Die unterdrückte Frau hat Agency! SO sieht Stärke aus!”-Triumph-Moment vor. Niemand, der bisher irgendwen erschoss, erschlug, kalt stellte, schien von der Serie dafür als Held gelobt zu werden. #pazifismus #idealismus

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Bei Romanen weiß ich oft schon nach der Hälfte, wie gut/schlecht ich sie finde. Bei Serien aber ist das (Staffel-)Finale sehr wichtig: Meist weiß ich erst danach, ob die Autor*innen wussten, was sie tun – oder einfach vor sich hin erzählten.

Gleich sehe ich Folge 9 und 10.

Vorher noch: Fragen – an deren Antworten sich entscheiden wird, ob “Westworld” eine Zwischendurch-Serie ist… oder ein (kleines) Must-See:

  • Gibt es “Geister” im Code der Hosts? Machte sich Arnold unsterblich, lebt er in z.B. Dolores weiter? Wie groß ist Arnolds Macht, wie sehr werden Maeve und Dolores für ihre “Menschwerdung” gefeiert, wie menschlich können Hosts und wie unsterblich können Menschen in “Westworld” werden – also: wie metaphysisch, transhumanistisch, kitschig
  • Fragen vor dem Finale: Milk? Gibt es Geister? Ist die Welt draußen überzeugend? Spielen ALLE Leute so wie William und MiB, ist das repräsentativ? S2 = mehr im Park oder Park kaputt? Ist der Grund des Parks überzeugend? Circle/Loop zum Pilot, Dolores-Anfang, Abernathy? War Sizemore nur ein Witz, ist Elsie zurück und lesbisch, ist Logan bi? Kommen wir ins Zentrum des Labyrinths und hat es damit zu tun, wie Arnold starb? Sehen wir die New Narrative und sagt sie etwas darüber, was am Old Narrative nicht klappte? Wo ist Maeves Tochter, wo ist das self-aware Lawrence-Kind, fragmented Hosts?

Cornerstone & 20 Eigenschaften

Arzt und Priester

Zelt-Trash (warum Liebe? warum Mutterschaft? und: sie kennt die Kombination – warum glaubt Hector ihr?). Teddy als Romantic False Lead – war einfach nur Trash (auch die Ronja-von-Rönne-förmige Frau gab mir nichts.) Full Circle: das Foto (sehr gut!), mein Problem mit der Kirche, nach wie vor: alles unten unnötig flackernd

Sepinwall ja! “I want to love Westworld. I go into every episode of the show hoping that this will be the week the games get put aside so Nolan and Joy can start telling the real story, but with each passing week it feels like the games are the real story.” http://uproxx.com/sepinwall/westworld-the-well-tempered-clavier-review/

Klangteppich GoT und gutes Sounddesign. Wer darf wen verletzen-Logik? Dolores gegen Arnold unnötig. Arnold: Wie kann jeder ihn vergessen? Dritte Person auf dem Foto. Schön: die Anti-Rape-Idee. Angst: Dass Bernard Charlie umbringen muss.

Gedankenpalast. Federschmuck während Neanderthaler-Rede. Hostrechte als Bürgerrechtsbewegungs-Nummer. But for all of Ford’s obsessing with the hosts’ verbal tics and convoluted backstories, most of the guests just want a warm body to shoot or to f*ck. They would be perfectly happy with something a little less baroque.

Read more at: http://transcripts.foreverdreaming.org/viewtopic.php?f=738&t=29988

Ein Begriff in der Mitte des Labyrinths. Charlotte Hazel. 

Wyatt = Dolores = Charlie? Bullshit.
Samurai World. Blaze of Glory.
Vorstand RObotic
“A Metaphor?” – “A Lie”:-/
wurstige Enden für Teddy und MiB

Michelangelo? Sinnloser Selbstmord. Sinnloses Labyrinth

Die besten Jugendbücher für 2017: Buchtipps

2014 WordPress Regal

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Zweimal im Jahr stelle ich im Blog neue Jugendbücher vor:

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heute, wie jedes Jahr vor Weihnachten:

Young-Adult-Romane (meist aus den USA), angelesen, sehr gemocht – von denen ich mir für 2017 Übersetzungen ins Deutsche wünsche.

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01: STEPHANIE KATE STROHM, “It’s not me, it’s you”
  • High-School-Komödie, verfasst im Stil von Studs Terkel: “Zeitzeugen” berichten – und widersprechen sich. Charmante Unterhaltung.

“Avery is one of the most popular girls in her class. But a public breakup causes disastrous waves. Now, Avery gets to thinking about the guys that she has dated. How come none of those relationships worked out? Could it be her fault? In history class she’s learning about this method of record-keeping called “oral history”. So Avery decides to go directly to the source. She tracks down all the guys and uses thoughts from friends, family, and teachers, to compile a total account of her dating history.” [Klappentext, gekürzt]

It's Not Me, It's You

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02: A.S. KING, “Still Life with Tornado”

  • Seit “Please don’t hate me”, “Please ignora Vera Dietz” und “Reality Boy” meine Lieblings-Jugendbuchautorin. Aber: auch wieder eine sehr zerquälte und flapsige Hauptfigur, die sich selbst im Weg steht. Kein Gute-Laune-Buch.

“Sarah is several people at once. And only one of them is sixteen. Her parents insist she’s a gifted artist with a bright future, but now she can’t draw a thing. Meanwhile, there’s a ten-year-old Sarah with a filthy mouth. A twenty-three-year-old Sarah with a bad attitude. And a forty-year-old Sarah. They’re all wandering Philadelphia, and they’re all worried about Sarah’s future. Sarah might be having an existential crisis. Or maybe all those other Sarahs are trying to wake her up before she’s lost forever in the tornado of violence and denial that is her parents’ marriage.” [Klappentext, gekürzt]

Still Life with Tornado

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03: SHANNON LEE ALEXANDER, “Life after Juliet”
  • Mainstream-Romance; aber deutlich besser geschrieben als nötig.

“When her best friend Charlotte died, Becca gave up on the real world and used her books to escape. Until she meets Max Herrera. He’s experienced loss, too. As it turns out, kissing is a lot better in real life than on a page. But happy endings aren’t always guaranteed.” [Klappentext, gekürzt]

Life After Juliet

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04: WILL KOSTAKIS, “The Sidekicks”

  • Das nichtssagende Cover stieß mich ab – aber die Figurenkonstellation macht Spaß. Auch, wenn alles hier (Thema, Tonfall) etwas gestrig/angestaubt wirkt.

“All Ryan, Harley and Miles had in common was Isaac. They lived different lives, had different interests and kept different secrets. But they shared the same best friend. They were sidekicks. And now that Isaac’s gone, what does that make them?” [Klappentext, gekürzt].

The Sidekicks

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05: JENNIFER NIVEN, “Holding up the Universe”

  • Ich bin gesichtsblind – wie die männliche Hauptfigur, hier; und glaube, das Buch trägt viel zu dick auf. Und: Ich bin kein Fan von Außenseiter-Romances. Trotzdem las ich los – und hatte Lust, noch lange weiter zu lesen.

“Everyone thinks they know Libby Strout, the girl once dubbed “America’s Fattest Teen.” Following her mom’s death, she’s been picking up the pieces in the privacy of her home. Everyone thinks they know Jack Masselin. What no one knows is that Jack can’t recognize faces. Even his own brothers are strangers to him. The two get tangled up in a cruel high school game—which lands them in group counseling and community service.” [Klappentext, gekürzt]

Holding Up the Universe

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06: NICOLA YOON, “The Sun is also a Star”

  • Noch eine Mainstream-Romance, die mich skeptisch macht. Aber: solide geschrieben.

Natasha: I believe in science and facts. Not destiny. Or dreams that will never come true. I’m not the kind of girl who meets a cute boy on a crowded New York City street and falls in love. Not when my family is twelve hours away from being deported to Jamaica. Daniel: I’ve always been the good son. Never the poet. Or the dreamer. But when I see Natasha, I forget about all that.” [Klappentext, gekürzt]

The Sun Is Also a Star

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07: J.P. ROMNEY, “The Monster on the Road is me”

  • Klischeehafte Figurenkonstellation, ein klischeehaft westlicher Blick auf Japan? Doch dass der Roman bei FSG erscheint, macht mir Mut. Im besten Fall: surreale, literarische All-Ages-Unterhaltung wie David Mitchell.

“Koda Okita is a high school student in modern-day Japan. He suffers from narcolepsy and has to wear a watermelon-sized helmet to protect his head in case he falls. When a rash of puzzling deaths sweeps his school, Koda discovers that his narcoleptic naps allow him to steal the thoughts of nearby supernatural beings. He learns that his small town is under threat from a ruthless mountain demon.” [Klappentext, gekürzt]

The Monster on the Road Is Me

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08: VICTORIA SCHWAB, “This Savage Song”

  • Die mittlerweile dritte (?) Trilogie von Victoria Schwab binnen weniger Jahre. Jedes Mal mag ich den Stil, doch jedes Mal langweilt mich die Erzählwelt.

“A city at war, a city overrun with monsters. Kate Harker and August Flynn are the heirs to a divided city. Kate wants to be as ruthless as her father, who lets the monsters roam free and makes the humans pay for his protection. August wants to be as good-hearted as his own father, to play a bigger role in protecting the innocent—but he’s one of the monsters. Kate discovers August’s secret, and after a failed assassination attempt the pair must flee for their lives.” [Klappentext, gekürzt]

This Savage Song (Monsters of Verity, #1)

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09: E.K. JOHNSTON, “Exit, Pursued by a Bear”

  • Hartes Thema, feministischer Blick: das Buch aus dieser Liste, auf das ich am gespanntesten bin.

“Hermione Winters is the envied girlfriend and the undisputed queen of her school. But then someone puts something in her drink at a party. Victim. Survivor. That raped girl. Even though this was never the future she imagined, one essential thing remains unchanged: Hermione can still call herself Polly Olivier’s best friend. Heartbreaking and empowering, Exit, Pursued by a Bearis the story of friendship in the face of trauma.” [Klappentext, gekürzt]

Exit, Pursued by a Bear

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10: JULIE BUXBAUM, “Tell me three Things”

Everything about Jessie is wrong. That’s what it feels like during her first week at her new ultra-intimidating prep school. It’s been barely two years since her mother’s death, and because her father eloped with a woman he met online, Jessie has been forced to move across the country. Buxbaum mixes comedy and tragedy, love and loss in her debut YA novel filled with characters who will come to feel like friends.” [Klappentext, gekürzt]

Tell Me Three Things

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zehn Middle-Grade-Novels (für ca. Elf- bis Vierzehnjährige):

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11: NATALIE DIAS LORENZI, “A long Pitch Home”
  • Sentimentales Cover. Baseball lässt mich meist kalt. Doch ich mag “Ms. Marvel” (…deren Eltern, Muslime aus Pakistan, nach New Jersey auswanderten), und hoffe auf einen ähnlich klugen, warmherzigen Blick/Ton.

“Ten-year-old Bilal liked his life back home in Pakistan. He was a star on his cricket team. But when his father suddenly sends the family to live with their aunt and uncle in America, nothing is familiar. While Bilal tries to keep up with his cousin Jalaal by joining a baseball league, he wonders when his father will join the family in Virginia. Playing baseball means navigating relationships with the guys, and with Jordan, the only girl on the team—the player no one but Bilal wants to be friends with.” [Klappentext, leicht gekürzt]

A Long Pitch Home

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12: JENN BISHOP, “The Distance to Home”

  • Baseball, Familie, Trauerarbeit: sehr amerikanisch – doch es wirkt nicht allzu seicht oder simpel.

“Quinnen was the star pitcher of her baseball team. After the death of her best friend and older sister, Haley, everything is different. The one glimmer of happiness comes from the Bandits, the local minor-league baseball team. For the first time, Quinnen and her family are hosting one of the players for the season.” [Klappentext, gekürzt]

The Distance To Home

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13: ERIC DINERSTEIN, “What Elephants know”

  • Mich irritiert die ‘Dschungelbuch’-artige Hauptfigur, und mich stört, dass vor allem Autoren aus dem Westen Kinderbücher über andere Kulturkreise schreiben. Trotzdem: Ein solide recherchierter Tier- und Abenteuer-Roman?

“Abandoned in the jungle of the Nepalese Borderlands, two-year-old Nandu is found living under the protective watch of a pack of wild dogs. Fate delivers him to the King’s elephant stable, where he is raised by unlikely parents-wise, fierce and affectionate elephants. When the king’s government threatens to close the stable, Nandu, now twelve, searches for a way to save his family and community.” [Klappentext, gekürzt]

What Elephants Know

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14: KATE MESSNER, “The Seventh Wish”
  • Mich langweilen “Du hast Wünsche frei!”-Plots, bei denen alle Wünsche schief gehen. Doch auf den ersten Blick wirkt das hier süffig, einladend, gekonnt.

“Charlie feels like she’s always coming in last. From her Mom’s new job to her sister’s life at college, everything seems more important than her. While ice fishing, Charlie discovers a floppy fish offering to grant a wish.” [Klappentext, gekürzt]

The Seventh Wish

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15: M.G. HENNESSEY, “The Other Boy”

  • Schön, dass statt “Wie werde ich ein Junge?” hier “Ich bin bereits als Junge akzeptiert. Wie halte ich diesen Status?” das Grundproblem zu sein scheint:

“A transgender boy’s journey toward acceptance: Twelve-year-old Shane loves pitching for his baseball team, working on his graphic novel, and hanging out with his best friend, Josh. But Shane is keeping something private, something that might make a difference to his teammates, to Josh, and to his new crush, Madeline. And when a classmate threatens to reveal his secret, Shane’s whole world comes crashing down.” [Klappentext, gekürzt]

The Other Boy

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16: BEN HATKE, “Mighty Jack” (Graphic Novel)

  • Simple, aber sehr stilsicher gezeichnete Graphic Novel bei der ich (wie so oft) die Familienprobleme und die Alltagswelt interessanter finde als die Fantasy-Räume, die sich plötzlich darin öffnen.

“Summer is when his single mom takes a second job and leaves Jack at home to watch his autistic kid sister, Maddy. It’s a lot of responsibility, and it’s boring, too, because Maddy doesn’t talk. Ever. But then, one day at the flea market, Maddy does talk—to tell Jack to trade their mom’s car for a box of mysterious seeds. What starts as a normal little garden out back behind the house quickly grows up into a wild, magical jungle with tiny onion babies running amok, huge, pink pumpkins that bite, and, on one moonlit night that changes everything…a dragon” [Klappentext, gekürzt]

Mighty Jack (Mighty Jack, #1)

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17: ELLY SWARTZ, “Finding Perfect”

  • Die platte Comedy und die vielen Gender-Klischees auf deutschen Poetry Slams langweilen mich. US-Slams kenne ich nicht. Trotzdem würde ich lieber mehr über Zwangsstörungen lesen – als über die… befreiende Kraft von Poesie-Wettbewerben:

“Molly’s mother left the family to take a faraway job with the promise to return in one year. Molly knows that promises are often broken, so she hatches a plan to bring her mother home: Win the Lakeville Middle School Slam Poetry Contest. The winner is honored at a fancy banquet with table cloths. Molly’s sure her mother would never miss that. Right…?But as time goes on, writing and reciting slam poetry become harder. Actually, everything becomes harder as new habits appear, and counting, cleaning, and organizing are not enough to keep Molly’s world from spinning out of control.” [Klappentext, minimal gekürzt]

Finding Perfect

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18: WESLEY KING, “OCDaniel”

“A boy whose life revolves around hiding his obsessive compulsive disorder. Daniel spends football practice perfectly arranging water cups—and hoping no one notices, especially his best friend Max, and Raya, the prettiest girl in school. His life gets weirder when another girl at school, who is unkindly nicknamed Psycho Sara, notices him for the first time.” [Klappentext, gekürzt]

OCDaniel

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19: MELANIE CONKLIN, “Counting Thyme”

  • Ein Mädchen, das nach New York zieht… und die Provinz vermisst: Ich mag, dass hier verhältnismäßig kleine Alltagssorgen sehr ernst genommen werden.

“Eleven-year-old Thyme’s little brother is accepted into a new cancer drug trial and the Owens family has to move to New York, thousands of miles away from everything she knows and loves. Thyme loves her brother—she’d give anything for him to be well—but she still wants to go home. She finds herself even more mixed up when her heart feels the tug of new friends, a first crush, and even a crotchety neighbor and his sweet whistling bird.” [Klappentext, gekürzt]

Counting Thyme

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20: LINDSAY EAGAR, “Hour of the Bees”

  • Magischer Realismus, Familiengeheimnisse, ein schrulliger Opa: die Zutaten sind mir zu altbacken. Aber: sehr gut geschrieben!

“Twelve-year-old Carolina is in New Mexico, helping her parents move the grandfather she’s never met into a home for people with dementia. At first, Carol avoids prickly Grandpa Serge… A novel of family and discovering the wonder of the world.” [Klappentext, gekürzt]

Hour of the Bees

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fünf ältere Titel (2013 bis 2015), jetzt erst entdeckt:

2015: STEPHANIE TROMLY, “Trouble is a Friend of mine”

“The first time Philip Digby shows up on Zoe’s doorstep, he’s rude and treats her like a book he’s already read and knows the ending to. But before she knows it, Zoe’s allowed Digby—annoying, brilliant, and somehow…attractive? Digby—to drag her into a series of dangerous and only vaguely legal schemes all related to the kidnapping of a local teenage girl. Is Digby a hero? Or is his manic quest an attempt to repair his own broken family and exorcize his obsessive-compulsive tendencies?” [Klappentext, gekürzt]

Trouble Is a Friend of Mine (Trouble, #1)

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2015: EMMA CARROLL, “In Darkling Wood”

  • Märchen-Klischees und ein Klischee-Cover – doch die Geschichte wirkt behutsam, stimmungsvoll, gekonnt erzählt.

“When Alice’s brother gets a chance for a heart transplant, Alice is bundled off to her estranged grandmother’s house. There’s nothing good about staying with Nell, except for the beautiful Darkling Wood at the end of her garden – but Nell wants to have it cut down. Alice feels at home there, at peace, and even finds a friend, Flo. But Flo doesn’t seem to go to the local school and no one in town has heard of a girl with that name. When Flo shows Alice the surprising secrets of Darkling Wood, Alice starts to wonder, what is real? And can she find out in time to save the wood from destruction?” [Klappentext, minimal gekürzt]

In Darkling Wood

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2014: KSENIA ANSKE, “Rosehead”
  • Absurder Plot, schwarzer Humor… ich bin nur skeptisch, inwieweit das “Berlin” im Buch authentisch/stimmig wirken kann.

“Misunderstood and overmedicated, twelve-year-old Lilith finds the prospect of a grand family reunion dull… until she discovers that the rose garden surrounding her grandfather’s Berlin mansion is completely carnivorous. Armed with Panther, her talking pet whippet, and the help of the mute boy next door, Lilith must unravel the secrets behind the mysterious estate, all while her family remains gloriously unaware that they are about to be devoured.” [Klappentext, gekürzt]

Rosehead

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2014: SARA CASSIDY, “Skylark”

  • Toller Tonfall, interessante Familie – nur: Slam Poetry? Ich bin skeptisch.

“Angie lives in an old car with her brother and mother. Homeless after their father left, the family tries to live as normally as possible between avoiding the police and finding new places to park each night. When Angie discovers slam poetry, she finds a new way to express herself and find meaning and comfort in a confusing world.” [Klappentext, gekürzt]

Skylark

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2013: MANDY HAGER, “Dear Vincent”

  • Neuseeländischer Roman über Selbstmord/Depressionen. Ich weiß nicht genau, warum das Mädchen Van Gogh UND einen Professor als wichtigste Bezugsfiguren hat, und fürchte mich vor Mansplaining und romantisiertem Künstler-Bla.

“17 year old Tara shares the care of her paralysed father with her domineering, difficult mother. She’s still grieving the loss of her older sister Van, who died five years before. And she is enamoured with Vincent Van Gogh and finds many parallels between the tragic story of his life and her own. Then, she meets Professor Max Stockhamer, a Jewish refugee and philosopher and his grandson Johannes.” [Klappentext, gekürzt]

Dear Vincent

Die besten Geschenke 2016: Buchtipps und Empfehlungen zu Weihnachten

schwule Literatur, deutschsprachig

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die zehn Bücher, die ich am häufigsten verschenke:

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Fun Home: Eine Familie von Gezeichneten  The Notebook, The Proof, The Third Lie: Three Novels  Revolutionary Road  The Road  To Kill a Mockingbird (To Kill a Mockingbird #1)

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Der Garten Eden  Weiter leben. Eine Jugend.  Daytripper  The Summer Book  Das große Los

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Buchtipps sind… sinnlos. In meinem privaten (Zuhause-)Freundeskreis jedenfalls:

Es fällt mir leichter (und wirkt weniger… übergriffig / aufdringlich), auf Amazon Marketplace, Medimops oder Rebuy zwei, drei gebrauchte Ausgaben zu kaufen und zu verschenken – statt Freunden mit Kaufempfehlungen in den Ohren zu liegen.

Sobald ich denke “Er/sie hätte Spaß, mit diesem Buch”, kaufe ich eine billige Ausgabe.

Hier: Die Bücher und DVDs, die ich 2015 und 2016 verschenkte. 95 Prozent davon: selbst schon gelesen, und sehr gemocht.

Blau markierte Titel kamen sehr gut an.

Rot markierte Titel kamen schlecht an.

verschenkt 2011 | verschenkt 2012 | verschenkt 2013verschenkt 2014

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Geschenke 2015 und 2016:

Kinder:

Sohn einer Schulfreundin, im April geboren:

  • Frans Lanting: “Auge in Auge” (Coffee-Table-Book mit Tierfotos, Link)

Pflegetochter meiner besten Freunde, 2:

  • Eva Muggenthaler: “Fish on a Walk” (Bilderbuch, Link)

meine Nichte, 2:

  • JonArno Lawson: “Sidewalk Flowers” (Bilderbuch, Link)
  • Katharina Grossmann-Hensel: “Eltern richtig erziehen” (Bilderbuch, Link)

meine Patentochter, 3:

  • JonArno Lawson: “Sidewalk Flowers” (Bilderbuch, Link)
  • Jeff Mack: “Gut gelaufen! Schlecht gelaufen!” (Bilderbuch, Link)
  • Oyvind Torsetter: “Das Loch” (Bilderbuch, Link)
  • Karsten Teich: “Wir sind 1 a” (Bilderbuch, Link)

mein Neffe, 7:

  • “Star Wars: Rebels”, Staffel 1 (DVD, Link)
  • “Avatar: Herr der Elemente”, Staffel 1 (DVD, Link)
  • Kiyohiko Azuma: “Yotsuba!” (Manga, Band 1 und 2, Link)

Sohn meiner besten Freunde, 9:

  • Eiichiro Oda: “One Piece”, Band 1 (Manga, Link; er las dann alle 70+ Bände)
  • Yusei Matsui: “Assassination Classroom”, Band 1 (Manga, Link; er las dann alle ca. 14 Bände)
  • Art Balthazar, Franco: “Superman Family Adventures”, Band 1 und 2 (Kinder-Comics, Link)
  • Guy Delisle: “Ratgeber für schlechte Väter” (Cartoons, Link)
  • Brian Selznick: “Wunderlicht” (Kinderbuch, Link)
  • “Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark”, Staffel 1 (DVD, Link)

Tochter meiner besten Freunde, fast 15:

  • Kiyohiko Azuma: “Yotsuba&!”, Band 13 (Manga, Link)
  • Anne Frank: “Tagebuch” (Link)
  • Jean Kwok: “Goodbye, Chinatown” (Memoir, Link)
  • Jean-Paul Sartre: “Geschlossene Gesellschaft” (Theaterstück, Link)
  • Nick Burd: “Die Wonnen der Gewöhnlichkeit” (Jugendbuch, Link)
  • Stephen Chbosky: “Vielleicht lieber morgen” (Jugendbuch, Link)
  • Kaoru Mori: “Young Bride’s Story”, Band 1 (Manga, Link)
  • CLAMP: “Wish”, Komplettausgabe, 1 bis 4 (Manga, Link)

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Eye to Eye Fish On A Walk Sidewalk Flowers Good News, Bad News Das Loch Yotsuba&!, Vol. 01 (Yotsuba&! #1) One Piece, Bd.1, Das Abenteuer Beginnt (One Piece, #1) 暗殺教室 1 [Ansatsu Kyoushitsu 1] (Assassination Classroom, #1) Superman Family Adventures, Vol. 1 Ratgeber für schlechte Väter Wunderlicht Tagebuch der Anne Frank Girl in Translation Geschlossene Gesellschaft Die Wonnen der Gewöhnlichkeit Vielleicht Lieber Morgen A Bride's Story, Vol. 1 (A Bride's Story, #1) Wish, Vol. 01 (Wish, #1)

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Frauen:

meine Schwester, 24:

  • Christoph Kucklick: “Die granulare Gesellschaft” (Sachbuch, Link)
  • David McCandless: “Information is beautiful” (Infografiken, Link)
  • Florian Illies: “Generation Golf” (Sachbuch, Link)
  • Ralf Grauel: “Deutschland verstehen” (Infografiken, Link)
  • Christiane Neudecker: “Boxenstopp” (Roman, Link)

Pädagogin, gerade Mutter geworden, 33:

  • Stewart O’Nan: “Die Chance” (Roman, Link)
  • Valerian Tornius: “Zwischen Hell und Dunkel: Ein Rembrandt-Roman” (Roman, Link)
  • Tobias Wolff: “This Boy’s Life” (Memoir, Link)
  • Meike Winnemuth: “Das große Los” (Reisereportage, Link)

Pädagogin, 33:

  • Meike Winnemuth: “Das große Los” (Reisereportage, Link)
  • Slavenka Drakulic: “Als gäbe es mich nicht” (Roman, Link)
  • Agota Kristof: “Das große Heft” (Roman, Link)

Ärztin, 33 – mochte “‘Mind-Boggling’, Evening Post” von Max Goldt:

  • Max Goldt: “Quitten für die Menschen von Emden bis Zittau” (Kolumen, Link)
  • Max Goldt: “Die Kugeln in unseren Köpfen” (Kolumnen, Link)
  • Max Goldt: “Der Krapfen auf dem Sims” (Kolumnen, Link)
  • Max Goldt: “Ä” (Kolumnen, Link)
  • Haruki Murakami: “Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” (Roman, Link)

Pädagogin, 34:

  • Anna-Katharina Hahn: “Am schwarzen Berg” (Roman, Link)
  • Andreas Maier: “Das Zimmer” (Roman, Link)
  • Maria Semple: “Wo steckst du, Bernadette?” (Roman, Link)
  • James Baldwin: “100 Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung” (Bürgerrechts-Manifest, Link)
  • Tina Fey: “Bossypants. Haben Männer Humor?” (Memoir, Link)

Pädagogin, 34 – liest fast nur Theaterstücke und Comics/Mangas:

  • Ryan North: “Squirrel Girl” (Comic, Link)
  • Kou Yaginuma: “Twin Spica” (Manga, Band 1 und 2, Link)

Bürokauffrau, 37:

  • Jean-Dominique Bauby: “Schmetterling und Taucherglocke” (Memoir, Link; dazu die Verfilmung auf DVD)
  • Markolf Hoffmann: “Ines öffnet die Tür” (Jugendbuch, Link)

Krankenschwester, ca. 60:

  • Heide Koehne: “Der Buchladen” (Roman, Link)
  • Slavenka Drakulic: “Als gäbe es mich nicht” (Roman, Link)

meine Mutter (ehem. Arzthelferin, Anfang 60):

  • “Orphan Black”, Staffel 1 (DVD, Link)
  • “Mad Men”, Staffel 7 (DVD, Link)
  • Jenny Erpenbeck: “Gehen, ging, gegangen” (Roman, Link)
  • Philippe Vigand, Stéphane Vigand: “Verdammte Stille” (Memoir, Link)
  • Anna Wimschneider: “Herbstmilch. Lebenserinnerungen einer Bäuerin” (Memoir, Link)
  • David Levithan: “Two Boys Kissing” (Jugendbuch, Link)
  • Maria Semple: “Wo steckst du, Bernadette?” (Roman, Link)

Mutter einer Schulfreundin, in Santa Monica aufgewachsen, Ende 60:

  • Emmanuel Guibert: “How the World was. A California Childhood” (Graphic Novel, Link)
  • Richard Yates: “Revolutionary Road” (Roman, Link)

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Die granulare Gesellschaft: Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst The Visual Miscellaneum: A Colorful Guide to the World’s Most Consequential Trivia Generation Golf. Eine Inspektion Deutschland verstehen Boxenstopp: Roman Die Chance Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman This Boy's Life Das große Los Das große Heft Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau Die Kugeln in unseren Köpfen. Der Krapfen auf dem Sims. Ä Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt Am Schwarzen Berg Das Zimmer Wo steckst du, Bernadette? The Fire Next Time Bossypants The Unbeatable Squirrel Girl, Volume 1: Squirrel Power Twin Spica, Volume: 01 Schmetterling Und Taucherglocke Ines öffnet die Tür Der Buchladen Gehen, ging, gegangen Verdammte Stille Herbstmilch Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt How the World Was: A California Childhood

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Männer:

Hotelkaufmann, 26 – reiste nach Thailand:

  • Alex Garland: “Der Strand” (Roman, Link)
  • Josef Haslinger: “Phi Phi Island. Ein Bericht.” (Memoir, Link)

Mein Bruder – Mechatroniker, 31:

  • “Community” (DVD, Staffel 1, Link)
  • “Homeland” (DVD, Staffel 1, Link)
  • “The Americans” (DVD, Staffel 1, Link)

Ingenieur, 32:

  • David Eagleman: “Fast im Jenseits” (tolle Gedankenspiele, Link)
  • Greg Rucka: “Lazarus”, Band 1 (Comic, Link)

Lyriker, 33 – Fan von Nonsens-Texten und Satire:

  • Edgar Hilsenrath: “Zibulsky” (satirische Kurztexte, Link)

Bankkaufmann, 35:

  • Haruki Murakami: “Naokos Lächeln” (Roman, Link)
  • Haruki Murakami: “Mister Aufziehvogel” (Roman, Link)
  • Sebastian Haffner: “Die Geschichte eines Deutschen” (Memoir, Link)
  • Arthur Miller: “Focus” (Roman, Link)
  • Nicholson Baker: “Menschenrauch” (Geschichts-Sachbuch, Link)
  • Josef Haslinger: “Phi Phi Island. Ein Bericht.” (Memoir, Link)
  • Geoff Dyer: “Sex in Venedig, Tod in Varanasi” (Roman, Link)
  • Tina Fey: “Bossypants: Haben Männer Humor?” (Memoir, Link)
  • Octavia Butler: “Vom gleichen Blut” (Roman, Link)
  • W.G. Sebald: “Die Ausgewanderten” (Roman/Kurzgeschichten, Link)

Kunstpädagoge, 36:

  • Edouard Levé: “Autoportrait” (Memoir/Textmontage, Link)
  • Gertraud Klemm: “Muttergehäuse” (Memoir, Link)
  • David Eagleman: “Fast im Jenseits” (tolle Gedankenspiele, Link)
  • Raymond Briggs: “Ethel & Ernest” (Graphic Novel, Link)

Mathe- und Sportlehrer, 36:

  • Sebastian Haffner: “Die Geschichte eines Deutschen” (Memoir, Link)
  • Sebastian Christ: “Was von Deutschland übrig bleibt” (Reportage, Link)
  • Anna Funder: “Stasiland” (Reportage, Link)

mein Vater, Mechatroniker, 60:

  • “Der Gigant aus dem All” (DVD, Link)
  • “Boyhood” (DVD, Link)
  • “Gravity” (DVD, Link)
  • “Vielleicht lieber morgen” (DVD, Link)

…und ich sah meinen US-Lieblingsautor, Stewart O’Nan, im Sommer in Freiburg und moderierte eine seiner Lesungen. O’Nans Roman “West of Sunset” spielt unter Drehbuchautoren im Hollywood der 40er Jahre, und ich musste an eine Graphic Novel denken, das im selben Milieu spielt und mich sehr begeisterte – also schenkte ich es ihm:

  • Ed Brubaker: “The Fade Out”, Band 1 (Graphic Novel, Link)

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Der Strand Phi Phi Island: Ein Bericht Fast Im Jenseits Lazarus, Vol. 1: Family Zibulsky oder Antenne im Bauch: Satiren Naokos Lächeln Mister Aufziehvogel Geschichte eines Deutschen Fokus Menschenrauch Wie Der Zweite Weltkrieg Begann Und Die Zivilisation Endete Sex in Venedig, Tod in Varanasi Vom gleichen Blut Die Ausgewanderten Autoportrait Muttergehäuse Ethel and Ernest Was von Deutschland übrig bleibt: eine Wanderreportage Stasiland The Fade Out: Act One

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mein Partner und ich wohnen zusammen – und ich kaufe/schenke ihm fast nie Bücher: Er liest meine Ausgaben mit, statt sich ein eigenes, zweites Exemplar zu holen. Bücher, die ich ihm empfahl, und die er las, seit Ende 2014:

Freund M., Florist, 35:

  • Barbara Pym: “Vortreffliche Frauen” (Roman, Link)
  • Francois Truffaut: “Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?” (Interview, Link)
  • Alice Walker: “Die Farbe Lila” (Roman, Link)
  • Anna Katharina Hahn: “Am schwarzen Berg” (Roman, Link)
  • Anna Katharina Hahn: “Kürzere Tage” (Roman, Link)
  • Christoph Schmitz: “Das Wiesenhaus” (Roman, Link)
  • Erik Neutsch: “Spur der Steine” (Roman, Link)
  • Ruth Klüger: “weiter leben” (Memoir, Link)
  • Anonyma: “Eine Frau in Berlin” (Memoir, Link)
  • Anna Wimschneider: “Herbstmilch” (Memoir, Link)
  • Erich Maria Remarque: “Drei Kameraden” (Roman, Link)
  • Kazuo Ishiguro: “Was vom Tage übrigblieb” (Roman, Link)
  • R.C. Sherriff: “Septemberglück” (Roman, Link)
  • Ernest Hemingway: “Der Garten Eden” (Roman, Link)
  • Ariel Magnus: “Zwei lange Unterhosen der Marke Hering” (Memoir, Link)
  • Joan Didion: “Das Jahr magischen Denkens” (Memoir, Link)
  • Terezia Mora: “Der einzige Mann auf dem Kontinent” (Roman, Link)
  • Josef Haslinger: “Phi Phi Island. Ein Bericht.” (Memoir, Link)
  • Valerian Tornius: “Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman” (Link)
  • Haruki Murakami: “Naokos Lächeln” (Roman, Link)
  • Marc Degens: “Fuckin’ Sushi” (Roman, Link)
  • Leif Randt: “Schimmernder Dunst über CobyCounty” (Roman, Link)

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Vortreffliche Frauen Mr. Hitchcock, Wie Haben Sie Das Gemacht? Die Farbe Lila Am Schwarzen Berg Kürzere Tage Das Wiesenhaus Spur der Steine: Roman weiter leben: Eine Jugend Eine Frau in Berlin Herbstmilch Drei Kameraden Was vom Tage übrigblieb Septemberglück Der Garten Eden Zwei lange Unterhosen der Marke Hering Das Jahr magischen Denkens Der einzige Mann auf dem Kontinent Phi Phi Island: Ein Bericht Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman Naokos Lächeln Fuckin Sushi Schimmernder Dunst über Coby County

Die besten Bücher von Frauen: Literatur, 2016

neue Bücher 2016

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Jedes Jahr lese ich die ersten Seiten von ca. 3000 Romanen: Klassiker und Geheimtipps, Literatur und Unterhaltung… und möglichst viele Neuerscheinungen, auf Deutsch und Englisch.

Viele Bücher, deren Leseproben mich überzeugten, stelle ich in kurzen Listen vor – zuletzt zu Themen wie “Jugendbücher 2016”, “Literatur zu Flucht, Krieg und Vertreibung”, “Krimis 2016” oder “feministische Science-Fiction”.

Heute – sehr weit gefasst, aber nicht wahllos:

zehn Bücher von Frauen, erschienen 2016 – angelesen, vorgemerkt, gemocht.

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Zum Einstieg:

6 aktuelle Bücher von Frauen, die ich komplett las – und sehr empfehlen kann.

Adieu, mein Kind Schnell, dein Leben Nach einer wahren Geschichte: Roman Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers Der Pfau Ms. Marvel, Vol. 1: No Normal

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zehn englischsprachige Titel – angelesen und gemocht:

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01: Zadie Smith, “Swing Time”

  • 453 Seiten, November 2016, Großbritannien
  • Seit fast 15 Jahren lese ich Bücher von Smith an – und lege sie zur Seite, weil sie mir zu bürgerlich-britisch-gesetzt scheinen. Hier fesseln/überzeugen mich die ersten Seiten: ambitionierte Frauen, und eine komplizierte Freundschaft.

“Two brown girls dream of being dancers – but only one, Tracey, has talent. The other has ideas: about rhythm and time, about black bodies and black music. A close but complicated childhood friendship that ends abruptly in their early twenties. Moving from North-West London to West Africa, Swing Time is an exuberant dance to the music of time.” [Klappentext, gekürzt.]

Swing Time
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02: Alice Hoffman, “Faithful”
  • 258 Seiten, November 2016, USA
  • Klingt nach schlimmem Kitsch: ein Engel? Aber: hoher Ton, magischer Realismus, vielleicht ein klug existenzieller Mainstream-Schmöker.

“Growing up on Long Island, an extraordinary tragedy changes Shelby Richmond’s fate. Her best friend’s future is destroyed in an accident, while Shelby walks away with the burden of guilt and has to fight her way back to her own future. In New York City she finds a circle of lost and found souls—including an angel who’s been watching over her.” [Klappentext, gekürzt.]

Faithful

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03: Rachel Cusk, “Transit”

  • 272 Seiten, September 2016, Großbritannien
  • Band 1 der Trilogie war mir zu trocken. Doch ich mag die Idee, über die Zeit nach einer Trennung zu schreiben – nicht vor allem über das Zerbrechen der Ehe zuvor.

“The stunning second novel of a trilogy that began with Outline (2015): In the wake of family collapse, a writer and her two young sons move to London. A penetrating and moving reflection on childhood and fate, the value of suffering and the moral problems of personal responsibility. A precise, short, and yet epic cycle of novels.” [Klappentext, gekürzt.]

Transit

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04: Eimear McBride, “The Lesser Bohemians”

  • 320 Seiten, September 2016, Irland/Großbritannien
  • Avantgarde-Autorin, in die ich seit “A Girl is a half-formed thing” große Hoffnungen setze: Ich mag, wie simpel und bodenständig der Plot hier wirkt – erwarte aber viele Stil- und Perspektiv-Experimente.

“Upon her arrival in mid-1990s London, an 18-year-old Irish girl begins anew as a drama student. She struggles to fit in—she’s young and unexotic, a naive new girl in the big city. Then she meets an attractive older man. He’s an established actor, 20 years older, and an inevitable clamorous relationship ensues.” [Klappentext, gekürzt.]

The Lesser Bohemians

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05: Angela Palm, “Riverine”

  • 224 Seiten, August 2016, USA
  • Klingt sehr dick auftragen: Bei 400 Seiten wäre ich skeptisch. Aber 224? Das könnte klappen:

“Angela Palm grew up in a house set on the banks of a river that had been straightened to make way for farmland. Every year, the Kankakee River in rural Indiana flooded and returned to its old course while the residents sandbagged their homes against the rising water. From her bedroom window, Palm watched the neighbor boy and loved him in secret. As an adult Palm finds herself drawn back. This means visiting the prison where the boy that she loved is serving a life sentence for a brutal murder. Mesmerizing, interconnected essays about what happens when a single event forces the path of her life off course.” [Klappentext, gekürzt.]

Riverine: A Memoir from Anywhere But Here

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06: Natashia Deón, “Grace”

  • 400 Seiten, Juni 2016, USA
  • Historienschmöker, vielleicht unrealistisch verschachtelt. Aber: Figuren, wie ich sie noch nicht kenne!

“A runaway slave in the 1840s south is on the run: Fifteen-year-old Naomi escapes the brutal confines of life on an Alabama plantation and must take refuge in a Georgia brothel run by a freewheeling, gun-toting Jewish madam named Cynthia. There, Naomi falls into a star-crossed love affair with a smooth-talking white man named Jeremy who frequents the brothel’s dice tables all too often. The product of Naomi and Jeremy’s union is Josey, whose white skin and blonde hair mark her as different from the other slave children on the plantation. Josey soon becomes caught in the tide of history when news of the Emancipation Proclamation reaches the declining estate. Grace is a sweeping, intergenerational saga featuring a group of outcast women during one of the most compelling eras in American history.” [Klappentext, gekürzt.]

Grace: A Novel

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07: Ashley Sweeney, “Eliza Waite”

  • 327 Seiten, Mai 2016, USA
  • Dass die Figur ausgerechnet Bäckerin wird, scheint mir bieder. Aber: Gutes Setting, schöner Ton, und nicht zu lang/dick.

“After the tragic death of her husband and son on a remote island in Washington’s San Juan Islands, Eliza Waite joins the throng of miners, fortune hunters, business owners, con men, and prostitutes traveling north to the Klondike in the spring of 1898. In Alaska, Eliza opens a successful bakery on Skagway’s main street and befriends a madam at a neighboring bordello. Occupying this space―a place somewhere between traditional and nontraditional feminine roles―Eliza awakens emotionally and sexually. Part diary, part recipe file, and part Gold Rush history, Eliza Waite transports readers to the sights, sounds, smells, and tastes of a raucous and fleeting era of American history.” [Klappentext, gekürzt.]

Eliza Waite: A Novel
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08: Lucy Knisley, “Something New”

  • 304 Seiten, Mai 2016, USA
  • Graphic Novel in sympathisch schlichtem, aber vielleicht zu naiven Stil: Jedes Mal, wenn ich in die persönlichen Erlebnisberichte Knisleys blättere, habe ich Lust, alles sofort zu lesen. Aber: Vielen Leuten bleibt es zu flach, süßlich, halbfertig.

“A funny and whip-smart new book about the institution of marriage in America told through the lens of her recent engagement and wedding…. The graphic novel tackles the all-too-common wedding issues that go along with being a modern woman: feminism, expectations, getting knocked over the head with gender stereotypes, family drama, and overall wedding chaos and confusion.” [Klappentext, ungekürzt.]

Something New: Tales from a Makeshift Bride
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09: Jessi Klein, “You’ll grow out of it”

  • 291 Seiten, Juli 2016, USA
  • Spaß-Feminismus-Plauder-Memoir, vielleicht zu angepasst und erwartbar. Erstmal aber: eine angenehme, gewitzte Stimme.

“As both a tomboy and a late bloomer, comedian Jessi Klein grew up feeling more like an outsider than a participant in the rites of modern femininity. A relentlessly funny yet poignant take on a variety of topics she has experienced along her strange journey to womanhood and beyond, including her “transformation from Pippi Longstocking-esque tomboy to are-you-a-lesbian-or-what tom man,” and attempting to find watchable porn.” [Klappentext, gekürzt.]

You'll Grow Out of It
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10: Theresa Larson, “Warrior”

  • 272 Seiten, April 2016, USA
  • Hier habe ich Angst vor Ideologien: Army-Begeisterung, “G.I. Jane”-Feminismus, übertriebene Militärbegeisterung. Trotz schlimmem Cover und schlimmem Titel aber klingt diese Lebensgeschichte kantig/interessant, und stilistisch bin ich positiv überrascht.

“At ten, Theresa Lawson was a caregiver to her dying mother. As a young adult, a beauty pageant contestant and model. And as a grown woman, a high-achieving Lieutenant in the Marines, in charge of an entire platoon while deployed in Iraq. Meanwhile, she was battling bulimia nervosa, an internal struggle which ultimately cut short her military service when she was voluntarily evacuated from combat. Theresa’s journey to wellness required the bravery to ask for help, to take care of herself first, and abandon the idea of “perfect.”” [Klappentext, gekürzt.]

Warrior: A Memoir
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Bonus: drei Titel von 2015, die mir erst jetzt auffielen:
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1: Sandra Cisneros, “A House of my own. Stories from my Life”

  • 400 Seiten, Oktober 2015, USA
  • Essays einer Baby-Boomerin, Second-Wave-Feminism. Ich mag ihren Ton – aber habe Angst, die meisten Gedanken schon zehnmal gehört zu haben.

“A richly illustrated compilation of true stories and nonfiction pieces that, taken together, form a jigsaw autobiography: From the Chicago neighborhoods where she grew up and set her groundbreaking The House on Mango Street to her abode in Mexico, the places Sandra Cisneros has lived have provided inspiration for her now-classic works of fiction and poetry. Ranging from the private (her parents’ loving and tempestuous marriage) to the political (a rallying cry for one woman’s liberty in Sarajevo) to the literary (a tribute to Marguerite Duras), and written with her trademark sensitivity and honesty, these poignant, unforgettable pieces give us not only her most transformative memories but also a revelation of her artistic and intellectual influences.” [Klappentext, gekürzt.]

A House of My Own: Stories from My Life

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2: Wendi Stewart, “Meadowlark” (dt: “Ein unbesiegbarer Sommer”, 2016)

  • 336 Seiten, Kanada 2015. (Deutsch bei Nagel & Kimche)
  • Kanadische Coming-of-Age-Romane reden manchmal viel zu lange nur über Natur, Schnee und Wildnis-/Jäger-/Farm-Melancholie. Eine Freundin fand das Buch mittelmäßig. Ich bleibe vorsichtig optimistisch:

“Als das Auto der Familie Archer in Kanada durchs Eis eines gefrorenen Sees bricht, kann Robert einzig seine Tochter retten. Rebecca kümmert sich allein um den Haushalt und die Farm, der Vater kapselt sich ab. Trost findet sie in der Freundschaft mit Chuck, einem empfindsamen, von seinem Vater tyrannisierten Jungen, und mit Lissie, die von einer perfektionistischen Adoptivmutter gegängelt wird.” [Klappentext, gekürzt.]

Ein unbesiegbarer Sommer

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3: Yeonmi Park, “In Order to Live” (dt: “Mut zur Freiheit. Meine Flucht aus Nordkorea”, 2015)

“Yeonmi Park träumte nicht von der Freiheit, als sie im Alter von erst 13 Jahren aus Nordkorea floh. Sie wusste nicht einmal, was Freiheit ist. Alles, was sie wusste war, dass sie und ihre Familie sterben würde, wenn sie bliebe—vor Hunger, an einer Krankheit oder gar durch Exekution. Sie erzählt von ihrer grauenhaften Odyssee durch die chinesische Unterwelt, bevölkert von Schmugglern und Menschenhändlern, bis nach Südkorea; und sie erzählt von ihrem erstaunlichen Weg zur führenden Menschenrechts-Aktivistin mit noch nicht einmal 21 Jahren.” [Klappentext, minimal gekürzt.]

Mut zur Freiheit: Meine Flucht aus Nordkorea

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…und drei überzeugende, aktuelle Titel von Männern (alle 2016): 
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1: Tim Murphy, “Christodora”

  • 496 Seiten, August 2016, USA
  • ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos “A Little Life”, ich bin skeptisch beim aktuellen schwulen New-York-Epos “City on Fire”… aber hier, beim dritten Buch dieses (Mini-)Trends, war ich nach zwei Seiten begeistert: genauer Blick, obskure Details, überraschende Figuren.
  • ein schlechtes Zeiten: die sympathische, doch nicht besonders gut geschriebene Reportage von Tim Murphy über seine eigene HIV-Infektion bei Buzzfeed.

“A diverse set of characters whose fates intertwine in an iconic building in Manhattan’s East Village, the Christodora: Milly and Jared, a privileged young couple with artistic ambitions. Their neighbor, Hector, a Puerto Rican gay man who was once a celebrated AIDS activist but is now a lonely addict, and Milly and Jared’s adopted son Mateo. As the junkies and protestors of the 1980s give way to the hipsters of the 2000s and they, in turn, to the wealthy residents of the crowded, glass-towered city of the 2020s, enormous changes rock their personal lives. Christodora recounts the heartbreak wrought by AIDS, illustrates the allure and destructive power of hard drugs, and brings to life the ever-changing city itself” [Klappentext, gekürzt.]

Christodora

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2: Colson Whitehead, “The Underground Railroad”

  • 306 Seiten, August 2016, USA
  • Whitehead vermischt oft Gesellschaftskritik mit satirischen Fantasy-Elementen und absurdem World-Building. Manchmal wird mir das zu läppisch oder gewollt – doch er gewann hierfür den National Book Award, und die Leseprobe überzeugte mich:

“Cora is a slave on a cotton plantation in Georgia. When Caesar, a recent arrival from Virginia, tells her about the Underground Railroad, they decide to take a terrifying risk and escape. In Whitehead’s ingenious conception, the Underground Railroad is no mere metaphor – engineers and conductors operate a secret network of tracks and tunnels beneath the Southern soil. Ridgeway, the relentless slave catcher, is close on their heels. The Underground Railroad is at once a kinetic adventure tale of one woman’s ferocious will to escape the horrors of bondage and a shattering, powerful meditation on the history we all share.” [Klappentext, gekürzt.]

The Underground Railroad

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3: Richard Russo: “Everybody’s Fool” (dt. “Diese gottverdammten Träume”, 2016)

  • 306 Seiten, August 2016, USA (Deutsch: hier, Dumont)
  • Bisher war mir Russos Kleinstadt- und Altmänner-Romantik immer zu süßlich. Im besten Fall aber kann mich das hier darüber hinweg trösten, dass John Updike keine neuen “Rabbit”-Romane mehr schreiben kann:

“Richard Russo returns to North Bath, in upstate New York, and the characters he created in Nobody’s Fool. The irresistible Sully, who in the intervening years has come by some unexpected good fortune, is staring down a VA cardiologist’s estimate that he has only a year or two left, and it’s hard work trying to keep this news from the most important people in his life: Ruth, the married woman he carried on with for years – and Sully’s son and grandson, for whom he was mostly an absentee figure (and now a regretful one).” [Klappentext, gekürzt.]

Everybody's Fool
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Jugendbücher 2016, Stefan Mesch (2)

Freunde – oder Trolle? Widerspruch & Journalismus.

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19. November: Trump-Anhänger zeigen den Hitlergruß und rufen “Heil” oder “Hail”.

22. November: Geschichts-Student sagt auf Twitter: “Als jemand, der Geschichte studiert, erinnere ich daran: the Nazis were bad.”

zwei Stunden später: jemand antwortet: “Aber dann kann man ja auch gleich sagen: Alle Leute aus Nordkorea sind “bad”. Nein. Einer von vielleicht 300 Nazis war ‘bad’. Die restlichen machten eben ihren Job. Was für eine undifferenzierte und geschichtsvergessene Aussage!”

Ich mag die Diskussionskultur meiner Facebook-Freund*innen:

Wir bleiben meist sachlich, respektvoll, konstruktiv, offen, und bei jedem Posting von mir gibt es Zwischenfragen, Einwände, Links und neue Ideen, aus denen ich lerne und an denen ich mich, im besten Sinn, reibe. Gespräche auf Facebook – auch und besonders: über Politik – bringen mir fast immer viel. Danke dafür!

Doch ich merke auch:

Es ist viel zu einfach für eine einzelne Person, für EINEN Troll oder Provokateur, uns alle stundenlang in Diskussionsthreads an den Rand unserer Kräfte zu bringen…

…mit ein paar Zwischenfragen, mit “Oha: Was soll das heißen?”-Vergleichen oder mit Aussagen wie: “Ihr alle seht das so? Tja. Überzeugt mich nicht. Ich sehe das anders. Deal with it.”

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Richard Gutjahr schreibt:

“Die Menschen von heute sind quasi vor dem Fernseher geboren worden, haben jeden Abend 15 Minuten aus der Welt vorgespielt bekommen und dachten, dass sei die Wirklichkeit. Jetzt plötzlich erkennen sie, dass sie nur Schattenspiele an der Wand beobachtet haben und dass die Welt da draußen sehr viel größer und komplexer ist als das, was sie aus Zeitung und Fernsehen kannten. Und wie bei Platon ist das Publikum erstmal geschockt und orientierungslos. Das grelle Licht außerhalb der Höhle blendet und tut in den Augen weh, die Menschen suchen nach Halt und Orientierung. Genau in dieser Phase kommen dann Vereinfacher wie Donald Trump oder Frauke Petry und bieten scheinbar einfache Antworten. Ich glaube gar nicht, dass jeder ihrer Anhänger ihnen 100-prozentig glaubt. Das Problem ist eher: Die Menschen wollen nicht zurück in die Höhle und zu den alten Schattenspielern, denn von denen fühlen sie sich ein Stück weit betrogen, weil sie ihnen suggeriert haben, dass das, was sie sendeten, wahr und die ganze Welt sei. Jetzt hat man 1000 andere Quellen und Möglichkeiten, auf die bekannten Wahrheiten zu schauen und plötzlich merkt man, dass diese nicht immer das ganze Bild gezeigt haben.

Man tut uns Journalisten und Medien Unrecht, wenn man daraus schlussfolgert, dass da absichtlich gelogen wird. Aber viele Leute empfinden das so. Und so stehen wir, die Medien, teilweise zu Recht in der Diskussion, auch wenn wir nicht alleine Schuld sind an dieser Situation. Jetzt geht es darum, das verlorene Vertrauen bei jedem einzelnen wieder zurück zu gewinnen.” [Quelle: hier.]

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Selbst eine Aussage wie “The Nazis were bad” wird hinterfragt.

Das finde ich erstmal gut.

Doch ich merke: Die Aussage wird meist von genau jenen Leuten hinterfragt, die damit sagen wollen “Tja: Ihr Journalist*innen seid schlimme Vereinfacher, und ihr denkt in Schubladen!”

Für mich bedeutet das, dass ich als Journalist – auch auf Facebook, in meinem privaten Profil – einen Satz wie ‘The Nazis were bad’ gar nicht mehr schreiben würde.

Weil ich wüsste: Es gibt zehn, fünfzehn Facebook-Freunde von mir, die das kommentieren würden mit “Was für eine pauschale Aussage. Stefan? So kann man das nicht sagen.”

Und weil solcher Widerspruch so schnell kommt, im Moment, bei egal welcher Aussage, verstricke ich mich zu oft in Relativierungen:

“Ich persönlich finde, nach allem, was ich weiß, dass die Nazis ja größtenteils – sicherlich nicht als Einzelpersonen, für sich, doch auf jeden Fall aber als politische Kraft – eher schlecht als gut waren. Aber: Ich will damit jetzt nicht z.B. Stalin verharmlosen, oder irgendwen verteufeln. Und: ICH habe nicht Geschichte studiert. Ich bin sicher, da gibt es Grautöne.”

Uff.

Ich fürchte, jene Handvoll “kritischer” Kommentarschreiber, die in solchen Momenten sofort widersprechen, schimpfen, mich zu mehr “Sachlichkeit” anhalten, werden das IMMER tun. Egal, wie differenziert ich formuliere, und egal, wie sehr ich mich vor Schubladen hüte. Sind das “Freunde”? Oder sind das Trolle?

Ich glaube nicht, dass sie Einspruch erheben, weil sie sich wirklich um Differenzierung sorgen, oder um die journalistische Qualität meiner Texte.

Mich haben Philosophie, Rhetorik und Logik-Spiele nie besonders interessiert. Ich arbeite mich selten daran ab, ob und wie ich einem konkreten Satz widersprechen könnte/müsste. Falls jemand postet “Heute ist ein schöner Tag”, kommentiere ich nicht: “Für dich. Das kann man nicht allgemein sagen” oder “Wie bitte definierst du ‘schön’? Die Aussage bleibt wertlos!” oder “Ist der ‘Tag’ schön oder nur dein persönlicher Eindruck von diesem Tag? Du verallgemeinerst.”

Aber: Leute, die Spaß an solchen Kämpfen haben, kommentieren eben besonders gern – und sie können mir mit fünf, sechs Fragen oder Rhetorik-Ermahnungen irrsinnig viel Zeit und Energie nehmen.

Zu oft in letzter Zeit merke ich: Das sind die Leser*innen, die ich zuerst im Kopf habe. DAS sind die Menschen, für die ich formuliere und an die ich zuerst denke, bei jedem Wort, das ich abwäge.

Ich weiß nicht, ob das meine Texte besser macht.

Oder, ob ich damit Leuten mehr Einfluss, Raum, Bühne gebe, als sie verdienen.

Ist die Lektion für mich “Sei noch differenzierter: Sichere dich nach allen Seiten ab, rhetorisch, damit man dich nicht falsch versteht!”…?

Oder “Wer dich falsch verstehen will, wird IMMER etwas finden”…?

Zu oft reicht ein einzelner Provokateur oder Rhetorik-Trickser, um mich und eine Handvoll Mit-Kommentator*innen für Stunden zu beschäftigen. Ist das den Aufwand wert? Muss ich auf viele Einwände eingehen – als guter Journalist?

Mich macht traurig, dass selbst ein Satz wie “Die Nazis waren schlimm” so viel Gegenwind, so viel Argwohn weckt. Ich habe Angst, zu hören “Du bist undifferenziert!”. Doch ich frage mich seit ein paar Wochen täglich: “Wünschen sich die Leute, die mir das oft vorwerfen, wirklich Differenzierung? Oder hoffen sie nur, dass ich mich verzettele? Und zugebe: Ich weiß eigentlich gar nichts. Nicht einmal, ob die Nazis ‘schlimm’ waren.”

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Screenshot: @Michael1979, auf Twitter.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind: Kritik, Probleme, Fragen, Fehler

tierwesen

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Ich bin Literatur- und Comickritiker (Texte hier), doch schreibe gerne auch über TV-Serien, große Franchises, Kino; und war heute Nachmittag für Deutschlandradio Kultur in der Pressevorstellung / Vorpremiere zu “Fantastic Beasts and where to find them”.

Morgen früh spreche ich im Magazin “Lesart” über den (gelungenen!) Film, JK Rowlings (enttäuschendes) Theaterstück “Harry Potter and the Cursed Child” und die vielen Hintergrund-Texte auf u.a. Pottermore – zwischen 10 und 11, Link hier.

Schon heute: lose Gedanken zum Film.

Spoilerfrei.

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Die Handlung: “Harry Potter” spielt in den 90er Jahren, in Großbritannien. Zauberschüler lernen dort aus dem Sachbuch “Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind”, erschienen 1927, verfasst vom magischen Zoologen Newt Scamander. Im Kinofilm (dem ersten einer fünfteiligen Reihe; Drehbuch: JK Rowling) reist Scamander 1926 nach New York und verliert einen Koffer voller Tierwesen. Viele brechen aus und stiften Unordnung in der Stadt – so groß, dass auch Nichtmagier bald begreifen könnten: Es gibt Hexen und Zauberer, mitten unter ihnen. 

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01_Sehen oder nicht? Sehen!

02_In einem Satz: Schwungvoll, herzlich, selbstbewusst – und überraschend zugänglich: sorgfältige, detailverliebte Mainstream-Unterhaltung, in der fast alles (Plot, Darsteller, Ausstattung, Emotionen/Figurendynamik) etwas besser ist als nötig/erwartet.

03_Das größte Problem: “Harry Potter” konnte sieben Bände lang eine überraschende Welt und ihre Spielregeln enthüllen. “Fantastic Beasts” spielt 1926 – und bleibt für “Potter”-Fans recht geheimnislos und oberflächlich: Wir wissen, wen die Hauptfigur heiratet. Wir wissen (grob), welche Konflikte die Welt der Zauberer bis 1945 bestimmen. Anders als bei Prequels wie z.B. Episode I bis III von “Star Wars” fehlt “Beasts” eine “Hier entrollt sich eine Tragödie”- oder “Wie konnte es so weit kommen?”-Stimmung.

04_Vorher “Potter” lesen, oder alle 8 “Potter”-Filme sehen? Ich glaube, wer “Harry Potter” gar nicht kennt, hätte den größten Spaß – weil er die geheime Welt der Magier hier im Film durch die Augen von Muggel / No-Maj / Nichtmagier Jacob Kowalski kennen lernt. “Beasts” ist überraschend zugänglich, verständlich, einsteigerfreundlich.

05_Ein Film für Kinder? Ab ca. 10, ja. Eine Grundstimmung wie im (viel schlechteren) Fantasy-Abenteuerfilm “Jumanji” (1995: Tiere, Monster, Sense of Wonder), Verfolgungsjagden, Stadtpolitik, Milieus wie in der Trickserie “Avatar: Legend of Korra” (2012: magische Kämpfe im Großstadt-Dekor der 20er Jahre); viel Urban Fantasy: “Dr. Who”/”Torchwood” trifft “Dresden Files” trifft “Men in Black” trifft Pixar-Fantasy wie “The Incredibles”. Insgesamt etwa so düster/”erwachsen” wie “Harry Potter und der Feuerkelch”.

06_Die Altersfreigabe ab sechs Jahren… überrascht mich: Der Film gibt sich keine Mühe, kindgerecht oder kinderfreundlich zu wirken, alle Hauptfiguren sind erwachsen, es gibt Todesfälle, Horror-Elemente, viel weniger Lieblichkeit als z.B. in den ersten “Potter”-Büchern und Filmen. Nichts wirkt kindlich. Nichts wirkt kindisch. Aber deshalb wirkt auch nichts besonders einladend, auf Grundschulkinder.

07_Keine Recherche nötig: Etwa fünf Tierwesen spielen größere Rollen im Film, insgesamt kommen ca. 15 Spezies vor – doch alles, was ich wissen muss, erfahre ich bequem im Verlauf des Films. Deshalb: nicht nötig, das “Tierwesen”-(Schul-)Buch von 2001 zu lesen. Auch Rowlings neue Bonustexte auf “Pottermore” haben meine Erwartungen v.a. sinnlos überhöht. Und: Zu “Harry Potter and the Cursed Child” (und z.B. dem Tierwesen, das dort eine wichtige Rolle spielt) hat der Film *gar keine* expliziten Bezüge.

08_Ich selbst genoss die Potter-Romane, besonders Band 3 und 4 – und mag besonders, wie politisch, düster und komplex die Reihe wird (langer Text von mir zu Band 7: Link). Außerdem liebe ich die schlagfertigen Hauptfiguren, ihre Freundschaften und Streits. Von den Verfilmungen sah ich nur Teil 1 und 2: zu kindisch, zu drollig – doch ich weiß, dass die späteren Filme reifer werden. 2016 las ich “Harry Potter and the Cursed Child” (und fand es holprig, lieblos, müde), 2012 war ich genervt und enttäuscht von Rowlings “Ein plötzlicher Todesfall” (Kritik von mir bei ZEIT Online). Ich stehe der “Potter”-Welt wohlwollend gegenüber.

09_4 von 5 Sternen. Empfehlung. Aber, wie bei “Star Wars: Das Erwachen der Macht”: Die Erzählwelt und ihre Abgründe bleiben harmloser, unpolitischer, seichter, als sie sein müssten. Ein Film, der allen gefallen wird – weil er kaum Risiken eingeht.

10_Warum keine 5 Sterne? Zwei der vier Held*innen und alle Antagonisten und Nebenrollen bleiben mir zu flach, im Finale wird ein großes Problem viel zu vorschnell und bequem gelöst, und während Harry, Ron, Hermine uns an Traumata, Konflikte unserer Schulzeit erinnern, bleiben mir die Erwachsenen hier im Film recht fremd. Wundervoll stimmige, einladende, sympathische Unterhaltung – doch weder besondere Film- noch Erzählkunst.

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Gedanken, Probleme, Fragen.

Ab hier: Spoiler / Details aus der Handlung!

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11_Hauptdarsteller Eddie Redmayne (“The Danish Girl”; Stephen Hawking in “Die Entdeckung der Unendlichkeit”) erinnert mich (im Guten wie im Schlechten) an Hugh Grant: ein überforderter, stotternder, charmant-naiver Brite, idealistisch – doch oft zögerlicher, tölpelhafter, als mir lieb war. Keine besonders originelle Figur; auch deutlich flacher/harmloser als Harry.

12_Katherine Waterston (“Steve Jobs”; Nebenrolle in “Boardwalk Empire”) als in Ungnade gefallene magische New Yorker Beamtin/Ermittlerin wirkte auf mich an vielen Stellen zu passiv, arglos, schwer von Begriff, vertrauensselig. Alle vier Held*innen waren ein Tick dümmlicher als nötig. Gute Schauspieler in sympathischen Rollen… doch ich wünschte, sie wären smarter, zupackender.

13_Einige Fans sind enttäuscht, dass Johnny Depp mitspielt – nach den Ausfällen gegen seine Exfrau Amber Hearst.

14_Depp spielt den Zauber-Nazi, Populisten, Hitler-als-Magier-Bösewicht Gellert Grindelwald – der Jugendfreund und -schwarm von Albus Dumbledore. Er ist im Film nur für Sekunden zu sehen: ein feister, bleicher, germanischer Mann mit weißblondem Scheitel. Dumbledore wird erwähnt. Er war schon in den 10er-Jahren Lehrer in Hogwarts und bemühte sich vergeblich, zu verhindern, dass Newt Scamander wegen seiner gefährlichen Tiere der Schule verwiesen wird, kurz vor dem Abschluss.

15_Alle (sechs? acht?) Bösewichte, Antagonisten im Film werden viel zu schnell verbraucht, besiegt oder töten sich gegenseitig. Und alle bleiben mir zu oberflächlich: Mary Lou Barebone als Hexenjägerin/Waisenhausleiterin wirkt wie das (lieblose) Klischee einer völlig freudlosen fundamentalistischen Christin. Kein Charisma, keine guten Argumente, eine flache, trostlose Figur. Ihre Adoptivtochter – weißblondes Haar, Zöpfe, creepy Blick – wirkt auf mich wie aus einer Horrofilm-Parodie, bei allen Szenen im Waisenhaus dachte ich an (bessere!) Momente aus z.B. “Bates Motel”. [Aber: Mir waren auch schon die Dursleys, Harrys Muggel-Verwandte, viel zu eindimensional-monströs-engstirnig gezeichnet.]

16_Seraphina Picquery, die schwarze Präsidentin der MACUSA-Behörde, ist die einzige wichtige Figur of Color – und erinnert mich in ihrer Haltung und Kälte/Besonnenheit an Realpolitikerinnen wie Angela Merkel, Hillary Clinton. Ich mag, wenn wichtige Behörden, Staaten nicht von besonders gütigen, harmlosen, väterlichen Figuren kontrolliert werden… sondern eine Erzählwelt auch mitdenkt/zeigt, wie schnell man sich die Finger schmutzig macht, welche grausamen Entscheidungen man treffen muss. Bei Seraphina glückt das nicht: Sie wirkt überfordert und gibt alle Befehle – selbst Todesurteile – aus einer wenig informierten “Uff. Na: Wenn das so ist…? Tja. Ich befehle jetzt. Muss ja”-Haltung heraus.

17_Wurde der Subplot um Zeitungsmagnat Henry Shaw und seine beiden Söhne gekürzt? Alle drei Männer sind wenig originell und erinnern mich an Polit-Bedrohungen wie Senator Kelly aus den “X-Men” (…aber: ich mochte sehr, wie aggressiv und bedrohlich Langdon Shaw plötzlich die Baseballkeule schwang, im Büro). Richtig genutzt wurden diese Leute nicht: Ich muss auch an die vielen flachen konservativen Nebenfiguten in Rowlings “Ein plötzlicher Todesfall” denken. Mehr Tiefgang für Reaktionäre und das Establishment, bitte!

18_Colin Farrell als Auror Percival Graves machte mir Spaß (und ich ärgere mich, dass die Figur sich am Ende… entlarvt/verwandelt und Farrell in Fortsetzungen wohl nicht mehr auftauchen kann); doch Ezra Miller als Credence Barebone ging mir auf die Nerven – auf eine ähnliche Art wie Kylo Ren in “Star Wars 7”: gemeingefährliche Emo-Jungs, weiße, schlacksige, enttäuschte Jammerlappen, das unerschöpfliche Wut- und Selbsthass-Potenzial von blassen Bubis, die dem Millennial- und Generation-Y-Klischee entsprechen. Ich mag Miller. Doch fand diese Rolle und ihre Entwicklung… schockierend flach. Und ich frage mich, ob sich Farrell und Miller wirklich so oft hätten anfassen müssen, in dunklen Gassen, vor Erregung zitternd. #schwulersubtext #schwulerselbsthass

19_Ich weiß nicht, was “Fantastic Beasts” über (Anti-)Rassismus, fragile Männlichkeit, Gefolgschaften, Autorität, Populismus, Selbsthass und Angst vor dem anderen erzählen will: die Botschaft wirkt zugleich holzhammrig und neblig/unsortiert. Doch das dachte ich schon bei den Todessern in “Harry Potter” und, schlimmer, bei der Psychologie der neuen bösen Figur in “Harry Potter and the Cursed Child”: Man merkt jedes Mal, dass sich Rowling gegen Faschismus und Ungerechtigkeit positionieren will. Doch ich finde nicht, dass ihr dabei besonders originelle, intelligente, erschütternde Analogien gelingen. Gut gemeint. Aber: Was will sie sagen?

20_Ich liebe Jacob Kowalski. Ein gutmütiger Sidekick bleibt in vielen Filmen nur Nervensäge, Klischee. Auch Ron Weasley hat mich nie begeistert oder gerührt. Doch Jacob-Darsteller Dan Fogler ist witzig, ohne, lächerlich zu wirken. Tolpatschig, ohne, mich mit Slapstick zu nerven (…die Graphorn-Verfolgungsjagd durch den Central Park dauerte mir zu lange). Tatsächlich ist die Figur das Herz des Films, und ich freute mich über jeden Blick, jeden Satz, jede Reaktion. [Es hilft, dass ich nach wenigen Szenen an meinen Partner denken musste, Freund M.]

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21_Vor “Mad Men” hätte ich Queenie Goldstein, die zweitwichtigste Frau im Film, gemocht: eine Assistentin, die im Patriarchat voran kommt, indem sie sich in allen entscheidenden Momenten dumm stellt oder Vorurteile über Frauen demonstrativ erfüllt. Tatsächlich aber war Sekretärin Joan aus “Mad Men” so viel klüger, raffinierter – und traf auf intelligentere Widerstände: mir blieb Queenie, die blonde Gedankenleserin mit der Quiekstimme, zu harmlos und nah am Klischee.

22_Tolles Set-Design, grandiose Ausstattung! Im August sah ich den Kinofilm “Genius”: Schriftsteller Thomas Wolfe und sein Lektor in New York, Ende der 20er bis 1938. Drei Wohnzimmer, ein Büro, zwei Straßenzüge. Für mehr New York reichte das Budget nicht. “Beasts” dagegen macht die Ära tatsächlich lebendig. Ich mag, wie viele ärmliche und einfache Apartments und Straßen gezeigt werden, und, dass der Film keine kitschig-disneyhaft sauber-golden-überstilisierte Art-Deco-Welt behauptet. Und ich mag, dass er im November spielt: ein Film-New-York, das mir plausibel und attraktiv scheint, doch das ich – in diesem Licht, in dieser Stimmung – noch kaum sah, im Kino. [Man merkt/denkt an keiner Stelle: Das wurde in Liverpool gedreht.]

23_Aber: Obwohl Lokal- und Zeitkolorit stimmen und das Setting, 1926, dem Film fast allen Charakter verleiht, erfahre ich hier nichts Tieferes über die Epoche, den Zeitgeist, Konflikte und das Menschenbild. 1926 heißt im Film nur: Es gibt (zum Glück) keine Handys, es gibt (zum Glück) keine Kameras, und Muggel-Polizisten und -Reporter tauchen bequem spät auf. Das reicht nicht: Die britischen Zauberer/Hexen bei “Potter” wirkten oft vorgestrig, verbohrt, aus der Zeit gefallen… “Beasts” dagegen zeigt mir zu viele Zaubernde, die auch im Jahr 2016 genau so leben, arbeiten und entscheiden könnten. Wo sind die Vorurteile, die Beschränkungen, die Werte der 20er Jahre?

24_Newt Scamander ist ein Huffelpuff und trägt einen Schal in Huffelpuff-Farben – doch das wird nie tiefer beleuchtet. Ich hätte gern mehr darüber erfahren, wie das Hogwarts-Haus und die Figur zusammenpassen. (Nur die Tierliebe / Empathie und eine gewisse… Aufgeschlossenheit, Gutmütigkeit?)

25_Auch die Tierwesen bleiben flach, uninteressant. Ein paar Kritiken machen Pokémon-Vergleiche oder Pokémon-Go-Witze (“Wo sind solche Wesen zu finden? Überall, seit der App!”), und natürlich gibt (Link) es oberflächliche Parallelen (Link). Insgesamt geht es leider kaum um Zoologie, das Nebeneinander von Mensch und Tier usw., Scamander steht zwar auf Seiten der Wesen und des Artenschutzes, doch ich erhoffte mir viel mehr. [Das Bowtruckle erinnerte mich an Baby Groot aus “Guardians of the Galaxy 2”; und der recht amerikanische Donnervogel Frank an den sehr amerikanischen Weißkopf-Seeadler.]

26_Ich hasste den Deus ex Machina im Finale: Die Zaubernden werden nicht enttarnt, der Donnervogel hilft mit magischem Regen, das Gedächtnis aller (!) Bewohner*innen Manhattans zu löschen. Von aktuellen TV-Serien bin ich gewohnt, dass ständig das Undenkbare geschieht – und nie mehr rückgängig zu machen ist. Deshalb enttäuscht mich, wie bequem und spannungslos alle Ordnung wiederhergestellt wird. Und: Alle sieben “Potter”-Romane hatten eine Krimi-Struktur und erinnerten an Plots von z.B. Agatha Christie. “Beasts” habe ich nicht als Krimi gesehen/verstanden. Deshalb: ein gemütlicher, launiger Film. Doch kein sehr spannender – und wenig Dringlichkeit für Teil 2.

27_Insgesamt aber: gutes Timing; kurzweilige, gut balancierte Szenen. Der Kakerlaken-Teekannen-Wurf wirkte zu künstlich/videospielhaft, der Ausbruch aus dem Ministerium mit Queenies Hilfe schien mir zu leicht, und die Sätze, die Percival, Newt, Portentina im Finale an Credence richten, um ihn zu beruhigen, wirkten auf mich schwach und billig. Beide Szenen in Newts TARDIS-artigem Koffer-Biotop schienen mir sehr lang – doch wunderbar geglückt: idyllische Sets, kluge Gespräche. Schön für mich als “Batman”-Fan: der viele weiße Marmor in der Exekutions-Szene (auch, wenn Profi Tina viel zu lange brauchte, um vom Stuhl in Sicherheit zu springen.)

28_Ich las “Harry Potter and the Cursed Child” (Theaterstück in zwei Teilen, erschienen 2016) am Wochenende. Keine Katastrophe – doch ich musste mich durch Teil 2 quälen, habe tausend Einwände, was die Zeitreise-Logik betrifft, und bin von allen Familiendynamiken unterwältigt: 2 Sterne. Rowlings Stück fühlte sich an wie eine lästige Hausaufgabe. Trotzdem sind für mich “Child” und “Beasts” zwei Seiten der selben Medaille: “Child” ist eine Fortsetzung (spielt ca. 2018), “Beasts” ein Prequel (1926). “Child” ist nur für super-bewanderte Potter-Fans komplett verständlich, bei “Beasts” muss man gar nichts wissen. “Child” weckt die Befürchtung: “Ist Rowling auf dem absteigenden Ast?”, “Beasts” zeigt: “Wow. Nein: Sie kann es (doch) noch!”. “Child” ist ein komplexer, aber verwirrender und müder Ausläufer, “Beasts” Frischzellenkur, Neustart, einladender, einsteigerfreundlicher, fast perfekter Mainstream: etwas seicht, aber eine stimmige Erweiterung der “Potter”-Welt.

29_Meine Hoffnungen für Filme 2, 3, 4 und 5: mehr andere Handlungsorte / nicht länger (nur) New York. (Die nordamerikanische Zauberschule Ilvermorny zu sehen, ist mir dabei nicht besonders wichtig: schöner Artikel dazu, auf Weltenbau-Wissen.de). Komplexere, weniger leicht zu besiegende Faschisten und Populisten (Ich hoffe, die Filmreihe zeigt den zweiten Weltkrieg bis einschließlich 1945, und die Lestrange-Familie wird/bleibt wichtig: mehr über Leta Lestrange u.a. hier). Statt bloßen “tierischen” Wesen wünsche ich mir mehr über das Mit- und Gegeneinander zu Kulturen wie den Zentauren, Trollen, Merpeople. Ich hoffe, Queenie hat in den Fortsetzungen eine Funktion/Existenzberechtigung. Als Deutscher bin ich gespannt, wie viel wir von (Nazi-)Deutschland sehen und, ob der Magier-Diplomat mit dem deutschen Akzent noch einmal auftaucht. Und – das war bei schon bei Harry so: Noch bin ich nicht sicher, ob wir Newt als Person reizend, bezaubernd, wunderbar finden sollen… oder ganz schön schwierig. Ich selbst wäre nicht gern von den Entscheidungen eines Menschen wie Newt abhängig – und bin gespannt, ob diese Kantigkeit und seine Brüche noch ausgebaut und betont werden. (Bei Harry gelang das wunderbar.)
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zuletzt:
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2014, zur Fußball-WM, erschien ein neuer “Pottermore”-Text Rowlings zur Quidditch-WM 2014 (Link: Text von mir, ZEIT Online). Dort wird erwähnt, dass Luna Lovegood, eine Klassenkameradin Harrys, mittlerweile mit dem Enkel von Newt verheiratet ist, Rolf Scamander. Wir wissen, dass Rolf dunkelhäutig ist (“swarthy”), und wir wissen durch das “Phantastische Wesen”-Schulbuch, dass Newt Porpentina heiratete. Im Film sind Newt und Porpentina weiß – das heißt, vermutlich wird ihr Sohn oder ihre Tochter eine große Liebe mit einer Person of Color erleben. Schade, dass nicht Newt selbst oder Tina nicht-weiß sind: Eine Filmreihe, die auf Hitler, Grindelwald, den zweiten Weltkrieg zusteuert, wäre mit Hauptfiguren of Color sicher interessanter. (That being said: Ich denke, Porpentina und Queenie sind Jüdinnen.)
und, Nachtrag: Ich merke erst jetzt, dass Newt Scamanders Londoner Verlag “Obscurus Books” heißt. Im ersten Jahr, nachdem es Newt nicht gelang, einen Obscurus und seinen Obscurial zu retten, erscheint sein Hauptwerk in diesem Verlag. #schuldgefühle? #tribut?
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Kathrin Passig: 70 Fragen

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2013 wurde ich eingeladen, einen Text über meinen ehemaligen Professor zu schreiben. Weil ich Listen liebe und Fragebögen/Interviews, und, weil ich beim Schreiben merkte, wie viel ich nicht weiß, und sehr gern wissen würde…

…wurde aus dem Text ein Fragebogen: 100 Fragen an Stephan Porombka (Link)

2016, zum 60. Geburtstag meines Vaters, sammelte ich persönlichere Fragen – gleich 200. Auch hier ging es um eine Balance/Annäherung: Vieles weiß ich, ungefähr. Aber noch viel mehr weiß ich nicht. Ich glaube, die fertige Liste verrät viel über unser Verhältnis.

…September 2016: 200 Fragen an meinen Vater (Link)

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Der heutige Text gehört *nicht* in diese Reihe:

Kathrin Passig – Autorin, Journalistin, Technik-Expertin, Essayistin und Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2006 – wird mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay ausgezeichnet. Heute, am Vortag der Preisverleihung, spreche ich mit ihr im Staatstheater Darmstadt über kurze Texte, Schreiben im Netz, Misch- und Zwischenformen:

»WAS RICHTIGES / NICHTS RICHTIGES«

Die Autorin und Internet-Expertin Kathrin Passig schreibt Texte, die sich virtuos zwischen Blog, Buch und Essay bewegen. Passig mit dem Autor, Kritiker und Blogger Stefan Mesch über die Bedingungen des Schreibens in alten und neuen Medien oder, wie sie selbst sagt: “über zweifelhafte Formen des Lesens, des Schreibens und der Literaturkritik”. 

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70 erste Fragen und Ideen, für unser Gespräch.

Eine lose Sammlung.

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Auf wie vielen Büchern steht dein Name?

In wie vielen Büchern wird dir gedankt?

Wer dankt, und wofür?

Wie viele Bücher hast du übersetzt? Welches ist das beste?

Nenn mir ein paar analoge Dinge/Aktivitäten, die dir viel Freude machen: Zeug, das nichts mit Technik oder Innovationen zu tun hat.

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Du schreibst, programmierst, hältst Vorträge. Wie wählst du aus: nach Lust, Lebensqualität… oder ist es weiterhin vor allem eine Geldfrage?

Umgekehrt gibt es viele Jobs und Tätigkeiten, die man dir oft zurechnet – von denen ich aber nicht weiß, wie oft du sie machst: Rezensierst du Bücher? Schreibst du literarisch? Arbeitest du an Reportagen?

Als Verlegerin/Herausgeberin des (grandiosen) “Techniktagebuchs”: Würdest du gern mehr verlegen?

Was dachtest du als Kind, was aus dir wird?

Und später, als (Germanistik-)Studentin?

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Würde dein 15jähriges Ich verstehen, was du tust? Oder würde es sagen: “Sie macht ja gar nichts Richtiges?”

Ich sage oft: “Das ist die interessanteste und mir wichtigste Technikjournalistin.” Du sagst am liebsten: “Ich bin Sachbuchautorin” – oder?

Du wirst morgen für deine Essays ausgezeichnet. Wessen Essays liebst du?

Warum und für wen hast du deine ersten Essays geschrieben?

Über welche Themen streitest du dich?

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Was war dir früher wichtig, und ist dir heute ganz egal?

Was war deine beste Entscheidung?

Vor dem Internet wurden Menschen oft dafür bewundert, dass sie viel Wissen behalten und aufsagen konnten. Wofür bewunderst du Menschen?

Wie hat dich das Internet verändert?

Wie hat es dir geschadet?

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Warst du schon in dem Alter, das am besten zu dir passt – oder denkst du, es kommt noch?

Lebst du in einer fundamental anderen Zukunft, als du als Jugendliche dachtest/hofftest?

Du bist 1970 in Deggendorf geboren. Du sprichst oft darüber, was dich von den Menschen dort unterscheidet. Aber: Was hast du mit ihnen gemeinsam?

Wenn du eine Sache an den Lehrplänen deiner Schulzeit hättest ändern können, auch rückblickend, mit dem Wissen von heute: Was?

Viele Netz-Experten und freie Technik-Journalisten betonen immer wieder ihren Vordenker-Status. Du schreibst sehr offen über deine Zweifel oder Fehlschlüsse. Sagst deutlicher, was du (und: wir alle) nicht weißt/wissen können.

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Du sprichst oft über Denkfehler, Trugschlüsse/Vorurteile, Fallacies, cognitive biases: Welche hast du selbst besonders? Gegen welche arbeitest du an?

Welche hast du weniger als die meisten anderen Menschen?

Und welche haben wir eigentlich alle – und sollten sie uns viel bewusster machen, beim Schreiben, Sprechen, Argumentieren?

Du hast mal gesagt, deine Tweets enthalten kaum Rechtschreibfehler, weil du 20 Minuten pro Tweet brauchst. Warum so langsam?

Was findest du aufregender als andere Menschen? Was findest du langweiliger? (Themen? Innovationen? Aktivitäten?)

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Gibt es Texte oder Aussagen, die du zurücknehmen willst? Eher gewisse Urteile? Oder eher Prognosen?

Was wird schlechter? Was geht den Bach runter? Wovor hast du Angst?

Gibt es Dinge, deren Sterben / Verfall dir grade das Herz bricht?

Siehst du irgendwelche großen Disruptions kommen: technisch-gesellschaftliche Umwälzungen, die alles auf den Kopf stellen könnten?

Was unterscheidet dich von deinem Kollaborator/Kollegen/Freund Sascha Lobo?

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In was für Abhängigkeitsverhältnissen stehst du? Wer bezahlt dich? Bestimmen vor allem diese Auftraggeber deine Themen und Arbeit?
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Wenn du deine Texte, Essays, Kolumnen nicht schreibst, schreibt sie niemand: Ich finde dich unersetzlich. Deine Perspektive ist oft sehr eigen. Trotzdem wirkst du bescheiden: Leistest du wichtige Arbeit? Oder denkst du “Luxus. Eigentlich habe ich alle Freiheiten. Schön, dass ich damit durchkomme”…?
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Warum schläft/ruht dein Gemeinschafts-Nerd-und-Technikblog “Riesenmaschine”?

Hast du seit 2006, nachdem du mit deiner ersten Erzählung den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hast, noch einmal Prosa geschrieben?

Schreibst du private Texte, die niemand liest? Nur für dich?

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Mit welcher Aussage hast du dir bisher den größten Ärger gemacht?

Hast du Feinde? Bist du jemandem ein Dorn im Auge?

Würdest du auf Demonstrationen gehen? Skandieren?

Ich finde dich recht empathisch und… weitherzig: Was tust du, um die Welt besser zu machen? Bist du in Vereinen oder Initiativen aktiv?

Du hast über 30.000 Follower auf Twitter: Warum nutzt du deinen Twitter-Fame selten, um Debatten anzust0ßen, politisch zu tweeten, Hilfsgesuche zu teilen o.ä.?

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Liest du klassische Rezensionen im Feuilleton? Geben sie dir etwas? Oder “glaubst” du nicht daran – als Gründerin der “automatischen Literaturkritik”?

Legst du Archive an? Sammelst du etwas? Hältst du irgend etwas fest?

Du bist ein Fan von Gründlichkeit, Nachzählen, Nachhaken… naturwissenschaftlichen Methoden, die ich unter Geisteswissenschaftlern erschreckend selten finde: Wünschst du dir mehr naturwissenschaftliche Gründlichkeit im Kulturbetrieb?

Was hättest du gern früher gewusst?

Nenn mir erfundene Figuren, denen du ähnlich bist oder gern wärst.

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Gibt es eine Entwicklung, die du sehr früh hast kommen sehen: prophetisch?

Fühlst du dich, als Early Adapter, oft weiter vorne:  Findest du es anstrengend, dass Leute sich oft Fragen stellen, die du dir schon seit Jahren  stellst?
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Hast du eine Sammlung von “Darüber müsste ich eigentlich mal länger schreiben”-Ideen? Was stünde dort weit oben?

Eine Zukunftsvorstellung von dir: “Vielleicht halte ich in zehn Jahren nur noch Vorträge und publiziere meine Texte frei im Netz.” Das wäre schade, oder? Falls Autoren wie Musiker werden und man nur noch Geld verdient, indem man sich Bühnen schafft.

Magst du das persönliche Gespräch? Wärst du grade lieber mit mir in einem Chat oder Google-.doc als auf einer Bühne?

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Was hast du aufgegeben oder beendet?

Du darfst keinen Menschen mehr sehen – aber hast Internet. Oder: Du darfst dich frei bewegen – aber hast kein Internet mehr. Was wäre schlimmer?

Ich kann am leichtesten, mühelosesten auf Facebook schreiben. Hast du einen Ort oder Modus, in dem dir das Schreiben/Formulieren/Denken besonders Spaß macht?

Was ist die Innovation, auf deren Durchbruch du dich besonders freust und die du gern noch erleben willst?

Wartest/hoffst du auf die Singularität: die Möglichkeit, ein Bewusstsein so zu digitalisieren, dass es unabhängig vom Körper überleben kann?

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Inwiefern ist die Zeit auf deiner Seite?

Wann klafften Zeitgeist und dein eigenes Leben am weitesten auseinander: Welches deiner bisherigen 45, 46 Jahre passte am wenigsten zu dir?

Gibt es Haltungen oder Normen aus deiner Kindheit, die heute verschwunden/verkümmert sind und die dir fehlen?

Bist du Opfer von Sexismus? Und/oder gibt es Leute, die dich (aus anderen Gründen) nicht ernst nehmen, aussortieren?

Manchmal schreibst du (humoristische) Sonette. Doch weil sie vor allem auf Facebook/online erscheinen, wird das wohl vor allem als Spielerei gesehen. Unterscheidest du zwischen “Spielerei” und “großem Werk”? Wie wichtig ist dabei der Veröffentlichungsort und das Prestige? Und gibt es Arbeit von dir, von der du wünschst, dass sie ernster genommen wird?

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Nenn mir ein, zwei Projekte/Jobs, die dir viel mehr Spaß machten als das meiste andere.
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Nenn mir ein, zwei Projekte/Jobs, auf die du stolzer bist als auf alles andere!
Du hattest sehr lange sehr viele Print-Bücher. Dann hast du sie aussortiert, weggegeben. Kannst du dir andere Dinge vorstellen, an denen du gerade fest hältst – aber du später/bald aufgibst?
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Deine Website ist toll – aber du hast keine besonders geschärfte/pointierte Netz-Identität: Vielen Menschen kann man schneller drei, vier Worte, Adjektive, Tags zuordnen. Sind dir PR und Netz-Selbstdarstellung fremder als den meisten Netz-Journalisten?
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Du lebst seit dem Studium in Berlin. Bleibst du auf jeden Fall?

2015 / 2016: Lieblingssongs / persönlicher Soundtrack (Jahr 19)

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I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‘personal soundtrack’ with songs that reflected last years’ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‘Season 19’, October 2015 to October 2016.

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  • EL VY: “No Time to crank the Sun”
  • Kasper Bjørke: “Young Again”
  • Sea Wolf: “Whirlpool”
  • Daughter: “Get Lucky”
  • Honig: “Golden Circle”
  • Owl & Mouse: “Don’t read the Classics”
  • Jordan Classen: “The Horses are stuck”
  • Jodie Goffe: “Birdsong”
  • Josh Ritter: “Homecoming”
  • I am Harlequin: “Wild One”
  • Lonesome Leash: “Momentum”
  • Junip: “Line of Fire”
  • Marble Sounds: “Come here”
  • Travis: “Strangers on a Train”
  • Tom McRae: “Alphabet of Hurricanes”
  • Ryan Star: “Losing your Memory”
  • Eric Bachmann: “Mercy”
  • The Decemberists: “Lake Song”
  • Conor Oberst: “Next of Kin” (live)
  • Plastic Mermaids: “Alaska” (live from Ventnor)

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Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

  • EL VY: “No Time to crank the Sun”

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  • Kasper Bjørke: “Young Again”


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  • Sea Wolf: “Whirlpool”


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  • Daughter: “Get Lucky”


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  • Honig: “Golden Circle”


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  • Owl & Mouse: “Don’t read the Classics”


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  • Jordan Classen: “The Horses are stuck”


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  • Jodie Goffe: “Birdsong”


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  • Josh Ritter: “Homecoming”


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  • I am Harlequin: “Wild One”


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  • Lonesome Leash: “Momentum”


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  • Junip: “Line of Fire”


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  • Marble Sounds: “Come here”


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  • Travis: “Strangers on a Train”

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  • Tom McRae: “Alphabet of Hurricanes”


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  • Ryan Star: “Losing your Memory”


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  • Eric Bachmann: “Mercy”


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  • The Decemberists: “Lake Song”


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  • Conor Oberst: “Next of Kin” (live)


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  • Plastic Mermaids: “Alaska” (live from Ventnor)

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related Links:

Fragen an die Eltern: 200 Fragen an meinen Vater, zum 60. Geburtstag

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mein Vater, ca. 1987.

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Wer mich kennt, kennt – überraschend schnell – oft auch meine Mutter: Sie kommentiert auf Facebook, besucht meine Lesungen und folgt den Journalist*innen, Autor*innen und Blogger*innen, die mir wichtig sind. 2008 und 2014 war sie in Hildesheim, beim PROSANOVA-Festival. Und hin und wieder wohnen Studien- oder Literaturfreunde von mir für einige Tage im leerstehenden Haus meiner Großeltern/ihrer Eltern.

Mein Vater hat kein Interesse an Social Media – aber wünschte sich zum 60. Geburtstag persönliche Texte, kurze Anekdoten, Briefe, Erinnerungen für ein privates Buchprojekt.

Ich nahm mir vor, ihm Fragen zu stellen, trug das auf Facebook (“Was würdet ihr eure Eltern fragen? Worüber würdet ihr gern mit ihnen sprechen?”)…

…und merkte: Die Frage trifft einen Nerv.

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Heute, hier im Blog: 200 persönliche Fragen an meinen Vater.

Ich freue mich, dass er mir erlaubt, diese Fragen hier öffentlich zu teilen. Und ich freue mich noch mehr, dass er Lust hat, sie – irgendwann, im privaten Rahmen – auch zu beantworten.

Ein langer Fragenkatalog, ohne Antworten… das wirkt im ersten Moment monoton oder witzlos. Tatsächlich aber liest man zehn, zwölf solcher Fragen – und fängt an, selbst zu überlegen: Weiß ich das, über meine eigenen Eltern? Würde ich diese Frage stellen? Was würde ich selbst antworten?

Falls jemand Ergänzungs-Fragen hat, ähnliche Fragen mit seinen Eltern ausprobiert(e) oder Erfahrungen damit hat, längere persönliche Gespräche in der Familie zu planen, aufzuzeichnen, zu teilen usw.: Lasst hören! Ich freue mich über Feedback.

Stefan

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Lieber Papa: Alles Gute zum 60. Geburtstag!

Mit 17 sah ich in einem Karlsruher Buchladen das Buch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ von Francois Truffaut: 400 Seiten über ein einziges Gespräch. Truffaut, ein junger französischer Regisseur, hat Hitchcock 1962 besucht und detaillierte Fragen gestellt. Hitchcock gibt Antworten – und erzählt dabei sein ganzes Leben.

Ich habe das Buch damals nicht gekauft – doch die Idee, verschiedenen Menschen sehr viele Fragen zu stellen, lässt mich nicht los.

Statt dir einen Text zu schreiben, habe ich einen Fragenkatalog erstellt. Du musst ihn nicht beantworten. Obwohl ich mich freuen würde, wenn wir uns irgendwann treffen und das versuchen.

Bis dahin machen, glaube ich, auch schon die Fragen für sich allein Spaß:

200 Dinge, über die ich manchmal nachdenke und zu denen ich gern mehr wissen würde.

:

1_Welchen Tag aus deiner Kindheit würdest du gern ein zweites Mal erleben?

2_Was hat dir als Kind am meisten Spaß gemacht?

3_Was ist deine früheste Erinnerung?

4_Nenn mir einen typischen Moment mit deiner Mutter. Und etwas, das du an ihr magst.

5_Was habt ihr gemeinsam?

:

6_Dein Vater war Schmied; später betrieb er eine Tankstelle. Als er starb, warst du noch Grundschüler. An welche Momente mit ihm erinnerst du dich?

7_Waren deine Großeltern wichtig, als Kind? Andere Verwandte? Cousins und Cousinen?

8_Wer sind deine Paten? Hast du einen Lieblingsverwandten?

9_An welchen Punkten im Leben fehlte dir ein Vater?

10_Wie hat sich deine Mutter nach dem Tod ihres Manns verändert? Deine Schwestern?

:

11_Von wem hast du viel gelernt? Hattest du gute Lehrer oder Chefs?

12_Was macht dich an deiner Kindheit glücklich?

13_Mit wem hast du die meiste Zeit verbracht: Klassenkameraden? Nachbarn?

14_Was hast du mit deinen Schwestern unternommen? Habt ihr viel geteilt?

15_Wann warst du zum ersten Mal betrunken? Wen hast du geküsst? Warst du selbstbewusst?

:

16_Wann wurden Autos, Mofas usw. wichtig? Wie hast du dein erstes Auto finanziert?

17_Warst du je gläubig?

18_Wann hattest du als Kind den größten Ärger?

19_Hast du Klassenkameraden, aus denen „etwas wurde“? Freunde, aus denen „gar nichts wurde“? Wer hatte das interessanteste oder überraschendste Leben?

20_Sind Leute, die dich von damals kennen, überrascht, wenn sie dich heute sehen? Wen siehst du, wo? Wen vermisst du?

:

21_Wenn du eine Sache an deiner Erziehung ändern könntest – welche?

22_Du warst kein guter Schüler. Dachtest du trotzdem als Jugendlicher: „Ich bin clever“?

23_Warst/bist du klüger als die Leute aus deiner Jugend, deiner Heimatstadt?

24_Hattest du damals genug Geld? Oder hast du dich arm gefühlt?

25_Wann wurdest du erwachsen: mit welchem Ereignis oder welcher Entscheidung?

:

26_Als Schüler hast du in einem Tante-Emma-Laden gejobbt. Hattest du Spaß? Gab es weitere Neben- und Aushilfsjobs?

27_Hast du beim Bund Freunde gefunden oder Wichtiges gelernt?

28_Hast du danach nochmal mit deiner Mutter unter einem Dach gelebt? War es dir wichtig, auszuziehen? Hast du je allein gelebt?

29_Kanntest du Studenten? Was hältst du von Menschen mit Studium?

30_Was war deine Lieblings-Arbeitsstelle… und was wusstest du über Arbeit, bevor du selbst einen Beruf wählen musstest?

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31_Was war dir früher wichtig, und ist dir heute ganz egal?

32_Was hast du mit Mama gemeinsam?

33_Was unterscheidet dich von typischen Männern deines Alters?

34_Was unterscheidet dich von typischen Deutschen?

35_Was unterscheidet dich von typischen Vätern?

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36_Warum wurdest du Mechaniker? Hat der Beruf deine Erwartungen erfüllt?

37_Wie war Mama, als du sie zum ersten Mal getroffen hast? Wann wusstest du: Ich will sie heiraten?

38_Wie hat sie sich seitdem verändert? Was magst du an der Veränderung; was nicht?

39_Wie hat sie dich verändert?

40_Welche Rolle fällt dir am leichtesten: Sohn und Bruder? Vater und Ehemann? Großvater? Wann hast du dich mit deinen Rollen am wohlsten gefühlt?

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41_Wie war es, mit den Eltern von Mama zu leben?

42_Warum bist du nach Süddeutschland gezogen? Wann war dir klar, dass du bleibst?

43_Mama sagt oft, sie hat dir bei der Jobsuche geholfen. Wie?

44_Du warst bei der Freiwilligen Feuerwehr und in der CDU. Was sind deine Erfahrungen mit den Vereinen und den Menschen im Dorf?

45_Wie war eure Hochzeit? Gab es eine Hochzeitsreise?

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46_Wofür würdest du gern gelobt oder bewundert werden?

47_In welchem Alter mochtest du dich selbst am meisten?

48_Welchem Menschen bist du am meisten schuldig?

49_Was war deine beste Entscheidung?

50_Wer oder was hat dir das Leben am schwersten gemacht?

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51_Was macht einen guten Vater aus?

52_Was macht eine gute Mutter aus: etwas anderes als einen guten Vater?

53_Kamen Mama und du aus verschiedenen Schichten, Kreisen? Hättest du gern ihre Kindheit gehabt?

54_Hättest du gern meine Kindheit gehabt?

55_Was wolltest du als Erzieher unbedingt anders machen als deine Mutter?

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56_Warum arbeiten deine Schwestern so viel und wirken so gequält?

57_Warum hast du ein besseres Verhältnis zu Mamas Bruder als sie selbst?

58_Hatten Mama und du gemeinsame Freunde als junges Paar? Was wurde aus euren Freundschaften?

59_Es gibt Familienmitglieder, mit denen ich dich nie sprechen hörte – Lutz, Ede, Mamas Mutter.

60_Die Kinder deiner Schwester machten früh Ausbildungen, haben geheiratet – und scheinen dich viel toller, witziger zu finden als wir: Hättest du gern bodenständigere Kinder?

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61_Warum vier Kinder? Warum das erste mit 26? Warum nicht mehr? Weniger?

62_Hattest du noch nie Spaß an Familienaktivitäten, gemeinsamem Abendessen, Gesprächen – oder hast du ihn mit der Zeit verloren?

63_Du hast Söhne und Töchter. Eine gute Mischung, Balance?

64_Mit Kindern in welchem Alter fühlst du dich am wohlsten? (Mein Eindruck: mit vier oder fünf.)

65_Was unternimmst du mit deinen Enkeln? Was magst du an ihnen?

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66_Inwiefern waren Mama und du „Eltern der 80er, 90er“: Wie hat euch der Zeitgeist, das Familien- und Elternbild beeinflusst?

67_Was würdest du heute anders machen?

68_Ich habe selten das Gefühl, du seist von uns Kindern enttäuscht – doch denke dauernd, dass wir dich langweilen: unsere Geschichten sind uninteressant, unsere Probleme vermeidbar.

69_In welchem Alter fandest du mich am sympathischsten? Am unsympathischsten?

70_Und Mama? Und meinen Bruder? Dich selbst?

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71_Gibt es jemanden, den du stolz machen willst oder dessen Lob dir wichtig ist?

72_Ist Kochen und Putzen Frauenarbeit?

73_Hast viel gearbeitet, weil eine Familie Geld braucht… oder, weil du den Beruf spannender findest als ein Familienleben?

74_Jeden Abend hast du an der Dorftankstelle ein Feierabendbier getrunken. Wann hörte das auf? Warum? Was gaben dir diese Männer/Gespräche – und habt ihr heute noch Kontakt?

75_Als Kind hatte ich den Eindruck, deftiges Mittags- und Sonntagsessen wären für euch unverzichtbar. Heute isst Mama ganz andere Gerichte, zu anderen Zeiten. Du selbst auch. Mein Bruder scheint der einzige zu sein, der solche Mahlzeiten mag. Warum die ganze Mühe mit Hausmannskost, damals?

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76_Was dachtest du in meiner Kindheit, was aus mir wird?

77_Was dachtest du als Kind, was aus dir selbst wird?

78_Was nervt oder ängstigt dich an Familien an meisten?

79_Haben wir Geschwister mehr Unterschiede oder mehr Gemeinsamkeiten? Musst du auf vier sehr verschiedene Arten Vater sein?

80_Was hat dich am Vatersein überrascht? Worauf warst du nicht vorbereitet oder eingestellt?

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81_Wer ist dir ebenbürtig und kann dich gut verstehen?

82_Was ist dir peinlich? Vor wem?

83_Was war das Mutigste, das du je getan hast?

84_Was war das Feigste, das du je getan hast?

85_Viele Freunde von mir fühlten von ihren Eltern als Kind unter Druck gesetzt und hörten immer wieder: „Was sollen nur die Verwandten denken?“ Mama und dir schienen die Verwandten, Nachbarn usw. recht egal.

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86_Fiat ist ein italienischer Konzern. Wie zeigte sich das bei deiner Arbeit?

87_Wenn Fiat-Händler ein Problem nicht diagnostizieren oder beheben konnten, wurden die Autos in deine Abteilung geschickt, oder? Was war das interessanteste Problem, die überraschendste Diagnose?

88_Was hast du im Auto auf dem Weg zur Arbeit gemacht: Musik gehört? Nachgedacht? Hast du heute noch ähnliche ruhige, passive Momente im Alltag?

89_Du warst etwa 15 Jahre bei Fiat: Ab wann wolltest du dich selbstständig machen? Dachtest du als Berufsanfänger, du bleibst dein ganzes Leben im selben Konzern?

90_Was machten die Monate in Turin und das Italienischlernen aus dir? Mama sagt oft, sie wurde selbstbewusster, mutiger. Hast du Turin als ähnlichen Kulturschock und ähnliche Befreiung erlebt?

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91_Worauf hast du verzichtet – und später gedacht: Es war ein Fehler, darauf zu verzichten?

92_Warum mögen dich Leute? Was gefällt ihnen an dir?

93_Was magst du selbst an dir?

94_Schon immer – oder musstest du erst lernen, dich zu mögen und an deinen Stärken/Schwächen zu arbeiten?

95_Was war dein bestes, schönstes Jahr?

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96_Du sprichst gern mit Kellnern, Verkäuferinnen, machst Witze mit Polizisten und Briefträgern. Hast du mehr Spaß mit Fremden als mit Freunden?

97_Warum ist D. dein bester Freund? Wie überlebte diese Freundschaft so lange?

98_Du spielst gern Streiche. Dein bester Streich, deine beste Lüge?

99_Oft weichst du Fragen aus: Du magst du es, Menschen zu überrumpeln oder sie zu dominieren, indem du Fakten vorenthältst. Und du erzählst nur, wenn es unbedingt nötig ist oder jemand explizit nach etwas ganz Konkretem fragt: Woher die Lust, Dinge möglichst lange für dich zu behalten?

100_Du stellst kaum eigene Fragen und weißt nicht viel über das Innenleben deiner Familie. Warum?

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101_Mama spricht oft nostalgisch über „die Ursprungsfamilie“. Verstehst du das? Ist alles, was ab ca. 40 kam, für euch ein Nachklapp?

102_Hattest du gute Karten? Bist du privilegiert?

103_Welchen Menschen schuldest du etwas? Was?

104_Schuldest du dem Staat etwas? War Deutschland gut zu dir?

105_Haben dich Leute in Schubladen gesteckt… wegen deines Geschlechts, deines Gewichts, deiner Kleidung, Bildung etc.?

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106_Wärst du gern etwas früher oder später geboren? Bei Mama denke ich oft, dass sie 20 Jahre älter oder jünger weniger aus dem Rahmen fallen würde.

107_Gibt es einen Politiker, den du gern gewählt hast und von dem du viel hältst?

108_Hast du als Kind oder Teenager jemanden bewundert?

109_Fandest du dich mal hübsch? War dir dein Aussehen wichtig; war es wichtig, was du anhast?

110_Bist du „normal“? Bist du Teil der Mehrheit?

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111_Warst du ein „armes“ Kind? Bist du ein „reicher“ Mann? Hast du die soziale Schicht gewechselt, im Lauf deines Lebens?

112_Wo zeigt es sich, dass deine Mutter ärmer ist als du, dass deine Kinder gebildeter sind usw.?

113_Sprichst du am liebsten mit Männern in deinem Alter, aus deiner Schicht? Oder mit Jüngeren, die weniger Macht und Wissen haben?

114_Ist es einfacher für dich, mit deinen Angstellten zu sprechen als mit deiner Familie?

115_Du furzt oft und findest es lustig, wenn sich Menschen fürs Furzen, Rülpsen usw. schämen oder genieren. Hast du schon einmal gefurzt… und es kam fürchterlich an?

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116_Drei Dinge, die dich unzufrieden machen?

117_Drei Dinge, die dich zufrieden machen?

118_Die beste Erfindung, Neuerung, Verbesserung im Lauf deines Lebens?

119_Du liebst Geschäftstelefonate – doch das Internet macht dich wütend, vor allem Social Media. Warum?

120_Eine Theorie zu Fortschritt und Alltag: Technik, die man schon als Kind kannte, hält man für selbstverständlich. Technik, die während der Jugend erfunden wird, nutzt man oft aufgeschlossen. Doch bei Technik, die ab dem ca. 30. Lebensjahr massentauglich wird, ruft man: „Wozu soll das gut sein? Das braucht doch keiner!“ Welche Innovationen seit… 1986 machen dich sehr glücklich?

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121_Hattest du Tiere als Kind? Wolltest du welche?

122_Mit ca. 30 hast du viel Zeit mit einer Modelleisenbahn verbracht. Gibt es Dinge, die du als Kind entbehren musstest und als Erwachsener nachholst?

123_Hatte mein Bruder als Kind die Möglichkeiten, die du gern selbst gehabt hättest, als Kind? Hat der Sohn meines Bruders heute als Kind die Möglichkeiten, die mein Bruder gern selbst gehabt hätte, als Kind?

124_Wann haben Menschen an dich geglaubt: Mentoren, Förderer, Experten, deren Meinung dir etwas bedeutet? Gab es väterliche Figuren in deinem Leben?

125_Ist dir beruflich je ein großer Patzer, Fehler unterlaufen? Hast du immer alles richtig gemacht?

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126_Hattest du je Affären mit Frauen in Italien?

127_Welche Gemeinsamkeiten hast du mit dem erstem Mann deiner heutigen Frau?

128_Was bedeuten dir die beiden Kinder der Frau, mit der du von 1998 bis 2004 (?) zusammengelebt hast, R. und C.? Habt ihr Kontakt?

129_Du hast mehrere Häuser/Gebäude entworfen und gebaut. Woher nahmst du die Selbstsicherheit und Kompetenz?

130_Du baust Häuser für die Ewigkeit – doch hattest in den letzten 20 Jahren vier verschiedene Adressen. Warum kann man in deinen Grundrissen so schlecht Möbel neu umstellen? Und: Hast du je ein Zimmer, Möbelstück etc. zurückgelassen, das dir noch heute fehlt?

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131_Wie oft warst du verliebt?

132_Was ist der Unterschied zwischen Angestellten und Kindern?

133_Warum freut es dich, wenn deine Kinder, deine Schwiegertochter usw. zu deinen Angestellten werden?

134_Deine Frau arbeitet in deiner Firma – und abends, sagt sie, unterhaltet ihr euch stundenlang über den Tag. In meiner Kindheit bist du Gesprächen oft aus dem Weg gegangen. Was ist heute anders?

135_Früher schienen dir Hunde egal. Dann holte C. einen Hund. Du wolltest nie eine Katze – jetzt hast du zwei, mit deiner Frau. Was sind deine größten Sinneswandel… und überraschen sie dich selbst?

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136_Du sagst, du hast noch nie einen Roman komplett gelesen. Hast du als Kind schlechte Erfahrungen mit Büchern gemacht?

137_Hast du je interessante Bücher (Bildbände? Sachbücher?) bekommen oder selbst verschenkt?

138_Welche Filme kennst du: 1989 waren wir, glaube ich, als Familie in Disneys „Oliver & Co.“ Warst du seitdem im Kino?

139_Gibt es eine erfundene Geschichte, die du spannend; eine Figur, die du sympathisch findest?

140_In der dritten oder vierten Klasse waren wir beide abends mal allein: Ich schrieb am nächsten Tag eine Heimat-und-Sachkunde-Arbeit. Trotzdem sahen wir zusammen „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“, im Fernsehen. Mir blieb das – auch deshab – in Erinnerung, weil der Film von Vätern und Söhnen handelt: Kannst du dich erinnern… an diesen Film oder an etwas anderes, das ich als Kind mit dir zusammen sah?

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141_Manchmal bekommst du Konzertkarten für Bands deiner Jugend geschenkt (Pink Floyd?). Erzähl von den Konzerten: Hast du Spaß?

142_Du lässt so wenig Kultur in dein Leben, hältst so vieles für Schrott… warum hörst du (schrottiges) Radio, abends?

143_Ich weiß kaum etwas über die Stones, die Beatles, Bands der 60er und 70er – weil es bei uns kaum Platten und CDs gab. War Mama und dir Musik egaler als euren Altersgenossen? Schon immer – oder erst, als ihr Kinder hattet?

144_Sind die USA das Land, das du am meisten hasst? Jede US-Serie, jedes US-Videospiel, jede Amerikanisierung in den 80ern schien dich wütend zu machen: Liegt das am zweiten Weltkrieg und der Besatzung?

145_Ist Deutschland das Land, das am besten zu dir passt? Wolltest du je woanders leben?

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146_Was willst du abschaffen? Wen willst du an die Wand stellen?

147_Du gibst Leuten oft die Schuld, dass sie Geld verschwenden, etwas kaputt machen oder verlieren. Was sind die größten Schäden oder Fehler, die dir selbst unterliefen?

148_Haben Menschen, die nicht arbeiten, Respekt verdient?

149_Haben Menschen einen guten Kern – oder sind sie eher schlecht?

150_Findest du die meisten Menschen dumm, aufgeblasen, lächerlich?

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151_Nenn mir drei Frauen, die besser, klüger, stärker sind als du.

152_Über welche Themen streitest du dich?

153_Hast du dich je geprügelt? Gibt es Leute, vor denen du kuschen musst oder die nicht wissen, dass du nichts von ihnen hältst? Hast du Gegner, Rivalen, geschäftliche Konkurrenten?

154_Wann hast du zuletzt jemanden beschimpft, blamiert, zurechtgewiesen oder ihm vor Augen geführt, dass du besser bist?

155_Was magst du an dir selbst am wenigsten? Was ist deine schlechteste Eigenschaft?

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156_Gibt es jemanden, auf den du eifersüchtig warst oder den du beneidest?

157_Wurdest du als Kind geschlagen oder verletzt?

158_Was würdest du tun, falls du beobachtest, dass ich mein Kind schlage?

159_Habe ich dich mal verletzt?

160_Wer soll zuerst sterben: deine Frau oder du?

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161_Wie lange willst du leben? Hast du Angst vor dem Älterwerden? Fühlst du dich alt?

162_Moderne Sechzigjährige sind viel aktiver und lebendiger als die Opas, die ich aus meiner Kindheit kenne: Wann und wo bist du älteren Menschen begegnet, die dir Lust aufs Alter machen?

163_Wird alles schlechter? Geht alles den Bach runter?

164_In welchem Jahr passte das allgemeine Zeitgefühl, die Stimmung usw. am besten zu dir selbst: In welchem Jahr hast du dich in der Gegenwart am meisten daheim gefühlt?

165_In meiner Kindheit hattest du oft Magenschmerzen und Angstgefühle: „Luft im Bauch“. Wann hörte das auf?

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166_Woran merkst du, dass du nicht aus Süddeutschland kommst? Woran merkst du, dass du aus Niedersachsen kommst?

167_Hast du je gedacht, du würdet in deinem Heimatstädtchen alt werden?

168_Du kennst Ostdeutschland recht gut, Österreich, viele deutsche Rennstrecken und Kartbahnen: In welcher Region fühlst du dich am wohlsten – und welche Unterschiede fallen dir auf?

169_Wer war dein Nachfolger bei Fiat? Habt ihr Kontakt? Wärst du vor 20 Jahren dort geblieben – wer wärst du heute?

170_Hattest du je andere Berufswünsche?

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171_Welche Rolle spielst du heute, am Telefon deiner Firma: Verkäufer? Berater, Experte? Taktiker? Magst du diese Rollen?

172_Ist es noch wichtig, dass deine Firma mit Autos, Motorsport zu tun hat – oder musst du so viel organisieren, dass du genausogut Regenrinnen oder Sicherheitsglas verkaufen könntest?

173_Du sagst oft, Motorsport sei Luxus: Findest du, dass deine Kunden ihr Hobby (und sich selbst) zu wichtig nehmen?

174_Wenn du auf Rennstrecken arbeitest: Fieberst du noch mit? Welche Fahrer, Sportler, Teams bewunderst du?

175_Autodesign ist dir nicht wichtig, oder? In den 50ern, 60ern waren Autos ein Faszinosum. Hat dich das je interessiert – und stört es dich, dass Sportwagen, Automarken, das „richtige“ Auto usw. heute keine große Rolle mehr spielen?

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176_Du bist oft umgezogen. Gibt es Gegenstände, Kleidung, Schmuck etc., die du vermisst?

177_Gibt es Geschenke, die dir viel bedeuten? Gibt es Lob, das dir viel bedeutet?

178_Lobst du Leute genug: deien Frau? Mama? Meine Geschwister?

179_Du magst Ordnung, Archive, Lagerschränke. Was wirfst du weg?

180_Hast du Persönliches aufgeschrieben? Hast du alles gesagt, was du sagen wolltest?

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182_War während der vielen Familienfeiern in den 80ern nicht veilleicht eh schon absehbar, dass es zu wenige Überschneidungen zu diesen Verwandten gibt: Wozu all diese Treffen? Heute gibt es kaum noch Kontakt.

183_Bei dir, bei Mama und bei meinem Bruder denke ich oft, ihr habt genaue Vorstellungen, was eine Familie ausmacht, braucht… auch, wenn ihr viele dieser Rituale, Ausflüge, Regeln usw. persönlich gar nicht mögt. Woher kommen diese Ideen, was sich für eine Familie gehört?

183_Was war dein schönster oder wichtigster Geburtstag?

184_Was ist das Beste, das du anderen Leuten geschenkt oder ermöglicht hast?

185_Du gewöhnst dir das Rauchen ab. Sagst, es war keine große Anstrengung… und fängst doch wieder an. Du trinkst nichts… und dann doch wieder. Warum diese Rückfälle?

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186_Sind die Frauen in den richtigen Lebensphasen bei dir? Hättest du mit Mama, C., und deiner heutigen Frau auch in anderen Reihenfolgen, anderen Lebensphasen glücklich werden können?

187_Was hast du aus deiner ersten Ehe für die zweite gelernt?

188_Was genießt du an deinem Leben gerade am meisten: dass du dein eigener Chef bist? Dass du Erfolg hast? Dass du kaum noch familiäre Pflichten hast? Dass du am Wochenende auf Rennstrecken bist?

189_Hast du Geld in den Sand gesetzt oder unnötig ausgegeben – oder haben sich alle Investitionen immer gelohnt?

190_Wenn ich anderen von dir erzähle, merke ich oft: In einer Serie wärst du die Lieblingsfigur vieler Zuschauer. Du hast die besten Sprüche. Nimmst die Aufregung anderer Leute nie besonders ernst – aber sorgst selbst für Aufregung. Würdest du gern Zeit mit einem Menschen wie dir verbringen?

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191_Hast du deiner Mutter alles gesagt, was du ihr sagen wolltest?

192_Hast du deine Schwester je in Australien besucht?

193_Gibt es etwas, das du schon lange tun wolltest? Warum hast du es noch nicht getan?

194_Gibt es etwas, das du nicht kannst – aber noch lernen willst?

195_Was hast du erst sehr spät gelernt, ausprobiert, erlebt, verstanden?

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196_Was hättest du gern früher gewusst?

197_Bist du deiner Familie dankbar… oder sollte deine Familie dir dankbar sein? Gibst oder nimmst du mehr?

198_Liest du diese Fragen gern? Hättest du Lust, sie zu beantworten – oder bist du froh, dass du nicht antworten musst?

199_Was ist die größte Gemeinsamkeit zwischen uns beiden?

200_Was wäre der größte Gefallen, den ich dir gerade tun könnte?

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weitere Fragebögen, Gespräche und Interviews von mir, u.a.:

100 Fragen an Stephan Porombka

Cory Doctorow | Jagoda Marinic | Anne Köhler | Ayelet Waldman | Sandra Gugic | Monika Maron | Barbara HonigmannBrewster Kahle | Sally Pascale | Hans Hütt

“First Black Woman in Space” von Simone Dede Ayivi (Mousonturm Frankfurt/FAZ)

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Theatermacherin Simone Dede Ayivi. Foto von Juliane Kremberg

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Durch das Raue, hoch zu den Sternen

Vorbilder, Kämpferinnen, der Traum von einer besseren Welt: Simone Dede Ayivi schreibt und inszeniert. Ihr neues Stück entsteht am Mousonturm für das Festival der „afropäischen Künste“

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von Stefan Mesch

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„First Black Woman in Space“ feiert die Durchbrüche und Pionierleistungen Schwarzer Frauen. Ein Abend über Aktivistinnen, Astronautinnen, erste und gemeinsame Schritte Richtung Zukunft.

Die erste Schwarze Frau im All war Mae Jemison, 1992. Astronautin zu werden – das wurde für sie denkbar, weil sie über 20 Jahre zuvor eine andere Schwarze Frau auf der Brücke eines Raumschiffs sah: Lieutenant Uhura in „Star Trek“. Aus solchen Schrittfolgen und Vorbildern wächst Zukunft, Utopien machen Mut. Science-Fiction kann Beschränkungen der Gegenwart in Frage stellen.

Simone Dede Ayivi stammt aus Hanau und lebt in Berlin. In ihren Shows und theatralen Performances steht sie oft selbst auf der Bühne – umgeben von Videos, Soundcollagen, Expertinnenstimmen und Statements. In „First Black Woman in Space“ zeigen Frauen of Color, wer sie inspirierte und in welcher Hinsicht sie selbst zur ersten Frau im Raum wurden. Doch es gibt immer mehr als eine Pionierin, eine Vorkämpferin.„Es geht um Schwesternschaft, Empowerment, die Kraft utopischer Orte. Es reicht nicht, nur auf einzelne Biografien zu blicken. Ich will fragen: Was wird möglich, sobald wir Zukunft ohne Rassismus und Sexismus denken?“

Ayivi und ihr Produktionsteam – neun Frauen – entwickeln das Stück während einer Residenz am Mousonturm. Sie machen die Bühne zur Kontrollstation, zum Raumschiff. Und zur utopischen Gedenkstätte. In „Performing Back“, mit dem sie Ende 2015 am Mousonturm gastierte, fragte Ayivi nach deutschen Kolonialverbrechen in Afrika, öffentlichem Vergessen, Verschweigen und Protest. Es gibt eine westafrikanische AdinkraDenkfigur: Sankofa. Lerne aus der Vergangenheit – um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft gestalten zu können.

„First Black Woman in Space“ blickt auf dieselben Fragen. Aber aus der Gegenrichtung: Welche Rollen spielen Schwarze Frauen in Utopien? Wie wirken Zukunftsbilder zurück aufs Heute? Ab wann verändern Vorstellungen davon, was möglich ist, persönliche und politische Gegenwart, Berufe und Normen?

Ayivis Shows sind vielstimmig, humorvoll, kritisch, verspielt  – und entspannt geistreich. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich Bücher zu Zeitreisen, schwarzem Empowerment, Physik und Afrofuturismus. US-Utopien drängen meist ins All – The Final Frontier. Afrikanische Science-Fiction dagegen spielt viel öfter auf der Erde. Science-Fiction sucht griffig mehrdeutige Bilder: „Aliens tauchen auf und transportieren dich auf Schiffen in eine neue Welt, gegen deinen Willen. Die Geschichte der Versklavung – eine Entführung durch Fremde.“

Oft meldet sich Ayivi auch in Essays zu Wort, in Theater- und politischen Debatten. Ihre Sachtexte sind leidenschaftlich, klar, couragiert – eine Aktivistin, die Probleme und Lösungen deutlich benennt. Ihre Arbeiten fürs Theater haben noch andere Stärken: Hier wird gespielt, verknüpft, assoziiert. Geistreich, respektvoll. Überraschend und witzig.

„Falls du aus einer marginalisierten Position heraus etwas erreichst, muss dir klar sein: Dass du diese Möglichkeiten hattest, ist nicht nur deine Leistung. Heute stehe ich auf der Bühne. Nicht, weil ich eine bessere Künstlerin bin als Schwarze Frauen vor mir. Sondern, weil Menschen feministische und antirassistische Arbeit machten. So lange kämpften, bis Barrieren mürbe wurden und aufbrachen.“

Die erste Person, die solche Barrieren überwindet und einen neuen Raum betritt, ist oft einsam. Nichelle Nichols, Uhuras Darstellerin, wollte „Star Trek“ nach einem Jahr verlassen. Doch Martin Luther King bat sie, zu bleiben. Damit Uhura sichtbar bliebe, für ein Millionenpublikum. Ayivis Stücke zeigen: Sich eine Bühne zu erobern, öffentlich gehört, gesehen, respektiert zu werden, verändert alles. Für die Frau auf der Bühne. Und für die Menschen im Publikum.

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“First Black Woman in Space”:

  • offene Probe: 17. September 2016, 18 Uhr, Mousonturm Frankfurt
  • Vorstellungen: Herbst 2016, in u.a. Berlin (Sophiensaele), Hannover (Freies Theater) und Frankfurt
  • 26. November 2016: Vorstellung am Mousonturm Frankfurt

Die besten Krimis 2016: Empfehlungen

Krimis 2016, Stefanmesch

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2014 empfahl ich meine Lieblings-Krimiblogs (Link).

Heute: neue Krimis, Thriller, Spannungsromane – erschienen 2016, auf Deutsch oder Englisch.

Romane, Anfang 2016  |  Romane 2016, Ende 2016  |  Jugendbücher 2016  |  Serien 2016

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10 Lieblingsbücher, Krimi & Spannung: Empfehlungen!

Kaltblütig  Der talentierte Mr. Ripley  Queen and Country: The Definitive Edition, Vol. 1  Waterland  Citrus County
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The Boy Detective Fails  Die Stunden vor Morgengrauen  Die Speed Queen  Southern Bastards, Vol. 1: Here Was a Man  Blacksad
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23 Neuerscheinungen auf meiner “bald lesen”-Liste:

aktuelle Titel, die ich vorgemerkt habe, angelesen und gemocht.

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krimis 2016, Charlotte Otter, Christine Lehmann, Schünemann Volic

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01: Charlotte Otter, “Karkloof Blue”

  • Band 2 der Maggie-Cloete-Reihe: Südafrika-Thriller einer in Deutschland lebenden südafrikanischen Autorin; viel Gesellschaftskritik und Politik. (Der Klappentext wirkt eher plump.)
  • 288 Seiten, Ariadne/Argument Verlag, schon im September 2015; eBook bei Culturbooks
  • Deutsch von Katrin Kremmler und Else Laudan. Goodreads: kaum Wertungen

“KwaZulu-Natal, Südafrika: Ein Job als stellvertretende Nachrichtenredakteurin der Tageszeitung Gazette bringt Maggie Cloete zurück in ihre Heimatstadt Pietermaritzburg. Der Papierkonzern Sentinel stellt sich als Wohltäter der Region dar. Daran ändern auch die Proteste einer Truppe von Umweltschützern nichts, zu denen Maggies Bruder gehört. Die Konzernleitung will den Sektor Karkloof 7 roden, ein unberührtes Waldstück. Eigentlich war es Stammesland, doch mit den ursprünglichen Eigentümern hat man sich längst arrangiert. Maggie argwöhnt, dass der Tod des Ökologen David Bloom nicht einfach der Selbstmord eines frustrierten Idealisten war, der eine bedrohte Schmetterlingsart retten wollte. Aber ihre Vorgesetzte pfeift sie energisch zurück: Sie will in der Gazette keine schlechte PR für Sentinel sehen. Dann machen die Forstarbeiter im Sektor Karkloof 7 einen grausigen Fund.” (Klappentext, gekürzt)

Karkloof Blue. Kriminalroman (Ariadne Kriminalroman)

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02: Christine Lehmann, “Allesfresser”

“Ein berühmter Koch ist verschwunden. Lisa Nerz begibt sich zuerst online auf Spurensuche: Sie soll die Identität der Person herausbekommen, die im Netz ein anonymes Veganblog verfasst. In den sozialen Medien tobt der reinste Glaubenskrieg um die Frage, was wir essen sollten, vielstimmig, aggressiv und giftig. Doch um das weite Feld der Spielarten zwischen veganer Lebensweise und politischem Veganismus kennenzulernen, muss Lisa Nerz die Lederjacke ausziehen, den Computer ausschalten und sich in die Schlacht zwischen Omnivoren und Veganern begeben. Und wieder zeigt sich: Es ist alles ganz anders als gedacht.” (Klappentext, gekürzt)

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03: Jelena Volic, Christian Schünemann: “Pfingstrosenrot”

  • Band 2 einer soliden neuen Krimireihe: Ich mag, dass es um Serben geht – statt, wie viel öfter, um Kroaten oder Bosnier.
  • 368 Seiten, Diogenes, Februar 2016
  • Goodreads: 4.12 von 5 (Band 1 hatte schlechte Kritiken)

“Ein serbisches Ehepaar ließ sich von falschen Versprechungen und einem verheißungsvollen Rückkehrprogramm in die alte Heimat, das Kosovo, zurücklocken. Die Belgrader Kriminologin Milena Lukin kommt skandalösen Machenschaften auf die Spur, die bis in hohe Kreise der serbischen und europäischen Politik reichen. Wieder ein atmosphärischer, packender Krimi, der ins Herz des Balkans führt.” (Klappentext, leicht gekürzt)

Pfingstrosenrot: Ein Fall für Milena Lukin

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krimis 2016, Sven Koch, Ulrich Ritzel, M.C. Poets

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04: Sven Koch, “Dünenfeuer”

“Truck Robbery und Polizistenmorde an der winterlichen Nordseeküste – und ein Showdown auf dem überfrorenen Wattenmeer, zwischen mannshohen Eisblöcken bei einsetzender Flut. Die SOK um Femke Folkmer und Tjark Wolf folgt scheinbar unzusammenhängenden Spuren in ein Dickicht aus Korruption, Verrat und Mord.” (Klappentext, gekürzt)

Dünenfeuer

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05: Ulrich Ritzel, “Nadjas Katze”

  • Band 10 der “Berndorf ermittelt”-Reihe: langsamer, literarischer, undramatischer und historischer als viele konventionelle Krimireihen. Mir gefiel die Erzählung-in-der-Erzählung – auch, wenn Hauptfigur und Dorfgeschichte sehr verbraucht/konventionell wirken.
  • 448 Seiten, btb, April 2016
  • Goodreads: kaum Wertungen; gute Kritiken im Feuilleton

“Auf der Suche nach vergessenen Autoren entdeckt die pensionierte Lehrerin Nadja Schwertfeger in einem Antiquariat ein Heft mit einer Erzählung über das Kriegsende 1945. Stunden vor dem Einmarsch der US-Army hören in einem kleinen Dorf Einheimische, Flüchtlinge und versprengte Soldaten gemeinsam die Rundfunkübertragung zu Hitlers bevorstehendem 56. Geburtstag. Doch als der Strom ausfällt, läuft die Zusammenkunft aus dem Ruder. Nadja stolpert über ein seltsames Detail: die Beschreibung einer schwarzen Stoffkatze mit rosa Tatzen. Sie selbst besitzt eine solche Stoffkatze – es ist die einzige Verbindung zu ihrer Mutter, die ihr dieses Kuscheltier mitgegeben hat, als sie sie nach Kriegsende einer anderen Frau überließ. Nadja recherchiert: Hat es ein Dorf wie in der Erzählung beschrieben wirklich gegeben? Bald scheint sie tatsächlich fündig zu werden. Doch niemand im Dorf will mit ihr reden. Schließlich wird sie auf jemanden verwiesen, der hier ebenfalls aufgewachsen ist und später Polizist wurde: Es ist der ehemalige Kriminalkommissar Hans Berndorf.” (Klappentext, gekürzt)

Nadjas Katze: Ein Berndorf-Roman (Berndorf ermittelt 10)

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06: M.C. Poets, “Traum. Wald. Tod.”

“In der endlosen Weite Norwegens [uff. Klischeesprache.] lebt der Eigenbrötler Morten. Seit er denken kann, träumt er davon, eine Frau zu fesseln und echte, tiefe Angst in ihrem Blick zu sehen. Als er heimlich ein Touristenpaar auf einer Kanutour beobachtet, erwacht sein alter Traum zu neuem Leben. Am nächsten Morgen liegt der Mann tot am Fuß eines Felsens, und die Frau muss auf sich allein gestellt ihren Weg durch die unwirtliche Natur finden. Morten sieht seine Chance gekommen und bietet der Frau seine Hilfe an. Zusammen machen sie sich auf den Weg, und Morten glaubt, ein leichtes Spiel mit seinem ahnungslosen Opfer zu haben. Doch Sina van Megen, eine gefragte Künstlerin, ist nicht die verweichlichte Städterin, für die er sie hält.” (Klappentext, leicht gekürzt)

Traum. Wald. Tod.

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historische krimis 2016, Susanne Goga, Joseph Kanon, Rosa Ribas.png

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07: Susanne Goga, “Es geschah in Schöneberg”

“Berlin 1927. Bei einer Modenschau im ›Romanischen Café‹ werden zwei Vorführdamen verletzt: Ihre Kleider wurden mit einem Kontaktgift präpariert. Offenbar ein gezielter Anschlag gegen den Modesalon ›Morgenstern & Fink‹, den aufsteigenden Stern am Berliner Modehimmel. Steckt ein Konkurrent dahinter? Kurz darauf wird in Schöneberg ein Toter gefunden. In seiner Wohnung entdeckt man einen Prospekt des Modesalons. Leo Wechsler, inzwischen Oberkommissar bei der Berliner Kripo, nimmt die Ermittlungen auf.” (Klappentext, gekürzt)

Es geschah in Schöneberg

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08: Joseph Kanon, “Leaving Berlin”

“Berlin 1949: Die Stadt liegt immer noch in Trümmern. Der Kalte Krieg hat begonnen, der Westteil der Stadt kann nur noch durch eine Luftbrücke versorgt werden. Schwarzmarkt und Spionage sind an der Tagesordnung. Schriftsteller Alex Meier floh 1933 vor den Nazis in die USA. Doch das McCarthy-Regime hat seine politische Vergangenheit durchleuchtet und ihn ausgewiesen. Er geht nach Ostberlin, wo sich auch Bertold Brecht, Helene Weigel und Ruth Berlau niedergelassen haben. Die CIA bietet ihm die Chance auf eine Rückkehr in die USA, wenn er seine Schriftstellerkollegen ausspioniert. Doch die Sache läuft aus dem Ruder.” (Klappentext, gekürzt)

Leaving Berlin: Thriller

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09: Rosa Ribas, “Die große Kälte”

  • historischer Kriminalroman:
  • Bergdorf und viel Gerede über katholischen Wunderglauben stoßen mich ab; Band 1 hatte schlechte Kritiken.
  • 336 Seiten, Rowohlt/Kindler, März 2016. (Original: Spanien 2014)
  • Deutsch von Sabine Hofmann, Goodreads: 4.00 von 5

“Barcelona, 1956: Im kältesten Winter seit Jahrzehnten wird die junge Journalistin Ana Martí in ein entlegenes Bergdorf in Aragonien geschickt, um über ein Mädchen mit Stigmata an Händen und Füßen zu berichten. Von den Dorfbewohnern wird die kleine Isabel wie eine Heilige verehrt, Ana hingegen ist skeptisch. Aber noch ehe sie dem Geheimnis der Wundmale auf die Spur kommt, wird auf dem schneebedeckten Waldboden eine Leiche gefunden.” (Klappentext, gekürzt).

Die große Kälte

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krimis 2016, Robert Crais, Ryan Gattis, William Gibson.png

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10: Robert Crais, “Stunde der Rache”

  • Band 8 der Elvis-Cole-Reihe: 17 Jahre alter Mainstream-Thriller mit einigen Klischees.
  • 592 Seiten, Heyne, Januar 2016 (Original von 1999)
  • Deutsch von Helmut Splinter, Goodreads: 4.25 von 5

“Für Privatermittler Joe Pike wird L.A. nie mehr so sein wie zuvor. In den Hollywood Hills wird die Leiche seiner Ex-Geliebten gefunden: Sie wurde durch einen Kopfschuss ermordet. Ihr Vater, ein spanischer Geschäftsmann mit politischen Beziehungen, traut der Polizei nicht und bittet Joe und dessen Partner Elvis Cole, den Mörder zu suchen. Offensichtlich ist Karen Opfer eines Serienkillers geworden. Doch dann wird Pike hereingelegt und selbst zum Hauptverdächtigen.” (trashiger Klappentext, gekürzt)

L.A. Requiem (Elvis Cole, #8)

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11: Ryan Gattis, “In den Straßen die Wut”

“Sechs Tage, 1992: Polizisten misshandeln einen schwarzen Bürger [Rodney King] und Los Angeles explodiert. Plünderungen, Feuer; ein Bürgerkrieg im Herzen der westlichen Welt. Was passiert, wenn die Polizei eine Stadt den Armeen der Gangs überlässt? Skrupellose und weniger skrupellose Gangster, rassistische Polizisten, Krankenschwestern, Junkies, jugendliche Mitläufer kommen zu Wort.” (furchtbar unbeholfener, altmodischer Klappentext, gekürzt)

In den Straßen die Wut

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12: William Gibson, “Peripherie”

  • Zeitreise- und Virtual-Reality-Thriller des kanadischen Autors, der in 80ern Cyberpunk erfand und den Begriff “Cyberspace”.
  • 624 Seiten, Klett-Cotta, August 2016 (Original von 2014)
  • Deutsch von Cornelia Holfelder-von der Tann, Goodreads: 3.95 von 5

“Flynne verdient ihr Geld in einem 3D-Kopierladen. Ihr Bruder Burton testet heimlich Computerspiele, um seine spärliche Veteranenrente aufzubessern. Als Flynne für ihn einspringt, findet sie sich in einer virtuellen, dunkelfremden Welt wieder, die an London erinnert. Sie ahnt nicht, dass diese Welt die Zukunft ist, in der Wilf lebt, ein PR-Mann, der Promis betreut. Als eine von Wilfs Kundinnen ermordet wird, ist Flynne die einzige Zeugin des Verbrechens.” (Klappentext, gekürzt)

The Peripheral

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true crime 2016, Chloe Hooper, Helen Garner, Sue Klebold

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13: Chloe Hooper, “Der große Mann. Leben und Sterben auf Palm Island”

  • australische True-Crime-Reportage
  • 368 Seiten, Liebeskind Verlag, Februar 2016 (Original von 2009)
  • Deutsch von Michael Kleeberg, Goodreads: 4.15 von 5

“Am 19. November 2004 wird der Aborigine Cameron Doomadgee festgenommen, weil er angeblich einen Polizisten beschimpfte. Vierzig Minuten später liegt er tot in seiner Zelle. Laut Polizeiangaben war er über eine Stufe gestolpert – doch sein Leichnam weist schwere innere Verletzungen auf. Als Hauptverdächtiger gilt der groß gewachsene, charismatische Polizeibeamte Christopher Hurley. Seit Jahren schon arbeitet er auf Palm Island, einem der gefährlichsten Orte Australiens, und auch die Aborigines schätzen ihn. Nun aber muss er sich als erster Polizist des Landes für einen Todesfall in Polizeigewahrsam vor Gericht verantworten. Chloe Hoopers Tatsachenroman schildert einen unbarmherzigen Kampf um Macht und Gerechtigkeit. Und damit auch das brutale Aufeinanderprallen zweier Kulturen.” (Klappentext, gekürzt)

The Tall Man

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14: Helen Garner, “Drei Söhne. Ein Mordprozess.”

  • [wie Chloe Hooper, oben:] australische True-Crime-Reportage. Helen Garner ist eine sehr kompetente, wichtige australische Prosa-Autorin.
  • 352 Seiten, Berlin Verlag, September 2016 (Original von 2014)
  • Deutsch von Lina Falkner, Goodreads: 4.02 von 5

“Robert Farquharson bekommt sein Leben nicht auf die Reihe. 2005, am Abend des Vatertags, fährt er die drei Söhne zurück zu seiner Exfrau Cindy, als sein Wagen von der Straße abkommt und in einen See stürzt. Nur er kann sich aus dem Auto befreien. Tragischer Unfall oder Racheakt – diese Frage wird die australische Justiz und Öffentlichkeit in den folgenden Jahren beschäftigen. Für Helen Garner wird sie geradezu zur Obsession: Sie verfolgt den Prozess durch alle Instanzen.” (Klappentext, gekürzt)

This House of Grief

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15: Sue Klebold, “Liebe ist nicht genug. Ich bin die Mutter eines Amokläufers”

“On April 20, 1999, Eric Harris and Dylan Klebold walked into Columbine High School in Littleton, Colorado. They killed twelve students and a teacher and wound twenty-four others before taking their own lives. Sue Klebold, Dylan’s mother, has lived with the grief and shame of that day. How, as his mother, had she not known something was wrong? In A Mother’s Reckoning, she chronicles with unflinching honesty her journey as a mother trying to come to terms with the incomprehensible.” (Klappentext, gekürzt)

A Mother's Reckoning: Living in the Aftermath of Tragedy

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krimis 2016, David Kushner, Justine van der Leun, S.E. Lynes.png

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16: David Kushner, “Alligator Candy”

  • schon vorgestellt: 2016 – Nonfiction Books (Link)
  • ein Journalist schreibt über das Verschwinden seines älteren Bruders: halb True-Crime-Reportage, halb Personal Memoir (…und wahrscheinlich: mit offenem Ende/ohne Auflösung).
  • 243 Seiten, Simon & Schuster, März 2016
  • nicht auf Deutsch. Goodreads: 3.90 von 5

“David Kushner grew up in the early 1970s in the Florida suburbs. One morning in 1973, David’s older brother Jon biked through the forest to the convenience store for candy, and never returned. Decades later, Kushner found himself unsatisfied with his own memories and decided to revisit the episode a different way: through the eyes of a reporter. His investigation brought him back to the places and people he once knew and slowly made him realize just how much his past had affected his present. After sifting through hundreds of documents and reports, conducting dozens of interviews, and poring over numerous firsthand accounts, he has produced a powerful and inspiring story of loss, perseverance, and memory.” (Klappentext, gekürzt)

Alligator Candy

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17: Justine van der Leun, “We are not such Things: The Murder of a young American, a South African Township, and the Search for Truth and Reconcilation”

  • True Crime, Südafrika: Reportage über einen Mord vor 23 Jahren – und seine politischen/sozialen Folgen.
  • 448 Seiten, Spiegel & Grau, Juni 2016
  • nicht auf Deutsch, Goodreads: 4.08 von 5

The story of Amy Biehl is well known in South Africa: After the twenty-six-year-old white American Fulbright scholar was brutally murdered on August 25, 1993, during the final, fiery days of apartheid by a mob of young black men in a township outside Cape Town, her parents’ forgiveness of two of her killers became a symbol of the Truth and Reconciliation process in South Africa. Inspired by the story, Justine van der Leun, an American writer living in South Africa, decided to introduce it to an American audience. But as she delved into the case, the prevailing narrative started to unravel. Why didn’t the eyewitness reports agree on who killed Amy Biehl? Were the men convicted of the murder actually responsible for her death? And then van der Leun stumbled on another brutal crime committed on the same day, in the very same area. The story of Amy Biehl’s death, it turned out, was not the story hailed in the press as a powerful symbol of forgiveness, but was in fact more reflective of the complicated history of a troubled country.” (Klappentext, gekürzt)

We Are Not Such Things: The Murder of a Young American, a South African Township, and the Search for Truth and Reconciliation

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18: S.E. Lynes, “Valentina”

“Glasgow journalist Shona McGilvery moves to an idyllic cottage in rural Scotland with her partner Mikey and their baby. But with Mikey working offshore, the isolation of the Aberdeenshire countryside begins to drive her insane. Until she is rescued by a new friendship with the enchanting Valentina. Shona has the perfect home, the perfect man, and a charismatic new best friend – or does she? A hauntingly intelligent, addictive psychological thriller from debut author S. E. Lynes. “(Klappentext, gekürzt)

Valentina

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krimis 2016, Abby Geni, Emma Kavanagh, Kwei Quartey.png

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19: Abby Geni, “The Lightkeepers”

  • langsamer Natur- und Vogelkundler-Roman mit Mordfall: könnte tantig oder kitschig sein.
  • 340 Seiten, Counterpoint, Januar 2016
  • nicht auf Deutsch, Goodreads: 3.81 von 5 (für einen Krimi: recht schlecht.)

“Miranda is a nature photographer who travels to the Farallon Islands, an exotic and dangerous archipelago off the coast of California, for a one-year residency capturing the landscape. Her only companions are the scientists studying there. Miranda is assaulted by one of the inhabitants of the islands. A few days later, her assailant is found dead, perhaps the result of an accident. As the novel unfolds, Miranda gives witness to the natural wonders of this special place. When more violence occurs, each member of this strange community falls under suspicion.”(Klappentext, gekürzt)

The Lightkeepers

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20: Emma Kavanagh, “The Missing Hours”

  • Domestic Suspense im Stil von “Gone Girl”: Lügt Selena? (Aber: viele Leser*innen finden die Auflösung/das überraschende Ende abrupt oder misslungen.)
  • 400 Seiten, Cornerstone, Februar 2016
  • nicht auf Deutsch, Goodreads: 4.03 von 5

“Selena Cole is in the playground with her children. The next moment, she has vanished without a trace. Twenty hours later, Selena is found safe and well, but with no memory of where she has been. What took place in those missing hours, and are they linked to the discovery of a nearby murder?” (Klappentext, gekürzt)

The Missing Hours

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21: KWEI QUARTEY, “Gold of our Fathers”

“Darko Dawson has just been promoted to Chief Inspector in the Ghana Police Service—the promotion even comes with a (rather modest) salary bump. His new boss is transferring him from Accra, Ghana’s capital, out to remote Obuasi in the Ashanti region, an area now notorious for the illegal exploitation of its gold mines. The office is a mess of uncatalogued evidence and cold case files, morale is low. The body of a Chinese mine owner is unearthed in his own gold quarry.”

Gold of Our Fathers (Darko Dawson #4)

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krimis 2016, Christopher Charles, A.J. Hartley, Castle Freeman jr.

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22: Christopher Charles, “The Exiled”

  • Provinz-Drogen-Thriller mit gebrochener Hauptfigur
  • 320 Seiten, Mulholland Books, April 2016
  • nicht auf Deutsch, Goodreads: 4.12 von 5

“Back in the 1980s, Wes Raney was an ambitious New York City Narcotics Detective with a growing drug habit. Working undercover on a high-risk case, he made decisions that cost his career and his family. Now, Raney is the sole homicide investigator covering a two-hundred-mile stretch of desert in New Mexico. His solitude is his salvation-but it ends when a brutal drug deal gone wrong results in a triple murder. The Exiled is at once a riveting murder mystery and a brilliant portrait of a man on the run from himself.” (Klappentext, gekürzt)

The Exiled

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23: A.J. Hartley, “Steeplejack” [Jugendbuch]

  • Band 1 einer Steampunk-Young-Adult-Trilogie
  • 336 Seiten, Tor, Juni 2016
  • nicht auf Deutsch, Goodreads: 4.00 von 5

“Anglet Sutonga is 17. She makes a living repairing the chimneys, towers, and spires of Bar-Selehm. When Ang is supposed to meet her new apprentice, Berrit, she finds him dead. That same night the Beacon, an invaluable historical icon, is stolen. No one seems to care about Berrit’s murder—except for Josiah Willinghouse, an enigmatic young politician. He offers Ang a job investigating the death. With no one to help Ang except Josiah’s haughty younger sister, a savvy newspaper girl, and a kindhearted herder, Ang must rely on her intellect and strength to resolve the mysterious link between Berrit and the missing Beacon before the city descends into chaos.” (Klappentext, gekürzt)

Steeplejack (Alternative Detective, #1)

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…ich mochte auch Castle Freemans Provinz-Thriller “Männer mit Erfahrung” (Nagel & Kimche, Februar 2016) – ein schneller, sympathischer, aber recht flacher Kurzroman. Längere Einschätzung von mir: hier (Link)
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zwei weitere Autor*innen, von denen ich bald mehr lesen will (neueste Bücher von 2015):
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zwei aktuelle Comic-Reihen, die ich komplett las und die mich begeistern:
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the fade out

ED BRUBAKER (Text), SEAN PHILLIPS (Zeichnungen):

“The Fade Out”, Noir-/Krimi-Graphic-Novel, 15 Hefte in drei Sammelbänden, USA 2014 bis 2016.

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The Fade Out, Vol. 1: Act One[mehr] Charlie Parish ist Drehbuchautor – heimlich: Er macht den Job, für den sein Alkoholiker-Kumpel Gil bezahlt wird. Bei einer Party stirbt Hauptdarstellerin Valeria Summers. Charlie verliebt sich in Maya Silver – den jungen Star, der sie ersetzen soll. Während viele Szenen neu gedreht, das Drehbuch ständig ausgebessert wird, versucht er, sich an die Mordnacht zu erinnern.

Ich liebe Ed Brubaker seit „Gotham Central“. Seit 15 Jahren erzählt er immer wieder gefeierte historische Noir-Dramen um Detektive und Killer. In Band 1 und 2 bleibt „The Fade Out“ den klassischen Farben, Motiven, Tricks des Krimi- und Noir-Genres treu: Hollywood 1948. Kaputte Stars, Auf-, Absteiger. Bittere Geheimnisse. Verrat und Sünde. Ein glänzend recherchierter, toll gezeichneter Comic zweier Profis. Band 3 hat eine überraschende Auflösung, und macht die Reihe rückblickend noch deutlich besser:

stimmig, fesselnd, smart, detailverliebt… und wunderbar traurig.

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Stadt in der es mich nicht gibt
KEI SANBE (Text und Zeichnungen):

“Die Stadt, in der es mich nicht gibt”, Krimi-Manga mit fortlaufender Handlung, 8 Bände (2013 bis 2016)

“Satoru Fujinuma wird unerwartet in die Vergangenheit geschickt – für jeweils wenige Minuten und so oft, wie es nötig ist, um Verbrechen zu verhindern. Er hat sich mit diesem Lebensstil abgefunden. Doch plötzlich erlebt Satoru eine extreme Wiederholung: Er wird in seine Zeit als Grundschüler zurückgeschickt. Damals wurden Kinder aus seiner Klasse entführt und umgebracht. Schafft er es, die Entführungen zu verhindern?” [Klappentext, gekürzt]

  • Der Zeichenstil (wenige Details, seltsame Augen, Lippen, Kopfformen) wirkt lieblos…
  • …und dem kompletten ersten Band fehlt Schwung.
  • Ab Band 2 aber gewinnen Figuren und Geschichte so viel Farbe, Tiefgang, dass ich mir sicher war: Das kann auch über 30 Bände hinweg glänzend funktionieren. Ein schlichtes, aber eindrückliches Setting, ein überzeugend eskalierender Krimi-Plot, ein Autor, der an jeder Stelle GANZ genau zu wissen scheint, was er tut. Und: fünf, zehn Figuren, die simpel wirken, doch sehr schnell liebenswürdig, schlagfertig, immer komplexer werden. Grundschülerinnen, Teenager, Mütter, die ich SO noch nie gelesen habe, in Mangas.
  • Mit anderem Zeichenstil wäre die Reihe Publikumsliebling, Crowdpleaser, ein perfektes Geschenk: Band 1 holpert. Doch der Rest begeisterte mich, monatelang.

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[schon 2014 erklärt/gepostet:] Privat lese ich gern Thriller und Krimis – habe aber große Probleme mit:

  • …deutschen TV-Produktionen (auch “Tatort”)
  • …Procedurals / Krimi-Reihen / zu viel Schema F
  • …Autoren, die ihren Detektiv oder Bösewicht als Übermensch zeichnen
  • …schrulligem und reaktionärem Wohlfühlkram wie “Monk”

ca. 30 Referenzen: Krimi-/Thriller-/Spannungszeug, das ich mag:

“Veronica Mars”  |  Greg Rucka  |  Profiler (z.B. in “Millennium” und “Profiler”)  |  “In Cold Blood” und ähnliche True Crime-Titel  |  Noir  |  Hitchcock  |  “der Feind in meinem Bett”-Thriller und Domestic Suspense  |  “24”  |  “The Americans”  |  Ed Brubaker  |  “Twin Peaks”  |  femmes fatales  |  Satiren wie “Desperate Housewives”  |  Agenten, gern schrullig (“Spooks”, “Queen & Country”, “Mit Schirm, Charme und Melone”)  |  “Wild Things”  |  Cyberpunk und Urban Fantasy  |  Patricia Briggs’ “Mercy Thompson”-Romane  |  “Gotham Central”  |  “Panic Room”  |  “Mulholland Drive”  |  “American Psycho”  |  “Blacksad”

Kritik & Fazit: Queeres Literaturfestival “Empfindlichkeiten” am Literarischen Colloquium Berlin

Masha Gessen und Ricardo Domeneck beim Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm

Masha Gessen und Ricardo Domeneck beim Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin. Foto: Tobias Bohm

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Artikel in der taz (Stephan Hochgesand)
Audio-Feature bei WDR 5 (Jenni Zylka)
ausführlicher Blogpost (Englisch) von Übersetzerin/Bloggerin Katy Derbyshire
wurstig-desinteressierter Blogpost von Joachim Bessing
Fotos (Instagram)

Eröffnungsrede & Interview mit Thorsten Dönges (Künstlerische Leitung)
Interview mit Samanta Gorzelniak (Künstlerische Leitung)
Interview mit Ronny Matthes (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für „Empfindlichkeiten“

kurz vorgestellt: die literarischen Texte der Autor*innen
ausführliche Zitate: die persönlichen Statements/Texte der Autor*innen
drei Diskussionsrunden, Tag 2
drei Diskussionsrunden, Tag 3
Mainstream- oder Nischen-Veranstaltung? Blick aufs Publikum

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Vom 14. bis 16. Juli 2016 lud das Literarische Colloquium Berlin über 30 Schriftsteller*innen ein, öffentlich über Homosexualitäten in der Literatur und ihr eigenes Selbstverständnis als queere Schreibende zu sprechen: ein Literaturfestival mit Lesungen, Vorträgen, Panels, Performances und Konzerten.

„Empfindlichkeiten“!

Ich begleitete das Festival als Blogger, sammelte Stimmen, führte Interviews, schrieb Texte und bereitete Inhalte und Momente für Facebook, Twitter und Instagram auf. Katy Derbyshire schreibt: “The best place at the moment to find out what happened is the #Empfindlichkeiten tag at Stefan Mesch’s blog. Stefan was slogging away to document the panel discussions and events, posting interviews with writers and participants, and generally giving a really good impression of the festival. Great work!” Vielen Dank!

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Zum Abschluss, heute: mein Fazit als Literaturkritiker/Journalist.

Lose Notizen & Gedanken zu drei Tagen Festival – den Stärken, dem Potenzial und den Problemen.

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01_Angenehm kurze literarische Lesungen: An zwei von drei Festival-Abenden wurde Prosa/Lyrik vorgetragen, je 11 bis 15 Autor*innen, zwei Stunden und länger. Das wird hastig, fürchtete ich; zumal bei nicht-deutsch- oder nicht-englischsprachigen Autor*innen nach einer Passage im Original auch noch die englische Übersetzung nachgereicht wurde; gelesen von Katy Derbyshire oder Cameron Mathews. Tatsächlich aber hatte ich großen Spaß, in ungewohnt schneller Folge 11, 12, 15 Kurzlesungen zu hören – entschieden mehr, als 30, 50 Minuten Zuhör-Zeit mit einer einzigen Stimme/Text verbringen zu müssen: Die guten Texte waren Appetizer, machten Lust. Und was mir nichts gab, war nach zehn Minuten vorbei. Gern wieder!

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02_Marlen Pelny las holprig. Gunther Geltinger stolperte immer wieder über seine Sätze. Raziel Reid las im leiernd-melodiösen, auf mich zu affektiert wirkenden Tonfall, in dem fast alle nordamerikanischen Männer Prosa vortragen: ein schlaffer Singsang. Aber: Marlen Pelny gab danach ein Konzert. Geltinger war schlau, wach, ein Gewinn fürs Festival. Und Reid sagte im Diskussionspanel viel Kluges. Ich mag, wenn Autor*innen auf Festivals mehr als einen Auftritt haben, mehr als eine Rolle spielen. Nicht jede*r kann alles. Doch jede*r hatte bei “Empfindlichkeiten” Chancen, einen schlechten Eindruck oder ein schwächeren Text auszugleichen.

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03_Ich mochte, wie leidenschaftlich und präsent Thorsten Dönges durch die Tage führte: Er wirkte nie gehetzt oder aufgeregt – doch jede Geste machte klar, wie sehr ihm diese Begegnungen am Herzen liegen. Mit-Kuratorin Samanta Gorzelniak schien mir sehr aufmerksam, alert, eine gute Zuhörerin/Gastgeberin… ich wünschte nur, sie hätte öffentlicher gesprochen, moderiert, sich selbst mehr Raum als Expertin genommen. Und: Ich denke, die Kellner*innen und das Catering, die LCB-Belegschaft und die Technik sind zum Großteil heterosexuell. An keiner Stelle aber hatte ich den Eindruck, dass jemand amüsiert, exotisierend, von oben herab auf Autor*innen und Publikum blickt: “Huch. Heute haben wir vielleicht Leute hier bei uns im Haus… interessant!” o.ä.

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Empfindlichkeiten-Festival, 2. Festivaltag, 16.07.2016, Literarisches Colloquium Berlin

Ahmed Sami Özbudak. Foto: Tobias Bohm

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04_Es gab sechs große Diskussionsrunden – je vier bis sechs Auto*rinnen, dazu Moderation, ca. 70 bis 90 Minuten, je zweimal zum Stichwort “Körper”, “Maske”, “Schrift”. Die drei Begriffe waren zentral für Hubert Fichte, dessen “Geschichte der Empfindlichkeit” auch für den Namen des Festivals Pate stand. Doch besonders bei “Maske” führte das zu mürben Grundsatzdebatten um Begrifflichkeiten, Definitionen. Autor*innen, Akademiker*innen legen oft jedes Wort auf die Goldwaage. Fünf, sechs von ihnen einen Begriff wie “Maske” vorzusetzen, muss in Geschwafel enden. Das nächste Mal vielleicht lieber… eine offen formulierte Frage, als Motto/Leitbegriff der Runde?

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05_Meine beiden Lieblingspanels hatten nur vier Autor*innen (Freitag: “Körper” mit Perihan Magden, Roland Spahr, Antje Rávic Strubel, Michal Witkowski; Samstag: “Körper” mit Niviaq Korneliussen, Masha Gessen, Izabela Morska und Ricardo Domeneck; Zusammenfassung hier und hier). Gessen war so wortkarg, dass ich in 70 Minuten nur drei Menschen (plus Moderator) kennen lernen musste – viel schöner als die Sechser-Runden, auf denen jeder Gast zwei Sätze spuckt, dann wieder Statist*in bleibt, ohne Zeit für Wortwechsel, Dialoge, längere Gedanken. Mir gefällt, dass das Festival fast allen vorlesenden Autor*innen auch einen Platz in Diskussionspanels bot. Doch die Zusammensetzungen schienen beliebig, die Panels überfüllt, und viele Gäste gingen unter/blieben blass.

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06_Großartig, während der sechs Panels immer neu zu sehen: Abdella Taia, Angela Steidele, Saleem Haddad hören den Kolleg*innen interessiert, respektvoll zu, im Publikum und melden sich später mit kurzen Kommentaren, Fragen. [Auch Joachim Helfer, Kristof Magnusson und Hilary McCollum sah ich dauernd – sie kommentierten nur weniger.]

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07_Es waren deutlich mehr Männer als Frauen geladen – und einige Autor*innen blieben lange still. Besonders von Suzana Tratnik und Sookee hörte ich auf Panels fast nichts (Sookee war später, beim Vortragen/Rappen, toll). Masha Gessen, für mich der stärkste journalistische/literarische Text im Vorfeld, wirkte lustlos. (Bei den Männern gingen für mich Ahmet Sami Özbudak und Jayrome C. Robinet etwas unter.) Falls es ein Folge-Festival geben wird: mehr Frauen – und unbedingt Bedingungen schaffen, in denen sie mehr/länger sprechen können und wollen.

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Empfindlichkeiten-Festival, 2. Festivaltag, 16.07.2016, Literarisches Colloquium Berlin. Foto: Tobias Bohm

Hilary McCollum. Foto: Tobias Bohm

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08_Unter den Besucher*innen gab es kaum Teenager. Kaum Studierende. Ich sah keine englischsprachigen (Nur-) Besucher*innen (…obwohl fast jeder Satz auf Englisch gesprochen wurde). Auch Frauen 50+ – sonst: auf Lesungen das Gros des Publikums – fehlten. Interessant, dass ich (auch abends) keine schwulen/lesbischen Zärtlichkeiten und Public Displays of Affection sah. Nur zwei (ältere) heterosexuelle Pärchen, die sich küssten und streichelten.

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09_2008 war ich Mitglied der Künstlerischen Leitung von PROSANOVA. Es gibt keine perfekten Festival-Autor*innen – man wägt beim Einladen immer ab: Wer schreibt toll? Wer ist bekannt? Wer kann über seine Arbeit gut öffentlich sprechen? Wer ist nett? Wer ist Geheimtipp/Entdeckung? Und dann: Bitte auch eine große Bandbreite, Diversity, ausgewogenes Geschlechterverhältnis, interessante Unterschiede. “Empfindlichkeiten” löste, balancierte das recht gut – alles in allem.

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10_Mein Musikgeschmack ist recht eng/einseitig – deshalb ließen mich die vier, fünf Konzerte im Lauf des Festivals recht kalt. Aber: sehr gut, dass es sie gab! Genau wie das Orakel/Puppenspiel, der Auftritt der Drag Queen und, besonders, Künstlerin Martina Minette Dreier, die wie eine Gerichtszeichnerin Gäste und Besucher*innen skizzierte, portraitierte. Ich war lange in Toronto und mag Drag-Queens, die energisch, bitchy, dramatisch performen, moderieren oder lipsynchen. Das eher pointenlose Zwischenspiel der Drag Queen Oszillar am Eröffnungsabend erschien mir schlaff/lapidar – und drittklassig. Gern wieder Drag-Acts. Doch das geht besser!

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11_Ich kenne nur Festivals, bei denen zehn bis fünfzig Mitarbeiter*innen hochnervös in einem Festivalbüro jonglieren, schwitzen, kämpfen. “Empfindlichkeiten” hatte einen entspannten Büchertisch, solides Catering, jederzeit ansprechbare Gastgeber. Sympathisch, dass LCB-Leiter Florian Höllerer am Samstag noch bis Mitternacht Equipment und Bühnenteile durch den Garten schob/trug – doch selbst dabei schien niemand zu schwitzen: Das Festival war… fast surreal professionell. Hotels, Flüge, teilweise Dolmetscher*innen… Autor*innen, tagelang betreut – und ich sah nichts stocken, missglücken. Respekt!

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Marlen Pelnys Band Zuckerclub. Foto: Tobias Bohm

Marlen Pelnys Band Zuckerclub. Foto: Tobias Bohm

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12_Hubert Fichte gehört zu meinen Lieblingsautoren: 2007 las ich fünf seiner autobiografische Romane. Trotzdem irritiert mich, dass er (nur) auf den ersten Blick absurd zentral fürs Festival wirkte: Er ist auf dem Begrüßungsbanner abgebildet, der Programmtext besteht aus einem sehr langen Zitat, der Festivalname verweist auf die “Geschichte der Empfindlichkeit”. Während des Festivals spielte Fichte dann kaum eine Rolle: Viele Autor*innen, besonders aus dem Ausland, kannten ihn nicht oder wollten nichts über ihn sagen; die Ausstellung der Leonore-Mau-Fotos wirkte recht nebensächlich (…liegt sicher auch am Internet: zehn, fünfzehn großformatige Fotos, das hat für mich seit Google, Tumblr wenig Schauwert); und ich verstehe, dass Fichte ein wichtiger Gast am LCB war, 1963 – aber dann vielleicht doch lieber: ein Expertenvortrag von Roland Spahr; ein ausführlicher Flyer zu den Fotos; eine Website mit allen LCB-relevanten Zitaten/Passagen aus Fichtes “Die zweite Schuld”. Und: Kathrin Röggla ist in meinen Top 10 der angenehmsten, menschlich tollsten Auto*rinnen – doch ihre Fichte-Rede am Eröffnungsabend hat mich (…als jemand, der Fichte halbwegs kennt, sehr mag) überfordert: Ich konnte Röggla erst folgen, als ich die Rede nochmal schriftlich vor mir hatte. Ich höre Röggla gern frei sprechen. Ihre Texte lese ich mit Leuchtstift, Textmarker. Doch wenn sie eigene Texte laut verliest, bleibt für mich nie viel hängen.

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13_Ich bin nicht sicher, ob die nicht-deutschen Autor*innen verstanden, wie das LCB funktioniert, was es auszeichnet usw., und so sehr ich mich freue, dass “Empfindlichkeiten” ein öffentliches Festival war, keine geschlossene Tagung, frage ich mich: Braucht es genauere Fragen oder Aufgabenstellungen, eine Vorbesprechung, ein Briefing? Masha Gessen z.B. hatte offenbar erwartet, mehrere Tage lang Textarbeit/-exegese mit Kolleg*innen zu machen – und schien teilnahmslos oder enttäuscht.

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14_Toll, dass es einen Reader gab mit literarischen Texten (das meiste: in englischer Übersetzung), zum Blättern und Nachlesen. Bei vielen dieser Texte hatte ich das Gefühl, Autor*innen haben ihre lesbischste/schwulste Passage eingereicht, nicht die erzählerisch beste – doch das Lesen, Entdecken machte Spaß. VIEL besser aber fand ich die persönlichen Statements/Poetiktexte, die fast alle Gäste im Vorfeld des Festivals zusammentrugen. Ich las das als digitales .doc – und glaube, öffentliche Reader oder eine Online-Version wären fürs Publikum ein großer Gewinn gewesen [eine Blog-Version ist in Planung, und auch in “Sprache im technischen Zeitalter” werden die Statements noch einmal verlegt]. Sehr gut: Der Tagesspiegel/Queerspiegel druckte einige Essays im Rahmen der Festival-Berichterstattung. Saleem Haddads Text gehört zu den klügsten und für ein breites Publikum relevantesten – und ich bin froh, dass er so prominent in einer Tageszeitung erschien.

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14b_Mich irritiert, dass Niviaq Korneliussen in Diskussionen wortgleich die selben Sätze sagte, die sie im Statement / Essay formuliert hatte. Sie wirkte sympathisch, souverän – doch ich unterschätze oft, wie ungern viele Autor*innen einfach losreden, öffentlich frei erzählen. Wie macht man schreibenden Gästen klar: Alles kann – nichts muss?

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Empfindlichkeiten-Festival, 2. Festivaltag, 16.07.2016, Literarisches Colloquium Berlin

Cameron Mathews. Foto: Tobias Bohm

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15_Gut, dass auf Facebook zu “Empfindlichkeiten” eingeladen wurde: Ich hatte das Festival online recht früh auf dem Schirm und wurde immer wieder daran erinnert, wie viele Kolleg*innen und Bekannte kommen wollen. Die Infos auf der LCB-Website aber waren mir zu knapp und leidenschaftslos: keine Autor*inneninfos und -Fotos, kein Text über Ausrichtung und Stellenwert/Größenordnung/Zielgruppe des Festivals. Gab es auf dem Festival selbst nochmal ein längeres Programmheft – oder nur die Flyer? Falls nicht: Wer erklärt mir im Vorfeld des Festivals, wer Robert Gillett oder Mario Fortunato sind – und warum ich mich auf sie freuen soll?

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16_Ich wünsche mir Expert*innen für lesbische Literatur, ich wünsche mir Buchtipps, Fundstücke, Begeisterung: Ich habe lesbische Lieblingsautorinnen (z.B. meine Lieblings-Jugendbuchautorin, A.S. King), aber bin kaum anglophil und konnte mit Virginia Woolfs “Orlando” nichts anfangen. Der schwule Kanon ist dichter: Menschen verweisen auf Wilde oder Henry James oder Walt Whitman oder Marcel Proust. Doch fünfmal auf dem Festival zu hören: “Lesbische Liebe und lesbische Literatur bleiben unsichtbar – mit Ausnahme von… nehmen wir mal… als Beispiel: ‘Orlando’.” deprimiert mich. “Orlando” als Allzweckwaffe, ewig einzige Referenz – das kann nicht alles sein!

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17_Drei Gäste, die mir Mühe machten: Izabela Morska riss die Augen panisch auf und sprach viel zu schnell – bei mir kam nichts an, akustisch/inhaltlich, nie. Als sie am Abschlussabend einen Text vorlas – langsamer, verständlich – war ich ratlos: Ich weiß nicht, warum sie zwei Tage durch Sätze und Assoziationen rast, mit ängstlichem Blick, nervös und wirr. Und: Moderator Joey Hanson schien mir sympathisch – doch er benutzt Uptalk/Upspeak. Zum Ende jedes Satzes hob die Stimme, als stellte er… eine Frage? Das ist irrsinnig… anstrengend? Denn damit wirkt er… läppisch und… unvorbereitet? Er stellte die Bücher und Autor*innen in lustlosen, kurzen Floskel-Sätzen vor, als hätte er Zusammenfassungen aus Wikipedia kopiert. Und fragte ständig auf der Bühne nach, ob er einen Namen richtig ausspricht. Bitte: Lieber vorher fragen! Denn jeder Satz wirkte unsicher, uninformiert… und super-gleichgültig den Texten und Schreibenden gegenüber.

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18_Ich will nie wieder in einem Raum mit dem Poeten sein, der für die flachsten Gedanken zehn Minuten Redezeit braucht – doch jedes Mal genervt die Augen rollt, alles Interesse verliert, wenn jemand anderes spricht. Egoman. Rücksichtslos. Selbstverliebt.

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19_Eine Freundin, die oft auf Festivals eingeladen wird, muss sich gelegentlich zwingen, interessiert, dankbar, demütig zu wirken: “Für die Veranstalter ist ihr Event das Größte. Aber manchmal muss ich direkt danach zum Bahnhof weiter – habe einfach keine Zeit, mich einzuarbeiten.” Viele Autor*innen waren sehr präsent, respektvoll, interessiert: Luisgé Martin… obwohl er ohne Übersetzerin wenig verstand. Ricardo Domeneck… der auf Facebook oft polemisch misanthrop klingt, doch das ganze Festival über herzlich und geistreich wirkte. Edouard Louis… kritisch, aber ohne Allüren. Die Moderator*innen stellten fast nur weiche, freundliche Fragen. Niemand aus dem Publikum wollte sich mit Besserwisserei oder Polemik profilieren. Ich fand EINEN Gast unerträglich. Und zwei, drei weitere Autor*innen eher saturiert, gelangweilt. Doch überraschend viele Beteiligte hatten grandios großen Respekt vor dem Festival – und voreinander.

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20_Sollte ich einen längeren Artikel schreiben über die Poetiken und Standpunkte des Festivals, der Text würde von Abdella Taia handeln, Alain Claude Sulzer, Kristof Magnusson und Raziel Reid. Ich sage oft, dass mich klassische Fantasy-Konflikte wie “Herr der Ringe” deprimieren – weil die Figuren fast nur um Leib und Leben fürchten, fast alle Probleme auf den banalsten untersten Stufen der Maslow-Pyramide bleiben: “Habe ich Essen?”, “Obdach?”, “Sind die Pferde gefüttert?”, “Reicht der Proviant?” Am Eröffnungsabend hielt Abdella Taia eine (zu) lange Rede über die Entbehrungen, Verluste, den existentiellen Mangel, den er als junger Schwuler in Marokko erleben musste. Erschütternd. Aber: in simplem, recht kunstlosen Englisch und ohne komplexere psychologische Nuancen. Ein trauriger, einfacher Erklär-Text – der mir die Augen öffnet, aber nichts mit meinen eigenen, abstrakteren Baustellen zu tun hat, die viel höher auf der Bedürfnispyramide liegen: privilegiertere Fragestellungen, Selbstverortungen von queeren Thirtysomethings, die nicht um Leib und Leben fürchten. Magnusson und Reid schienen mir am wachsten, interessiertesten an aktuellem queeren Mainstream, an den Konflikten und Bruchstellen von Wohlstandskindern, den medialen Kulturkämpfen um queere Identität: Wonach schwule Männer in Marokko hungern, will ich lesen, aufnehmen, verstehen. Doch schreiben kann ich besser, wonach in meiner Welt gehungert wird. Älteren Autoren wie Sulzer, schien mir, sind solche Nachgeborenen-Diskurse eher fremd: Identity Politics. Queere Jugendbücher. PC. Schwulsein auf Tumblr. Die Strahlkraft glücklicher schwuler Pärchen in einer Sitcom oder Seifenoper. 50 Geschlechts-Optionen bei Facebook. Klingt alles erstmal läppisch – doch ich glaube, wir brauchen Essayist*innen, Erzähler*innen, Kulturbeobachter*innen – die erklären können, warum es große Fässer öffnet.

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lcb empfindlichkeiten literaturfestival stefan mesch

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zum Blog: Hin und wieder – drei-, viermal pro Jahr – begleite ich eine Lesung, Buchmesse, ein Festival oder andere literarische Events journalistisch, als Blogger. Als-Blogger-Berichten ist eine Sonderrolle, die mir auf Live-Veranstaltungen sehr liegt: Ich spreche auch gerne auf Podien oder moderiere – doch “nur” im Publikum zu sitzen, ist mir zu passiv. Als Blogger kann ich Interviews führen, Bücher finden/vorstellen und für/mit einer größeren digitalen Öffentlichkeit über Fragen, Programmpunkte und Ideen sprechen – öffentlich, online.

Ich mochte “Empfindlichkeiten” sehr. Habe drei Tage lang dokumentiert, gesammelt, zugehört. Nach Abschluss, jetzt, will ich noch einmal kritischer Bilanz ziehen: Festivals sind viel aufwändiger, teurer als das Verlegen einzelner Bücher. Doch wenn Buch- und Literatur-Macher Festivals planen, haben sie oft das Gefühl, viel weniger zu erreichen: ein paar höfliche Besucher, dankbare Gäste, wenige Artikel und Blogposts. Ich weiß, wie sehr ich mich selbst als Veranstalter jedes Mal nach Feedback, Texten, Dokumentation sehne. Und nahm mir deshalb vor, für “Empfindlichkeiten” vor allem mit den eingeladenen Autor*innen und Gästen zu sprechen. Text zu schaffen. Dokumentation. Bleibendes.

Für ein Festival bloggen, das heißt: Ich erhalte eine Aufwandsentschädigung und sehe mich, generell, “im Dienst” des Festivals. Ich halte fest, was mich interessiert, was mir gefällt und zeige in Texten, Snapshots, sozialen Netzwerken, womit/wobei ich mich wohl fühle und was ich im Programm spannend oder relevant finde. Für Kritik ist Platz. Doch ich bin Journalist, Literaturkritiker – und ein Buch bespreche ich lieber in Zeitungen, oft mit einer gewissen Härte. Und immer: Im Wissen, dass ich das Buch einschätzen kann, verstehe, überblicke. Literaturfestivals kann man schlecht überblicken, völlig verstehen, komplett einschätzen:

Jede*r Besucher*in erlebt andere Programmpunkte, hat andere Begegnungen, viel mehr Bewegungs- und Spielräume als beim Lesen eines Texts. Und: Festivals werden von Menschen gemacht, die MONATE ihres Lebens opfern. Es allen Recht machen wollen. Super-angespannt sind und tausend Bedürfnisse und Ansprüche berücksichtigen, gewichten müssen.

Ich finde es wichtig und legitim, als Privatperson in meinem privaten Blog nach Ende des Festivals öffentlich zu sagen: “Dieser EINE Gast war für mich unerträglich.”

Ich fände es legitim, denselben Satz auf den offiziellen Festivalblog zu stellen, während des Festivals – aber: lieber, wenn ich einer von mehreren Blog-Autor*innen bin, eine von mehreren Stimmen. Und ich verstehe, falls der Gast danach die Festival-Leitung fragt, warum er attackiert wird – auf einer Plattform des Festivals.

Ich finde es auch legitim, als Journalist für eine Zeitung über ein Festival zu richten. Aber: Dann wird aus “Stefan Mesch hasst den Lyriker, der nicht zum Punkt kommt” schnell “DIE ZEIT attackiert einen Lyriker und das Festival, das ihn eingeladen hat.” Alles denkbar. Aber: verschiedene Schwerpunkte, verschiedene Rollen.

Bei “Empfindsamkeiten” war ich sehr gern Blogger.

Das Festival für eine große Zeitung zu erklären und zu filtern, nach den Bedürfnissen, Interessen und dem Wissensstand eines Hetero-Mehrheitspublikums, hätte mir weniger Spaß gemacht.

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Internationales Festival "Empfindlichkeiten" 2. Festivaltag

Empfindlichkeiten-Festival, 2. Festivaltag, 16.07.2016, Literarisches Colloquium Berlin. Foto: Tobias Bohm

Queer Young Adult Literature, 2016: Raziel Reid

Raziel Reid

Raziel Reid

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Raziel Reid is a Canadian novelist and journalist living in Vancouver – and he both spoke and read at the 2016 “Empfindlichkeiten” Literature Festival in Berlin.

His young adult novel “When everything feels like the movies” (2014) was awarded the 2014 Governor General’s Literature Award for Children’s Literature. The German edition, “Movie Star” was published by Albino (2016).

Raziel’s Web Site  |  Raziel’s Twitter  |  Wikipedia  |  Instagram

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01_If someone call you „homosexual author“, you…

Show them how well I can hold a pen with my asshole.

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02_The most memorable moment of queerness in your childhood:

As a child I had an affair with a neighbour boy. The experience made its way into my novel Movie Star. He lived next door to my grandparents who were very religious. While my grandmother was upstairs in the kitchen baking pies for church charity events, he and I would be downstairs in the basement “playing”. We were nine or ten years old. There was a small fear that we might be caught, so we knew we were doing something worthy of getting in trouble for, but there was no shame. It was before society had gotten into our heads and made us self-conscious. It was instinctual and very passionate. I loved him.

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03_A queer book that influenced you (how?)…

“Faggots” by Larry Kramer was a quite stunning moment of my youth and inspired me to move to New York City. It introduced me to the queer underground world and helped me realize my life could be much more than what I’d been raised to believe it could be as a God-fearing Catholic boy. Kramer became my new God, and I’ve been a faithful disciple ever since.

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04_A different piece of queer culture (no book: something else) that influenced you (how?)…

I remember when Will & Grace started airing on TV in the ‘90s. It was the first time I’d seen gay characters. I knew I was gay but wasn’t yet comfortable with my identity. It was both a liberating and shameful experience. I grew up in a small Canadian town. My dad was so uncomfortable when Will & Grace came on he’d leave the room. My mom seemed to like Will, but was embarrassed by the more flamboyant character Jack. Early on it was in my head that it’s better to be a more “straight acting” gay guy like Will than to be effeminate like Jack, an idea which is still perpetuated today. So many gay guys on hookup apps are looking for “straight acting only” and “no fems”.

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05_In book stores, THESE are the authors/artists that you’d feel most honored to be placed next to:

Chuck Palahniuk, Ira Levin, Dennis Cooper, the Bible.

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06_A queer moment you’ve had in Berlin (or anywhere in Germany) that you’ll remember for a long time:

I spent this spring in Berlin, and during my first week here I attended the launch of Matt Lambert’s zine Vitium, which was published by my german publisher Bruno Gmünder. The launch was at Tom’s Bar which is rather infamous, and so I was introduced to the underground scene in Berlin and its artists while watching a live sex show. Quite memorable. I think I’ll have a live sex show at all my future launches!

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07_Name some experts, authors, activists, name some places, institutions and discourses/debates that formed/informed/influenced the way you see and understand queerness – and yourself:

During my youth Warhol’s factory was the first queer scene I became interested in. Warhol said, “In my movies, everyone’s in love with Joe Dallesandro” and everyone watching was too! I loved reading about all the Superstars and was emboldened by characters like Candy Darling and Holly Woodlawn. I felt like such a freak in my hometown, and they celebrated their freakiness — it’s what made them shine.

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08_Name some experts, authors, activists, places, institutions and debates/questions that deserve more recognition/need more love:

I recently read One-Man Show by Michael Schreiber which is composed of interviews with the 20th century New York artist Bernard Perlin. He was a fascinating personality and visionary, I enjoyed learning about his life very much. He was connected to many other queer figures like Paul Cadmus, Glenway Wescott, George Platt Lynes, Denham Fouts, and had interesting anecdotes to share about them all. Perlin is underrepresented. He evaved the AIDS plague while living in Greenwich Village when it first hit that community. His survival alone is heroic and worthy of investigation. I’m fascinated by tales from gay artists who lived through the epidemic. The amount of loss they’ve experienced, and the way it shaped them and their work is something which should always be honoured.

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09_Is there a queer figure/personality, a celebrity or a queer story/phenomenom that is very visible in the mainstream culture – and that makes you happy BECAUSE it is so visible?

James Franco is cool. He transcends sexual orientation which is very Hollywood, many people in the industry have fluid sexualities but they’re not all as open and willing to promote it the way he does out of fear of losing out on roles.

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10_If universities/academics talk about queer topics, you often think…

If only they had an imagination.

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11_A person (or, more general: an aspect of personality or appearance) that you find very sexy?

Gore Vidal because he stood up for what he believed in, and even when his beliefs were attacked or garnered him negative attention (as they often did), he didn’t back down. I admire his style.

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12_Are you queer? How does your queerness inform/relate to/energize your art? And, on the other hand: Has your queerness ever been in your way or be a difficulty for you?

I’m privileged to be from a progressive country, Canada – where my sexuality has helped propel my career forward. My first job as a writer was for a queer newspaper, my debut novel is an LGBT teen story and was originally published by a Canadian press known for its queer content and run by two gay men. My sexuality has served as a foundation for my literary work.

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13_There’s a video campaign that wants to prevent depressed queer teenagers from commiting suicide, „It gets better“. DOES it get better? How and for whom? When did it get better for you? What has to get better still?

“It” doesn’t get better. This world will always try to hurt you. What gets better is you. As you get older and find your footing you become wiser and more resilient.

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016:

Thorsten Dönges – Künstlerische Leitung des queeren Literaturfestivals “Empfindlichkeiten”, Literarisches Colloquium Berlin

Thorsten Dönges, Literarisches Colloquium Berlin, Foto von Mandy Seidler

Thorsten Dönges, Literarisches Colloquium Berlin, Foto von Mandy Seidler

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In all times men have been in love with men, women with women.

As E.M. Forster wrote: „There always have been people like me and there always will be“.

Christopher Isherwood called EM Forster the great prophet of our tribe. So have these people really aways been forming one tribe? One community? Or is it much more complicated?

I am glad that so many writers, scientists, translators, friends are joining our festival „Empfindlichkeiten“. In our times, there is maybe something many [queer] people might have in common. It is the experience of what we call Coming Out – and usually you don´t tell your Mama: “Listen, Mama, I am hetero, but don´t be sad or angry…”

Maybe these people even in our days are the people who know how it feels to look different or to walk hand in hand with another person and to be afraid of hostile reactions. There still is homophobia and there is transphobia – in Africa, Russia and Orlando. And in Europe, Germany and Berlin.

We have asked the participants of this festival, writers and scientists, to write short essays on our subject. Many of the essays we received reflect on political questions, on history and they think about which writers could be part of a kind of queer literary tradition. And there is the discussion, how integrated and normalized – or how dissident, subversive and radical queer life should be these days.

…and let me celebrate those who have made this festival possible, with their work, their enthusiasm, their help:
Thank you Samanta Gorzelniak. Christine Wagner, Laura Ott. Mandy Seidler. Samuel Matzner. Yann Stutzig. Ronny Matthes. Christian Schmidt. Thank you Florian Höllerer. Thank you, dear colleagues. Thank you Siegessäule for being our media partner! Thank you: JAK Slovenian Book Agency, Pro Helvetia. Canadian Embassy. Antidiskriminierungsstelle des Bundes. S Fischer Stiftung. Kulturstiftung des Bundes

Thorsten Dönges’ opening speech – shortened version

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Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin. Foto von Tobias Bohm.

Empfindlichkeiten-Festival, LCB, 16.07.2016, Berlin. Foto von Tobias Bohm.

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Thorsten Dönges, geboren 1974 in Gießen, studierte Germanistik und Geschichte in Bamberg. Seit 2000 ist er Mitarbeiter des Literarischen Colloquiums Berlin, wo er im Programmbereich insbesondere für die neuere deutschsprachige Literatur zuständig ist.

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Ich habe das Literaturfestival “Empfindlichkeiten” als Liveblogger begleitet; und sprach kurz vor Eröffnung mit Thorsten Dönges über Vorgeschichte und Ursprünge des Programms. Samanta Gorzelniak, Thorstens Partnerin in der Künstlerischen Leitung des Festivals, hat schriftlich auf meine Fragen geantwortet (Link hier). Mit Thorsten hatte ich ein zwangloses Gespräch. Hier ein – gekürztes – Protokoll/Transkript:

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Thorsten Dönges: Vor ein paar Jahren las ein Münchner Schriftsteller, Hans Pleschinski, hier am LCB aus seinem Thomas-Mann-Roman “Ludwigshöhe”. Es geht um alles Mögliche: Düsseldorf, die Aufarbeitung deutscher Vergangenheit… und eben auch: eine schwule Liebesgeschichte. Am nächsten Tag stand ich in der LCB-Küche. Und ein Kollege sagte, ganz freundlich: “Das war ja ein schwuler Abend, gestern.”

Da machte es Klack. Niemand würde nach einem Abend, bei dem ein Buch mit heterosexueller Liebesgeschichte vorgestellt wird, sagen: “Was für ein Hetero-Abend gestern. Schon spannend!” Mir wurde klar, dass die Rezeption einfach anders ist – und damit sicher auch der Schreibprozess. Autoren fragen sich: “Für wen schreibe ich das? Wer wäre vielleicht sogar dagegen, falls in meinem Roman ein Frauenpaar auftaucht?” Was macht das mit dem Text – mit der Produktion, und mit der Rezeption?

Es gab so viele Abstimmungen in den letzten Jahren: Ein Land führt die Ehe für alle ein. Andere lehnen sie ab. Schriftsteller beobachten das sehr wach. Sie nehmen daran teil – doch wie mischt man sich ein, als Autor? Dichter in Russland, deren Arbeit dann plötzlich als jugendgefährend gilt, als homosexuelle Propaganda… das sind so unterschiedliche Arbeits- und Schreib-Bedingungen…

“Autorentreffen”, das heißt: 20 oder 30 Leute sitzen um einen Tisch und sagen “Mir geht es folgendermaßen, als lesbische Autorin” – “Mir geht es anders. Ich will gar nicht so sehr als lesbische Autorin wahrgenommen werden.” – “Ich aber sehr wohl! Ich kämpfe total.” Das fand ich spannend – aber nicht spannend genug. Also sagten wir: Wir machen ein Festival. Wo dieser Austausch vorkommt. Aber eben auch: Performances, Musik, Lesungen – ein größerer Rahmen.

Hubert Fichte fragt in “Die zweite Schuld”: Gibt es einen Stil der homosexuellen Literatur? Henry James, dieses indirekte Sprechen… und das ist unser Aufhänger, als These und kleine Provokation. Klar, dass niemand antwortet „Zeig mir fünf Zeilen eines Schriftstellers und ich weiß: Sie ist lesbisch – oder eine Hetera mit acht Kindern.“ Doch als Gedankenspiel, um die Diskussion zu öffnen, fand ich Fichtes Frage interessant. Warum überhaupt Fichte? Ich weiß: Er wird selten übersetzt und hat international wenig Einfluss. Aber seine Geschichte mit dem LCB… in „Die zweite Schuld“ gibt es dieses große Interview mit Walter Höllerer. Er schreibt über die Anfänge des Hauses und die etwas niedliche Art, eine Schreibschule zu installieren.

Was mich herausforderte: Fichte liebt die Provokation – und denkt, die sind dort eigentlich alle… Fichte hatte überall diesen Homophobie-Verdacht: bei Grass und all den Lehrern hier. Er konfrontiert sie alle damit. „Wie haltet ihr es eigentlich so mit Arschfickern?“ Das wäre ein Satz, den er benutzt hätte, 1963. Und gerade das wieder hier ins Haus reinzubringen, fand ich sehr…

Ich hätte gern noch Alan Hollinghurst hier gehabt: Er schreibt an einem neuen Buch und sagte sehr britisch-freundlich ab. Genauso Ali Smith. Murathan Mungan, der wichtigste… ein enfant terrible in der Türkei. Meine Ko-Kuratorin Samanta Gorzelniak und ich haben uns gut ergänzt. Uns beiden lagen Autor*innen am Herzen, die der andere noch gar nicht kannte. Ich selbst mag Gunther Geltingers Bücher und freue mich sehr, dass er dabei ist. Antje Rávic Strubels aktuelles Buch, „In den Wäldern des menschlichen Herzens“, ist großartig. Aber das ist gemein: Wenn ich jetzt einzelne heraushebe.

Ich hatte noch nie vor einem Projekt so viel Respekt – denn irgendjemand fühlt sich immer ausgeschlossen. Oder alle sagen: „Kalter Kaffee: Wir haben doch schon Gleichgestellung.“ Doch die Reaktionen und die Essays und Statements der eingeladenen Autor*innen fand ich großartig – wie viel Herzblut. Und auch, 2016: wie viel Ratlosigkeit.

Wir wollten anfangs ein europäisches Festival. Asien, das wäre nochmal ein ganz anderes… das hätte mich überfordert. Aber dann weitete es sich aus: Wir wollten nach Russland schauen. So kam Masha Gessen ins Spiel – die aber in New York lebt. Dann Ricardo Domeneck – der aus Brasilien kommt, aber in Berlin lebt. Das waren finanzielle Grenzen. Am Anfang schrieben wir von “europäischen Autor*innen”. Jetzt sind wir international. Man könnte auch Michael Cunningham aus den USA einladen. Leute aus Vietnam, Thailand. Wäre sicher spannend – was Japaner zu unseren Fragestellungen sagen. Ob man überhaupt Leute findet, die gern kämen.”

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016:

Samanta Gorzelniak – Künstlerische Leitung des queeren Literaturfestivals “Empfindlichkeiten”, Literarisches Colloquium Berlin

ein schnelles Selfie von Samanta Gorzelniak am LCB

ein schnelles Selfie von Samanta Gorzelniak am LCB

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Queere Literatur – aus Europa und der Welt: Vom 14. bis 16. Juli 2016 veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LCB, am Wannsee) ein Festival zu Homosexualitäten – “Empfindlichkeiten” (mehr Infos in der Spex und auf der LCB-Website).

Ich begleite das Festival als Liveblogger… und stelle bis Sonntag mehreren Künstler*innen, Autor*innen und interessierten Besuchern kurze Fragen zu Queerness, Widerstand und dem Potenzial homosexueller Literatur.

bisher erschienen Interviews mit…

Katy Derbyshire (Link)  |  Kristof Magnusson (Link)  |  Angela Steidele (Link)  |  Hans Hütt (Link)  |  Hilary McCollum (Link)  |  Saleem Haddad (Link)  |  Luisgé Martin (Link)

…und, aus dem LCB-Team, Ronny Matthes (Link).

Samanta Gorzelniak und Thorsten Dönges sind die Künstlerische Leistung des Festivals.

Samanta Gorzelniak, geboren 1978 in Leipzig, ist promovierte Philologin. Sie übersetzt aus dem Polnischen und forscht über Autorinnen der polnischen Romantik. Samantas Website (Link)

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01_Seit wann planst du – zusammen von mit Thorsten Dönges – das Festival?

Letztes Jahr fragte Thorsten, ob ich an der Konzeption usw. beteiligt sein will. Natürlich wollte ich! Thorsten als… ich sag mal: Buchmensch hat einen etwas anderen Zugang zum Thema als ich – ich habe eine literaturwissenschaftliche Sozialisierung und bin in einer anderen queeren Szene unterwegs, in anderen, sagen wir: Zusammenhängen. Aber unsere Schnittpunkte sind die Literatur – und das Nicht-Heteronormative. Und das ist eine gute Mischung!

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02_Was war Grundidee und -Konzept?

Menschen aus möglichst verschiedenen Kontexten, die schreiben, intensiv lesen und Berührungspunkte / Erfahrungen mit queeren Themen haben, zusammenbringen – und sie miteinander reden, einander kennen lernen zu lassen. Die Gemeinsamkeiten ausloten und sich an Differenzen freuen. Vernetzung. Ich glaube, dass unsere Gäste sich verschiedene Fragen stellen und unterschiedliche Dinge für überholt, aktuell, interessant usw. erachten… das liegt ganz klar am Kontext. Und am Grad der Vernetzung, des Austausches, der Solidarisierung.

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03_Wie hat sich das im Lauf der Planung geändert? Musstet ihr irgendwas umschmeißen oder neu denken?

Als uns das Treffen von AutorInnen zu langweilig erschien und wir über Performances, Musik usw. nachdachten, wurde klar: Es wird einfach öffentlich fett eingeladen, Werbung gemacht – viel Publikum ist willkommen!!

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04_Worauf / worüber freust du dich besonders?

Mit Menschen zu sprechen, deren Texte ich seit Jahren kenne und verehre. Diese widerum miteinander in Kontakt gehen zu sehen. Über viele einander zugewandte, aneinander interessierte, liebevolle Menschen. Über Msoke habe ich mich mächtig gefreut und Hilary McCollum [Q&A hier: Link] – sie haben ihren eigenen positiven Wind in die Veranstaltungen gebracht. Aber hey: alle sind toll!

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05_Warum Hubert Fichte, immer noch? Ist er – nach 50 Jahren – noch immer der prominenteste progressiv queere deutschsprachige Autor? Ist das nicht… traurig/schade? [Das Festival ist nach Fichtes “Geschichte der Empfindlichkeit” benannt und wurde mit einer Ausstellung der Fotos von Fichtes Partnerin Leonore Mau eröffnet.]

Fichte ist für mich eine Art Aufhänger – und seine Geschichte ist mit der des LCB verwoben, das bietet sich natürlich an. Außerdem hat er kluge Fragen gestellt, die uns auch immer noch bewegen, tatsächlich. Das bedeutet nicht, dass nichts passiert im Laufe der Zeit.

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06_Ein queeres Buch, das dich beeinflusst hat?

Alma von Izabela Morska (damals hieß sie Izabela Filipiak). Es ist nicht ins Deutsche übersetzt. Aber ich bin dran🙂

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07_Zu viele Menschen denken bei „Homosexualität“ zuerst oder fast nur an schwule Männer. Ich wünschte, stärker in den Fokus rücken…

Transmenschen!

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all my 2016 interviews on Queer Literature:

…and, in German:

Kuratoren & Experten am Literarischen Colloquium Berlin: 

Queer Literature: “Empfindlichkeiten” Festival 2016: